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dienet

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

11. März 1998

05

USA-DEUTSCHLAND

BESUCH VON MADELEINE ALBRIGHT
IN BONN
Erklärung der US-Außenministerin

ZUSAMMENARBEIT IM ENERGIE-, WISSENSCHAFTS- UND TECHNOLOGIEBEREICH
Presseerklärung des Energieministeriums

IRAK

JETZT LIEGT ES AM IRAK
von Madeleine Albright

NATO

DIE BEWAHRUNG VON FLEXIBILITÄT
BEI DER NATO-ERWEITERUNG
Rede von Außenministerin Albright

SICHERHEIT

GLOBALISIERUNG UND INTERNATIONALISIERUNG - HERAUSFORDERUNG UND
ANPASSUNG
Rede von Michael C. Polt

WELTWIRTSCHAFT

WACHSENDE AKZEPTANZ VON MARKTWIRTSCHAFTLICHEM KAPITALISMUS
Rede von Alan Greenspan

FRAUEN

PROGRAMME ZUR FORDERUNG DER FRAU
Übersicht des Amts für internationale Entwicklung
Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DeichmannsAue29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-DEUTSCHLAND
11. März 1998

Besuch von Madeleine Albright in Bonn
Erklärung der US-Außenministerin

BONN - (AD) - Am 8. März 1998 traf US-Außenministerin Madeleine Albright in Bonn mit ihrem deutschen
Amtskollegen, Dr. Klaus Kinkel, zusammen und erörterte mit ihm im Vorfeld des Treffens der internationalen
Kontaktgruppe in London die Lage im Kosovo sowie weitere gemeinsame Belange wie den Irak und den
Friedensprozeß im Nahen Osten. Im Anschluß an ihr Gespräch gaben Außenministerin Albright und
Außenminister Kinkel im Auswärtigen Amt eine gemeinsame Pressekonferenz. Nachfolgend veröffentlichen wir
die von Außenministerin Albright bei dieser Pressekonferenz abgegebene Erklärung.

Vielen Dank. Ich freue mich außerordentlich über
diese Gelegenheit, mit meinem Freund, Außenminister
Klaus Kinkel, zusammenzutreffen. Wie er bereits
äußerte, führen wir einen andauernden Dialog, und ich
freue mich, daß wir ihn heute fortsetzen können. Wie
stets haben wir drängende Fragen im Hinblick auf ein
breites Spektrum von Angelegenheiten zu erörtern,
und ich danke dem Außenminister ganz besonders,
daß er sich an einem Sonntag Zeit für mich genommen
hat, damit wir diese ausgezeichneten Arbeitsbeziehungen fortsetzen können.
Heute sprachen wir über unser gemeinsames Interesse an einer intensiveren Partnerschaft der Vereinigten Staaten mit einem umfassenderen Europa.
Das beinhaltet den Aufbau noch engerer Handels- und
Investitionsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa, einschließlich Deutschlands. Es
erfordert die Ausweitung unserer Institutionen auf die
neuen europäischen Demokratien. Und es setzt die
Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen europäischer Stabilität, insbesondere auf dem Balkan, voraus.
Wir sprachen über unsere gemeinsamen Bestrebungen, der wahllosen Gewalt der serbischen Sicherheitskräfte im Kosovo ein Ende zu setzen. Wir stellten die
Weichen für ein hoffentlich erfolgreiches Treffen der
Kontaktgruppe am morgigen Tag in London. Ich habe
betont, daß die Gewalt bereits Auswirkungen auf
Albanien und die ehemals jugoslawische Republik
Makedonien hatte. Jetzt ist es an der Zeit, dem
Morden ein Ende zu setzen, bevor es sich ausweitet.
Der Weg hierzu sind sofortige Aktionen gegen das
Regime in Belgrad um sicherzustellen, daß es den
Preis für den bereits von ihm angerichteten Schaden

AMERIKA DIENST 05

zahlt und um es zu ermutigen, die Probleme im Kosovo
durch Dialog und Versöhnung zu lösen.
Ich möchte heute auch den Dank der Vereinigten
Staaten für Bundeskanzler Kohls nachdrückliche,
unverzügliche Aussage zum Ausdruck bringen, in der
er die internationalen Bestrebungen im Hinblick auf
den Irak unterstützt sowie für Außenminister Kinkels
Rede zum Irak vor dem Bundestag. Darüber hinaus
sind wir äußerst dankbar für das Angebot der Bundesrepublik, Luftstützpunkte für einen möglichen militärischen Einsatz zur Verfügung zu stellen.
Wir haben heute die jüngsten Entwicklungen im Irak
erörtert. Wie bei jedem Besuch auf dieser Reise habe
ich unterstrichen, daß es noch nicht vorbei ist. Wir
haben eine Verpflichtung des Irak, uneingeschränkten
und ungehinderten Zugang zu allen verdächtigen
Anlagen zu gestatten. Aber diese Verpflichtung wird
jetzt erst auf die Probe gestellt. Und die Inspektionen
selbst sind das einzige Mittel, um die vollständige
Einhaltung der Resolutionen des Sicherheitsrats durch
den Irak sicherzustellen. Sowohl die Vereinigten
Staaten als auch Deutschland bevorzugen eine
friedliche Lösung, aber aufgrund der bisherigen
Erfahrungen wäre es naiv anzunehmen, daß das
jüngste Abkommen eine solche Lösung garantiert. Wir
werden unsere Streitkräfte am Golf stationiert lassen
und zählen auf die weitere Unterstützung Deutschlands, sollten sich militärische Aktionen als notwendig
erweisen.
Ich danke Ihnen und werde jetzt gerne mit Außenminister Kinkel Ihre Fragen beantworten.

Seite 1

�USA-DEUTSCHLAND

11. März 1998

Zusammenarbeit im Energie-, Wissenschaftsund Technologiebereich
Presseerklärung des Energieministeriums

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Energieministerium herausgegebene
Presseerklärung zu dem deutsch-amerikanischen Abkommen über Zusammenarbeit auf den Gebieten
Wissenschaft, Technologie und Energiepolitik sowie gemeinsame Forschungs- und Entwicklungstätigkeit im
Bereich verschiedener nuklearer und nichtnuklearer Energietechnologien.
Das Abkommen wurde am 20. Februar 1998 von US-Energieminister Federico Pena und Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers unterzeichnet.

Vereinbarung zur Förderung von Energiesicherheit

Das Abkommen fordert Beratungen über ein breites

und Umweltzielen

Spektrum wissenschaftlicher,

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Bundesrepublik Deutschland unterzeichneten heute
ein Abkommen über erweiterte energiepolitische
Zusammenarbeit zur Förderung von Energiesicherheit
und Umweltzielen. Der amerikanische Energieminister
Federico Pena und der Bundesminister für Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Technologie, Jürgen
Rüttgers, unterzeichneten die Vereinbarung während
einer Zusammenkunft in Washington.
"Unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Entwicklung
effizienter und umweltfreundlicher Energietechnologien
werden dazu beitragen sicherzustellen, daß der
zukünftige weltweite Energieverbrauch den Zielen des
Klimaschutzes entspricht", erklärte Energieminister
Pena. "Dieses Abkommen bietet einen Rahmen für
den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse zur
Entwicklung und Beschleunigung der Vermarktung von
Technologien."

technologischer

und

energiepolitischer Fragen sowie Zusammenarbeit bei
Forschung und Entwicklung verschiedener nuklearer
und nichtnuklearer Energietechnologien. Im Rahmen
des Abkommens können Organisationen aus Wissenschaft, Technologie und Industrie der beiden Länder
Informationen austauschen und an gemeinsamen
Projekten auf den Gebieten Umweltmanagement,
Kernspaltung und Kernfusion, Energieeffizienz und
erneuerbare Energien arbeiten.
Die Projekte sollen auch die Zusammenarbeit beim
Transport und der Entsorgung von Atommüll sowie die
Entwicklung von Computerausrüstung und Datenbanken zur Förderung der Bestrebungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen umfassen.
Im Rahmen des Abkommens wird ein gemeinsamer
Lenkungsausschuß die Aktivitäten koordinieren und
regelmäßig die bei der Erlangung der gemeinsamen
Ziele der beiden Länder gemachten Fortschritte
auswerten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 05

Seite 1

�IRAK
11. März 1998

Jetzt liegt es am Irak
von Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von US-Außenministerin Madeleine Albright
verfaßten Artikel, der erstmals Ende Februar in der Zeitschrift Newsweek erschien.

Letzte Woche war ich auf dem Campus mehrerer
Colleges, um mit dem amerikanischen Volk über die
Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem Irak zu
diskutieren. Diese Erfahrung erinnerte mich an meine
Zeit als Collegeprofessorin. In Ohio kamen wir in einer
Basketballhalle zusammen. Nach meiner Lehrtätigkeit
in Georgetown hätte ich mich erinnern sollen, wie laut
es in einer Basketballhalle sein kann!
Während meiner Reisen stellte ich große Unterstützung für unsere Irak-Politik fest, aber ich hörte auch
gute, ernsthafte Fragen. Mir scheint, daß es zwei
allgemeine Sorgen gibt: Erstens den großen Wunsch
nach einer friedlichen Beilegung der Krise. Zweitens
wünschen viele, falls sich eine friedliche Lösung als
unmöglich erweisen sollte, daß ein militärisches
Vorgehen zur Entmachtung Saddam Husseins führt.
Lassen Sie mich jeden dieser Punkte erörtern.
Präsident Clinton und sein gesamtes für die nationale
Sicherheit zuständiges Team wünschen eine friedliche,
diplomatische Lösung.
Die Vereinigten Staaten
arbeiten seit langem intensiv an der Erlangung dieses
Ziels. Letzte Woche unterstützten wir die Mission von
UN-Generalsekretär Kofi Annan in Bagdad. Wir
müssen eins jedoch ganz deutlich machen: Eine
friedliche Lösung liegt allein bei Saddam Hussein.
Unsere an eine Lösung geknüpften Bedingungen
waren und sind sehr einfach: Der Irak muß die 1991
nach dem Golfkrieg von ihm eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Saddam muß seinen Widerstand
gegen den UN-Sicherheitsrat beenden und den UNWaffeninspektoren den für ihre Arbeit erforderlichen
ungehinderten Zugang gewähren.

AMERIKA DIENST 05

Warum ist uns der Zugang für die Waffeninspektoren
so wichtig? Weil Saddam eine lange Vorgeschichte
von Aggression und Täuschung hat. Im Gegensatz zu
allen anderen Staatsmännern von heute hat er chemische Waffen gegen andere Länder und sogar gegen
sein eigenes Volk eingesetzt. Er hat zwei Kriege
angezettelt. Und er hat im Zusammenhang mit dem
irakischen Waffenprogramm immer wieder gelogen.
Wir benötigen ein strenges Inspektionsprogramm um
sicherzustellen, daß Saddam Bau und Entwicklung
dieser Waffen nicht fortsetzen kann.
Wenn Saddam sich weigert, den UN-Inspektoren
uneingeschränkten Zugang zu gewähren, sind wir zum
Einsatz militärischer Gewalt bereit, um die Bedrohung
durch ihn und seine Massenvernichtungswaffen
einzudämmen. Sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern, werden wir einen schweren Schlag
ausführen, der die durch Saddams Massenvernichtungswaffen dargestellte Bedrohung beträchtlich
verringern und seine Fähigkeit zur Bedrohung seiner
Nachbarn einschränken wird.
Zweitens. Wenn die diplomatischen Bemühungen
scheitern, warum setzen wir Saddam dann nicht mit
Hilfe militärischer Gewalt ab? Die Antwort lautet: Die
durch Saddam verkörperte Bedrohung ist die Bedrohung eines mit chemischen und biologischen
Waffen ausgerüsteten Diktators, der diese Waffen in
der Vergangenheit bereits eingesetzt hat. Der Sturz
Saddams würde jedoch einen weitaus umfassenderen
Einsatz militärischer Gewalt erfordern und ein weitaus
größeres Risiko für das Leben von Amerikanern
darstellen als für die Eindämmung dieser Bedrohung
nötig ist.

Seite 1

�Manche haben vorgeschlagen, anstelle von Militärschlägen sollten wir die irakische Opposition bewaffnen und zu einem Bürgerkrieg ermutigen. Diese
Option hört sich einfach an, ist es jedoch nicht. Wir
haben in der Vergangenheit bereits mit irakischen
Gegnern Saddam Husseins zusammengearbeitet und
sind bereit, das in Zukunft noch effektiver zu tun. Die
Opposition ist derzeit jedoch gespalten, und es wäre
ein Fehler, falsche oder unhaltbare Erwartungen zu
wecken, die zu Blutvergießen und einer Niederlage
führen könnten.
Wenn Präsident Clinton Militärschläge gegen den Irak
anordnet, werden wir alles in unserer Macht Stehende
unternehmen, um den Schaden für die Zivilbevölkerung möglichst gering zu halten. Das irakische Volk
liegt uns am Herzen. Wir waren führend bei den
Bestrebungen der Vereinten Nationen, dem Irak
Ölverkäufezu gestatten, damit das Land Nahrungs-

mittel und Medikamente kaufen kann: Letzten Freitag
stimmten wir für die Verdoppelung des Umfangs
dieses Programms. Saddam ist dafür verantwortlich,
daß die Mittel des Irak für Massenvernichtungswaffen
und Paläste verschwendet wurden.
Worum geht es? Wir wollen eine friedliche Lösung,
aber sie muß von Prinzipien geleitet sein und den
Waffeninspektoren uneingeschränkten und ungehinderten Zugang gewähren. Wenn Saddam das verhindert, werden wir handeln, um der von ihm verkörperten
Bedrohung die Stirn zu bieten. Wir werden das in
einer Weise tun, die die Gefahren für das Leben von
Amerikanern und der irakischen Zivilbevölkerung so
gering wie möglich hält, und wir werden die Unterstützung von vielen Nationen auf der ganzen Welt erhalten.
Jetzt liegt es an Saddam Hussein.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 05

�NATO
11. März 1998

Die Bewahrung von Flexibilität
bei der NATO-Erweiterung
Rede von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Die NATO sollte sich ihre Flexibilität im Hinblick auf die Zahl ihrer Mitglieder und das
Tempo der Aufnahme neuer Mitglieder bewahren, erklärte US-Außenministerin Madeleine Albright am 24.
Februar 1998 bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten, die wir nachfolgend
veröffentlichen.

Herr Vorsitzender Helms, Senator Biden, verehrte
Ausschußmitglieder, es ist mir eine große Ehre, Ihnen
die Beitrittsprotokolle zum 1949 geschlossenen
Nordatlantikvertrag vorzulegen, die zu einer Aufnahme
Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik in
das Atlantische Bündnis führen werden. Wir erachten
die Ratifizierung dieser Protokolle als wesentlichen
Bestandteil einer umfassenderen Strategie zum
Aufbau eines ungeteilten, demokratischen und friedlichen Europas. Unserer Ansicht nach liegt dieses Ziel
in Amerikas ureigenem Interesse und verdient Ihre
entschiedene Unterstützung.
Wir nähern uns dem Höhepunkt eines bemerkenswerten Prozesses. Er begann vor vier Jahren, als
Präsident Clinton und seine Amtskollegen in der NATO
beschlossen, daß die Frage nicht lautet, ob die NATO
neue Mitglieder willkommen heißen wird, sondern
wann und wie das geschehen soll. Der Prozeß wurde
in Madrid fortgesetzt, wo das Bündnis nach monatelangen Untersuchungen und Beratungen übereinkam,
daß Polen, Ungarn und die Tschechische Republik die
NATO stärken werden und diese Länder alle Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft erfüllen. Er entwickelte sich vor zwei Wochen weiter, als Präsident
Clinton dem Kongreß die Dokumente vorlegte, die
diese drei Nationen mit Ihrer Zustimmung zu Amerikas
neuesten Verbündeten machen.
Herr Vorsitzender, ich möchte heute unterstreichen,
daß die Entscheidungen der Administration von Anfang
an von unseren Konsultationen mit Ihnen, diesem und
anderen Ausschüssen, der Beobachtergruppe der

AMERIKA DIENST 05

NATO sowie Ihren Kollegen in beiden Häusern des
Kongresses und beiden Parteien beeinflußt worden
sind. Während der letzten Jahre und insbesondere der
letzten Monate haben Sie dem Beratungs- und Abstimmungsprozeß echte Ratschläge gegeben. Unsere
Diskussionen sind ein Modell für die ernsthaften,
überparteilichen Gespräche, die wir mit dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk über die Rolle unserer
Nation in der Welt führen müssen.
Natürlich sprechen wir nicht zum ersten Mal über die
NATO-Erweiterung. Es ist auch nicht das erste Mal,
daß wir als Nation die Aufnahme neuer Mitglieder in
unser Bündnis in Erwägung ziehen.
Vor fast 50 Jahren übergab mein Vorgänger, Außenminister Dean Acheson, Präsident Truman das Original
des Nordatlantikvertrags. Er wies darauf hin, daß die
NATO, wenn sie wirklich effektiv sein will, offen für alle
Länder sein muß, "die demokratische Prinzipien - auf
denen der Vertrag basiert - fördern, zur Sicherheit im
nordatlantischen Raum beitragen und ... die erforderlichen Pflichten erfüllen können".
In den darauf folgenden Jahren stimmte der Senat der
Aufnahme Griechenlands, der Türkei, Deutschlands
und Spaniens in die NATO zu. Jedes Mal wurde das
Bündnis stärker. Jedes Mal wurden alte Trennlinien
überwunden. Jedes Mal wurden neue Nationen ein für
alle Mal in der Gemeinschaft der Demokratien verankert, zu deren Einigung und Schutz die NATO
besteht. Und dieses Mal wird es nicht anders sein.

Seite 1

�Dieser Augenblick ist jedoch auf eine andere Art
historisch: Wenn der Senat zustimmt, wird die NATO
erstmals die Trennlinie überschreiten, zu deren
Verteidigung und Überwindung sie gegründet wurde die Linie, die Europa einst auf so grausame und
willkürliche Weise in Ost und West teilte.
Ich bin sicher, daß einige von Ihnen während des
Kalten Krieges die befremdliche Erfahrung machten,
diese Trennlinie aus der Nähe zu sehen. Dort waren
Bunker und Stacheldraht, Minenfelder und Soldaten in
Wachtürmen, die einen ins Fadenkreuz nahmen. Auf
der einen Seite waren die Menschen frei und lebten in
souveränen Ländern. Auf der anderen waren Menschen, die frei sein wollten und in Ländern lebten, die
vom Kommunismus unterdrückt wurden.
Wenn man heute im Zentrum Europas ist, braucht man
seine ganze Fantasie, um diese Bilder der jüngsten
Vergangenheit heraufzubeschwören. Es gibt natürlich
immer noch Grenzen, aber sie dienen dazu, den Strom
von Lastwagen und Reisebussen zu lenken, nicht um
Truppen oder Panzern Einhalt zu gebieten. Auf beiden
Seiten haben die Menschen das Wahlrecht und
Redefreiheit, können frei kaufen und verkaufen.
Regierungen arbeiten zusammen. Soldaten üben und
dienen zusammen. Das Erbe der Vergangenheit ist
östlich der alten Trennlinie immer noch sichtbar, aber
bei den wichtigen Dingen unterscheiden sich die
neuen Demokratien nicht mehr von ihren westlichen
Nachbarn.
Wir sind heute hier, weil der Status quo in Europa
durch das geopolitische Äquivalent eines Erdbebens
erschüttert wurde. Dieses Erdbeben konfrontierte uns
mit einer doppelten Herausforderung: Erstens, ein
günstiges Sicherheitsumfeld für das nächste Jahrhundert zu bewahren und zweitens, die Chance zum
Aufbau eines ungeteilten und freien Europas zu
ergreifen.
Bei der Bewältigung dieser Herausforderung sah sich
die NATO mit einer eindeutigen Entscheidung konfrontiert: Würde unser Bündnis die letzte Institution in
Europa sein, die dem Eisernen Vorhang Bedeutung
beimißt? Oder würde es die Wiedervereinigung und
Erneuerung Europas unterstützen? Würde es eine
ganze Gruppe beitrittsfähiger Demokratien aus seinen
Reihen ausschließen, nur weil diese in der Vergangenheit unterdrückt wurden? Oder würde es offen für die
freien Nationen sein, die zur Übernahme der Pflichten
einer Mitgliedschaft willens und bereit sind und zu
unserer Sicherheit beitragen?
Meines Erachtens hat die NATO die richtige Entscheidung getroffen. Ihr Beschluß über die Aufnahme
neuer Mitglieder wird Amerika sicherer, das Bündnis
stärker und Europa stabiler und geeinter machen.

Seite 2

Wir sind uns bewußt, Herr Vorsitzender, daß die
Entscheidung für die Erweiterung der NATO Auswirkungen auf unsere Sicherheit hat, die sorgfältig
erwogen werden müssen. Sie beinhaltet feierliche
Verpflichtungen. Sie ist nicht kostenlos. Sie ist nur
gerechtfertigt, wenn sie die strategischen Interessen
Amerikas fördert.
Vergangenen Oktober hatte ich die Gelegenheit, Ihnen
Gründe vorzulegen, warum eine erweiterte NATO
unseren Interessen dient. Ich werde heute versuchen,
diese kurz zusammenzufassen und mich dann auf die
noch bestehenden Fragen und Anliegen zu konzentrieren.
Erstens wird eine erweiterte NATO Amerika sicherer
machen, indem sie das Gebiet in Europa vergrößert, in
dem es keine Kriege gibt. Indem wir deutlich machen,
daß wir notfalls zur Verteidigung unserer neuen
Verbündeten kämpfen werden, machen wir es weniger
wahrscheinlich, daß wir dies je müssen.
Ist Zentraleuropa heute in unmittelbarer Gefahr? Das
ist nicht der Fall. Können wir jedoch mit Sicherheit
sagen, daß unser Interesse an seiner Sicherheit nie
bedroht wird? Die Geschichte und die Erfahrung
erlauben uns diese Aussage nicht.
Schließlich besteht ganz offensichtlich das Risiko
ethnischer Konflikte. Verbrecherische Staaten mit
gefährlichen Waffen stellen eine wachsende Gefahr
dar. Es gibt immer noch Fragen über die Zukunft
Rußlands. Was die Zukunft auch bereithalten mag,
liegt es wohl kaum in unserem Interesse, daß es im
Herzen Europas eine Gruppe angreifbarer und
ausgeschlossener Staaten gibt. Es ist in unserem
Interesse, ein lebendiges und erweitertes Bündnis mit
den europäischen Demokratien zu schließen, die
unsere Werte und unsere Entschlossenheit zu ihrer
Verteidigung teilen.
Ein zweiter Grund ist, daß die bloße Aussicht auf eine
größere NATO den Nationen Zentral- und Osteuropas
einen Anreiz zur Lösung ihrer Probleme gegeben hat.
Um der NATO beitreten zu können, haben beitrittswillige Verbündete ihre demokratischen Institutionen
gestärkt, die Respektierung von Minderheitenrechten
verbessert, die zivile Kontrolle über das Militär verstärkt und praktisch alle alten Grenz- und ethnischen
Streitigkeiten in der Region beigelegt. Diese Art von
Fortschritt kann gewährleisten, daß außenstehende
Staaten nie wieder in Konflikte in dieser Region
hineingezogen werden. Diese Art von Fortschritt wird
anhalten, wenn der Senat Ja zu einer erweiterten
NATO sagt.
Ein dritter Grund, warum die Erweiterung erwiesenermaßen im nationalen Interesse liegt, ist, daß sie Stärke
und Zusammenhalt der NATO erhöht. Unsere potentiellen Verbündeten engagieren sich entschlossen für

AMERIKA DIENST 05

�die NATO. Die Erfahrung hat sie gelehrt, an eine
starke Rolle der Vereinigten Staaten in Europa zu
glauben. Ihre Streitkräfte haben vom Golfkrieg bis
Bosnien an der Seite unserer Truppen ihr Leben
riskiert. Sie werden dem Bündnis zusätzliche strategische Stärke verleihen, ganz zu schweigen von den
mehr als 200.000 Soldaten.
Vor zwei Wochen war der polnische Außenminister
Geremek mit seinen tschechischen und ungarischen
Amtskollegen in Washington, wo er gefragt wurde, ob
sein Land der NATO beitreten möchte. Er erwiderte,
Polen wolle endlich in den Institutionen der transatlantischen Gemeinschaft verankert werden. Er
erklärte: "Wir verdanken Amerika diese Wiederbelebung der Bindung Polens an den Westen... Mit
anderen Worten, wir verdanken den Vereinigten
Staaten unsere Freiheit."
Herr Vorsitzender, wir wollen nicht vergessen, daß
diese Länder der Übernahme schwerer Pflichten der
NATO-Mitgliedschaft nicht als Belastung, sondern als
Chance entgegensehen. Sie betrachten dies als eine
Möglichkeit, der Welt zu zeigen, daß sie jetzt reife,
fähige Demokratien sowie willens, bereit und in der
Lage sind, der Gemeinschaft der Freiheit etwas
zurückzugeben, die ihnen in den Jahren der Dunkelheit zur Seite stand.
Dieser Punkt sollte für uns heute besonders wichtig
sein. Unsere Nation beteiligt sich derzeit an den
Bestrebungen, die Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats durch den Irak sicherzustellen. Wir
haben in dieser gerechten Sache die Unterstützung
anderer Nationen gewonnen. Als ich vor zwei Wochen
mit den Außenministern unserer angehenden Verbündeten zusammentraf, bat ich sie, uns zur Seite zu
stehen. Ihre Antwort kam umgehend und überzeugt.
Wenn wir militärische Maßnahmen ergreifen müssen,
werden sie uns zur Seite stehen.
Das Wichtigste ist, daß sich Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik bereits wie loyale Verbündete
verhalten. Ich habe keinen Zweifel, daß sie sich in
Zukunft als gute Verbündete erweisen werden.
Dennoch bin ich mir bewußt, daß es immer noch
ernsthafte Kritiker gibt, die legitime Fragen über unsere
Politik stellen. Wir haben uns bereits mit diesen
Fragen befaßt, und ich möchte heute einige davon
ansprechen.
Manche dieser Anliegen betreffen die möglichen
Kosten einer erweiterten NATO. Als ich das letzte Mal
hier war, Herr Vorsitzender, konnten wir nur von
Schätzungen sprechen, denn die NATO hatte sich in
dieser Frage noch nicht geeinigt. Jetzt haben sich alle
16 Mitgliedstaaten auf die Zahlen verständigt und sie
durch Verpflichtungen untermauert. Wir wissen heute,

AMERIKA DIENST 05

daß die Kosten real sind, aber bewältigt werden
können, daß sie gedeckt und gerecht geteilt werden.
Einige dieser Kosten werden von unseren drei neuen
Verbündeten getragen. Ich weiß, daß manche argumentiert haben, diese neuen Demokratien sollten nicht
um die Übernahme zusätzlicher militärischer Lasten
gebeten werden, während sie noch schwierige wirtschaftliche Veränderungen vornehmen. Aber diese
Nationen werden ihre Streitkräfte auf jeden Fall
modernisieren, und ihren eigenen Aussagen zufolge ist
das langfristig innerhalb der NATO billiger als außerhalb.
Letztlich können nur die Bürger dieser Länder entscheiden, was für ihre Zukunft das Beste ist. Heute
wird in allen drei Ländern die NATO-Mitgliedschaft
durch eine solide Mehrheit in der Öffentlichkeit und
jede große Partei unterstützt. Alle drei Nationen haben
wachsende Volkswirtschaften. Alle drei bauen stärkere, schlankere, professionellere Streitkräfte auf. Sie
sagen uns, daß sie keinen Widerspruch zwischen
Sicherheit und Wohlstand sehen, und wir sollten ihnen
nicht unsere Ansichten aufdrängen.
Manche machen sich Sorgen, die Kosten einer
erweiterten NATO würden sich für uns und unsere
Verbündeten als weitaus höher erweisen als das
Bündnis prognostizierte.
Diese Angst gründet teilweise auf der natürlichen
Überzeugung, daß Regierungen zu einer manchmal
gravierenden und bisweilen absichtlichen Unterschätzung der Kosten neigen. Das ist bei der NATO jedoch
nicht der Fall. Unser Beitrag zur NATO ist ein fester
Haushaltsposten, kein zeitlich unbegrenzter Anspruch.
Die Finanzierung erfolgt jedes Jahr neu und untersteht
unserer Kontrolle. Die NATO ist noch nie durch einen
Nachtragshaushalt finanziert worden.
Diese Angst gründet teilweise auch auf der Annahme,
daß wir irgendwann auf eine militärische Bedrohung
unserer neuen Verbündeten reagieren müssen. Wenn
wir zur Verteidigung unserer neuen Verbündeten
Truppen entsenden müssen, werden die Kosten
zweifelsohne ansteigen. Sollte eine solche unheilvolle
Bedrohung entstehen, werden die Kosten unseres
gesamten Verteidigungshaushalts steigen, ob wir die
NATO erweitern oder nicht. Wenn Sie ebenso wie ich
der Überzeugung sind, daß wir ein Sicherheitsinteresse am Schicksal dieser Länder haben, dann besteht
der effektivste - und kostengünstigste - Weg zum
Schutz dieser Interessen darin, diese Länder jetzt zu
unseren Verbündeten zu machen. Der tschechische
Präsident Havel erklärte zu Recht: "Selbst die teuerste
präventive Sicherheit ist billiger als der billigste Krieg."
Eine andere Sorge, die ich heute ansprechen möchte,
ist, daß die Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO die
Effektivität des Bündnisses verringern und die Ent-

Seite 3

�scheidungsfindung erschweren könnte - mit anderen
Worten, daß sie die NATO schwächen könnte. Wir
betreiben die NATO-Erweiterung jedoch so, daß sie
das Bündnis stärkt, nicht schwächt.
Aus diesem Grund bestehen wir darauf, daß jede
Nation, die der NATO beitreten möchte, die vom
damaligen Verteidigungsminister Perry 1995 formulierten strengen Bedingungen erfüllen muß: Die Nationen
müssen marktwirtschaftliche Demokratien mit einer
zivilen Kontrolle des Militärs sein, gute Beziehungen zu
ihren Nachbarn unterhalten und über die Fähigkeit
verfügen, einen Beitrag zur NATO-Mission kollektiver
Verteidigung zu leisten. Aus diesem Grund bestand
Präsident Clinton beim NATO-Gipfel vergangenen
Juli in Madrid darauf, daß nur die stärksten Kandidaten
zu dieser ersten Beitrittsrunde eingeladen werden.
Wie Sie wissen, war der Präsident sowohl im In- als
auch im Ausland Druck ausgesetzt, seine Zustimmung
zu vier oder fünf neuen Verbündeten zu geben. Er
stimmte für die Aufnahme von drei Mitgliedern, weil wir
zur Wahrung von Integrität und Stärke der NATO
entschlossen sind.
Letzten Endes kommt es auf die Wirksamkeit der
NATO-Aktionen an. Wir müssen zuversichtlich sein,
daß unsere Verbündeten uns entschlossen zur Seite
stehen, wenn es hart auf hart kommt. Wir wollen eins
nicht vergessen: Als wir Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik um Beistand in der Golfregion
baten, zögerten sich nicht. Als wir sie baten, ihre
Soldaten in Bosnien einem Risiko auszusetzen,
zögerten sie nicht. Als wir Ungarn um die Öffnung
seiner Militärstützpunkte für amerikanische Truppen
baten, damit diese sicher nach Bosnien entsandt
werden konnten, zögerte das Land nicht.
Die NATO ist ein Militärbündnis, kein gesellschaftlicher
Club. Aber sie ist auch keine durch Inzucht erzeugte
Aristokratie. Wir müssen klug genug sein, ausgewählte neue Mitglieder aufzunehmen, aber auch klug
genug, solche Mitglieder aufzunehmen, die unsere
eigene Sicherheit erhöhen. Bei diesen drei Ländern ist
das der Fall. Bei anderen könnte das in Zukunft
zutreffen.
Das wirft wiederum eine andere Frage auf, die meines
Wissens eine Reihe von Senatoren beschäftigt: Wohin
wird uns dieser Prozeß führen, und was geschieht mit
den Ländern, die jetzt nicht zum Beitritt eingeladen
werden?
Ein Teil der Antwort findet sich im NATO-Programm
Partnerschaft für den Frieden sowie im neuen EuroAtlantischen Partnerschaftsrat.
Durch diese Einrichtungen kann praktisch jede Nation von Armenien
bis Finnland gemeinsam mit der NATO handeln und an
der Gestaltung der Übungen und Missionen mitwirken,
die wir zusammen mit ihnen durchführen.

Seite 4

Ein ebenso wichtiger Teil der Antwort findet sich in der
Verpflichtung der NATO, ihre Tür für weitere Mitglieder
offen zu halten. Dies ist der Kern der Logik einer
erweiterten NATO. Schließlich verfolgen wir eine
solche Politik, weil wir der Überzeugung sind, daß die
NATO willkürliche Trennlinien in Europa nicht respektieren kann und nicht fortbestehen lassen darf. Es
nützt uns nichts, ein Land als künftigen Verbündeten
abzulehnen, wenn es wichtig für unsere Sicherheit ist
und unter Beweis stellt, daß es willens und bereit ist,
einen Beitrag zu unserer Sicherheit zu leisten.
Ich möchte ganz klar sagen, daß wir keine Entscheidung getroffen haben, wer die nächsten neuen NATOMitglieder sein sollten oder wann sie beitreten dürfen.
Wir sollten der Zukunft gegenüber jedoch eine gewisse
Bescheidenheit an den Tag legen.
Wieviele Menschen hätten 1949 vorausgesagt, daß
Deutschland bald der NATO angehören würde? Wer
hätte 1988 wissen können, daß in nur 10 Jahren die
Mitglieder des Warschauer Pakts dem Bündnis
beitreten können? Wer kann heute sagen, wie Europa
in einigen Jahren aussehen wird? Dies ist nur ein
Grund, warum wir unsere Flexibilität bewahren wollen und die derjenigen, die das Bündnis in den kommenden Jahren führen werden.
Manche machen jetzt den Vorschlag, den Erweiterungsprozeß für beliebig viele Jahre einzufrieren.
Einige sagten ganz offen, ihr wirkliches Ziel sei es, den
Prozeß für immer einzufrieren. Ich möchte mich ganz
klar ausdrücken: Diese Administration ist gegen
jegliche Bestrebungen des Senats, eine künstliche
Pause des NATO-Erweiterungsprozesses vorzuschreiben.
Im Juli vergangenen Jahres machten Präsident Clinton
und ich die außergewöhnliche Erfahrung, ganz Zentralund Osteuropa zu bereisen. In diesen Ländern, die
nicht zum NATO-Beitritt eingeladen wurden, trafen wir
auf begeisterte Menschenmengen und führende
Politiker, die die vom Bündnis in Madrid getroffenen
Entscheidungen unterstützen. Sie wissen, daß sie vor
einem möglichen Beitritt noch einen langen Weg vor
sich haben. Aber allein die Aussicht auf einen Beitritt
veranlaßte sie zur Beschleunigung von Reformen,
Einbeziehung ihrer Nachbarn und Ablehnung des
destruktiven Nationalismus der Vergangenheit ihrer
Region.
Eine Zwangspause würde von Tallinn im Norden bis
Sofia im Süden wie das Zuschlagen einer Türe
vernommen. Sie würde wie ein Mißtrauensvotum
gegen die reformorientierten Regierungen vom
Baltikum bis zum Balkan erscheinen. Sie würde als
Anzeichen dafür ausgelegt, daß wir diese Länder
abgeschrieben haben und den Anreiz für sie verringern, mit ihren Nachbarn und der NATO zusammenzuarbeiten. Sie würde den von der NATO erreichten

AMERIKA DIENST 05

�Konsens zerstören, ihre Tür offen zu lassen. Sie wäre
gleichermaßen gefährlich und völlig unnötig, da der
Senat auf jeden Fall die Aufnahme sämtlicher neuer
Mitglieder billigen müßte. Sie würde das Ziel der
NATO-Erweiterung zunichte machen.

Eine beunruhigendere Perzeption ist, daß der russische Widerstand gegen die Erweiterung - sei er
gerechtfertigt oder nicht - unseren Beziehungen zu
Moskau schadet. Aber um es nochmals zu wiederholen - die Realität sieht anders aus.

Herr Vorsitzender, ich möchte noch kurz auf ein
wichtiges Anliegen zu sprechen kommen - die Auswirkungen einer erweiterten NATO auf Rußland und
unsere Beziehungen zu diesem Land. Ich betone, daß
dieses Anliegen sich vornehmlich auf Perzeptionen
bezieht, nicht auf die Realität. Und obwohl Perzeptionen wichtig sind, muß unsere Politik sich an dem
orientieren, was unseres Wissens wahr ist.

Ich habe im vergangenen Jahr viel Zeit damit verbracht, mit meinem russischen Amtskollegen, Außenminister Primakow, und anderen russischen Politikern
zu reden. Ich kann Ihnen versichern, daß das Thema
der Erweiterung diese Diskussionen nicht überschattet.
Meines Erachtens entwickeln sich unsere Beziehungen entsprechend ihrem eigenen Rhythmus und ihren
eigenen Prioritäten, und wir haben in einigen Schlüsselbereichen beträchtliche Fortschritte erzielt.

Beispielsweise ist es eine weit verbreitete Auffassung,
daß wir die NATO, ihre Panzer, Bomber und sogar ihre
Nuklearwaffen direkt an Rußlands Grenze verlagern
und Rußland daher Grund hat, sich durch eine erweiterte NATO bedroht zu fühlen. Die Realität sieht
ganz anders aus.
Es geht hier nicht um Nähe. Rußland und die NATO
haben seit 1949 eine gemeinsame Grenze - das ist
weder für Rußland noch für Norwegen etwas Neues.
Es gibt keine Spannungen an der Grenze zwischen
Polen und der russischen Enklave Kaliningrad an der
Ostseeküste. Ungarn und die Tschechische Republik
liegen mittlerweile näher an Frankreich als am nächsten Punkt russischen Bodens.
Was die Waffen betrifft, hat die NATO bekanntgegeben, daß sie im derzeitigen und vorhersehbaren
Sicherheitsumfeld weder den Plan noch die Notwendigkeit oder Absicht hat, Nuklearwaffen in den neuen
Mitgliedstaaten zu stationieren und auch keine dauerhafte Stationierung einer beträchtlichen Zahl von
Kampftruppen in Betracht zieht. Ebenso wichtig ist,
daß die Aussicht auf eine NATO-Mitgliedschaft
unseren zukünftigen Verbündeten das Vertrauen
gegeben hat, Aufrüstung zu vermeiden und konstruktiv
an niedrigeren Obergrenzen für konventionelle
Streitkräfte zu arbeiten. Ihre Beziehungen zu Rußland
sind heute normaler und kooperativer als zu jedem
anderen Zeitpunkt der Geschichte.
Wenn wir die NATO nicht erweitern, könnte genau das
Gegenteil passieren. Die zentraleuropäischen Nationen würden sich isoliert und unsicher fühlen. Sie
würden zweifelsohne mehr für die Verteidigung
ausgeben und könnten regionale Rüstungskontrolle
ablehnen. Wie Senator Biden ausgeführt hat, würden
sie wahrscheinlich ihre eigenen gegenseitigen Sicherheitsarrangements treffen, die sehr gut antirussisch sein könnten. Ironischerweise sind die Probleme, die eine erweiterte NATO Rußlands Befürchtungen zufolge schaffen würde, genau die Probleme,
die eine erweiterte NATO vermeiden wird.

AMERIKA DIENST 05

Der neue Ständige Gemeinsame NATO-Rußland-Rat
wurde gegründet und hat seine Tätigkeit aufgenommen. Rußland beteiligt sich an der Partnerschaft für
den Frieden. Unsere Soldaten und Diplomaten
arbeiten in Bosnien zusammen. Rußland war beim
Gipfel der Acht im vergangenen Jahr in Denver ein
vollwertiger Partner, und wir sind dem Land bei den
Vorbereitungen für die Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation behilflich. Mit unserer Unterstützung hat Rußland den Weg zu wirtschaftlichen und
demokratischen Reformen fortgesetzt.
Auch bei der Rüstungskontrolle erzielen wir Fortschritte: Rußland ist mit der Zerlegung von Nuklearwaffen gemäß dem START I-Vertrag ein Jahr voraus. Wir
unterzeichneten das START Il-Protokoll, das den Weg
zur nächsten Phase der Reduzierung strategischer
Waffen ebnet und, wie wir hoffen, die Ratifizierung des
Vertrags durch Rußland beschleunigt.
Die Präsidenten Clinton und Jelzin haben sich auf die Grundzüge eines START Ill-Vertrags geeinigt, der die
strategischen Arsenale mit Inkrafttreten von START II
um 80 Prozent ihres Höchststands im Kalten Krieg
verringern würde. Rußland ist unserem Beispiel beim
Verbot von Atomtests ebenso gefolgt wie bei der
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Wir haben
mit der Anpassung des Vertrags über konventionelle
Streitkräfte in Europa begonnen.
Wir arbeiten ferner mit Rußland bei der Verbesserung
der Sicherheit von Nuklearwaffen und -material
zusammen und nutzen die Programme, die im NunnLugar-Gesetz erstmals festgeschrieben wurden. Wir
sind Rußland bei der Einstellung der Produktion von
waffenfähigem Plutonium behilflich. Und während wir
sprechen, helfen unsere Experten beim Bau sicherer
und gesicherter Lagereinrichtungen für Tonnen von
spaltbarem Material und bei der Verbesserung der
Sicherheit von Nuklearwaffenlagern in ganz Rußland.
Ich möchte hier nicht vorgeben, alles sei perfekt bei
unseren Beziehungen zu Rußland. Wir sind offen
gesagt besorgt über die langsame Ratifizierung von
START II. Wir machen uns ernste Sorgen über

Seite 5

�Rußlands Beziehungen zum Iran. Unsere Perspektiven bezüglich des Irak unterscheiden sich ebenfalls,
obwohl wir hinsichtlich des grundlegenden Ziels der
vollständigen Einhaltung der UN-Resolutionen durch
den Irak völlig übereinstimmen.
Wir sollten jedoch folgendes eindeutig klarstellen: Es
ist ein großer Fehler zu denken, daß uns Rußland
jedes Mal, wenn es etwas tut, was uns nicht gefällt,
dafür "bestrafen" will, daß wir Ungarn oder Polen in die
NATO aufnehmen.
Unsere Meinungsverschiedenheiten mit Rußland,
insbesondere im Hinblick auf den Nahen Osten und
den Golf, sind aufgrund der Art und Weise entstanden,
in der Rußland seine nationalen Interessen in diesem
Teil der Welt definiert. Diese Differenzen bestanden
lange vor der Entscheidung der NATO für die Erweiterung. Wenn der Senat die Erweiterung ablehnt,
würde das unsere Differenzen nicht aus dem Weg
räumen. Wir würden jedoch drei Nationen den Rücken
kehren, die uns im Fall von Irak, Iran und bei einer
Reihe von Sicherheitsproblemen zur Seite standen, die
für die Vereinigten Staaten von Bedeutung sind.
Herr Vorsitzender, meiner Ansicht nach steht hier sehr
viel mehr auf dem Spiel. Die Kritiker, die sich auf
Rußlands Widerstand gegen die Erweiterung konzentrieren, gehen davon aus, daß Rußland seine nationalen Interessen stets auf eine unsere Interessen
schädigende Weise definiert. Diese Stimmen nehmen
an, daß Rußland immer durch den Wunsch seiner
ehemaligen Satelliten bedroht und gedemütigt wird,
ihren eigenen Weg zu gehen und das Land nie über
das Ende seines Imperiums hinwegkommt. Sie sagen,
wir sollten realistisch sein und dies akzeptieren. Sie
möchten, daß wir Rußlands Nachbarn bitten, ihre
rechtmäßigen
Bestrebungen
zugunsten
der
amerikanisch-russischen Zusammenarbeit auf unbegrenzte Zeit aufzugeben.
Meines Erachtens werden diese Annahmen Rußland
nicht gerecht. Meines Erachtens ignorieren sie die
Fortschritte, die wir erzielt haben und die Rußland
dabei erzielt hat, eine radikal veränderte Welt zu
akzeptieren.
Ich bin zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten eine
echte Partnerschaft mit einem neuen Rußland aufbauen können. Aber die von uns angestrebte Partnerschaft kann nicht erkauft werden, indem man einem
Dutzend europäischer Länder das Recht zur NATOMitgliedschaft verweigert. Eine auf einem unrechtmäßigen moralischen Kompromiß aufgebaute Partnerschaft wäre nicht echt und hätte keinen Bestand.
Ich bin auch zuversichtlich, daß Rußland bei seinen
Bestrebungen Erfolg haben kann, eine wohlhabende,
stabile Demokratie zu werden - daß das Land eine
normale Macht wird, die ihrer Größe durch Zusammen-

Seite 6

arbeit mit anderen bei der Gestaltung einer gerechteren und rechtmäßigen Welt Ausdruck verleiht. Diese
Umgestaltung wird nur verzögert, wenn wir Rußland
Grund zu der Annahme geben, daß es seine Größe
immer noch auf Kosten seiner Nachbarn in Zentraleuropa behaupten kann. Fortschritte sind sehr viel
leichter möglich, wenn Rußland erkennt, daß dieselben
Regeln für jeden Teil Europas gelten; daß Polen sich
nicht von Portugal unterscheidet, wenn es um das
Recht geht, sein Schicksal selbst in die Hand zu
nehmen.
Herr Vorsitzender, aus all diesen und anderen
Gründen glaube ich, daß die vor uns liegende Entscheidung sehr viel beinhaltet - sehr viel mehr als die
unmittelbare Zukunft Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik. Sie beinhaltet die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten, die Zukunft eines
ungeteilten Europas, die Zukunft Rußlands und den
Charakter unserer Beziehungen zu diesem Land.
In gewisser Weise beinhaltet sie die grundlegendste
Frage unserer Außenpolitik: Wie vermeiden wir Krieg
und bewahren einen von Prinzipien geleiteten Frieden?
Für einige scheint sich die Antwort um Schlagworte wie
Globalisierung und die naive Hoffnung zu drehen, daß
Menschen, die Handel treiben und E-mails austauschen, nicht kämpfen. Aber ich glaube nicht, daß wir
unsere Zukunft auf eine solche Annahme setzen
können. Dies ist immer noch eine gefährliche Welt.
Wir müssen weiterhin wachsam und stark sein militärisch und wirtschaftlich. Wir müssen auf die
Bewahrung der herzlichen Beziehungen zwischen den
Großmächten hinarbeiten, die den Versprechungen
unseres Zeitalters Glanz verleihen.
Gleichzeitig
können wir nicht davon ausgehen, daß die Diplomatie
der Großmächte allein in Zukunft die friedlichen
Bedingungen herbeiführen wird, die sie in der Vergangenheit so häufig nicht schaffen konnte.
Aus diesem Grund müssen wir auch die bewährten
Bündnisse und Institutionen stärken, die für große und
kleine Nationen gleichermaßen Ordnung und Sicherheit auf der Grundlage von Realismus und
Rechtsstaatlichkeit bieten.
Institutionen, die Aggression abschrecken und uns die Mittel an die Hand
geben, Unterstützung zu mobilisieren, wenn Abschreckung versagt.
Das tut die NATO. Aus diesem Grund entschieden wir
uns für ihre Beibehaltung nach dem Ende des Kalten
Kriegs. Aus diesem Grund entschieden wir uns für ihre
Erweiterung. Aus diesem Grund danke ich Ihnen, Herr
Vorsitzender, und den Ausschußmitgliedern heute für
die Zusammenarbeit mit uns, um diesen Tag Möglichkeit werden zu lassen.

AMERIKA DIENST 05

�Ich danke Ihnen und dem Ausschuß für die Zeit und
die Anstrengungen, die Sie für diese elementare
Entscheidung aufgewandt haben. Die Debatte über
die NATO-Erweiterung stand nicht immer im Rampenlicht. Es geht nicht darum, auf die augenblickliche
Krise zu reagieren, es geht um das weniger attraktive,
weniger Schlagzeilen machende Geschäft der Verhinderung zukünftiger Krisen.
Diese Entscheidung
erfordert die ungeteilte Aufmerksamkeit für die langfristigen Herausforderungen, mit denen sich unser

Land konfrontiert sieht. Und das haben Sie getan - mit
der Betonung auf Patriotismus, nicht Parteilichkeit.
Ich danke Ihnen dafür, daß Sie diesen Ausschuß und
den Senat insgesamt zu unserem vollwertigen Partner
bei der Schaffung einer größeren, stärkeren, besseren
NATO gemacht haben. Ich sehe Ihren Fragen heute
und in den kommenden Tagen erwartungsvoll entgegen.

* * *

AMERIKA DIENST 05

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�SICHERHEIT
11. März 1998

Globalisierung und Internationalisierung Herausforderung und Anpassung
Rede von Michael C. Polt

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Michael C. Polt, bei der Wehrtechnik-Konferenz am 5. März
1998 in Bonn.

Ich freue mich über die Gelegenheit, heute an diesem
Forum teilnehmen zu dürfen und bin besonders
dankbar, daß Sie mir sozusagen das letzte Wort
gegeben haben.
Ich werde nicht versuchen, den heutigen Nachmittag
zusammenzufassen, an dem Sie eine Vielzahl sehr
interessanter Gedanken und Ideen über einige der
detaillierten Fragen transatlantischer Sicherheit
spezifisch zum Thema Rüstung und Rüstungsmarkt
gehört haben.
Im Prinzip möchte ich von diesem Thema etwas
abweichen und den größeren Kontext betrachten, in
dem wir die gesamte Palette globaler Sicherheitsfragen am Vorabend des neuen Jahrhunderts angehen. In dieser Palette steckt natürlich auch die
Frage der zukünftigen Rüstung und ihrer Kosten. Wie
Sie wissen hat das Ende des Kalten Krieges die
Trennlinien zwischen politischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Fragen verwischt. Es wird
immer schwieriger, ein Thema vom anderen zu
trennen oder Probleme auszuklammern und separat
zu lösen. Solche Unterteilungen sind zweifelsohne
immer weniger angebracht.
Die sogenannte Paradigmenverlagerung bedeutet, daß
wir unsere Vorgehensweise verändern. Tatsächlich
schaffen wir einen Rahmen für die Art und Weise, wie
wir im nächsten Jahrhundert vorgehen müssen. Sie
haben vielleicht von den Memoiren Dean Achesons
gehört, der am Ende des Zweiten Weltkriegs
US-Außenminister war. Er gab ihnen den Titel "Present at the Creation" (ungefähr: Ich war von Anfang an
dabei), denn zur damaligen Zeit wurde der Rahmen für
die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gestaltet.

AMERIKA DIENST 05

Im Augenblick durchleben wir eine ähnliche Zeit der
Erneuerung. Wir sehen uns einem völlig anderen
Kontext gegenüber als vor 20 oder auch nur 10
Jahren. Sie können das spüren, wenn in den Nachrichten von freien Wahlen in einer der neuen Demokratien berichtet wird. Dieser neue Kontext ist womöglich
noch greifbarer, wenn man sich die schrumpfenden
Mittel der Verteidigungsministerien betrachtet. Ich
persönlich spüre das an der Art, wie sich meine Arbeit
verändert hat. Ich befasse mich mit immer mehr
Themen, die früher den "Experten" auf so "exotischen"
Gebieten wie Umweltschutz, Telekommunikation oder
Gentechnologie vorbehalten waren.
Es entsteht ein Mosaik von Themen. Damit dieses
Mosaik Sinn ergibt, müssen die Themen strukturiert
und geordnet werden.
Ich habe bereits eines dieser Themen erwähnt "creation". Zweifelsohne brachte das Ende des Kalten
Krieges weitaus mehr mit sich als die Zerstörung
totalitärer Systeme und die Beendigung der
Ost-West-Konfrontation.
Sie machte viele neue,
positive Dinge möglich.
Marktwirtschaften überwanden die Trägheit
zentralistischer Planung.
Die Tyrannei einer einzigen Partei wurde
durch den Marktplatz von Ideen ersetzt - die
Demokratie.
Das Konzept von Europa wurde bereichert
und ausgebaut, um seit Jahrzehnten ausgeschlossene Kulturen und Völker einzubeziehen.

Seite 1

�All diese Dinge schufen ein neues Gesamtbild - eine
engagiertere transatlantische Gemeinschaft in einem
größeren Europa.
Dieser größere Kontext ist von Bedeutung, wenn wir
Fragen wie die Erweiterung der NATO und der Europäischen Union erörtern. Ihr Altbundespräsident
Richard von Weizsäcker formulierte es treffend, als er
sagte, wir sollten nicht von einer Erweiterung dieser
Institutionen sprechen, sondern von der "Vollendung
Europas".
Die Vollendung Europas ist in vielerlei Weise ein
zeitlich unbegrenztes Konzept.
Obwohl sie auf
Sicherheitsebene bedeutet, neue Mitglieder zum
NATO-Beitritt einzuladen und die Tür offen zu lassen,
steht sie auch für ein neues Verständnis zwischen der
NATO und Rußland. Sie beinhaltet die Schaffung
einer besonderen Partnerschaft mit der Ukraine, die
die strategische Bedeutung dieses Landes in dem
neuen Europa reflektiert. Die Vollendung Europas ist
natürlich auch in hohem Maße der von der EU unternommene revolutionäre Schritt zur Wirtschafts- und
Währungsunion, zu verstärkter regionaler Zusammenarbeit in Nordosteuropa bei der Bekämpfung des
organisierten Verbrechens und die Gewährleistung,
daß die Türkei fest in Europa verankert ist.
Unsere gemeinsame Vision ist ein wahrhaft integriertes transatlantisches Sicherheitssystem, dem alle
Demokratien Europas angehören, einschließlich
derjenigen, die keine NATO-Mitgliedschaft anstreben
oder die Voraussetzungen dafür nicht erfüllen. Aus
diesem Grund haben wir das Programm Partnerschaft
für den Frieden erweitert, um es stärker an die Verteidigungsplanung des Bündnisses anzupassen. Ferner
gründeten wir den Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat
als dynamischeres Forum für die Koordinierung
gemeinsamer Aktionen von NATO-Mitgliedstaaten und
-Nichtmitgliedstaaten. Diese von der NATO unternommenen Schritte werden natürlich sowohl durch die
Entscheidung der Europäischen Union zur Erweiterung
verstärkt als auch durch unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Stärkung der Rolle der OSZE.
Die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der europäischen Verbündeten ist ein weiteres wichtiges Ziel.
Wann und wie das geschehen soll, ist eine der komplexesten Debatten der vergangenen 20 Jahre
gewesen.
Eine Schlüsselaufgabe besteht darin
sicherzustellen, daß eine europäische Verteidigungssäule eine wachsende Rolle im Atlantischen Bündnis
spielt.
Im Juni 1995 einigte man sich auf die Grundlagen für
diese Bestrebungen. Das Berlin-Kommunique der
NATO sieht vor, daß die NATO und die WEU gemeinsam Missionen planen, die von den europäischen
Verbündeten ausgearbeitet und geleitet werden und zu
denen die europäischen Nationen den größten

Seite 2

Truppenbeitrag leisten. Noch wichtiger ist, daß die
Vereinigten Staaten sich der Unterstützung von
Missionen auf Gebieten wie Logistik, Kommunikation
und Nachrichtendienste verpflichtet haben.
Das war ein revolutionärer Schritt. Er kombinierte die
europäische und atlantische Vision auf eine Weise, die
beide elementaren Säulen unserer Partnerschaft
stützt. Damit er erfolgreich ist, muß sich jeder beteiligen, und die NATO und die WEU müssen beide
weiterhin funktionieren. Beispielsweise muß die WEU
eine Entscheidungsbefugnis haben, die von den
nichtsicherheitspolitischen Aspekten der EU unabhängig ist.
Die Art und Weise, wie die transatlantische Gemeinschaft jetzt und in Zukunft funktioniert, verändert sich.
Flexibilität ist ein Schlüsselmerkmal - nicht nur, weil wir
eingeschränkte Mittel haben, sondern auch, weil der
neue Kontext das erfordert. Sie konzentrieren sich
darauf, Ihre Streitkräfte mobiler zu machen und mit
mehr Hightech auszurüsten, weil dies die beste
Reaktion auf das veränderte Sicherheitsumfeld ist.
Besondere Betonung legen wir auf Interoperabilität bei
Gerät, Doktrin und Personal, weil wir alle nach dem
besten Weg suchen, unsere beschränkten Mittel
effizienter und sich gegenseitig ergänzend einzusetzen. Die gestiegene Zahl der an einer Beteiligung an
NATO-Missionen interessierten Beitrittskandidaten und
NATO-Partner bedeutet, daß Interoperabilität wichtiger
ist denn je. Daher ist es von elementarer Bedeutung,
daß wir die wichtigsten Anforderungen kooperativer
Programme ausmachen und Teamabsprachen treffen.
Die entscheidenden Merkmale dieses neuen transatlantischen Kontextes ähneln in vielerlei Weise den
neuen Merkmalen unseres globalen Umfelds. Flexibilität, Transparenz, die abnehmende Bedeutung internationaler Grenzen und die schnelle Informationsübermittlung - das alles sind allgemeine und miteinander
verbundene Merkmale.
Um die enge Verflechtung dieser Charakteristika
unserer neuen, hochtechnisierten Welt der Globalisierung zu erläutern, möchte ich einen Moment abschweifen und über das Europa des späten 18. und
frühen 19. Jahrhunderts sprechen. Damals war die
Welt für die meisten unvorstellbar groß. Sie war
vorwiegend ländlich geprägt. Verkehrsverbindungen
in dem Sinne, daß Menschen oder Waren von einem
Ort zum anderen befördert werden, waren zeitweilig
unterbrochen. Was man hörte, wie man lebte und was
man tat, hing großenteils davon ab, wo man war. Der
Historiker Eric Hobsbawm formulierte es einmal
folgendermaßen: "In Reichweite eines Hafens zu leben
bedeutete, in Reichweite der Welt zu leben."
Die heutige Situation ist vergleichbar, unterscheidet
sich aber auch in wesentlicher Hinsicht. Unsere Welt

AMERIKA DIENST 05

�ist unglaublich geschrumpft. Die Tatsache, daß sie nur
einen Mausklick entfernt liegt, beeinflußt jedoch die Art,
wie wir hören, wie wir leben und was wir tun. Das
bedeutet, daß die Informationsexplosion nicht von der
zunehmenden Transparenz, den Veränderungen der
Interaktion unserer Gesellschaften und der neuen Art
der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern
getrennt werden kann. Das schnelle Tempo technologischer Innovationen kann nicht von Handel und
Wirtschaft getrennt werden. Die Art, wie wir Geschäfte
tätigen, beeinflußt in zunehmendem Maße unser
Privatleben.
Information ist zweifelsohne die treibende Kraft dieser
neuen Globalisierung und der sogenannten neuen
Weltwirtschaft. Das Informationszeitalter hat völlig
neue Industriezweige und neue Arbeitsplätze hervorgebracht.
Der Managementguru Peter Drucker
machte das Konzept des "Wissensarbeiters" bekannt
- eines Menschen, dessen wichtigster Aktivposten
nicht darin liegt, wieviele Schrauben er am Fließband
festzieht, sondern einfach darin, was er weiß. Die
Produktionsmittel befinden sich in den Köpfen der
Arbeitnehmer.
Die Auswirkungen des Informationszeitalters auf die
Politik sind ebenfalls sehr real. Sozialwissenschaftler
pflegten von einer Revolution von oben und einer
Revolution von unten zu sprechen. Jetzt sprechen sie
von einer Revolution "von außen".
Angeblich soll sich der gesamte Bestand an menschlichem Wissen alle fünf Jahre verdoppeln. Präsident
Clinton hat das kürzlich mit den Worten anschaulich
illustriert, daß die Wissenschaftler 1980 neun Jahre
brauchten, um das Gen für cystische Fibrose zu
entdecken, aber letztes Jahr benötigten Wissenschaftler nur neun Tage zur Entdeckung des Gens,
das die Parkinsonsche Krankheit verursacht.
Aber ebenso wie die neue Offenheit und der Abbau
von Barrieren unsere Gesellschaften und Volkswirtschaften bereichern können, können diese neuen
Merkmale auch auf eine Weise genutzt werden, die
unseren demokratischen Gesellschaften schaden
kann. Die Technologie ließ sich stets schwer eindämmen; jetzt machen das Internet, der Hochleistungscomputer und das Modem ihre Verbreitung noch
leichter.
Wie die durch die Weigerung des Irak, das Inspektionsregime der Vereinten Nationen einzuhalten,
hervorgerufene Krise klarmachte, sind verbrecherische
Staaten und ihre Versuche zur Beschaffung von
Massenvernichtungswaffen sehr reale Bedrohungen.
Diese Staaten haben ihre Produktion vom konventionellen militärischen Truppenaufbau und den Bestrebungen zur Beschaffung einer Nuklearfähigkeit
erweitert. Jetzt streben sie chemische und biologische
Waffen sowie die Raketentechnologie für ihre Träger-

AMERIKA DIENST 05

systeme an. Die Verbreitung von einigen dieser
Bestandteile und Technologien - die auch für zivile
Zwecke genutzt werden können - machen die Bedrohung noch gefährlicher und die Aufgabe der
Exportkontrolle noch schwieriger.
Die Vereinigten Staaten verbessern angesichts der
sich verändernden internationalen Sicherheitslage ihre
Exportkontrollen weiterhin und arbeiten eng mit ihren
Partnern in den multilateralen Regimen zusammen, um
gemeinsame Praktiken zu gewährleisten, die zu
Stabilität und Frieden beitragen, ohne den rechtmäßigen Handel zu unterbinden. Exportkontrollen
entwickeln sich weiter, während wir bewerten, in
welchem Maße sie zu Nichtverbreitung und nationaler
Sicherheit beitragen. Sehr viel wird von der Arbeit in
den multilateralen Regimen und der Erarbeitung neuer
Gesetze abhängen.
Wir haben uns fest vorgenomen, den Einsatz von
Krankheitserregern als Waffe des Kriegs und Terrors
zu verhindern. Die Konvention über biologische
Waffen ist jetzt seit 23 Jahren in Kraft. Die Bestimmungen sind gut, aber die Durchsetzung ist unzureichend.
Wir müssen sie mit einem neuen internationalen
Inspektionssytem stärken, um Betrug aufzudecken und
abzuwenden.
Verbrecherische Staaten sind ein wichtiges Thema,
weil es auf eine zentrale Frage bei der Gestaltung
unserer transatlantischen Welt im nächsten Jahrhundert verweist. Die Geschichte belegt, daß die
Herausforderungen von außerhalb Europas zu den
schwierigsten zählten, die das Bündnis meistern
mußte. Wir würden unsere Vision jedoch drastisch
einschränken, wenn wir die gemeinsame Bewältigung
dieser globalen Themen nicht aufgreifen würden.
Das Kernprinzip lautet, daß verbrecherische Staaten
den gesamten Druck der internationalen Gemeinschaft
spüren müssen. Europa und die Vereinigten Staaten
haben die Verantwortung, diese Bestrebungen anzuführen.
Ich möchte aber auch die Rolle der neuen Demokratien bei der Unterstützung dieser Grundprinzipien
besonders hervorheben. Die Bürger dieser Staaten
haben unter unrechtmäßigen Systemen gelitten.
Tschechen, Polen, Ungarn und all diejenigen, die sich
gegen die kommunistische Tyrannei erhoben, wurden
auf eine andere Weise als die meisten von uns in die
Demokratie eingeführt. Als Mitglieder der euroatlantischen Gemeinschaft werden sie die Prinzipien
mit neuem Enthusiasmus unterstützen, für die wir - und
vor kurzem sie - eingetreten sind.
Wenn es heute noch irgendein anderes Hauptthema
gibt, nehme ich an, es ist, wie in so vielen unserer
Diskussionen, der Wandel. Wandel ist manchmal
erschreckend und schmerzlich. Er kann jedoch auch

Seite 3

�für neue Chancen und Synergien stehen. Dieser
Prozeß findet überall um uns herum statt, nicht nur in
spezifischen Wirtschaftssektoren wie der Rüstungsindustrie, sondern in unseren Gesellschaften insgesamt. So viele der Themen, die hier in Deutschland
in den Schlagzeilen sind, sind auch in den Vereinigten
Staaten in den Schlagzeilen: Rentenreform, Bildungsreform, Einwanderung, Privatisierung des Telekommunikationswesens - all das sind gemeinsame Herausforderungen.
Der Hauptgegenstand Ihrer Debatte heute war, wie
sich die amerikanische Wirtschaft von der schwierigen
Lage vor zehn Jahren erholt hat und welchen Einfluß
diese Veränderungen auf die amerikanische und auch
die europäische Rüstungsindustrie hatten. Ohne
Zweifel hat die Kürzung der Verteidigungsausgaben
als Reaktion auf das Ende des Kalten Kriegs zu
tiefgreifenden Veränderungen in der amerikanischen
Rüstungsindustrie geführt. In den vergangenen 13
Jahren hat die Rüstungsbeschaffung in den Vereinigten Staaten kontinuierlich abgenommen. Unternehmen, die auf der Höhe des Kalten Kriegs hohe
Gewinne erzielten, existieren heute überhaupt nicht
mehr. Es gibt jetzt - oder in Kürze - nur noch drei
Megarüstungsunternehmen in den Vereinigten Staaten.
Die sogenannte Revolution bei Geschäftspraktiken neue und innovative Wege, Geschäfte zu tätigen - geht
Hand in Hand mit dieser Konsolidierung. Beispielsweise haben alle fusionierten Unternehmen bei der
Vergabe von Verträgen der Rüstungsindustrie Teams
gebildet. Die Industrie ist flexibler geworden und kann
die Bedürfnisse der Kunden besser vorhersehen.
Auch die Regierung ist Teil dieses Prozesses. Aus
Vertretern der Regierung und der Industrie zusammengesetzte Teams wurden eingerichtet, um bessere
Wege zur Lösung von Problemen zu finden. Kosten
sind ein besonders wichtiges Element des Beschaffungsprozesses. Der herkömmliche Beschaffungsprozeß, bei dem Leistungsstandards festgesetzt
wurden, die eingehalten werden müssen, während
man die Kosten eskalieren läßt, ist nicht länger tragbar.
Beim Joint Strike Fighter Program wurden die Kosten
beispielsweise zu einer unabhängigen Variablen
erklärt. Das bedeutet, wenn bestimmte Kostengrenzen
überschritten werden, dann werden die Leistungserfordemisse modifiziert, um das Programm in seinem
Kostenrahmen zu halten. Der Kauf von kommerziellen
Standardgütern zur Erfüllung des Rüstungsbedarfs ist
eine weitere Kostensenkungsmaßnahme, die Auswirkungen auf kommerzielle Forschung und Entwicklung hatte.
Die US-Regierung fordert den besten Gegenwert für
den amerikanischen Steuerzahler. In einigen Fällen
bedeutet das den Kauf von im Ausland hergestellten
Systemen, wie zur Sonargerät-Kampfwertsteigerung

Seite 4

des SH-60-Hubschraubers Romeo der US-Marine
oder der AV-8B Harrier der US-Marineinfanteristen.
Darüber hinaus suchte die amerikanische Industrie
nach Möglichkeiten zur Kostenreduzierung durch das
Engagement auf dem internationalen Markt. In der
Vergangenheit haben die amerikanischen Firmen
manchmal darauf bestanden, der Hauptlieferant zu
sein. Heute beteiligen sie sich jedoch bereitwillig als
Subunternehmer an Projekten. Wie der Vertreter eines
führenden amerikanischen Rüstungsunternehmens
kommentierte: "Ich habe lieber 30 Prozent von etwas
als 100 Prozent von nichts."
Als Reaktion auf die unausgesprochene - und manchmal ausgesprochene - Angst vor dem amerikanischen
Gewicht in der globalen Rüstungsindustrie kann ich
entschieden sagen, daß es keinen Sinn machen
würde, europäische Unternehmen "zu schlucken". In
der heutigen Welt brauchen amerikanische Rüstungsunternehmen europäische Partner für den Zugang zum
europäischen Markt ebenso wie europäische Firmen
amerikanische Partner für den Zugang zu unserem
Rüstungsmarkt. Die Ausschaltung entscheidender
europäischer Partner liegt einfach nicht in unserem
Interesse. Was wir möchten, ist eine pulsierende
industrielle Basis in Europa, die mit amerikanischen
Partnern konkurriert und kooperiert. Wettbewerb hält
die Preise niedrig und paßt die Produkte an den Bedarf
unserer Regierungen an. Zusammenarbeit tut dasselbe.
Ein offener Dialog zwischen Regierungen und Industrie
ist unerläßlich. Er wird entscheidende Bedeutung
erhalten, wenn wir von speziellen Rüstungsunternehmen zu Unternehmen übergehen, die Mehrzweckprodukte mit militärischer Anwendung herstellen, die
"standardmäßig" zur Verfügung stehen. Das ist bereits
im wichtigsten Bereich von allen - der Informationstechnologie - der Fall.
Die umfassendere Perspektive ist natürlich, daß sich
die Vereinigten Staaten für Europas Position als
starker und konkurrenzfähiger Mitspieler in der
Weltwirtschaft engagieren, nicht nur in diesem Sektor,
sondern in allen Sektoren. Das ist sicherlich nichts
Neues. Neu ist der Kontext, in dem wir arbeiten und
leben. Aus diesem Grund ist es unerläßlich, daß wir
uns konstant daran erinnern, auf neue Weise zu
denken und alten Reflexen zu widerstehen.
Abschließend möchte ich sagen, ich bin optimistisch,
daß Deutschland und Amerika die Herausforderungen
meistern, von denen wir heute gehört haben und die
ich in meinen Ausführungen erwähnte. Der Wandel
birgt enorme Chancen. Ich bin zuversichtlich, daß
diejenigen von uns, die dieses Mal von Anfang an
dabei sind, die Art von weitblickenden und kreativen
Entscheidungen treffen werden, die unsere Vorgänger
fällten, und die uns so gut gedient haben.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 05

�WELTWIRTSCHAFT
11. März 1998

Wachsende Akzeptanz von
marktwirtschaftlichem Kapitalismus
Rede von Alan Greenspan

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung des Vorsitzenden des Zentralbankrats,
Alan Greenspan, vor dem Bewilligungsunterausschuß des Senats für Transaktionen im Ausland vom 3. März
1998.

Das globale Finanzsystem hat sich in den vergangenen Jahren rasch entwickelt. Neue Technologien
haben die Kosten von Kreditaufnahme und -vergäbe
über herkömmliche nationale Grenzen hinweg drastisch verringert und die Entwicklung neuer Instrumente sowie die Einbeziehung neuer Akteure erleichtert.
Informationen werden augenblicklich auf der ganzen
Welt übermittelt, und enorme Verlagerungen bei
Angebot und Nachfrage nach Finanzmitteln sind eine
natürliche Folge und führen zu einer massiven Zunahme der Kapitalflüsse.
Dieses aufstrebende globale System hat sich als
äußerst effiziente Struktur erwiesen, die den Handel
mitWaren und Dienstleistungen über Grenzen hinweg
beträchtlich erleichtert und entsprechend einen
maßgeblichen Beitrag zum Lebensstandard weltweit
leistet. Seine Effizienz deckt jede mögliche wirtschaftliche Unvorsichtigkeit rasch und entschieden auf
und bestraft sie. Bedauerlicherweise scheint es auch
die Übertragung von finanziellen Turbulenzen sehr viel
effektiver als je zuvor erleichtert zu haben.
Vor drei Jahren war die Krise in Mexiko die erste
dieser Episoden in Verbindung mit unserem neuen
hochtechnologischen internationalen Finanzsystem.
Die derzeitige Krise in Asien ist die zweite.
Wir verstehen die Dynamik des Systems noch nicht
ganz. Wir lernen schnell und müssen unsere Institutionen und Praktiken modernisieren und modifizieren, um die dem neuen System inhärenten Risiken zu
verringern. In der Zwischenzeit müssen wir die
derzeitige Krise mit den uns zur Verfügung stehenden
Institutionen und Techniken in Angriff nehmen.

AMERIKA DIENST 05

Viele argumentieren, die derzeitige Krise solle ohne
Unterstützung des internationalen Währungsfonds
(IWF) oder die bilaterale finanzielle Unterstützung
anderer Nationen ihren Lauf nehmen. Sie behaupten,
wenn man der Krise ihren Lauf läßt, hätte dies zweifelsohne zusätzliche negative Auswirkungen auf das
Wachstum in Asien und würde auf die übrige Welt
übergreifen, hätte jedoch wahrscheinlich keine großen
oder dauerhaften Auswirkungen auf die Vereinigten
Staaten und die Weltwirtschaft.
Ihrer Einschätzung nach könnte das sehr wohl zutreffen. Es gibt jedoch eine kleine aber nicht außer Acht
zu lassende Wahrscheinlichkeit, daß die Turbulenzen
in Asien unerwartet große negative Auswirkungen auf
Japan, Lateinamerika sowie Ost- und Zentraleuropa
und wiederum Rückwirkungen andernorts, einschließlich der Vereinigten Staaten, haben könnten. Obwohl
die Wahrscheinlichkeit eines solchen Resultats klein
sein mag, sollten ihre Konsequenzen dennoch meiner
Ansicht nach nicht ausschließlich dem Zufall überlassen bleiben. Wir haben beobachtet, daß globale
Finanzmärkte, so wie sie zur Zeit organisiert sind, nicht
immer das angemessene Gleichgewicht erzielen oder
zumindest Zeit zur Stabilisierung benötigen.
Gegner der IWF-Unterstützung von Mitgliedstaaten mit
internationalen Finanzschwierigkeiten argumentieren
ferner, daß eine so beträchtliche finanzielle Unterstützung übermäßige Risiken ermutigen könnte, indem sie
die Verluste unkluger Investoren auffängt. Das trifft
zweifelsohne in gewissem Maße zu, obwohl möglicherweise die Erwartung staatlicher Unterstützung
ihrer Finanzsysteme der offenkundigere Sündenbock
ist - zumindest im Fall Asien. Jedenfalls wurden alle
Erwartungen umfassender
Sicherheitsleistungen

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�enttäuscht. Viele, wenn nicht sogar die meisten
Investoren in den asiatischen Volkswirtschaften haben
bis heute beträchtliche Verluste erlitten. Schätzungen
zufolge belaufen sich die Verluste bei Anteilsrechten in
Asien mit Ausnahme japanischer Unternehmen von
Juni 1997 bis Ende Januar 1998 weltweit auf über 700
Milliarden Dollar, von denen mehr als 30 Milliarden
Dollar von amerikanischen Investoren verloren
wurden. Beträchtliche weitere Verluste wurden bei
Wertpapieren und Immobilien verzeichnet.
Darüber hinaus trägt die Bindung der IWF-Kreditvergabe an politische Bedingungen, die Wirtschaftsund Finanzdisziplin sowie Strukturwandel vorschreiben, dazu bei, einige der unzumutbaren Risiken
abzumildern. Solche Bedingungen sind auch entscheidend für den Erfolg der allgemeinen Stabilisierungsbestrebungen. Die Wurzel des Problems ist
schlechte Öffentlichkeitsarbeit, die zu fehlgeleiteten
Investitionen und sehr schwachen Finanzsektoren
geführt hat. Eine souveräne Nation zur Veränderung
ihrer destruktiven Politik zu veranlassen, die ihre
eigene Leistung beeinträchtigt und auch ihre Nachbarn
zu schädigen droht, ist eine Aufgabe, die am besten
von einer internationalen Finanzinstitution wie dem
IWF erfüllt werden kann. Die uns heute zur Verfügung
stehenden Instrumente zur Krisenbewältigung sollten
weiterentwickelt werden, während wir an der Verbesserung dieser Mechanismen und Institutionen
arbeiten.
Einige Beobachter haben auch die besorgte Frage
gestellt, ob wir sicher sein können, daß IWF-Programme für bestimmte Länder, insbesondere die ostasiatischen, zu einer entscheidenden und dauerhaften
Veränderung der Volkswirtschaften dieser Länder
führen werden. Meines Erachtens erhöht die derzeitige Finanzkrise in Asien unter anderem das
Bewußtsein in der Region, daß marktwirtschaftlicher
Kapitalismus, wie er im Westen und insbesondere in
den Vereinigten Staaten praktiziert wird, das beste
Modell ist; das heißt, daß er mehr Aussichten auf
steigenden Lebensstandard und kontinuierliches
Wachstum bietet.
Obwohl die ostasiatischen Volkswirtschaften viele
Aspekte der freien Marktwirtschaft und des Kapitalismus befürworten, gibt es dennoch eine ausgeprägte
Tendenz zu staatlich gelenkten Investitionen, zu deren
Finanzierung das Bankensystem eingesetzt wird.
Angesichts von nahezu 10-prozentigen jährlichen
realen Wachstumsraten über einen längeren Zeitraum
hinweg ist es nicht erstaunlich, daß es schwierig ist,
irgend jemanden zu überzeugen, daß das in Ostasien
praktizierte Wirtschaftssystem nicht unendlich lange
positive Ergebnisse zeitigen kann. Nach dem Zusammenbruch machte sich in der Region das Bewußtsein breit, das bei manchen fast einen Schock auslöste, daß ihr Wirtschaftsmodell bestenfalls unvollständig ist.

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Folglich sind viele führende Politiker dieser Länder und
ihre Wirtschaftsberater bestrebt, ihre Volkswirtschaften
schneller der Art von Wirtschaftssystem anzunähern,
das wir in den Vereinigten Staaten haben. Was immer
man über die politischen Ratschläge des IWF in der
Vergangenheit sagen kann, er versucht jetzt, in diesem
Prozeß eine entscheidende Rolle zu übernehmen und
gibt Ratschläge und Anreize zur Förderung solider
Währungspolitik und langfristiger Stabilität.
Der
derzeitige Ansatz des IWF in Asien unterstützt voll und
ganz die Ansichten von Vertretern des Westens, die
um die Bedeutung von Bestrebungen wissen, vermehrt
auf die Kräfte des Marktes zurückzugreifen, staatliche
Kontrollen zu verringern, staatlich gelenkte Investitionen zurückzuschrauben und mehr Transparenz zu
fördern - die Offenlegung aller Daten, die für die
Aktivitäten der Zentralbank, der Regierung, der
Finanzinstitutionen und der Privatwirtschaft wichtig
sind.
Die Frage ist berechtigt, wie lange dieser Übergang
zum marktwirtschaftlichen Kapitalismus in allen
Einzelheiten in den Ländern dauern wird, wenn erst die
vorübergehende Unterstützung des IWF nicht mehr
notwendig ist.
Schließlich sind dies souveräne
Nationen mit einer langen Tradition, die nicht immer mit
Marktwirtschaft und Kapitalismus vereinbar ist. Es gibt
keine Garantien, aber ich habe den Eindruck, daß
Verständnis für die Vorteile von marktwirtschaftlichem
Kapitalismus, wie wir ihn praktizieren, und seine
Anerkennung wachsen - daß die in den IWF-Programmen enthaltenen Bestimmungen den Eigeninteressen
dieser Länder dienen.
Der koreanische Präsident, der gerade erst sein Amt
angetreten hat, ist sich - soweit ich das beurteilen kann
- der Fehler im koreanischen System bewußt, die zur
Krise seines Landes beigetragen haben. Er scheint
sich entschlossen dafür einzusetzen, Volkwirtschaft
und Gesellschaft seines Landes in Richtung freierer
Märkte und einer flexibleren Wirtschaft zu bewegen.
Bei diesen Bestrebungen haben er und andere
gleichgesinnte Politiker in der Region die Unterstützungzahlreicherjunger Menschen, von denen viele im
Westen ausgebildet wurden, die die Vorteile des
marktwirtschaftlichen Kapitalismus sehen und bald in
Führungspositionen kommen werden.
Vor diesem Hintergrund unterstütze ich voll und ganz
den Antrag der Administration zur Aufstockung der
Finanzmittel des IWF durch die möglichst schnelle
Zustimmung zur Beteiligung der Vereinigten Staaten an den neuen Kreditvergabevereinbarungen sowie
eine Erhöhung der amerikanischen Quote im IWF.
Weder das eine noch das andere werden sich hoffentlich als nötig erweisen, und es werden hoffentlich keine
Gelder in Anspruch genommen. Es ist jedoch besser,
sie bereitzustellen, falls sich eine schnelle Reaktion auf
eine bevorstehende Krise als notwendig erweisen
sollte.

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�FRAUEN
11. März 1998

Programme zur Förderung der Frau
Übersicht des Amts für internationale Entwicklung

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 4. März 1998 vom Direktor des Amts für
internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) aus Anlaß des internationalen Tags der
Frau herausgegebene Übersicht über die Programme von AID zur Verbesserung der Lage der Frau in acht
Ländern.

AID-Programme fördern Frauen weltweit
Die Vereinigten Staaten setzen sich für die Verbesserung des Status von Frauen und Mädchen in
Entwicklungsländern ein und werden das auch
weiterhin tun. Die Vereinigten Staaten haben durch
AID im gesamten Spektrum der Entwicklungshilfe auf
Gebieten wie Bildung und Ausbildung, Verleihung von
mehr wirtschaftlichen und sozialen Befugnissen,
Gesundheit von Müttern und Bekämpfung der Kindersterblichkeit Programme finanziert, die Frauen in den
ärmsten Teilen der Welt die Chance geben, ein
längeres, gesunderes und wirtschaftlich erträglicheres
Leben zu führen.
Bildung für Frauen und Mädchen
Im März 1995 gab First Lady Hillary Rodham Clinton
die Bildungsinitiative des Amts für internationale
Entwicklung für Mädchen und Frauen bekannt. Dieses
Programm wird in den kommenden Jahren große
Auswirkungen auf zukünftige Generationen haben.
Bildung verleiht Frauen mehr Befugnisse, erhöht ihr
potentielles Einkommen und versetzt sie in die Lage,
bessere Familienplanung zu betreiben. Die Kinder
gebildeter Mütter haben eine größere Überlebenschance, sind gesünder und haben eine höhere
Wahrscheinlichkeit, die Schule abzuschließen insbesondere Mädchen. 70 Prozent aller Analphabeten weltweit sind Frauen. Die Bildungsprojekte von
AID unterstützen wirksame Strategien zur Verbesserung der Schulausbildung von Mädchen, einschließlich
Stipendien für Mädchen, zur Bereitstellung örtlicher
Schulen durch die Gemeinden, Ausbildung von
Lehrern, Einstellung von Lehrerinnen und zielen darauf

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ab, die Besorgnis der Eltern über die Sicherheit von
Mädchen in der Schule zu zerstreuen.
In Nepal, einem der ärmsten Länder der Welt,
beträgt die Analphabetenrate 60 Prozent.
1991 konnten 22 Prozent der Frauen dort
lesen und schreiben. Mit Hilfe verschiedener,
von AID veranstalteter Kurse für Frauen in
ländlichen Gebieten haben seit 1991 260.000
Frauen lesen und schreiben gelernt - ein
Anstieg auf 32 Prozent, Tendenz steigend.
In Malawi unterstützte AID 1993 soziale
Mobilisierungskampagnen und die Abschaffung des Schulgelds, was zu einem Anstieg
des Schulbesuchs von Mädchen von 55
Prozent im Jahr 1992 auf 95 Prozent 1995
führte.
In Bangladesch stellte AID 6.000 Stipendien
für Mädchen an weiterführenden Schulen zur
Verfügung. Innerhalb von drei Jahren stieg
die Einschulung von Mädchen um nahezu 60
Prozent, und die Zahl der Schulabbrecherinnen sank innerhalb von fünf Jahren von 15
auf 3,5 Prozent.
Wirtschaftliche Befugnisse
Wenn Frauen die Chance zum Geldverdienen erhalten, hat ihr Einkommen enorme Vorteile für die ganze
Familie. Das Einkommen der Frau wird oft in Gesundheit und Bildung ihrer Kinder investiert, was diesen ein
besseres Leben ermöglicht. Das AI D-Programm für
Kleinbetriebe stellt sehr kleine Darlehen für einzelne,

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�meistens weibliche Unternehmer zur Verfügung - der
durchschnittliche Umfang 1996 betrug 309 Dollar.
1997 stellte AID 310 Kleinbanken in 28 Ländern mit
mehr als fünf Millionen Kunden 140 Millionen Dollar zur
Verfügung - mehr als jeder andere bilaterale Geber auf
der Welt.
Die Rakyat-Bank in Indonesien verwaltet
derzeit 13 Millionen Sparbücher und hat zwei
Millionen Kreditnehmer - die Mehrheit sind
Frauen, die jeweils weniger als 500 Dollar
ausleihen.
Zwischen 1994 und 1996 wurden in Südafrika
50.340 Darlehen an Kleinunternehmen vergeben. Die Investitionen von AID in Höhe von
3,5 Millionen Dollar setzten Mittel des Privatsektors im Umfang von 7 Millionen Dollar
frei, und mehr als 1.000 Geschäftsdarlehen
wurden ausgelegt.
In Bangladesch kamen 162.000 Frauen in
Form von Krediten, Ausbildung und technischer Hilfe für die Aktivitäten ihrer Kleinunternehmen in den Genuß des Projekts für
die Entwicklung der von Frauen geleiteten
Unternehmen. 1994, nach nur drei Jahren,
bediente BancoSol 305.000 Kunden - meistens Inderinnen - mit Krediten von durchschnittlich 400 Dollar. Die Bank vergibt jeden
Monat mehr Darlehen als die übrigen bolivianischen Banken zusammengenommen.
Die 1996 von AID unterstützten Programme
zur Förderung von Kleinunternehmen hatten
weltweit eine Rückzahlungsrate der Darlehen
von 95 Prozent.
Gesundheit von Müttern und Bekämpfung der
Kindersterblichkeit. Die Gesundheit von Müttern und
Kindern ist eng miteinander verbunden. Wenn eine
Frau während der Geburt oder kurz danach stirbt, sind
die Überlebenschancen ihres Babys und anderer
kleiner Kinder geringer. Seit über drei Jahrzehnten
haben die Familienplanungs- und Gesundheitsprojekte
von AID einen dramatischen Unterschied im Leben
von Millionen Frauen und Kindern auf der ganzen Welt
bewirkt. Heute wird aufgrund der lebensrettenden
Gesundheitsdienste von AID jährlich der Tod von über
vier Millionen Babys und Kindern verhindert.
In den sechziger Jahren war ein einfacher Fall
von Diarrhöe eine Hauptursache für Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern. Die
Entwicklung und der Einsatz der oralen Rehydrationstherapie allein rettet jedes Jahr das
Leben von Millionen Kindern, und sie wird als
einer der wichtigsten medizinischen Fortschritte des Jahrhunderts angesehen.

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Vor zwanzig Jahren waren weniger als fünf
Prozent der Kinder aus den Entwicklungsländern gegen Masern, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Tuberkulose geimpft. Dank des AI D-Programms zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit sind heute über 80
Prozent der Kinder weltweit gegen diese durch
Impfung zu verhindernden Krankheiten geschützt.
Dank AID und anderer Geldgeber traten seit
1977 keine Fälle von Pocken mehr auf. Heute
sparen die Amerikaner 200 Millionen Dollar
jährlich, weil Kinder nicht mehr gegen die
Krankheit geimpft werden müssen. AID und
andere Geldgeber haben sich zum Ziel gesetzt, Kinderlähmung bis zum Jahr 2000
auszurotten. Sobald dieses Ziel erreicht ist,
müssen amerikanische Kinder nicht mehr
gegen Polio geimpft werden, wodurch ihre
Familien 230 Millionen Dollar jährlich sparen.
Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion
gab es praktisch keine Familienplanung für
sowjetische Ehepaare, und Abtreibung war
das Mittel der Familienplanung, wobei viele
Frauen mehrere Abtreibungen in ihrem Leben
hatten. Die Familienplanungsprogramme von
AID haben in den ehemaligen Sowjetrepubliken eine Vielzahl von freiwilligen Familienplanungsdiensten eingerichtet und die Zahl
von Abtreibungen erheblich reduziert. In
Kasachstan, Kirgistan, Turkmenistan und
Usbekistan allein benutzten von 1993 bis
1994 50 Prozent mehr Frauern erstmals
Kontrazeptiva, und die Zahl der Abtreibungen
fiel im gleichen Zeitraum um 30 Prozent.
Demokratie und Regierungsführung. Bei der 4.
Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen gab die
damalige Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Madeleine Albright, eine neue
Initiative von AID bekannt. Die AID-Initiative "Politische
Beteiligung und verfassungsmäßige Rechte der
Frauen" spricht wichtige Probleme an, die Frauen von
der vollständigen Beteiligung an demokratischen
Regierungen abhalten und gewährleistet, daß ihr
rechtlicher Status dem der Männer in ihren Gesellschaften gleichgestellt ist.
In Nepal unterstützte eine Gruppe von Frauenorganisationen, die im Rahmen dieser
Initiative Ausbildung durch AID erhalten
hatte.eine verfassungsmäßige Anfechtung des
Erbrechts im Obersten Gericht des Königreichs. Einer der Hauptgründe für die andauernde Armut der Frauen in Nepal ist die
Tatsche, daß sie kein Eigentum erben können.
Als das Gericht das Gesetz für ungültig er-

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�klärte und die Verabschiedung eines neuen
anordnete, hatten sie ihren Kampf gewonnen.
In der Mongolei erklärten zwei der fünf neuen
weiblichen Abgeordneten des Parlaments, ihre
Entscheidung, für das Amt zu kandidieren,
stehe in direktem Zusammenhang mit ihren
bei einem AID-Workshop gemachten Erfahrungen über die Schärfung des politischen
Bewußtseins von Frauen. Alle sieben weiblichen Abgeordneten des Parlaments gehören
einer bei dem Workshop gegründeten überparteilichen Koalition an.

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In Bangladesch wurde über drei Millionen in
Frage kommenden Wählerinnen grundlegende Wahlerziehung vermittelt, was zu einer
Beteiligung von 77 Prozent der in Frage
kommenden Wählerinnen bei den Wahlen des
Landes führte - ihre Wahlbeteiligung lag damit
höher als die der Männer. Das AID-Wahlerziehungsprojekt kostet weniger als einen
Pfennig pro Wähler.

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