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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

4. November 1998

22

KOSOVO

EINE CHANCE FÜR FRIEDEN
von Samuel R. Berger

USA-EUROPA

DIE BEDEUTUNG DER EUROATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
Rede von Stuart Eizenstat

HANDEL

DIE AMERIKANISCH-EUROPAISCHEN
HANDELSBEZIEHUNGEN
Rede von Charlene Barshefsky

MEDIEN

"UNTERDRÜCKUNG DER PRESSE DURCH
MILOSEVIC MUSS AUFHÖREN"
von Jonathan Spalter

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�KOSOVO
4. November 1998

Eine Chance für Frieden
von Samuel R. Berger

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Nationalen Sicherheitsberaters Samuel R. Berger, der
erstmals in The Washington Post vom 21. Oktober 1998 erschien. Copyright: The Washington Post, 22. 10.
1998.

In der vergangenen Woche zwang die Bereitschaft der
NATO zum Einsatz von Gewalt im Kosovo Slobodan
Milosevic, den Forderungen der internationalen
Gemeinschaft zuzustimmen. Die von ihm eingegangenen Verpflichtungen werden - wenn er sie vollständig
erfüllt - die humanitäre Krise im Kosovo mildern und
wichtige Ziele der Vereinigten Staaten umsetzen.
Einige haben im Nachhinein in Frage gestellt, was die
internationale Gemeinschaft gewonnen hat. Das
endgültige Ergebnis werden wir erst in den kommenden Tagen kennen, wenn wir feststellen, ob Milosevic
seinen Worten Taten folgen läßt. Aber einige erste
Schlußfolgerungen sind klar:
Die von Milosevic gemachten Zusagen erfüllen die von
uns gesetzten Ziele. Die internationale Gemeinschaft
hatte im Kosovo drei übergeordnete Ziele: Die Beendigung der Gewalt, die sich auf Nachbarländer ausweiten und die zerbrechliche Stabilität auf dem Balkan
bedrohen könnte. Zu verhindern, daß die humanitäre
Krise zu einer Katastrophe wird durch Beendigung der
Unterdrückung der Kosovo-Albaner und Gewährleistung der sicheren Rückkehr der Vertriebenen in
ihre Dörfer. Die Rückführung der Kosovaren auf den
Weg zu Autonomie, indem Milosevic zu friedlichen
Verhandlungen mit ihnen gezwungen wird.
Die von Milosevic eingegangenen Verpflichtungen
erfüllen alle drei Ziele. Er hat der vollständigen
Einhaltung von Resolution 1199 des UN-Sicherheitsrats zugestimmt, die fordert, daß er den Waffenstillstand aufrechterhält, vor kurzem stationierte Streitkräfte und Spezialeinheiten aus dem Kosovo abzieht,
die übrigen in die Kasernen verlegt und den Mitarbeitern humanitärer Hilfsorganisationen uneingeschränkten und unverzüglichen Zugang zu den

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Notleidenden gewährt. Und er hat einem speziellen
Zeitplan für den Abschluß der Gespräche mit den
Kosovo-Albanern zugestimmt, die ihnen demokratische Wahlen, eine autonome Regierung und ihre
eigene Polizei vor Ort zugestehen werden - mit
anderen Worten, Rechte, die sie gefordert haben, seit
Milosevic sie im Jahr 1989 ihrer Autonomie beraubte.
Nur durch eine politische Lösung, die zum Abzug der
Kräfte der Unterdrückung und echter Autonomie führt,
kann es eine Chance für Stabilität im Kosovo geben.
Der Beweis zeichnet sich ab. Wie Präsident Clinton
klargemacht hat, sind Zusagen nicht dasselbe wie
Einhaltung. Aus diesem Grund forderte die internationale Gemeinschaft - und Präsident Milosevic hat
dieser Forderung zugestimmt - eine beispiellose
internationale Präsenz, der er sich bisher vehement
widersetzt hatte: Ein äußerst eingehendes Verifikationssystem am Boden und in der Luft. Dazu zählen
2.000 internationale Beobachter im Kosovo, die als
"Wachhunde" fungieren um sicherzustellen, daß der
Waffenstillstand eingehalten wird, die serbischen
Streitkräfte abziehen und gleichzeitig unter den
Kosovaren Vertrauen in eine Rückkehr in ihre Dörfer
aufgebaut wird. Und das wird eine umfassende
Luftüberwachung durch die NATO beinhalten - die die
NATO mit nur einer Stunde Vorankündigung in die
Wege leiten kann - um die Einhaltung zu überwachen
und Verletzungen schnell aufzudecken.
Die Verifikationsteams werden von der 54 Nationen
umfassenden Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit im Europa zusammengestellt und von
Botschafter Bill Walker geleitet - einem außerordentlich
erfahrenen amerikanischen Diplomaten. Sie werden
von einer Eingreiftruppe der NATO unterstützt um zu

Seite 1

�gewährleisten, daß sie gegebenenfalls sicher abgezogen werden können. Und wir haben gegenüber
Präsident Milosevic klargestellt, daß er mit den
schwerwiegendsten Konsequenzen zu rechnen hat,
wenn seine Truppen versuchen, internationalen
Beobachtern oder Mitarbeitern humanitärer Hilfsorganisationen Schaden zuzufügen oder sie als
Geiseln zu nehmen. Die ersten regulären Überflüge
mit U-2 und anderen Aufklärungsflugzeugen haben an
diesem Wochenende begonnen.
Bisher hat es zwar keine vollständige, aber doch eine
gewisse Einhaltung in vier Schlüsselbereichen gegeben. Erstens hat der Waffenstillstand im Großen und
Ganzen zwei Wochen lang gehalten, trotz gelegentlicher Gefechte zwischen serbischen Sicherheitskräften
und der Kosovo-Befreiungsarmee.
Zweitens sind die meisten humanitären Hilfsorganisationen wieder so zahlreich im Kosovo wie vor dem
Abzug, bei minimaler Einmischung der serbischen
Behörden. Viele beabsichtigen eine Erhöhung ihrer
Präsenz. Acht Konvois mit humanitären Hilfsgütern darunter Nahrungsmittel, Kleidung und Medikamente sind bereits im Kosovo eingetroffen.
Drittens ist die Polizeipräsenz der Serben weniger
allgegenwärtig. Aber bis heute ist Milosevic im
Hinblick auf den Abzug der bei Beginn der Krise im
Kosovo stationierten Streitkräfte und den Abzug seiner
Sonderpolizei noch nicht schnell genug weit genug
gegangen. Es gibt Gründe für den Verbleib einiger
Streitkräfte im Kosovo, um die Sicherheit der Grenzen
zu gewährleisten - aber keine Rechtfertigung für die
Streitkräfte, die zur Unterdrückung der albanischen
Bevölkerung eingesetzt werden. Der Oberfehlshaber
der NATO, General Wesley Clark, hat Präsident
Milosevic eine detaillierte Liste von Militär- und Polizeieinheiten gegeben, die er abziehen oder in Kasernen

*

Seite 2

*

verlegen muß. Anhand der Luftüberwachung und der
Berichte von Beobachtern vor Ort wird die NATO
entscheiden, ob Milosevic diese Vorgaben einhält.
Viertens sind infolge des sich verbessernden, aber
immer noch unzulänglichen Sicherheitsumfelds
zwischen 15.000 und 35.000 Vertriebene aus den
Bergen in ihre Dörfer zurückgekehrt und so der
tödlichen Gefahr eines Winters ohne Unterkunft
entkommen. Aber eine große Zahl von Flüchtlingen rund 35.000 - sind immer noch in Gefahr. Unter der
Voraussetzung, daß der Waffenstillstand hält und
Milosevic seine Verpflichtungen zur Verbesserung der
Sicherheitslage erfüllt, mehr Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Beobachter ins Land kommen und
mehr serbische Streitkräfte abziehen, sollte sich das
Vertrauen der verbliebenen Flüchtlinge erhöhen - und
die meisten von ihnen werden aus der Kälte in ihre
Dörfer zurückkehren können.
Die NATO muß weiterhin zum Handeln bereit sein,
wenn Milosevic es nicht tut. Um weiter Druck auf
Milosevic auszuüben, seine Verpflichtungen einzuhalten, hat die NATO den Finger am Abzug: Der
Aktivierungsbefehl zum Einsatz von Gewalt ist weiterhin in Kraft, aber bis zum 27. Oktober ausgesetzt,
während wir die Einhaltung durch Präsident Milosevic
prüfen und bewerten. Wenn er bis zu diesem Datum
keine maßgeblichen Fortschritte gemacht hat, kann die
NATO mit den Luftangriffen beginnen, um die Einhaltung zu erzwingen und Milosevics Fähigkeit zur
Durchführung seiner Unterdrückungskampagne gegen
die Kosovo-Albaner zu beeinträchtigen.
Die letzten Kapitel der Kosovo-Krise müssen noch
geschrieben werden. Aber dank der starken Haltung
der NATO gibt es eine Chance, das Leid und die
Unterdrückung zu beenden - und die Region auf den
Weg zu Frieden zu bringen.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�USA-EUROPA
4. November 1998

Die Bedeutung der euroatlantischen Partnerschaft
für das 21. Jahrhundert
Rede von Stuart Eizenstat

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Staatssekretärs für wirtschaftliche,
unternehmerische und landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stuart Eizenstat, im Nixon
Center vom 16. Oktober 1998.

Einleitung
Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen,
heute vor Ihnen eine Rede halten zu dürfen. Ich
möchte unsere Zusammenkunft zum Anlaß nehmen,
kurz über die amerikanisch-europäischen Beziehungen, ihre Synergien, ihre Irritationen und ihre Aussichten zu sprechen.
Die Bedeutung der amerikanisch-europäischen
Partnerschaft
Obwohl der Kalte Krieg vorüber ist, besteht die Notwendigkeit einer Partnerschaft und eines Bündnisses
mit Europa fort. Heute ist unser Schicksal ebenso eng
verbunden wie vor 50 Jahren. Wenn Europa in
Frieden lebt, ist Amerika sicherer. Wenn Europa
prosperiert, tut Amerika das ebenso. In vieler Hinsicht
ist Europa der beste Partner, den wir haben. Unsere
Partnerschaft mit Europa könnte vielleicht mehr als die
mit jedem anderen Teil der Welt als "bereichernde
Beziehung" bezeichnet werden. Das heißt, wenn die
Vereinigten Staaten und Europa zusammen sind,
können wir eine mächtige Kraft für Fortschritt auf
nahezu allen Gebieten sein.

ralen Handelsabkommen über Telekommunikations- und Informationstechnologie im Wert
von Milliarden Dollar erzielt. In Zusammenarbeit mit Kanada und Japan stellten die
Vereinigten Staaten und Europa die erforderliche kritische Masse zur Erlangung dieser
wichtigen Abkommen bereit.
Das Anfang dieses Jahres zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU unterzeichnete Abkommen über gegenseitige Anerkennung
(Mutual Recognition Agreement - MRA) wird
doppelte Produkttests bei gehandelten Waren
im Wert von rund 60 Milliarden Dollar abschaffen.
Die Ressourcen der EU haben einige unserer
wichtigsten außenpolitischen Initiativen ermöglicht. Das Hilfspaket der EU für den
Nahen Osten in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar
ist von elementarer Bedeutung für den Friedensprozeß, und die Hilfe der EU für Osteuropa - einschließlich Bosniens - in Höhe
von 1,7 Milliarden Dollar ist sehr viel höher als
unser eigenes Hilfspaket.

Die Vereinigten Staaten und die EU haben bereits die
wichtigsten gegenseitigen Handels- und Investitionsbeziehungen der Welt geschaffen - die sich auf über
eine 1 Billion Dollar belaufen - und es gibt viele andere
Bereiche, in denen unsere Zusammenarbeit fruchtbar
war:

Unser umfassender und andauernder politischer Dialog mit der EU hat uns geholfen,
gemeinsame, konstruktive Positionen zu
verschiedenen Problemen in Afrika, auf dem
Balkan, in der Slowakei, der Ukraine und
andernorts zu erarbeiten.

Ohne die amerikanisch-europäische Führungsrolle hätten wir keine wichtigen multilate-

Die Vereinigten Staaten und die EU haben im
Bereich der nuklearen Sicherheit das gemein-

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�same Ziel, das Atomkraftwerk Tschernobyl in
der Ukraine bis zum Jahr 2000 endgültig zu
schließen, und wir arbeiten bei der Stilllegung
anderer Kernreaktoren zusammen.
Die Vereinigten Staaten und die EU schaffen
in der Ukraine, Rußland und in den anderen
Neuen Unabhängigen Staaten ein Netz regionaler Umweltzentren.
Unsere Fähigkeit, unsere Differenzen zu
überwinden und uns auf gemeinsame Ziele zu
konzentrieren, war ein entscheidender Faktor
bei der Erlangung des Abkommens zum
Kyoto-Protokoll über Klimawandel.
Der Beitrag der EU zur Koreanischen Energieentwicklungsorganisation (KEDO) war entscheidend für die Organisation bei der Bewältigung der Bedrohung der nuklearen Weiterverbreitung und der Förderung von regionaler
Stabilität auf der koreanischen Halbinsel.
Unsere Zusammenarbeit war ein wichtiger
Bestandteil beim erfolgreichen Abschluß der
Internationalen Konvention der Vereinten
Nationen über die Verhinderung von Terroranschlägen.
Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen.
In der Tat hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts
beide Seiten des Atlantiks gelehrt, daß wir eine
Partnerschaft benötigen, in der Europa auf uns zählen
kann und wir auf Europa zählen können. Diese
Lektion gilt auch für das 21. Jahrhundert.
Drei Herausforderungen
An der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend sehen
wir drei grundlegende Herausforderungen, die die
euroatlantische Partnerschaft motivieren.
Die erste liegt in Europa selbst. Präzise gesagt,
ermutigen wir die andauernde Integration des Kontinents durch die Erweiterung der NATO und der
Europäischen Union. Dieser Prozeß fördert einen
wohlhabenden und demokratischen Kontinent, der
nicht durch Waffengewalt, sondern die Möglichkeiten
des Friedens geeint ist. Wir müssen ferner unsere
Ziele Sicherheit, Wohlstand und Demokratie nach
Osten ausweiten, indem wir weiterhin neue Partnerschaften mit Rußland und der Ukraine eingehen.
Dabei zielen wir darauf ab, Krieg und Konflikt im
östlichen Teil des Kontinents so undenkbar zu machen, wie sie es im westlichen Teil geworden sind.
Unseres Erachtens hat die Europäische Wirtschaftsund Währungsunion das Potential, in hohem Maße zur
europäischen Integration beizutragen, indem sie einen
stabileren Finanzsektor und offenere Märkte fördert,

Seite 2

insbesondere, wenn die EWWU mit Strukturreformen
einhergeht, die für den Abbau der Arbeitslosigkeit so
entscheidend sind.
Unsere zweite Herausforderung ist die Vertiefung der
Beziehungen zwischen Europa und Amerika. Unsere
umfassenden Handels- und Investitionsbeziehungen
sind die Quelle von Wohlstand für Millionen von
Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks. Sie sind
die doppelten Säulen von Wachstum und Stabilität, die
in dieser unsicheren Zeit für die globale Wirtschaft von
besonderer Bedeutung sind. Von der Kennedy- bis zur
Uruguay-Runde haben die Vereinigten Staaten und die
EU die Welt zu offenen Märkten geführt - und zur
Vermehrung des Wohlstands, den eine solche Liberalisierung mit sich bringt. Die neue gemeinsame Initiative der Vereinigten Staaten und der EU, die
Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft (Transatlantic Economic Partnership - TEP), versucht, die
bereits beeindruckenden Grundlagen unserer transatlantischen Beziehungen durch Zusammenarbeit und
den weiteren Abbau bilateraler und multilateraler
Hemmnisse für internationalen Handel und Investitionen zu stärken. Die TEP wird sich auf über ein
Dutzend Sektoren erstrecken, darunter für die Vereinigten Staaten entscheidende Bereiche wie Dienstleistungen, Biotechnologie und elektronischer Handel.
In der Zusammenarbeit im Rahmen der TEP sehen wir
nur eine Erweiterung unserer Fähigkeit, eine positive
Kraft für Wandel und Wirtschaftswachstum auf der
ganzen Welt zu sein, und wir hoffen, die Europäische
Kommission erhält beim nächsten US-EU-Gipfeltreffen
ein Verhandlungsmandat für die TEP.
Die dritte und bedeutendste Herausforderung geht
über Europa und Amerika hinaus. Wir müssen
gemeinsam handeln, um herkömmliche regionale
Krisen zu meistern und gemeinsame Strategien für
neue Arten von Bedrohungen unserer Bürger zu
entwickeln. Diese Bedrohungen beinhalten häufig den
illegalen Fluß von Menschen, Geld, Waffen, Technologie, Toxinen, Gewalt, Drogen oder Krankheiten über
nationale Grenzen hinweg, den keiner von uns im
Alleingang effektiv bekämpfen kann.
Der Hauptgrund für Irritationen zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU
Diese Drittregionen oder bündnisfremdes Gebiet
betreffenden Probleme haben die transatlantischen
Beziehungen in den vergangenen Jahren am meisten
auf die Probe gestellt. Obwohl unsere Erfahrung zeigt,
daß wir die Probleme billiger, schneller und effektiver
lösen konnten, wenn wir gemeinsam gehandelt haben,
war diese Zusammenarbeit nicht immer möglich.
Dafür gibt es eine Reihe von Erklärungen. Die Aussichten einer globalen Supermacht und einzelner EUMitgliedstaaten unterscheiden sich. Das Tempo, mit
dem die Vereinigten Staaten auf Ereignisse und die
Operationen einer neuen und sich entwickelnden

AMERIKA DIENST 22

�Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in der EU
reagieren, ist nicht synchron. Das heißt, wo wir nicht
gemeinsam gehandelt haben, waren die amerikanischen und europäischen Bestrebungen außerhalb
der Region schwieriger zu verwirklichen.
Die amerikanische Sanktionspolitik gegenüber Iran,
Libyen und Kuba veranschaulicht diesen Punkt.
Wenige Europäer würden nicht mit dem Ziel unseres
Sanktionsgesetzes für Iran und Libyen (ILSA) übereinstimmen, Teheran und Tripolis von der Unterstützung
des Terrorismus oder der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen abzuhalten. Entsprechend teilen
und befürworten die meisten Europäer unsere Ziele für
Menschenrechte und Demokratie in Kuba.
Bezüglich der Mittel zum Zweck haben wir und die EU
jedoch Meinungsverschiedenheiten. Als Mittel der
Außenpolitik haben unsere europäischen Partner sehr
viel weniger Vertrauen in Wirtschaftssanktionen als
wir. In den Fällen, in denen sie Sanktionen eine Rolle
einräumen, bevorzugen sie nahezu ausschließlich
umfassende, multilaterale Maßnahmen. In der Tat
ziehen die Europäer unilaterale Wirtschaftssanktionen
- die die Zielländer leichter umgehen können - als rein
symbolischen Akt in Betracht was die Auswirkungen
auf die Zielländer anbetrifft. Insbesondere im Hinblick
auf ILSA und Libertad sahen die Europäer die Gesetze
als unilaterale Versuche, nichtamerikanischen Unternehmen amerikanische Gesetze aufzuzwingen - den
so genannten extraterritorialen Anspruch - und fühlten
sich zum Widerstand gezwungen.

Zusammenarbeit bei Nichtverbreitung, Terrorismusbekämpfung und der Energieentwicklung am Kaspischen
Meer verpflichtet wurden.
Im Hinblick auf das Libertad-Gesetz haben wir vereinbart, daß wir im Rahmen einer neuen transatlantischen
Partnerschaft für politische Zusammenarbeit intensivere Konsultationen mit unseren europäischen
Partnern über den Einsatz von Sanktionen und
unseren Umgang mit verbrecherischen Staaten führen
werden. Die Europäer haben ihrerseits zum ersten
Mal die in unserer Vereinbarung vom 18. Mai niedergelegte Politik des Widerstands gegen Investitionen in
enteignetes Eigentum angenommen, die wir gleichermaßen durch öffentliche Erklärungen und Demarchen
publik machen möchten. Sie werden der Regierung
wirtschaftliche Hilfe und Unterstützung für Investitionen
in enteignetes Eigentum verweigern und aufgrund der
Geschichte von Enteignungen in Kuba auch einen
besonderen "Filter" für Anträge auf staatliche Unterstützung oder wirtschaftliche Hilfe für Investitionen in
Kuba einführen. Die Vereinbarung - in der die EU zum
ersten Mal die Illegalität der kubanischen Enteignungen anerkannte - wird tiefgreifende Auswirkungen auf
die Entscheidungen potentieller Investoren haben, weil
sie nur zurückhaltend vorgehen werden, wenn sie
wissen, daß sie keine Hilfe von ihrer Regierung
erwarten können, sollte sich ein Disput ergeben.
Castro sieht die Vereinbarung zu Recht als die Internationalisierung der Libertad-Prinzipien und macht
vehement dagegen Werbung.
Sanktionsreform

Der darauf folgende Zank schadete unseren bilateralen Beziehungen zu Europa und lenkte von unserem
wirklichen Ziel ab, das Verhalten in Teheran, Tripolis
und Havanna zu ändern. Die Europäer hatten das
Gefühl, ihre Firmen seien die unbeabsichtigten Opfer
unserer Sanktionen, während wir frustriert über die
anscheinende Widerwilligkeit oder Unfähigkeit der
europäischen Partner waren, angesichts einer eindeutigen Sicherheitsbedrohung und lange andauernden politischen Unterdrückung Schnell und entschlossen zu handeln.
Schadensbegrenzung
So ärgerlich ILSA und Libertad für die transatlantischen Beziehungen sind - und ich möchte ihre Auswirkungen nicht minimieren - konnten wir mit unseren
europäischen Partnern genügend gemeinsames
Terrain finden, um zu verhindern, daß unsere Kontakte
irreparablen Schaden erleiden. Im Fall South Pars
entschied die Außenministerin, daß eine Aussetzung
effektiver als Sanktionen für die Erlangung der Ziele
von ILSA ist - der Eindämmung der Unterstützung des
Irak für Massenvernichtungswaffenprogramme und
Terrorismus. Beim US-EU-Gipfel in London am 18.
Mai erzielten wir Einigung zu drei gemeinsamen
Erklärungen, mit denen die Parteien zu verstärkter

AMERIKA DIENST 22

Obwohl wir in diesem Jahrzehnt häufig auf Sanktionen
als Instrument der Außenpolitik zurückgegriffen haben,
scheint ihre Wirkung abzunehmen. In der heutigen
interdependenten, globalen Wirtschaft ist die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten, einem Zielland unilateral
entscheidende wirtschaftliche Vorteile zu verweigern,
drastisch eingeschränkt. Es gibt wenige Produkte oder
Dienstleistungen, für die die Vereinigten Staaten der
einzige Lieferant sind.
Am aufschlußreichsten ist jedoch, daß unsere Erfahrung mit dem Einsatz von unilateralen Sanktionen
deutlich zeigt, daß sie in der großen Mehrheit der Fälle
das Verhalten des Ziellandes nicht verändern. Bestenfalls sind sie ein mitwirkender - und kein entscheidender - Faktor bei der Sicherstellung der Verhaltensänderungen oder Politik, die wir anstreben. Sanktionen benötigen Zeit um zu greifen, und sie fordern
einen beträchtlichen Tribut von anderen amerikanischen Interessen. Sanktionen sind also kein Allheilmittel, kein "Patentrezept" und nicht kostenfrei.
Aus diesen Gründen möchten wir in der Administration
mit dem Kongreß an der Verbesserung des Dialogs
über die Sanktionspolitik zusammenarbeiten, Einigung
über diese Frage erzielen und unsere Effektivität bei

Seite 3

�der Förderung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten verbessern. Ich war bei mehreren
Gelegenheiten im Kongreß, unter anderem letzten
Monat, wo ich der überparteilichen Task Force des
Senats für Wirtschaftssanktionen die Ansichten und
Sorgen der Administration im Hinblick auf einige der
dem Kongreß vorliegenden Sanktionsreformen
dargelegt habe. Darüber hinaus habe ich eine aktive
Rolle bei der Aushandlung von grundlegenden, letzte
Woche verabschiedeten Gesetzesbestimmungen zur
weltweiten Förderung der Religionsfreiheit gespielt um
sicherzustellen, daß die Gesetze dem Präsidenten
angemessene Aussetzungsbefugnisse und Flexibilität
verleihen und andere im Einklang mit unseren Sanktionsreformzielen stehende grundlegende Bestimmungen enthalten. Ich bin der Ansicht, daß unsere Arbeit
in diesem Fall bei der Erlangung des hehren Ziels, das
wir alle anstreben, - Ermutigung der freien Religionsausübung - helfen wird, ohne potentiell gefährliche
Differenzen mit unseren Verbündeten zu provozieren.
Wir sind der Ansicht, daß die Aufnahme angemessener außerordentlicher Aussetzungsbefugnisse zum
Schutz nationaler Interessen in die Sanktionsgesetzgebung das wichtigste Element für die Gewährleistung
der Effektivität unserer Sanktionsgesetze ist. Eine
solche Befugnis gibt dem Präsidenten entscheidende
Flexibilität bei der Auswahl der besten Methoden für
die Erlangung amerikanischer Ziele. Tatsächlich war
der Einsatz oder der potentielle Einsatz der dem
Präsidenten verliehenen außerordentlichen Befugnis
zur Aussetzung von Sanktionsgesetzen der Hauptgrund dafür, daß wir Anfang dieses Jahres mit der EU
Übereinstimmung über das ILSA- und das LibertadGesetz erzielten.
Unsere europäischen Verbündeten werden sich
wahrscheinlich freuen zu hören, daß ein anderes
Grundprinzip, das nach Ansicht der Administration
unsere Diskussionen über Reformen bestimmen sollte,
lautet, daß Sanktionen besser funktionieren, wenn sie
breite, multilaterale Unterstützung genießen. Multilaterale Sanktionen maximieren den internationalen Druck
auf den abtrünnigen Staat und demonstrieren internationale Geschlossenheit.
Darüber hinaus ist es
schwieriger, multilaterale Sanktionen zu umgehen oder
zu unterminieren, und sie halten den Schaden für die
amerikanische Konkurrenzfähigkeit möglichst gering,
indem sie die Kosten der Maßnahmen gerechter auf
viele Länder verteilen.
Vor diesem Hintergrund müssen wir jedoch immer zu
unilateralem Vorgehen bereit sein, wenn wichtige
nationale Interessen oder Grundwerte auf dem Spiel
stehen und wir kein multilaterales Regime aufbauen
können. Wir können nicht zulassen, daß andere
Länder durch ihre Untätigkeit Einspruch gegen unsere
Sanktionen erheben.

Seite 4

Eine euroatlantische Partnerschaft für das 21.
Jahrhundert
Ich möchte meine Ausführungen abschließen, indem
ich unsere Strategie für die Umsetzung der Vision des
Präsidenten für unsere transatlantische Partnerschaft
darlege.
Im Mai lud Präsident Clinton in Berlin unsere europäischen Partner ein, sich an der Definition seiner Vision
von einem freien, ungeteilten und integrierten, in
Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten lebenden
Europa zu beteiligen. Wir machen die nächsten
logischen Schritte. Wir bezeichnen unseren Plan als
euroatlantische Partnerschaft für das 21. Jahrhundert.
Ziel ist der Einsatz der drei grundlegenden transatlantischen Institutionen - amerikanisch-europäische
Beziehungen, NATO und OSZE - in einer modernen,
dynamischen und integrierten Partnerschaft, die
wahrhaft globale Effektivität hat. Der Zweck ist, die
drei von mir erwähnten Herausforderungen - innerhalb
Europas, zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa und über die Vereinigten Staaten und Europa
hinaus - zu bewältigen.
Ein Instrument - die für 1999 anberaumten Gipfel
zwischen den Vereinigten Staaten und der EU, der
NATO und der OSZE - bietet eine echte Chance, die
Weichen für diese neue Partnerschaft zu stellen. Wir
möchten nicht, daß diese Gipfeltreffen ausschließlich
oder auch nur hauptsächlich dazu dienen, frühere
Leistungen zu feiern, die durchaus zahlreich sind.
Vielmehr wollen wir, daß sie zu den ersten erfolgreichen Gipfeln des 21. Jahrhunderts werden.
Zuerst möchte ich einige Anmerkungen zur NATO
machen. Unser Ziel für den Gipfel aus Anlaß des 50.
Jahrestags der NATO besteht darin, auf ein größeres,
flexibleres Bündnis hinzuarbeiten, das der kollektiven
Verteidigung verpflichtet und in der Lage ist, sich
einem breiten Spektrum von Herausforderungen an die
Interessen des Bündnisses zu stellen.
Kollektive Verteidigung in Europa ist der Grundstein
des Bündnisses und wird es auch immer bleiben. Wir
dürfen das nie vergessen oder zulassen, daß irgendetwas geschieht, das unsere Fähigkeit zur Umsetzung
dieses absoluten Engagements gefährdet, Risiken
gemeinsam die Stirn zu bieten oder gemeinsame
Pflichten zu übernehmen. Darum ging und geht es bei
der NATO.
Bedrohungen des Territoriums eines NATO-Mitgliedstaats - die unter Artikel 5 des Nordatlantikvertrags
fallen, dem zufolge ein bewaffneter Angriff gegen eine
oder mehrere Parteien als ein Angriff gegen alle
gesehen wird - kommen aus neuen Quellen. Ein
potentieller Angriff mit ballistischen Raketen unter
Einsatz von Massenvernichtungswaffen
gegen
irgendeine große europäische Hauptstadt durch einen

AMERIKA DIENST 22

�verbrecherischen Staat oder eine terroristische
Vereinigung ist eine Bedrohung, der die NATO gewachsen sein muß.
Während des Kalten Krieges war es sinnvoll tür die
Europäer, sich auf ihr eigenes Territorium zu konzentrieren, und für die Vereinigten Staaten, die Hauptverantwortung für die Verteidigung der gemeinsamen
transatlantischen Interessen andernorts zu übernehmen. Dieser Ansatz ergibt jedoch weniger Sinn, wenn
neue Bedrohungen unserer gemeinsamen Interessen
von außerhalb unserer Grenzen kommen. Bei den
europäisch-amerikanischen Beziehungen befassen wir
uns oft kollektiv mit denselben Fragen wie in der
NATO. Beispielsweise kann Bedrohungen durch
Massenvernichtungswaffen im Rahmen der NATO und
durch Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der EU begegnet werden, um Staaten von der
Beschaffung von Massenvernichtungswaffen oder der
Entwicklung von Mitteln für ihren Einsatz abzuschrekken. Wir sollten Wege sondieren, wie wir im Rahmen
von NATO, EU und OSZE mit gemeinsamen Problemen umgehen können.
Tatsächlich können Ereignisse vor Ort schneller
stattfinden als der Planungsprozeß. Die Bestrebungen
zur Implementierung des Daytoner Abkommens in
Bosnien sind ein Beispiel für die Art von institutioneller
Zusammenarbeit, die zur Bewältigung der Herausforderungen des Europas nach dem Kalten Krieg
erforderlich ist. Die NATO, OSZE und EU haben eine
wichtige Rolle bei diesen Bestrebungen. Ebenso sind
die neuen Bestrebungen zur Wiederherstellung des
Friedens im Kosovo und die Suche nach einer politischen Lösung des Kosovo-Konflikts ein anderer Fall,
bei dem alle Institutionen des neuen Europas eine
wichtige Rolle spielen - die OSZE beispielsweise durch
ihre Führungsrolle bei der Verifizierungsmission am
Boden, die NATO in der Luft und die EU durch ihre
Hilfsprogramme.
Die Aufstellung einer ehrgeizigen Agenda für die
amerikanisch-europäischen Beziehungen im Rahmen
der Neuen Transatlantischen Agenda (NTA) bleibt der
Schlüssel zu unserer neuen Vision. Die NTA hat uns
als Rahmen für verstärkte amerikanisch-europäische
Kooperation gut gedient. Unser Engagement für den
NTA-Prozeß ist ein Ausdruck unserer Unterstützung
für ein starkes, nach außen gerichtetes Europa als
globaler Partner in Diplomatie, Handel und anderen
transnationalen Fragen wie der Umwelt.
Unsere Agenda im Rahmen der NTA hat fünf Schlüsselelemente:
Erstens werden wir die fortgesetzte Erweiterung und Integration der EU unterstützen. Die
Aussicht darauf, einer demokratischen und
wohlhabenden Europäischen Union anzugehören, ist ein großer Anreiz, die demokrati-

AMERIKA DIENST 22

schen und marktwirtschaftlichen Reformen in
Zentral- und Osteuropa fortzusetzen.
Zweitens möchten wir, daß die Vereinigten
Staaten und die EU in für die Weltwirtschaft
schwierigen Zeiten Säulen für Wachstum und
wirtschaftliche Stabilität sind. Dementsprechend engagieren wir uns gemeinsam mit
mehreren führenden EU-Mitgliedstaaten stark
für die Koordinierung der Pläne zur Beilegung
der internationalen Finanzkrise.
Darüber
hinaus unterstützen wir die Einführung einer
gemeinsamen europäischen Währung.
Drittens werden wir Wege finden, unsere
politische Partnerschaft mit Europa effektiver
zu gestalten. Wir müssen in der Lage sein,
schnell gemeinsam zu handeln, um plötzliche
Krisen in Europa und darüber hinaus zu lösen.
Viertens wollen wir unsere Fähigkeit verbessern, mit der EU an der Bekämpfung
alltäglicher Bedrohungen zu arbeiten, die in
der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges
auftreten, einschließlich organisiertem Verbrechen, Drogenhandel, Terrorismus und
Kinderpornographie.
Fünftens möchten wir unsere Partnerschaft
über den staatlichen Bereich hinaus auf das
Leben der Menschen ausweiten. Im Rahmen
des vierten Kapitels der NTA ermutigen wir
Elemente der bürgerlichen Gesellschaft zur
Bildung neuer Bündnisse und der Beteiligung
an politischen Prozessen. Dies manifestiert
sich vor allem im Transatlantischen Wirtschaftsdialog (Transatlantic Business Dialogue - TABD), aber wir beobachten auch
parallele Bestrebungen der Interessen der
Arbeitnehmer im Transatlantischen Arbeitsdialog (Transatlantic Labor Dialogue - TALD),
von Verbrauchergruppen im Transatlantischen
Verbraucherdialog und von Umweltschützern
im Transatlantischen Umweltdialog (Transatlantic Environmental Dialogue - TAED).
Das wichtigste Ziel der beiden für 1999 anberaumten
Gipfel zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union werden Fortschritte bei der
Transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft und der
Knüpfung noch engerer transatlantischer Wirtschaftsbeziehungen sein.
Schließlich möchten die Vereinigten Staaten die OSZE
in die Lage versetzen, noch effektiver mit Krisen
umzugehen, bevor diese ausbrechen, und ihre
Ursachen zu bekämpfen, einschließlich unzureichender demokratischer Entwicklung. Durch ihre Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsinstitutionen ist
die OSZE ein Schlüsselinstrument für die Gewähr-

Seite 5

�leistung des Erfolgs unseres strategischen Ziels der
Schaffung eines geeinten, freien, wohlhabenden und
friedlichen Kontinents.
Unseres Erachtens ist es an der Zeit für die OSZE,
ihren Horizont durch die Ausweitung ihrer Zone von
Stabilität, Sicherheit, Wohlstand und Zusammenarbeit
auf die Neuen Unabhängigen Staaten im Kaukasus
und in Zentralasien zu erweitern. Wir haben bereits
den ersten Schritt unternommen - mit der Entscheidung zur Gründung von OSZE-Büros in jedem zentralasiatischen Staat. Der OSZE-Gipfel im kommenden
Jahr wird die Gelegenheit bieten, ein größeres regio-

nales Mandat in das OSZE-Dokument/die OSZECharta aufzunehmen. Der Gipfel wird uns auch die
Chance bieten, Optionen für die Entwicklung neuer
OSZE-Instrumente auszuarbeiten.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich sagen, daß wir dem nächsten Jahr erwartungsvoll entgegensehen, während wir
eine engere Partnerschaft mit den Europäern für die
Bewältigung der Herausforderungen des kommenden
Jahrhunderts aufbauen. Vielen Dank.

* * * * *

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�HANDEL
4. November 1998

Die amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen
Rede von Charlene Barshefsky

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der US-Handelsbeauftragten Charlene Barshefsky vor
dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vom 20. Oktober 1998.

Guten Tag. Gestatten Sie mir, Herrn Dr. von Wartenberg und dem Bundesverband der Deutschen Industrie
für diese Veranstaltung zu danken. Mein Dank gilt
ferner Botschafter John Kornblum für seine freundliche
Einführung und seine Gastfreudschaft während meines
kurzen Aufenthalts hier in Bonn. Darüber hinaus
möchte ich Ihnen allen ganz herzlich dafür danken,
daß Sie heute Nachmittag hierher gekommen sind.
Ich bin zu einem interessanten und aufregenden
Zeitpunkt hier, an dem Ministerpräsident Schröder das
Amt des Bundeskanzlers antritt, die Europäische
Union ihre Erweiterung vorbereitet und wir alle uns mit
der weltweiten Finanzkrise befassen. Ich freue mich
darauf zu hören, was Sie über diese Themen denken
und werde gerne Ihre diesbezüglichen Fragen beantworten. Zunächst möchte ich einen kurzen Überblick
über unsere Handelsbeziehungen zu Europa und die
Herausforderungen geben, mit denen wir in den
nächsten Jahren konfrontiert werden.
Unsere Grundannahme ist folgende: Die Partnerschaft
zwischen Amerika und den europäischen Demokratien
ist seit 50 Jahren das Fundament für Frieden und
Wohlstand über den Atlantik hinweg und weltweit. Und
sie kann im nächsten Jahrhundert eine wichtige Rolle
spielen, wenn wir drei Herausforderungen bewältigen:
Unsere Beziehungen zur Europäischen Union
haben für beide Seiten große Vorteile, die wir
weiter ausbauen können; sie sind jedoch auch
durch ernsthafte Dispute gekennzeichnet, die
wir beilegen müssen.
Unsere Beziehungen stellen einen Bund dar,
der auf den Werten Demokratie, offene Märkte

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und Rechtstaatlichkeit gründet. Wir können
ihn stärken, indem wir diesen Prinzipien
verpflichtete Nationen in die politischen und
wirtschaftlichen Institutionen des Westens
eingliedern.
Unsere Beziehungen sind eine Kraft für
Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt,
auf der wir bei der Bewältigung der Finanzkrise und der Stärkung des multilateralen
Handelssystems aufbauen müssen.
Zuerst möchte ich ein einige Worte über Deutschland
und die Bedeutung sagen, die wir ihm beimessen.
Deutschland sieht sich sowohl im Hinblick auf seine
eigene Entwicklung als auch im Hinblick auf seinen
Platz in der EU einem neuen Zeitalter gegenüber. Die
Stärke der deutschen Volkswirtschaft bleibt das
verläßlichste Zugpferd für künftigen europäischen
Wohlstand. Sie sind hier mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Der vollständigen Integration
der östlichen Bundesländer, der Anpassung der
Volkswirtschaft als Ganzes an eine Weltwirtschaft, die
zunehmend auf Information anstatt auf Produktion
basiert.
Die Fähigkeit Deutschlands, bestimmte
Aspekte seiner Volkswirtschaft zur Bewältigung dieser
Herausforderungen umzugestalten, wird großen
Einfluß auf die Einstellung anderer EU-Mitgliedstaaten
haben. Die deutsche Haltung zur zukünftigen Gestalt
der EU wird ebenfalls von zentraler Bedeutung sein.
Während die neu gewählte Bundesregierung Form
annimmt und Maßnahmen ergreift, die Auswirkungen
auf die deutsche und internationale Politik haben, wird
die Welt - nicht zuletzt die Vereinigten Staaten - genau
beobachten, welche Richtung Deutschland einschlägt.

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�Der amerikanisch-europäische Handel heute
Lassen Sie mich über die erste der drei von mir
genannten Herausforderungen sprechen - unsere
bilateralen Beziehungen.
Die EU ist heute der größte Wirtschaftspartner der
Vereinigten Staaten. Unser bilateraler Handel - Waren
und Dienstleistungen zusammengenommen - belief
sich im letzten Jahr auf mehr als 400 Milliarden Dollar.
Und unsere Beziehungen zählen weltweit zu denen mit
dem schnellsten Wachstum. Im vergangenen Jahr
überstieg die Zunahme unserer Exporte in die EU im
Wert von 13 Milliarden Dollar unsere gesamten
Exporte nach China. Und man erwartet, daß die
Exporte der EU in die Vereinigten Staaten dieses Jahr
um 20 Milliarden Dollar anwachsen.
Die andere Seite unserer Beziehungen - der bilaterale
Investitionsfluß - leistet einen ebenso großen Beitrag
zu unserem Wohlstand. Die amerikanischen Halbleiterfabriken in Irland, die europäischen Autohersteller in
South Carolina, das neue Unternehmen DaimlerChrysler sind nur die am stärksten sichtbaren Elemente von Direktinvestitionen, die jetzt die 750-MilliardenDollar-Marke übersteigen. Mehr als ein Zehntel
unserer ausländischen Direktinvestitionen stammt aus
Deutschland. Jeder zwölfte amerikanische Fabrikarbeiter ist derzeit bei einem europäischen Unternehmen angestellt. Und die 369 Milliarden Dollar, die wir
in Europa investiert haben - darunter 43,9 Milliarden
Dollar in Deutschland - sind fast die Hälfte unserer
weltweiten Qesamtinvestitionen außerhalb unseres
Landes.
Unsere Handelsbeziehungen sind jedoch auch durch
ernsthafte Dispute charakterisiert. Einige - beispielsweise der Bananen- und der Rindfleischstreit - betreffen Prinzipien, die den Kern produktiver Beziehungen
bilden: Fragen der Transparenz; die Anwendung
wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Landwirtschaft,
einschließlich Biotechnologie. Wenn wir uns nicht mit
diesen Disputen befassen und sie schnell beilegen,
werden sie unsere Beziehungen unterminieren.
Die bilaterale Handelsagenda
1995 riefen wir die Neue Transatlantische Agenda
(New Transatlantic Agenda - NTA) ins Leben. Sie
beinhaltet ein Abkommen über gegenseitige Anerkennung (Mutual Recognition Agreement - MRA),
das durch Vorschriften geschaffene Handelshemmnisse im Wert von 60 Milliarden Dollar abschafft,
darunter bei medizinischem Gerät, Pharmazeutika und
Telekommunikationsgerät. Femer einigten wir uns auf
Zusammenarbeit im Zollwesen und die Anpassung von
Veterinärnormen und -verfahren. Und wir stellten die
Weichen für ein noch ehrgeizigeres gemeinsames
Projekt: Die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft
(Transatlantic Economic Partnership - TEP), die im Mai

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beim Gipfel zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union gegründet wurde. Im Rahmen
dieser Initiative identifizieren wir sieben Gebiete, auf
denen wir gemeinsame Interessen finden, den Handel
ausbauen, Meinungsverschiedenheiten ansprechen
und Hindernisse überwinden können.
Dazu zählen:
Technische Normen, bei denen der Transatlantische Wirtschaftsdialog europäischen
und amerikanischen Unternehmen Milliarden
Dollar an Einsparungen bringen kann.
Die Landwirtschaft - durch die Gewährleistung, daß Farmer und Viehzüchter sichere,
wissenschaftlich erprobte Biotechnologie
einsetzen können und daß bei Vorschriften
und Lebensmittelsicherheit
Transparenz
gewährleistet ist.
Geistiges Eigentum, insbesondere bei der
Zusammenarbeit im Kampf gegen Produktpiraterie bei optischen Medien und anderen
neuen Technologien in Asien und Rußland.
Staatliche Beschaffung.
Dienstleistungen.
Elektronischer Handel.
Die Förderung gemeinsamer Werte durch die
Ermutigung von Transparenz bei der WTO
und die Beteiligung der Bürger an der Formulierung der Handelspolitik sowie die Arbeit an
einem Konsens über Fragen wie Handel,
Umweltschutz und grundlegende Arbeitsnormen.
Jeder dieser Punkte hat konkrete Vorteile für beide
Seiten. Und die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft ist als Ganzes wichtiger als ihre Bestandteile,
denn sie gewährleistet ständige Kontakte zwischen
uns, während die EU durch eine gemeinsame Währung gestärkt und durch die Aufnahme neuer Mitglieder erweitert wird.
Die EU-Erweiterung
Das bringt mich zur zweiten Herausforderung: Weiterhin in der Haltung zu Reformen in Zentraleuropa und
darüber hinaus geeint zu sein, während die EU
erweitert wird und Rußland darum kämpft, seine
Finanzkrise zu überwinden.
Im Hinblick auf Zentraleuropa ist der springende Punkt,
daß die Vereinigten Staaten die europäische Integration unterstützen. Wir betrachteten sie in den
fünfziger Jahren als Beitrag zu Wachstum und Stabili-

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�tat in Europa und tun das auch weiterhin. Und wir
erachten den Erfolg der Wirtschaftsreformen und
Demokratisierung in Zentraleuropa als historische
Gelegenheit zu weiteren Schritten. Daher sind wir
stolz, bei der NATO-Erweiterung eine Führungsrolle
übernommen zu haben, und wir unterstützen die
Einladung der EU, neue Mitglieder aufzunehmen. Wir
werden die Einzelheiten der EU-Erweiterung jedoch
genau verfolgen.
Wirtschaftliche Integration wird von Vorteil für die Welt
und die Bürger und Verbraucher der EU sein, wenn sie
auf der Basis von Offenheit gegenüber der Welt erfolgt.
Und unseres Erachtens wird die Erweiterung der
Europäischen Union in den meisten Fällen unsere
Aussichten für Handel und Investitionen in Zentraleuropa und die anderer zukünftiger Mitglieder verbessern. Wenn Integration jedoch zu höheren Handelshemmnissen führt, schadet sie den amerikanischen Interessen und fördert weitere Meinungsverschiedenheiten. Aus diesem Grund werden wir engen
und ständigen Kontakt zur EU halten, während sich
dieser Prozeß in der Übergangsphase befindet, und
wir führen mit Polen und anderen zentraleuropäischen
Regierungen separate Konsultationen.
Die Neuen Unabhängigen Staaten
Wir sind davon überzeugt, daß der Erfolg der Reformen in Zentraleuropa uns weiter im Osten etwas lehrt.
Wirtschaftsreformen und Demokratisierung in Rußland,
der Ukraine und den anderen Neuen Unabhängigen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion sind von elementarem Interesse für die Vereinigten Staaten. Aus
diesem Grund haben wir für die politischen und
wirtschaftlichen Reformen gleichermaßen technische
Hilfe angeboten und die Hilfspakete des IWF für
Rußland unterstützt.
Letzten Endes müssen Rußland und die anderen
Neuen Unabhängigen Staaten jedoch selbst ihre
Wirtschaftssysteme reformieren und starke rechtliche
und staatliche Institutionen gründen. Auch wenn wir
ihnen helfen können, können wir die Arbeit nicht für sie
erledigen. Und wir sollten nicht überrascht über
Rückschritte und schwierige Zeiten sein. Dies sind
jedoch langfristige Bestrebungen, und wir sollten keine
Schwarzseher oder Pessimisten sein.
Wir bleiben der Unterstützung von Reformen daher
weiter verpflichtet, und unsere Handelspolitik muß in
dem Prozeß eine Rolle spielen. Die Prinzipien der
WTO und unsere bilateralen Abkommen mit diesen
Nationen - Transparenz, offene Märkte, Rechtsstaatlichkeit - werden zu deren langfristigem Wachstum, der Integration in die Weltwirtschaft und innenpolitischen Reformen beitragen. Das ist die Erfahrung
praktisch aller zentraleuropäischen und baltischen
Staaten. Wir arbeiten sorgfältig und eng mit der EU

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und allen an einer WTO-Mitgliedschaft Interessierten
zusammen. Es ist keine leichte Aufgabe, aber wir
werden bald die Aufnahme Lettlands und Kirgistans in
die WTO sehen und erwarten, daß ihnen andere
folgen, wenn sie dazu bereit sind.
Die Finanzkrise
Das führt mich zur dritten Herausforderung: Unseren
Pflichten als weltweit führende Wirtschaftsmacht.
Sie beginnen mit der Finanzkrise. Wie Präsident
Clinton bei der Tagung von IWF und Weltbank vor
zwei Wochen erklärte, stellen die Ereignisse, die im
vergangenen Jahr mit starken Schwankungen der
thailändischen Währung begannen, jetzt die gravierendste Finanzkatastrophe der letzten 50 Jahre dar.
Und als weltweit größte Volkswirtschaften müssen wir
und die EU - sowie Japan - die Bestrebungen anführen, eine Lösung zu finden.
Unser Ansatz - Reformprogramme mit dem IWF im
Mittelpunkt - bringt Ergebnisse hervor. Länder wie
Thailand und Korea haben Reformen durchgeführt,
ihre Währungen stabilisiert und die Zinssätze auf das
Niveau von vor der Krise gebracht. Mit Geduld und
Reformen kann dasselbe in Rußland und anderen
betroffenen Ländern geschehen. Dennoch hat die
Krise weiterhin das Potential, sich zu verstärken und
auszuweiten. Daher müssen wir wachsam sein und
gewährleisten, daß der IWF über die Ressourcen und
die politische Unterstützung verfügt, die er im Fall
neuer Notfälle benötigt.
Und wir müssen sicherstellen, daß Japan seiner
Verantwortung gerecht wird, indem es nachfrageorientiertes Wachstum wiederherstellt, sein Finanzsystem
reformiert und seine Märkte öffnet.
Und von der handelspolitischen Perspektive aus
gesehen müssen wir unseren Prinzipien und den im
Frühjahr beim letzten asiatisch-europäischen Gipfel
und beim G 8-Gipfel gemachten spezifischen Zusagen
treu bleiben, indem wir unsere offenen Märkte erhalten
und die multilaterale Liberalisierung fortsetzen. Etwas
anderes würde die Gefahr einer Wiederholung der
dreißiger Jahre beinhalten, als sich der Protektionismus in den Vereinigten Staaten und Europa verstärkte und die Weltwirtschaftskrise verlängerte. Jeder
von uns wird sich dem Druck wachsender Importe beispielsweise von Stahl - ausgesetzt sehen, aber
Europa muß einen Teil der Last übernehmen. Sollte
die EU diese Herausforderung nicht bewältigen, wird
der Druck auf uns alle verstärkt.
Das multilaterale Handelssystem
Abschließend möchte ich noch etwas über die nächsten Schritte im multilateralen Handelssystem sagen.
Ich möchte ganz offen sein. Zuerst müssen wir das

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�bestehende System respektieren. Jeder von uns muß
die Verpflichtungen der Uruguay-Runde erfüllen und
die Entscheidungen der Streitschlichtungsausschüsse
respektieren.
Dies ist ein großes Anliegen. Wir haben jetzt Fälle
gegen die EU im Hinblick auf die Bananenmarktordnung und das Verbot von amerikanischem Rindfleisch in der EU abgeschlossen. In beiden Fällen
entschieden die WTO-Streitschlichtungsausschüsse
und Berufungsbehörden zugunsten der Vereinigten
Staaten. Die EU hat die Verpflichtung, diese Ergebnisse zu respektieren und umzusetzen - was sie
bislang nicht getan hat. Die Mißachtung der Entscheidungen des Ausschusses schwächt die Unterstützung für das Handelssystem, seine Abschreckung
von Protektionismus und die Unterstützung für unsere
bilateralen Beziehungen.
Ferner müssen wir auf wirtschaftlich sinnvoller Grundlage weiterhin gemeinsam an der Aufnahme Chinas,
Taiwans und anderer Volkswirtschaften in die WTO
arbeiten, die eine Mitgliedschaft anstreben. Die
Gespräche mit China verlaufen ziemlich schleppend.
Das ist meines Erachtens auf die Sorge der chinesischen Regierung über die Finanzkrise, die Arbeitslosigkeit, die Umgestaltung des staatlichen Sektors
und andere innenpolitische Fragen zurückzuführen.
Obwohl die Mitgliedschaft Chinas wichtig ist, sind die
Prinzipien des Systems ebenso wichtig. Daher werden
wir weiterhin mit China an dieser Frage arbeiten, sind
jedoch bereit zu warten, bis es ernsthafte Angebote
vorlegt. Ich hoffe, daß wir bei dieser Frage weiterhin
eng mit der EU zusammenarbeiten werden.
Im Vorfeld der neuen WTO-Verhandlungen müssen wir
auch nach Gemeinsamkeiten suchen. Wir haben ein
gemeinsames Interesse an der Entwicklung des
elektronischen Handels, der Öffnung des Dienstleistungsmarktes, einer besseren Durchsetzung des
Rechtsauf eistiges Eigentum bei Computersoftware

und neuen Technologien und der Gewährleistung von
Fairness bei staatlicher Beschaffung. Und die europäische Agrarpolitik stellt ein grundlegendes und zentrales Anliegen dar. Die europäischen Steuerzahler
und Verbraucher, die Amerikaner und unsere Handelspartner - sie alle haben großes Interesse an weitreichenden Agrarreformen, einschließlich der Abschaffung von Exportsubventionen, der Verringerung von
Preisstützungen in Verbindung mit der Produktion und
an Transparenz des staatlichen Handelssystems.
Schließlich müssen wir die Werte fördern die sicherstellen, daß das Handelssystem Bestand hat: Transparenz und Beachtung der Anliegen der Bürger. Wir
müssen die WTO durch die Öffnung von Streitschlichtungsverfahren und die beschleunigte Veröffentlichung
der Berichte der Streitschlichtungsausschüsse transparenter gestalten. Die EU kann in diesem Bereich
sehr viel mehr tun. Und wir müssen dafür sorgen, daß
Handel mit Umweltschutz und grundlegenden Arbeitsnormen einhergeht.
Schlußbemerkung
Dies sind komplexe Fragen und enorme Verpflichtungen. Die Welt erwartet von uns eine Führungsrolle
und die Übernahme von Verantwortung auf eine seit
Jahren nicht mehr dagewesene Art - vielleicht sogar
seitTruman und Adenauer nicht mehr, als das moderne Handelssystem geschaffen wurde und Europa
seine ersten Schritte zur Integration unternahm.
Meines Erachtens sind wir der Herausforderung
jedoch gewachsen. Unsere Wirtschaftsbeziehungen
sind äußerst produktiv und für beide Seiten von Vorteil.
Wir haben internationale Institutionen aufgebaut, die
Frieden und Wohlstand im atlantischen Raum und
weltweit sichern. Unsere Beziehungen sollten die Welt
in dem vor uns liegenden Jahrhundert weiterhin
inspirieren und gestalten.

* * * *

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*

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�MEDIEN
4. November 1998

"Unterdrückung der Presse durch Milosevic
muß aufhören"
von Jonathan Spalter

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Stellvertretenden Direktors und leitenden
Medienbeauftragten des US-Informationsamts (U.S. Information Agency - USIA), Jonathan Spalter, der erstmals
in der französischen Zeitung La Croix erschien. Spalter verurteilt darin das vom serbischen Parlament am 20.
Oktober 1998 verabschiedete neue Mediengesetz und fordert ein Ende der Unterdrückung unabhängiger
serbischer Medien durch Milosevic.

Während die Clinton/Gore-Administration und ihre
NATO-Partner Schritte unternehmen, um die Möglichkeit des Friedens für die Menschen im Kosovo Realität
werden zu lassen, setzen die serbischen Behörden
ihre Unterdrückung der bedrängten unabhängigen
Medien des Landes fort. Die Lage der Journalisten
verschlimmert sich weiter, nachdem das serbische
Parlament am Dienstag ein neues Informationsgesetz
verabschiedet hat, das die Grundfreiheit der objektiven
und unabhängigen Berichterstattung weiter einschränkt.
Diese Maßnahme ist Teil umfassenderer Bestrebungen von Seiten der Regierung Milosevic, im ganzen
Land die Pressefreiheit zu unterdrücken. Seit Mai
verweigern die serbischen Behörden den meisten
Rundfunk- und Fernsehstationen Serbiens die Sendegenehmigung. Diejenigen, die den Mut zu objektiver
Berichterstattung haben, werden bedroht und schikaniert. Im September warnte der Hardliner und serbische Stellvertretende Ministerpräsident Vojislav Seselj
die örtlichen Journalisten offiziell, sie würden für
Luftangriffe der NATO zur Rechenschaft gezogen.
"Wir können nicht jedes Flugzeug der NATO abschießen", erklärte er, "aber wir können gegen jene
Beauftragten vorgehen, die vor Ort sind".
Die serbischen Behörden haben ihren Worten eine
Vielzahl bedenklicher Taten folgen lassen. Anfang
dieses Monats sabotierten sie eine vom Europarat
geförderte und von Radio 92 veranstaltete Konferenz
für die serbische Vereinigung unabhängiger Rundfunkund Fernsehsender über unabhängige Medien. Und

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das diese Woche vom serbischen Parlament angenommene neue Mediengesetz verbietet die Übertragung von serbischsprachigen Programmen ausländischer Medienorganisationen wie BBC, Deutsche
Welle, Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty.
Medien mit Verbindungen zum Ausland sind den
unterdrückerischen Taktiken Milosevics besonders
stark ausgesetzt. Der Fernsehsender Negotin wurde
vor einem Monat wegen seiner Teilnahme an einem
Programm der Voice of America verboten. Und die
serbischen Behörden haben einen der populärsten
Fernsehsender Belgrads, Radio Index, sowie Radio
Senta, einen zweisprachigen Fernsehsender in der
Vojvodina, geschlossen.
Die unabhängigen Zeitungen des Landes sind ebenfalls weiterhin in Gefahr, nachdem das Informationsministerium letzte Woche die Schließung von drei der
bedeutendsten unabhängigen Tageszeitungen des
Landes, Danas, Nasa Borba und Dnevni Telegraf
verfügte.
Diese Aktionen sind inakzeptabel. Die hart erkämpften
Freiheiten der Ära nach dem Ende des Kalten Krieges
- und die damit einhergehende bürgerliche Verantwortung - werden jetzt praktisch in jedem Land Zentralund Osteuropas hoch gehalten. Das ehemalige
Jugoslawien ist die einzige Ausnahme. Wenn Milosevic seine Kontrolle über die Medien festigen kann, wird
es für die Menschen in Serbien noch schwieriger, den
Ruf der internationalen Gemeinschaft nach politischem

Seite 1

�Behörden ihren Sender aus dem Äther vertrieben
haben, gelingt es ihr und ihren Mitarbeitern immer
noch, Berichte über das Internet zu verschicken. Und
sie ist nicht die Einzige. Selbst angesichts des entsetzlichen Leidens und der Zerstörung im Kosovo sah
ich viele weitere Beweise für den Mut und die Fantasie
der Journalisten.

Pluralismus, ethnischer Toleranz und ihre Forderung
nach uneingeschränkter Erfüllung der Bedingungen
von Resolution 1199 des UN-Sicherheitsrats zu hören
und ihnen zu folgen.
Trotz des scharfen Vorgehens von Präsident Milosevic
schicken mehrere unabhängige Journalisten weiterhin
trotzig die Nachrichten aus Serbien-Montenegro in die
Wohnzimmer der Welt. Ich war vor kurzem im Kosovo
und traf dort mit mehreren dieser mutigen Männer und
Frauen zusammen, die um der Berichterstattung willen
oft ihr Leben aufs Spiel setzen. Eine Journalistin, eine
Albanierin namens Aferdita Saracini-Kelmendi, begann
mit Unterstützung der Vereinigten Staaten in einem
kleinen Haus in Pristina den Sendebetrieb des albanischsprachigen Radio 21. Obwohl die serbischen

* *

Seite 2

Natürlich kann allein eine freie Presse den ethnischen
Haß im Kosovo oder andernorts nicht ersticken. Aber
Pressefreiheit ist die Vorbedingung für Fortschritte bei
Frieden und Toleranz. Wenn Serbien-Montenegro in
die Gemeinschaft der Nationen integriert werden soll,
muß dieses krisengeschüttelte Land eine starke,
objektive und unabhängige Presse zulassen.

*

AMERIKA DIENST 22

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