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cimGrikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

V„N 4

Z12462 C

02

30.Januar 1998

LAGE DER NATION

CLINTON: USA HABEN DIE MACHT UND
DIE PFLICHT, EIN NEUES ZEITALTER DES
FRIEDENS ZU SCHAFFEN
Bericht zur Lage der Nation

GESELLSCHAFT

DER EINSATZ FÜR DIE BURGERRECHTE
Rede von Vizepräsident AI Gore

USA-EUROPA

DEUTSCHLAND, AMERIKA UND DIE
VOLLENDUNG EUROPAS
Rede von Botschafter John C. Kornblum

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�LAGE

DER

NATION
28.Januar 1998

Clinton: USA haben die Macht und die Pflicht,
ein neues Zeitalter des Friedens zu schaffen
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den von Präsident Clinton am 27. Januar 1998 vor dem
Kongreß vorgetragenen Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, Mitglieder des 105.
Kongresses, verehrte Gäste, meine amerikanischen
Mitbürger.
Seitdem wir das letzte Mal in dieser Kammer zusammengetroffen sind, hat Amerika zwei Patrioten und
herausragende Regierungsvertreter verloren. Obwohl
sie auf verschiedenen Seiten des Ganges saßen,
teilten die Abgeordneten des Repräsentantenhauses
Walter Capps und Sonny Bono tiefempfundene
Gefühle für dieses Haus und ein unerschütterliches
Engagement für die Verbesserung des Lebens aller
unserer Bürger. In den vergangenen Wochen wurden
Nachrufe auf sie gehalten. Wir sollten den heutigen
Abend damit beginnen, ihren Familien und Freunden
die Botschaft zu übermitteln, daß wir ihrer gedenken
und ihnen für den Dienst an unserer Nation danken.
Seit 209 Jahren ist es die Pflicht des Präsidenten,
Ihnen über die Lage der Nation zu berichten. Aufgrund
der harten Arbeit und hohen Zielsetzungen des
amerikanischen Volkes sind dies gute Zeiten für
Amerika. Wir haben über 14 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, die niedrigste Arbeitslosenquote
seit 24 Jahren, den niedrigsten Inflationssockel seit 30
Jahren, steigende Einkommen, und wir haben die
höchste Zahl von Eigenheimbesitzern in der Geschichte. Die Verbrechensrate ist in fünf aufeinander folgenden Jahren enorm gesunken. Und die Zahl der
Sozialhilfeempfänger ist auf dem niedrigsten Stand seit
27 Jahren. Unsere Führungsrolle in der Welt ist
unbestritten. Meine Damen und Herren, die Lage
unserer Nation ist gut.
Da das 20. Jahrhundert nur noch knapp 700 Tage hat,
ist dies nicht die Zeit, sich auszuruhen. Es ist die Zeit,

AMERIKA DIENST 02

aufzubauen - das Amerika aufzubauen, das in greifbare Nähe gerückt ist: Ein Amerika, in dem jeder die
Chance hat, mit harter Arbeit voranzukommen; in dem
jeder Bürger in einer sicheren Gemeinde leben kann;
in dem die Familien stark und Schulen gut sind und
alle jungen Menschen das College besuchen können;
ein Amerika, in dem Wissenschaftler Heilung für
Krankheiten von Diabetes über Alzheimer bis zu AIDS
finden; ein Amerika, in dem jedes Kind mit einem
Computer arbeiten und jedes Buch lesen kann, das je
geschrieben wurde, jedes Gemälde sehen kann, das
je gemalt wurde, jede Symphonie hören kann, die je
komponiert wurde; in dem die Regierung Chancen
bietet und die Bürger der Verantwortung gerecht
werden, etwas an ihre Gemeinden zurückzugeben; ein
Amerika, das die Welt zu neuen Höhen des Friedens
und Wohlstands führt.
Das ist das Amerika, das wir aufzubauen begonnen
haben; das ist das Amerika, das wir unseren Kindern
hinterlassen können - wenn wir uns zusammenschließen, um die vor uns liegende Arbeit zu beenden.
Wir wollen unsere Nation für das 21. Jahrhundert
stärken.
Die Amerikaner haben selten in so vieler Hinsicht und
in so kurzer Zeit solche Veränderungen durchlebt.
Ruhig, aber mit zunehmender Kraft hat sich der Boden
unter unseren Füßen verlagert, während wir in das
Informationszeitalter, eine globale Wirtschaft und eine
wirklich neue Welt eingetreten sind.
Seit fünf Jahren haben wir jetzt die Herausforderungen
dieser Veränderungen bewältigt, wie es die Amerikaner an jedem Wendepunkt getan haben: Indem sie die
Idee von Amerika selbst erneuert haben - den Kreis

Seite 1

�der Chancen erweitert, die Bedeutung unserer Freiheit
vertieft und eine perfektere Union geschmiedet haben.

unsere Entschlossenheit bewahren, werden wir auf
lange Sicht ausgeglichene Haushalte haben.

Wir haben für das Informationszeitalter eine neue Art
von Regierung geschaffen. Ich danke dem Vizepräsidenten für seine Führungsrolle und dem Kongreß für
seine Unterstützung beim Aufbau einer Regierung, die
schlanker, flexibler und ein Katalysator für neue Ideen
ist - und vor allem eine Regierung, die dem amerikanischen Volk die Instrumente an die Hand gibt, die es
benötigt, um das meiste aus seinem Leben zu machen.

Wir dürfen nicht wieder unkluge Ausgaben tätigen oder
ungezielte Steuersenkungen vornehmen, die zu einem
erneuten Defizit führen könnten. Im vergangenen Jahr
haben wir gemeinsam ein Gesetz über gezielte
Steuersenkungen erlassen, so daß die typische
Familie der Mittelschicht jetzt die niedrigsten Steuersätze seit 20 Jahren hat. Mein Plan für den Ausgleich
des Haushalts im nächsten Jahr enthält sowohl neue
Investitionen als auch neue Steuersenkungen, die auf
die Erfordernisse von Arbeitnehmerfamilien zugeschnitten sind: Ausbildung, Kinderbetreuung, Umweltschutz.

Wir sind über die sterile Debatte zwischen denjenigen
hinausgekommen, die sagen, die Regierung sei der
Feind, und denjenigen, die sagen, die Regierung sei
die Antwort. Meine amerikanischen Mitbürger, wir
haben eine Mittelweg gefunden. Wir haben die
kleinste Regierung seit 35 Jahren - aber eine progressivere. Wir haben eine kleinere Regierung - aber eine
stärkere. Wir bewegen uns stetig auf ein noch stärkeres Amerika im 21. Jahrhundert zu: Eine Volkswirtschaft, die Chancen bietet, eine in Verantwortung
wurzelnde Gesellschaft und eine Nation, die als eine
Gemeinschaft lebt.
Erstens streben die Amerikaner in dieser Kammer und
im ganzen Land eine neue Strategie für Wohlstand an:
Haushaltsdisziplin, um die Zinssätze zu senken und
Wachstum anzukurbeln; Investitionen in Bildung und
Ausbildung, in Wissenschaft, Technologie und das
Transportwesen, um unser Volk auf die neue Weltwirtschaft vorzubereiten; neue Märkte für amerikanische
Produkte und amerikanische Arbeitnehmer.
Als ich mein Amt antrat, wurde das Defizit für 1998 auf
357 Milliarden Dollar prognostiziert, Tendenz steigend.
In diesem Jahr soll sich unser Defizit auf 10 Milliarden
Dollar belaufen, Tendenz fallend. Drei Jahrzehnte
lang standen die Präsidenten vor Ihnen und haben vor
dem Schaden gewarnt, den Defizite für unsere Nation
darstellen. Heute Abend stehe ich vor Ihnen um
bekanntzugeben, daß das Haushaltsdefizit - einstmals
so unbegreiflich hoch, daß es 11 Nullen am Ende hatte
- schlicht und einfach Null sein wird. Ich werde dem
Kongreß für 1999 den ersten ausgeglichenen Haushalt
seit 30 Jahren vorlegen. Und wenn wir an der Haushaltsdisziplin festhalten, können wir den Haushalt in
diesem Jahr ausgleichen - vier Jahre vor der gesetzten
Frist.
Sie alle können darauf stolz sein, denn rote Zahlen in
schwarze zu verwandeln, ist kein Wunder. Es ist das
Produkt harter Arbeit des amerikanischen Volkes und
von zwei visionären Aktionen des Kongresses - der
mutigen Abstimmung 1993, die zu einem Abbau des
Defizits um 90 Prozent führte, und das von diesem
Kongreß verabschiedete wahrlich historische Abkommen beider Parteien über einen ausgeglichenen
Haushalt. Hier die wirklich gute Nachricht: Wenn wir

Seite 2

Aber seien es Steuersenkungen oder Ausgaben - ich
bitte Sie alle, diesen Test zu bestehen: Billigen Sie nur
die Prioritäten, die tatsächlich umgesetzt werden
können, ohne dem Defizit einen Pfennig hinzuzufügen.
Wenn wir den Haushalt für das nächste Jahr ausgleichen, werden wir den Prognosen zufolge in den
unmittelbar darauffolgenden Jahren einen beträchtlichen Überschuß haben. Was sollen wir mit diesem
vorhergesagten Überschuß tun?
Ich habe eine
einfache Antwort: Zuerst muß die Sozialversicherung
gerettet werden.
Heute Abend schlage ich vor, daß wir 100 Prozent des
Überschusses - das ist jeder Pfennig des Überschusses - zurücklegen, bis wir alle notwendigen
Maßnahmen zur Stärkung des Sozialversicherungssystems für das 21. Jahrhundert ergriffen haben. Wir
wollen allen Amerikanern - ob sie 70 oder 50 sind - ,
die heute Abend zusehen, sagen, es wird die Sozialversicherung geben, wenn Sie sie brauchen. Wir
wollen diese Zusage machen: Zuerst die Sozialversicherung. Lassen Sie uns das gemeinsam tun.
Ich möchte auch sagen, daß alle Amerikaner, die uns
heute Abend zusehen, eingeladen werden sollten, sich
an dieser Diskussion zu beteiligen, sich diesen
Themen offen zu stellen und einen echten Konsens zu
bilden, wie wir vorgehen sollten. Wir werden mit der
Einrichtung parteiunabhängiger Foren in jeder Region
des Landes beginnen - und ich hoffe, daß die Gesetzgeber beider Parteien sich beteiligen werden. Wir
werden im Dezember im Weißen Haus eine Konferenz
über Sozialversicherung abhalten. Und in einem Jahr
werde ich die Vorsitzenden des Kongresses einberufen, um historische, überparteiliche Gesetze zu
formulieren, damit etwas Bahnbrechendes für unsere
Generation geschaffen werden kann - ein Sozialversicherungssystem, das im 21. Jahrhundert stark it.
In einer Volkswirtschaft, die Chancen honoriert,
müssen alle Amerikaner die Früchte des Wohlstands
ernten können. Weil die Zeiten gut sind, können wir es
uns leisten, einen einfachen, vernünftigen Schritt zu

AMERIKA DIENST 02

�unternehmen, um Millionen von Arbeitnehmern zu
helfen, die darum kämpfen, ihre Familie zu ernähren:
Wir sollten den Mindestlohn erhöhen.
Das Informationszeitalter ist vor allem ein Bildungszeitalter, in dem die Bildung bei der Geburt beginnen
und das gesamte Leben lang andauern muß. Von
diesem Podium aus habe ich letztes Jahr gesagt, daß
Bildung unsere höchste Priorität sein muß. Ich habe
einen 10-Punkte-Plan umrissen, der uns voranbringen
soll, und an alle appelliert, daß Parteipolitik an der
Schultür haltmachen muß. Seit damals hat dieser
Kongreß über parteipolitische Grenzen . hinweg
zusammen mit dem amerikanischen Volk in dem
wichtigsten Jahr für Bildung seit einer Generation
reagiert - wir haben die Wahlmöglichkeiten zwischen
öffentlichen Schulen verbessert und den Weg zur
Gründung von 3.000 neuen Schulen geebnet, die
höchste Standards setzen und erfüllen; wir arbeiten
auf die Vernetzung aller Klassenzimmer im Land mit
der Datenautobahn hin und haben uns zur Ausdehnung von Head Start auf eine Million Kinder
verpflichtet; wir haben das Programm "Amerika liest" in
die Wege geleitet und buchstäblich Tausende von
Coilegestudenten in unsere Grundschulen geschickt
um sicherzustellen, daß alle unsere Achtjährigen lesen
können.
Im vergangenen Jahr habe ich 220.000 neue Pell
Grant-Stipendien für besonders begabte Studenten
vorgeschlagen, und Sie haben sie genehmigt. Bei
Krediten für Studenten, die bereits billiger und leichter
zurückzuzahlen sind, können Sie jetzt die Zinsen
steuerlich absetzen. Familien in ganz Amerika können
jetzt ihre Ersparnisse in neue steuerfreie private
Rentenkonten einzahlen. Und in diesem Jahr wird
Familien für die ersten beiden Collegejahre ein
Steuerfreibetrag in Höhe von 1.500 Dollar eingeräumt ein HOPE-Stipendium, das praktisch die gesamten
Studiengebühren für ein Gemeindecollege abdeckt.
Und für das 13. und 14. Schuljahr, die weiterführende
Schule und die berufliche Ausbildung gibt es einen
lebenslangen "Lernkredit". Sie haben das genehmigt,
und Sie sollten sehr stolz darauf sein.
Und aufgrund dieser Aktionen habe ich jeder Familie,
die uns heute Abend zuhört, etwas zu sagen: Ihre
Kinder können auf ein College gehen. Wenn Sie ein
Kind aus einer bedürftigen Familie kennen, sagen Sie
ihm, es soll nicht aufgeben - es kann aufs College
gehen. Wenn Sie ein junges Ehepaar kennen, das
Schwierigkeiten hat, seine Rechnungen zu bezahlen
und sich Sorgen macht, daß es seine Kinder nicht aufs
College schicken kann, sagen Sie ihm, es soll nicht
aufgeben - seine Kinder können aufs College gehen.
Wenn Sie jemanden kennen, der einen Beruf ohne
Aufstiegsmöglichkeiten hat und fürchtet, er könne die
notwendige Ausbildung für einen besseren Beruf für
den Rest seines Lebens nicht bezahlen, sagen Sie
ihm, er soll nicht aufgeben - er kann aufs College

AMERIKA DIENST 02

gehen. Aufgrund dessen, was getan worden ist,
können wir das College im 21. Jahrhundert so universell wie die High Schoo1 heute machen. Und das,
meine Freunde, wird da.c Gesicht und die Zukunft
Amerikas verändern.
Wir haben die Türen des besten Systems der Welt für
weiterführende Bildung weit geöffnet. Jetzt müssen wir
auch unsere öffentlichen Grund- und Oberschulen zu
den besten der Welt machen, indem wir den Standard,
die Erwartungen und die Rechenschaftspflicht verbessern.
Dank der Aktionen dieses Kongresses im letzten Jahr
werden wir bald zum ersten Mal einen landesweiten
freiwilligen Test haben, der sich auf die nationalen
Standards der 4. Klasse im Lesen und der 8. Klasse in
Mathematik stützt. Die Eltern haben ein Recht zu
wissen, ob ihre Kinder das Grundwissen beherrschen.
Und jeder Elternteil kennt bereits den Schlüssel: Gute
Lehrer und kleine Klassen.
Heute Abend schlage ich die erste landesweite
Bestrebung zur Verkleinerung der Klassen in den
ersten Schuljahren vor.
Mein ausgeglichener Haushalt wird zur Einstellung von
100.000 neuen Lehrern beitragen, die einen staatlichen Eignungstest bestanden haben. Mit diesen
Lehrern werden wir tatsächlich in der Lage sein, in
ganz Amerika die Klassen im 1., 2. und 3. Schuljahr
auf durchschnittlich 18 Schüler pro Klasse zu verkleinern.
Wenn meine Rechnung stimmt, benötigen mehr Lehrer
für kleinere Klassen mehr Klassenzimmer. Daher
schlage ich auch eine Steuersenkung für den Bau von
Schulen vor, um den Gemeinden bei der Modernisierung oder dem Bau von Schulen zu helfen.
Wir müssen auch größere Rechenschaftspflicht
fordern. Wenn wir ein Kind von Klasse zu Klasse
versetzen, das nicht mitkommt, tun wir dem Kind
keinen Gefallen. Es ist an der Zeit, die "soziale"
Versetzung in Amerikas Schulen abzuschaffen.
Im vergangenen Jahr wurde in Chicago diese Entscheidung getroffen - unsere Kinder zu fördern. In
Chicago wurde die "soziale" Versetzung abgeschafft
und eine obligatorische Sommerschule eingeführt, um
den Schülern zu helfen, die aufholen müssen. Ich
schlage vor, anderen Gemeinden behilflich zu sein,
dem Beispiel Chicagos zu folgen. Wir wollen zu ihnen
sagen: Hört auf, Kinder zu versetzen, die nicht lernen,
und wir werden Ihnen die Instrumente an die Hand
geben um sicherzustellen, daß sie es tun.
Ich bitte diesen Kongreß auch, unsere Bestrebungen
an Colleges und Universitäten zu unterstützen,
benachteiligte Kinder ab der 6. Klasse einzubeziehen,

Seite 3

�damit ihnen die erforderliche Anleitung und Hoffnung
gegeben wird, daß auch sie aufs College gehen
können.
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert fordert die
globale Wirtschaft von uns nicht nur im Inland, sondern
auf allen Märkten der Welt Chancen zu suchen. Wir
müssen diese globale Wirtschaft gestalten, nicht vor
ihr zurückschrecken. In den vergangenen fünf Jahren
haben wir den Weg zur Öffnung neuer Märkte mit 240
Handelsabkommen angeführt, die ausländische
Hemmnisse für Produkte mit der stolzen Aufschrift
"Made in the USA" abbauen. Heute ist ein Drittel
unseres Wirtschaftswachstums auf Exporte in Rekordhöhe zurückzuführen. Ich möchte, daß das so weitergeht, weil das der Weg für weiteres Wachstum in den
Vereinigten Staaten und die Förderung einer sichereren und stabileren Welt ist.
Unabhängig von Ihrer Sichtweise wissen Sie alle, daß
dies meines Erachtens eine große Chance für Amerika
ist. Ich weiß, daß es Widerstand gegen umfassendere
Handelsabkommen gibt. Ich habe sorgfältig zugehört
und glaube, daß der Widerstand in zwei Ängsten
begründet ist: Erstens, daß unsere Handelspartner
niedrigere Umwelt- und Arbeitsnormen haben werden,
die ihnen einen unfairen Vorteil auf unserem Markt
verschaffen und ihren eigenen Bürgern nicht entgegenkommen, selbst wenn es mehr Geschäftstätigkeit gibt. Und zweitens, daß mehr Arbeitnehmer hier
ihren Arbeitsplatz verlieren werden und von neuem
anfangen müssen, wenn wir unser Handelsvolumen
erhöhen. Meines Erachtens sollten wir die Förderung
von Arbeitnehmer- und Umweltnormen auf der ganzen
Welt anstreben. Ich habe immer wieder klargemacht,
daß dies Teil unserer Handelsagenda sein sollte. Aber
wir können die Entscheidungen anderer Länder nicht
beeinflussen, wenn wir ihnen die Botschaft senden,
daß wir vor Handel mit ihnen zurückschrecken.
In diesem Jahr werde ich dem Kongreß einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der unerträglichsten Arbeitspraxis - der Kinderarbeit - vorlegen und andere
Nationen bitten, unserem Beispiel zu folgen. Wir
sollten auch den Amerikanern Hilfe und Hoffnung
bieten, die vorübergehend hinter dem globalen Markt
oder dem Vormarsch der Technologie herhinken, was
nichts mit Handel zu tun haben muß. Aus diesem
Grund haben wir die Mittel für die Ausbildung von
umgesetzten Arbeitnehmern seit 1993 mehr als
verdoppelt - und wenn mein neuer Haushalt verabschiedet wird, werden wir die Mittel verdreifachen.
Deswegen müssen wir schneller mehr tun, um den
Arbeitnehmern zu helfen, die ihren Arbeitsplatz aus
welchem Grund auch immer verlieren.
Wie Sie wissen, sind wir Gemeinden in einer besonderen Weise behilflich, wenn ihre Militärstützpunkte
schließen. Wir sollten ihnen auf die gleiche Weise
helfen, wenn ihre Fabriktore schließen. Ich bitte den

Seite 4

Kongreß wiederum um die Fortsetzung seiner überparteilichen Arbeit, um das Gewirr von Ausbildungsprogrammen, das wir heute haben, in einem einzigen
Gl-Gesetz für Arbeitnehmer zusammenzufassen einem einfachen Ausbildungsstipendium, damit die
Menschen auf eigene Initiative schnell eine neue
Arbeit, ein höheres Einkommen und eine vielversprechendere Zukunft erhalten.
Wir alle wissen, daß Wandel in allen Lebenslagen
nicht einfach ist, aber wir müssen entscheiden, ob wir
ihn aufhalten und vor ihm zurückschrecken oder seine
Vorteile genießen wollen. Halten Sie sich das ganze
Bild hier vor Augen: Während wir Hunderte neuer
Handelsabkommen schließen, schaffen wir Millionen
neuer Arbeitsplätze.
In diesem Jahr werden wir neue Partnerschaften mit
Lateinamerika, Asien und Europa eingehen. Und wir
sollten das neue Gesetz über den Handel mit Afrika
verabschieden - es hat die Unterstützung beider
Parteien. Ich werde auch meinen Antrag für ein Fasttrack-Verhandlungsmandat erneuern, das für die
Öffnung neuer Märkte und die Schaffung von mehr
neuen Arbeitplätzen erforderlich ist, und das jeder
Präsident seit zwei Jahrzehnten hat.
Ob es uns gefällt oder nicht - die Volkswirtschaften der
Welt sind in zumeist positiver Weise immer enger
verflochten und interdependent. Heute kann eine
Wirtschaftskrise in einem Land die Volkswirtschaften
überall betreffen. In den vergangenen Monaten haben
Thailand, Indonesien, Südkorea und andere Länder
ernsthafte Finanzprobleme gehabt.
Warum sollten Amerikaner darüber besorgt sein?
Erstens sind diese Länder unsere Kunden. Wenn sie
eine Rezession erleben, können sie die Waren nicht
kaufen, die wir ihnen verkaufen möchten. Zweitens
sind sie auch unsere Konkurrenten. Wenn also ihre
Währungen an Wert verlieren, dann wird der Preis für
ihre Waren sinken und sie werden unsere und andere
Märkte mit sehr viel billigeren Waren überschwemmen,
was für uns den Wettbewerb stark erschwert. Und
schließlich sind sie unsere strategischen Partner. Ihre
Stabilität stärkt unsere Sicherheit.
Die amerikanische Wirtschaft ist weiterhin gesund und
stark, und ich möchte, daß das so bleibt. Aber weil die
Turbulenzen in Asien Auswirkungen auf alle Volkswirtschaften der Welt einschließlich der unseren haben
werden, ist es das Richtige für Amerika, diese negativen Auswirkungen so weit wie möglich abzuschwächen - und das Richtige für eine sicherere Welt.
Unsere Politik ist klar: Keine Nation kann sich erholen,
wenn sie sich nicht reformiert. Aber wenn Nationen
bereit sind, ernsthafte Wirtschaftsreformen durchzuführen, sollten wir ihnen dabei behilflich sein. Daher
fordere ich den Kongreß auf, die Verpflichtung der

AMERIKA DIENST 02

�Vereinigten Staaten gegenüber dem Internationalen
Währungsfonds zu erneuern. Und ich denke, wir
sollten allen Menschen, die wir hier zu vertreten
versuchen, sagen, daß die Vorbereitung auf einen weit
entfernten Sturm, der unsere Küsten erreichen kann,
sehr viel klüger ist als den Donner zu ignorieren, wenn
die Gewitterwolken schon direkt über einem sind.
Eine starke Nation ruht auf dem Fels der Verantwortung. Eine in Verantwortung wurzelnde Gesellschaft muß als erstes den Wert der Arbeit, nicht die
Sozialhilfe fördern. Wir können stolz sein, daß wir
nach Jahrzehnten der Schuldzuweisungen und des
Scheiterns gemeinsam das alte Sozialhilfesystem
abgeschafft haben. Und jetzt gibt es anstelle von
Sozialhilfeschecks Gehaltsschecks.
Nach einer Rekordabnahme der Zahl von Sozialhilfeempfängern über vier Jahre hinweg habe ich unsere
Nation im vergangenen Jahr aufgefordert, bis zum
Jahr 2000 weitere 2 Millionen Amerikaner von Sozialhüfe unabhängig zu machen. Ich freue mich, berichten
zu können, daß wir auch dieses Ziel erreicht haben zwei volle Jahre vor der gesetzten Frist.
Das ist eine große Leistung, die Summe vieler Akte
des Muts, Durchhaltevermögens und der Hoffnung des
Einzelnen. 13 Jahre lang war Elaine Kinslow aus
Indianapolis, Indiana, zwischenzeitlich von Sozialhilfe
abhängig. Heute ist sie Lieferantin bei einer kleinen
Transportfirma. Sie hat genug Geld gespart, um mit
ihrer Familie in eine gute Gegend zu ziehen, und sie
hilft anderen Sozialhilfeempfängern, eine Arbeit zu
finden. Elaine Kinslow und ihresgleichen sind die
echten Helden der Revolution im Sozialwesen. Es gibt
Millionen wie sie in ganz Amerika. Und ich freue mich,
daß sie heute Abend mit der First Lady zusammentreffen kann. Elaine, wie sind stolz auf Sie. Bitte
stehen Sie auf.
Wir alle haben noch sehr viel mehr zu tun, um der
Sozialhilfereform zum Erfolg zu verhelfen - mit Kinderbetreuung, Hilfestellung für Familien, damit sie in die
Nähe offener Stellen ziehen können, der Forderung an
mehr Unternehmen, bei unserem Programm "von der
Sozialhilfe zur Arbeit" mitzumachen und einer Erhöhung der Unterhaltszahlungen für Kinder von Eltern,
die eine Pflicht zur Unterstützung ihrer Kinder haben
und mit der Sozialhilfe Mißbrauch treiben. Ich möchte
dem Kongreß auch für die Wiedereinführung einiger
der Vergünstigungen für Einwanderer danken, die
legal hier sind und hart arbeiten - und ich hoffe, Sie
werden diese Arbeit in diesem Jahr beenden.
Wir müssen es allen hart arbeitenden Familien ermöglichen, ihre wichtigsten Pflichten zu erfüllen. Vor
zwei Jahren haben wir garantiert, daß Amerikaner ihre
Krankenversicherung behalten können, wenn sie den
Arbeitsplatz wechseln. Letztes Jahr haben wir die
Gesundheitsfürsorge auf bis zu 5 Millionen Kinder

AMERIKA DIENST 02

ausgedehnt. Dieses Jahr bitte ich den Kongreß, die
nächsten historischen Schritte zu unternehmen.
160 Millionen unserer M&gt; ürger haben eine private
Krankenversicherung, die Finanzierung und medizinische Versorgung integriert. Solche Versicherungen
sind billiger und können die medizinische Versorgung
verbessern.
Aber medizinische Entscheidungen
sollten von den Ärzten getroffen werden, nicht den
Sachbearbeitern der Versicherung. Ich fordere diesen
Kongreß auf, parteipolitische Grenzen zu überwinden
und ein Verbrauchergesetz zu verabschieden. In
diesem Gesetz soll stehen: Sie haben das Recht, über
alle medizinischen Optionen informiert zu werden,
nicht nur die billigste. Sie haben das Recht auf den
Arzt Ihrer Wahl und die medizinische Betreuung, die
Sie benötigen. Sie haben das Recht auf Versorgung
auf der Intensivstation, wo immer und wann immer sie
diese benötigen. Sie haben das Recht auf vertrauliche
Behandlung Ihres Krankenblatts.
Herkömmliche
Krankenversicherung mit freier Arztwahl oder die auf
Gesundheitsbetriebe beschränkte Krankenversicherung - jeder Amerikaner verdient qualifizierte medizinische Versorgung.
Millionen Amerikaner zwischen 55 und 65 haben ihren
Krankenversicherungsschutz verloren. Einige sind im
Ruhestand, andere arbeitslos; einige verlieren ihren
Krankenversicherungsschutz, wenn ihr Ehegatte in
den Ruhestand geht. Nach lebenslanger Arbeit haben
sie niemanden, an den sie sich wenden können.
Daher bitte ich den Kongreß: Gestatten Sie diesen hart
arbeitenden Amerikanern, sich in das MedicareSystem einzukaufen. Das fügt dem Defizit keinen
Rennig hinzu - aber der Seelenfrieden, den es mit sich
bringt, wird unbezahlbar sein.
Als nächstes müssen wir den Eltern helfen, ihre Kinder
vor der gravierendsten Gesundheitsbedrohung zu
schützen, der sie sich gegenübersehen: Einer Epidemie von rauchenden Teenagern, die durch Marketingkampagnen in Höhe von mehreren Millionen Dollar
gefördert wird. Ich appelliere an den Kongreß: Lassen
Sie uns ein überparteiliches, umfassendes Gesetz
erlassen, das die öffentliche Gesundheit verbessert,
unsere Tabakanbauer schützt und die Art und Weise
ändert, in der Tabakunternehmen immer weiter
Geschäfte machen. Lassen Sie uns das Erforderliche
tun, um die Zahl rauchender Teenager zu verringern.
Lassen Sie uns den Preis für Zigaretten in den nächsten zehn Jahren um bis zu 1.50 Dollar pro Packung
erhöhen, mit Strafen für die Tabakindustrie, wenn sie
weiterhin an unsere Kinder vermarktet.
Wie an jedem Tag werden Morgen 3.000 Kinder
anfangen zu rauchen, und 1.000 werden infolgedessen sterben. Dieser Kongreß soll als der Kongreß
im Gedächtnis bleiben, der ihr Leben gerettet hat.

Seite 5

�In der neuen Weltwirtschaft arbeiten die meisten Eltern
härter denn je. Sie sehen sich einem konstanten
Kampf ausgesetzt, ihre Pflichten als gute Arbeitnehmer
und ihre noch wichtigeren Pflichten als gute Eltern
unter einen Hut zu bringen. Das Gesetz über Krankenurlaub aus familiären Gründen war der erste
Gesetzentwurf, dem ich als Präsident 1993 Gesetzeskraft verleihen durfte. Seit damals haben es rund 15
Millionen Menschen in Anspruch genommen, und ich
habe viele von ihnen überall in diesem Land getroffen.
Ich bitte Sie, das Gesetz auf weitere 10 Millionen
Arbeitnehmer auszudehnen und die Eltern zu beurlauben, die ihre Kinder zum Arzt bringen oder deren
Lehrer aufsuchen müssen.
Kinderbetreuung ist die nächste Hürde, die wir überwinden müssen, wenn die Menschen zu Hause und
bei der Arbeit Erfolg haben sollen. Im vergangenen
Jahr war ich Mitveranstalter der allerersten Konferenz
über Kinderbetreuung im Weißen Haus mit einem
unserer herausragendsten Experten - Amerikas First
Lady. Aus allen Teilen Amerikas hörten wir dieselbe
Botschaft unabhängig von Region oder Einkommen
oder politischer Überzeugung: Wir müssen die Qualität
unserer Kinderbetreuung verbessern.
Wir müssen sie sichern.
schwinglicher gestalten.

Und wir müssen sie er-

Mein Plan sieht folgendermaßen aus: Hilfe für die
Familien, um Kinderbetreuung für eine weitere Million
Kinder zu finanzieren. Stipendien für Kinderbetreuer
und eine Überprüfung ihrer Vorgeschichte sowie ein
neuer Schwerpunkt auf frühem Lernen. Steuervorteile
für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Kinderbetreuung anbieten. Und ein höherer Steuerfreibetrag für die
Kinderbetreuung in Arbeitnehmerfamilien. Wenn Sie
meinen Plan annehmen, bedeutet daß, daß eine
vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 35.000
Dollar und großen Ausgaben für Kinderbetreuung der
Bundesregierung keinen Pfennig mehr an Einkommensteuer zahlt.
Für mich ist das aufgrund meiner eigenen Erfahrung
ein so wichtiges Thema. Ich habe mich oft gefragt, wie
meine Mutter als junge Witwe in die Schule gehen,
lernen und sich dann zu Hause wieder um mich hätte
kümmern können, wenn meine Großeltern mich nicht
versorgt hätten. Meine Mutter und ich hatten wirklich
großes Glück. Wie viele andere Familien hatten nie
eine solche Chance? Die Wahrheit ist: Wir kennen
die Antwort auf diese Frage noch nicht. Wir wissen
jedoch, wie die Antwort lauten sollte: Keine einzige
amerikanische Familie sollte sich jemals zwischen dem
Arbeitsplatz, den sie braucht, und dem Kind, das sie
liebt, entscheiden müssen.
Eine verantwortungsbewußte Gesellschaft muß
sichere Straßen, sichere Schulen und sichere Wohngegenden bieten. Die von uns verfolgte Strategie

Seite 6

beinhaltet mehr Polizisten, härtere Bestrafung, bessere
Vorbeugung, Partnerschaften mit den örtlichen
Strafverfolgungsbehörden und Bürgervereinigungen
zur Verbrechensbekämpfung in den am stärksten
betroffenen Gegenden. Ich kann Ihnen heute Abend
berichten, daß es funktioniert. Die Zahl der Gewaltverbrechen ist gesunken, es gibt weniger Raubüberfälle,
weniger tätliche Angriffe, weniger Einbrüche - und das
seit fünf aufeinander folgenden Jahren in ganz Amerika. Wir müssen unsere bereits angefangene Arbeit
beenden, 100.000 weitere Polizisten einzustellen.
Heute bitte ich den Kongreß um die Annahme eines
Gesetzes über Jugendkriminalität, das mehr Staatsanwälte und Bewährungshelfer vorsieht, um gegen
Gangs, Waffenbesitz und Drogen vorzugehen und das
gewalttätigen Jugendlichen auf Lebenszeit den Besitz
von Waffen verbietet. Und ich bitte Sie um eine
dramatische Erhöhung unserer Unterstützung für
Programme zur Betreuung von Jugendlichen Nachmittags nach der Schule. Meines Erachtens sollte jeder
Amerikaner wissen, daß Jugendkriminalität meistens
zwischen 15.00 und 20.00 Uhr stattfindet. Wir können
so vielen unserer Kinder von vornherein Schwierigkeiten ersparen, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben,
sich an anderen Orten als der Straße aufzuhalten.
Und das sollten wir tun.
Der Drogenmißbrauch nimmt ab. Ich danke General
McCaffrey für seine Führungsrolle. Und ich danke
diesem Kongreß für die Verabschiedung des größten
Etats zur Drogenbekämpfung in der Geschichte. Ich
bitte Sie, sich gemeinsam mit mir an bahnbrechenden
Bestrebungen zu beteiligen, mehr als 1.000 neue
Grenzpolizisten einzustellen und modernste Technologien einzusetzen, um Drogen den Weg über unsere
Grenzen zu versperren.
So gut Polizisten, Staatsanwälte und Präventionsprogramme aus sein mögen - sie können nichts
bewirken, wenn unser Gerichtswesen nicht funktioniert. Derzeit gibt es eine große Zahl unbesetzter
Stellen in unseren Bundesgerichten. Der Vorsitzende
des Obersten Bundesgerichts formulierte es folgendermaßen: Es kann nicht auf unbegrenzte Zeit Leerstellen
im Justizwesen geben, ohne daß die Qualität der
Rechtsprechung leidet. Ich bitte den US-Senat, diese
Bitte zu erhören und eine Entscheidung über die
Ernennung der hochqualifizierten Kandidaten zu
treffen - wie auch immer die Entscheidung ausfallen
mag.
Wir müssen nicht nur in unserem Land, sondern auf
der ganzen Welt verantwortungsbewußt handeln. Am
Vorabend eines neuen Jahrhunderts haben wir die
Macht und die Pflicht, ein neues Zeitalter des Friedens
und der Sicherheit zu schaffen. Aber täuschen Sie
sich nicht: Die Chancen von heute sind nicht die
Garantien von Morgen. Amerika muß den vergifteten
Appellen des extremen Nationalismus widerstehen.

AMERIKA DIENST 02

�Wir müssen das unheilige Bündnis aus neuen terroristischen Bedrohungen, internationalen Verbrechern
und Drogenschmugglern bekämpfen. Diese Verbrecher des 21. Jahrhunderts leben von Technologie
und dem freien Fluß von Informationen, Ideen und
Menschen. Und sie werden um so tödlicher, wenn
ihnen Massenvernichtungswaffen in die Hände fallen.
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen wirken wir
an der Formulierung von internationalen Verkehrsregeln für das 21. Jahrhundert mit - zum Schutz
derjenigen, die der Gemeinschaft der Nationen
beitreten, und zur Isolierung derjenigen, die das nicht
tun. In wenigen Tagen werde ich den Senat um seinen
Rat und seine Zustimmung zur Aufnahme Ungarns,
Polens und der Tschechischen Republik als neueste
Mitglieder in die NATO bitten. 50 Jahre lang hat die
NATO den Kommunismus eingedämmt und die
Sicherheit Amerikas und Europas gewährleistet. Jetzt
haben diese drei ehemals kommunistischen Staaten
Ja zur Demokratie gesagt. Ich bitte den Senat, Ja zu
ihnen zu sagen - als unseren neuen Verbündeten.
Durch die Aufnahme neuer Mitglieder und die enge
Zusammenarbeit mit neuen Partnern, einschließlich
Rußlands und der Ukraine, kann die NATO dazu
beitragen sicherzustellen, daß Europa im 21. Jahrhundert ein Bollwerk des Friedens ist.
Als nächstes werde ich den Kongreß um fortgesetzte
Unterstützung für unsere Truppen und ihre Mission in
Bosnien bitten. Weihnachten sind Hillary und ich in
Begleitung von Senator Dole und seiner Gattin sowie
einer überparteilichen Delegation des Kongresses
nach Sarajevo gereist. Wir sahen Kinder auf den
Straßen spielen, auf denen sie vor zwei Jahren vor
Heckenschützen und Granaten in Deckung gehen
mußten. In den Geschäften gibt es wieder Lebensmittel, und in den Cafes werden lebhafte Unterhaltungen geführt. Die Fortschritte dort sind unverkennbar aber sie sind noch nicht unumkehrbar.
Um Fuß zu fassen, bedarf der noch brüchige Frieden
in Bosnien auch nach Beendigung der NATO-Mission
im Juni der Unterstützung durch Truppen der Vereinigten Staaten und des Bündnisses. Meiner Meinung nach formulierte Senator Dole es am besten, als
er erklärte: "Es ist, als befände man sich kurz vor dem
Ende der letzten Halbzeit eines Fußballspiels und
würde in Führung liegen. Jetzt ist nicht der richtige
Zeitpunkt, das Spielfeld zu verlassen und sich den
Sieg zu verscherzen."
Ich wünschte, Sie alle hätten unsere Truppen in Tuzla
sehen können. Sie sind sehr stolz auf das, was sie in
Bosnien leisten. Und wir alle sind sehr stolz auf sie.
Einer dieser tapferen Soldaten sitzt heute Abend
neben der First Lady - Feldwebel Michael Tolbert,
dessen Vater ein hochdekorierter Vietnam-Veteran
war. Nach dem Collegebesuch in Colorado trat er dem

AMERIKA DIENST 02

Heer bei. Vergangenes Jahr leitete er eine Infanterieeinheit, die einen Mob von Extremisten von der
Erstürmung eines Rundfnksenders abhielt, der in
Bosnien die Stimme von D nokratie und Toleranz ist.
Vielen Dank, Feldwebel folbert, für alles, was Sie
getan haben.
In Bosnien und weltweit erfüllen unsere Männer und
Frauen in Uniform ihre Mission immer gut. Wir müssen
dafür Sorge tragen, daß sie gut ausgebildet und
einsatzbereit sind, ihre Lebensqualität verbessert wird
und sie die Waffen des 21. Jahrhunderts haben, die für
den Sieg über jeden Feind erforderlich sind.
Ich bitte den Kongreß, gemeinsam mit mir eine ehrgeizige Agenda zu verfolgen, um die ernsthafte
Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen zu
verringern. Dieses Jahr liegt ein umfassendes Atomtestverbot in Reichweite - vier Jahrzehnte, nachdem es
von Präsident Eisenhower erstmals vorgeschlagen
wurde. Durch die Einstellung von Nukleartests können
wir zur Verhinderung der Entwicklung neuer und noch
gefährlicherer Waffen beitragen und ihre Produktion in
Nichtnuklearstaaten erschweren.
Ich freue mich, bekanntgeben zu können, daß vier
ehemalige Vereinigte Stabschefs - die Generäle John
Shalikashvili, Colin Powell, David Jones und Admiral
William Crowe - diesen Vertrag befürworten. Und ich
bitte den Senat, ihm in diesem Jahr zuzustimmen.
Gemeinsam müssen wir auch den neuen Gefahren in
Form von chemischen und biologischen Waffen
begegnen und die verbrecherischen Staaten, Terroristen und organisierten Verbrecher ächten, die deren
Beschaffung anstreben. Saddam Hussein hat den
größten Teil dieses Jahrzehnts und einen Großteil der
Mittel seiner Nation nicht für die Verbesserung der
Lebensbedingungen des irakischen Volkes verwendet,
sondern für die Entwicklung atomarer, chemischer und
biologischer Waffen - und ihrer Trägersysteme. Die
UN-Inspekteure haben wirklich beachtliche Arbeit
geleistet und mehr irakische Waffenarsenale gefunden
und vernichtet, als während des ganzen Golfkriegs
zerstört wurden. Jetzt will Saddam Hussein verhindern, daß sie ihre Mission beenden.
Ich spreche im Namen aller hier Anwesenden Republikaner und Demokraten gleichermaßen - wenn
ich Saddam Hussein sage: Sie müssen sich dem
Willen der Welt beugen. Und wenn ich ihm sage: Sie
haben schon vorher Massenvernichtungswaffen
eingesetzt. Wir sind entschlossen, Ihre Fähigkeit
zunichte zu machen, sie erneut einzusetzen.
Vergangenes Jahr ratifizierte der Senat die Chemiewaffenkonvention, um unsere Soldaten und Bürger vor
Giftgas zu schützen. Jetzt müssen wir handeln, damit
Krankheit nicht als Waffe des Krieges und des Schrekkens eingesetzt wird. Die Konvention über biologische

Seite 7

�Waffen ist seit 23 Jahren in Kraft. Die Regeln sind gut,
aber ihre Durchsetzung ist unzureichend. Wir müssen
die Konvention durch ein neues internationales
Inspektionssystem stärken, um Betrug aufzudecken
und abzuschrecken.
In den kommenden Monaten werde ich unsere Sicherheitsstrategie mit alten Verbündeten in Asien und
Europa sowie neuen Partnern von Afrika über Indien
bis Pakistan, von Südamerika bis China verfolgen.
Und von Belfast über Korea bis zum Nahen Osten wird
Amerika weiterhin denjenigen zur Seite stehen, die
sich für den Frieden einsetzen.
Schließlich ist es höchste Zeit, unsere Schulden bei
den Vereinten Nationen zu begleichen. Wir arbeiten
mit anderen Nationen verstärkt an der Erreichung
gemeinsamer Ziele. Wenn Amerika eine Führungsrolle übernehmen soll, müssen wir mit gutem Beispiel
vorangehen. In Bosnien wird wieder deutlich, daß die
Verbündeten, die unsere Ziele teilen, auch unsere
Lasten teilen. In dieser neuen Ära werden unsere
Freiheit und Unabhängigkeit durch unsere zunehmende Interdependenz mit anderen Nationen tatsächlich
gestärkt, nicht geschwächt. Aber wir müssen das
Unsrige tun.
Unsere Gründerväter brachten Amerika auf den
stetigen Kurs zu einer "perfekteren Union". Ich sage
Ihnen allen: Diese Reise können wir nur zusammen
machen - als eine Gemeinschaft. Erstens müssen wir
weiterhin unsere Regierung reformieren - das Instrument unserer nationalen Gemeinschaft. Jeder
weiß, daß Wahlen zu teuer geworden sind, was zu
einem Wettkampf bei der Wahlkampffinanzierung
geführt hat. In diesem Jahr wird der Senat am 6. März
endlich über eine Reform der Wahlkampffinanzierung
beider Parteien abstimmen, die von den Senatoren
McCain und Feingold vorgeschlagen wurde. Um mich
deutlich auszudrücken: Gegen McCain und Feingold
zu stimmen bedeutet, für illegale Wahlkampfspenden
und den Status quo zu stimmen. Ich bitte Sie, unsere
Demokratie zu stärken und das Gesetz über eine
Reform der Wahlkampffinanzierung in diesem Jahr zu
verabschieden.

Mindestens ebenso wichtig ist, daß wir in diesem Jahr
den wahren Grund für den explosionsartigen Anstieg
der Wahlkampfkosten ansprechen müssen - die
großen Kosten der Werbung in den Medien. An die
Zuhörer zu Hause gerichtet - das ist der Grund für den
ganzen Ärger. Ich werde die Fernmeldebehörde
offiziell bitten, den Kandidaten freie oder kostengünstigere Sendezeiten anzubieten, die sich freiwillig an
die Ausgabenobergrenze halten. Der Äther ist ein
öffentliches Treuhandgut, und die Sendeanstalten
müssen uns auch bei diesen Bestrebungen zur
Stärkung unserer Demokratie unterstützen.

Seite 8

Unter der Führung von Vizepräsident Gore haben wir
die Zahl unserer Regierungsmitarbeiter um 300.000
verringert, 16.000 Seiten Vorschriften abgeschafft,
Hunderte von Programmen eingestellt und die Arbeit
praktisch jeder Regierungsbehörde verbessert. Aber
wir können noch mehr tun. Wie jeder Steuerzahler bin
ich empört über Berichte von Mißbrauch durch die
Finanzbehörde. Hier brauchen wir Veränderungen:
Neue Gremien zur Vertretung der Interessen unserer
Bürger, stärkeres Eintreten für den Steuerzahler,
telefonische Beratung rund um die Uhr. Vergangenes
Jahr verabschiedete das Repräsentantenhaus mit
überwältigender überparteilicher Mehrheit umfassende
Reformen der Finanzbehörde. Dieser Gesetzentwurf
darf nicht im Senat liegenbleiben. Heute bitte ich den
Senat: Folgen Sie dem Beispiel des Repräsentantenhauses und machen Sie die Verabschiedung des
überparteilichen Gesetzespakets zu Ihrem ersten
Tagesordnungspunkt.
Ich hoffe wirklich, daß ich vor dem Ende meiner
Ausführungen auch noch etwas finde, bei dem ich
sagen kann "Folgen Sie dem Beispiel des Senats",
damit ich keine Schwierigkeiten bekomme.
Eine Nation, die als Gemeinschaft lebt, muß alle ihre
Gemeinschaften schätzen. In den letzten fünf Jahren
haben wir uns dafür eingesetzt, den zündenden
Funken privaten Unternehmertums in unsere Innenstädte und armen ländlichen Gebiete zu bringen - mit
Gemeindeentwicklungsbanken, mehr Geschäftskrediten in armen Wohngegenden und der Beseitigung
von Altlasten auf verschmutztem Gelände, damit es
erschlossen werden kann. Unter der beständigen
Führung des Vizepräsidenten schlagen wir vor, die
Zahl der Wirtschaftsförderungszonen zu verdreifachen,
um Anreize für Investitionen in diesen Gebieten zu
geben.
Ferner sollten wir arme Familien stärker unterstützen,
damit sie sich ein eigenes Heim leisten können. Und
wir sollten den Bau von Häusern für einkommensschwache Familien mit steuerlichen Anreizen fördern.
Letztes Jahr ergriff dieser Kongreß entschiedene
Maßnahmen, um dem District of Columbia zu helfen.
Wir wollen unsere Entschlossenheit erneuern, unsere
Hauptstadt zu einer großartigen Stadt für alle zu
machen, die hier leben oder sie besuchen. Unsere
Städte sind lebhafte Zentren riesiger Einzugsgebiete.
Sie sind immer noch das Eingangstor für neue Einwanderer aus allen Kontinenten, die hierher kommen,
um ihren eigenen Amerikanischen Traum zu verwirklichen. Wir wollen sicherstellen, daß unsere
Städte stark ins 21. Jahrhundert gehen. Sie sind ein
sehr wichtiger Bestandteil unserer Zukunft.
Unsere Gemeinden sind nur so gesund, wie die Luft,
die unsere Kinder atmen, das Wasser, das sie trinken,
die Erde, die wir ihnen hinterlassen. Letztes Jahr

AMERIKA DIENST 02

�führten wir die schärfsten Kontrollen zur Bekämpfung
von Smog und Ruß ein, die es je gegeben hat. Wir
ergriffen Maßnahmen zum Schutz der Nationalparks
Yellowstone, Everglades und Lake Tahoe. Wir
räumten jeder Gemeinde größere Rechte zur Beschaffung von Informationen über die Giftstoffe ein, die
unsere Kinder gefährden. Erst gestern trat unser Plan
für Nahrungsmittelhygiene in Kraft, der die Verbraucher unter Nutzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse vor Gefahren wie Colibakterien und Salmonellen
schützt.
Heute bitte ich Sie, mit mir eine neue Initiative zur
Reinhaltung des Wassers einzuleiten - weitreichende
Bestrebungen zur Säuberung unserer Flüsse, Seen
und Küstengewässer im Interesse unserer Kinder.
Unsere übergeordnete umweltpolitische Herausforderung am heutigen Abend ist das weltweite
Problem des globalen Klimawandels, der Erderwärmung - die sich zusammenbrauende Krise, die weltweites Handeln erfordert. Die große Mehrheit der
Wissenschaftler ist zu dem eindeutigen Schluß
gelangt, daß irgendwann im nächsten Jahrhundert
unser Klima gestört wird und unsere Kinder und Enkel
in Gefahr geraten, wenn wir die Treibhausgasemissionen nicht verringern. Im Dezember letzten Jahres war
Amerika weltweit führend bei der Erlangung eines
historischen Abkommens, das unsere Nation zur
Verringerung der Treibhausgasemissionen durch neue
Marktkräfte, neue Technologien und Energieeffizienz
verpflichtet. Es liegt an uns, jetzt und hier zu handeln.
Ich schlage Steuersenkungen sowie Forschungs- und
Entwicklungstätigkeit in Höhe von 6 Milliarden Dollar
vor, um Innovation, emeuerbare Energiequellen,
kraftstoffsparende Autos und energieeffiziente Häuser
zu fördern.
Jedes Mal, wenn wir im Interesse unserer Umwelt
gehandelt haben, sagten uns die Pessimisten, das
würde der Wirtschaft schaden. Nun, heute haben wir
die stärkste Wirtschaft seit einer Generation und die
sauberste Umwelt seit einer Generation. Wir haben
immer einen Weg gefunden, Umweltschutz und
Wirtschaftswachstum in Einklang zu bringen. Und das
werden wir auch beim Problem der Erderwärmung tun.

unsere Unterschiede nachzudenken, sondern muß
lauten, auf unseren gemeinsamen Werten aufzubauen.
Wir alle halten Familie und Glauben, Freiheit und
Verantwortung in Ehren. * ir alle wollen, daß unsere
Kinder in einer Welt aufwaci isen, in der sie die Chance
haben, ihre Begabungen voll zu entfalten.
Ich habe eine nationale Rasseninitiative ins Leben
gerufen, die uns helfen soll, unsere gemeinsamen
Interessen anzuerkennen und die ungleichen Chancen
zu überwinden, die uns von der Möglichkeit trennen,
ein Amerika zu werden. Zunächst müssen wir uns
bewußt machen, was noch überwunden werden muß.
Die Diskriminierung irgendeines Amerikaners ist
unamerikanisch. Wir müssen die Gesetze entschlossen durchsetzen, die Diskriminierung verbieten. Ich
bitte Sie um Ihre Hilfe, damit der Rückstand bei der
Kommission für Chancengleichheit am Arbeitsplatz
aufgearbeitet werden kann. 60.000 unserer Mitbürger
warten auf Gerechtigkeit, und wir sollten jetzt handeln,
damit ihr Warten ein Ende hat.
Wir sollten uns auch bewußt werden, daß die größten
Fortschritte, die wir bei der Gestaltung eines Amerikas
machen können, die Fortschritte sind, die wir im
Interesse aller Amerikaner, ungeachtet ihrer Rasse,
machen. Wenn wir allen Amerikanern die Tür zum
College öffnen, wenn wir das Verbrechen von unseren
Straßen verbannen, wenn wir allen Menschen einen
Arbeitsplatz anbieten, wenn alle Eltern die benötigte
Kinderbetreuung haben, dann tragen wir dazu bei, eine
Nation zu werden.
Wir in dieser Kammer und in dieser Regierung müssen
alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die
beständige amerikanische Herausforderung zu
bewältigen, ein Amerika zu schaffen. Wir werden
jedoch nur dann Fortschritte machen, wenn sich alle
Mitbürger - einschließlich aller Zuschauer zu Hause für diese Sache engagieren.

Schließlich bedeutet Gemeinde, den amerikanischen
Werten gemäß zu leben - dem weltweit vernommenen
Ideal, daß wir alle gleich geschaffen sind. Im Verlauf
unserer Geschichte haben wir dieses Ideal nicht immer
in Ehren gehalten und ihm nicht immer entsprochen.
Oft ist es einfacher zu glauben, unsere Unterschiede
seien wichtiger als unsere Gemeinsamkeiten. Es mag
einfacher sein, aber es ist falsch.

Wir müssen zusammen arbeiten, zusammen lernen,
zusammen leben, zusammen Dienst tun. In der
Schmiede des gemeinsamen Unternehmens können
alle Amerikaner jedweder Herkunft eine gemeinsame
Identität formen. Wir sehen das heute am Militär der
Vereinigten Staaten, am Peace Corps, am AmeriCorps. Wo Menschen aller Rassen und Herkunft bei
einem gemeinsamen Unternehmen zusammenkommen und eine faire Chance erhalten, leisten wir
gute Arbeit. Durch gemeinsame Werte, bedeutende
Chancen, ehrliche Kommunikation und Dienst an der
Gemeinschaft können wir verschiedene Menschen in
Freiheit und gegenseitigem Respekt einen. Wir sind
viele, aber wir müssen eins werden.

Was muß unsere Generation heute tun, damit Amerika
wirklich eine Nation wird? Unsere Vielfalt wird immer
größer. Glauben wir, daß wir eine Nation werden
können? Die Antwort kann nicht darin bestehen, über

In diesem Geist wollen wir den Blick auf das neue
Jahrtausend richten. Wie werden wir diesen Übergang
markieren? Er ereignet sich nur einmal alle tausend
Jahre. Dieses Jahr haben Hillary und ich das Jahr-

AMERIKA DIENST 02

Seite 9

�tausendprogramm des Weißen Hauses ins Leben
gerufen, um Kreativität und Innovation der Vereinigten
Staaten zu fördern und unser Erbe und unsere Kultur
bis ins 21. Jahrhundert zu bewahren. Unsere Kultur
lebt in jeder Gemeinde, und jede Gemeinde hat Orte
von historischem Wert, die unsere Geschichte als
Amerikaner erzählen. Wir sollten sie schützen. Ich
schlage eine Partnerschaft zwischen dem öffentlichen
und dem Privatsektor vor, um unsere Künste und
Geisteswissenschaften zu fördern und das Jahrtausend zu feiern, indem wir die großen und kleinen
Schätze Amerikas bewahren.
Während wir die Vergangenheit ehren, wollen wir uns
die Zukunft vorstellen. Halten Sie sich vor Augen, daß
sich der Gesamtvorrat an menschlichem Wissen jetzt
alle fünf Jahre verdoppelt. In den achtziger Jahren
entdeckten Wissenschaftler das Gen, das zystische
Fibrose verursacht - sie brauchten dazu neun Jahre.
Vergangenes Jahr lokalisierten Wissenschaftler das
Gen für die Parkinsonsche Krankheit - in nur neun
Tagen. In einem Jahrzehnt werden "Genchips" einen
Weg für die Prävention von Krankheiten während
eines ganzen Menschenlebens weisen. Bald werden
wir in der Lage sein, am Muttertag alle Telefongespräche über ein Faserkabel abzuwickeln, das nicht dicker
ist als ein menschliches Haar. Ein 1998 geborenes
Kind könnte im 22. Jahrhundert noch leben.
Heute schlage ich als Teil unseres Geschenks an das
Jahrtausend einen Forschungsfonds für das 21.
Jahrhundert für bahnbrechende wissenschaftliche
Untersuchungen vor - die größte Finanzspritze in der
Geschichte der nationalen Gesundheitsinstitute, der
nationalen Stiftung für die Wissenschaft und des
nationalen Krebsforschungsinstituts.
Wir haben bereits Gene für Brustkrebs und Diabetes
entdeckt. Ich bitte Sie um Unterstützung für diese
Initiative, damit unsere Generation endlich den Krieg
gegen den Krebs gewinnt und eine Revolution in
unserem Kampf gegen alle tödlichen Krankheiten
anfängt.
So wichtig dieser ganze wissenschaftliche Fortschritt
auch ist, wir müssen weiterhin sicherstellen, daß die
Wissenschaft der Menschheit dient und nicht umgekehrt. Wir müssen den Mißbrauch von Genversuchen
verhindern und sicherstellen, daß sie nur zum Wohle
aller Amerikaner gemacht werden. Und wir müssen
den ethischen Konsens der Wissenschafts- und
Religionsgemeinschaften ratifizieren und das Klonen
von Menschen verbieten.
Wir sollten die Menschen auf der ganzen Welt in die
Lage versetzen, den weiten Raum des Cyberspace zu
erforschen. Halten Sie sich vor Augen, daß bei
meinem ersten Bericht zur Lage der Nation nur eine
Hand voll Physiker das World Wide Web nutzten.
Buchstäblich nur eine Hand voll Menschen. Heute

Seite 10

surfen in Schulen, Bibliotheken, zu Hause und am
Arbeitsplatz jeden Tag Millionen und Abermillionen von
Amerikanern im Internet. Wir müssen Eltern die
notwendigen Mittel geben, damit sie ihre Kinder vor
ungeeignetem Material im Internet schützen können.
Wir müssen aber auch sicherstellen, daß wir das
explodierende globale Wirtschaftspotential des Internet
schützen. Wir können das Erforderliche tun und
trotzdem unsere Kinder schützen.
Zuerst bitte ich den Kongreß um Unterstützung für den
Aufbau der nächsten Internetgeneration. Es ist einfach
überlastet. Und die nächste Generation des Internet
wird tausendmal schneller sein als die jetzige.
Während wir diesen Cyberspace in einem neuen
Jahrhundert erkunden, erforschen wir auch neue
Grenzen im Weltraum. In ihrer gesamten Geschichte
hatte die Menschheit nur einen Platz, den sie ihre
Heimat nannte - die Erde. Anfang dieses Jahres,
1998, werden Männer und Frauen aus 16 Staaten
einen Standort im All errichten - die internationale
Weltraumstation.
Mit deren riesigen Ausmaßen
brechen Wissenschaftler und Ingenieure tatsächlich in
unbekannte Meere grenzenloser Geheimnisse und
unbeschränkter Möglichkeiten auf.
Und im Oktober wird ein echter amerikanischer Held ein kampferprobter Pilot von 149 Kampfmissionen und
einer fünfstündigen Weltraumfahrt, die die Welt
veränderte - ins All zurückkehren. Gute Reise, John
Glenn. John, mit Ihnen reisen die Hoffnungen der
Vereinigten Staaten. Und auf ihrer Uniform werden sie
wieder die amerikanische Flagge tragen, welche die
direkte Verbindung zwischen den Taten Amerikas in
der Vergangenheit und dem Mut Amerikas für die
Zukunft symbolisiert.
Vor nahezu 200 Jahren veranlaßte eine zerfetzte
Flagge, deren breite Streifen und helle Sterne noch
durch den Rauch der erbitterten Schlacht zu erkennen
waren, Francis Scott Key dazu, ein paar Worte auf den
Rücken eines Briefumschlags zu schreiben - Worte,
die unsere Nationalhymne wurden. Heute ist diese
Flagge zusammen mit der Unabhängigkeitserklärung,
der Verfassung und der Bill of Rights nicht weit von
hier entfernt zu besichtigen. Sie sind die Schätze
Amerikas, und wir müssen sie für alle Zeiten bewah-

Ich bitte alle Amerikaner um Unterstützung für unser
Projekt zur Restaurierung all unserer Schätze, damit
die Generationen des 21. Jahrhunderts die Bilder und
Worte sehen können, die den alten und beständigen
Ruhm Amerikas bilden - eines Amerikas, das mit
jedem Zeitalter weiter nach oben steigt, jeder Herausforderung die Stirn bietet, mit Menschen, die Großes
leisten und noch größere Chancen haben, die immer
die Weisheit und Stärke hatten, als eine Nation
zusammenzukommen - um die Chancen zu erweitern,

AMERIKA DIENST 02

�die Bedeutung unserer Freiheit zu vertiefen und die
"perfektere Union" zu bilden. Das soll unser Geschenk
an das 21. Jahrhundert sein.

Gott schütze Sie, und Gott schütze die Vereinigten
Staaten von Amerika,

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

Seite 11

�GESELLSCHAFT
28.Januar 1998

Der Einsatz für die Bürgerrechte
Rede von Vizepräsident AI Gore

ATLANTA - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Vizepräsident AI Gore am Martin Luther KingTag, einem Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten, am 19. Januar 1998 in Dr. Kings früherer Kirche, der
Ebenezer Baptist Church in Atlanta (Georgia) hielt.

Heute gedenken wir Martin Luther Kings und widmen
uns erneut seiner Arbeit. Vor 30 Jahren wurde in den
ersten Nachrufen auf Dr. King an das erinnert, was die
Brüder Josephs im 1. Buch Mose sagen: "Seht! Da
kommt dieser Träumer. Und nun kommt, und laßt uns
ihn töten und ihn in eine der Wassergruben werfen...
Dann laßt uns sehen, was aus seinen Träumen
werden wird."
30 Jahre später lautet die Frage immer noch: Was wird
aus Dr. Kings Traum?
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß einige der
modernen Apostel der Apathie Dr. Kings Worte jetzt
zur Untermauerung ihrer eigenen Überzeugung
zweckentfremden, der Kampf für Gerechtigkeit, in den
er uns führte, sei nahezu beendet und es sei an der
Zeit, daß unsere Politik - um ihre Worte wiederzugeben
- "farbenblind" werde.
Lassen Sie uns am Anfang beginnen: Was ist Rassismus? Ist es lediglich ein Gedankenfehler, eine falsche
Schlußfolgerung, die auf einer fehlerhaften Logik
basiert, welche - wenn sie erst einmal korrigiert wird aus der menschlichen Gesellschaft verbannt werden
kann? Oder ist es etwas Tiefergehendes und Machtvolleres, Bedrohlicheres und Dauerhafteres?
Dr. King lehrte uns, daß wir Menschen anfällig für die
Sünde des Rassismus sind. Als junger Mann studierte
er die Lehren des Theologen Reinhold Niebuhr, der
geschrieben hatte, es sei dumm, den Rassismus als
"bloßes Überbleibsel der Barbarei zu betrachten,
während er in Wirklichkeit eine Quelle ständiger
Konflikte im menschlichen Leben ist". Niebuhr kritisierte diejenigen, die "zu der falschen Schlußfolgerung

AMERIKA DIENST 02

gelangten,... rassische Vorurteile seien eine Form der
Ignoranz, die allmählich durch Aufklärung überwunden
werden könne. Rassische Vorurteile sind tatsächlich
eine Form von Irrationalität", äußerte er, "aber sie sind
nicht so kapriziös wie die modernen Universalisten
annehmen."
Wie kommt es, daß die menschliche Natur diese
ständige Anfälligkeit für die Sünde des Rassismus
schafft?
Erstens lehrt uns die Bibel mit den Worten des Apostels Johannes: "Wenn wir erklären: 'Wir haben keine
Sünde', führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist
nicht in uns."
Die Bibel lehrt aber auch, daß wir die Fähigkeit haben,
das Gute über das Böse siegen zu lassen. Wir
müssen uns entscheiden. Mit den Worten einer
berühmten Hymne:
"Für jeden Menschen und jede Nation
kommt der Moment der Entscheidung
im Kampf zwischen Wahrheit und Lüge
für das Gute oder das Böse."
Darüber hinaus liegt es in der Natur des Menschen,
sich mit denen zusammenzuschließen, die wie wir
aussehen. Das steht auch schon in den Apokryphen
geschrieben.
Selbst wenn wir wissen, daß Vielfalt eine bereichernde
und edle Stärke ist und eine integrierte Gesellschaft
schafft, ist es dumm und naiv zu denken, unsere
Unterschiede würden verschwinden und keine Ansprüche mehr an uns stellen. Tatsächlich besteht

Seite 1

�unsere Herausforderung darin, unsere Unterschiede
zu würdigen und zu feiern, bevor wir sie überwinden
können, um die gemeinsame Basis zu finden, die wir
als Kinder Gottes haben.
Das heißt nicht, daß wir Unterschiede ignorieren. Das
wäre sehr gefährlich. John Hope Franklin lehrte, die
wichtigste Lektion seiner langen wissenschaftlichen
Tätigkeit sei, daß Rasse immer präsent ist. Es wäre
naiv, das Gegenteil vorzutäuschen. Wenn Rasse
entsprechend anerkannt wird und man vernünftig
damit umgeht, können Rassenschranken überwunden
werden.
Es ist jedoch alles andere als einfach, Unterschiede
anzuerkennen und zu feiern, während sie gleichzeitig
überwunden werden müssen. Denn Unterschiede
zwischen den Menschen lösen automatisch den
Impuls aus zu vergleichen und mögliche individuelle
Gefühle des Einzelnen von Unsicherheit, Alleingelassensein oder Verlust zu verstärken.
Warum hat Kain Abel umgebracht? Er fühlte sich
zurückgesetzt, weil Gott nicht so wohlwollend auf seine
Opfergaben blickte wie auf die von Abel. "So geschah
es,... daß Kain dann über Abel, seinen Bruder, herfiel
und ihn tötete."
Warum wurde Joseph in seinem farbenfrohen Mantel
von seinen Brüdern in eine Wassergrube geworfen
und dem Tode überlassen? Sie fühlten sich zurückgesetzt, weil ihr Vater zu ihnen ein anderes Verhältnis
hatte als zu Joseph. Warum bringen auf den Straßen
so viele junge Männer, die ein unerfülltes Leben führen
und eine geladene Pistole haben, ihre Brüder um? Sie
sagen uns immer wieder, ihre Brüder hätten sie
mißachtet. Und oft haben sie wirklich das Gefühl, ihre
Väter hätten sie mißachtet, da sie ihre Mütter und sie
im Stich ließen.
Wer sich schnell zurückgesetzt fühlt, hat oft ein
geistiges Vakuum in seinem Leben, weil er sich von
der Liebe Gottes abgeschnitten fühlt. Falsche Götter
bahnen sich einen Weg in die leeren Herzen dieser
Menschen. Diese suchen in primitiven Formen der
Gruppenidentifikation Achtung und den Sinn des
Lebens. Rivalisierende Gangs haben rivalisierende
Farben. Der kleine Unterschied zwischen einem
blauen und einem roten Halstuch hat zum sinnlosen
Verlust vieler Menschenleben geführt.
Was ist der Unterschied zwischen Hutus und Tutsis?
Ausländer, die Ruanda besuchen, können die beiden
kaum auseinanderhalten. Ihre kleinen Unterschiede
dienten jedoch als Auslöser für einen entsetzlichen
Völkermord.
Schauen Sie sich Bosnien an. Auch dort können
Außenseiter die einzelnen Volksgruppen nicht unterscheiden. Betrachten Sie sich Nordirland, den Nahen

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Osten, Tschetschenien, Nagorny-Karabach sowie
Hunderte anderer Konflikte, mit denen die Landkarte
unserer zerrissenen Welt übersät ist. An all diesen
Orten haben geringfügige Unterschiede als Entschuldigung für eine Entfesselung des Bösen gedient,
das in der Seele des Menschen auf der Lauer liegt.
Manchmal scheint es tatsächlich so zu sein, daß die
Gewalt um so explosiver ist, je kleiner die Unterschiede sind. Zu Beginn dieses Jahrhunderts lehrte
uns unser größter Wissenschaftler, Albert Einstein,
daß sich die mächtigste und zerstörerischste Kraft auf
der Erde im kleinsten Teilchen - dem Atom - befindet.
Es ist für unsere Zukunft ebenso wichtig, unsere
Anfälligkeit für Rassismus unter Kontrolle zu bringen
wie das Atom unter Kontrolle zu halten.
Unsere Nation wurde auf der Basis eines hochentwickelten Verständnisses der menschlichen Natur
gegründet, das unsere Anfälligkeit für die Sünde in
Betracht zog. Aus diesem Grund haben wir ein
ausgewogenes Regierungssystem, eine Verfassung,
die weltweit den Menschen als Vorbild dient, die auf
der Suche nach Freiheit sind.
Einer unserer Gründerväter, James Madison, schrieb
folgende Worte: "So groß ist der Hang der Menschheit
zu gegenseitigen Animositäten, daß ... die frivolsten
und ausgefallensten Unterschiede ausreichen, ihre
unfreundlichen Leidenschaften anzustacheln und
äußerst gewalttätige Konflikte auszulösen.
Die
latenten Gründe ... sind in der Natur des Menschen
verborgen und können nicht beseitigt werden. Die
einzige Abhilfe besteht darin, die Auswirkungen zu
kontrollieren. Die Mehrheit muß unfähig gemacht
werden, Schemata der Unterdrückung einzuführen."
Während wir uns im Lauf unserer Geschichte für die
Vollendung unserer Union einsetzten, wurde unser
nationales Gewissen durch Sklaverei und andere
Symptome von virulentem Rassismus besudelt:
Als die Cherokee-Indianer gezwungen wurden, ihren
schicksalhaften Pfad der Tränen zu gehen. Als die
Amerikaner mexikanischer Herkunft gewaltsam von
ihren Farmen und Ranches vertrieben wurden. Als
irische Einwanderer auf der Flucht vor Hungersnot in
Boston Schilder mit der Aufschrift sahen "Kein Zutritt
für Hunde oder Iren". Als unschuldige und loyale
Amerikaner japanischer Herkunft zu Beginn des
Zweiten Weltkriegs gefangengenommen wurden, und
als den hispanischen Helden des Zweiten Weltkriegs die zur Beendigung des Holocaust von Millionen
europäischer Juden und des Massenmords an
Hunderttausenden von Chinesen beigetragen hatten ein Begräbnis auf Militärfriedhöfen in unserem Land
verweigert wurde.
Aber nach diesem Krieg, in dem Amerikaner jeder
rassischen und ethnischen Herkunft gemeinsam

AMERIKA DIENST 02

�gegen die rassistische Führung des nationalsozialistischen Deutschlands und des imperialistischen Japans
kämpften, wurden Minderheitengruppen ermutigt,
darauf zu drängen, daß Amerika unseren Werten
gemäß lebt. Thurgood Marshall war ein führender
Vertreter dieser Forderung in unseren Gerichten. Und
die von Dr. King angeführte Massenbewegung gab uns
die Chance, die Seele unserer Nation zu retten, und es
wurden viele Fortschritte gemacht.
Jetzt hören wir in Amerika jedoch Stimmen, die
argumentieren, der Kampf Dr. Kings sei beendet - und
wir wären im gelobten Land. Vielleicht lassen sie sich
vom bevorstehenden Beginn des neuen Jahrtausends
nur mitreißen und geben sich der Illusion hin, wenn der
Kalender das Jahr 2000 anzeigt, wäre der Mensch
perfekt.
Wer jetzt ein Ende der Maßnahmen zur Förderung der
Chancengleichheit fordert, behauptet, es seien so viele
Fortschritte erzielt worden, daß weitere Bestrebungen
nicht gerechtfertigt seien. Diese Menschen sind sich
jedoch nicht bewußt, daß die Geschichte des Rassismus sich über nahezu 400 Jahre erstreckt.
Als ich acht Jahre alt war, lebte ich mit meiner Familie
in Carthage (Tennessee) in einem kleinen Haus an der
Fisher Avenue, das an einem Hügel lag. Oben auf
dem Hügel stand ein großes altes Herrenhaus. Eines
Tages wechselte dieses seinen Besitzer, und die
Nachbarn wurden zu einer Hausbesichtigung eingeladen. Mein Vater sagte zu mir: "Komm, mein Sohn,
ich möchte Dir etwas zeigen." Und so gingen wir den
Hügel hinauf und betraten das Haus durch die Vordertür.
Anstatt sich wie die anderen Gäste im Salon, dem
reichverzierten Speisezimmer oder dem wunderbaren
Treppenhaus aufzuhalten, ging mein Vater mit mir in
den Keller und zeigte mir die dunklen Steinmauern und die kalten Eisenringe, die dort in Reih und Glied
an der Wand befestigt waren.
Eisenringe, um Sklaven zu fesseln.
Wir haben Ägypten verlassen, aber erzählen Sie mir
nicht, wir seien in Kanaan angekommen.
Sagen Sie mir nicht, unsere andauernde Anfälligkeit für
den Rassismus sei plötzlich verschwunden und wir
lebten jetzt in einer farbenblinden Gesellschaft.
Was würde Dr. King sehen, wenn er hier bei uns wäre,
aus dieser Kirche ginge und uns auf eine Besichtigungstour durch das Amerika des Jahres 1998
mitnehmen würde?
Ich glaube, Dr. King wäre stolz, daß wir in den vergangenen 30 Jahren das Gefälle zwischen den Einkommen der Schwarzen und Weißen um die Hälfte

AMERIKA DIENST 02

reduziert haben. Ich glaube aber auch, er würde uns
daran erinnern, daß schwarze und hispanische
Haushalte durchschnittlich immer noch nur ein Zehntel
des Einkommens weißer Haushalte haben.
Ich glaube, er wäre stolz, daß die Beschäftigungsrate
der Afroamerikaner auf dem höchsten, und die Armut
unter Afroamerikanern auf dem niedrigsten Stand in
der Geschichte ist. Dank Präsident Clinton profitieren
alle Amerikaner von einer stärkeren Volkswirtschaft.
Ich glaube aber auch, er würde uns daran erinnern,
daß Afroamerikaner ungefähr 62 Cents von jedem
Dollar verdienen, den ein weißer Amerikaner verdient.
Er würde uns daran erinnern, daß die Arbeitslosenquote der Schwarzen immer noch doppelt so hoch wie die
Arbeitslosenquote der Weißen ist.
Ich glaube, Dr. King wäre stolz, daß die Kluft zwischen
Schwarzen und Weißen, die ihren Abschluß an einer
weiterführenden Schule machen, praktisch nicht mehr
existiert - und mehr Afroamerikaner als je zuvor in der
Geschichte der Vereinigten Staaten zum College
gehen. Ich glaube aber auch, er würde uns daran
erinnern, daß die Rate der Schulabbrecher unter
Hispanoamerikanern immer noch acht Punkte höher
ist, kaum die Hälfte die weiterführende Schule beendet
und noch weniger zum College geht.
Ich glaube, wenn er heute hier wäre, wäre er stolz, daß
diese Administration mehr Schwarze, mehr Hispanier,
mehr Amerikaner asiatischer Abstammung und mehr
Indianer ins Kabinett, als Richter und in andere hohe
Positionen berufen hat als je zuvor in unserer Geschichte. Ich glaube aber auch, er würde uns daran
erinnern, daß Frauen an so vielen Orten und in so
vielen Berufen immer noch nicht in Führungspositionen
gelangen.
Ich glaube, er wäre stolz zu sehen, wie viel wir getan
haben, um Diskriminierung aus unseren Gesetzen zu
verbannen. Ich glaube aber auch, er würde uns
sagen, daß wir immer noch sehr viel tun müssen, um
Diskriminierung aus unseren Herzen zu verbannen.
Und ich glaube, er würde uns sagen, daß wir immer
noch sehr viel tun müssen, um die Gesetze in die
Praxis umzusetzen, die in unseren Büchern stehen.
Aus diesem Grund freue ich mich, heute bekanntgeben
zu dürfen, daß Präsident Clinton und ich im Rahmen
dieser Initiative zur Rassenfrage die größte Zunahme
bei der Durchsetzung unserer Bürgerrechte in nahezu
zwei Jahrzehnten vorschlagen. Durch neue Reformen
und ein verstärktes Engagement für die Durchsetzung
versuchen wir, Diskriminierung von vorneherein zu
verhindern und diejenigen zu bestrafen, die am
Arbeitsplatz, in der Ausbildung, bei der Wohnungsvergabe und Gesundheitsfürsorge Menschen diskriminieren oder den Zugang von Behinderten beschränken.

Seite 3

�Ich glaube, Dr. King wäre stolz darauf, wie vielfältig die
amerikanische Kultur geworden ist - Menschen aller
Rassen und ethnischen Zugehörigkeit hören die Musik
des anderen, lesen die Bücher des anderen, leben und
arbeiten zusammen. Ich glaube aber auch, er wäre
enttäuscht darüber, wie destruktiv und gefährlich ein
Teil unserer Kultur geworden ist - Pistolen, Drogen und
Gewalt gegen Frauen treten zu häufig an die Stelle von
Familie, Glaube und Gemeinschaft. Ich glaube, er
fände die Zahl zerrütteter Familien und das Versagen
zu vieler Väter, die Verantwortung für ihre Kinder zu
übernehmen, inakzeptabel. Ich denke, es würde ihm
das Herz brechen, wenn er die Zerstörung in so vielen
innerstädtischen Gemeinden sähe, in denen immer
noch Pappe vor den Fenstern und Türen einiger
Gebäude klebt, die vor drei Jahrzehnten in Wut und
Schmerz niedergebrannt wurden.
In dem Film "Grand Canyon" blickt der von Danny
Glover gespielte Darsteller über den verwüsteten Teil
von South Central Los Angeles und sagt: "So sollte es
nicht sein."
Vor 2000 Jahren erklärte Apostel Paulus, warum es so
ist: "Alle haben sich abgewandt, gemeinsam haben sie
Unrecht getan."
Daher ist es angemessen, daß wir uns an diesem Tag
auf all die Arbeit konzentrieren, die noch getan werden
muß.
Ich glaube, Dr. King würde uns auffordern, uns an die
Arbeit zu machen, und er wäre stolz darauf, daß sein
Geburtstag für Menschen aller Rassen, Glaubensrichtungen und Hautfarben ein Tag der nationalen
Versöhnung und des Dienstes am anderen ist. Ich
glaube aber auch, er wäre wirklich überrascht, daß
einige, die seine Agenda ablehnen, seine Worte und
Sätze im Munde führen, während sie versuchen,
Chancengleichheit zunichte zu machen.
Die Formulierung "das Wesen unseres Charakters"
erhält eine andere Bedeutung, wenn sie von Leuten
benutzt wird, die vorgeben, das sei alles, was wir für
eine farbenblinde Gesellschaft benötigen. Sie benutzen ihre Farbenblindheit wie ein Jäger den Sichtschutz
bei der Entenjagd. Sie verstecken sich hinter dieser
Formulierung und hoffen, daß wir - wie die Enten nicht hindurchsehen können.
Sie befürworten berufliche Gleichstellung, wenn
jemand so talentiert ist wie ein Fußballspieler, der aus
40 Metern Entfernung ein Tor schießt. Aber sie
befürworten Gleichstellung nicht, wenn jemand "nur"
das Potential zu einer Führungspersönlichkeit in seiner
Gemeinde hat und Menschen zusammenbringt oder
das Potential hat, Kinder zu unterrichten, die nach
Wissen hungern, oder Familien zu heilen, die medizinische Versorgung benötigen. Daher sage ich: Wir
erkennen Eure Farbenblindheit.

Seite 4

Amazing Grace rettete ein armes Wesen wie mich, das
farbenblind war, jetzt aber sehen kann.
Das Lukasevangelium erzählt uns von Jesu Reaktion
auf Menschen, die sich bewußt weigern, das Offenkundige vor ihren Augen zu sehen: "Wenn ihr eine
Wolke in westlichen Gegenden aufsteigen seht, sagt
ihr sogleich: 'Es kommt ein Sturm', und es wird so sein.
Und wenn ihr seht, daß Südwind weht, sagt ihr: 'Es gibt
eine Hitzewelle', und es trifft ein. Heuchler, das
Aussehen der Erde und des Himmels wißt ihr zu
beurteilen, doch wie kommt es, daß ihr diese besondere Zeit nicht zu beurteilen wißt?"
"Denn nicht wie der Mensch sieht, sieht Gott, denn der
Mensch sieht das, was vor dem Auge erscheint; Gott
aber, er sieht, wie das Herz ist."
Ich glaube, Gott hat einen Plan für die Vereinigten
Staaten von Amerika - und das seit der Gründung
unseres Landes.
Unsere Mission ist immer gewesen, die Sache der
Freiheit voranzubringen und zu beweisen, daß religiöse, politische und wirtschaftliche Freiheit das natürliche
Geburtsrecht aller Männer und Frauen sind, und daß
die Freiheit einen größeren Teil des menschlichen
Potentials freisetzt als jede andere Organisationsform
der menschlichen Gesellschaft.
Ich glaube in meinem tiefsten Inneren, daß unsere
Nation auch eine andere, eng damit in Zusammenhang
stehende Mission hat - die wir nicht ganz verstanden
haben, als wir jeden Sklaven als drei Fünftel einer
Person zählten - eine Mission, die wir am Vorabend
des schrecklichen Bürgerkriegs dunkel zu erahnen
begannen.
Ich glaube, daß Gott den Menschen unserer Nation
nicht nur eine Chance, sondern eine Mission gegeben
hat, um den Männern und Frauen auf der ganzen Welt
zu beweisen, daß Menschen unterschiedlicher rassischer und ethnischer Herkunft, aller Glaubensrichtungen und Überzeugungen nicht nur zusammen leben
und arbeiten, sondern sowohl sich selbst als auch
unsere gemeinsame Sache bereichern und veredeln
können.
Als Kinder haben wir in der Schule etwas über den
kleinsten gemeinsamen Nenner gelernt - Amerika ist
ungefähr der größte gemeinsame Nenner.
Aus diesem Grund liebte Dr. King dieses Land. Er
sprach oft von "der Herrlichkeit Amerikas, mit all ihren
Fehlern". Während des Busboykotts in Montgomery
sagte er zum Beispiel: "Wir haben nicht Unrecht.
Wenn wir Unrecht haben, dann hat die Verfassung der
Vereinigten Staaten Unrecht. Wenn wir Unrecht
haben, dann hat Gott der Allmächtige Unrecht."

AMERIKA DIENST 02

�Als das Oberste Bundesgericht dann die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln aufhob, sagte
Dr. King: "Das war kein Sieg für Farbige. Oh nein,
schmälert den Sieg nicht so. Das war ein Sieg für
Gerechtigkeit und Goodwill!"
Und von den Stufen des Lincoln Memorial inspirierte er
die Nation mit seinem Traum, daß Amerika "gemäß der
wahren Bedeutung seines Bekenntnisses leben wird".
Er war ein Patriot, der - wie viele von uns heute immer glaubte, daß Amerika in der Tat, mit Lincolns
Worten "die letzte, größte Hoffnung" der Menschheit
ist. Lassen Sie uns also ebenso wie wir diejenigen der
Apathie bezichtigen, die uns sagen, unsere Arbeit sei
getan, diejenigen verurteilen, die Haß auf Amerika
verbreiten - die Jünger der Teilung, die eine separatistische Philosophie predigen und Menschen anderer
Rasse als "Teufel" bezeichnen. Ihnen empfehle ich
die Worte von Dr. King: "Laßt uns nicht unseren Durst
nach Freiheit stillen, indem wir aus dem Becher der
Bitterkeit und des Hasses trinken."
Die Alternativen zu Bitterkeit und Haß sind Verständnis
und Einfühlungsvermögen. Und wir müssen uns der
Herausforderung gleichermaßen mit unseren Herzen
und unseren Köpfen stellen. Wir müssen, mit Niebuhrs
Worten, "jede Facette der Bildung und jede Ressource
der Religion" nutzen, um Verständnis und gegenseitigen Respekt zu fördern. Und in unseren Herzen
müssen wir Einfühlungsvermögen nähren.
1957 zitierte Dr. King Gandhi mit den Worten: "Die
Anziehungskraft der Vernunft kommt eher vom Kopf,
aber die Ergründung des Herzens kommt vom Leiden.
Es öffnet das innerste Verständnis des Menschen."
Dr. King sagte über seinen Ansatz zu der weißen
Mehrheit: "Im ganzen Süden muß der Neger an den
Punkt gelangen, an dem er zu seinem weißen Bruder

*

AMERIKA DIENST 02

sagen kann: Wir werden Deiner Fähigkeit, Leiden zu
verursachen, unsere Fähigkeit, das Leiden zu beenden, entgegenstellen. Wir werden Deiner physischen
Kraft die Kraft unserer Seele entgegenstellen. Wir
werden Dich nicht hassen, aber wir werden Deine
bösen Gesetze nicht befolgen."
Viele machten sich darüber lustig, daß er sich auf das
verließ, was er als die "Waffe des gewaltfreien Protests" bezeichnete. Aber die weiße Mehrheit begann
seine Menschlichkeit und die Gerechtigkeit seiner
Sache durch die "Kraft seiner Seele" zu verstehen.
Mein Glaube lehrt, daß die Welt durch die Bereitschaft
Jesu Christi verändert wurde, am Kreuz zu leiden.
Leiden verbindet uns und ermöglicht uns zu sehen,
was wir alle gemeinsam haben und was unsere
Aufgabe ist.
Im Matthäusevangelium sagte Jesus: "Du sollst den
Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen
und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen
Sinn. Dies ist das größte und erste Gebot. Das
zweite, ihm gleiche, ist dieses: Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst."
Lassen Sie uns also nicht in unserer Wohltätigkeit
nachlassen, während wir die unvollendete Agenda von
Dr. King in Angriff nehmen. Lassen Sie uns seinen
Traum zu unserem Aktionsplan machen. Und erinnern
Sie sich stets an die Worte der Hymne, die er liebte:
"Für Christus gibt es nicht Osten oder Westen,
nicht Süden oder Norden,
sondern nur eine große Gemeinschaft der Liebe
auf der ganzen weiten Welt.
Reicht Euch die Hand, Jünger des Glaubens,
was immer Eure Rasse sein mag,
der meinem Vater als ein Kind dient,
wird sicher mit mir verwandt sein."

* * *

*

Seite 5

�USA-EUROPA

28.Januar 1998

Deutschland, Amerika und die Vollendung Europas
Rede von Botschafter John C. Kornblum

FREIBERG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 26. Januar 1998 bei der Atlantik Brücke hielt.

Ich freue mich, in einer Stadt mit einer so reichen
Tradition und Geschichte vor Ihnen eine Rede halten
zu dürfen. Dies ist mein erster Besuch in Freiberg.
Obwohl meine Verbindung zu Deutschland schon seit
ziemlich langer Zeit besteht, konnte ich aufgrund des
Kalten Krieges Teile Deutschlands auf dieser Seite der
Trennlinie nicht so gut kennenlernen wie die auf der
anderen. Aber seit meiner Ankunft in Deutschland im
August vergangenen Jahres habe ich viele Orte in den
neuen Bundesländern besucht. Das gab mir die
Gelegenheit, ein anderes und sich immer noch
veränderndes Deutschland zu entdecken.
Heute Abend möchte ich über Deutschland, Amerika
und die Vollendung Europas sprechen. Was verstehen wir unter der Vollendung Europas? Im umfassendsten Sinne verstehen wir darunter die Beendigung
der Abgrenzung Europas entlang einer unnatürlichen
und ahistorischen Ost-West-Trennlinie. Es bedeutet,
daß Orte, denen Demokratie und Pluralismus verwehrt
wurden, in Freiheit leben können. Und es bedeutet die
Ausweitung von Stabilität, so daß Nationen prosperieren können - sowohl politisch als auch wirtschaftlich.
Ich freue mich, dieses Thema in Sachsen anzusprechen, weil dies eines der ältesten regierten Gebiete
der Welt ist und Sie die Bedeutung von Demokratie
und Rechtsstaatlichkeit zu würdigen wissen.
Ich freue mich jedoch noch mehr, hier zu sein, weil ich
der Überzeugung bin, daß die neuen Bundesländer
eine wichtige Rolle bei der Überwindung der Teilung
Europas gespielt haben. Sie spielen auch bei der
Vollendung Europas eine wichtige Rolle.
Der Zusammenbruch des Systems, das Deutschland
und Europa so viele Jahrzehnte geteilt hat, erfolgte

AMERIKA DIENST 02

aufgrund des Muts und Optimismus von Menschen in
beiden Blöcken, daß die Demokratie überdauern
könnte und sollte. Der Fall der Berliner Mauer und die
Rufe "Wir sind das Volk" wurden weder von den auf
beiden Seiten massierten Armeen herbeigeführt, die
auf den Beginn des unvermeidlichen Krieges warteten,
noch durch ein mysteriöses, historisches Ende der
kommunistischen Idee. Die Berliner Mauer wurde
durch den ununterdrückbaren menschlichen Wunsch
nach Freiheit durchbrochen und dann niedergerissen.
Der Historiker John Lewis Gaddis hat die Revolutionen
von 1989 mit einer Verlagerung der tektonischen
Platten der Erde verglichen: Diese politischen Unruhen waren nur Manifestationen der zugrundeliegenden
Trends, die so viele Jahrzehnte lang unter der Oberfläche gehalten wurden. Ebenso wie ein Erdbeben
ausbricht, wenn der angestaute Druck zu stark wird,
waren die Revolutionen von 1989 Eruptionen nach den
Jahren der Massenfrustration in der gesamten Region.
Mit anderen Worten: Der Kalte Krieg war kein permanentes Merkmal der internationalen Landkarte. Er war
nicht unumkehrbar, wie die sogenannten Realpolitiker
manchmal argumentierten. Er war in der Tat eine
Anomalie.
Die Wiedervereinigung Deutschlands war ein sehr
bedeutendes Ziel der Vereinigten Staaten. Unser
Glaube an Ihre Zukunft war stets unerschütterlich.
Unser Beitrag zur Verwirklichung unserer gemeinsamen Vision war groß und entschlossen.
Im Dezember 1989 definierte Präsident Bush einen
Rahmen, der dem Prozeß Inhalt und ein Ziel verlieh.
Erstens wollte Bush, daß das deutsche Volk diese
Entscheidung selbst traf. Welche Entscheidung auch

Seite 1

�immer getroffen würde - sie würde respektiert. Er
erklärte auch, daß die Wiedervereinigung im Rahmen
des Prozesses der Mitgliedschaft Deutschlands in der
NATO und anderen europäischen Organisationen
erfolgen sollte. Er wollte, daß der Prozeß schrittweise
stattfand. Und schließlich wollte er, daß sich die
Wiedervereinigung auf der Grundlage der Prinzipien
von Helsinki vollzog. Diese Prinzipien gewährleisteten,
daß die Wiedervereinigung friedlich erfolgte und für
alle Beteiligten akzeptabel wäre.

definieren - die Vision eines zum ersten Mal in seiner
Geschichte in Demokratie und Frieden vereinten
Europas. Die Vision einer Welt, die durch die Methoden und Überzeugungen der Demokratie geeint ist.
Durch Toleranz, Vielfalt und Offenheit. Einer Welt, in
der den vielfältigen Herausforderungen der Gesellschaft und Technologie mit offenem demokratischem
Austausch begegnet wird. Einer Welt, in der die Völker
das Recht haben, ihre eigene Zukunft in Sicherheit und
Zusammenarbeit in die Hand zu nehmen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Wiedervereinigung Deutschlands nach wie vor. In Anbetracht
der Entscheidung der Bundesregierung für Berlin wird
die Amerikanische Botschaft nächstes Jahr nach Berlin
umziehen.

Das ist die Vision von Europa, die Präsident Clinton in
seiner historischen Rede im Januar 1994 in Brüssel
darlegte. Der Präsident forderte die Integration ganz
Europas in eine demokratische Völkergemeinschaft.
Er sagte voraus, daß die Gemeinschaft mit den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten würde, um
eine euroatlantische Gemeinschaft von Nationen und
Völkern zu bilden, die sich der Bewahrung der Errungenschaften von Demokratie und der Befreiung
Europas von der ständigen Angst vor Konflikt verschrieben hatte, die die Geschichte dieses Kontinents
einen Großteil dieses Jahrhunderts kennzeichnete.

Im Privatsektor haben sich amerikanische Unternehmen als der größte Block ausländischer Investoren in
den neuen Bundesländern herauskristallisiert. Die
Aktivitäten amerikanischer Firmen bei der Beseitigung
von Altlasten und der Schaffung von Arbeitsplätzen in
Ostdeutschland waren bemerkenswert. Sie unterstreichen das amerikanische Engagement in Deutschland und verleihen den seit jeher getätigten amerikanischen Investitionen in Westdeutschland neuen
Schwung.
Die Investitionen von Dow Chemical in Leipzig haben
beispielsweise zur Ansiedlung zusätzlicher amerikanischer Familien dort geführt und der Internationalen
Schule neuen Schwung verliehen. Das ist ein Beispiel
für den Wirtschaftspfeiler der deutsch-amerikanischen
Beziehungen, der nicht nur Handel und Gewinne
hervorbringt, sondern auch persönliche Kontakte
zwischen Menschen und Familien. Ich kann mir kaum
einen besseren Weg vorstellen, um die deutschamerikanische Partnerschaft aufzubauen und zu
stärken.
Der neue Halbleiterbetrieb des amerikanischen
Konzerns Advanced Micro Devices (AMD) im Norden
von Dresden ist ein weiteres Beispiel für eine Investition, die Amerikaner in die neuen Länder gebracht
hat. Die Internationale Schule in Dresden wurde
übrigens von AMD gegründet.
Insgesamt haben seit der Wiedervereinigung über 240
amerikanische Firmen mehr als 12 Milliarden Dollar im
Ostteil Deutschlands investiert und Zehntausende von
Arbeitsplätzen geschaffen oder gesichert.
Hier in Freiberg unterhält die Bergakademie kooperative Beziehungen zu sechs amerikanischen Universitäten.
Das sind nur einige wenige Anzeichen, daß Deutschland und Amerika in einer unentbehrlichen Partnerschaft verbunden sind. Diese Partnerschaft gestattet
uns, gemeinsam eine neue strategische Vision zu

Seite 2

Wir haben bereits damit begonnen, die Grundlagen für
die Zukunft zu legen - durch unsere Unterstützung der
Bestrebungen zur Erweiterung der NATO und der
Europäischen Union. Hinzu kommt die Erfüllung des
Versprechens der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa. Diese Schritte erfolgten
nicht automatisch. Denken Sie nur an einige der
Debatten zu Beginn der neunziger Jahre: "NATO, was
nun?" war damals eine gängige Frage. Die Entscheidung für die Erweiterung wurde erst getroffen,
nachdem diese schwierige Diskussion zu dem Schluß
gelangte, daß eine erweiterte NATO bei weitem das
vielversprechendste Instrument sei, um die Stabilität
und Sicherheit Europas zu bewahren.
Ebenso wie die NATO hat die Europäische Union die
Notwendigkeit erkannt, die neuen Demokratien
einzubeziehen. So wie die Aussicht der NATOErweiterung die Länder Zentraleuropas veranlaßt hat,
sich gegenseitig als potentielle Verbündete statt als
Gegner zu sehen, hat auch die Aussicht auf die EUMitgliedschaft diese Länder ermutigt, die erforderlichen
und manchmal schmerzlichen politischen Schritte zu
unternehmen, um ihre neuen Marktwirtschaften und
Rechtssysteme auf den richtigen Weg zu bringen.
Eine Orientierung nach außen wird der EU in den
kommenden Jahren am besten dienen. Das gilt nicht
nur für Zentraleuropa, sondern auch für die Türkei - ein
Land, das die strategische Entscheidung, sich nach
Westen zu orientieren, Anfang dieses Jahrhunderts
getroffen hat. Die Türkei und die EU haben gleichermaßen ein Interesse an der Stärkung ihrer Beziehungen. Und wir alle haben ein Interesse an der Entwicklung der Türkei als einem starken, wohlhabenden,
säkularen und demokratischen Staat.

AMERIKA DIENST 02

�Das letzte Jahrzehnt hat in unterschiedlicher Weise
gezeigt, wie sich Länder schnell umgestalten können.
Im Falle dessen, was wir einstmals als Osteuropa
bezeichneten, haben wir gesehen, wie autoritäre
Systeme zu Demokratien wurden - Länder, in denen
sich die Regierungen durch normale, demokratische
Mittel verändern.
Obwohl die Bilanz des Wandels unter den neuen
Demokratien positiv war, gab es auch negative
Beispiele des Wandels. Ich denke dabei an Bosnien,
ein Land, das von einer Aggression erfaßt wurde, wie
sie Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt
hatte. Das Atlantische Bündnis stellte sich der Herausforderung und setzte der Aggression ein Ende. Der
Fall Bosnien zeigt jedoch, wie schnell Stabilität Unordnung und Blutvergießen weichen kann. Wir
müssen unsere Methoden der Konfliktverhütung
verbessern und perfektionieren. Die OSZE ist eine
Ressource, die besser genutzt werden kann und sollte.
Sie sollte darauf hinarbeiten, den Ausbruch ethnischer
Spannungen und Gebietseroberungen zur Vergangenheit werden zu lassen.
Wir können alle dankbar sein, daß die Revolutionen
von 1989 mit nur wenig Blutvergießen stattfanden und
Demokratie und Stabilität zur Folge hatten. Aber
Demokratie und Stabilität sind nicht statisch; wir alle
müssen uns für ihren Erhalt einsetzen. Aus diesem
Grund ist die Integration dieser neuen Demokratien in
unsere wichtigsten europäischen und transatlantischen
Institutionen von entscheidender Bedeutung.
Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner
Interessen ist Deutschland der natürliche Fürsprecher
und Partner der zentraleuropäischen Staaten, die sich
Europa jetzt wieder anschließen. Andere wichtige
Faktoren beinhalten Ihre Erfahrung hier in den neuen
Bundesländern mit Wiederbelebung und Erneuerung.
Diese gibt Deutschland besonders guten Einblick in die
Schwierigkeiten, mit denen diese neuen "marktwirtschaftlichen Demokratien" konfrontiert sind. An all
diesen Orten konzentrierte man sich während des
letzten Jahrzehnts vorwiegend auf dieselben oder
ähnliche Themen: Demokratisierung, Wirtschaftsreformen und Beseitigung der Altlasten, um nur einige
zu nennen.
Deutschlands führende Rolle in der Europäischen
Union, in der NATO und anderen wichtigen Institutionen macht es zu einem Schlüsselpartner für die
Staaten Zentraleuropas. Deutschland, Polen und
Dänemark leiteten vor kurzem ein Austauschprogramm für ihre Streitkräfte ein, das den Weg für ein
spezielles multinationales Korps innerhalb der NATO
ebnet. Diese Art von Einbeziehung und Interaktion ist
ein Multiplikator der Stabilität in Europa.
Sie ist aber auch ein großer Schritt zum Heilen alter
Wunden. Von besonderer Bedeutung sind die Bestre-

AMERIKA DIENST 02

bungen Deutschlands und Polens, neue Verbindungen
anzuknüpfen. Die neuen engen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen zeigten sich daran, daß
der polnische Außenminister Dariusz Rosati den
polnischen Nationalfeiertag am 3. Mai vergangenes
Jahr nicht in Polen, sondern in Deutschland feierte.
Das beweist, wie weit Polen und Deutschland bei der
Erneuerung ihrer Beziehungen gekommen sind.
Sachsen, Ungarn und die Tschechische Republik
unterhalten ebenfalls lebhafte Beziehungen mit
häufigen hochrangigen Besuchen aus beiden Ländern
hier in Sachsen.
Die Ausweitung von Stabilität und Wohlstand nach
Osten ist eine der größten Chancen der Berliner
Republik. Ebenso wie die Vereinigten Staaten vor
fünfzig Jahren Deutschland und dem übrigen Westeuropa durch den Marshallplan beim Wiederaufbau
nach dem Zweiten Weltkrieg halfen, hat Deutschland
als führendes Mitglied der wichtigsten Institutionen
Europas heute die Chance, zur Förderung von Sicherheit und Wohlstand im Osten beizutragen.
Die Vereinigten Staaten setzen sich auch für die
Ausweitung von Stabilität in dem neuen, geeinten
Europa ein. Amerikanische Unternehmen tätigen
große Investitionen in die Zukunft der Volkswirtschaften in ganz Zentraleuropa. Die US-Regierung
arbeitet in der baltischen Region darauf hin, daß
Estland, Lettland und Litauen die bestmöglichen
Kandidaten für unsere wichtigen multilateralen Institutionen werden. Wie wir in der am 16. Januar
unterzeichneten Charta über die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und den baltischen
Staaten erklärten, haben die Vereinigten Staaten "ein
reales, profundes und dauerhaftes Interesse an der
Unabhängigkeit, Souveränität, territorialen Integrität
und Sicherheit" der baltischen Staaten. Kein Land
sollte aufgrund seiner Geschichte oder Geografie
diskriminiert werden. Das kann und sollte ein Leitprinzip sein, während wir uns für die Vollendung
Europas einsetzen, indem wir neue Nationen aus dem
Osten willkommen heißen.
Die Vereinigten Staaten sehen auch vielversprechende
Möglichkeiten in der regionalen Zusammenarbeit auf
Gebieten wie der Beseitigung von Altlasten, der
Bekämpfung des organisierten Verbrechens und
Drogenschmuggels. Es kann und sollte viele verschiedene gleichgerichtete Aktivitäten geben, um
regionale Kooperation zu stärken, und es werden
bereits große Fortschritte gemacht: Das deutschpolnisch-dänische Korps, der Rat der Ostseeanrainerstaaten, das Weimarer Dreieck und natürlich die
großen Dachorganisationen der regionalen Zusammenarbeit wie die OSZE.
Ich möchte hinzufügen, daß der menschliche Aspekt
dieser Bande für Amerikaner ebenso wichtig ist wie für
die Deutschen. Amerikaner haben einen natürlichen

Seite 3

�Hang, diese einst abgeschnittenen Teile Europas zu
erkunden. Viele Amerikaner haben dort ihre kulturellen Wurzeln. Nicht nur, daß 60 Millionen Amerikaner
deutscher Abstammung sind; Millionen andere haben
ihre Wurzeln in der jetzigen Tschechischen Republik,
der Slowakei, Polen, Ungarn und den baltischen
Staaten.
Diese Verbindungen bieten die Chance, die kulturellen
und historischen Reichtümer in diesen Teilen der Welt
wiederzuentdecken, die so lange von Kontakten
abgeschnitten waren. Die Wiederentdeckung und das
erneute Zusammenfügen der Teile Europas, die einst
voneinander getrennt waren, sowie der Kulturaustausch zwischen Zentral-/Osteuropa und Westeuropa
ist hier derzeit eine der interessantesten Entwicklungen. Europa und die Welt werden durch diese
Erfahrung bereichert.
Deutschland und Amerika arbeiten nicht nur zusammen, um die Errungenschaften der neuen Demokratien zu sichern, sondern auch, um auf globaler
Ebene Einfluß auszuüben. Zur Erlangung des Ziels
der Ausweitung von freiem Handel setzen wir uns für
gerechtere Wettbewerbsbedingungen ein: Wir wollen
der internationalen Wirtschaftsbestechung ein Ende
setzen - einer Praxis, die genau die Grundsätze
unterminiert, für die unsere Länder stehen. Wir haben
Fortschritte bei der Verringerung der Duplizität von
Tests gemacht, damit die Produkte für die Verbraucher
billiger werden. Und beim Klimagipfel von Kyoto
haben wir einen ersten wichtigen Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels unternommen.
Innovation und neue Technologien sind die treibende
Kraft bei dem, was jetzt als die "neue Weltwirtschaft"
bezeichnet wird - ein Begriff, der Globalisierung
umfaßt, sich aber auch auf den neuen Kontext bezieht,
in dem Unternehmen auf der ganzen Welt Geschäfte
tätigen.
Die Veränderungen bei Handel und Technologie
haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf unsere
Geschäftsbeziehungen. Sie beeinflussen auch unsere
Gesellschaften. Das Internet ist überall. Vor zwanzig
Jahren hätten die meisten sich nur sehr schwer
vorstellen können, daß wir von unserem Wohnzimmer
aus Verbindung zu Computern auf der ganzen Welt
aufnehmen können. Heute hingegen ist es schwierig,
sich vorzustellen, daß wir nicht die E-mail benutzen

* *

Seite 4

oder im Web surfen können.
sozialen Interaktion geworden.

Es ist Teil unserer

Daß unser Planet immer kleiner wird, hat auch Auswirkungen auf die Arbeit von jemandem wie mir.
Einmal können Informationen natürlich Grenzen
überschreiten und den Weg durch geschlossene
Gesellschaften nehmen. Wie jemand einmal sagte:
Wir sprechen nicht mehr von einer Revolution von
oben oder unten, sondern von einer Revolution von
außerhalb. Eine weitere Auswirkung ist, daß die
Bedrohungen der nuklearen Weiterverbreitung, die
Aktionen verbrecherischer Staaten und der Terrorismus ebenfalls näherrücken.
Diese Dinge bedrohen nicht nur einzelne Länder,
sondern die gemeinsame Lebensweise vieler Länder.
Die beste Verteidigung besteht darin, sich der Konstruktion zu bedienen, die die Lebensweise und
Interessen Deutschlands, der Vereinigten Staaten und
der übrigen transatlantischen Gemeinschaft verkörpert.
Dieses Gebilde besteht aus Organisationen wie der
NATO, der OSZE, der neuen transatlantischen Agenda
sowie einer Vielzahl bilateraler und persönlicher
Beziehungen und Freundschaften, die im Lauf der
Jahrzehnte aufgebaut wurden.
Abschließend möchte ich noch die Bedeutung der
deutsch-amerikanischen Partnerschaft für den Prozeß
der Umgestaltung und Erweiterung unserer Institutionen ansprechen. Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist ein großer Erfolg und ist selbstverständlich
geworden. Das bedeutet nicht, daß wir einander als
selbstverständlich hinnehmen sollten. Vielmehr heißt
es: Wir haben ein so hohes Maß an Verständigung, so
viele gemeinsame Ziele und Interessen, daß es
manchmal schwierig ist, von zwei verschiedenen
Einheiten zu sprechen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist die
treibende Kraft in der transatlantischen Welt. Ohne
unsere enge Zusammenarbeit wäre im vergangenen
Jahrzehnt vieles nicht erreicht worden. Zusammenarbeit ist für uns der Schlüssel zum Erfolg im nächsten
Jahrhundert.
Ich wünsche uns für die Zukunft weiterhin Erfolg sowie
die Kreativität und den Mut, die hierzu erforderlich sind.
Vielen Dank.

* *

*

AMERIKA DIENST 02

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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 30.01.1998</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA haben die Macht und die Pflicht, ein neues Zeitalter des Friedens zu schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Einsatz für die Bürgerrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Al Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutschland, Amerika und die Vollendung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;</text>
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