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                  <text>Amerikadienst&#13;
&#13;
Herausgeben U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
'OtfS^hßt'j-&#13;
&#13;
03&#13;
&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
HAUSHALT&#13;
&#13;
DER HAUSHALTSBERICHT DES&#13;
PRÄSIDENTEN&#13;
Etat für 1999 baut auf bisherigen Programmen auf&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
DAS NEUE EUROPA&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
DIE EUROATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
EINE EINZIGARTIGE PARTNERSCHAFT&#13;
von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
DEUTSCHLAND UND AMERIKA: ALTE&#13;
FREUNDE VOR NEUEN HERAUSFORDERUNGEN&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
SUMMERS FORDERT REAKTION AUF&#13;
ASIATISCHE FINANZKRISE&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�HAUSHALT&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Der Haushaltsbericht des Präsidenten&#13;
Etat für 1999 baut auf bisherigen Programmen auf&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Haushaltsbericht des Präsidenten, den er dem&#13;
Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika am 2. Februar 1999 vorgelegt hat.&#13;
&#13;
Der Etat für 1999, den ich Ihnen zusammen mit diesem&#13;
Bericht vorlege, ist ein ausgeglichener Bundeshaushalt. Es ist der erste ausgeglichene Haushalt seit 30&#13;
Jahren, der eine Ära explodierender Defizite beendet.&#13;
Durch diesen Ausgleich stellt mein Haushalt eine&#13;
bemerkenswerte Kehrtwendung in unserer Haushaltspolitik der vergangenen fünf Jahre dar. Er beendet&#13;
drei Jahrzehnte des Steuerchaos - eine Periode, in der&#13;
die Amerikaner das Vertrauen in ihre Regierung und&#13;
die Fähigkeit ihrer Politiker verloren hatten, die&#13;
Geschäfte des Volkes zu führen.&#13;
Dieser Haushalt ist nicht nur ausgeglichen - er ist in&#13;
der richtigen Weise ausgeglichen. Er beendet nicht&#13;
nur das Defizit - er spiegelt die Werte wider, die&#13;
Amerikaner schätzen: Chancen, Verantwortungsbewußtsein und Gemeinschaft. Der Haushalt spiegelt&#13;
meine Verpflichtung zu weiterer Hilfe für Arbeitnehmerfamilien bei ihren Grunderfordernissen wider - ihre&#13;
Kinder großzuziehen, sie aufs College zu schicken und&#13;
die Krankenversicherung zu bezahlen.&#13;
Der Haushalt investiert in Bildung, Ausbildung und&#13;
Forschung, um den Lebensstandard für den Durchschnittsamerikaner zu erhöhen. Er investiert in die&#13;
Umwelt und Strafverfolgung, um die Lebensqualität in&#13;
unserer gesamten Nation zu erhöhen. Er investiert in&#13;
unsere Gemeinden zu Hause und stellt gleichzeitig die&#13;
Mittel für eine starke Verteidigung und die Pflege der&#13;
internationalen Beziehungen bereit, die für unsere&#13;
Zukunft so wichtig geworden sind.&#13;
Im öffentlichen und im Privatsektor bringen die Aussichten auf einen Haushaltsüberschuß ein breites&#13;
Spektrum von Ideen darüber hervor, wie dieser&#13;
ausgegeben werden kann.&#13;
Zum gegenwärtigen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Zeitpunkt hat die Regierung den Meilenstein des&#13;
Überschusses noch nicht erreicht, und ich bin weiterhin der festen Überzeugung, daß wir einen Überschuß&#13;
nicht ausgeben sollten, den wir noch nicht erwirtschaftet haben.&#13;
Konkret gesagt, finde ich, daß es keinen Grund gibt,&#13;
aus dem die Administration und der Kongreß einen&#13;
Haushaltsüberschuß ausgeben sollten, bis wir eine&#13;
Lösung für das langfristige Finanzierungsproblem bei&#13;
der Sozialversicherung haben. Vor diesem Hintergrund schlägt mein Haushalt eine Rücklage der für&#13;
1999 und darüber hinaus prognostizierten Überschüsse vor.&#13;
Vorbereitung der Nation auf ein neues amerikanisches Jahrhundert&#13;
Vor fünf Jahren trat meine Administration ihr Amt mit&#13;
der Entschlossenheit an, den Amerikanischen Traum&#13;
für jeden Amerikaner wiederherzustellen. Wir waren&#13;
entschlossen, einen Konjunkturumschwung herbeizuführen, einen Haushalt zu zügeln, der außer Kontrolle geraten war und eine Regierung zu schaffen, die&#13;
sich wieder auf ihre Kunden - das amerikanische Volk konzentriert.&#13;
Fünf Jahre später haben wir enorme Fortschritte&#13;
erzielt. Unsere Wirtschaft ist stark, unser Haushalt ist&#13;
auf einen Ausgleich ausgerichtet, und unsere Regierung macht bemerkenswerte Fortschritte dabei, den&#13;
Amerikanern bessere Dienstleistungen anzubieten.&#13;
Wir beginnen, die Amerikaner wieder zusammenzubringen und das soziale Gefüge zu reparieren, das&#13;
in den letzten Jahrzehnten stark strapaziert wurde. In&#13;
ganz Amerika sind die Verbrechensrate, die Armut und&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die Zahl der Sozialhilfeempfänger gesunken. Die&#13;
Einkommen steigen auf allen Ebenen, und ein neuer&#13;
Optimismus macht sich in vielen unserer städtischen&#13;
und ländlichen Gemeinden breit, die auf Jahrzehnte&#13;
verlorener Arbeitsplätze und verlorener Hoffnung&#13;
zurückblicken.&#13;
Jetzt, da wir einen Konjunkturumschwung herbeigeführt haben, besteht unsere Aufgabe in der Ausdehnung der Vorteile unseres wirtschaftlichen Wohlergehens auf mehr Amerikaner um sicherzustellen,&#13;
daß jeder Amerikaner die Chance hat, seine Träume&#13;
zu verwirklichen. Während wir als Nation voller&#13;
Vertrauen Fortschritte machen, wollen wir gewährleisten, daß niemand zurückgelassen wird.&#13;
Vor einen Jahrhundert verlagerte sich die Wirtschaft&#13;
von der Landwirtschaft auf den Fertigungsbereich und&#13;
veränderte die Art, in der die Amerikaner lebten,&#13;
arbeiteten und miteinander umgingen. Heute verlagert&#13;
sich die Wirtschaft erneut - dieses Mal von der Fertigung zu Dienstleistungen, Information, Technologie&#13;
und globalem Handel.&#13;
Wir können sicherstellen, daß jeder Amerikaner sich&#13;
der Vorteile dieses aufregenden neuen Zeitalters&#13;
erfreut, aber nur, wenn wir weiterhin den Menschen die&#13;
erforderlichen Instrumente an die Hand geben und die&#13;
Bedingungen schaffen, unter denen sie prosperieren&#13;
können. Darauf ist mein Haushalt ausgerichtet.&#13;
Schaffung einer vielversprechenden wirtschaftlichen Zukunft&#13;
Als meine Administration ihr Amt antrat, steckte die&#13;
Nation in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.&#13;
Die&#13;
Wirtschaft war vier Jahre lang kaum gewachsen und&#13;
hatte wenig Arbeitsplätze geschaffen. Die Zinssätze&#13;
waren hoch. Die Einkommen stagnierten bei allen mit&#13;
Ausnahme der Wohlhabendsten. Das Haushaltsdefizit, das Anfang der achtziger Jahre explosionsartig&#13;
zugenommen hatte, erreichte eine Rekordhöhe von&#13;
290 Milliarden Dollar, Tendenz steigend. Die Nation&#13;
benötigte eindeutig einen neuen Kurs.&#13;
Wir leiteten eine Wirtschaftspolitik mit drei zentralen&#13;
Merkmalen in die Wege, die nie zuvor zusammen&#13;
ausprobiert worden waren: Wir machten uns daran,&#13;
das Defizit zu reduzieren, in das amerikanische Volk&#13;
zu investieren und Märkte im Ausland zu öffnen. Nur&#13;
indem wir alle drei Elemente umsetzten, konnten wir&#13;
die Wirtschaft wiederbeleben und für die Zukunft&#13;
Vorsorge tragen.&#13;
Mein Haushaltsplan für 1993, das Kernstück unserer&#13;
Wirtschaftsstrategie, war ein ausgewogener Plan, der&#13;
Hunderte Milliarden Dollar an Ausgaben des Bundes&#13;
kürzte und gleichzeitig die Einkommensteuer nur für&#13;
1,2 Prozent der Amerikaner mit Spitzeneinkommen&#13;
erhöhte. Durch die Kürzung unnötiger und weniger&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
wichtiger Ausgaben erhielten wir die Mittel zu Steuersenkungen für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien und&#13;
investierten gleichzeitig in Bildung und Ausbildung, die&#13;
Umwelt und andere Prioritäten.&#13;
Fünf Jahre später haben wir das Defizit drastisch&#13;
gesenkt, und dieser Haushalt wird die Arbeit beenden,&#13;
indem er einen Ausgleich herstellt und den Haushalt in&#13;
absehbarer Zukunft ausgeglichen hält. Wir haben in&#13;
die Bildung und Qualifikationen unserer Menschen&#13;
investiert und ihnen die erforderlichen Instrumente&#13;
gegeben, um ihre Kinder großzuziehen und einen&#13;
guten Arbeitsplatz in einer zunehmend konkurrierenden Wirtschaft zu finden. Wir haben den Handel durch&#13;
globale und bilaterale Abkommen erweitert und&#13;
Exporte in Rekordhöhe erzielt, die hochbezahlte&#13;
Arbeitsplätze für Millionen Amerikaner schaffen.&#13;
Die Wirtschaft hat fast sofort auf unsere Maßnahmen&#13;
reagiert. Als ich meinen Haushaltsplan für 1993&#13;
bekanntgab, fielen die Zinssätze, und sie fielen noch&#13;
weiter, als ich mit dem Kongreß zusammen erfolgreich&#13;
auf die gesetzliche Verankerung des Plans hinarbeitete. Diese niedrigeren Zinssätze halfen, das&#13;
stetige Wirtschaftswachstum und die hohen betrieblichen Investitionen anzukurbeln, deren wir uns in den&#13;
vergangenen fünf Jahren erfreuten. Unsere Maßnahmen haben zur Schaffung von über 14 Millionen&#13;
Arbeitsplätzen beigetragen, während die Zinssätze&#13;
niedrig blieben und die Inflation unter Kontrolle gehalten wurde.&#13;
Während wir Fortschritte machen, bin ich entschlossen&#13;
sicherzustellen, daß wir die funktionierenden Maßnahmen beibehalten. Wir müssen weiterhin haushaltspolitische Disziplin üben, damit wir nicht nur einen&#13;
Haushaltsausgleich erzielen, sondern den Haushalt&#13;
auch ausgeglichen halten.&#13;
Verbesserung der Leistung durch besseres Management&#13;
Wir gleichen den Haushalt auf richtige Weise aus,&#13;
indem wir die Größe und den Umfang unserer Regierung verringern.&#13;
Wir haben mehr getan als nur Hunderte von Programmen und Projekten des Bundes abzuschaffen. Wir&#13;
haben die Stellen für zivile Mitarbeiter der Bundesbehörden um über 316.000 gekürzt und haben damit die&#13;
kleinste Zahl von Mitarbeitern seit 35 Jahren. Als&#13;
Prozentsatz unserer Gesamtbeschäftigung im zivilen&#13;
Bereich haben wir in der Tat die kleinste Belegschaft&#13;
seit 1931.&#13;
Aber wir wollten mehr als nur die Regierung zu&#13;
verkleinern. Unter der Leitung des Vizepräsidenten&#13;
führten wir eine nationale Leistungsüberprüfung durch,&#13;
haben die Arbeitsweise unserer Regierung verbessert&#13;
und eine Regierung geschaffen, die effizienter und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�effektiver ist - eine Regierung, die sich auf ihre Kunden, das amerikanische Volk, konzentriert.&#13;
Wir haben echte Fortschritte erzielt, aber wir müssen&#13;
noch sehr viel tun. Wir haben Teile der Ministerien und&#13;
Behörden umstrukturiert, aber jetzt sind wir entschlossen, unsere Behörden von Grund auf umzukrempeln. Für das Jahr 1999 wird der Vizepräsident&#13;
Bestrebungen zur Verbesserung der Leistung der&#13;
Behörden leiten, die am meisten mit dem amerikanischen Volk zu tun haben. Wir möchten, daß die&#13;
Amerikaner nicht nur schnell bessere Dienstleistungen&#13;
unserer Regierung erhalten, sondern auch das&#13;
Vertrauen in die Regierung wiedergewinnen.&#13;
Gleichzeitig bin ich entschlossen, daß wir die uns&#13;
konfrontierende reale Herausforderung an die Verwaltung meistern. Ein gutes Beispiel ist die Herausforderung zu gewährleisten, daß unsere Computersysteme die Zeitumstellung auf das Jahr 2000 richtig&#13;
bearbeiten. Ich habe meine Administration angewiesen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das&#13;
Problem frontal in Angriff zu nehmen.&#13;
Vorbereitung auf das 21. Jahrhundert&#13;
Nichts ist wichtiger für unsere Zukunft als Bildung. Sie&#13;
ist zur Trennlinie zwischen denen geworden, die&#13;
vorankommen, und denen, die hinterherhinken. Aus&#13;
diesem Grund habe ich so große Anstrengungen&#13;
unternommen um sicherzustellen, daß wir ein&#13;
Bildungs- und Ausbildungssystem von Weltklasse für&#13;
alle Amerikaner haben. In den letzten fünf Jahren&#13;
haben wir hart gearbeitet um zu gewährleisten, daß&#13;
jeder Junge und jedes Mädchen bereit ist zu lernen,&#13;
daß unsere Schulen sich auf hohe Standards und&#13;
Leistung konzentrieren, daß jeder, der aufs College&#13;
gehen möchte, die finanzielle Hilfe für den Collegebesuch erhält, und daß diejenigen, die eine zweite&#13;
Chance in der Bildung oder Ausbildung oder eine&#13;
Chance zur Verbesserung oder Erlernung neuer&#13;
Qualifikationen benötigen, diese erhalten.&#13;
Mein&#13;
Haushalt sieht eine beträchtliche Aufstockung der&#13;
Mittel für Kinder vor, insbesondere die in den ärmsten&#13;
Gemeinden, damit sie hohe akademische Standards&#13;
erreichen, und macht weitere Fortschritte bei der&#13;
Einführung landesweiter freiwilliger Tests. Er schlägt&#13;
den Bau weiterer Klassenzimmer und die Einstellung&#13;
von weiteren 100.000 Lehrern vor, damit wir die&#13;
Klassen verkleinern können. Für weiterführende Ausund Fortbildung sieht mein Haushalt eine Zunahme der&#13;
Pell- und anderer College-Stipendien vor, obwohl wir&#13;
bereits eine Rekordhöhe erreicht haben; er erweitert&#13;
das Programm "Arbeit für Studiengebühren" auf eine&#13;
Rekordzahl von einer Million Studenten; verbessert die&#13;
Kreditvergabe, senkt die Gebühren für Studenten und&#13;
erweitert den Zugang zu Arbeitvermittlungen, Ausbildung und damit in Zusammenhang stehenden&#13;
Dienstleistungen für umgesetzte Arbeitnehmer und&#13;
andere. Jetzt kann jeder, der ein College besuchen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
möchte, die Mittel dafür über ein HOPE-, ein PellStipendium und andere Hilfsprogramme erhalten, an&#13;
deren Verabschiedung wir so hart gearbeitet haben.&#13;
Ich möchte denjenigen dieselben universellen Chancen für berufliche Ausbildung und Umschulung bieten,&#13;
die sie benötigen.&#13;
In den vergangenen fünf Jahren haben wir hart&#13;
gearbeitet, um Arbeitnehmerfamilien zu helfen. Wir&#13;
haben die Steuern für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien gesenkt; einen Steuerfreibetrag eingeführt, um&#13;
Familien behilflich zu sein, ihre Kinder großzuziehen;&#13;
sichergestellt, daß 25 Millionen Amerikaner pro Jahr&#13;
ihren Arbeitsplatz wechseln können, ohne ihre Krankenversicherung zu verlieren; es für Selbständige und&#13;
Menschen mit einer medizinischen Vorgeschichte&#13;
leichter gemacht, in eine Krankenversicherung aufgenommen zu werden; Krankenversicherungsschutz für&#13;
bis zu fünf Millionen unversicherter Kinder bereitgestellt; den Mindestlohn angehoben und die garantierte Möglichkeit freizunehmen für Arbeitnehmer eingeführt, die sich um ein Neugeborenes oder die Gesundheitsprobleme eines Familienangehörigen kümmern&#13;
müssen. Ich bin entschlossen, mit meiner neuen&#13;
Kinderbetreuungsinitiative die Hilfe bereitzustellen, die&#13;
Familien benötigen, wenn sie sichere, hochqualifizierte&#13;
und finanzierbare Kindertagesstätten benötigen. Die&#13;
Eltern sollten wissen, daß ihre Kinder in einem sicheren, gesunden Umfeld sind, wenn sie zur Arbeit gehen.&#13;
Ich schlage ferner vor, die Probleme anzugehen,&#13;
denen sich eine besondere Gruppe von Arbeitnehmerfamilien ausgesetzt sieht - legale Einwanderer. Als ich&#13;
der Sozialreform von 1996 Gesetzeskraft verlieh, sagte&#13;
ich, ich würde versuchen, die Kürzung der Leistungen&#13;
für legale Einwanderer wieder rückgängig zu machen,&#13;
die nicht nur hart und unnötig waren, sondern auch&#13;
nichts mit dem grundlegenden Ziel der Sozialreform zu&#13;
tun hatten - Menschen von der Sozialhilfe unabhängig&#13;
zu machen, indem sie arbeiten gehen und gleichzeitig&#13;
ihre Kinder zu schützen. Mein Haushalt führt Lebensmittelmarken für 730.000 legale Einwanderer wieder&#13;
ein und erlaubt den Bundestaaten, eine Krankenversicherung für die Kinder von legalen Einwanderern&#13;
anzubieten.&#13;
Vergangenes Jahr verbesserten wir die Gesundheitsfürsorge für Millionen von Amerikanern. Wir stärkten&#13;
Medicare durch die Verlängerung des Treuhandfonds&#13;
bis mindestens 2010, während wir gleichzeitig in&#13;
Präventionshilfen investierten, die Wahlmöglichkeiten&#13;
bei Krankenversicherungen verbesserten und das&#13;
Spektrum unserer Aktivitäten zur Bekämpfung von&#13;
Betrug und Mißbrauch vergrößerten. Wir weiteten die&#13;
Gesundheitsfürsorge auf bis zu fünf Millionen nicht&#13;
krankenversicherte Kinder aus. Wir gründeten den&#13;
Beratungsausschuß für Verbraucherschutz und&#13;
Qualität bei der Gesundheitsfürsorge und unterstützten&#13;
später dessen Gesetzentwurf für den Schutz der&#13;
medizinischen Versorgung der Verbraucher.&#13;
Mit&#13;
diesem Haushalt schlage ich vor, daß wir an vielen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�wichtigen Fronten auf unseren bisherigen Leistungen&#13;
aufbauen. Ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um ein überparteiliches nationales Rauchergesetz zu erlassen. Nichts ist wichtiger für die Gesundheit unserer Bürger, insbesondere der Kinder.&#13;
Ferner sieht mein Haushalt vor, die Gesundheitsfürsorge für einige der bedürftigsten Amerikaner zwischen 55 und 65 auszuweiten, mehr Kindern ein&#13;
Anrecht auf Medicaid zu geben, beispiellose Investitionen in die Gesundheitsforschung zu tätigen,&#13;
den Zugang zu wirksamen AIDS-Therapien und zu&#13;
neuen Behandlungsmethoden bei Krebs zu erhöhen,&#13;
die Gelder für die Behandlung und Prävention von&#13;
Suchtmittelmißbrauch aufzustocken und zum Abbau&#13;
von Ungleichgewichten zwischen rassischen und&#13;
ethnischen Gruppen im Hinblick auf gesundheitliche&#13;
Belange beizutragen.&#13;
Das vergangene Jahr war für die Umwelt sehr wichtig,&#13;
und ich bin entschlossen, auf unseren Fortschritten&#13;
aufzubauen. Unter der Führung des Vizepräsidenten&#13;
gelang der Administration in Kyoto der Abschluß einer&#13;
historischen internationalen Übereinkunft, die einen&#13;
Abbau der Treibhausgasemissionen fordert. Wir&#13;
führten auch neue, strengere Maßstäbe zur Reinhaltung der Luft ein, um die Gesundheit der Menschen&#13;
verstärkt zu schützen, und wir verbesserten das Recht&#13;
unserer Bürger, über die Freisetzung giftiger Chemikalien informiert zu werden. Wir schützen auch in&#13;
Zukunft die Schönheit unserer Natur, beispielsweise&#13;
den Nationalpark Yellowstone und die Everglades in&#13;
Florida, und machen weitere Fortschritte zur Erlangung&#13;
meines Ziels, im Rahmen des Superfonds Ende des&#13;
Jahres 2001 900 Giftmülldeponien zu säubern. Mit&#13;
diesem Haushalt schlage ich die Einrichtung eines&#13;
Umweltfonds für Amerika vor, der die Aufstockung&#13;
vieler wichtiger Umweltprogramme unterstützen soll.&#13;
Er sieht verstärkte Einrichtung und Pflege von Nationalparks, Wäldern, Naturschutzgebieten und&#13;
anderem öffentlichen Gelände und den Ankauf von&#13;
mehr Land dafür vor - für eine Verbesserung der&#13;
Qualität unseres Wassers, unseres Trinkwassers und&#13;
unserer Wasseraufbereitungsanlagen sowie für die&#13;
weitere Reinigung nicht mehr genutzter Giftmülldeponien. Mein Haushalt beinhaltet auch ein neues&#13;
Fünfjahresprogramm in Höhe von 6 Milliarden Dollar&#13;
zur Verhinderung der globalen Erderwärmung sowie&#13;
mehr Mittel zum Schutz gefährdeter Arten, zur Kontrolle der Verschmutzung und zum Schutz der globalen&#13;
Umwelt.&#13;
Ich schlage einen Verkehrsfonds für Amerika vor. Er&#13;
reflektiert meine Verpflichtung zur Bereitstellung von&#13;
Mitteln um zu gewährleisten, daß unsere Infrastruktur&#13;
sicher, integriert und effizient genug bleibt, um unseren&#13;
wachsenden Bedarf zu decken. Investitionen in die&#13;
Infrastruktur sind gut für Amerika, denn sie tragen zu&#13;
Wirtschaftswachstum, der Verbesserung von Sicherheit und öffentlicher Gesundheit, der Stärkung&#13;
unserer Konkurrenzfähigkeit im Ausland, dem Erhalt&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
unserer nationalen Sicherheit sowie der Erhöhung von&#13;
Mobilität, Zugangs- und Wahlmöglichkeiten für Amerikaner bei, die reisen müssen. Wir müssen auf unserem riesigen Netz von Straßen, Autobahnen und&#13;
Brücken aufbauen, um die Anforderungen des nächsten Jahrhunderts an ein System zu erfüllen, das&#13;
unsere verschiedenen Beförderungsmittel verbindet,&#13;
sauberer und sicherer ist und dazu beiträgt, städtische&#13;
und ländliche Gemeinden einander näher zu bringen&#13;
und sie zu unterstützen. Mein Haushalt bewahrt&#13;
weiterhin ein Höchstmaß an Unterstützung der Administration für den Verkehr, und der Fonds erstreckt&#13;
sich auf alle Programme des Verkehrsministeriums für&#13;
Autobahnen, Autobahnsicherheit, Transportwege und&#13;
Luftverkehr.&#13;
Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt&#13;
hat eine Welt geschaffen, die sich stark von der&#13;
unserer Großeltern unterscheidet. Er führte zu einer&#13;
sprunghaften Zunahme der Geschwindigkeit und&#13;
Wirtschaftlichkeit des Verkehrs, einem enormen&#13;
Anstieg der landwirtschaftlichen Produktivität, blitzschnellem grenzüberschreitendem Fluß von Informationen und Dienstleistungen sowie Fortschritten bei der&#13;
Behandlung und Prävention von Krankheiten und dem&#13;
Umweltschutz. Da ich mich für eine weitere Führungsrolle der Vereinigten Staaten in Wissenschaft und&#13;
Technologie engagiere, schlage ich einen Forschungsfonds für Amerika vor, der viele bedeutende Investitionen hervorbringen wird. Das beinhaltet eine beispiellose Aufstockung der Mittel für die nationalen&#13;
Gesundheitsinstitute, die nationale Stiftung für Wissenschaft, neue Mittel zur Bekämpfung des globalen&#13;
Klimawandels und eine Vielzahl von Investitionen in&#13;
Grundlagen- und angewandte Forschung. Diese&#13;
Investitionen sind von lebenswichtiger Bedeutung; sie&#13;
bringen neues Wissen hervor, bilden mehr Arbeitnehmer aus, schaffen neue Arbeitsplätze und Industriezweige, nehmen unsere gesundheitspolitischen&#13;
Herausforderungen in Angriff, erhöhen unser Verständnis für Umweltprobleme, verbessern die Erziehung unserer Kinder und halten eine starke nationale&#13;
Verteidigung aufrecht.&#13;
Unsere Strategie zur Verbrechensbekämpfung&#13;
funktioniert. Die Zahl schwerer Verbrechen sinkt seit&#13;
fünf aufeinander folgenden Jahren, und 1996 erlebten&#13;
wir die stärkste Abnahme von Gewaltverbrechen seit&#13;
35 Jahren. Da die Verbrechensrate jedoch weiterhin&#13;
inakzeptabel hoch ist, müssen wir noch mehr unternehmen.&#13;
Mein Haushalt sieht eine Ausweitung&#13;
unseres Programms einer bürgernahen Polizei vor,&#13;
das im Rahmen meines Ziels, bis zum Jahr 2000 die&#13;
Zahl der Polizisten um 100.000 zu erhöhen, bereits&#13;
83.000 neue Polizisten eingestellt hat. Der Haushalt&#13;
sieht auch eine neue Initiative für bürgernahe Staatsanwälte vor, um diesen zu helfen, Verbrechen von&#13;
vornherein zu verhindern, anstatt Verbrecher nach der&#13;
Tat nur strafrechtlich zu verfolgen. Und er stellt die&#13;
erforderlichen Mittel zu Verfügung, um Gewalt gegen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Frauen zu verhindern, beim Bau von Gefängnissen in&#13;
Bundesstaaten und Indianerreservaten zu helfen und&#13;
die sich zuspitzende Krise der Strafverfolgung auf&#13;
indianischem Gebiet beizulegen. Zur Verstärkung der&#13;
Kontrolle illegaler Einwanderung sind Mittel zur&#13;
Verbesserung des Grenzschutzes im Süden und&#13;
Westen, zur Abschiebung illegaler Einwanderer und&#13;
Ausweitung der Überprüfung vorgesehen, ob neu&#13;
eingestellte Nichtamerikaner Anspruch auf einen&#13;
Arbeitsplatz haben. Zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs, insbesondere unter jungen Menschen,&#13;
erweitert mein Haushalt Programme mit den Schwerpunkten Therapie und Prävention, strafrechtliche&#13;
Verfolgung, internationale Unterstützung und Beschlagnahmung von Drogen an der Grenze. Er baut&#13;
auf unserer innovativen Initiative für die Einrichtung&#13;
von Gerichten für Drogendelikte auf, schlägt Koordinatoren zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch an&#13;
unseren Schulen vor, unterstützt örtliche Anstrengungen zur Bekämpfung der Beschaffungskriminalität,&#13;
weitet Drogenkontrollen aus und macht unsere Häfen&#13;
und Grenzen sicherer vor Drogen, während gleichzeitig Drogenschmugglerringe im Ausland gesprengt&#13;
werden.&#13;
Die meisten Amerikaner profitieren von unserer&#13;
starken Volkswirtschaft.&#13;
Aber obwohl es vielen&#13;
städtischen und ländlichen Gebieten besser geht,&#13;
haben allzu viele andere den Bezug zu unseren&#13;
Werten Chancen, Verantwortungsbewußtsein und&#13;
Gemeinschaft verloren. Ich bin entschlossen, in&#13;
Zusammenarbeit mit den Regierungen der Bundesstaaten, der Kommunen und dem Privatsektor vernachlässigte Gebiete zu sanieren und Hoffnung an die&#13;
Stelle von Verzweiflung treten zu lassen. Mein&#13;
Haushalt weitet mein Programm eines nationalen&#13;
Sozialdienstes aus, der mehr Amerikanern die Chance&#13;
gibt, ihrem Land zu dienen und zur Lösung von&#13;
Problemen auf lokaler Ebene beizutragen, während sie&#13;
gleichzeitig Geld für den Collegebesuch verdienen.&#13;
Ich schlage die Einrichtung von mehr Wirtschaftsförderungszonen&#13;
vor, die steuerliche Anreize und&#13;
Direktfinanzierung bieten, um Arbeitsplätze schaffende&#13;
Privatinvestitionen zu ermutigen und mehr Kapital zur&#13;
Gewährung von Darlehen im Rahmen meines Programms für Finanzinstitutionen zur Gemeindeentwicklung bereitzustellen. Mein Haushalt vergrößert auch&#13;
die Chancen für Eigenheimbesitz, verstärkt die Mittel&#13;
zur Durchsetzung der Bürgerrechtsgesetze der Nation,&#13;
hält das Engagement aller Bundesregierungen für die&#13;
Indianer aufrecht und stärkt unsere Partnerschaft mit&#13;
dem District of Columbia.&#13;
Weil Amerika weiterhin ein enormes Interesse an&#13;
internationalen Angelegenheiten hat, enthält mein&#13;
Haushalt die erforderlichen Mittel für die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit, die Durchführung&#13;
unserer diplomatischen Aktivitäten, die Förderung von&#13;
Demokratie und freien Märkten im Ausland sowie die&#13;
Steigerung unserer Exporte. Im vergangenen Jahr&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
setzte sich die Administration mit dem Kongreß für eine&#13;
Erhöhung der Ausgaben für internationale Angelegenheiten ein. Der Kongreß muß sich jedoch noch damit&#13;
befassen, im Einklang mit den Verpflichtungen der&#13;
Vereinigten Staaten die finanzielle Unterstützung für&#13;
verschiedene internationale Organisationen bereitzustellen, die unsere Wirtschaft und unsere Ziele&#13;
fördern, einschließlich des Internationalen Währungsfonds, des Systems der Vereinten Nationen und der&#13;
multilateralen Entwicklungsbanken.&#13;
Der Kongreß&#13;
sollte sich weiterhin für die entscheidenden Aktionen&#13;
des IWF sowie unsere Führungsrolle in dieser Institution einsetzen, indem er einem von der Administration angestrebten Zusatzkontingent von Finanzmitteln&#13;
für den IWF zustimmt und die grundlegenden Finanzmittel des IWF aufstockt. Ferner sollte der Kongreß&#13;
dem Präsidenten das traditionelle Verhandlungsmandat für Handelsgespräche geben, damit unsere&#13;
Exporte im kommenden Jahrhundert weiter ansteigen&#13;
können. Zur Förderung der nationalen Sicherheit&#13;
enthält mein Haushalt einen großen Posten zur&#13;
Finanzierung des Friedensprozesses im Nahen Osten,&#13;
zur Fortsetzung der Unterstützung Bosniens bei der&#13;
Umsetzung des Daytoner Abkommens, zur Förderung&#13;
der NATO-Erweiterung und zur Verbesserung der&#13;
Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bei der Entwicklung von Demokratie&#13;
und freier Marktwirtschaft. Ich schlage eine weitreichende Initiative vor, um den afrikanischen Ländern&#13;
die entscheidende, gezielte Hilfe bei ihren schwierigen&#13;
Wirtschaftsreformen zu geben. Und mein Haushalt&#13;
sieht mehr Geld für die Drogenbekämpfung in lateinamerikanischen Staaten vor und unterstützt den&#13;
gesamtamerikanischen Gipfel.&#13;
Unser Militär ist das Rückgrat unserer nationalen&#13;
Sicherheitsstrategie, und ich verpflichte mich zur&#13;
Aufrechterhaltung eines starken, fähigen Militärs zum&#13;
Schutz unserer Freiheiten und unserer globalen&#13;
Führungsrolle am Vorabend des 21. Jahrhunderts.&#13;
Der Haushalt beinhaltet die weitere Durchführung des&#13;
Plans der Administration für eine sorgfältige Umstrukturierung unserer Streitkräfte, ständige Einsatzbereitschaft, Verbesserung der Lebensqualität unserer&#13;
Soldaten und mehr Gelder für eine Modernisierung&#13;
unserer Streitkräfte, wenn nach der Jahrtausendwende&#13;
neue Technologien verfügbar sind. Mein Haushalt&#13;
spiegelt die Empfehlungen zur Umstrukturierung des&#13;
Verteidigungsapparats und die jüngste Initiative des&#13;
Verteidigungsministeriums zur Verteidigungsreform&#13;
wider, durch verbesserte Management- und Geschäftspraktiken eine schlankere, effizientere und&#13;
kostengünstigere Organisation zu schaffen.&#13;
Zur&#13;
Umsetzung dieser Verbesserungen wird das Verteidigungsministerium dem Kongreß in Verbindung mit&#13;
diesem Haushalt Gesetzesvorschläge zusenden,&#13;
einschließlich eines Antrags auf zwei weitere Runden&#13;
von Schließungen und Umstrukturierungen von&#13;
Stützpunkten.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Investitionen in das Gemeinwohl&#13;
Unser Engagement für einen auch in Zukunft ausgeglichenen Haushalt bedeutet, daß Administration und&#13;
Kongreß das Geld des Steuerzahlers möglichst klug&#13;
verwenden müssen. Wenn wir die Finanzierung&#13;
staatlicher Programme fortsetzen, müssen wir unter&#13;
Beweis stellen, daß sie ihre gesteckten Ziele erreichen. Das heißt, wir müssen zeigen, daß sie gut&#13;
funktionieren und Ergebnisse hervorbringen können.&#13;
1993 unterstützte ich aktiv das Gesetz über staatliche&#13;
Leistungen und Ergebnisse und sah seiner Unterzeichnung erwartungsvoll entgegen. Ich freue mich, dem&#13;
Kongreß mit diesem Haushalt zusenden zu können,&#13;
was das Gesetz vorsah - den ersten umfassenden&#13;
Leistungsplan für die ganze Regierung.&#13;
&#13;
Bei der Ausarbeitung dieses Budgets konnte sich die&#13;
Administration erstmals auf leistungssteigernde&#13;
Maßnahmen und jährlich zu erreichende Ziele stützen,&#13;
die jetzt in die Jahresleistungspläne für Behörden&#13;
einbezogen sind. Wir haben bei dem Prozeß einen&#13;
guten Anfang gemacht, den Administration und&#13;
Kongreß mit der Inkraftsetzung des Gesetzes 1993 in&#13;
Gang brachten.&#13;
Während der Umsetzung dieses Gesetzes wird sich&#13;
meine Administration in zunehmendem Maße auf die&#13;
Fragen konzentrieren, wie Programme funktionieren,&#13;
ob sie ihre Ziele erreichen und was wir zu ihrer&#13;
Verbesserung unternehmen sollten. Wir sehen der&#13;
Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei unserem&#13;
gemeinsamen Ziel der Verbesserung der Regierungsarbeit erwartungsvoll entgegen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Das neue Europa&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in leicht gekürzter Form die Rede, die der Stellvertretende&#13;
Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Strobe Talbott, am 21. Januar 1998 vor der PaasikiviGesellschaft in Helsinki hielt. Die Rede entspricht im wesentlichen den Ausführungen Talbotts vom 19. Januar&#13;
1998 im Nobel Institute in Oslo.&#13;
&#13;
Heute Nachmittag möchte ich über die Perspektive&#13;
und Rolle meines Landes sprechen. Zuerst werde ich&#13;
die Strategie der Vereinigten Staaten gegenüber&#13;
Gesamteuropa, anschließend die gegenüber der&#13;
nordischen und baltischen Region erläutern.&#13;
Die Prämisse der amerikanischen Politik könnte nicht&#13;
einfacher sein. Sie lautet folgendermaßen: Sicherheit&#13;
und Wohlergehen des amerikanischen Volkes hängen&#13;
in nicht unwesentlichem Ausmaß von Frieden und&#13;
Wohlstand Europas ab. Wir haben diese grundlegende Wahrheit mühsam gelernt. Zweimal während des&#13;
Lebens unserer älteren Bürger brachen in Europa&#13;
Weltkriege aus, in denen mehr als eine halbe Million&#13;
Amerikaner fielen. Auch der Kalte Krieg begann auf&#13;
diesem Kontinent und kostete die Vereinigten Staaten&#13;
umgerechnet mehr als 13 Billionen Dollar. Darüber&#13;
hinaus haben die Berlin- und die Kubakrise uns alle an&#13;
den Rand eines nuklearen Holocaust gebracht.&#13;
Bill Clinton trat sein Amt in dem Bewußtsein an, daß er&#13;
der erste amerikanische Präsident war, der nach dem&#13;
Ende des Kalten Krieges gewählt wurde. Daher&#13;
betrachtet er es nicht nur als Chance, sondern auch&#13;
als Verpflichtung sicherzustellen, daß die Vereinigten&#13;
Staaten alles in ihrer Macht Stehende zum Aufbau&#13;
eines geeinten, freien und erstmals in seiner&#13;
Geschichte ungeteilten Europas unternehmen.&#13;
Das ist unser Ziel. Die Mittel zu seiner Erlangung sind&#13;
großenteils institutioneller oder - wie bereits oft gesagt&#13;
- architektonischer Natur. Wir schaffen eine Struktur,&#13;
in der wir, unsere Kinder und Enkelkinder eine Heimat&#13;
finden. Grundlagen dieser Struktur sind das gemeinsame Engagement für demokratische Regierungsführung, eine bürgerliche Gesellschaft, tragfähige&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Entwicklung durch die Dynamik freier Märkte, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, die Prinzipien gegenseitigen Respekts und die friedliche Beilegung von&#13;
Konflikten.&#13;
Die Aufgabe der Schaffung eines neuen Europas&#13;
erfordert von uns die Anpassung bestehender Strukturen, wenn möglich, und den Aufbau neuer, wenn nötig.&#13;
Dazu zählen reife Institutionen, die bereits das würdige&#13;
mittlere Alter erreicht haben, beispielsweise der&#13;
Europarat und die OECD, die seit Jahrzehnten bestehen. Andere wie der Euroatlantische Partnerschaftsrat&#13;
wurden erst im letzten Jahr ins Leben gerufen.&#13;
Die Vereinigten Staaten gehören einigen dieser&#13;
Organisationen an und haben bei anderen Beobachterstatus. Bei wieder anderen sind wir an deren Erfolg&#13;
interessiert. Diese Institutionen variieren im Hinblick&#13;
auf Größe, Umfang, Arbeitsbereich und Mitgliedschaft,&#13;
ihre Missionen und Zusammensetzung überlappen&#13;
sich aber oft. In einigen wesentlichen Bereichen&#13;
stärken sie sich gegenseitig. Gemeinsam machen sie&#13;
die Suprastruktur des neuen Europas aus.&#13;
Ich möchte mich auf einen Schlüsselbestandteil der&#13;
europäischen Architektur konzentrieren - die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die&#13;
auf sehr reale Weise vor 23 Jahren hier in Helsinki&#13;
erwachsen wurde.&#13;
Die OSZE ist nicht nur die umfassendste unserer&#13;
euroatlantischen Institutionen - sie ist auch der erste&#13;
Mechanismus für die Verhütung von Konflikten, bevor&#13;
sie überhaupt entstehen können, für die Bewältigung&#13;
und Beilegung von Konflikten, wenn sie stattfinden,&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�sowie für die Versöhnung, nachdem Konflikte aufgetreten sind.&#13;
Die OSZE ist in Bosnien und andernorts im ehemaligen Jugoslawien sehr aktiv, wo finnische und amerikanische Soldaten Seite an Seite mit Truppen aus 37&#13;
anderen Nationen Dienst tun. Finnland stellt auch&#13;
einen Großteil des nordischen Bataillons, das dazu&#13;
beiträgt sicherzustellen, daß der Konflikt in Makedonien nicht wieder aufflammt.&#13;
Die erfolgreiche Zusammenarbeit ehemaliger Feinde&#13;
auf dem Balkan illustriert ein grundlegendes Prinzip,&#13;
das für den Aufbau eines neuen Europas als Leitlinie&#13;
dienen sollte: Nur durch ständige, tägliche, praktische&#13;
Zusammenarbeit können wir das nötige Vertrauen&#13;
schaffen, um Feindschaft und Mißtrauen der Vergangenheit zu überwinden.&#13;
Demzufolge müssen wir bei unserem Ansatz zu&#13;
praktisch allen Strukturen des neuen Europas eine&#13;
Prämie auf Einbeziehung aussetzen. Oder dasselbe&#13;
Prinzip anders ausgedrückt vertreten: Wir müssen&#13;
darauf achten, weder Ausschluß noch Diskriminierung&#13;
zu praktizieren - seien sie unbeabsichtigt oder nicht.&#13;
Das Ende des Kalten Krieges gibt uns die Chance, alte&#13;
Trennungen zu überwinden. Wir müssen gewährleisten, daß wir keine neuen schaffen.&#13;
Lassen Sie mich diesen Punkt im Hinblick auf zwei&#13;
Schlüsselinstitutionen - die EU und die NATO - näher&#13;
ausführen.&#13;
Erstens, die EU:&#13;
Der Beitritt Finnlands zur Europäischen Union vor drei&#13;
Jahren war nicht nur für Ihr Land ein historischer&#13;
Schritt - er war für die EU selbst ein bedeutender,&#13;
bahnbrechender Schritt, weil dadurch alle Nationen in&#13;
dieser Region zu der Annahme ermutigt werden, daß&#13;
es in den großen paneuropäischen Institutionen einen&#13;
Platz für sie gibt.&#13;
Was ich hier jedoch besonders betonen möchte, ist die&#13;
Tatsache, daß der Beitritt zur EU Finnlands eigene&#13;
Entscheidung war. Und die Tür zur EU stand offen, als&#13;
Sie sich entschlossen, hindurch zu gehen. Diese Türe&#13;
ist das vielleicht wichtigste Merkmal der europäischen und transatlantischen - Architektur.&#13;
Hieraus resultiert der feste Glaube der Vereinigten&#13;
Staaten an die Ausweitung und Vertiefung der EU.&#13;
Und hierin ist insbesondere unser Eintreten für den&#13;
Wunsch der Türkei nach einer EU-Mitgliedschaft&#13;
begründet. Ich bin mir bewußt, daß es sich hier um ein&#13;
sehr kontroverses Thema handelt, insbesondere bei&#13;
einigen Ihrer Nachbarn. Das macht es um so bedeutsamer, daß alle unsere europäischen Partner den&#13;
amerikanischen Standpunkt verstehen.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Im Lauf der Jahrhunderte hat sich Europa in seinen&#13;
besten, friedlichsten und wohlhabendsten Zeiten durch&#13;
universelle Werte definiert, nicht durch künstliche&#13;
Hindernisse - hier ein Fluß, dort eine Bergkette, drüben&#13;
eine Wand aus Beton und Stacheldraht.&#13;
Die Türkei ist seit mehr als 400 Jahren ein Bestandteil&#13;
des europäischen Systems. Es ist wahr, daß die&#13;
Türkei vom übrigen Europa durch Wasser getrennt ist.&#13;
Aber dasselbe gilt auch für ganz Großbritannien.&#13;
Die derzeitige Debatte über die Natur - und die&#13;
Grenzen - der "europäischen Berufung" der Türkei hallt&#13;
wider von Hinweisen auf "Kultur" und "Zivilisation".&#13;
Diese Worte sind oftmals ein Euphemismus für&#13;
Religion. Derzeit ist eine Theorie in Mode, daß die&#13;
Rivalitäten des Kalten Krieges zwischen Kommunismus und Kapitalismus einem globalen "Zusammenprall der Zivilisationen" gewichen sind, einschließlich&#13;
dem zwischen der jüdisch-christlichen und der islamischen Welt.&#13;
Diese Idee macht kurzen Prozeß mit der großen&#13;
Vielfalt innerhalb dieser angeblich getrennten Zivilisationen und mit ihren Gemeinsamkeiten. Sie unterschätzt die ethnische und religiöse Vielfalt der Vereinigten Staaten, Kanadas und in zunehmendem Maße&#13;
auch Europas.&#13;
Erst vergangene Woche wurden wir daran erinnert,&#13;
daß die Türkei um eine Definition ihrer Identität, ihrer&#13;
Orientierung und ihrer demokratischen Institutionen&#13;
kämpft. Sie versucht noch, ein Gleichgewicht zwischen dem Säkularismus des Staates und dem&#13;
vorherrschenden Glauben ihrer Bürger zu finden zwischen den Werten von Toleranz und Ordnung.&#13;
Einfach ausgedrückt: Die Türkei wird wahrscheinlich&#13;
eher die richtigen Entscheidungen über ihre Zukunft&#13;
treffen, wenn wir deutlich machen, daß ihre Zukunft bei&#13;
uns liegt.&#13;
Etwas anderes wäre ein großer Fehler unsererseits.&#13;
Wenn wir die Bestrebungen irgendeiner europäischen&#13;
Nation vereiteln, die zur Übernahme der Maßstäbe und&#13;
Pflichten unserer demokratischen Gemeinschaft bereit&#13;
ist, oder wenn wir den "europäischen Charakter" eines&#13;
Dorfes auf der Grundlage dessen definieren, ob sein&#13;
Bild durch Kirchtürme oder Minarette bestimmt wird,&#13;
schaffen wir Gefahren für das 21. Jahrhundert, die&#13;
allzu sehr an die Dummheiten und Tragödien des 20.&#13;
Jahrhunderts erinnern.&#13;
Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten&#13;
weiterhin darauf drängen, daß Europa sich so einbeziehend, groß und umfassend wie möglich definiert.&#13;
Unserer Ansicht nach kann die NATO der Motor sein,&#13;
der dazu beiträgt, Europa in diese Richtung zu bewegen. Vor diesem Hintergrund hat die NATO ihre Türen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�geöffnet. Wir machen keinen Hehl aus unserer&#13;
Hoffnung, daß die NATO-Erweiterung einen Anreiz zur&#13;
Erweiterung der EU geben wird.&#13;
Die NATO ist und bleibt im Grunde genommen ein&#13;
Militärbündnis und ein kollektiver Verteidigungspakt.&#13;
Sie ist aber auch eine politische Organisation mit einer&#13;
nützlichen - ich würde sogar sagen, einzigartigen Rolle bei der Förderung von Einbeziehung und&#13;
Integration in die größere Staatengemeinschaft, deren&#13;
Frieden und Sicherheit das Bündnis untermauert.&#13;
Bei der Verfolgung ihres Ziels, der NATO beizutreten,&#13;
haben verschiedene zentraleuropäische Staaten&#13;
bereits ihre internen Reformen beschleunigt und ihre&#13;
gegenseitigen Beziehungen verbessert. Die NATOErweiterung wird weiterhin diese positiven Auswirkungen haben, während der Prozeß sich auf eine&#13;
offene und nichtdiskriminierende Art und Weise&#13;
fortsetzt.&#13;
Beim Madrider Gipfel im Juli vergangenes Jahr haben&#13;
die Staats- und Regierungschefs der NATO deutlich&#13;
gemacht, daß die ersten drei Länder, die zum Beitritt&#13;
eingeladen sind, nicht die letzten sein werden.&#13;
Insbesondere beschloß das Bündnis eine erneute&#13;
Überprüfung des Erweiterungsprozesses beim&#13;
nächsten Gipfel 1999 und stellte fest, daß Rumänien,&#13;
Slowenien und die baltischen Staaten bei der Erfüllung&#13;
der Aufnahmekriterien Fortschritte gemacht haben.&#13;
Die NATO verpflichtete sich damit, in den kommenden&#13;
Jahren im Norden und Süden nach geeigneten&#13;
Mitgliedern Ausschau zu halten.&#13;
Zu den Anwärtern für zukünftige Erweiterungsrunden&#13;
werden zweifelsohne die Staaten zählen, die bereits&#13;
einen Antrag gestellt haben, aber nicht für die erste&#13;
Runde ausgewählt wurden.&#13;
Zusätzlich könnten&#13;
weitere Runden eine Reihe von Ländern beinhalten,&#13;
die bislang noch kein Interesse an einer Mitgliedschaft&#13;
gezeigt haben.&#13;
In diesem Zusammenhang möchte ich auf Finnland&#13;
und Schweden - das Land, in dem ich die letzten&#13;
beiden Tage verbracht habe - zu sprechen kommen.&#13;
Diese beiden europäischen Staaten haben eine lange&#13;
Tradition unabhängiger, blockfreier Verteidigung. Die&#13;
Vereinigten Staaten respektieren den von Ihnen und&#13;
Ihren schwedischen Nachbarn eingeschlagenen Kurs,&#13;
und wir werden das auch in Zukunft tun. Wir werden&#13;
kein Land zu einer Veränderung seines Status oder&#13;
seiner Haltung drängen.&#13;
Gleichzeitig werden wir das Recht jedes souveränen&#13;
Staates verteidigen, selbst zu entscheiden, wie er&#13;
seine Sicherheit gewährleisten will. Dieser Grundsatz&#13;
ist fest verankert und hat seine Wurzeln in der Schlußakte von Helsinki. Seitdem wurde er von den OSZEMitgliedstaaten bei zahlreichen Gelegenheiten wie-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
derholt - zuletzt beim Ministertreffen in Kopenhagen&#13;
vergangenen Monat.&#13;
Schweden und Finnland bleiben nicht nur Nichtmitglieder des Bündnisses, sondern auch Nichtantragsteller. Sie beteiligen sich jedoch - das ist ihr Verdienst&#13;
und gereicht allen zum Vorteil - aktiv an der sogenannten NATO-Familie der Institutionen und Unternehmen.&#13;
Ich meine den Euroatlantischen Partnerschaftsrat, die&#13;
SFOR im ehemaligen Jugoslawien und die Partnerschaft für den Frieden. Wir wissen besonders zu&#13;
schätzen, wie Finnland unermüdlich mit der Partnerschaft für den Frieden zusammenarbeitet, um die&#13;
Differenzen zwischen Partnern und Verbündeten zu&#13;
verringern und Interoperabilität zwischen allen Militäreinrichtungen der Partner zu erreichen.&#13;
Meine Damen und Herren, die NATO und alle anderen,&#13;
von mir bislang erwähnten Institutionen sind regionale&#13;
Organisationen. Jetzt möchte ich auf die subregionalen Organisationen zu sprechen kommen. Sie sind für&#13;
die Stabilität der europäischen Architektur ebenfalls&#13;
von entscheidender Bedeutung.&#13;
Gestern hatte ich Gelegenheit, eine dieser Organisationen in Aktion zu erleben. Zusammen mit Ihrem&#13;
Außenminister, meinem Freund Tarja Halonen, war ich&#13;
beim euroarktischen Barentsrat in Luleaa in Schweden. Dort war ich noch nie gewesen, und nachdem&#13;
ich dort war, finde ich, daß Helsinki im Januar geradezu ein mildes Klima hat - fast wie Santa Monica. Ich&#13;
erhole mich immer noch - wenn ich so ehrlich sein darf&#13;
- von der erfrischenden Erfahrung, die ich vor 24&#13;
Stunden hatte, als meine Gastgeber in Luleaa für mich&#13;
eine Fahrt im Hundeschlitten vom Konferenzzentrum&#13;
zum Flughafen organisierten. Ich hoffe sehr, daß das&#13;
Programm für den Abend hier in Helsinki sowohl einen&#13;
Saunabesuch als auch ein bißchen Finlandia vorsieht und sei es nur, damit ich mich von dieser Erfahrung&#13;
erholen kann.&#13;
Der Barentsrat ist eine ernsthafte Organisation, die&#13;
außerordentlich beeindruckende praktische Arbeit&#13;
leistet. Sie leistet durch die Bekämpfung von Tuberkulose und anderen Epidemien, den Abbau von Handelsschranken wo immer möglich, die Förderung der&#13;
Gründung von Kleinunternehmen, die Bekämpfung des&#13;
organisierten Verbrechens und die Beseitigung von&#13;
Atommüll ihren eigenen Beitrag zur Überbrückung der&#13;
Trennlinien des Kalten Krieges.&#13;
Die Vereinigten Staaten befürworten Innovationen wie&#13;
den Barentsrat uneingeschränkt. Aus diesem Grund&#13;
hat mich Außenministerin Albright mitten im tiefsten&#13;
Winter nach Luleaa geschickt. Nachdem ich das&#13;
gesagt habe, möchte ich eine kleine Einschränkung zu&#13;
unserer Unterstützung für den Rat und andere subregionale Initiativen vornehmen: Trotz all der von ihnen&#13;
geschaffenen Verbesserungen stellen sie unserer&#13;
Ansicht nach keine Alternative zu paneuropäischen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�oder transatlantischen Organisationen dar. Unseres&#13;
Erachtens müssen wir wachsam gegenüber jeder geplanten oder anderen - Entwicklung sein, die den&#13;
Effekt hätte, Nachbarstaaten in einen Topf zu werfen,&#13;
so daß sie vom Hauptstrom und der Möglichkeit einer&#13;
Mitgliedschaft in größeren Gremien ausgeschlossen&#13;
werden oder die impliziert, daß sie auf sich alleine&#13;
gestellt sind und sich ohne unsere Hilfe an den&#13;
anderen wenden müssen.&#13;
Aus diesem Grund steht die Unterstützung der Vereinigten Staaten für subregionale Integration hier und&#13;
andernorts auf der Welt stets im Kontext unserer&#13;
Unterstützung für übergreifende regionale, transregionale und globale Integration. Was uns anbetrifft,&#13;
ist dies das Grundprinzip einer strukturell soliden&#13;
Architektur.&#13;
Und mit eben diesem Prinzip im Kopf haben die&#13;
Vereinigten Staaten die sogenannte NordosteuropaInitiative ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Initiative&#13;
besteht in der Zusammenarbeit mit bestehenden&#13;
Institutionen und Strukturen, um die Integration unter&#13;
den Nationen der nordischen und baltischen Region zu&#13;
ermutigen, dies jedoch in einer Weise, die die Verbindungen der Region zur Europäischen Union, zu&#13;
wichtigen nahegelegenen Ländern wie Deutschland&#13;
und Polen und auch zu Nordamerika stärkt.&#13;
Die Initiative verfolgt drei Ziele: Erstens die Verstärkung der Verbindungen der Vereinigten Staaten zu&#13;
den Ländern dieser Region; zweitens die Unterstützung der neuen Demokratien, damit sie stärkere&#13;
Kandidaten für die Mitgliedschaft in europäischen&#13;
Institutionen werden; und drittens die zunehmende&#13;
Zusammenarbeit mit Rußland und seine Integration.&#13;
&#13;
Januar scheint hier der Monat für Verlobungen zu sein&#13;
- ich vermute, das ist eine weitere Art und Weise, sich&#13;
warm zu halten).&#13;
Ich möchte mich jetzt dem dritten Element unserer&#13;
Nordosteuropa-Initiative - der russischen Dimension zuwenden.&#13;
Dieser Aspekt unserer Strategie ist&#13;
unerläßlich. Ohne ihn werden sich unsere anderen&#13;
Ziele als sehr viel schwieriger, vielleicht unmöglich zu&#13;
erreichen erweisen. Wenn sich Rußland einerseits&#13;
reibungslos in diese strategisch und wirtschaftlich&#13;
lebenswichtige Region integriert, wird es sich sehr viel&#13;
wahrscheinlicher reibungslos in das übrige Europa&#13;
integrieren.&#13;
Aber das ominöse Gegenteil trifft ebenfalls zu: Wenn&#13;
Rußland versagt oder sich weigert, starke Verbindungen auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt&#13;
und gegenseitigen Vorteilen für diese Region aufzubauen, wird es sehr viel schwieriger für das Land,&#13;
seinen Platz innerhalb des neuen Europas zu finden.&#13;
Darüber hinaus wird es für Europa insgesamt sehr viel&#13;
schwieriger, das durch das Ende des Kalten Krieges&#13;
entstandene Potential umzusetzen.&#13;
Wie Ihre Politiker mich in der Vergangenheit häufig&#13;
erinnert haben und wie Ministerpräsident Lipponen&#13;
heute erneut klarmachte, spielt Finnland bei diesen&#13;
Bestrebungen eine besondere Rolle. Sie sind das&#13;
einzige derzeitige Mitglied der EU, das eine gemeinsame Grenze mit Rußland hat. Ministerpräsident&#13;
Lipponens Initiative nördliche Dimension schlägt&#13;
Kapital aus der Chance sicherzustellen, daß Ihre&#13;
Grenze zu Rußland - die auch die Grenze der EU zu&#13;
Rußland ist - vereint statt zu teilen; daß sie immer&#13;
mehr zu einer Linie der Zusammenarbeit statt zu einer&#13;
Trennlinie der Konfrontation wird.&#13;
&#13;
Die baltischen Staaten sind offensichtlich der Schlüssel zu diesen Bestrebungen. In der vergangenen&#13;
Woche unterzeichneten Präsident Clinton und die&#13;
Präsidenten von Estland, Lettland und Litauen in&#13;
Washington eine wichtige Charta der Partnerschaft.&#13;
Sie stellt einen wichtigen Teil des Plans für ein neues&#13;
ungeteiltes Deutschland dar. Wie Präsident Clinton&#13;
den baltischen Präsidenten am Freitag letzter Woche&#13;
sagte, formalisiert die Charta die Verpflichtung der&#13;
Vereinigten Staaten zur Schaffung der Gegebenheiten,&#13;
die es den baltischen Ländern eines Tages gestatten&#13;
werden, durch die offenen Türen der sich erweiternden&#13;
Institutionen Europas zu gehen.&#13;
&#13;
Um auf die Lektion zurückzukommen, die Jukka&#13;
Valtasaari mich vor neun Jahren beim Mittagessen&#13;
lehrte: Sie als Finnen blicken aus einer Position der&#13;
Souveränität und Unabhängigkeit bei der geschickten&#13;
Handhabung Ihrer Beziehungen zu einem großen und um es milde zu formulieren, häufig problematischen - Nachbarn auf viele Jahrzehnte der Praxis&#13;
zurück . Die Balten haben diese Chance erst kürzlich&#13;
wiedererhalten. Daher müssen Sie ihnen viel beibringen, und nach meinen Gesprächen mit ihnen am&#13;
Freitag vergangener Woche habe ich das Gefühl, daß&#13;
sie das wissen.&#13;
&#13;
In diesem Zusammenhang beglückwünscht meine&#13;
Regierung die Mentorrolle Finnlands für den neu&#13;
entstandenen Grenzschutz und die Streitkräfte der&#13;
baltischen Staaten. Ich möchte meiner Bewunderung&#13;
für die Initiative von Ministerpräsident Lipponen&#13;
Ausdruck verleihen, die er in Luxemburg unterbreitete,&#13;
um die - wie er es bezeichnete - nördliche Dimension&#13;
der EU zu akzentuieren. (Ich möchte meine Glückwünsche zu seiner bevorstehenden Heirat hinzufügen.&#13;
&#13;
Wir alle sind uns bewußt, daß die Beziehungen der&#13;
baltischen Staaten zu Rußland zu den akutesten&#13;
Herausforderungen zählen, denen wir uns bei unseren&#13;
gemeinsamen Bestrebungen zur Erweiterung von&#13;
Frieden, Stabilität und Sicherheit in der gesamten&#13;
Region gegenübersehen. Die Balten ihrerseits hegen&#13;
tiefsitzende Ängste und sind mißtrauisch gegenüber&#13;
den russischen Motivationen. Wie bei den Finnen sind&#13;
ihre Gefühle echt. Was die Russen anbetrifft, so&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�hegen sie ihre eigenen Ängste, insbesondere über die&#13;
Aussicht, daß die Balten ihren völlig legitimen Wunsch&#13;
nach einem Beitritt zur Europäischen Union und der&#13;
NATO verwirklichen.&#13;
Präsident Clinton und Außenministerin Albright&#13;
vertreten ziemlich offen die Ansicht, daß es im eigenen&#13;
Interesse Rußlands liegt, dieses besondere Problem&#13;
zu überwinden. Daß die Russen die baltische Region&#13;
als Pfad für ausländische Armeen oder als Pufferzone&#13;
ansehen, ist bestenfalls ein Anachronismus, da es&#13;
keine Möchtegernaggressoren mehr gibt, die zurückgeschlagen werden müssen.&#13;
Letztlich wird Rußland diese psychologische und&#13;
politische Anpassung seinen Fähigkeiten entsprechend, aus seinen eigenen Gründen und im Einklang&#13;
mit seinem eigenen sich entwickelnden Konzept seiner&#13;
nationalen Interessen selbst vornehmen müssen.&#13;
Aber wir und unsere europäischen Partner können&#13;
helfen. Das können wir durch die Anwendung des&#13;
allgemeinen Prinzips der Einbeziehung bei jeder&#13;
möglichen Gelegenheit. Das bedeutet die größtmögliche Einbeziehung Rußlands in die wirtschaftlichen, politischen, umweltpolitischen und anderen&#13;
Formen der Zusammenarbeit, die wir unter den&#13;
Staaten entlang der Ostseeküste entwickeln. Der&#13;
Barentsrat und der Rat der Ostseeanrainerstaaten sind&#13;
Modelle dessen, was erforderlich ist, und die Vereinigten Staaten werden sich in angemessener Weise&#13;
an beiden beteiligen.&#13;
Wir werden auch versuchen, in unserem eigenen&#13;
direkten Dialog mit Rußland zur Förderung der&#13;
nordisch-baltischen Zusammenarbeit beizutragen. Im&#13;
Grunde sagen wir zu Rußland: Wenn Ihr Russen&#13;
darauf besteht, für auf das 21. Jahrhundert anzuwendende Modelle auf das 13. Jahrhundert zu blicken,&#13;
dann solltet Ihr Euch weniger mit dem Bild von Alexander Nevsky befassen, der die schwedischen Ritter&#13;
auf dem Eis der Neva bekämpft, sondern vielmehr an&#13;
das denken, was man als "hanseatische" Bedingungen&#13;
bezeichnen könnte. Das heißt, denkt an das Baltikum&#13;
nicht als Invasionsroute nach innen, sondern als Tor&#13;
nach außen.&#13;
Mein heute hier anwesender Kollege Ron Asmus hat&#13;
dieses Konzept im Oktober bei einem von der Amerikanischen Botschaft und der Zeitschrift Nordicum&#13;
gemeinsam veranstalteten Seminar im einzelnen&#13;
dargelegt.&#13;
Allgemein gesprochen fanden unsere baltischen&#13;
Freunde den Bezug zur Hanseatischen Liga nützlich&#13;
und begrüßenswert, weil er an eine Zeit erinnert, in der&#13;
ihre Vorfahren fest in Europa integriert waren - und in&#13;
Frieden mit Rußland lebten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Das hanseatische Konzept sollte auch den Russen&#13;
gefallen - zumindest den Russen, die, wie wir hoffen,&#13;
den im Augenblick in diesem Land stattfindenden&#13;
Kampf um das Wesen und die Zukunft ihrer Nation&#13;
überleben; das heißt, den Russen, die an Integration&#13;
statt an eine Rückkehr zur Isolation glauben.&#13;
Zusätzlich zu der Ermutigung durch uns können sie&#13;
auch Kraft aus ihrer eigenen Vergangenheit schöpfen,&#13;
insbesondere aus dem Vermächtnis von Peter dem&#13;
Großen, der selbst ein Meisterarchitekt des modernen&#13;
Europas war. Schließlich öffnete er vor nahezu 300&#13;
Jahren für Rußland ein Fenster - und eine Tür - nach&#13;
Westen. Tatsächlich ist St. Petersburg ein offensichtlicher Kandidat für die Beteiligung an der Wiederbelebung des hanseatischen Konzepts.&#13;
Das könnte auch auf Novgorod und Kaliningrad, das&#13;
ehemalige Königsberg, zutreffen, die beide mit der&#13;
ursprünglichen Hanseatischen Liga verbunden waren.&#13;
In der Tat ist Kaliningrad zumindest historisch ein&#13;
besonders schwieriger Fall. Diejenigen von uns, die&#13;
sich durch das Dickicht der Gespräche über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) hindurcharbeiten,&#13;
tendieren dahin, an Kaliningrad als das Hauptquartier&#13;
des 11. russischen Garderegiments mit seinen 850&#13;
Panzern und 100 Kampfflugzeugen zu denken. Aber&#13;
es ist auch ein Teil des heutigen Rußlands, der die&#13;
Aufklärung erfahren hat. Dort lebte und lehrte Emmanuel Kant und machte mehrere Prinzipien des Völkerrechts bekannt, die gleichgesinnte demokratische&#13;
Republiken in eine Gemeinschaft "bürgerlicher Staaten" einbinden sollten, die sich des - wie er es bezeichnete - "ewigen Friedens" erfreuen könnten.&#13;
Dieses Ideal ist immer noch genau das - ein Ideal, eine&#13;
Bezugsgröße, anhand der eine äußerst unzulängliche&#13;
Realität gemessen wird. Aber diese Realität entwickelt&#13;
sich vielversprechend. Heute ist es für Europäer und&#13;
Amerikaner leichter als zu jeder anderen Zeit in&#13;
unserer Geschichte, sich die Erfüllung dieses Ideals&#13;
vorzustellen. Zum ersten Mal haben wir den Anreiz,&#13;
den politischen Willen und die praktischen Mittel, um&#13;
den Kern Europas herum eine Gemeinschaft von&#13;
Nationen - und genauer gesagt, eine Gemeinschaft&#13;
bürgerlicher und politischer Werte - zu schaffen, die&#13;
sich nach Westen über den Atlantik, nach Osten über&#13;
den Ural, nach Südosten über den Bosporus und nach&#13;
Nordosten über das Nordkap hinweg erstreckt.&#13;
In sehr viel mehr als nur geografischer Hinsicht steht&#13;
Finnland an der Schwelle zu diesem großen Abenteuer. In der Tat hilft Finnland in vielfältiger Weise, den&#13;
Weg anzuführen. Und die Vereinigten Staaten sind&#13;
froh, an Ihrer Seite zu stehen. Gemeinsam haben wir&#13;
Grund, stolz auf das von uns in diesem zu Ende&#13;
gehenden Jahrhundert Erreichte zu sein. Genauer&#13;
gesagt, wir haben Grund, optimistisch bezüglich des&#13;
Jahrhunderts zu sein, das in 1 Jahr, 11 Monaten, 10&#13;
Tagen, 6 Stunden und 20 Minuten beginnt.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�'&#13;
&#13;
Das läßt uns kaum Zeit für die sicherlich angeregte&#13;
Diskussion - also fangen wir besser an.&#13;
&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Die euroatlantischen Beziehungen eine einzigarige Partnerschaft&#13;
von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das das Manuskript für die Rede von US-Botschafter John C.&#13;
Kornblum bei der Konferenz über die transatlantischen Beziehungen der Sozialdemokratische Partei,&#13;
Arbeitsgruppe Außenpolitik, am 19. Januar 1998.&#13;
&#13;
Die Geschichte der vergangenen zehn Jahre belegt,&#13;
daß es sehr viel leichter war, die alte Ordnung zu&#13;
zerstören, als eine neue zu schaffen. Viele der&#13;
Herausforderungen, mit denen wir uns in den transatlantischen Beziehungen konfrontiert sehen, leiten&#13;
sich aus dem Prozeß des Aufbaus unserer Welt nach&#13;
dem Kalten Krieg her. Und viele der Herausforderungen, mit denen wir uns in unseren Ländern konfrontiert&#13;
sehen, leiten sich aus den Veränderungen her, die&#13;
zusammen mit der Verlagerung von Bipolarität zu&#13;
Multipolarität stattfanden.&#13;
Daher stehen wir vor einer doppelten Herausforderung: Wie können wir die vielfältigen Veränderungen&#13;
bewältigen, die Teil der Verlagerung zu der sogenannten "Neuen Weltwirtschaft" sind, und was können wir&#13;
tun, damit die transatlantische Partnerschaft dynamisch bleibt und auf die Erfordernisse unserer Gesellschaft reagiert?&#13;
Die Antworten liegen in der Geschichte dessen, wo wir&#13;
stehen und der Vision dessen, wohin wir gehen. In&#13;
diesem Jahr feiern wir den 50. Jahrestag der Berliner&#13;
Luftbrücke. Sie erinnert uns an die Stärke und den&#13;
Mut, die wir während einer Zeit bewiesen, in der "die&#13;
Welt um uns herum aus den Fugen geriet und unkontrollierbar wurde", wie es der damalige Außenminister&#13;
Dean Acheson formulierte. Dennoch war die Überzeugung, daß Westberlin frei bleiben müsse, fest genug,&#13;
um die Luftbrücke durchzuführen und die Stadt und die&#13;
Demokratie am Leben zu erhalten.&#13;
Während der Luftbrücke und während der Härten der&#13;
darauf folgenden Jahre charakterisierten Dramen und&#13;
Heldentum unsere Welt. Unsere Optionen waren&#13;
eindeutig: Die Freiheit zu unterstützen oder sich der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Aggression zu beugen; den demokratischen Lebensstil&#13;
zu verteidigen oder seinen Zerfall zuzulassen.&#13;
Die Themen, mit denen wir uns heute konfrontiert&#13;
sehen, erscheinen vergleichsweise prosaisch. Die&#13;
Demokratie in Europa ist nicht länger in Gefahr, durch&#13;
brutale Aggression ausgelöscht zu werden. Die&#13;
transatlantische Partnerschaft ist nicht länger von den&#13;
Maßnahmen zur Verhinderung eines Krieges in&#13;
Europa beherrscht. Das Spektrum politischer Fragen&#13;
hat sich erweitert und scheint ein beispielloses Maß an&#13;
Komplexität zu beinhalten.&#13;
Das Programm für diese Konferenz stellt folgende&#13;
These in den Mittelpunkt: "Die euroatlantischen&#13;
Beziehungen garantieren die weltweit einzigartige&#13;
friedliche Stabilität der nordatlantischen Region.&#13;
Irritationen können Zeichen des Prozesses der&#13;
Anpassung an die veränderten Bedingungen nach&#13;
dem Ost-West-Konflikt sein, sie können aber auch eine&#13;
dauerhafte Gefährdung der transatlantischen Beziehungen ankündigen." Gestatten Sie mir eine Prüfung&#13;
dieser These im Zusammenhang mit den vier Diskussionsforen der heutigen Konferenz: Politik, Sicherheit,&#13;
Wirtschaft und Kultur.&#13;
Politik&#13;
Amerika und Europa - und insbesondere Amerika und&#13;
Deutschland - teilen eine Reihe grundlegender&#13;
politischer Überzeugungen, die sowohl unsere innenpolitischen Regierungssysteme als auch unsere&#13;
Beziehungen zueinander untermauern: Freiheit,&#13;
Demokratie, Schutz der Menschenrechte, Pluralismus,&#13;
Rechenschaftspflicht der Regierung usw. Der Bereich&#13;
gemeinsamer politischer Ziele ist so umfassend, daß&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�es beinahe schwierig ist, von zwei verschiedenen&#13;
Körperschaften zu sprechen. Wir haben ein großes&#13;
Potential zur Koordinierung unserer Maßnahmen mit&#13;
dem Ziel der Ausdehnung unseres gemeinsamen&#13;
Einflusses auf der Welt, um Demokratie und Freiheit&#13;
aufzubauen und zu stärken.&#13;
Das Ausmaß des amerikanischen Einflusses ist in&#13;
Europa und in den Vereinigten Staaten gleichermaßen&#13;
ein Diskussionsthema. Die Kolumnistin der New York&#13;
Times, Flora Lewis, verwies auf die "Einsamkeit, die&#13;
einzige Supermacht zu sein" - eine Aussage, die&#13;
Gefühle in Washington sowie ein objektives Paradoxon&#13;
in der globalen Rolle der Vereinigten Staaten widerspiegelt. Wir suchen und brauchen Partner. Ebenso&#13;
wie die Vereinigten Staaten sich beispielloser Macht im&#13;
Hinblick auf den globalen Einflußbereich erfreuen,&#13;
ziehen wir Multilateralismus und die Einbeziehung&#13;
internationaler Organisationen, der Bürger und des&#13;
Privatsektors in höchstmöglichem Maße vor. Zbigniew&#13;
Brzezinski beschrieb die Situation mit folgenden&#13;
Worten: "Amerika schafft ein bahnbrechendes neues&#13;
Muster der globalen Politik, dessen inhärentes Charakteristikum nicht nur die progressive Auflösung der&#13;
souveränen Integrität des Nationalstaats ist, sondern&#13;
auch die Verringerung der Fähigkeit eines Superstaats&#13;
zur Ausübung der entscheidenden globalen Macht."&#13;
Er gelangt zu der Schlußfolgerung, daß die Macht der&#13;
Vereinigten Staaten sowohl eine Realität als auch eine&#13;
Illusion ist.&#13;
Die Macht der Vereinigten Staaten ist in der Tat&#13;
paradox. Die Geschichte belegt, daß die Vereinigten&#13;
Staaten die Rolle auf der Weltbühne sehr widerwillig&#13;
übernahmen, da sie es vorzogen, Einfluß auf der Welt&#13;
eher durch die Macht des Beispiels als durch Machtprojektion auszuüben. Obwohl die Vereinigten Staaten&#13;
heute eher bereit sind, eine globale Rolle zu spielen&#13;
als zu verschiedenen Zeiten in der Vergangenheit,&#13;
besteht in meinem Land ein Konsens: Es gibt viel zu&#13;
viele Krisen, als daß die Vereinigten Staaten darauf&#13;
reagieren könnten. Wir brauchen Partner.&#13;
Es gab eine Diskussion in den Vereinigten Staaten und&#13;
hier in Europa über die zunehmende Anwendung von&#13;
Wirtschaftssanktionen als Instrument der amerikanischen Außenpolitik. Es gibt Beweise, daß Sanktionen funktioniert haben (im Fall Südafrikas unter der&#13;
Apartheid, im Fall des Irak im Hinblick auf seine&#13;
verringerte Fähigkeit zum Wiederaufbau des militärischen Potentials oder der Beschaffung von&#13;
Massenvernichtungswaffen, ganz zu schweigen von&#13;
Libyen, Serbien usw.) Aber nicht alle Fälle waren so&#13;
erfolgreich. Das US-Außenministerium hat vor kurzem&#13;
ein Sanktionsteam zur Erarbeitung einer Reihe von&#13;
Prinzipien und politischen Optionen eingerichtet. Das&#13;
Team wird mit dem amerikanischen Kongreß, Nichtregierungsorganisationen und anderen Ländern&#13;
zusammenarbeiten. Künftige Sanktionen sollten im&#13;
Idealfall von vier Prinzipien geleitet sein: Sanktionen&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
sollten nur verhängt werden, nachdem andere diplomatische Optionen vollständig ausgeschöpft wurden&#13;
und gescheitert sind; die internationale Unterstützung&#13;
für alle Sanktionsregime und die Beteiligung daran&#13;
sollte angestrebt werden, bevor unilaterale Maßnahmen ergriffen werden; wir sollten der Erkenntnis&#13;
Rechnung tragen, daß internationale oder multilaterale&#13;
Sanktionen - selbst wenn sie nicht so streng sind, wie&#13;
wir es vorziehen würden - sich tatsächlich als effektiver&#13;
erweisen als eine einschneidendere unilaterale&#13;
Maßnahme der Vereinigten Staaten; die Sanktionen&#13;
sollten sorgfältig ausgearbeitet werden, damit das&#13;
Zielland den Schmerz fühlt und unnötige Härten für die&#13;
Unschuldigen vermieden werden.&#13;
Je mehr die Vereinigten Staaten und ihre Partner&#13;
miteinander darüber kommunizieren, wie man das&#13;
Problem von Staaten bewältigt, die Terrorismus&#13;
unterstützen, Menschenrechte mißachten und generell&#13;
nicht innerhalb der von uns in diesem Jahrhundert&#13;
festgesetzten Normen einer internationalen Gesellschaft leben, desto besser sind die Chancen, Irritationen in unseren Beziehungen zu verhindern. Schließlich besteht Übereinstimmung in der transatlantischen&#13;
Welt, daß die Regierungen von Iran, Irak, Libyen und&#13;
Kuba eine Politik verfolgen, die den Prinzipien des&#13;
Völkerrechts widerspricht. Deswegen müssen wir&#13;
härterauf Maßnahmen hinarbeiten, die dieses gemeinsame Terrain widerspiegeln. Vor allem müssen wir&#13;
Mißverständnisse und Fehleinschätzungen vermeiden.&#13;
Ein anhaltendes Mißverständnis ist, daß das&#13;
Helms-Burton-Gesetz Handel und Investitionen in&#13;
Kuba bestraft. Das ist nicht richtig. Das Gesetz findet&#13;
nur auf die Unternehmen Anwendung, die direkt mit&#13;
enteignetem Besitz handeln, der amerikanischen&#13;
Staatsbürgern von der Castro-Regierung abgenommen wurde. Mißverständnisse wie diese haben uns&#13;
von dem Hauptthema abgelenkt: Wie können Demokratie und Menschenrechte in Kuba ermutigt werden?&#13;
Sicherheit&#13;
Die transatlantische Partnerschaft kann durch stärkere&#13;
europäische Integration und durch die Erweiterung der&#13;
Verteidigungsfähigkeit unserer Verbündeten gestärkt&#13;
werden. Wir wollen sicherstellen, daß ein europäischer Verteidigungspfeiler im Atlantischen Bündnis&#13;
eine zunehmende Rolle spielt. Wir haben die Grundlagen für diese Bestrebungen 1995 geschaffen, als wir&#13;
vereinbarten, daß die NATO und die WEU gemeinsam&#13;
von den europäischen Verbündeten erarbeitete und&#13;
geleitete Missionen planen sollten, bei denen der&#13;
Hauptteil der Truppen aus europäischen Nationen&#13;
kommen würde. Die Vereinigten Staaten haben sich&#13;
ihrerseits verpflichtet, solche Missionen mit Logistik,&#13;
Kommunikationseinrichtungen und Nachrichtendiensten zu unterstützen.&#13;
Die NATO hat nicht die Identitätskrise durchgemacht,&#13;
die ihr vor einigen Jahren vorhergesagt wurde: Wie der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Fall Bosnien zeigt, könnte die NATO heute keine&#13;
geeignetere Organisation sein. Wie das Interesse und&#13;
die Begeisterung für den NATO-Beitritt zeigen, dient&#13;
die NATO heute im Großen und Ganzen demselben&#13;
Zweck wie bei ihrer Gründung: Der Förderung von&#13;
Integration, Stabilität und Wohlstand in Europa.&#13;
Die Rolle der NATO ist einzigartig - und das gilt auch&#13;
für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Mit 54 Mitgliedern und der Flexibilität&#13;
zur Entwicklung kreativer Mechanismen zur Konfliktverhütung hat die OSZE eine glänzende Zukunft. Aber&#13;
sie kann nicht sein, was sie nicht ist. Sie ist ein&#13;
flexibles Instrument für die Erlangung eines Konsenses. Sie kann nicht die alleinige Struktur für Europa&#13;
sein und kann die NATO aus einem einfachen Grund&#13;
nicht ersetzen: Sie kann den Frieden nicht durchsetzen&#13;
oder von irgend jemandem die Einhaltung erzwingen.&#13;
Wir wünschten uns, daß Zwangsmaßnahmen am Ende&#13;
des 20. Jahrhunderts für unsere europäischen Sicherheitsstrukturen nicht erforderlich sind, aber&#13;
Wünsche lassen Gebietseroberungen und ethnische&#13;
Konflikte nicht verschwinden. Unser konzertierter&#13;
politischer Wille, solche Aktionen abzulehnen, muß&#13;
glaubwürdig bleiben und durch militärische Instrumente untermauert werden.&#13;
Wirtschaft&#13;
Sicherheit hat jetzt viele Facetten und ist nicht mehr&#13;
nur die Domäne von Rüstungskontrollexperten. In&#13;
unseren Volkswirtschaften und Gesellschaften erleben&#13;
wir schnellen Wandel - Wandel, der ebenso konstant&#13;
wie komplex ist. Er kann sowohl beunruhigend als&#13;
auch belebend sein. Der Ausdruck "Neue Weltwirtschaft" reflektiert den veränderten Kontext, in dem wir&#13;
Geschäfte tätigen und Handel treiben sowie die&#13;
Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Leben&#13;
der Menschen.&#13;
Diese Konferenz befaßt sich mit der Frage, "wie&#13;
wünschenswert und wie realistisch" eine transatlantische Freihandelszone (TAFTA) ist. In den knapp drei&#13;
Jahren, seit Außenminister Kinkel diese Idee vorbrachte, haben wir Fortschritte bei der Erlangung der&#13;
Vorteile einer TAFTA ohne eine förmliche Übereinkunft&#13;
gemacht. Beim Madrider Gipfel im Juni 1995 schnitt&#13;
Außenminister Warren Christopher mehrere Problembereiche an, denen vorrangig Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Ich freue mich, berichten zu&#13;
können, daß wir bereits die meisten Punkte auf dieser&#13;
Liste bewältigt haben.&#13;
Unsere Abkommen über "Offene Himmel"&#13;
haben Reisen über den Atlantik hinweg einfacher und schneller gemacht.&#13;
Dadurch&#13;
wurden Investitionsanreize gegeben und&#13;
Arbeitsplätze geschaffen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Unser Informationstechnologieabkommen hat&#13;
den Marktzugang erweitert und Innovationen&#13;
in Informationstechnologie auf einem der&#13;
dynamischsten Sektoren der Weltwirtschaft&#13;
verstärkt.&#13;
Unsere im vergangenen Jahr geschlossenen&#13;
Abkommen über gegenseitige Anerkennung&#13;
(Mutual Recognition Agreements - MRAs)&#13;
bauten Handelshemmnisse ab, die aus unterschiedlichen Produktnormen und -tests resultieren - ohne die Gesundheit oder Sicherheit&#13;
aufs Spiel zu setzen. Es wird erwartet, daß&#13;
die MRAs Verbrauchern und Industrie Einsparungen in Höhe von jährlich etwa 1,37&#13;
Milliarden Dollar an überflüssigen Produktkosten bringen und eine Liberalisierung des&#13;
Handels in beide Richtungen im Umfang von&#13;
ungefähr 40 Milliarden Dollar bewirken. Die&#13;
Tatsache, daß die Hauptnutznießer kleine und&#13;
mittelständische Unternehmen sind (die&#13;
normalerweise kein eigenes Labor besitzen&#13;
und sich auf Tests durch Dritte verlassen&#13;
müssen) bedeutet, daß eine Vielzahl neuer&#13;
Unternehmen am transatlantischen Handel&#13;
teilnehmen kann.&#13;
Schließlich stellt unser jüngstes Abkommen&#13;
über internationale Bestechung einen wichtigen Fortschritt bei der Bekämpfung von&#13;
Praktiken dar, die gegen grundlegende Prinzipien unserer Länder verstoßen.&#13;
Wir können uns zu unserer Arbeit beglückwünschen,&#13;
aber ein Punkt auf der Liste bleibt offen: Wir benötigen&#13;
noch ein umfassendes Investitionsregime zur Aufstellung gemeinsamer Grundregeln für das riesige&#13;
Gebiet von Honolulu bis Helsinki. Damit können wir&#13;
die Risiken transnationaler Investitionen beträchtlich&#13;
verringern.&#13;
Ein Großteil dessen, was im Rahmen eines transatlantischen Freihandelsabkommens hätte erreicht&#13;
werden können, ist durch unser Drängen auf eine&#13;
weitere Liberalisierung des Handels geschehen. Ein&#13;
wesentlicher Teil dieser Dynamik kommt aus dem&#13;
Privatsektor. Der transatlantische Wirtschaftsdialog&#13;
(Transatlantic Business Dialogue - TABD) ist ein&#13;
Beispiel für diese neue und äußerst effektive Form von&#13;
Unternehmensdiplomatie - der Privatsektor erledigt die&#13;
Arbeit der Regierung zum Wohle unserer Bürger in&#13;
einem Bruchteil der Zeit.&#13;
In Deutschland findet heute eine umfassende Gewissensprüfung über den Wandel und die Geschwindigkeit des Wandels in diesem Land statt. Als jemand,&#13;
der erst kürzlich nach zehnjähriger Abwesenheit nach&#13;
Deutschland zurückgekehrt ist, habe ich den Eindruck&#13;
gewonnen, daß das Land sich sehr schnell verändert&#13;
hat. Natürlich wird es noch mehr Reformen geben.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Als Exportland muß sich Deutschland an die Herausforderungen der Globalisierung anpassen. Ich habe&#13;
Vertrauen in die Fähigkeit Deutschlands zum Wandel,&#13;
weil es sich in diesem Jahrhundert so erfolgreich&#13;
verändert hat und unter anderem die historische und&#13;
komplexe Aufgabe der Wiedervereinigung so gut&#13;
gemeistert hat. Kürzlich las ich, daß bei einer Umfrage&#13;
unter 13 bis 30-Jährigen in Sachsen 71 Prozent der&#13;
Befragten angaben, sie seien glücklich oder sehr&#13;
glücklich mit ihrem Leben - 11 Prozent mehr als im&#13;
Vorjahr. Dies ist möglicherweise eine der überzeugenderen Statistiken des bisherigen Erfolgs der Wiedervereinigung.&#13;
Auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten erlebte im&#13;
letzten Jahrzehnt außerordentliche Veränderungen.&#13;
Nachdem wir Haushaltsdefizite gehabt hatten, die&#13;
unsere europäischen Partner so beanstandenswert&#13;
fanden, daß sie sich bei G-7-Treffen darüber beschwerten, prognostizieren die Vereinigten Staaten&#13;
jetzt ein Haushaltsdefizit für 1998 von 5 Milliarden&#13;
Dollar beziehungsweise weniger als 0,1 Prozent des&#13;
Bruttoinlandsprodukts. Dies wäre der niedrigste Stand&#13;
seit 1970.&#13;
Der Erfolg der Vereinigten Staaten bei der Umgestaltung ihrer Wirtschaft basiert auf der hohen Bereitschaft&#13;
des Einzelnen, Risiken einzugehen, auf der Flexibilität&#13;
der Arbeitnehmer, Deregulierung und der dynamischen Rolle des Dienstleistungssektors. Ferner&#13;
besteht in Amerika ein Konsens, daß dieser Ansatz die&#13;
beste Strategie für die Bewältigung der mit der Globalisierung einhergehenden Herausforderungen darstellt.&#13;
Kultur&#13;
Gleichzeitig gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen&#13;
Deutschland und den Vereinigten Staaten, insbesondere im Bereich der Kultur. Angesichts von 60 Millionen Amerikanern deutscher Herkunft überrascht das&#13;
nicht. Deutschland hat die amerikanische Identität auf&#13;
historische Weise geprägt. Amerika wiederum hat&#13;
Deutschlands Identität durch seinen Beitrag zur&#13;
deutschen Demokratie und zur Verteidigung der&#13;
Souveränität Deutschlands geprägt.&#13;
Im Zeitalter des Satellitenfernsehen und des Internet&#13;
interagieren unsere Kulturen auf neue Art und Weise.&#13;
Wie haben mehr Zugang zueinander als je zuvor. Es&#13;
ist schwer, sich jetzt vorzustellen, daß bei meinem&#13;
ersten Deutschlandaufenthalt als Diplomat in Hamburg&#13;
meine englischsprachigen Zeitungen mit dreitägiger&#13;
Verspätung erschienen.&#13;
Menge und Geschwindigkeit der Informationen reichen&#13;
jedoch nicht aus. Sie verändern unser Leben, sind&#13;
aber keine Garantie für Interaktion. Die Leistungsfähigkeit des Menschen ist weiterhin das Entscheidende. Die Bestrebungen des Einzelnen oder einer&#13;
Organisation, sich deutsch-amerikanische Aktivitäten&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
auszudenken oder ein Programm für Bücherspenden&#13;
ins Leben zu rufen, machen das Wesen unserer&#13;
Kulturbeziehungen aus.&#13;
Meines Erachtens haben wir diesem Wesen entsprochen, als wir einen Wandel der kulturellen Präsenz der Vereinigten Staaten in Deutschland eingeleitet haben. Es ist nicht mehr erforderlich, daß die&#13;
Amerika Häuser amerikanische Kultur und Kunst nach&#13;
Deutschland bringen. Der Bedarf wird durch private&#13;
Kanäle mehr als gedeckt. Jetzt haben wir die Chance,&#13;
mit neuen Formen von Dialog und Austausch zu&#13;
experimentieren. Amerikanische Ideen und Modelle&#13;
sind in ausreichender Zahl vorhanden, und auf&#13;
deutscher Seite besteht großes Interesse, neue Foren,&#13;
beispielsweise das Bayerisch-Amerikanische Zentrum&#13;
in München, zu erproben.&#13;
Der Privatsektor und der Einzelne können einen&#13;
wichtigen Beitrag zu unserem Kulturdialog leisten.&#13;
Anfang dieses Monats hatte ich das Vergnügen, an&#13;
einer Feierstunde teilzunehmen, in der die Vereinigten&#13;
Staaten Schulen in den neuen Bundesländern Bücher&#13;
spendeten. Im Rahmen des Projekts "100 Meter&#13;
Amerika" erhält jede Schule einen Meter Bücher,&#13;
CD-Roms und anderes Informationsmaterial. Bezeichnenderweise wird dieses Projekt nicht von der&#13;
US-Regierung, sondern von den Freunden des&#13;
Amerika Hauses Berlin finanziert. In unseren beiden&#13;
Gesellschaften haben wir den Wert und die Erfolgsaussichten von Privatinitiativen zu schätzen gelernt.&#13;
Das gilt insbesondere für die Vereinigten Staaten.&#13;
Amerikaner fühlen sich aufgrund ihrer Kultur - nicht so&#13;
sehr durch Steuern - dazu veranlaßt, in Form von Zeit,&#13;
Wohltätigkeitsarbeit oder Mäzenatentum einen Beitrag&#13;
zur Gesellschaft zu leisten. Anstatt darauf zu warten,&#13;
daß die Regierung tätig wird, zeigt der Einzelne Sinn&#13;
dafür, was erreicht werden kann, wenn man sich&#13;
gemeinsam für eine gute Sache einsetzt.&#13;
Die Zukunft&#13;
Im nächsten Jahrhundert sollten wir versuchen, im&#13;
Rahmen der euroatlantischen Partnerschaft sogar&#13;
noch mehr zu erreichen. Amerika ist eine wahrhaft&#13;
europäische Macht. Aber Europa ist auch integraler&#13;
Bestandteil der amerikanischen Realität. Es gibt keine&#13;
getrennte Zukunft.&#13;
Unsere in den letzten 50 Jahren erzielten Erfolge&#13;
lehren uns eine Lektion, die uns in Zukunft große&#13;
Dienste erweisen wird: Die erste Lektion liegt vielleicht&#13;
auf der Hand. Demokratie und Vielfalt, Offenheit und&#13;
Pluralismus sind die wesentlichen Elemente erfolgreicher Gesellschaften. Das 20. Jahrhundert war in&#13;
vielerlei Hinsicht ein Kampf gegen den Totalitarismus.&#13;
Das 21. Jahrhundert wird erleben, wie sich der&#13;
Pluralismus endgültig behauptet. Das moderne Leben&#13;
kann nicht kontrolliert werden. Frieden und Wohlstand&#13;
müssen auf Demokratie fußen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Auch die Solidarität sollte eine entscheidende Rolle&#13;
spielen. Damit meine ich nicht nur Solidarität innerhalb&#13;
von Gesellschaften oder zwischen Partnern wie den&#13;
Vereinigten Staaten und Deutschland. Ich meine auch&#13;
Solidarität mit denen, die sich um den Aufbau von&#13;
Demokratie bemühen, wo immer sie auch leben&#13;
mögen, sowie mit denjenigen, die eine Diktatur&#13;
bekämpfen, selbst wenn sie weit von unseren Küsten&#13;
entfernt sind. Solidarität bedeutet die Übernahme von&#13;
Verantwortung, auch wenn das nicht einfach ist.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Schließlich möchte ich die Bedeutung von Visionen&#13;
hervorheben. Das Leben kann nicht auf die Aufgaben&#13;
beschränkt werden, die auf der Tagesordnung stehen.&#13;
Visionen müssen dargelegt und entwickelt werden.&#13;
Wir arbeiten auf empfehlenswerte Weise zusammen,&#13;
um ihnen Form und Inhalt zu geben. Aber es gibt noch&#13;
viel mehr zu tun.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Summers fordert Reaktion auf asiatische Finanzkrise&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die der Stellvertretende&#13;
Finanzminister, Lawrence Summers, am 4. Februar 1998 vordem Finanzausschuß des Senats hielt.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, ich freue mich sehr über diese&#13;
Gelegenheit, die jüngsten Ereignisse auf den asiatischen Finanzmärkten und das eng damit zusammenhängende Thema einer adäquaten Finanzierung des&#13;
Internationalen Währungsfonds (IWF) erörtern zu&#13;
dürfen. Ich weiß, daß beide Fragen für diesen Ausschuß und andere Kongreßabgeordnete von großem&#13;
Interesse sind.&#13;
Heute möchte ich über die Instabilität in Asien und die&#13;
möglichen Gefahren einer anhaltenden Krise für die&#13;
Vereinigten Staaten sprechen. Ferner werde ich die&#13;
Stategie der Administration zur Wiederherstellung der&#13;
Stabilität sowie die dringende Notwendigkeit einer&#13;
Unterstützung des IWF darlegen, damit wir nicht nur&#13;
auf diese Krisen, sondern in Zukunft auch auf weitere&#13;
mögliche Krisen wirksam reagieren können.&#13;
I. Die Gefahren von Instabilität in Asien&#13;
Wie der Präsident in seinem Bericht zur Lage der&#13;
Nation feststellte, sind die asiatischen Volkswirtschaften unsere Kunden, unsere Konkurrenten und&#13;
unsere Verbündeten. Turbulenzen im Finanzsystem&#13;
der Region haben Auswirkungen auf das Wachstum&#13;
der amerikanischen Wirtschaft, das Wohlergehen der&#13;
amerikanischen Arbeitnehmer, Unternehmen und&#13;
Farmer. Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß diese Auswirkungen so gering wie möglich&#13;
sind.&#13;
Nahezu ein Drittel unserer Exporte geht nach Asien mehr als nach Europa. Die in der von Fortune erstellten Liste der 500 größten Unternehmen aufgeführten&#13;
Konzerne wie Microsoft, General Motors und Boeing&#13;
haben bereits vor einer verringerten Nachfrage nach&#13;
unseren Exporten aufgrund der Instabilität in Asien&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
gewarnt - wobei verringerte Nachfrage weniger&#13;
Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer bedeuten kann.&#13;
Unsere Wirtschaft ist stark und kann diesen und&#13;
anderen kurzfristigen Auswirkungen bisheriger Krisen&#13;
standhalten. Die potentiellen Kosten werden jedoch&#13;
ansteigen, wenn diesen Volkswirtschaften die Wiederherstellung von Stabilität nicht gelingt und die&#13;
Krisen auf entstehende Märkte in anderen Regionen&#13;
übergreifen - Märkte, die derzeit Abnehmer von mehr&#13;
als 40 Prozent unserer Exporte sind. Anhaltende&#13;
Instabilität auf den asiatischen und anderen Märkten&#13;
könnte amerikanische Exporte und davon&#13;
abhängige Arbeitsplätze gefährden und zu&#13;
einem Kreislauf kostspieliger Abwertungen&#13;
sowie einer Behinderung des offenen Handels&#13;
führen;&#13;
könnte Auswirkungen auf unsere Finanzmärkte und damit auf alle Bereiche haben - von&#13;
Investitionen in Werkzeuge und Geräte für&#13;
Arbeitnehmer bis zu neuen Hypotheken für&#13;
den Wohnungsbau;&#13;
könnte Anlaß zur Besorgnis um die nationale&#13;
Sicherheit geben, da Finanzkrisen Konflikte&#13;
größeren Ausmaßes auslösen können.&#13;
Staatssekretär Eizenstat wird sich mit Einzelheiten dieser Frage befassen.&#13;
Mit anderen Worten: Die Gefahren, wenn wir nicht auf&#13;
diese Krisen reagieren - Gefahren für unsere Wirtschaft, die Stabilität unserer Finanzmärkte und unsere&#13;
nationale Sicherheit im allgemeinen - übersteigen bei&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�weitem die Gefahren, die entstehen können, wenn wir&#13;
handeln.&#13;
Wir können und müssen mit der internationalen&#13;
Gemeinschaft zusammenarbeiten, um so bald wie&#13;
möglich Vertrauen und Wachstum wiederherzustellen,&#13;
damit diese Nationen starke Märkte und dauerhafte&#13;
Verbündete der Vereinigten Staaten bleiben können.&#13;
II. Der Ansatz der Vereinigten Staaten&#13;
Unser Ansatz zu diesen Ereignissen basiert auf vier&#13;
Grundsätzen:&#13;
Erstens. Die Hauptverantwortung für die&#13;
Beilegung dieser Krisen liegt bei den Ländern&#13;
selbst und den Maßnahmen, die sie zu ergreifen bereit sind.&#13;
Zweitens. Die internationale Gemeinschaft&#13;
sollte den Ländern temporäre, gebundene&#13;
Finanzhilfen zur Förderung ihrer wirtschaftlichen Erholung gewähren.&#13;
Drittens. Vor dem Hintergrund dieser Krisen&#13;
müssen die großen Industriestaaten, insbesondere Japan, sowie die Volkswirtschaften&#13;
der Region ihr eigenes Wirtschaftswachstum&#13;
fördern, um Vertrauen und Wachstum wiederherzustellen.&#13;
Viertens. Wir sollten nicht nur die derzeitigen&#13;
Krisen im Blick haben, sondern auch das&#13;
internationale Finanzsystem, das wir für die&#13;
Zukunft schaffen wollen. Daher müssen wir&#13;
weltweit Maßnahmen fördern, die das Risiko&#13;
einer Ausweitung von Krisen verringern und&#13;
weitere verhindern.&#13;
Lassen Sie mich kurz auf diese Grundsätze eingehen&#13;
und dabei meinen Schwerpunkt auf die beiden ersten&#13;
legen, die eng mit dem IWF in Verbindung stehen.&#13;
1. Nationale Politik&#13;
Eine entschiedene inländische Reaktion ist die absolute Vorbedingung für die Wiederherstellung von Stabilität. Die von uns unterstützten Reformprogramme in&#13;
Thailand, Indonesien und Korea verpflichten diese&#13;
Länder zu konkreten Aktionen zur Wiederherstellung&#13;
von Stabilität und der Schaffung einer sichereren&#13;
Grundlage für langfristiges Wachstum.&#13;
Obwohl jedes Programm auf die spezifischen Gründe&#13;
für die Krise des jeweiligen Landes zugeschnitten ist,&#13;
haben alle den Schwerpunkt, die Wirtschaft marktorientierter zu gestalten, die Kapitalzuweisung zu&#13;
verbessern und die Kräfte des Marktes wirken zu&#13;
lassen.&#13;
In der Struktur dieser Volkswirtschaften&#13;
müssen wichtige, seit langem überfällige Veränderun-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
gen durchgeführt werden - Veränderungen, die in&#13;
vielen Fällen von den Regierungsvertretern dieser&#13;
Länder begrüßt werden. Die wichtigsten Reformen&#13;
erstrecken sich auf folgende Bereiche:&#13;
Maßnahmen zur Stärkung des heimischen&#13;
Finanzsystems durch eine Umstrukturierung&#13;
des Finanzsektors, verbesserte Transparenz&#13;
und Überwachung, die Abschaffung der&#13;
wechselseitigen Abhängigkeit von Regierung&#13;
und Wirtschaft sowie die Öffnung der heimischen Kapitalmärkte.&#13;
Strukturreformen zum Aufbrechen von Rohstoffmonopolen und zur Öffnung geschützter&#13;
Sektoren für ausländische Konkurrenten.&#13;
Wiederherstellung&#13;
einer&#13;
angemessenen&#13;
Währungs- und Finanzpolitik und längerfristig&#13;
die Vereinbarung stabiler, transparenter&#13;
Vorschriften für die Politiker.&#13;
Angesichts des starken Interesses dieses Ausschusses an den handelspolitischen Aspekten der Programme möchte ich dieses Thema noch etwas ausweiten.&#13;
Das Stabilisierungspaket für Indonesien verpflichtet die&#13;
Regierung zur Beseitigung einer Reihe offiziell sanktionierter Import- und Exportmonopole, Abschaffung von&#13;
Ausfuhrsteuern für Rohstoffe, Reform des staatlichen&#13;
Beschaffungssystems und zur Beschleunigung des&#13;
Privatisierungsprozesses. Zölle auf Nahrungsmittelimporte wurden mit sofortiger Wirkung auf höchstens 5&#13;
Prozent gesenkt. In ähnlicher Weise konzentriert sich&#13;
das Programm für Thailand stärker auf die Privatisierung, auf Maßnahmen zur Kürzung von Subventionen&#13;
für staatliche Unternehmen und die Lockerung von&#13;
Beschränkungen von ausländischem Besitz und&#13;
Devisenkontrollen.&#13;
Die koreanische Regierung hat sich ihrerseits unter&#13;
anderem verpflichtet, eine Reihe unfairer Subventionen für koreanische Exporteure abzuschaffen, die&#13;
Vergabe von Importlizenzen und lästige Zollverfahren&#13;
zu erleichtem, die unter staatlicher Kontrolle stehende&#13;
unwirtschaftliche Kreditvergabe einzustellen und die&#13;
Restriktionen für koreanische Unternehmen in ausländischem Besitz erheblich zu verringern.&#13;
Herr Vorsitzender, es lohnt sich, über die Bedeutung&#13;
dieser Veränderungen nachzudenken. Die engen und&#13;
privilegierten Beziehungen zwischen den "Chaebols",&#13;
den Banken und der Regierung sind seit Jahren eines&#13;
der hervorstechenden Merkmale der koreanischen&#13;
Volkswirtschaft. Sie sind die Wurzel der hartnäckigen&#13;
Probleme bei unserem Handel mit diesem Land, die zu&#13;
schlechtem Marktzugang, unwirtschaftlichen Investitionen, übermäßiger Konzentration und überschüssigen Kapazitäten in Schlüsselindustrien führen.&#13;
Gleichzeitig ist es sehr schwierig, diese Praktiken mit&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�traditionellen handelspolitischen Instrumenten zu&#13;
bekämpfen.&#13;
Die im IWF-Programm enthaltenen&#13;
Reformen zielen darauf ab, diese Vorzugsbehandlung&#13;
ein für allemal abzuschaffen.&#13;
2. Internationale Hilfe&#13;
Falls die Länder sich zur Ergreifung dieser entschiedenen Maßnahmen verpflichten - und nur dann - hat die&#13;
internationale Gemeinschaft unter der Führung der&#13;
Vereinigten Staaten großes Interesse, ihnen Hilfe zur&#13;
Selbsthilfe zu gewähren. Durch die Bereitstellung&#13;
temporärer Finanzhilfe können wir diesen Volkswirtschaften eine Atempause geben, während diese&#13;
lebenswichtigen Reformen durchgeführt werden.&#13;
Ohne diese Unterstützung könnten sich selbst die&#13;
Länder, die sich wirklich für Reformen engagieren,&#13;
außerstande sehen, ihre Verpflichtungen - auf&#13;
Regierungs- oder privatwirtschaftlicher Ebene - zu&#13;
erfüllen, was verheerende Auswirkungen auf ihre&#13;
eigene Wirtschaft haben und die Gefahr eines Übergreifens auf andere Märkte beträchtlich erhöhen&#13;
könnte.&#13;
Der IWF ist und bleibt die wichtigste Organisation für&#13;
die Gewährung dieser Hilfe, wobei er von der Weltbank und den regionalen Entwicklungsbanken unterstützt wird. Es sollte darauf hingewiesen werden, daß&#13;
der IWF bei der Reaktion auf die jüngsten Krisen in&#13;
Asien das Instrument für umfassende multilaterale&#13;
Bestrebungen zur Wiederherstellung von Stabilität war&#13;
- was ein beispielloses Ausmaß internationaler Lastenteilung widerspiegelt. In krassem Gegensatz zu der&#13;
Situation in Mexiko haben die internationalen Finanzinstitutionen jetzt den Großteil der Hilfe bereitgestellt was eine nur sehr begrenzte direkte finanzielle&#13;
Gefährdung der Vereinigten Staaten bedeutete.&#13;
Gemeinsam mit anderen Industriestaaten haben wir&#13;
unserer Bereitschaft zur Gewährung zusätzlicher&#13;
vorübergehender Hilfe in Situationen Ausdruck&#13;
verliehen, in denen ein Land seine Reformen fortsetzt,&#13;
unerwartete Entwicklungen jedoch zusätzliche Mittel&#13;
erfordern. Bis heute wurden keine Gelder aus dieser&#13;
"zweiten Verteidigungslinie" ausgezahlt, und tatsächlich erfolgende Zahlungen wären sehr kurzfristiger&#13;
Natur und garantiert.&#13;
&#13;
dels und Wettbewerbs haben die größten Volkswirtschaften in der asiatisch-pazifischen Region eine&#13;
besondere Verantwortung zur Verfolgung einer soliden&#13;
Politik, die auf die Förderung ihres gemeinsamen&#13;
Interesses an Währungsstabilität und stabilem Wachstum abzielt.&#13;
Die US-Regierung trägt mit ihrem ausgeglichenem&#13;
Haushalt das Ihre beit, weil jetzt jährlich 200 Milliarden&#13;
Dollar für Investitionen in die Weltwirtschaft frei&#13;
werden. Eine Fortsetzung durchgreifender Reformen&#13;
in China ist ebenfalls von zunehmender Bedeutung.&#13;
Als wir in Peking mit dem chinesischen Vizepremier&#13;
Zhu Rhongij sprachen, haben wir uns gefreut, daß er&#13;
Chinas Engagement für stabile Wechselkurse und eine&#13;
effektive Bewältigung der das Land konfrontierenden&#13;
wirtschaftlichen Herausforderungen erneut bekräftigte.&#13;
In den kommenden Wochen und Monaten wird jedoch&#13;
auch Japan auf der Bildfläche erscheinen müssen indem es sich aktiv für die Förderung des Wachstums&#13;
einsetzt und die Probleme in seinem Finanzsektor löst.&#13;
Die Industriestaaten können auch direkter auf Krisen&#13;
reagieren, indem sie den Handelsfluß in der Region&#13;
unterstützen. Es besteht eine ernsthafte Gefahr, daß&#13;
die Rezession in diesen Volkswirtschaften durch einen&#13;
Mangel an kurzfristiger Handelsfinanzierung in die&#13;
Länge gezogen wird. Das Finanzsystem hat aufgrund&#13;
der enormen Schuldenlast in manchen Fällen einfach&#13;
aufgehört zu funktionieren - wodurch es Unternehmen&#13;
unmöglich wurde, Darlehen für Importe elementarer&#13;
Güter und Materialien zu erhalten.&#13;
Unsere Export-Import Bank war weltweit führend,&#13;
indem sie Korea eine beträchtlich erhöhte kurzfristige&#13;
Exportversicherung angeboten hat und jetzt Wege&#13;
sondiert, dieses Programm auf andere asiatische&#13;
Märkte auszuweiten.&#13;
Die Bereitstellung dieser Unterstützung ist für die&#13;
Vereinigten Staaten nur von Vorteil: Sie gibt amerikanischen Exporten und Arbeitsplätzen neuen Schwung&#13;
und beschleunigt langfristig die Erholung dieser&#13;
wichtigen Märkte. Die Eximbank wirbt jetzt im Rahmen&#13;
einer multilateralen Initiative bei anderen Exportkreditorganisationen um Unterstützung für den bedeutenden Importfinanzierungsbedarf der Region.&#13;
4. Die langfristige Reformagenda&#13;
&#13;
3. Aktionen der Industriestaaten und der Länder&#13;
der Region&#13;
Entschlossene innenpolitische Maßnahmen der am&#13;
stärksten betroffenen Länder sind der Schlüssel für die&#13;
Wiederherstellung der Stabilität in diesen Volkswirtschaften.&#13;
Im Zeitalter miteinander verflochtener&#13;
Märkte spielen andere Länder jedoch eine Rolle bei&#13;
der Unterstützung der schnellen Wiederherstellung&#13;
von Wachstum - und der fortgesetzten Ausweitung des&#13;
Handels. Angesichts des lebhaften regionalen Han-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, die jüngsten Ereignisse in Asien&#13;
hinterlassen der internationalen Gemeinschaft eine&#13;
bedeutende langfristige Agenda. Dies wird nicht die&#13;
letzte Finanzkrise sein. Wir müssen jedoch darauf&#13;
hinarbeiten, die Risiken solcher Ereignisse zu verringern und ihnen wirksamer zu begegnen, wenn sie&#13;
auftreten. Wir benötigen, mit den Worten von Finanzminister Rubin, eine internationale Finanzarchitektur,&#13;
die "so modern wie die Märkte" ist.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Präsident Clinton begann die diesbezüglichen Bestrebungen vor vier Jahren beim G-7-Treffen in Neapel.&#13;
Beim darauf folgenden Gipfel in Halifax 1995 leiteten&#13;
wir umfassende internationale Bemühungen in die&#13;
Wege, um die Schutzmaßnahmen im globalen Finanzsystem zu stärken. Zwei wesentliche Bestandteile&#13;
dieser Initiative sind ein internationales Programm zur&#13;
Stärkung der Offenlegung und Entwicklung von&#13;
Grundprinzipien für die Überwachung der Finanzsysteme entstehender Märkte.&#13;
&#13;
ren, umfassende Reformen durchzusetzen, bevor die&#13;
Konsequenzen sorgfältig erwogen worden sind - und&#13;
bevor diese Fragen gelöst sind, können wir es uns&#13;
auch nicht leisten zuzulassen, daß der IWF unzureichend darauf vorbereitet ist, auf diese und andere&#13;
mögliche Krisen zu reagieren. Es ist jedoch wichtig&#13;
festzustellen, daß wir in den letzten Monaten - sogar&#13;
mitten in der Krise - bedeutende Fortschritte zur&#13;
Erlangung einiger dieser langfristigen Reformziele&#13;
gemacht haben:&#13;
&#13;
Zur Modernisierung unserer Instrumente für die&#13;
Krisenbewältigung haben die Vereinigten Staaten eine&#13;
Führungsrolle bei der Entwicklung eines neuens&#13;
Ansatzes zur Bereitstellung externer Finanzierung&#13;
übernommen. Tatsächlich ist eine Folgeerscheinung&#13;
dieses Prozesses - der Soforthilfefinanzierungsmechanismus des IWF - ein Schlüsselelement der Programme zur finanziellen Unterstützung in Asien.&#13;
&#13;
Bei der Förderung von Transparenz und als&#13;
Vorbedingung für finanzielle Unterstützungsleistungen an Thailand, Indonesien und Korea&#13;
haben wir entschlossen und erfolgreich darauf&#13;
gedrängt, daß die Regierungen einen "Letter&#13;
of Intent" veröffentlichen, in dem die mit dem&#13;
IWF vereinbarten Reformmaßnahmen dargelegt werden.&#13;
&#13;
Auf Initiative Präsident Clintons werden die Vereinigten&#13;
Staaten Ende des Frühjahrs ein Treffen der Finanzminister aus aller Welt einberufen, um diese Anstrengungen fortzusetzen und mit der Ausarbeitung&#13;
eines Konsenses über Maßnahmen zur Bewältigung&#13;
der neuen Herausforderungen des internationalen&#13;
Finanzsystems zu beginnen.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten haben erneut die&#13;
Führungsrolle übernommen um sicherzustellen, daß die Hilfsmittel situationsgerecht sind.&#13;
Die jüngsten Programme basierten auch auf&#13;
dem Konzept zusätzlicher Finanzierungsreserven mit günstigen Zinssätzen - wobei das&#13;
Ziel in der Gewährung der erforderlichen&#13;
Soforthilfegelder und der Maximierung der&#13;
Initiative des Privatsektors liegt, selbst Finanzmittel aufzubringen.&#13;
&#13;
Diese Agenda muß die folgenden Punkte beinhalten:&#13;
Förderung von Maßnahmen für ein besseres&#13;
Funktionieren der Weltmärkte, beispielsweise&#13;
durch verstärkte Überwachung und verbesserte nationale Kontrolle und Vorschriften;&#13;
Erhöhung von Transparenz und Offenlegung,&#13;
beispielsweise aller Belastungen ausländischer Währungsreserven;&#13;
Stärkung vernünftiger Standards, sowohl auf&#13;
globaler Ebene als auch in den einzelnen&#13;
Volkswirtschaften;&#13;
verbesserte Handhabung der Innenpolitik&#13;
sowie die Sondierung von Maßnahmen zur&#13;
Vermeidung und Bewältigung von Krisen;&#13;
Stärkung der Rolle internationaler Finanzinstitutionen in Finanzkrisen um sicherzustellen, daß die internationale Gemeinschaft&#13;
schnell und angemessen auf Probleme reagieren und ihr Wiederauftreten verhindern&#13;
kann;&#13;
Gewährleistung adäquater Lastenteilung mit&#13;
dem Privatsektor bei der Beilegung von&#13;
Krisen.&#13;
&#13;
Durch die Einbeziehung ausländischer Gläubigerbanken in die Beilegung der koreanischen&#13;
Krise haben wir eine wichtige Innovation beim&#13;
Ansatz der internationalen Gemeinschaft zu&#13;
Krisen dieser Art unterstützt und dazu beigetragen, umfassende Bestrebungen des&#13;
Privatsektors als Katalysator für die Wiederherstellung von Stabilität einzusetzen.&#13;
Wir haben nicht nur Druck auf eine Stärkung&#13;
des wichtigen Finanzsektors in den Unterstützungsprogrammen des IWF ausgeübt, sondern auch ein Abkommen mit den asiatischen&#13;
Regierungen über die Entwicklung regionaler&#13;
Überwachungsmechanismen zur Förderung&#13;
von Finanzstabilität in Asien und Erhöhung der&#13;
Transparenz der Finanzmärkte auf regionaler&#13;
Ebene geschlossen.&#13;
Um es noch einmal zu wiederholen: Diese und andere&#13;
Schritte müssen als Teil einer Agenda für permanente&#13;
Reformen angesehen werden - einer Agenda, die&#13;
praktisch nie abgeschlossen wird.&#13;
Solange die&#13;
Weltwirtschaft sich verändert, müssen wir sicherstellen, daß sich die internationale Finanzarchitektur&#13;
mit ihr verändert.&#13;
&#13;
Diese Themen sind ebenso komplex wie wichtig. Da&#13;
sehr viel auf dem Spiel steht, können wir nicht riskie-&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�III. Unterstützung des IWF&#13;
Jetzt möchte ich mich der unmittelbaren Notwendigkeit&#13;
zuwenden, in dieser entscheidenden Zeit eine adäquate Finanzierung des IWF sicherzustellen. Am&#13;
Montag unterbreitete der Präsident dem Kongreß&#13;
einen Zusatzantrag für eine Unterstützung des IWF auf&#13;
zwei wichtige Arten: Erstens durch eine Erhöhung&#13;
unserer Quotenzeichnungen und zweitens durch einen&#13;
Beitrag zu einer aufgestockten Soforthilfefazilität, den&#13;
neuen Darlehensvereinbarungen, um die Mittel des&#13;
IWF für die Bewältigung solcher Krisen aufzustocken.&#13;
Herr Vorsitzender, wir haben auf diese Krisen reagiert,&#13;
weil sie eine große Gefahr für unsere elementaren&#13;
Wirtschafts- und nationalen Sicherheitsinteressen&#13;
darstellen - eine Gefahr, die immer größer wird, je&#13;
länger die Instabilität andauert und je mehr sie sich&#13;
ausbreitet. Wir müssen den IWF während dieser&#13;
Krisen unterstützen und gewährleisten, daß er auf die&#13;
Bewältigung weiterer Krisen vorbereitet ist. Denn das&#13;
ist, um es einfach auszudrücken, für uns der billigste&#13;
und effektivste Weg zur Förderung dieser elementaren&#13;
amerikanischen Interessen.&#13;
Fünfzig Jahre überparteiliche Unterstützung für den&#13;
IWF hat den amerikanischen Steuerzahler keinen Cent&#13;
gekostet, weil es nie einen längeren Zahlungsverzug&#13;
gegeben hat und die Darlehensgewährung durch&#13;
beträchtliche Goldreserven gestützt ist. Der IWF hat&#13;
derzeit ausstehende Darlehensrückzahlungen in Höhe&#13;
von 65 Millliarden Dollar - und Reserven von 40&#13;
Milliarden Dollar. Er funktioniert wie eine internationale&#13;
Kreditunion. Wir bieten gemeinsam mit anderen&#13;
Ländern eine Kreditlinie, und wenn der IWF unsere&#13;
Mittel in Anspruch nimmt, erhalten wir im Gegenzug&#13;
einen liquiden, verzinslichen Verrechnungsanspruch&#13;
an den IWF. Aus diesem Grund entstehen keine&#13;
direkten Haushaltskosten. Aus diesem Grund erhöht&#13;
unser Beitrag nicht das Defizit und hat keine Auswirkungen auf andere Ausgabenprioritäten.&#13;
Indem er Bedingungen stellt, unterstützt der IWF die&#13;
richtige Politik. Durch kurzfristige Finanzspritzen&#13;
verhindert er eine weitere Abwertung und unterstützt&#13;
die Rückkehr zu langfristigem Wachstum. Er fördert&#13;
Veränderungen, die in unserem langfristigen Interesse&#13;
liegen, beispielsweise indem er diese Volkswirtschaften offener für Außenhandel macht und ihre&#13;
heimischen Subventionen kürzt. Und er gibt uns&#13;
maximalen Einfluß: Mit jedem Dollar, den wir beitragen,&#13;
werden fünf aus der übrigen Welt freigesetzt. Selbst&#13;
mit diesen neuen Geldern betragen die Mittel des IWF&#13;
noch weniger als ein Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts - wenig mehr als die Hälfte dessen, was&#13;
sie vor 20 Jahren ausmachten.&#13;
Der IWF muß besser geführt werden. Seine Transaktionen müssen transparenter werden, und er muß&#13;
über seine Entscheidungen Rechenschaft ablegen,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
wenn er das Vertrauen der Steuerzahler und Investoren behalten will. Das sind Aspekte des IWF, die&#13;
zu Recht einer Überprüfung durch den Kongreß&#13;
unterzogen werden.&#13;
Und ich möchte eindeutig&#13;
klarstellen: Das sind Aspekte, die wir zu ändern&#13;
beabsichtigen.&#13;
Es wurde eine gewisse Besorgnis über unsere weitere&#13;
Unterstützung des IWF geäußert. Ich möchte darauf&#13;
im Einzelnen eingehen.&#13;
Zu viele Sparmaßnahmen?&#13;
Es gab die berechtigte Sorge, daß die Stabilisierungsprogramme des IWF in Asien zu einschränkend waren&#13;
und sich zu wenig auf die Notwendigkeit konzentrierten, das Vertrauen wiederherzustellen und für&#13;
steigende individuelle Einkommen und Chancen in&#13;
diesen Ländern zu sorgen.&#13;
Diese Programme konzentrieren sich vor allen auf den&#13;
strukturellen Aspekt - auf die Unterstützung von&#13;
Maßnahmen, die Wachstum fördern, indem sie den&#13;
Märkten und den Kräften des Marktes gestatten zu&#13;
operieren. Die makroökonomischen Aspekte dieser&#13;
Programme sollen ein Gleichgewicht zwischen den&#13;
Geboten herstellen, einerseits einen weiteren Verfall&#13;
der Märkte und frei fallende Währungen und andererseits weitere Rückschläge für die Binnennachfrage zu&#13;
verhindern. Es gibt keine Garantie, daß dieses&#13;
schwierige Gleichgewicht richtig hergestellt wird. Und&#13;
während wir Fortschritte erzielen, werden die Vereinigten Staaten sorgfältig darauf achten, daß das&#13;
richtige Gleichgewicht hergestellt wird, während die&#13;
Bedingungen sich verändern und sich das Vertrauen&#13;
verbessert. Seien Sie sich jedoch bewußt, daß diese&#13;
Programme einzig und allein auf ein Ziel ausgerichtet&#13;
sind: die schnellstmögliche Wiederherstellung des&#13;
Wachstums zu erreichen.&#13;
Wo eine Krise stattgefunden hat und Anpassungen&#13;
vorgenommen werden müssen, ist es von entscheidender Bedeutung für uns alle, sich vor Augen zu&#13;
halten, daß diese Veränderungen effektiv durchgeführt&#13;
werden müssen - und ebenso entscheidend ist, daß&#13;
sie auf die Förderung einer ausgewogenen Rückkehr&#13;
zu Wachstum ausgerichtet sind. In der Tat waren alle&#13;
jüngsten Programme darauf ausgerichtet sicherzustellen, daß die notwendigen Anpassungen nicht auf&#13;
Kosten der Armen erfolgen:&#13;
Bei den Programmen für Indonesien und&#13;
Thailand wurden die Ausgaben für Gesundheitsfürsorge, Bildung und Sozialprogramme&#13;
ausdrücklich vor jeder Haushaltskonsolidierung geschützt und nach Möglichkeit die&#13;
Bestrebungen intensiviert, die Ausgaben auf&#13;
die ärmsten Schichten der Gesellschaft zuzuschneiden. In Korea verpflichtet das Programm die Regierung zur Stärkung des&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Arbeitssicherungssystems und zur Förderung&#13;
von aktiven Arbeitsmarktmaßnahmen, um die&#13;
Erschütterung des Arbeitsmarkts aufgrund der&#13;
Krise abzumildern.&#13;
Beim Entwurf von Ergänzungsprogrammen&#13;
zum IWF-Programm sind sich die Weltbank&#13;
und die asiatische Entwicklungsbank der&#13;
Notwendigkeit bewußt, sich auf die Auswirkungen der Maßnahmen auf die am ehesten Betroffenen zu konzentrieren - sowohl bei&#13;
der neuen Kreditgewährung an diese Länder&#13;
als auch bei der Umstrukturierung der bestehenden Kreditvergabeprogramme zur Förderung der Beschäftigung und der grundlegenden Gesundheitsversorgung in den städtischen und ländlichen Gebieten. Die Kredite&#13;
der Weltbank für Thailand und Indonesien&#13;
sehen bis zu 600 Millionen Dollar an neuen&#13;
Krediten zur Verbesserung des sozialen&#13;
Sicherheitsnetzes in diesen beiden Ländern&#13;
vor.&#13;
Und schließlich sollten wir uns vor Augen führen, daß&#13;
sich diese Programme auf die dringende Notwendigkeit der Wiederherstellung des Vertrauens in die&#13;
Finanzmärkte konzentrieren - weil das der kritische&#13;
erste Schritt zu einer Erholung des Wachstums und&#13;
der Investitionen ist. In diesem Sinne sind sie gezielt&#13;
auf die Förderung der langfristigen Interessen der&#13;
Arbeitnehmer in diesen Ländern ausgerichtet.&#13;
Ungenügende Berücksichtigung der grundlegenden Arbeitnehmerrechte?&#13;
Eine eng damit in Zusammenhang stehende Sorge&#13;
über diese Programme ist, daß sie die Notwendigkeit&#13;
einer Verbesserung der Arbeitnehmerrechte in diesen&#13;
Ländern nicht explizit einbeziehen.&#13;
Die Einführung grundlegender Arbeitnehmerrechte und&#13;
die Sicherstellung der Menschenrechte sind unerläßlich für eine erfolgreiche Entwicklung; sie sind und&#13;
werden eine entscheidende Priorität des Finanzministeriums sein. In den vergangenen Jahren haben&#13;
wir wichtige Fortschritte dabei gemacht, diese Probleme bei der Weltbank und anderen internationalen&#13;
Finanzinstitutionen vordringlich zu behandeln, und wir&#13;
sind zu weiteren Fortschritten verpflichtet. Ich möchte&#13;
nur zwei jüngste Beispiele nennen:&#13;
Wir haben umfassende Bestrebungen der&#13;
Weltbank zur Bekämpfung von Zwangs- und&#13;
Kinderarbeit eingeleitet und die Weltbank&#13;
erfolgreich aufgefordert, ein detailliertes&#13;
Grundsatzpapier zu dem Thema zu veröffentlichen sowie ihre Partnerschaften mit der&#13;
internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und&#13;
anderen Arbeitsorganisationen zu stärken.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Wir haben den IWF überredet, einen Grundsatzdialog mit der ILO und ein Pilotprogramm&#13;
von landesinternen Konsultationen über&#13;
Arbeitsmarktfragen und Arbeitnehmerrechte&#13;
einzuleiten.&#13;
In Indonesien hat der Exekutivdirektor der Vereinigten&#13;
Staaten bei der Weltbank das Thema Arbeitnehmerrechte in einer Überprüfungen der Hilfsstrategie für&#13;
Indonesien des Vorstands ausdrücklich angesprochen&#13;
und darauf gedrängt, daß die Weltbank grundlegende&#13;
Arbeitnehmerprobleme erörtert und besser in ihre&#13;
Indonesien-Programme und -Operationen integriert.&#13;
Unser Exekutivdirektor beim IWF hat im Zusammenhang mit dem jüngsten Finanzpaket auch die Frage&#13;
der indonesischen Arbeitsmarktgepflogenheiten angeschnitten. Und in der vergangenen Woche hat die&#13;
Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten das&#13;
Thema Arbeitnehmerrechte mit Regierungsvertretern&#13;
in Indonesien angesprochen, einen Aktionsplan für&#13;
Fortschritte dargelegt und Bezugspunkte für Versammlungs- und Koalitionsfreiheit festgelegt.&#13;
In Korea hat die Regierung mit großer Unterstützung&#13;
durch den IWF während der offiziellen Verhandlungen&#13;
- und zusätzlich zu der Verpflichtung einer Stärkung&#13;
der bereits erwähnten Arbeitssicherungsprogramme einen aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der&#13;
Regierung zusammengesetzten Dreier-Ausschuß&#13;
gebildet, um die Bedingungen für die Umstrukturierung&#13;
des koreanischen Chaebol-Konglomerats auszuhandeln. Das ist eine bahnbrechende Leistung, mit&#13;
der die Arbeitnehmer direkt in die Gestaltung der&#13;
Zukunft der koreanischen Wirtschaft einbezogen&#13;
werden.&#13;
Es ist jedoch auch wichtig, wie Finanzminister Rubin&#13;
erklärt hat, sich vor Augen zu führen, daß es bei dieser&#13;
Art von Notsituationen nicht möglich - und ziemlich&#13;
sicher unklug - ist, die äußerst komplexen Probleme&#13;
gleichzeitig mit allen erforderlichen Schritten zur&#13;
Wiederherstellung der Finanzstabilität anzusprechen.&#13;
Um effektiv zu sein, müssen sich diese Programme auf&#13;
die unmittelbaren Ursachen des Problems konzentrieren. Sie können nicht als Instrument zur Inangriffnahme des gesamten Spektrums anderer Probleme&#13;
benutzt werden, die uns besonderen Anlaß zur Sorge&#13;
bereiten, so verlockend diese Möglichkeit auch&#13;
erscheinen mag - und noch viel weniger für die der&#13;
rund 180 anderen IWF-Mitglieder.&#13;
Moralische Risiken schüren?&#13;
Im Zusammenhang mit diesen Programmen wurde die&#13;
große Sorge geäußert, daß der IWF - und damit die&#13;
Vereinigten Staaten - mit der Bereitstellung der&#13;
finanziellen Unterstützung für diese Volkswirtschaften&#13;
ein unverantwortliches Verhalten der Regierungen und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Investoren in der Zukunft ermutigt haben könnten (das&#13;
Problem "moralischer Risiken").&#13;
Was die Regierungen anbetrifft, sehen sich alle&#13;
Volkswirtschaften, die in den vergangenen Monaten&#13;
die Unterstützung des IWF beanspruchen mußten, mit&#13;
Monaten gravierender wirtschaftlicher Härten und der&#13;
Durchführung schwieriger Reformen zur Wiederherstellung des Vertrauens konfrontiert. Die Gesamtkosten der Krise werden zweifelsohne die flüchtigen&#13;
Vorteile der Nothilfe bei weitem übertreffen.&#13;
Im Falle der Investoren ist die Situation weniger&#13;
eindeutig.&#13;
Die Gläubigerbanken und andere Institutionen können und haben im Gefolge dieser Krisen&#13;
beträchtliche Verluste hinnehmen müssen, und&#13;
insbesondere in Korea haben die Gläubiger einen&#13;
guten Teil der Last für die Wiederherstellung der&#13;
Stabilität übernommen. Einer Schätzung der Bundeszentralbank zufolge könnten sich die Investoren&#13;
nach dem Zusammenbruch der Aktienmärkte in diesen&#13;
Volkswirtschaften Verlusten in Höhe von 700 Milliarden&#13;
Dollar gegenübersehen. Drei große amerikanische&#13;
Banken - J.P. Morgan, Chase und Citibank - berichten,&#13;
daß die Entwicklungen in Asien beträchtliche negative&#13;
Auswirkungen auf ihre Gewinne hatten.&#13;
Und ein Artikel in der Financial Times von dieser&#13;
Woche zitierte eine Marktprognose - die sich als richtig&#13;
erweisen kann oder nicht - nach der allein die europäischen Banken aufgrund der Krise Verluste von 20&#13;
Milliarden Dollar bei ihrer Kreditgewährung an Asien&#13;
machen könnten.&#13;
Es trifft jedoch zu, daß die Bereitstellung von Hilfe für&#13;
die Länder in bestimmten Situationen den unvermeidbaren und unerwünschten Nebeneffekt haben kann,&#13;
die Investoren und Banken von den vollen Konsequenzen ihrer Aktionen abzuschirmen. Das Problem ist,&#13;
daß die Alternative, diese Gläubiger zu Verlusten zu&#13;
zwingen, noch größere Risiken für die langfristige&#13;
Stabilität bergen würde - nicht nur in diesen Ländern,&#13;
sondern auf der ganzen Welt. Die Banken könnten&#13;
sich aus diesen Volkswirtschaften - und vielleicht sehr&#13;
vielen anderen Märkten - zurückziehen, den kontinuierlichen Fluß von Investitionen in aufstrebende&#13;
Volkswirtschaften und damit möglicherweise die&#13;
Stabilität unserer eigenen Finanzmärkte unterminieren.&#13;
Wir können und müssen auf die Förderung des&#13;
Verantwortungsbewußtseins der Investoren in dieser&#13;
neuen Weltwirtschaft hinarbeiten. Wir müssen es&#13;
jedoch in einer Weise tun, die die langfristige finanzielle Stabilität eher unterstützt als bedroht, an der&#13;
amerikanische Arbeitnehmer und Unternehmen so ein&#13;
enormes Interesse haben. In der Zwischenzeit können&#13;
wir es uns nicht leisten, daß der IWF nicht in der Lage&#13;
ist, auf eine weitere Woge der Instabilität in Asien oder eine künftige andere Krise - zu reagieren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
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Abhilfe von außen?&#13;
Und schließlich gab es weitverbreitete Unsicherheit,&#13;
daß der IWF - unter Leitung der Vereinigten Staaten bei der Gestaltung dieser Programme tiefgreifende&#13;
Reformen aufzwingt, ohne die Ansichten und Sorgen&#13;
der Regierungen zu berücksichtigen, die sie durchführen müssen.&#13;
Wenn überhaupt, dann traf diese Beschreibung nur auf&#13;
wenige der zu den jüngsten Reformprogrammen&#13;
führenden Verhandlungen zu. In der Tat stammten die&#13;
Entwürfe der Programme - und ein Großteil der&#13;
spezifischen Reformmaßnahmen - fast immer von den&#13;
Regierungsvertretern in den Ländern selbst, von&#13;
denen viele die Gelegenheit zu seit langem angestrebten Reformen begrüßten. Kim Dae Jung, der neue&#13;
koreanische Präsident, veröffentlichte 1996 ein Buch,&#13;
in dem er zwingende Gründe für die Beendigung der&#13;
von der Regierung gelenkten Kreditgewährung an die&#13;
Industrie, für die Förderung einer nichtinflationären&#13;
Geldpolitik, die Kontrolle der Haushalte, die Reform&#13;
des Chaebol und die Öffnung der Finanzsysteme&#13;
dieser Volkswirtschaften vorbrachte - alles Reformen,&#13;
bei deren Einführung das IWF-Programm ihm jetzt&#13;
behilflich sein wird.&#13;
Herr Vorsitzender, es besteht immer die Möglichkeit zu&#13;
Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Maßnahmen die richtigen sind. Und die Vereinigten&#13;
Staaten werden immer ein Interesse daran haben, auf&#13;
Programme zu drängen, die unsere Grundwerte&#13;
widerspiegeln: Die Bedeutung von Transparenz,&#13;
Bekämpfung von Korruption, Förderung des Umweltschutzes und Schutz unserer grundlegenden Arbeitnehmerrechte. Aber nur wenn wir das Unsere tun um&#13;
sicherzustellen, daß der IWF angemessen finanziert&#13;
wird, werden wir im IWF eine effektive Stimme haben&#13;
um zu gewährleisten, daß er die richtigen Maßnahmen&#13;
fördert - und nur dann wird der IWF in der Lage sein,&#13;
die Finanzstabilität zu schützen, an der wir interessiert&#13;
sind.&#13;
IV. Schlußbemerkung&#13;
Herr Vorsitzender, die Krisen, die wir in Asien erlebt&#13;
haben, sind ernsthaft. Selbst wenn die Stabilität jetzt&#13;
wiederhergestellt ist, sind die Auswirkungen der&#13;
Krisen auf die Vereinigten Staaten bis heute real.&#13;
Wenn sich die Instabilität verbreiten oder intensivieren&#13;
sollte, könnten die potentiellen Risiken für amerikanische Arbeitsplätze, amerikanische Finanzmärkte und&#13;
unsere nationale Sicherheit in der Tat gravierend sein.&#13;
Wir sind in einer starken Position, den Auswirkungen&#13;
dieser Krisen standzuhalten: Unsere wirtschaftliche&#13;
Bilanz ist die beste seit einer Generation und unter den&#13;
führende Industrienationen unbestritten. Die Unsicherheiten der Situation sind groß: Es kann keine&#13;
Garantie dafür geben, daß unsere Anstrengungen zur&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�Wiederherstellung der Stabilität und Minimierung der&#13;
Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft Erfolg haben&#13;
werden. Aber angesichts der damit einhergehenden&#13;
Risiken haben wir die Verantwortung, alles in unserer&#13;
Macht Stehende zum Schutz der grundlegenden&#13;
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen&#13;
der Vereinigten Staaten zu tun, indem wir auf diese&#13;
Krisen reagieren und mit den effektivsten uns zur&#13;
Verfügung stehenden Mechanismen auf die Wiederherstellung der Stabilität hinarbeiten.&#13;
In einer solchen Zeit nicht die adäquaten Mittel für den&#13;
IWF bereitzustellen, hieße, ein echtes Risiko einzugehen. Es hieße, unsere Möglichkeit aufs Spiel zu&#13;
setzen, mit angemessener finanzieller Unterstützung&#13;
zu reagieren, falls sich die Krise ausweitet.&#13;
&#13;
Und es würde eine weitere Aushöhlung des Vertrauens der internationalen Investoren in einer Zeit&#13;
beträchtlicher Labilität des Marktes bedeuten. Diese&#13;
Risiken sollten wir nicht eingehen. Der amerikanische&#13;
Steuerzahler möchte nicht, daß wir solche Risiken&#13;
eingehen - insbesondere, wenn wir in den Schutz des&#13;
IWF mit Null Nettokosten für den Haushalt investieren&#13;
können.&#13;
Herr Vorsitzender, ich sehe der Zusammenarbeit mit&#13;
Ihnen, den anderen Mitgliedern dieses Ausschusses&#13;
und den Abgeordneten des Kongressen erwartungsvoll entgegen, wenn wir auf die Gewährleistung&#13;
hinarbeiten, daß der IWF in den kommenden Monaten&#13;
und Jahren weiterhin unsere grundlegenden Interessen fördert. Ich danke Ihnen.&#13;
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