<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2492" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2492?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:08:41+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2503">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6d3811e0b98ce1dbdb2fd1a07e382690.pdf</src>
      <authentication>25ad4a8e20a6a9a5751abe5734a9bf50</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="13003">
                  <text>cimerikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

24. September 1998

19

VEREINTE NATIONEN

CLINTON: BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS
MUSS PRIORITÄT HABEN
Rede des Präsidenten
vor der UN-Generalversammlung

G7

DIE GLOBALE FINANZKRISE
Rede von Präsident Clinton

USA-DEUTSCHLAND

ÖFFENTLICH-PRIVATE PARTNERSCHAFTEN
UND DIE ZUKUNFT DER TRANSATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter John C. Kornblum

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�VEREINTE

NATIONEN
23. September 1998

Clinton: Bekämpfung des Terrorismus
muß Priorität haben
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton bei der 53.
Sitzung der UN-Generalversammlung am 21. September 1998.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte
Mitglieder dieser 53. Sitzung der Generalversammlung,
zuerst möchte ich Ihnen für das herzliche Willkommen
danken, das Sie mir bereitet haben und darauf hinweisen, daß die Welt bei der Eröffnung dieser Sitzung
der Generalversammlung viel zu feiern hat.
Nach 29 langen Jahren ist in Nordirland Frieden
eingekehrt. Bosnien hat gerade die freiesten Wahlen
veranstaltet, die es in diesem Land je gab. Die
Vereinten Nationen sind bei Krisen als aktiver Vermittler tätig, bevor diese sich weltweit zu Kriegen ausweiten. Und heute bestimmen mehr Menschen ihre
eigene Zukunft als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte.
Wir feiern den 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, und diese Rechte finden
breitere Unterstützung als je zuvor. Auf jedem Kontinent führen die Menschen ein Leben in Rechtschaffenheit und Selbstachtung, und ein großer Teil des
Verdienstes hierfür gebührt den Vereinten Nationen.
Aber jeder hier Anwesende weiß, daß das Versprechen unserer Zeit auch von Gefahren begleitet ist.
Globale wirtschaftliche Unruhen drohen heute, das
Vertrauen in freie Märkte und Demokratie zu unterminieren. Diejenigen unter uns, die besonders von
dieser Wirtschaft profitieren, tragen eine spezielle
Verantwortung, mehr zu unternehmen, um die Unruhen einzuschränken und die Vorteile der globalen
Märkte allen Bürgern zukommen zu lassen. Und die
Vereinigten Staaten sind hierzu entschlossen.

AMERIKA DIENST 19

Wir werden immer noch von ethnischem, rassischem,
religiösem oder stammesbedingtem Haß bedroht, von
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, von
dem nahezu verzweifelten Bemühen allzu vieler
Staaten, in den Besitz solcher Waffen zu gelangen,
und trotz aller Bestrebungen zu seiner Eindämmung
wird der Terrorismus am Ende des 20. Jahrhunderts
nicht schwächer. Er stellt eine andauernde Verletzung
von Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dar, der besagt, daß jeder Mensch das
Recht auf Leben, Freiheit und die Sicherheit seiner
Person hat.
Ich hatte hier bei den Vereinten Nationen, bei internationalen Gipfeln weltweit und bei vielen Gelegenheiten
in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit, mich
eingehend mit diesem Thema zu befassen und
darzulegen, was wir getan haben, was wir tun, und
was wir noch tun müssen, um den Terror zu bekämpfen. Heute möchte ich darüber sprechen, warum alle
Nationen den Kampf gegen den Terrorismus ganz
oben auf unsere Tagesordnung setzen müssen.
Wir machen uns über dieses Thema große Sorgen. In
den letzten 15 Jahren waren unsere Bürger immer
wieder Zielscheibe von Terroranschlägen - in Beirut,
über Lockerbie, in Saudi-Arabien, zu Hause in Oklahoma City durch die Tat eines unserer eigenen Bürger,
hier in New York in einem öffentlichen Gebäude und
vor kurzem am 7. August in Nairobi und Daressalam,
wo Amerikaner, die sich dafür einsetzten, Brücken
zwischen Nationen zu bauen - Menschen wie Sie - in
der Haßkampagne gegen die Vereinigten Staaten
starben.

Seite 1

�Weil wir das Glück haben, eine wohlhabende Nation
mit starken Streitkräften und einer aktiven weltweiten
Präsenz bei der Förderung von Frieden und Sicherheit
zu sein, werden wir oft zur Zielscheibe. Wir lieben
unser Land wegen seines Einsatzes für politische und
religiöse Freiheit, wirtschaftliche Chancen und die
Achtung der Rechte des Einzelnen. Aber wir wissen,
daß uns viele Menschen als Symbol für ein System
und Werte sehen, die sie ablehnen. Und oft machen
sie uns für Probleme verantwortlich, die ihre Wurzeln
andernorts haben.
Wir sind jedoch für keine friedliche Nation eine Bedrohung, und unseres Erachtens ist der beste Weg zur
Widerlegung dieser Behauptungen, unsere Arbeit für
Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt fortzusetzen. Würden wir uns von den Unruheherden der
Welt zurückziehen, denjenigen den Rücken kehren,
die um des Friedens willen Risiken auf sich nehmen
und in unserem Widerstand gegen den Terrorismus
nachlassen, würden wir den Feinden des Friedens
einen Sieg bescheren, den sie nie erleben dürfen.
Es ist jedoch falsch, den Terrorismus lediglich oder
überwiegend als amerikanisches Problem zu sehen.
Tatsächlich stellt er für tolerante und offene Gesellschaften und unschuldige Menschen überall eine klare
und präsente Gefahr dar. Keiner der hier Anwesenden, keiner der Menschen, die Sie vertreten, ist
dagegen immun.
Zweifelsohne nicht die Menschen in Nairobi und
Daressalam. Auf jeden Amerikaner, der dort getötet
wurde, kamen ungefähr 20 ermordete und 500 verletzte Afrikaner - unschuldige Menschen, die an einem
geschäftigen Morgen ihre Arbeit erledigten. Und auch
die Menschen in Omagh in Nordirland waren nicht
immun - Katholiken und Protestanten gleichermaßen
wurden verletzt und getötet, vorwiegend Frauen und
Kinder, zwei schwangere Frauen, Menschen, die
Einkaufen gingen, als ihre Zukunft durch eine Randgruppe ausgelöscht wurde, die sich an die Vergangenheit klammert.
Auch die Menschen in Japan, die in einer Tokioter
U-Bahn mit Saringas vergiftet wurden, waren nicht
immun. Noch die Menschen in Argentinien, die bei
einem Autobombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in der Innenstadt von Buenos Aires
starben. Noch die Menschen in Kaschmir und Sri
Lanka, die wegen veralteter Animositäten sterben, die
unbedingt beigelegt werden müssen.
Noch die
Palästinenser und Israelis, die trotz aller Fortschritte
beim Friedensprozeß Jahr für Jahr sterben müssen.
Noch die Menschen in Algerien, die einen Alptraum
unvorstellbaren Terrors durchleben, für den noch kein
Ende in Sicht ist. Noch die Menschen in Ägypten, die
beinahe zum zweiten Mal einen Präsidenten durch ein
Attentat verloren hätten. Noch die Menschen in der
Türkei, in Kolumbien, Albanien, Rußland, dem Iran,

Seite 2

Indonesien und zahllosen anderen Nationen, in denen
unschuldige Menschen Opfer des Terrors werden.
Keines dieser Opfer ist Amerikaner, aber jedes ist
Sohn oder Tochter, Ehemann oder Ehefrau, Vater oder
Mutter, ein durch Haß ausgelöschtes Menschenleben,
und jedes hinterläßt einen Kreis von Menschen, deren
Leben nie wieder dasselbe sein wird. Terrorismus ist
zu einem weltweiten Problem geworden. Manche
argumentieren natürlich, das Problem werde übertrieben, die Zahl der Opfer des Terrorismus sei
vergleichsweise klein und liege etwas unter der Zahl
von Menschen, die jedes Jahr vom Blitz getroffen
werden. Meines Erachtens begreifen sie jedoch in
vielerlei Hinsicht nicht, worum es geht.
Erstens hat der Terrorismus in den neunziger Jahren
ein neues Gesicht bekommen. Terroristen machen
sich heute die größere Offenheit und die explosionsartige Verbreitung von Informations- und Waffentechnologie zunutze. Die neuen Technologien des
Terrors und ihre zunehmende Verfügbarkeit sowie die
wachsende Mobilität der Terroristen eröffnen die
erschreckende Aussicht, chemischen, biologischen
und anderen Angriffen ausgesetzt zu werden, was
jeden von uns zu einem möglichen Opfer macht. Dies
ist eine Bedrohung der gesamten Menschheit.
Neben dem durch jeden Anschlag verursachten
physischen Schaden besteht die noch größere Gefahr
psychologischer Schäden - die schwer auszumachen
sind und lange Zeit zur Heilung brauchen. Jede
Bombe, jede Bombendrohung hat schleichende
Auswirkungen auf freie und offene Institutionen, die Art
von Institutionen, für deren Aufbau Sie alle hier so hart
arbeiten.
Jedes Mal, wenn ein Unschuldiger - ob Mann, Frau
oder Kind - getötet wird, wird die Zukunft für uns alle
gefährlicher. Jeder Gewaltakt unterminiert das für
Frieden und Wohlstand unerläßliche Vertrauen.
Überall auf der Welt kämpfen Menschen mit aktiver
Unterstützung der UN-Organisationen für die Gestaltung einer besseren Zukunft auf der Grundlage des
Vertrauens, das sie mit ihren Mitbürgern und mit
Partnern und Investoren auf der ganzen Welt verbin-

Die Aussicht auf wachsenden Wohlstand in Nordirland
war der entscheidende Faktor für das Abkommen vom
Karfreitag. Aber es setzte Vertrauen voraus - Vertrauen, das in Zeiten der Gewalt nicht gewonnen
werden kann. Wir können das Ausmaß jedes Angriffs
bestimmen und schauerliche Statistiken über die Toten
und Verwundeten aufstellen. Aber welches sind die
Wunden, deren Ausmaß wir nicht einschätzen können?
Wie viele Abkommen wurden im Nahen Osten, in
Asien und Südafrika durch Bombenanschläge ver-

AMERIKA DIENST 19

»

*

�eitelt? Wie viele Unternehmen wurden an Orten, die
förmlich nach Investitionen in Form von Zeit und Geld
schreien, niemals gegründet? Wie viele begabte junge
Menschen in hier vertretenen Ländern haben dem
Dienst an der Öffentlichkeit den Rücken gekehrt?
Die Frage lautet nicht nur, wie viele Menschenleben
bei jedem Angriff ausgelöscht werden. Die Frage
lautet auch, wie viele Menschen anschließend keine
Zukunft mehr haben. Es gibt keine Rechtfertigung
dafür, Unschuldige umzubringen. Ideologie, Religion,
Politik, selbst Entbehrung und echte Mißstände
rechtfertigen das nicht. Wir müssen auf jeden Fall
versuchen zu verstehen, unter welchen Bedingungen
Terroranschläge verübt werden.
Ich habe oft selbst erlebt, daß dort, wo der Frieden
Fortschritte macht, Terror ein verzweifelter Versuch ist,
das Rad der Geschichte zurückzudrehen.
Der
Bombenanschlag von Omagh fand statt, als der
Frieden in Nordirland Erfolg hatte. Wann immer wir
uns im Nahen Osten einem weiteren Schritt zum
Frieden nähern, reagieren seine Feinde mit Terror.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dies unsere Fortschritte
behindert.
Die Überbrückung alten Hasses ist schließlich ein Akt
des Vertrauens, ein Bruch mit der Vergangenheit und
somit eine beängstigende Bedrohung für diejenigen,
die ihren Haß nicht überwinden können. Weil sie die
Zukunft fürchten, versuchen die Terroristen, die
Friedensstifter durch Bomben in die Vergangenheit
zurückzubefördern.
Wir müssen erkennen, daß es für dieses Wüten auch
wirtschaftliche Gründe gibt. Armut, Ungleichheit und
Massen entrechteter junger Menschen bilden den
Nährboden für den Sirenengesang der Terroristen und
ihre Behauptung, soziale Gerechtigkeit zu fördern.
Aber Entbehrung kann keine Zerstörung rechtfertigen,
und Ungerechtigkeit kann niemals eine Entschuldigung
für Mord sein. Der Mord an Unschuldigen ist kein
Sozialprogramm.
Trotzdem bedeutet unser entschlossener Widerstand
gegen den Terrorismus nicht, daß wir je den ihm
Vorschub leisteten Bedingungen gegenüber gleichgültig sein dürfen. Der jüngste Bericht der Vereinten
Nationen über menschliche Entwicklung weist darauf
hin, daß die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich
immer größer wird. Wir müssen uns stärker dafür
einsetzen, die Quellen der Verzweiflung zu bekämpfen, bevor sie zu giftigem Haß werden. Dr. Martin
Luther King schrieb einmal, der einzige Revolutionär
sei jemand, der nichts zu verlieren habe. Wir müssen
den Menschen zeigen, daß sie nur gewinnen können,
wenn sie Zusammenarbeit fördern und auf Gewalt
verzichten. Dies ist nicht nur die Pflicht der Vereinigten
Staaten oder des Westens, es ist die Pflicht der
ganzen Welt.

AMERIKA DIENST 19

Die Entwicklungsländer haben die Pflicht, den neugewonnenen Wohlstand fair zu verteilen, neue Chancen
zu schaffen, neue offene Volkswirtschaften aufzubauen. Die Industriestaaten haben die Pflicht, die
Entwicklungsländer dabei zu unterstützen, auf dem
Weg des Wohlstands zu bleiben und das globale
Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Vor einer Woche
habe ich dargelegt, wie wir eine stärkere Weltwirtschaft
gestalten können, von der nicht nur alle Nationen,
sondern alle Bürger profitieren.
Manche sind der Ansicht, der Terrorismus rühre von
dem ihres Erachtens unvermeidlichen Kampf der
Zivilisationen her. Dieses Thema sollte hier umfassend erörtert werden. Insbesondere sind viele der
Ansicht, es gebe einen unvermeidlichen Kampf
zwischen der westlichen Zivilisation und ihren Werten
und den islamischen Zivilisationen und Werten.
Meines Erachtens ist diese Ansicht völlig falsch.
Falsche Propheten mögen jede Religion benutzen
oder mißbrauchen, um ihre politischen Ziele zu
rechtfertigen - selbst kaltblütigen Mord. Einige wollen
die Welt davon überzeugen, daß der allmächtige und
barmherzige Gott selbst die Erlaubnis zum Töten gibt.
Aber das ist nicht unser Verständnis des Islam.
Ein Viertel der Weltbevölkerung sind Muslime - von
Afrika über den Nahen Osten und Asien bis zu den
Vereinigten Staaten, wo der Islam eine unserer am
schnellsten wachsenden Glaubensrichtungen darstellt.
In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 1.200

Moscheen und islamische Zentren, und die Zahl nimmt
schnell zu. Die sechs Millionen Amerikaner, die dort
beten, werden Ihnen sagen, daß es nicht von Natur
aus einen Kampf zwischen dem Islam und Amerika
gibt. Die Amerikaner respektieren und ehren den
Islam.
Wenn ich in meinem Land und weltweit mit Vertretern
der Muslime sprach, habe ich immer wieder gesehen,
daß wir dieselben Hoffnungen und dasselbe Streben
haben: In Frieden und Sicherheit zu leben, für unsere
Kinder zu sorgen, den Glauben unserer Wahl zu leben,
ein besseres Leben als das aufzubauen, das unsere
Eltern kannten und unseren Kindern mehr Möglichkeiten zu geben. Natürlich sind wir nicht identisch. Es
gibt wesentliche Unterschiede, die sich über Rasse,
Kultur und Religion erstrecken und Verständnis und
Respekt verlangen.
Aber jeder Fluß kann überquert werden. Selbst wenn
wir hier in den Vereinigten Staaten ebenso wie die
Vereinten Nationen darum kämpfen, alle Amerikaner
miteinander zu versöhnen und in unserer zunehmenden Vielfalt größere Einheit zu finden, bleiben wir auf
unserem Weg der Freundschaft und der Achtung der
muslimischen Welt. Wir werden weiterhin nach
gemeinsamen Werten, gemeinsamen Interessen und
gemeinsamen Bestrebungen suchen. Ich stimme voll
und ganz mit der Geisteshaltung überein, die sich in

Seite 3

�den folgenden Worten Mohammeds ausdrückt: Wenn
Menschen gemeinsam beten, sind die Früchte des
Gebets doppelt so groß, als wenn sie alleine zu Hause
beten.
Im Hinblick auf den Terrorismus sollte es keine
Trennlinie zwischen Muslimen und Juden, Protestanten und Katholiken, Serben und Albanern, industrialisierten und aufstrebenden Ländern geben. Die einzige
Trennlinie verläuft zwischen denen, die Terror praktizieren, unterstützen oder tolerieren und denjenigen,
die verstehen, daß er schlicht und einfach Mord ist.
Wenn der Terrorismus ganz oben auf der amerikanischen Tagesordnung steht - und er sollte ganz oben
auf der weltweiten Tagesordnung stehen - welches
sind dann die konkreten Schritte, die wir gemeinsam
unternehmen können, um unsere gemeinsame Zukunft
zu schützen? Was sind unsere gemeinsamen Verpflichtungen? Meines Erachtens sind es zumindestens
die folgenden: Terroristen keine Unterstützung, keinen
Unterschlupf, keine Finanzhilfe zu gewähren; Druck
auf Staaten auszuüben, die das tun; gemeinsam zur
Förderung von Auslieferung und strafrechtlicher
Verfolgung tätig zu werden; die weltweiten Konventionen zur Terrorismusbekämpfung zu unterzeichnen; die
Konvention über biologische Waffen zu stärken; die
Chemiewaffenkonvention umzusetzen; strengere
nationale Gesetze zu fördern und die Herstellung und
den Export von Explosivstoffen zu kontrollieren;
internationale Standards für die Sicherheit an Flughäfen zu erhöhen; gegen Zustände anzugehen, die zur
Ausbreitung von Gewalt und Verzweiflung führen.
Wir werden das Unsrige tun. Unsere Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden spüren in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen terroristische
Netzwerke auf. Einige von denen, die wahrscheinlich
für die jüngsten Bombenanschläge auf unsere Botschaften verantwortlich sind, werden vor Gericht
gestellt. Anfang dieser Woche werde ich den Kongreß
um die Bewilligung von Nothilfegeldern bitten, um
unsere Botschaften zu reparieren, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, den weltweiten Kampf gegen
den Terrorismus auszuweiten und unseren Freunden
in Kenia und Tansania bei der Heilung der erlittenen
Wunden beizustehen.
Aber ungeachtet dessen, wieviel jeder Einzelne von
uns tut, können wir ohne gemeinsame Bestrebungen
nur begrenzte Fortschritte erzielen. Wir werden
ebenfalls das Unsrige tun, um die Wurzeln der Verzweiflung und Entfremdung durch das Amt für internationale Entwicklung in Afrika, Asien, Lateinamerika,
Osteuropa, Haiti und andernorts auszurotten. Wir

*

Seite 4

*

werden unsere starke Unterstützung für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, die UNHochkommissare für Menschenrechte und Flüchtlinge,
UNICEF, die Weltbank und das Welternährungsprogramm fortsetzen.
Wir sind uns auch bewußt, daß diese Behörden eine
entscheidende Rolle spielen und wie wichtig es ist, daß
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten,
ihre Beiträge zahlen.
Abschließend möchte ich uns alle auffordern, den
Terrorismus in anderen Kategorien zu sehen, ihn nicht
als einen Kampf von Kulturen oder politischen Aktionen mit anderen Mitteln zu begreifen, oder als Ruf
Gottes, sondern als Kampf zwischen den Kräften der
Vergangenheit und den Kräften der Zukunft, zwischen
denen, die niederreißen und denen, die aufbauen,
zwischen Hoffnung und Angst, Chaos und Gemeinschaft.
Es wird kein einfacher Kampf sein. Aber jede Nation
wird gestärkt, wenn sie sich daran beteiligt und den
Worten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die wir vor 50 Jahren unterzeichneten, wirkliche
Bedeutung gibt. Es ist äußerst wichtig, daß wir das
gemeinsam tun.
Eleanor Roosevelt zählte zu den Verfassern der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie
erklärte in einer ihrer zahlreichen Reden zur Unterstützung der Vereinten Nationen, als diese noch in ihren
Kinderschuhen steckten: "Alle Abkommen und aller
Friede basiert auf Vertrauen. Man kann keinen
Frieden haben und man kann sich nicht mit anderen
Menschen auf der Welt verstehen, wenn man ihnen
nicht vertraut."
Um einander vertrauen zu können, müssen wir nicht
alle Probleme der Welt lösen. Um einander vertrauen
zu können, müssen wir nicht in allen weltweiten Fragen
einer Meinung sein. Um einander vertrauen zu
können, ist es noch nicht einmal erforderlich, daß wir
jeden kleinen Unterscheid zwischen uns verstehen.
Aber wir müssen unseren Glauben an das Primat der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekräftigen und daher gemeinsam erklären, daß Terrorismus
kein Weg in die Zukunft ist, sondern nur ein Rückfall in
die Vergangenheit. Und gemeinsam - gemeinsam können wir ihm die Stirn bieten und seine Bedrohungen, Ungerechtigkeiten und Ängste mit Vertrauen
überwinden.
Vielen Dank.

*

*

AMERIKA DIENST 19

�G7
23. September 1998

Die globale Finanzkrise
Rede von Präsident Clinton

NEW YORK - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede von Präsident Clinton vor
dem Council on Foreign Relations vom 14. September 1998, in der er eine Zusammenkunft der Finanzminister
und Zentralbankvorsitzenden der G 7 in den nächsten 30 Tagen fordert, um Empfehlungen für die Anpassung der
internationalen Finanzstruktur an das 21. Jahrhundert auszuarbeiten.

Seit drei Jahren - seit dem G 7-Treffen in Neapel und
der mexikanischen Finanzkrise - arbeiten wir mehr
oder weniger intensiv an dem Thema, das ich heute
erörtern möchte. Ich habe persönlich alles in meiner
Macht Stehende getan, um aus dem ganzen Land und
in der Tat aus der ganzen Welt neue Ideen zu bekommen.
Ich möchte Sie ermutigen, uns zu unterstützen. Wenn
Sie Ideen haben, teilen Sie uns diese mit, denn dies ist
die größte Finanzkrise, mit der sich die Welt seit einem
halben Jahrhundert konfrontiert sieht. Die Vereinigten
Staaten haben eine absolut zwingende Verpflichtung
zur Übernahme einer Führungsrolle, und das auf eine
Weise, die im Einklang mit unseren Werten und
unserer Verpflichtung steht, darauf zu achten, daß das,
was wir tun, den Menschen hier zu Hause und auf der
ganzen Welt hilft.
Der Council on Foreign Relations steht seit dem Ende
des Ersten Weltkriegs für politische und wirtschaftliche
Freiheit. Und seit dem letzten Jahrzehnt zunehmender
Freiheit auf der Welt leben mehr als die Hälfte der
Weltbevölkerung unter Regierungen ihrer Wahl, mehr
als die Hälfte der eine Million Dörfer in China wählen
jetzt ihre eigenen Regierungen und ersetzen die
Kommando- und zentral gelenkten Wirtschaften durch
Marktwirtschaften. Das scheint so leicht, so mühelos,
so zwangsläufig geschehen zu sein, daß wir meiner
Ansicht nach davon ausgehen können, der Trend ist
unvermeidlich und unumkehrbar.
Aber wenn Sie sich heute die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Störungen und die einfachen, tiefen, persönlichen Enttäuschungen von Millionen von Menschen

AMERIKA DIENST 19

auf der Welt betrachten, ist für mich klar, daß es jetzt
eine große Herausforderung gibt, die nicht nur die
wirtschaftliche Freiheit, sondern - wenn sie nicht
bewältigt wird - auch die zunehmende politische
Freiheit behindern könnte.
Offensichtlich haben wir hier ein profundes Interesse.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß wir uns in einem
Augenblick beispielloser wirtschaftlicher Stärke in einer
Zeit solcher Turbulenzen in der Weltwirtschaft befinden. Ich denke, wir alle in diesem Saal wissen, daß
unser zukünftiger Wohlstand davon abhängt, ob wir mit
anderen an der Wiederherstellung des Vertrauens, der
Bewältigung des Wandels, der Stabilisierung des
Finanzsystems und der Ankurbelung soliden globalen
Wachstums zusammenarbeiten können.
Einen Großteil der vergangenen 30 Jahre waren die
Vereinigten Staaten und die übrige Welt vornehmlich
mit Inflationsraten befaßt aus Gründen, die Ihnen allen
hier nur zu gut bekannt sind - und es war gut, daß man
sich damit befaßt hat. Heute ist die niedrige und
stabile Inflationsrate entscheidend für unsere gesunde
Wirtschaft, und die niedrige Inflationsrate hat auch zu
den niedrigen Inflationsraten vieler anderer Nationen
beigetragen. Aber offensichtlich hat sich das Gleichgewicht der Risiken jetzt verlagert, und ein Viertel der
Weltbevölkerung lebt in Ländern mit abnehmendem
oder negativem Wirtschaftswachstum.
Aus diesem Grund ist meiner Ansicht nach die Ankurbelung des Wachstums die oberste Priorität der
industriellen Welt. Wir sollten sechs vordringliche
Schritte unternehmen, um zur Eindämmung der
derzeitigen finanziellen Turbulenzen auf der Welt

Seite 1

�beizutragen. Diese Schritte beinhalten zwei längerfristige Projekte, die uns einbeziehen müssen.
Um den vordringlichsten ersten Schritt zu unternehmen, müssen wir mit Japan, Europa und anderen
Nationen bei der Ankurbelung von Wachstum zusammenarbeiten.
Zweitens werden wir größere
Anstrengungen machen, damit lebensfähige Unternehmen in Asien der lähmenden Schuldenlast entrinnen
können, um wieder zu Wachstum und der Schaffung
von Arbeitsplätzen beizutragen. Drittens haben wir die
Weltbank gebeten, ihre Unterstützung für das soziale
Sicherheitsnetz in Asien zu verdoppeln, um den
Menschen zu helfen, die unschuldige Opfer der
finanziellen Turbulenzen sind. Viertens werden wir die
führenden Industrieländer auffordern, den Nothilfefonds des IWF in Höhe von 15 Milliarden Dollar zu
nutzen, damit die Finanzkrise sich nicht auf Lateinamerika oder andere Länder ausweitet. Fünftens wird
unsere Export-Import Bank unter der Leitung von Jim
Harmon ihre Bemühungen zur Herbeiführung von
Wirtschaftsaktivitäten in den Entwicklungsländern in
den nächsten drei Monaten unverzüglich intensivieren.
Und sechstens muß der Kongreß seiner Verantwortung zu dauerhaftem Wohlstand gerecht werden,
indem er unsere Verpflichtungen gegenüber dem
Internationalen Währungsfonds erfüllt.
Finanzminister Rubin arbeitet mit seinen Amtskollegen
in der G 7 zusammen, um die kooperative Unterstützung für mehrere dieser Maßnahmen zu erhalten.
Meines Wissens führt auch der Zentralbankratsvorsitzende Greenspan mit seinen Amtskollegen
Konsultationen zu diesem Thema.
Während wir diese vordringlichen Schritte unternehmen, müssen wir auch unsere Bemühungen zur
Reform unserer Handels- und Finanzinstitutionen
intensivieren, so daß sie besser auf die Herausforderungen reagieren können, denen wir uns jetzt und
wahrscheinlich in Zukunft gegenübersehen. Wir
müssen ein stärkeres und rechenschaftspflichtigeres
globales Handelssystem aufbauen, Fortschritte bei den
Initiativen zur Marktöffnung erzielen, aber auch den
Schutz von Arbeitnehmerinteressen und der Umwelt
fördern und mehr tun um sicherzustellen, daß der
Handel das Leben aller Bürger auf der ganzen Welt
verbessert.
Vor allem müssen wir unsere Bestrebungen zur
Reform des internationalen Finanzsystems beschleunigen. Heute habe ich Finanzminister Rubin und den
Vorsitzenden des Zentralbankrats Greenspan um die
Einberufung eines Treffens ihrer Amtskollegen in den
nächsten 30 Tagen gebeten, um Wege zur Anpassung
der internationalen Finanzarchitektur an das 21.
Jahrhundert zu empfehlen.
In den vergangenen sechs Jahren haben unsere
nationale Strategie der Haushaltsdisziplin, der In-

Seite 2

vestitionen in die Qualifikationen unserer Bürger und
des offenen Handels für alle Amerikaner funktioniert.
Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit 28
Jahren, die Inflationsrate so niedrig wie seit 32 Jahren
nicht mehr, Löhne und Gehälter steigen nach Jahrzehnten der Stagnation doppelt so schnell wie die
Inflationsrate. Und am 1. Oktober werden wir zum
ersten Mal seit 29 Jahren einen ausgeglichenen
Haushalt haben.
Die globale Wirtschaft hat uns zwar sehr viel von
diesem Wohlstand gebracht, aber jetzt verursachen
oder verschärfen schnelle Strömungen die Probleme in
Rußland und Asien. Sie bedrohen aufstrebende
Volkwirtschaften von Lateinamerika bis Südafrika.
Angesichts des abnehmenden Wachstums für ein
Viertel der Weltbevölkerung müssen wir uns bewußt
machen, was der Vorsitzende Greenspan neulich
sagte: Wir können nicht für immer eine Oase des
Wohlstands sein. Wachstum im Inland hängt von
Wachstum im Ausland ab. Ganze 30 Prozent unseres
Wachstums sind allein seit meiner Amtsübernahme auf
unser erweitertes positives Engagement in der globalen Wirtschaft zurückzuführen.
Deswegen sollte jeder Amerikaner sich damit befassen, ob Asien, Rußland oder Südamerika wirtschaftlich
auf soliden Füßen stehen. Diese Menschen sind
unsere Kunden. Da ein Drittel des Wachstums
unserer Volkswirtschaft durch Exporte erfolgt und ein
Großteil davon aus aufstrebenden Märkten, wissen
wir, daß diese Märkte zusammenbrechen können,
wenn ihre Volkswirtschaften vor dem Bankrott stehen.
Wenn das Problem weitverbreitet ist und anscheinend
in die falsche Richtung geht, beobachten wir, daß
unsere Aktienmärkte reagieren können und direkte und
unmittelbare Auswirkungen auf den Wohlstand des
amerikanischen Volkes haben.
Diese Nationen sind auch unsere Konkurrenten. Und
unter den Gegebenheiten der Ausgewogenheit ist das
in der Tat sehr gut. Aber wenn ihre Währungen und
die Preise ihrer Waren gefährlich fallen, könnten sie
den Verkauf ihrer eigenen Waren hier im Inland
unterbieten, der ansonsten profitabel ist, und unser
Handelsdefizit unter Umständen dramatisch erhöhen,
was die Amerikaner dazu veranlassen könnte, sich
von. offenem Handel ab- und in einer Weise dem
Protektionismus zuzuwenden, die langfristig enorme
negative Konsequenzen für unsere globalen Wachstumsziele hat.
Und schließlich sind diese Nationen unsere Freunde,
unsere Verbündeten und unsere Sicherheitspartner.
Wenn wirtschaftliche Turbulenzen Millionen Menschen
in plötzliche Armut stürzen, das Leben der Menschen
stören und aus der Bahn bringen, steigt zweifelsohne
das Risiko politischer und sozialer Instabilität und einer
Abwendung von der Demokratie. Betrachten Sie sich
Rußland. Rußland sieht sich mit einer Wirtschaftskrise

AMERIKA DIENST 19

�konfrontiert, die die außerordentlichen Fortschritte
bedroht, die das russische Volk in nur sieben Jahren
beim Aufbau einer neuen Gesellschaft von Grund auf
gemacht hat. Der Rubel und die Aktienmärkte sind
drastisch gefallen, die Banken sind schwach, die
Steuereinnahmen haben sich verlangsamt, die Regierung hat Schwierigkeiten, ihre Schulden und die
Gehälter zu bezahlen.
Einige Russen sind reich geworden, aber sehr viele
haben Mühe, ihre Familien zu ernähren. Als ich vor
kurzem in Rußland war, habe ich mit einigen gesprochen.
Inmitten dieser politischen Unsicherheit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten sprechen manche jetzt
von einer Abkehr vom Weg der Reform und einer
Rückkehr zu den Maßnahmen der Vergangenheit sogar Maßnahmen, die bereits gescheitert sind.
Schlimmstenfalls könnte die Not in Rußland nicht nur
Auswirkungen auf die russische Wirtschaft und die
Aussichten für unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit
haben - schlimmstenfalls könnte sie Auswirkungen auf
unsere Zusammenarbeit mit Rußland bei der nuklearen Abrüstung, der Bekämpfung von Terrorismus und
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und
unserem gemeinsamen Eintreten für Frieden vom
Balkan bis zum Nahen Osten haben.
Rußland hat jetzt einen neuen Ministerpräsidenten Herrn Primakow - der seit vier Tagen im Amt ist. Er

und Präsident Jelzin sehen sich einer der großen
Herausforderungen ihrer Zeit gegenüber. Es hat nie
einen wichtigeren Augenblick gegeben, um eine klare
Richtung für die Zukunft vorzugeben, die Verpflichtung
Rußlands zu Demokratie und freien Märkten zu
bekräftigen und entschiedene Schritte zur Stabilisierung der Wirtschaft und der Wiederherstellung des
Vertrauens der Investoren zu unternehmen.
Aber wenn Rußland bereit ist, diese Schritte zu
unternehmen, müssen wir alles in unserer Macht
Stehende tun, um dem Land Unterstützung zu gewähren. Ich möchte nochmals wiederholen - solange der
Bürger keine Vorteile dadurch sieht, wird es am Ende
schwierig sein, die Richtung beizubehalten, die die
Welt unserer Ansicht nach einschlagen sollte.
Andererseits müssen wir aufrichtig mit Rußland und
allen anderen sein. Keine Nation, ob reich oder arm,
demokratisch oder autoritär, kann den grundlegenden
wirtschaftlichen Geboten des globalen Marktes
entrinnen. Keine Nation kann sich seiner Disziplin
entziehen. Keine Nation kann sich der Verantwortung
entziehen, das Ihre zu tun.
Aber da alle Volkswirtschaften zunehmend interdependent sind, können Angst und Unsicherheit wegen der
Wirtschaftslage eines Landes die Investoren dazu
veranlassen, ihr Geld aus Tausende von Meilen

AMERIKA DIENST 19

entfernten Ländern abzuziehen. Die Märkte funktionieren am besten, wenn sie weder von übermäßigem
Kapitalzufluß noch -abfluß aufgrund von willkürlichem
Optimismus oder Pessimismus gelenkt werden.
Unabhängig davon, welche Veränderungen bei den
Maßnahmen oder Institutionen gerechtfertigt sein
mögen, müssen wir feststellen, daß wir nur den
Ländern helfen können, die bereit sind, sich selbst zu
helfen. Wenn eine Nation sich entschließt, willkürlich
Geld zu drucken, um Vetternwirtschaft oder Korruption
zu begünstigen, schlechte Darlehensvergabe zu
vertuschen und korrupte oder ineffiziente Banken zu
schützen, dann werden aus- und inländische Investoren früher oder später ihre Investitionen mit
unverzüglichen und gravierenden Konsequenzen
abziehen.
Aus diesem Grund unterstützen wir den grundlegenden Ansatz des Internationalen Währungsfonds, Hilfe
nur dann auszuweiten, wenn die Länder Verantwortung übernommen, ihr Bankensystem gestärkt,
ehrliche Rechnungsprüfung und offene Märkte eingeführt und Kredite aufgrund von Verdiensten statt
Verbindungen vergeben haben.
Was getan wurde, ist jedoch eindeutig nicht genug, um
den Niedergang einiger Länder aufzuhalten, die
Flammen der internationalen Finanzkrise zu ersticken
und stetiges, nachhaltiges Wachstum in der Zukunft zu
unterstützen.
Angesichts dieser neuen Herausforderung können und müssen die Vereinigten Staaten
weiterhin handeln und eine Führungsrolle übernehmen, die heute erforderlichen dringenden Schritte zur
Eindämmung der Finanzkrise, der Wiederankurbelung
des Wachstumsmotors in Asien, der Minimierung der
Auswirkungen der finanziellen Turbulenzen auf andere
Länder und der Gewährleistung zu unternehmen, daß
für morgen die Institutionen und Regeln der internationalen Finanzen und des internationalen Handels
langfristig zur Unterstützung von stetigem und nachhaltigem Wachstum bereit sind.
Als erstes müssen die führenden Wirtschaftsnationen
gemeinsam handeln, um globales Wachstum anzukurbeln. Unsere starke und wachsende Volkswirtschaft hier im Inland hat einen wichtigen Beitrag zum
globalen Wachstum geleistet, ebenso wie unsere
schwache Volkswirtschaft die Welt vor sechs Jahren,
als ich zum ersten Mal an einem G 7-Treffen in Tokio
teilnahm, lähmte und jedes andere Land erklärte, als
Erstes müßten die Vereinigten Staaten ihr wirtschaftliches Haus in Ordnung bringen. Das haben wir getan.
Ich bin der festen Überzeugung, daß wir unsere
Haushaltsdisziplin beibehalten müssen. Sie hat zu
niedrigeren Zinssätzen, enormen Investitionen und der
Schaffung von Arbeitsplätzen geführt. Die Bewahrung
des Wirtschaftswachstums ist das Beste, was wir zur

Seite 3

�Zeit tun können - nicht nur für die Vereinigten Staaten,
sondern auch für die globale Wirtschaft.
Ich möchte auch daran erinnern, daß wir uns 1993
generell über die Notwendigkeit einig waren, daß
Amerika das Defizit abbauen, Europa seine Zinssätze
senken und Japan seine Märkte öffnen sollte. Es
bestand generelle Übereinstimmung, daß wir eine
bemerkenswerte Wiederbelebung des Wachstums
haben würden.
Europa senkte seine Zinssätze, und der damalige
Ministerpräsident - jetzt Finanzminister - Miyazawa
leitete ein bedeutendes Handelsabkommen zur
Marktöffnung zwischen den Vereinigten Staaten und
Japan in die Wege, das auch für andere von Nutzen
war, nicht nur für uns. Und wir haben natürlich unser
Defizit abgebaut. Die Ergebnisse waren für uns
mehrere Jahre lang ziemlich befriedigend.
Heute muß Europa weiterhin Maßnahmen verfolgen,
die Wachstum ankurbeln und die Märkte des Landes
offen halten, denn auch sie müssen in der Lage sein,
Märkte für asiatische Waren bereitzustellen, während
diese Nationen versuchen, Fuß zu fassen. Der
Schlüssel hier ist jedoch Japan, denn die zweitgrößte
Volkswirtschaft der Welt - und bei weitem die größte
Volkswirtschaft in Asien - hatte jetzt mehrere Jahre
kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Erfreulicherweise konnten viele Japaner aufgrund des
Wohlstands des Landes und wahrscheinlich wegen
der enormen persönlichen Ersparnisse, über die sie
seit vielen Jahren verfügen, weiterhin ein einigermaßen gutes Leben führen.
Es ist jedoch schwierig herauszufinden, wie Aktionen
der internationalen Gemeinschaft in Asien erfolgreich
Wachstum wiederherstellen können in Abwesenheit
von erneutem Wachstum in Japan, das Japan ermöglichen würde, die Region aus ihrer jetzigen Lage
herauszuführen. Aus diesem Grund müssen wir
Japan unterstützen und alles tun, um zur Schaffung
von Bedingungen beizutragen, unter denen wir alle
wieder eine Führungsrolle übernehmen können, wie
wir es 1993 getan haben.
Die Herausforderungen für Japan sind ziemlich
erschreckend. Die Binnennachfrage muß angekurbelt,
das Bankensystem wiederbelebt, Vertrauen wiederhergestellt, die Wirtschaft dereguliert und die Märkte
müssen geöffnet werden. Wir alle kennen die Kräfte,
die gegen diese Entwicklungen in Japan zu arbeiten
scheinen. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern, daß
Japan eine sehr starke, hoch entwickelte Nation voller
Menschen mit Wissen und enormen Leistungen ist.
Das Land ist voll und ganz in der Lage, seine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen. Meines
Erachtens wissen seine Unternehmer sehr wohl, was
jetzt getan werden muß und würden es unterstützen.

Seite 4

In der nächsten Woche werde ich hier in New York mit
Ministerpräsident Obuchi zusammentreffen um zu
erörtern, wie die Vereinigten Staaten Japans Bestrebungen zur Wiederherstellung von Wirtschaftswachstum und des Vertrauens der Investoren unterstützen
können. Und ich werde alles mir Mögliche tun um
sicherzustellen, daß bei unseren Fortschritten Amerika, Europa und Japan ihren Beitrag leisten, um über
diesen Augenblick hinwegzukommen, wie wir es 1993
getan haben.
Der zweite Schritt, den wir unternehmen sollten, ist die
Intensivierung unserer Bestrebungen, die wirtschaftliche Erholung in Asien zu beschleunigen. Wenn
Länder wie Südkorea und Thailand entschiedene und
verantwortungsvolle Schritte unternehmen, endet der
freie Fall, und es werden Fortschritte erzielt. Aber die
Konsequenzen des Zusammenbruchs in Asien sind für
die Menschen jetzt deutlich spürbar. Jüngste Presseberichte beschrieben eine ganze Generation, die seit
25 Jahren auf dem Weg in die Mittelschicht ist und
dann binnen Monaten in Armut versinkt. Die Geschichten sind herzzerreißend - Ärzte und Krankenschwestern, die in der Eingangshalle eines geschlossenen Krankenhauses leben müssen; Mittelklassefamilien, die ein Eigenheim besitzen, ihre Kinder aufs
College schickten und Reisen ins Ausland machten
und jetzt vom Verkauf ihres Besitzes leben.
Es liegt in unserem Interesse, diesen Nationen und
diesen Menschen bei ihrer Erholung zu helfen. Sie
werden wieder unsere großen Märkte und unsere
großen Partner werden. Es ist richtig, daß wir das tun.
Wir haben mit internationalen Kreditgebern wie dem
IWF zusammengearbeitet, um diesen Nationen bei der
Verabschiedung eines Haushalts, Steuern und einer
Geldpolitik behilflich zu sein, die Wachstum fördern,
aber zweifelsohne müssen wir mehr tun, um das
Wachstum in Asien wiederherzustellen. Wir müssen
darauf hinarbeiten, die Schuldenlast des Privatsektors
zu erleichtern, die die asiatischen Volkswirtschaften
lähmt.
Heute bitte ich Finanzminister Rubin, mit anderen
Finanzbehörden und internationalen Wirtschaftsinstitutionen zusammenzuarbeiten, um die Bestrebungen zur Prüfung umfassender Pläne zu fördern,
asiatische Unternehmen von enormer Schuldenlast zu
befreien, wo einzelne Firmen durch systemimmanente,
nationale Wirtschaftsprobleme anstatt durch eigenes
Verschulden in Schwierigkeiten gerieten. Wir müssen
den Kreditfluß wieder in Gang bringen. Wir müssen
Unternehmen wieder in die Lage versetzen, Produkte
und Dienstleistungen anzubieten und Arbeitsplätze zu
schaffen.
Drittens. Asiatische Unternehmen brauchen Unterstützung, aber dasselbe gilt für Millionen asiatischer
Familien. Wir müssen mehr tun, um in den sich
erholenden Ländern ein adäquates Netz sozialer

AMERIKA DIENST 19

�Sicherheit zu schaffen. Ein mit Gewalt herbeigeführter
wirtschaftlicher Übergang ohne ein angemessenes
Sicherheitsnetz kann im Namen der Wirtschaftstheorie
Menschenleben kosten, und dadurch - wenn ich das
hinzufügen darf - so viel Widerstand hervorrufen, daß
der Reformprozeß zum Erliegen kommt. Wenn wir von
diesen Ländern harte Reformen erwarten, müssen wir
die schutzlosesten Mitglieder der Gesellschaft verteidigen, und wir müssen die Menschen schützen, die
Schaden nehmen, obwohl sie nichts falsch gemacht
haben. Meiner Meinung nach ist das von größter
Bedeutung.
Die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank
haben mit unserer Hilfe begonnen, diese Herausforderungen zu bewältigen, aber sie müssen ihre
Bestrebungen noch verstärken. Es wird einfach noch
nicht genug getan. Ich habe sie gebeten, ihre Hilfe im
Rahmen einer gemeinsamen erweiterten Sozialinitiative zu verdoppeln, die sich auf Unterstützung bei
der Suche nach einem Arbeitsplatz, Grundbedürfnisse
und wirtschaftlichen Übergang, auf Kinder und ältere
Bürger sowie auf Gruppen konzentriert, die dem
wirtschaftlichen Wandel besonders schutzlos gegenüberstehen. Ich gratuliere Jim Wolfensohn zu seinen
Bestrebungen und seiner Bereitschaft, bei dieser
erweiterten Initiative die Führungsrolle zu übernehmen.
Wir müssen bereit sein, notfalls sofort mit Finanzkraft
auf die Währungskrise zu reagieren, falls sie sich
ausweitet, insbesondere wenn sie die Volkswirtschaften Lateinamerikas bedroht, wo die Nationen
darum kämpfen, Fortschritte zu machen und das
Richtige zu tun, nur um gegen wirtschaftliche Stürme
ankämpfen zu müssen, die außerhalb ihrer Kontrolle
liegen.
Aus diesem Grund sollten die großen Volkswirtschaften bereit sein, den Nothilfefonds des IWF, das
Allgemeine Darlehensabkommen in Höhe von derzeit
15 Milliarden Dollar zu aktivieren, damit gewährleistet
ist, daß der IWF weiterhin Reformen unterstützt und
gegen ausufernde Wirtschaftskrisen vorgeht.
Fünftens. Unsere Export-Import Bank wird während
der nächsten drei Monate ihr Engagement für spezifische Wirtschaftsentwicklungsprojekte verstärken Projekte, die konkrete Vorteile für die Bürger anderer
Länder bringen, unsere Exporte erhöhen und dadurch
unsere Wirtschaft ankurbeln, und die das Vertrauen
unter den Bürgern anderer Länder wiederherstellen,
daß sie nicht allein sind und daß spezifische, positive
Entwicklungen tatsächlich stattfinden können.
Sechstens. Damit die Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft von Erfolg gekrönt sind,
müssen die Vereinigten Staaten ihren gegenüber dem
IWF eingegangenen Verpflichtungen nachkommen.
Nach einem Jahr finanzieller Schadensbegrenzung
sind die Mittel des IWF stark strapaziert. Mit jedem
Tag, an dem wir nicht handeln, unterminieren wir das

AMERIKA DIENST 19

weltweit dringend benötigte Vertrauen, das wir wiederherzustellen versuchen. Der Kongreß muß einfach
seiner Verantwortung für unsere Führungsrolle in der
Wirtschaft nachkommen.
In meinem Bericht zur Lage der Nation habe ich
erklärt, daß es besser ist, sich auf einen Sturm vorzubereiten, wenn der Himmel klar ist, als wenn er
bereits bewölkt ist. Jetzt, acht Monate später, sind
Wolken aufgezogen, und wir können den Donner fast
schon hören. Der Senat hat dankenswerterweise mit
überwältigender überparteilicher Mehrheit unsere
Verpflichtung angenommen, unseren Anteil zur
Finanzierung des IWF beizutragen. Obwohl diese
Sitzungsperiode des Kongresses bereits in fünf
Wochen zu Ende geht, hat das Repräsentantenhaus
noch nichts unternommen.
Ich möchte es so einfach wie möglich ausdrücken:
Wenn dieser Kongreß unsere Schulden beim IWF nicht
begleicht, setzen wir unseren Wohlstand aufs Spiel.
Untätigkeit wird ein deutliches Signal senden, daß
unsere Gesetzgeber in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen nicht bereit waren, unsere Arbeitnehmer,
unsere Unternehmen und unsere Landwirte vor den
Risiken des globalen wirtschaftlichen Wandels zu
schützen, und nicht bereit waren, unsere Führungsrolle
beim Aufbau eines globalen Wirtschaftssystems
aufrechtzuerhalten, das uns mehr als jeder anderen
Nation zugute gekommen ist.
Konzertiertes Handeln zur Förderung des Wachstums,
Unterstützung Asiens durch Umschuldung im Privatsektor, Stärkung des Sozialversicherungsnetzes,
Schutz der übrigen Länder durch Aktivierung des IWFNothilfefonds, Verstärkung der Aktivitäten der Ex-Im
Bank, Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber
dem IWF - dies sind die sechs unmittelbaren Schritte,
die wir unternehmen wollen.
Wir müssen aber auch bereit sein, langfristige Maßnahmen zu ergreifen - die Finanz- und Handelsinstitutionen der Welt zu verändern, um sie an die
Gegebenheiten der neuen Weltwirtschaft anzupassen.
Mit der Gründung der Welthandelsorganisation (WTO)
im Jahr 1994 leiteten wir den Aufbau eines modernen
Handelssystems ein. Wir müssen unsere Bestrebungen verdoppeln, weltweit Handelshemmnisse zu
beseitigen. Aber wie ich bereits im Mai in Genf sagte,
müssen wir mehr tun um sicherzustellen, daß lebhafter
wirtschaftlicher Wettbewerb unter den Nationen nie auf
Kosten von Umweltschutz, Verbraucherschutz oder
Arbeitsnormen erfolgt.
Wir setzen uns dafür ein, die WTO-Verfahren für die
Beteiligung der Öffentlichkeit oder interessierter
Lobbyisten zu öffnen, damit die Menschen Dinge
kennenlernen, sehen und selbst tun können, die
gewährleisten, daß das Handelssystem die Welt für
alle Menschen aller Länder verbessert.

Seite 5

�Wir haben bereits 260 Handelsabkommen geschlossen und die Märkte auf Gebieten von Autos bis
Telekommunikation geöffnet. Im kommenden Jahr
werden wir in den Vereinigten Staaten ein Treffen der
Handelsminister aus der ganzen Welt veranstalten, um
die Agenda für erweiterten Handel im ersten Jahrzehnt
des neuen Jahrhunderts aufzustellen.
Die Geschichte lehrt uns, daß es in Zeiten weltweiter
Schwierigkeiten töricht wäre, sich in den Protektionismus zurückzuziehen. Wir müssen den Handelsfluß
unter den Nationen aufrechterhalten, aber ich wiederhole nochmals: Wenn wir das wollen, müssen wir
den Bürgern und den sie vertretenden Gruppen in
Ländern auf der ganzen Welt das Gefühl geben, daß
das auf faire Art und Weise sowie im Einklang mit den
Verpflichtungen der Nationen geschieht, die Interessen
der Arbeitnehmer zu fördern und nicht nur ihre nationale, sondern die globale Umwelt zu schützen.
Im November, wenn ich beim APEC-Gipfel mit den
führenden Vertretern der asiatischen Volkswirtschaften
zusammentreffe, werden wir Schritte zur weiteren
Öffnung der Märkte in Asien unternehmen. Und wenn
der Kongreß im kommenden Jahr wieder zusammentritt, werde ich mich für Gesetze zur weiteren Öffnung
der Märkte einsetzen - von Handelsgesprächen bis zur
afrikanischen Handelsinitiative. Ich werde das auf eine
Art und Weise tun, die meines Erachtens auf breite
Unterstützung der Mehrheit beider Parteien stoßen
wird.
Vom G 7-Treffen in Halifax 1995 nach der mexikanischen Finanzkrise bis zum Gipfel von Birmingham
dieses Jahr haben wir gemeinsam mit unseren
wichtigen Wirtschaftspartnern Pläne für die neue
Finanzarchitektur des 21. Jahrhunderts ausgearbeitet.
Erstmals schlössen wir wichtige aufstrebende Märkte
im Rahmen der neuen Gruppe der 22 in diesen Prozeß
ein, weil wir ihre große Bedeutung in der neuen
Weltwirtschaft erkannten. Diese Gruppe arbeitet jetzt
seit fast einem Jahr an der Verbesserung der globalen
Finanzhilfe unter besonderer Betonung der Verbesserung der Finanzsektoren, der Transparenz und
der Lastenteilung im Privatsektor.
Ich möchte noch einmal betonen, daß wir das Tempo
dieser Arbeit am Finanzsystem erhöhen müssen,
selbst während wir auf dringende momentane Alarmzeichen reagieren. Aus diesem Grund habe ich
Finanzminster Rubin und Notenbankchef Greenspan
gebeten, die Finanzminister und Zentralbankvorsitzenden der G 7 und bedeutender aufstrebender Wirtschaften binnen eines Monats zu einem Treffen nach
Washington einzuladen, um einen vorläufigen Bericht
über die Stärkung des internationalen Finanzsystems
auszuarbeiten, der den Staats- und Regierungschefs
Anfang kommenden Jahres vorgelegt werden kann.

Seite 6

Wir müssen Maßnahmen erarbeiten, damit die Länder
die Vorteile des freien Kapitalflusses auf faire und
dauerhafte Weise genießen können. Wir müssen den
IWF anpassen, damit er den neuen Finanzkrisen
effektiver begegnen und ihre Häufigkeit, Schwere und
Konsequenzen für die Menschen begrenzen kann. Wir
müssen Wege sondieren, Nothilfefinanzierung auszuweiten, wenn Staaten aufgrund weltweiter finanzieller
Turbulenzen, nicht durch eigenes politisches Verschulden, mit Vertrauenskrisen konfrontiert sind. Wir
müssen Wege finden, die Kräfte der Weltmärke zu
nutzen, ohne die Welt zu einem Teufelskreis ständiger
extremer Krisen zu verurteilen.
Seit einem halben Jahrhundert lernen wir in unserer
Volkwirtschaft, Konjunkturschwankungen zwar nicht
abzuschaffen, aber unter Kontrolle zu halten und zu
begrenzen. Im 21. Jahrhundert müssen wir einen Weg
finden, das auch in der Weltwirtschaft zu tun.
Ich habe dieses Thema vor einigen Tagen mit dem
britischen Premierminister Blair erörtert, der jetzt den
Vorsitz der G 7 innehat. Er teilt meine Ansicht, daß
dies eine dringliche Aufgabe ist. Sie ist entscheidend
für die Mission, die er, der italienische Ministerpräsident Prodi und ich kommende Woche an der juristischen Fakultät der Universität von New York bei einem
hochinteressanten Treffen erörtern werden, das von
der First Lady und verschiedenen Mitgliedern unserer
Administration veranstaltet wird und sich mit der Frage
befaßt, wie alle in den Genuß der Vorteile der Weltwirtschaft kommen können und wie die Demokratie in
einer solchen Zeit tiefgreifenden Wirtschaftswandels
gestärkt werden kann.
Um das alles noch einmal kurz zusammenzufassen:
Wir müssen unsere Fähigkeit zur Bewältigung der
derzeitigen Finanzkrise verbessern und wo immer
möglich ein System zur zukünftigen Verhinderung
solcher Katastrophen aufbauen und ihre Auswirkungen
mildern, wenn sie sich ereignen. Keine Aufgabe ist
entscheidender für unsere Stärke und Sicherheit.
Ich möchte es noch einmal wiederholen: Es geht hier
um mehr als die Ausweitung freier Märkte und ihre
Integration in die Weltwirtschaft. Die treibenden Kräfte
der Weltwirtschaft vertiefen auch die demokratischen
Freiheiten: Den freien Fluß von Ideen und Informationen, offene Grenzen und Reisefreiheit, Rechtsstaatlichkeit, faire und gerechte Durchsetzung, Verbraucherschutz und eine fähige und gut ausgebildete
Arbeitnehmerschaft.
Das alles ist nicht nur für den Wohlstand der Nationen,
sondern auch für die Freiheit von Bedeutung. Wenn
die Bürger müde werden, darauf zu warten, daß
Demokratie und freie Märkte ihnen ein besseres Leben
ermöglichen, besteht ein wirkliches Risiko, daß
Demokratie und freie Märkte nicht zusammen prosperieren, sondern gemeinsam verkümmern. Das würde

AMERIKA DIENST 19

�große Gefahren implizieren - nicht nur für unsere
Wirtschaftsinteressen, sondern auch für unsere
Sicherheit.
Es gibt auf der ganzen Welt Aggressoren, Drogenbarone und Länder, die Terroristen Unterschlupf
gewähren. Was sind das für Staaten? Es sind
autoritäre Nationen ohne Demokratie und ohne offene
Märkte. Nationen, die ihren Bürgern Freiheit gewähren, sind gute Nachbarn; wenn Nationen der Freiheit
den Rücken kehren, wenden sie sich nach innen und
entwickeln Spannungen, Haß und Feindschaft.
Jetzt haben wir die Gelegenheit, weltweite Chancen zu
schaffen. Die derzeitigen Schwierigkeiten sollten nicht
dazu führen, daß wir die in den letzten Jahren erzielten
Fortschritte vergessen. Wenn wir das Richtige tun,
steht es in unserer Macht, Milliarden Menschen auf der
Welt in die Lage zu versetzen, in die Mittelschicht
aufzusteigen, an der globalen Demokratie teilzuhaben
und wirkliche Bestrebungen zur Erlangung von Frieden
und Versöhnung zu unternehmen. Das ist eine

*

AMERIKA DIENST 19

Chance, aber die jüngsten Ereignisse zeigen, daß sie
nicht mit Sicherheit kommt.
Aus diesem Grund sind die Vereinigten Staaten von
Amerika zum gegenwärtigen Zeitpunkt erneut aufgerufen, die Führungsrolle zu übernehmen - die Kräfte
einer engagierten Welt zu bündeln, die ungebärdigen
Kräfte der Weltwirtschaft in positive Bahnen zu lenken,
unsere Interessen zu fördern, unsere Werte zu
stärken, unsere Sicherheit zu erhöhen.
Meines Erachtens ist es an dieser Stelle keine Vereinfachung zu behaupten, daß wir wissen, was getan
werden muß. Die Generation des Zweiten Weltkriegs
tat das vor 50 Jahren für uns. Jetzt ist es an uns,
unserer Verantwortung nachzukommen, wie es
Amerika in der Vergangenheit so oft tun mußte. Wenn
uns das gelingt, können wir das Versprechen der
Weltwirtschaft erfüllen und unsere Nation für ein neues
Jahrhundert stärken.
Vielen Dank.

* * *

*

Seite 7

�USA-DEUTSCHLAND
23. September 1998

Öffentlich-private Partnerschaften und die
Zukunft der transatlantischen Partnerschaft
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Komblum, am 2. September 1998 im Aspen Institut Berlin
gehalten hat.

Unser Thema heute lautet: "Öffentlich-private Partnerschaften und die atlantischen Beziehungen". Was sind
eigentlich öffentlich-private Partnerschaften, was
haben sie überhaupt mit der Außenpolitik oder gerade
den atlantischen Beziehungen zu tun? Wir brauchen
jetzt nur die Zeitungen zu lesen um zu sehen, wie sehr
die internationale Politik - aber auch die Interessen
unserer Völker und unsere gemeinsamen Ziele - von
der komplizierten Verbindung zwischen Regierungspolitik und dem privaten Sektor beeinflußt, gefördert,
aber auch beeinträchtigt werden.
Vor dem Ende des Kalten Krieges wurde das Umfeld
der Außenpolitik von den traditionellen militärischen
und sicherheitspolitischen Fragen dominiert. Man
befaßte sich stark mit der Konfrontation zwischen Ost
und West. Seit 1989 leben wir in einer ganz anderen
Welt. Allmählich wird klar, daß die Probleme, aber
auch die Chancen und Möglichkeiten, die uns bevorstehen, immer stärker von einer breiten Mischung aus
Regierungspolitik und verschiedenen privaten Einflüssen in Angriff genommen werden müssen. Diese
Probleme liegen in immer geringerem Maße im
alleinigen Zuständigkeitsbereich der Regierungen.
Die Bedeutung von empowerment
Diese Betrachtungsweise ist vielleicht eine besonders
amerikanische. Es gibt viele Menschen in Europa,
auch in Deutschland, die einige dieser Thesen vielleicht nicht so teilen würden. Wir führen eine interessante Debatte über den Atlantik hinweg, wie man
gerade die Sicherheit und den Wohlstand unserer
Gesellschaften unter diesen neuen Bedingungen

AMERIKA DIENST 19

gewährleistet, und werden diese auch in Zukunft
fortsetzen.
Ich kenne das aus meiner eigenen Erfahrung. Beispielsweise war ich viele Jahre mit dem sogenannten
Helsinki-Prozeß, jetzt OSZE genannt, befaßt. Für die
Vereinigten Staaten ist die OSZE das perfekte Instrument einer Verbindung aus politischen und sicherheitspolitischen Wertvorstellungen sowie Moral
und Werten.
Aber es gibt Stimmen in Europa, die genau das
Gegenteil fordern. Sie wollen aus der OSZE einen
Staatenbund mit vertraglichem Charakter machen, weil
sie meinen, nur so könne man Frieden sichern. Diese
Spannung zwischen formellem enforcement von
Sicherheit und Stabilität und einer etwas offeneren
Sicherheitspolitik ist eine der Hauptfragen der Zeit
nach dem Kalten Krieg. Die Vereinigten Staaten sind
überzeugt, daß in dieser neuen Situation anstelle des
enforcement von Verträgen und Verpflichtungen das
Leitprinzip unserer Bestrebungen zunehmend das
empowerment von Völkern und Einzelnen sein muß.
Deshalb möchte ich heute Abend unterstreichen, wie
wichtig Privatinitiativen sind, wie wichtig Nichtregierungsorganisationen - NGOs - sind, wie wichtig nicht
nur solche Organisationen, sondern auch solche
Konzepte für die zukünftige Sicherheit und den
Wohlstand unserer Völker sind. Das heißt, die freie
Bahn der Kräfte, die Mischung aus regierungsähnlichen und Privatinitiativen. Diese neue Synthese bietet
die einzige Möglichkeit, den Entwicklungen der letzten
20 Jahre gerecht zu werden.

Seite 1

�Das gilt nicht nur für das Ende des Kalten Krieges,
sondern auch für die geradezu revolutionären Entwicklungen in Wirtschaft und Technologie, die weltweiten
Kapitaltransfers, vielerlei moderne Einflüsse, die
explosionsartige Entwicklung der Kommunikation und
natürlich die rasche Unabhängigkeit so vieler neuer
Staaten und den Beitritt von zahlreichen Staaten,
Regionen und Völkern mit unterschiedlichen Interessen und Zielen zur internationalen Staatengemeinschaft. Wir erleben die weltweite Öffnung.
Regierungen spielen natürlich eine wichtige Rolle.
Aber es wird immer deutlicher, wie schwierig es für die
Regierungen ist, die Entwicklungen zu kontrollieren
oder allem gerecht zu werden. Und noch schwieriger
ist: Eine Vision einer erfolgreichen Zukunft muß
zunehmend eine integrierte Vision sein. Die Zeiten
sind vorbei, in denen Politiker oder Diplomaten große
Konzepte von sicherheitspolitischen Systemen
entwickeln konnten. Jetzt muß das auf der Basis einer
Vielfalt von Einflüssen passieren.
Dieses Thema ist nirgendwo auf der Welt wichtiger ist
als in Berlin. Berlin und natürlich auch Deutschland
waren über Jahrzehnte hinweg das wichtigste Beispiel
für die alte Sicherheitspolitik. Aber auch in jener Zeit
war das Fundament der Demokratie, der Freiheit und
der freien Marktwirtschaft der Unterbau unserer
militärischen Sicherheitspolitik. Und letztlich war auch
das demokratische Wunder, das im westlichen Teil
Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat, im Endeffekt der Grund, warum der
Kalte Krieg ein Ende nahm.
Berlin war immer ein Umschlagplatz für Ideen. In
einem wiedervereinigten Europa wird das immer mehr
der Fall sein. Für die Vereinigten Staaten - gerade weil
wir ein so tiefes Fundament an gemeinsamer Erfahrung und gemeinsamen Erfolgen in Berlin haben - wird
es wichtig sein, in Berlin eine neue Tradition zu
gründen. Eine Tradition, die auf Menschen, der
Gesellschaft und privater Initiative basiert.
Private Kontakte waren hier in Berlin immer wichtig.
Sie sind nichts Neues, aber sie sind auch ein Fundament für die neue Art von Sicherheitspolitik, die ich
beschrieben habe. Privatinitiativen bleiben wichtig.
Aber wenn private Initiativen und Nichtregierungsstellen zusammenarbeiten, tun sie zweierlei: Sie
engagieren sich persönlich für eine bestimmte Art von
Gesellschaft, sei es innerhalb ihrer Länder oder auf
bilateraler Ebene. Und zweitens rufen öffentlichprivate Partnerschaften ein Gefühl von empowerment
hervor, ein Gefühl, daß man nicht nur Objekt der
Sicherheitspolitik, der internationalen Politik, ist,
sondern Teil dieser Politik. Und für die Zukunft
Europas kann ich nicht oft genug und stark genug
unterstreichen, wie wichtig dieses Gefühl von empowerment sein wird.

Seite 2

Die jüngere Geschichte unterstreicht das. Wenn man
wie ich einige Jahre in Bosnien war, sieht man leider,
wie stark und wie zerstörend das Gefühl sein kann, ein
Opfer zu sein. Victimization nennen wir das auf
Englisch. Dieses Gefühl, daß man machtlos ist, daß
man seine eigene Zukunft nicht bestimmen kann, ist
leider im Moment eines der stärksten Gefühle in
gewissen Teilen der Welt.
Wenn wir in Zukunft eine stabile Gemeinschaft über
den Atlantik und auch über Europa hinweg aufbauen
wollen, dann müssen wir auch sicher sein, daß nicht
nur Amerika oder Deutschland oder England oder
Frankreich das Gefühl der Verantwortung haben,
sondern daß Menschen, private, einzelne Menschen in
unseren Gesellschaften, aber vor allem Menschen in
Teilen der Welt wie dem Balkan oder dem Kaukasus
oder Mittelasien ein ähnliches Gefühl entwickeln. Und
ich kann wirklich aus eigener Erfahrung sagen, es sind
die NGOs, die Nichtregierungsorganisationen, die eine
viel größere Rolle spielen, dieses Gefühl des empowerment zu vermitteln, als Regierungen. Einige
Jahre lang wurden in Bosnien zum Beispiel westliche
Ideale eigentlich nur von den NGOs hochgehalten. Wo
unsere offizielle Politik Schwierigkeiten hatte, sich auf
die neue Lage auf dem Balkan einzustellen, waren es
NGOs, die ein westliches Engagement vertreten
haben.
Auch hier in Deutschland versuchen die Vereinigten
Staaten, diesem neuen Engagement gerecht zu
werden. Unsere Botschaft wird neu strukturiert,
unsere Methoden werden modernisiert. Eine Institution, die in den letzten 50 Jahren eine sehr wichtige, nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat, sind
die Amerika Häuser. Amerikanische Kulturzentren
haben für die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland
eine maßgebliche Rolle gespielt. Aber in der modernen Zeit ist es nicht mehr sinnvoll, daß Amerika
Häuser über die amerikanische Kultur informieren. Es
ist nicht mehr notwendig, einem vom Krieg zerrütteten
Deutschland modernes Leben und Demokratie
beizubringen.
Was wir brauchen, sind Kommunikationszentren, in
denen Deutschland und Amerika Begegnungen
organisieren können. Kommunikationszentren, in
denen neue Ideen ausprobiert werden und Deutsche
und Amerikaner das Gefühl haben, daß sie etwas
Gemeinsames aufbauen. Amerika Häuser werden in
deutsch-amerikanische Zentren umorganisiert und das brauche ich nicht zu verhehlen - das bedeutet
natürlich, daß es nicht mehr so viele direkte amerikanische Regierungsgelder geben wird. Wir werden
sehen, ob diese Institutionen auf der Basis von
Privatinitiativen eine neue Rolle finden oder nicht. Bis
jetzt haben wir klare Erfolge in München und in
Hamburg.

AMERIKA DIENST 19

�Eine weitere Chance besteht darin, durch solche
privaten Initiativen und Kommunikationszentren
Regierungen dazu zu bringen, die Arbeit an bestimmten Themen zu beschleunigen oder ihnen jetzt Aufmerksamkeit zu widmen. Genau das passiert derzeit
in unserer Innenpolitik, und genau das soll in der
Zusammenarbeit über den Atlantik passieren. Das gilt
insbesondere für wirtschaftliche und soziale Fragen.
Zum Beispiel haben wir innerhalb der WTO, der
Welthandelsorganisation, in den letzten Jahren zwei
sogenannte Abkommen über gegenseitige Anerkennung ausgehandelt, die auf die Erleichterung des
Handels durch die gegenseitige Anerkennung von
Qualitäts- und Sicherheitsnormen abzielen.
Die
Initiative für diese Abkommen kam aus dem sogenannten "transatlantic business dialogue", einem bedeutenden Ort der Begegnung für führende Vertreter der
Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Dies ist ein
Beispiel dafür, daß führende Kräfte der Wirtschaft, die
bestimmt auch miteinander konkurrieren, ein Forum
gegründet haben, wo sie gemeinsame Ziele und auch
gemeinsame Politik formulieren.
Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen
der Amerikanischen Botschaft, der deutschen Wirtschaft und der amerikanischen Handelskammer in
Deutschland. Die Handelskammer ist eine Vereinigung, die die direkten geschäftlichen Interessen
ihrer Mitglieder vertritt. Aber seit vielen Jahren basiert
die Arbeit der amerikanischen Handelskammer in

unserer Gesellschaften feiern? Alle drei Themenbereiche sind in Deutschland sehr wichtig, aber sie
sind in Amerika genauso wichtig. Komplexe Fragen
wie diese werden zunehmend von privaten Einrichtungen angesprochen.
Ein wichtiges Beispiel ist die Rentenreform. Ich bin im
letzten Jahr drei Mal zu Gesprächen über die Rentenreform eingeladen worden. Ich glaube nicht, daß je ein
amerikanischer Botschafter diese Themen so oft
besprochen hat. Hier in Berlin hat es im Frühling eine
von der Draeger-Stiftung veranstaltete faszinierende
Tagung gegeben, bei der Experten aus den Vereinigten Staaten, Japan und Europa zusammenkamen.
Interessant war, daß die Experten natürlich alle
dieselbe Sprache sprachen. Ich meine nicht Englisch
oder Deutsch oder Japanisch, sondern daß sie
dieselben Fachkonzepte teilten. Und sie haben sich
sofort verstanden. Sie wußten genau - viel besser als
die Politiker - wo die Probleme lagen. Zwei Tage auf
einer solchen Konferenz unterstreichen nicht nur, wie
kompliziert ein solches Thema ist, sondern auch, wie
wichtig dabei internationale Zusammenarbeit ist, weil
man auf diesem Gebiet wirklich voneinander lernen
kann.
Ein Thema wie die Rentenreform führt zu einem
anderen Themenbereich, der meines Erachtens
grundsätzlich von Bedeutung sein wird für die Gestaltung einer friedlichen und demokratischen Welt. Das

Deutschland auch auf konkreter Zusammenarbeit.

ist die Erweiterung der Wertegemeinschaft, die die

Durch zahlreiche Arbeitsgruppen, Gremien und
gemeinsame Initiativen trägt die Kammer stark zur
Verständigung bei. Unser gemeinsames Engagement
für die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder ist
ein besonders erfolgreiches Beispiel.

atlantische Welt das letzte halbe Jahrhundert zusammengehalten hat.
Diese Wertegemeinschaft
garantiert für unsere Bevölkerung Frieden, Freiheit und
Wohlstand. Wir sind alle überzeugt, daß das auch ein
Fundament für Frieden auf der Welt sein kann. Aber
diese Werte werden nicht überall akzeptiert. Sie
werden sehr oft unterdrückt. Sie werden aus verschiedenen Gründen in Frage gestellt, und man muß
ständig daran arbeiten, die gemeinsame Verteidigung
dieser Werte sicherzustellen.

Dieselben Methoden werden zunehmend in einem
ganz anderen, sehr wichtigen Themenbereich angewandt: Bei der Erörterung unserer gesellschaftlichen
Ziele und Probleme. Diese sogenannten innenpolitischen Fragen entwickeln sich schnell zu den
interessantesten Bereichen der atlantischen Beziehungen, weil die Entwicklungen, Ziele, aber auch die
Probleme auf beiden Seiten des Atlantiks fast gleich
gelagert sind. Es gibt verschiedene Traditionen,
Sprachen und Erwartungen, aber wenn man anfängt,
über die Grundherausforderungen der Innenpolitik
nachzudenken, dann sieht man, daß diese Herausforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks verblüffend ähnlich sind. Tatsächlich haben die Begriffe
Innenpolitik und Außenpolitik eine ganz verschiedene
Bedeutung bekommen. Es ist schwer zu sagen, wo
das eine anfängt und das andere aufhört.
Wie sollten wir neue Technologien, wie Biotechnologie
im Nahrungsbereich, einschätzen? Wie können wir
den sozialen Zusammenhalt in einer Zeit raschen
wirtschaftlichen und sozialen Wandels bewahren?
Wie können wir mehr Toleranz schaffen und die Vielfalt

AMERIKA DIENST 19

Den Medien kommt hier eine sehr wichtige Rolle zu.
Die Beschreibung der Probleme und die Definition der
Ziele ist sehr kompliziert, kann aber auch eine große
Bedeutung für die Wahrnehmung der Probleme haben.
Ich gebe hier ein konkretes Beispiel aus der jüngsten
Vergangenheit: Irak. Anfang dieses Jahres entwickelte
sich eine Krise, die eine echte war. Der Irak besaß,
wie inzwischen bewiesen worden ist, die Möglichkeit,
Teile des Nahen Ostens bis hin zur Türkei oder
vielleicht sogar Griechenland mit chemischen und
biologischen Waffen zu bedrohen. Es gab eine
Konfrontation, und es gab in der westlichen Welt auch
eine sehr heftige Diskussion, ob sogenannte diplomatische Mittel die einzig möglichen waren, oder ob eine
Mischung aus diplomatischen und militärischen Mitteln
eingesetzt werden sollte.

Seite 3

�Aber selbst in so komplexen Krisen wie diesen tatsächlich insbesondere in so komplexen Krisen wie
diesen - müssen normale Bürger in der Lage sein,
schwierige Vorgänge zu verstehen und sich eine
Meinung zu bilden. Auf lange Sicht wird die Entwicklung eines solchen empowerment die einzige Möglichkeit sein, eine gesunde demokratische Verfassung ich sage das jetzt im symbolischen Sinne - für die
moderne Welt zu schaffen. Genau wie wir meinen,
daß eine starke Demokratie zu Hause mündige Bürger
voraussetzt, so muß eine ähnliche Entwicklung in der
Weltgemeinschaft zunehmend unser Ziel sein.

Hier am Aspen Institut brauche ich das nicht zu sagen.
Seit 22 Jahren ist Aspen ein sehr wichtiges Element
dieser Tradition. Es gibt bereits viele andere Organisationen und Initiativen: Die Checkpoint Charlie-Stiftung
und die Initiative Berlin-USA, und - wenn ich das
hinzufügen darf - ich bin sehr stolz auf meinen Beitrag
zu ihrer Gründung vor 12 Jahren. Sie war eine der
ersten Privatinitiativen, die gerade dieses Gefühl von
empowerment in Berlin hergestellt hat. Es gibt viele
andere Beispiele, und ich kann sie bestimmt nicht alle
nennen, aber es ist wohl klar, worum es geht.
Berlin steht vor vielen Veränderungen. Es wird
deutscher Regierungssitz sein. Es entwickelt sich zu
einem Mittelpunkt zwischen Ost und West. Es ist
schon eine der aufregendsten Städte in Europa. Aber
es muß durch diese Tradition und durch die Wurzeln,
die hier entstanden sind, das wichtigste Beispiel für
diese persönlichen, privaten, nichtöffentlichen Kontakte
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa und
Deutschland bleiben. Und wenn Sie die Entwicklungen
der letzten Jahre betrachten und sehen, wie dynamisch diese Partnerschaft geworden ist und wie
wichtig gerade Deutschland und Amerika für die
Entwicklung dieser neuen Art von transatlantischer
Synthese sind, dann werden Sie hoffentlich auch
meiner Meinung sein.

Um eine starke demokratische Verfassung für das
neue Jahrtausend zu schaffen, brauchen wir mündige
Bürger. Und wir müssen hier bei uns anfangen, weil
auch in den hochentwickelten westlichen Ländern die
Wahrnehmung solcher Probleme und das Verständnis
für die Details sehr begrenzt ist. Je mehr internen
Herausforderungen wir uns gegenübersehen, desto
schwieriger wird es, Interesse an der sogenannten
Außenpolitik zu wecken. Man kann das beklagen.
Aber ebenso wie in unseren Gesellschaften durch
politische Parteien und politisch relevante Gruppen
Kommunikation hergestellt wird, die auch dabei hilft,
mündige Bürger hervorzubringen, sehen wir zunehmend, daß in der Außenpolitik und sogar in der
Sicherheitspolitik ähnliche Vernetzungen notwendig
sind, um unsere Ziele zu erreichen.

Diese Tradition ist von besonderer Bedeutung. Und
deshalb möchte ich vielleicht am Ende alle ein bißchen
ermutigen, diese Vision mit uns zu teilen. Zuerst
vielleicht darüber nachzudenken, was wir hier in Berlin
haben, aber auch über die Herausforderungen, die ich
heute Abend angesprochen habe. Als Journalist zu
versuchen, diese neue Welt zu definieren, herkömmliche Konzepte vielleicht neu zu überdenken, aber
auch dazu beizutragen, daß wir mündige Bürger
haben. Als Privatbürger oder als Leiter von Firmen
oder Institutionen zu überlegen, wie man direkt
teilnehmen kann und wie man dieses Gerüst von
mündigen Bürgern mit aufbauen kann. Und letztlich
natürlich auch die Initiativen, die Begegnungsstätten
und auch die Ziele, die vor allem in Berlin schon
bestehen, zu unterstützen, so daß wir sicher sein
können, daß die nächsten 50 Jahre noch viel besser
sein werden als die letzten.

Und hier muß ich die deutschen Medien, vor allem
Fernsehen und Radio, sehr loben. Viel mehr als bei
uns in Amerika sieht man Dokumentarfilme über
solche Initiativen, hört man im Radio und im Fernsehen
einzelne deutsche Bürger, die überall auf der Welt tätig
sind. Dies ist ein ganz besonderes Beispiel dafür, daß
mündige Bürger zu einer mündigen Außenpolitik
beitragen können.
Die Bedeutung Berlins
Abschließend noch ein paar Worte zu Berlin. Wir
haben ein hervorragendes Fundament. Wir haben die
Chance, neue Traditionen hervorzubringen, die genau
den von mir beschriebenen Zielen dienen. Aber auf
Grund der vielen Kontakte, auf Grund der großen
Herausforderungen haben wir schon mehr als ein
Fundament. Wir haben ein bestehendes System von
Nichtregierungsorganisationen und privaten und
öffentlichen Partnerschaften.

* *

Seite 4

Herzlichen Dank.

*

AMERIKA DIENST 19

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12998">
              <text>24.09.1998</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12999">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13000">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13001">
              <text>Amerikadienst 24.09.1998</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13002">
              <text>&lt;strong&gt;1. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Bekämpfung des Terrorismus muss Priorität haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. G7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die globale Finanzkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Öffentlich-private Partnerschaften und die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
