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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

10. Dezember 1997

24

OPTIMISMUS BEZÜGLICH DER EINDÄMMUNG VON EMISSIONEN
Rede von Vizepräsident Gore

UMWELT

USA BEZIEHEN ENTSCHIEDENE POSITION ZUM
KLIMAWANDEL
von Mark Hambley

BOSNIEN

IMPLEMENTIERUNG DES FRIEDENS IN
BOSNIEN
Stellungnahme von Strobe Talbott

USA-EUROPA

STUART EIZENSTAT ERHÄLT "TRANSATLANTIC LEADERSHIP AWARD
Auszeichnung durch das European Institute

USA-DEUTSCHLAND

DIE BEZIEHUNG ZU AMERIKA - EINE
EINZIGARTIGE PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter John C. Kornblum

DEUTSCHLAND UND AMERIKA - EINE
SELBSTVERSTÄNDLICHE PARTNERSCHAFT
von Botschafter John C. Kornblum

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax:0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�UMWELT

10. Dezember 1997

Optimismus bezüglich der Eindämmung
von Emissionen
Rede von Vizepräsident Gore

KYOTO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Vizepräsident Gore beim Klimagipfel in Kyoto am 8.
Dezember 1997 gehaltenen Rede.

Ministerpräsident Hashimoto und Präsident Figueres,
Präsident Kinza Clodumar, verehrte Staats- und
Regierungschefs, sehr geehrte Delegierte, meine
Damen und Herren.
Es ist mir eine Ehre, bei dieser historischen Zusammenkunft in dieser alten Hauptstadt von solcher
Schönheit und Anmut anwesend sein zu dürfen. Im
Namen von Präsident Clinton und stellvertretend für
das amerikanische Volk und unseren Unterhändler,
Botschafter Stu Eizenstat, möchte ich unseren japanischen Gastgebern herzlich für ihre großzügige
Gastfreundschaft danken und vor allem Ihnen, Herr
Ministerpräsident Hashimoto, sowie unseren anderen
Vorsitzenden - Minister Ohki und Botschafter Estrada besonderen Dank für ihre harte Arbeit und Führungsrolle aussprechen.
Seit unserem Treffen bei der Konferenz von Rio 1992
haben wir mit wissenschaftlichem Konsens und
politischem Willen viel erreicht. Wenn wir einen
Moment innehalten und um uns blicken, können wir
sehen, wie außergewöhnlich diese Zusammenkunft
wirklich ist.
Wir haben in der Entwicklung der menschlichen
Zivilisation ein grundlegend neues Stadium erreicht, in
dem es erforderlich ist, die Verantwortung für die
jüngste, aber tiefgreifende Veränderung in den Beziehungen zwischen unseren Arten und unserem
Planeten zu übernehmen. Aufgrund unserer neuen
technologischen Macht und unserer zunehmenden
Bevölkerung müssen wir jetzt die Konsequenzen
dessen sorgfältig abwägen, was wir der Erde antun insbesondere der Atmosphäre.

AMERIKA DIENST 24

Auch andere Teile des ökologischen Systems der Erde
werden von den immer härteren Auswirkungen
gedankenlosen Verhaltens bedroht:
Die Vergiftung zu vieler Orte, an denen Menschen - insbesondere arme Menschen - leben,
und der Tod zu vieler Kinder - insbesondere
armer Kinder - durch verschmutztes Wasser
und schmutzige Luft.
Die gefährliche und nicht haltbare Überfischung der Ozeane.
Die rasche Zerstörung entscheidender Lebensräume - Regenwälder, gemäßigte und
boreale Wälder, Feuchtgebiete, Korallenriffe
und andere kostbare Quellen genetischer
Vielfalt, von der die Zukunft der Menschheit
abhängt.
Aber der verletzlichste Teil der Umwelt ist die äußerst
dünne Schicht von Luft in der Nähe der Oberfläche des
Planeten, in die wir jetzt so fahrlässig Gase emittieren,
daß wir die Beziehungen zwischen der Erde und der
Sonne verändern - indem wir mehr Solarstrahlung
unter dieser die gesamte Erde umgebenden wachsenden Decke von Verschmutzung ansammeln.
Die zusätzliche Hitze, die nicht entweichen kann,
beginnt die globalen Muster des Klimas zu verändern,
an das wir so gewöhnt sind und an das wir uns in den
vergangenen 10.000 Jahren angepaßt haben.
Letzte Woche haben wir von Wissenschaftlern erfahren, daß dieses Jahr - 1977 - von dem nur noch drei
Wochen übrig sind, seit der statistischen Erfassung

Seite 1

�das heißeste Jahr sein wird. In der Tat hatten wir in
den vergangenen 10 Jahren 90 Prozent der heißesten
Jahre. Der Trend ist eindeutig. Wenn wir nicht
handeln, sind die Konsequenzen für den Menschen und die wirtschaftlichen Kosten - undenkbar. Mehr
Rekordüberschwemmungen und Dürren. Krankheiten
und Seuchen, die sich auf neue Gebiete ausbreiten.
Mißernten und Hungersnöte. Schmelzende Gletscher,
schlimmere Stürme und steigende Meeresspiegel.

tern. Die Milderung der Armut und der Schutz der
Umwelt sind beides entscheidende Komponenten
einer wirklich nachhaltigen Entwicklung. Wir möchten
eine dauerhafte Partnerschaft schmieden, um eine
bessere Zukunft zu erlangen. Ein Schlüssel dazu ist
die Mobilisierung neuer Investitionen in Ihren Ländern
um sicherzustellen, daß Sie einen höheren Lebensstandard mit modernen, sauberen und effizienten
Technologien haben.

Unsere grundlegende Herausforderung besteht jetzt
darin herauszufinden, ob und wie wir die Verhaltensweisen ändern können, die das Problem verursachen.

Das streben unsere Vorschläge für den Handel mit
Emissionszertifikaten und die gemeinsame Umsetzung
an.

Das erfordert Bescheidenheit, weil die geistigen
Wurzeln unserer Krise Hochmut und das mangelnde
Verständnis sind, unsere Verbindungen zu Gottes
Erde und untereinander zu verstehen und zu respektieren.

An unsere Partner in den Industrienationen gerichtet
möchte ich sagen, daß wir auch Ihnen zugehört und
von Ihnen gelernt haben. Wir sind uns bewußt, daß
wir zwar ein gemeinsames Ziel haben, jeder von uns
sich jedoch mit einzigartigen Herausforderungen
konfrontiert sieht.

Jede der hier vertretenden 160 Nationen hat einzigartige Perspektiven unterbreitet, aber wir alle wissen,
daß unsere Arbeit in Kyoto nur der Anfang ist. Keiner
der hier erörterten Vorschläge wird alleine das Problem vollständig lösen. Aber wenn wir hier den
richtigen Anfang machen, können wir rasch Dynamik
entwickeln, während wir gemeinsam lernen, diese
Herausforderung zu bewältigen. Unser erster Schritt
sollte in der Festsetzung realistischer und erreichbarer,
bindender Emissionsobergrenzen bestehen, die neue
Märkte für neue Technologien und Ideen schaffen, die
wiederum die Grenzen des Möglichen erweitern und
zu neuer Hoffnung berechtigen. Dann werden andere
Schritte folgen. Und dann werden wir letztlich ein
sicheres Gesamtkonzentrationsniveau für Treibhausgase in der Atmosphäre erreichen.
Das ist der schrittweise Ansatz, den wir vor 10 Jahren
in Montreal vereinbart haben, um das Problem des
Abbaus der Ozonschicht anzugehen. Und er funktioniert.
Dieses Mal erfordert der Erfolg vor allem, daß wir die
Meinungsverschiedenheiten unter uns überwinden.
Die wichtigste Aufgabe für die Industrienationen
besteht darin, den drängendsten Problemen der
Entwicklungsländer ihr Ohr zu leihen. Und ich darf
sagen, die Vereinigten Staaten haben zugehört und
gelernt.
Wir sind uns bewußt, daß es unsere erste Priorität ist,
unsere Bürger aus der Armut zu befreien, die so viele
von ihnen ertragen müssen, und starke Volkswirtschaften aufzubauen, die eine besser Zukunft gewährleisten. Das ist Ihr Recht: Es wird Ihnen nicht verweigert.
Und ich möchte Ihnen eine klare Antwort geben: Wir
wollen nicht aufgrund einer falschen Prämisse schei-

Seite 2

Sie haben hier Führungsstärke bewiesen, und dafür
sind wir dankbar. Wir sind nach Kyoto gekommen, um
neue Wege zur Überbrückung unserer Differenzen zu
finden. Dabei dürfen wir jedoch nicht in unserer
Entschlossenheit nachlassen. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich ihrerseits weiterhin zu einer starken,
bindenden Obergrenze, die unsere eigenen Emissionen um nahezu 30 Prozent verringert - eine Verpflichtung, die so stark oder stärker ist als alles, was
wir hier von einem anderen Land gehört haben. Nun
ist es das Gebot der Stunde hier, das zu tun, was wir
versprechen, statt etwas zu versprechen, was wir nicht
tun können.
Wir alle müssen natürlich die Worte derjenigen
verwerfen, die uns glauben machen wollen, daß es
überhaupt kein Problem gibt. Wir kennen ihre Argumente - wir haben im gesamten Verlauf der Geschichte
ähnliche gehört. In meinem Land erinnern wir uns
beispielsweise an den Sprecher des Tabakunternehmens, der so lange insistiert hat, daß Rauchen
nicht schadet. Denen, die versuchen, Verwirrung zu
stiften und zu uns behindern, sagen wir: Wir werden
nicht zulassen, daß Ihr Eure persönlichen Interessen
über die Interessen der gesamten Menschheit stellt.
Was schlagen die Vereinigten Staaten also vor, was
sie tun sollten?
An erster Stelle jedes Vorschlags muß sein Verdienst
für die Umwelt stehen, und unserer ist umweltpolitisch
solide.
Es ist stark und umfassend und deckt sechs wichtige
Treibhausgase ab. Er trägt der Verbindung zwischen
Luft und Land Rechnung und bezieht Quellen und
Senken ein. Er bietet die Instrumente um sicherzustellen, daß Obergrenzen eingehalten werden
können - indem er den Handel mit Emissionszertifika-

AMERIKA DIENST 24

�ten, gemeinsame Umsetzung und Forschung als
mächtige Motoren der technologischen Entwicklung
und des Transfers anbietet. Er reduziert die Emissionen im Jahr 2012 und darüber hinaus weiter - unter die
Grenzen von 1990. Er stellt die Mittel zur Verfügung
um zu gewährleisten, daß alle Nationen uns bei der
Bewältigung dieser gemeinsamen Herausforderung zu
ihren eigenen Bedingungen folgen.

xibilität bei den Verhandlungen zu zeigen, wenn ein
umfassender Plan in die Praxis umgesetzt werden
kann - ein Plan mit realistischen Obergrenzen und
Zeitplänen, Marktmechanismen und der konstruktiven
Beteiligung der wichtigsten Entwicklungsländer.

Er ist auch wirtschaftlich solide. Und bei strenger
Überwachung und Rechenschaftspflicht gewährleistet
er, daß wir unsere Verbindungen untereinander halten.

"Bis man sich verpflichtet, gibt es ein
Zögern, die Chance eines Rückzugs
und immer Ineffektivität. Im Hinblick
auf alle Initiativen ... gibt es eine
grundlegende Wahrheit, die zahllose
Ideen und hervorragende Pläne zerstört, wenn man sie nicht kennt: Daß
in dem Moment, in dem man sich
verpflichtet, auch die Vorsehung
eingreift."

Anfang dieses Jahrhunderts schrieb der schottische
Bergsteiger W.H. Murray:

Unabhängig davon, ob hier Einigung erzielt wird oder
nicht werden wir konkrete Schritte zur Bewältigung
dieser Herausforderung unternehmen.
Präsident
Clinton und ich wissen, daß es unsere oberste Pflicht
ist, dieses Thema bei uns zu Hause anzusprechen.
Ich verspreche Ihnen heute, daß die Vereinigten
Staaten bereit sind zu handeln - und handeln werden.
Ich meinerseits bin hierhin nach Kyoto gekommen, weil
ich sowohl entschlossen als auch optimistisch bin, daß
wir Erfolg haben können. Meines Erachtens haben wir
schon durch unser Treffen in Kyoto einen größeren
Sieg errungen - einen Sieg des Inhalts und des
Geistes. Ich habe keinen Zweifel, daß der von uns hier
begonnene Prozeß in den kommenden Tagen oder
Jahren unweigerlich zu einer Lösung führen wird.
Einige von Ihnen hier haben vielleicht aus ihren

Hauptstädten gehört, daß Präsident Clinton und ich
unablässig telefoniert haben, um zu konsultieren und
neue Ideen auszutauschen. Heute möchte ich folgendes hinzufügen. Nachdem ich heute morgen mit
unseren Unterhändlern gesprochen und von hier aus
vor kurzem mit Präsident Clinton telefoniert habe,
weise ich unsere Delegation jetzt an, zunehmende Fle-

*

AMERIKA DIENST 24

Lassen Sie uns also weitermachen. Lassen Sie uns
geloben, uns so zu verhalten, daß unsere Enkelkinder
über den "Geist von Kyoto" lesen und den Ort und die
Zeit erinnern, als die Menschheit sich zum ersten Mal
entschied, gemeinsam eine langfristige Beziehung
zwischen unserer Zivilisation und der Umwelt einzugehen.
In diesem Geiste wollen wir unsere Differenzen
überwinden und uns der Sicherung unseres gemeinsamen Schicksals verpflichten: Eines ungeteilten und
gesunden Planeten, dessen Nationen im Frieden,
wohlhabend und frei und dessen Menschen überall in
der Lage sind, das ihnen von Gott gegebene Potential
zu verwirklichen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�UMWELT
10. Dezember 1997

USA beziehen entschiedene Position zum Klimawandel
von Mark Hambley

(AD) - Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in leicht geänderter Form in der Frankfurter Rundschau vom
29. November 1997. Botschafter Mark Hambley ist Sonderbeauftragter der Vereinigten Staaten von Amerika bei
der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung und Sonderunterhändler für den Klimawandel. Während des
Golfkriegs war er Botschafter im Staat Katar und anschließend Botschafter im Libanon.

Präsident Clinton engagiert sich für ein umfassendes
Programm zur Verringerung der Treibhausgasemissionen, einschließlich realistischer und bindender Emissionsziele. Was die Initiative des Präsidenten im
Vergleich zu anderen im Vorfeld der Klimakonferenz
von Kyoto unterbreiteten Vorschlägen einzigartig
macht, ist die Tatsache, daß sie einen konkreten Plan
für ihre Umsetzung mit bestimmten Aktionen zur
Erlangung eines Emissionsabbaus vorsieht.

ländern, ihre Umwelt mit Hilfe neuentwickelter Technologien zu schützen, ohne das Wirtschaftswachstum zu
beeinträchtigen.

Der Vorschlag besteht aus mehreren Elementen. Das
erste verpflichtet die Vereinigten Staaten und alle
anderen Signatarstaaten, innerhalb des Zeitrahmens
von 2008 bis 2012 rechtlich bindende Verpflichtungen
zur Stabilisierung der Emissionen von Kohlendioxid
und anderen zur Erderwärmung führenden Treibhausgasen auf dem Stand von 1990 einzugehen.
Ferner schlagen wir vor, die Emissionen in den darauf
folgenden fünf Jahren unter das Niveau von 1990 zu
senken und an weiteren Reduktionen in der Zukunft zu
arbeiten.

Die dritte Komponente des Plans macht geltend, daß
Industriestaaten und Entwicklungsländer sich gleichermaßen daran beteiligen müssen. Der Klimawandel ist
ein globales Problem, das eine globale Lösung
erfordert. Es ergibt keinen Sinn, wenn nur die in
Anhang I aufgeführten Industriestaaten ihren Ausstoß
von Treibhausgasen in die Erdatmosphäre senken,
selbst wenn es kurzfristig signifikante Reduktionen
sind, die übrigen Länder sich aber nicht an diesem
wichtigen Bestreben beteiligen. Meines Erachtens
erkennen die meisten Länder die Tatsache an, daß es
sich hier um ein weltweites Problem handelt, an
dessen Lösung sich alle Länder beteiligen müssen.
Der Präsident hat darauf hingewiesen, daß er keine
rechtlich bindenden Abkommen unterzeichnen wird,
bis die wichtigsten Entwicklungsländer sich in bedeutendem Ausmaß beteiligen.

Der zweite wichtige Aspekt des Plans von Präsident
Clinton ist die Einführung flexibler Mechanismen zur
Erreichung dieser Obergrenzen. Wir schlagen ein
gemeinsames System zu ihrer Durchsetzung vor, das
einem Unternehmen in einem Land Investitionen in ein
Projekt zur Verringerung von Emissionen in einem
anderen Land gestattet, die ihm zu Hause angerechnet
werden. Und wir schlagen ein internationales System
handelbarer Emissionszertifikate vor. Diese Mechanismen sind sehr wertvolle Instrumente, die Unternehmen und unserem Land als Ganzem die Verringerung
von Emissionen mit Hilfe wirtschaftlicher Anreize
gestatten. Gleichzeitig helfen sie den Entwicklungs-

Manche Kritiker behaupten, unsere vorgeschlagenen
Ziele einer Emissionsverringerung seien nicht aggressiv genug. Offen gesagt ist unser Plan in vielerlei
Hinsicht mindestens ebenso aggressiv wie andere
derzeit vorliegende Pläne. Um ein Beispiel zu nennen:
Im Vergleich zu dem Vorschlag der Europäischen
Union, der eine 15-prozentige Verringerung der
Emissionen von drei Treibhausgasen fordert, sieht
unser Plan die Verringerung der Emissionen aller
sechs Treibhausgase vor. Meines Erachtens wäre es
weitaus schwieriger für die Europäer, eine 15-prozentige Verringerung zu erreichen, wenn ihr Plan eine
Reduktion aller Gase fordern würde. Sowohl die

AMERIKA DIENST 24

Seite 1

�Vorschläge der Europäer als auch unsere Empfehlungen spiegeln dasselbe Bestreben wider, die
Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2010 zu
verringern.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß unsere
Wirtschaft während der vergangenen Jahre außerordentlich stark war. Dieses Wachstum wurde von
einem großen Anstieg der Treibhausgasemissionen in
den Vereinigten Staaten begleitet. Wir erwarten eine
etwa 30-prozentige Erhöhung unserer Emissionen von
1990 bis 2010. Aus diesem Grund würde unser Plan,
im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 die Emissionen
auf das Niveau von 1990 zurückzuschrauben, eine
nahezu 30-prozentige Verringerung im Vergleich zu
unserer normalen Vorgehensweise bedeuten. Das ist
eine beträchtliche Reduktion. Tatsächlich bedeutet
das, unsere Energiepolitik völlig neu zu überdenken.
Der Präsident möchte das auf eine Art und Weise tun,
die am wenigsten negative Auswirkungen auf die
amerikanische Wirtschaft hat. Aus diesem Grund
geben uns die bereits erwähnten flexiblen Mechanismen wie der gemeinsame Plan für die Durchsetzung und das System handelbarer Emissionszertifikate
die marktgestützte Kosteneffizienz, die wir zur Bewältigung der uns bevorstehenden Übergangsphase
benötigen.
Der Präsident möchte die innenpolitische Agenda des
amerikanischen Plans möglichst bald umsetzen.
Beispielsweise fordert er in seinem Vorschlag Steuererleichterungen sowie Investitionen in Forschung und
Entwicklung im Wert von etwa fünf Milliarden Dollar
während der nächsten fünf Jahre, um die Energieeffizienz zu erhöhen und einen Anreiz zum Einsatz
sauberer Energiequellen zu geben. Ferner werden die
Schlüsselindustrien dazu aufgefordert, in den nächsten
neun Monaten Pläne für bestmögliche Emissionsreduzierungen auszuarbeiten und die Firmen angemessen zu belohnen, die frühzeitig entsprechend
handeln. Der Vorschlag beinhaltet auch einen mutigen
Plan für die Umstrukturierung der Elektrizitätsversorgung sowie umfassende Bestrebungen, den Einsatz
existierender energieeffizienter Technologien auszuweiten.
Das nationale und internationale System handelbarer
Emissionszertifikate würde eingeführt, nachdem
bereits ein Jahrzehnt lang Erfahrungen mit steuerlichen Anreizen, Forschung und Entwicklung, der
Umstrukturierung der Elektrizitätsversorgung und
anderen Maßnahmen gemacht wurden. Wir halten
den Plan zur Einführung eines Systems handelbarer
Emissionszertifikate für sehr bedeutend, damit wir die
wichtigen Ziele des vom Präsidenten bekanntgegebenen aggressiven Plans erreichen können. Ein Handel
mit Emissionszertifikaten macht sich die Effizienz des
Privatsektors zunutze, um umweltpolitische Ziele zu
erreichen und neue, möglichst kostengünstige Technologien zu fördern. Mit Hilfe eines solchen Verfahrens

Seite 2

wäre ein Land oder ein Unternehmen in der Lage, sein
Ziel einer Emissionsreduzierung zu erreichen, indem
es entweder selbst die Verschmutzung verringert, oder
ihm die von einem anderen Land oder Unternehmen
über dessen Zielsetzung hinaus erreichte Reduktion
angerechnet wird. Es wäre auch eine Kombination von
beiden Möglichkeiten denkbar.
Einer der Gründe, warum wir das System handelbarer
Emissionszertifikate unterstützen, ist unsere Erfahrung
in den Vereinigten Staaten mit seinem Einsatz zur
Verringerung von Schwefeldioxidemissionen, die
sauren Regen verursachen. Den Prognosen zufolge
sollte uns die Verringerung der Schwefeldioxidemissionen pro Tonne 200 Dollar kosten. Tatsächlich
kostet sie jetzt vor allem dank eines äußerst erfolgreichen Systems handelbarer Lizenzen weitaus weniger,
und der saure Regen hat drastisch abgenommen. Wir
sind überzeugt, daß dasselbe System zur CGyVerringerung eingesetzt werden kann. Die Situation hierbei
ist zugegebenermaßen viel komplizierter. Wir haben
noch keine Zauberformel, die uns ein automatisches
System handelbarer Emissionszertifikate für Kohlendioxid gibt. Wir müssen es mit der Zeit entwickeln,
aber wir sind der Ansicht, daß das im Lauf der nächsten Jahre geschehen kann.
Andererseits haben wir gewisse Schwierigkeiten, den
europäischen Vorschlag einer sogenannten "bubble"
bei der Verringerung der Treibhausgase zu übernehmen. Dieser Vorschlag gestattet den 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union im Grunde genommen,
ein Ziel - die 15-prozentige Reduktion der Emissionen
unter das Niveau von 1990 bis zum Jahr 2010 - zu
setzen und zu seiner Erlangung ein System der
Lastenteilung zwischen den einzelnen Ländern
einzuführen. Das Problem besteht darin, daß ein
solches System Ländern wie Portugal und Griechenland einen Emissionsanstieg von 40 beziehungsweise
30 Prozent gestatten würde und Frankreich seine
Emissionen lediglich einfrieren müßte.
Welche
Botschaft senden wir den Entwicklungsländern der
Welt, wenn die Emissionen einiger Industriestaaten um
40 Prozent anwachsen dürfen, während andere
Industriestaaten zu einer gravierenden Verringerung
aufgefordert werden? Unseres Erachtens würde ein
globales System handelbarer Emissionszertifikate das
Problem lösen. Die einzige Möglichkeit, wie die
Europäer unserer Ansicht nach ihre vorgeschlagenen
signifikanten Reduktionen erreichen können, ist
internationaler Handel mit Emissionszertifikaten.
Der Kern unserer Bestrebungen im Ausland besteht
darin, die Entwicklungsländer zur Verabschiedung von
Maßnahmen zu veranlassen, die zu einer Verringerung
von Treibhausgasemissionen führen. Es ist wichtig zu
verstehen, daß die Industriestaaten zwar derzeit für 60
Prozent der gesamten weltweiten Emissionen verantwortlich sind, die Emissionen der Entwicklungsländer
aber rapide ansteigen und wahrscheinlich in den

AMERIKA DIENST 24

�nächsten Jahrzehnten weit über die der Industriestaaten hinausgehen werden. In den Entwicklungsländern
gibt es jedoch viele Möglichkeiten für eine Emissionsverringerung, einschließlich einer gemeinsamen
Durchführung mit der Verteilung von "Emissionsgutschriften", die sich internationaler Partnerschaften
bedient, um kostengünstige Verringerungen der
Treibhausgasemissionen zu erreichen. Bei gemeinsamer Durchführung könnte ein in den Vereinigten
Staaten ansässiges Unternehmen beispielsweise in
ein Projekt investieren, das Emissionen in einem
Entwicklungsland wie Indonesien verringert, und dann
diese "Gutschrift" für die Verringerung als kostengünstigeren Weg zur Erlangung seines eigenen Ziels
verwenden. Das Projekt in dem Entwicklungsland
könnte die Umwandlung eines kohlebetriebenen
Kraftwerks in ein saubereres, erdgasbetriebenes
beinhalten. Auf jeden Fall würde das einerseits zu
einem Transfer von Technologie in das Entwicklungsland führen und andererseits zu geringeren Kosten der
Erreichung von Emissionsobergrenzen für das amerikanische Unternehmen, denn ähnliche Emissionsreduzierungen im eigenen Land wären weitaus
kostenintensiver und komplizierter.
Meiner Meinung nach besteht einer der positivsten
Aspekte der gemeinsamen Durchführung möglicherweise darin, daß sie die beste Alternative zur offiziellen
Entwicklungshilfe bietet, die - nebenbei gesagt - seit
einigen Jahren stagniert, wenn nicht sogar abgenommen hat. Die gemeinsame Durchführung bietet uns
auch eine außerordentlich kreative Möglichkeit,
dringend benötigte Technologie - effiziente, effektive,
erstklassige Technologie - an die Entwicklungsländer
zu liefern.
Präsident Clinton hat ein Hilfspaket in Höhe von einer
Milliarde Dollar zugesagt, das durch das US-Amt für
internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID) gewährt wird und sich erneut
verpflichtet, im Rahmen der globalen Umweltfazilität
Finanzhilfe zu geben. Das Hilfspaket würde dazu
verwendet, den größten Entwicklungsländern bei der
Suche nach Wegen zu einer optimierten Energieversorgung durch bestimmte Programme zu helfen,

*

AMERIKA DIENST 24

den Einsatz alternativer Energiequellen und erneuerbarer Technologien zu fördern und Schulungen
anzubieten, die zur Aufstellung einer Liste der Treibhausgasemissionen erforderlich sind.
Gleichzeitig fordern die Vereinigten Staaten die großen
Entwicklungsländer zu signifikanten Maßnahmen zur
Emissionsbeschränkung auf. Wir sind uns bewußt,
daß es zwischen den einzelnen Entwicklungsländern
Unterschiede gibt. Der Präsident hat darauf hingewiesen, daß bei der Festsetzung von Verpflichtungen der
ärmeren und unterentwickelteren Länder dem Stand
ihrer Wirtschaftsentwicklung und dem Wachstumsbedarf ihrer Volkswirtschaften Rechnung getragen
werden muß. Es ist nicht unser Ziel, den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt Beschränkungen
aufzuerlegen. Diese Länder haben noch viele Jahre
vor sich, bis sie das Problem der Treibhausgase
verschärfen. Wir halten es jedoch für logisch und klug,
daß sich die anderen Entwicklungsländer an diesen
Bestrebungen beteiligen.
Im Dezember findet in Kyoto die dritte Konferenz der
Teilnehmerstaaten der UN-Klimarahmenkonvention
statt. Die Parteien planen auf der Konferenz die
Verabschiedung eines rechtlich bindenden Übereinkommens zur Verringerung von Treibhausgasemissionen. Aber alles, dem wir in Kyoto zustimmen, kann nur
mit voller Unterstützung der amerikanischen Öffentlichkeit und durch den US-Kongreß umgesetzt werden.
Der Kongreß hat sich zu dieser Frage geäußert und
seiner großen Besorgnis hinsichtlich der Verhandlungen Ausdruck verliehen. Der Präsident hat versucht, auf diese Besorgnis einzugehen und die
amerikanische Öffentlichkeit durch eine Reihe von
sehr öffentlichkeitswirksamen Zusammenkünften mit
Wirtschaftsvertretern, Wissenschaftlern und hochrangigen Vertretern nichtstaatlicher Organisationen über die
ernste Natur des Problems aufzuklären. Ich bin
zuversichtlich, daß die internationale Gemeinschaft
durch fortgesetzte Bestrebungen in dieser Richtung sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen
Ländern - das Problem des Klimawandels mit der ihm
gebührenden Entschlossenheit angehen kann.

*

Seite 3

�BOSNIEN
10. Dezember 1997

Implementierung des Friedens in Bosnien
Stellungnahme von Strobe Talbott

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Stellvertretenden Außenminister Strobe Talbott am 9.
Dezember 1997 bei der Jahresvollversammlung des Friedensimplementierungsrates für Bosnien und
Herzegowina abgegebene Stellungnahme.

Ich möchte mich dem Dank anschließen, der Ihnen,
Herr Vorsitzender, und der Bundesregierung gegenüber für ihre Gastfreundschaft bei der Veranstaltung
dieser Konferenz zum Ausdruck gebracht wurde und
auch Carlos Westendorp für sein Engagement als
Hoher Repräsentant danken.
Wie alle von uns bin ich traurig, betroffen und gleichzeitig bestärkt durch die Erinnerung an unsere verstorbenen Kollegen - die zwölf internationalen Beamten, die im September in den Hügeln von Zentralbosnien ums Leben gekommen sind. Zu ihnen zählte ein
herausragender deutscher Diplomat, Gerd Wagner,
der vielen von uns in Washington ein bewunderter
Freund war, wo er so ausgezeichnete Arbeit leistete,
bevor er diesen Posten als Stellvertretender Hoher
Repräsentant annahm, der sich so tragisch als sein
letzter erweisen sollte. Er und mein Landsmann, der
Stellvertretende Leiter der IPTF, Kris Kriskovich,
verkörperten das Engagement der internationalen
Gemeinschaft für ein Bosnien, das frei von ethnischem
Haß sein, sich der Rechtsstaatlichkeit zuwenden und
bereit sein sollte, seinen Platz unter den europäischen
Nationen einzunehmen.
Ich stimme mit meinen Vorrednern überein, daß seit
Sintra Fortschritte an mehreren Fronten erzielt worden
sind: Kommunalwahlen, Reform der Polizei, offene
Medien, die Verhaftung einer Reihe von mutmaßlichen
Kriegsverbrechern, die Volkswirtschaft. Wir müssen
jetzt auf diese Leistungsbilanz aufbauen und das
Tempo der Implementierung von Dayton noch mehr
beschleunigen. Aus diesem Grund möchte ich im
Namen von Präsident Clinton und Außenministerin
Albright vor allem fünf Punkte hervorheben:

AMERIKA DIENST 24

Erstens begrüßen wir die Unterstützung der Konferenz, dem Hohen Repräsentanten die Befugnis zu
bindenden Interimsentscheidungen beim gesamten
Spektrum ziviler Implementierungsfragen zu verleihen.
Wir stimmen zu, daß er die Amtsgewalt erhalten soll,
die Obstruktionspolitik derjenigen zu vereiteln, die die
vollständige Implementierung von Dayton blockieren
wollen.
Zweitens müssen wir darauf hinarbeiten, daß das Jahr
1998 von der Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat
gekennzeichnet ist. Sonst werden große Teile Bosniens nolens volens ethnisch gesäubert und de facto
aufgeteilt. Das garantiert künftige Instabilität und
Konflikt. Die Flüchtlinge werden nicht in ihre Heimat
zurückkehren, bis es angemessene Vorkehrungen für
ihre Sicherheit gibt.
Das bringt mich zu meinem dritten Punkt: Die Bedeutung der Zusammenstellung einer Polizei, die dem Volk
und der Idee gegenüber loyal ist, Bosnien als Ganzes
zu sehen, und nicht loyal gegenüber einem feindlichen
Lager von Nationalisten und Extremisten. Die Vereinigten Staaten werden ihren Beitrag zu diesen
Bestrebungen leisten. Wir fordern andere Länder auf,
sich uns anzuschließen und die Ressourcen für die
Ausbildung und Ausrüstung einer professionellen
Polizei in Bosnien zur Verfügung zu stellen. Das wird
ein Schlüsselelement jeder internationalen Sicherheitspräsenz in Bosnien sein.
Viertens müssen wir weiterhin entschlossen darauf
hinarbeiten, daß Kriegsverbrecher dort enden, wo sie
hingehören - nämlich vor dem Tribunal in Den Haag.
Zum ersten Mal hat sich eine beträchtliche Anzahl von
Angeklagten selbst dem Prozeß gestellt, teils dank der

Seite 1

�Hilfe der kroatischen Regierung. Gerechtigkeit kann
jedoch nicht den Angeklagten selbst - oder ihren
Beschützern - überlassen werden. Belgrad und Pale
sollten wissen, wenn sie nicht mit dem Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeiten, werden sie von
der internationalen Gemeinschaft weiterhin isoliert.
Fünftens unterstützt meine Regierung eine weitere
Rolle der OSZE in Bosnien, einschließlich der Überwachung künftiger Wahlen. Das ist die beste Gewährleistung, daß Bosnien seine Teilungen überwindet und
sich dem Pluralismus zuwendet. Wenn wir hier ebenso wie bei vielen anderen Unternehmen - in
unseren Anstrengungen nachlassen oder sie vorzeitig
beenden, hieße das, die Niederlage aus den Klauen
des Sieges zu reissen.

*

Seite 2

Schließlich möchte ich mich den vielen anderen
anschließen, die die gespannte Situation im Kosovo
angesprochen haben. Die andauernde Unterdrückung
im Kosovo gibt Anlaß zu zunehmender Besorgnis, daß
die regionale Stabilität durch einen neuen Ausbruch
von Gewalt auf dem Balkan bedroht sein könnte. Die
Vereinigten Staaten und ihre europäischen Partner
werden auf einen Dialog zwischen Belgrad und
Pristina hinarbeiten. Eine Beilegung des Konflikts im
Kosovo muß die politischen und humanitären Rechte
der albanischen Gemeinschaft innerhalb der derzeitigen internationalen Grenzen gewährleisten.
Vielen Dank, Herr Vorsitzender.

* * *

*

AMERIKA DIENST 24

�USA-EUROPA
10. Dezember 1997

Stuart Eizenstat erhält
"Transatlantic Leadership Award"
Auszeichnung durch das European Institute

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für wirtschaftliche, unternehmerische und landwirtschaftliche
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stuart Eizenstat, wurde am 21. November 1997 der Transatlantic
Leadership Award des European Institute verliehen. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der
Rede von Staatssekretär Eizenstat bei der Entgegennahme der Auszeichnung, die er sich mit EU-Kommissar Sir
Leon Brittan teilt.

Es ist mir eine große Ehre, heute als diesjähriger
Empfänger des Transatlantic Leadership Award zu
Ihnen sprechen zu dürfen. Ganz besonders freue ich

Ohne die Arbeit von Sir Leon, Mickey Kantor und
anderen hätte es keine Uruguay-Runde gegeben.

mich darüber, daß mir diese Auszeichnung vom

Das Streben nach der Erreichung dieser gemeinsamen Ziele bringt uns heute hier zusammen. Während unsere Differenzen und Konflikte unsere Zeit,
Energie und Mühe beanspruchen mögen, wird unsere
Partnerschaft durch unser Engagement für die gemeinsamen Prinzipien definiert.

European Institute verliehen wird. Das Institute spielt
eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung des
erforderlichen Forums für die Erörterung von Schlüsselfragen unserer transatlantischen Beziehungen und
fördert damit das Verständnis zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.
Ich danke meinem Freund Hugo Paeman für seine
freundlichen Worte und dauerhafte Unterstützung.
Seine Fähigkeiten, Kreativität und Kooperation machen
ihn zu einem äußerst wertvollen Vertreter der Europäischen Union hier in Washington und zu einer der
wichtigsten Stützen der amerikanisch-europäischen
Beziehungen.
Dem anderen Empfänger der heutigen Auszeichnung
möchte ich meine Glückwünsche aussprechen und
ihm versichern, wie sehr ich mich freue, die heutige
Ehrung mit ihm zu teilen. Er ist mein Kollege und
Gegenstück, Gegner und Freund, Konkurrent und
Kohorte - alles in einem. Sir Leon, sie haben während
der vergangenen Jahre großen Einfluß auf den
Welthandel gehabt. Und auch wenn wir nicht bei allem
einer Meinung sind, haben wir doch dieselben Ziele
und dieselbe Vision: Engere Bande zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zum
Wohle aller Bürger auf beiden Seiten des Atlantiks.

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Es ist eine immer engere und sich entwickelnde
Beziehung, die auf gegenseitigem Verständnis und
dem Bewußtsein der Bedeutung von Handel und
Sicherheit gleichermaßen basiert.
Die Vereinigten Staaten und Europa verbinden
einzigartige historische und kulturelle Bande. Wir
haben in diesem Jahrhundert drei große Kriege in
Europa geführt - zwei heiße und einen kalten - und
haben uns der Zusammenarbeit mit Europa verpflichtet, um Frieden auf diesem Kontinent und der
ganzen Welt zu sichern. Das hat für uns eindeutig
Priorität gehabt - vom Marshallplan vor 50 Jahren bis
zur Unterstützung des Aufbaus und der Erweiterung
der Europäischen Union heute.
Gemeinsam beendeten wir den Kalten Krieg, unterstützten die aufstrebenden Demokratien in Zentralund Osteuropa und riefen die Partnerschaft für den
Frieden (PfF) ins Leben, die alte Trennlinien in Europa
weiter beseitigt. Aus der Zerstörung des Zweiten
Weltkriegs und der Spaltung des Kalten Krieges

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�entstand eine dauerhafte Partnerschaft, die auf den
Lektionen der Geschichte basiert und eine prosperierende und friedliche Welt anstrebt.
Obwohl wir die Bedeutung von Handel und Investitionen in aufstrebende Märkte verstehen, dürfen wir nie
vergessen, wie wichtig unsere eigenen Handelsbeziehungen sind. Die Vereinigten Staaten und die EU
produzieren gemeinsam nahezu die Hälfte aller Waren
und Dienstleistungen weltweit, und auf sie entfällt mehr
als die Hälfte des gesamten Welthandels. Die EU ist
bei weitem unser größter Handelspartner. Die Exporte
in beide Richtungen und der Absatz von Tochtergesellschaften auf dem jeweils anderen Markt eingerechnet,
beläuft sich der transatlantische Handel auf ungefähr
zwei Billionen Dollar jährlich. Tatsächlich ist der
europäische Markt - Exporte und Absatz von Tochtergesellschaften eingeschlossen - für die amerikanischen Unternehmen doppelt so groß wie der kanadische und japanische zusammengenommen.
Europa ist auch unser wichtigster Partner bei der
Förderung des Welthandelssystems. Während der
vergangenen 50 Jahre war jeder Fortschritt des
Welthandelssystems das Ergebnis amerikanischeuropäischer Übereinkünfte und Initiativen. Wenn wir
uns nicht einig sind - wie beim Thema Landwirtschaft
in der Uruguay-Runde - macht der offene Handel
wenig Fortschritte. Was durch eine gemeinsame
amerikanisch-europäische Führungsrolle erreicht
werden kann, zeigt der Blick auf die jüngsten Erfolge die Uruguay-Runde, die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO), das Informationstechnologieabkommen und das Abkommen über Telekommunikationsdienste.
Die Verabschiedung der neuen transatlantischen
Agenda (New Transatlantic Agenda - NTA) im Dezember 1995, die einen Plan für die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und
der Europäischen Union bis ins 21. Jahrhundert
darstellt, hat unsere Partnerschaft gestärkt und
gefördert. Die NTA erweitert unsere Zusammenarbeit
um den Handel. Sie beinhaltet mehr kooperative
Mechanismen denn je - halbjährliche Gipfeltreffen,
regelmäßige Zusammenkünfte unterhalb der Kabinettsebene sowie eine breite Palette von Kontakten auf
Arbeitsebene.
Unsere Beziehungen entwickeln sich ständig weiter
und passen sich an interne und externe Veränderungen an. Wir sind uns bewußt, daß sich die EU verändert - sie wird durch die Aufnahme neuer Mitglieder
erweitert, durch die Einführung der Wirtschafts- und
Währungsunion integriert und entwickelt sich zu einem
immer wichtigeren Forum, in dem Europa diplomatische Fragen, Themen der Strafverfolgung und globale
Probleme erörtern und gemeinsame Maßnahmen
ergreifen kann. Diese Veränderungen bergen Herausforderungen und Chancen. Gleichzeitig widmen wir

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der Ausweitung und Vertiefung unserer Handels- und
Investitionsbeziehungen besondere Aufmerksamkeit,
um unser gemeinsames Ziel der Schaffung eines
transatlantischen Marktes ohne Handelshemmnisse zu
erreichen.
Eine andere wichtige Innovation und Bestandteil der
NTA ist der transatlantische Wirtschaftsdialog (Transatlantic Business Dialogue - TABD), eine einzigartige
Partnerschaft zwischen Regierung und Wirtschaft, die
uns bei der Suche nach Gemeinsamkeiten zur Beseitigung der Hindernisse für offenen und fairen Handel
hilft. Wir erwarten von den praktischen Empfehlungen
des transatlantischen Wirtschaftsdialogs die Stärkung
der Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union
und üben starken Druck auf unsere jeweiligen Regierungen aus, die Umsetzung dieser Empfehlungen
sicherzustellen.
Damit gibt der transatlantische
Wirtschaftsdialog unseren Politikern auf beiden Seiten
des Atlantiks eine zukunftsorientierte Agenda an die
Hand, während wir uns für die Beseitigung der Handelshemmnisse und die Stärkung der Handelsbeziehungen einsetzen.
Obwohl die Handels- und Investitionsbeziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der EU stark
sind, wäre ich nicht ehrlich, wenn ich nicht zugeben
würde, daß wir auch wesentliche Differenzen haben Differenzen, bei deren Überwindung diese Institutionen
eine konstruktive Rolle übernehmen können. Zu
diesen Differenzen zählen die von der EU vorgeschlagene Richtlinie über spezifizierte gefährliche Stoffe und
kosmetische Mittel sowie der Einsatz von Sanktionen.
Zur Frage der Sanktionen habe ich kürzlich im Kongreß im Rahmen einer Anhörung erörtert, wie das
Außenministerium einen Prozeß eingeleitet hat, um die
Verhängung von Sanktionen durch die US-Regierung,
ihre Wirksamkeit und die Möglichkeit ihrer verbesserten Integration in unsere Gesamtstrategie zu analysieren. Diese Überprüfung soll gewährleisten, daß der
Einsatz von Sanktionen unsererseits klar definierte
Ergebnisse erzielt und im allgemeinen nur dann erfolgt,
wenn andere diplomatische Maßnahmen erfolglos
waren. Ferner unternehmen wir mehr, um die Regierungen der Bundesstaaten einzubeziehen, damit der
Einsatz von Sanktionen durch sie disziplinierter erfolgt.
Neben der internen Überprüfung von Sanktionen
bemühen wir in den Vereinigten Staaten uns um
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, um Wege
zur Entwicklung eines gemeinsamen Ansatzes bei
internationalen Problemen zu finden, die eine Gefahr
für unsere Werte, unsere Sicherheit sowie die persönlichen und Eigentumsrechte unserer Bürger darstellen.
Aus diesem Grund haben wir vorgeschlagen, daß die
Vereinigten Staaten und die EU als Teil der derzeitigen
Verhandlungen über Maßnahmen gemäß dem HelmsBurton-Gesetz einen hochrangigen Konsultationsmechanismus ins Leben rufen, um auf Probleme

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�dieser Art zu reagieren. Ich hoffe, daß wir bei dieser
Frage zu Übereinstimmung und Verständnis gelangen,
damit wir an gemeinsamen Zielen zusammenarbeiten
können und damit eher in der Lage sind, notfalls
individuelle Maßnahmen zu ergreifen, um auf Bedrohungen unserer gemeinsamen Interessen und
Werte zu reagieren.
Die laufenden Verhandlungen zu diesem Thema
beinhalten auch die Arbeit an einer Lösung der HelmsBurton-Frage. Diese Verhandlungen drehen sich um
die Schaffung von Disziplinen zur Behinderung oder
Abschreckung von Investitionen in enteignetes
Eigentum. Unseres Erachtens haben Unternehmen
auf beiden Seiten des Atlantiks guten Grund, ein
Abkommen zu unterstützen, das Eigentumsrechte
weltweit stärkt.
Wie viele von Ihnen wissen, prüfen wir im Hinblick auf
den Iran derzeit die von Unternehmen aus Frankreich,
Rußland, Kanada, Indonesien und Malaysia mit dem
Iran abgeschlossenen Verträge über Ölfeldprojekte
und untersuchen, ob diese Verträge unter dem
Sanktionsgesetz für Iran und Libyen eine mit Sanktionen zu belegende Aktivität darstellen. Wir haben ein
Team, das mit den an diesem Geschäft beteiligten
Unternehmen sowie den betroffenen Regierungen
spricht, um mehr Informationen zu bekommen und
unsere Besorgnis im Zusammenhang mit Investitionen
im Iran zu erörtern, während die iranische Regierung
weiterhin den internationalen Terrorismus unterstützt
und versucht, Massenvernichtungswaffen zu beschaffen. Wir werden unsere Untersuchungen gewissenhaft
fortsetzen, und abhängig von den Ergebnissen werden
Sanktionen eine mögliche Option bleiben. Das Ziel der
Gesetze besteht jedoch darin, gemeinsam Bedrohungen der internationalen Sicherheit durch Iran und
Libyen abzuwehren.
Ferner streben wir die Unterstützung der Wirtschaft für
ein starkes multilaterales Investitionsabkommen
(Multilateral Agreement on Investment - MAI) an. Wir
müssen die Sicherheit von Investitionen erhöhen und
ein hohes Maß an Liberalisierung erreichen.
Ich freue mich bekanntgeben zu können, daß wir uns
bei den heutigen OECD-Verhandlungen erfolgreich auf
den endgültigen Text einer umfassenden Konvention
über das Verbot der Bestechung ausländischer
Staatsbeamter bei internationalen Wirtschaftstransaktionen geeinigt haben. Die heutige Vereinbarung
stellt einen großen Vorstoß im Kampf gegen Korruption
dar. Die internationale Wirtschaftsbestechung unterminiert gute Regierungsführung, schadet der wirtschaftlichen Effizienz und verzerrt den Handel. Wir
begrüßen das Übereinkommen der OECD-Mitgliedsländer, weitere spezifische Aktionen zu erwägen, um
wirtschaftliche Bestechung im staatlichen Sektor zu
bekämpfen und alle beteiligten Länder zu drängen, die

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schnelle Ratifizierung und Durchsetzung der heutigen
Übereinkunft sicherzustellen.
Dies ist ein Beispiel für Zusammenarbeit zur Bewältigung unserer Herausforderungen und Schwierigkeiten
sowie eine weitere Demonstration der Stärke und
Vitalität unserer Beziehungen insgesamt. Am 5.
Dezember ist Präsident Clinton Gastgeber des Gipfeltreffens der Vereinigten Staaten und der Europäischen
Union, bei dem wir zahlreiche Fragen von gemeinsamem Interesse erörtern werden, die Verständnis
fördern, Zusammenarbeit verbessern und uns am
besten auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten
werden. Beim Umgang mit diesen Herausforderungen
müssen wir auch unsere gemeinsamen Ziele im Auge
behalten:
Förderung von Frieden, Stabilität, Demokratie
und Entwicklung in den Krisenherden der
Welt. Wir müssen unsere Bestrebungen zur
Schaffung eines dauerhaften Friedens in
Bosnien fortsetzen und gemeinsam an der
Schaffung eines Klimas für Fortschritte beim
Friedensprozeß im Nahem Osten arbeiten.
Fortsetzung unserer entscheidenden Zusammenarbeit bei der Reaktion auf globale
Herausforderungen wie Terrorismusbekämpfung und Drogenmißbrauch sowie verstärkte
Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von
organisiertem Verbrechen und Umweltzerstörung.
Ausweitung des Welthandels und Stärkung
der Wirtschaftsbeziehungen durch die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit in multilateralen Foren. Wir haben unsere Fähigkeit zum
Erzielen von Ergebnissen durch das Abkommen über Basistelekommunikationsdienste und das Informationstechnologieabkommen unter Beweis gestellt und können darauf
aufbauen. Das beinhaltet die Weiterentwicklung des Konzepts eines neuen transatlantischen Marktes - insbesondere unter Führung
des Privatsektors entsprechend den Empfehlungen und der Initiative des transatlantischen
Wirtschaftsdialogs.
Bau von Brücken zwischen Amerikanern und
Europäern, insbesondere der Generation nach
dem Kalten Krieg, was zu fortgesetzter Unterstützung der Öffentlichkeit für die transatlantischen Beziehungen und zur Beteiligung des
Privatsektors beitragen soll, während wir uns
für die Bewältigung der Herausforderungen
und Chancen eines neuen Jahrhunderts
einsetzen.
Wir sind durch unsere Verpflichtung zur Förderung von
Frieden, Wohlstand, Demokratie, Menschenrechten

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�und offenen, marktorientierten Volkswirtschaften
miteinander verbunden. Wir standen bei vielen
äußerst wichtigen Fragen während der vergangenen
40 Jahre Seite an Seite. Unsere gemeinsame Geschichte und unser gemeinsames Erbe müssen ein
Bindeglied zwischen uns darstellen, während wir uns

künftigen Herausforderungen stellen. Diese Beziehungen sollten weiterhin durch unsere Leistungen definiert
werden, während wir gemeinsam den Weg in eine
Zukunft voller Versprechungen und Möglichkeiten
zurücklegen. Ich danke Ihnen.

* * * * *

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�USA-DEUTSCHLAND
10. Dezember 1997

Die Beziehung zu Amerika - eine einzigartige
Partnerschaft
Rede von Botschafter John C. Kornblum

MÜNCHEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die der Botschafter der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 2. Dezember 1997
in München hielt.

Ein neuer Anfang
Wir sind heute Abend hierher gekommen, um einen
wichtigen Schritt bei den engen Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten von Amerika, Bayern und der
Stadt München zu markieren. Ende Dezember wird
das beliebte Amerika Haus in der Form, wie wir es seit
mehr als vier Jahrzehnten kennen, aufhören zu
existieren. Es wird durch eine neue Institution - das
Bayerisch-Amerikanische Zentrum - ersetzt. Das
Gebäude bleibt das gleiche, viele der Programme
bleiben bestehen, aber die Institution wird eine andere
sein.
Ich möchte heute zu Ihnen über diese neue Institution
sprechen, über ihre Zukunft und die sie konfrontierenden Herausforderungen. Wenn ich diese neuen
Bestrebungen erörtere, möchte ich auch einige Lehren
für die nächste Phase der deutsch-amerikanischen
Beziehungen darlegen. Denn die beiden gehen Hand
in Hand. Unsere neue Institution kommt genau zum
richtigen Zeitpunkt. Bei dem Versuch, die Welt zu
beschreiben, in die sie geboren wird, können wir auch
dazu beitragen, ihre künftige Arbeit zu leiten, um die
deutsch-amerikanische Partnerschaft zu unterstützen,
die wir aufzubauen versuchen.
Zuerst einmal der unmittelbare Grund für den Wandel.
In der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges haben
die traditionellen Informations- und Kulturzentren der
Vereinigten Staaten fast aufgehört zu existieren. Im
Zeitalter des direkten Zugangs zu den Medien ist es
schwierig, eine staatliche Finanzierung kultureller
Präsentationen zu rechtfertigen. Einige dieser Zentren

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werden weiterbestehen, aber entsprechend unserem
im vergangenen Jahr verabschiedeten Haushaltsgesetz ist die staatliche Finanzierung für unsere
Einrichtungen in München und Hamburg verringert
worden. Die Tatsache, daß sie so lange bestanden
haben, zeugt von der Bedeutung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Ähnliche Institutionen existieren
in Frankreich und Großbritannien bereits seit Jahren
nicht mehr. Heute gibt das US-Informationsamt
(United States Information Service - USIS) immer noch
mehr als die Hälfte seines Europa-Etats für Deutschland aus.
Diese Tatsachen allein sollten zeigen, daß die Vereinigten Staaten weiterhin einen wesentlichen Beitrag
zu Informations- und Kulturaktivitäten in München und
Bayern leisten werden. Unsere neue Nachschlagebibliothek im Generalkonsulat ist die beste ihrer Art. Die
Unterstützung für Kulturprogramme und Diskussionen
wird fortgesetzt. Wir haben in Form von Finanzmitteln
und Sachspenden einen großen Beitrag zu dem neuen
Bayerisch-Amerikanischen Zentrum geleistet. Aber die
vollständige Finanzierung eines offiziellen Kulturzentrums war nicht länger möglich.
Diese Notwendigkeit hat eine bedeutende Chance
hervorgebracht. Insbesondere in München ist es an
der Zeit, mit neuen Formen von Dialog und Austausch
zu experimentieren. Es ist zweifelsohne nicht mehr
nötig, amerikanische Kultur und Kunst nach Bayern zu
bringen. Dieser Bedarf wird über private Kanäle mehr
als gedeckt. Amerikanische Ideen und Modelle sind
ebenfalls reichlich vorhanden.

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�Erforderlich ist der innovative Dialog, den das neue
Bayerisch-Amerikanische Zentrum bieten kann:
Die Einbeziehung vieler verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in die Planung und
Durchführung der Prüfung neuer Formen der
Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg.
Ein neues deutsch-amerikanisches Entscheidungsgremium wird beschließen müssen, was
geschehen soll und wie es geschieht;
Ein Dach für die zahlreichen Einzelinitiativen,
die unsere Beziehungen seit Jahren bereichern.
Neue Programme, die Zusammenarbeit in
Bereichen gestalten können, in denen sie
normalerweise nicht von einer traditionellen
Einrichtung dieser Art abgewickelt wird.
Ich bin stolz sagen zu können, daß die Reaktion auf
diese neue Herausforderung großartig war. Die
bayerische Regierung hat großzügig Mittel und Ideen
beigesteuert. Unser Gebäude wird erhalten. Seine
Programme werden im neuen Jahr ohne Unterbrechung fortgesetzt. Wir können uns besonders
glücklich schätzen, daß Dr. Chris Peters - seit mehr als
34 Jahren selbst eine Institution - weiterhin die Programme und die neue Institution leiten wird. Ich bin
sicher, daß jeder unter den Zuhörern des heutigen
Abends meine Bewunderung für die von ihm geleistete
Arbeit teilt.
Besonders glücklich schätzen können wir uns auch,
daß eine sehr aktive Gruppe von Sponsoren und
Förderern am Aufbau einer Organisation mitwirkt, die
dazu beitragen kann, den Erfolg der neuen Unternehmung sicherzustellen. Ich bezweifle nicht, daß das
Amerika Haus in Zukunft Stätte eines noch lebhafteren
Dialogs sein wird als in der Vergangenheit.
Die Definition eines neuen Zeitalters
Soviel zur Organisation. Was geschieht mit der
hervorragenden Arbeit, die wir am heutigen Abend
feiern? Ich hoffe, daß dieses innovative Unterfangen
die Kontakte zwischen Bayern und den Vereinigten
Staaten mehr als festigen wird. Ich hoffe, daß wir in
diesem innovativsten Teil Deutschlands eine Definition
der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit beginnen können, die bis weit ins nächste Jahrhundert
hinein ihren Zweck erfüllt.
Was meine ich, wenn ich von der Notwendigkeit einer
neuen Definition spreche? Offensichtlich meine ich
keine neue Grundlage oder grundlegende Neuorientierung, wie ich manchen Presseberichten zufolge
angeblich vorgeschlagen habe.
Die Grundlage
unserer Partnerschaft war nie stärker. Aber eine neue

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Arbeitsweise und eine geänderte Definition unserer
gegenseitigen Rollen wären nützlich. Ein kurzer
geschichtlicher Rückblick wird dazu beitragen, die
Szenerie zu beschreiben.
Deutschland und Amerika sind aus verschiedenen
Gründen natürliche Partner geworden. Wir haben in
den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen
eine neue Friedensstruktur in Europa geschaffen - eine
Struktur, die auf der Grundlage neuer Beziehungen
über den Atlantik hinweg ruht.
Die Vereinigten Staaten unterhalten natürlich enge,
kooperative Beziehungen zu zahlreichen Verbündeten
in Europa. Aber es war Deutschland, mit dem wir die
neue Nachkriegsdefinition unserer Welt erarbeiteten.
Deutschland hatte sogar vor 1945 viel mit den Vereinigten Staaten gemein. Unsere natürliche Freundschaft war jedoch von den Nazis zerstört worden und
in einem grausamen Krieg untergegangen. Nach 1945
war es nicht möglich, einfach dort weiterzumachen, wo
wir aufgehört hatten. Wir mußten etwas völlig Neues
schaffen.
Dieses völlig Neue ging aus den Herausforderungen
des Kalten Krieges und der Bedrohung der Demokratie
in ganz Europa durch die Sowjetunion hervor. Unsere
gegenseitige Antwort auf die Berlin-Blockade - Festigkeit und Mut auf Seiten der Deutschen und Amerikaner
gleichermaßen - stellte die Weichen für die Schaffung
einer integrierten Vision von einem neuen Europa.
Jeder von uns hatte eine wichtige Rolle. Amerika bot
die Vision, die Mittel und die Verpflichtung, sich in der
neuen atlantischen Gemeinschaft weiterhin zu engagieren, die aus dem alten europäischen Gleichgewicht
entstanden war, das durch den Zweiten Weltkrieg
zerstört wurde.
Deutschland brachte Energie, Mut und eine Vision von
Demokratie in Deutschland und Europa ein, die aus
der dauerhaften Gemeinschaft über den Atlantik
hinweg erwuchs. Eine treibende Kraft dieser Zusammenarbeit war Notwendigkeit. Deutschland hatte
dringenden Bedarf an Freunden und Ressourcen.
Amerika war die einzige verfügbare Quelle. Amerika
benötigte eine feste Grundlage im Zentrum Europas,
auf der es die Vision von Demokratie auf dem gesamten Kontinent verwirklichen konnte. Deutschland
war der naheliegende Partner.
Eine weitere treibende Kraft war emotioneller Natur.
Kurz nach dem Krieg entdeckten wir die große Übereinstimmung von Einstellung und Ansatz unserer
beiden Länder wieder. Deutschland und Amerika
gingen aufgrund der starken Ähnlichkeit unserer Völker
und Gesellschaften eine natürliche Partnerschaft ein.
Ich weiß, daß ich darüber hier in Bayern nicht viel
sagen muß. Hier fühlen wir Amerikaner uns wirklich zu
Hause.

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�Aber dieser im Grunde genommen gleiche Ansatz
zeigt sich in ganz Deutschland, wie ich auf meinen
Reisen durch die neuen Bundesländer entdecken
konnte. Nachdem die Herausforderungen der Nachkriegszeit bewältigt sind, bieten Deutschland und
Amerika die Definition für die übrige atlantische Welt.
Eine historische Errungenschaft dieser Partnerschaft
war die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Rückkehr der Freiheit nach ganz Deutschland schloß ein
leidvolles Kapitel der deutschen und europäischen
Geschichte. Gleichzeitig war dies ein charakteristisches Moment einer neuen und sogar noch hoffnungsvolleren Phase unserer Bestrebungen, eine sogar
noch kraftvollere transatlantische Gemeinschaft
aufzubauen.
Amerika war aus zweierlei Gründen ein wesentliches
Element bei der Wiedervereinigung: Wir glaubten
unbeirrt an das Ziel eines geeinten Deutschlands, und
wir hatten die Mittel, dazu einen Beitrag zu leisten.
Unsere Vision von Deutschland und Europa war nicht
von historischen Ressentiments oder Konkurrenzdenken verdunkelt. Und unsere führenden Politiker hatten
die Kraft und die Ressourcen sicherzustellen, daß
Bundeskanzler Kohls Vision von einem geeinten
Deutschland, das sowohl in Europa als auch in die
atlantische Welt integriert ist, erfolgreich umgesetzt
werden konnte.
Eine Agenda für die Zukunft
Diese Stärken - Offenheit und Wille - sind auch die
beiden Pfeiler der nächsten Phase unserer Partnerschaft. Deutschland und die Vereinigten Staaten sind
offene Gesellschaften, die am Scheideweg des
Wandels stehen. Wir sind, jeder auf seine Weise, ein
Magnet für die neuen und oftmals beunruhigenden
Tendenzen auf der ganzen Welt. Jeder von uns hat
die Fähigkeit, diese Veränderungen zu verarbeiten und
sich daran anzupassen. Wir sind ein Meister darin,
neue Lösungen vorzuschlagen. Jeder von uns ist Teil
des Rückgrats der neuen demokratischen Welt, die wir
über den Atlantik hinweg und in ganz Europa aufbauen
wollen.
Ein Beweis für dieses neue Zeitalter ist die lange
Agenda von Themen, an denen wir gemeinsam
arbeiten - auf bilateraler Ebene und in Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern und Verbündeten. Die traditionelle Sicherheitsagenda wurde von
einem komplexen Programm der Herausforderungen
auf ganz unterschiedlichen Gebieten abgelöst: Zusammenarbeit im Weltraum, Biotechnologie und
Nahrungsmittelproduktion, Beziehungen zu sogenannten verbrecherischen Staaten, der Aufbau von Demokratie in Zentral- und Osteuropa sowie die Friedensmission in Bosnien.

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Oftmals konzentrieren sich diese Fragen auf unser
gemeinsames Streben nach der Vollendung Europas,
um es mit den Worten von Altbundespräsident Richard
von Weizsäcker auszudrücken. Wir sind die beiden
wichtigsten Partner bei der Erlangung der demokratischen Integration der neuen Demokratien in ein
friedliches und prosperierendes Europa.
Unser
gemeinsamer Erfolg beim Aufbau einer neuen NATO
ist nur ein Beispiel für diese wichtige Zusammenarbeit.
Unsere gemeinsamen Bestrebungen konzentrieren
sich in zunehmendem Maße auf Fragen von weltweiter
Bedeutung. Die Bewältigung der Herausforderungen
der Gesellschaft in der Zeit nach dem Ende des Kalten
Krieges und im Informationszeitalter sind in dieser
Hinsicht von besonderer Bedeutung. Wir sind nicht
immer derselben Meinung. Aber in den meisten Fällen
sind es Deutschland und Amerika, die bei der Lösung
des Problems eine zentrale Rolle spielen. Wenn
unsere beiden Länder diesen pragmatischen Ansatz
wählen, können wir beim Umgang mit den neuen
Herausforderungen auf kooperativer Basis helfen,
selbst wenn wir nicht in allen Einzelheiten übereinstimmen. Und die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit trägt dazu bei, die atlantische Harmonie mit ganz
Europa zu gewährleisten. Gemeinsam werden wir zur
Stärkung der wesentlichen Rolle der EU beitragen.
Wenn diese neue Zusammenarbeit wirklich erfolgreich
sein soll, müssen wir die neue Definition einen Schritt
weiterführen. Wie wir damit umgehen, hängt stark von
unserem Erfolg ab, die grundlegende Dynamik unserer
Partnerschaft zu verstehen. Die Welt hat sich so
grundlegend verändert, daß neue Konzepte erforderlich sind.
Vor 1990 waren die zahlreichen Facetten unserer
Beziehungen von der überwältigenden Bedeutung der
Sicherheit überschattet - von der Rolle der Vereinigten
Staaten bei der Verteidigung Deutschlands und
Europas gegen die Sowjetunion; und von der Rolle
Deutschlands, die Festung für diese Verteidigung zu
bieten. Amerika war gleichermaßen die Großmacht
und das gesellschaftliche Modell.
Der Beitrag
Deutschlands bestand vor allem darin, beim Wiederaufbau von Demokratie und Wirtschaft erfolgreich zu
sein und zur militärischen Verteidigung beizutragen.
Es war eine äußerst erfolgreiche Beziehung. Sie war
jedoch in vieler Hinsicht auch eindimensional - jeder
spielte eine Rolle, aber das aus der wechselseitigen
Abhängigkeit geborene Gefühl der Unsicherheit stellte
oft einen beschränkenden Faktor dar.
Einige Beispiele: Die Fixierung der Vereinigten Staaten
auf die Wirtschaft und die innenpolitische Dynamik
Deutschlands war oft übertrieben. Als junge Diplomaten mußten wir in den sechziger Jahren über jedes Auf
und Ab der politischen Landschaft berichten. Tatsächlich bestand eine der traditionellen Rollen der Amerika
Häuser darin sicherzustellen, daß sich der politische

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�Dialog in Deutschland in die richtige Richtung bewegte.
Die Deutschen wiederum schrieben die dramatischsten Gefahren auf Aspekte der amerikanischen Politik
zurück, die der Sache der Stabilität in Europa nicht
direkt dienlich erschienen. Am dramatischsten war
vielleicht die Debatte über die Stationierung von
Mittelstreckenraketen in Europa in den achtziger
Jahren. Auch 1990, zu Beginn des Golfkriegs, gab es
eine äußerst emotionale Reaktion.
Ich freue mich sagen zu können, daß viele dieser
gegenseitigen Tendenzen bereits verschwunden sind.
Bei meiner Rückkehr nach Deutschland nach zehnjähriger Abwesenheit bin ich von der Normalität der
politischen und sozialen Debatte in diesem Land
beeindruckt. Ich weiß, daß es Kontroversen gibt. Und
Probleme sind wichtig. Aber bei der Debatte geht es
um konkrete künftige Herausforderungen, nicht um
echte oder imaginäre Ängste, die aus der Unsicherheit
des Kalten Krieges resultieren.
Vom amerikanischen Standpunkt aus kann ich hinzufügen, daß unsere Einstellung zu Deutschland sich
schnell über die traditionellen Fragen europäischer
Sicherheit hinausbewegt. Unsere Botschaft in Bonn
und Berlin hat eine Agenda, die praktisch jede wichtige
Frage unserer Zeit beinhaltet. Deutschland ist ein
natürlicher und produktiver Partner - sowohl bilateral
als auch als wichtiger Teilnehmer an der sich schnell
vertiefenden europäischen Integration.
Wir sind
wahrhaft Partner, die füreinander und für die Welt
unentbehrlich sind.
Die Rolle Amerikas

Es ist auch eine neue Herausforderung entstanden für unsere beiden Länder. Diese Arbeit kann das
Bayerisch-Amerikanische Zentrum vielleicht am besten
leisten. Es geht um die Verpflichtung, sich mit der
Rolle Amerikas in einer Welt ohne Konfrontation
auseinanderzusetzen. "America the Inescapable"
nannte es Josef Joffe in der New York Times.
Dieses Phänomen wird auf vielerlei Weise offensichtlich. Es gibt ein unausgesprochenes Unbehagen
angesichts der kulturellen und politischen Hegemonie
Amerikas. Man verdächtigt uns, Pläne für eine
weltweite Vorherrschaft zu schmieden, selbst wenn die
Beweise auf das Gegenteil hindeuten. Die außenpolitische Führungsrolle der Vereinigten Staaten kann
bisweilen anmaßend erscheinen, aber Präsident
Clinton hat persönlich die Notwendigkeit einer kooperativen amerikanischen Einstellung zur Führungsrolle
in diesem neuen Zeitalter betont. Dies ist in Deutschland weniger ein Thema als in einigen anderen Teilen
Europas, aber ich habe auch hier davon reden gehört.

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Dann gibt es Amerika als gesellschaftliches und
wirtschaftliches Modell. Während meiner frühen Tage
in Deutschland war die Einstellung zu Amerika überwältigend positiv. Wir waren für viele ein Vorbild.
Später wurden wir für manche Deutschen zum Beispiel
für alles, was moderne Gesellschaften nicht tun sollten.
Jetzt werden wir wieder überall beneidet. Wir sind
tatsächlich stolz auf unsere Gesellschaft und ihre
jüngsten Leistungen. Sie wurden durch harte Arbeit
und viele Debatten möglich. Wir können anderen
manches beibringen. Aber wir sind kein Modell.
Schließlich gibt es Amerika als Philosophie. Es gibt
einen "American way of life", der immer noch eine der
revolutionärsten Philosophien in der Menschheitsgeschichte darstellt. Wir glauben an Gerechtigkeit und
Offenheit. Wir beurteilen die Menschen nach dem,
was sie können; nicht danach, wer sie sind und woher
sie kommen. Es ist leicht, sich in Amerika und im
Umgang mit Amerikanern wohlzufühlen, ungeachtet
der eigenen Herkunft. Diese Offenheit bringt Kreativität und Leistung hervor. Sie ist eines der Geheimnisse
unseres Erfolgs.
Europa und Deutschland sind folglich mit Beziehungen
zu mehreren Amerikas gleichzeitig konfrontiert. Wir
sind in politischer und militärischer Hinsicht die
wichtigste Macht in Europa und auf der Welt. Ohne
unser Engagement könnte es keine europäische
Stabilität geben. Gleichzeitig definieren wir den
Rahmen für einen Großteil der sozialen und technologischen Fortschritte Ende des 20. Jahrhunderts.
Unsere Dynamik scheint manchmal genau die Unabhängigkeit und das Verantwortungsbewußtsein zu
hemmen, die wir bei anderen - insbesondere in
Deutschland - fördern wollen.

Manchmal schafft es

Unmut, der amerikanischen Führung bei Fragen folgen
zu müssen, auf die wir Amerikaner eindeutig nicht alle
Antworten haben. Das Fehlen einer offenen militärischen Konfrontation erschwert es bisweilen noch
mehr, unsere Macht zu akzeptieren.
Es deutet nichts darauf hin, daß die sich selbst reproduzierende Dynamik der Vereinigten Staaten
abnehmen wird - egal was der Konjunkturzyklus uns
bringen mag. Während die europäische Welt ihren
Bürgerkrieg des 20. Jahrhunderts beendete, wurden
die Vereinigten Staaten allmählich zum Sammelbecken
für soziale und technologische Innovationen auf der
ganzen Welt.
Letztlich liegt die Stärke unseres Landes nicht in
seinen Armeen oder seiner Währung. Unsere wirkliche Stärke wird unsere Fähigkeit sein, Ideen und
Aktionen hervorzubringen und Probleme auf unerwartete Weise zu lösen. Wir ziehen die Begabungen
von Menschen verschiedener Nationalität und Herkunft
an und "amerikanisieren" sie auf ziemlich ungewöhnliche Weise. Diese neuen Amerikaner übernehmen
nicht notwendigerweise die Gebräuche unserer

AMERIKA DIENST 24

�europäischen Vergangenheit. Aber sie übernehmen
Amerika als System und als Philosophie und machen
es stärker.
Ein Großteil dieser Ereignisse hat unabhängig von der
Politik der US-Administration stattgefunden - egal
welche Partei an der Macht war. Das Votum des
amerikanischen Kongresses beeinflußt sie nicht oft.
Selbst wenn wir uns manchmal über Tendenzen in
unserer Politik Sorgen machen, uns nach innen zu
wenden, hat sich die Zahl der Amerikaner, die im
Ausland leben und arbeiten, in den letzten zehn
Jahren nahezu verdoppelt. Die Ergebnisse unseres
einzigartigen Systems werden nicht als offizielle Kultur
oder Außenpolitik exportiert, sondern als die Synthese
von Ideen, die oft von anderen in unser Land gebracht
worden sind.
Wenn wir diesen Aspekt der amerikanischen Realität
besser verstehen, werden wir erfolgreicher bei der
Formulierung einer neuen Definition der deutschamerikanischen Partnerschaft sein. Zum Beispiel: Es
sind nicht die äußerlichen Beispiele der Beziehungen,
die wichtig sind. Zunehmend wird es auch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmen sein, der
unsere neue Welt definiert. Anstatt sich über Europa
und Amerika als separate Gebilde Sorgen zu machen,
definieren unsere Geschäftsleute und Wissenschaftler
auf der Basis unserer integrierten Bestrebungen eine
gemeinsame Realität. Amerikanische und europäische Unternehmen haben gleichermaßen Teil an den
Ergebnissen der sogenannten "Globalisierung".
Traditionelle Definitionen von Partnerschaft und
nationalem Interesse passen nicht in diese neue
Situation. Die Amerikaner selbst haben oft Schwierigkeiten, die Auswirkungen dieser neuen Art weltweiter
Synthese zu verstehen, die von ihrer Gesellschaft
hervorgebracht wird. Die etablierten außenpolitischen
Instrumente haben keinen Einfluß auf den machtvollen
Wandel, der stattfindet. Um nur ein Beispiel zu
nennen: Der US-Dollar ist weltweit so sehr zu einer
gemeinsamen Währung geworden, daß seine Fälschung zu einem "globalisierten" Handel großen Stils
geworden ist. Unsere Regierungen geben jährlich
Millionen in dem Versuch aus, dem entgegenzuwirken.
Sowohl Freunde der Vereinigten Staaten als auch die
Amerikaner selbst sind öfters durch diesen Trend
verwirrt. Wie sieht die Zukunft der sogenannten
gleichgewichtigen Partnerschaft aus, wenn der
überwältigende Einfluß der Vereinigten Staaten mit
jedem Jahr stärker zu werden scheint? Wie und wann
sollen Amerikaner ihren Einfluß geltend machen? Was
tun wir, wenn Partner sich nicht beteiligen können oder
wollen? Wie können Alternativen zu amerikanischen
Lösungen, von denen viele logisch und wichtig sind, in
diesem zunehmend amerikanischen Äther noch gehört
werden?

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Ich möchte ein paar einfache Gedanken anbringen.
Sie stellen keine Lösungen dar, könnten bei unserer
Suche nach einer neuen Definition, die ich bereits
angesprochen habe, jedoch hilfreich sein:
Visionen sind nicht die Antwort. Insbesondere
die atlantische Welt sollte sich nicht mit Debatten darüber beschäftigen, wer gleichberechtigter oder wer mehr im Recht ist. Wir haben
einen gemeinsamen Rahmen für Zusammenarbeit geschaffen. Wir sollten zulassen, daß
er funktioniert.
Es gibt kein Monopol auf gute Ideen. Die
Europäer fragen oft, wann Amerika sie wie
gleichberechtigte Partner behandeln wird. Auf
vielen Gebieten tun wir das bereits. Auf
einigen Gebieten, wie dem Handel, haben wir
es mit einer europäischen Supermacht zu tun.
Aber der Wunsch nach Einheit sollte nicht
benutzt werden, um neue Ideen oder Wandel
abzublocken. Die europäischen Methoden
sind nicht genau die gleichen wie die der
Amerikaner, aber sie sollten auch nicht als
Vorwand für andere Interessen benutzt werden. Was zählt, ist der Inhalt.
Abhängigkeit liegt im Auge des Betrachters.
Wer jedoch versucht, die Dinge nur aus dem
Grund anders zu machen als Amerika, um
nicht abhängig zu erscheinen, schlägt fehl.
Einer der faszinierendsten Aspekte dieser
neuen amerikanischen Dynamik liegt darin,
daß sie nicht imperialistisch im traditionellen
Sinne ist. Wir entwickeln Lösungen, keine
Gesellschaftsmodelle. Die Innovationen eines
multikulturellen Amerikas sind per definitionem
das Produkt zahlreicher Kulturen und können
sich für Situationen innerhalb und außerhalb
Amerikas eignen.
Die Bedeutung des Dialogs
Warum ist es dann so entscheidend, daß unser neues
Bayerisch-Amerikanisches Zentrum Erfolg hat? Weil
die Lösungen für viele der von mir hier angesprochenen Fragen im Dialog und in gemeinsamen Bestrebungen liegen - nicht in konkurrierenden Definitionen der
Realität. Die neue Definition der deutsch-amerikanischen Partnerschaft wird wahrscheinlich ebenso aus
praktischer Zusammenarbeit hervorgehen wie aus
Zukunftsvisionen. Wir haben eine starke Grundlage.
Darauf müssen wir aufbauen.
Es gibt sowohl Herausforderungen als auch Chancen.
Die traditionelle Vorgehensweise wird auch in Zukunft
unter Druck geraten. Es wird Differenzen und sogar
Kontroversen geben. Der Fortschritt mag oft langsam,
der Druck des Wandels manchmal überwältigend
erscheinen. Viele derselben Kriterien hätten auf die

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�ersten Jahre unserer Partnerschaft vor 50 Jahren
angewendet werden können. Mehr als 45 Jahre lang
hat das Amerika Haus München als Podium für die
Herausforderungen des Wandels gedient. Wir haben
unsere Aufgaben brillant erfüllt.
Das neue Bayerisch-Amerikanische Zentrum ist mit
einer ähnlichen Herausforderung konfrontiert. Ich

wollte einige Gedanken darüber darlegen, was es tun
sollte. Was wir jetzt alle tun sollten, ist, es startklar zu
machen. Ich sage Ihnen mein vollständiges persönliches Engagement und das meiner Regierung für den
Erfolg dieser Bestrebungen zu. Ich weiß, daß die
Menschen in München und Bayern diese Herausforderung ebenso deutlich sehen.

* * * * *

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�USA-DEUTSCHLAND
10. Dezember 1997

Deutschland und Amerika - eine selbstverständliche
Partnerschaft
von Botschafter John C. Kornblum

EBENHAUSEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 2. Dezember 1997 bei der Stiftung
Wissenschaft und Politik in Ebenhausen gehalten hat.

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, zu den Freunden
und Mitgliedern der Stiftung zu sprechen.

Stabilität und sogar der Wohlstand Europas eng
miteinander verbunden sind.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik ist für ihre
konzeptionelle Denkweise auf dem Gebiet der Weltpolitik bekannt. Daher freue ich mich ganz besonders,
daß Sie mich gebeten haben, über die Dynamik von
zwei der wichtigsten Entwicklungen in den internationalen Beziehungen der letzten Jahrzehnte zu
sprechen, nämlich die Erweiterung der Europäischen
Union und der NATO sowie die Interdependenz dieser
beiden Prozesse.

1949, als der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten sich mit dem Nordatlantikvertrag befaßte,
stellte er eine explizite Verbindung zwischen der NATO
und der europäischen Integration her. Der Ausschuß
formulierte damals: "... der Nordatlantikpakt stellt die
Mittel für Zusammenarbeit bei Fragen der kollektiven
Sicherheit und nationalen Verteidigung bereit und
schafft damit ein günstiges Klima für weitere Schritte
zu einer immer engeren europäischen Zusammenarbeit." Fünfzig Jahre später besitzt diese Behauptung
immer noch viel Gültigkeit.

Überlegen Sie sich einen Moment, in welcher Situation
wir uns vor nur zehn Jahren befanden. Deutschland
war geteilt, Osteuropa wurde von kommunistischen
Systemen beherrscht, und in den Beziehungen
zwischen Moskau und Washington war ein gefährliches militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und
West das zentrale, dominierende Thema. Damals
hätte sich niemand träumen lassen, daß wir heute die
Mitgliedschaft Polens in der NATO oder die Mitgliedschaft Ungarns in der EU erörtern würden. Und ich
hätte sicherlich nicht gedacht, daß ich heute hier, in
einem vereinigten Deutschland eine Rede über diese
beiden Erweiterungsprozesse halten würde.
Die dramatische Umgestaltung seit dem Ende des
Kalten Krieges hat uns zum Umdenken gezwungen.
Gleichzeitig hat sie uns auch die Gelegenheit gegeben, einige wesentliche Grundsätze wiederzuentdekken, die in den letzten Jahrzehnten als Leitgedanken
für unsere Politik gedient haben. Einer dieser Grundsätze lautet, daß diese Institutionen in einem größeren
Zusammenhang operieren und Integration, Sicherheit,

AMERIKA DIENST 24

Veränderungen finden statt und müssen natürlich
stattfinden. Die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit
der europäischen Verbündeten ist ein wichtiges Ziel.
Eine Schlüsselaufgabe ist sicherzustellen, daß die
europäische Verteidigungssäule im atlantischen
Bündnis eine immer wichtigere Rolle übernimmt.
Wann und wie das geschehen soll, war während der
vergangenen 20 Jahre Gegenstand äußerst komplexer
Debatten.
Ferner haben wir erörtert, ob die NATO in der Welt
nach dem Ende des Kalten Krieges eine Rolle übernehmen sollte. Vor sechs Jahren stand die NATO an
einem Scheideweg: Der Kalte Krieg war vorüber, der
Hauptzweck der NATO - die Abwehr einer potentiellen
sowjetischen Bedrohung - existierte nicht mehr. Viele
Menschen stellten die Frage: "Wozu benötigen wir
noch eine NATO?"

Seite 1

�Das Bündnis selbst stellte sich diese Frage und
fandeine Antwort: Weil die NATO das effektivste
Militärbündnis in der Geschichte ist und ihr eine
wesentliche Rolle dabei zukommt, zum ersten Mal in
der Geschichte einen ungeteilten, friedlichen und
sicheren Kontinent zu schaffen. Aber wir erkannten,
daß sich die NATO verändern muß, um dieser Rolle
gerecht zu werden.
Seit sechs Jahren paßt sich die NATO den Realitäten
der Zeit nach dem Kalten Krieg und dem neuen
Sicherheitsumfeld in Europa an. In diesem Sommer
haben wir in Madrid die wichtigsten Schritte unternommen, um diese Anpassung vorzunehmen und unser
Ziel eines geeinten und von Konflikten freien Europas
zu verwirklichen. Heute prüft der amerikanische Senat
die Frage der Erweiterung.
Ebenso wie 1949, als die Senatoren aufgefordert
wurden, ihren Rat und ihre Zustimmung zu unserem
Atlantischen Pakt zu geben, unterziehen sie seine
Bedeutung einer eingehenden Prüfung. Der ehemalige Außenminister Dean Acheson äußerte in seinen
Memoiren, er wollte, daß die Senatoren damals "den
Platz des Vertrags in der sich entwickelnden Strategie
des Westens" berücksichtigten. Er wollte, daß sie ihn
als Teil eines größeren Zusammenhangs in einem
neuen Zeitalter sahen.
Der Zweck einer Rückschau auf diese Ereignisse
besteht darin, sowohl die Kontinuität als auch den
Wandel in unserer transatlantischen Welt zu unterstreichen. Ohne die Entscheidung unserer Gesetzgeber beeinflussen zu wollen, zeichnet sich meiner
Ansicht nach ab, daß es uns gelungen ist, im Falle der
NATO-Erweiterung den Wandel für uns arbeiten zu
lassen. Und das ohne größere Unruhen. Überlegen
Sie nur einen Augenblick: 1997 scheint es die natürlichste Sache der Welt zu sein, daß Polen, die Tschechische Republik und Ungarn unserem Bündnis
beitreten.
Auch die Europäische Union paßt sich an. Der
Erweiterungsprozeß hat begonnen, die interne Reform
der EU-Strukturen wird erörtert, und im Integrationsprozeß der Europäischen Union steht ein Meilenstein
bevor - die Wirtschafts- und Währungsunion.
Die EU hat das Potential, dazu beizutragen, noch
bestehende Trennlinien und Brüche in Europa zu
überwinden. Ebenso wie die Aussicht auf die NATOErweiterung die Länder Zentraleuropas veranlaßt hat,
sich als potentielle Verbündete statt als Gegner oder
Konkurrenten zu sehen, hat auch die Aussicht auf die
EU-Mitgliedschaft diese Länder ermutigt, die erforderlichen und manchmal schmerzlichen Schritte zu
unternehmen, um ihre Wirtschafts- und Rechtssysteme
auf den richtigen Weg zu bringen. Die erfolgreichsten
unter ihnen haben das getan und gleichzeitig die
zusätzlichen Lasten und Kosten der Annahme von EU-

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Normen für ihre Produkte übernommen, lange bevor
sie in der Lage sein werden, uneingeschränkt auf
europäischen Märkten zu agieren.
Der Kolumnist der New York Times, Thomas Friedman, hat die Idee politischer Hard- und Software
populär gemacht - wobei Hardware die Marktwirtschaft
und Software die Rechtsstaatlichkeit ist. Die EU hat
das Potential, die Entwicklung beider Systeme zu
beeinflussen und zu ermutigen, und das ist keine
leichte Aufgabe in einer Region, die bis vor kurzem
durch Totalitarismus politisch stranguliert und durch
Planwirtschaft wirtschaftlich gelähmt wurde.
Durch die Möglichkeit des Beitritts zu einem so
gewichtigen Markt und solch einer Gemeinschaft
wurden diese Länder aufgefordert, die erforderliche
Hardware zu entwickeln, um zu konkurrieren und zu
prosperieren. Gleichzeitig wurden sie vor die Herausforderung gestellt, die hohen politischen Standards der
EU-Mitglieder anzunehmen:
Rechenschaftspflicht,
Unabhängigkeit des Rechtssystems, Gewaltenteilung die Merkmale rechtsstaatlicher Systeme.
Wir haben in diesen Ländern bereits bemerkenswerte
Veränderungen beobachtet. Die gründliche Überprüfung der Verfassungen, die Schaffung eines
Gewinne machenden Privatsektors, die Einführung
ziviler Kontrolle des Militärs, demokratische Wahlen das sind nur einige Punkte auf einer langen Liste von
Leistungen seit 1989.
Die Aussicht, über eine Mitgliedschaft in der EU und
der NATO wieder zu einem lebendigen und integralen
Teil Europas zu werden, erklärt zu einem großen Teil
die Dynamik des radikalen Wandels in diesen Ländern. Diese Länder wissen, daß es in unseren Institutionen keinen Platz für Konflikte oder Animositäten
gibt und durch Zusammenarbeit sehr viel mehr erreicht
werden kann.
Aus diesem Grund ist es von elementarer Bedeutung,
daß der Erweiterungsprozeß weiterhin so weit wie
möglich nach außen gerichtet ist und ein offenes Ende
hat. Wir dürfen keine neuen Trennlinien ziehen oder
irgendeinem Land in Europa die Tür zu neuen Chancen verschließen.
Es wurde gesagt, wir hätten die Wahl: Wir können
entweder Stabilität exportieren oder Instabilität importieren. Diese Aussage enthält in der Tat sehr viel
Wahres: Zum einen glaube ich, daß sie den externen
Druck übertreibt, unter dem wir uns dem Erweiterungsthema stellen. Zum anderen meine ich, daß sie unser
eigenes Interesse an der Erweiterung nicht gebührend
berücksichtigt.
Der Fall Türkei und EU verdeutlicht meinen Punkt.
Sowohl die Türkei als auch die EU haben ein Interesse
an der Stärkung ihrer Beziehungen, und wir alle haben

AMERIKA DIENST 24

�ein Interesse an der Entwicklung der Türkei als
starker, wohlhabender, säkularer und demokratischer,
in die westliche Gemeinschaft integrierter Staat. Es ist
daher von elementarer Bedeutung, daß unser Ziel
darin bestehen sollte, die Türkei in westlichen Institutionen zu verankern und ihre Orientierung zum
Westen zu unterstützen.
Die Entscheidung der Türkei, sich dem Westen
zuzuwenden, geht auf den Anfang dieses Jahrhunderts zurück. Damals traf die Türkei eine weitblickende, strategische Entscheidung, in der wir sie
nach Möglichkeit nicht enttäuschen oder behindern
sollten. Daher hoffen wir, daß die Diskussion über die
Beziehungen der Türkei zur EU der Bedeutung des
Säkularismus in der Türkei Rechnung trägt.
Angesichts der historischen Entscheidung der Türkei,
sich dem Westen zuzuwenden, wäre es eine Ironie
des Schicksals, wenn die Europäische Union die Tür
zu einem möglichen Beitritt der Türkei verschließen
sollte. Die Einbeziehung der Türkei in die europäische
Konferenz beim bevorstehenden Gipfeltreffen in
Luxemburg ist ein konkreter Schritt, die westliche
Orientierung der Türkei gleichermaßen zu berücksichtigen und zu ermutigen.
Natürlich werden Fragen im Zusammenhang mit der
Aussicht auf Freizügigkeit gestellt. Und die Türkei muß
noch ihre demokratischen Institutionen konsolidieren.
Es ist von entscheidender Bedeutung, daß sich die
Erwägungen der EU bezüglich der Türkei auf solche
substantiellen Anliegen konzentrieren.
Sie mögen fragen: Was veranlaßt die Vereinigten
Staaten, über interne Prozesse der EU zu sprechen?
Natürlich trifft es zu, daß die Vereinigten Staaten in der
EU keine Stimme haben. Aber das bedeutet nicht, daß
wir keine Meinung zu den Problemen haben, vor die
sich die EU gestellt sieht. Wir möchten eine erfolgreiche EU, die ihrem Potential gerecht wird und zu
Stabilität, Sicherheit und Wohlstand in Europa beiträgt.
Die Vereinigten Staaten sind integraler Bestandteil der
europäischen Realität, ebenso wie Europa integraler
Bestandteil der amerikanischen ist.
Wenn ich die aktuellen Debatten in Europa über diese
fundamentalen Themen höre, frage ich mich manchmal, ob die Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts und ihre Auswirkungen vollständig verstanden
worden sind. Man ist sich bewußt, daß Änderungen
vorgenommen werden müssen wie Erweiterung,
Reform und Kürzungen der Budgets. Allzu häufig
scheint jedoch die Betonung auf der Last statt auf der
Chance zu liegen, die sie darstellen.
Gelingt es uns nicht zu erkennen, wie gut es uns geht,
weil wir unsere Bestrebungen und das Geld unserer
Steuerzahler in die Erweiterung der Gemeinschaft
demokratischer Staaten investieren statt in die Ein-

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dämmung des Kommunismus und die Verhinderung
eines Krieges? Und haben wir darüber hinaus nicht
jeden Grund, unsere Strukturen wo immer möglich für
Staaten zu öffnen, die sich an unseren wichtigsten
Institutionen beteiligen und zu ihnen beitragen wollen,
ohne eine größere Last zu sein?
Es ist kein Geheimnis, daß einige im amerikanischen
Kongreß sagen, die Europäische Union hätte gut
daran getan, eine sehr viel größere Gruppe von
Kandidaten zur Beteiligung an der bevorstehenden
Erweiterung einzuladen. Eine ähnliche Sichtweise
wurde in Europa und Deutschland zum Ausdruck
gebracht. Diese Meinungen wurzeln in der Sorge, daß
die historischen Chancen nicht voll und ganz genutzt
werden.
Mit anderen Worten: Wir sollten das Ausmaß nicht
unterschätzen, in dem wir die Konturen der Zukunft
durch unsere heutigen Aktionen gestalten können. Wir
müssen unser Bewußtsein schärfen, daß künftige
Probleme durch einen jetzt vertretenen vorausschauenden Ansatz minimiert, wenn nicht sogar verhindert
werden können.
Die Geschichte Europas während der vergangenen 50
Jahre bestätigt diese These voll und ganz. Die engen
Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zwei ehemaligen Feinden - wurden in der Werkstatt
der europäischen Integration geknüpft. Es war der
Weitblick von Menschen wie Jean Monnet, Konrad

Adenauer und George Catlett Marshall, der diesen
Beziehungen und dem umfassenderen Prozeß der
europäischen Integration den Weg zum Erfolg ebneten.
Ich beeile mich hinzuzufügen, daß es der Schutz der
NATO war, der die tiefgreifende und permanente
Integration der europäischen Union ermöglichte. Ohne
die äußere Sicherheit, wie sie vom Atlantischen
Bündnis garantiert wird, hätten der derzeitige Wohlstand und die Stabilität Europas wahrscheinlich nicht
geschaffen werden können.
Abschließend möchte ich über die Bedeutung der
deutsch-amerikanischen Partnerschaft in dem Prozeß
der Umgestaltung und Erweiterung unserer Institutionen sprechen. Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist ein großer Erfolg und ist in diesem Prozeß
selbstverständlich geworden. Das heißt nicht, daß wir
uns gegenseitig als selbstverständlich hinnehmen
können. Es heißt vielmehr, daß wir ein so hohes Maß
an Verständnis, eine so starke Gemeinschaft und so
viele gemeinsame Interessen haben, daß es manchmal schwierig ist, von zwei verschiedenen Gebilden zu
sprechen.
Der deutsch-amerikanische Pfeiler der transatlantischen Welt ist gleichzeitig ihre Antriebsachse. Ohne
unsere enge Zusammenarbeit wäre im letzten Jahr-

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�zehnt vieles nicht erreicht worden, und Zusammenarbeit ist der Schlüssel zu unserem Erfolg im nächsten
Jahrhundert.

Ich wünsche uns weiter Erfolg in der Zukunft sowie die
dazu erforderlichen Eigenschaften: Kreativität und Mut.

* * * * *

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