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                  <text>amcrika&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeben U. S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Liebe Leser,&#13;
vor genau 50 Jahren ist der Amerika Dienst zum ersten Mal erschienen. Im Zeitalter&#13;
der Datenautobahn möchten auch wir der Papierflut Einhalt gebieten und werden den&#13;
Amerika Dienst ab dem 24. März 1999 nur noch in elektronischer Form herausgeben.&#13;
Anhand der Besucherzahlen unserer Webseite sehen wir, daß der elektronische&#13;
Amerika Dienst bereits regen Anklang findet. Ihren häufigen Besuchen sehen wir&#13;
erwartungvoll entgegen. Wir hoffen, Sie freuen sich über das beigefügte Mousepad&#13;
und wünschen Ihnen viel Spaß beim Surfen!&#13;
Als zusätzlichen Service bieten wir die Zustellung des Amerika Dienst per E-Mail an!&#13;
Sobald die Artikel übersetzt sind, werden sie Ihnen im txt- oder html-Format kostenlos&#13;
zugeschickt. Anmeldungen bitte unter dem Stichwort "subscribe amerikadienst" und&#13;
der Angabe von "txt" oder "html" an "webmaster@usembassy.de". Oder besuchen Sie&#13;
unsere Homepage und melden Sie sich online an.&#13;
&#13;
http://www.us-botschaft.de/amerikadienst&#13;
http://www.usembassy.de/amerikadienst&#13;
&#13;
Mit freundlichen Grüßen&#13;
&#13;
&lt;§**&#13;
Anne M. Chermak&#13;
Presseattache&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�amcrikci&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeben U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462C&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
05&#13;
&#13;
NATO&#13;
&#13;
DIE NATO UND KONFLIKTLÖSUNG&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
EINE NEUE NATO FÜR EIN NEUES ZEITALTER&#13;
Rede des Stellvertretenden Außenministers&#13;
&#13;
CAVALESE&#13;
&#13;
DIE USA ÜBERNEHMEN VERANTWORTUNG&#13;
Erklärung des Verteidigungsministers&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
TRANSATLANTISCHE ZUSAMMENARBEIT&#13;
BEI DER KONFLIKTLÖSUNG&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
LASSEN SIE UNS ZUSAMMENARBEITEN,&#13;
DAMIT DIE WTO FUNKTIONIERT&#13;
von Botschafter John C. Kornblum&#13;
SUMMERS SIEHT NOTWENDIGKEIT FÜR&#13;
MARKTWACHSTUM UND REFORM DER&#13;
WACHSTUMSMÄRKTE&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�NATO&#13;
&#13;
24.März 1999&#13;
&#13;
Die NATO und Konfliktlösung&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
HAMBURG (AD) Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika&#13;
in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, vorder Bundeswehr Führungsakademie in Hamburg vom&#13;
16. März 1999.&#13;
&#13;
Dies ist ein wichtiger Anlaß für mich. Er hat auch&#13;
große persönliche Bedeutung. Joe Kruzel und ich&#13;
haben eng zusammengearbeitet und sind Freunde&#13;
geworden. Zusammen mit zwei anderen Freunden&#13;
und Kollegen starb er im Dienst für den Frieden. Am&#13;
Morgen des 9. August 1995 machten sich Joe Kruzel,&#13;
Oberst Nelson Drew und Botschafter Robert Frasure&#13;
als Teil einer amerikanischen Delegation auf den Weg&#13;
nach Sarajevo, um den Plan zu verwirklichen, den&#13;
Krieg in Bosnien zu beenden.&#13;
&#13;
Die Erwähnung dieser anderen Beispiele von&#13;
Konflikten bedeutet nicht, daß ich dort eine aktive Rolle&#13;
der NATO erwarte.&#13;
Aber die Liste möglicher&#13;
Krisenherde ist unglücklicherweise lang. Wir müssen&#13;
uns an die Ursprünge der NATO erinnern.&#13;
Außenministerin Albright erklärte beim NATOMinistertreffen am 8. Dezember in Brüssel: "Vor&#13;
nahezu 50 Jahren ging eine Generation aus dem Krieg&#13;
mit dem festen Willen zu Frieden hervor. Diese&#13;
Generation schuf ein Bündnis zur Verteidigung der&#13;
&#13;
Ich habe Gerd Wegner noch länger gekannt und noch&#13;
länger mit ihm zusammengearbeitet als mit Joe Kruzel.&#13;
Er ging nach Bosnien, um den Frieden zu bewahren,&#13;
den die Reise hervorgebracht hatte, auf der Joe Kruzel&#13;
und seine Kollegen starben. Noch weitere Amerikaner&#13;
kamen bei dem Hubschrauberabsturz ums Leben. Sie&#13;
starben gemeinsam bei ihrem Bemühen, das Leben&#13;
anderer zu retten. Gerd kam zu mir mit der Nachricht,&#13;
daß ihm eine Stelle beim Hohen Repräsentanten&#13;
angeboten worden sei. Ich empfahl ihm wärmstens,&#13;
das Angebot anzunehmen. Ich warnte ihn, daß das&#13;
Leben hart, aber es wert sein würde. Ich werde ihn&#13;
immer hochachten.&#13;
&#13;
denjenigen, denen die Freiheit verweigert wurde,&#13;
ebenso viel bedeuten würde wie denjenigen, die seine&#13;
Segnungen bereits erfuhren."&#13;
&#13;
Freiheit, das im gesamten Verlauf des Kalten Krieges&#13;
&#13;
Die Bedeutung dieses Opfer wird auf traurigerweise&#13;
unterstrichen durch die Schlagzeilen der heutigen&#13;
Zeitungen.Botschafter Holbrooke reißt wieder nach&#13;
Belgrad, um sich mit einem weiteren Konflikt auf dem&#13;
Balkan zu befassen. Die Kontaktgruppe trifft sich&#13;
wieder mit Kriegsparteien zusammen - dieses Mal&#13;
handelt es sich um Kosovo.&#13;
Das Thema, das ich heute ansprechen möchte - die&#13;
NATO und Konfliktlösung - hat bedauerlicherweise&#13;
mehr als historische Bedeutung. In Bosnien herrscht&#13;
wieder Frieden. Die Rolle der NATO besteht weiterhin&#13;
in der Sicherung des Friedens. In Kosovo, auf Zypern&#13;
oder im Kaukasus wurde noch kein Frieden erzielt.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Dieser Vortrag ist Joe Kruzel und Gerd Wagner sowie&#13;
Nelson Drew und Robert Frasure und all den anderen&#13;
gewidmet, die bei der Bewahrung des Friedens ihr&#13;
Leben ließen. Aber wenn wir ihrer gedenken, blicken&#13;
wir auch in die Zukunft. Ich denke, man kann mit&#13;
ziemlicher Sicherheit sagen, daß kein anderes Thema&#13;
des Kalten Krieges mehr Probleme aufgeworfen hat&#13;
als die Verbreitung lokaler Konflikte. Und keine andere&#13;
Aufgabe hat den Kurs und Inhalt unseres Bündnisses&#13;
stärker beeinflußt als die Rolle der NATO bei der&#13;
Bewältigung der Herausforderung durch lokale&#13;
Konfrontationen.&#13;
In fünf Wochen werden die Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
der&#13;
NATO&#13;
in Washington&#13;
zusammenkommen, um das 50-jährige Bestehen des&#13;
Bündnisse zu feiern. Es wird viel zu feiern geben. Vor&#13;
allem werden wir das Ende des Kalten Krieges&#13;
besiegeln, indem wir drei neue Mitglieder aufnehmen.&#13;
Polen, Ungarn und die Tschechische Republik&#13;
gehörten einst zu einem feindlichen Bündnis. Ihre&#13;
Mitgliedschaft in der NATO wird den Kampf um Einfluß&#13;
in Zentraleuropa ein für alle Mal beenden. Zum ersten&#13;
Mal in seiner Geschichte wird Deutschland von&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Verbündeten und Partnern umgeben sein. Der&#13;
Circulus vitiosus von Krieg und Konfrontation in dieser&#13;
Region wird für immer durchbrochen sein.&#13;
Aber der Sieg über eine Herausforderung hat die Tür&#13;
zu einer anderen geöffnet. Am Vorabend des 10.&#13;
Jahrestages des Falls der Berliner Mauer sieht sich&#13;
der Westen mit einer Herausforderung konfrontiert, mit&#13;
der man in jenen euphorischen Tagen des Jahres&#13;
1989 nie gerechnet hätte. Das Verschwinden der OstWest-Konfrontation hat viele Vorteile gebracht. Europa&#13;
ist wirklich ungeteilt und im Großen und Ganzen frei.&#13;
Aber als die Zwänge der nuklearen Konfrontation&#13;
wegfielen, taten das auch die Beschränkungen von&#13;
Konflikten. Ironischerweise scheint der Kalte Krieg die&#13;
gesamte Welt in eine Art Nichtverbreitungsvertrag für&#13;
lokale&#13;
Konflikte&#13;
eingezwängt&#13;
zu&#13;
haben.&#13;
Meinungsverschiedenheiten, von denen man einst&#13;
dachte, sie seien in die Geschichte verbannt worden,&#13;
sind wieder gewaltsam ausgebrochen.&#13;
Offensichtlich erduldete die Welt zwischen 1945 und&#13;
1989 viele Kriege und Konfrontationen. Aber es waren&#13;
für gewöhnlich politische oder militärische Konflikte,&#13;
die sich aus einer geopolitischen Dysfunktion wie im&#13;
Nahen Osten oder in Vietnam ergaben. Manchmal&#13;
wurzelten sie im Zusammenbruch des Kolonialismus.&#13;
Oder sie waren bloß Stellvertreteraggressionen, die&#13;
sich aus der umfassenderen Ost-West-Konfrontation&#13;
ergaben.&#13;
Auf rein lokalen oder kulturellen&#13;
Meinungsverschiedenheiten gründende Kämpfe waren&#13;
sehr viel weniger verbreitet.&#13;
Seit&#13;
1989&#13;
ist&#13;
das&#13;
Gegenteil&#13;
der&#13;
Fall.&#13;
Stellvertreterkriege sind buchstäblich verschwunden.&#13;
An ihre Stelle ist eine Vielzahl von begrenzteren&#13;
Disputen getreten, die häufig so lokal sind und so&#13;
obskure Ursachen haben, daß eine Definition&#13;
unmöglich ist. Die Themen, um die es geht, lassen&#13;
manchmal eine Lösung mit normalen Methoden der&#13;
Diplomatie oder sogar dem Einsatz von militärischer&#13;
Gewalt nicht zu. Lösungen sind gewöhnlich kurzlebig&#13;
oder kompliziert anzuwenden.&#13;
Diese neue Herausforderung ist so groß, daß sie sich&#13;
wie ein roter Faden durch die Gespräche in&#13;
Washington ziehen wird.&#13;
Unsere Freude, neue&#13;
Mitglieder willkommen zu heißen, wird durch die&#13;
nüchternen Tatsachen getrübt, mit denen wir uns&#13;
konfrontiert sehen. Das strategische Konzept des&#13;
Bündnisses wird der veränderten Situation ebenso&#13;
Rechnung tragen wie die sich daraus ergebenden&#13;
Verteidigungsarrangements. Und in guter NATOTradition kann man ziemlich sicher sagen, daß es&#13;
Meinungsverschiedenheiten geben wird. Das Ausmaß&#13;
und die Aufgabe der Reaktionen der NATO werden&#13;
noch vehement diskutiert.&#13;
Die Methoden zur&#13;
Bewältigung von Konflikten sind neu und unerprobt.&#13;
Neue Strategien müssen entwickelt werden.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Regionale Konflikte stellen die Demokratien der&#13;
euroatlantischen Welt vor besondere politische und&#13;
philosophische Herausforderungen. Das anbrechende&#13;
neue Jahrhundert beendet eine der dramatischsten&#13;
Perioden der Menschheitsgeschichte.&#13;
Große&#13;
Errungenschaften in Wissenschaft und Wirtschaft&#13;
während der letzten 100 Jahre wurden begleitet von&#13;
den&#13;
schrecklichsten&#13;
Beispielen&#13;
menschlicher&#13;
Grausamkeit. Der Sieg im Kalten Krieg beendete über&#13;
70 Jahre europäischen Bürgerkrieg. Die nach 1945&#13;
entstände&#13;
atlantische&#13;
Gemeinschaft&#13;
war&#13;
gleichermaßen die Grundlage und das Symbol für die&#13;
Botschaft der Demokratie, die diese großartige&#13;
Leistung ermöglichte.&#13;
Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem&#13;
andauernden Konflikt auf dem Balkan unterstreichen&#13;
die Gefahr der Lage. Die atlantischen Nationen sind&#13;
die Hüter des demokratischen Ideals. Aber wir&#13;
besitzen auch das einzige integrierte militärische&#13;
Instrument, das dieses Ideal mit Taten untermauern&#13;
kann. Das ist immer mehr zur Aufgabe der NATO&#13;
geworden.&#13;
Aber indem wir dieses Instrument&#13;
weiterentwickeln, setzen wir es auch Kritik aus und&#13;
riskieren vielleicht sogar ein Scheitern. Wenn es uns&#13;
nicht gelingt, die Grundlagen für Freiheit im übrigen&#13;
Europa und in anderen Teilen der Welt zu schaffen,&#13;
könnte auch die Vision für unser Bündnis geschwächt&#13;
werden. Wenn sich unsere Interessen in einem Nebel&#13;
interner Debatten verlieren, könnte unsere Einheit auf&#13;
die Probe gestellt werden.&#13;
Der Konflikt in Bosnien hat uns gelehrt, daß kein Land,&#13;
einschließlich der Vereinigten Staaten, gegen diese&#13;
Herausforderungen immun ist. Die Frustrationen in&#13;
Bosnien lehrten die Europäer, daß ihre Einheit der&#13;
Probe externer Konflikte noch nicht standhalten&#13;
konnte. Wir alle haben gelernt, daß unsere Sicherheit&#13;
unteilbar ist. Wir haben auch gelernt, daß unsere&#13;
Methoden und Ressourcen unseren Anforderungen&#13;
nicht gerecht werden.&#13;
Unsere Konzepte zu Menschenrechten und der Rolle&#13;
demokratischer Werte in den Beziehungen zwischen&#13;
Nationen und Völkern stehen vor einer der größten&#13;
Herausforderungen.&#13;
Unsere&#13;
gemeinsamen&#13;
Bemühungen um Menschenrechte in Europa haben&#13;
direkt zum Zusammenbruch des Kommunismus&#13;
beigetragen. Aber wir hatten Schwierigkeiten, die&#13;
gleichen Maßstäbe auf so unterschiedliche Situationen&#13;
wie die auf dem Balkan, in Tschetschenien oder&#13;
Ruanda anzuwenden.&#13;
Wie bringen wir unsere Ideale mit komplexen lokalen&#13;
Konflikten oder den humanitären Konsequenzen von&#13;
Krieg und Konfrontation in Einklang? Welche Rolle&#13;
kommt nationaler Souveränität oder militärischer&#13;
Sicherheit zu, wenn nationale Grenzen nicht länger der&#13;
definierende Rahmen für Meinungsverschiedenheiten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�sind? Wie legitim ist die Verteidigung nationaler Kultur&#13;
oder Religion als Grund für Militäraktionen? Wie&#13;
gehen wir mit diplomatischen Strukturen und&#13;
Rechtsprinzipien&#13;
angesichts&#13;
bevorstehender&#13;
humanitärer Katastrophen um? Und vielleicht am&#13;
wichtigsten ist, was kann man mit Staatschefs wie&#13;
Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic tun, die&#13;
einfach nicht die Regeln des internationalen&#13;
humanitären Rechts befolgen wollen?&#13;
Diese Fragen stellen sich uns allen. Aber sie haben&#13;
andere Implikationen für die Vereinigten Staaten als für&#13;
unsere europäischen Verbündeten. Wir werden&#13;
regelmäßig mit der Behauptung konfrontiert, Amerika&#13;
sei die letzte verbliebene Supermacht. Das ist&#13;
teilweise richtig. Nur wir haben die einheitliche&#13;
Zielrichtung, die militärische Stärke und die&#13;
Führungserfahrung, die für die Bewältigung der&#13;
Sicherheitsherausforderungen auf der Welt erforderlich&#13;
sind.&#13;
Aber auch dieses Konzept ist irreführend. Die&#13;
Vereinigten Staaten möchten nicht zum Branddirektor&#13;
und Polizeichef der Welt ernannt werden. Unser Volk&#13;
war bereit, massive Maßnahmen gegen eine klare&#13;
sowjetische Bedrohung zu unterstützen. Aber wir sind&#13;
keine Nation mit imperialer Vergangenheit.&#13;
Die&#13;
Bewahrung des komplexen Mächtegleichgewichts&#13;
zwischen kriegführenden Gruppen ist nicht unsere&#13;
Stärke. Um unsere Macht erfolgreich zu nutzen,&#13;
benötigen wir Ziele und Partner. Macht allein ist nicht&#13;
die Antwort.&#13;
Dahinter muß ein Gefühl für die&#13;
Zielrichtung und eine Gemeinschaft stehen.&#13;
Ich möchte argumentieren, daß die Probleme für&#13;
Europa noch drängender sind. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat Europa vor die Herausforderung gestellt zu&#13;
handeln. Solange Europa geteilt war, funktionierte der&#13;
Westen auf der Basis eines impliziten Handels.&#13;
Amerika bot die Grundlage für eine atlantische&#13;
Gemeinschaft, indem es Ressourcen und generelle&#13;
Sicherheit&#13;
beitrug.&#13;
Europa verlieh dieser&#13;
Gemeinschaft&#13;
durch&#13;
den&#13;
Wiederaufbau&#13;
demokratischer Gesellschaften und die Vertiefung der&#13;
internen Integration Substanz.&#13;
Jetzt herrscht ein neues Paradigma vor. Die von den&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
unterstützte&#13;
externe&#13;
Sicherheitsglocke ist für die Herausforderungen nicht&#13;
mehr relevant, die wir heute erörtern. Und interne&#13;
Stabilität und Integration innerhalb Europas reichen als&#13;
europäischer Beitrag zu unseren gemeinsamen&#13;
Bestrebungen nicht länger aus.&#13;
Mit anderen Worten: Europa muß nach außen blicken.&#13;
Die hart erkämpfte Einheit wird vor allem durch&#13;
Europas Erfolg bei der Bewältigung der von mir&#13;
beschriebenen Herausforderungen auf die Probe&#13;
gestellt. Und wenn Europa den Test nicht besteht,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
wird auch das Atlantische Bündnis Schaden nehmen.&#13;
&#13;
Das ist nicht noch ein Aufruf an Europa, mit sich selbst&#13;
ins Reine zu kommen. Ich habe selbst mit zu vielen&#13;
dieser Probleme gekämpft, um davon auszugehen,&#13;
daß es eine leichte Antwort gibt. Noch so viele&#13;
Ausschüsse oder Verträge werden es nicht schaffen.&#13;
Und genausowenig wäre ein neuer "Hoher&#13;
Repräsentant für die GASP" eine einfache Lösung.&#13;
Ich gehe davon aus, daß unsere Fähigkeit zu Vision&#13;
und zur Vorgabe einer Zielrichtung gemeinsam die&#13;
Feuerprobe für unseren künftigen Erfolg sein werden.&#13;
Ein Europa das seine Ziele und Werte - und seine&#13;
Einheit - nicht auf diese Herausforderung anwenden&#13;
kann, wird es schwer haben, die vielen anderen&#13;
Herausforderungen zu meistern.&#13;
Ein Amerika, das vor seiner Führungsrolle bei der&#13;
Schaffung&#13;
von&#13;
Einheit&#13;
unter&#13;
Demokratien&#13;
zurückschreckt, wird seine Macht geschmälert finden.&#13;
Das Ergebnis wird Frustration und Ungeduld&#13;
angesichts immer geringerer Ordnung auf der Welt&#13;
sein.&#13;
Wenn die aufstrebenden Demokratien in Zentral- und&#13;
Osteuropa nicht so schnell und reibungslos wie&#13;
möglich in dieses Wertesystem integriert werden,&#13;
werden die Gefahren solcher Konflikte in Europa&#13;
wahrscheinlich zunehmen. Damit meine ich nicht die&#13;
unverzügliche Mitgliedschaft in der NATO oder der EU.&#13;
Aber eine Strategie der Ziele und Werte ist unerläßlich.&#13;
Während wir reden, werden diese Themen offen in&#13;
Brüssel diskutiert. Die Staats- und Regierungschefs&#13;
des Bündnisses bemühen sich bei einer Konferenz, die&#13;
diese Woche in Paris begonnen hat, erneut um die&#13;
Schaffung von Frieden im Kosovo. Ich möchte diese&#13;
Gelegenheit nicht nutzen, um die Einzelheiten des&#13;
Kosovo-Problems oder des NATO-Gipfeltreffens zu&#13;
erörtern. Andere Anlässe werden diesem Zweck&#13;
dienen. Ich möchte vielmehr unsere gemeinsame&#13;
Verpflichtung zum Gedenken an unsere verstorbenen&#13;
Kollegen nutzen, um einige Grundsätze für die Zukunft&#13;
darzulegen.&#13;
Als jemand, der in den siebziger Jahren in Berlin mit&#13;
der Arbeit an Konfliktverhütung begonnen hat und seit&#13;
damals an nahezu jedem wichtigen Schritt auf dem&#13;
Weg beteiligt war, bin ich mir der Schwierigkeiten bei&#13;
der Unterbreitung von Lösungsvorschlägen bewußt.&#13;
Statt dessen habe ich einige Lehren und einige Fragen&#13;
zusammengetragen, die - wie ich hoffe - Ihre&#13;
Diskussion anregen werden.&#13;
Erstens: Wir müssen uns über Ursprung und Natur der&#13;
Herausforderungen im Klaren sein, denen wir&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�gegenüberstehen. Sind die Kriege im ehemaligen&#13;
Jugoslawien Teil eines innenpolitischen serbischen&#13;
Machtkampfs oder werden sie von aufgestautem&#13;
gegenseitigem ethnischem Haß geschürt? Was ist&#13;
Ursache und was ist Wirkung? Was ist das Wesen der&#13;
Herausforderung, die Saddam Hussein darstellt? Ist er&#13;
ein regionaler Tyrann in einer Region, die sowieso&#13;
keine starken demokratischen Tendenzen hat, oder&#13;
bedroht er ernsthaft Gebiete über diese Region&#13;
hinaus?&#13;
Zweitens: Wir müssen wissen, wohin wir gehen. Das&#13;
mag offenkundig klingen, aber Richtungslosigkeit war&#13;
eine der entscheidendsten Schwächen unserer&#13;
bisherigen Bestrebungen. Wir haben Jahre mit der&#13;
Verfeinerung unserer Vision von internationalem&#13;
humanitären Recht und Menschenrechten verbracht.&#13;
Unsere Suche nach der richtigen militärischen Antwort&#13;
auf Konflikte war ebenso schwierig. Verhaltensnormen&#13;
wurden mehrfach kodifiziert. Unsere Verpflichtung zur&#13;
Achtung von Menschenrechten war ein wichtiges&#13;
Instrument beim Kampf gegen den Kommunismus.&#13;
Aber sobald der Hauptkonflikt einmal beigelegt war,&#13;
schien eine funktionale Definition der Menschenrechte&#13;
zweitrangig zu werden. Sowohl die OSZE als auch die&#13;
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bieten&#13;
Richtlinien für die Beurteilung des Verhaltens anderer.&#13;
Sie sind nicht unfehlbar. Aber richtig von falsch&#13;
unterscheiden zu können, ist immer noch der&#13;
wichtigste erste Schritt zu Frieden.&#13;
Das heißt, mit klaren Worten zu sprechen. Die&#13;
Unterdrückung von Rechten, der Einsatz von Gewalt&#13;
und die Verzerrung der Wahrheit sind falsch - aus&#13;
welchem Grund auch immer sie angewendet werden.&#13;
Es heißt auch, klar zu denken. Wir sollten unsere&#13;
Institutionen nicht aus der Furcht heraus lähmen, daß&#13;
andere unsere eigenen entschlossenen Aktionen zur&#13;
Rechtfertigung anderer, unrechtmäßiger Aktivitäten&#13;
benutzen. Aktionen einer demokratischen NATO oder&#13;
Europäischen Union haben eine ganz andere Qualität&#13;
als die eines Diktators, der andere zu unterdrücken&#13;
versucht.&#13;
Drittens:&#13;
Wir müssen handeln können.&#13;
Die&#13;
Institutionen für die friedliche Lösung von Konflikten&#13;
sollten so weit wie möglich gestärkt werden. Wir&#13;
sollten jedoch sorgfältig überdenken, was eine solche&#13;
Stärkung bedeutet. Es bedeutet vor allem Klarheit&#13;
über unsere eigenen Ziele. Geld in Ausschüsse zu&#13;
stecken, die Erklärungen herausgeben, reicht nicht&#13;
aus. Diese Ziele sollten aktiv in unseren eigenen&#13;
Institutionen und in umfassenderen Foren verfolgt&#13;
werden.&#13;
Wir sollten den Dialog innerhalb der&#13;
assoziierten Institutionen der NATO, EU und WEU&#13;
vertiefen. Wir sollten die Zielsetzung der OSZE klären.&#13;
Und die UNO sollte noch mehr nach dem Wert von&#13;
Methoden statt auf ihre Fähigkeit zur Erlangung eines&#13;
Konsenses ausgerichtet werden.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Mündige Staatsbürger sind unerläßlich. Wenn wir&#13;
überzeugt sind, daß die Welt auf der Grundlage&#13;
demokratischer Prinzipien funktionieren sollte, sollten&#13;
wir versuchen, das Wissen über Konfliktverhütung so&#13;
weit wie möglich zu verbreiten. Das Verständnis der&#13;
Implikationen aktueller Herausforderungen ist eine&#13;
große Aufgabe. Wenn mündige Staatsbürger für die&#13;
Demokratie in den Ländern unerläßlich sind, so sind&#13;
sie doppelt wichtig für die Schaffung einer weltweiten&#13;
Grundlage für Demokratie. Die Arbeit an dieser&#13;
Aufgabe hat gerade erst begonnen.&#13;
Viertens: Wir müssen unsere Methoden besser&#13;
verstehen. Wenn uns dieses neue Zeitalter eines lehrt,&#13;
dann, daß wir uns - wie Präsident Clinton es formuliert&#13;
hat - rasch von einer Ära des enforcement zu einer&#13;
Vision des empowerment als Grundlage unserer&#13;
demokratischen Weltordnung bewegen. Mündige&#13;
Staatsbürger können sich nicht auf Verträge und&#13;
Resolutionen oder Friedenstruppen verlassen, um die&#13;
Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts zu&#13;
bewältigen. Es ist ein Gefühl geteilter Verantwortung&#13;
für die Aufgaben des neuen Zeitalters, das die&#13;
Unterstützung für unsere Werte hervorbringt. Völker,&#13;
die Unterdrückung erduldet haben, können nicht durch&#13;
rechtliche Argumente gezwungen werden, ihre Träume&#13;
aufzugeben. Aber ein Gefühl von persönlichem&#13;
empowerment&#13;
und&#13;
geteilter&#13;
Verantwortung&#13;
hervorzubringen, kann die von den Völkern selbst&#13;
definierten Bedürfnisse erfüllen, ohne die Rechte&#13;
anderer zu beeinträchtigen.&#13;
Mit anderen Worten, wir sind gerade dabei, eine neue&#13;
Friedensdisziplin zu definieren. Um in Zukunft die&#13;
demokratische Stabilität zu bewahren, müssen wir die&#13;
Instrumente der traditionellen Diplomatie und&#13;
militärischer Aktionen mit den Standards von&#13;
Demokratie und freien Marktwirtschaften kombinieren.&#13;
Die Geschichte hat verdeutlicht, daß Offenheit und&#13;
Toleranz die einzig sicheren Methoden für Frieden und&#13;
Wohlstand sind.&#13;
In den vergangenen zehn Jahren haben wir unsere&#13;
Institutionen in bewundernswerter Weise an diese&#13;
Aufgabe angepaßt. Der Washingtoner Gipfel wird die&#13;
Fähigkeit der NATO noch weiter stärken, Sicherheit&#13;
über die Grenzen ihrer Mitgliedstaaten hinaus zu&#13;
projizieren. Im November werden die Staatschefs der&#13;
OSZE der rasch wachsende Rolle dieser Organisation&#13;
beim Aufbau eines Rahmens für demokratischen&#13;
Frieden mehr Substanz verleihen. Die Europäische&#13;
Union setzt ebenfalls einen klaren Kurs für die&#13;
Integration von ganz Europa fest.&#13;
Zusammengenommen werden diese Schritte eine&#13;
Grundlage schaffen, um lokale und regionale Konflikte&#13;
zu verhindern und zu kontrollieren. Aber dann wird die&#13;
harte Arbeit erst beginnen.&#13;
Diese neue&#13;
Friedensdisziplin muß ihren Weg in unsere Politik,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�unsere Strategien und unsere Philosophien finden.&#13;
Die künstliche Teilung zwischen politischen und&#13;
militärischen&#13;
Aufgaben&#13;
oder&#13;
zwischen&#13;
Menschenrechten und Sicherheitsarrangements muß&#13;
enden. Eine Institution wie die Führungsakademie&#13;
begann mit einem neuen Konzept der militärischen&#13;
Führung für Deutschland. Über die Jahre hinweg&#13;
haben Sie zum Aufbau einer neuen deutschen&#13;
militärischen Tradition beigetragen, die Ihre Nation und&#13;
Ihre Uniformen ehrt.&#13;
Das Opfer unserer Freunde und Kollegen, die wir&#13;
heute ehren, ist die beste Inspiration, die ich mir für&#13;
den langen vor uns liegenden Weg denken kann. Wir&#13;
sollten nie vergessen, daß die Zukunft während der&#13;
nahezu 50 Jahre des Kalten Kriegs oft düster erschien.&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Selbst noch Mitte der achtziger Jahre glaubten wenige&#13;
Menschen daran, daß unser Ziel eines vereinten&#13;
Europas je erreicht würde.&#13;
So muß es auch mit dieser neuen Friedensdisziplin&#13;
sein. Unsere Interessen und Methoden müssen&#13;
überarbeitet werden.&#13;
Unser Verständnis des&#13;
Sicherheitskonzepts an sich wird sich durch die&#13;
Konfrontation mit neuen Herausforderungen erweitern.&#13;
Aber eines sollte unverändert bleiben. Die durch&#13;
unsere verstorbenen Kollegen verkörperte deutschamerikanische Einheit wird weiterhin die Grundlage&#13;
unserer Bestrebungen bilden. Ich weiß, daß sie mir&#13;
voll und ganz zustimmen würden.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�NATO&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Eine neue NATO für ein neues Zeitalter&#13;
Rede des Stellvertretenden Außenministers&#13;
&#13;
LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Strobe Talbott, Stellvertretende r Außenminister,&#13;
vor dem Royal United Services Institute in London vom 10. März 1999 im Wortlaut.&#13;
&#13;
Danke, Dr. Szlajfer. Ich danke auch dem Royal&#13;
United Services Institute für die Rolle, die es 168&#13;
Jahre lang bei der Förderung der Diskussion und&#13;
Analyse von internationalen Sicherheitsbelangen&#13;
innehatte. Diese Konferenz findet ganz offensichtlich&#13;
in dieser Tradition statt.&#13;
Konteradmiral Cobbold bat mich um eine&#13;
amerikanische Perspektive - aus ziviler und&#13;
diplomatischer Sicht - dessen, was Sie am Montag&#13;
von den Generälen Shelton und Clark gehört haben.&#13;
Ich gehe, wie auch die Generäle, von einer&#13;
grundsätzlichen und dauerhaften Wahrheit aus: Das&#13;
Wohlergehen der Vereinigten Staaten hängt in hohen&#13;
Maße von den Ereignissen in Europa ab; die&#13;
Vereinigten Staaten werden ohne eine florierende&#13;
Wirtschaft in Europa nicht im Wohlstand leben; die&#13;
Vereinigten Staaten werden ohne Sicherheit und&#13;
Frieden in Europa nicht sicher sein.&#13;
Die meisten Amerikaner sind sich bewußt, daß&#13;
"Europa" kein statisches Phänomen ist. Es ist&#13;
vielmehr organisch.&#13;
Im Wesen und der&#13;
Zusammensetzung seiner Institutionen, ja sogar in&#13;
seinem geographischen Ausmaß, erfindet Europa sich&#13;
ständig neu. Es findet - im Eurojargon - eine ständige&#13;
Vertiefung und Erweiterung statt. Wenn Amerikaner&#13;
die Entwicklungen in Europa betrachten, haben wir&#13;
unsere eigenen Hoffnungen und manchmal Ängste,&#13;
wohin dieser Prozeß wohl führen mag. Wir wünschen&#13;
uns eine Definition der europäischen Identität und eine&#13;
Verfolgung der Interessen Europas auf eine Art und&#13;
Weise, die die Bande, die Ihre Sicherheit mit der&#13;
unseren verknüpfen und natürlich unsere mit der&#13;
Ihren, nicht nur bewahren,-sondern stärken.&#13;
&#13;
das Nordatlantische Bündnis nicht still stehen - wie&#13;
General Shelton am Montag sagte - oder sich auf&#13;
seinen Lorbeeren ausruhen. Tatsächlich hat die&#13;
NATO sogar noch mehr Gründe zur Veränderung als&#13;
Europa. Anders als Europa, das ein Kontinent und&#13;
eine Kultur ist, ist das Bündnis eine Organisation, die&#13;
zudem erst vor relativ kurzer Zeit geschaffen wurde.&#13;
Eine ganze Reihe von uns in diesem Saal gibt es&#13;
schon länger als die NATO.&#13;
Anders als Europa (und, wie ich hoffe, anders als wir&#13;
selbst) entstand die NATO ursprünglich aus Gründen,&#13;
die es nicht mehr gibt. Deshalb hält sich in unseren&#13;
Leitartikeln und Parlamenten die unhöfliche aber&#13;
hartnäckige Frage: Jetzt, da die Sowjetunion und der&#13;
Warschauer Pakt sicher auf den Schrotthaufen der&#13;
Geschichte verbannt sind, warum sollte die NATO&#13;
sich da nicht einfach als Sieger erklären, sich einen&#13;
Orden verleihen und in den Ruhestand gehen? Was&#13;
ist der Sinn eines Bündnisses oder sogar seiner&#13;
Erweiterung, wenn der Hauptgegner der NATO nicht&#13;
mehr existiert?&#13;
Bei dieser Frage geht man natürlich davon aus, daß&#13;
ein Bündnis zur Rechtfertigung seiner Existenz eine&#13;
einzige Nemesis benötigt - einen Moriarty für unseren&#13;
Sherlock Holmes. Das stimmt so nicht unbedingt. Die&#13;
Archive des Royal United Services Institute,&#13;
besonders aus dem 19. Jahrhundert, beinhalten&#13;
zahlreiche Kommentare über europäische Bündnisse,&#13;
die nicht nur der Kriegsführung oder der&#13;
Abschreckung von Krieg dienten, sondern Instrumente&#13;
für die Unterhaltung konstruktiver, nicht auf&#13;
Wettbewerb beruhender Beziehungen zwischen&#13;
Staaten waren. Nennen wir es die politische - im&#13;
Gegensatz zur rein militärischen - Funktion eines&#13;
Bündnisses.&#13;
&#13;
Das bringt mich zum Thema NATO. Wie Europa kann&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die NATO ist ein Beispiel aus dem 20. Jahrhundert&#13;
hierfür. Unser Bündnis hatte immer umfassendere&#13;
politische Funktionen. In den 50er Jahren war es der&#13;
Schutzschild, hinter dem die Aussöhnung zwischen&#13;
Frankreich und Deutschland - und somit die&#13;
Grundsteinlegung für die Europäische Union - möglich&#13;
wurde. Anfang der achtziger förderte die NATO die&#13;
Konsolidierung der von Zivilisten angeführten&#13;
Demokratiebestrebungen in Spanien und somit die&#13;
vollständige Rückkehr Spaniens in die europäische&#13;
Familie. Bei mehreren Gelegenheiten war die NATO&#13;
bei der Erhaltung des Friedens zwischen&#13;
Griechenland und der Türkei behilflich.&#13;
Allgemeiner gesprochen hat die gemeinsame&#13;
Vereinigte Befehlsstruktur der NATO und die&#13;
kollektive Vorgehensweise bei der Verteidigung den&#13;
Wettbewerb zwischen den westeuropäischen Mächten&#13;
weitgehend eliminiert.&#13;
Ich hebe diesen Punkt&#13;
besonders hervor, weil man in der Welt von heute, in&#13;
der die Einheit Westeuropas so natürlich erscheint,&#13;
daß man sie als selbstverständlich betrachtet, sehr&#13;
leicht vergißt, daß es nicht immer so war.&#13;
Jahrhundertelang führten die westeuropäischen&#13;
Mächte - alles andere als vereinigt - fast ständig Krieg.&#13;
Die&#13;
NATO&#13;
hat&#13;
zur&#13;
Beendigung&#13;
dieses&#13;
Verhaltensmusters beigetragen.&#13;
Nun erstrecken sich die Vorteile der auf gemeinsamen&#13;
politischen&#13;
Werten&#13;
beruhenden&#13;
kollektiven&#13;
Verteidigung auch auf den Osten. Übermorgen (am&#13;
12. März) werden die Tschechische Republik, Ungarn&#13;
und Polen dem Bündnis offiziell beitreten. Anläßlich&#13;
des Washingtoner Gipfels in sechs Wochen werden&#13;
die Mitgliedstaaten des Bündnisses - es werden dann&#13;
19 sein - erneut bestätigen, daß die Tür für neue&#13;
Mitglieder offen bleibt.&#13;
Die Offene Tür ist der&#13;
Schlüssel, wenn die NATO weiterhin die Integration&#13;
zwischen Staaten fördern will, die zu sehr unter&#13;
Teilung und Isolation gelitten haben.&#13;
&#13;
Als Präsident Clinton vor fünf Jahren die Idee der&#13;
Öffnung der NATO für neue Mitglieder zum ersten Mal&#13;
vorstellte, machte er kein Hehl aus seiner Hoffnung,&#13;
die EU möge dasselbe tun.&#13;
Viele der neuen&#13;
Demokratien Europas sind auf gutem Weg, die&#13;
wirtschaftlichen Bedingungen für eine Mitgliedschaft in&#13;
der EU zu erfüllen. Aber damit die EU-Erweiterung&#13;
nach Osten stattfinden kann, müssen die Regierungen&#13;
und Investoren auf die langfristige Sicherheit dieser&#13;
Region vertrauen können.&#13;
Da Sicherheit die Hauptaufgabe der NATO ist - ihr&#13;
wichtigstes Exportgut, wie Premierminister Blair am&#13;
Montag sagte - ist ihre Erweiterung von Vorteil für die&#13;
Vertiefung und Erweiterung der EU. Durch die&#13;
Unterstützung dieses großen in Angriff genommenen&#13;
Unterfangens verfolgen die Vereinigten Staaten ihre&#13;
eigenen Interessen. Ich sage das, weil es eine&#13;
weitere grundlegende Prämisse amerikanischer Politik&#13;
ist, ein vereintes Europa sei ein noch stärkerer Partner&#13;
für die Förderung unserer gemeinsamen Interessen&#13;
auf der ganzen Welt.&#13;
Nun meine Damen und Herren, ich habe gerade zwei&#13;
Ausdrücke benutzt, die nichtssagend erscheinen&#13;
mögen, aber tatsächlich mittlerweile leicht umstritten&#13;
sind: "gemeinsame Interessen" und "auf der ganzen&#13;
Welt". Diese Worte haben bei den Vorbereitungen&#13;
des neuen Strategischen Konzepts, welches die&#13;
führenden Mitglieder der NATO während des&#13;
Washingtoner Gipfels vorstellen werden, Anlaß zu&#13;
einiger Diskussion gegeben. Erlauben Sie mir daher,&#13;
diese Begriffe in den richtigen Zusammenhang zu&#13;
stellen.&#13;
&#13;
Jahrzehntelang hat sich die NATO auf die Aufgabe&#13;
konzentriert, was sie für Europa tun könnte, und das&#13;
bedeutete hauptsächlich, was sie für Europa in&#13;
Europa tun könnte. Darum ging es beim Marshallplan,&#13;
und es war die tägliche Sorge einer bei der&#13;
Abschreckung der sowjetischen Bedrohung ständig&#13;
Was man die Anziehungskraft der NATO nennen wachsamen NATO. Heute denken die Vereinigten&#13;
Staaten viel eher darüber nach, was sie mit Europa&#13;
könnte, hat schon einige vormals kommunistische&#13;
Staaten dazu veranlaßt, interne Reformen zu tun können - und es handelt sich dabei um ein Europa,&#13;
daß wie die Vereinigten Staaten globale Interessen&#13;
beschleunigen und ihre Beziehungen untereinander&#13;
hat, von denen viele am besten gemeinsam mit den&#13;
zu verbessern. Um einige Beispiele zu nennen:&#13;
Polen und Lithauen, Ungarn und Rumänien, die Vereinigten Staaten verfolgt werden können.&#13;
Slowakei und die Tschechische Republik und vor&#13;
kurzem Bulgarien und Mazedonien. Die NATO hat&#13;
Nur einige Beispiele:&#13;
Gemeinsam lindern die&#13;
also anders ausgedrückt dazu beigetragen, das Vereinigten Staaten und die Europäische Union die&#13;
Konzept&#13;
Zentraleuropa&#13;
wieder&#13;
in&#13;
unseren Armut und versuchen den Gedanken der&#13;
Nichtverbreitung in Südasien zu fördern, gemeinsam&#13;
Sprachgebrauch einzuführen - und sie war dabei&#13;
entwickeln wir ein weltweites Frühwarnsystem gegen&#13;
behilflich, diese Region in das Zentrum Europas&#13;
ansteckende Krankheiten, bekämpfen den Hunger auf&#13;
zurückzubringen, was für viele hier Lebende die&#13;
der Welt und gehen gegen Verbrecher, Terroristen&#13;
Einbeziehung in den Einflußbereich der EU bedeutet.&#13;
und Drogenhändler vor, wo auch immer sie sein&#13;
mögen.&#13;
Ich würde sogar behaupten, daß es eine direkte,&#13;
zufällige und gewollte Verbindung zwischen der&#13;
NATO-Erweiterung und der Erweiterung der EU gibt.&#13;
Was bedeutet das alles für die NATO? Lassen Sie&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�mich zunächst einmal feststellen, was es nicht&#13;
bedeutet. Es bedeutet nicht, daß es im Keller des&#13;
Weißen Hauses, des Außenministeriums oder des&#13;
Pentagon irgendwo einen Entwurf für eine "globale&#13;
NATO" gibt. Ich verbringe viel Zeit dort, und ich&#13;
versichere Ihnen, einen solchen Plan gibt es nicht.&#13;
[Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs] Hugh&#13;
Shelton äußerte sich zu diesem Punkt ebenso&#13;
kategorisch.&#13;
Was jedoch bleibt, ist die&#13;
unausweichliche&#13;
Realität&#13;
unserer zunehmend&#13;
interdependenten Welt, in der wir einem vielfältigeren&#13;
und umfassenderen Spektrum von Bedrohungen&#13;
unserer Sicherheit gegenüberstehen als vor 50&#13;
Jahren. Um nur zwei zu nennen: Die Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen und die Geißel des&#13;
Terrorismus. Sie lassen sich nicht einfach in die&#13;
Sichtweise der Bedrohungen einfügen, die durch alte&#13;
Schlagworte wie "Die freie Welt" und "Der Eiserne&#13;
Vorhang"&#13;
hervorgerufen&#13;
wird oder durch alte&#13;
geographische Vereinfachungen, die überkommene&#13;
geopolitische andeuteten, wie "Osten gegen Westen".&#13;
Was bedeutet es also, von der "Verteidigung&#13;
gemeinsamer&#13;
Werte&#13;
und&#13;
Interessen"&#13;
als&#13;
grundlegender Aufgabe der NATO zu sprechen? Es&#13;
bedeutet, wir müssen sicherstellen, daß wir die Kräfte,&#13;
Doktrinen und Kommunikationsmöglichkeiten haben,&#13;
um falls erforderlich die Herausforderungen durch&#13;
ethnische und regionale Konflikte bewältigen zu&#13;
können, die unsere Sicherheit direkt betreffen, aber&#13;
außerhalb des NATO-Gebiets entstehen. Das taten&#13;
und tun wir auf dem Balkan, wo unser bisheriges&#13;
Versagen nicht durch übermäßigen Ehrgeiz begründet&#13;
ist, sondern, wenn überhaupt, durch das Gegenteil.&#13;
Ebenso handelt es sich um reine Vorsicht und&#13;
gesunden Menschenverstand - nicht eine Art globaler&#13;
Hybris&#13;
- vorzuschlagen, daß ein wirklich&#13;
modernisiertes Bündnis in der Lage sein sollte, die&#13;
durch die Verbreitung von ballistischen Raketen und&#13;
Massenvernichtungswaffen&#13;
entstehenden&#13;
allzu&#13;
modernen Herausforderungen zu meistern. Wir&#13;
müssen bessere, wirkungsvollere und zeitgemäßere&#13;
Wege des&#13;
Informationsaustauschs&#13;
und der&#13;
Bewertungen finden, so daß unsere Truppen vor&#13;
einem Feind mit atomaren, chemischen und&#13;
biologischen Waffen ausreichend geschützt sind, und&#13;
wir müssen unsere Fähigkeit verbessern, mit den&#13;
Folgen eines Angriffs auf unsere Zivilbevölkerung mit&#13;
Massenvernichtungswaffen umzugehen.&#13;
Ich möchte es ganz deutlich machen: Ich sage nicht,&#13;
daß es keine Grenzen gibt für das, was die NATO tun&#13;
kann und sollte. Natürlich gibt es die. Bei der NATO&#13;
handelt es sich um eine auf Konsens basierende&#13;
Organisation, die ihre gemeinsamen Interessen&#13;
dementsprechend&#13;
definiert&#13;
durch&#13;
die&#13;
Übereinstimmung ihrer Mitglieder. Wir würden als&#13;
Bündnis nirgendwohin gehen, wenn dies nicht im&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Interesse aller unserer Mitglieder wäre.&#13;
Kein&#13;
Bündnispartner kann einen anderen dazu zwingen,&#13;
einer NATO-Aktion zuzustimmen. Gemäß Artikel IV&#13;
des Washingtoner Vertrags beraten sich die NATO Mitglieder im Fall einer Sicherheitsbedrohung und&#13;
entscheiden gemeinsam über die angemessene&#13;
Reaktion.&#13;
Wir schlagen auch nicht vor, daß die NATO im&#13;
Alleingang handelt, ohne die Vereinten Nationen oder&#13;
die OSZE [Organisation für Sicherheit und&#13;
Zusammenarbeit in Europa] - oder anmaßend der UN&#13;
oder der OSZE die Stirn bietend. Alle NATOBündnispartner sind Mitglieder dieser beiden&#13;
Organisationen. Wir sind der Ansicht, daß die&#13;
Einsätze und Aufgaben der NATO immer mit der&#13;
Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte&#13;
von Helsinki übereinstimmen müssen. Gleichzeitig&#13;
müssen wir darauf achten, die NATO keinem anderen&#13;
internationalen Gremium unterzuordnen oder die&#13;
Integrität ihrer Befehlsstruktur aufs Spiel zu setzen.&#13;
&#13;
Wir werden uns bemühen, Hand in Hand mit anderen&#13;
Organisationen und unter Respektierung ihrer&#13;
Prinzipien und Zielsetzungen zu arbeiten. Aber das&#13;
Bündnis muß sich das Recht und die Freiheit&#13;
bewahren zu handeln, wenn es seine 19 Mitglieder im&#13;
Konsens für erforderlich erachten. Das heißt zunächst&#13;
einmal, unsere Fähigkeit zu erhalten, mit der&#13;
grundlegendsten in Artikel V des Washingtoner&#13;
Vertrags vorhergesehenen Eventualität fertig zu&#13;
werden: Dem Angriff auf einen Mitgliedstaat. Die&#13;
NATO muß ihre Fähigkeit zur Abschreckung und falls&#13;
erforderlich zum Sieg über das bewahren, was man&#13;
klassische Aggression nennen könnte. Auch wenn&#13;
eine solche Bedrohung heute nicht existiert, bleiben&#13;
doch zwei Tatsachen bestehen: Erstens könnte sie in&#13;
der Zukunft entstehen, aber zweitens ist dies&#13;
unwahrscheinlicher, wenn die NATO gerüstet und&#13;
einsatzbereit bleibt. Gleichzeitig müssen wir als&#13;
Bündnis besser in der Lage sein, Herausforderungen&#13;
zu bewältigen, die nicht unter Artikel V fallen und die&#13;
sehr viel wahrscheinlicher auf uns zukommen werden&#13;
- die von mir vorhin erwähnten: Ethnische und&#13;
regionale Konflikte, Massenvernichtungswaffen und&#13;
die Verbreitung von Raketen.&#13;
Um die Flexibilität und damit den Nutzen des&#13;
Bündnisses zu steigern, haben Großbritannien,&#13;
Frankreich und andere das Konzept einer&#13;
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität&#13;
(ESVI) weiterentwickelt. Ich möchte mich hier so&#13;
deutlich wie möglich für meine Regierung äußern und&#13;
spreche erneut mit General Shelton: Wir sind für die&#13;
ESVI. Wir wünschen uns innerhalb des Bündnisses&#13;
die Fähigkeit der europäischen Bündnispartner,&#13;
Probleme anzusprechen und zu lösen, ohne immer&#13;
auf die Kampfbeteiligung der Vereinigten Staaten&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�zurückgreifen zu müssen.&#13;
Interesse.&#13;
&#13;
Das liegt in unser aller&#13;
&#13;
Wir gratulieren Premierminister Blair für seinen&#13;
Weitblick und seine Führungsrolle bei diesem Thema,&#13;
wie bei so vielen anderen auch. Er hielt in seiner&#13;
Rede am Montag vor dieser Konferenz ein&#13;
hervorragendes Plädoyer für die für eine erfolgreiche&#13;
ESVI erforderlichen Fähigkeiten und anderen&#13;
Arrangements. Aber wie bei jedem Gesichtspunkt der&#13;
Modernisierung und Anpassung der NATO bringt auch&#13;
diese spezielle Innovation, die ESVI, Risiken und&#13;
Kosten mit sich; und sie birgt die Verpflichtung für das&#13;
höchstmögliche&#13;
Maß&#13;
an&#13;
Transparenz&#13;
und&#13;
Konsultationen.&#13;
&#13;
Wenn die ESVI falsch aufgefaßt, falsch verstanden&#13;
oder falsch gehandhabt wird, könnte der Eindruck&#13;
entstehen - der schließlich Wrklichkeit werden könnte&#13;
- daß ein neues Bündnis nur für Europa aus dem&#13;
alten, transatlantischen geboren wird. Wenn das&#13;
geschähe, würde es die von mir zu Beginn erwähnten&#13;
Bande, die unsere Sicherheit mit der Ihren&#13;
verknüpfen, schwächen, vielleicht sogar lösen.&#13;
Auf unserer Seite des Atlantiks haben wir eine&#13;
weiteres Anliegen: Es ist entscheidend, daß die ESVI&#13;
keine Form annimmt, die Bündnispartner, die nicht&#13;
Mitglied der EU sind, benachteiligen würde. Zu dieser&#13;
Kategorie gehören heute fünf Mitgliedstaaten und&#13;
übermorgen wird es drei weitere geben. Von diesen&#13;
acht nicht zur EU gehörenden Bündnispartnern sind&#13;
sechs europäische, die daher per definitionem vom&#13;
"E" in ESVI abgedeckt werden und deshalb einen&#13;
direkten, eigenen Einsatz in diesem Unterfangen als&#13;
Ganzes haben, an dem sie teilnehmen. Indem ich&#13;
diese beiden potentiellen Fallstricke der ESVI&#13;
aufzeige, möchte ich nicht behaupten, sie seien&#13;
unvermeidbar oder die Idee der ESVI selbst sei&#13;
fehlerhaft und zum Scheitern verurteilt. Ganz und gar&#13;
nicht.&#13;
Die Außenminister des Bündnisses einigten sich&#13;
während der Sitzung des Nordatlantischen Rats im&#13;
Juni 1996 in Berlin auf einige Grundlagen und&#13;
Mindestbedingungen, die, sofern wir sie einhalten, die&#13;
ESVI auf dem richtigen Weg halten werden. Wir&#13;
haben bereits einen Großteil der Arbeit, zur&#13;
Umsetzung der Berliner Prinzipien in konkrete&#13;
organisatorische und operationelle Formen, geleistet.&#13;
Aber der Teufel steckt im Detail - bei den&#13;
Entscheid ungsfindungsverfahren,&#13;
den&#13;
Befehlsstrukturen, den Arrangements für das Teilen&#13;
der Aktiva und der Planungsfähigkeiten. Diese Arbeit&#13;
wird&#13;
bis&#13;
zum&#13;
Washingtoner&#13;
Gipfel&#13;
nicht&#13;
abgeschlossen sein. Allerdings kann das Treffen im&#13;
April durch seinen Umgang mit der ESVI einen&#13;
zusätzlichen Anstoß für die Weiterentwicklung einer&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
gemeinsamen&#13;
europäischen&#13;
Außenund&#13;
Sicherheitspolitik bei den beiden kommenden&#13;
wichtigen Veranstaltungen geben - die WEU- und EUGipfel im Mai und im Juni. Mit anderen Worten, wir&#13;
hoffen beim Rückblick auf die Kalender der Jahre&#13;
1996 bis 1999 auch eine Karte mit einem klar&#13;
eingezeichneten, hell erleuchteten Weg geradewegs&#13;
von Berlin über St. Malo, Washington und Bremen&#13;
nach Köln erkennen zu können.&#13;
Ich möchte auf eine weitere Herausforderung zu&#13;
sprechen kommen:&#13;
Die Entschlossenheit des&#13;
Bündnisses, starke Partnerschaften mit allen Staaten&#13;
der&#13;
euroatlantischen&#13;
Region&#13;
aufzubauen,&#13;
insbesondere auch mit den Staaten, die bis zu Beginn&#13;
dieses Jahrzehnts noch unsere Gegner waren. Ich&#13;
beginne mit der Russischen Föderation. Für die&#13;
Russen - einschließlich vieler, die die Entwicklung&#13;
ihres Landes in die, wie wir alle meinen, richtige&#13;
Richtung unterstützen - ist die NATO von&#13;
entscheidender Bedeutung.&#13;
Das breite Spektrum intensiver Ablehnung der NATOErweiterung ist nicht verschwunden, besonders&#13;
angesichts der Entschlossenheit des Bündnisses,&#13;
seinen Wllen zu kontinuierlicher Erweiterung beim&#13;
Washingtoner Gipfel erneut zu bekräftigen. Wir - das&#13;
Bündnis und Rußland - werden weiterhin tiefgreifende&#13;
Meinungsverschiedenheiten bewältigen müssen.&#13;
Bisher ist uns das gelungen.&#13;
Rußland seinerseits - und das ist ein großer Verdienst&#13;
- kooperiert weiterhin mit der NATO im Namen der&#13;
Prinzipien und Ziele, bei denen wir uns einig sind,&#13;
während wir uns unsererseits verpflichten, dem neuen&#13;
Rußland dabei behilflich zu sein, sich vollständiger in&#13;
das neue Europa zu integrieren, insbesondere in den&#13;
Sicherheitsbereich, in dem die neue NATO eine&#13;
Schlüsselrolle spielt. Das ist keine Theorie, es&#13;
geschieht bereits.&#13;
Rußland ist eine von 19 ehemaligen sowjetischen&#13;
Republiken und eines der Mitglieder des ehemaligen&#13;
Warschauer Pakts, die jetzt zum Euroatlantischen&#13;
Partnerschaftsrat gehören.&#13;
General Zlinko, der&#13;
Stellvertretende Vorsitzende der Hauptabteilung für&#13;
Internationale Militärische Zusammenarbeit der&#13;
Russischen Föderation, wird einer der Teilnehmer der&#13;
SHAPE-Konferenz über die NATO im 21. Jahrhundert&#13;
sein, an der viele von uns in den nächsten beiden&#13;
Tagen in Mons teilnehmen werden.&#13;
Noch&#13;
aussagekräftiger:&#13;
Einige Hundert seinem Befehl&#13;
unterstehende Soldaten dienen Seite an Seite mit&#13;
Bündnispartnern im ehemaligen Jugoslawien.&#13;
Diese Zusammenarbeit geschieht nicht lediglich ad&#13;
hoc: Rußland hat seine Zusammenarbeit mit der&#13;
NATO institutionalisiert - durch den Ständigen&#13;
Gemeinsamen NATO-Rußland-Rat.&#13;
Gleichzeitig&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�arbeitet Rußland intensiv mit 29 anderen Ländern an&#13;
der Reduzierung des Ausmaßes militärischer&#13;
Ausrüstung in Europa als Teil eines angepaßten KSEVertrags.&#13;
&#13;
einen Schatten auf den Washingtoner Gipfel, sondern&#13;
- was viel wichtiger ist - auch auf die Fähigkeit der&#13;
Bündnispartner, die Ziele zu erreichen, die sie sich&#13;
selbst während des Gipfels stecken werden.&#13;
&#13;
Die Ukraine ist ein weiteres wichtiges Mitglied des&#13;
Euroatlantischen Partnerschaftsrats und hat durch die&#13;
NATO-Ukraine-Kommission ihre eigene, spezifische&#13;
Partnerschaft mit der NATO entwickelt. Die Ukraine&#13;
war kürzlich Gastgeberland für zwei erfolgreiche&#13;
gemeinsame internationale Militärübungen.&#13;
Im&#13;
Frühjahr dieses Jahres wird in Kiew ein NATOVerbindungsbüro eröffnet; der erste NATO-Ukraine&#13;
Gipfel wird im April in Washington stattfinden, und die&#13;
Ukraine hat die ehemalige sowjetische Basis Yavoriv,&#13;
ein modernes militärisches Ausbildungs- und&#13;
Übungszentrum, zur Nutzung im Rahmen der&#13;
Partnerschaft für den Frieden angeboten.&#13;
&#13;
Ende April könnten wir über die Feinheiten eines&#13;
neuen Strategischen Konzepts diskutieren, während&#13;
Europa sich vor eine neue humanitäre Katastrophe&#13;
gestellt sieht, eine neue Flüchtlingswelle und den&#13;
vierten Balkankrieg in diesem Jahrhundert. Aber auch&#13;
das Gegenteil stimmt:&#13;
Wenn die nächste&#13;
diplomatische Runde erfolgreich endet, könnte das&#13;
Kosovo die ehrgeizigsten Aspekte der Gipfelagenda&#13;
rechtfertigen, einschließlich der Behauptung, die&#13;
NATO sei eine der Institutionen, die fähig sind, die&#13;
Herausforderung&#13;
des&#13;
konzertierten&#13;
Handelns&#13;
anzunehmen und ihre Energien und Ressourcen auf&#13;
eine klar vorhandene Gefahr für den Frieden auf dem&#13;
europäischen Kontinent und der euroatlantischen&#13;
Gemeinschaft zu konzentrieren.&#13;
&#13;
Die Partnerschaft für den Frieden ist eine einzigartige&#13;
und vielversprechende Einrichtung und sicherlich&#13;
eines der erfolgreicheren Programme in der&#13;
Geschichte des Bündnisses.&#13;
Sie hat eine&#13;
wirkungsvolle Rolle beim Abbau der durch den Kalten&#13;
Krieg entstandenen Barrieren gespielt - einschließlich&#13;
dieser verräterischen Überreste des Eisernen&#13;
Vorhangs und der Berliner Mauer, die noch in den&#13;
Köpfen der Menschen auf beiden Seiten dieser alten&#13;
Trennlinien existieren. Deshalb, meine Damen und&#13;
Herren, gibt es Grund, stolz auf das Vermächtnis der&#13;
NATO zu sein und Grund zu Optimismus bezüglich&#13;
ihre Zukunft.&#13;
Aber ich muß meine Rede mit einer Mahnung zur&#13;
Vorsicht beenden.&#13;
Strukturen und Institutionen,&#13;
Innovationen&#13;
und Anpassungen,&#13;
strategische&#13;
Konzepte und Visionen - das alles ist wichtig für den&#13;
Beweis, daß die NATO in einer neuen Zeit noch&#13;
relevant ist und deshalb auch die Unterstützung&#13;
unserer Bürger und Parlamente verdient.&#13;
Aber&#13;
obwohl das notwendig ist, reicht es nicht aus.&#13;
Zusätzlich zur theoretischen Rechtfertigung ihrer&#13;
Existenz, muß sich die NATO ihre Sporen in der&#13;
Praxis verdienen. Sie muß die existentielle Frage die Frage, warum sie weiterbesteht - dadurch&#13;
beantworten, wie sie mit den harten, häßlichen,&#13;
gefährlichen und verblüffenden Realitäten des Hier&#13;
und Jetzt umgeht.&#13;
An diesem Maßstab gemessen, kann die NATO auf&#13;
ihre Arbeit in Bosnien stolz sein. Aber obwohl ihre&#13;
Arbeit dort noch lange nicht abgeschlossen ist - wie&#13;
uns diese Woche in Erinnerung gerufen wurde - sieht&#13;
sich die NATO nun einer weiteren hinterhältigen und&#13;
dringlichen Bedrohung des Friedens in Europa im&#13;
Kosovo gegenüber. In fünf Tagen, am 15. März,&#13;
treffen sich die Kontaktgruppe und die Konfliktparteien&#13;
erneut in Frankreich. Wenn die Gespräche und das&#13;
darauf Folgende schlecht verlaufen, wirft das nicht nur&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Wir haben diesen Prozeß gemeinsamer institutioneller&#13;
Aktionen in Bosnien begonnen und im Kosovo darauf&#13;
aufgebaut.&#13;
Bisher haben wir trotz aller&#13;
Schwierigkeiten&#13;
eine&#13;
beispiellose&#13;
und&#13;
vielversprechende&#13;
Entwicklung&#13;
von&#13;
Synergie&#13;
zwischen sechs Institutionen - der NATO, der EU, der&#13;
OSZE, den Vereinten Nationen, der Kontaktgruppe&#13;
und&#13;
dem&#13;
Ständigen&#13;
Gemeinsamen&#13;
NATO-Rußland-Rat&#13;
beobachtet.&#13;
Diese&#13;
unterschiedlichen, sich jedoch überschneidenden&#13;
Organisationen haben ihre Kräfte im Namen einer&#13;
drängenden gemeinsamen Sache vereint angewandt:&#13;
•&#13;
&#13;
Die Vereinten Nationen haben der Sache&#13;
durch Resolutionen des Sicherheitsrats&#13;
gemeinsam&#13;
mit&#13;
dem&#13;
Hohen&#13;
Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen&#13;
und dem Internationalen Tribunal für&#13;
Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien&#13;
ihre politische und moralische Autorität&#13;
verliehen;&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
die&#13;
OSZE&#13;
ist&#13;
durch&#13;
ihre&#13;
Verifikationsmissionen vor Ort im Kosovo&#13;
präsent, um die Parteien davon abzuhalten,&#13;
sich gegenseitig anzugreifen;&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
die EU war ständig und tiefgreifend involviert,&#13;
besonders durch die guten Dienste und die&#13;
staatsmännische Führung ihres Gesandten,&#13;
Botschafter Petritsch, der eng mit Boris&#13;
Majorskiy der Russischen Föderation und&#13;
Chris Hill aus den Vereinigten Staaten&#13;
zusammenarbeitet;&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
der&#13;
Ständige&#13;
Gemeinsame&#13;
NATO-Rußland-Rat hat seit Frühjahr 1998&#13;
mindestens einmal im Monat über das&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�•&#13;
&#13;
Kosovo diskutiert und wird dies am&#13;
17. März erneut tun - im Übrigen das&#13;
erste Treffen im Rahmen 19+1 (daß&#13;
heißt unter Teilnahme der neuen&#13;
Bündnispartner);&#13;
&#13;
spielen, was so oft den Ausschlag gibt zwischen&#13;
einem diplomatischen Durchbruch und einem&#13;
diplomatischen Zusammenbruch. Im Übrigen ist es an&#13;
der NATO, das nötige Vertrauen und die Sicherheit für&#13;
die Verankerung einer politischen Lösung zu finden.&#13;
&#13;
und nicht zuletzt - tatsächlich entscheidend&#13;
und unerläßlich - war die NATO im Luftgebiet&#13;
über dem Kosovo, am Boden nicht weit&#13;
entfernt in Mazedonien und zur See in der&#13;
Adria.&#13;
&#13;
Kosovo ist in anderen Worten eine Bewährungsprobe&#13;
für die Alliierten und die Partner - eine Chance für&#13;
Nordamerikaner, Westeuropäer, Mitteleuropäer und&#13;
Osteuropäer, in der Praxis und in Echtzeit zu&#13;
beweisen, daß wir wirklich gemeinsame Interessen&#13;
haben und fähig sind, sie zu verteidigen.&#13;
&#13;
Mit anderen Worten, die NATO ließ die Muskeln&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�CAVALESE&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
USA übernehmen Verantwortung&#13;
Erklärung des Verteidigungsministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister William Cohen&#13;
vom 10. März 1999 zum Seilbahnunglück in Cavalese im Jahr 1998.&#13;
&#13;
Über die jüngste Aussage von Hauptmann Richard&#13;
Ashby bezüglich der Ursache oder Ursachen der&#13;
Tragödie von Cavalese in Italien, bei der 20 Menschen&#13;
ums Leben kamen, wird in den Medien ausführlich&#13;
berichtet. Hauptmann Ashby hat nur für sich selbst&#13;
gesprochen. Er spricht nicht im Namen des Verteidigungsministeriums oder der US-Marinekorps.&#13;
Präsident Clinton hat am Freitag vergangener Woche&#13;
eindeutig erklärt, "die Vereinigten Staaten sind verantwortlich für diese schreckliche Tragödie".&#13;
Die Vereinigten Staaten arbeiten gewissenhaft und eng&#13;
mit der italienischen Regierung zusammen, um die&#13;
unverzügliche und gerechte Entschädigung der&#13;
Hinterbliebenen der Opfer sicherzustellen. Darüber&#13;
hinaus habe ich heute Admiral Joseph W. Prueher,&#13;
den ehemaligen Oberbefehlshaber des U.S. Pacific&#13;
&#13;
Command, mit der Leitung der von Präsident Clinton&#13;
und Ministerpräsident D'Alema angeordneten Überprüfung der Betriebs- und Sicherheitsmaßnahmen&#13;
beauftragt, die nach dem Zwischenfall getroffen&#13;
wurden. Admiral Prueher wird mit den zuständigen&#13;
italienischen Militärs zusammenarbeiten.&#13;
Präsident Clinton und ich haben dem italienischen Volk&#13;
gegenüber viele Male unser großes Bedauern und&#13;
unsere tief empfundene Trauer zum Ausdruck gebracht. Alle Amerikaner teilen das Leid der Familien,&#13;
die bei dieser Tragödie geliebte Menschen verloren&#13;
haben. Das Verteidigungsministerium wird bei der&#13;
Bewältigung der durch dieses schreckliche Ereignis&#13;
hervorgerufenen Probleme weiterhin mit seinen&#13;
starken Partnern und guten Freunden in Italien&#13;
zusammenarbeiten.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Transatlantische Zusammenarbeit&#13;
bei der Konfliktlösung&#13;
Rede von Botschafter Kornblum&#13;
&#13;
KOPENHAGEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei der Konferenz über "Menschenrechte und&#13;
Konfliktlösung - Eine Agenda für das 21. Jahrhundert" in Kopenhagen vom 1. März 1999.&#13;
&#13;
Am Vorabend des 10. Jahrestages des Falls der&#13;
Berliner Mauer sieht sich der Westen mit einer&#13;
Herausforderung konfrontiert, mit der man in jenen&#13;
euphorischen Tagen des Jahres 1989 nie gerechnet&#13;
hätte. Das Verschwinden der Ost-West-Konfrontation&#13;
hat viele Vorteile gebracht.&#13;
Europa ist wirklich&#13;
ungeteilt und im Großen und Ganzen frei. Aber als&#13;
die Zwänge der nuklearen Konfrontation wegfielen,&#13;
taten das auch die Beschränkungen von Konflikten.&#13;
Ironischerweise scheint der Kalte Krieg die gesamte&#13;
Welt in eine Art Nichtverbreitungsvertrag für lokale&#13;
Konflikte eingezwängt zu haben.&#13;
Meinungsverschiedenheiten, von denen man einst dachte, sie&#13;
seien in die Geschichte verbannt worden, sind wieder&#13;
gewaltsam ausgebrochen.&#13;
Offensichtlich erduldete die Welt zwischen 1945 und&#13;
1989 viele Kriege und Konfrontationen. Aber es&#13;
waren für gewöhnlich politische oder militärische&#13;
Konflikte, die sich aus einer geopolitischen Dysfunktion wie im Nahen Osten oder in Vietnam ergaben. Manchmal wurzelten sie im Zusammenbruch&#13;
des Kolonialismus. Oder sie waren bloß Stellvertreteraggressionen, die sich aus der umfassenderen&#13;
Ost-West-Konfrontation ergaben. Auf rein lokalen&#13;
oder kulturellen Meinungsverschiedenheiten gründende Kämpfe waren sehr viel weniger verbreitet.&#13;
Seit 1989 ist das Gegenteil der Fall. Stellvertreterkriege sind buchstäblich verschwunden. An ihre&#13;
Stelle ist eine Vielzahl von begrenzteren Disputen&#13;
getreten, die häufig so lokal sind und so obskure&#13;
Ursachen haben, daß eine Definition unmöglich ist.&#13;
Die Themen, um die es geht, lassen manchmal eine&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Lösung mit normalen Methoden der Diplomatie oder&#13;
sogar dem Einsatz von militärischer Gewalt nicht zu.&#13;
Lösungen sind gewöhnlich kurzlebig oder kompliziert&#13;
anzuwenden.&#13;
Ich denke, man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen,&#13;
daß kein anderes Thema in der Welt nach dem Kalten&#13;
Krieg mehr Probleme aufgeworfen hat als diese&#13;
Verbreitung lokaler Konflikte. Ressourcen und die&#13;
Glaubwürdigkeit von Regierungen und internationalen&#13;
Organisationen wurden oft vor die Zerreißprobe&#13;
gestellt. In mehreren Teilen der Welt gab es unzählige Tote und Leid. Die Weltöffentlichkeit ist zunehmend verwirrt über die Friedens- und Entwicklungsstrategien. Wir riskieren ein Ermüdungsgefühl in den&#13;
Parlamenten und der Öffentlichkeit. Es herrschen&#13;
sogar ernsthafte Zweifel an den Chancen für demokratische Entwicklung in einer Reihe von Regionen,&#13;
darunter Teilen Europas.&#13;
Regionale Konflikte stellen die Demokratien der&#13;
euroatlantischen Welt vor besondere politische und&#13;
philosophische Herausforderungen. Das anbrechende neue Jahrhundert beendet eine der verwirrendsten&#13;
Perioden der Menschheitsgeschichte. Im 20. Jahrhundert wurden große Errungenschaften in Wssenschaft und Wirtschaft begleitet von den schrecklichsten Beispielen menschlicher Grausamkeit. Der Sieg&#13;
im Kalten Krieg beendete über 70 Jahre europäischen&#13;
Bürgerkrieg. Die nach 1945 entstände atlantische&#13;
Gemeinschaft war gleichermaßen die Grundlage und&#13;
das Symbol für die Botschaft der Demokratie, die&#13;
diese großartige Leistung ermöglichte.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt auf dem Balkan unterstreichen die&#13;
Gefahr der Lage. Die atlantischen Nationen sind die&#13;
Hüter des demokratischen Ideals. Aber wir sind auch&#13;
die einzige Macht der Welt, die dieses Ideal mit Taten&#13;
untermauern kann. Unsere Regierungen, unsere&#13;
Gesellschaften und unsere Volkswirtschaften leben&#13;
die Demokratie täglich. Wir sind der Überzeugung,&#13;
daß unsere Lösungen auch für andere am besten&#13;
sind. Wenn es uns jedoch nicht gelingt, die Grundlagen für Freiheit im übrigen Europa und in anderen&#13;
Teilen der Welt zu schaffen, werden unsere Vorgaben&#13;
bald inhaltsleer sein. Wenn sich unsere Interessen in&#13;
einem Nebel interner Debatten verlieren, könnte&#13;
unsere Einheit auf die Probe gestellt werden.&#13;
Der Konflikt in Bosnien hat uns gelehrt, daß kein Land,&#13;
einschließlich der Vereinigten Staaten, gegen diese&#13;
Herausforderungen immun ist. Die Frustrationen in&#13;
Bosnien lehrten die Europäer, daß ihre Einheit der&#13;
Probe externer Konflikte noch nicht standhalten&#13;
konnte. Wr alle haben gelernt, daß unsere Sicherheit&#13;
unteilbar ist. Wir haben auch gelernt, daß unsere&#13;
Methoden und Ressourcen unseren Anforderungen&#13;
nicht gerecht werden.&#13;
Eine der größten Herausforderungen stellen sich&#13;
unsere Konzepte zu Menschenrechten und der Rolle&#13;
demokratischer Werte in den Beziehungen zwischen&#13;
Nationen und Völkern. Unsere gemeinsamen Bemühungen um Menschenrechte in Europa haben direkt&#13;
zum Zusammenbruch des Kommunismus beigetragen. Aber wir hatten Schwierigkeiten, die gleichen&#13;
Maßstäbe auf so unterschiedliche Situationen wie die&#13;
auf dem Balkan, in Tschetschenien oder Ruanda&#13;
anzuwenden.&#13;
&#13;
Zielrichtung, die militärische Stärke und die Führungserfahrung, die für die Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen auf der Welt erforderlich sind.&#13;
Aber auch dieses Konzept ist irreführend. Die Vereinigten Staaten möchten nicht zum Branddirektor und&#13;
Polizeichef der Welt ernannt werden. Unser Volk war&#13;
bereit, massive Maßnahmen gegen eine klare sowjetische Bedrohung zu unterstützen. Aber wir sind keine&#13;
Nation mit imperialer Vergangenheit. Die Bewahrung&#13;
des komplexen Mächtegleichgewichts zwischen&#13;
kriegführenden Gruppen ist nicht unsere Stärke. Um&#13;
unsere Macht erfolgreich zu nutzen, benötigen wir&#13;
Ziele und Partner. Macht allein ist nicht die Antwort.&#13;
Dahinter muß ein Gefühl für die Zielrichtung und eine&#13;
Gemeinschaft stehen.&#13;
Ich möchte argumentieren, daß die Probleme für&#13;
Europa noch drängender sind. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat Europa vor die Herausforderung gestellt&#13;
zu handeln. Solange Europa geteilt war, funktionierte&#13;
der Westen auf der Basis eines impliziten Handels.&#13;
Amerika bot die Grundlage für eine atlantische&#13;
Gemeinschaft, indem es Ressourcen und generelle&#13;
Sicherheit beitrug. Europa verlieh dieser Gemeinschaft durch den Wederaufbau demokratischer&#13;
Gesellschaften und die Vertiefung der internen&#13;
Integration Substanz.&#13;
Jetzt herrscht ein neues Paradigma vor. Die von den&#13;
Vereinigten Staaten unterstützte externe Sicherheitsglocke ist für die Herausforderungen nicht mehr&#13;
relevant, die wir heute erörtern. Und interne Stabilität&#13;
und Integration innerhalb Europas reichen als europäischer Beitrag zu unseren gemeinsamen Bestrebungen&#13;
nicht länger aus.&#13;
&#13;
Wie bringen wir unsere Ideale mit komplexen lokalen&#13;
Konflikten oder den humanitären Konsequenzen von&#13;
Krieg und Konfrontation in Einklang? Welche Rolle&#13;
kommt nationaler Souveränität oder militärischer&#13;
Sicherheit zu, wenn nationale Grenzen nicht länger&#13;
der definierende Rahmen für Meinungsverschiedenheiten sind? Wie legitim ist die Verteidigung nationaler Kultur oder Religion als Grund für Militäraktionen? Wie gehen wir mit diplomatischen Strukturen und Rechtsprinzipien angesichts bevorstehender&#13;
humanitärer Katastrophen um? Und vielleicht am&#13;
wichtigsten ist, was kann man mit Staatschefs wie&#13;
Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic tun, die&#13;
einfach nicht die Regeln des internationalen humanitären Rechts befolgen wollen?&#13;
&#13;
Mit anderen Worten: Europa muß nach außen&#13;
blicken. Die hart erkämpfte Einheit wird vor allem&#13;
durch Europas Erfolg bei der Bewältigung der von mir&#13;
beschriebenen Herausforderungen auf die Probe&#13;
gestellt. Und wenn Europa den Test nicht besteht,&#13;
wird auch die atlantische Gemeinschaft Schaden&#13;
nehmen.&#13;
&#13;
Diese Fragen stellen sich uns allen. Aber sie haben&#13;
andere Implikationen für die Vereinigten Staaten als&#13;
für unsere europäischen Verbündeten. W r werden&#13;
regelmäßig mit der Behauptung konfrontiert, Amerika&#13;
sei die letzte verbliebene Supermacht.&#13;
Das ist&#13;
teilweise richtig. Nur wir haben die einheitliche&#13;
&#13;
Ich gehe davon aus, daß unsere Fähigkeit zu Vision&#13;
und zur Vorgabe einer Zielrichtung gemeinsam die&#13;
Feuerprobe für unseren künftigen Erfolg sein werden.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Das ist nicht noch ein Aufruf an Europa, mit sich selbst&#13;
ins Reine zu kommen. Ich habe selbst mit zu vielen&#13;
dieser Probleme gekämpft, um davon auszugehen,&#13;
daß es eine leichte Antwort gibt. Noch so viele&#13;
Ausschüsse oder Verträge werden es nicht schaffen.&#13;
Und genausowenig wäre ein neuer "Hoher Repräsentant für die GASP" eine einfache Lösung.&#13;
&#13;
Ein Europa, das seine Ziele und Werte - und&#13;
seine Einheit - nicht auf diese Herausforde-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�rung anwenden kann, wird es schwer haben,&#13;
die vielen anderen Herausforderungen zu&#13;
meistern.&#13;
Ein Amerika, das vor seiner Führungsrolle bei&#13;
der Schaffung von Einheit unter Demokratien&#13;
zurückschreckt, wird seine Macht geschmälert&#13;
finden. Das Ergebnis wird Frustration und&#13;
Ungeduld angesichts immer geringerer Ordnung auf der Welt sein.&#13;
Wenn die aufstrebenden Demokratien in&#13;
Zentral- und Osteuropa nicht so schnell und&#13;
reibungslos wie möglich in dieses Wertesystem integriert werden, werden die Gefahren solcher Konflikte in Europa wahrscheinlich zunehmen. Damit meine ich nicht die&#13;
unverzügliche Mitgliedschaft in der NATO&#13;
oder der EU. Aber eine Strategie der Ziele&#13;
und Werte ist unerläßlich.&#13;
Das ist meine Version des Hintergrunds der wichtigen&#13;
Diskussionen, die Sie heute hier führen werden. Ich&#13;
beglückwünsche das Zentrum für Menschenrechte&#13;
und das US-Informationsamt Kopenhagen zu ihrer&#13;
Initiative bei der Veranstaltung dieser Tagung.&#13;
Gerade jetzt, wo wir erneut Militäraktionen in Betracht&#13;
ziehen, ist es unabdingbar, daß wir unsere Fähigkeit&#13;
zur Bewältigung solcher Konflikte stärken, ohne den&#13;
Einsatz militärischer Gewalt androhen zu müssen.&#13;
Als jemand, der in den siebziger Jahren in Berlin mit&#13;
der Arbeit an Konfliktverhütung begonnen hat und seit&#13;
damals an nahezu jedem wichtigen Schritt auf dem&#13;
Weg beteiligt war, bin ich mir der Schwierigkeiten bei&#13;
der Unterbreitung von Lösungsvorschlägen bewußt.&#13;
Stattdessen habe ich einige Lehren und einige Fragen&#13;
zusammengetragen, die - wie ich hoffe - Ihre Diskussion anregen werden.&#13;
Erstens: Wir müssen uns über Ursprung und Natur&#13;
der Herausforderungen im Klaren sein, denen wir&#13;
gegenüberstehen. Sind die Kriege im ehemaligen&#13;
Jugoslawien Teil eines innenpolitischen serbischen&#13;
Machtkampfs oder werden sie von aufgestautem&#13;
gegenseitigem ethnischem Haß geschürt? Was ist&#13;
Ursache und was ist Wirkung? Was ist das Wesen&#13;
der Herausforderung, die Saddam Hussein darstellt?&#13;
Ist er ein regionaler Tyrann in einer Region, die&#13;
sowieso keine starken demokratischen Tendenzen&#13;
hat, oder bedroht er ernsthaft Gebiete über diese&#13;
Region hinaus?&#13;
Zweitens: Wir müssen wissen, wohin wir gehen. Das&#13;
mag offenkundig klingen, aber Richtungslosigkeit war&#13;
eine der entscheidendsten Schwächen unserer&#13;
bisherigen Bestrebungen. Wir haben Jahre mit der&#13;
Verfeinerung unserer Vision von internationalem&#13;
humanitären Recht und Menschenrechten verbracht.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Das Dokument von Kopenhagen hat Symbolcharakter&#13;
bei dieser Suche. Aber sobald der Hauptkonflikt&#13;
einmal beigelegt war, schien eine funktionale Definition der Menschenrechte zweitrangig zu werden.&#13;
Sowohl die OSZE als auch die Allgemeine Erklärung&#13;
der Menschenrechte bieten Richtlinien für die Beurteilung des Verhaltens anderer. Sie sind nicht unfehlbar. Aber richtig von falsch unterscheiden zu können,&#13;
ist immer noch der wichtigste erste Schritt zu Frieden.&#13;
Das heißt, mit klaren Worten zu sprechen. Die&#13;
Unterdrückung von Rechten, der Einsatz von Gewalt&#13;
und die Verzerrung der Wahrheit sind falsch - aus&#13;
welchem Grund auch immer sie angewendet werden.&#13;
Es heißt auch, klar zu denken. Wir sollten unsere&#13;
Institutionen nicht aus der Furcht heraus lähmen, daß&#13;
andere unsere eigenen entschlossenen Aktionen zur&#13;
Rechtfertigung anderer, unrechtmäßiger Aktivitäten&#13;
benutzen. Aktionen einer demokratischen NATO oder&#13;
Europäischen Union haben eine ganz andere Qualität&#13;
als die eines Diktators, der andere zu unterdrücken&#13;
versucht.&#13;
Drittens: Wir müssen handeln können. Die Institutionen für die friedliche Lösung von Konflikten&#13;
sollten so weit wie möglich gestärkt werden. Wir&#13;
sollten jedoch sorgfältig überdenken, was eine solche&#13;
Stärkung bedeutet. Es bedeutet vor allem Klarheit&#13;
über unsere eigenen Ziele. Geld in Ausschüsse zu&#13;
stecken, die Erklärungen herausgeben, reicht nicht&#13;
aus. Diese Ziele sollten aktiv in unseren eigenen&#13;
Institutionen und in umfassenderen Foren verfolgt&#13;
werden. Wir sollten den Dialog innerhalb der assoziierten Institutionen der NATO, EU und WEU vertiefen.&#13;
Wr sollten die Zielsetzung der OSZE klären. Und die&#13;
UNO sollte noch mehr nach dem Wert von Methoden&#13;
statt auf ihre Fähigkeit zur Erlangung eines Konsenses ausgerichtet werden.&#13;
Mündige Staatsbürger sind unerläßlich. Wenn wir&#13;
überzeugt sind, daß die Welt auf der Grundlage&#13;
demokratischer Prinzipien funktionieren sollte, sollten&#13;
wir versuchen, das Wissen über Konfliktverhütung so&#13;
weit wie möglich zu verbreiten. Das Verständnis der&#13;
Implikationen aktueller Herausforderungen ist eine&#13;
große Aufgabe. Wenn mündige Staatsbürger für die&#13;
Demokratie in den Ländern unerläßlich sind, so sind&#13;
sie doppelt wichtig für die Schaffung einer weltweiten&#13;
Grundlage für Demokratie. Die Arbeit an dieser&#13;
Aufgabe hat gerade erst begonnen.&#13;
Viertens: Wir müssen unsere Methoden besser&#13;
verstehen. Wenn uns dieses neue Zeitalter eines&#13;
lehrt, dann, daß wir uns - wie Präsident Clinton es&#13;
formuliert hat - rasch von einer Ära der Umsetzung zu&#13;
einer Vision des empowerment als Grundlage unserer&#13;
demokratischen Weltordnung bewegen. Mündige&#13;
Staatsbürger können sich nicht auf Verträge und&#13;
Resolutionen oder Friedenstruppen verlassen, um die&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts zu&#13;
bewältigen. Es ist ein Gefühl geteilter Verantwortung&#13;
für die Aufgaben des neuen Zeitalters, das die&#13;
Unterstützung für unsere Werte hervorbringt. Völker,&#13;
die Unterdrückung erduldet haben, können nicht durch&#13;
rechtliche Argumente gezwungen werden, ihre&#13;
Träume aufzugeben. Aber ein Gefühl von persönlichem empowerment und geteilter Verantwortung&#13;
hervorzubringen, kann die von den Völkern selbst&#13;
definierten Bedürfnisse erfüllen, ohne die Rechte&#13;
anderer zu beeinträchtigen.&#13;
&#13;
Aufgabe angepaßt. Das Gipfeltreffen zum 50-jährigen&#13;
Bestehen der NATO in diesem Jahr wird die Fähigkeit&#13;
der NATO noch weiter stärken, Sicherheit über die&#13;
Grenzen ihrer Mitgliedstaaten hinaus zu projizieren.&#13;
Im November werden die Staatschefs der OSZE der&#13;
rasch wachsende Rolle dieser Organisation beim&#13;
Aufbau eines Rahmens für demokratischen Frieden&#13;
mehr Substanz verleihen. Die Europäische Union&#13;
setzt ebenfalls einen klaren Kurs für die Integration&#13;
von ganz Europa fest.&#13;
&#13;
Mit anderen Worten, wir sind gerade dabei, eine neue&#13;
Friedensdisziplin zu definieren. Um in Zukunft die&#13;
demokratische Stabilität zu bewahren, müssen wir die&#13;
Instrumente der traditionellen Diplomatie mit den&#13;
Standards von Demokratie und freien Marktwirtschaften kombinieren. Die Geschichte hat verdeutlicht, daß Offenheit und Toleranz die einzig sicheren&#13;
Methoden für Frieden und Wohlstand sind.&#13;
&#13;
Um die Sprache der neuen Generation zu verwenden:&#13;
Wir haben die Hardware zur Erfüllung unserer Aufgabe geschaffen. Was fehlt, ist die Software - das&#13;
heißt, die Ideen und Konzepte, die dieser Arbeit&#13;
Substanz verleihen können. Sie sind die Designer&#13;
dieser Software. Ich bin dankbar für Ihre Initiative und&#13;
freue mich über die Gelegenheit, Ihnen bei Ihrer Arbeit&#13;
behilflich sein zu können.&#13;
&#13;
In den vergangenen zehn Jahren haben wir unsere&#13;
Institutionen in bewundernswerter Weise an diese&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Lassen Sie uns zusammenarbeiten,&#13;
damit die WTO funktioniert&#13;
von John C. Kornblum&#13;
BONN - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Botschafters der Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, der auf Deutsch zuerst im Handelsblatt vom 10.&#13;
März 1999 erschienen ist.&#13;
&#13;
Ende dieses Jahres werden sich die Wirtschaftsminister in Seattle zu ihrer dritten Ministerkonferenz&#13;
seit Gründung der WTO im Jahre 1995 treffen. Die&#13;
Vereinigten Staaten bereiten eine ehrgeizige und&#13;
zukunftsweisende Tagesordnung für dieses Treffen&#13;
vor - ein Treffen mit dem Potential, die weltweite&#13;
Handelsagenda für das erste Jahrzehnt des neuen&#13;
Jahrtausends aufzustellen. Wie Präsident Clinton&#13;
letztes Jahr bei der WTO sagte, suchen wir nach&#13;
nichts Geringerem als "einer neuen Vision des Handels für den Aufbau einer für das 21. Jahrhundert&#13;
bereiten WTO".&#13;
Wir sollten uns jedoch auch daran erinnern, daß die&#13;
Gründung der WTO eine bedeutende Abkehr von&#13;
früheren Handelspraktiken war. Durch die Unterzeichnung des WTO-Abkommens einigten sich die Mitgliedsländer auf eine Reihe durchsetzbarer Regeln,&#13;
Verfahren und Standards. In den Vereinigten Staaten&#13;
beobachten viele kritischen Auges, wie die Organisation die globalen Handelshemmnisse weiter abbaut.&#13;
Die Vereinigten Staaten arbeiten sorgfältig auf die&#13;
Umsetzung der WTO-Entscheidungen - auch der&#13;
gegen uns gerichteten - hin, aber andere Parteien&#13;
haben dies nicht getan. Zusätzlich zu den konkret&#13;
betroffenen Handelsbereichen steht die zukünftige&#13;
Glaubwürdigkeit der WTO im Mittelpunkt dieser&#13;
Auseinandersetzungen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der EU über Bananen und hormonbehandeltes Rindfleisch. Wird die EU ihren Verpflichtungen nachkommen oder nicht? Damit die WTO Erfolg&#13;
hat, müssen die jetzt vorhandenen Regeln auch jetzt&#13;
vollständig beachtet werden. Alle 132 Vertragsparteien der WTO müssen sich an das von uns so&#13;
gewissenhaft ausgearbeitete System halten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Es gibt zahlreiche Irrtümer beim Thema Bananen, die&#13;
ich ansprechen möchte.&#13;
Irrtum Nr. 1 : Das Thema Bananen ist eine banale&#13;
Angelegenheit, das die Erregung transatlantischer&#13;
Gemüter nicht lohnt. Diese Charakterisierung lenkt die&#13;
Aufmerksamkeit von den grundlegenden auf dem Spiel&#13;
stehenden Prinzipien ab.&#13;
Einer der wichtigsten Mechanismen der WTO ist ihr&#13;
Streitschlichtungsverfahren. Es soll gewährleisten,&#13;
daß Handelsstreitigkeiten so schnell und sachlich wie&#13;
möglich beigelegt werden. Aber dieses Verfahren&#13;
kann nur dann gut funktionieren, wenn alle Mitglieder&#13;
sich an die Entscheidungen der Streitschlichtungsausschüsse halten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben vier WTO-Prozesse&#13;
verloren: In jedem Fall haben wir die WTO-Entscheidung befolgt. Dies ist das erste Mal, daß die&#13;
Europäische Union einen Fall verliert und das erste&#13;
Mal, daß ein Mitgliedstaat der WTO seiner WTOgemäßen Verpflichtung, den Streitschlichtungsvereinbarungen Folge zu leisten, nicht nachgekommen ist.&#13;
Problematischer allerdings ist die Tatsache, daß das&#13;
Verhalten der EU im Bananenstreit einen negativen&#13;
Präzedenzfall für zukünftige Streitigkeiten geschaffen&#13;
hat.&#13;
Die Marktordnung der EU bezüglich des Bananenimports wurde dreimal als nicht im Einklang mit den&#13;
Regeln der WTO (und davor des GATT) stehend&#13;
befunden. Im letzten Fall versuchten die Vereinigten&#13;
Staaten monatelang erfolglos, eine substantielle&#13;
Lösung mit der EU auszuhandeln. Jedes Mal wurde&#13;
uns eine schroffe Abweisung erteilt. In der Tat führte&#13;
die EU im Januar dieses Jahres einseitig eine sogar&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�noch restriktivere Importpolitik ein. Das Versäumnis&#13;
der EU, dieser oder jeder anderen Entscheidung eines&#13;
Streitschlichtungsgremiums der WTO nachzukommen,&#13;
kann kaum als banal bezeichnet werden. Es schürt&#13;
protektionistische Getühle in den Vereinigten Staaten,&#13;
besonders in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten&#13;
den Druck eines unverhältnismäßig hohen Anteils von&#13;
Importen aus krisengeschüttelten Volkswirtschaften zu&#13;
spüren bekommen.&#13;
Ein weiteres wichtiges Prinzip steht auf dem Spiel: Der&#13;
Handel mit Dienstleistungen (wie die Verteilerdienste&#13;
für Bananen) ist nicht weniger relevant für die Arbeit&#13;
der WTO als der Handel mit Waren. Die Vereinigten&#13;
Staaten und ihre EU-Partner haben im vergangenen&#13;
Jahrzehnt hart darauf hingearbeitet, die Bedeutung&#13;
des Handels mit Dienstleistungen hervorzuheben und&#13;
ihn zu einem Teil der internationalen Handelsmarktordnung zu machen. Das war eines der in der WTO&#13;
verankerten Prinzipien.&#13;
Irrtum Nr. 2: Die Vereinigten Staaten verfolgen&#13;
dieses Thema aus "internen politischen Gründen",&#13;
obwohl es "nicht im Interesse der amerikanischen&#13;
Wirtschaft" liegt, wie Sir Leon Brittan Anfang letzter&#13;
Woche argumentierte [2. März). Dieses Argument&#13;
widerspricht jeder Logik. Als führende Exportnation&#13;
der Welt haben die Vereinigten Staaten ein überaus&#13;
großes Interesse an der Gewährleistung der vollständigen Durchsetzung der WTO-Regeln. Sicher, wir&#13;
bauen keine Bananen an, aber hier stehen amerikanische Arbeitsplätze auf dem Spiel. Und generell&#13;
benötigen die Vereinigten Staaten ein funktionierendes&#13;
WTO-Streitschlichtungssystem und die Einhaltung der&#13;
WTO-Entscheidungen durch unsere Handelspartner.&#13;
Dieses Argument sollte besonders in Deutschland, der&#13;
drittgrößten Exportnation, auf Widerhall stoßen. Und&#13;
was noch wichtiger ist, das Thema sollte Deutschland&#13;
besonders interessieren, da Deutschland als Folge der&#13;
EU-Marktordnung für die Bananeneinfuhr einen&#13;
bedeutenden Anstieg der Bananenpreise sowie einen&#13;
bedeutenden Rückgang des Bananenkonsums&#13;
erfahren hat.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Irrtum Nr. 3: Die Vereinigten Staaten suchen Streit&#13;
und handeln unilateral. Dieses Argument ignoriert die&#13;
Ursprünge des Problems. Damals führte die EU eine&#13;
Marktordnung für den Bananenimport in die EU ein, die&#13;
Unternehmen der Europäischen Union begünstigte&#13;
und ausländische Firmen auf dem Bananenmarkt der&#13;
EU benachteiligte. In der Tat haben wir diesen Fall&#13;
drei Mal bei der WTO vorgebracht. Im vergangenen&#13;
Jahr haben wir der EU jede Möglichkeit eingeräumt,&#13;
über dieses Thema zu diskutieren, aber erst vorigen&#13;
Monat, nach sechsjähriger Verschleppungstaktik, war&#13;
die EU zu einer ernsthaften Diskussion über dieses&#13;
Thema bereit.&#13;
Die im Januar von den Vereinigten Staaten getroffene&#13;
Entscheidung zur Auferlegung 100-prozentiger Zölle&#13;
wurde weder leichtfertig noch einseitig getroffen. Wir&#13;
hielten uns genau an das WTO-Verfahren, indem wir&#13;
für diese Maßnahme eine Genehmigung einholten.&#13;
Wir befolgten ebenfalls die Bestimmungen der WTO,&#13;
als wir die Maßnahme 30 Tage aufschoben, um der&#13;
EU Gelegenheit zu geben, die vorgeschlagene Höhe&#13;
der ausgesetzten Zoll-Zugeständnisse zu überprüfen.&#13;
Nun folgen wir dem WTO-Verfahren, indem wir mit der&#13;
WTO bei der Beantwortung ihrer Fragen zu wirtschaftlichen Schäden zusammenarbeiten. Gleichzeitig&#13;
sind die Vereinigten Staaten vollkommen im Recht,&#13;
wenn sie Schritte zum Schutz ihrer Interessen unternehmen, während die Schlichter der WTO ihre Beratungen abschließen. Botschafter Peter Scher verdeutlichte unsere Position: Wir werden uns an die Entscheidung der Schlichter halten, wie sie auch ausfallen&#13;
mag.&#13;
Der Bananenstreit ist schon viel zu lange auf unseren&#13;
Tagesordnungen und in den Schlagzeilen. Er lenkt die&#13;
Aufmerksamkeit von weit produktiveren Aktivitäten ab,&#13;
die die Vereinigten Staaten und Europa gemeinsam&#13;
durchführen könnten. Deshalb ist es entscheidend für&#13;
die transatlantische Gemeinschaft, diese und andere&#13;
Handelsstreitigkeiten zügig und unpolitisch beizulegen&#13;
und dann weiterzuarbeiten.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
24. März 1999&#13;
&#13;
Summers sieht Notwendigkeit für Marktwachstum&#13;
und Reform der Wachstumsmärkte&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
Lawrence H. Summers vor der National Association for Business Economics vom 2. März 1999.&#13;
&#13;
Dies ist für uns alle eine völlig neue Zeit. Mit dem&#13;
Aufkommen der Informationstechnologie, der allgemeinen Verbreitung der Marktkräfte, dem Aufstreben&#13;
der Wachstumsmärkte und zunehmender weltweiter&#13;
Integration ändert sich die Welt auf grundlegende&#13;
Weise. Aber ironischerweise sind trotz alles Neuen die&#13;
vorherrschenden Probleme Ende der neunziger Jahre&#13;
traditioneller Art:&#13;
Die effektive Bewältigung von&#13;
Finanzkrisen und die Gewährleistung einer angemessenen weltweiten Nachfrage.&#13;
Vor diesem Hintergrund würde ich heute gerne zuerst&#13;
über die Wirtschaftslage in jeder der wichtigsten&#13;
Regionen der Welt nachdenken, dies zusammenfassen und dann über die Bedeutung für das globale&#13;
Wirtschaftswachstum sprechen.&#13;
I. Die treibende Kraft auf der Welt&#13;
Die Vereinigten Staaten sind noch immer ein leuchtendes Symbol der Stärke. Die Erholung der Wirtschaft ist mittlerweile zur längsten Expansion der&#13;
Geschichte in Friedenszeiten geworden. Zahlen, die&#13;
hoch sein sollten, sind hoch, Zahlen, die niedrig sein&#13;
sollten, sind niedrig:&#13;
&#13;
Fast 18 Millionen neue Arbeitsplätze wurden&#13;
seit dem Amtsantritt von Präsident Clinton&#13;
geschaffen, und in realen Zahlen steigen die&#13;
Löhne und Gehälter schneller als in den&#13;
letzten 20 Jahren.&#13;
Inflation, Arbeitslosigkeit, Gewaltverbrechen,&#13;
Sozialhilfeempfänger alle Zahlen sind&#13;
niedriger, als sie es seit einer Generation&#13;
waren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
Die Last des Haushaltsdefizits wurde endlich&#13;
reduziert. Zu Beginn der ersten Amtszeit der&#13;
Clinton-Regierung wurde das Defizit für 1998&#13;
auf 357 Milliarden Dollar geschätzt. Stattdessen erwirtschafteten wir einen Überschuß&#13;
von 70 Milliarden Dollar. Und die Haushaltsbehörde des Kongresses sowie das Büro für&#13;
Haushaltsführung sagen für die kommenden&#13;
Jahre Überschüsse voraus.&#13;
Als Folge des reduzierten Haushaltsdefizits dieses&#13;
Jahrzehnts wurde über eine Billion Dollar, die ansonsten in fruchtlose Regierunganleihen investiert worden&#13;
wäre, in Amerikas Zukunft investiert:&#13;
In unsere&#13;
produktiven Unternehmen, unsere Arbeitnehmer,&#13;
unsere Städte und unser Zuhause.&#13;
Diese Umsichtigkeit wird uns an der Schwelle zum 2 1 .&#13;
Jahrhundert noch zugute kommen. Aber wie Goethe&#13;
einst sagte, wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.&#13;
Neben unseren Erfolgen gibt es natürlich auch&#13;
Schwachpunkte:&#13;
Die Reduzierung des Defizits hat zur Erhöhung unserer nationalen Sparquote - von 3,4&#13;
Prozent des Nationaleinkommens 1992 auf&#13;
7,5 Prozent in den ersten drei Quartalen des&#13;
letzten Jahres - beigetragen. Aber dies bleibt&#13;
noch erheblich hinter der Quote der fünfziger&#13;
und sechziger Jahre zurück. Und im gleichen&#13;
Zeitraum ist die persönliche Sparquote auf&#13;
den niedrigsten Stand seit 55 Jahren gesunken.&#13;
Wir wachsen schneller als jedes andere Land&#13;
der Welt - mehr als zwei Drittel des Wachstums in den Industrieländer im vorigen Jahr ist&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�auf unseren Beitrag zurückzuführen. Nächstes Jahr wird es wahrscheinlich ein ähnlich&#13;
hoher Anteil sein. Aber genau dieser Erfolg&#13;
fordert seinen Tribut bei unserer Außenhandelsposition. Prognosen des Privatsektors&#13;
verzeichnen 1998 einen Anstieg des Leistungsbilanzdefizits der Vereinigten Staaten&#13;
um mehr als 80 Milliarden Dollar - auf 235&#13;
Milliarden Dollar - und gehen davon aus, daß&#13;
es im nächsten Jahr noch weiter steigen wird.&#13;
Selbstgefälligkeit ist eine weitere Quelle für&#13;
Schwäche. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die&#13;
großen Fehler des Optimismus - sei es bei der&#13;
Bewertung von Vermögenswerten, der Schaffung neuer Kapazitäten oder der Hinnahme&#13;
von Disproportionalität - in guten Zeiten gemacht werden.&#13;
Alle diese Belange lassen zwei Punkte besonders&#13;
hervorstechen.&#13;
Erstens bestätigen sie, wie wichtig es ist, die gute&#13;
wirtschaftliche Lage zu Investitionen in die Zukunft zu&#13;
nutzen. Alle Zeichen sprechen dafür, daß die Erholungsphase anhalten kann und wird, sei es auch in&#13;
einer langsameren Gangart als wir es in den letzten&#13;
Monaten gesehen haben. Aber die Erfahrung lehrt&#13;
uns, die beste Versicherung ist Spielraum. Indem wir&#13;
uns der langfristigen Probleme der sozialen Sicherung&#13;
und der nationalen Schuldenreduzierung annehmen,&#13;
bleibt der Haushalt für die Zukunft gerüstet. Mit dieser&#13;
haushaltspolitischen Umsichtigkeit und den heutigen&#13;
niedrigen Inflationserwartungen sind die Vereinigten&#13;
Staaten in einer guten Ausgangsposition für die&#13;
Abwehr eventuell auftretender Schwierigkeiten an allen&#13;
Fronten.&#13;
Zweitens heben sie das verstärkte Interesse der&#13;
Vereinigten Staaten an nachhaltig starkem Wachstum&#13;
im Ausland hervor. Und hier gibt es mit Sicherheit&#13;
wichtige neue Gründe für Bedenken.&#13;
II. Die Risiken außerhalb unserer Grenzen&#13;
1. Die Entwicklung Asiens&#13;
Ich bin gerade von einer Reise durch fünf asiatische&#13;
Staaten zurückgekehrt und muß sagen, die Erfahrung&#13;
war ernüchternd.&#13;
Natürlich gibt es signifikante Lichtblicke. Einige der am&#13;
stärksten von der Krise betroffenen Länder der Region&#13;
-vor allem die Philippinen, Thailand und Korea - haben&#13;
wichtige Fortschritte bei der Stabilisierung ihrer&#13;
Volkswirtschaften und den für neues Vertrauen und&#13;
langfristiges Wachstum notwendigen Veränderungen&#13;
gemacht. Bei meinem Koreabesuch - ein Land, das&#13;
noch vor knapp einem Jahr am Rande des allgemeinen Zusammenbruchs stand und auch in der Zukunft&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
mit Sicherheit eine Reihe von Herausforderungen&#13;
bewältigen müssen wird - war ich besonders von den&#13;
Fortschritten beeindruckt, die ein Jahr entschiedene&#13;
Führungsstärke und eine rigorose Politik erzielt hatten.&#13;
Die andauernden Probleme seiner Nachbarn werfen&#13;
allerdings einen Schatten auf die Perspektiven dieses&#13;
Landes. Während der jüngste Erfolg Indonesiens bei&#13;
der Umsetzung eines Teils seines makroökonomischen Anpassungsprogramms viel zur Stabilisierung&#13;
der Wirtschaft beigetragen hat, sind politische Unsicherheiten ein Haupthindernis für eine langfristige&#13;
Erneuerung des Vertrauens und des Wachstums.&#13;
Auch Malaysia befindet sich in einem Schwebezustand.&#13;
China war in den letzten 18 Monaten eine Hauptquelle&#13;
regionaler Stabilität. Um erneut mit Zhu Rhongji, dem&#13;
chinesischen Ministerpräsidenten, zu sprechen - ich&#13;
war erfreut ihn in Peking nochmals seinen Wunsch&#13;
bestätigen zu hören, China auch in Zukunft diese Rolle&#13;
zukommen zu lassen. Aber wie die führenden Politiker&#13;
erkennen, verstärken die jüngsten Ereignisse die&#13;
Notwendigkeit, die langfristigen Probleme Chinas in&#13;
Angriff zu nehmen - besonders die Probleme des&#13;
staatlichen Energiesektors und die steigenden Schulden des Finanzsektors. Diese Reformen wiederum&#13;
stellen für Politiker in einem Umfeld des rückläufigen&#13;
regionalen und globalen Wachstums eine noch&#13;
größere Herausforderung dar.&#13;
2. Japan&#13;
&#13;
Die Ereignisse in Japan werden in den nächsten&#13;
Monaten der wichtigste Faktor hinsichtlich der Entwicklungen in Asien sein. Es ist nun allgemein bekannt,&#13;
daß es vor kurzem eine bedeutende Entwicklung im&#13;
Verhalten der japanischen Behörden bezüglich der&#13;
Krise gegeben hat. Bestrebungen, zwei Nachtragshaushalte in beträchtlicher Höhe zur Ankurbelung der&#13;
Wirtschaft durchzusetzen und ehrgeizige Pläne zur&#13;
Stärkung des Finanzsektors waren besonders willkommen. Trotz allem hat die wirtschaftliche Unsicherheit seit vorigem Herbst mit großer Wahrscheinlichkeit noch zugenommen und die Wachstumsprognosen sind noch weiter nach unten korrigiert&#13;
worden.&#13;
Wir sind uns alle über die Bedeutung der Preisstabilität&#13;
einig - aber es ist wichtig zu erkennen, daß das Ziel&#13;
der Preisstabiiität die Vermeidung von Deflation wie&#13;
auch Inflation beinhaltet. In Anbetracht der für Japan&#13;
bestehenden Risiken muß die versprochene Ankurbelung der Wirtschaft in den nächsten Jahren vollständig&#13;
durchgesetzt und aufrechterhalten werden.&#13;
Die&#13;
anregende Wirkung auf die Wirtschaft sollte auch&#13;
durch die Geldpolitik unterstützt werden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�In Zukunft wird es für Stabilität und Wachstum der&#13;
gesamten Region entscheidend sein, daß der Wechselkurs nicht zum Ersatz für Politik wird. Japan wird&#13;
sich über die kreative Nutzung aller Instrumente der&#13;
Haushalts- und Geldpolitik zur Schaffung von Vertrauen und erneutem Wachstum Gedanken machen&#13;
müssen.&#13;
3. Westeuropa&#13;
Auch in Europa werden Inflations- und Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Wie die G 7 letzte&#13;
Woche bestätigte, werden eine angemessene makroökonomische Politik und strukturelle Maßnahmen&#13;
Europas für die Beschäftigungs- und Investitionsförderung sowie die Unterstützung des weltweiten&#13;
Wachstums von Bedeutung sein. Es ist ein auffallendes Zeichen der Schwäche der Binnennachfrage,&#13;
daß sich Europas Leistungsbilanzüberschuß - fast&#13;
zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts - trotz der&#13;
Asienkrise 1998 nur wenig verändern und bei etwa&#13;
110 Milliarden Dollar verbleiben wird.&#13;
Mit der Einführung der einheitlichen Währung haben&#13;
die Mitglieder der Eurozone nicht mehr die gleiche&#13;
Möglichkeit, mit den traditionellen Mitteln der nationalen Geld- und Wechselkurspolitik auf Schocks zu&#13;
reagieren. Auch für haushaltspolitische Maßnahmen&#13;
bleibt wenig Spielraum. Als wichtige Ergänzung einer&#13;
stützenden makroökonomischen Politik werden also&#13;
erfolgreiche Strukturreformen entscheidend sein für die&#13;
für ein schnelles Wachstum und eine verbesserte&#13;
Anpassungsfähigkeit an Schocks nötige Flexibilität und&#13;
Dynamik der europäischen Güter- und Arbeitsmärkte.&#13;
Die Notwendigkeit zur Investitions- und Beschäftigungsförderung hier in den europäischen Ländern&#13;
deckt sich mit dem weltweiten Bedarf an stärkerem&#13;
Wachstum. Es ist vielleicht kein Zufall, daß die Länder&#13;
in der Eurozone mit den tiefgreifendsten Strukturreformen - wie beispielsweise die Niederlande und Portugal&#13;
- in jüngster Zeit auch die stärkste Erholung zu verzeichnen hatten.&#13;
4. Lateinamerika&#13;
Eine Zeitlang schien es, als würden die Krisenstürme&#13;
größtenteils an Lateinamerika vorübergehen. Besonders in Argentinien und Mexiko wurden wichtige&#13;
Schritte als Reaktion auf die Marktturbulenzen und zur&#13;
Ausmerzung alter Schwächen unternommen. Aber in&#13;
letzter Zeit bekam Brasilien erhöhten Marktdruck zu&#13;
spüren, den die Regierung - mit Unterstützung des&#13;
Internationalen Währungsfonds und der internationalen&#13;
Gemeinschaft - noch nicht vollständig eindämmen&#13;
konnte. Diese Schwierigkeiten wiederum bedeuten&#13;
eine Gefahr für die Nachbarn Brasiliens.&#13;
Argentinien, Mexiko und andere Staaten werden ihre&#13;
Verteidigungsmaßnahmen in den kommenden Mona-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
ten verstärken müssen. Aber am wichtigsten werden&#13;
die von Brasilien eingeleiteten Maßnahmen sein. Die&#13;
brasilianischen Behörden haben bedeutende Schritte&#13;
zur Reduzierung ihres Haushaltsdefizits unternommen.&#13;
Im Zusammenhang mit einem überarbeiteten, vom IWF&#13;
unterstützten Wirtschaftsprogramm&#13;
müssen&#13;
die&#13;
Behörden diese haushaltspolitischen Bestrebungen&#13;
fortführen, wenn sie Vertrauen schaffen sollen.&#13;
Ebenso entscheidend ist die Schaffung einer neuen,&#13;
glaubwürdigen und transparenten Geldpolitik zur&#13;
Gewährleistung der finanziellen Stabilität. Präsident&#13;
Cardoso bleibt diesen Zielen verpflichtet. Aber in&#13;
Anbetracht der jüngsten Ereignisse könnte es Zeit und&#13;
Ausdauer erfordern, Investoren davon zu überzeugen,&#13;
daß Brasilien das Schlimmste überstanden hat.&#13;
5. Rußland und Osteuropa&#13;
Wenn es unter den jüngsten Ereignissen eine erfreuliche Überraschung gab, waren es die Volkswirtschaften Zentral- und Osteuropas. Bisher sind sie im&#13;
Großen und Ganzen unbeschadet aus der Krise in&#13;
Rußland und dem allgemein nachlaßenden Vertrauen&#13;
hervorgegangen, obwohl größere Schwankungen als&#13;
erwartet im Außenhandel die Wechselkurse in den&#13;
letzten Wochen stark gedrückt haben. Polen und&#13;
Ungarn brillieren mit den besten Leistungen. Aber fast&#13;
alle Länder der Region haben in den letzten 18&#13;
Monaten Fortschritte gemacht. Dies könnte wertvollen&#13;
Schutz vor zukünftigen Schocks bieten.&#13;
Die Sturmwolken in ihrem Osten sind allerdings noch&#13;
zu deutlich zu erkennen. Rußland kämpft weiter mit&#13;
den Folgen der Aufgabe seiner makroökonomischen&#13;
und Wechselkurspolitik im August. Die Regierung ist&#13;
noch nicht in der Lage, die Einkünfte zu steigern und&#13;
die Rechnungen - oder den Schuldendienst - zu&#13;
bezahlen, und bei zunehmender Inflation und politischer Unsicherheit scheint die Gefahr in Rußland noch&#13;
nicht gebannt. Wie wir immer wieder gesagt haben,&#13;
sind die Vereinigten Staaten und die internationale&#13;
Gemeinschaft bereit, Rußland bei der Umsetzung einer&#13;
glaubwürdigen Strategie zur Lösung dieser Probleme&#13;
zu unterstützen. Aber die Entscheidung liegt einzig&#13;
und allein bei Rußland.&#13;
6. Die ärmsten Länder&#13;
In dieser schnellebigen Zeit können wir es uns nicht&#13;
leisten, die Teile der Welt zu vergessen, in denen sich&#13;
die Geschichte nicht schnell genug wandeln kann. Die&#13;
neunziger Jahre haben gezeigt, daß die Marktwirtschaft in den Ländern südlich der Sahara ebenso&#13;
funktioniert wie andernorts auch. In einigen Ländern&#13;
haben wir nach Jahren der Stagnation und des&#13;
Abschwungs eine Wachstumsrate von sieben Prozent&#13;
und gesteigerten Kapitalfluß in das Land, ausgehend&#13;
vom niedrigsten denkbaren Stand, registriert. Aber es&#13;
steht noch ein langer Weg bevor.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Sogar engagierte Reformer stellen manchmal fest, daß&#13;
ein Vermächtnis schlechter Politik und Abhängigkeit&#13;
von Hilfsleistungen eine nur schwer abzuschüttelnde&#13;
Last ist. Deshalb sieht der vorigen Monat dem Kongreß vorgestellte Haushaltsentwurf erhebliche zusätzliche Mittel vor für die Schuldenentlastung armer,&#13;
hochverschuldeter Länder, die sich auf dem Weg der&#13;
Reform befinden. Wir hoffen, daß die internationalen&#13;
Finanzinstitutionen ebenfalls ihren Teil beitragen&#13;
werden. Aber der mit Abstand wichtigste Beitrag der&#13;
Weltgemeinschaft zu den Perspektiven dieser Länder&#13;
wird die Schaffung der Voraussetzungen für starkes&#13;
nachhaltiges globales Wachstum sein.&#13;
&#13;
übermäßiger Kapitalfluß in diese Länder erheblich zu&#13;
den Krisen beigetragen hat; das Problem der nächsten&#13;
Jahre scheint jedoch eindeutig die Stärkung des&#13;
Vertrauens und die Gewährleistung weiterer Kapitalflüsse in diese Länder zu sein. Die Ironie der Finanzkrisen ist, daß sie meist durch zu großzügige Kreditvergabe verursacht, dann aber durch zu geringe&#13;
Kreditvergabe verlängert werden.&#13;
&#13;
Bei diesem besorgniserregenden Weltbild stechen&#13;
zwei große Herausforderungen hervor.&#13;
&#13;
Solange es an Vertrauen und der damit einhergehenden Kreditvergabe mangelt, wird das gleiche für die&#13;
Aussichten auf eine zügige Erholung in den Entwicklungsländern und die Vermeidung weiterer kostenträchtiger Anpassungen gelten. Volkswirtschaften mit&#13;
größerer Bedeutung - zu nennen wären Brasilien und&#13;
Rußland - tragen hier eine besondere Verantwortung&#13;
für die Einführung einer dauerhaften Politik und&#13;
dauerhafter Reformen.&#13;
&#13;
Erstens gibt es zu wenig Wachstum in der Weltwirtschaft. Die Gefahren der Welt gehen noch immer&#13;
hauptsächlich von mangelndem Wachstum, geringen&#13;
freien Kapazitäten und von einer Abschwächung nicht einer Überhitzung - der Wirtschaft aus. Besorgt&#13;
ist man bei einem Angebotsüberhang, nicht einem&#13;
Nachfrageüberhang. Und vielerorts sind Sorgen über&#13;
steigende Preise Sorgen über fallende Preise gewichen.&#13;
&#13;
Drittens, eine konzertierte Aktion für langfristige&#13;
Vertrauensbildung in das internationale Finanzsystem&#13;
als Ganzes. Die Geschichte vergangener Finanzkrisen - beispielsweise auch die Krisen der Spar- und&#13;
Darlehenskassen in den Vereinigten Staaten - sind&#13;
starke Anzeichen für die Fähigkeit des globalen&#13;
Marktsystems, aus den Ereignissen der letzten&#13;
achtzehn Monate gestärkt hervorzugehen. Aber nur,&#13;
wenn man aus der Erfahrung auch wirklich lernt.&#13;
&#13;
Zweitens ist das Weltwachstum zu unausgeglichen.&#13;
Wie ich bereits sagte, macht das Wachstum in den&#13;
Vereinigten Staaten den Hauptanteil des Wachstums&#13;
in den Industrieländern aus - aber bei einer Höhe von&#13;
vier Prozent liegt es sehr wahrscheinlich über dem,&#13;
was man als eine langfristig haltbare Tendenz bezeichnen würde und ist Ursache für erhebliche Ungleichgewichte.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten und der Rest der G 7, die&#13;
Hauptwachstumsmärkte, die internationalen Finanzinstrtutionen und die internationale Gemeinschaft sind&#13;
alle Teil großer Bemühungen, Finanzkrisen wie wir sie&#13;
in Asien und andernorts erlebt haben, zu beschränken&#13;
und besser einzudämmen.&#13;
&#13;
III. Das Gesamtbild - Schlüsselherausforderungen&#13;
&#13;
Eine wirkungsvolle Strategie zur Bewältigung dieser&#13;
Herausforderungen besteht aus drei Teilen.&#13;
Erstens, eine stärkere Politik in den Industrieländern,&#13;
die der Notwendigkeit für schnelleres weltweites&#13;
Wachstum gerecht wird. Wir in den Vereinigten&#13;
Staaten werden alles in unserer Macht Stehende für&#13;
eine weiterhin stark wachsende Volkswirtschaft tun.&#13;
Aber wir können nicht davon ausgehen, daß die&#13;
Weltwirtschaft auf Dauer mit nur einem Motor funktionieren kann. Wie während des G 7-Treffens in Bonn&#13;
bestätigt wurde, legte die Verlagerung des weltweiten&#13;
Risikogleichgewichts die Last der Verantwortung auf&#13;
alle Industrieländer, eine auf starkes Binnenwachstum&#13;
gerichtete Politik zu verfolgen.&#13;
Die unsichere&#13;
Vertrauens- und Erholungslage auf den asiatischen&#13;
Märkten macht dies besonders für Japan zu einer&#13;
hohen Priorität.&#13;
Zweitens, eine effektive, auf Wachstum und Vertrauensbildung gerichtete Politik in den Wachstumsmärkten. Zwar gibt es starke Argumente dafür, daß&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Wir müssen Mittel und Wege finden, den&#13;
Ländern beim Aufbau der Infrastruktur eines&#13;
modernen Finanzsystems behilflich zu sein eines auf einem hohen Niveau der Transparenz und Offenlegung, einer wirklichen&#13;
Kultur der Privatkredite und effektiver Überwachung und Regulierung aufgebauten Systems.&#13;
Und wir müssen eine Methode zur Überwachung und Anregung dieses Fortschritts&#13;
finden.&#13;
Wir müssen die aufstrebenden Marktwirtschatten bei der Abstimmung der Geschwindigkeit ihres Eintritts in den globalen Kapitalmarkt mit der Entwicklung ihrer nationalen&#13;
Finanzsysteme unterstützen - und wir müssen&#13;
in diesem Zusammenhang effektivere internationale Überwachungsmethoden etablieren,&#13;
um sie davon abzuhalten, unnötige Risiken&#13;
einzugehen.&#13;
Außerdem benötigen wir wirkungsvollere&#13;
Mittel zur Reaktion auf moderne Krisen:&#13;
Erstens durch verbesserte Fähigkeiten zur&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
�schnellen Reaktion, mit hohen Beträgen für&#13;
sehr kurzfristige Finanzierungen und zweitens&#13;
durch die Schaffung besserer Mechanismen&#13;
zur Sicherstellung, daß Gläubiger des Privatsektors ihren Anteil tragen.&#13;
Für keine dieser "architektonischen" Herausforderungen gibt es einfache Antworten. Und bei einigen&#13;
bieten sich Lösungen an, deren sofortige Umsetzung&#13;
weder klug noch angemessen wäre. Aber durch die&#13;
vor kurzem erfolgte erhebliche Stärkung der IWFStandards für Datenoffenlegung für die Länder, durch&#13;
die Bonner Vereinbarung über die Gründung eines&#13;
neuen Finanzstabilität-Forums für die weltweite Koordi-&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 05&#13;
&#13;
nierung nationaler und internationaler Finanzregulierungsgremien und durch die Etablierung der neuen,&#13;
schnell auszahlbaren, hochzinsabhängigen Kreditlinie&#13;
des IWF für ansteckungsgefährdete Länder - durch&#13;
diese und andere Veränderungen wurden entscheidende Fortschritte erzielt.&#13;
Es wurde viel getan. Viel bleibt noch zu tun. Während&#13;
wir voranschreiten, müssen wir diese Arbeit fortsetzen.&#13;
Vor allem aber müssen wir sicherstellen, daß dies in&#13;
einer Atmosphäre des gestärkten, wirklich weltweiten&#13;
Wachstums geschieht.&#13;
Vielen Dank.&#13;
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Seite 5&#13;
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              <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO und Konfliktlösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C.&amp;nbsp; Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Cavalese&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Die USA übernehmen Verantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Europa&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Transatlantische Zusammenarbeit bei der Konfliktlösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter C. Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lassen sie uns zusammenarbeiten, damit die WTO funktioniert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Summers sieht Notwendigkeit für Marktwachstum und Reform der Wachstumsmärkte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt;</text>
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