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dicrv&gt;t

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

29. Dezember 1997

25

UMWELT

CLINTON: ABKOMMEN VON KYOTO IST
GUT FÜR DIE UMWELT UND HAT SOLIDE
WIRTSCHAFTLICHE GRUNDLAGE
Erklärung des Präsidenten

AUSSENPOLITIK

ALBRIGHT ERÖRTERT NATO-ERWEITERUNG,
BOSNIEN UND IRAK
Rede beim Ministertreffen des Nordatlantikrates

BOSNIEN

INTERNATIONALE STAATENGEMEINSCHAFT
WILL IN BOSNIEN IHREN KURS FORTSETZEN
Stellungnahme von Botschafter Robert S. Gelbard

USA-DEUTSCHLAND

REFLEXIONEN
ZUR
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN PARTNERSCHAFT
Rede vor der American Chamber of Commerce
in Germany
DEUTSCHLAND UND AMERIKA: EINE
SELBSTVERSTÄNDLICHE PARTNERSCHAFT
von Botschafter John C. Kornblum

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST

1997

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1997
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�UMWELT

29. Dezember 1997

Clinton: Abkommen von Kyoto ist gut für die Umwelt
und hat solide wirtschaftliche Grundlage
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von Präsident Clinton am 10. Dezember 1997
abgegebene Stellungnahme über das auf der Klimakonferenz von Kyoto erzielte Abkommen zur Verringerung der
Treibhausgasemissionen.

Ich freue mich sehr, daß die Vereinigten Staaten mit
anderen Nationen der Welt ein historisches Abkommen über beispiellose Maßnahmen zur Bekämpfung der weltweiten Klimaerwärmung geschlossen
haben. Diese Übereinkunft ist gut für die Umwelt und
hat eine solide wirtschaftliche Grundlage. Sie spiegelt
das Engagement unserer Generation wider, im
Interesse zukünftiger Generationen zu handeln.
Keine Nation engagiert sich stärker für dieses Ziel als
die Vereinigten Staaten. In Kyoto bestand unsere
Aufgabe darin, andere Nationen zu überzeugen,
Gemeinsamkeiten zu finden, damit wir realistische und
erreichbare Verpflichtungen zur Verringerung der
Treibhausgasemissionen eingehen können. Diese
Aufgabe wurde erfüllt. Die amerikanische Delegation
unter Leitung von Vizepräsident Gore und der kompetenten Führung von Staatssekretär Stuart Eizenstat hat
den Weg gewiesen. Die durch die Anwesenheit von
Vizepräsident Gore geschaffene Dynamik trug zu

einem erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen bei,
und ich danke dem Vizepräsidenten dafür.
Ganz besonders freue ich mich, daß das Abkommen
das Engagement der Vereinigten Staaten widerspiegelt, dieses schwierige Problem mit Hilfe der
Instrumente des freien Marktes zu lösen.
Es liegen immer noch große Herausforderungen vor
uns, insbesondere bei der Einbeziehung der Entwicklungsländer. Es ist von elementarer Bedeutung, daß
diese Nationen sich wirkungsvoll beteiligen, damit wir
globale umweltpolitische Herausforderungen wirksam
angehen können. Aber die Industrienationen sind
zusammengekommen und haben einen großen Schritt
unternommen, und das ist ein wirklicher Fortschritt.
Abschließend möchte ich Ministerpräsident Hashimoto
und dem japanischen Volk für ihre großes Engagement danken.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�AUSSENPOLITIK

29. Dezember 1997

Albright erörtert NATO-Erweiterung, Bosnien und Irak
Rede beim Ministertreffen des Nordatlantikrates

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die US-Außenministerin
Madeleine Albright am 16. Dezember 1997 beim Ministertreffen des Nordatlantikrates im NATO-Hauptquartier in
Brüssel hielt.

Herr Generalsekretär, Herr Ehrenpräsident, verehrte
Amtskollegen, meine Damen und Herren, ich freue
mich außerordentlich, im Namen der Vereinigten
Staaten zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Ich werde heute unter anderem vom amerikanischen
NATO-Botschafter, Robert Hunter, begleitet, für den
dies das letzte Ministertreffen des Nordatlantikrates ist.
Botschafter Hunter hat es der NATO durch seine
herausragende Arbeit ermöglicht, weltweit das Bündnis
Nummer eins zu bleiben und gleichzeitig neue Mitglieder vom gesamten Kontinent einzubeziehen.
Meines Erachtens ist unser Erfolgsgeheimnis während
dieser Zeit ziemlich einfach gewesen. Wir sind nicht
einfach auf Nummer Sicher gegangen. Bei jeder
Entscheidung haben wir uns für den weitblickendsten
Weg entschieden.
Heute treffen wir hier zusammen und haben bereits mit
der Erweiterung unseres Bündnisses begonnen,
während wir gleichzeitig eine Partnerschaft mit Rußland und der Ukraine bilden, wichtige Bande zu
anderen europäischen Demokratien anknüpfen, die
komplexeste Militäroperation in der Geschichte der
NATO durchführen und ihre internen Strukturen
anpassen, damit sie die Herausforderungen einer
drastisch veränderten Welt bewältigen kann. Aufmerksame Kritiker haben bezweifelt, ob wir zu diesen
Schritten bereit sind, und praktisch niemand glaubte,
daß wir alle fünf auf einmal unternehmen können.
Jedesmal haben wir der Versuchung widerstanden,
Taten durch Worte zu ersetzen und schwierige
Entscheidungen aufzuschieben.

Unsere unmittelbare Tagesordnung beinhaltet die
Erfüllung der von unseren führenden Politikern beim
Madrider Gipfel eingegangenen Verpflichtungen. Ich
freue mich sagen zu können, daß wir diese Versprechen halten. Ich bin zuversichtlich, daß beim
nächsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs 1999 die Zeit für weitere Schritte gekommen ist.
Vor zwei Wochen billigten unsere Verteidigungsminister eine neue Kommandostruktur für die NATO,
die die Zahl der Kommandostellen von 65 auf 20
verringert. Wir haben den Weg für die vollständige
Integration Spaniens in die NATO geebnet. Und wir
begrüßen die Entscheidung Frankreichs, sich einer
umfassenden Teilnahme an den Aktivitäten des
Bündnisses noch weiter anzunähern.
Heute findet das erste Ministertreffen des Ausschusses für die Partnerschaft zwischen der NATO und der
Ukraine statt. Unsere Herausforderung wird darin
bestehen, die vor uns liegenden Chancen zu ergreifen
und auf der leisen Erfolgsgeschichte aufzubauen, die
sich bei der neuen, besonderen Partnerschaft mit der
Ukraine abzeichnet.
Morgen werden wir erneut mit Rußland im Ständigen
Gemeinsamen Rat als Teil eines Prozesses zusammentreffen, der von historischer Bedeutung, aber
zunehmend auch geschäftlich orientiert und in seiner
Umsetzung sogar Routine ist. Wir setzen unsere
praktische tägliche Zusammenarbeit mit Rußland fort,
um das gegenseitige Mißtrauen der Vergangenheit zu
überwinden.
Ferner werden wir morgen im Euro-Atlantischen
Partnerschaftsrat mit all unseren neuen Partnern

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�zusammentreffen. In Zukunft wird viel von dem, was
die NATO leistet, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des EAPR erfolgen, der immer wichtiger wird.
Und natürlich werden wir in wenigen Stunden mit der
Tschechischen Republik, Ungarn und Polen ihre
NATO-Beitrittsprotokolle unterzeichnen. Dies ist ein
weiterer Schritt bei dem Prozeß, der noch viele Jahre
auf unserer Tagesordnung stehen wird.
Die heutige Unterzeichnung ist nicht nur eine Zeremonie, und sie ist weit mehr als eine bürokratische
Formalität.
Wir unterzeichnen jetzt die Beitrittsprotokolle, weil die
NATO entschieden hat, daß die Tschechische Republik, Ungarn und Polen bereit zur Übernahme ihrer
Verpflichtungen als Verbündete sind. Aufgrund der
Stärke und Verläßlichkeit ihrer Demokratien fügen sie
sich nahtlos in die europäische Hauptströmung ein.
Ihre Volkswirtschaften wachsen. Ihre militärische
Infrastruktur ist fortgeschrittener, als viele von uns
erwartet haben. Sie haben - großenteils dank der
Partnerschaft für den Frieden - gute Fortschritte bei der
Anpassung ihrer Streitkräfte an die Normen und
Verfahren der NATO gemacht. Wir sind zuversichtlich,
daß sie mit der Zeit ausgereifte militärische Fähigkeiten entwickeln werden.
Gleichzeitig geben die Tschechische Republik, Ungarn
und Polen uns heute ihr Wort, daß sie genau wissen,
was von ihnen als NATO-Verbündete erwartet wird.
Diese Nationen akzeptieren eine grundlegende
Veränderung ihrer nationalen Identität. Jahrzehntelang
haben sie von der freien Welt Bekräftigung und
Unterstützung ihrer Suche nach Freiheit und Unabhängigkeit erwartet. Jetzt übernehmen sie zum
ersten Mal die Verantwortung für die Freiheit und
Sicherheit anderer. Wir zählen in Zukunft auf ihren
Beistand in Stunden der Not und in den Zeiten, wenn
andere Nationen unsere Bekräftigung und Unterstützung erwarten.
Diesen Monat haben wir auch ein Abkommen über die
Konsequenzen der Erweiterung für unsere Mittel
geschlossen. Wir haben die kluge Entscheidung
getroffen, das Abkommen auf eine Einschätzung der
militärischen Erfordernisse einer größeren NATO und
die damit einhergehenden neuen Sicherheitsverpflichtungen zu stützen. Wir haben jetzt eine klare
Vorstellung davon, was die derzeitigen und zukünftigen Verbündeten der NATO zur Erfüllung dieser
Verpflichtungen tun müssen und wie hoch die gemeinsam getragenen Kosten einer erweiterten NATO sein
werden.
Durch die Zustimmung zu den Kostengutachten der
NATO haben wir Schätzungen und Prognosen in
Verpflichtungen umgewandelt, denen jeder von uns

Seite 2

jetzt nachkommen muß. Ferner haben wir bekräftigt,
was unsere Staats- und Regierungschefs in Madrid
erklärt haben: Die Kosten einer erweiterten NATO sind
real, denn jede echte Sicherheit hat ihren Preis.
Großenteils aufgrund der von unseren zukünftigen
Verbündeten getroffenen Vorbereitungen werden diese
Kosten zu bewältigen sein. Sie werden getragen. Und
sie werden gerecht verteilt.
Unsere nächste Herausforderung wird darin bestehen,
die Ratifizierung der NATO-Erweiterung durch unsere
Parlamente zu gewährleisten. Wir dürfen nicht das
Ergebnis dieses Prozesses vorschnell beurteilen oder
als selbstverständlich hinnehmen. Präsident Clinton
und ich haben intensiv mit Kongreßabgeordneten
beider Parteien zusammengearbeitet und wissen, daß
unsere Debatten im Kongreß und unsere öffentliche
Debatte in den nächsten Wochen lebhafter werden.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß auch das
Votum aller sechzehn Parlamente nicht das Ende
unserer Bestrebungen markiert, sondern bestenfalls
ihren Beginn. Wir müssen hart daran arbeiten sicherzustellen, daß die Tschechische Republik, Ungarn und
Polen umfassend und erfolgreich in unser Bündnis
integriert werden.
Ferner müssen wir auch immer daran denken, daß
unsere führenden Politiker zugesagt haben, die Türen
der NATO immer für neue Mitglieder offen zu halten.
Und sie haben diese Verpflichtung untermauert, indem
sie einer Intensivierung des Dialogs der NATO mit den
Nationen zustimmten, die eine Mitgliedschaft anstreben.
Im Januar sollte ein neues Stadium des Dialogs
beginnen. Wir müssen beim Washingtoner Gipfel zur
Überprüfung und Erwägung neuer Schritte in diesem
Prozeß bereit sein, und dasselbe gilt für unsere
Partner.
Das Grundprinzip der nächsten Runde der NATOErweiterung ist genau dasselbe wie das der ersten
Runde: Die Erweiterung wird zur Abschreckung
externer Bedrohungen der transatlantischen Gemeinschaft beitragen. Sie wird das Gebiet in Europa
erweitern, in dem es keine Kriege gibt. Sie wird den
dazu bereiten Ländern einen Anreiz zur Intensivierung
ihrer Reformen und zur Zusammenarbeit mit all ihren
Nachbarn geben. Sie wird unser Bündnis durch die
Aufnahmefähiger neuer Mitglieder stärken, die unsere
Interessen und Werte teilen. Und sie wird die politische Einheit Europas stärken und seine historischen
Spaltungen noch weiter verringern.
Wir sollten die nächste Runde der NATO-Erweiterung
genauso angehen wie die erste.
Ferner sollten wir vermeiden, gegenüber bestimmten
Ländern bestimmte Verpflichtungen einzugehen; es

AMERIKA DIENST 25

�besteht kein Grund, Erwartungen zu wecken, indem
wir parteiisch sind oder davon auszugehen, daß
unsere Parlamente immer allem zustimmen. Ebenso
wie in der Vergangenheit müssen wir darauf bestehen,
daß die verbleibenden Beitrittskandidaten den objektiv
höchsten Standards entsprechen, bevor sie zum
Beitritt eingeladen werden - daß sie die höchsten
Hürden für Reformen überwinden, die Bereitschaft zur
Erfüllung der gesamten Pflichten der Mitgliedschaft
zeigen und beweisen, daß ihre Aufnahme den strategischen Interessen der NATO dient.
Gleichzeitig sollten wir weiterhin deutlich machen, daß
jede an einer Mitgliedschaft interessierte europäische
Demokratie für eine Mitgliedschaft in Frage kommt,
ungeachtet ihrer Geschichte oder Geografie. Und wir
müssen weiterhin betonen, daß die Frage nicht lautet,
ob die NATO neue Mitglieder aufnimmt, sondern nur,
wann und wie das geschieht. Zu einer anderen Runde
"vielleicht" zu sagen, ist nicht viel besser, als ein Nein.
Angesichts der in ganz Zentral- und Osteuropa bereits
erzielten Fortschritte können wir alle zuversichtlich
sein, daß die erste Runde nicht die letzte ist - und das
auch sagen.
Fortschritte müssen verantwortungsvoll und überlegt
gemacht werden, aber sie müssen erfolgen. Wir
benötigen einen Prozeß, innerhalb dessen beitrittswilligen Kandidaten genau gesagt wird, was sie tun
müssen und welche Veränderungen erforderlich sind,
um ihre Mitgliedschaft zu ermöglichen. Das ist der
Zweck - der ganz praktische Zweck - des intensivierten
Dialogs.
Natürlich ist die NATO bei weitem nicht das einzige
Instrument, das wir für den Aufbau eines geeinten,
freien und friedlichen Europas benötigen. Angesichts
der Erweiterung der Europäischen Union, der wachsenden Bedeutung der OSZE und unserer gemeinsamen Bestrebungen zur Förderung der Integration in
Nord- und Südosteuropa werden auf dem Gebiet des
gesamten Baltikums, der Ägäis und des Atlantiks alte
Hindernisse für Zusammenarbeit und Handel abgeschafft.
Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die gefährlichste
Bedrohung unserer Vision in den europäischen
Nationen lauert, die sich der Integrationsbewegung
noch widersetzen - Nationen, in denen demokratische
Prinzipien noch attackiert werden, beispielsweise
Belarus und Serbien, und in denen noch Konflikte
schwelen, einschließlich Bosniens.
Dies war für den Friedensprozeß in Bosnien ein
ermutigendes Jahr, großenteils weil unsere Truppen
ihre Arbeit mit gewohnter Kompetenz und Energie
erledigen.
Ganz im Gegensatz zu den von manchen befürchteten
endlosen Schwierigkeiten waren wir zur Verringerung

AMERIKA DIENST 25

der Truppenpräsenz in der Lage, während der Friedensprozeß Fuß faßte. Meines Erachtens bildet sich
unter den Bosniern allmählich ein Konsens - wenn
nicht über einen Zustand von Harmonie und Verständnis, der ideal wäre, so doch über einen Zustand
der Sicherheit und Normalität, den jede zerstörte
Gesellschaft zunächst einmal anstreben muß.
Vergangenen Monat hielten die bosnischen Serben
Parlamentswahlen ab, bei denen die Wähler Wahlmöglichkeiten und die Unabhängigen eine Stimme
hatten. Und die Partei an der Macht verlor fast die
Hälfte ihrer Sitze. Bei den Kommunalwahlen im
Oktober stimmten nahezu 150.000 Bosnier über
ethnische Grenzen hinweg ab und machten deutich,
daß sie nicht durch permanente Trennlinien von ihrer
Heimat getrennt werden möchten.
Die paramilitärische Polizei wurde der Kontrolle der
SFOR unterstellt. Wir haben dafür gesorgt, daß
aufhetzende Rundfunk- und Fernsehsendungen
eingestellt werden und die Reichweite der unabhängigen Medien vergrößert wird. In den Gebieten, die das
Daytoner Abkommen umsetzen, beschleunigt sich die
wirtschaftliche Erholung. Flüchtlinge kehren in verschiedene Gemeinden zurück, auch wenn dieser
Prozeß quälend langsam verläuft.
Zusätzlich haben sich 20 mutmaßliche Kriegsverbrecher dem Kriegsverbrechertribunal gestellt -12 seit
unserem letzten Ministertreffen. Das hat den Mitteln
des Tribunals eine willkommene Belastung auferlegt und ich freue mich bekanntgeben zu können, daß wir
wie versprochen dem Tribunal die jetzt benötigten
Mittel zur Verfügung stellen werden, damit die Gerichtsverfahren zügig stattfinden können. Die Vereinigten Staaten werden einen Beitrag in Höhe von
einer Million Dollar leisten. Damit sowie mit einer
großzügigen Spende der niederländischen Regierung
wird für das Tribunal bis Anfang kommenden Frühjahrs
ein neuer Gerichtssaal gebaut.
Trotz der Leistungen der letzten beiden Jahre bleibt
noch viel zu tun, bevor wir zuversichtlich sein können,
daß der Frieden in Bosnien sich selbst erhalten wird.
Dabei waren wir uns folgender Tatsache bewußt: So
hartes auch ist, in einem Land, das einen Bürgerkrieg
überlebt hat, eine multiethnische Gesellschaft wiederherzustellen - die Alternative würde noch größere
Gefahren und Kosten beinhalten.
In der Vergangenheit kannte Bosnien Frieden in
Einheit. Es hat Krieg mit Uneinigkeit erlebt. Was es
nie erlebt hat, ist Frieden in Uneinigkeit. Der Versuch,
Dayton durch eine Teilung Bosniens zu ersetzen,
würde unsere Last keinesfalls erleichtern, denn solch
ein historisch unnatürlicher Staat könnte nur von oben
oktroyiert werden. Es müßten Grenzen neu gezogen
und von unseren Truppen patrouilliert werden, die

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�niedergelassene Bevölkerung würde entwurzelt und
Flüchtlinge müßten erneut aus ihren wiedergewonnenen Häusern vertrieben werden.
Eine Teilung Bosniens ist nicht nur falsch, sie ist auch
unrealistisch. Aus diesem Grund ziehen wir die Wahl
zwischen Risiken und Pflichten vor, die wir und die
Parteien in Dayton befürwortet haben, denn diese
Wahl hat mehrere Ziele, die lohnend und erreichbar
sind.
Seit Dayton unterstützen die Vereinigten Staaten eine
effektive NATO-Mission in Bosnien. Wir tun das aus
dem Grund, weil es nicht den amerikanischen Interessen dient, wenn im Herzen von Europa Aggression
ungehemmt, Haß ungezügelt und Völkermord unbemerkt und ungestraft bleibt. Es hätte auch nicht
unseren Interessen gedient, wenn die NATO ein
Bündnis geworden wäre, das sich hypothetischen
zukünftigen Herausforderungen mutig stellt, gleichzeitig aber vor den realen Herausforderungen der
Gegenwart davonläuft.
Die Anpassung und Erweiterung der NATO wären sinnlose theoretische
Übungen, wenn wir das Bündnis nicht an die Arbeit
gesetzt hätten, als seine Interessen und Werte bedroht
waren.
Jetzt lautet die Frage, ob in Bosnien nach dem Abschluß der SFOR-Mission militärische Präsenz
benötigt wird, und falls ja, welcher Art sie sein sollte.
Weder die NATO noch die Vereinigten Staaten haben
endgültige Entscheidungen getroffen. Das Bündnis
prüft jetzt aber verschiedene Optionen, falls wir uns
entschließen sollten, über den Juni 1998 hinaus zu
bleiben.
In den kommenden Monaten wird Präsident Clinton
weiterhin triftige Gründe dafür vorlegen, daß unser
Engagement in Bosnien den amerikanischen Interessen dient. Der US-Kongreß wird entsprechende
Fragen über die Natur unseres Engagements und die
Rolle unserer Verbündeten stellen.
Ich habe kein Problem damit, den Beitrag der Europäer
zu Bosnien zu loben. Unsere Verbündeten hatten
schon lange vor den Vereinigten Staaten Truppen vor
Ort, und seit Dayton gehen wir dieselben Risiken ein.
Es gibt jedoch eine Frage, die ich nicht beantworten
kann, und die lautet, warum die Vereinigten Staaten 90
Prozent des Geldes für die Ausbildung und Ausrüstung
der bosnischen Polizei bereitgestellt haben, wenn
Recht und Ordnung für jede vernünftige Strategie zur
Beilegung des Konflikts so entscheidend sind.
Eine unserer wichtigsten Herausforderungen besteht
in der Aufstellung einer zivilen Polizei in Bosnien, die
professionell und effektiv ist und das Vertrauen aller
Volksgruppen besitzt. Solange die Bosnier bei ihrer
öffentlichen Sicherheit von anderen abhängig sind,
können wir Bosnien nicht ohne die Sorge verlassen,

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daß die öffentliche Sicherheit zerstört wird. Und ohne
öffentliche Sicherheit gibt es keinen einfachen Weg zur
Erreichung entscheidender Ziele, beispielsweise der
Rückkehr der Flüchtlinge aus Westeuropa.
Wir müssen der IPTF die Mittel und das qualifizierte
Personal geben, das sie benötigt, um die Polizei vor
Ort auf einen europäischen Standard zu bringen. Die
IPTF muß bereit sein, ihr Mandat entschlossen zu
erfüllen. Wir müssen akzeptieren, daß ihre Arbeit
bestenfalls Zeit braucht.
Wenn wir die Möglichkeiten zur Unterstützung der
IPTF prüfen, können wir uns auch die in vielen Ländern vorhandenen Fähigkeiten in Form von Gendarmen und Karabiniers ansehen. Solche Kräfte könnten
die Flexibilität der SFOR erhöhen und die Implementierung des Daytoner Abkommens sowie den Schutz der
Truppe verbessern.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin das Ihre tun.
Aber in so wichtigen Bereichen wie diesen müssen
auch andere Bündnismitglieder weitaus mehr unternehmen. Das wird das Vertrauen unseres Kongresses
stärken, daß Europa und die Vereinigten Staaten sich
fair und effektiv die Last der Erhaltung des Friedens in
Bosnien teilen.
Es ist auch aus anderen Gründen wichtig, daß wir
unserer gemeinsamen Verantwortung in Bosnien
nachkommen.
Wir werden in Europa vielleicht nicht erneut mit einer
Herausforderung wie Bosnien konfrontiert. Tatsächlich
macht unsere Integrationsstrategie das weniger
wahrscheinlich. Aber die Vereinigten Staaten und
Europa werden sich zweifelsohne außerhalb der
europäischen Grenzen Herausforderungen stellen
müssen. Unsere Nationen haben gemeinsame globale
Interessen, die von uns fordern, daß wir mit demselben
Ausmaß an Solidarität zusammenarbeiten, das wir auf
diesem Kontinent seit langem bewahrt haben.
Meines Erachtens haben wir gegenseitige Verpflichtungen als Verbündete und Freunde, für deren Erfüllung wir uns härter einsetzen müssen.
In diese Kategorie fällt meines Erachtens die Verpflichtung der Vereinigten Staaten, ihre Außenstände
bei internationalen Organisationen wie den Vereinten
Nationen zu begleichen - nicht zuletzt, weil wir unseren
engsten Verbündeten eine noch größere Last auferlegen, wenn wir nicht zahlen. Ich kann nur sagen,
daß ich im kommenden Jahr keine höhere Priorität
habe als die Lösung dieses Problems, wobei ich zur
Überarbeitung des Beitragsschlüssels der UNO mit
Ihnen sowie mit unserem Kongreß zusammenarbeiten
werde.

AMERIKA DIENST 25

�Unsere größte Verpflichtung besteht jedoch darin
zusammenzuhalten, wenn unsere wichtigsten Sicherheitsinteressen bedroht sind. Das taten wir 40
Jahre lang an der Fulda Gap. Das tun wir jetzt in
Bosnien. Das taten wir im Golfkrieg, obwohl die NATO
dort offiziell nicht führend war, und das tun wir auch
jetzt noch in der Golfregion.
Während des Kalten Krieges waren wir durch unser
herausragendes Interesse an der Eindämmung der
Sowjetunion geeint, und wir ließen nicht zu, daß
andere Überlegungen dieses schmälerten.
Viele Menschen sind der Ansicht, daß wir nicht länger
eine solche einigende Bedrohung haben. Ich bin der
Meinung, daß das doch der Fall ist, und die NATO
erkannte das schon vorher: Wir müssen die Verbreitung von atomaren, chemischen und biologischen
Waffen stoppen. Wir müssen die explosive Mischung
aus Technologie und Terror beseitigen - die Möglichkeit, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag,
daß Massenvernichtungswaffen in die Hände von
Menschen fallen, die keine Skrupel haben, sie einzusetzen.
Diese Bedrohung kommt großenteils aus dem Nahen
Osten und Eurasien, weshalb Europa besonders
gefährdet ist. Es handelt sich um das wichtigste
Sicherheitsanliegen unserer Zeit, das nicht gegen
konkurrierende politische oder ökonomische Überlegungen abgewogen werden kann.
Wir müssen gemeinsam mehr darüber nachdenken,
wie wir im Rahmen und außerhalb des Bündnisses mit
dieser Bedrohung umgehen können. Eine größere
NATO befaßt sich nicht automatisch damit. Wir sollten
diese Überlegungen berücksichtigen, wenn wir das
strategische Konzept des Bündnisses den aktuellen
Gegebenheiten anpassen.
Ein Teil unserer übergeordneten Herausforderung
besteht darin, möglichst hohe Standards gegen die
Weiterverbreitung zu setzen um sicherzustellen, daß
die Regeln des internationalen Systems von dessen
Freunden aufgestellt werden, nicht von seinen Feinden. Mit der unbefristeten Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags, der Inkraftsetzung der Chemiewaffenkonvention und der Unterzeichnung des Vertrags
über ein umfassendes Atomtestverbot (CTB-Vertrag)
durch mehr als 145 Staaten haben wir einen guten
Anfang gemacht. Jetzt besteht ein entscheidender
nächster Schritt darin, dem Vertrag über biologische
Waffen Biß zu geben, indem wir ein bindendes Protokoll zu seiner Umsetzung verabschieden.
Tatsächlich besteht unsere größte Herausforderung in
der Befolgung der von uns aufgestellten Regeln, und
das ist eine Frage des politischen Willens.

AMERIKA DIENST 25

Im Fall des Irak haben unsere Nationen harte Sanktionen, Inspektionen und ein Überwachungsregime
unterstützt, um Saddam Hussein davon abzuhalten,
jemals wieder Massenvernichtungswaffen zu besitzen
oder einzusetzen.
Wie die jüngste Mission von
Botschafter Butler zeigte, haben wir noch nicht die
erforderlichen Zusicherungen bekommen, bedingungslosen und ungehinderten Zugang zu allen Einrichtungen im Irak zu erhalten, was weiterhin unser übergeordnetes Ziel ist.
Bei anderen Problemen sind wir nicht immer einer
Ansicht, insbesondere im Hinblick auf die Schaffung
eines angemessenen
Gleichgewichts
zwischen
Sanktionen und Diplomatie.
Ich weiß, daß manche Europäer das Gefühl haben, die
Vereinigten Staaten würden allzu schnell unilateral
handeln und allzu schnell Sanktionen verhängen.
Entsprechend haben manche Amerikaner das Gefühl,
die Vereinigten Staaten würden allzu oft bei schwierigen Fragen den Kopf hinzuhalten, während andere die
Wirtschaftsverträge erhalten - daß unsere Bereitschaft,
Verantwortung für Frieden und Sicherheit zu übernehmen, es anderen erleichtert, sich vor ihrer Verantwortung zu drücken.
Diese Ansichten sind wichtig. Ich bin jedoch der
Meinung, daß wir darüber hinausblicken und den
Wunsch der Vereinigten Staaten erkennen müssen,
möglichst in Abstimmung mit unseren Verbündeten zu
handeln, und daß wir auch dem Beitrag Europas zu
globalem Frieden, Sicherheit und Entwicklung Rechnung tragen müssen.
Wir dürfen nie vergessen, daß wir einander brauchen,
daß wir gegenseitige Verpflichtungen und grundlegend
gleiche Interessen haben.
Bosnien hat uns daran erinnert, daß es keine größere
Bedrohung Europas gibt, die nicht auch eine Bedrohung für Amerika darstellt. Und ebenso gibt es
keine Bedrohung Amerikas, die nicht auch eine
Bedrohung für Europa ist. Wir sind alle Mitglieder
eines Bündnisses, das die Sicherheit der Menschen in
Paris, Oslo und Rom zu einem Interesse und Verantwortungsbereich der Vereinigten Staaten macht,
ebenso wie es die Sicherheit der Einwohner von New
York und Los Angeles zu einem europäischen Anliegen und Verantwortungsbereich macht.
Wenn die Welt eine von Prinzipien geleitete, zielgerichtete Führung zur Bekämpfung von Aggression,
Weiterverbreitung und Terror benötigt, müssen die hier
vertretenen Nationen andere Anliegen beiseite lassen
und die Führung übernehmen, denn nur wenige
andere können und werden das tun. Jeder von uns
muß so handeln, als ob die Sicherheit der Welt von
unseren individuellen Aktionen abhinge, denn sehr oft
ist das der Fall.

Seite 5

�Vor einiger Zeit hatte ich eine Anhörung im US-Senat
über die NATO-Erweiterung. Ich beendete meine
Ausführungen damit, daß ich sagte, wenn wir im
gesamten Spektrum menschlicher Aktivitäten etwas
erreichen wollen - vom Familienleben über die Nachbarschaft bis zur nationalen und Weltpolitik - schließen
wir uns zuerst einmal mit denen zusammen, deren
Werte und Ansichten wir teilen.
In einer Welt, in der das Negative uns oft das Positive
vergessen läßt, kann es sich niemand von uns leisten,
seine Freunde zu vergessen oder diejenigen als

*

Seite 6

selbstverständlich hinzunehmen, auf die wir uns
verlassen können.
Aus diesem Grund pflegen die Vereinigten Staaten ihre
Beziehungen zu Europa, und aus diesem Grund
glauben wir an dieses Bündnis. Ich habe als Außenministerin keinen größeren Wunsch als die Vertiefung
und Ausweitung unserer Partnerschaft - einer Partnerschaft, in der wir immer in der Lage sein müssen, auf
Sie zu zählen, und in der Sie - hier auf diesem Kontinent und weltweit - immer auf uns zählen können.

* * *

*

AMERIKA DIENST 25

�BOSNIEN
29. Dezember 1997

Internationale Staatengemeinschaft will
in Bosnien ihren Kurs fortsetzen
Stellungnahme von Botschafter Robert S. Gelbard

BONN - (AD) - Botschafter Robert S. Gelbard, der Sonderbeauftragte des Präsidenten und der Außenministerin
für die Implementierung des Friedensabkommens von Dayton, erklärte am 10. Dezember 1997 bei der
Jahresvollversammlung des Friedensimplementierungsrates für Bosnien und Herzegowina in Bonn, die
internationale Staatengemeinschaft wolle ihren Kurs im ehemaligen Jugoslawien beibehalten. Nachfolgend
veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Stellungnahme von Botschafter Gelbard.

Zuerst möchte ich unseren deutschen Gastgebern für
die Veranstaltung dieser wichtigen Konferenz unseren
Dank aussprechen. Ferner danke ich dem Hohen
Repräsentanten, Carlos Westendorp, im Namen der
Vereinigten Staaten für seine unermüdlichen Bestrebungen zur vollständigen Implementierung des
Friedensabkommens von Dayton. Die Entscheidung
des Friedensimplementierungsrates, dem Hohen
Repräsentanten die Befugnis zu bindenden Interimsentscheidungen beim gesamten Spektrum ziviler
Implementierungsfragen zu verleihen, ist ein zusätzlicher Beweis für die entschiedene Unterstützung der
Schlüsselrolle des Hohen Repräsentanten durch die
internationale Staatengemeinschaft.
Die Anwesenheit von Vertretern so vieler Staaten
diese Woche hier in Bonn unterstreicht das langfristige
Engagement der Völkergemeinschaft für Bosnien und
die Verwirklichung der Vision des Daytoner Abkommens von einem Staat in Bosnien, der sich aus
zwei multiethnischen Einheiten zusammensetzt. In
Sintra legte der Lenkungsausschuß des Friedensimplementierungsrates einen Plan für die Beschleunigung der Implementierung des Friedens vor. Seitdem
wurden beachtliche Fortschritte erzielt, die jedoch noch
nicht ausreichen. Die Vereinigten Staaten und die
anderen Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft sind in zunehmendem Maße frustriert über die
Obstruktionspolitik, die alle Parteien bei der Erfüllung
ihrer Verpflichtungen im Rahmen des Friedensabkommens betreiben.

AMERIKA DIENST 25

Die Botschaft der Bonner Konferenz an die Parteien ist
unmißverständlich: Macht weitere Fortschritte. Stoppt
diese inakzeptable Verzögerungstaktik. Setzt das
Abkommen wie versprochen um. Die internationale
Unterstützung wird daran gebunden sein, ob die
Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen.
Heute haben wir uns auf weitere spezifische Maßnahmen geeinigt, um die Befolgung des Abkommens
zu gewährleisten:
Sollten die Parteien sich bei bedeutenden zivilen
Implementierungsfragen nicht einigen, wird der Hohe
Repräsentant im Rahmen des Friedensabkommens
seine volle Amtsgewalt nutzen, bindende Interimsentscheidungen zu treffen.
Der Hohe Repräsentant wird gegen Regierungsmitglieder vorgehen, die ohne guten Grund nicht an
Zusammenkünften teilnehmen oder die Verpflichtungen des Friedensabkommens zur Sicherstellung
seiner Implementierung verletzen.
Das Büro des Hohen Repräsentanten wird sich mit
Unterstützung der Arbeitsgruppe für die Rückkehr der
Flüchtlinge insbesondere auf die Rückkehr der
Flüchtlinge und Vertriebenen in Minderheitengebiete
konzentrieren, und die internationale Staatengemeinschaft wird die Mittel für die erforderliche Unterbringung, für Arbeitsplätze und vor allem die Gewährleistung der Sicherheit bereitstellen.

Seite 1

�Im Hinblick auf die Sicherheit bestand bei zwei Punkten ein klarer Konsens. Der erste war, daß die
Präsenz bewaffneter Streitkräfte unter Führung der
NATO in Bosnien den größten Beitrag zur Sicherheit in
der Region seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens geleistet hat und das kurz- und mittelfristig
weiterhin tun wird. Die Konferenz begrüßte die Pläne
der NATO, Optionen für eine multinationale Nachfolgetruppe der SFOR zu prüfen, die ein sicheres Umfeld für
die zivile Implementierung in Bosnien über den Juni
1998 hinaus schaffen würde.

Die jüngsten Wahlen in der Republika Srpska haben
zu der unbedingt notwendigen Verstärkung der
politischen Pluralität geführt, die den Einfluß der
Hardliner in Pale unweigerlich verringern wird. Die
Konferenz befürwortete die Fortsetzung der erfolgreichen Rolle der OSZE bei der Veranstaltung und
Überwachung der Wahlen in Bosnien, einschließlich
der für September 1998 anberaumten nationalen
Wahlen. Die Menschen in Bosnien müssen ihre
Politiker sorgfältig danach beurteilen, ob diese ihre
Lebensumstände verbessern.

Damit in Zusammenhang stand der Konsens über die
Bedeutung der Reform des Polizeiwesens. Der
Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott formulierte es gestern folgendermaßen: Die "Zusammenstellung einer Polizei, die dem Volk und der Idee
gegenüber loyal ist, Bosnien als Ganzes zu sehen, und
nicht loyal gegenüber einem feindlichen Lager von
Nationalisten und Extremisten" ist die einzige langfristige Garantie für Sicherheit und eine Rückkehr der
Rechtsstaatlichkeit, die in diesem Teil der Welt allzu
lange gefehlt haben. Der Prozeß der Übergabe der
Verantwortung für die Sicherheit von der SFOR auf die
örtliche Polizei muß beschleunigt werden, und die IPTF
wird zur Erreichung dieses Ziels die Verwendung der
Mittel von der Überwachung auf die Ausbildung der
örtlichen Polizei verlagern.

Den Menschen in Bosnien durch Wahlen mehr
Befugnisse zu geben, wird durch das Engagement der
internationalen Staatengemeinschaft voll unterstützt,
die Bestrebungen zur Einführung freier und unabhängiger Medien zu fördern. Wie Sie wissen, hat der Hohe
Repräsentant entschiedene Maßnahmen zur Einstellung des Sendebetriebs in Pale ergriffen, denn Pale
weigert sich, seine ungenauen und aufhetzenden
Fernsehsendungen einzustellen. Gleichzeitig hat sich
der Hohe Repräsentant für die Einrichtung und
Stärkung partei- und regierungsunabhängiger Medien
eingesetzt, beispielsweise Radio FERN und Open
Broadcast Network. Das Büro des Hohen Repräsentanten wird seine Bestrebungen zur Umstrukturierung
anderer Medien fortsetzen und arbeitet dabei gut mit
dem serbischen Fernsehnetz zusammen, das seinen
Sitz in Banja Luka hat.

Bei Fragen der wirtschaftlichen Umstrukturierung
bestand ein klarer Konsens darüber, daß die internationalen Geber zwar viel zur Wiederankurbelung der
Wirtschaft in Bosnien unternommen haben, die
Politiker in Bosnien aber nicht das Ihre tun, um die
Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Die Umsetzung der
für ein IWF-Abkommen erforderlichen Wirtschaftsgesetze, die Gründung der notwendigen öffentlichen
Einrichtungen zur Herstellung funktionierender Infrastrukturverbindungen zwischen den einzelnen
konstituierenden Einheiten, beispielsweise die Eisenbahn, und der Fortgang der Privatisierung sind allesamt stark im Rückstand. Die Parteien werden die
Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlieren, wenn sie diese Probleme nicht auf
eigene Faust lösen.
Das Büro des Hohen Repräsentanten wird die Korruption in beiden konstituierenden Einheiten des Staates
überwachen. Es werden staatliche Einnahmen für
korrupte und illegale Praktiken abgezweigt. Die
internationale Staatengemeinschaft hat ganz deutlich
gemacht, daß eine Fortsetzung dieser Praktiken
Bosnien die Unterstützung der Geberländer kosten
wird.
Ich möchte nicht den Eindruck hinterlassen, die
Konferenz hätte sich ausschließlich auf die negativen
Aspekte der Situation in Bosnien konzentriert. Es gibt
verschiedene positive Entwicklungen, auf denen die
Staatengemeinschaft aufbauen möchte.

Seite 2

Erstmals erlebten wir vor kurzem, wie sich eine
ansehnliche Zahl angeklagter Kriegsverbrecher dem
Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stellte - großenteils dank der Hilfe der kroatischen Regierung. Die
internationale Staatengemeinschaft wich nicht von
ihrer Meinung ab, daß diejenigen, die Kriegsverbrechern in Belgrad und Pale Schutz gewähren, in der
Völkergemeinschaft weiterhin isoliert bleiben sollten.
Im Rahmen der Konferenz wurde ein seit langem
fälliges Abkommen über Paßangelegenheiten und
Staatsbürgerschaft geschlossen, und wir erwarten,
daß die Parteien auf dieser Leistung aufbauend
Einigung über andere heikle politische Themen
erzielen, beispielsweise einheitliche Nummernschilder
und eine Nationalflagge.
Eine letzte gute Nachricht ist die erfolgreiche Implementierung der Rüstungskontrollvereinbarungen
unter Absatz II und IV des Daytoner Abkommens.
Unter der Leitung der OSZE wurden bereits 6.600
schwere Waffen zerstört. Jetzt können wir der letzten
Rüstungskontrollvereinbarung des Daytoner Abkommens unter Absatz V über die regionale Stabilisierung unsere Aufmerksamkeit widmen. Der erfolgreiche Abschluß dieser Verhandlungen wird einen
wesentlichen Beitrag zur Schaffung eines stabilen
militärischen Gleichgewichts in der Region leisten.
Schließlich widmete die Konferenz den wachsenden
Problemen im Kosovo besondere Aufmerksamkeit.

AMERIKA DIENST 25

�Die internationale Staatengemeinschaft vertritt übereinstimmend die Ansicht, daß die jugoslawische Föderation ihre im Daytoner Abkommen eingegangene
Verpflichtung zur Verbesserung der Menschenrechtssituation nicht länger aufschieben kann. Daß die
Föderation die Konferenz unüberlegterweise verlassen
hat, wird die Entschlossenheit des Friedensimplementierungsrates keineswegs vermindern. Im Gegenteil:
Der Unwille der Serben, sich ernsthaft mit dieser Frage
zu befassen, wird die Spannungen nur noch verschärfen. Wie der Stellvertretende Außenminister
Talbott gestern erklärte, werden die Vereinigten

*

AMERIKA DIENST 25

Staaten und ihre europäischen Partner weiterhin auf
einen Dialog zwischen Belgrad und Pristina hinarbeiten.
Ich möchte die Bedeutung der Konferenz auf dem
Petersberg folgendermaßen zusammenfassen: Die
Völkergemeinschaft wird im ehemaligen Jugoslawien
ihren Kurs fortsetzen. Wir werden uns weiterhin
umfassend engagieren und die Implementierung des
Daytoner Abkommens zu Ende bringen. Die Gegner
von Dayton werden uns nicht aussitzen können.

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
29. Dezember 1997

Reflexionen zur deutsch-amerikanischen
Partnerschaft
Rede vor der American Chamber of Commerce in Germany

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der
Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, vor der American Chamber of Commerce in Germany am 9.
Dezember 1997 in Berlin gehaltene Rede.

Ich freue mich sehr, an Ihrem traditionellen Weihnachtsgansessen teilnehmen zu können.
Charles Dickens hat einmal gesagt: "Zügle den
Appetit, und du hast die menschliche Natur besiegt."
Da ich mich dieser Herausforderung nur ungern stellen
möchte, versuche ich, meine Ausführungen heute
Abend kurz zu halten.
Die Weihnachtszeit ist eine wundervolle Jahreszeit.
Es ist eine Zeit, in der wir an das Jahr zurückdenken,
das gerade zu Ende geht. Es ist eine Zeit für Familien.
Es ist eine Zeit, in der man dem gedrängten Terminkalender eine Atempause gönnen sollte. Und es ist eine
Zeit zu planen und auf das zu blicken, was das
nächste Jahr bringen könnte.
Auch die Amerikanische Botschaft in Deutschland
befindet sich inmitten solcher Gedankengänge. In den
vergangenen Jahren hat sich die Welt dramatisch
verändert - und es steht noch mehr bevor. Die
wichtigen Pläne für die Umstrukturierung der offiziellen
amerikanischen Präsenz in Deutschland sind Ihnen
bekannt. Die zentralen Funktionen der Botschaft
werden schrittweise nach Berlin verlegt. Viele unserer
wichtigen Büros sind bereits hier. Der endgültige
Umzug findet mit der Ankunft der Bundesregierung im
Sommer 1999 statt.
Gleichzeitig wird eine beträchtliche Zahl unserer
Mitarbeiter nach Frankfurt umziehen. Sie sind für
regionale und Unterstützungsfunktionen zuständig.
Sie müssen nicht in Berlin sein. Effektivität, Nähe zu
Transportverbindungen und Logistik sind in Frankfurt

AMERIKA DIENST 25

am ehesten gegeben. Wir werden auch weiterhin
wichtige Büros in Hamburg, Düsseldorf, München und
Leipzig haben.
Die Funktionen der Konsulate und Wirtschaftsabteilungen werden erweitert. Wir suchen neue Wege, um
unsere Geschäfte in einem Zeitalter raschen Wandels
zu tätigen. Insbesondere hoffen wir auf die Zusammenarbeit mit unseren Freunden in der Wirtschaft, um
die neuen Chancen zu nutzen, denen Sie sich gegenübersehen.
Kontinuität und Wandel sind konstante Begleiter im
diplomatischen Leben. Unser Leitprinzip muß Kontinuität sein. Nationen und Völker prosperieren bei
Stabilität und werden durch Wandel häufig verwirrt.
Aber Wandel kann auch befreiend sein. Unsere
eigene Nation ist auf den Prinzipien von Dynamik und
Wandel gewachsen.
Die nahezu revolutionären
Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts haben
unserer euroatlantischen Welt mehr Freiheit und
Chancen gebracht als zu jeder anderen Zeit in der
Geschichte.
Unsere Arbeit heute besteht darin, die bedeutenden
Leistungen der atlantischen Partnerschaft zu bewahren und gleichzeitig sicherzustellen, daß wir die
Herausforderungen des Wandels bewältigen. Trotz
der dramatischen politischen Unruhen der neunziger
Jahre ist die vor fünfzig Jahren geschaffene Grundlage
der Partnerschaft fest geblieben. Die Klugheit unserer
Vorgänger wurde durch die rasche Anpassung
atlantischer Institutionen an das neue Zeitalter unter
Beweis gestellt. Meine letzte Amtszeit hier, im Berlin

Seite 1

�der achtziger Jahre, fand in einer anderen Welt statt.
Die Alliierten Streitkräfte haben die Stadt verlassen.
Sowjetische Truppen bedrohen nicht länger Ihre
Freiheit. Statt dessen treffen wir Vorbereitungen, um
Polen, die Tschechische Republik und Ungarn als
neue Mitglieder der NATO willkommen zu heißen. Wer
hätte das für möglich gehalten? Das ist die Kontinuität
eines demokratischen Europas. Die NATO ist weiterhin der Beschützer der Freiheit. Aber es gibt auch
Veränderungen.
Zentraleuropa tritt endlich der
atlantischen Gemeinschaft bei, von der es vor fünfzig
Jahren so grausam ausgeschlossen wurde.

lichen Problemen niemals alleine stellen muß, oder
daß sie nicht zu schädlichem Wettbewerb führen, wie
es in der Vergangenheit häufig der Fall war. Sie in
Europa suchen jetzt Lösungen für alle großen Herausforderungen der Zukunft. Die Vereinigten Staaten sind
nach wie vor ein Befürworter der europäischen
Integration - sowohl der etablierten Integration der
Europäischen Union als auch der unerläßlichen
Integration von Zentral- und Osteuropa in die demokratische Staatengemeinschaft. Zusammen sind die
NATO und die EU die entscheidende Basis für diese
Bestrebungen.

Ich weiß, daß es in Deutschland große Besorgnis über
die beiden Zielsetzungen von Kontinuität und Wandel
gibt. Im letzten Jahrzehnt hat es so viele Veränderungen gegeben, daß viele Menschen wohl nicht noch
mehr Unsicherheit ertragen können. Gleichzeitig
bewegt sich die Welt noch schneller als man erwartet
hatte. Neue Begriffe wie "Globalisierung" und "Datenautobahn" scheinen die gewohnte Lebensweise zu
unterminieren.

Aber auch Deutschland, Europa und die Vereinigten
Staaten bleiben natürliche Partner bei diesen Bestrebungen. Wir sehen uns mit gemeinsamen Herausforderungen konfrontiert. Wir haben ein gemeinsames
Erbe. Und wir haben durch Zusammenarbeit bei der
Bewältigung der wichtigsten Fragen unseres Zeitalters
große Leistungen erzielt.

Europa ist nicht allein in der Sorge über die Auswirkungen des Wandels. Die Vereinigten Staaten
haben eine lange Periode schmerzlicher Umgestaltung
hinter sich.
Unsere Volkswirtschaft und unsere
Gesellschaft sind jetzt so stark und gesund wie zu
jeder Zeit in unserer Geschichte. Die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit 24 Jahren. Es
werden weiter Arbeitsplätze geschaffen und Innovationen eingeführt. Vor 15 Jahren wurde die amerikanische Volkswirtschaft beinahe als Modell für andere
abgeschrieben.
Aber wir sind unserer eigenen
Geschichte und Kultur treu geblieben. Wir sind auf
amerikanische Art vorgegangen, aber wir haben nie
die Bedeutung unserer Partner vergessen.
Die Geschichte gibt mir Vertrauen in Deutschlands
Fähigkeit zum Wandel. Welches andere Land hat in
nur wenigen Generationen eine so tiefgreifende
Umgestaltung durchgemacht? Welches andere Land
hätte so gut mit dem riesigen Projekt der deutschen
Wiedervereinigung umgehen können? Und nicht
zuletzt möchte ich den Pioniergeist und Fleiß der
Deutschen bei der Verwirklichung des großen Unternehmens der europäischen Integration erwähnen - der
Wirtschafts- und Währungsunion.
Ich bin der festen Überzeugung, daß Deutschland
auch diese Phase der Umstrukturierung meistern wird.
Die Debatten werden erhitzt sein, und es fallen Kosten
an. Aber ebenso wie die Vereinigten Staaten ihrer
Geschichte und ihren Traditionen gefolgt sind, um
stärker und wohlhabender zu werden, wird das auch
Deutschland tun.
Was diesem Prozeß zum Erfolg verhelfen wird, ist die
Unterstützung der Partner.
Die europäische Integration gewährleistet, daß man sich diesen schmerz-

Seite 2

Unsere vornehmlich innenpolitischen Tagesordnungen
dürfen uns nicht von dieser wichtigen transatlantischen
Agenda ablenken. In der Tat ist genau das Gegenteil
der Fall. Wir haben sehr viel mehr Grund, wann immer
möglich zusammenzuarbeiten und voneinander zu
lernen, um diese Übergänge der Welt nach dem Kalten
Krieg und der Globalisierung so reibungslos wie
möglich zu gestalten. Bundespräsident Herzog traf
diesen Punkt genau, als er sagte: "Wir stehen vor
ähnlichen Problemen und ähnlichen Herausforderungen. Also sollten wir auch den Versuch unternehmen,
sie gemeinsam zu lösen."
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist eine
natürliche Partnerschaft, weil unsere beiden Länder so
viele gemeinsame Interessen und Ziele haben. Ein
Bereich, in dem Deutschland und die Vereinigten
Staaten meines Erachtens in der Zukunft etwas
bewirken können, ist Zusammenarbeit bei der Stärkung von Demokratie und freiem Handel auf der
ganzen Welt. Indem wir uns gegenseitig unterstützen
und den Sieg der Demokratie in die Praxis umsetzen,
können wir ihn für wirklich positive Zwecke nutzen sowohl für unsere beiden Länder als auch in der
Zukunft für die übrige Welt.
In vieler Hinsicht bringt die deutsch-amerikanische
Führungsrolle die transatlantischen Beziehungen
voran, und das ist ein gutes Muster für die Zukunft. Es
ist ein mächtiger Mechanismus: Transatlantische
Fortschritte kurbeln globalen Fortschritt an.
Mein Ziel als Botschafter ist, zur Definition dieser
gemeinsamen Agenda beizutragen. Die Zustimmung
zu gemeinsamen Zielen bedeutet nicht, daß wir immer
dieselbe Meinung zu wichtigen Themen haben werden. Amerika und Deutschland werden ihre Interessen
auf der Grundlage ihrer Traditionen und ihres Geschäftsgebarens verfolgen.
Unsere Prioritäten

AMERIKA DIENST 25

�festzusetzen wird uns dabei behilflich sein, die vor uns
liegenden wirklichen Probleme besser zu verstehen.
Durch die Definition dessen, was wir tun sollten,
können wir besser verstehen, was wir zusammen tun
können.
Geschäftsleute sehen sich regelmäßig mit solchen
Fragen konfrontiert. Sie bieten ein Produkt oder eine
Dienstleistung an. Sie haben Ziele - Verkauf, Investitionen, Produktentwicklung. Aber Sie sehen sich
auch Einflüssen ausgesetzt, die manchmal nicht ihrer
direkten Kontrolle unterliegen. Um auf einem unsicheren Markt Erfolg zu haben, setzen Sie Prioritäten,
definieren Ziele und verfeinern die Methoden zu ihrer
Erlangung.
Das müssen Nationen und Regierungen zunehmend in
ihren Beziehungen untereinander tun.
Vor zwei
Jahren vereinbarten Präsident Clinton und seine
europäischen Amtskollegen in Madrid, einen transatlantischen Markt anzustreben. Keinen formellen
gemeinsamen Markt oder einen offiziellen freien Markt,
sondern einen Markt von Produkten und Ideen, die frei
in einer zunehmend integrierten transatlantischen Welt
konkurrieren könnten. Dieses Ziel wurde beim US-EUGipfeltreffen vergangene Woche in Washington
bekräftigt.
Amerika und Europa befassen sich zunehmend unter
Marktbedingungen miteinander. Nicht nur bei Geschäften, sondern auch bei gemeinsamen politischen
Projekten wie den Herausforderungen der Umwelt
oder den Bedrohungen durch verbrecherische Staaten
wie Iran und Irak. Wir sind nicht immer einer Meinung.
Ebenso wie die Citibank oder die Deutsche Bank

manchmal glauben, ihr jeweiliger Ansatz zu Bankgeschäften sei der beste, ist auch die Diskussion von
Lösungen in der politischen Welt ein Ideenwettbewerb.
Der wichtige Schritt nach vorne der vergangenen
Jahre ist, daß der Ideenwettbewerb jetzt auf einem
freien und demokratischen Markt stattfindet.
Er
gründet nicht auf militärischer Konfrontation oder
zusammenprallenden Ideologien. Deutschland und
Amerika sind das Rückgrat dieses Ideenmarktes. Wir
haben die Erfahrung, die Stärke und die Verpflichtung,
ihn für jeden funktionieren zu lassen.
Ich bin stolz, daß die amerikanische Geschäftswelt
weiterhin an vorderster Front dieser Bestrebungen
steht. Ihr Engagement in Deutschland war seit den
frühen Tagen der Nachkriegszeit eine der Grundlagen
der atlantischen Partnerschaft. Ihre Bereitschaft, in
den neuen Ländern zu investieren, hat zur Stärkung
Deutschlands und Europas beigetragen. Und ich
hoffe, Sie stellen voller Stolz fest, daß mit einer in ganz
Europa etablierten Demokratie selbst unverbesserliche
Diplomaten wie ich die Offenheit und Fairneß des
Marktes als das Prinzip unserer Zielsetzungen annehmen.
Ich freue mich wirklich sehr, heute Abend bei Ihnen zu
sein und alte Freundschaften zu erneuern und eine
noch produktivere Partnerschaft mit Ihnen zu beginnen. Ich versichere Sie meines persönlichen Engagements und der Unterstützung der US-Botschaft in
Deutschland bei unseren gemeinsamen Bestrebungen.
Wir bauen gemeinsam eine großartige Zukunft auf,
und es ist mir ein Vergnügen, Sie auf dieser Reise
begleiten zu können.

*

AMERIKA DIENST 25

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
29. Dezember 1997

Deutschland und Amerika: Eine
selbstverständliche Partnerschaft
von Botschafter John C. Kornblum

DÜSSELDORF - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 17. Dezember 1997 vor der SteubenSchurz-Gesellschaft im Industrie-Club Düsseldorf gehalten hat.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
vielen Dank für die Gelegenheit, heute Abend vor der
Steuben-Schurz-Gesellschaft eine Rede halten zu
dürfen. Ihre Gesellschaft ist einer der größten und
renommiertesten deutsch-amerikanischen Clubs in
diesem Land. Und sie ist ein wichtiger Katalysator, um
Deutsche und Amerikaner zusammenzubringen.
Sie haben mich gebeten, heute Abend über die
deutsch-amerikanischen Beziehungen zu sprechen.
Allein schon die Tatsache, daß das Thema hierzulande
auf soviel Interesse stößt, unterstreicht die große
Bedeutung unserer Beziehungen. Dies unterstreicht
unser jeweiliges nationales Wohlbefinden. Das ist
nicht schwer zu verstehen: Die Beziehungen unserer
Länder zueinander beruhen auf einer selbstverständlichen Partnerschaft, die die Wirren der Zeiten
bestanden und zum Allgemeinwohl beigetragen hat.
Aber was meine ich mit selbstverständlicher Partnerschaft? Es gibt viele Elemente. Natürlich haben wir
gemeinsame Werte - die Unterstützung von Demokratie, Frieden und Stabilität. Aber ich führe diese
Selbstverständlichkeit nicht nur auf unsere gemeinsame Wertebasis zurück, sondern auf den pragmatischen Umgang mit diesen Werten.
Durch die enge Zusammenarbeit nach dem Ende des
Zweiten Weltkriegs haben Deutsche und Amerikaner
die Fähigkeit entwickelt, in allen wichtigen Fragen zu
tragfähigen und zukunftsweisenden Lösungen zu
kommen, auch wenn es einzelne Meinungsverschiedenheiten geben mag. Diese pragmatische
Fähigkeit macht Deutschland und Amerika zu selbstverständlichen Partnern.

AMERIKA DIENST 25

Neulich besuchte mich der Chef der NASA, Herr
Goldin, und wir führten hier in Bonn einige Gespräche.
Anschließend erzählte er mir, daß seine Gespräche,
besonders bei seinen Besuchen in Europa, normalerweise mit einem Vortrag seines Partners beginnen, in
dem ihm gesagt wird, was er alles zu tun habe. In
Bonn war genau das Gegenteil der Fall. Man fing
sofort mit einem Austausch über Möglichkeiten,
Probleme und gemeinsame Projekte an. Herr Goldin
wird uns im Januar erneut besuchen, um diese Art von
Partnerschaft zu vertiefen - eine sehr zukunftsweisende Partnerschaft.
Diese Selbstverständlichkeit der Partnerschaft zeigt
sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen. Wir teilen
die gleichen Annahmen über die Gestaltung des
Wirtschaftslebens. Wir treten gemeinsam für freie
Märkte, einen freien Welthandel und den Ausbau
multilateraler Institutionen ein. Unsere Länder standen
bei der Liberalisierung des Welthandels immer an
vorderster Front.
Unsere Beziehungen müssen angesichts sich verändernder Probleme und Herausforderungen immer
wieder neu definiert werden. Wie können wir diese
einzigartige Partnerschaft auf neue Weise umsetzen?
Welche neuen Herausforderungen können wir zusammen angehen? Wie können Deutschland und die
Vereinigten Staaten effektiver kooperieren, um die
transatlantischen Beziehungen noch stärker zu
machen? Wenn ich hin und wieder von einer Neudefinition unserer Beziehungen spreche, denke ich an die
Früchte der Bewältigung dieser Herausforderungen.
Ich habe bereits erwähnt, daß es in unseren Beziehungen viele gemeinsame Werte und Ansätze gibt. Es ist
jedoch auch richtig, daß wir uns mit sehr ähnlichen

Seite 1

�Problemen konfrontiert sehen. Nehmen Sie zum
Beispiel die industrielle Umstrukturierung. Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen 20 Jahren
eine längere Periode der Deindustrialisierung erlebt.
Vieles davon mag Ihnen bekannt vorkommen. Die
traditionellen Sektoren hatten ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren. Politiker auf der nationalen und insbesondere auf der kommunalen Ebene wußten nicht,
wie sie mit den Problemen umgehen sollten, die durch
die Arbeitslosigkeit verursacht worden waren. Die
Arbeitslosenquote in den größten Industriegebieten lag
damals bei fast 20 Prozent. Sie erinnern sich vielleicht, daß man Amerika als Auslaufmodell bezeichnet
hat. Man behauptete, unsere fröhliche, offene Art sei
nicht geeignet für die neuen komplizierten Herausforderungen der neuen Zeit.
In der Zwischenzeit hat sich die Lage entscheidend
geändert. In der vergangenen Dekade haben wir eine
drastische Abkehr festgestellt von einer Produktionswirtschaft, die sich auf natürliche Ressourcen und nicht
qualifizierte Arbeitskräfte stützte, hin zu einer Wirtschaft, die auf moderner Technologie, Information und
qualifizierten Arbeitskräften basiert.
Diese neue
Wirtschaft verändert sich ständig. Der amerikanische
Management-Experte Peter Drucker schätzt, daß sich
in dieser neuen wirtschaftlichen Umgebung jeder alle 4
bis 5 Jahre neues Wissen aneignen muß, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sowohl die Firma als auch
deren Angestellte müssen diesen dauernden Übergang von überholten Ideen, veralteten Techniken und
Fähigkeiten regelmäßig planen und ein Klima ständiger
Lernprozesse schaffen.
Sogenannte "Knowledge workers" sind diejenigen,
deren Wert für die Wirtschaft in ihren Kenntnissen liegt,
und nicht darin, was sie mit ihren Händen tun können.
Diese "Knowledge workers" bilden bereits ungefähr ein
Drittel der heutigen Arbeitskräfte in den Vereinigten
Staaten, oder mindestens so viele, wie es früher
Fabrikarbeiter gab. Sie benötigen eine bestimmte
Ausbildung, die Fabrikarbeiter nicht haben. Und sie
müssen ebenso theoretische wie analytische Kenntnisse erwerben und anwenden.
Es ist ein faszinierendes Phänomen. Und wie Peter
Drucker argumentierte, hat der gesamte Prozeß die
Denkweise von Karl Marx auf den Kopf gestellt. Das
heißt, die "Arbeiter" besitzen jetzt die Produktionsmittel, weil die Produktionsmittel jetzt der Bestand an
Wissen in ihren Köpfen sind.
Der Wettbewerb in der informationsorientierten
Wirtschaft wird nicht auf niedrigen Lohnkosten,
sondern eherauf dem Umfang und der Nützlichkeit der
angewendeten Kenntnisse basieren. Gleichzeitig wird
das traditionell hierarchische System in der Industrie
zwangsläufig stark dezentralisiert. Dies ermöglicht
schnelle Entscheidungen und reduziert die Anzahl der
Managementebenen.
In dieser sich schnell verändernden Umgebung
können weder die wirtschaftspolitischen Entschei-

Seite 2

dungsträger noch die Firma oder der Angestellte selbst
sich die traditionelle Ansicht der Langlebigkeit leisten.
Auf allen drei Ebenen müssen permanent die Zielsetzungen, die Fähigkeiten und die Interessen neu
bewertet werden. Die Behörden dürfen nicht mehr so
denken: Hier wurde immer Stahl produziert, und hier
wird es immer so bleiben. Sie werden immer öfter
fragen: Wie können wir - mit den Fähigkeiten unserer
Arbeitskräfte und den Möglichkeiten unserer Infrastruktur - am besten unsere Wirtschaft organisieren? Was für eine Vision unserer wirtschaftlichen
Zukunft (und nicht der Vergangenheit) haben oder
wollen wir?
Sowohl die Firmen als auch die einzelnen Angestellten
werden zunehmend fragen: "Was kann ich am besten?
Was kann ich damit tun? Und gibt es einen Markt
dafür?"
Das ist tatsächlich eine neue Weise, die Wirtschaftsprozesse zu definieren. Es ist auch (wenn das alles
realisiert wird) eine neue Organisationsform für die
Wirtschaft.
Firmen werden definitiv kleiner und spezialisierter, und
ihre "Knowledge workers" werden ebenso spezialisierte wie informationsorientierte Arbeitsnischen aufbauen.
Viele dieser Spezialisten werden den traditionellen
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Status nicht länger behalten. (Der Unterschied zwischen Unternehmern und
Arbeitern wird immer kleiner.) Statt dessen werden sie
als Unternehmer oder Berater fungieren und sich
einerseits an der Bewegungsfreiheit, die dieser Status
mit sich bringt, erfreuen, und andererseits die Unsicherheit erfahren, ihre eigene Personalabteilung zu
sein und ihre eigenen Nebenkosten verwalten zu
müssen.
Aber die Attraktivität, sein eigener Boß zu sein, nimmt
zweifelsohne zu. Viele von Ihnen haben vielleicht die
Ausgabe der Zeitschrift Focus vom 1. Dezember mit
"25 Geschäftsideen, die wirklich funktionieren" auf der
Titelseite gesehen. Das sind neue Ideen, die einen
Bedarf auf dem Markt decken sollen.
Deswegen lernt man immer öfter Leute kennen, die
nicht nur ihren eigenen Arbeitsplatz, sondern auch
ihren eigenen Beruf geschaffen haben. Diese Leute
haben entschieden, einen Beruf zu finden oder zu
schaffen, der ihren persönlichen Interessen und
Fähigkeiten entspricht. In Deutschland gibt es ein
großes Potential für die Schaffung von Arbeitsplätzen
im Dienstleistungssektor. Die berühmte Soziologin
Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann hat neulich in der
Frankfurter Allgemeine Zeitung genau das geschrieben. Ich zitiere: "Würde man den Bedarf an Dienstleistungen analysieren wie einen Zukunftsmarkt und
die Bereitschaft zu Dienstleistungen anregen, so stieße
man auf ein großes Potential von Arbeitsplätzen."
Es überrascht daher nicht, daß sich in den Vereinigten
Staaten ein Großteil dieser neuen Aktivitäten im
Dienstleistungssektor vollzieht. Der Dienstleistungs-

AMERIKA DIENST 25

�sektor ist sicherlich für die wachsende Spezialisierung
verantwortlich, von der ich schon gesprochen habe.
Der Erfolg dieses Sektors wird meiner Meinung nach in
Europa häufiger mißverstanden als verstanden.
Sogar das Wort "Dienstleistung" hat irgendwie einen
negativen Beiklang. Der amerikanische Generalkonsul
in Leipzig erzählte mir vor kurzem, daß vor einigen
Monaten nach einer Rede ein Mann die Hand hob und
sagte: "Ich verstehe nicht, wie Sie die Worte 'hochqualifiziert' und 'Dienstleistung' in einem Satz sagen
können." Dieses Fehlempfinden unterstreicht die
grundlegende Haltung hier in Deutschland. Die
meisten Services sind tatsächlich hochqualifiziert, ob
sie das Entwickeln von Software beinhalten oder die
Beratung über Risikokapital oder nur, wie man eine
besser schmeckende Marmelade kocht.
Service bedeutet nicht unbedingt, daß man dem
Kunden "dient" wie ein Kellner im Restaurant, sondern,
daß man etwas Wirtschaftliches leistet, das nicht in
einer industriellen Fabrik produziert wird. Zum Servicesektor gehören jetzt 80 Prozent der Arbeitsplätze
in den Vereinigten Staaten. Diese Statistik erklärt
auch, wie die Wellen des "Business Cycle" so erfolgreich geglättet worden sind: Im Vergleich zu den
traditionellen Industrien geht es im Servicesektor jetzt
weniger um den Aufbau oder den Abbau von Beständen. Beim letzten wirtschaftlichen Rückgang in den
Vereinigten Staaten 1991 ist die industrielle Produktion
um 3,4 Prozent gesunken, aber die Serviceproduktion
ist auf dem vorherigen Niveau geblieben.
Bei den besten Unternehmern ist eine Fusion von
Industrie und Service verwirklicht worden. Die neuesten Entwicklungen in der Technologie haben z.B. eine
neue Personalisierung der Services ermöglicht. Der
Computerhersteller Dell bietet seinen Kunden Computer nach Maß an. Levi's bietet Jeans nach Maß an; die
Läden schicken die Maße des Kunden über Internet
zum Produktionszentrum; zehn Tage später bekommt
der Kunde seine Jeans, die etwa 50 Prozent mehr als
normale Jeans kosten. Die besten Couturiers können
jetzt Anzüge nach Maß anbieten, die wesentlich billiger
als vorher sind, weil die Maße, persönlichen Details
des Kunden usw. per Computer gespeichert werden
können. "Have it your way", ruft die Werbung einer
Fast-Food-Kette. Dieser Slogan ist das Modell der
Personalisierung und der Flexibilität des amerikanischen Servicebereichs.
Ich werde oft gefragt, ob die derzeitigen wirtschaftlichen Erfolge in den Vereinigten Staaten als ein Rezept
zur Lösung des Arbeitslosenproblems in Europa
übernommen werden können. Eine andere häufige
Frage ist, ob sogenannte "amerikanische Verhältnisse"
zu unannehmbaren Konsequenzen im Bereich sozialer
Gerechtigkeit führen könnten. Einige der Lehren
unserer jüngsten Geschichte könnten bestimmt
übertragen werden. Aber zur gleichen Zeit sollte klar
sein, daß es kein allgemeingültiges Modell für die Welt
und für andere Nationen gibt. Jeder muß sich nach

AMERIKA DIENST 25

seinen Traditionen auf seine eigene Weise entwickeln.
Was aber wahrscheinlich weltweit gilt, sind die enormen Veränderungen in der Weltwirtschaft, die ein
größeres Maß an Flexibilität und Offenheit verlangen.
Und diese Flexibilität und Offenheit sind Eigenschaften
der amerikanischen Gesellschaft. Um unsere Erfahrungen zu übertragen, müssen wir die kulturellen
Grundsätze einer bestimmten Gesellschaft verstehen
und berücksichtigen.
Die Flexibilität als Lebensstil ist Teil der amerikanischen Tradition. Sie hier in Europa sind für Ihre
genaue Arbeit und hohe Qualität bei hochwertigen
Produkten bekannt. Dagegen ist Flexibilität hier etwas
weniger vorhanden. Man hat immer noch die Tendenz, bei berechenbaren und bekannten Strukturen zu
bleiben.
In den Vereinigten Staaten haben wir eine Anzahl von
Veränderungen im Charakter der Arbeit als selbstverständlich akzeptiert, die anderswo auf der Welt noch
keine weite Resonanz gefunden haben. Es gibt einige
Bereiche, in denen die Vereinigten Staaten an vorderster Front des Wandels stehen. Ich habe heute Abend
bereits einige Beispiele erwähnt, wie die Verlagerung
von der Schwer- zur Leichtindustrie und das Wachstum des Dienstleistungssektors.
Ich glaube, für Amerikaner ist es auch leichter, sich zu
ändern. Der Autor Herman Melville sagte, die Amerikaner seien "Pioniere", die durch eine "Wildnis unversuchter Dinge" gehen. Vielleicht ist dieser Pioniergeist der Grund, weshalb Veränderungen für Amerikaner weniger problematisch erscheinen und weshalb
Amerikaner bereitwillig Chancen im Wandel sehen.
Ich erzähle Ihnen diese Beispiele, weil sie vielleicht
erklären können, was in meinem Land geschehen ist
und geschieht. Dies sind amerikanische Verhältnisse,
die für die amerikanische Realität zugeschnitten
waren. Es besteht eine große Zurückhaltung, den
Staat oder die Regierung eine größere Rolle in seinem
Leben spielen zu lassen. Es gibt auch viele Veränderungen in Deutschland. Und ich erzähle die
amerikanischen Erfahrungen nicht, um Ihnen zu
sagen, daß Sie sie nachahmen sollten, sondern um
klarzustellen, daß unser Weg auf dem Fundament der
amerikanischen Kultur basiert.
Es gibt jetzt in Deutschland viele Bestrebungen,
ähnliche Prozesse durchzuführen. Und wenn man
bedenkt, was alles in diesem Land passiert ist, was wir
alles zusammen erreicht haben - das Ende des Kalten
Krieges, die Wiedervereinigung Deutschlands, die
Erweiterung der NATO, die neue technologische
Zusammenarbeit etc. - wird man sehen, daß wir durch
die selbstverständliche Partnerschaft von Deutschland,
Europa und Amerika unsere gegenseitigen Stärken
nutzen können.
Der jüngste US-EU-Gipfel war eine Demonstration
unserer Bemühungen, gemeinsame Lösungen - auch
im Wirtschafts-, Handels- und Technologiebereich - zu

Seite 3

�finden. Ein Schlüsselelement der weltweiten Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der EU
ist intensivierte diplomatische Zusammenarbeit. Die
Vereinigten Staaten und die EU arbeiten beispielsweise zusammen, um den Wiederaufbau und die
Versöhnung in Bosnien zu unterstützen und die
erforderlichen Reformen in der Ukraine zu fördern. Die
Friedensimplementierungskonferenz in der vergangenen Woche in Bonn war ein weiteres Beispiel für die
Bedeutung einer Konzertierung unserer Bestrebungen
in Bosnien.
Der Abschluß der Klimakonferenz in Kyoto letzte
Woche ist ebenfalls ein Beispiel für das, was wir
erreichen können, wenn wir gemeinsames Terrain
finden - selbst bei einem schwierigen Problem wie
Treibhausgasemissionen. Ich weiß, daß die amerikanische Position hier in Deutschland zum Teil eine
negative Presse erhalten hat, und es steht außer
Frage, daß die Verhandlungen in Kyoto hart waren.
Das Abkommen ist jedoch ein großer Schritt nach
vorne. Es setzt bindende Obergrenzen fest und
beinhaltet alle sechs Treibhausgase, nicht nur einige.

Seite 4

Vizepräsident Gore faßte die Leistung ist einem Satz
zusammen, als er sagte, "das Abkommen fordert von
uns, das zu tun, was wir versprochen haben, statt
etwas zu versprechen, das wir nicht tun können". Und
das spiegelt den amerikanischen Ansatz wider: Unsere
Ziele müssen realistisch und erreichbar sein.
Die Konferenz von Kyoto und alle unsere multilateralen
Bestrebungen, Veränderungen in der Welt zu bewirken
- sei es die Friedenssicherung in Bosnien oder die
Erweiterung der Gemeinschaft stabiler und sicherer
Demokratien in Europa - all diese Bestrebungen
stehen für eine solide Basis gemeinsamer Interessen.
In den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist diese
Grundlage gemeinsamer Interessen eine der stärksten
der Welt. Das ist es, was unsere Partnerschaft so
selbstverständlich macht.
Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partnerschaft noch
mehr erreichen kann. Ich habe sehr hohe Erwartungen
an die USA, aber auch an Deutschland. Anders
gesagt: Ich glaube, daß das Beste noch vor uns liegt.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 25

�THEMENINDEX

29. Dezember 1996

DER AMERIKA DIENST
1997

Abrüstung
Amtseinführung
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4. Juli

AMERIKA DIENST 25

02,03,07, 17, 18
Sonderdienst 22. Januar 1997
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14, Sonderdienst 24. September, 18
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Seite 1

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              <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Abkommen von Kyoto ist gut für die Umwelt und hat solide wirtschaftliche Grundlage&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright erörtert NATO-Erweiterung, Bosnien und Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim Ministertreffen des Nordatlantikrates&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Staatengemeinschaft will in Bosnien ihren Kurs fortsetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Botschafter Robert S. Gelbard&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reflexionen zur deutsch-amerikanischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor der American Chamber of Commerce in Germany&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutschland und Amerika: eine selbstverständliche Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst &lt;br /&gt;&lt;em&gt;1997&lt;/em&gt;</text>
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