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                  <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
07&#13;
&#13;
ALBRIGHT: WIR SIND ENTSCHLOSSEN,&#13;
DEN KURS ZU HALTEN&#13;
Erklärung der Außenministerin beim Treffen&#13;
der Kontaktgruppe&#13;
&#13;
KOSOVO&#13;
&#13;
KONTAKTGRUPPE UNTERSTÜTZT&#13;
UNMITTELBARE AUFNAHME DES DIALOGS&#13;
IM KOSOVO&#13;
Erklärung von Außenministerin Albright&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
DIE ERWEITERUNG UND VERTIEFUNG&#13;
DER EUROPAIDEE&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
IRAN&#13;
&#13;
DIE POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN&#13;
GEGENÜBER DEM IRAN&#13;
Rede von Bruce O. Riedel&#13;
&#13;
ELEKTRONISCHER HANDEL&#13;
&#13;
DER INTERNET-MARKT: SEINE FREIHEITEN&#13;
UND VERSPRECHUNGEN AUS&#13;
AMERIKANISCHER SICHT&#13;
Rede von Generalkonsul Hugh G. Hamilton&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�KOSOVO&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Albright: Wir sind entschlossen, den Kurs zu halten&#13;
Erklärung der Außenministerin beim Treffen der Kontaktgruppe&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine K. Albright beim Treffen der&#13;
Kontaktgruppe am 25. März 1998 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Guten Morgen. Ich möchte Ihnen, Klaus, für Ihre&#13;
Gastfreundschaft danken und alle meine Kollegen in&#13;
der Kontaktgruppe zu dieser Sitzung willkommen&#13;
heißen. Besonders herzlich begrüßen möchte ich&#13;
Außenminister Vollebaek und Felipe Gonzalez. Ich&#13;
möchte auch Carlos Westendorp für seine Teilnahme&#13;
danken.&#13;
Wie Sie wissen, haben sich unsere politischen Direktoren gestern Abend auf eine Erklärung zu Bosnien&#13;
geeinigt. Sie bestätigt, daß wir alle dieselbe Einschätzung der Situation dort haben - und entschlossen sind,&#13;
den Kurs zu halten.&#13;
Da wir bezüglich Bosnien alle einer Meinung sind,&#13;
lassen Sie uns diese Erklärung als verabschiedet&#13;
betrachten und uns dem wahren Grund zuwenden,&#13;
aus dem wir uns zum zweiten Mal innerhalb von zwei&#13;
Wochen treffen. Schließlich haben wir seit langem&#13;
nicht das dringende Gefühl gehabt, uns so häufig&#13;
treffen zu müssen. Das war, weil wir uns seit Beginn&#13;
des letzten Balkankriegs nicht mit einem so gefährlichen Problem im ehemaligen Jugoslawien wie der&#13;
Situation im Kosovo konfrontiert sahen.&#13;
Wie ich am 9. März erklärte, ist meine große Sorge,&#13;
daß wir im Kosovo dieselben Fehler machen könnten&#13;
wie in Bosnien vor sieben Jahren. Meine Sorge ist,&#13;
daß Präsident Milosevic so wenig wie möglich tun wird,&#13;
um unsere Forderungen zu erfüllen - außer unter&#13;
Druck - und dann erst in letzter Minute.&#13;
Glücklicherweise haben wir uns bei unserem letzten&#13;
Treffen alle geeinigt zu handeln, bevor es zu spät ist das Morden zu beenden und beide Seiten zu ermutigen, einen sinnvollen politischen Dialog aufzunehmen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Aus diesem Grund einigten wir uns auf die Verhängung von Strafmaßnahmen gegen die für die Gewalt&#13;
Verantwortlichen. Wir haben klargestellt, daß sie nur&#13;
dann aufgehoben würden, wenn Präsident Milosevic&#13;
eine Reihe spezifischer Schritte zur Lösung der Krise&#13;
unternimmt.&#13;
Seit unserem letzten Treffen in London sind Klaus und&#13;
Hubert mit Präsident Milosevic zusammengekommen,&#13;
um ebenso wie Jewgenij unsere Botschaft zu übermitteln. Bob Gelbard war in Belgrad, Pristina und&#13;
Podgorica und wird nach diesem Treffen mit Jeremy&#13;
Greenstock dorthin zurückkehren.&#13;
Der Druck, den wir auszuüben begonnen haben, bringt&#13;
jetzt allmählich Ergebnisse hervor. Am Montag wurde&#13;
eine Vereinbarung zur Umsetzung des Bildungsabkommens unterzeichnet. Wir haben einen anderen&#13;
Ton aus Belgrad gehört.&#13;
Aber die erste Frage, die wir heute beantworten&#13;
müssen, lautet, ob Präsident Milosevic die spezifischen Forderungen der Kontaktgruppe erfüllt hat. Ich&#13;
glaube nicht, daß einer von uns glaubwürdig sagen&#13;
kann, er hätte dies getan.&#13;
Vor sechzehn Tagen forderten wir, daß spezielle&#13;
Polizeieinheiten aus dem Kosovo abgezogen werden.&#13;
Die serbischen Behörden behaupteten zuerst, diese&#13;
Einheiten wären bereits abgezogen. Dann versprach&#13;
Präsident Milosevic bei seinem Treffen mit Klaus und&#13;
Hubert, sie würden abziehen. Aber heute beziehen sie&#13;
feste Stellung, statt abzuziehen. Wie wir bei CNN&#13;
deutlich sehen konnten, werden neue Polizeikasernen&#13;
gebaut, wo vor einigen Tagen noch keine standen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Vor sechzehn Tagen haben wir Präsident Milosevic&#13;
auch aufgefordert, humanitären Gruppen und Vertretern der Kontaktgruppe die Einreise in den Kosovo&#13;
zu gestatten. Dennoch werden die Diplomaten und&#13;
Mitarbeiter der Hilfsorganisationen von der serbischen&#13;
Polizei weiterhin schikaniert, bedroht, festgenommen&#13;
und sogar geschlagen. Die Amerikaner sind das&#13;
spezielle Ziel dieser Kampagne, der Zweck ist jedoch&#13;
eindeutig, uns alle einzuschüchtern.&#13;
In London haben wir auch gefordert, daß Präsident&#13;
Milosevic sich öffentlich zu einem bedingungslosen&#13;
Dialog verpflichtet. Seit damals hat Präsident Milosevic einen Vertreter für mögliche Gespräche ernannt.&#13;
Aber nur der serbische Präsident Milutinovic ist&#13;
öffentlich Verpflichtungen eingegangen. Und er hat auf&#13;
Voraussetzungen bestanden, die das Ergebnis des&#13;
Dialogs präjudizieren - genau das wäre für uns&#13;
inakzeptabel, wie wir erklärt haben. Dieser Vorschlag&#13;
ist so ausgelegt, daß er abgelehnt werden muß.&#13;
Und schließlich haben wir vor sechzehn Tagen&#13;
gefordert, daß Präsident Milosevic mit den von der&#13;
Kontaktgruppe verabschiedeten Initiativen kooperiert.&#13;
Gestern haben wir erfahren, daß Präsident Milosevic&#13;
Bronislaw Geremek eingeladen hat, um eine Wiederaufnahme der OSZE-Langzeitmission zu erörtern, aber&#13;
er hat die Gonzalez-Mission nicht akzeptiert, und&#13;
bezüglich unserer anderen Punkte hat er widersprüchliche Signale gesendet.&#13;
&#13;
ist es, was wir alle zu tun versprochen haben, als wir&#13;
vor 16 Tagen zusammenkamen. Wir müssen auch&#13;
weiterhin auf der Gonzalez-Mission bestehen. All dies&#13;
ist unerläßlich für die Bewahrung der Glaubwürdigkeit&#13;
und Einheit der Kontaktgruppe.&#13;
Ferner sind wir uns alle einig, daß der einzige Weg zur&#13;
Vermeidung einer Katastrophe im Kosovo jetzt darin&#13;
besteht, einen ernsthaften Dialog einzuleiten. In&#13;
London waren wir uns alle einig, daß beide Seiten&#13;
diesen Dialog ohne Vorbedingungen aufnehmen&#13;
müssen, wenn er nach neun Jahren unablässiger&#13;
Unterdrückung im Kosovo eine Chance auf Erfolg&#13;
haben soll.&#13;
Gestern Abend vereinbarten unsere politischen&#13;
Direktoren, daß wir alle unsere Anstrengungen auf&#13;
dieses Ziel konzentrieren sollten. Präsident Milosevic&#13;
muß den Prozeß des Dialogs jetzt beginnen, er muß&#13;
die Beteiligung anderer akzeptieren, und wir werden&#13;
ihn für jede Verzögerung seitens der Bundesrepublik&#13;
Jugoslawien oder der serbischen Behörden verantwortlich machen. Wir haben die Verhängung von&#13;
zusätzlichen Strafmaßnahmen in vier Wochen vereinbart, wenn er dies nicht tut.&#13;
In diesem Zusammenhang möchte ich vorschlagen,&#13;
daß wir eine Arbeitsgruppe einrichten, die prüft, wie wir&#13;
die Vermögenswerte einfrieren und ausländische&#13;
Direktinvestitionen verbieten können, sollte sich dies&#13;
als erforderlich erweisen.&#13;
&#13;
Wie sollen wir auf all dies Hin und Her reagieren?&#13;
Es ist möglich, daß wir in den vergangenen beiden&#13;
Wochen die ersten zögernden, widerwilligen Schritte&#13;
der Bundesrepublik Jugoslawien zu einer politischen&#13;
Lösung der Krise gesehen haben. Es ist auch möglich, daß wir nicht mehr als zynische halbherzige&#13;
Maßnahmen gesehen haben, die darauf ausgerichtet&#13;
sind, uns zu entzweien, oder auf Zeit zu spielen, bis wir&#13;
das Interesse verlieren.&#13;
In jedem Fall müssen wir uns vor Augen führen, daß&#13;
Fortschritte nur durch andauernden Druck erzielt&#13;
werden. Wenn wir mehr Fortschritte wollen, müssen&#13;
wir zusammenhalten, um diesen Druck weiter auszuüben. Denn wenn wir Präsident Milosevic auch nur&#13;
das kleinste Anzeichen geben, daß er genug getan&#13;
hat, wird er ganz sicher nicht mehr tun. Wenn wir uns&#13;
mit halbherzigen Maßnahmen zufrieden geben,&#13;
werden halbherzige Maßnahmen das Einzige sein,&#13;
was wir bekommen.&#13;
Wir müssen Präsident Milosevic zu den in London&#13;
vereinbarten Maßstäben verpflichten und an dem von&#13;
uns vereinbarten entschlossenen Ansatz festhalten.&#13;
Wir müssen die unverzügliche Verabschiedung der&#13;
Resolution des Sicherheitsrats zum UN-Waffenembargo unterstützen. Das ist das Richtige. Und das&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Ich weiß, daß niemandem die Aussicht auf weitere&#13;
Sanktionen gefällt. Ich weiß, es ist verlockend zu&#13;
sagen, "positiver" Druck wird besser funktionieren.&#13;
Aber unsere Erfahrung lehrt uns, daß wir uns von&#13;
unseren Hoffnungen nicht verleiten lassen dürfen.&#13;
Denken Sie an all die Friedenspläne, die während des&#13;
Bosnienkriegs unterbreitet wurden. Wie viele Male&#13;
schien die eine oder andere Partei unsere Vorschläge&#13;
akzeptieren zu wollen, nur um dann nichts mehr davon&#13;
wissen zu wollen? Wir haben damals gesehen, daß&#13;
Versprechen im ehemaligen Jugoslawien wenig&#13;
bedeuten, bis sie mit Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt&#13;
sind. Anreize werden für gewöhnlich gerne aufgenommen, Warnungen werden für gewöhnlich in den Wind&#13;
geschlagen. Die Politiker reagieren nicht auf die ferne&#13;
Androhung von Sanktionen, sondern auf die Realität&#13;
von Sanktionen.&#13;
Heute können wir beweisen, daß wir diese Lektionen&#13;
gelernt haben.&#13;
Wir wollen heute auch ernsthaft darüber nachdenken,&#13;
wie die Kosovo-Albaner unsere Aktionen aufnehmen.&#13;
Die meisten haben sich an die Gewaltfreiheit gehalten.&#13;
Dr. Rugova hat sich zu einem bedingungslosen Dialog&#13;
verpflichtet. Aber die verantwortlichen Politiker im&#13;
Kosovo können nur so lange überleben, wie wir sie mit&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Druck gegen Belgrad unterstützen. Wir müssen&#13;
entschlossen sein, damit sie flexibel sein können.&#13;
Die Zeit ist nicht auf der Seite der Mäßigung. Jeder&#13;
Augenblick der Verzögerung von Präsident Milosevics&#13;
Seite erhöht die Wahrscheinlichkeit von Gewalt. Jeder&#13;
Augenblick des Zögerns von unserer Seite erhöht die&#13;
Wahrscheinlichkeit, daß er seine Verzögerungstaktik&#13;
fortsetzt.&#13;
&#13;
Am 9. März vereinbarten wir einen gemeinsamen&#13;
Ansatz, um ihn zu Fortschritten zu veranlassen. Ich&#13;
gehe davon aus, daß wir eine umfassende und offene&#13;
Diskussion darüber haben werden, wie das geschehen&#13;
soll. Ich sollte jedoch sagen, daß ich mehr besorgt&#13;
über die Effektivität des Ergebnisses als über die&#13;
Harmonie des Prozesses bin. Wir müssen uns an das&#13;
von uns Vereinbarte halten und dieses Treffen mit&#13;
einer Erklärung abschließen, die ernst genommen&#13;
wird. Ich kann Ihnen versichern, daß die Vereinigten&#13;
Staaten das Erforderliche tun werden.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�KOSOVO&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Kontaktgruppe unterstützt unmittelbare&#13;
Aufnahme des Dialogs im Kosovo&#13;
Erklärung von Außenministerin Albright&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine K. Albright bei der&#13;
Pressekonferenz der Kontaktgruppe am 25. März 1998 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Wir haben gerade unser zweites Ministertreffen der&#13;
Kontaktgruppe innerhalb von zwei Wochen beendet.&#13;
Seit langem haben wir nicht die Notwendigkeit&#13;
gesehen, uns so häufig treffen zu müssen. Aber es ist&#13;
auch lange her, seit wir uns im ehemaligen&#13;
Jugoslawien mit einem so gefährlichen Problem wie&#13;
der Situation im Kosovo konfrontiert sahen.&#13;
Wir haben heute eine Erklärung zum Kosovo&#13;
verabschiedet, aber ich sollte sagen, wir haben auch&#13;
eine Erklärung zu Bosnien verabschiedet. Es ist ein&#13;
Zeichen der Übereinstimmung in der Kontaktgruppe,&#13;
daß diese Erklärung im wesentlichen ohne Diskussion&#13;
angenommen wurde.&#13;
Von Anfang an habe ich gesagt, was wir im Kosovo&#13;
beobachten, ist genau das Verhalten, das 1991 den&#13;
Krieg im ehemaligen Jugoslawien auslöste.&#13;
Offensichtlich hofft Präsident Milosevic, er könne mit&#13;
seinem bekannten Verhaltensmuster davonkommen,&#13;
die&#13;
internationale&#13;
Gemeinschaft&#13;
aus&#13;
dem&#13;
Gleichgewicht zu bringen und zu entzweien.&#13;
Wenn er seinen Willen bekommt, wird er so wenig wie&#13;
möglich tun, um unsere Forderungen zu erfüllen, und&#13;
dann nur unter Druck und in letzter Minute.&#13;
Ich will nicht so tun, als ob sich die Mitglieder der&#13;
Kontaktgruppe heute in allen Punkten einig waren.&#13;
Aber wir sind entschlossen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Wir bewegen uns langsam&#13;
aber stetig in die Richtung von größerem Druck auf&#13;
Belgrad. Der einzige Ausweg für Präsident Milosevic&#13;
besteht in einem sinnvollen Dialog mit der kosovoalbanischen Gemeinschaft.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Wir haben in unserer Erklärung festgestellt, daß seit&#13;
unserem letzten Treffen einige Fortschritte erzielt&#13;
wurden - vor allem eine gewisse Bewegung in Belgrads Einstellung zum Dialog bei einer Reihe von&#13;
Themen, darunter die Autonomie des Kosovo und der&#13;
Abschluß der seit langem überfälligen Vereinbarung&#13;
über die Umsetzung des Bildungsabkommens. Wir&#13;
sind dankbar für die von den Außenministern Kinkel,&#13;
Vedrine und Primakow geleistete Arbeit, die in die&#13;
Region gereist sind und unsere gemeinsamen Anliegen verdeutlicht haben.&#13;
Die Kontaktgruppe ist sich jedoch auch einig, daß&#13;
Präsident Milosevic nicht genug getan hat, um die von&#13;
uns in London vereinbarten Forderungen zu erfüllen.&#13;
Wir haben entschieden, die damals angekündigten&#13;
Strafmaßnahmen zu verlängern und anzuwenden. Wir&#13;
alle haben uns verpflichtet, die Verabschiedung des&#13;
Waffenembargos im UN-Sicherheitsrat bis zum 31.&#13;
März anzustreben.&#13;
Wir begrüßten die Unterzeichnung des Bildungsabkommens am Montag, das beweist, daß zwei Seiten&#13;
sich bei schwierigen Themen einigen können, wenn&#13;
sie sich zusammensetzen und reden. Wir freuen uns&#13;
auch, daß sich Dr. Rugova zu einem bedingungslosen&#13;
Dialog verpflichtet und ein Verhandlungsteam benannt&#13;
hat. Wir haben erneut den Terrorismus verurteilt und&#13;
unsere Erwartung bekräftigt, daß die kosovo-albanische Führung ihren Appell zu Gewaltfreiheit einhält.&#13;
Wir haben entschieden, unsere gesamten diplomatischen Bestrebungen auf die Förderung der unmittelbaren Aufnahme des Dialogs zu konzentrieren. Wir&#13;
stellen sehr deutlich fest, daß wir Präsident Milosevic&#13;
dafür verantwortlich machen, wenn entweder die&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Bundesrepublik Jugoslawien oder serbische Behörden&#13;
versuchen, diesen Prozeß zu verzögern oder vom&#13;
Kurs abzubringen.&#13;
Der Standard, den Präsident Milosevic unseren&#13;
Erwartungen gemäß einhalten soll, ist sehr klar. Er&#13;
muß öffentlich zu dem Dialog stehen, ihn ohne Vorbedingungen aufnehmen, die Beteiligung anderer&#13;
akzeptieren und die politische Verantwortung für sein&#13;
Funktionieren übernehmen.&#13;
Wir haben ferner entschieden, daß wir unverzüglich&#13;
Schritte zur Anwendung der von uns in London&#13;
angekündigten zusätzlichen Wirtschaftsmaßnahmen&#13;
unternehmen werden, wenn unsere in London formulierten Forderungen nicht innerhalb von vier Wochen&#13;
erfüllt werden und vor allem wenn Präsident Milosevic&#13;
nicht alles in seiner Macht Stehende zur Aufnahme des&#13;
Dialogs unternimmt.&#13;
Ich muß Ihnen nicht sagen, daß die Vereinigten&#13;
Staaten die Ansicht vertreten, angesichts der jüngsten&#13;
Aktionen Belgrads könnten wir zu Recht noch strengere Maßnahmen verhängen. Aber ich bin zufrieden,&#13;
&#13;
daß die von uns getroffenen Entscheidungen im&#13;
Augenblick ausreichen, um die Glaubwürdigkeit und&#13;
Einheit der Kontaktgruppe zu bewahren. Wir haben&#13;
das Mindestmaß an Druck beibehalten, das erforderlich ist, um den Prozeß voranzubringen.&#13;
Die Kontaktgruppe wird in vier Wochen wieder zusammenkommen. Wenn wir entscheiden, daß ausreichende Fortschritte erzielt wurden, werden wir die&#13;
Maßnahmen erneut prüfen, die wir anwenden. Wenn&#13;
es keine Fortschritte gibt, wird die Unterstützung für&#13;
eine schärfere Vorgehensweise zunehmen. In beiden&#13;
Fällen werden die Kräfte der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im ehemaligen Jugoslawien gestärkt.&#13;
Und ich werde Ihre Aufmerksamkeit auf den letzten&#13;
Absatz unserer Erklärung lenken, der feststellt, daß die&#13;
grundlegende Position der Kontaktgruppe unverändert&#13;
bleibt. Die Lösung dieses Problems muß ein sinnvolles Maß an Autonomie und Selbstverwaltung für&#13;
den Kosovo beinhalten.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
•&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
,&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Die Erweiterung und Vertiefung der Europaidee&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut, die der Stellvertretende US-Außenminister&#13;
Strobe Talbott am 20. März 1998 bei der zweiten New Traditions-Konferenz mit dem Titel "Geistige Führung im&#13;
neuen Jahrhundert" in Berlin gehalten hat, die von der Amerikanischen Botschaft und der Amerikanischen&#13;
Akademie zu Berlin gesponsert wurde.&#13;
&#13;
Vielen Dank, [Botschafter] Dick [Holbrooke]. Die&#13;
heutige Anwesenheit so vieler herausragender&#13;
Persönlichkeiten - angefangen mit dem Bundespräsidenten - ist ein Tribut an Sie, dem ich mich anschließe. Viele von Ihnen werden mir zustimmen, daß&#13;
man sich kaum einen besseren Freund als Dick&#13;
vorstellen kann. Das ist er meiner Frau Brooke und&#13;
mir bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten. Während&#13;
der letzten fünf Jahre war Dick auch ein herausragender Kollege - für mich und andere heute anwesende Veteranen der Clinton-Administration: Bill Perry,&#13;
John Deutch, Lloyd Cutler und Winston Lord. Bei&#13;
praktisch jedem Thema, das Klaus Kinkel in seiner&#13;
ausgezeichneten - ich würde sogar sagen, bahnbrechenden - Rede vor wenigen Minuten angesprochen hat, steht Dick Holbrooke an vorderster Front der&#13;
amerikanischen Politik - ein Denker, Politiker, Diplomat, Wortführer und - wie oft angemerkt wird - eine&#13;
Naturgewalt.&#13;
Wir alle sind sehr froh darüber, daß Dick seine enorme&#13;
Energie dafür eingesetzt hat, die Amerikanische&#13;
Akademie zu Berlin ins Leben zu rufen. Diese Institution ist ein lebendiges Symbol der Freundschaft,&#13;
die sich während des letzten halben Jahrhunderts&#13;
zwischen den Vereinigten Staaten und dieser Stadt&#13;
entwickelt hat. Die Akademie wird weiterhin die besten&#13;
Köpfe auf beiden Seiten des Atlantiks zusammenbringen, damit sie die richtigen Antworten auf die&#13;
großen Fragen unserer Zeit finden. Mit anderen&#13;
Worten, dieses Unternehmen widmet sich der Bereitstellung genau des Grundstoffes, den diese Konferenz&#13;
fördern will: Geistige Führung.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Das ist das richtige Thema für diese Zeit und diesen&#13;
Ort. In einer Welt, die oft enormen und kontourlosen&#13;
Kräften ausgeliefert zu sein scheint, ist es leicht, die&#13;
Macht des Intellekts - die guten oder schlechten&#13;
Auswirkungen des Geists des Einzelnen - zu unterschätzen.&#13;
Einer der herausragenden Namensvettern dieser&#13;
Stadt, der verstorbene Isaiah Berlin, erklärte einmal:&#13;
"Die großen Bewegungen ... die große ideologische&#13;
Tyrannei der Rechten und Linken und die explosionsartige Ausbreitung von Nationalismus, Rassismus und&#13;
... religiöser Bigotterie ... alles begann mit Ideen in den&#13;
Köpfen der Menschen."&#13;
Sir Isaiah warnte vor totalitären und utopischen&#13;
Schemata, die im Lauf der Jahrhunderte, insbesondere&#13;
in unserem Zeitalter, so großen Schaden angerichtet&#13;
haben. Aber er hielt andere Ideen in Ehren, die das&#13;
Beste in uns zutage förderten: Freiheit, Toleranz,&#13;
Pluralismus und - am wichtigsten - Demokratie.&#13;
Die Geschichte, so Sir Isaiah, wird "von Propheten mit&#13;
Armeen im Hintergrund" gemacht. Nirgendwo gab es&#13;
einen gewaltsameren und sinnbildlicheren Zusammenprall dieser Armeen als auf diesem Kontinent und in&#13;
diesem Jahrhundert.&#13;
Während der Lebenszeit vieler der hier Anwesenden&#13;
hat Europa zwei Umgestaltungen erlebt: Es entwickelte&#13;
sich vom Brennpunkt eines Weltkriegs über einen&#13;
Bodennullpunkt des Kalten Kriegs zu dem, was es&#13;
heute ist - das modernste und vielversprechendste&#13;
Beispiel weltweit für die Fähigkeit souveräner Nationen, gemeinsam im Namen der besten Ideen für die&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Zukunft gegen die schlimmsten Ideen der Vergangenheit anzugehen.&#13;
Diese Evolution spiegelt sich in der Wandlung dieser&#13;
Stadt wider. Anfang dieses Jahrhunderts war Berlin&#13;
die Quelle von viel Bösem und Leid, das Europa und&#13;
die Welt heimsuchte. Heute ist Berlin zusammen mit&#13;
anderen großen Metropolen auf diesem Kontinent eine&#13;
Quelle des Besten.&#13;
Diese Stadt hat ihre historische Stellung als Hauptstadt&#13;
Deutschlands wiedergewonnen. Noch bedeutender ist&#13;
jedoch, daß sie im Sommer 1999 erstmals Sitz der&#13;
Regierung eines geeinten, demokratischen und fest in&#13;
einem Bündnis von Demokratien verankerten Deutschlands sein wird.&#13;
Es gibt für uns wohl keinen besseren Ort, uns zu&#13;
versammeln, um über Europa und die atlantische Welt&#13;
nachzudenken und zu sprechen. Bei der ersten New&#13;
Traditions-Konferenz in Berlin vor vier Jahren entwikkelten Vizepräsident Gore und Bill Perry eine Vision für&#13;
eine erweiterte NATO und ein neues Konzept für&#13;
Sicherheit in ganz Europa.&#13;
Das grundlegende Versprechen der amerikanischen&#13;
Politik könnte nicht einfacher sein. Ich bin sicher, daß&#13;
Sie alle es kennen, aber es kann nicht oft genug&#13;
wiederholt werden. Es lautet: Das Wohlergehen des&#13;
amerikanischen Volkes hängt in nicht unwesentlichem&#13;
Maße von Frieden und Wohlstand in Europa ab. Der&#13;
amerikanische Internationalismus im Allgemeinen und&#13;
der Atlantizismus im Besonderen wurzeln im aufgeklärten amerikanischen Eigeninteresse.&#13;
Wir haben diese grundlegende Wahrheit mühsam&#13;
gelernt. Die beiden Weltkriege forderten das Leben&#13;
von mehr als einer halben Million Amerikaner, während&#13;
der Kalte Krieg uns umgerechnet mehr als 13 Billionen&#13;
Dollar kostete und uns an den Rand des heißesten&#13;
Krieges brachte, den man sich vorstellen kann.&#13;
Tatsächlich ist heute der Jahrestag des Kalten Krieges. Vor genau 50 Jahren, am 20. März 1948, verließ&#13;
Marshall Wassili Sokoloswki das Treffen des Alliierten&#13;
Kontrollrats in dessen Hauptquartier im Amerikanischen Sektor. Sein dramatischer Abgang signalisierte, daß Joseph Stalin kurz vor Beginn der Blockade&#13;
stand, mit der er die Westmächte aus Berlin verdrängen wollte.&#13;
Somit ist es ein halbes Jahrhundert her, daß wir&#13;
Amerikaner diese Stadt erstmals als Außenposten&#13;
unserer eigenen Freiheit und Sicherheit sahen. Dieses&#13;
Band wurde am 26. Juni 1963 in schwerer Zeit gestärkt, als Präsident Kennedy seinen berühmten&#13;
Besuch in Berlin machte. Und das Band wurde noch&#13;
stärker durch den Triumph der Nacht vom 9. November 1989, als nur wenige Hundert Meter von hier&#13;
entfernt die Mauer fiel. Damals machten die mutigen&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Bürger Ostdeutschlands einen gewaltigen Schritt, sich&#13;
selbst zu befreien und die DDR Geschichte werden zu&#13;
lassen.&#13;
Bill Clinton trat sein Amt in dem klaren Bewußtsein an,&#13;
daß er als erster amerikanischer Präsident nach dem&#13;
Ende des Kalten Krieges gewählt wurde. Daher&#13;
erachtet er es nicht nur als seine Chance, sondern&#13;
auch als seine Pflicht sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun, um&#13;
beim Aufbau eines Europas zu helfen, das ebenso wie&#13;
Deutschland ungeteilt und frei, wohlhabend und&#13;
friedlich, im Inneren geeint und global engagiert ist.&#13;
Während das neue Europa aus dem entsteht, was&#13;
viele Amerikaner noch als die Alte Welt bezeichnen,&#13;
sehen wir ein geeintes, demokratisches Deutschland&#13;
als bedeutendes Symbol und mächtige Triebkraft für&#13;
alles, was in Europa geschieht und sich in Europa als&#13;
Ganzes ereignen kann.&#13;
Die Dynamik Deutschlands ist nicht nur eine Funktion&#13;
seiner Größe, geografischen Lage und starken&#13;
Volkswirtschaft. Sie ist auch das direkte Ergebnis der&#13;
von Deutschland angenommenen Politik gegenüber&#13;
anderen Ländern, die man als "Architekturpolitik"&#13;
bezeichnen könnte.&#13;
Deutschland hat sich sehr&#13;
bewußt, sehr effektiv, sehr klar und sehr klug dazu&#13;
entschlossen, beim Aufbau zahlreicher, sich überlappender und sich gegenseitig verstärkender Institutionen zu helfen, die das neue Europa ausmachen. Es&#13;
gibt Dutzende solcher Einrichtungen, und Deutschland&#13;
engagiert sich dort mehr als jeder andere Staat.&#13;
Diese Gruppierungen machen zusammengenommen&#13;
die Superstruktur einer Gemeinschaft von Nationen&#13;
aus - und, um genauer zu sein, einer Gemeinschaft&#13;
bürgerlicher und politischer Werte. Deutschland ist&#13;
sowohl Konstrukteur und Bauherr als auch bewußter&#13;
Bewohner dieser Superstruktur. Damit hat es seine&#13;
eigene Antwort - die richtige Antwort - auf das gefunden, was Klaus Kinkel als die "Mutter aller Fragen"&#13;
bezeichnete - die historisch bekannte und schwierige&#13;
"deutsche Frage". Und es ist eine einfühlsame&#13;
europäische Antwort.&#13;
&#13;
Obwohl die Vereinigten Staaten einen Ozean entfernt&#13;
sind, teilen wir mit Deutschland die Mitgliedschaft in&#13;
vielen euroatlantischen Institutionen wie der OSZE. In&#13;
anderen, wie dem Europarat, haben die Vereinigten&#13;
Staaten Beobachterstatus. In wieder anderen sind wir&#13;
Amerikaner äußerst interessierte Nichtmitglieder.&#13;
Das vielleicht beste Beispiel in dieser Kategorie ist die&#13;
Europäische Union. Wir haben die europäischen&#13;
Integrationsbestrebungen von Anfang an unterstützt von der Gründung der Montanunion bis zur Schaffung&#13;
des Binnenmarktes.&#13;
Dies geschieht erneut aus&#13;
Gründen eines aufgeklärten Eigeninteresses: Wir&#13;
waren immer der Überzeugung, daß ein politisch&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�geeintes und wirtschaftlich integriertes Europa ein&#13;
stärkerer Partner zur Förderung unserer gemeinsamen&#13;
Ziele ist. Wir sind uns bewußt, daß die Vereinigten&#13;
Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun müssen, um&#13;
die transatlantischen Bande zu stärken - selbst wenn&#13;
Sie auf dieser Seite des Atlantiks mit unserer Ermutigung Ihr Ziel der gesamteuropäischen Integration&#13;
verfolgen.&#13;
&#13;
Aber die NATO ist nicht nur eine militärische Organisation; sie ist auch eine politische; sie ist ein Katalysator&#13;
für die Stärkung - und Erweiterung - der Werte,&#13;
Institutionen und Ideen, die die Mitgliedstaaten gemeinsam haben: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Achtung&#13;
der Menschen- und Bürgerrechte, Toleranz für ethnische und religiöse Unterschiede sowie zivile Kontrolle des Militärs.&#13;
&#13;
Natürlich ist die NATO das stärkste dieser transatlantischen Bande. Die NATO ist einzigartig, weil sie&#13;
allein über Militärmacht verfügt. Und wie wir gesehen&#13;
haben, ist diese besondere Form der Stärke auch im&#13;
Europa nach dem Kalten Krieg noch erforderlich. Von&#13;
Bosnien, Kroatien, Albanien und dem Kosovo auf dem&#13;
Balkan bis nach Tschetschenien und Nagorny-Karabach im Kaukasus sind in den letzten fünf Jahren mehr&#13;
Europäer eines gewaltsamen Todes gestorben als in&#13;
den vorangegangenen 45 Jahren.&#13;
&#13;
Die NATO hat stets diese politische Funktion und&#13;
Verantwortung gehabt, selbst in ihrer alten Inkarnation&#13;
während des Kalten Krieges. In den fünfziger Jahren&#13;
bot das Bündnis den Schutzschild, hinter dem&#13;
Deutschland und Frankreich ihre historische Aussöhnung erreichen konnten.&#13;
&#13;
Ohne die Ausübung von Macht durch die NATO im&#13;
Jahr 1993 - eine Entscheidung, bei der Bill Perry, John&#13;
Deutch, Dick Holbrooke und John Kornblum jeweils&#13;
eine Schlüsselrolle spielten - befände sich Bosnien&#13;
heute noch im Krieg. Tatsächlich hätte sich bereits der&#13;
dritte Balkankrieg dieses Jahrhunderts unheilvoll&#13;
ausbreiten und mit seinem Beginn dem ausklingenden&#13;
20. Jahrhundert eine schaurige und grauenhafte&#13;
Symmetrie verliehen können.&#13;
&#13;
Wie Amerikaner haben kein Geheimnis aus unserer&#13;
Hoffnung gemacht, daß die Erweiterung der NATO zu&#13;
den Bedingungen für die Erweiterung der EU beitragen&#13;
wird. Hier geht es nicht nur darum, daß die NATO ein&#13;
Beispiel gibt. Es geht vielmehr darum, daß die NATO&#13;
ein Umfeld schafft, das - weil es stabiler und friedlicher&#13;
ist - der Erweiterung der EU nach Osten förderlich ist.&#13;
&#13;
Wie Außenminister Kinkel betonte, hat sich Deutschland in den vergangenen fünf Jahren ins Zentrum der&#13;
internationalen Bestrebungen zur Vermeidung dieses&#13;
Alptraums bewegt. Ich freue mich, hier heute meinen&#13;
Freund Wolfgang Ischinger zu sehen - einen Verfechter von Dayton, ein entscheidendes Mitglied der&#13;
sogenannten Kontaktgruppe und ein enger Mitarbeiter&#13;
von mir bei einigen elementaren Anliegen des Bündnisses vor einem Jahr. Er ist einer von vielen Deutschen, die dazu beigetragen haben, den Frieden in&#13;
Bosnien zu schaffen und zu bewahren. Jeden Tag&#13;
leisten Bundeswehrpiloten und -Soldaten ihren eigenen&#13;
Beitrag zu dieser Sache. Deutschland gewährt den&#13;
Flüchtlingen Zuflucht und stellt Milliarden von D-Mark&#13;
für ihre Versorgung und für humanitäre Wiederaufbauprojekte in Bosnien zur Verfügung. Und tragischerweise mußten ebenso wie mehrere Amerikaner einige&#13;
Ihrer engagiertesten Regierungsvertreter ihr Leben&#13;
lassen. Ich denke vor allem an Gerd Wagner, einen&#13;
guten Freund von vielen hier Anwesenden, der in&#13;
Washington so viel für die deutsch-amerikanischen&#13;
Beziehungen geleistet hat, bevor er sein Leben im&#13;
Dienste der Menschheit im September vergangenen&#13;
Jahres in Zentralbosnien verlor.&#13;
Bosnien ist eine Erinnerung an die Fähigkeit der&#13;
NATO, Diplomatie mit Gewalt zu verstärken und diese&#13;
Gewalt gegebenenfalls entschlossen anzuwenden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Ferner ist die NATO-Erweiterung ein mächtiger und&#13;
positiver Faktor bei der Konsolidierung der Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen.&#13;
&#13;
Glücklicherweise haben wir den Punkt hinter uns&#13;
gelassen, an dem es große Zweifel an der Erweiterung&#13;
der NATO oder der EU gab. Es wird jedoch immer&#13;
noch debattiert, wie viel weiter diese Prozesse gehen&#13;
sollten.&#13;
Im Hinblick auf die NATO muß die Tür, die von der&#13;
Führung des Bündnisses im Juli vergangenen Jahres&#13;
in Madrid geöffnet wurde, offen bleiben. Sollte es&#13;
anders kommen - sollte die Tür hinter Ungarn, Polen&#13;
und der Tschechischen Republik zuschlagen - würden&#13;
das Bündnis und seine Erweiterung nicht nur scheitern, eine Kraft für Integration zu sein; sie würden zum&#13;
Gegenteil werden: Sie würden eine neue Trennlinie,&#13;
einen neuen Eisernen Vorhang, eine neue Grauzone,&#13;
ein neues strategisches Übergangsstadium schaffen nur weiter im Osten. Sie würden unter den ausgeschlossenen Nationen gegenseitiges Mißtrauen,&#13;
militärische Konkurrenz, Unsicherheit, Instabilität,&#13;
vielleicht sogar Desintegration und Gewalt säen.&#13;
Die richtige Antwort auf Fragen bezüglich der geografischen Grenzen der Erweiterung des Bündnisses&#13;
lautet folgendermaßen: Wir werden sehen - und wir&#13;
wollen nicht voreilig Grenzen proklamieren; wir wollen&#13;
unvoreingenommen sein, wenn wir ostwärts durch die&#13;
offene Tür der neuen NATO blicken. Die falsche&#13;
Antwort wäre von verfrühter und schädlicher Präzision,&#13;
denn das hieße, unsere Verpflichtung zu einem&#13;
ungeteilten, zunehmend integrierten Europa zu&#13;
verraten.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Aus diesem Grund vertreten wir die Auffassung, daß&#13;
die Erweiterung der vielen zentralen transatlantischen&#13;
und europäischen Institutionen zeitlich und räumlich&#13;
fortgesetzt werden muß. Das heißt, sie sollten mit&#13;
offenem Ende erweitert werden ohne willkürliche&#13;
Pausen - und sie sollten den Osten, den Norden und&#13;
den Süden einbeziehen.&#13;
Polen, Ungarn und die Tschechische Republik sind die&#13;
unmittelbaren und äußerst vielversprechenden&#13;
Beispiele für die Integration des Ostens. Auch im&#13;
Norden hat es ermutigende Fortschritte gegeben, nicht&#13;
zuletzt weil Deutschland selbst in dieser Region so&#13;
aktiv ist. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die&#13;
Nationen der nordischen Region ihren Platz im&#13;
europäischen Hauptstrom genau zu der Zeit gefunden,&#13;
in der sie neue Formen der wirtschaftlichen, politischen&#13;
und umweltpolitischen Zusammenarbeit untereinander&#13;
eingeführt haben.&#13;
Norwegen ist beispielsweise&#13;
integraler Bestandteil der NATO, obwohl es der EU&#13;
nicht beitritt, während auf Finnland und Schweden das&#13;
Gegenteil zutrifft: Obwohl sie ihren blockfreien Status&#13;
bewahren, sind sie jetzt aktive Mitglieder der EU.&#13;
Gleichzeitig haben diese drei Länder ihr Engagement&#13;
in subregionalen Organisationen wie dem Euroarktischen Barentsrat, dem Arktischen Rat und dem&#13;
Ostseerat intensiviert.&#13;
Da Deutschland selbst ein Ostseestaat ist, muß das&#13;
Land offensichtlich eine zentrale Rolle bei der Förderung von Mustern der Zusammenarbeit in Nordeuropa spielen. Das ist sowohl Deutschlands Schicksal für die Zukunft als auch sein Vermächtnis der&#13;
Vergangenheit. Im Mittelalter vereinte die Hanseatische Liga viele Gemeinden im Nord- und Ostseeraum&#13;
in einer frühen Version eines riesigen Freihandelsgebiets. Der Handel trug dazu bei, das Leben, die&#13;
Interessen und Kulturen von hanseatischen Städten&#13;
wie Hamburg, Lübeck, Rostock, Riga, Stockholm und&#13;
Novgorod miteinander zu verflechten.&#13;
Heute kann eine Hanse der Neuzeit auf der Grundlage&#13;
wachsender Verbindungen zwischen den Nationen der&#13;
baltischen Küste wiederum dazu dienen, die Zusammenarbeit zwischen Westeuropa, den nordischen&#13;
und baltischen Staaten, der Ukraine und Rußland zu&#13;
untermauern.&#13;
&#13;
Rußland aus beherrscht. Wie weit wir und die Russen&#13;
seit damals gekommen sind. In zehn Wochen werden&#13;
Madeleine Albright, Klaus Kinkel und die anderen&#13;
Außenminister der NATO in Luxemburg mit Jewgenij&#13;
Primakow zum dritten Ministertreffen des Ständigen&#13;
Gemeinsamen NATO-Rußland-Rats zusammenkommen - einem von mehreren Mechanismen, über&#13;
die die NATO und Rußland in konkreter Weise zusammenarbeiten.&#13;
Obwohl Rußland klargemacht hat, daß es nicht die&#13;
Mitgliedschaft im Bündnis selbst anstrebt - und der&#13;
Erweiterung nicht zustimmt - ist das Land dennoch&#13;
immer noch zur Zusammenarbeit mit der NATO im&#13;
Namen der Prinzipien und Ziele bereit, bei denen wir&#13;
übereinstimmen.&#13;
Ich möchte an dieser Stelle gerne Lord Ismays&#13;
berühmt-berüchtigt witzige Bemerkung über den&#13;
vermeintlichen Zweck der NATO anbringen. Das&#13;
Bündnis, sagte er, existierte, um die Amerikaner&#13;
einzubinden, die Russen auszuschließen und die&#13;
Deutschen am Boden zu halten. 1949, als er diese&#13;
Bemerkung machte, war sie schon zu einem Drittel&#13;
gemein - das heißt, in bezug auf Deutschland - und&#13;
sollte sich kurz danach als völlig falsch erweisen. Die&#13;
NATO hat in der Tat zur Förderung der Sicherheit, des&#13;
Wohlstands und vor allem der internationalen Führungsrolle dieses Landes beigetragen. Weit davon&#13;
entfernt, die Deutschen am Boden zu halten, half die&#13;
NATO so dem neuen Deutschland, sich zu erheben.&#13;
Heute ist Lord Ismays Platitüde zu zwei Dritteln&#13;
veraltet. Jetzt, nach dem Ende des Kalten Krieges, ist&#13;
die NATO entschlossen, zusätzlich zu ihrer Hauptaufgabe der kollektiven Verteidigung die neue Mission zu&#13;
übernehmen, ein demokratisches Rußland vollständiger in Europa einzubeziehen. Die einzige noch&#13;
gültige Wahrheit - die einzige Konstante - der IsmayDoktrin ist, daß die NATO immer noch ein Weg ist und&#13;
immer sein wird, die Amerikaner einzubinden.&#13;
&#13;
Eine unabhängige Ukraine ist ein Grundstein in der&#13;
Architektur des neuen Europas. Die Vereinigten&#13;
Staaten und Deutschland teilen ein tiefgehendes&#13;
Interesse an dem Erfolg der Wirtschaftsreformen in der&#13;
Ukraine, an ihrem Übergang zu Demokratie und ihrer&#13;
Sicherheit. Aus diesem Grund arbeiteten wir an der&#13;
NATO-Ukraine-Charta zusammen, die im Juli vergangenen Jahres in Madrid unterzeichnet wurde.&#13;
&#13;
Die neue NATO - die NATO nach dem Kalten Krieg hat sich auch die Aufgabe gestellt, die Südflanke der&#13;
NATO abzustützen und die dort ansässigen Nationen&#13;
vollständiger in unsere Gemeinschaft einzubeziehen.&#13;
Ich bin gestern aus Rumänien in Berlin angekommen,&#13;
und davor war ich in Slowenien, Albanien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Bulgarien. Mehrere Nationen Südosteuropas haben begonnen, alte Meinungsverschiedenheiten unter sich&#13;
auszumachen und auch ihre Verbindungen zum&#13;
übrigen Europa zu stärken. Die deutsche Regierung&#13;
hat ihnen mit der Unterstützung von Wirtschaftsreformen in der Region und der Verbesserung der&#13;
Transport- und Kommunikationswege geholfen.&#13;
&#13;
Rußland stellt eine besondere Herausforderung dar.&#13;
Vor weniger als einem Jahrzehnt wurde der Platz, an&#13;
dem wir jetzt versammelt sind, als DDR-Gebiet von&#13;
&#13;
Dennoch ist der Südosten weiterhin der unruhigste&#13;
Nachbar Europas. Die derzeitige Krise im Kosovo&#13;
erinnert uns daran, wie unruhig er ist - und wie gefähr-&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�lieh - nicht nur für die dort Lebenden, sondern auch für&#13;
uns alle. Der Traum der paneuropäischen Integration&#13;
und des Friedens hatte bereits in Bosnien ein Sterbeerlebnis. Jetzt sieht er sich im Kosovo einer weiteren so tödlichen Bedrohung ausgesetzt.&#13;
&#13;
Europäer unabhängig von ihren gelegentlichen&#13;
Differenzen einer Meinung darüber sind, wie Regierungen und Bürger zusammenarbeiten sollten, um&#13;
bessere Gesellschaften und eine bessere Welt&#13;
aufzubauen.&#13;
&#13;
Außenminister Kinkel sagte gerade: "Auch heute ist&#13;
Geschichte nicht vorbei." Das gilt vor allem für den&#13;
Balkan. Und wir müssen alles in unserer Macht&#13;
Stehende tun um sicherzustellen, daß die Schlacht auf&#13;
dem Kosovofeld nicht die Zukunft ist.&#13;
&#13;
Und ganz offen und ehrlich gesagt, brauchen die&#13;
Vereinigten Staaten ein Europa, das nicht nur ungeteilt,&#13;
frei, wohlhabend, integriert ist und in Frieden lebt - wir&#13;
brauchen auch ein Europa, das unser Partner bei der&#13;
Bewältigung von Herausforderungen in allen Teilen&#13;
dieser zunehmend interdependenten Welt ist.&#13;
&#13;
Wie Außenminister Kinkel auch erklärt hat, ist Deutschland an der Suche nach einer Lösung der Krise&#13;
beteiligt. In der vergangenen Woche haben er und&#13;
Außenministerin Albright gemeinsam mit ihren Kollegen in der Kontaktgruppe beschlossen, Druck auf&#13;
Belgrad auszuüben, um die Brutalität zu beenden und&#13;
einen politischen Dialog mit den Kosovo-Albanern&#13;
aufzunehmen. In der kommenden Woche werden die&#13;
Außenminister der Kontaktgruppe und ihre Amtskollegen aus Südosteuropa hier in Deutschland&#13;
zusammenkommen - wir hoffen, um die notwendige&#13;
Kombination von Druck und Diplomatie fortzusetzen.&#13;
Diese Bemühungen müssen Erfolg haben. Ihr Scheitern würde einen Großteil des von uns Erreichten und&#13;
des von uns Beabsichtigten aufs Spiel setzen. Es&#13;
würde die alten und neuen Wunder gefährden, von&#13;
denen Präsident Herzog so eloquent gesprochen hat.&#13;
Während unser Blick nach Süden gerichtet ist, möchte&#13;
ich einige Worte über ein weiteres wichtiges Land in&#13;
dieser Region sagen, das bereits unser Verbündeter in&#13;
der NATO ist und jetzt die Mitgliedschaft in der Europäischen Union anstrebt. Ich beziehe mich natürlich&#13;
auf die Türkei. Ich möchte direkt darauf zu sprechen&#13;
kommen, warum die Vereinigten Staaten in ihrer&#13;
Kapazität als äußerst interessiertes Nichtmitglied der&#13;
EU hoffen, daß es einen Weg geben wird, das Prinzip&#13;
der offenen Tür auf die Türkei bei ihrem Streben nach&#13;
vollständiger Integration in europäische Institutionen&#13;
und Strukturen anzuwenden. Einfach ausgedrückt, ist&#13;
es folgendermaßen: Wir sind der Ansicht, daß die&#13;
Türkei - ebenso wie Rußland - eher die richtigen&#13;
Entscheidungen über ihre Zukunft trifft, wenn wir, die&#13;
eine Führungsrolle in dem innehaben, was traditionell&#13;
als der Westen bezeichnet wird, klarmachen, daß die&#13;
Zukunft dieser Länder unseres Erachtens bei uns liegt.&#13;
Und das bedeutet, unsere Institutionen derart zu&#13;
gestalten und aufzubauen, daß sie einen Platz für sie&#13;
bereithalten, wenn sie bereit sind.&#13;
Wir Amerikaner hoffen, daß das neue Europa sich&#13;
selbst als expansiv und so einbeziehend wie möglich&#13;
definiert - aus Gründen, die über das spezifische&#13;
Thema Türkei oder Rußland oder ein anderes einzelnes Land hinausgehen. Wir glauben, je aktiver und&#13;
kohärenter die Rolle ist, die Europa als Ganzes auf der&#13;
Weltbühne spielt, desto besser wird es für die Vereinigten Staaten sein. Warum? Weil Amerikaner und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Auch in dieser Hinsicht gebührt der Bundesrepublik&#13;
Deutschland Lob. Deutschland hat in den vergangenen Jahren Rekordleistungen dabei erbracht, global zu&#13;
denken und zu handeln. Selbst während Ihr Land&#13;
beträchtliches Gewicht auf den Prozeß der europäischen Integration gelegt hat, waren Sie zunehmend&#13;
erfindungsreich und großzügig beim Einsatz Ihrer&#13;
Ressourcen und Ihres Geschicks zur Bewältigung&#13;
einiger der dringendsten Anliegen in weit entfernten&#13;
Teilen der Welt.&#13;
Diese Bilanz internationaler guter Staatsbürgerschaft&#13;
untermauert das Argument, das die Vereinigten&#13;
Staaten für die ständige Mitgliedschaft Deutschlands&#13;
im UN-Sicherheitsrat vorbringen. Als Deutschland als&#13;
nichtständiges Mitglied von 1993-96 den Vorsitz im&#13;
Sicherheitsrat führte, half es dem Rat, schwierige&#13;
Probleme wie den Irak in Angriff zu nehmen. Das war&#13;
ein weiteres Beispiel dafür, wie Deutschland Europa&#13;
als Ganzes behilflich ist, internationale Pflichten über&#13;
seine Grenzen hinaus zu übernehmen.&#13;
Unserer Ansicht nach ist dieser Trend - obwohl in&#13;
mancher Hinsicht neu - auch eine Bekräftigung einer&#13;
nach außen gerichteten Vision, die im wesentlichen&#13;
europäisch ist. Die Renaissance erhielt ihren Namen&#13;
zum Teil, weil sie zu einer Zeit erfolgte, in der Europa&#13;
sich der Welt öffnete - und damit der Menschheit&#13;
insgesamt. Zu den Manifestationen dieses andauernden Impulses zählten der Drang zur Entdeckung und&#13;
Erforschung neuer Kontinente, die Zunahme des&#13;
Handels und technologische Erfindungen - vor allem&#13;
Johann Gutenbergs - die die Verbreitung von Wissen&#13;
und Ideen insbesondere derjenigen gestatteten, die&#13;
den Anstand und die Würde des Menschen hervorhoben.&#13;
Später, während der Aufklärung, identifizierte Europa&#13;
sich selbst nicht im Hinblick auf künstliche Grenzen ein Fluß hier, eine Bergkette dort, eine mit Stacheldraht&#13;
bewehrte Betonmauer andernorts - sondern im&#13;
Hinblick auf universelle Werte, von denen mehrere zur&#13;
Gestaltung dessen beitrugen, was jetzt die Vereinigten&#13;
Staaten sind. Einer der vielen Gründe, aus denen wir&#13;
Amerikaner uns mit Europa identifizieren, ist, daß wir&#13;
eine Schwäche für die Idee haben, daß ein Land oder&#13;
eine Union von Ländern mehr als nur ein Ort auf der&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Landkarte ist - es kann und sollte auch eine geistige&#13;
Verbindung mit universellen Prinzipien sein, durch die&#13;
Männer und Frauen ihr politisches Leben ordnen.&#13;
Diese europäische Gedankengang beeinflußte die&#13;
Staatsführung von Jean Monnet, Paul-Henri Spaak,&#13;
Aleide De Gasperi, Robert Schumann, Konrad Adenauer und Willy Brandt sowie die intellektuellen&#13;
Leistungen von Isaiah Berlin. Sie glaubten an die&#13;
Europaidee - eine Idee, von der sie glaubten, daß sie&#13;
Bedeutung über die Grenzen des Kontinents hinweg&#13;
habe. Sie teilten den Traum von Immanuel Kant - der&#13;
Deutsch sprach und in der Hansestadt Königsberg&#13;
lebte, in einer Region Europas, die übrigens heute ein&#13;
Teil Rußlands ist - und der die Lehre des Völkerrechts&#13;
verbreitete, die gleichgesinnte Republiken in einer Liga&#13;
"bürgerlicher Staaten" verbinden würde, die sich - wie&#13;
er es nannte - "ewigen Friedens" erfreuen würde.&#13;
Dieses Ideal ist immer noch genau das - ein Maßstab,&#13;
an dem eine äußerst unvollkommene Realität gemessen wird. Aber diese Realität entwickelt sich vielversprechend. Für Europäer und Amerikaner ist es heute&#13;
leichter als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte,&#13;
sich die Verwirklichung dieses Ideals vorzustellen.&#13;
Zum ersten Mal haben wir den praktischen Anreiz, die&#13;
&#13;
geopolitischen Gegebenheiten, die wirtschaftlichen&#13;
Ressourcen, die institutionellen Strukturen, den&#13;
kollektiven Willen, die politische Phantasie und die&#13;
geistige Führung, um auf den Grundlagen der europäischen Zivilisation eine Gemeinschaft von Nationen&#13;
hervorzubringen, die sich nach Westen über den&#13;
Atlantik, nach Osten über den Ural und nach Süden&#13;
über den Bosporus hinaus erstreckt.&#13;
Abschließend möchte ich eine sprachlich Anleihe bei&#13;
einigen EU-Debatten machen und es folgendermaßen&#13;
formulieren: Wir, Ihre amerikanischen Freunde und&#13;
Verbündeten, hoffen, daß Sie, unsere europäischen&#13;
Freunde und Verbündeten, es sich zur Berufung&#13;
machen, die Europaidee sowohl zu vertiefen als auch&#13;
zu erweitern. Das ist das Europa, mit dem verbündet&#13;
zu sein die Vereinigten Staaten stolz sind; und das ist&#13;
die Richtung der Entwicklung Europas, die wir, auf&#13;
unserer Seite des Atlantiks weiterhin erhoffen und&#13;
ermutigen. Wir werden das nicht zuletzt deswegen&#13;
tun, damit wir Amerikaner sicher sein können, in den&#13;
Kreis Ihres aufgeklärten Eigeninteresses aufgenommen zu werden, ebenso wie Sie in unserem aufgenommen sind.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�IRAN&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Die Politik der Vereinigten Staaten&#13;
gegenüber dem Iran&#13;
Rede von Bruce O. Riedel&#13;
HOUSTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Sonderberater des Präsidenten und&#13;
Leitende Direktor für Nahost- und südasiatische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat, Bruce O. Riedel,&#13;
am 2. April 1998 beim Symposium des Baker Institute über den Iran in Houston gehalten hat.&#13;
&#13;
Es ist mir ein großes Vergnügen, heute Nachmittag vor&#13;
diesem Publikum eine Rede über die Politik der&#13;
Vereinigten Staaten gegenüber dem Iran halten zu&#13;
dürfen. Und es ist ein besonderes Vergnügen, von Ed&#13;
Djerejian eingeladen worden zu sein - einem langjährigen Freund und Kollegen, der mich sehr viel nicht nur&#13;
über den Nahen Osten sondern auch über Diplomatie&#13;
und Regierungsarbeit gelehrt hat. Ed, ich erinnere&#13;
mich noch sehr gut an unsere Reise an den Golf und&#13;
unsere vielen Treffen, bei denen wir erörterten, wie die&#13;
amerikanischen Interessen in diesem wichtigen Teil&#13;
der Welt am besten gefördert werden können.&#13;
Die Golfregion wird von jedem amerikanischen&#13;
Präsidenten seit Franklin Delano Roosevelt als eine&#13;
Region von absolut lebenswichtiger strategischer&#13;
Bedeutung für die Vereinigten Staaten angesehen. Sie&#13;
ist nicht nur das Energielager der Welt - das Zuhause&#13;
von zwei Dritteln der vorhandenen Ölreserven des&#13;
Globus - sondern auch der Nexus, an dem drei&#13;
Kontinente zusammenkommen und die Heimat von&#13;
drei großen Religionen. Nirgendwo sonst auf der Welt&#13;
waren amerikanische Streitkräfte im letzten Vierteljahrhundert aktiver engagiert als hier. Von "Earnest Will"&#13;
über "Desert Shield" und "Desert Storm" bis zu&#13;
"Southern Watch", "Northern Watch" und "Desert&#13;
Strike" wurden hier in den vergangenen beiden&#13;
Jahrzehnten die vitalen Interessen der Vereinigten&#13;
Staaten am energischsten verteidigt.&#13;
Als Präsident Clinton 1992 gewählt wurde, erkannte&#13;
seine erste Administration unverzüglich die strategische Bedeutung der Region und erkannte auch, daß&#13;
es für die Stabilität und Sicherheit des Gebiets zwei&#13;
zentrale Bedrohungen gab - Irak und Iran. Wir erkannten ferner von Anfang an, daß diese Bedrohungen&#13;
nicht einzeln gemeistert werden konnten. Die Ver-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
einigten Staaten mußten vielmehr einsehen, daß die&#13;
Bewältigung der durch das eine Land entstandenen&#13;
Bedrohung nicht auf Kosten der Vernachlässigung der&#13;
anderen erfolgen konnte. Infolgedessen benötigten wir&#13;
eine Politik, die auf den Umgang mit der einzigartigen&#13;
Bedrohung ausgerichtet war, die beide Länder darstellten, dies jedoch in koordinierter Weise tat.&#13;
Das war und ist die zugrundeliegende Prämisse der&#13;
als "Doppelte Eindämmung" bekannten Politik. Diese&#13;
Politik versteht die durch diese beiden Länder verursachte einzigartige Bedrohung und versucht, sich mit&#13;
beiden zu befassen - nicht in identischer, aber in&#13;
kohärenter Weise. Bereits frühzeitig verwarfen wir die&#13;
Option zu versuchen, den einen gegen den anderen&#13;
auszuspielen. Diese Politik war früher angewandt&#13;
worden und hatte zu dem gefährlichen Ungleichgewicht der Kräfte in der Region geführt, das die irakische Invasion in Kuwait im August 1990 auslöste.&#13;
Jetzt sind fünf Jahre vergangen, und auf der Welt hat&#13;
sich viel verändert. Aber vieles ist gleich geblieben.&#13;
Wir sehen uns durch Saddam Husseins Irak immer&#13;
noch mit einer sehr ernsthaften Gefährdung der&#13;
Stabilität am Golf konfrontiert. Wir haben gerade eine&#13;
längere Konfrontation mit dem Irak bezüglich der Frage&#13;
beendet, ob den UNSCOM-Inspektoren uneingeschränkter und ungehinderter Zugang zu allen Anlagen im Irak gewährt wird. Diese Krise ist für den&#13;
Augenblick mit einem klaren Ergebnis beendet worden&#13;
- der Irak machte einen Rückzieher und gewährte der&#13;
UNSCOM den Zugang, den sie für ihre Arbeit braucht.&#13;
Die UNSCOM-Inspektoren, darunter auch Amerikaner,&#13;
haben in den vergangenen Wochen Einrichtungen&#13;
inspiziert, die sie vorher nicht betreten durften - wie&#13;
das irakische Gegenstück zum Pentagon. Das ist eine&#13;
beträchtliche Leistung für die durch die Androhung von&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Gewalt unterstützte amerikanische Diplomatie.&#13;
Während dieser Krise haben wir auch erfolgreich das&#13;
ÖI-für-Nahrungsmittel-Programm&#13;
der&#13;
Vereinten&#13;
Nationen maßgeblich erweitert - und dadurch mehr&#13;
Hilfe für das irakische Volk sichergestellt. Saddam&#13;
Husseins Fähigkeit, den humanitären Aspekt zur&#13;
Unterminierung der Sanktionen einzusetzen, wurde&#13;
verringert. Auch das ist ein Sieg für die internationale&#13;
Gemeinschaft.&#13;
Die Bilanz von Saddams Regierung legt jedoch nahe,&#13;
daß wir weiterhin wachsam sein und uns auf zusätzliche Herausforderungen durch das irakische Regime&#13;
vorbereiten müssen. Das wird eine substantielle&#13;
amerikanische Militärpräsenz am Golf erforderlich&#13;
machen, um die Flugverbotszone durchzusetzen und&#13;
unserer Diplomatie die notwendige Schlagkraft zu&#13;
verleihen.&#13;
Heute möchte ich unsere Aufmerksamkeit auf die&#13;
zweite Bedrohung in der Golfregion lenken, die&#13;
Präsident Clinton 1993 erbte - Iran. Was hat die&#13;
Eindämmung gegenüber dem Iran bewirkt?&#13;
Unsere wichtigste Leistung hier war, die internationale&#13;
Aufmerksamkeit auf die Aktionen und das Verhalten&#13;
des Iran zu richten. Die Unterstützug von Terrorismus&#13;
durch den Iran, seine Bestrebungen zur Beschaffung&#13;
von Massenvernichtungswaffen und seine Förderung&#13;
des gewalttätigen Widerstands gegen den NahostFriedensprozeß sind seit 1993 zu einem zunehmend&#13;
wichtigen Bestandteil der internationalen Debatte&#13;
geworden.&#13;
Interessant ist, daß praktisch jeder maßgebliche&#13;
Akteur in der Region mit unserer Einschätzung der&#13;
Gefahr übereinstimmt, die der Iran darstellt. Von&#13;
Algerien bis Zentralasien, von Jordanien bis Pakistan&#13;
haben sich regionale Politiker in den vergangenen&#13;
Jahren immer vehementer gegen die iranischen&#13;
Machenschaften ausgesprochen.&#13;
Auch in anderen Bereichen hatten wir einen gewissen&#13;
Erfolg. Japan setzte sein Hilfsprogramm für den Iran&#13;
mit der Begründung aus, daß das Land den Terrorismus unterstützt, was das iranische Regime über eine&#13;
Milliarde Dollar kostete. Im Frühjahr vergangenen&#13;
Jahres gab Europa ein Waffenembargo bekannt.&#13;
Rußland hat einer Einstellung seiner Waffengeschäfte&#13;
und Schritten zugestimmt, um den Technologietransfer&#13;
mit dem Iran zu kontrollieren. Die Ukraine, Polen und&#13;
andere Staaten haben sich unsere Sorgen über&#13;
gefährliche Waffen- und Technologietransfers aufmerksam angehört. China hat von der Zusammenarbeit mit dem Nuklearprogramm des Iran und dem&#13;
Verkauf destabilisierender konventioneller Waffen&#13;
Abstand genommen.&#13;
Zweitens haben unsere Anstrengungen, das ver-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
brecherische Verhalten des Iran publik zu machen und&#13;
die wirtschaftlichen Kosten solcher Aktionen zu&#13;
erhöhen, Teheran zu schwierigen Entscheidungen&#13;
darüber gezwungen, wo es seine Ressourcen einsetzen soll. In einem Land mit 30 Milliarden Auslandsschulden und einer Bevölkerung, die zur Hälfte jünger&#13;
als 21 ist, können wirtschaftliche Entscheidungen über&#13;
Waffenkäufe von Außenstehenden beeinflußt werden.&#13;
Wir haben darauf hingearbeitet, daß der Iran überdenkt, wie er sein Geld ausgibt. Unter dem starken&#13;
Druck der Beschaffung von harter ausländischer&#13;
Währung mußte der Iran in diesem Jahrzehnt seine&#13;
Käufe ausländischer Waffen kontinuierlich zurückschrauben. Devisenausgaben für Waffen sanken von&#13;
2,5 Milliarden Dollar im Jahr 1991 auf weniger als eine&#13;
Milliarde Dollar in vergangenen Jahr. Das bedeutet,&#13;
daß die militärische Bedrohung der regionalen Sicherheit und Stabilität durch den Iran sich verlangsamt&#13;
hat und schwächer wurde. Es besteht immer noch&#13;
eine Gefahr, aber sie ist nicht das, was sich der Iran&#13;
erhofft hatte, als er versuchte, am Ende des iranischirakischen Krieges seine Streitkräfte wieder aufzubauen.&#13;
Jetzt beginnen wir einige Anzeichen von Veränderungen im politischen Prozeß des Iran zu beobachten.&#13;
Die Wahl von Präsident Khatami im Frühjahr letzten&#13;
Jahres markierte offensichtlich einen Meilenstein in der&#13;
Geschichte der Islamischen Republik. Das iranische&#13;
Volk stimmte in beeindruckender Zahl für eine Änderung von Irans Kurs. Wir wissen die Bedeutung dieser&#13;
Entwicklung zu schätzen. Präsident Clinton begrüßte&#13;
die Wahl Khatamis und erklärte nur wenige Tage nach&#13;
der Auszählung der Stimmen, er hoffe, jetzt würde ein&#13;
Prozeß des Wandels beginnen, der die Entfremdung&#13;
der beiden Länder beenden könnte, die vor nahezu&#13;
zwanzig Jahren begonnen hat.&#13;
Seit Präsident Khatamis Amtseinführung haben wir&#13;
seine Worte und Taten aufmerksam verfolgt. Wir&#13;
haben sein beispielloses CNN-Interview aufmerksam&#13;
beobachtet und seine zahlreichen positiven Äußerungen zur Kenntnis genommen. Wir haben sein Verhalten und seinen generell moderaten Ton beim islamischen Gipfel in Teheran im Dezember letzten Jahres&#13;
beobachtet. Und wir haben mit Interesse seine&#13;
Bemühungen zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit im&#13;
Iran zur Kenntnis genommen. Wir hoffen, daß dies&#13;
zum Schutz aller Iraner führen wird, einschließlich&#13;
religiöser Minderheiten wie den Bahai. Wir hoffen, es&#13;
wird auch zu einem Ende der Bestrebungen führen,&#13;
Salman Rushdies Ermordung zu propagieren.&#13;
Vor allem begrüßen wir Präsident Khatamis Entscheidung, die persönlichen Kontakte zwischen&#13;
unseren beiden Ländern zu verbessern. Letzten&#13;
Monat traf Präsident Clinton mit dem amerikanischen&#13;
Ringerteam zusammen, das in Teheran so herzlich&#13;
empfangen worden war. Wir werden die iranischen&#13;
Ringkämpfer bald in Oklahoma willkommen heißen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Und wir unterstützen die Bestrebungen von Denkfabriken auf beiden Seiten, die Kontakte zwischen&#13;
Experten über ein breites Spektrum von Fachgebieten&#13;
hinweg zu verbessern. Der Präsident sagte in seiner&#13;
Id al-Fitr-Botschaft an die Muslime auf der ganzen&#13;
Welt: "Der Iran ist ein wichtiges Land mit einem reichen&#13;
und jahrtausendealten kulturellen Erbe, auf das die&#13;
Iraner zu Recht stolz sind. Mit einigen iranischen&#13;
Maßnahmen haben wir echte Schwierigkeiten, aber sie&#13;
sind nicht unüberwindbar. Ich hoffe, daß wir einen&#13;
intensiveren Austausch zwischen unseren Völkern&#13;
haben werden und bald der Tag kommt, an dem wir&#13;
wieder gute Beziehungen zum Iran unterhalten."&#13;
Wir sind bereit, noch weiter zu gehen. Der persönliche&#13;
Dialog ist nützlich, aber die Probleme, die Iran und die&#13;
Vereinigten Staaten entzweit haben, müssen letztlich&#13;
von den Regierungen der beiden Länder angesprochen werden. Die Vereinigten Staaten sind seit der&#13;
Bush-Administration offen für einen Dialog auf Regierungsebene. Wir sind nach wie vor interessiert daran,&#13;
uns mit der iranischen Führung an einen Tisch zu&#13;
setzen, um alle beide Staaten betreffenden Anliegen&#13;
zu erörtern. Wir stellen keine Vorbedingungen. Wir&#13;
bestehen nur darauf, daß der Dialog verbindlich ist das heißt, auf Regierungsebene stattfindet.&#13;
Und bedauerlicherweise gibt es ernsthafte Probleme&#13;
mit Irans Verhalten, das noch angesprochen und&#13;
geändert werden muß. Ich möchte kurz darauf&#13;
eingehen.&#13;
Erstens die Bestrebungen des Iran zur Entwicklung&#13;
von Massenvernichtungswaffen und ballistischen&#13;
Raketen größerer Reichweite. Obwohl der Iran den&#13;
Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen und&#13;
die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet hat, sind&#13;
unsere Informationen glasklar: Der Iran versucht, ein&#13;
Arsenal von nuklearen, chemischen und biologischen&#13;
Waffen sowie deren Trägersysteme zu entwickeln.&#13;
Wie CIA-Direktor Tenet dem Kongreß berichtet hat,&#13;
sind dies aggressive Bestrebungen, in die der Iran&#13;
beträchtliche Ressourcen investiert hat.&#13;
Wie ich bereits ausführte, können wir auf der ganzen&#13;
Welt ebenso aggressive Bestrebungen beobachten,&#13;
den Verkauf von Technologie und Gerät für diese&#13;
Programme an den Irak zu verhindern. Unsere&#13;
diesbezügliche Bilanz ist nicht schlecht, aber nicht&#13;
ganz erfolgreich. Wir werden weiterhin unser Bestes&#13;
tun. Der Präsident spricht diese Themen häufig selbst&#13;
auf höchster Ebene an, um einen solchen Transfer zu&#13;
entmutigen.&#13;
Zweitens gibt es immer noch die gefährlichen Beziehungen des Iran zu Terrororganisationen auf der&#13;
ganzen Welt und insbesondere in der muslimischen&#13;
Welt. Trotz der Aussage, daß der Iran den Terrorismus ablehnt, beobachten wir weiterhin vielfältige&#13;
Beziehungen zwischen dem Iran und zahlreichen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Organisationen, die Terroranschläge verüben, darunter der Islamische Heilige Krieg, die Hisbollah und&#13;
die Hamas. Der Iran versorgt diese Gruppen nach wie&#13;
vor mit Waffen, Geld, Ausbildung und Zuflucht. In&#13;
Algerien, Ägypten, Libanon und vielen anderen&#13;
Staaten bietet der Iran Gruppen Hilfe und Unterstützung, die brutale Gewaltakte gegen Zivilisten verüben.&#13;
Aus diesem Grund sind viele der Nachbarn des Iran&#13;
trotz der von Präsident Khatami eingeführten Veränderungen immer noch so mißtrauisch gegenüber&#13;
den iranischen Absichten.&#13;
Drittens sind wir weiterhin besonders besorgt über die&#13;
Unterstützung des gewalttätigen Widerstands gegen&#13;
den Nahost-Friedensprozeß durch den Iran. Wir&#13;
haben Irans etwas gemäßigtere, von vorherigen&#13;
Aussagen abweichende Politik gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde und den etwas flexibleren Ansatz zur Kenntnis genommen, den das Land&#13;
bezüglich des islamischen Gipfels einnahm. Aber wir&#13;
sind nach wie vor zutiefst besorgt über seine andauernden Verbindungen und die Unterstützung der&#13;
leidenschaftlichsten Feinde des Prozesses. Seinen&#13;
Worte müssen jetzt Taten folgen.&#13;
In einem künftigen Dialog mit dem Iran möchten wir&#13;
daher diese Themen erörtern. Und wir werden&#13;
weiterhin andere Länder davon abzuhalten versuchen,&#13;
den Iran als normalen Partner zu behandeln, bis wir&#13;
Veränderungen im Verhalten des Iran beobachten. In&#13;
diesem Zusammenhang werden wir die vom Kongreß&#13;
erlassenen Gesetze durchführen, die auf die Ermutigung anderer Staaten ausgerichtet sind, den Technologietransfer in den Iran zu kontrollieren und bei ihrem&#13;
Handel mit dem Iran große Sorgfalt und Disziplin&#13;
walten zu lassen.&#13;
Die Vereinigten Staaten und der Iran haben viele&#13;
gemeinsame Interessen und Belange. Wir haben ein&#13;
gegenseitiges Interesse daran, daß der Golf offen für&#13;
den ungehinderten Fluß der Energiereserven des Iran&#13;
ist. Wir haben ein gemeinsames Interesse an Stabilität&#13;
in der Region, so daß die dort lebenden Menschen ihre&#13;
Aufmerksamkeit auf die menschliche Entwicklung,&#13;
nicht die Entwicklung von Waffen konzentrieren&#13;
können. Wir haben ein gemeinsames Interesse daran,&#13;
daß Saddam Husseins Regime im Irak von den UNInspektoren eingedämmt und entwaffnet wird. Wir&#13;
haben ein gemeinsames Interesse daran, daß Afghanistan in Frieden mit sich selbst und seinen Nachbarn&#13;
lebt.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit dem Iran über&#13;
alle diese und andere Themen Gespräche zu führen,&#13;
wann immer Teheran bereit ist. Wir sind geduldig und&#13;
bereit zu warten. In der Zwischenzeit werden wir&#13;
weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um den&#13;
Iran in den Bereichen in Schach zu halten, die unsere&#13;
Interessen und die Interessen unserer Verbündeten&#13;
und Freunde bedrohen.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�ELEKTRONISCHER&#13;
&#13;
HANDEL&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Der Internet-Markt: Seine Freiheiten und&#13;
Versprechungen aus amerikanischer Sicht&#13;
Rede von Generalkonsul Hugh G. Hamilton&#13;
&#13;
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Generalkonsul Hugh G. Hamilton bei der&#13;
Konferenz über eCommerce und eBusiness: Geschäfte der neuen Generation am 30. März 1998 in Frankfurt&#13;
gehalten hat.&#13;
&#13;
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, die Diskussionen&#13;
bei dieser wichtigen Konferenz einleiten zu dürfen. In&#13;
den nächsten beiden Tagen werden Sie einige der&#13;
aufregendsten und aktuellsten Bereiche ansprechen,&#13;
die die Wirtschaft, Gesellschaft und unsere Arbeitsweise betreffen. In der Tat werden die Fortschritte auf&#13;
der Datenautobahn nahezu jeden Aspekt unseres&#13;
täglichen Lebens beeinflussen - nicht nur bei der&#13;
Arbeit, sondern auch bei der Ausbildung unserer&#13;
Kinder, der Gesundheitsfürsorge und unseren Freizeitaktivitäten. Darüber hinaus werden wir diese Erfahrungen nicht als einzelne Völker oder einzelne Länder&#13;
machen, sondern als Teil einer globalen Gemeinschaft, die nicht länger durch Raum und Zeit getrennt&#13;
ist.&#13;
Die Clinton-Administration hat die Implikationen dieser&#13;
Revolution frühzeitig erkannt und arbeitet seit 1992 auf&#13;
die Gewährleistung hin, daß die Vereinigten Staaten&#13;
ihren Vorsprung auf der Informations-Infrastrukturkurve behalten. Im Jahr 1993 veröffentlichte die Administration einen Bericht mit dem Titel Agenda für&#13;
Aktion. Der Bericht beschrieb, was getan werden muß,&#13;
um eine nationale Informationsinfrastruktur Realität&#13;
werden zu lassen und alle Vorteile zu sondieren, die&#13;
sie bieten könnte. Zwei Jahre später gab die Administration einen zweiten Bericht heraus, die Agenda&#13;
für Zusammenarbeit, die sich auf die Entwicklung einer&#13;
globalen Informationsinfrastruktur konzentrierte.&#13;
Angesichts der tiefgreifenden Auswirkungen, die die&#13;
Internettechnologie bereits auf den Handel hat und&#13;
weiterhin haben wird, forderte der Präsident im vergangenen Jahr nahezu 20 Bundesbehörden zur gemeinsamen Erarbeitung des Weißbuchs mit dem Titel Ein&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Rahmen für globalen elektronischen Handel, allgemein&#13;
bekannt als "Der Rahmen", auf.&#13;
Es ist das Ergebnis von anderthalbjährigen Analysen&#13;
und Beratungen mit Wissenschaftlern, Unternehmensvertretern, Verbrauchergruppen und Mitgliedern der&#13;
Internet-Gemeinschaft. "Der Rahmen" legt eine Reihe&#13;
von Prinzipien als Leitfaden für die politische Entwicklung fest. Darüber hinaus legt er die Positionen der&#13;
Administration zu Schlüsselthemen im Zusammenhang mit elektronischem Handel dar. Und schließlich,&#13;
und das ist für dieses Publikum von größtem Interesse,&#13;
bestimmt er, welche amerikanischen Regierungsbehörden die Führung bei der Umsetzung der in dem&#13;
Bericht enthaltenen Ideen übernehmen.&#13;
Ich muß niemandem in diesem Raum sagen, warum&#13;
die US-Regierung dem Thema elektronischer Handel&#13;
so viel Zeit und Anstrengung widmet: Sie sind sich&#13;
seines Potentials bewußt, bis zur Jahrhundertwende&#13;
den Anstoß für Investitionen in den Handel in Milliardenhöhe zu geben und das Wirtschaftswachstum bis&#13;
weit ins 21. Jahrhundert anzukurbeln. Sie sind sich&#13;
auch des Einflusses des Internet auf die Gesellschaften bewußt - er bietet das Potential, zur Demokratisierung von Gesellschaften beizutragen, die noch&#13;
nicht ganz so weit sind.&#13;
Um dieses Potential zu verwirklichen, müssen die&#13;
Regierungen einen marktorientierten Ansatz zu&#13;
elektronischem Handel verfolgen. Dieser Ansatz muß&#13;
das Entstehen eines globalen, transparenten und&#13;
vorhersehbaren Umfelds erleichtern, das Unternehmen und Handel unterstützt. Darüber möchte ich&#13;
heute Morgen sprechen. Ich möchte mit fünf Prinzipien&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�beginnen, von denen die amerikanische Regierungspolitik geleitet ist.&#13;
Erstens müssen die Regierungen die einzigartige Art&#13;
von vernetzter Kommunikation respektieren. Sie&#13;
müssen sich bewußt machen, daß weitverbreiteter&#13;
Wettbewerb und zunehmende Auswahlmöglichkeiten&#13;
der Verbraucher - nicht strenge Regulierung - die&#13;
definierenden Kriterien des neuen digitalen Marktes&#13;
sein können und sollen. Die Regierungen können&#13;
einschneidende Auswirkungen auf das Wachstum von&#13;
elektronischem Handel haben. Es ist jedoch von&#13;
entscheidender Bedeutung, daß sie wissen, wann sie&#13;
handeln müssen - und wann nicht. Vizepräsident Gore&#13;
bezeichnete diese Prinzipien als den Hippokratischen&#13;
Eid für das Internet. Er erinnerte die Regierung an das&#13;
oberste Gebot, "keinen Schaden anzurichten".&#13;
Zweitens wird die Führungsrolle des Privatsektors die&#13;
Ausweitung des Internet in den kommenden Jahren&#13;
antreiben. Die Führungsrolle des Privatsektors war für&#13;
die explosionsartige Erweiterung des Internet in den&#13;
vergangenen Jahren verantwortlich. Es ist allgemein&#13;
bekannt, daß das Internet das Geistesprodukt eines&#13;
Projekts der amerikanischen Rüstungsbehörde&#13;
DARPA war, das Ende der sechziger Jahre ins Leben&#13;
gerufen wurde. Tatsache ist jedoch, daß diese äußerst&#13;
innovative Technologie nur durch die Zunahme von&#13;
Personalcomputern und das Interesse von Einzelpersonen, Informationen on line anzubieten, bald in&#13;
jedem Haushalt anzutreffen war. Als die Unternehmen&#13;
begannen, das Internet für kommerzielle Zwecke zu&#13;
nutzen, lösten sie eine weitere große Welle der&#13;
Ausweitung des Internet aus. Anhand dessen, wie sich&#13;
das Internet bisher entwickelt hat, ist es klar, daß die&#13;
beste Rolle der Regierung darin besteht, sich wann&#13;
immer möglich herauszuhalten.&#13;
Drittens sollten die Regierungen die Selbstregulierung&#13;
der Industrie ermutigen und wenn möglich Organisationen des Privatsektors unterstützen, während sie&#13;
Mechanismen zur Kontrolle des Netzes entwickeln.&#13;
Innovation, erweiterte Dienstleitungen, umfassendere&#13;
Beteiligung und niedrigere Preise werden eine natürliche Folge eines dynamischen Umfelds sein. Aber&#13;
dieses Umfeld kann nicht dynamisch sein, wenn es&#13;
überreguliert ist.&#13;
Viertens sollte die Abwicklung von Geschäften über&#13;
das Internet mit minimaler staatlicher Beteiligung oder&#13;
Intervention möglich sein. Modelle für die Geschäftstätigkeit werden sich in den nächsten Jahren rasch&#13;
entwickeln, und wir sollten von der Einführung neuer&#13;
und unnötiger Regulierungen, bürokratischer Verfahren oder Steuern und Zöllen absehen.&#13;
In Fällen, in denen staatliche Beteiligung notwendig ist,&#13;
sollten wir auf die Durchsetzung eines vorhersehbaren,&#13;
minimalistischen, kohärenten und einfachen rechtlichen Umfelds für den Handel hinarbeiten. Wir sollten&#13;
einen ermächtigenden Ansatz statt eines Ansatzes&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
fördern, der sich auf Regulierung von oben nach unten&#13;
stützt, und unsere Ziele sollten Sicherstellung des&#13;
Wettbewerbs, Schutz des geistigen Eigentums und der&#13;
Privatsphäre, Verhinderung von Betrug, Förderung von&#13;
Transparenz, Unterstützung von kommerziellen&#13;
Transaktionen und Erleichterung der Schlichtung von&#13;
Streitigkeiten sein. In einigen Fällen sollten bestehende Gesetze und Vorschriften, die elektronischen&#13;
Handel behindern könnten, überprüft und überarbeitet&#13;
oder abgeschafft werden, um den Erfordernissen des&#13;
neuen elektronischen Zeitalters gerecht zu werden.&#13;
Fünftens und letztens sollten wir das Wachstum des&#13;
globalen elektronischen Handels ermutigen. Um das&#13;
volle Potential des Internet auszuschöpfen, müssen&#13;
Käufer und Verkäufer sich dabei wohl fühlen, Geschäfte über das Internet zu tätigen. Es muß von&#13;
konsequenten Prinzipien über staatliche, nationale und&#13;
internationale Grenzen hinweg beherrscht sein.&#13;
Transaktionen müssen zu vorhersehbaren Ergebnissen führen, unabhängig von der Rechtsprechung,&#13;
der ein bestimmter Käufer oder Verkäufer untersteht.&#13;
Auf der Grundlage dieser fünf Prinzipien prüfte die&#13;
behördenübergreifende Arbeitsgruppe, die den&#13;
"Rahmen" entworfen hatte, neun Bereiche, für die&#13;
globale Abkommen erforderlich sind, um das Internet&#13;
als Medium zu erhalten, in dem Wettbewerb und&#13;
Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher den Markt&#13;
gestalten.&#13;
1. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung,&#13;
daß die derzeitige Praxis fortgesetzt werden sollte,&#13;
elektronische Übertragungen nicht als Importe zu&#13;
behandeln, für die Zölle erhoben werden. (Natürlich&#13;
schlagen wir nicht die Abschaffung von Zöllen auf&#13;
Waren vor, die über das Internet bestellt, aber auf&#13;
herkömmliche Weise geliefert wurden, wie Autos&#13;
beispielsweise.) Alle unsere Regierungen kürzen die&#13;
Haushalte, also besteht die Versuchung, sich nach&#13;
Einnahmen umzusehen. Aus diesem Grund ist es&#13;
wichtig, dieses Prinzip der zollfreien Übertragungen&#13;
schnell einzuführen, bevor sich ein Interesse am&#13;
Schutz dieser Zölle herauskristallisiert.&#13;
Steuern, die elektronischen Handel benachteiligen, wie&#13;
die sogenannte Bit-Steuer, sind eine weitere Versuchung, der widerstanden werden sollte. Die internationale Besteuerung für das Informationszeitalter sollte&#13;
den Handel weder verzerren noch behindern und auch&#13;
keine Anreize schaffen, die die Art oder den Ort der&#13;
Transaktionen verändern.&#13;
Wir freuen uns, daß das Positionspapier der Bundesregierung zu elektronischem Handel sicherzustellen&#13;
versucht, daß die über globale Informationsnetze&#13;
gelieferten Dienstleistungen weltweit von Zöllen und&#13;
Abgaben ausgenommen sind und dies auch in Zukunft&#13;
bleiben.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�2. Auf aufladbare Karten, Smart Cards oder andere&#13;
Technologien gestütztes elektronisches Geld befindet&#13;
sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium.&#13;
Angesichts dieser Zeit rapiden Wandels denken wir,&#13;
daß es schwierig sein wird, eine rechtzeitige oder&#13;
geeignete Politik zu elektronischen Zahlungssystemen&#13;
zu entwickeln. Statt unflexible Vorschriften zu erlassen, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung,&#13;
daß eine Überwachung der Experimente mit elektronischen Zahlungssystemen von Fall zu Fall kurzfristig&#13;
angemessen ist.&#13;
3. Obwohl die Vereinigten Staaten, wie ich bereits&#13;
erwähnte, der Ansicht sind, daß sich die Parteien&#13;
generell frei fühlen sollten, Geschäfte untereinander&#13;
über das Internet zu tätigen, wie es ihnen angemessen&#13;
erscheint, sind wir uns bewußt, daß Privatunternehmen&#13;
und freie Märkte für gewöhnlich dort florieren, wo es&#13;
ein vorhersehbares und weithin akzeptiertes rechtliches Umfeld zur Unterstützung von kommerziellen&#13;
Transaktionen gibt. Aus diesem Grund unterstützen&#13;
wir die jetzt eingeleiteten Bestrebungen des Privatsektors, einen einheitlichen kommerziellen Kodex&#13;
für den Cyberspace zu erarbeiten. Mit anderen&#13;
Worten, eine Reihe von Regeln und Normen, die&#13;
mehreres tun: Elektronisch geschlossene Verträge für&#13;
rechtsgültig zu erklären und anzuerkennen, die&#13;
Charakteristiken rechtsgültiger elektronischer Schriftstücke und Originaldokumente zu definieren und&#13;
elektronische Unterschriften für rechtliche und kommerzielle Zwecke anzuerkennen. In den Vereinigten&#13;
Staaten wurden mehrere Projekte in die Wege geleitet,&#13;
um unseren einheitlichen kommerziellen Kodex an den&#13;
Cyberspace anzupassen, und wir unterstützen ähnliche Bestrebungen zur Erarbeitung von Modellen für&#13;
die internationale Anwendung.&#13;
4. Elektronischer Handel beinhaltet oft den Verkauf von&#13;
geistigem Eigentum und die entsprechende Lizenzerteilung. Wenn der Handel im Internet anwachsen soll,&#13;
müssen die Verkäufer wissen, daß ihr geistiges&#13;
Eigentum nicht gestohlen wird, und die Käufer müssen&#13;
sicher gehen können, daß sie authentische Produkte&#13;
bekommen. Aus diesem Grund halten wir internationale Abkommen über den klaren und wirksamen&#13;
Schutz von Urheber- und Patentrechten sowie Warenzeichen für erforderlich.&#13;
Im Zusammenhang mit den Urheberrechten brachte&#13;
die Weltorganisation für geistiges Eigentum (World&#13;
Intellectual Property Organization - WIPO) im Dezember vergangenen Jahres die Berner Konvention auf&#13;
den neuesten Stand und bot neuen Schutz für ausübende Künstler und Hersteller von Tonträgern. Die&#13;
beiden neuen Verträge sollen die kommerzielle&#13;
Nutzung digitaler Online-Kommunikation beträchtlich&#13;
erleichtern. Beide Verträge beinhalten Bestimmungen&#13;
im Zusammenhang mit technischen Schutzvorrichtungen, Informationen über den Umgang mit Urheberrechten sowie das neue Recht der öffentlichen Wiedergabe. Beide Verträge gestatten den Ländern auch die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Verlängerung bestimmter Ausnahmebestimmungen&#13;
bis ins digitale Zeitalter hinein, beispielsweise unsere&#13;
Doktrin über "faire Nutzung", die nicht mit der normalen&#13;
Nutzung der Arbeit in Konflikt stehen und die legitimen&#13;
Interessen des Autors nicht ungebührlich beeinträchtigen. Die Administration hat dem Kongreß&#13;
Gesetze zur Umsetzung dieser beiden neuen Verträge&#13;
vorgelegt.&#13;
Viele von Ihnen wissen, daß sich die Anbieter von&#13;
Internet-Diensten große Sorgen über die Haftung für&#13;
die Verletzung von Urheberrechten ihrer Kunden durch&#13;
Dritte machen. Der Kongreß prüft auch verschiedene&#13;
Vorschläge über eine gerechte und ausgewogene&#13;
Lösung der Frage einer Haftung für die Verletzung von&#13;
Urheberrechten in den Fällen, in denen der Anbieter&#13;
sich einer solchen Verletzung nicht bewußt war.&#13;
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Diskussionen&#13;
über die Vor- und Nachteile von Patentschutz für&#13;
Software geführt. Auf internationaler Ebene haben wir&#13;
die Empfehlung abgegeben, daß die Patentämter in&#13;
den Vereinigten Staaten, Japan und Europa einen&#13;
Sonderausschuß zur Ausarbeitung von Empfehlungen&#13;
zu Patentfragen im Zusammenhang mit der globalen&#13;
Informationsinfrastruktur einrichten. In den Vereinigten&#13;
Staaten arbeitet das PTO mit dem Privatsektor an der&#13;
Verbesserung des technischen Fachwissens von&#13;
Patentprüfern für Technologien im Zusammenhang mit&#13;
der globalen Informationsinfrastruktur sowie zur&#13;
Förderung von Gesetzesvorschlägen über die frühzeitige Veröffentlichung von Patentanwendungen.&#13;
Auf dem Gebiet der Warenzeichen wissen die meisten&#13;
von Ihnen sicherlich von den Rechtsstreitigkeiten im&#13;
Zusammenhang mit dem Versuch, im Internet bestimmte Domain-Namen zu registrieren, die eingetragenen oder im Common Law verankerten Warenzeichen ähneln oder sich damit decken. Normalerweise&#13;
werden im Internet Domain-Namen in chronologischer&#13;
Reihenfolge des Antragseingangs vergeben, ohne auf&#13;
mögliche Konflikte über Warenzeichen Rücksicht zu&#13;
nehmen. Da die Nutzung von Domain-Namen jedoch&#13;
zunimmt, haben die Gerichte erkannt, daß der Mißbrauch von Mechanismen zur Identifizierung der&#13;
Quelle geistigen Eigentums wertvolle Warenzeichenrechte beträchtlich verletzen und schwächen könnte.&#13;
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten kann ein selbstregulierendes Regime auf Vertragsbasis für die&#13;
Bewältigung potentieller Konflikte über Domain-Namen&#13;
oder Warenzeichen geschaffen werden. Darüber&#13;
hinaus beteiligen wir uns an internationalen Diskussionen über verschiedene Systeme zur Schlichtung&#13;
von Streitigkeiten.&#13;
5. Der Handel mit Hilfe der globalen Informationsinfrastruktur wird nur florieren, wenn das Recht des&#13;
Einzelnen auf die Achtung der Privatsphäre gegen die&#13;
grundlegenden Prinzipien des Datenschutzes abgewogen wird, die Amerikaner und andere weltweit für&#13;
wichtig erachten. Im Juli vergangenen Jahres befür-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�wortete Präsident Clinton verschiedene Grundsätze&#13;
über den Schutz der Privatsphäre, die auf den grundlegenden Prinzipien von Problembewußtsein und&#13;
Wahlfreiheit basieren:&#13;
Datensammler sollten den Verbrauchern&#13;
mitteilen, welche Informationen sie sammeln&#13;
und wozu diese verwendet werden sollen.&#13;
Datensammler sollten den Verbrauchern eine&#13;
sinnvolle Möglichkeit zur Beschränkung der&#13;
Nutzung und Wiederverwendung ihrer persönlichen Daten geben.&#13;
Präsident Clinton hat den Privatsektor zur Durchsetzung fairer Informationspraktiken aufgerufen, indem&#13;
effektive Verhaltensregeln angenommen und Technologien entwickelt und eingesetzt werden, die den&#13;
Verbrauchern mehr Befugnisse geben, damit das&#13;
Bewußtsein geschärft und Auswahlprinzipien angeboten werden. Wir werden durch die Reaktion des&#13;
Privatsektors auf diese Herausforderung ermutigt.&#13;
6. Die Administration ist sich bewußt, daß die globale&#13;
Informationsinfrastruktur sicher und verläßlich sein&#13;
muß. Käufer und Verkäufer werden sich im Geschäftsverkehr erst dann auf das Internet verlassen, wenn sie&#13;
die Echtheit ihrer elektronischen Kommunikation&#13;
bescheinigen und ihre Vertraulichkeit gewährleisten&#13;
können. Es gibt keine einzelne Technologie zur&#13;
Erlangung dieses Ziels. Vielmehr benötigen wir eine&#13;
Vielzahl von Technologien, einschließlich Kryptographie, Authentifizierung, Kennwortkontrollen und&#13;
Firewalls. Diese müssen durch eine vertrauenswürdige&#13;
Infrastruktur für Verschlüsselung und Sicherheitsmanagement gestärkt werden.&#13;
Wir sind uns aber auch bewußt, daß starke Kryptographie ein zweischneidiges Schwert ist. Einerseits gehen&#13;
anerkannte Unternehmen das Risiko ein, wertvolle&#13;
Daten für immer zu verlieren, wenn sie ihre zur&#13;
Entschlüsselung erforderlichen Informationen verlieren. Andererseits können Kriminelle die Kryptotechnik&#13;
zur Behinderung der Arbeit von Strafverfolgungsbehörden einsetzen. Aus diesem Grund befürwortet&#13;
die Clinton-Administration Kryptographie auf der&#13;
Grundlage der Schlüssel-Hinterlassung. Wir arbeiten&#13;
auf internationaler Ebene an der Förderung der&#13;
Entwicklung einer marktorientierten Infrastruktur für&#13;
das Verschlüsselungsmanagement, das die SchlüsselHinterlassung unterstützt. Zwischenzeitlich haben wir&#13;
aber auch unsere Exportkontrollen für Produkte starker&#13;
kommerzieller Kryptographie liberalisiert.&#13;
7. Der globale elektronische Handel hängt von einem&#13;
modernen, nahtlosen, globalen Telekommunikationsnetz und den daran angeschlossenen Informationsvorrichtungen ab. Bedauerlicherweise behindert in allzu&#13;
vielen Ländern die Telekommunikationspolitik die&#13;
Entwicklung moderner digitaler Netze. Verbindungen&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
sind zu teuer, die Bandbreite ist zu eng, und die&#13;
Dienste sind nicht verfügbar oder unzuverlässig.&#13;
Die Vereinigten Staaten arbeiten auf nationaler Ebene&#13;
bereits an der "nächsten Generation" des Internet und&#13;
auf internationaler Ebene an der Verstärkung von&#13;
Wettbewerb und Marktzugang auf dem Telekommunikationssektor. Die Lektion, die die Vereinigten Staaten&#13;
durch die Abschaffung ihres Telekommunikationsmonopols vor anderthalb Jahrzehnten gelernt haben,&#13;
sollte ständig wiederholt werden: Die Einnahmen&#13;
können sogar dann wachsen, wenn Marktanteile&#13;
verloren gehen. AT&amp;T hat beispielsweise jetzt höhere&#13;
Einnahmen und dabei weniger als die Hälfte des&#13;
Marktes für Ferngespräche als zu dem Zeitpunkt, an&#13;
dem es das Monopol hatte. Mit anderen Worten: Von&#13;
der Liberalisierung haben Verbraucher und Unternehmen Vorteile - sowohl Großunternehmen als auch&#13;
Kleinbetriebe.&#13;
8. Viele machen sich Sorgen über unangemessene&#13;
oder gefährliche Inhalte im Internet. Die einzigartigen&#13;
Merkmale des Internet überzeugen uns jedoch, daß es&#13;
am besten ist, den größtmöglichen Fluß von Informationen über internationale Grenzen hinweg zu fördern.&#13;
Im Gegensatz zu den traditionellen Medien kann jeder&#13;
etwas im Internet veröffentlichen. Gleichzeitig bietet&#13;
das Internet mehr Möglichkeiten für die Nutzer, sich&#13;
und ihre Kinder vor offensiven oder ungeeigneten&#13;
Informationen zu schützen.&#13;
Im Juli wies Präsident Clinton das Wirtschaftsministerium an, gemeinsam mit dem Privatsektor an der&#13;
Förderung von Selbstregulierung und der Entwicklung&#13;
leicht bedienbarar Filtertechnologien zu arbeiten, um&#13;
den Nutzern bei der Prüfung der Eignung von OnlineInformationen zu helfen. Wir arbeiten mit unseren&#13;
Handelspartnern an der Vermeidung unnötiger und&#13;
ineffektiver Bestrebungen zur Kontrolle der Inhalte im&#13;
Internet.&#13;
9. Schließlich ist sich die Clinton-Administration&#13;
bewußt, daß technische Standards für den langfristigen&#13;
wirtschaftlichen Erfolg des Internet wichtig sind, weil sie&#13;
das Zusammenspiel von Produkten und Dienstleistungen unterschiedlicher Verkäufer gestatten,&#13;
Wettbewerb ermutigen und die Unsicherheit auf dem&#13;
globalen Markt verringern.&#13;
Gleichzeitig sind Sie sich zweifelsohne bewußt, daß&#13;
verfrühte Standardisierung veraltete Technologien&#13;
"einsperren" kann. Ebenso können Standards benutzt&#13;
werden, um nichtheimische Unternehmen von einem&#13;
bestimmten nationalen Markt "auszusperren". Die&#13;
Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß der Markt,&#13;
nicht die Regierungen die technischen Standards und&#13;
andere Mechanismen für die Interoperabilität festlegen&#13;
sollten. Darüber hinaus vertreten wir die Ansicht, daß&#13;
es nicht einen einzigen Standard für jedes Produkt&#13;
oder jede Dienstleistung im Zusammenhang mit der&#13;
globalen Informationsinfrastruktur geben muß, und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�daß Standards nicht vorgeschrieben werden müssen.&#13;
Da sich viele Länder auf staatlich vorgeschriebene&#13;
Standards verlassen, hat unsere Arbeit internationalen&#13;
Charakter. Wir hoffen (und erwarten), daß der Privatsektor in den Vereinigten Staaten auch auf dem&#13;
Gebiet der Standards die Führungsrolle übernehmen&#13;
wird.&#13;
Dies sind die wichtigsten Punkte des Ansatzes der USRegierung zum Internet. Abschließend möchte ich&#13;
unserer Begeisterung über die zahlreichen positiven&#13;
Dinge Ausdruck verleihen, die das Internet nicht nur für&#13;
die Unternehmen, sondern auch für unsere Gesellschaften bewirken kann. Ich habe bereits die Bedeutung des freien Flusses von Informationen für Demokratien, insbesondere aufstrebende Demokratien,&#13;
angesprochen. Aber es geht um weit mehr. Das&#13;
Internet erleichtert Telearbeit und ermöglicht es Eltern,&#13;
&#13;
*&#13;
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AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
zu Hause zu arbeiten und bei ihren Kindern zu sein.&#13;
Es gibt ihnen ein interessantes neues Medium, Seite an&#13;
Seite mit ihren Kindern - und in einigen Fällen von&#13;
ihren Kindern - zu lernen. Dies sind wichtige Vorteile,&#13;
die die Lebensqualität erhöhen und das Internet nicht&#13;
nur zu einer besseren Geschäftsmethode oder einem&#13;
leichteren Zugang zu Informationen machen, sondern&#13;
auch zu einem Mittel, unser Leben zu verbessern.&#13;
Es gibt großartige Chancen für Wirtschaftsaktivität im&#13;
Internet.&#13;
Die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere von guten Arbeitsplätzen, ist vielleicht das&#13;
wichtigste Potential des Internet. Wenn der Privatsektor und die Regierungen angemessen vorgehen,&#13;
können diese Chancen zum Vorteil aller Menschen&#13;
genutzt werden.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * *&#13;
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*&#13;
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Seite 5&#13;
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