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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

17. Juni 1998

12

DROGEN

CLINTON RUFT ZU INTERNATIONALER
ZUSAMMENARBEIT IM KAMPF GEGEN
DROGEN AUF
Rede des Präsidenten
vor der UN-Generalversammlung

BOSNIEN

DIE SITUATION IN BOSNIEN HAT SICH
ENORM VERBESSERT
Stellungnahme von Robert S. Gelbard

USA-EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND
DIE VOLLENDUNG EUROPAS
Rede von Botschafter John C. Kornblum

TECHNOLOGIE

DAS JAHR 2000-PROBLEM
von Verkehrsminister Rodney Slater

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138

Internet: http://www.usembassy.de

�DROGEN
17. Juni 1998

Clinton ruft zu internationaler Zusammenarbeit
im Kampf gegen Drogen auf
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Präsident Bill Clinton am 8. Juni
1998 bei der Sondersitzung der UN-Generalversammlung über das weltweite Drogenproblem gehalten hat.

Herr Generalsekretär, Präsident Udovenko, Exekutivdirektor Arlacchi, verehrte Amtskollegen. Heute treffen
wir uns im Rahmen dieser Sondersitzung der UNGeneralversammlung, um unser gemeinsames
Vorgehen gegen die uns alle betreffende Bedrohung
durch den weltweiten Drogenhandel und -mißbrauch
zu erörtern.
Zuerst möchte ich meinem Freund, Präsident Zedillo,
für seine Vision danken, durch die diese Sitzung
möglich wurde, sowie für seinen couragierten und
entschlossenen Kampf gegen Drogen. Und ich danke
allen hier vertretenen Nationen, die sich durch unseren
gemeinsamen Kampf gegen Drogen für die Zukunft
unserer Kinder einsetzen.
Vor zehn Jahren verabschiedeten die Vereinten
Nationen eine bahnbrechende Konvention zur Förderung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des
illegalen Drogenhandels. Derzeit ist das Potential für
diese Art von Zusammenarbeit größer denn je - und
wird mehr denn je benötigt. Heute, da weltweit
trennende Blöcke und Mauern beseitigt werden, die
Technologie Fortschritte macht und die Demokratie
sich ausbreitet, profitieren die Menschen immer
stärker, wenn Nationen zusammenarbeiten und
voneinander lernen. Aber genau die Offenheit, die
unser Leben bereichert, wird von Kriminellen, insbesondere den Drogenhändlern, ausgebeutet.
Heute verleihen wir unserer Überzeugung Ausdruck,
daß keine Nation so groß und mächtig ist, daß sie den
Kampf gegen Drogen im Alleingang gewinnen kann,
und daß keine zu klein ist, um etwas zu bewirken. Alle
haben die Pflicht, sich an dem Kampf zu beteiligen.

AMERIKA DIENST 12

Aus diesem Grund bieten wir dieser Bedrohung
unserer Sicherheit und unserer Zukunft gemeinsam die
Stirn.
Es steht viel auf dem Spiel, denn die Drogenbarone
unterminieren die Grundlagen von Demokratien,
korrumpieren die Integrität von Marktwirtschaften,
bedrohen das Leben, die Hoffnungen und die Zukunft
von Familien auf jedem Kontinent. Es darf keinen
Zweifel geben: Dies ist letzten Endes ein Kampf um die
Freiheit des Menschen.
Erstmals in der Geschichte lebt mehr als die Hälfte der
Weltbevölkerung unter einer Regierung ihrer Wahl. In
praktisch jedem Land sehen wir eine Ausweitung von
persönlicher Freiheit. Wir können das alles nicht für
Millionen von Menschen wegen einer Kombination aus
persönlicher Schwäche und nationaler Vernachlässigung aufs Spiel setzen. Wir müssen den Drogenhändlern beweisen, daß sie im Unrecht sind. Wir sind
entschlossen, und wir können etwas erreichen.
Die Nationen haben bewiesen, daß wir dieses Übel
durch entschlossene und unermüdliche Bestrebungen
bekämpfen können. Der Drogenkonsum in den
Vereinigten Staaten ist seit 1979 um 49 Prozent
gesunken. Die neuesten Studien zeigen, daß sich der
Drogenkonsum unserer jungen Menschen stabilisiert
und in einigen Kategorien abnimmt. Insgesamt ist der
Kokainkonsum seit 1985 um 70 Prozent gesunken.
Die Crackepidemie ist rückläufig. Im vergangenen
Jahr beschlagnahmte unsere Küstenwache mehr als
50.000 Kilogramm Kokain. Heute geben die Amerikaner 37 Prozent weniger Geld für Drogen aus als vor
einem Jahrzehnt. Das bedeutet, daß mehr als 34

Seite 1

�Milliarden Dollar in unsere Gesellschaft reinvestiert
anstatt für Drogen vergeudet werden.
Viele andere Nationen machen große Fortschritte.
Mexiko stellte 1997 einen Rekord bei der Vernichtung
von Drogenanbaufeldern auf.
Der peruanische
Kokaanbau ist seit 1995 um 42 Prozent gesunken. Im
Rahmen seines Programms zur Vernichtung von
Drogen aus der Luft hat Kolumbien Zehntausende
Hektar Kokapflanzen vernichtet. Der Anbau von
Schlafmohn in Thailand nimmt stetig ab - allein dieses
Jahr um 24 Prozent.
Die Vereinigten Staaten sind auch ein Partner bei der
globalen Strafverfolgung und bei Bestrebungen zur
Sicherstellung von Drogen. Im vergangenen Jahr
finanzierten wir die Ausbildung im Bereich der Drogenund Kriminalitätsbekämpfung von mehr als 8.250
Beamten. 1997 beschlagnahmten die Regierungen
Lateinamerikas und der Karibik ungefähr 166 Tonnen
Kokain. Eine besser ausgebildete Polizei mit einem
verbesserten Informationsaustauschsystem nimmt
weltweit mehr Drogenhändler fest.
Gemeinsame Informationsnetze für verdächtige
Finanztransaktionen tragen in Dutzenden von Ländern
wirksam zur Bekämpfung der Geldwäsche bei. Ende
des Jahres 2000 werden die Vereinigten Staaten
weiteren 20 Ländern Hilfe bei Aufbau und Stärkung
dieser Einrichtungen zur Bekämpfung der Finanzkriminalität geben. Wir müssen und können Drogenhändler des schmutzigen Geldes berauben, das ihren
tödlichen Handel finanziert.
Je mehr wir sind, desto stärker werden wir - vom
Drogenbekämpfungsbündnis der westlichen Hemisphäre, das beim jüngsten gesamtamerikanischen
Gipfel gegründet wurde, bis zu den von den G-8
vergangenen Monat unternommenen Schritten gegen
Drogen und Kriminalität. Das Drogenkontrollprogramm
der Vereinten Nationen (UNDCP) bekämpft unter der
Leitung von Exekutivdirektor Arlacchi Drogenherstellung, -handel und -mißbrauch in einigen der
problematischsten Regionen der Welt, während es
gleichzeitig sicherstellt, daß die von uns aufgewendeten Gelder optimale Ergebnisse hervorbringen. Ich
begrüße das Ziel des UNDCP, den Anbau von Kokapflanzen und Schlafmohn bis zum Jahr 2008 dramatisch zu senken. Wir in den Vereinigten Staaten
werden das Unsrige tun, um dieses Ziel zu erreichen.
Trotz aller Leistungen der vergangenen Jahre dürfen
wir Fortschritt nicht mit Erfolg verwechseln. Das
Gespenst der Droge geht immer noch um. Damit wir
es besiegen, müssen wir noch mehr tun - mit dynamischen nationalen Strategien, intensivierter internationaler Zusammenarbeit und mehr Mitteln.
Die Debatte zwischen Drogenanbauländern und
Konsumentenländern über die Verantwortung für das

Seite 2

Drogenproblem hat allzu lange angedauert. Um
ehrlich zu sein: Diese Debatte war dem Kampf gegen
Drogen nicht förderlich. Schuldzuweisungen lenken
nur vom eigentlichen Problem ab. Dadurch wird nicht
ein einziges Kartell zerschlagen, wird keinem einzigen
Abhängigen geholfen, wird kein einziges Kind davon
abgehalten, Heroin zu probieren und vielleicht daran
zu sterben. Darüber hinaus verwischen die Grenzen
zwischen Produzenten-, Konsumenten- und Transitländern immer mehr. Drogen stellen für jede Nation ein
Problem dar, und jede Nation muß sie bekämpfen - auf
der Straße, in der Familie und weltweit.
Das ist die Verpflichtung der Vereinigten Staaten. Jahr
für Jahr hat unsere Administration den größten
Drogenbekämpfungshaushalt in der Geschichte
verabschiedet. Unser Antrag für das kommende Jahr
beläuft sich auf mehr als 17 Milliarden Dollar, von
denen fast 6 Milliarden für die Verringerung der
Nachfrage aufgewendet werden. Unsere umfassende
nationale Drogenkontrollstrategie zielt darauf ab,
Verfügbarkeit und Konsum von Drogen in den Vereinigten Staaten in den nächsten 10 Jahren zu halbieren - durch starke Strafverfolgungsbehörden, härteres
Vorgehen bei der Beschlagnahme, verbesserte
Behandlung und ausgeweitete Prophylaxe. Wir sind
entschlossen, ein drogenfreies Amerika zu schaffen
und uns beim weltweiten Kampf gegen Drogen mit
anderen zusammenzuschließen.
Wir sind der Ansicht, daß Handlungen durch Überzeugungen bewirkt werden. Aus diesem Grund kämpfen
wir die erste Schlacht in den Köpfen unserer jungen
Menschen. Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit dem Kongreß und dem Privatsektor
eine Medienkampagne zur Bekämpfung des Drogenkonsums unter jungen Menschen eingeleitet. Wenn
unsere Kinder den Fernseher einschalten, im Internet
surfen oder Radio hören, werden sie die überzeugende Botschaft erhalten, daß Drogenkonsum falsch ist
und sie umbringen kann.
Ich werde den Kongreß um die Verlängerung dieses
Programms bis 2002 bitten. Mit Unterstützung des
Kongresses und entsprechenden Finanzmitteln des
Privatsektors werden wir ein fünf Jahre laufendes

Partnerschaftsprogramm zwischen dem öffentlichen
und Privatsektor in Höhe von 2 Milliarden Dollar ins
Leben rufen, um unsere Kinder zu lehren, drogenfrei
zu bleiben.
Andere Nationen, einschließlich Mexiko, Venezuela
und Brasilien, beginnen ähnliche Kampagnen. Ich
hatte die Ehre, dieses Thema gestern mit dem brasilianischen Präsidenten eingehend zu erörtern. Ich hoffe,
alle unsere Nationen können zusammenarbeiten und
die Botschaft an alle Kinder auf der ganzen Welt
verbreiten: Drogen zerstören das Leben junger
Menschen - laß nicht zu, daß sie Dein Leben zerstören.

AMERIKA DIENST 12

�Die Vereinigten Staaten setzen sich auch für die
Gründung einer virtuellen Universität für Prävention
und Behandlung von Suchtmittelmißbrauch ein - unter
Einsatz moderner Technologie zum Austausch von
Wissen und Erfahrungen über nationale Grenzen
hinweg. Wir werden diese Bestrebungen im kommenden Monat in New Mexiko mit einem internationalen
Ausbildungskurs zur Verringerung der Nachfrage nach
Drogen einleiten. Regierungsvertreter und Angehörige
verschiedener Berufe aus Mexiko, El Salvador und
Honduras werden mit Experten für Drogenmißbrauch
und die Verhinderung von Gangbildung aus den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten. Der Kurs wird
vom US-Informationsamt (United States Information
Agency - USIA) per Satellit übertragen, damit jeder mit
Zugang zum Worldnet sich einschalten kann.
Unser nationales Institut für Drogenmißbrauch, das 85
Prozent der weltweiten Drogenforschung finanziert,
wird im Internet Videos seiner Drogenpräventions- und
-behandlungsworkshops anbieten. Das bedeutet, daß
jeder mit Zugang zu einem Computer und einem
Modem - ein Elternteil mit einem drogenabhängigen
Kind, ein Arzt, ein Wissenschaftler auf der Suche nach
einem Heilmittel - Zugang zu den neuesten, modernsten medizinischen Erkenntnissen über Drogen haben
wird.
Ein solcher Austausch von Informationen, Erfahrungen
und Ideen ist wichtiger denn je. Aus diesem Grund

*

AMERIKA DIENST 12

freue ich mich ganz besonders, die Einrichtung eines
internationalen Drogenforschungsstipendiums bekanntgeben zu können, das es Fachleuten aus der
ganzen Welt ermöglicht, in die Vereinigten Staaten zu
kommen und mit unseren Drogenbekämpfungsbehörden zusammenzuarbeiten.
Im Mittelpunkt
werden die Prioritäten dieser Sondersitzung stehen:
Verringerung der Nachfrage, Aufputschmittel, Grundstoffe, Geldwäsche, Zusammenarbeit im Justizwesen,
Entwicklung alternativer Stoffe und Vernichtung von
illegalen Drogenpflanzungen.
Diese Forschungsstipendien werden uns allen helfen.
Sie werden unseren Nationen helfen, voneinander zu
lernen, während sie eine globale Truppe ausgebildeter
und erfahrener Drogenbekämpfungsexperten aufstellen.
Gemeinsam müssen wir den langen Arm des Gesetzes noch verlängern und die helfende Hand noch
weiter ausstrecken, um der globalen Reichweite dieses
Problems Rechnung zu tragen. Wir wollen diese
Sondersitzung mit der Entschlossenheit verlassen,
unter Einsatz aller uns zur Verfügung stehenden Mittel
gemeinsam im Geist von Vertrauen und Respekt im Inund Ausland gegen Angebot und Nachfrage vorzugehen, um den weltweiten Kampf gegen Drogen zu
gewinnen und ein sicheres und gesundes 21. Jahrhundert für unsere Kinder zu schaffen.

* * *

*

Seite 3

�BOSNIEN
17. Juni 1998

Die Situation in Bosnien hat sich enorm verbessert
Stellungnahme von Robert S. Gelbard

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Sondergesandten des
Präsidenten und der Außenministerin für die Implementierung des Friedensabkommens von Dayton, Robert S.
Gelbard, vor dem Streitkräfteausschuß des Senats am 4. Juni 1998.

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Ausschusses. Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen,
heute unsere Fortschritte bei der Erfüllung des Friedensabkommens von Dayton mit Ihnen zu erörtern.
Ich möchte eine kurze vorbereitete Stellungnahme
abgeben, die ins Protokoll aufgenommen wird, so daß
genügend Zeit für die Beantwortung Ihrer Fragen
bleibt. Ich bin mir bewußt, daß Ihr Hauptinteresse
heute Bosnien ist, aber ich möchte Sie auch über die
sich verschlechternde Situation im Kosovo informieren
- eine Situation, die das Potential hat, die umfassendere Sicherheit in der Region und unsere beträchtlichen
Investitionen in einen stabilen bosnischen Frieden zu
gefährden.
Als ich diese Position im April letzten Jahres übernahm, bestand meine erste Aufgabe in einer gründlichen Überprüfung unserer Politik und Programme
sowie der Erarbeitung eines umfassenden Plans für
die Beschleunigung des Tempos der Implementierung
zusammen mit allen anderen zuständigen Abteilungen
der Exekutive. Diese vom Präsidenten Mitte Mai
letzten Jahres genehmigte Überprüfung diente als
Grundlage für verstärkte Konzentration auf alle
Aspekte der Implementierung mit starker Betonung auf
verbesserter Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften und den lokalen Behörden für die zivile Implementierung. Sie diente ferner als Grundlage für
eine Strategie, extremistische Hardliner auszugrenzen,
die systematisch alle Bestrebungen zur Implementierung von Dayton blockierten, insbesondere die
bosnisch-serbischen Einheiten, und gemäßigtere,
Dayton befürwortende Politiker aller drei ethnischen
Gruppen zu unterstützen, die eine glaubwürdige

AMERIKA DIENST 12

Alternative zur verkrusteten bosnischen Kriegsführung
bieten könnten.
Unterstützung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und
mehr Pluralismus bilden das Kernstück von Dayton
und sind weiterhin eine Priorität, während wir die
Implementierung voranbringen. Wir helfen Bosnien
nicht nur, sich von der Zerstörung der vier Kriegsjahre
zu erholen, sondern wir arbeiten auch - so wie wir es in
anderen osteuropäischen Ländern getan haben - mit
den bosnischen Politikern zusammen, um die 40 Jahre
zentraler kommunistischer politischer und wirtschaftlicher Kontrolle zu überwinden. Das ist ein langwieriger
Prozeß, aber jüngste Fortschritte an der wirtschaftlichen Front veranschaulichen, wie weit wir bereits
gekommen sind: Der IWF hat vergangene Woche ein
Beistandsabkommen für Bosnien genehmigt, die
Weltbank hat heute Morgen einen größeren Strukturanpassungskredit gewährt und die neue bosnische
Währung - die während wir hier reden, gedruckt wird kommt am 15. Juni in Umlauf. Bosnien sollte bald für
die Umschuldungsmaßnahmen des Pariser Clubs in
Frage kommen und hat ein Privatisierungsregime
verabschiedet, das ausländische Investitionen anziehen sollte - den langfristigen Motor für Wachstum der
bosnischen Volkswirtschaft.
Ich möchte mich klar ausdrücken. Ich meine nicht, daß
die amerikanischen Truppen in Bosnien eine Nation
aufbauen. Das ist meine Aufgabe - in Zusammenarbeit
und mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aber der Friedensprozeß ist nach wie vor
instabil, und ohne die durch die SFOR-Präsenz
gebotene Sicherheit und das Vertrauen - insbesondere
angesichts des Konflikts in der Bundesrepublik
Jugoslawien - könnte Bosnien sehr wohl an Boden

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verlieren oder, was noch schlimmer wäre, der Krieg in
Bosnien wieder aufflammen. Und das würde endlose
Instabilität in einer Region bedeuten, die von zentraler
Bedeutung für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ist.
Der Implementierungsplan bietet den Rahmen - im
Grunde einen Wegweiser - für die Implementierung
aller unterschiedlichen Aspekte von Dayton. Nachdem
wir einmal genau definiert hatten, was getan werden
mußte und wo die Hindernisse für Fortschritt lagen,
begannen wir zusammen mit den Parteien - einschließlich Kroatiens und der "Bundesrepublik Jugoslawien" - jedes erdenkliche Druckmittel einzusetzen,
um sie zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen im Rahmen des Abkommens zu drängen. Obwohl wir in den
vergangenen 14 Monaten enormen politischen und
wirtschaftlichen Druck auf sie alle ausgeübt haben, ist
das beste Druckmittel, das wir für die bosnischen
Hardliner hatten, die versuchten, die Rüstungskontrolle
oder die Reform der Polizei, die Rückkehr der Flüchtlinge oder freie Wahlen zu blockieren, zweifelsohne die
SFOR-Präsenz.
Unsere Überprüfung der Politik brachte den Konsens
hervor, daß die uneingeschränkte Unterstützung der
zivilen Implementierungsbestrebungen für den Erfolg
insgesamt unerläßlich sein wird. General Clark - der
den Posten als Oberster Alliierter Befehlshaber Europa
sowohl mit Fachwissen als auch offenkundiger
Begeisterung für die Aufgabe antritt - hat dazu beigetragen sicherzustellen, daß die Partnerschaft
zwischen den zivilen Behörden und dem Militär in
Bosnien Realität wird. Diese Partnerschaft hat zusammen mit der verstärkten amerikanischen Führungsrolle beim Drängen auf politische Veränderungen
und einer gestärkten zivilen Führung vor Ort enorme
Ergebnisse hervorgebracht.
Seit der Wahl einer gemäßigten Regierung in der
Republika Srpska hat sich das Tempo der Implementierung beschleunigt - das ist wahrscheinlich der
wichtigste Durchbruch, den wir bis heute erzielt haben.
Im Sommer letzten Jahres erkannte die Präsidentin der
Republika Srpska, Plavsic, daß die serbische konstituierende Einheit infolge der Kompromißlosigkeit
ihrer korrupten Politiker immer weiter hinter der
Föderation hinterherhinkte. Unser kontinuierlicher
Druck auf die bosnisch-serbischen extremistischen
Hardliner hat ihr den Handlungsspielraum verschafft,
um mit Radovan Karadzic und seiner Clique zu
brechen und eine Koalition mit gemäßigteren Politikern
zu bilden, die von den Extremisten seit langem zum
Schweigen gebracht worden waren.
Diese bei Parlamentswahlen im November vergangenen Jahres hart erkämpfte Verlagerung der Macht
führte zu einer beinahe paradoxen Situation: Jetzt gibt
es in der Republika Srpska größeren Pluralismus und
an einer Reihe von Fronten bessere Zusammenarbeit

Seite 2

seitens der Regierung dieser konstituierenden Einheit sogar bei dem heiklen Thema der Überstellung
angeklagter Kriegsverbrecher.
In den vergangenen Monaten haben wir auch den
Druck auf die Politiker der Föderation - Bosniaken und
bosnische Kroaten gleichermaßen - verstärkt, um die
Kämpfe unter ihnen zu beenden und auf die Erfüllung
eines breiten Spektrums von Verpflichtungen zu
drängen. Beispielsweise setzten wir die Hilfe für die
von den Bosniaken kontrollierten Teile Sarajevos aus
angesichts der mangelnden Bereitschaft, eine umfassende Rückkehr der Flüchtlinge nach Sarajevo zu
ermöglichen, die Sarajevo wieder zu einem pulsierenden multiethnischen Kulturzentrum machen würden.
Inzwischen haben sie Gesetze zur Veräußerung von
Grundbesitz erlassen, die dies ermöglichen, und wir
werden weiterhin darauf drängen zu gewährleisten,
daß sie vollständig umgesetzt werden.
Die bosnischen Kroaten, die im wesentlichen immer
noch von einer Gruppe Extremisten kontrolliert werden, blockieren die Implementierung an einer Reihe
von Fronten. Am offenkundigsten ist die Weigerung
der führenden bosnisch-kroatischen Militärs sowie der
Polizei in einer Reihe von Kantonen, die offiziellen
Insignien und Symbole der Föderation anzuerkennen;
statt dessen zeigen sie die Flaggen und Insignien der
"Republik von Herzeg Bosna" aus der Kriegszeit.
Als Reaktion auf ihre andauernde Kompromißlosigkeit
haben wir Aktivitäten im Zusammenhang mit dem
Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm ausgesetzt,
das eine vereinigte Föderationsarmee - nicht zwei
ethnische Armeen - unterstützen soll und erwarten,
daß die Probleme unverzüglich angesprochen werden.
Selbst angesichts der uns konfrontierenden Hindernisse - die zwangsläufig weiterbestehen werden haben wir enorme Fortschritte erzielt:
Der politische und wirtschaftliche Einfluß
angeklagter Kriegsverbrecher in der Republika Srpska wurde seit der Amtseinführung
der Regierung Plavsic-Dodik im Herbst vergangenen Jahres beträchtlich verringert. Die
Hauptstadt wurde von Pale nach Banja Luka
verlegt, staatlich gelenkte Medien wurden von
der SDS-Kontrolle befreit und umstrukturiert,
und die zivile Polizei kooperiert unter einem
neuen
Innenminister
mit
dem
Umstrukturierungs- und Reformprogramm der
internationalen Polizeieinsatztruppe (IPTF).
Darüber hinaus haben die rasche Reform der
Haushalts- und Steuergesetze der Republika
Srpska sowie ihre Privatisierungsgesetze und
die Umstrukturierung des Zollwesens die
Kontrolle von Karadzic und seinen Kumpanen
über Ressourcen der konstituierenden Einheit
beträchtlich verringert.

AMERIKA DIENST 12

�Freizügigkeit und Sicherheit haben sich
dramatisch verbessert - einzelne Bosnier
können regelmäßig zwischen den konstituierenden Einheiten hin- und herreisen. Neue
gemeinsame Kraftfahrzeugkennzeichen waren
eine enorme Hilfe, aber dieser Trend ist
hauptsächlich eine Folge von Umstrukturierung, Ausbildung und ethnischer Integration
der örtlichen Polizeieinheiten. Die ethnische
Integration der Polizeieinheiten hat sich auch
als wesentlicher Faktor für die Flüchtlinge bei
ihrer Entscheidung erwiesen, wann und ob sie
nach Hause zurückkehren.
Praktisch alle Polizeieinheiten der Föderation
wurden umstrukturiert, und wir machen jetzt
gute Fortschritte beim Abbau und der Umstrukturierung der Polizei der Republika
Srpska. Darüber hinaus wurde die Sonderpolizei - paramilitärische Einheiten - der
Republika Srpska von der SFOR aufgelöst.
Die Innen- und Justizministerien der Republika Srpska und der Föderation haben
Kooperationsabkommen unterzeichnet und
tauschen Informationen über Fragen im
Zusammenhang mit Kriegsverbrechen aus.
Die bosnische Wirtschaft setzt ihre Erholungsund Wachstumsphase fort, insbesondere in
der Föderation. Angesichts der politischen
Veränderungen in der Republika Srpska hat
auch diese die dringend benötigte Hilfe erhalten. Die Industrieproduktion in der Föderation
hat sich 1996 fast verdoppelt und ist 1997
landesweit um ungefähr 25 Prozent angestiegen.
In allen größeren Städten Bosniens
wurde die Stromversorgung und in den
meisten die Wasserversorgung wiederhergestellt. Die Eisenbahn ist landesweit wieder
in Betrieb, die regionalen Flughäfen wurden
für den zivilen und kommerziellen Luftverkehr
geöffnet, und in Bosnien wird im Juli ein
einheitliches Telekommunikationssystem mit
einer gemeinsamen Landeskennzahl eingeführt.
Mehr als 400.000 Flüchtlinge und Vertriebene
sind seit Kriegsende nach Hause zurückgekehrt -170.000 davon 1997. Wir und der UNHochkommissar für Flüchtlinge haben uns
stark für die Beschleunigung des Rückkehrprozesses der verbleibenden Flüchtlinge und
Vertriebenen eingesetzt, von denen die
meisten in Gebiete zurückkehren, in denen sie
einer ethnischen Minderheit angehören.
Bestenfalls ist der Prozeß der Wiedereingliederung von Familien in ihre Städte und Häuser
langsam und komplex, aber selbst in Gebieten, in denen die Rückkehr zu Konflikten
führte - beispielsweise in Drvar - können

AMERIKA DIENST 12

Angehörige von Minderheiten erfolgreich
zurückkehren. Tatsächlich sind trotz anfänglicher gewalttätiger Übergriffe 1.000 serbische
Familien nach Drvar zurückgekehrt und dort
geblieben.
34 von 79 öffentlich angeklagten Kriegsverbrechern wurden vor Gericht gestellt.
28
befinden sich noch in Gewahrsam des internationalen Kriegsverbrechertribunals für das
ehemalige Jugoslawien in Den Haag, drei
wurden bereits freigelassen. Vier weitere sind
nachweislich verstorben, und das Tribunal ließ
13 Anklagen fallen. 31 öffentlich angeklagte
Kriegsverbrecher sind weiterhin auf freiem
Fuß, und ihre Überstellung nach Den Haag
hat für diese Administration und unsere Verbündeten weiterhin oberste Priorität.
Dies sind konkrete, meßbare Fortschritte - die viele
von uns im Dezember aufgestellte Bedingungen
erfüllen. Wenn sie zügig fortgesetzt werden, werden
sie gewährleisten, daß der Friedensprozeß selbsterhaltend und unumkehrbar wird. Unsere nächste
große Herausforderung wird darin bestehen sicherzustellen, daß die für September anberaumten Nationalwahlen der Motor für weitere Fortschritte, mehr
Pluralismus und mehr Befugnisse für eine neue
Generation führender Politiker werden, die sich auf die
Zukunft Bosniens konzentrieren anstatt auf seine
tragische, kriegerische Vergangenheit.
Die Kommunalwahlen des vergangenen Jahres und
die Parlamentswahlen in der Republika Srpska boten
einen überzeugenden Präzedenzfall für den Wandel.
In 133 von 136 Gemeinden wurden Räte eingesetzt;
nur eine Kommune - Srebrenica - bleibt völlig unnachgiebig. In mehreren wichtigen Städten der beiden
konstituierenden
Einheiten wurden
Extremisten
abgewählt, und die gemäßigte Koalition zwischen
Plavsic und Dodik verzeichnete wesentliche Gewinne
in den ehemaligen Hochburgen Karadzics, einschließlich Bijeljina, Bratunac, Visegrad und Zvornik.
Wir arbeiten jetzt aktiv - durch die Unterstützung von
unabhängigen Medien, Oppositionsparteien
und
Nichtregierungsorganisationen an der Basis - an der
Förderung dieses Trends, damit er hoffentlich in
größerem Ausmaß in der Förderation wiederholt
werden kann. In der bosnisch-kroatischen Hardliner
Partei HDZ hat sich gerade eine größere Kluft gebildet.
Wir hoffen, daß wir dazu beitragen können, diese in
eine Chance umzuwandeln, indem wir gemäßigte
Politiker stärker fördern und diejenigen unterstützen,
die zur Förderung und Umsetzung des Daytoner
Abkommens bereit sind. In ähnlicher Weise wollen wir
den Druck auf die monolithische bosniakische Führung
und die Medien aufrechterhalten, einen Teil ihrer
Macht zu teilen und den Demokratisierungsprozeß
einzuleiten.

Seite 3

�Obwohl bereits viele Fortschritte erzielt wurden, liegt
immer noch viel Arbeit vor uns, damit das Erreichte
konsolidiert werden kann. Die internationale Staatengemeinschaft stellt bei ihren Zusammenkünften im Mai
und kommende Woche mit Hilfe des Friedensimplementierungsrats und der NATO eine wirksame Agenda
für das nächste Jahr auf. Die NATO hat nicht nur einer
Verlängerung des SFOR-Mandats zugestimmt; die
Verbündeten haben auch unsere Bedingungen für die
Bewertung des Fortschritts übernommen. Die Minister
des Lenkungsausschusses des Friedensimplementierungsrats werden am 9. Juni zusammenkommen, um
den Implementierungsprozeß in diesem Jahr zu
überprüfen und Ziele für den Rest des Jahres 1998
aufzustellen. Auch diese Agenda wird die von uns
dargelegten Prioritäten und Bedingungen reflektieren Bedingungen, die in enger Zusammenarbeit mit der
SFOR und der NATO erfüllt werden.
Obwohl sich die Situation enorm verbessert hat, sind
die Präsenz und die aktive Rolle der SFOR weiterhin
von großer Bedeutung. Keine örtliche Streitmacht
hätte Präsidentin Plavsic ein ausreichendes Gefühl der
Sicherheit geben können, sich gegen ihren alten
Mentor Karadzic zu erheben und ihn öffentlich der
Korruption anzuklagen oder trotz gewaltiger Opposition
eine Koalitionsregierung zu bilden. Noch hätten
Tausende von Flüchtlingen die zwischen beiden
konstituierenden Einheiten verlaufende Grenze
überqueren und in ihrer alten Heimat in dem Bestreben
zur Wahl gehen können, ihre Zukunft und die ihrer
Kinder zu sichern. Auch heute überqueren bosniakische Mitglieder der Stadträte in Städten der Republika
Srpska regelmäßig die zwischen den konstituierenden
Einheiten verlaufende Grenzlinie, um an Treffen
teilzunehmen und bei der Verwaltung dieser Regierungen zu helfen.
Die SFOR hat all diese Implementierungsbestrebungen entscheidend unterstützt, und ein überstürzter
Rückzug könnte diese positive Dynamik bedrohen.
Wir sind entschlossen sicherzustellen, daß dieser
Fortschritt sich noch beschleunigt und das Erreichte
unumkehrbar wird. Ebenso wie alle unsere NATOVerbündeten möchten wir nicht nur, daß diese Truppen Bosnien verlassen und in ihre Heimat zurückkehren können - wir möchten auch mit Stolz auf ihren
dauerhaften Beitrag zu Frieden, Stabilität und letzten
Endes zum Demokratisierungsprozeß in Osteuropa
verweisen können.
Der Kosovo
Obwohl der Schwerpunkt dieser Anhörung auf Bosnien
liegt, ist die eskalierende Gewalt im Kosovo angesichts
der massiven Menschenrechtsverletzungen und der
augenfälligen Bedrohung, die diese Krise für die
regionale Stabilität darstellt, Anlaß zu großer Sorge.
Wir haben im Umgang mit den Unterzeichnern des
Daytoner Abkommens, insbesondere mit Präsident

Seite 4

Milosevic [der "Bundesrepublik Jugoslawien"], unnachgiebig darauf bestanden, daß die Errungenschaften des Friedensabkommens nicht durch die
Entwicklungen im Kosovo oder durch Versuche
politischer Manipulation von Seiten Belgrads gefährdet
werden dürfen.
Die Vereinigten Staaten waren führend bei den
internationalen Bestrebungen, Belgrad dazu zu
bewegen, den legitimen Anliegen der albanischen
ethnischen Mehrheit im Kosovo mit politischen Mitteln
zu entsprechen, und bestehen seit Dayton darauf,
bestimmte Sanktionen an Fortschritte im Kosovo zu
binden. Nachdem Belgrad im Februar durch sein
brutales Vorgehen mit Hilfe paramilitärischer Polizeikräfte die derzeitige Krise ausgelöst hat, überredeten
wir unsere Verbündeten zur Verabschiedung einer
Reihe neuer Sanktionen mit dem Ziel, Belgrad zur
Aufnahme eines substantiellen Dialogs mit den
Kosovoalbanern zu bewegen.
Mit diesen Druckmitteln und durch aktive Diplomatie
der Vereinigten Staaten überredeten wir Milosevic
endlich im vergangenen Monat, Verhandlungen über
den zukünftigen Status des Kosovo zu beginnen. Die
Gespräche werden in Pristina fortgesetzt - die nächste
Runde ist für Morgen anberaumt -, aber die vom
Führer der Kosovoalbaner, Dr. Rugova, am 15. Mai bei
seinem Treffen mit Präsident Milosevic erzielten
Fortschritte stehen auf tönernen Füßen. Sie werden
durch den unverhältnismäßigen und wahllosen Einsatz
von Gewalt durch Belgrad als Reaktion auf die Gewalt
albanischer Extremisten ernsthaft in Gefahr gebracht.
Die Vereinigten Staaten bedauern den wahllosen und
übertriebenen Einsatz von Gewalt durch die Polizei
und das Militär gegen die Zivilbevölkerung. Berichte
über Greueltaten, die mutwillige Zerstörung von
Häusern und Besitz durch serbische Truppen und
Aktionen zur Verhinderung von humanitären Hilfslieferungen sind verabscheuungswürdig und verlängern und verstärken nur noch das Ausmaß der Gewalt,
indem sie die Kosovoalbaner weiter radikalisieren.
Der Dialog wird nur erfolgreich sein, wenn sich Belgrad
an sofortigen und konkreten Schritten beteiligt, um der

Gewalt Einhalt zu gebieten, die Spannungen abzubauen und gleichzeitig handelt, um die Geschwindigkeit und Ernsthaftigkeit der Gespräche zu intensivieren. Belgrad weiß, daß wir keinen simulierten
Dialog akzeptieren. Außenministerin Albright hat
deutlich gemacht, daß ausgesetzte Sanktionen schnell
wieder verhängt werden können, wenn der Dialog
keine Ergebnisse zeitigt und die Gewalt fortgesetzt
wird, und daß wir, falls nötig, gemeinsam mit den
Verbündeten zusätzliche Maßnahmen ergreifen
werden.
Wir können nicht zulassen, daß die Situation außer
Kontrolle gerät oder das in Bosnien bereits Erreichte

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�bedroht. Es ist uns gelungen, einen Dialog in Gang zu
setzen, und wir werden den Druck aufrechterhalten,

wenn Belgrad sich weigert, die Gewalt zu beenden,
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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Seite 5

�USA-EUROPA

17. Juni 1998

Die Vereinigten Staaten und die Vollendung Europas
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BAUTZEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 4. Juni 1998 in Bautzen gehalten hat.

Bautzen nimmt in der europäischen Geschichte einen
besonderen Platz ein. Im Jahr 1018 wurde in Bautzen
nach einem 15-jährigen Krieg der Waffenstillstand
zwischen Deutschland und Polen geschlossen. 1813
erlebte es die Siege Napoleons. Und in der jüngeren
Geschichte war hier das politische Gefängnis Bautzen
II - heute eine Gedenkstätte.
Wenn man auf eine lange Periode der Geschichte
zurückblickt, entwickelt man unwillkürlich Perspektiven. Wir sehen Kontinuität und Wandel. Vor allem
sehen wir die Chancen zur Gestaltung der Geschichte
von morgen auf der Grundlage der Lektionen der
Vergangenheit und einer Vision für die Zukunft.
Heute möchte ich darüber sprechen, wie Deutschland
und die Vereinigten Staaten bei der Gestaltung der
Zukunft und bei der Aufgabe zusammenarbeiten
können, die wir als die "Vollendung Europas" bezeichnen.
Anpassung der Vergangenheit
Ich spreche häufig über die gemeinsamen Erfahrungen, die Deutsche und Amerikaner verbinden. Die
Berliner Luftbrücke, der Marshallplan und die Gründung der Bundesrepublik sind Beispiele hierfür. Dies
sind wichtige historische Ereignisse. Sie schufen eine
Art emotionales Band zwischen vielen Deutschen und
Amerikanern.
Aber welche Beziehung haben die neuen Bundesländer zu diesem besonderen Band?
Einige könnten argumentieren, es gäbe keine. Andere
könnten sich als Außenstehende betrachten - Menschen, die sich der einzigartigen Beziehungen bewußt

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sind, jedoch nicht das Gefühl haben, Teil davon zu
sein. Wieder andere könnten das Gefühl haben, daß
sich dieses Band in der Tat auf alle Teile - alte und
neue - der Bundesrepublik erstreckt und in historischer
Weise bereichert wird.
Wie Sie sich denken können, schließe ich mich der
dritten Ansicht an.
Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen war bis Ende der achtziger Jahre unvollständig. Die Amerikaner kannten nur einen Teil
Deutschlands. Nicht alle Deutschen erlebten die
amerikanische Freundschaft. Ebenso wie der Großteil
des Sowjetblocks war die DDR zu einer Black box
geworden. Ereignisse, Entscheidungen, Ideen und die
Gesellschaft waren von der Außenwelt praktisch
abgeschottet. Wie jeder weiß, der die politischen
Entbehrungen durch das SED-Regime kennt, war in
der Tat sehr viel sogar vor den Blicken derjenigen
verborgen, die als Bürger der DDR galten. Das Bild
der Vereinigten Staaten wurde durch Propaganda und
Desinformation verzerrt.
Aufgrund dieser Geschichte ist es völlig legitim, nach
dem Kalten Krieg zu fragen: Wo finden wir die gemeinsamen Bande, die Amerikaner und Lausitzer, Sachsen
und Brandenburger verbinden? Wo fangen wir an?
1. Zivilcourage
Wir können in dem Geist und der Kraft des Widerstands danach suchen, der immer stärker wurde und
letztlich erfolgreich das SED-Regime stürzte. Die
Bürger der DDR demonstrierten im Jahr 1989 in
bemerkenswert mutiger Weise ihren Wunsch nach
Freiheit. Deutschlands Teilung wurde mit der Zivilcou-

Seite 1

�rage überwunden, mit der nicht nur eine scharfe und
möglicherweise gewalttätige Reaktion riskiert wurde,
sondern auch ein Schritt in das unbekannte Terrain
von Kapitalismus und Freiheit.
Es war ein kühner Schritt.
Ich vertrete ein Land, das das Streben nach Freiheit
auf der ganzen Welt symbolisiert und respektiert. In
den Vereinigten Staaten ist Patriotismus ein Synonym
für Freiheitsliebe. Dennoch waren die meisten meiner
Mitbürger in modernen Zeiten nicht mit einer so
dramatischen Entscheidung für die Freiheit konfrontiert
wie die Bürger der DDR damals.
Zivilcourage ist ein mächtiges und emotionales
Bindeglied zwischen allen Deutschen und Amerikanern. Sie ist ein Band, das durch die Ereignisse von
1989 in einzigartiger Weise gestärkt wurde. Sie ist
aber auch eine Eigenschaft, die immer wieder in den
Akten der Selbstaufopferung und in von hohen Grundsätzen geleiteten Aktionen in der gesamten Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zutage
tritt.
Wenn wir nach einem gemeinsamen Band suchen,
dann gibt es wirklich kein besseres als dieses.
2. Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
die Wiedervereinigung Deutschlands
Wir können auch bei der Geschichte der Wiedervereinigung Deutschlands anfangen.
Im Jahr 1989 war es bei weitem nicht klar, was infolge
der Selbstbefreiung Ostdeutschlands geschehen
würde. Viele in Europa waren der Idee eines vereinigten Deutschlands gegenüber negativ eingestellt.
Selbst unter den Deutschen wurden Zweifel laut.
Eine Führungsrolle zu übernehmen, war unerläßlich,
um der Welt und den Deutschen den Weg zu zeigen und Bundeskanzler Kohl tat genau das. Aber die
Unterstützung der Vereinigten Staaten war ebenfalls
unerläßlich. Ich spreche nicht nur von unserer Rolle
als Partei bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen, sondern
auch von unserer Rolle als ein Freund Deutschlands.
Außenminister Baker brachte die Emotionen des
Augenblicks in seinen Memoiren mit den Worten zum
Ausdruck, er habe bei dem Gedanken an die deutsche
Einheit Freudentränen zurückhalten müssen. Während dieser dramatischen Tage reisten viele Amerikaner nach Deutschland, um an dem von Ihren Geleisteten teilzuhaben.
Die Vereinigten Staaten hatten während des Kalten
Kriegs fest an der Seite Deutschlands gestanden. In
der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands waren
wir unerschütterlich - als sie wie ein Traum erschien,
der niemals Wirklichkeit würde, und auch als die Zeit

Seite 2

kam, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Wir
waren zuversichtlich, daß der eingeschlagene Kurs die Vereinigung - der richtige war.
Um unser Engagement zu unterstreichen, eröffneten
wir 1992 ein Generalkonsulat und ein Amerika Haus in
Leipzig. Damit hofften wir, mehreres gleichzeitig zu
erreichen:
die neuen Entscheidungsträger in Ostdeutschland einzubeziehen,
den Ostdeutschen durch Städtepartnerschaften und Austauschprogramme beim Bau von
Brücken zu den Vereinigten Staaten zu helfen,
Professoren, Journalisten, Politiker und Mitbürger über die Vereinigten Staaten und ihre
Politik zu informieren,
Handelsbeziehungen zwischen den neuen
Ländern und den Vereinigten Staaten zu
unterstützen
und unseren Teil zur Förderung des Wiedervereinigungsprozesses beizutragen, indem wir
Menschen zusammenbringen.
Ein kleines aber erfolgreiches Beispiel der Bestrebungen des Konsulats ist die Entwicklung des Umweltprogramms GLOBE des US-Außenministeriums. In
den letzten beiden Jahren ist die Beteiligung an
GLOBE von zwei Schulen in Sachsen auf 15 - darunter
dieses Gymnasium - angewachsen.
3. Regionale Identität
Ein weiteres gemeinsames Band zwischen Amerikanern und allen Deutschen läßt sich in den kulturellen
Parallelen finden. Ungefähr 60 Millionen Menschen in
den Vereinigten Staaten haben Vorfahren, die aus
Deutschland kamen, und deswegen gibt es amerikanische Botschafter mit Namen wie Kornblum, Generalkonsuln namens Truhn und Städte in den Vereinigten
Staaten mit Namen wie Bremen oder Berlin. Wir sind
eine Nation von Nationen und eine Nation von Regionen und regionalen Identitäten.
Man hört oft Gespräche über die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und die Notwendigkeit, die alte künstliche Trennlinie zu überwinden. Das
heißt jedoch nicht, daß man zwangsläufig sein Identitätsbewußtsein verändern muß. Deutschland ist ein
Land mit vielen Identitäten. Mein erster Kontakt mit
Deutschland war der mit der nördlichen Variante - mit
Hamburg. Mittlerweile habe ich Bayern, Berlin, das
Rheinland und zahllose andere Regionen in den neuen
Bundesländern kennengelernt. Ebenso wie in den
Vereinigten Staaten, wo die Texaner anders aussehen
und sprechen als die Bürger von Alaska, schaffen die

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-

�Regionen Deutschlands ein kulturelles Mosaik, das
das Gesamtbild stärkt. Es gibt viele Identitäten, nicht
nur "Ossies" und "Wessies".
Identität ist insbesondere hier in Bautzen von Bedeutung, der Heimat vieler sorbischer Organisationen. Die
sorbische Sprache und Kultur sind trotz aller Widrigkeiten in Gemeinden in der ganzen Lausitz und in
Brandenburg erhalten worden. Und die sorbische
Geschichte mit ihren gleichermaßen hoffnungsvollen
und tragischen Momenten ist ein wichtiger Teil der
Vielfalt, die Deutschlands Identität bereichert.
4. Der Wiederaufbau der ostdeutschen Wirtschaft
Während des letzten Jahrzehnts wurden den Beziehungen zwischen Amerikanern und Ostdeutschen
neue Elemente hinzugefügt. Die Wirtschaft ist ein
wichtiges Beispiel. Seit der Wiedervereinigung haben
mehr als 240 amerikanische Unternehmen über 12
Milliarden Mark im östlichen Teil Deutschlands investiert. Gemeinsam haben sie in den neuen Ländern
mehr als 60.000 Arbeitsplätze geschaffen oder
erhalten.
Die US-Botschaft und die American Chamber of
Commerce arbeiten seit 1994 bei der Veranstaltung
jährlich stattfindender amerikanischer Wirtschaftskonferenzen in den neuen Bundesländern zusammen.
Die Konferenz vom letzten Jahr in Dessau verstärkte
den Konsens unter den Teilnehmern, daß die Bedingungen für Geschäftstätigkeit und Investitionen in
Deutschland im Allgemeinen und in den neuen
Bundesländern im Besonderen weitaus günstiger sind
als allgemein angenommen.
Diese Konferenzen
haben die Aufmerksamkeit der Medien auf spezifische
Stärken gelenkt, darunter das Ausmaß an Flexibilität
des hiesigen Arbeitsmarkts, die generell positive
Einstellung zum Wandel am Arbeitsplatz, die Verfügbarkeit von Risikokapital und die guten Qualifikationen
der Erwerbstätigen. Selbstkritik ist ebenfalls wichtig,
und diese Konferenzen haben sich nicht gescheut,
verbesserungsbedürftige
Gebiete
aufzuzeigen,
beispielsweise die hohen Energiepreise. Wir werden
diese Tradition im September dieses Jahres in
Rostock-Warnemünde fortsetzen.
Amerikanische Unternehmen spielen eine bedeutende
Rolle in dem Prozeß des Wandels und der Erneuerung. Das geschieht durch Investitionen und Produktion sowie andere traditionelle Wirtschaftsaktivitäten.
Es spielt aber auch noch ein anderes wesentliches
Element mit - das menschliche Element. Amerikanische Unternehmen sind nicht nur der größte Block
ausländischer Investoren in den neuen Bundesländern. Sie engagieren sich auch in der Gesellschaft,
sponsern kulturelle Ereignisse, fördern persönliche
Kontakte durch Aktivitäten wie Praktikantenprogramme
in den Vereinigten Staaten und gründeten sogar eine

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internationale Schule für deutsche und amerikanische
Kinder.
Dies ist eine Zeit dramatischer wirtschaftlicher Umstrukturierung. Ein Nebeneffekt dieser Umstrukturierung ist die Arbeitslosigkeit. Diese Region ist von
Arbeitslosigkeit stark betroffen, und wie Sie wissen,
handelt es sich hierbei nicht nur um ein wirtschaftliches
Phänomen. Arbeitslosigkeit hat Auswirkungen auf
Gemeinden, Familien und das Weltbild des Einzelnen.
Ich weiß das, weil mein Land eine schmerzliche Zeit
der Umstrukturierung durchmachte, die erst vor
kurzem endete. Ich erinnere mich an den Pessimismus der siebziger und sogar achtziger Jahre, in denen
es schien, als ob in unserer Gesellschaft nichts
klappte.
Die Wende in der amerikanischen Volkswirtschaft
wurde vor allem dank der durch neue Technologien
geschaffenen Chancen herbeigeführt. Die Situation
ähnelte in gewisser Weise der im Osten Deutschlands,
wo Innovation und saubere Hightech-Industrien an die
Stelle schmutziger Schwerindustrie und umweltschädigender Praktiken treten.
Als ein Volk, das in kurzer Zeit so tiefgreifende Veränderungen erlebte, sind Sie in vielerlei Hinsicht Ihrer
Zeit voraus. Die meisten Teile Westeuropas haben
seit dem Marshallplan keine so schnellen und einschneidenden
Veränderungen
mehr
durchlebt.
Wirtschaftsminister Rexrodt äußerte vor einigen
Monaten etwas, das hier in den neuen Bundesländern
wahrscheinlich schon längst legendär geworden ist. Er
sagte: "Vorbei sind die Zeiten, da man in Hamburg
oder München müde über die Konkurrenz aus Dresden oder Rostock lächeln konnte." Ich kann die Idee
nur unterstützen, daß Ihre Flexibilität in dem Prozeß
massiven Strukturwandels äußerst wertvoll ist. Sie ist
eine wichtige Qualifikation für die Arbeit in der "neuen
Weltwirtschaft".
Ebenso wie die Vertreter der Wirtschaft bin ich optimistisch hinsichtlich dessen, was Sie in dieser zugegebenermaßen schwierigen Zeit erreichen können.
Es müssen noch immer Hindemisse überwunden
werden, beispielsweise die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Beseitigung von Altlasten. Aber es gibt
auch viel Grund zu Optimismus. Ich sehe Unternehmergeist und die Bereitschaft zum Wandel. Hier in
Bautzen und in der Lausitz, wo Sie mit viel Mühe die
barocke Architektur wiederherstellen und das Land
wiedergewinnen, das an den Braunkohlebergbau
verlorenging, stehen Sie für das, was erreicht werden
kann, wann man die Chancen im Wandel sieht.
Die Vollendung Europas
Manche mögen fragen: Warum legen die Vereinigten
Staaten so viel Wert auf diesen Teil Deutschlands?
Ich habe eine Reihe von Gründen aufgelistet, warum

Seite 3

�das in wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll ist. Aber es gibt
einen übergeordneten Grund: Weil Sie Teil des
übergeordneten Prozesses der europäischen Integration sind.
Präsident Clinton hob dieses Thema während seines
ersten Staatsbesuchs in Europa im Januar 1994
hervor. Er erklärte: "Diese Zeit entscheidet vielleicht,
ob die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
in das Gefüge des transatlantischen Wohlstands und
der Sicherheit eingegliedert oder aber isoliert und im
Stich gelassen werden, während sie mit denselben
beängstigenden Veränderungen konfrontiert sind, mit
denen sich so viele Staaten in Europa auseinandersetzen." Und der Präsident stellte eine Meßlatte für
unsere bisherigen Fortschritte auf. Er betonte Zusammenarbeit auf drei Gebieten: Stärkung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, Aufbau von
wohlhabenden Marktwirtschaften und Schaffung
lebensfähiger Demokratien. Wir haben solide Fortschritte gemacht:
Letzten Monat stimmte der US-Senat der Ratifizierung
der Aufnahme Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik als neue Mitglieder in die NATO zu.
Damit unternahm der Senat einen historischen Schritt
in dem Prozeß der Anpassung des Bündnisses. Dies
war ein wesentlicher Schritt, der den Höhepunkt einer
bereits guten Bilanz der Zusammenarbeit zwischen
dem Bündnis und diesen neuen Demokratien zur
Verteidigung von Stabilität und Demokratie in Europa
und auf der Welt bildete.
Deutschland und die Vereinigten Staaten - sowohl die
Regierung als auch die Wirtschaft - haben die neuen
Demokratien hier im Herzen Europas zu einer Priorität
für Investitionen und Entwicklung erklärt. Und die
Europäische Union setzt ihre Erweiterung fort um
sicherzustellen, daß diese Länder an Europa teilhaben
können. Unsere gemeinsame Botschaft ist einfach:
Pulsierende und offene Marktwirtschaften sind der
Motor, der uns den größten Wohlstand in der
Geschichte der Menschheit beschert hat.
Auf dem dritten Gebiet - Aufbau von Demokratie haben wir ebenfalls große Fortschritte erzielt. Die
enormen wirtschaftlichen Veränderungen, die an
diesen Orten stattfanden, haben nicht zu einem
sozialen Zusammenbruch geführt. Im Gegenteil: Die
neuen Demokratien prosperieren.
Als Präsident Clinton vergangenen Monat erneut
Deutschland besuchte, überzeugte er sich aus erster
Hand von den Fortschritten, die hier in den neuen
Bundesländern gemacht worden sind. Und er bezeichnete Deutschland als Säule für Offenheit und
Demokratie in Europa. Die Vollendung Europas ist
dem Präsidenten zufolge eine "seit Generationen
einmalige Chance. Gemeinsam müssen wir sie
ergreifen."

Seite 4

Wir sind jetzt in der Lage, die nächsten logischen
Schritte bei der Weiterentwicklung unserer Politik zu
ergreifen. Nachdem wir erfolgreich eine neue Architektur nach dem Ende des Kalten Krieges aufgebaut
haben, müssen wir jetzt den Mut zeigen, sie auf die
uns konfrontierenden Probleme und Herausforderungen anzuwenden.
Im kommenden Jahr werden wir in Washington zum
50. Jahrestag der NATO zusammenkommen. Das
wird nicht nur eine Gelegenheit sein, die Vergangenheit zu feiern, sondern auch, den Weg in der Zukunft
zu planen. Die NATO von morgen muß zusätzlich
noch etwas leisten: Sie muß vor externen Bedrohungen, ethnischer Gewalt, regionalen Konflikten und
Massenvernichtungswaffen schützen.
Die NATO bleibt das beste Instrument für die amerikanischen und europäischen Partner bei Sicherheitsfragen. Wir müssen uns alle für die Wahrung der
Glaubwürdigkeit des Bündnisses einsetzen, um die
uns konfrontierenden Aufgaben zu erfüllen.
Zusätzlich muß die NATO ihre Partnerschaft mit
Rußland, der Ukraine und anderen Nationen auf dem
ganzen Kontinent vertiefen und weiterentwickeln, die
unsere Interessen und Werte teilen. Und vor allem
muß die Tür für weitere NATO-Mitglieder offen bleiben.
Weitere Chancen bietet die Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union.
Die Vereinigten Staaten sind seit langem ein Befürworter der europäischen Integration, und wir bewundern die Entschlossenheit, die zur Gründung der
Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion geführt
hat. Auch wenn Europa und Amerika sich ihren
eigenen, separaten Herausforderungen gegenübersehen, müssen wir den neuen Demokratien
weiterhin bei der Bewältigung der doppelten Herausforderung von postkommunistischem Übergang und
Globalisierung helfen.
Eine dritte Chance stellt die Arbeit der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) dar.
Im kommenden Jahr wird die OSZE einen Gipfel
veranstalten - eine Gelegenheit, über Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft der OSZE nachzudenken. Mit
ihrer großen Mitgliederzahl und moralischen Autorität
ist die OSZE eine einzigartige Organisation in Europa.
Sie setzt die ursprünglichen Prinzipien von Helsinki
vom Balkan bis Belarus in die Praxis um, damit Krisen
abgeschreckt und entschärft werden, die unsere Werte
und unsere Sicherheit bedrohen. Die OSZE kann
jedoch mehr praktische Arbeit leisten. Sie kann sich
stärker an den Orten engagieren, an denen die
Wurzeln der Demokratie noch zart sind, darunter auf
dem Balkan, im Kaukasus und in Zentralasien. In der
Praxis könnte das die Unterstützung von Friedenssicherungsmissionen und die Ausbildung von Polizisten bedeuten. Es könnte auch die Erweiterung der

AMERIKA DIENST 12

�Aktivitäten bedeuten, die im Rahmen von OSZEMissionen durchgeführt werden können.
Das Ideal und die Anwendung
In gewisser Weise könnte man die Geschichte des
Kalten Krieges in drei Abschnitte einteilen: Als wir
unsere Träume träumten, als wir unsere Träume
lebten und als wir unsere Träume wahr werden ließen.
Wir träumten unsere Träume in der langen Nacht des
Kalten Krieges. Wir - Sie - lebten Ihre Träume, als Sie
die Teilung Deutschlands beendeten. Jetzt müssen
wir alle daran arbeiten, unsere Träume wahr werden
zu lassen, indem wir die historische Chance - die seit
Generationen einmalige Chance - ergreifen und
Realität werden lassen.

Sie hier in Bautzen, in der Lausitz, spielen eine Rolle
dabei, diese neue Realität zu schaffen. Sie sind Teil
des Aufbaus eines neuen, ungeteilten Europas. Ihre
Bereitschaft, den Wandel freudig zu begrüßen, stellt
Sie an die vorderste Front unserer gemeinsamen
Aufgabe - einer Aufgabe, an der sich Amerikaner,
Deutsche und andere Bürger Europas beteiligen: Die
einzigartige Stabilität und den Wohlstand auf ganz
Europa auszudehnen. Ich wünsche Ihnen und uns
allen Erfolg bei diesem Projekt von historischem
Ausmaß.
Vielen Dank.

* * * * *

AMERIKA DIENST 12

Seite 5

�TECHNOLOGIE
17. Juni 1998

Das Jahr 2000-Problem
von Verkehrsminister Rodney Slater

KOPENHAGEN - (AD) - US-Verkehrsminister Rodney Slater forderte weltweite Zusammenarbeit bei der Lösung
des Computerproblems der Umstellung auf das Jahr 2000, das zu Störungen in vielen Bereichen des öffentlichen
Lebens führen könnte. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Minister Slater am 26. Mai 1998 bei der
europäischen Konferenz der Verkehrsminister in Kopenhagen gehalten hat.

Heute schlage ich vor, daß wir zusammenarbeiten um
zu entscheiden, wie wir eine der größten Herausforderungen für das Verkehrs- und Transportwesen
bewältigen können: das Jahr 2000-Computerproblem.

Jeder in die Telematik investierte Dollar bringt acht
Dollar Gewinn - ein ausgezeichnetes Beispiel dafür,
wie mit computergestützten Technologien enorme
Profite erzielt werden können.

Das ist dringend geboten. Während der letzten
Generation haben unsere Transportsysteme stark von
computergestützten Informations- und Kommunikationstechnologien profitiert.

Vergangenen Freitag verabschiedete der US-Kongreß
das Gesetz über ein effizientes Transportsystem für
das 21. Jahrhundert, das die staatliche Finanzierung
von Highway-, Transit-, Sicherheits- und Technologieprogrammen ermöglicht.

In den Vereinigten Staaten konnten wir dank dieser
Technologien die effektive Kapazität unseres Luftverkehrssystems verdoppeln - um produktive "just-intime"-Liefersysteme zu schaffen, um den Schiffsverkehr zu verbessern und um Sicherheit und Effizienz
unserer Straßen, Schienen und Transitsysteme zu
erhöhen. Diese computergesteuerten Systeme tragen
zum sicheren und reibungslosen Funktionieren
unserer heutigen Transportnetze bei, insbesondere vor
dem Hintergrund der wesentlichen Rolle des Transportwesens in einer auf Handel basierenden Weltwirtschaft.
Diese Systeme können in Zukunft noch
größere Vorteile bringen.
Beispielsweise können intelligente Transportsysteme eine als Telematik bezeichnete Technologie - Verkehrsstaus verringern, indem sie die Effizienz bestehender Straßen- und Transitverbindungen verbessern.
Ferner können sie dazu beitragen, die Kosten für den
Bau neuer, in unseren Städten dringend benötigter
Straßen um ein Drittel zu senken und Tausende von
Menschenleben zu retten, indem sie Verkehrsunfälle
verhindern.

AMERIKA DIENST 12

Ich erwarte, daß Präsident Clinton dieses historische
Gesetz in Kürze unterzeichnet. Damit werden unsere
Bestrebungen fortgesetzt, die Grundlage für moderne
Transportsysteme des 21. Jahrhunderts zu schaffen Systeme, die uns dabei helfen, die durch die globale
Wirtschaft geschaffenen Chancen optimal zu nutzen.
Das Jahr 2000-Problem stellt uns jedoch vor eine
beträchtliche Herausforderung. Der Ursprung dieses
Problems ist einfach. Wie Sie wissen, wurden viele
Computer aufgrund begrenzter Speicherkapazität so
programmiert, daß sie das Jahr nur mit zwei Ziffern
angeben. Damals schien das eine gute Idee zu sein,
da jeder erwartete, daß diese Computer und Programme bis heute ersetzt worden wären.
Bei vielen ist das jedoch nicht der Fall, und am 1.
Januar 2000 könnten diese Computer den Datumswert
"00" möglicherweise nicht als 2000, sondern als 1900
interpretieren. Dadurch könnten sie abstürzen oder
falsche Daten erzeugen.
Wir ermitteln jetzt das volle Ausmaß des Problems.
Neuere Systeme, die entworfen wurden, nachdem man

Seite 1

�das Problem erkannt hatte, sollten eigentlich nicht
gefährdet sein, obwohl selbst sie durch ihre Verbindungen zu älteren Systemen betroffen sein könnten, die
nie ersetzt wurden. Ältere Computersysteme mit
Zentraleinheit sind am stärksten gefährdet.
Es ist an sich schon sehr frustrierend, wenn unsere
Computer nicht funktionieren. Noch Schlimmeres
könnte jedoch passieren, wenn das Jahr 2000-Problem zu einem Stillstand der Computer führt, die
Regierung und Wirtschaft am Laufen halten. Wir
riskieren größere Störungen der Finanzmärkte, der
Kommunikations- und Stromversorgungssysteme und
unseres Transportwesens. Es gibt eine Lösung. Die
technische Behebung des Jahr 2000-Problems ist
unkompliziert, auch wenn sie eine Vielzahl von Mitteln
für die Auswertung von Computersystemen und die
Durchführung der notwendigen Reparaturarbeiten
voraussetzt.
Trotzdem sind sich Präsident Clinton und Vizepräsident Gore bewußt, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln. Sie haben uns angewiesen, alles Erforderliche
zu unternehmen um sicherzustellen, daß die staatlichen Computersysteme am 1. Januar 2000 ebenso gut
funktionieren wie am Tag davor.
Im Verkehrsministerium betrifft das nicht nur unsere
internen Managementsysteme, sondern auch die
Aktivitäten, die direkte Auswirkungen auf Dienstleistungen wie Flugverkehrskontrolle und das GPSSystem haben.
Wir haben bei nahezu 40 Prozent der für unsere
Aufgaben unerläßlichen Systeme die erforderliche
Arbeit geleistet, und wir werden alles Notwendige
unternehmen um zu gewährleisten, daß sie alle
rechtzeitig repariert werden. Unsere Sorgen beschränken sich jedoch nicht darauf, welche Auswirkungen das Jahr 2000-Problem auf die Computernetze der Bundesregierung hat.
Viele unserer Systeme stehen mit denen der Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen sowie des
Privatsektors in Verbindung, und das Jahr 2000Problem bei diesen Systemen könnte Schwierigkeiten
für unsere eigenen Netze bewirken. Darüber hinaus
sind wir besorgt, daß die Sicherheit oder das reibungslose Funktionieren der Volkswirtschaft gefährdet sind,
wenn im Jahr 2000 nichtstaatliche Systeme stillstehen.
Präsident Clinton hat einen Rat für die Jahr 2000Umstellung gegründet, der die Bestrebungen der
Regierungen überwacht und das Bewußtsein auf
anderen Regierungsebenen sowie im Privatsektor
schärft.
Der Präsident hat uns gebeten, unsere Partner und
Kunden - in den Vereinigten Staaten und auf der
ganzen Welt - über den Rat einzubeziehen, sie zu

Seite 2

einer Überprüfung ihrer alten Systeme zu ermutigen
und alle erforderlichen Änderungen vorzunehmen.
Und genau das mache ich heute. Die im internationalen Transportwesen verwendeten computergestützten Systeme könnten durch das Jahr 2000Problem gefährdet sein. Von Flugverkehrskontrolle
über Navigationssysteme bis zu Frachtleitsystemen
könnte alles betroffen sein und stillstehen.
Die Risiken sind groß. Wenn der Flugverkehr oder die
Schiffahrt am 1. Januar 2000 zum Erliegen kommen
würden, wären die Auswirkungen katastrophal.
Abgesehen von Verspätungen und Sicherheitsrisiken
könnten wir einen irreparablen Vertrauensverlust der
Öffentlichkeit in die Zuverlässigkeit dieser Systeme
erleben.
Ich bin besorgt, daß viele Vertreter des öffentlichen
Lebens und Unternehmer dieses Problem nicht
verstehen und es nicht ernst nehmen. Viele, die es
tun, erachten es als selbstverständlich, daß ihre
Systeme keine Probleme haben oder eine einfache
technische Änderung entwickelt wird. Das wäre ein
schrecklicher Fehler. Wir auf Bundesebene übernehmen in den Vereinigten Staaten eine Führungsrolle,
weil dies wirklich im nationalen Interesse liegt, auch
wenn diese Systeme der Zuständigkeit der Bundesstaaten oder Kommunen unterstehen.
Wir möchten diese Bestrebungen erweitern, damit sie
aufgrund der potentiellen Auswirkungen auf die
amerikanischen Interessen unsere Partner auf der
Welt einbeziehen.
Ebenso wie Sie die Sicherheit und Zuverlässigkeit Ihrer
Transportsysteme sicherstellen müssen, möchten wir
die Sicherheit der Amerikaner gewährleisten, und wir
möchten gewährleisten, daß die Aktivitäten der von
Überseetransporten abhängigen amerikanischen
Firmen nicht gestört werden.
In einer globalen Wirtschaft möchten wir auch dazu
beitragen, größere Störungen der Überseetransportnetze zu vermeiden, die alle unsere Volkswirtschaften betreffen könnten.
Wir sind uns bewußt, daß der Betrieb dieser Transportsysteme eine Angelegenheit nationaler Souveränität
ist. Wir können die Systemoperatoren - weder in den
Vereinigten Staaten noch andernorts - nicht zwingen,
die notwendigen Schritte zu unternehmen, und wir
verfügen auch nicht über die Ressourcen zur Durchführung universeller Auswertungen und Reparaturarbeiten.
Wir können und sollten jedoch das Bewußtsein für das
Problem schärfen und den Austausch effektiver
Strategien fördern. Um uns dabei behilflich zu sein,
bitte ich um Ihre Zusammenarbeit beim Jahr 2000-

AMERIKA DIENST 12

�Problem und seinen Auswirkungen auf das Transportwesen. Da wir in weniger als 20 Monaten diesem
Problem gegenüberstehen, ist es unerläßlich, daß wir
unverzüglich handeln.
In den Vereinigten Staaten halten wir bereits Treffen
mit unserer Luftfahrtindustrie ab, um die sie konfrontierenden Herausforderungen an der Schwelle zum
Jahr 2000 auszumachen und Strategien zu ihrer
Bewältigung auszutauschen.
Der Stellvertretende Verkehrsminister Downey kündigte vor kurzem ein ähnliches Treffen mit unserer
Telematikindustrie an. Ich lade Ihre Vertreter ein, an
diesen Besprechungen teilzunehmen.
Wir im US-Verkehrsministerium werden auch ein
Clearinghaus für Transportwesen und das Jahr 2000Problem einrichten, das über das Internet weltweit
Informationen zur Verfügung stellt.
Das sind nur erste Schritte zur Lösung des Jahr 2000Problems - aber sie sind notwendig, wenn wir kostenintensive Störungen verhindern und die erforderliche

*

AMERIKA DIENST 12

Unterstützung der Öffentlichkeit für künftige Fortschritte behalten wollen.
Wir sind auch offen für Ihre Ideen zur Inangriffnahme
dieses Problems, insbesondere für die beste Lösung
des Jahr 2000-Problems, das internationale Transportdienste direkt betrifft.
Lassen Sie uns also zusammenkommen, das Ausmaß
des uns konfrontierenden Problems feststellen und
dann über die besten Wege zu seiner Lösung entscheiden.
Wenn es wenige Probleme gibt - und ich hoffe, das
wird der Fall sein - können wir unsere Bürger beruhigen, bevor Gerüchte und Ängste sich verbreiten. Das
schulden wir uns selbst, unseren Bürgern und der
Zukunft unserer Transportindustrie.
Es ist unsere Verantwortung, wie der englische Dichter
Wordsworth schrieb, "zu leben, zu handeln und der
Zukunft zu dienen". Ich bin zuversichtlich, daß wir
unserer Verantwortung, der Zukunft zu dienen, durch
Zusammenarbeit gerecht werden.

* * * *

Seite 3

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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 17.06.1998</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ruft zur internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Situation in Bosnien hat sich enorm verbessert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Robert S. Gelbard&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Vollendung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Technologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr 2000-Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Verkehrsminister Rodney Slater&lt;/em&gt;</text>
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