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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

12. August 1998

16

BOMBENANSCHLÄGE

CLINTON: DIE VERANTWORTLICHEN WERDEN
VOR GERICHT GEBRACHT
Erklärung des Präsidenten

DIE AMERIKANISCHE FLAGGE WEHT
WELTWEIT AUF HALBMAST
Proklamation des Präsidenten

TERRORISTISCHE GEWALT HAT KEINE
CHANCE
Erklärung des Vizepräsidenten

ALBRIGHT VERURTEILT FEIGE TERRORAKTE
Erklärung der Außenministerin

USA WERDEN NICHT RUHEN, BIS DIE
VERANTWORTLICHEN GEFASST SIND
Rede von Außenministerin Albright

MILITÄR UNTERSTÜTZT HILFE FÜR DIE OPFER
Erklärung des Verteidigungsministers

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�IRAK

CLINTON: DIE SANKTIONEN BLEIBEN IN
KRAFT
Erklärung des Präsidenten

KOSOVO

KOSOVO BLEIBT WICHTIGE AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄT DER USA
Rede von Botschafter Robert S. Gelbard

NATO

DIE HERAUSFORDERUNGEN DER NATO
IM 21. JAHRHUNDERT
Rede von Verteidigungsminister Cohen

LUFTBRÜCKE

HAMRE: "BERLIN IST HERAUSRAGENDES
SYMBOL UNSERER FREIHEIT"
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

DIE GLOBALE WIRTSCHAFTSLAGE UND IHRE
AUSWIRKUNGEN AUF DIE VEREINIGTEN
STAATEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

ELEKTRONISCHER HANDEL

USA STREBEN WELTWEITES INTERNET OHNE
HANDELSHEMMNISSE AN
Rede von Wirtschaftsminister Daley

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

�B O M B E N A NS C H LA GE
12. August 1998

Clinton: Die Verantwortlichen
werden vor Gericht gebracht
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam.

Ich hoffe, Sie verstehen, daß ich das Bedürfnis habe,
eine Erklärung zu den Bombenanschlägen auf unsere
Amerikanischen Botschaften in Afrika heute morgen
abzugeben. Eine Explosion in Nairobi (Kenia) tötete
und verwundete unzählige Menschen. Wir haben
Berichte, daß mehrere Amerikaner unter den Toten
sind. Eine weitere Explosion in Daressalam (Tansania) forderte ebenfalls zahlreiche Opfer. Zu diesem
Zeitpunkt liegen uns noch keine Berichte vor, daß bei
dem Anschlag Amerikaner getötet wurden, obwohl
unsere Botschaft das Ziel gewesen zu sein scheint.
Beide Explosionen verursachten großen Sachschaden
an unseren Botschaften und den Nachbargebäuden,
wie Sie vielleicht bereits auf den Bildern gesehen
haben, die im Fernsehen gesendet werden. Obwohl
es scheint, daß die Anschläge koordiniert waren, hat
sich bisher noch niemand dazu bekannt.
Während ich spreche, haben wir Notfallhilfeteams des
Verteidigungs- und des Außenministeriums in die
Region entsandt. Zu diesen Teams gehören medizinisches Personal, Katastrophenhilfeexperten, Experten
für die Spurensicherung und Spezialisten für Terrorismusbekämpfung.
Wir haben entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für unsere Botschaften und
militärischen Einrichtungen in der gesamten Region
und weltweit ergriffen.

Diese Akte terroristischer Gewalt sind verabscheuungswürdig - sie sind unmenschlich. Wir werden alle
uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die
Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, unabhängig
davon, was dafür erforderlich ist oder wie lange es
dauert. Ich möchte den Tausenden und Abertausenden hart arbeitender Männer und Frauen im USAußenministerium und in unseren anderen Regierungsbehörden, die in unseren Botschaften im Ausland
tätig sind, sagen, die Arbeit, die Sie jeden Tag leisten,
ist unerläßlich für unsere Sicherheit und unseren
Wohlstand. Aus diesem Grund ist Ihr Wohlergehen
unerläßlich für uns, und wir werden alles in unserer
Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß
Sie in Sicherheit ihre Arbeit tun können.
An die Familienangehörigen und Freunde der amerikanischen und afrikanischen Opfer dieser feigen Anschläge gewandt, sage ich, wir schließen Sie in unsere
Gedanken und Gebete ein. Im Gedenken an diejenigen, die ihr Leben lassen mußten, habe ich angeordnet, daß die amerikanische Flagge auf allen Regierungsgebäuden hier im Inland und auf der ganzen Welt
auf halbmast gesetzt wird. Wir sind entschlossen,
Antworten und Gerechtigkeit zu bekommen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Die amerikanische Flagge weht
weltweit auf halbmast
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation von Präsident Clinton, die
amerikanische Flagge im Gedenken an die Opfer der Bombenanschläge in Kenia und Tansania weltweit auf
halbmast zu setzen.

Als Zeichen des Gedenkens an die bei den Bombenanschlägen auf die Botschaften der Vereinigten
Staaten in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania)
Getöteten ordne ich hiermit kraft des mir als Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika durch Absatz 175
von Titel 36 des Gesetzbuchs der Vereinigten Staaten
verliehenen Amtes an, daß die Flagge der Vereinigten
Staaten am Weißen Haus und auf allen öffentlichen
Gebäuden und Geländen, allen militärischen Einrichtungen und Marinestützpunkten und auf allen
Schiffen der Bundesregierung im District of Columbia
und überall in den Vereinigten Staaten und ihren
Territorien und Besitzungen bis zum Sonnenuntergang
am Sonntag, dem 9. August 1998, auf halbmast ge-

setzt wird. Ich ordne ferner an, daß die Flagge für die
gleiche Zeitspanne auf allen Botschaften, Gesandtschaften, Konsulaten und anderen Einrichtungen der
Vereinigten Staaten im Ausland, einschließlich aller
militärischen Einrichtungen, Schiffe und Marinestützpunkte auf halbmast wehen soll.
Zum Zeugnis dessen habe ich diese Proklamation
eigenhändig unterschrieben am 7. August im Jahre
des Herrn neunzehnhundertachtundneunzig und im
zweihundertunddreiundzwanzigsten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
WILLIAM J. CLINTON

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Terroristische Gewalt hat keine Chance
Erklärung des Vizepräsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Vizepräsident Gore aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Afrika.

Ich möchte den Familien, Freunden und Mitbürgern
aller bei den tragischen Bombenanschlägen auf die
Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam Getöteten oder Verletzten mein tief empfundenes
Mitleid aussprechen.
Hunderte unschuldiger Menschen - Kenianer, Tansanier, Amerikaner und andere - müssen jetzt für den
Rest ihres Lebens Angehörige vermissen und bekla-

gen, die sie bei dem heutigen Terroranschlag verloren
haben. Das ist tragisch und sinnlos. Keine ehrenwerte Sache kann je durch terroristische Gewalt
vorangebracht werden.
Niemand sollte Zweifel daran haben, daß die Vereinigten Staaten alles Erforderliche tun werden, um die
Verantwortlichen für diese schreckliche und feige Tat
zu verfolgen und sie vor Gericht zu bringen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

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�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Albright verurteilt feige Terrorakte
Erklärung der Außenministerin

ROM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenministerin Albright aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam vom 7. August 1998.

Ich möchte den Opfern der entsetzlichen Bombenanschläge mein aufrichtiges Beileid aussprechen, die
heute auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in
Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) verübt
wurden.
Die Anschläge hatten zahlreiche Verletzte und großen
Sachschaden an beiden Botschaften und Nachbargebäuden zur Folge. Tragischerweise mußten wir
auch erfahren, daß es viele Tote gab, darunter auch
Botschaftsangehörige in Nairobi. Wir sind jetzt dabei,
diese Meldungen zu überprüfen und die nächsten
Angehörigen zu benachrichtigen, bevor wir die Informationen veröffentlichen. Ich fühle mit den Familien
dieser tapferen Amerikaner, unserer Ortskräfte und
den Bürgern der betroffenen beiden Länder, die bei
diesen tragischen Bombenanschlägen ums Leben
gekommen oder verletzt worden sind.
Unsere Botschaften in Nairobi und Daressalam leisten
Heldenhaftes unter den denkbar schwierigsten
Bedingungen. Sie arbeiten mit den Kommunalbehörden beider Länder zusammen, um die Opfer aus den
Trümmern zu bergen und den Verletzten dringend
benötigte medizinische Versorgung zukommen zu
lassen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten
mobilisiert zur Zeit alle erforderlichen Kapazitäten

innerhalb und außerhalb der Region, um alle Aspekte
dieser menschlichen Katastrophe zu bewältigen.
Ich habe mit dem kenianischen Außenminister Godana
gesprochen, um ihm mein Beileid für den tragischen
Tod kenianischer Bürger und mein Mitgefühl für die
Verletzten auszusprechen und die uneingeschränkte
Unterstützung der Vereinigten Staaten bei der Bewältigung dieser Tragödie anzubieten. Ich werde mich in
Kürze mit dem tansanischen Außenminister Kikwete in
Verbindung setzen, um ihm dieselbe Botschaft zu
übermitteln.
Bis jetzt hat sich noch niemand zu diesen gemeinen
und feigen Terrorakten bekannt. Ich möchte dem
amerikanischen Volk jedoch versichern, wenn sich
bestätigt, daß diese Akte terroristischer Natur waren,
dann werden die Vereinigten Staaten keine Mühe
scheuen und alle ihnen zur Verfügung stehenden
Mittel einsetzen, um die Verantwortlichen dieser
abscheulichen Taten zu verfolgen und zu bestrafen.
Ich beabsichtige, unverzüglich in die Vereinigten
Staaten zurückzukehren, um mich mit dem Präsidenten über diese Herausforderung der Sicherheit
unserer Nation zu beraten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

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�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

USA werden nicht ruhen, bis die
Verantwortlichen gefaßt sind
Rede von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenministerin Albright aus Anlaß der
Bombenanschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam vor Mitarbeitern des USAußenministeriums vom 10. August 1998.

Ich habe gerade mit Botschafterin Prudence Bushneil
und dem Gesandten John Lange gesprochen. Ich
habe ihnen gesagt, daß wir all ihre Bemühungen vor
Ort uneingeschränkt unterstützen und sie unserer
Hochachtung für ihre Arbeit versichert. Und sie
wiederum waren äußerst dankbar für alles, was hier für
sie getan wird. Unser heutiges Zusammentreffen
erinnert uns an etwas sehr wichtiges: Auch wenn wir
überall auf der Welt verstreut sind und -uns mit unseren
jeweiligen Fachgebieten befassen - wenn es wirklich
darauf ankommt, sind wir eine Familie. Wir teilen
dieselben Ziele, dieselben Risiken und Gefühle der
Trauer und des Schmerzes, wenn wir ein Familienmitglied verlieren.
Und heute sagen wir auf Wiedersehen zu Freunden
aus jedem Teil unserer Familie: zu Jay Bartley, zu
Julian Bartley, zu Jean Dalizu, zu Ken Hobson, zu
Arlene Kirk, zu Michelle O'Connor, zu Sherry Olds, zu
Molly Hardy, zu Tom Shah, zu Prabhi Kavaler, zu
Sergeant Nathan Aliganga, zu Louise Martin.
Die Opfer, um die wir trauern, waren Angehörige des
auswärtigen Dienstes, des öffentlichen Dienstes und
der Streitkräfte.
Andere waren engagierte Ortskräfte, ohne die unsere
Missionen im Ausland unmöglich funktionieren könnten. Und natürlich waren es Kenianer und Tansanier
aus allen Lebensbereichen, die nicht mehr leben, weil
sie an einem Tag zufällig in einer Amerikanischen
Botschaft zu tun hatten oder an ihr vorbeigingen. So
hat wieder einmal ein sinnloser, feiger Akt des Terrors
unschuldige Leben zerstört und unseren Glauben an
eine friedlichere Zukunft auf die Probe gestellt. Wieder

AMERIKA DIENST 16

einmal kommen wir zusammen, um Freunde und
Kollegen zu beklagen, die weit von zu Hause entfernt
ums Leben kamen. Und wieder einmal fragen wir:
Warum? Warum jetzt? Warum sie und nicht wir? Und
wieder einmal gibt es keine guten Antworten auf
unsere Fragen.
Das Wichtigste, das wir tun können, ist, den Überlebenden zu helfen, die Freunde zu ehren, die wir
verloren haben, die Hinterbliebenen in unsere Gebete
einzuschließen und vor allem, den Geist des Pflichtbewußtseins und Engagements am Leben zu erhalten,
der ihrem Leben so viel gegeben hat, denn es waren
ehrenwerte Leben, die sich dem Dienst für unser Land
und seinen Idealen verschrieben haben. Es waren
gute Menschen, die wußten, daß ein Leben ohne Sinn
bloßes Existieren ist und daß der höchste Sinn nicht in
dem besteht, was wir für uns selbst erwerben können,
sondern in dem, was wir durch unsere Verwandtschaft
miteinander erreichen können.
Es waren engagierte Mitarbeiter, die wußten, was wir
alle wissen, aber selten bewußt fühlen oder aussprechen - daß die Arbeit, die wir machen, gefährlich
ist. Wir alle gehen an den Gedenktafeln in der Eingangshalle vorbei und denken an die Menschen, deren
Namen dort stehen. Manchmal fällt unser Blick auf die
leere Stelle auf der zweiten Gedenktafel, und wir
wissen in unserem tiefsten Inneren, daß solange die
Welt ist wie sie ist und solange es Amerikaner gibt, die
ihr Land lieben wie wir es tun, mehr Namen diese
Stelle füllen werden. Während wir hier stehen, werden
wir daran erinnert, daß Außenpolitik nicht etwas
Abstraktes ist, daß sie letztlich nicht von Nationen oder
Ministerien durchgeführt wird, sondern von Menschen

Seite 1

�- Menschen, die dorthin gehen, wo es wenig Bequemlichkeit und viele Gefahren gibt; von Menschen, die
unsere Ideale fördern, unsere Beziehungen pflegen,
unsere Hilfe verteilen und unsere Bürger schützen;
von Menschen, die mit Stolz und Freude die Herausforderung und das Abenteuer angehen, Amerika auf
der Welt zu vertreten. Das sind die Menschen, deren
wir heute gedenken und die wir heute ehren.

großem Mitgefühl unter den denkbar schwierigsten
Umständen reagiert haben. Wieder einmal hat die
schlimmste Tragödie das Beste in allen von Ihnen
hervorgebracht. Ich weiß, daß die kommenden Tage
für viele unserer Kollegen hart sein werden, und wir
müssen einander behilflich sein, um unsere Arbeit zu
erledigen. Aber wir müssen einander auch Raum und
Zeit zum atmen geben.

Es ist mir unmöglich, die Gefühle derer zum Ausdruck
zu bringen, die sie gut kannten, insbesondere derjenigen, die sie nicht nur als Kollegen kannten, sondern
als Eltern, als Kinder, als Ehemann und Ehefrau, als
Brüder und als Schwestern. Aber ich kann einige
Worte darüber sagen, was sie in Afrika getan haben
und warum sie dort waren. Unsere Kollegen haben mit
den Kenianern und Tansaniern zusammengearbeitet,
um die Armut zu mildern, Demokratie aufzubauen, die
Umwelt zu schützen und Krankheiten zu bekämpfen.
Sie halfen Amerikanern und Afrikanern, Arbeitsplätze
zu schaffen, indem sie den Handel zwischen unseren
beiden Länder erweiterten. Und sie halfen Amerikanern, die in Not waren. Sie unterstützten sich gegenseitig, um diese Ziele zu verwirklichen.

Präsident Clinton und ich werden auch alles in unserer
Macht Stehende tun, um unsere Bürger und Mitarbeiter
im Ausland und die Bürger unserer Gastländer zu
schützen. Wir arbeiten mit der Administration und dem
Kongreß zusammen, um einen Haushaltsantrag
vorzubereiten, der uns den Wiederaufbau der Botschaftsgebäude und die Fortsetzung unserer Präsenz
in Kenia und Tansania gestattet und den unerläßlichen
Schutz für unsere Vertretungen auf der ganzen Welt
bietet, die zusätzlichen Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen, Metalldetektoren, Barrikaden und Kommunikationsverbindungen haben könnten.

So müssen wir uns wieder fragen, wie so etwas
Schreckliches einer Gruppe von Menschen geschehen
konnte, die so viel Gutes taten. Eine teilweise Antwort
ist vielleicht, daß sie angegriffen wurden, weil sie so
viel Gutes taten. Vielleicht wurden sie ausgesucht,
weil sie ein Land repräsentieren, das der mächtigste
Verteidiger von Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit der Welt ist, denn so unvollkommen wir
auch sind - wir stehen für die Werte von Toleranz,
Offenheit und Pluralismus, die jetzt in allen Teilen der
Welt Fuß fassen, weil wir stark sind und weil wir
unsere Stärke zur Lösung von Konflikten einsetzen,
von denen einige wünschen, daß sie für immer
andauern. Wie sollen wir also auf dieses schreckliche
Verbrechen reagieren? Offensichtlich besteht unsere
oberste Verantwortung gegenüber den Überlebenden
und den Familien. Wir werden weiter die Trümmer
beseitigen, alle Opfer erreichen, die Ärzte, Medikamente und Blutkonserven einfliegen, die zur Behandlung
der Verletzten benötigt werden. Wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um den Familien derjenigen Trost zu spenden, die gestorben sind und die
schreckliche Last zu erleichtern, die sie fühlen. Aus
diesem Grund werde ich nach Deutschland fliegen, um
die Verletzten zu besuchen, unsere verstorbenen
Kollegen zu ehren und sie nach Hause zu begleiten.
Wir werden mit den Bürgern und Regierungen von
Tansania und Kenia zusammenarbeiten, um ihnen bei
der Bewältigung ihrer Verluste behilflich zu sein, die und das dürfen wir nicht vergessen - sogar noch
größer sind als unsere. Das haben wir rund um die
Uhr getan seit dem Augenblick, als diese Tragödie
geschah. Ich bin sehr stolz auf die Mitarbeiter in
unseren Missionen im Ausland und hier im Außenministerium, die mit unglaublicher Kompetenz und mit

Seite 2

Auf längere Sicht werden wir auch den zusätzlichen
Bedarf an Mitarbeitern und Verwaltung prüfen, der für
die Gewährleistung eines sicheren Betriebs unserer
Vertretungen weltweit erforderlich ist. Wir werden
ferner Konsultationen mit Regierungsvertretern von
Tansania und Kenia führen, um geeignete Wege zu
ihrer Unterstützung in dieser Zeit des Verlusts zu
finden. Wir müssen die feigen Attentäter finden und
bestrafen, die diese Tat begangen haben. Präsident
Clinton hat eindeutig klargestellt, daß wir nicht ruhen
werden, bis das geschehen ist. Und es wird geschehen, denn das Gedächtnis unserer Nation ist lang, und
unser Arm reicht weit. Heute morgen möchte ich eine
Belohnung von bis zu 2 Millionen Dollar für Informationen bekanntgeben, die zur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen führen. Aber wir haben
heute noch eine andere Verantwortung, die ebenso
entscheidend für die Verstorbenen, die Lebenden und
für alle Amerikaner ist. Diese Vereinigten Staaten,
diese Nation mit hohen Grundsätzen und Zielen,
lassen sich nicht einschüchtern. Wir werden unsere
Anstrengungen verdoppeln, Frieden zu schaffen und
Intoleranz zu bekämpfen. Wir werden unserer Verantwortung gerecht werden, uns in der Welt weiterhin zu
engagieren, weiterhin für die Werte einzutreten, die die
Friedensstifter hochhalten und für die Zukunft, die die
Bombenleger fürchten. Denn auch wenn Terror
Gebäude zu Schutt und Lachen zu Tränen werden
läßt, kann - und wird - er nie Amerika von seinem
Zweck oder seiner Präsenz auf der Welt abschrecken.
Das ist die beste Antwort, die wir den verabscheuungswürdigen Feiglingen geben können, die dies getan
haben.
Das ist das Beste, was wir tun können, um den Dienst
der Männer und Frauen zu ehren, die ihr Leben bei
dieser Tragödie verloren haben - uns zu entscheiden,
wie sie es getan haben, nicht Gefangene der G-

AMERIKA DIENST 16

•

�eschichte zu sein, sondern sie zu gestalten. Ich
verspreche Ihnen, daß ich das mit aller Entschlossenheit und allem, was ich aufbieten kann, mit Ihrem
Beistand und Ihrer Unterstützung in den kommenden
Wochen, Monaten und Jahren tun werde.

dem unerschütterlichen Glauben an den Wert der
Arbeit, die wir gemeinsam tun, um den Schutz unserer
Menschen zu gewährleisten und eine Welt aufzubauen, die sicherer, wohlhabender, gesünder und freier
ist.

Man sagt, daß man alles, was man tut, mit Glauben tut.
Lassen Sie uns heute morgen auseinandergehen mit

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 3

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Militär unterstützt Hilfe für die Opfer
Erklärung des Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister Cohen aus
Anlaß der Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam am 7. August 1998.

Ich möchte den Familienagehörigen derjenigen mein
Mitgefühl aussprechen, die bei den Bombenanschlägen auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi
(Kenia) und Daressalam (Tansania) ums Leben
gekommen oder verwundet worden sind.
Diese Bombenanschläge erinnern uns an die Bedrohung für Amerikaner durch Terroristen, deren
einziges Mittel, Amerika anzugreifen, solch feige Akte
sind. In den vergangenen Jahren hat das US-Verteidigungsministerium dramatische Schritte zur Verbesserung der Sicherheit seiner in Übersee stationierten Streitkräfte unternommen. Aber wie die Bombenanschläge zeigen, werden wir nie alle Risiken beseitigen können, mit denen sich unsere Truppen und

Diplomaten konfrontiert sehen, wenn sie unserem
Land in Übersee dienen.
Der Verlust eines amerikanischen Soldaten oder
Diplomaten durch solche Akte ist ein Menschenleben
zuviel. Unsere Männer und Frauen in Uniform dienen
stolz und selbstlos auf der ganzen Welt in dem
Wissen, daß sie sich im Ausland zusätzlichen Gefahren gegenübersehen, weil sie Uniform tragen.
Das Militär unterstützt die Bemühungen der USRegierung, den Opfern dieser Katastrophe zu helfen.
Wir werden auch mit dem FBI zusammenarbeiten, um
die Mörder, die diesen Terroranschlag verübt haben,
vor Gericht zu bringen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�IRAK

12. August 1998

Clinton: Sanktionen bleiben in Kraft
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 6. August 1998 vom Weißen Haus
herausgegebene Erklärung von Präsident Clinton.

Die jüngste Weigerung des Irak, mit den internationalen Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, ist
inakzeptabel. Weit davon entfernt, den Tag vorzeitig
herbeizuführen, an dem die internationale Gemeinschaft die Sanktionen gegen den Irak aufhebt - wie der
Irak es beabsichtigt - verlängert die Nichteinhaltung
der Verpflichtungen durch den Irak diese Sanktionen
und unterwirft die irakische Volkswirtschaft strengen
internationalen Kontrollen.
Als eine Bedingung für den Waffenstillstand im Golfkrieg forderten die Vereinten Nationen - und der Irak
stimmte dieser Forderung zu - die Offenlegung der
nuklearen, chemischen und biologischen Waffen und
deren Trägersysteme binnen zwei Wochen sowie
deren Zerstörung. Im Februar dieses Jahres bekräftigte der Irak diese Verpflichtung in einem mit UNGeneralsekretär Annan unterzeichneten Abkommen.
Mit anderen Worten: Es stand in der Macht des Irak,
eine Aufhebung der Sanktionen durch die Erfüllung
seiner Verpflichtungen zu erreichen, die Inspektoren
ihre Arbeit beenden zu lassen und die anderen
relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats einzuhalten.
Statt zusammenzuarbeiten, hat der Irak den Großteil
dieses Jahrzehnts seine Verpflichtungen gegenüber
der internationalen Gemeinschaft nicht eingehalten.
Jüngste Entdeckungen der Waffeninspektoren darunter neue Dokumente über im iranisch-irakischen
Krieg verwendete chemische Munition und Reste von

Nervengas auf irakischen Gefechtsköpfen - unterstreichen nur die Nichteinhaltung der Verpflichtungen
des Irak gegenüber der Welt.
Die jüngste Weigerung des Irak, mit den UN-Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, ist ein weiterer
fehlgeleiteter Versuch, die internationale Gemeinschaft
zu spalten, um die Aufhebung der Sanktionen zu
erlangen. Mit diesen Sanktionen wurden dem Irak
über 120 Milliarden Dollar an Ressourcen für den
Wiederaufbau seines Militärs und den Bau weiterer
Massenvernichtungswaffen verweigert. Seine derzeitige Taktik wird wieder fehlschlagen. Solange der
Irak seinen Kurs nicht ändert und uneingeschränkt mit
den internationalen Waffen Inspektoren zusammenarbeitet, werden die Vereinigten Staaten alle Bemühungen zu einer Änderung des Sanktionsregimes
vereiteln. Damit wird der irakischen Führung das
verweigert, was sie am meisten wünscht: Ein Ende der
Sanktionen. Weil wir das im letzten Winter begonnene
Programm ÖI-für-Nahrungsmittel erweitert haben, wird
das irakische Volk weiterhin die Lebensmittel, Medikamente und anderen unerläßlichen Lieferungen erhalten, die es benötigt.
Es war stets am Irak, seine Massenvernichtungswaffen
offenzulegen und zu zerlegen, und das wird auch in
Zukunft so sein. Wir werden nach wie vor entschlossen darauf hinarbeiten, daß der Irak diese Verpflichtung einhält.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�KOSOVO
12. August 1998

Kosovo bleibt wichtige
außenpolitische Priorität der USA
Rede von Botschafter Robert S. Gelbard

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Sondergesandte des Präsidenten und
der Außenministerin für die Implementierung des Daytoner Abkommens, Robert S. Gelbard, am 23. Juli 1998 vor
dem Ausschuß des Repräsentantenhauses für internationale Beziehungen gehalten hat.

Ich möchte Ihnen für die Gelegenheit danken, vor
diesem Ausschuß zu sprechen und unseren Dialog
über die andauernde Krise im Kosovo fortzusetzen,
der für die Administration eine wichtige außenpolitische
Priorität darstellt. Wir begrüßen Ihre Ansichten über
die Situation im Kosovo. Das Interesse des Kongresses am Kosovo hilft uns, in Belgrad und bei
anderen die Bedeutung zu unterstreichen, die die
Vereinigten Staaten diesem Problem beimessen, und
verstärkt unseren Einfluß auf die Parteien bei der
Lösung des Problems.
Der Konflikt im Kosovo ist angesichts der fortgesetzten
Weigerung Belgrads, die zur Stabilisierung der Situation erforderlichen Schritte zu unternehmen sowie des
daraus resultierenden schnellen Wachstums der
Größe und Fähigkeiten der bewaffneten Widerstandsbewegung der Kosovo-Albaner in eine neue und
möglicherweise noch gefährlichere Phase eingetreten.
Louise Arbour, die Chefanklägerin des Internationalen
Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, erklärte vor kurzem, auf die Situation im
Kosovo treffe unter dem relevanten Völkerrecht die
Definition "bewaffneter Konflikt" zu. Dadurch fällt der
Konflikt zweifelsohne in den Zuständigkeitsbereich des
Tribunals. Es besteht ganz eindeutig eine dringende
Notwendigkeit für sinnvollen Dialog und sofortige
Maßnahmen zur Verringerung der Spannungen,
einschließlich einer umfassenden Einstellung der
Feindseligkeiten.
Obwohl wir uns über die Aktionen der Kosovo-Befreiungsarmee - UCK - Sorgen machen, dürfen wir nicht
die Tatsache aus den Augen verlieren, daß Belgrad

AMERIKA DIENST 16

die Konfrontation im Kosovo initiiert hat und Präsident
Milosevic und seine Regierung die Hauptverantwortung dafür tragen, die für eine Beendigung der
Gewalt notwendigen Schritte zu unternehmen. Die
Verpflichtungen Belgrads gegenüber der internationalen Völkergemeinschaft sind unmißverständlich in
den Erklärungen der Kontaktgruppe vom 12. Juni und
8. Juli enthalten. Diese Forderungen müssen erfüllt
werden, damit Belgrad seine Beziehungen zur übrigen
Welt normalisieren kann und die Bundesrepublik
Jugoslawien in die Völkergemeinschaft aufgenommen
wird. Milosevic muß:
die an repressiven Aktionen im Kosovo beteiligten Sicherheitskräfte abziehen,
einen sinnvollen Dialog mit der Führung der
Kosovo-Albaner über die Herbeiführung einer
politischen Lösung einleiten,
sich mit dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge und dem Internationalen Komitee vom
Roten Kreuz auf ein Programm für die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen
einigen,
völlig freien Zugang für internationales Personal,
einschließlich
Mitarbeitern
von
Nichtregierungs- und humanitären Hilfsorganisationen sowie Journalisten sicherstellen und
die Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft zur Beobachtung der Ereignisse vor Ort

Seite 1

�im Kosovo durch die Gewährung vollständigen
und ungehinderten Zugangs unterstützen.
Der Zugang von Mitarbeitern internationaler und
nichtstaatlicher Organisationen zum Kosovo hat sich
letzten Monat verbessert. Belgrad hat jedoch nichts
zur Erfüllung unserer anderen Forderungen unternommen, insbesondere bei Sicherheitsbelangen und der
Frage des Dialogs. Tatsächlich hat sich Präsident
Milosevic um eine Neudefinition seiner Verpflichtungen
bemüht, indem er dem russischen Präsidenten Jelzin
am 16. Juni in Moskau eine Reihe stärker eingeschränkter Verpflichtungen vorlegte.
Wir haben
unsere Ansichten jedoch in keinerlei Hinsicht geändert.
Milosevic muß allen seinen Verpflichtungen gegenüber
der Kontaktgruppe nachkommen. Andernfalls werden
wir weiterhin nach Wegen suchen, den Druck auf
Belgrad zu erhöhen, sich in die richtige Richtung zu
bewegen.
Tatsächlich hat Präsident Milosevic selbst bei den
eingeschränkteren Verpflichtungen, die er Präsident
Jelzin in Moskau unterbreitete, keine wirklichen
Fortschritte gemacht.
Unsere Ansichten hierzu
unterscheiden sich ehrlich gesagt von denen der
russischen Regierung. Das ist einer der Gründe,
warum die jüngste Erklärung der Kontaktgruppe zum
Kosovo unseres Erachtens nicht weit genug geht,
Belgrad genau klarzumachen, was erwartet wird.
Ein Gebiet, auf dem wir eng mit den Russen sowie
einer Reihe europäischer Regierungen zusammenarbeiten, ist die Errichtung einer signifikanten internationalen Präsenz vor Ort im Kosovo. Die Einrichtung
der diplomatischen Beobachtermission im Kosovo
(KDOM) ist eine bedeutende diplomatische Entwicklung, die unsere Fähigkeit zum sofortigen Einholen von
Informationen über die Entwicklungen im Kosovo
beträchtlich verbessern und allen Einwohnern des
Kosovo - Serben und Kosovo-Albanern gleichermaßen
- die internationale Besorgnis vor Augen führen wird.
Der US-Botschaft in der Bundesrepublik Jugoslawien
wurden 23 amerikanische Mitarbeiter als Beobachter
sowie zur Unterstützung der KDOM zugeteilt, in der
bereits 10 tätig sind. Andere Länder, einschließlich
einiger Mitgliedstaaten der EU, Rußlands und Polens,
haben bereits Mitarbeiter für diese Aufgabe vorgesehen oder werden das in Kürze tun. Trotz weiterer
Zusagen uneingeschränkter Zusammenarbeit errichten
die Behörden in Belgrad weiterhin Hindernisse für die
umfassende Durchführung der Mission. Erst kürzlich
verweigerten sie die Erteilung einer Flugerlaubnis für
vier amerikanische Transportflugzeuge, die benötigte
Beförderungsmittel, Kommunikationsgerät und medizinische Versorgungsgüter für die KDOM an Bord
hatten.
Die KDOM-Beobachter bereisen den Kosovo und
sprechen mit Regierungsvertretern, Kombattanten und
Privatleuten um sicherzustellen, daß wir ein voll-

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ständiges Bild von den Ereignissen im Kosovo erhalten. Die Mission stellt auch eine konkrete internationale Verpflichtung für weiteres Engagement im
Kosovo dar, bis eine politische Lösung erzielt wird.
Akkurate neueste Informationen sind wichtig. Aber
Informationen müssen einen politischen Entscheidungsfindungsprozeß unterstützen, der die Sache des
Friedens im Kosovo voranbringt. Unsere eigenen
diplomatischen Bestrebungen werden fortgesetzt. Der
Botschafter in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Chris Hill, der sich in dieser Frage
stark engagiert hat, reist in dem Bestreben zwischen
Belgrad und Pristina hin und her, die Verhandlungen
Wiederaufleben zu lassen. Ein Aspekt der Mission von
Botschafter Hill ist die Arbeit mit den Kosovo-Albanern
an der Förderung der Aufstellung eines bevollmächtigten Verhandlungsteams, das das gesamte politische
Meinungsspektrum der kosovo-albanischen Gemeinde
repräsentiert, einschließlich extremistischer Elemente.
Solange die Ansichten derjenigen auf der albanischen
Seite, die sich an den Kämpfen beteiligen, nicht
vertreten sind, sind sowohl eine Einstellung der
Feindseligkeiten als auch die Aushandlung einer
umfassenden politischen Lösung unwahrscheinlich.
Aus diesem Grund haben wir einen Dialog mit der UCK
eingeleitet. Die UCK ist vor Ort eine Realität, und so
sehr wir auch die Anwendung von Gewalt auf allen
Seiten verurteilen, wird sie doch bei jeglicher Einstellung von Feindseligkeiten eine Rolle spielen.
Botschafter Hill ist mehrmals - auch diese Woche - mit
Präsident Milosevic zusammengetroffen, um ihn zur
Erfüllung seiner Verpflichtungen und den für eine
Wiederbelebung der Aussichten auf Dialog notwendigen Schritten zu drängen. Der Druck auf Milosevic
wächst. Die neuen Sanktionen - von denen das
letzten Monat von der Kontaktgruppe vereinbarte
Investitionsverbot die wichtigste darstellt - haben die
ohnehin instabile serbische Volkswirtschaft weiter
unterminiert. Eine vom US-Finanzministerium vor
kurzem durchgeführte Beurteilung der Volkswirtschaft
der Bundesrepublik Jugoslawien kam zu dem Schluß,
daß die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen
in der Bundesrepublik Jugoslawien auf einen neuen
Tiefpunkt gesunken sind, weshalb das Land zweifelsohne als "der kranke Mann Europas" bezeichnet
werden kann.
Zusätzlich zur Kontaktgruppe arbeiten wir in anderen
multilateralen Foren daran sicherzustellen, daß für
Belgrad immer mehr auf dem Spiel steht. In New York
führen wir Konsultationen mit Freunden und Verbündeten über mögliche Aktionen im UN-Sicherheitsrat zur
Unterstützung der Forderungen der Kontaktgruppe.
Als Teil unserer umfassenderen regionalen Strategie
haben wir bereits das Mandat für UN-Operationen in
Bosnien, auf der Halbinsel Prevlaka und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien erneuert.

AMERIKA DIENST 16

�In den NATO-Räten ist die Planung für mögliche
Aktionen der NATO beinahe abgeschlossen.
Obwohl noch keine Entscheidung bezüglich des
Einsatzes von Gewalt getroffen wurde, bleiben alle
Optionen - einschließlich einer umfangreichen militärischen Intervention im Kosovo - auf dem Tisch. Die
Planung der NATO verläuft fristgerecht, und Milosevic
weiß, daß das keine leere Drohung ist.

Serben und anderer. Die Vereinigten Staaten und
andere in der internationalen Gemeinschaft haben den
Mißbrauch der serbischen Sicherheitskräfte im Kosovo
und den Einsatz willkürlicher und übermäßiger Gewalt
gegen albanische Nichtkombattanten hervorgehoben.
Wir haben darüber hinaus die Angriffe auf serbische
Zivilisten und deren Entführung durch die UCK verurteilt. Die Kosovo-Beobachtermission wird diesen
Berichten weiterhin nachgehen und der internationalen
Gemeinschaft möglichst bald Informationen zur
Verfügung stellen.

Die sich verschlechternde Situation im Kosovo ist eine
Bedrohung des regionalen Friedens und der Sicherheit. Die mögliche Ausweitung des Konflikts auf
Nachbarstaaten ist weiterhin die größte Sorge, und wir
und unsere Verbündeten haben Präsident Milosevic
gegenüber klar gemacht, daß eine Ausweitung des
Konflikts auf Albanien oder Mazedonien nicht toleriert
wird. Albanien ist besonders gefährdet. Die albanischen Behörden haben wenig Kontrolle über das
nördliche Drittel ihres Landes - eine Situation, die
andauernde Instabilität im Kosovo schürt und auch von
ihr geschürt wird. Wir arbeiten mit der Regierung von
Albanien zusammen, um die Sicherheit im Norden zu
verstärken. Dazu zählt die internationale Ausbildung
der albanischen Polizei und eine völlig neue NATOZelle in Tirana für die Koordinierung der Zusammenarbeit durch die Partnerschaft für den Frieden. Die
jüngsten heftigen Gewaltakte in der Region Orahovac
und Berichte über auf albanisches Territorium abgefeuerte serbische Granaten unterstreichen die Dringlichkeit der Situation und die regionalen Auswirkungen
eines andauernden Konflikts.

Das Den Haager Tribunal hat sich zur Prüfung von
Berichten über mögliche Kriegsverbrechen im Kosovo
- beider Seiten - verpflichtet. In einem Fall wurden drei
serbische Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Belgrad
waren, um über die Internationale Organisation für
Migration einen Einwanderungsantrag in die Vereinigten Staaten zu stellen, von bewaffneten Albanern
aus einem Bus gezerrt und als Geiseln genommen.
Zwei der Entführten wurden freigelassen, aber einer der 26-jährige Djurdje Cuk - wird immer noch vermißt.
Unsere Abscheu über die Aktionen der serbischen
Sicherheitskräfte im Kosovo bedeutet nicht, daß den
albanischen Extremisten freie Hand gelassen werden
sollte. Weitere Gewalt - unabhängig davon, wer dafür
verantwortlich ist - wird eine politische Verhandlungslösung nur erschweren. Wir haben das den UCKAnführern gegenüber in unseren Gesprächen bis
heute klar gemacht und werden bei künftigen Treffen
weiterhin die Bedeutung von Zurückhaltung unterstreichen.

Es gibt nahezu 14.000 registrierte Flüchtlinge in
Nordalbanien, die vor der Gewalt im Kosovo geflohen
sind. Über 80.000 wurden innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien umgesiedelt, fast 22.000 von ihnen
in Montenegro.
Die Vereinigten Staaten haben
beträchtliche Hilfe zur Verfügung gestellt - zur Zeit 8,5
Millionen Dollar - um den internationalen Hilfsorganisationen bei der Bewältigung der Krise behilflich zu sein.
Zu diesen Bestrebungen zählt der Schutz von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie die Eventualfallplanung
in Mazedonien.

Berichte, daß die serbische Polizei für das Verschwinden einer großen Zahl von Kosovo-Albanern verantwortlich ist, sind außerordentlich besorgniserregend.
Wir haben die Notwendigkeit mehrfach unterstrichen,
daß die Belgrader Behörden unabhängige forensische
Ermittler zulassen, die Beschuldigungen standrechtlicher Erschießungen in der Region Drenica im Kosovo
prüfen sollen. Wir erwarten, daß das Internationale
Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien und unsere Verbündeten dies zur Priorität
erklären.

Wir müssen unsere Investitionen in die Stabilität in
Mazedonien schützen und die kontinuierliche Entwicklung demokratischer Institutionen in dem Land fördern.
Die UNPREDEP spielt weiterhin eine wichtige Rolle,
und es besteht generelle Übereinstimmung, daß das
Mandat verlängert werden sollte. Wir haben unsere
bilateralen Hilfsbestrebungen in Mazedonien von 2
Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf über 11
Millionen Dollar in diesem Jahr aufgestockt, und wir
haben ein NATO-Clearinghaus für die Sicherheit
Mazedoniens eingerichtet, um multilaterale Hilfe
anzukurbeln.

Belgrads Verhängung einer Lebensmittelblockade
gegen den Kosovo verschärft die bereits gefährliche
Situation für die albanische Bevölkerung im Kosovo.
Wir haben glaubwürdige Berichte gesehen, daß
Belgrad die Nahrungsmittellieferanten angewiesen hat,
nur staatlich betriebene Geschäfte im Kosovo zu
beliefern, die alle von den Serben kontrolliert werden.
Wir habe diese Art von Einschüchterungstaktik schon
vorher erlebt und verurteilen solche Aktionen als
Verletzung der Menschenrechte und zynische Manipulation der Schwächsten im Kosovo.

Wir sind auch besorgt über die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Kosovo - ethnischer Albaner, ethnischer

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Wir sind weiterhin der Überzeugung, daß eine Lösung
für die Probleme des Kosovo innerhalb der bestehenden internationalen Grenzen gefunden werden muß

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�und kann. Die gesamte internationale Gemeinschaft
ist sich bewußt, daß nur eine richtige Selbstverwaltung
des Kosovo die legitimen Beschwerden der kosovoalbanischen Gemeinde beheben und Stabilität in
dieser instabilen Region fördern kann. Der UCK wird
es weder gelingen, sich mit Waffengewalt von der
Bundesrepublik Jugoslawien zu lösen, noch kann
Belgrad seine Autorität im Kosovo mit einem Schlagstock in eiserner Faust bewahren. Für keine Seite gibt
es eine Lösung auf dem Schlachtfeld. Nur offener
Dialog und ernsthafte Verhandlungen können die
derzeitige Pattsituation überwinden.
Es gibt keine schnelle Lösung für den Kosovo. Es
handelt sich um ein schwieriges und komplexes
Problem, das über die Jahre durch Belgrads Kompromißlosigkeit und Mangel an demokratischen Institutionen geschaffen wurde. Die amerikanische
Führungsrolle wird unerläßlich sein, um Fortschritte bei
diesem Problem zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten haben beträchtliche Investitionen in die Stabilität auf dem Balkan getätigt.
Andauernde Unruhen und Gewalt im Kosovo bedrohen
diese Investitionen. Wir müssen zügig und entschlossen handeln, um den Konflikt im Kosovo zu

beenden, angefangen mit einem Abkommen über die
Einstellung der Feindseligkeiten.
Eine wirklich tragfähige und dauerhafte Lösung des
Kosovoproblems wird die Entwicklung starker demokratischer Institutionen in Serbien und der Bundesrepublik Jugoslawien erfordern. Es muß eine neue
Generation von Politikern - mit größerem Verständnis
und Respektierung der Tradition der europäischen
Demokratie - geben, die ihr Schicksal selbst in die
Hand nimmt. In Montenegro hat Präsident Milo
Djukanovic diesen Prozeß bereits begonnen. Seine
Reformpolitik - und die seiner neuer Regierung - hat
unsere uneingeschränkte Unterstützung. Serbien
hinkt hinterher, aber selbst in Serbien gibt es einige
vielversprechende junge Politiker, und wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um ihre Entwicklung zu
echten Führungspersönlichkeiten zu unterstützen.
Herr Vorsitzender, ich möchte Ihnen nochmals für die
Aufmerksamkeit danken, die Ihr Ausschuß diesem
Problem widmet. Wir möchten weiterhin eng mit Ihnen
und den anderen Mitgliedern des Ausschusses
zusammenarbeiten, um eine friedliche Lösung der
Probleme des Kosovo zu fördern.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�NATO
12. August 1998

Die Herausforderungen der NATO im 21. Jahrhundert
Rede von Verteidigungsminister Cohen

WASHINGTON - (AD) - Wir brauchen "eine neue NATO für das neue Jahrhundert, die uns ermöglicht, die vor uns
liegenden Chancen zu ergreifen und die uns konfrontierenden Gefahren zu vermeiden", erklärte USVerteidigungsminister William Cohen am 30. Juni 1998 beim Transatlantic Forum" der Westeuropäischen Union
in Washington. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Dieses Frühjahr vor ungefähr 50 Jahren erklärte
Walter Lippman, die Welt befinde sich in einer gefährlichen Strömung. Die Tschechoslowakei war hinter
dem kommunistischen Eisernen Vorhang verschwunden. Kommunistische Rebellen bedrohten die Bevölkerung Griechenlands und der Türkei, und kommunistische Blockaden schnitten Berlin ab, was zur
historischen Berliner Luftbrücke führte. 1948 war klar,
was der Journalist Norman Cousins damals mit
folgenden Worten beschrieb: "Es schien sich ein neuer
Krieg anzubahnen."
Um diesen Krieg zu vermeiden, kamen Diplomaten
aus den europäischen Demokratien in Brüssel zusammen und verpflichteten sich ihrer gemeinsamen
Verteidigung. Ihre Entschlossenheit trug dazu bei,
Amerika davon zu überzeugen, daß Europa bereit war:
Bereit zur Übernahme der Last, der in Freiheit lebenden Hälfte Europas die Freiheit zu bewahren; bereit
zum Wiederaufbau seiner Nationen mit Hilfe des
Marshallplans; und ein Jahr später bereit, gemeinsam
mit den Vereinigten Staaten einem neuen Bündnis,
genannt NATO, beizutreten. Tatsächlich bedeutete
der Brüsseler Pakt von 1948, der schließlich zur
Westeuropäischen Union führte, einen Schritt zur
kollektiven Verteidigung, die während des letzten
halben Jahrhunderts der Kern der transatlantischen
Partnerschaft gewesen ist.
Heute befindet sich die Welt nicht mehr in einer
gefährlichen Strömung, aber sie ist immer noch in
Gefahr. Auf der einen Seite der Welthalbkugel sehen
wir bemerkenswerte neue Chancen, boomende
heimische Märkte, atemberaubende Technologien und
mutige neue Demokratien. Auf der anderen Seite

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sehen wir jedoch alarmierende neue Gefahren,
verbrecherische
Regime,
wiederaufflammenden
ethnischen Haß und exotische biologische Viren und
Seuchen. Aus diesem Grund brauchen wir eine neue
NATO für das neue Jahrhundert, die uns ermöglicht,
die vor uns liegenden Chancen zu ergreifen und die
uns konfrontierenden Gefahren zu vermeiden.
Die NATO ist in erster Linie ein Militärbündnis. Ihre
wichtigste Mission bleibt die kollektive Verteidigung
ihrer Mitgliedstaaten. Gleichzeitig müssen wir jedoch
sicherstellen, daß die NATO den neuen Gefahren
begegnen kann, indem sie regionale Stabilität fördert,
Konflikte vermeidet, Gefahren und Bedrohungen durch
Massenvernichtungswaffen verringert und Aggression
und Zwang jenseits ihrer Grenzen abschreckt.
In dieser Hinsicht ist die laufende Mission zur Stabilisierung Bosniens ein ausgezeichnetes Beispiel. Es ist
eine Operation unter Leitung der NATO.
Daran
beteiligt sind viele Nationen, die im Rahmen der
Partnerschaft für den Frieden bereits gemeinsame
Manöver mit der NATO abhalten. Die Operation
konzentriert sich auf ein Land außerhalb des NATOTerritoriums und zielt auf die Gewährleistung regionaler Stabilität ab. Der Erfolg der NATO-Präsenz in
Bosnien zeigt sich an der enormen Umgestaltung, die
ich während der letzten Jahre beobachtet habe. Es
gibt neue bosnisch-serbische Führer, die Hoffnung
wecken, daß alle Bosnier eines Tages zusammen
arbeiten und leben können.
Eine neue gemeinsame Flagge weht jetzt über den
Regierungsgebäuden in Bosnien, und seit letzter
Woche gibt es eine neue gemeinsame Währung.

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�Immer mehr Familien kehren nach Hause zurück, und
immer mehr Kriegsverbrecher müssen sich in Den
Haag verantworten.
Aber obwohl Bosnien den richtigen Kurs eingeschlagen hat, ist die harte Arbeit der NATO noch nicht
beendet. Der Erfolg der für diesen Herbst anberaumten Wahlen ist von entscheidender Bedeutung. Und
der Kosovo ist eine ernste Mahnung, daß der Balkan
immer noch ein Pulverfaß sein kann. Daher ist es
richtig, daß wir unsere stabilisierende Präsenz in
Bosnien aufrechterhalten und dazu beitragen sicherzustellen, daß eine dauerhafte Friedensstruktur Fuß
fassen kann.
Um in Zukunft Operationen wie die in Bosnien durchzuführen, muß die NATO - und insbesondere die
europäischen NATO-Mitgliedstaaten - jedoch die
Fähigkeit zur Verlagerung ihrer Streitkräfte haben.
Glücklicherweise möchte Europa eine aktivere Rolle
bei der europäischen Sicherheit spielen. Die Vereinigten Staaten stimmen dem zu. Unser Engagement
für eine größere Rolle Europas zeigt sich an unserer
Unterstützung der WEU als Medium für die Stärkung
der europäischen Säule der NATO. Unser Engagement wird auch in unserer Unterstützung für das
Konzept der Alliierten Streitkräftekommandos und der
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität
(ESVI) innerhalb der NATO offenbar, die trennbare,
aber nicht getrennte Mittel des Bündnisses für mögliche Operationen unter Führung der WEU zur Verfügung stellt.
Wenn Bosnien die Gestaltung zukünftiger Missionen
verrät, verrät es auch die Schwierigkeiten, die aus
einem großen Gefälle zwischen den Fähigkeiten der
Streitkräfte einer Koalition entstehen können. Um eine
flexiblere NATO aufzubauen, muß das Bündnis
mehrere Schritte zur Aufstellung vollständig kompatibler Streitkräfte unternehmen.
Erstens müssen wir die Interoperabilität unserer
Streitkräfte wirklich verbessern. Ich möchte Ihnen ein
Beispiel nennen. In den frühen Tagen der Dislozierung nach Bosnien hatten wir große Schwierigkeiten,
miteinander zu kommunizieren, weil wir inkompatibles
Gerät besaßen. Seitdem haben wir uns mit diesen
Mängeln befaßt, aber die Truppen müssen immer noch
mehr Informationen und Daten auf effizientere Weise
austauschen. Daher muß die Verbesserung unserer
Kommunikationsfähigkeit eines unserer Ziele sein nicht durch völlig gleiches Gerät, sondern durch die
Kompatibilität der gesamten Systeme.
Zweitens müssen wir unsere Fähigkeit zur Fortsetzung
der Operationen unserer dislozierten Truppen bewahren. Bosnien erinnert uns erneut daran, daß
Operationen lange dauern können und möglicherweise selbst die am besten vorbereiteten Logistiksysteme vor große Herausforderungen stellen. Die

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Befehlshaber müssen nicht nur wissen, daß Gerät
bereit steht, sondern auch, wo es sich befindet und
wann es ankommt. Daher müssen wir sicherstellen,
daß unsere Streitkräfte durch modernste logistische
Nachschubsysteme gestützt werden - durch einen
ununterbrochenen Fluß entscheidender Informationen
zwischen denjenigen in den Nachschublinien und den
Truppen an den Frontlinien.
Je mehr wir uns auf computergestützte Informationssysteme verlassen, desto stärker sind wir den Cyberterroristen ausgesetzt, die sich unbegrenzte Möglichkeiten zur Lähmung unserer Infrastruktur, elektrischen
Versorgungsnetze, Banken-, Finanz- und weltraumgestützten Kommunikationssysteme ausdenken. Alle
diese Einrichtungen sind anfällig für Angriffe durch
Cyberterroristen. Daher muß sich die NATO auf
Methoden und Technologien konzentrieren, die diese
neuen gezielten Versuche vorhersehen und vereiteln,
Giftpfeile auf unsere Achillesferse zu schießen - oder
in diesem Fall in unseren Datenbanken Gift zu legen.
Die NATO muß sich auch gegen die Bedrohung durch
chemische und biologische Waffen impfen lassen,
damit unsere Streitkräfte auf jedem Schlachtfeld
kämpfen und gewinnen können, selbst wenn es durch
biologische oder chemische Waffen verseucht ist. Wir
sind bereit zur Stärkung unserer Fähigkeit, diese
neuen Terrorwaffen zu entdecken und uns dagegen zu
verteidigen. Beispielsweise haben wir die Anweisung
gegeben, daß alle unsere Soldaten gegen Anthrax
geimpft werden. Wir impfen unsere gesamte Streitmacht. In einigen Ländern, beispielsweise Großbritannien, geschieht das auf freiwilliger Basis. Bei uns
ist es vorgeschrieben. Wir haben dieses Vorhaben
begonnen und werden es auch fortsetzen.
Das Bündnis hat also die Doktrin entwickelt, Pläne zur
Abwehr dieser Massenvernichtungswaffen zu machen.
Aber um den amerikanischen Dichter Robert Frost zu
paraphrasieren, müssen wir in diesem besonderen Fall
noch Meilen gehen, bevor wir uns ausruhen oder
essen dürfen.
Schließlich müssen wir die Vollständigkeit unserer
Informationssysteme verbessern. Das Jahrtausend
droht, nicht mit einem Knall, sondern mit einem Absturz
zu beginnen - dem Absturz der Computer, deren
Benutzer in der Regierung dem drohenden Jahr 2000Problem gegenüber entweder blind und gleichgültig
sind oder einfach davon überwältigt werden. Wir
dürfen nicht vergessen, daß unsere Informationssysteme verkettet und nur so stark und sicher wie ihr
schwächstes Glied sind.
Dies sind einige der Herausforderungen, denen wir
gegenüberstehen, wenn wir die NATO ins 21. Jahrhundert bringen. Wir werden aber auch mit Herausforderungen bei der Aufnahme neuer NATO-Mitgliedstaaten konfrontiert.

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�Ich verließ Brüssel vor einigen Wochen in der Zuversicht, daß unsere europäischen Verbündeten schon
bereit sind, ihren gerechten Teil der Last bei der
Integration dieser wiedergeborenen Demokratien in
das Bündnis zu übernehmen. Vor einigen Wochen
besuchte ich Polen und sah dort ein Volk, das durch
die Dynamik des Aufbaus einer stabilen Demokratie,
einer freien Gesellschaft und eines vielversprechenden freien Marktes belebt wurde.
Sehr interessant fand ich eine Wand im Büro des
Verteidigungsministers. Er hatte eine Plakette und
einen Stern neben allen Ländern angebracht, die die
Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO ratifiziert
haben. Ich freute mich zu sehen, daß die Vereinigten
Staaten dort neben sechs weiteren Staaten vertreten
waren, die den Beitritt Polens, Ungarns und der
Tschechischen Republik zur NATO befürwortet haben
und Sicherheit nicht nur gewährleisten, sondern auch
genießen.
Um die Dynamik des Bündnisses für das 21. Jahrhundert zu bewahren, müssen wir jedoch weiterhin
auch jene Partner mit einbeziehen, die keine NATOMitgliedstaaten sind. Der Erfolg der Partnerschaft für
den Frieden zeigte sich an einem wahrhaft unglaublichen Anblick in Brüssel. Als ich vor einigen Wochen in
Brüssel war und meine Blicke entlang eines Tisches
schweifen ließ, der diesem hier ähnelt, sah ich nicht
nur NATO-Mitgliedstaaten, sondern auch die Vertreter
der PfF-Nationen: Gesichter aus Deutschland, Georgien, Kanada und Kasachstan an ein und demselben
Tisch im Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat, die
miteinander sprachen und arbeiteten - ein Anblick, der
noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Zu sehen, wie Vertreter von Staaten wie Litauen sich
mit dem russischen Verteidigungsminister zusammensetzen und über Wege zu Zusammenarbeit, gemeinsamen Übungen und Ausbildung sprachen, war ein
wahrhaft bemerkenswerter Anblick.
Ebenso wie unsere Offiziere, die PfF-Operationen und
-Übungen planen, bin ich der Ansicht, daß offensichtlich ist, warum die PfF jetzt einen unverzichtbaren
Grundstein für regionale Stabilität und Sicherheit
darstellt. Wir müssen sicherstellen, daß die PfF
bestehen bleibt, um die Nationen auf eine potentielle
NATO-Mitgliedschaft vorzubereiten, aber auch zusehen, daß sie um ihrer selbst willen erhalten bleibt. Das
Programm der Partnerschaft für den Frieden sollte die
Nationen vorbereiten, die nicht unbedingt eine NATOMitgliedschaft anstreben, ihnen die Gelegenheit zu
gemeinsamen Übungen mit uns, zum Testen ihres
Ansatzes zur Lösung militärischer Probleme und
einem Erfahrungsaustausch mit uns sowie zur Beobachtung unserer Manöver und Problemlösung
geben. Das ist an sich schon eine besondere Erfahrung. Daher sollten wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß die Länder
die Gelegenheit erhalten, sich auf eine NATO-Mitglied-

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schaft vorzubereiten, aber auch, die PfF um ihrer
selbst willen fortzusetzen.
Die Frage, wie diese Länder am besten auf eine
NATO-Mitgliedschaft vorbereitet werden können, war
das Hauptthema einer Konferenz in Kopenhagen, an
der ich teilgenommen habe. Unter Führung von
Verteidigungsminister Haekkerup kamen alle Verteidigungsminister der baltischen und nordischen Nationen
zusammen, um über die weitere Schaffung von
Bedingungen für die baltischen Staaten zu sprechen,
damit diese durch die offene Tür der NATO gehen
können. Und wir erinnerten unsere baltischen Freunde
daran, daß zwar keinem Land eine Mitgliedschaft
garantiert wird, aber auch keinem eine Mitgliedschaft
aufgrund seiner geographischen Lage verweigert wird.

Eine Nation, deren geographische Lage sie in die
einzigartige Position versetzt, alte Trennlinien zu
überbrücken, ist die Ukraine. Die Ukraine nähert sich
jetzt der europäischen Hauptströmung an - auf der
Grundlage der vor einem Jahr zwischen der NATO und
der Ukraine abgeschlossenen Charta. Als ich mich mit
meinen Amtskollegen in der NATO zusammensetzte,
kamen wir beim ersten Treffen der NATO-UkraineKommission in Brüssel erstmals mit den Ukrainern
zusammen. Wir bekräftigten erneut, daß eine unabhängige, demokratische, wohlhabende und stabile
Ukraine für die neue Sicherheitsordnung eines ungeteilten Europas unerläßlich ist.
Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auch auf die
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
richten.
Auch das war im NATO-Hauptquartier
offensichtlich. Die historische Grundakte vom vergangenen Jahr verpflichtet die NATO und Rußland zu
einer Zukunft der Konsultationen und Kooperation. Wir
führten während der spannungsgeladenen Tage der
Kosovo-Krise, über die wir hier sicher gleich sprechen
werden, sehr offene Diskussionen mit dem russischen
Verteidigungsminister. Dies ist aber auch ein Teil des
sich abzeichnenden neuen Europas. Die Tatsache,
daß sich Nationen zu Gesprächen mit Rußland über
die europäische Sicherheit betreffende Fragen zusammensetzen, ist eine bemerkenswerte Veränderung, die während einer sehr kurzen Zeitspanne
stattgefunden hat.
Unsere Vision der NATO für das 21. Jahrhundert ist
wirklich umfassend. Und während die düsteren Bilder
des Kalten Krieges langsam aus unserem kollektiven
Gedächtnis schwinden, besteht - mit den Worten von
T.S. Eliot - die Gefahr, daß "uns die plötzliche Erleuchtung kommt, daß wir die Erfahrung machten, aber nicht
die Bedeutung erfaßten". Unsere Hoffnung und unsere
Herausforderung für die Zukunft liegt darin, zukünftigen
Generationen in Europa die Erfahrung eines Kontinents zu ersparen, der gespalten ist - auf dem die eine
Hälfte in Gefahr, die andere in Frieden lebt; die eine

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�Hälfte in Angst, die andere in Freiheit. Es ist aber auch
unsere Herausforderung sicherzustellen, daß sie die
Bedeutung dieses Jahrhunderts erfassen, daß Freiheit
nicht umsonst erlangt werden kann, sondern unsere
kollektive Stärke, Entschlossenheit und Kraft zur

Schaffung einer Grundlage der Freiheit in Europa
verlangt, die das Vermächtnis für zukünftige Generationen sein wird,
Vielen Dank.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�LUFTBRÜCKE
12. August 1998

Hamre: "Berlin ist herausragendes Symbol
unserer Freiheit"
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Verteidigungsminister
Dr. John Hamre aus Anlaß des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke am 23. Juli 1998 im National Air and
Space Museum in Washington gehalten hat.

Zunächst möchte ich den Veranstaltern des heutigen
Abends für ihren großzügigen Beitrag zu dieser Feier
danken: Der United Services Organization in Washington, der Deutschen Botschaft, der Stadt Berlin,
dem German Marshall Fund, dem American Council on
Germany und dem American Institute for Contemporary German Studies. Wir sind Ihnen sehr dankbar, daß
Sie diese amerikanischen Helden ehren, die vor 50
Jahren ihrem Land und der Freiheit dienen wollten.

Die Welt schaute in der Tat auf Berlin. Und was sie
sah, war nicht nur eine Stadt, sondern ein Symbol - ein
Symbol der Entschlossenheit, ein Symbol des Widerstands und letztlich ein Symbol der Freiheit. Als die
Welt auf Berlin schaute, sah sie die Berliner, die mit
fast unüberwindbaren Schwierigkeiten konfrontiert
waren, Felder zu Rollbahnen machten und die Lebensmittel und das Feuer der Freiheit von einer Brücke in
der Luft entluden.

Ich möchte auch den Deutschen meinen Dank dafür
aussprechen, daß sie während der vergangenen 50
Jahre amerikanische Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen so herzlich willkommen geheißen
haben. Ich danke Ihnen.

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Verpflichtung der Verbündeten zu einem freien Deutschland. Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie auch die
Zukunft, denn die Luftbrücke war wirklich ein Teil des
Kalten Krieges.

Während wir den 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke
feiern, feiern wir auch 50 Jahre der dauerhaften
Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Es ist eine Freundschaft, die in
unseren gemeinsamen Opfern, unseren gemeinsamen
Erfolgen und unserer gemeinsamen Vision von
Demokratie und Freiheit gründet. Es ist eine Freundschaft, die wir Amerikaner zu schätzen wissen und
auch im nächsten Jahrhundert pflegen möchten.

An jedem Tag der Luftbrücke donnerten unsere Piloten
durch den deutschen Luftraum in einer Schlacht der
Ideen, nicht der Kugeln - einer Schlacht um Freiheit
und Demokratie. Und sie machten einen der dunkelsten Tage der Freiheit zu einem der größten Triumphe
der Freiheit.

Die Freundschaft zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten wurde an einem der definierenden
Augenblicke dieses Jahrhunderts geboren. Vor 50
Jahren fiel Joseph Stalins Eiserner Vorhang um ein
freies Berlin, und das letzte Schlachtfeld eines Weltkriegs wurde zum ersten Schlachtfeld des Kalten
Kriegs. In den frühen Tagen der Blockade bat der
Berliner Bürgermeister Ernst Reuter eindringlich:
"Völker der Welt, schaut auf Berlin!"

AMERIKA DIENST 16

Für Amerika stellte die Luftbrücke einen Weckruf dar.
Sie brachte uns die Erkenntnis, daß wir uns nicht hinter
die Sicherheit unserer Küsten und der atlantischen
Barriere zurückziehen konnten. Nach zwei Weltkriegen bestätigte die Luftbrücke, daß die amerikanische und europäische Sicherheit untrennbar miteinander verknüpft sind. Die Luftbrücke bewies, daß
Vermeidung von Tyrannei und Zerstörung in der
Zukunft Wachsamkeit und Engagement in der Gegenwart verlangen.
Und sie bekräftigte erneut, daß
Freiheit nie umsonst erlangt werden kann.

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�Es darf keinen Zweifel daran geben: Die Geschichte
wird die Ereignisse in Berlin nicht vergessen - Ereignisse, die zeigen, daß der Geist der Freiheit die
mächtigsten Mauern der Unterdrückung niederreißen
kann. Heute erinnert uns dieser Geist daran, daß
Amerika in der Welt und in Europa engagiert bleiben
muß. Dieser Geist lebt fort, inspiriert und nährt das
transatlantische Bündnis und verstärkt unsere Bemühungen, den Europäern bei der Gestaltung ihrer
Zukunft zu helfen. Er ist lebendig, wenn wir neue
Brücken bauen und Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik die Hand der Freundschaft und NATOMitgliedschaft reichen. Er ist lebendig in der Partnerschaft für den Frieden und in unseren Bestrebungen
zur Schaffung einer Grundlage der Zusammenarbeit
mit den im Übergang befindlichen Ländern wie Rußland und die Ukraine. Und er ist lebendig, wenn wir an
Orten wie Bosnien gegen den Haß angehen. Tatsächlich hilft uns der Geist von Berlin - der Geist der
Freiheit - alte Trennlinien zu überwinden, um unseren
europäischen Freunden beim Aufbau eines neuen
Europas für ein neues Jahrhundert zu helfen.
Letzten Monat hatte ich die Ehre, an der Eröffnung
des AlliiertenMuseums teilzunehmen. Das Alliierten-

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Museum beheimatet jetzt eines der bekanntesten
Symbole des Kalten Krieges, das Wachhaus Checkpoint Charlie. Der Checkpoint Charlie ist eines der
Symbole, das einen besonderen Platz in den Herzen
der Amerikaner und aller Verbündeten hat. Er war der
Übergang zur Freiheit und ein schwacher aber
trotziger Stützpunkt gegen die Tyrannei.
Der Checkpoint Charlie ist jetzt in diesem Museum in
Berlin zu sehen - seine Arbeit als Wachhaus ist getan.
Jetzt wollen wir uns dem Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem wir keine Checkpoint Charlies
benötigen. Wir wollen uns dem Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem es keine Notwendigkeit für
Betonmauern und Stacheldraht gibt, um Menschen im
Land und die Ideen herauszuhalten. Wir wollen uns
dem Aufbau eines Europas verpflichten, das selbst der
Weg zu Offenheit und Freiheit für die ganze Menschheit ist. Wir Amerikaner wollen uns erneut dazu
verpflichten, aktive Partner in Europa zu sein. Wir
wollen den Mut derjenigen als Symbol dieses Engagements nehmen, die Piloten der Luftbrücke waren. Und
wir wollen Berlin immer als herausragendes Symbol
dieser Freiheit ansehen, die wir hochhalten und immer
verteidigen müssen. Vielen Dank.

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�WIRTSCHAFT
12. August 1998

Die globale Wirtschaftslage und ihre
Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers vor der National Governors Association in Milwaukee, Wisconsin, vom 4. August 1998.

Ich möchte den Großteil meiner heutigen Ausführungen auf die Erörterung der globalen Wirtschaftslage,
der Reaktion der Vereinigten Staaten darauf und der
unerläßlichen Rolle des IWF bei dieser Reaktion
verwenden. Ich werde mit einigen Worten zu den
Gegebenheiten hier in Amerika beginnen.
Die amerikanische Volkswirtschaft ist heute die
stärkste seit einer Generation: 16 Millionen neue
Arbeitsplätze in den vergangenen fünfeinhalb Jahren,
stabile Preise, Reallöhne, die schneller als in den
letzten 25 Jahren steigen, und ein nicht mehr existierendes Haushaltsdefizit. Beim Amtsantritt der ersten
Clinton-Administration wurde für 1998 ein Defizit von
357 Milliarden Dollar prognostiziert. Wie Sie wissen,
erwarten wir heute einen beträchtlichen Haushaltsüberschuß.
Diese Erfolge stellten sich ein, weil unsere Maßnahmen klug waren und - im tieferen Sinne - weil
Amerika hervorragend in der Lage ist, die von Daniel
Yergin beschriebenen Vorteile zu nutzen.
Aufstrebende Märkte ebnen den Weg für die erste
wirklich globale Wirtschaft der Welt. Länder mit drei
Milliarden Einwohnern haben sich dem Markt angeschlossen, und die Bevölkerung erlebte eine
Verdoppelung, manchmal eine Verdreifachung der
Einkommen in einer einzigen Generation. Und wenn
Sie an die aufstrebenden Märkte denken - an Lateinamerika, Zentral- und Osteuropa, an Asien - dann ist
Amerika mit all diesen Regionen auf einzigartige Weise
verbunden und in der einzigartigen Lage, von ihnen zu
profitieren.

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Die Informationstechnologie und das moderne wettbewerbsfähige Finanzwesen katapultieren uns in ein
postindustrielles Zeitalter. Und wenn Sie darüber
nachdenken, was diese neue Wirtschaft bedeutet - sei
es AIG bei Versicherungen, McDonalds bei Schnellimbißketten, Waltmart im Einzelhandel, Microsoft bei der
Software, die Harvard University im Bildungsbereich dann sind die führenden Unternehmen amerikanisch.
Und dennoch "kennt die Geschichte weder Ruhepausen noch Stagnation", wie es ein kluger ehemaliger
US-Außenminister einmal formuliert hat. So stark
unsere Volkswirtschaft ist, so gut wir für den Wettbewerb gerüstet sind - unsere Fähigkeit, diesen Erfolg
in einer noch enger verflochtenen Welt fortzusetzen,
wird in hohem Maße von den Ereignissen jenseits
unserer Küsten abhängen. Und wenn man sich auf
der Welt umblickt, dann gibt es heute enormen Grund
zur Sorge.
I. Eine entscheidende Zeit für die globale Wirtschaft
Was als asiatische Finanzkrise bezeichnet wird, hat
heute nicht nur in diesen Ländern, sondern weltweit
äußerst beträchtliche Auswirkungen.
Die Volkswirtschaften von Thailand, Indonesien, Korea
und Malaysia werden voraussichtlich alle in diesem
Jahr beträchtlich schrumpfen - im Falle Indonesiens
um über 12 Prozent - wobei Arbeitslosigkeit und
Inflation in ungeahnte Höhen schnellen.
Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt,
befindet sich seit sieben Jahren in einer Rezession
und sieht sich mit einer Bankenkrise konfrontiert, die

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�um ein Vielfaches größer ist als unsere Krise der Sparund Darlehenskassen Anfang der achtziger Jahre.
In Südafrika, wohin die Vereinigten Staaten mehr
exportieren als in alle Staaten der ehemaligen Sowjetunion, erlebten wir in den vergangenen drei Monaten
eine Abwertung des Rand um über 20 Prozent.
Und in Rußland werden die andauernden Strukturprobleme durch die Auswirkungen der Asienkrise
verschärft und werfen ernsthafte Fragen bezüglich der
Zukunft auf. Rußlands Probleme wiederum haben das
Potential, die Probleme Zentraleuropas - und der Welt
- zu werden.
Täuschen Sie sich nicht. Die Eindämmung dieser
Probleme ist von entscheidender Bedeutung für die
Zukunft Amerikas. Es geht um die Sicherung amerikanischer Arbeitsplätze, amerikanischer Spareinlagen
und der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein Drittel unseres Wachstums in dieser Expansionsphase ist auf den Handel zurückzuführen, und er ist
der Hauptmotor für hoch bezahlte Arbeitsplätze. Mehr
als 30 Prozent dieser Exporte - und 40 Prozent
unserer Agrarexporte - gehen nach Asien. Die Exporte
in die krisengeschüttelten Volkswirtschaften sind Jahr
um Jahr bereits um nahezu ein Drittel zurückgegangen. Private Prognosen legen nahe, daß die Krise
dem Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten in
diesem Jahr einen halben, wenn nicht sogar einen
Prozentpunkt des Bruttoinlandsprodukts hinzufügen
könnte.
Erwägen Sie die Auswirkungen einer andauernden
Krise auf Kalifornien, von wo ungefähr die Hälfte der
Exporte des vergangenen Jahres nach Asien ging.
Oder Colorado, wo die Exporte nach Thailand allein
zwischen 1993 und 1996 um nahezu das Vierfache
zunahmen.
Die amerikanischen Märkte waren in den vergangenen
Jahren bemerkenswert stark - auch während des
letzten Jahres - und die amerikanischen Spareinlagen
hängen immer mehr von unseren Märkten ab. Die
Geschichte lehrt uns jedoch, daß die Leistung unserer
Märkte immer enger mit der Leistung der globalen
Märkte verbunden ist, weil die Rentabilität unserer
Unternehmen zunehmend von diesen Märkten abhängt, und weil immer mehr Kapital über internationale
Grenzen fließt.
Der Kalte Krieg ist vorüber, aber die Welt ist immer
noch ein gefährlicher Ort. In zu vieler Hinsicht - in
Bezug auf die nationalistischen Kräfte, wirtschaftliche
Frustration, schwelende ethnische Konflikte, den
Mangel an Nationen verbindenden Institutionen ähnelt Asien Europa an bestimmten Punkten Anfang
dieses Jahrhunderts. In diesem Licht gesehen, ist eine

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das Ausbrechen der Krise verhindernde starke
Reaktion die Vorneverteidigung der Hauptinteressen
Amerikas.
Ich bin überzeugt, daß wenige Themen, mit denen wir
uns befassen, so wichtig für den Beginn des 21.
Jahrhunderts sind, wie unsere Bewältigung dieser
Krisen. Unser Ziel ist klar: Stabilität und Wachstum in
Asien und Rußland wiederherzustellen und die
Ausbreitung der Krise auf andere Märkte zu verhindern. Ich möchte kurz ausführen, was das bedeutet.
II. Eine effektive Reaktion
Unsere Reaktion bei der Bewältigung dieser Lage
gründet auf drei Prinzipien.
Erstens ist eine starke innenpolitische Antwort die
absolute Voraussetzung für die Wiederherstellung von
Stabilität, weil jede finanzielle Unterstützung für eine
Volkswirtschaft direkt versickert, wenn unsere Maßnahmen unsolide und unsere Regierungen nicht
glaubwürdig sind. Das bedeutet eine solide Geld- und
Fiskalpolitik; das bedeutet Maßnahmen zur Stärkung
des Finanzsystems und es bedeutet Strukturreformen,
um die Wirtschaft zu öffnen, die Transparenz zu
erhöhen und die Marktkräfte agieren zu lassen.
Zweitens enthalten souveräne Finanzkrisen in vieler
Hinsicht Elemente einer Prophezeiung - einen Sturm
auf die Banken, jeder erwartet ein Scheitern, oder
jeder erwartet von allen anderen, daß sie ein Scheitern
erwarten, das zu einem Run führt, sich als Erster
abzusetzen, und so das Scheitern verursacht. Temporäre konditionierte internationale finanzielle Unterstützung bietet den Ländern eine Brücke, um diese
Prophezeiung zu umgehen.
Drittens muß es starke Maßnahmen zur Unterstützung
des Wachstums in den führenden Volkswirtschaften
der Region geben, weil kein Land in einem Umfeld
regionaler Deflation und sinkender Nachfrage sicher
aus einer Krise hervorgeht.
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin das
Ihre für die Bewahrung einer soliden
Wirtschafts- und Finanzpolitik tun, die die
Grundlage für das nachhaltige Wirtschaftswachstum bildet, das wir heute erleben.
Die Chinesen haben erkannt, daß ihr andauerndes Engagement zur Bewältigung der
Probleme ihres Finanzsektors und die Aufrechterhaltung einer stabilen Währung entscheidend für die Stabilität Asiens sein werden.
Japan, die größte asiatische Volkswirtschaft, spielt
eine noch entscheidendere Rolle. Die neue Regierung
hat die Bedeutung steuerlicher Maßnahmen zur

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�Ankurbelung der Inlandsnachfrage erneut bekräftigt
und geht entschlossen die Probleme im Finanzsektor
an. Aber nicht nur das Vertrauen hat abgenommen,
sondern auch der Spielraum für weiteren Aufschub.
Die Krise setzt sich weiter fort und beinhaltet sehr
große Herausforderungen. Es steht außer Frage, daß
die am stärksten betroffenen Länder enorme wirtschaftliche Härten spüren. Das ist angesichts des
massiven Abzugs von Privatkapital unvermeidlich. Es
ist jedoch ermutigend, daß es in den Ländern, die als
Erste betroffen waren und die entschiedensten
Maßnahmen ergriffen haben, Anzeichen für eine
Eindämmung gibt:
In Korea und Thailand ist der Run auf die Währung
beendet, und die Produktion zeigt Anzeichen für eine
Stabilisierung. Der Wert des koreanischen Won ist seit
Januar um mehr als 35 Prozent gestiegen, wodurch
sein Verfall zu nahezu vier Fünfteln wieder rückgängig
gemacht wird, und das Importvolumen ist in den letzten
Monaten tatsächlich angestiegen.
In Lateinamerika half eine schnelle Antwort auf den
Druck des Marktes in Brasilien bei der Wahrung der
Stabilität in einer Region, die vor nicht allzu langer Zeit
als höchst gefährdet angesehen wurde.
Der Fall Mexiko ist aufschlußreich. Anfang 1995
steckte Mexiko in der Krise und war nur wenige Tage
von der Zahlungsunfähigkeit entfernt. In jenem Jahr
schrumpfte die Wirtschaft um sechs Prozent. Aber
durch entschiedene Maßnahmen und gebundene Hilfe
der Vereinigten Staaten und des IWF wuchs sie im
darauf folgenden Jahr um über fünf Prozent und hat
diese Wachstumsrate seitdem beibehalten.
Die
Arbeitslosigkeit ist gesunken, Investitionen und
Reallöhne steigen.
Die Umsetzung der von mir angesprochenen Grundsätze beinhaltet zweifellos Fragen des Gleichgewichts.
Nationale Souveränität sollte respektiert, der nationalen Politik Rechnung getragen werden, und
Hilfsleistungen dürfen keine gegen die Helfenden
gerichteten heftigen Reaktionen hervorrufen. Diese
Kriterien müssen gegen glaubwürdige Maßnahmen
abgewogen werden, um die Krise einzudämmen, die
Gefahr zukünftiger Krisen zu verringern und das
Vertrauen zu erhöhen. In Asien bilden die im Zusammenhang mit der kapitalistischen Vetternwirtschaft
stehenden Probleme den Kern der Krise, und aus
diesem Grund müssen Strukturreformen den Großteil
der vom IWF angebotenen Lösung darstellen.
Wirtschaftswachstum - nicht Sparmaßnahmen - ist das
Hauptziel der Förderprogramme, aber die Wiederherstellung des Vertrauens in die Märkte ist für die
Wiederankurbelung
des
Wirtschaftswachstums
unerläßlich, wobei die Erzielung eines Gleichgewichts

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insbesondere dann schwierig ist, wenn die Banken in
Konkurs gehen und die Währungen verfallen. Es sollte
hervorgehoben werden, daß die Zinssätze in Korea
und Thailand fast wieder das Niveau von vor der Krise
erreicht haben und in realen Zahlen sogar weit unter
dem Niveau vor der Krise liegen. Und in Thailand hat
sich die Regierung entschlossen, die im IWF-Programm vorgesehene Ausweitung der Finanzleistungen
nicht voll auszunutzen.
Es muß ein Gleichgewicht zwischen dem Gebot der
Wahrung des Vertrauens und der Vermeidung eines
Ausstiegs von Investoren gefunden werden, die es
besser wissen sollten. Finanzminister Rubin hat oft
gesagt, er würde keinen Pfennig geben, um irgendeinen Gläubiger oder Investor zu unterstützen, aber
das Gebot der Schaffung von Vertrauen und der
Vermeidung von Katastrophen kann unter gewissen
Umständen zu Maßnahmen zwingen, die für einige
Gläubiger von Vorteil sind. Allerdings haben Investoren in Asien mit Ausnahme von Japan manchen
Schätzungen zufolge eine Dreiviertelbillion Dollar
verloren, teilweise infolge der von Korea und Indonesien sowie dem IWF eingeführten Programme für den
Abbau der Schulden des Privatsektors.
Ein letztes Gebiet, auf dem ein Gleichgewicht erzielt
werden muß, ist die Gewährung von gebundener Hilfe.
In jedem Krisenland liegt es im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft, das Vertrauen in die
Märkte zu stärken, während die nationalen Politiker
bestrebt sind, zügig aber klug vorzugehen. Dies ist ein
Grund, warum der IWF auf Veranlassung der Vereinigten Staaten begonnen hat, außerplanmäßige
Kredite mit Strafzinsen zu belegen.
III. Der weitere Weg
Die Vereinigten Staaten haben ein außerordentliches
Interesse an der weltweiten Eindämmung von Finanzproblemen. Am wichtigsten auf dem weiteren Weg
werden die von anderen Ländern, insbesondere Japan
und Rußland, unternommenen Schritte sein.
Die von Japan ergriffenen Maßnahmen zur Lösung
seiner Probleme und Ankurbelung seiner Wirtschaft
sind für die Zukunft der Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung.
Der Erfolg der russischen Regierung bei der Durchsetzung ihres Reformprogramms ist in wirtschaftlicher und
politischer Hinsicht von größter Bedeutung.
Und als weltweit größte und stärkste Volkswirtschaft
spielen wir ebenfalls eine entscheidende Rolle. Am
wichtigsten ist, unsere Wirtschaft stark zu halten,
weiterhin eine Vorbildfunktion zu erfüllen und andere
zu den notwendigen politischen Schritten zu ermutigen.

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�Ebenfalls von Bedeutung ist es, dem IWF die erforderliche Unterstützung zu geben. Der IWF ist
bislang bei der Eindämmung der asiatischen Finanzkrise von entscheidender Bedeutung für uns gewesen.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Ohne den IWF
gäbe es keine effektive internationale Antwort auf die
Ereignisse in Asien, und wir wären zweifelsohne mit
einer weitaus ernsteren und für die amerikanischen
Interessen viel schädlicheren Situation konfrontiert als
es heute tatsächlich der Fall ist. Es hätte keine
gebundenen Reformen gegeben; es hätte Abwertungen größeren Ausmaßes und eine stärkere Verringerung der Fähigkeit dieser Länder gegeben, unsere
Waren zu kaufen. Und ich bin zuversichtlich, daß auf
die Vereinigten Staaten - bei Ereignissen wie diesem jetzt viel mehr Druck ausgeübt würde, mit Steuergeldern unilateral zu reagieren.
Die Krisen haben vom IWF ihren finanziellen Tribut
gefordert, und derzeit hat der IWF weniger als 10
Milliarden Dollar zur Verfügung, die er klug als Reaktion auf eine Intensivierung der derzeitigen Krise
einsetzen könnte. Darüber hinaus könnte der Mangel
an Ressourcen möglicherweise beim Auftreten
weiterer Probleme den Aktionsradius beschränken,
und durch die Verringerung des Vertrauens könnten
die mangelnden Mittel die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Probleme erhöhen. Die Zuweisung neuer Ressourcen an den IWF muß noch von den Vereinigten
Staaten genehmigt werden.
Die Erfüllung unserer Verpflichtungen kostet den
amerikanischen Steuerzahler keinen Pfennig. Die
Zuweisung von Mitteln für den IWF wird im Haushalt
mit keinerlei Nettokosten verbucht, weil der IWF wie
eine internationale Kreditgenossenschaft agiert. Wir
und andere Länder stellen eine Kreditlinie zur Verfügung, und wenn der IWF unsere Mittel in Anspruch
nimmt, erhalten wir im Gegenzug eine liquide, verzinste Forderung an den IWF.
Daß der IWF unerläßlich ist, heißt nicht, daß wir mit der
Institution in ihrer jetzigen Form zufrieden sein müssen. Der IWF muß transparenter und der Öffentlichkeit
stärker verantwortlich sein, mehr externe Beurteilung

* *

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zulassen und daran arbeiten, den Märkten mehr
Informationen zur Verfügung zu stellen. Unter dem
Druck der Vereinigten Staaten hat der IWF auf diesen
Gebieten einige Fortschritte gemacht, ist aber noch
nicht am Ziel. Für mich ist klar, daß der weitere Weg
für die Vereinigten Staaten darin besteht," auch in
Zukunft Einfluß auf den Ansatz des IWF zur weltweiten
Wirtschaftspolitik zu nehmen.
Vielleicht liegt der weitere Weg aber auch darin, auf die
Zeit zurückzublicken, in der es wie in den dreißiger
Jahren keine wirksame internationale Reaktion auf
Finanzkrisen gab. Das Ergebnis waren konkurrierende Abwertungen, Deflation, Schrumpfung und weitverbreitete Wirtschaftskrisen, die allesamt die Weichen für
den in der Menschheitsgeschichte größten Konflikt
stellten.
Mein Nachredner heute morgen schrieb eloquent, die
Geschichte der amerikanischen Diplomatie schwanke
"zwischen Isolation und Engagement". In den zwanziger und frühen dreißiger Jahren neigten wir in eine
Richtung - mit verheerenden Konsequenzen für
Amerika und die übrige Welt. Unter der Führung von
Franklin D. Roosevelt und unseren führenden Politikern nach dem Krieg schwangen wir entschieden - und
triumphierend - in die andere Richtung um.
Angesichts der Tatsache, daß wir unsere Außenstände
bei den Vereinten Nationen nicht begleichen und
wahrscheinlich unseren Sitz in der Generalversammlung verlieren, angesichts der Tatsache, daß wir keine
angemessene Finanzierung des IWF gewährleisten
können, kann die Schlußfolgerung nur lauten, daß wir
gegen ein anderes Ausschwingen des Pendels in
Richtung gefährlicher Isolation ankämpfen. Jetzt
stehen Amerikas Erfolg und wirtschaftliche Stärke in
Frage. Sehr stark in Frage steht heute auch unsere
Fähigkeit, diesen Erfolg gut zu investieren. Einfach
ausgedrückt: In einer solchen Zeit nicht in einen
effektiven IWF zu investieren, würde der Annullierung
der Lebensversicherung gleichkommen, nachdem man
gerade krank geworden ist. Wir sollten dieses Risiko
einfach nicht eingehen. Und mit Ihrer Hilfe werden wir
gar kein Risiko eingehen. Ich danke Ihnen.

* *

*

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�ELEKTRONISCHER

HANDEL
12. August 1998

USA streben weltweites Internet
ohne Handelshemmnisse an
Rede von Wirtschaftsminister Daley

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Anhörung von US-Wirtschaftsminister William Daley
vor dem Wirtschaftsausschuß des Repräsentantenhauses vom 29. Juli 1998.

Herr Vorsitzender, zuerst möchte ich Sie und die
Ausschußmitglieder zu dem besonderen Nachdruck
beglückwünschen, den Sie auf dieses neue Informationszeitalter und die Rolle des Internet legen.
Anfang dieses Monats, als ich Präsident Clinton nach
China begleitete, besuchte ich Studenten in einem
Internet-Cafe. Ich sah, wie Ärzte das Internet zur
Beantwortung medizinischer Fragen nutzten. Man
sagte mir, daß derzeit eine Million Chinesen online
sind. In Amerika sind es 100 Millionen Menschen.
Irgendwann im ersten Jahrzehnt des nächsten Jahrhunderts werden eine Milliarde Menschen weltweit
Internet-Zugang haben.
Ich sehe sie als eine Milliarde Kunden für in den
Vereinigten Staaten hergestellte Produkte.
Das Wichtigste an dieser Technologie ist meines
Erachtens, daß ein kleines Geschäft jetzt seine
Produkte weltweit absetzen kann - ebenso wie eine zu
den 100 größten Unternehmen zählende Firma mit
einem riesigen Verteilersystem das heute kann. Diese
Welt unterscheidet sich enorm von der, die ich bei
Beginn meiner Tätigkeit vorfand.
Heute möchte ich zunächst erörtern, wie wir im
Wirtschaftsministerium uns dafür einsetzen, daß jedes
amerikanische Unternehmen mit dem Bestandteil
".com" (für commercial organizations = kommerzielle
Anbieter, z.B. Firmen) in seiner Internet-Adresse
exportieren kann. Zweitens werde ich darlegen, wie
wir daran arbeiten sicherzustellen, daß unsere Handelspartner keine Hindernisse aufbauen, die den
Handel im Internet blockieren. Drittens werde ich über
mein Engagement sprechen, unser Ministerium zu

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einem Modell für E-Commerce (elektronischen Handel)
zu machen - zum E-Commerce-Ministerium des 21.
Jahrhunderts.
Kleine und mittelständische Unternehmen benötigen
vor allem Marktzugangsinformationen. Ich kann Ihnen
berichten, daß die Unternehmen diese Informationen
suchen und wir sie mit Blitzgeschwindigkeit zur
Verfügung stellen.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurde
unsere Webseite, die solche Informationen bereitstellt,
wöchentlich von fast einer Million Menschen besucht.
Sie können nach 250 Handelsabkommen suchen. Sie
können Informationen über 100 Länder abrufen.
Ab dem kommenden Herbst werden wir im ganzen
Land Seminare für potentielle Internet-Exporteure über
die Vermarktung von Produkten im Internet veranstalten. Bald werden wir kleinen Unternehmen, die
an Exportsteigerungen interessiert sind, Handelstips
und internationale Beschaffungsmöglichkeiten elektronisch übermitteln. Wir werden ein Experiment mit 100
ländlichen Unternehmen beginnen, denen wir Hinweise geben, sobald diese von unseren Dienststellen
in Übersee zur Verfügung gestellt werden.
Und wir entwickeln eine virtuelle Handelsmesse, auf
der verkaufsfertige amerikanische Produkte rund um
die Uhr elektronisch angeboten werden.
Wenn ich eine Handelsmission leite, stehen unsere
Produkte einige Tage lang im Rampenlicht. Aber im
Internet sind die Geschäfte immer offen.

Seite 1

�Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben einen Pavillon
bei derCyberExpo in China. Die Produktkataloge und
Dienstleistungen unserer Unternehmen werden
tagtäglich rund um die Uhr ausgestellt. Zehntausend
Chinesen besuchen den Pavillon jeden Tag. Es
besteht also ein eindeutiges Interesse von Seiten
amerikanischer Unternehmen, ihre Produkte abzusetzen, und von Seiten der Verbraucher im Ausland,
sie zu kaufen.
Zweitens wenden wir viel Zeit damit auf sicherzustellen, daß unsere Handelspartner keine Hemmnisse
errichten, die den Handel im Internet blockieren
würden. In diesem Jahrhundert gab es nicht immer
umfassenden und fairen Marktzugang. Aber das
Internet bietet die Chance für einen Neuanfang. Ich
hoffe, daß die Menschen im nächsten Jahrhundert im
Internet Waren ebenso ungehindert wie Ideen austauschen können.
Unter der Führung von Präsident Clinton und Vizepräsident Gore haben die Vereinigten Staaten als erstes
Land eine umfassende Politik für E-Commerce
entwickelt. Mehr als ein Dutzend Länder sind unserem
Beispiel gefolgt. Viele internationale Handelsorganisationen haben elektronischen Handel ebenfalls zu
einem zentralen Thema gemacht.
Ich kann heute über einige positive Ergebnisse
berichten.
Alle 132 Mitglieder der Welthandelsorganisation
stimmten zu, derzeit keine Zölle auf elektronische
Übermittlungen zu erheben.
Die OECD führt Analysen durch, um bei der Bildung
eines Konsenses über die Rolle von E-Commerce
behilflich zu sein.
Im Rahmen der Verhandlungen über die Schaffung
einer Freihandelszone für den gesamtamerikanischen
Kontinent wurden vom Forum für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) und unseren
Nachbarn in dieser Hemisphäre Ausschüsse für die
Förderung von elektronischem Handel ins Leben
gerufen.
Im vergangenen Jahr stimmten 43 Staaten, die 95
Prozent des Welthandels im Informationstechnologiebereich repräsentieren, einer Abschaffung der Zölle für
eine Reihe von Produkten bis zum Jahr 2000 zu.
Diese beinhalten Halbleiter, Platinen und Netzwerkausrüstung. Derzeit handeln wir ein Folgeabkommen,
das sogenannte ITA-II aus, um zusätzliche Produkte
abzudecken.
Unter der Schirmherrschaft der Weltorganisation für
geistiges Eigentum (WIPO) haben wir zwei Verträge
für den Schutz von urheberrechtlich geschützten
Arbeiten, musikalischen Darbietungen und Tonauf-

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Zeichnungen ausgehandelt. Ich wußte die prompten
Beratungen dieses Ausschusses über die Gesetze zu
ihrer Durchführung zu schätzen. Ich hoffe, daß das
Gesetz während dieser Sitzung von allen verabschiedet wird.
Wir sind auch mit mehreren anderen Aktivitäten befaßt.
Bezüglich der Standards sind wir jetzt meines Wissens
die einzige Regierung, die per Gesetz verpflichtet ist,
dem Privatsektor die Entwicklung technischer Standards für das Internet zu überlassen. Viele Regierungen schreiben Standards selbst zwingend vor, was
meiner Ansicht nach falsch ist und veraltete Technologie zur Folge hat. Und ich bin mir voll und ganz
bewußt, daß andere Länder Standards als de facto
Handelshemmnisse verwenden können, um andere
Unternehmen auszuschließen. Deshalb arbeiten wir
darauf hin, das zu verhindern.
Während wir an der Erweiterung des Schutzes der
Privatsphäre in den Vereinigten Staaten arbeiten,
versuchen wir, bei diesem Thema potentielle Probleme
mit der Europäischen Union abzuwenden. Sie verfolgt
einen völlig anderen Ansatz als wir. Ihre Direktive zum
Schutz der Privatsphäre tritt im Oktober in Kraft und
könnte Millionen von Transaktionen zwischen uns und
ihr verhindern, wenn die EU das Gefühl hat, daß wir
nicht den angemessenen Schutz der Privatsphäre
bieten. Offensichtlich führen wir intensive Diskussionen, um solche Probleme zu vermeiden.
Der dritte und letzte Bereich ist meine Verpflichtung,
unser Ministerium zu einem Modell für elektronischen
Handel zu machen.
Ich glaube, daß wir als Vertreter von Unternehmen das
tun sollten, was Unternehmen tun. Das bedeutet den
aggressiven Einsatz des Internet, um das Wirtschaftsministerium zu einem freundlicheren Ministerium für
die Amerikaner zu machen.
Vor kurzem haben wir einen Leiter der Informationsabteilung aus dem Privatsektor eingestellt, der unsere
Initiativen zu elektronischem Handel leiten soll. Roger
Baker kommt von VISA zu uns, wo er ein großes
online-Banksystem eingerichtet hat. Wir möchten, daß
er im Wirtschaftsministerium etwas Ähnliches macht.
Ich möchte einige Beispiele dessen anführen, was wir
für die Verbraucher tun. Wir haben begonnen, über
das Internet Anträge für Warenzeichen anzunehmen
und werden bald Anträge für Exportlizenzen annehmen.
Ab nächsten Monat können die Amerikaner zwischen
über 370.000 technischen Publikationen auswählen
und dafür bezahlen, die während der vergangenen
zehn Jahre herausgegeben wurden. Bis Ende dieses
Jahres wird der vollständige Text aller Patente seit

AMERIKA DIENST 16

�dem Jahr 1976 online zur Verfügung stehen und
gesucht werden können.
Wir beginnen, Informationen über Marktchancen
elektronisch an Unternehmen mit Minderheitsbeteiligung zu verschicken. Unsere Census-Webseite wird
durchschnittlich eine halbe Million Mal täglich besucht.
Und ich bin stolz, bekanntgeben zu dürfen, daß Sie
jetzt alle Anhörungen unseres Ministeriums vor dem

*

AMERIKA DIENST 16

Kongreß auf unserer Homepage finden können.
Offensichtlich wird das bei unserer Kommunikation mit
Ihnen, Ihren Mitarbeitern und den Zuschauern von CSpan behilflich sein.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, vor dem Ausschuß eine Rede zu halten. Ich bitte,
daß die lange Version meiner Anhörung in das Protokoll aufgenommen wird und beantworte jetzt gerne Ihre
Fragen.

* * *

*

Seite 3

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