Israel: Ein neuer Tigerstaat?

Der vorliegende Amerika Dienst Artikel enthält Auszüge einer Rede des Staatssekretärs Stuart E. Eisenstart vor der israelisch-amerikanischen Handelskammer. Durch die Stabilisierung Israels ist es den Vereinigten Staaten möglich, nun mehr die Rolle des strategischen Wirtschaftspartners einzunehmen. Lesen Sie mehr über die Aussichten Israels Ende der 90er-Jahre, sich zu einem Tigerstaat zu entwickeln.

(Anmerkung: Orthographie und Interpunktion sind dem Originaltext nachempfunden. Der Wortlaut des vorliegenden Textes wurde originalgetreu dem Artikel des Amerikadienstes entnommen.)

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Tel Aviv – Der Staatssekretär im US-Wirtschaftsminsterium, Stuart E. Eizenstat, erklärte in einer Rede am 06. August 1996 vor der israelisch-amerikanischen Handelskammer, man gehe davon aus, daß Israel das Äquivalent eines „asiatischen Tigers“ im Nahen Osten werden könnte, „falls Israel und seine Nachbarn auf dem Weg zum Frieden bleiben“. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede von Staatssekretär Eizenstat.

Die israelisch-amerikanischen Beziehungen haben sich so weit entwickelt, daß die US-Regierung nicht mehr nur Auslandshilfe gewährt oder ein strategischer Sicherheitspartner ist – so wichtig das auch sein mag. Die Vereinigten Staaten haben jetzt auch die Rolle eines strategischen Wirtschaftspartners übernommen, der zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der israelischen Geschichte einen Beitrag zum Aufbau einer stärkeren und gesunderen israelischen Volkswirtschaft leistet. Erstmals können wir uns jetzt gegenseitig als echte Wirtschaftspartner betrachten und unsere handels- und wirtschaftspolitischen Differenzen von unseren politischen und diplomatischen Belangen trennen – wie wir es mit anderen Ländern tun. Wir haben florierende Handelsbeziehungen im Volumen von 12 Milliarden Dollar – ein 12prozentiger Anstieg im Vergleich zum Vorjahr – womit Israel auf der Liste unserer weltweiten Handelspartner an die 18. Stelle rückt und im Nahen Osten unser zweitgrößter Handelspartner ist. Amerikanische Unternehmen haben in Israel Investitionen im Wert von 3 Milliarden Dollar getätigt. Unser Freihandelsabkommen wurde jetzt nach einer zehnjährigen Einleitungsphase vollständig in Kraft gesetzt. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind stark – könnten jedoch sogar noch besser sein. Eine unserer obersten handelspolitischen Prioritäten ist der Abschluß des Abkommens über die Landwirtschaft, das den israelischen Agrarmarkt noch stärker für amerikanische Produzenten öffnen soll.
Über die Jahre hinweg haben die Vereinigten Staaten Israel Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe gewährt, was einen beträchtlichen Anteil unserer gesamten jährlichen Auslandshilfe ausmachte.
Ebenso wie in den vergangenen Jahren bleiben wir einer Aufrechterhaltung unserer Wirtschafts- und Militärhilfe für Israel verpflichtet. Gleichzeitig engagieren wir uns dafür sicherzustellen, daß Israel wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen kann. Daher haben wir seit Anfang 1985 in systematischer partnerschaftlicher Arbeit mit Israel dem Land bei der notwendigen Reform seiner Wirtschaft geholfen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Israel historisch gesehen keine nennenswerte Tradition freier Marktwirtschaft. Eine große Partei war sozialistisch, die andere populistisch, und es gab nur eine winzige Partei, die sich für die freie Marktwirtschaft einsetzte. Im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelte sich die israelische Wirtschaft jedoch beträchtlich weiter. Von 1948 bis 1973 befand sich der Staat Israel in seiner Aufbauphase – einer Zeit beträchtlichen Wachstums und der Entwicklung, in der eine moderne Infrastruktur geschaffen und Militärtechnologie von Weltklasse entwickelt wurde. Die jährlichen Wachstumsraten betrugen zwischen 1960 und 1973 bei einstelliger Inflationsrate im Durchschnitt real 9 Prozent. Nach dem Jom Kippur-Krieg und der enormen Erhöhung des Ölpreises durch die OPEC durchlief Israel seine zweite Phase, in der die Militärlast des Landes wuchs und sich das Wirtschaftswachstum verlangsamte. 12 Jahre lang verzeichnete Israel fortgesetzt niedriges Wachstum sowie erst zweistellige, dann dreistellige Inflationsraten. Bis 1985 stieg die Inflation explosionsartig an – bis zu 400 Prozent –, es gab eine große Konsumwelle, einen gefährlichen Run auf Devisenrücklagen, ein Haushaltsdefizit von bis zu 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sowie Auslandsverschuldung in Höhe von netto 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
In dieser Zeit wurde eine dritte Phase in der Wirtschaftsgeschichte Israels eingeleitet. Die Koaltionsregierung von Shimon Peres und Jitzhak Shamir führte harte und wirksame Steuerreformen durch. Zum ersten Mal waren die Vereinigten Staaten direkt an der Gestaltung der israelischen Volkswirtschaft beteiligt. Die Vereinigten Staaten und Israel gründeten die Gruppe für gemeinsame Wirtschaftsentwicklung (Joint Economic Development Group – JEDG) und leiteten damit eine neue Ära in der Wirtschaftsgeschichte Israels ein. Dies war eine äußerst erfolgreiche Initiative, obwohl sie unter der vorherigen Administration brachlag. Unter der Clinton-Administration haben wir sie erneut belebt, und letzten Herbst feierte sie ihr zehnjähriges Bestehen. Sie half Israel bei der Durchführung bedeutender ökonomischer Strukturreformen. Ferner schlossen die Vereinigten Staaten und Israel in diesem Zeitraum (1985) das Freihandelsabkommen ab, das heute vollständig in Kraft getreten ist.
Angesichts des Zustroms von Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion sowie aus Äthiopien erkannte Israel, daß es eine große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen würde. 1990 beschloß die israelische Regierung, die US-Regierung um Bürgschaften für Geschäftskredite zu bitten. Das Bürgschaftsprogramm in Höhe von 10 Milliarden Dollar verschaffte Israel den dringend benötigten Zugang zu Kapital, ohne seine Abhängigkeit von amerikanischer Auslandshilfe zu erhöhen. Israel setzte das Kreditbürgschaftsprogramm erfolgreich zum Ausbau seiner Infrastruktur ein – eine große Leistung der Regierung Rabin. Im Rahmen des Kreditbürgschaftsprogramms baute Israel Straßen und leitete größere Infrastrukturprojekte ein, die das Land auf den Zustrom von Investitionen aus dem Ausland vorbereiteten. Ohne diese Infrastruktur hätte Israel keine ausländischen Investoren ins Land bringen oder dort halten können.
Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens von 1993 mit den Palästinensern und des Friedensvertrags mit Jordanien im Jahr 1995 begann die vierte Phase in der israelischen Wirtschaftsgeschichte. Israel hatte eine der niedrigsten Quoten ausländischer Direktinvestitionen pro Kopf der Bevölkerung, und auf vielen Märkten wurde durch den sekundären und tertiären Boykott der Araber der Absatz israelischer Produkte wirksam verhindert. Der Friedensprozeß hat das dramatisch verändert. Tatsächlich gab es eine echte Friedensdividende für Israel. Israel öffnete sich der Welt und die Welt öffnete sich Israel. Ausländische Investitionen, darunter Geld asiatischer und sogar amerikanischer Unternehmen, die Israel früher gemieden hatten, flossen ins Land und stiegen von 300 Millionen Dollar im Jahre 1993 auf 2 Milliarden Dollar im Jahr 1996 an. Gleichzeitig kamen Waren aus aller Welt nach Israel. Es gab einen starken Anstieg israelischer Exporte auf Märkten, die durch den Friedensprozeß geöffnet wurden. Die Exporte in den Fernen Osten wuchsen seit 1993 um 80 Prozent – von 2,5 Milliarden Dollar 1993 auf 3,8 Milliarden Dollar im letzten Jahr. Japan ist jetzt der zweitgrößte Absatzmarkt Israels, und der Anstieg israelischer Exporte dorthin ist verblüffend – von 769 Millionen Dollar 1993 auf 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 1995. Die israelischen Exporte wuchsen auch auf anderen Märkten, beispielsweise Südamerika, wo sie von 319 Millionen Dollar 1993 auf 454 Millionen Dollar 1995 anstiegen.
Israel ist für seine Hochtechnologieexporte von Weltklasse bekannt, beispielsweise Computersoftware und medizinisches Gerät.
Die Ergebnisse waren verblüffend (…)

Dieser Artikel erschien im Amerikadienst vom 21.08.1996 unter dem Tittel "Friedensprozess könnte Israel zum "asiatischen Tiger" des Nahen Ostens machen – Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat". Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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