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ST;

cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

14

15. Juli 1998

USA-CHINA

PERSONLICHE FREIHEIT IST MANDAT
DES NEUEN JAHRTAUSENDS
Rede von Präsident Clinton
vor der Pekinger Universität

4. JULI

AMERIKA VOR EINEM NEUEN JAHRHUNDERT
GRENZENLOSER CHANCEN
Proklamation des Präsidenten

TECHNOLOGIE

DAS JAHR 2000-PROBLEM
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

ELEKTRONISCHER HANDEL

INTERNET IST "STARKER
WACHSTUMSMOTOR"
Rede von Ira Magaziner

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-CHINA

15. Juli 1998

Persönliche Freiheit ist Mandat des neuen Jahrtausends
Rede von Präsident Clinton vor der Pekinger Universität

PEKING - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Präsident Clinton im Rahmen seiner
Chinareise am 29. Juni 1998 vor Studenten der Universität Peking gehalten hat.

Ich bin heute hierhergekommen, um zu Ihnen, der
nächsten Generation chinesischer Führungspersönlichkeiten, über die entscheidende Bedeutung einer
starken Partnerschaft zwischen China und den
Vereinigten Staaten für Ihre Zukunft zu sprechen.
Das amerikanische Volk bewundert China wegen
seines jahrtausendelangen Beitrags zu Kultur und
Religion, Philosophie und Kunst, Wissenschaft und
Technologie. Wir erinnern uns gut an unsere enge
Partnerschaft im Zweiten Weltkrieg. Jetzt sehen wir
China in einem Moment der Geschichte, in dem Ihre
ruhmreiche Vergangenheit ihre Entsprechung in Ihren
gegenwärtig stattfindenden tiefgreifenden Umwälzungen und den noch größeren Versprechungen Ihrer
Zukunft findet.
Vor nur drei Jahrzehnten war China praktisch von der
Welt abgeschottet. Jetzt gehört Ihr Land mehr als
1.000 internationalen Organisationen an - die sich mit
Themen von der Luftfahrt bis zu landwirtschaftlicher
Entwicklung befassen. Sie haben Ihre Nation für
Handel und Investitionen im großen Stil geöffnet.
Heute studieren 40.000 junge Chinesen in den Vereinigten Staaten und Hunderttausende in Asien, Afrika,
Europa und Lateinamerika.
Ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Umgestaltung
war noch bemerkenswerter: Von einer geschlossenen
Kommandowirtschaft zu einer pulsierenden, zunehmend marktorientierten Wirtschaft, die zu zwei Jahrzehnten einzigartigem Wachstum führte und den
Menschen mehr Reisefreiheit inner- und außerhalb
Chinas, das Wahlrecht bei Kommunalwahlen, das
Recht auf Hausbesitz, Wahl des Arbeitsplatzes und
den Besuch einer besseren Schule gibt. Infolgedessen haben Sie buchstäblich Millionen Menschen von

AMERIKA DIENST 14

der Armut befreit. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich
im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Die meisten Chinesen führen ein Leben, das sie sich vor nur 20 Jahren
nicht hätten vorstellen können.
Natürlich haben diese Veränderungen den geordneten
Lebens- und Arbeitsrhythmus gestört und Ihre Umwelt
enorm belastet. Früher wurde jedem in der Stadt
lebenden Chinesen ein Arbeitsplatz in einem staatlichen Unternehmen garantiert. Jetzt müssen Sie sich
auf dem Arbeitsmarkt dem Wettbewerb stellen. Früher
mußte ein chinesischer Arbeitnehmer nur die Forderungen der zentralen Planer in Peking erfüllen. Jetzt
bringt es die globale Wirtschaft mit sich, daß alle es im
Hinblick auf Qualität und Kreativität mit der übrigen
Welt aufnehmen müssen. Für diejenigen, die nicht
über die richtige Ausbildung, Qualifikation und Unterstützung verfügen, kann diese neue Welt furchterregend sein.
Kurzfristig werden zumindest einige rechtschaffene,
hart arbeitende Menschen arbeitslos sein. Und wie Sie
alle sehen können, haben die Entwicklung und der
Energieverbrauch der vergangenen 20 Jahre enorme
Kosten für Umwelt, Wirtschaft und Gesundheitswesen
mit sich gebracht - von der Luftverschmutzung über die
Entwaldung und den sauren Regen bis zur Wasserknappheit.
Angesichts dieser Herausforderungen müssen neue
Ausbildungs- und Sozialversicherungssysteme entwickelt und neue umweltpolitische Maßnahmen und
Technologien mit dem Ziel eingeführt werden, Ihre
Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig die Umwelt zu
verbessern. Alles, was ich über die Intelligenz, die
Erfindungsgabe und den Unternehmungsgeist des
chinesischen Volkes weiß und alles, was ich während

Seite 1

�dieser Tage in meinen Gesprächen mit Präsident
Jiang, Ministerpräsident Zhu und anderen erfahren
habe, erfüllt mich mit Zuversicht, daß Sie Erfolg haben
werden.
Während Sie ein neues China aufbauen, möchten die
Vereinigten Staaten neue Beziehungen zu Ihnen
aufbauen. Wir möchten, daß China ein erfolgreiches,
sicheres und offenes Land ist, das sich zusammen mit
uns für eine friedlichere und wohlhabendere Welt
einsetzt. Ich weiß, daß manche in China und den
Vereinigten Staaten bezweifeln, ob engere Beziehungen zwischen unseren Ländern von Vorteil sind. Aber
alles, was wir über die Art und Weise wissen, in der
sich die Welt verändert sowie über die Ihre Generation
konfrontierenden Herausforderungen sagt uns, daß
unsere beiden Nationen profitieren, wenn wir zusammenarbeiten anstatt getrennt vorzugehen.
Der verstorbene Deng Xiaoping riet uns, die Wahrheit
in den Fakten zu suchen. Am Vorabend eines neuen
Jahrhunderts sind die Fakten klar. Die Entfernung
zwischen unseren beiden Nationen, ja zwischen allen
Nationen, nimmt ab. Während früher ein amerikanischer Klipper Monate brauchte, um den Weg von
China nach Amerika zurückzulegen, macht die
Technologie uns heute alle zu Nachbarn. Von Laptops
zu Lasern, von Mikrochips zu Megabytes erleuchtet
eine Informationsrevolution das weite Feld menschlichen Wissens und bringt uns alle näher zusammen.
Ideen, Informationen und Geld überqueren den
Planeten durch einen einfachen Tastendruck auf dem
Computer und bieten außergewöhnliche Chancen
Wohlstand zu schaffen, Krankheiten zu verhüten und
zu besiegen und mehr Verständnis zwischen Völkern
mit unterschiedlicher Geschichte und unterschiedlichen Kulturen hervorzurufen.
Wir wissen aber auch, daß diese größere Offenheit
und der schnellere Wandel bedeuten, daß Probleme,
die außerhalb der Grenzen einer Nation ihren Ursprung haben, schnell auf die Nation übergreifen
können - die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Bedrohungen durch organisiertes Verbrechen und Drogenhandel, Umweltzerstörung und
schwere wirtschaftliche Erschütterungen.
Keine
Nation kann sich von diesen Problemen abschotten,
und keine Nation kann sie alleine lösen. Wir, insbesondere die jüngeren Generationen in China und
den Vereinigten Staaten, müssen aus unseren gemeinsamen Herausforderungen gemeinsame Sache
machen, damit wir gemeinsam ein neues Jahrhundert
herausragender Möglichkeiten gestalten können.
Im 21. Jahrhundert - Ihrem Jahrhundert - sehen sich
China und die Vereinigten Staaten der sicherheitspolitischen Herausforderung in Asien gegenüber. Auf
der koreanischen Halbinsel waren wir einst Gegner.
Heute setzen wir uns gemeinsam für dauerhaften

Seite 2

Frieden und eine Zukunft mit weniger Nuklearwaffen
ein.
Während sich die übrige Welt von der nuklearen
Gefahr entfernt, riskieren Indien und Pakistan auf dem
indischen Subkontinent einen neuen Rüstungswettlauf. Wir verfolgen jetzt eine gemeinsame Strategie,
Indien und Pakistan von weiteren Tests abzuhalten
und zu einem Dialog über die Beilegung ihrer Differenzen zu veranlassen.
Im 21. Jahrhundert muß sich Ihre Generation der
Herausforderung stellen, der Ausbreitung noch
todbringenderer nuklearer, chemischer und biologischer Waffen Einhalt zu gebieten. Wenn sie in die
falschen Hände oder an den falschen Ort geraten,
können diese Waffen den Frieden kleiner und großer
Nationen bedrohen.
China und die Vereinigten
Staaten sind sich in zunehmendem Maße über die
Bedeutung der Nichtverbreitung einig. Aus diesem
Grund fangen wir an, gemeinsam die gefährlichsten
Waffen der Welt zu kontrollieren.
Im 21. Jahrhundert muß Ihre Generation den internationalen Anstieg von Kriminalität und Drogen bremsen.
Weltweit beraubt das organisierte Verbrechen jedes
Jahr die Menschen um Milliarden Dollar und unterminiert das Vertrauen in die Regierung. Amerika weiß
von der Zerstörung und Verzweiflung, die Drogen in
Schulen und Gemeinden bewirken können. China,
das an mehr als ein Dutzend Länder grenzt, ist zu
einem Mittelpunkt für Schmuggler aller Art geworden.
Im vergangenen Jahr baten Präsident Jiang und ich
hochrangige chinesische und amerikanische Strafverfolgungsbeamte, unsere Kooperation bei der
Bekämpfung dieser Verbrecher zu verstärken, der
Geldwäsche Einhalt zu gebieten, den grausamen
Handel mit Ausländern zu stoppen und die Banknotenfälschung zu bekämpfen. Diesen Monat eröffnete
unsere Drogenbekämpfungsbehörde ein Büro in
Peking, und chinesische Suchtmittelbekämpfungsfachleute werden bald von Washington aus tätig
werden.
Im 21. Jahrhundert muß es sich Ihre Generation zur
Aufgabe machen sicherzustellen, daß die Fortschritte
von heute nicht auf Kosten von morgen erfolgen. Das
bemerkenswerte Wachstum Chinas während der
letzten beiden Jahrzehnte hat einen toxischen Preis
gehabt - Schadstoffe, die das Trinkwasser verschmutzen und die Luft verpesten. Der Preis war nicht nur
umweit-, sondern auch gesundheitspolitischer Natur:
Ernsthafte Konsequenzen für die Gesundheit Ihres
Volkes und eine Belastung für das Wirtschaftswachstum.
Umweltprobleme sind zunehmend globaler wie auch
nationaler Natur. In naher Zukunft wird China bei einer
Fortsetzung des gegenwärtigen Energieverbrauchs die

AMERIKA DIENST 14

�Vereinigten Staaten als Land mit dem weltweit größten
Ausstoß von Treibhausgasen überrunden - den
Gasen, die der Hauptgrund für die Erderwärmung sind.
Wenn die Nationen der Welt nicht den Ausstoß der
Gase verringern, die die Erderwärmung verursachen,
wird irgendwann im nächsten Jahrhundert die ernsthafte Gefahreines Klimawandels bestehen, der unsere
Lebens- und Arbeitsweise verändern, einige Inseln
buchstäblich unter Wassermassen begraben und das
wirtschaftliche und soziale Gefüge von Nationen
unterminieren wird.
Wir müssen zusammenarbeiten. Wir Amerikaner
wissen aus Erfahrung, daß Wirtschaftswachstum und
Umweltschutz parallel erfolgen können. Wir müssen
im eigenen und im Interesse der ganzen Welt gemeinsam handeln.

systems sowie von Wachstum und Wohlstand - die
diese gesamte Region erfassen sollten - abzuwehren.
Im 21. Jahrhundert wird Ihre Generation eine große
Chance haben, die Talente Ihrer Wissenschaftler,
Ärzte und Ingenieure beim gemeinsamen Streben
nach Fortschritt zusammenzubringen.
Die durch
unsere Zusammenarbeit bereits erzielten Fortschritte bei Herausforderungen wie der Behandlung von Spina
Bifida bis zur Bewältigung extremer Wetterbedingungen und Erdbeben - beweisen, was wir gemeinsam tun
können, um das Leben von Millionen Menschen in
China, den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt zu verändern. Die Erweiterung unserer Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie kann
eines unserer größten Geschenke für die Zukunft sein.

Auf der Grundlage der von Vizepräsident AI Gore mit
der chinesischen Regierung geleisteten Arbeit suchen
Präsident Jiang und ich nach Wegen, wie wir mit
sauberen amerikanischen Energietechnologien die
Qualität der Luft verbessern und gleichzeitig die
chinesische Wirtschaft ankurbeln können.

In jedem der von mir genannten lebenswichtigen
Bereiche können wir offensichtlich so viel mehr
erreichen, wenn wir zusammen, statt jeder für sich
vorgehen. Aus diesem Grund sollten wir darauf
hinarbeiten, daß sich die produktiven Beziehungen,
deren wir uns heute erfreuen, in dem neuen Jahrhundert zu einer umfassenderen Partnerschaft
entwickeln.

Ich möchte es noch einmal wiederholen - dies steht
nicht in meinem Manuskript: Ihre Generation muß auf
diesem Gebiet mehr tun. Dies ist eine enorme Herausforderung für Sie, das amerikanische Volk und die
Zukunft der Welt. Und sie muß auf universitärer Ebene
angesprochen werden, weil die führenden Politiker nie
gewillt sein werden, umweltpolitische Maßnahmen zu
ergreifen, wenn sie der Ansicht sind, daß sie zu
Massenarbeitslosigkeit oder mehr Armut führen
werden. Es ist offensichtlich, daß das nicht der Fall
sein muß. Sie werden tatsächlich ein größeres
Wirtschaftswachstum und besser bezahlte Arbeitsplätze haben, die bei richtigem Vorgehen zu einem
höheren Bildungs- und Technologieniveau führen.
Aber Sie und die Universität, die Gemeinden in China,
den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
müssen die Führung übernehmen.

Wenn das geschieht, dann ist es äußerst wichtig, daß
wir einander besser verstehen - sowohl unsere
gemeinsamen Interessen als auch unser gemeinsames Streben und unsere offenen Differenzen.
Meiner Ansicht nach kann ein offener, direkter Gedankenaustausch der Art, wie Präsident Jiang und ich ihn
bei unserer Pressekonferenz am Samstag hatten - von
der ich weiß, daß viele von Ihnen sie im Fernsehen
gesehen haben - unsere Meinungsverschiedenheiten
gleichermaßen klären und abbauen. Noch wichtiger
ist, wenn man den Menschen gestattet zu verstehen,
zu debattieren und zu diskutieren, dann können diese
Dinge unseren Völkern ein größeres Gefühl des
Vertrauens vermitteln, daß wir eine bessere Zukunft
gestalten können.

Im 21. Jahrhundert muß sich Ihre Generation auch der
Herausforderung eines internationalen Finanzsystems
stellen, das keine nationalen Grenzen respektiert.
Wenn in Hongkong oder Jakarta die Aktienkurse fallen,
sind die Auswirkungen nicht länger örtlich begrenzt sie sind global. Das pulsierende Wachstum Ihrer
Volkswirtschaft ist aus diesem Grund eng mit der
Wiederherstellung von Stabilität und Wachstum in der
asiatisch-pazifischen Region verbunden.
China hat seine Verantwortung gegenüber der Region
und der Welt während dieser letzten Finanzkrise
entschlossen übernommen - und zur Vermeidung
eines weiteren Zyklus gefährlicher Abwertungen
beigetragen.
Wir müssen weiterhin zusammenarbeiten, um diese Bedrohung des globalen Finanz-

AMERIKA DIENST 14

Von den Fenstern des Weißen Hauses - wo ich in
Washington wohne - aus gesehen, beherrscht das
Monument unseres ersten Präsidenten George
Washington die Skyline. Es ist ein sehr hoher Obelisk.
Aber in unmittelbarer Nähe dieses großen Monuments
gibt es einen kleinen Stein mit folgender Inschrift: In
den Vereinigten Staaten gibt es weder Adels- oder
Königstitel noch ein Erbsystem. Die Angelegenheiten
des Staates werden durch öffentliche Abstimmung
entschieden.
Dadurch wurde eine neue politische Situation geschaffen, die vom Altertum bis zur Gegenwart ihresgleichen
sucht. Wie schön das ist. Diese Worte wurden nicht
von einem Amerikaner geschrieben. Sie wurden von
Xu Jiyu, dem Gouverneur der Provinz Fujian verfaßt
und unserer Nation 1853 von der chinesischen
Regierung als Geschenk überreicht.

Seite 3

�Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk aus China.
Es beschreibt zutreffend unsere Ideale als ein Volk das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück, Redefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf Ausübung der Religion ohne
Einmischung des Staates. Das sind die Ideale, die im
Zentrum unserer Gründung vor über 220 Jahren
standen. Das sind die Ideale, die uns bei unserem
Weg quer über unseren Kontinent und auf die Weltbühne leiteten. Das sind die Ideale, die Amerikaner
heute hochhalten.
Wie ich in der Pressekonferenz mit Präsident Jiang
gesagt habe, streben wir weiterhin danach, diesen
Idealen gerecht zu werden. Die Menschen, die unsere
Verfassung schrieben, wußten, daß wir niemals
Perfektion erreichen würden.
Sie erklärten, die
Aufgabe Amerikas sei stets, "eine perfektere Union zu
werden" - mit anderen Worten, wir würden niemals
perfekt sein, aber wir müßten weiterhin versuchen, es
besser zu machen.
Die dunkelsten Augenblicke unserer Geschichte
kamen, als wir den Versuch aufgaben, es besser zu
machen, als wir unseren Bürgern aufgrund ihrer Rasse
oder ihrer Religion, weil sie neue Einwanderer waren
oder eine unpopuläre Meinung vertraten, die Freiheit
verweigerten.
Die besten Augenblicke unserer
Geschichte kamen, als wir die Freiheit der Menschen
schützten, die eine unpopuläre Meinung vertraten,
oder die Rechte, deren viele sich erfreuten, auf die
wenigen ausdehnten, denen sie zuvor verweigert
worden waren und damit die Versprechen unserer
Unabhängigkeitserklärung und Verfassung zu mehr als
nur verblaßten Worten auf altem Pergament machten.
Wir möchten unsere Vision anderen heute nicht
aufzwingen, aber wir sind überzeugt, daß bestimmte
Rechte universell sind - und nicht amerikanische
Rechte oder europäische Rechte oder Rechte von
Industrienationen, sondern die Geburtsrechte von
Menschen überall auf der Welt, die jetzt in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankert sind - das Recht auf menschenwürdige Behandlung; das Recht, seine Meinung
zu äußern, seine Politiker zu wählen, sich frei mit
anderen zu versammeln und frei seine Religion
auszuüben oder nicht - wie immer man sich entscheidet.
Im letzten Brief seines Lebens schrieb der Verfasser
unserer Unabhängigkeitserklärung und unser dritter
Präsident, Thomas Jefferson, damals, "alle Augen
öffnen sich für die Rechte der Menschen". Ich bin der
Überzeugung, daß in dieser Zeit - endlich -172 Jahre
nachdem Jefferson diese Worte geschrieben hat, alle
Augen sich für die Rechte von Männern und Frauen
auf der ganzen Welt öffnen.

Seite 4

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat eine
zunehmende Woge der Freiheit das Leben von
Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessert
und gescheiterte Diktaturen in der ehemaligen Sowjetunion und in ganz Zentraleuropa hinweggefegt, den
Teufelskreis von Militärputschen und Bürgerkriegen in
Lateinamerika beendet und mehr Menschen in Afrika
eine Chance gegeben, das Beste aus ihrer schwer
erkämpften Unabhängigkeit zu machen. Und von den
Philippinen bis nach Südkorea, von Thailand bis zur
Mongolei hat die Freiheit die Küsten Asiens erreicht
und Wachstum und Produktivität Auftrieb verliehen.
Wirtschaftliche Sicherheit kann auch ein unerläßliches
Element der Freiheit sein. Ihr wird in der Konvention
der Vereinten Nationen zu wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Rechten Rechnung getragen. In China
haben Sie außerordentliche Fortschritte bei der Pflege
dieser Freiheit erzielt und die Freiheit von Not verbreitet, so daß sie eine Quelle der Stärke für Ihr Volk
ist. Die Einkommen sind gestiegen, die Armut wurde
bekämpft, die Menschen können zwischen mehr
Arbeitsplätzen wählen, und sie haben die Möglichkeit
zu reisen - die Möglichkeit zu einem besseren Leben.
Aber wahre Freiheit beinhaltet mehr als wirtschaftliche
Freiheit. In Amerika glauben wir, sie ist ein Konzept,
das unteilbar ist.
In den vergangenen vier Tagen habe ich in China
Freiheit in vielen Manifestationen gesehen. Ich habe
die Demokratie in den Dörfern Ihres Herzlands
knospen sehen. Ich habe ein Dorf besucht, das seine
Politiker in freien Wahlen gewählt hat. Ich habe auch
die Handys, die Videogeräte, die Faxmaschinen
gesehen, die Ideen, Informationen und Bilder aus der
ganzen Welt übermitteln. Ich habe Menschen gehört,
die ihre Meinung äußerten, und ich habe mit Menschen
meiner eigenen Glaubensrichtung gebetet. Bei all dem
spürte ich die stete Brise der Freiheit.
Die Frage lautet, wohin gehen wir? Wie arbeiten wir
zusammen, um gemeinsam auf der richtigen Seite der
Geschichte zu stehen? Vor über 50 Jahren sagte Hu
Shi, einer Ihrer großartigen politischen Denker und ein
Dozent an dieser Universität folgende Worte: "Es gibt
Menschen, die mir sagen, Du mußt Deine persönliche
Freiheit opfern, damit die Nation frei sein kann. Aber
ich antworte, der Kampf für persönliche Freiheit ist der
Kampf für die Freiheit unserer Nation. Der Kampf für
deinen eigenen Charakter ist der Kampf für den
Charakter der Nation."
Wir Amerikaner glauben, daß Hu Shi Recht hatte. Wir
glauben es, und unsere Erfahrung beweist, daß
Freiheit die Stabilität stärkt und Nationen bei Veränderungen hilft.
Einer unserer Gründerväter, Benjamin Franklin, sagte
einmal: "Unsere Kritiker sind unsere Freunde, denn sie
zeigen uns unsere Fehler." Nun, wenn das stimmt,

AMERIKA DIENST 14

�gibt es viele Tage in den Vereinigten Staaten, an
denen der Präsident mehr Freunde als sonst jemand in
Amerika hat.
In der Welt, in der wir leben, in diesem globalen
Informationszeitalter, sind konstante Verbesserungen
und Veränderungen für Wirtschaftschancen und
nationale Stärke erforderlich. Daher werden ein
möglichst freier Fluß von Informationen, Ideen und
Meinungen sowie größere Respektierung unterschiedlicher politischer und religiöser Überzeugungen
Stärke und Stabilität beim Weg nach vorne hervorbringen.
Es liegt daher zutiefst in Ihrem Interesse und dem der
Welt, daß junge Chinesen frei sind, um ihr Potential in
seiner ganzen Fülle auszuschöpfen. Das ist die
Botschaft unserer Zeit und das Mandat des neuen
Jahrhunderts und des neuen Jahrtausends.
Ich hoffe, China wird dieses Mandat besser annehmen. Denn trotz all der Größe Ihrer Geschichte bin ich
der Ansicht, daß Ihre größten Tage noch vor Ihnen
liegen. Trotz all der Unbilden des 20. Jahrhunderts hat
China nicht nur überlebt, sondern macht auch dramatische Fortschritte.

*

AMERIKA DIENST 14

Andere alte Kulturen scheiterten, weil sie sich dem
Wandel nicht stellten. China hat die Fähigkeit konstant
unter Beweis gestellt, sich zu ändern und zu wachsen.
Jetzt müssen Sie China für eine neues Jahrhundert
neu ersinnen, und Ihre Generation muß im Herzen der
Erneuerung Chinas stehen.
Das neue Jahrhundert steht vor uns. Alle Blicke sind
auf die Zukunft gerichtet. Ihr Land hat mehr Jahrtausende erlebt als die Vereinigten Staaten Jahrhunderte. Heute ist China jedoch so jung wie jede
andere Nation auf der Welt. Dieses neue Jahrhundert
kann die Geburt eines neuen Chinas sein, mit Stolz auf
Ihre frühere Größe, mit Stolz auf das, was Sie tun und
noch mehr Stolz auf das noch vor Ihnen Liegende. Es
kann eine Zeit sein, in der die Welt erneut auf China
blickt wegen seiner Kraft und seiner Kultur, der Frische
seines Denkens und der menschlichen Würde, die in
seinen Werken ersichtlich ist. Es kann eine Zeit sein,
in der die älteste aller Nationen zur Schaffung einer
neuen Welt beiträgt.
Die Vereinigten Staaten möchten mit Ihnen zusammenarbeiten, um diese Zeit Realität werden zu lassen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 5

�4. J U L I
15. Juli 1998

Amerika vor einem neuen Jahrhundert
grenzenloser Chancen
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft von Präsident Clinton zum Unabhängigkeitstag 1998.

Ich freue mich, den Unabhängigkeitstag gemeinsam
mit meinen amerikanischen Mitbürgern im ganzen
Land und auf der Welt feiern zu können.
Im Verlauf des Jahres haben wir immer wieder Gelegenheit, unserer verschiedenen ethnischen Wurzeln
zu gedenken und sie zu feiern. Aber am Unabhängigkeitstag freuen wir uns alle über unser gemeinsames
Erbe als Amerikaner sowie über die Werte und
Geschichte, die wir teilen.
Wir alle haben von der Weisheit der Gründerväter
unserer Nation profitiert, die einen Plan für die Demokratie ausarbeiteten, der uns seit mehr als 200 Jahren
gute Dienste leistet und die neuen unabhängigen
Nationen auf der ganzen Welt weiterhin inspiriert. Wir
alle sind Erben der Rechte, die in unserer Verfassung
niederlegt sind und von mutigen Männern und Frauen
jeder Generation erneut bekräftigt werden, die für
Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpfen. Wir
alle schulden auf ewig den Millionen von Amerikanern
in Uniform Dank, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt

*

AMERIKA DIENST 14

haben, um unsere Freiheit zu verteidigen und unsere
Werte in ganz Amerika und weltweit zu erhalten.
Aber wir Amerikaner sind nicht nur durch unsere
gemeinsame Vergangenheit verbunden, sondern auch
durch eine gemeinsame Zukunft. Wir genießen
Frieden und Wohlstand. Und wir haben die einzigartige Chance, uns auf die Herausforderungen des
kommenden Jahrhunderts vorzubereiten: Dafür zu
sorgen, daß Amerika frei und sicher bleibt, Gesundheitsfürsorge und Bildung zu verbessern, die Chancen
des Informationszeitalters in jede Wohnung und jedes
Klassenzimmer zu bringen und die Bande unserer
nationalen Gemeinschaft zu stärken, während wir in
rassischer und ethnischer Hinsicht noch vielfältiger
werden.
An diesem Unabhängigkeitstag feiern wir unsere
Rechte und Freiheiten und freuen uns auf ein neues
Jahrhundert grenzenloser Chancen. Hillary und ich
möchten Ihnen einen schönen 4. Juli wünschen.

* * *

*

Seite 1

�TECHNOLOGIE

15. Juli 1998

Das Jahr 2000-Problem
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Finanzminister
Lawrence Summers am 6. Juli 1998 bei einer Anhörung vor dem Sonderausschuß des Senats zum Jahr 2000Problem gehalten hat.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
das Finanzministerium möchte Ihnen für diese wichtige
Anhörung danken und unterstützt Ihre Bestrebungen
einer Überprüfung des Jahr 2000-Problems sowie
seiner Auswirkungen auf das internationale Bank- und
Finanzwesen. Wird das Jahr 2000-Problem nicht
behoben, wird es jeden Aspekt unseres Finanzsystems beeinflussen, einschließlich der Durchführung
von Finanzgeschäften und routinemäßiger Finanztransaktionen sowie der Geldausgabe an Bankautomaten.
Alle Finanzfirmen sehen sich potentiell einem Risiko
ausgesetzt. Sogar verantwortungsbewußt an der
Erneuerung ihrer Systeme arbeitende Unternehmen
können aufgrund der engen Verflechtung des Finanzsystems immer noch geschädigt werden: Der Bankrott
einer Gegenpartei, eines Anbieters oder Verkäufers
kann negative Auswirkungen auf eine ansonsten
solvente Firma haben. Wenn es häufig zu Bankrotten
kommt, können sie eine Bedrohung zentraler Märkte
wie der Devisenmärkte oder eines Clearinghaus
darstellen.
Die heutige Anhörung zu diesem Thema kommt zum
richtigen Zeitpunkt. In den vergangenen Monaten
konnte man hektische internationale Aktivitäten zur
Behebung des Jahr 2000-Problems beobachten. Vor
zwei Wochen wurde in Großbritannien ein Expertentreffen der Außenminister der G 8 veranstaltet, um das
Jahr 2000-Problem und grenzüberschreitende Probleme zu erörtern. Bei diesem Treffen gab jedes Land
einen kurzen Überblick über seine Bestrebungen und
legte eine Analyse der Fortschritte in anderen Ländern
vor. Andere internationale Foren, darunter die Welt-

AMERIKA DIENST 14

bank, die OECD und regionale Organisationen, leiten
ebenfalls bedeutende Programme in die Wege, um zur
Koordinierung der internationalen Aktivitäten auf
diesem Gebiet beizutragen.
Aufsicht in den Vereinigten Staaten
In den Vereinigten Staaten haben Finzanzaufsichtsbeamte Schritte unternommen, um die Firmen zur
Inangriffnahme des Jahr 2000-Problems zu ermutigen.
Die amerikanische Bundesbörsenaufsichtsbehörde
fordert jetzt von öffentlichen Unternehmen die Offenlegung der mit dem Jahreswechsel 2000 in Zusammenhang stehenden Probleme in ihren Unternehmensakten. Das kann den Investoren bei der Einschätzung
der Auswirkungen des Jahr 2000-Problems auf den
Marktwert einer Firma behilflich sein. Unter anderem
fordert die Börsenaufsichtsbehörde jetzt von einem
öffentlichen Unternehmen die Bekanntgabe der
Tatsache, daß es noch keine Beurteilung seiner
Probleme im Zusammenhang mit der Computerumstellung im Jahr 2000 vorgenommen hat. Darüber
hinaus muß ein öffentliches Unternehmen materielle
Jahr 2000-Probleme darlegen sowie die Art der
potentiellen Auswirkungen auf die Firma bekanntgeben, einschließlich ihrer generellen Pläne zur
Bewältigung des Problems. Diese Offenlegung, die
potentiell ein sehr stark auf Anreizen basierender
Ansatz ist, soll Druck des Marktes auf öffentliche
Unternehmen bewirken, die geeigneten Korrektivmaßnahmen zu ergreifen.
Entsprechend überprüfen amerikanische Bankaufsichtsbeamte jetzt routinemäßig Jahr 2000-Probleme,

Seite 1

�wenn sie von der Bundesregierung überwachte
Bankinstitutionen prüfen. Diese Überprüfungen sollen:
feststellen, ob die Organisation einen effektiven Plan für die Erarbeitung, Überarbeitung,
Erprobung und Umsetzung einer Lösung für
das Jahr 2000-Problem hat;
die Auswirkungen der Bestebungen zur
Lösung des Jahr 2000-Problems auf die
strategischen und betrieblichen Pläne der
Bank einschätzen;
feststellen, ob die Organisation die Computerumstellung auf das Jahr 2000 effektiv mit ihren
Kunden, Verkäufern und Partnern bei den
jeweiligen Zahlungssystemen koordiniert hat;
die Angemessenheit interner Kontrollen für
das Jahr 2000-Problem bewerten und
feststellen, ob weitere Korrektivmaßnahmen
erforderlich sein könnten.
Bedenken außerhalb der Vereinigten Staaten
In den Vereinigten Staaten und andernorts scheint die
Finanzdienstleistungsindustrie anderen wichtigen
Industriezweigen bei der Inangriffnahme des Jahr
2000-Problems voraus zu sein. Finanzfirmen arbeiten
hart an der Umstellung veralteter Systeme in so
großen Finanzzentren der Vereinigten Staaten wie
New York und Chicago sowie in anderen wichtigen
Zuständigkeitsbereichen wie London und Frankfurt.
Führende internationale Finanzfirmen haben bereits
interne Tests begonnen, und industrieweite Testprogramme sind für nächstes Jahr geplant.
Es ist jedoch sehr schwierig, die Effektivität der derzeit
in jedem Land durchgeführten Umstellungsprogramme
einzuschätzen. Jedes Land sieht sich bei der Suche
nach einer wirksamen Lösung des Problems mit
spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert. In Europa
beispielsweise müssen viele Länder in der Europäischen Union die Umstellung auf den Euro gleichzeitig
mit dem Jahr 2000-Problem bewältigen. Japan nimmt

größere Veränderungen in seinem Finanzsystem vor,
die auch seine Bestrebungen zur Bewältigung der
Computerumstellung im Jahr 2000 beeinflussen
könnten. Andere asiatische Länder müssen sich mit
unmittelbareren Bedrohungen ihrer Volkswirtschaften
befassen.
Außerhalb der wichtigsten Finanzzentren könnten die
durch das Jahr 2000 verursachten Probleme noch
größer sein. In diesen Ländern könnte es schwieriger
sein, die Kosten für die Einstellung von Programmierern zur Behebung des Problems zu finanzieren oder
überhaupt die Systeme auszumachen, die überhaupt
umgestellt werden müssen. Andererseits bedeutet die

Seite 2

Tatsache, daß viele Entwicklungsländer noch nicht in
dem Maße automatisiert sind wie die Vereinigten
Staaten, daß es nicht so viele Systeme gibt, die
zusammenbrechen können. Darüber hinaus wurden
die in diesen ärmeren Ländern verwendeten Systeme
vor nicht allzu langer Zeit gekauft und sind daher eher
für die Umstellung ausgerüstet als Computersysteme
in vielen Regionen der modernen Industrienationen.
Mögliche Schritte für andere Länder
Jedes Land wird seine eigene Lösung für das Jahr
2000-Problem auf der Grundlage seiner speziellen
Gegebenheiten, Ressourcen und Probleme einführen
müssen. Es gibt jedoch einige Prämissen, die Experten zufolge jedes Land bei der Computerumstellung
auf das Jahr 2000 berücksichtigen sollte. Insbesondere gibt es drei grundlegende Probleme - Inventur,
Umstellung und Erprobung.
Erstens vertreten Computerfachleute die Auffassung,
daß es für jedes Land hilfreich ist festzustellen, wie
stark es vom Jahr 2000-Problem betroffen ist. Dies
sollte eine Bestandsaufnahme aller Geräte beinhalten,
die eine Umstellung erfordern sowie eine Beurteilung,
welche Umstellungsmaßnahmen ergriffen werden
müssen. In den Vereinigten Staaten bestand das Ziel
in der Sicherstellung, daß alle diese Bestandsaufnahmen und Überprüfungen bis September abgeschlossen sein müssen, und Aufsichtsbeamte überwachen die Finanzinstitutionen, die diese Frist nicht
eingehalten haben.
Zweitens sind sich die Experten einig, daß jedes Land
der Bewertung eine Umstellungsphase folgen lassen
sollte, in der individuelle Softwareprogramme geändert
werden, damit ihre Anpassung an das Jahr 2000
gewährleistet ist. Entscheidend ist, daß die Unternehmen eine Prioritätenliste ihrer Bestrebungen aufstellen,
damit den entscheidenden Anwendungen größte
Aufmerksamkeit gewidmet wird, gefolgt von Softwareprogrammen, die im Falle eines technischen Versagens im Jahr 2000 begrenztere Auswirkungen auf die
Firmen haben. Die meisten Unternehmen in den
Vereinigten Staaten führen derzeit Umstellungsprogramme durch, die im Großen und Ganzen im
Dezember 1998 abgeschlossen sein sollten.
Drittens. Ebenso wichtig ist in den Augen praktisch
aller Fachleute die Erprobungsphase, die einzelne
Länder von Unternehmen in ihrem Zuständigkeitsbereich verlangen sollten. Die Bedeutung solcher
Erprobungsprogramme kann gar nicht hoch genug
eingeschätzt werden, da sogar geübte Programmierer
entscheidende Aufgaben übersehen können. Externe
Erprobungen sollten Erprobungen mit einzelnen sowie
mit mehreren Parteien beinhalten. In den Vereinigten
Staaten beginnen solche Erprobungen voraussichtlich
im Dezember 1998, aber externe Erprobungen setzen

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�die Zusammenarbeit mit Regierungen und Unternehmen anderer Länder voraus.
Die Arbeit in anderen internationalen Foren
Angesichts unserer Besorgnis über die von anderen
Nationen auf dem Gebiet des Jahr 2000-Problems
gemachten Fortschritte leitete das US-Finanzministerium umfassende Bestrebungen ein, das Profil dieser
Frage aufzuwerten und als Katalysator für Aktionen in
zahlreichen Ländern zu fungieren. Das Finanzministerium unterbreitete der G 7 im März 1998
Unterlagen über das Jahr 2000-Problem, in dem die
G 7-Staaten aufgefordert werden, in ihrem jeweiligen
Zuständigkeitsbereich umfassende Jahr 2000-Programme durchzuführen und anderen Ländern dabei
behilflich zu sein. Seitdem arbeiten wir mit anderen
Staaten zusammen um sicherzustellen, daß die Jahr
2000-Frage auf die Agenda des Gipfels in Birmingham
gesetzt wird. Die Schlußfolgerungen des Treffens der
Finanzminister der G 7 am 8. Mai beinhalten die
Aufforderung an internationale Regulierungsbehörden
(das heißt, den Baseler Ausschuß zur Bankenüberwachung, die internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden, den internationalen Verband für
Versicherungsaufsicht und den Ausschuß für Zahlungssysteme und -ausgleich), die Bestrebungen des
Privatsektors zu "kontrollieren" und "alles in ihrer
Macht Stehende zu tun, um eine Computerumstellung
zu ermutigen". Ich werde im folgenden noch darlegen,
daß diese Institutionen die Herausforderung des Jahr
2000-Problems angehen und die Bestrebungen von
Finanzinstitutionen in ihren entsprechenden Industriezweigen sorgfältig bewerten und überwachen, anstatt
nur "das Problembewußtsein zu schärfen".
Am 17. Mai kamen die Staats- und Regierungschefs
der G 8 zusammen, riefen die Länder zur Zusammenarbeit bei der Bewältigung des Jahr 2000-Problems auf
und forderten die internationalen Organisationen,
einschließlich der Weltbank und der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ausdrücklich zur Mithilfe bei der Lösung des
Problems auf.
Das Finanzministerium brachte das Jahr 2000-Problem auch in anderen internationalen Foren auf die
Tagesordnung. Ende Mai diskutierten die Finanzminister im Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) mit Vertretern des
Privatsektors über die Bedeutung der rechtzeitigen
Lösung des Jahr 2000-Problems in den Volkswirtschaften des APEC. Darüber hinaus forderten sie die
Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank auf,
anderen Ländern beim Umgang mit diesem Problem
zu helfen, und die nationalen Überwachungs- und
Regulierungsbehörden in der Region arbeiten gemeinsam mit den internationalen Regulierungsbehörden
Maßnahmen zur Lösung dieses Problems aus. Das
Jahr 2000-Problem fand auch Erwähnung in der

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gemeinsamen Erklärung der Finanzminister beim
gesamtamerikanischen Gipfel vergangenen Dezember
in Chile, und das Finanzministerium ermutigt weiterhin
diese regionale Gruppierung nord- und südamerikanischer Finanzministerien zur Zusammenarbeit mit
ihren Mitgliedstaaten bei der effektiven Lösung des
Problems.
Die Arbeit internationaler Regulierungsbehörden
Die internationalen Regulierungsbehörden haben
einen globalen Jahr 2000-Rat gegründet und ergreifen
Maßnahmen zur Koordinierung der finanziellen
Aspekte der Jahr 2000-Frage. Die Bestrebungen des
Jahr 2000-Rats begannen im April mit einer Konferenz
über das Jahr 2000-Problem in Basel unter Teilnahme
von führenden Politikern aus der ganzen Welt. Diese
Konferenz schärfte das Bewußtsein für die Problematik
der Computerumstellung im Jahr 2000.
Derzeit
bestimmten wir eine Verbindungsperson des Finanzministeriums für den Jahr 2000-Rat, der über dessen
Bestrebungen informiert wird und diese unterstützt, ein
aktives Programm zur Überwachung und Beurteilung
der Situation einzuleiten und angemessene korrigierende Schritte zu unternehmen, wenn offensichtlich ist, daß ein bestimmtes Land oder eine Gruppe
von Ländern mit dem Jahr 2000-Programm im Rückstand ist.
Andere Organisationen, insbesondere die OECD,
beteiligen sich an der Aufgabe, einige der wichtigsten
nichtfinanziellen Aspekte des Jahr 2000-Problems zu
koordinieren, beispielsweise Telekommunikation und
Stromversorgung, da Störungen der Telekommunikationsverbindungen oder Stromversorgung allgemeinen
wirtschaftlichen Schaden verursachen könnten.
Die Rolle der internationalen Finanzinstitutionen
und der multilateralen Entwicklungsbanken
Das Finanzministerium widmet der Rolle der Weltbank
und des Internationalen Währungsfonds sowie der
regionalen multilateralen Entwicklungsbanken, beispielsweise der Asiatischen Entwicklungsbank, der
Interamerikanischen Entwicklungsbank und der
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Jahr 2000-Frage besondere Aufmerksamkeit. Bei unseren Gesprächen mit diesen Institutionen waren wir im allgemeinen zufrieden, daß sie
angemessene Maßnahmen zur Beurteilung und
Umstellung ihrer internen Systeme ergreifen, und wir
begrüßen ihren diesbezüglichen Weitblick. Alle diese
Institutionen haben unter anderem Schritte zur Bewertung der für ihre Aufgabe unerläßlichen Systeme
unternommen, und sie haben gute Fortschritte bei
Umstellung oder Austausch der veralteten Systeme
gemacht, die nicht kompatibel sind.
Ferner ermutigen wir die internationalen Finanzinstitutionen, eine breite Palette von Maßnahmen zu

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�prüfen, die sie zusammen mit den Ländern ergreifen
könnten, die ihre Kunden sind. Wir hoffen, daß bei
allen von diesen Organisationen finanzierten Projekten
und Programmen die Umstellung auf das Jahr 2000
reibungslos erfolgt. Am 15. Juni treffen die Leiter aller
internationalen Finanzinstitutionen zusammen, um
Meinungen und Erfahrungen im Hinblick auf potentielle
Computerprobleme im Jahr 2000 auszutauschen und
Wege zu sondieren, wie sie ihren Mitgliedstaaten
technische Hilfe gewähren können.
Schlußfolgerung
Es gibt kein Patentrezept für das Jahr 2000-Problem.
Wie viele andere Fragen erfordert das Jahr 2000Problem viel Sorgfalt, Planung und harte Arbeit, damit
die Länder verhindern können, daß entscheidende
Systeme ausfallen. Das Finanzministerium ist in
mehreren internationalen Foren tätig, um bei der
Suche nach geeigneten Lösungen zu helfen.
Auch wenn verschiedene internationale Institutionen
und das Finanzministerium bei den in mehreren
Ländern eingeleiteten Bestrebungen zur Lösung des
Problems der Umstellung auf das Jahr 2000 behilflich
sein können, muß letztlich jedes Land seine eigene Lö-

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sung für das Problem finden und die Verantwortung für
Computerausfälle übernehmen. Wir benötigen eine
realistische Einstellung zu der Tatsache, daß das Jahr
2000-Problem etwas Neues ist und wir nicht alle
möglichen Komplikationen voraussehen können. Aus
diesem Grund können wir die Möglichkeit von Störungen des Finanzsystems und anderer Sektoren der
Wirtschaft sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
andernorts nicht völlig ausschließen. Das wichtigste
ist der richtige Umgang mit den Risiken, indem den
Systemen Priorität eingeräumt wird, deren Funktionieren unerläßlich ist, während für andere Bereiche
weniger Mittel aufgewendet werden, und indem
entsprechende Vorkehrungen für den Notfall getroffen
werden, um den Schaden möglicher Ausfälle gering zu
halten.
In den Vereinigten Staaten machen wir dabei gute
Fortschritte, und wir hoffen, daß andere Länder bei der
Umstellung und Erprobung ihrer Computersysteme im
Hinblick auf das Jahr 2000-Problem ähnlich gut
vorankommen. Diese Anhörung ist für diesen Prozeß
sehr nützlich, da sie das Bewußtsein schärfen und
sicherstellen kann, daß alle relevanten Einrichtungen
ihr Bestes zur Lösung des Problems beisteuern.

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�ELEKTRONISCHER

HANDEL
15. Juli 1998

Internet ist "starker Wachstumsmotor"
Rede von Ira Magaziner

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Ira Magaziner, hochrangiger
politischer Berater Präsident Clintons, am 27. Mai 1998 bei einer Konferenz von führenden Vertretern der
Telekommunikationsindustrie in Brüssel gehalten hat.

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen wirtschaftlichen Zeitalter- ähnlich der Industriellen Revolution vor 200 Jahren. Während der Industriellen
Revolution waren wir Zeuge der Verbindung von zwei
großartigen technologischen Fortschritten: Der
Nutzung der Elektrizität sowie der Entwicklung zuerst
der Dampfmaschine und dann des Elektromotors.
Zusammen veränderten sie jeden Sektor der Volkswirtschaft.
Heute gibt es ebenfalls zwei großartige technologische
Innovationen: Die Fähigkeit, in Lichtgeschwindigkeit
anstatt mit Hilfe von Elektrizität zu kommunizieren und
die Fähigkeit, Informationen in Miniaturform blitzschnell
elektronisch zu verarbeiten. Wenn diese beiden
Innovationen im Internet zusammenkommen, wird das
Potential für eine Revolution von der Größenordnung
der Industriellen Revolution geschaffen.
In den Vereinigten Staaten sehen wir bereits die
Auswirkungen des Internet auf unsere Volkswirtschaft.
Während der letzten drei Jahre entfiel mehr als ein
Drittel des realen Wachstums der amerikanischen
Volkswirtschaft auf die Informationstechnologieindustrie. Dieser wirtschaftliche Aufschwung ist fast
ausschließlich auf den Ausbau des Internet in den
Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die Zahl der
Internet-Nutzer ist innerhalb von vier Jahren von
ungefähr vier Millionen auf 100 Millionen angestiegen.
Während dieses Zeitraums verzeichnete die amerikanische Volkswirtschaft ein gesundes Wachstum, das
hauptsächlich durch diese Entwicklung angekurbelt
wurde. Derzeit sind mehr als sieben Millionen Menschen in der Informationstechnologieindustrie beschäf-

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tigt. Die in dieser Branche gezahlten Löhne und
Gehälter belaufen sich im Durchschnitt auf 46.000
Dollar pro Jahr, während sie im Privatsektor bei nur
28.000 Dollar liegen. Wir haben eine signifikante
Schaffung von Arbeitsplätzen mit Löhnen und Gehältern gesehen, die beträchtlich höher - fast doppelt so
hoch - sind als die durchschnittliche Bezahlung in der
Industrie insgesamt. Wir verzeichnen gutes Wachstum
mit niedriger Inflationsrate. Die Inflationsrate in den
Vereinigten Staaten lag im vergangenen Jahr bei nur
2.1 Prozent. Nimmt man jedoch den Absatz der
Computerbranche aus, liegt unsere Inflationsrate bei
3.2 anstatt 2,1 Prozent. Somit ist die sinkende Inflationsrate zu mehr als einem Drittel auf den Preisabfall in der Computerbranche zurückzuführen.
Wir sind Zeugen einer Revolution, die unser Wirtschaftswachstum ankurbelt, und diese Revolution steht
noch am Anfang. Vor dem Hintergrund des exponentiellen Wachstums des Internet während der vergangenen vier Jahre sind wir überzeugt, daß im Jahr 2005
eine Milliarde Menschen Internetzugang haben
werden. Während der letzten vier Jahre hat das
Anwachsen des Internet auf 100 Millionen User einen
Großteil unseres Wirtschaftswachstums angekurbelt,
und die Bedeutung des Internet für unsere Volkswirtschaft nimmt jeden Tag zu.
Wir beobachten neben dem Ausbau der Informationstechnologieinfrastruktur auch den Beginn von elektronischem Handel (E-Commerce). Die von mir gerade
beschriebene treibende Kraft des Wirtschaftswachstums ist schlicht und einfach der Ausbau der Infrastruktur. Es gibt vier allgemeine Bestandteile von
E-Commerce.

Seite 1

�Der erste und umfangreichste Bestandteil ist der
elektronische Handel zwischen einzelnen Unternehmen. Manche Unternehmen fangen an, ihren Einkauf,
ihre Lieferantenbeziehungen, Logistik, Lagerverwaltung, Kundenbeziehungen und ihren Transport ins
Internet zu bringen. Die Unternehmen, die begonnen
haben, das Internet auf diese Weise zu nutzen,
erkennen die enormen Produktivitätsverbesserungen
und Kostenersparnis, die gleichermaßen den Ausbau
des Netzes ankurbeln.
Der zweite Bestandteil von E-Commerce ist die digitale
Lieferung von Waren und Dienstleistungen. Er ist
noch wenig ausgebaut, wird letzten Endes aber das
umfangreichste Gebiet für elektronischen Handel
darstellen. Er beinhaltet tatsächlichen Verkauf und
Zustellung von Software, Musik, Videospielen, Bankund Versicherungsdienstleistungen, Berufsberatungsdiensten, Bildungsangeboten, medizinischer Diagnostik, Nachrichten und einer Vielzahl anderer Waren
und Dienstleistungen über das Internet.
Diese Art von elektronischem Handel wird von beiden
Seiten durch ein komplexes Spektrum digitaler Produkte angekurbelt. Einerseits führen Kinder das Einkaufen
im Internet zu Hause ein und kaufen Spiele und Musik,
die sie herunterladen. Andererseits werden in den
Vereinigten Staaten im kommenden Jahr sieben
Prozent aller Flugtickets über das Internet verkauft und
zugestellt - im Vergleich zu gar keinen vor zwei Jahren
- weil die Kosten weitaus geringer und die Ersparnisse
signifikant sind. Im nächsten Jahr werden etwa 10
Millionen Amerikaner ihre Bankgeschäfte über das
Internet abwickeln. Während die Einlösung eines
Schecks mehr als einen Dollar kostet, wenn der Kunde
zur Bank geht, den Scheck an der Kasse einreicht und
dann das Geld erhält, kostet es weniger als einen
Penny, diesen Scheck über das Internet einzulösen.
Das ist die treibende Kraft hinter den Einzelkundengeschäften der Banken. In ähnlicher Weise werden
mehr als eine Milliarde Versicherungspolicen über das
Internet verkauft und zugestellt.
Das dritte Gebiet ist die Veränderung beim Handel mit
realen Gütern, wenn der Verkauf im Internet getätigt
und das Produkt im traditionellen Sinne ausgeliefert
wird. Sie wissen wahrscheinlich alle, daß Amazon.Com in den Vereinigten Staaten und jetzt weltweit
Pionierarbeit beim Verkauf von Büchern leistet. Seine
Hauptkonkurrenten in den Vereinigten Staaten Barnes, Noble und Borders - gehen ebenfalls ins
Internet. Unseres Erachtens werden in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr etwa 20 Prozent
aller Bücher im Internet verkauft. Wir beobachten ein
ähnliches Wachstum beim Verkauf von Autos, Blumen,
Kleidung und einer Vielzahl anderer Produkte.
Unternehmen wie Autobytel, die Autos über das
Internet verkaufen, steigerten sich von einem Absatz
von 30 Millionen Dollar im ersten Jahr über 600
Millionen Dollar im zweiten Jahr auf 6 Milliarden Dollar

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im dritten Jahr. Amazon weist ähnliche Steigerungen
auf: Sein Absatz wuchs jedes Jahr um das acht- bis
zehnfache.
Das letzte Gebiet ist eine neue Art von Geschäftstätigkeit, die direktes Marketing und Werbung im Internet
beinhaltet und aufgrund der Effizienz bei der Nutzung
des Internet zu Marketingzwecken wächst. Wenn man
im Internet Gruppen mit Menschen gleicher Interessen
zusammenbringt, kann es für den Inserenten oder
Verkäufer sehr effizient sein, sich direkt an diese
Gruppe zu wenden.
Zusammengenommen verändern die tatsächlich am
Ausbau des Internet beteiligten Unternehmen, die
Informationstechnologieindustrie, der elektronische
Handel zwischen einzelnen Unternehmen, die digitale
Lieferung von Waren und Dienstleistungen sowie die
Einzeihandelsgeschäfte und Direktvermarkter jeden
Aspekt der Volkswirtschaft. Obwohl wir sie noch nicht
genau messen können, sind wir überzeugt, daß die
gesamte Produktivität unserer Wirtschaft, die derzeit
besser dasteht als von allen Ökonomen prognostiziert,
von diesen Investitionen und dem Beginn des elektronischen Handels angetrieben wird. Obwohl wir als
Administration gerne das Verdienst für die Gesundheit
der amerikanischen Volkswirtschaft in Anspruch
nehmen und auch überzeugt sind, daß wir dabei eine
Rolle spielen, sind wir sicher, daß die gute Wirtschaftslage in unserem Land auf das Wachstum dieses neuen
Wirtschaftsbereichs zurückzuführen ist. Und unseres
Erachtens haben die Volkswirtschaften auf der ganzen
Welt dasselbe Potential.
Damit der elektronische Handel prosperieren und sich
die Informationstechnologieindustrie wirklich mit voller
Kraft entwickeln kann, muß unser Eintritt in das neue
digitale Zeitalter von mehreren Prinzipien geleitet sein.
Die Strategie der US-Regierung setzt sich im Großen
und Ganzen aus fünf Prinzipien zusammen.
Das erste Prinzip lautet, daß der Privatsektor beim
Übergang in das neue elektronische Zeitalter die
Führung übernehmen muß. Wir sind nicht gegen die
Regierung - wir sind Demokraten, was in den Vereinigten Staaten bedeutet, daß unsere Partei mehr an
die Regierung glaubt als unser Gegner. Wir sind aber
überzeugt, daß die digitale Wirtschaft sich für die
Gangart einer Regierung zu schnell entwickelt und zu
viel Flexibilität erfordert. Regierungen sind von Natur
aus langsam und für dieses digitale Zeitalter zu
unflexibel. Selbst wenn kollektive Aktionen erforderlich
sind, ziehen wir privates kollektives Vorgehen oder
Selbstkontrolle der Industrie einer staatlichen Regulierung vor.
Das zweite Prinzip legt fest, daß es sich um ein
marktgestütztes System handeln sollte.
Hiermit
meinen wir etwas ganz Bestimmtes: Wie Sie wissen,
werden in den kommenden Jahren Fernsehen, Telefon

AMERIKA DIENST 14

�und Internet immer stärker ineinander übergehen. Das
Internet wird auf ihrem Fernsehschirm sein, Sie
können auf ihrem Computer Fernsehprogramme
empfangen und Telefongespräche von Ihrem Fernsehschirm und Ihrem Bildschirm anmelden. Die Übertragung in Ihre Wohnung kann per Satellit, über Funk,
Fernsehkabel oder Telefonleitung erfolgen. Aber es
wird alles ein und dasselbe Umfeld sein.
Es ist von Bedeutung, wie sich dieses neue, immer
stärker ineinander übergehende Umfeld entwickelt.
Traditionell haben wir in allen Ländern Telefondienste
und Fernsehübertragungen reguliert. Daher hielten
viele Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten,
das Internet anfangs für eine regulierte Industrie und
eine Ausweitung unserer Telekommunikationspolitik.

senden Richtlinien oder allgemeingültigen Gesetze für
eine Regulierung erlassen werden sollten, sondern
alles auf der Annahme basieren sollte, daß es keine
entsprechenden Gesetze gibt und wir nur auf sehr
spezifische Weise Gesetze erlassen oder regulieren,
wenn allen klar ist, daß das erforderlich ist.
Maßnahmen der Regierung sollten präzise, auf ein
Minimum beschränkt sein und nur im Notfall erfolgen.
Das basiert auf einer veränderten Einstellung, die
besagt, daß wir keine Gesetze und keine Regulierung
haben. Das ist freie Marktwirtschaft. Es wird jedoch
Fälle geben, wo Regulierung erforderlich ist. Dann
gehen wir sehr präzise vor, anstatt davon auszugehen,
daß wir umfassende Gesetzesbestimmungen oder
Regulierungen benötigen. Wir versuchen zu entscheiden, was erforderlich ist.

Es gibt jedoch ein anderes Modell, das unseres
Erachtens besser funktioniert. Es besagt, daß ein
privater Käufer und ein privater Verkäufer ohne
staatliche Einmischung zusammenkommen
und
Geschäfte tätigen dürfen sollten - zu den Bedingungen,
die sie wünschen. Die Rolle der Regierung in diesem
Umfeld besteht nicht in Regulierungstätigkeit, sondern
vielmehr darin, die Bedingungen für Vertragsabschlüsse und einen einheitlichen Handelskodex für Verträge
zu schaffen. Wenn Käufer und Verkäufer es wünschen, können sie einen rechtsgültigen Vertrag
abschließen. Sie sind aber nicht dazu gezwungen.

Das vierte Prinzip ist am schwierigsten zu verstehen.
Es ist aber entscheidend, da es den derzeitigen
Wandel verkörpert: Unsere Maßnahmen müssen
allesamt die Natur dieses neuen Mediums respektieren. Beispielsweise verändert sich die Technologie
sehr schnell mit dem Internet, und aus diesem Grund
ist jede auf eine spezifische Technologie zeitlich
ausgerichtete Politik vor ihrer Umsetzung sinnlos, da
sich die Technologie so schnell verändert. Unsere
Politik muß technologieneutral sein.

Die Geschichte des freien Unternehmertums lehrt uns,
daß Käufer und Verkäufer in den meisten Fällen einen
Vertrag über ihre Transaktionen abschließen möchten.
Aber die neue Rolle der Regierung ist keine Regulierungstätigkeit. Wir sind der Ansicht, daß in diesem
neuen Umfeld der Markt vertragsorientiert anstatt
reguliert sein sollte. Aus diesem Grund ist eine
komplette Deregulierung von Telefongesellschaften
und Fernsehanstalten erforderlich, und das Internet
darf nicht reguliert werden.

In ähnlicher Weise - und das ist der schwierigste Punkt
- ist das Internet von Natur aus ein dezentralisiertes
Medium, was bedeutet, daß jeder Versuch einer
zentralen Kontrolle sinnlos ist. Solche Versuche sind
zum Scheitern verurteilt. Selbst wenn es wünschenswert wäre, das Internet beispielsweise einer staatlichen Zensur zu unterwerfen, ist das unmöglich. Das
Leben ist zu kurz, um zuviel Zeit mit unmöglichen
Dingen zu verbringen. Statt dessen müssen wir zur
Bewältigung dieser gesellschaftlichen Probleme nach
Wegen suchen, die die dezentralisierte Natur des
Mediums respektieren.

Ihre anfänglichen Diskussionen ähneln stark den
Diskussionen, die wir in den Vereinigten Staaten
geführt haben. Wir sind aber überzeugt, daß am Ende
dieser Diskussionen die Regulierungsbehörden im
wesentlichen die Kontrolle über das Medium abgeben
müssen. Man kann öffentliches Fernsehen haben,
man kann Inhalte für Kinder öffentlich fördern, man
kann öffentliche Interessen haben - aber das ist etwas
ganz anderes als eine Regulierung. Unseres Erachtens muß dieses Umfeld marktorientiert und
wettbewerbsfähig sein.
Das dritte Prinzip lautet folgendermaßen: Immer dann,
wenn staatliches Vorgehen erforderlich ist - und das
wird auf Gebieten wie Besteuerung, Schutz geistigen
Eigentums oder Einführung eines einheitlichen Handelskodex der Fall sein - sollten die Maßnahmen der
Regierung auf ein Minimum beschränkt, präzise und
transparent sein. Damit meinen wir, daß keine umfas-

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Das Internet ist der erste Weltmarkt, der global entsteht. Aus diesem Grund können wir nicht die traditionelle Art und Weise wiederholen, wie Industriezweige
innerhalb eines Landes wachsen und die Länder
anschließend deren Zusammenarbeit aushandeln.
Das Internet muß von Anfang an ein ineinander
übergehender globaler Marktplatz sein. Aus diesem
Grund benötigen wir internationale Abkommen über
seine Funktionsweise. Unseres Erachtens sollten
diese Abkommen zwischen Regierungen geschlossen
werden, um ein kalkulierbares rechtliches Umfeld für
die Industrie zu schaffen und dieser zuzusichern, daß
die Regierung in bestimmte Bereiche nicht eingreift.
Der von mir gerade beschriebene Rahmen und die
Prinzipien werfen eine Reihe von Themen auf. Wir
befassen uns mit zwölf verschiedenen Themen, um die
Art von Übereinkunft zu schaffen, die unserer Ansicht

Seite 3

�nach notwendig ist, damit der elektronische Handel
prosperieren kann. Ich möchte einige erwähnen.
Erstens sind wir der Meinung, daß keine Zölle auf
elektronische Übermittlung erhoben werden sollten.
Es gelang uns, die Welthandelsorganisation zu
überzeugen, diesem Prinzip mindestens für ein Jahr
zuzustimmen. Wir hatten uns jedoch mehr erhofft. Wir
hatten gehofft, daß es hierüber ein ständiges Übereinkommen geben würde.
Wir benötigen einen nahtlos ineinander übergehenden
Markt. Wir verbrachten 50 Jahre mit dem Versuch der
Abschaffung von Zöllen in der realen Welt; wir sollten
sie jetzt nicht in dieser neuen Welt einführen. Im
Hinblick auf die Besteuerung sollte es unserer Meinung nach keine das Internet diskriminierenden
Steuern geben - keine Steuern auf Bits oder Internettelefonie, keine Besteuerung des Internetzugangs. Wir
würden durch die Erhebung von Steuern unseren
potentiellen Wohlstand aufs Spiel setzen. Wir sind der
Auffassung, daß bestehende Steuern auf der Grundlage von Gegenseitigkeit und Einfachheit erhoben
werden sollten; wenn man in einem Geschäft etwas
kauft, auf das Steuern erhoben werden, sollte dieses
Produkt im Internet ebenso hoch besteuert werden.
Aber wie korrigiert man diese Steuer, damit sie
unkompliziert ist und automatisch erhoben wird? Wir
haben einige Ideen, die zu erläutern heute Morgen zu
lange dauern würde, aber meines Erachtens kann man
Ansätze dazu entwickeln, mit denen die Prinzipien der
Steuerneutralität gewahrt werden. Wichtig sind jetzt
jedoch vor allem keine Zollabgaben und keine diskriminierende Besteuerung.
Im Hinblick auf Themen wie elektronische Zahlungssysteme und technische Standards ist es unserer
Ansicht nach von Bedeutung, daß der Markt - nicht die
Regierungen - die Bedingungen festlegt. Einerseits
könnte es einen gewissen Anreiz haben zu sagen, die
Regierungen müßten sich zusammensetzen und
Standards vereinbaren, weil das die Interoperabilität
verbessert. Aber das ist falsch argumentiert. Es ist
falsch, weil die Regierungen sich unweigerlich für die
falschen Standards entscheiden. Und selbst wenn sie
sich für die richtigen entscheiden würden, würde das
Tempo des Marktes diese Standards rasch veralten
lassen. Es ist viel besser, dem Markt die Festsetzung
der Standards zu gestatten und den Markt die elektronischen Zahlungssysteme entwickeln zu lassen.
Wir sollten alle nichttarifären Hemmnisse abbauen, die
heute für elektronischen Handel bestehen. Es gibt
immer noch zu viele Länder auf der Welt, in denen ein
Internetanbieter, der auf den Markt kommen möchte,
sich erst einmal an das Telekommunikationsunternehmen des Onkels des Ministerpräsidenten wenden
muß, um diesen Marktzugang zu erhalten. Unseres
Erachtens sollte es einen nahtlos ineinander überge-

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henden globalen Markt geben, der zum Nutzen aller
funktioniert. Es sollte keine nichttarifären Handelshemmnisse geben.
Unserer Meinung nach ist der Schutz von geistigem
Eigentum wichtig, denn sehr vieles, das im Internet
verkauft werden wird, ist geistiges Eigentum. Wir
befürworten die Ratifizierung der von der weltweiten
Organisation für den Schutz von geistigem Eigentum
(WIPO) ausgehandelten Verträge über Urheberrecht,
und wir sind jetzt dabei, die technische Verwaltung des
Internet zu privatisieren, um den Schutz von Warenzeichen zu ermöglichen. Aus historischen Gründen und
weil das Internet als ein Forschungsprojekt der USRegierung gewachsen ist, hat die US-Regierung
immer noch die Verantwortung für einige Bereiche der
technischen Verwaltung des Domain-Namens und des
Root-Server-Systems des Internet.
Wir haben die Absicht, diese Funktionen zu privatisieren und die US-Regierung vollständig von der
technischen Verwaltung zu entbinden. Es ist auch
unsere Absicht, im Zuge ihrer Privatisierung eine
Struktur mit einem internationalen Direktorengremium
zu schaffen, weil das Internet jetzt ein internationales
Medium ist, nicht nur ein amerikanisches. Daher sind
wir der Ansicht, daß es eine internationale Organisation mit treuhänderischen Verwahrern geben sollte.
Sie sollte als private gemeinnützige Organisation
konzipiert sein, die diese technischen Verwaltungsfunktionen übernimmt. Wir sind jetzt dabei, ein solches
System in die Praxis umzusetzen.
Ich möchte mich auf zwei weitere Themen konzentrieren. Eines betrifft den Inhalt, weil ich weiß, daß das
in Belgien ein wichtiges Thema war. Ebenso wie Sie
sind wir besorgt, daß Kinder Zugang zu Inhalten
haben, die ihre Eltern als anstößig erachten und
denken, daß die Eltern die Möglichkeit zur Sichtung
der Inhalte haben sollten, die ihre Kinder sehen. Wir
denken jedoch nicht, daß die Regierung diese Inhalte
zensieren sollte, denn selbst wenn das wünschenswert
wäre, ist es im Internet nicht möglich.
Stattdessen befürworten wir den Einsatz der vom
Privatsektor entwickelten Filtersysteme, mit denen die
Eltern von zu Hause aus die Inhalte sichten können,
die sie nicht auf dem Bildschirm haben möchten. Aus
unserer Sicht ist es wichtig, den Menschen die Macht
zu geben, sich selbst zu schützen, statt daß die
Regierung es für sie tut. Staatliche Zensur wird das
Internet lähmen und ihr Ziel sowieso nicht erreichen.
Bei einem weiteren Thema, das sowohl für Belgien als
auch für unser Land sehr wichtig ist, vertreten wir die
Auffassung, daß jeder seine eigene Privatsphäre im
Internet schützen können und Kontrolle über seine
persönlichen Daten haben sollte. Eine Übersicht nach
der anderen belegt, daß die größten Vorbehalte, die
gegen Geschäfte im Internet vorgebracht werden, die

AMERIKA DIENST 14

�Angst vor dem Verlust der Privatsphäre ist. Ebenso
wie in Europa ist man in den Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß der Schutz der Privatsphäre ein äußerst
wichtiges Recht des Menschen ist.

beschwert, der denkt, ein Unternehmen habe das
Siegel angebracht, befolge aber die Regeln des
Verhaltenskodex nicht, weiß er, an wen er sich
wenden muß.

Wir sind uns mit der Europäischen Union und anderen
einig, worum es beim Schutz der Privatsphäre geht.
Das heißt, ein Verkäufer sollte einen Käufer darüber in
Kenntnis setzen, was mit den gesammelten Informationen geschieht. Und der Käufer sollte die Möglichkeit
haben zu sagen: "Nein, ich stimme dem nicht zu, ich
möchte nicht, daß Sie diese Informationen einholen,
ich gebe Ihnen nicht die Erlaubnis, das zu tun", so daß
Verbraucher die Verwendung ihrer Informationen
kontrollieren.

Wenn das geschieht, können Industrie und Regierung
zu dem Verbraucher gehen und sagen: "Das Internet
ist ein Freiraum. Sie können gehen, wohin Sie möchten. Aber seien Sie vorsichtig. Wenn Sie auf eine
Seite gehen, die dieses Siegel nicht hat, könnte Ihre
Privatsphäre nicht geschützt sein." Einigen Verbrauchern macht das etwas aus, anderen nicht - aber
Sie haben eine Sicherheitszone geschaffen. Sie
haben die Informationen für die Verbraucher bereitgestellt, wie sie sich selbst schützen, und das geschieht über den Privatsektor und nicht über die
Bürokratie.

Tatsächlich einigen sich der Verkäufer und der Käufer
darüber, was mit den Informationen geschieht beinahe wie bei einem Vertrag. Wir hatten einige
Meinungsverschiedenheiten über die Umsetzung
dieser Schutzmaßnahmen. Wir sind der Ansicht, daß
der Versuch einer Umsetzung über staatliche Gesetzgebung oder Regulierung möglicherweise sehr
bürokratisch und im Hinblick auf elektronischen Handel
im Internet unsicher sein könnte.
Wir glauben auch nicht, daß es gut funktioniert. Jede
Woche werden auf der ganzen Welt Zehntausende
von Webseiten eingerichtet, und sie alle können in
Belgien gelesen werden. Es ist unmöglich, daß
irgendeine staatliche Behörde alle diese Webseiten
überwacht. Wenn man also ein Gesetz erläßt und
sagt, wir schützen Eure Privatsphäre, führt man die
Mitbürger in die Irre, weil man nicht in der Lage ist, es
durchzusetzen.
Stattdessen sind wir dafür, daß die Industrie Verhaltenskodizes erarbeitet, die auf OECD-Prinzipien sowie
auf den von mir beschriebenen Prinzipien der Benachrichtigung und Zustimmung basieren. Der Verhaltenskodex wird jedoch mit einem Siegel versehen, das
man auf den mit ihm in Einklang stehenden Webseiten
anbringt.
Der Verhaltenskodex besagt, ich muß
meinen Kunden benachrichtigen, ich benötige seine
Erlaubnis zur Verwendung von Daten, und die Benachrichtigung muß mit Buchstaben einer bestimmten
Größe erfolgen. Aber es ist ein von der Industrie
entwickelter Kodex, und wenn eine Webseite oder ein
Unternehmen der für die Durchsetzung des Verhaltenskodex zuständigen Organisation beitritt und den
Kodex befolgt, können sie das Siegel anbringen.
Diese Organisation überprüft dann, ob das Anbringen
des Siegels gerechtfertigt ist. Sie kann Collegestudenten anheuern, um im Web nach all den Seiten zu
suchen, die das Siegel haben und sicherzustellen, daß
die Unternehmen den Verhaltenskodex einhalten. Sie
führt von Zeit zu Zeit Anhörungen durch um zu gewährleisten, daß sie die Beschwerden der Verbraucher
entgegennehmen kann. Wenn sich ein Verbraucher

AMERIKA DIENST 14

Das wird auch einen Marktanreiz für Unternehmen
schaffen, die einer dieser Siegel-Organisationen
beitreten möchten, weil es eine Reihe von Verbrauchern geben wird, die nicht auf eine Seite gehen, die
das Siegel nicht hat. Wenn Sie also Ihren Markt nicht
einschränken möchten, werden Sie versuchen, das
Siegel anzubringen. Sie schaffen einen Marktanreiz
für Unternehmen, Maßnahmen zum Schutz der
Privatsphäre zu befolgen, Sie stellen Informationen für
Verbraucher zur Verfügung, und Sie schaffen Sicherheitszonen im Internet für Verbraucher und tun
dies in einer dezentralisierten Weise, die effektiver sein
wird.
Das kann von der Regierung über Bestimmungen
bezüglich Betrug unterstützt werden. Beispielsweise
kann jemand strafrechtlich verfolgt werden, wenn er in
betrügerischer Absicht das Siegel anbringt. Aber der
erste Schritt der Entwicklung und Umsetzung wird vom
Privatsektor unternommen, und wir glauben, daß er in
diesem digitalen Zeitalter weniger bürokratisch und
effektiver sein wird.
Es gibt eine Reihe anderer Themen, auf die ich heute
nicht eingehen möchte. Sie haben mit Sicherheit zu
tun und mit der Gewährleistung, daß eine angemessene Bandbreite zur Verfügung steht.
Das Phänomen, das wir jetzt beobachten, wenn wir die
richtigen Bedingungen schaffen, wird unsere Wirtschaft und die Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten ankurbeln. Es ist ein starker Wachstumsmotor. Aus diesem Grund haben wir die Verantwortung, die richtigen Bedingungen zu schaffen, die
das Entstehen dieser neuen Wirtschaftswelt wirklich
ermöglichen.
In den Vereinigten Staaten hatten wir Glück, weil sich
bestimmte Dinge einander angenähert haben. Zum
Beispiel haben wir einen meines Wissens in Europa
nicht so verbreiteten Risikokapitalmarkt, der das
Wachstum unseres elektronischen Handels und

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�unserer E-Technologieindustrien gefördert hat. Jede
Woche werden buchstäblich Tausende und Abertausende mit Risikokapital finanzierte Unternehmen
gegründet.
Wir haben ein generelles Finanzsystem auf dem
Aktienmarkt, das künftigen Einnahmen hohen Wert
beimißt. Das gestattet auf den Markt kommenden
Unternehmen zu investieren, um einen Marktanteil zu
schaffen und im ersten Jahr keine Gewinne machen zu
müssen.
In den Vereinigten Staaten kann unser Finanzsystem
das leisten. Deswegen ist dieses Finanzsystem von
entscheidender Bedeutung, und wir schätzen uns
glücklich, es zu haben.
Wir haben auch eine gute Forschungs- und Entwicklungsbasis in unseren Universitäten, die zum Teil von
unserer Regierung finanziert wurde und zur Schaffung
der Voraussetzungen für das Internet beigetragen hat.
Wir haben uns nicht eingemischt. Wir haben nicht
versucht, sie zu früh zu regulieren, und das war
meines Erachtens sehr wichtig.
In den Vereinigten Staaten gibt es eine gravierende
Unzulänglichkeit, die wir ansprechen müssen, aber
dennoch nicht richtig ansprechen. Unsere Bildungsund Ausbildungssysteme sind der Aufgabe dieses
neuen Informationsmarkts nicht gewachsen. Wegen
des Internet werden Millionen von Arbeitsplätzen
geschaffen, und wegen des Internet gehen Millionen
von Arbeitsplätzen verloren. Die gute Nachricht ist: Es
werden mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut,
weil wir reales Wachstum haben. Eine weitere gute
Nachricht ist, daß diese Arbeitsplätze besser bezahlt
werden als die abgebauten. Der Abbau von Arbeitsplätzen wird im Einzelhandel und bei Vermittlertätigkeiten erfolgen wie Versicherungen, Reisebüros und
so weiter. Die Schaffung von Arbeitsplätzen wird in
den besser bezahlten Informationstechnologien
erfolgen.
Die schlechte Nachricht für alle Volkswirtschaften inklusive unserer eigenen - wird sein, daß unsere
Bürger nicht gut genug ausgebildet sind und wir nicht
genügend Umschulungskapazitäten haben, damit sie
diese Arbeitsplätze übernehmen können. Ich muß
zugeben, daß wir in den Vereinigten Staaten auf
diesem Gebiet noch nicht da sind, wo wir sein sollten.

*

Seite 6

Abschließend möchte ich noch sagen, als der Präsident mich gebeten hat, diese Aufgabe zu übernehmen, habe ich als erstes einiges über die Industrielle
Revolution gelesen. Es war sehr interessant, denn
während der Industriellen Revolution fanden grundlegende Veränderungen in den wirtschaftlichen, rechtlichen und kommerziellen Paradigmen statt. Einige
Nationen waren diesen Veränderungen gegenüber
aufgeschlossen und haben im Hinblick auf wirtschaftliche, kommerzielle und rechtliche Fragen rasch
umgedacht. Andere Nationen taten das nicht. Sie
versuchten, an den alten Zeiten festzuhalten. Sie
hatten Angst vor Veränderungen. Sie können sich die
Korrelationen betrachten - sie stimmen 100 Prozent.
Die Länder, die sich veränderten, hatten im Industriezeitalter Erfolg. Die sich nicht veränderten, hinkten
hinterher.
Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Periode. Bei
unseren Vorbereitungen auf die Gespräche mit
anderen Ländern auf der ganzen Welt haben wir diese
Diskussionen nicht wie Handelsgespräche behandelt,
bei denen wir versuchen, andere Nationen zu zwingen,
dies oder das zu tun, und sie versuchen, uns zu
zwingen, etwas zu tun. Wir halten das für altmodisch.
Es ist nicht neumodisch. Es werden eine Milliarde
Menschen im Internet sein. Wenn ein Land versucht,
das Internet zu drastisch zu regulieren, es zu drastisch
zu besteuern oder es zu zensieren, werden die
Einwohner dieses Landes nicht im Internet sein. Das
wird nicht das Problem der Welt sein, sondern das
Problem dieses Landes.
Deswegen sind wir nicht daran interessiert, irgend
jemanden zu irgend etwas zu zwingen. Wir sind an
Zusammenarbeit als gleichberechtigte Partner interessiert, um zur Schaffung der Architektur für diese
neue Zukunft beizutragen. Denn obwohl wir dies alles
jahrelang studiert haben, verstehen wir nicht, in welche
Richtung das alles geht. Keiner tut das. Jeder, der
sich hinstellt und behauptet zu wissen, wie das alles in
fünf Jahren aussieht, stellt eine falsche Behauptung
auf.
Deswegen möchten wir mit anderen zusammenarbeiten, die an dieser Zukunft interessiert sind, um
eine gemeinsame Architektur zu schaffen, die uns
allen von Nutzen ist.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

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