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dienet

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26. November 1997

23

USA-DEUTSCHLAND

DIE HERAUSFORDERUNG FÜR
AMERIKA HÄUSER
Rede von John C. Kornblum

WIRTSCHAFT

USA FORDERN ABKOMMEN ZUR
BESTRAFUNG VON BESTECHUNG
von Wirtschaftsminister William Daley
BESTECHUNG MUSS GEACHTET WERDEN
von Stuart Eizenstat

DATENAUTOBAHN

USA WOLLEN MÖGLICHST WENIG
REGULIERUNG DES INTERNET
von Larry Irving

THANKSGIVING

DIE NATIONEN LERNEN DIE LEKTION
VON FREIHEIT UND DEMOKRATIE
Proklamation des Präsidenten zu Thanksgiving

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-DEUTSCHLAND
26. November 1997

Die Herausforderung für Amerika Häuser
Rede von John C. Kornblum

HAMBURG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 20. November 1997 im Amerikazentrum in Hamburg
gehaltene Rede.

Dies ist wirklich ein bedeutender Anlaß für mich. Ich
habe meine diplomatische Laufbahn 1965 in Hamburg
direkt nach dem Collegeabschluß mit sehr wenig
Ahnung von dem Job begonnen, den ich tun sollte. Ich
habe schnell gelernt und damit genau in diesem
Gebäude hier angefangen. Es war nicht meine
offizielle Tätigkeit im Konsulat, die mich mit Hamburg,
Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammenbrachte, es war nicht meine Arbeit im Büro, die mir
einen ersten Eindruck von der Rolle der Vereinigten
Staaten in einem immer noch geteilten Deutschland
vermittelte. Es waren die Kontakte, Diskussionen und
Konferenzen, an denen ich unter der Schirmherrschaft
des Amerika Hauses Hamburg teilnahm. Und ich
sollte hinzufügen, daß die Bande zwischen den
Vereinigten Staaten und Norddeutschland in beträchtlichem Maße durch die Arbeit dieser Institution und
ihrer engagierten deutschen und amerikanischen
Mitarbeiter geknüpft wurden.
Wenn ich mir diese schöne Stadt betrachte, sehe ich
sehr viel Vertrautes. Aber ich sehe noch viel mehr,
das sich verändert hat - sehr viel mehr, als ich vor 32
Jahren hätte ahnen können. Eine der wichtigsten
Veränderungen ist die Art, in der wir miteinander
reden. Die Art, in der wir diese atlantische Gemeinschaft aufbauen, die uns so viel bedeutet hat.
Während meiner Jahre in Hamburg waren die "Medien" - wie wir sie jetzt bezeichnen - auf die offiziellen
Programme des Norddeutschen Rundfunks, die
hervorragenden Zeitungen dieser Stadt und die
unregelmäßigen
Lieferungen
englischsprachiger
Publikationen beschränkt. Manchmal gelang es mir,
AFN-Bremerhaven oder den World Service der BBC
zu hören. Aber alle Teile der Welt - einschließlich der

AMERIKA DIENST 23

Vereinigten Staaten - hatten nur begrenzten Zugang zu
Eindrücken aus dem Ausland.
Auch Deutschland war 1965 ein anderer Ort. Die physischen und psychischen - Wundes des Krieges
waren noch sehr gut sichtbar. Die Berliner Mauer war
erst vier Jahre alt. Die Botschaft Amerikas war noch
immer eine der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Ein amerikanischer Diplomat war überwältigt von den
Fragen und der Neugier bezüglich unseres Landes.
Das Amerika Haus spielte eine entscheidende Rolle
bei der Wiederherstellung des Selbstvertrauens dieser
Stadt. Es bot eine Verbindung zu der weiten Welt. Es
gab Beispiele für Fortschritt im modernen Zeitalter. Es
durchbrach die Isolation, in die Deutschland während
und nach der schrecklichen Zeit des Dritten Reichs
gefallen war.
In manchen Jahren spielte das Amerika Haus eine
andere Rolle. Es war das Zentrum von Diskussionen,
Debatten und manchmal der Wut junger Deutscher
über die Verwirrungen des Wandels. Als meine Zeit in
Hamburg zu Ende ging, trat an die Stelle der Sicherheit
der Nachkriegszeit die Unsicherheit einer postindustriellen Kultur - eine Kultur, die sich rasch entwickelte.
Neue Werte wurden erprobt, und die einstmals
bequeme schützende Rolle der Vereinigten Staaten
schien einer Generation im Weg zu stehen, die dem
Konservatismus der Nachkriegszeit entfliehen wollte.
Passenderweisewaren es die Vereinigten Staaten, die
ein Modell für die Veränderungen boten. Jugendkultur
und Studentenrevolten waren auch ein Import aus
Amerika. Wir führten lange und harte Diskussionen.
Traurigerweise eskalierten die Diskussionen manch-

Seite 1

/

�mal zu Gewalt. Auch diese Zeit erduldete das Amerika
Haus loyal.
Heute ist Amerika weder ein Hafen für ein gebrochenes Deutschland noch ein Ziel für die Frustrationen
eines neu entstehenden Deutschlands. Unsere beiden
Länder sind heute das Rückgrat einer wachsenden
transatlantischen
Gemeinschaft
demokratischer
Nationen. Gemeinsam haben wir den Kalten Krieg und
die Teilung Deutschlands überwunden. Gemeinsam
haben wir die Grundlagen für die erste Periode eines
demokratischen Friedens in der Geschichte Europas
geschaffen. Unsere Partnerschaft ist natürlich und
unentbehrlich. Und das Beste kommt noch!
An der Schwelle zu diesem hoffnungsvollen neuen
Zeitalter müssen wir auch sorgfältig darüber nachdenken, wie wir miteinander sprechen und voneinander
lernen. Wir brauchen nicht mehr drei Tage lang auf
englischsprachige Nachrichten zu warten. Amerikanische Bücher können unverzüglich im Internet bestellt
werden. Wir werden mit Eindrücken aus aller Welt
überschüttet. Es ist nicht schwer, aktuelle Nachrichten
aus jedem Teil der Welt zu erhalten. Internationale
Kultur - vor allem die amerikanische - ist allgegenwärtigDie Tage, in denen Amerika die Welt von draußen
nach Deutschland bringen mußte, sind lange vorüber.
Man muß einem besiegten Land nicht mehr Demokratie und amerikanische Kultur einflößen. Statt dessen
benötigen wir einen konzertierten Dialog zwischen
Partnern über die vielen Herausforderungen, mit
denen wir uns an der Schwelle zu diesem neuen
Jahrhundert konfrontiert sehen. Wir müssen offen und
eingehend reden. Und wir müssen die vielen Personengruppen zusammenbringen, die jetzt unsere
Kontakte und Partnerschaften ausmachen.
Wir haben in der Tat Glück, daß die Geschichte der
Kontakte und Dialoge zwischen Amerika und Deutschland in Hamburg und Norddeutschland so omnipräsent
ist. Die Arbeit des Amerika Hauses und des Generalkonsulats der Vereinigten Staaten kann auf über zwei
Jahrhunderte geschäftlicher, intellektueller und
familiärer Bande aufbauen, um eine neue Art von
Partnerschaft für das 21. Jahrhundert zu gründen.
Jetzt besteht unsere Arbeit darin, diesen Dialog
relevant und effizient zu machen. Die offiziellen
Programme der US-Regierung, die das Amerika Haus
so erfolgreich gemacht haben, sollten in zunehmendem Maße durch eine Mischung aus privaten, staatlichen und ehrenamtlichen Aktivitäten ersetzt werden,
die die breite Palette unserer Kontakte und unserer
Partnerschaft widerspiegeln.
Der Geist des neuen Amerikazentrums reflektiert
diesen Wandel. Die Vereinigten Staaten werden die
Arbeit des Amerikazentrums weiterhin entschieden
unterstützen. Ich habe Ihnen versprochen, mich

Seite 2

persönlich zu engagieren, damit die Qualität unseres
Dialogs verbessert wird und die Beteiligung zunimmt.
Wir sprechen nicht über eine neue Cyberwelt im
Internet, wie manche behauptet haben. Unsere
Aufgabe ist es, die Menschen zusammenzuführen, um
gemeinsame Belange zu erörtern, gemeinsame
Interessen auszumachen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Ich hoffe, daß wir uns den Wandel zunutze machen
können, um eine neue Grundlage für den
deutsch-amerikanischen Dialog in Hamburg zu
schaffen. Wir können die Führungsrolle aus den
Händen der Regierungen in die Hände derjenigen
legen, die am meisten profitieren - unsere jungen
Menschen, Wissenschaftler, Geschäftsleute und
Bürger aus allen Bevölkerungsschichten.
Mit dem Übergang vom Amerika Haus zum neuen
Amerikazentrum verringern wir nicht die kulturelle
Präsenz Amerikas in Norddeutschland und beschränken zweifelsohne auch nicht den Dialog zwischen
unseren Ländern. Unser Ziel besteht in der verstärkten Einbeziehung von Gruppen und Einzelpersonen auf beiden Seiten des Atlantiks in die Finanzierung
und Pflege unserer Kontakte.
Wir haben in München mit der Einrichtung des neuen
"Bayerisch-Amerikanischen Zentrums" einen ähnlichen
Schritt unternommen.
In dieser weit entfernten
süddeutschen Stadt hat eine Koalition aus Regierung,
Universitäten und privaten Vereinigungen die Herausforderung angenommen. Ich weiß, daß die Reaktion in
Hamburg ebenso stark sein wird.
Lassen Sie mich hervorheben, was wir meines
Erachtens unternehmen müssen. Es geht hier nicht
darum, sich einer alten Institution anzunehmen, die
sich die Regierung der Vereinigten Staaten nicht
länger leisten kann. Es bedeutet zweifelsohne nicht,
ein Informationsprogramm der amerikanischen
Regierung durch private Institutionen finanzieren zu
wollen. Vielmehr geht es hier um die Erkenntnis, daß
Deutschland und die Vereinigten Staaten in der Welt
von Morgen eine besondere Grundlage haben, auf der
sie aufbauen können. Wenn die Vereinigten Staaten
Deutschland geholfen haben, die Zerstörung des
Krieges zu überwinden, dann waren es die Stärke und
Vision der Deutschen, die den Vereinigten Staaten bei
der Definition und Umsetzung ihrer neuen Rolle in
Europa geholfen haben.
Im Vorfeld des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke
brauchen wir uns keine großen Gedanken über das
von uns Erreichte zu machen. Wenn wir über die
durch die Wiedervereinigung Deutschlands herbeigeführten Veränderungen nachdenken, brauchen wir
uns nicht vorzustellen, wie die Welt ohne das Engagement unserer beiden Länder für die Beendigung der
Teilung Europas ausgesehen hätte.

AMERIKA DIENST 23

�Mit anderen Worten: Wir sind besondere Partner. Und
diese besondere Partnerschaft kann hier in Europa
und in Deutschland am besten gelebt werden. Das
neue Amerikazentrum kann dieser besonderen
Verantwortung Form und Inhalt geben. Es kann
Geburtsstätte einer neuen Art des Dialogs und Austausche werden, die ebenso wichtig sind wie die ersten
zögernden Kontakte, die wir hier vor 45 Jahren
anknüpften.
Ich bin überzeugt, daß Hamburg seine Herausforderung auf dieselbe Art und Weise meistern wird wie
München. Wir können in Nord- und Süddeutschland
zusammenarbeiten, um eine neue Art des Dialogs und
der Partnerschaft zu schaffen, die über die Herausforderung der Kriegzeiten hinaus in eine neue Zukunft
für unsere Länder und die atlantische Welt weist.
Dieselbe Überzeugung veranlaßte den Rektor der
Universität Hamburg, Dr. Jürgen Lüthje, und eine
Reihe anderer engagierter Menschen zur Gründung
des Amerikazentrums Hamburg e.V.
Die US-Regierung unterstützt diesen privaten Verein
durch das US-Informationsamt (United States Informa-

*

AMERIKA DIENST 23

tion Service - USIS) mit einer Sachspende von mehr
als 500.000 DM. Das beinhaltet Möbel und Regale im
Wert von 150.000 DM, Computer und Drucker im Wert
von 10.000 DM, eine Büchersammlung von 200.000
DM sowie Zeitungen und Zeitschriften im Wert von
65.000 DM. Im kommenden Jahr wird USIS auch eine
Zeitschriftensammlung auf CD-ROM im Wert von
17.000 DM, neue Nachschlagewerke im Wert von
9.000 DM sowie eine Anschubfinanzierung von 51.000
DM in bar bereitstellen.
Ferner unterstützt USIS das Amerikazentrum durch die
Entsendung von Sprechern für öffentliche Kulturprogramme.
Vieles wird beim Alten bleiben. Aber eines wird sich
verändern. In München wird das Gebäude des
Amerika Hauses als Heimat der neuen Institution
überleben. In Hamburg ist das noch nicht sicher. Ich
freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Senat und
der Universität, um das Amerikazentrum zu einem
Erfolg zu machen. Ich hoffe, daß ein Teil des Erfolgs
der Fortbestand dieser bekannten Adresse - Tesdorpfstraße 1 - als Zentrum unseres Dialogs über diese
Stadt sein wird.

• * *

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
26. November 1997

USA fordern Abkommen zur Bestrafung
von Bestechung
von Wirtschaftsminister William Daley

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von US-Wirtschaftsminister William Daley, in dem dieser ein
internationales Vorgehen gegen Bestechung bei Geschäftstransaktionen fordert.

In meiner kurzen Zeit als Wirtschaftsminister habe ich
beobachtet, wie das folgende deprimierende Szenarium sich mit entmutigender Regelmäßigkeit wiederholte: Ein Entwicklungsland vergibt ein großes Infrastrukturprojekt - das angeblich das Leben seiner Bürger
verbessert - an ein Unternehmen oder Konsortium, das
weder in Bezug auf Preis, noch auf Qualität oder
Erfahrung an der Spitze liegt. Später erfahren wir
dann, daß die Vergabe mit Hilfe von Bestechung
erfolgte.
Korruption hat viele Formen. Aber ungeachtet dessen,
welche Form sie hat, sind ehrliche Unternehmen und
unschuldige Bürger dabei die Verlierer.
Seit Mitte 1994 wissen wir, daß bei der Vergabe von
ungefähr 180 internationalen Handelsverträgen durch
ausländische Unternehmen Bestechungsgelder im
Wert von nahezu 80 Milliarden Dollar gezahlt wurden.
In 80 Prozent der Fälle, in denen ein Unternehmen
einem ausländischen Staatsbeamten ein Bestechungsgeld zahlt, wird der Vertrag an dieses Unternehmen
vergeben. Die Londoner Times zitierte kürzlich die
Behauptung des Vorstands eines großen multinationalen deutschen Unternehmens, es würde 10 Jahre
dauern, Personal, Kontakte und Verbindungen im
Ausland neu zu besetzen, die sich derzeit alle auf die
Grundlage "notwendiger" Bestechung stützen.
Als Wirtschaftsminister bin ich erbost, wenn ich sehe,
daß ehrliche Unternehmen Vertragsabschlüsse an
Unternehmen verlieren, die Schindluder treiben. Für
noch betrüblicher halte ich es jedoch, daß Korruption
der Wirtschaftsentwicklung der weniger entwickelten
Länder schadet.

AMERIKA DIENST 23

Vergangenen Mai traf ich mit den Wirtschafts-, Finanzund Außenministern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
zusammen, und die Vereinigten Staaten wandten sich
gemeinsam mit 28 anderen Mitgliedstaaten gegen die
Plage transnationaler Bestechung. Wir OECD-Minister
einigten uns auf den Abschluß einer Konvention bis
Ende dieses Jahres, die Ende nächsten Jahres in Kraft
treten und alle Mitgliedstaaten verpflichten soll, die
Bestechung ausländischer Staatsbeamter bei Geschäftstransaktionen unter Strafe zu stellen. Die
OECD wird einen Kontrollmechanismus in Gang
setzen, um die effektive Umsetzung und Durchsetzung
dieser Konvention sicherzustellen. Das war eine
historische Entscheidung.
Nach der ersten Verhandlungsrunde im Juli schien der
Abschluß einer effektiven Konvention bis Ende 1997
ein erreichbares Ziel zu sein. Ich bin jedoch äußerst
betrübt, daß bei der Zusammenkunft im Oktober bei
einigen entscheidenden Fragen ernsthafte Rückschritte gemacht wurden.
Einfach ausgedrückt: Wir müssen sicherstellen, daß
diese Konvention im Zusammenhang mit Geschäftstransaktionen stehende Bestechung ausländischer
Gesetzgeber, politischer Parteien und ihrer Funktionäre sowie staatlicher Unternehmen wirksam verbietet.
Die OECD-Minister einigten sich im Mai darauf, die
Bestechung von Gesetzgebern in die Konvention
aufzunehmen. Die deutschen und österreichischen
Verhandlungspartner bestehen jetzt jedoch darauf,
daß nur eine kleine Kategorie von Bestechungsgeldern
an Gesetzgeber illegal sein sollte. Sie argumentieren,

Seite 1

�die Konvention müßte entweder ihre nationalen
Gesetze widerspiegeln, die generell nur die Bestechungsgelder verbieten, die im Gegenzug zu einem
bestimmten Abstimmungsverhalten an Gesetzgeber
gezahlt werden, oder ihre Unternehmen müßten von
den strengeren Bestimmungen der Konvention gegen
die Bestechung ausländischer Gesetzgeber ausgenommen werden.
Ebenso betrüblich ist, daß die meisten OECD-Mitgliedstaaten die Position beziehen, die Konvention sollte
keine Bestimmungen über die Bestechung politischer
Parteien und ihrer Funktionäre bei internationalen
Geschäftstransaktionen beinhalten. Stellen Sie sich
vor, wie effektiv eine Konvention wäre, die keine
Bestechung politischer Apparate wie dem Mobutus in
Zaire oder dem von Ferdinand Marcos auf den Philippinen verbietet. Die Vereinigten Staaten haben solche
Schmiergelder seit 1977 verboten.
Und wir müssen die gesamte Palette der Unternehmen
einbeziehen, die im Besitz von Regierungen sind oder
von ihnen kontrolliert werden, da es in den Entwicklungsländern viele solcher Firmen gibt. Tun wir das
nicht, könnte allein dieses Schlupfloch die Konvention
ernsthaft schwächen.
Diese Positionen sollten für die Minister, die sich im
Mai auf die Bestrafung von Bestechung einigten,
äußerst beunruhigend sein. Ist es nach den politischen Bestechungsskandalen, die in den letzten
Jahren in der OECD so viel Schaden anrichteten,
möglich, daß irgendein OECD-Mitgliedsland öffentlich
darauf besteht, daß diese Konvention nicht die Bestechung staatlicher Unternehmen, ausländischer
Gesetzgeber, politischer Parteien und ihrer Funktionäre unter Strafe stellt? Wenn diese Formen der Beste-

chung nicht abgedeckt werden, schaffen wir beträchtliche Schlupflöcher. Anstatt eine Konvention über die
Ächtung von Bestechung zu verabschieden, gehen wir
das Risiko ein, den Weg zu "legaler" Bestechung zu
weisen.
Eine andere entscheidende Frage ist, wann diese
Konvention in Kraft treten soll. Verschiedene OECDMitgliedsländer, darunter Frankreich, Deutschland und
Japan, bestehen darauf, daß sie nur in Kraft treten
darf, wenn eine kritische Masse großer Nationen sie
unterzeichnet - und führen als Grund die Sorge an, die
Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen würde
untergraben. Zweifelsohne wären diese Schlüsselländer unter den ersten, die diese Konvention ratifizieren
und würden zusammen mit den Vereinigten Staaten
eine wirklich kritische Masse bilden. Wer die Ratifizierung der Konvention verzögert, wird unter starken
Druck seiner Handelspartner geraten.
lch bleibe dem im Mai von den Ministern formulierten
Ziel entschlossen verpflichtet. Ich kenne eine Reihe
von OECD-Mitgliedsländern, die ihm ebenso verpflichtet sind. Ich bitte diejenigen, die sich nicht an die
im Mai eingegangenen Verpflichtungen halten und
auf unklugen Beschränkungen des Umfangs dieser
Konvention bestehen, das zu tun, wovon sie wissen,
daß es richtig ist.
Vor der von uns im Mai für Dezember festgesetzten
Frist findet nur noch eine Verhandlungsrunde statt.
Wir wollen unsere Entschlossenheit erneuern, diese
Frist einzuhalten. Wir wollen die ausstehenden Fragen
bei der Sitzung im November lösen und ein strenges
Abkommen ohne Schlupflöcher ausarbeiten, das die
Bestechung ausländischer Staatsbeamter auf allen
möglichen Kanälen wirksam unter Strafe stellt.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�WIRTSCHAFT
26. November 1997

Bestechung muß geächtet werden
von Stuart Eizenstat

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Staatssekretärs für wirtschaftliche, unternehmerische und
landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stuart Eizenstat.

Die meisten der größten industrialisierten Demokratien
der Welt stehen bereit, um einen historischen Schritt
im Kampf gegen Korruption zu unternehmen. In den
nächsten Wochen werden 34 Regierungen versuchen,
in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) den endgültigen Wortlaut
einer weitreichenden Konvention auszuarbeiten, in der
die Bestechung ausländischer Beamter bei internationalen Geschäftstransaktionen als illegal erklärt wird.
Die Kosten der Bestechung sind hoch. Schmiergelder
verzerren den Handel, führen zu schlechter Regierungsführung in den Entwicklungsländern und bestrafen die Bürger dieser Länder durch höhere Preise
für die bei der Bestechung involvierten Produkte und
Dienstleistungen.
Nach ihrer Fertigstellung wird die Konvention den
Strom von Schmier- und Bestechungsgeldern wieder
auf die wachsenden Märkte der Entwicklungsländer
zurückleiten. Sie wird die Wirtschaftsentwicklung
fördern, Rechenschaftspflicht und gute Regierungsführung unterstützen sowie freien und fairen Wettbewerb in internationalen Unternehmen stärken.
Es steht enorm viel auf dem Spiel. Verträge über
staatliche Beschaffung in Milliarden-Dollar-Höhe pro
Jahr beinhalten beispielsweise internationalen Wettbewerb mit entscheidenden Auswirkungen auf das
Wirtschaftswachstum und die Entwicklung in den
Gastländern. Die vorgeschlagene Konvention wird die
Chancen entschieden verbessern, daß solche wichtigen Entscheidungen eher auf wirtschaftlicher Effizienz
statt auf der persönlichen Habgier der korrupten
Beamten gründen.

AMERIKA DIENST 23

Mehrere Schlüsselfragen müssen jedoch in den
abschließenden Verhandlungen über diese Konvention
noch geklärt werden. Wir müssen sicherstellen, daß
das Bestechungsverbot nicht nur alle Beamten der
Exekutive, Legislative und Judikative erfaßt, sondern
auch Beamte öffentlicher Unternehmen, die sich im
Besitz der Regierung befinden oder von ihr kontrolliert
werden. Wir müssen Strafen für Firmen, die der
Bestechung bezichtigt werden, effektiv und abschreckend machen. Und wir müssen gewährleisten,
daß diese neue Konvention unverzüglich umgesetzt
wird, sobald Länder zu ihrer Inkraftsetzung bereit sind.
Dies sind entscheidende Punkte, aber es ist wichtig,
daß wir uns insbesondere auf eine andere, ungelöste
Schlüsselfrage konzentrieren: Ob es unter Strafe
gestellt wird, bei internationalen Geschäftstransaktionen Bestechungsgelder an politische Parteien im
Ausland und ihre Funktionäre zu zahlen.
Es geht hier nicht darum, legale Zahlungen an politische Parteien im Ausland zu verbieten, die nach den
dortigen Gesetzen gestattet sind. Vielmehr geht es
darum, die Zahlungen an Parteien und ihre Funktionäre abzuschaffen, die im Gegenzug für das Versprechen eines Parteifunktionärs geleistet werden, eine
gewünschte staatliche Maßnahme zu ergreifen.
Teilweise vor dem Hintergrund von Enthüllungen Mitte
der siebziger Jahre über von amerikanischen Unternehmen an politische Parteien gezahlte Bestechungsgelder verbietet das amerikanische Gesetz über
ausländische korrupte Praktiken solche Schmiergeldzahlungen explizit seit 1977. Ich war als wichtigster
innenpolitischer Berater Präsident Carters an der
Ausarbeitung dieses Gesetzes beteiligt. Es verbietet
die Zahlung von Bestechungsgeldern durch amerikanische Unternehmen an ausländische Staatsbeamte

Seite 1

�mit dem Ziel von Vertragsabschlüssen und stellt die
Zahlung von Bestechungsgeldern durch Unternehmen
unter Strafe.
In einem Großteil der Entwicklungsländer fließt der
Strom staatlicher Macht und der Entscheidungsprozesse ebenso leicht durch stark kontrollierte
politische Parteien wie durch die Ministerien. Die
Zahlung einer großen Summe kann ebenso effektiv zur
Beschaffung staatlicher Aufträge beitragen wie die
Bestechung eines korrupten Staatsbeamten. Das gilt
insbesondere für Länder, in denen das politische
System von einer einzigen Partei dominiert wird.
Stellen Sie sich vor, wie effektiv eine OECD-Konvention über die Bekämpfung von Bestechung wäre, die
kein Verbot der Zahlung von Bestechungsgeldern an
politische Parteien in Ländern wie Zaire unter Mobutu
oder den Philippinen unter Ferdinand Marcos enthielte.
Gibt es irgendeinen Grund zu der Annahme, daß
skrupellose Unternehmen ihre Zahlungen von Bestechungsgeldern nicht einfach nur auf von starken
Männern kontrollierte politische Organisationen
verlagern?
Sollte eine solche Vorgehensweise
weiterhin legal (und in manchen Ländern sogar
steuerlich absetzbar) sein?
Die Antwort sollte ein entschlossenes "Nein" sein.

*

Seite 2

Eine OECD-Konvention, die keine Bestimmungen zu
Bestechungsgeldern für ausländische politische
Parteien und ihre Funktionäre beinhaltet, würde die
Möglichkeit der Zahlung von Bestechungs- und
Schmiergeldern offenlassen und vielleicht sogar
wegweisend für weitere Korruptionsversuche unehrlicher Wirtschaftsvertreter werden.
Es bleiben nur noch wenige Wochen, um die von den
OECD-Ministern im Mai eingegangene Verpflichtung
zu erfüllen, bis Ende des Jahres eine Konvention über
die Bekämpfung von Korruption zu verabschieden.
Die OECD-Regierungen haben beträchtliche Fortschritte zur Erlangung dieses Ziels gemacht. Wir
müssen jedoch sicherstellen, daß die Konvention
umfassend und effektiv ist - und zu diesem Zweck bei
internationalen Geschäftstransaktionen die Zahlung
von Bestechungsgeldern an politische Parteien und
ihre Vertreter verbieten.
Allzu lange ist die Zahlung von Bestechungsgeldern
international als "Geschäftspraktik" entschuldigt
worden. Für die Korruption wurde in Form von
vergeudeten wirtschaftlichen Ressourcen und politischer Instabilität ein zu hoher Preis gezahlt. Die
OECD-Regierungen sind kurz davor, solchen Praktiken Einhalt zu gebieten. Wir müssen sicherstellen,
daß wir diese Aufgabe erfüllen.

*

AMERIKA DIENST 23

�DATENAUTOBAHN
26. November 1997

USA wollen möglichst wenig Regulierung des Internet
von Larry Irving

(AD) - Der nachfolgende Artikel des Abteilungsleiters für Kommunikation und Information im US-Wirtschaftsministerium, Larry Irving, erschien erstmals in leicht abgewandelter Form im Handelsblatt vom 22723. November
1997.

Das Internet wird auf vielerlei Weise beschrieben. Ich
möchte eine Metapher für das digitale Zeitalter hinzufügen - Jazz.
Ein amerikanischer Jazzkritiker
argumentierte kürzlich, Jazzmusik - insbesondere der
improvisierte Jazz - verkörpere eine Ästhetik, die
wesentliche Lebens- und Aktionsmuster widerspiegelt.

Ferner hat das Internet neue Kommunikationswege für
diejenigen eröffnet, die in den traditionellen Medien auf
große Zugangsbeschränkungen gestoßen sind. Ein
Grund dafür ist, daß die Anbieter von Inhalten besseren Zugang zum Internet haben und damit von den
Verbrauchern gewünschter Inhalt angeboten wird.

Die Musiker in einem Jazzensemble werden durch die
grundlegenden Rhythmen und Sequenzen verbunden.
Auf dieser Basis sind sie kreativ, denken sich Variationen des Themas aus, strukturieren es um, reagieren
auf den Beitrag ihrer Mitspieler, spielen mit ihnen
zusammen und bereichern das Ganze.

Wir in den Vereinigten Staaten haben das beispielsweise im Hinblick auf Minderheiten beobachtet. Eine
jüngste Studie von Target Market News kam zu dem
Ergebnis, daß Afroamerikaner im vergangenen Jahr
mehr als zweieinhalbmal soviel für Online-Dienste
ausgaben als die Haushalte von Weißen, weil diese
Dienste für ihre Gemeinschaft wertvoller sind.

Die Analogie zwischen dem digitalen Zeitalter und dem
Jazz ist verblüffend.
Telekommunikations- und
Informationstechnologien schaffen Netzwerke und
versetzen den Einzelnen gleichzeitig in die Lage, das
zu tun, was er am besten kann. Individuelle Kreativität
und Innovation werden durch Kommunikation und
Interaktivität unterstützt und bereichert.
Heute verkörpert das Internet die Fähigkeit neuer
Technologien, dem Einzelnen mehr Möglichkeiten zu
bieten. Das Internet gibt den Menschen eine neue
Stimme und die Macht, sie zu gebrauchen. Die
Menschen kommunizieren direkt mit den Regierungsmitgliedern und den Gemeindevertretern.
Elektronischer Geschäftsverkehr ist das elementare
unternehmerische Medium, das von Menschen auf der
ganzen Welt genutzt wird - von Künstlern in New
Mexico über Teppichweber in Marokko bis zu Korbmachern in Botswana.

AMERIKA DIENST 23

Kein Kommunikationsmedium hat jemals ein so
schnelles Wachstum erlebt wie das Internet. Niemand
hatte dieses Wachstum richtig prognostiziert. Niemand
hat meines Wissens vor drei Jahren vorausgesagt,
daß Ende dieses Jahres 82 Millionen Personalcomputer Zugang zum Internet haben würden, wobei die
Geschäftswelt führend ist. Oder daß bis Ende 1997
2,7 Milliarden E-mails verschickt würden. Oder daß
Ende 1996 80 Prozent der von Fortune aufgelisteten
500 führenden Unternehmen eine Webseite hätten.
1996, als 85 Prozent der Werbung im Internet mit der
Computer- oder Hightechindustrie zusammenhingen,
hätte niemand prognostiziert, daß 1997 80 Prozent
dieser Anzeigen den Durchschnittsverbraucher zum
Ziel haben würden.
1995 sah meines Wissens
niemand vorher, daß die Investoren 1997 OnlineInvestitionen in Höhe von mehr als 100 Milliarden
Dollar tätigen würden.

Seite 1

�Vor drei Jahren hätte niemand vorhergesagt, daß "real
audio" 1995 im Internet akustisch und 1996 mit Bild
senden würde, oder daß "RealNetwork" 1997 erstmals
ein großes Publikum im Internet audiovisuell erreichen
würde.
Wer hätte vor drei Jahren, als Telefonieren im Internet
noch ein Hobby war, prognostiziert, daß es 1998 ein
ernstzunehmender Konkurrent zum traditionellen
Fernsprechverkehr würde, und daß im Zusammenhang mit Telefonieren im Internet stehende Aktien an
der Börse heiß gehandelt würden?
Der Wert des Internet als Medium für elektronischen
Geschäftsverkehr wird nicht länger in Zweifel gezogen.
Schätzungen von Forrester Research zufolge werden
in den nächsten fünf Jahren Waren und Dienstleistungen im Wert von 327 Milliarden Dollar im
Internet gehandelt. Einer Studie von International Data
Corp. zufolge plant fast die Hälfte (46,4 Prozent) der
amerikanischen Unternehmen, ihren Kunden die
Möglichkeit zum Kauf ihrer Produkte über das Internet
zu geben oder bietet diesen Service bereits an.
Internet-Nutzer haben bereits einen Markt für Software
und Dienstleistungen mit schätzungsweise 12,2
Milliarden Dollar Einnahmen im Jahr 1997 aufgebaut ein 60-prozentiger Anstieg im Vergleich zu den 7,5
Milliarden Dollar von 1996. INPUT, ein Informationsdienst für die Technologiebranche, prognostiziert, daß
der weltweite Verkauf von Waren und Dienstleistungen
durch CD-ROM-Kataloge, Online-Geschäfte und
Internet-Einkaufszentren von 700 Millionen Dollar 1995
bis zum Jahr 2000 auf 230 Milliarden Dollar ansteigen
wird - eine Wachstumsrate von insgesamt mehr als
200 Prozent.
Diese Prognosen orientieren sich am Markt und an der
Technologie.
Wo war die Regierung bei all diesen Entwicklungen?
In den Vereinigten Staaten trat die Regierung großenteils nicht in Erscheinung - und das sollte auch so sein.
Praktisch alle Entscheidungen über die Entwicklung
und den Einsatz neuer Technologien werden vom
Markt und auf dem Markt getroffen. Die treibende Kraft
dieser digitalen Revolution sind die Unternehmer, die
Erfinder und die Verbraucher. In den meisten Fällen
beinhalten diese Entwicklungen Entscheidungen, die
die Regierung nicht beeinflussen kann und sollte.
Die Clinton-Administration vertritt die Ansicht, daß das
Internet genau aus dem Grund ein sprunghaftes
Wachstum erlebte, weil es als laufendes Projekt
angesehen und nicht reguliert wurde. Wir fürchten,
daß Regulierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach
nur zu einer Beschränkung von Investitionen und
Innovationen des Privatsektors und damit zu einer

Seite 2

Behinderung des Wachstums des Internet führen würde.
Das Internet und der elektronische Geschäftsverkehr
wecken Interesse und Unternehmergeist, die neue
Produkte und neue Geschäftspraktiken hervorbringen.
Man spürt das, wenn man sich mit jemandem unterhält, der im Internet aktiv ist und über das Netz
kommuniziert.
Die Clinton-Administration hat ihre Vision und die zu
deren Realisierung erforderlichen Grundsätze und
Maßnahmen in einem am 1. Juli 1997 von Präsident
Clinton veröffentlichten Dokument "Ein Rahmen für
globalen elektronischen Geschäftsverkehr" dargelegt.
Dieser Rahmen basiert auf der grundlegenden Prämisse, daß die Regierungen zur Nutzung des gesamten Potentials des elektronischen Geschäftsverkehrs einen marktorientierten Ansatz zum elektronischen Geschäftsverkehr ohne staatliche Eingriffe
durch Regulierung wählen müssen, der das Entstehen
eines transparenten und vorhersehbaren rechtlichen
Umfelds für die Unterstützung von weltweitem Geschäftsverkehr und Handel erleichtert.
Die Regierungen müssen die einzigartige Natur von
Kommunikationsnetzen respektieren und sich bewußt
werden, daß weitverbreiteter Wettbewerb und zunehmende Auswahl der Verbraucher - und nicht strenge
Regulierung - die charakteristischen Merkmale eines
neuen digitalen Marktes sein sollten.
Vizepräsident Gore hat die Grundsätze dieses Rahmens als Hippokratischen Eid für das Internet bezeichnet, der die Regierung ermahnt, als erste Regel zu
beachten: "Du sollst niemandem Schaden zufügen."
Wenn ich die staatlichen Bestrebungen betrachte, das
Internet zu regulieren, sehe ich, daß der Wunsch nach
Regulierung teilweise auf Unwissenheit zurückzuführen ist - viele von uns in der Regierung verstehen
die neue Technologie nicht.
Manche Regulierungsbestrebungen sind aus Angst
geboren - einer Angst, daß wir von den neuen Technologien überrollt werden. Und offen gesagt, manche
wollen aus Neid regulieren - einige Regierungen sind
besorgt, die Vereinigten Staaten würden das Web und
seinen Inhalt jetzt und in Zukunft dominieren.
Diese letztgenannte Besorgnis kann sicherlich am
besten ausgeräumt werden, wenn andere Nationen
ihre Beiträge zum Internet verbessern und das Net
fördern, anstatt lästige und schlechte Gesetze oder
Vorschriften zuzulassen oder zu ermutigen.
Wir sollten uns immer vor der Last von Vorschriften
hüten. Ich wurde daran erinnert, als ich in einem
neueren Artikel in der National Review folgende
Statistik las: "Das Vaterunser hat 66 Worte, die

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�Gettysburg Address 286 Worte, die Unabhängigkeitserklärung 1.322 Worte, aber die Vorschriften der
Regierung zum Verkauf von Kohl haben insgesamt
26.911 Worte."
Wer versteht, welche Richtung wir mit dem elektronischen Geschäftsverkehr einschlagen wollen, weiß
zweifelsohne auch, daß die Regierungen durch
freiwillige Selbstkontrolle der Versuchung zu regulieren
widerstehen müssen.
Präsident Clinton und Vizepräsident Gore haben
absolut Recht - die Länder sollten nicht übereilt die
Aktivitäten im Internet regulieren.
Die Clinton-Administration ist besorgt über den
Versuch einiger Nationen, das Internet zu regulieren sei es in Form einer Zensur des Inhalts (Singapur,
China), des Verbots von Telefonieren im Internet
(Tschechische Republik) oder neuer Steuern. Natürlich haben auch wir in den Vereinigten Staaten Momente der Schwäche erlebt - und die Gerichte haben
uns geholfen, wenn wir versucht waren, zu regulieren.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, daß neue Gesetze
erlassen werden. Zweifelsohne erfordert es jedoch die
energische Durchsetzung bestehender Gesetze.
Drittens sollten die Regierungen einen vernünftigen
Steuerplan ausarbeiten.
Die Forderung des Präsidenten sicherzustellen, daß
das Internet eine steuerfreie Zone ist, zeigt den
richtigen Weg. Das Internet wird durch eine Reihe von
Steuern auf kommunaler und Bundesebene, die zu
einer übermäßigen Belastung werden, Nachteile
erleiden.
Viertens sollten die Regierungen mit der Industrie
zusammenarbeiten und diese ermutigen, technologische Möglichkeiten zu bieten, Kinder vor Zugang zu
Material im Internet zu schützen, das ihre Eltern oder
Erziehungsberechtigten für unangemessen halten.
Fünftens sollten die Regierungen staatliche Dienstleistungen im Internet anbieten.

Ebenso wichtig ist, daß auch internationale Organisationen das Internet nicht regulieren sollten. Bestehende internationale Organisationen - beispielsweise die
internationale Fernmeldegewerkschaft ITU (International Telecommunications Union) und die Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual
Property Organization - WIPO) - sollten keine globalen
Regulierungsbehörden werden, und es sollten keine
neuen Institutionen zur Regulierung des Internet ins
Leben gerufen werden.

Diese Dienstleistungen können von der Beantragung
von Lizenzen bis zur Berücksichtigung von Zonenerlässen reichen. Die Clinton-Administration hat es zu
einer Priorität gemacht, daß die Bundesbehörden auf
diesem Gebiet mehr unternehmen, und infolgedessen
stellt die Bundesregierung einen sehr großen Teil ihrer
Informationen elektronisch zur Verfügung - von
Katastrophenhilfeformularen über Anträge für Stipendien bis zu Formularen für die staatliche Beschaffung.
Trotzdem kann auf diesem Gebiet noch viel mehr
getan werden.

Von Regulierung Abstand zu nehmen, bedeutet nicht,
daß es für die Regierung keine angemessene Rolle
gibt. Die Regierung kann und sollte verschiedene
äußerst wichtige Tätigkeiten übernehmen, um den
elektronischen Geschäftsverkehr und das Wachstum
des Internet zu fördern.

Sechstens müssen wir das Recht auf geistiges
Eigentum schützen, damit Musik, Filme und Kunst
angeboten werden, aber die Piraterie, die sie bereits
um Einnahmen von nahezu 11 Milliarden Dollar
beraubt hat, auf dem globalen elektronischen Markt
nicht explosionsartig ansteigt.

Erstens sollten Regierungen ein günstiges Investitionsklima schaffen.
Wir müssen Bestrebungen zur
Liberalisierung der Märkte fördern.

Die Verkäufer müssen wissen, daß ihr geistiges
Eigentum nicht gestohlen wird, und die Käufer müssen
wissen, daß sie authentische Produkte erhalten.

Wir müssen das Versprechen des Telekommunikationsgesetzes von 1996 realisieren. Und die Umsetzung der WTO-Abkommen über Basistelekommunikationsdienste und Informationstechnologie ist von
entscheidender Bedeutung.
Liberalisierung und
verstärkte Privatinvestitionen werden zusammen zur
weiteren Verbreitung von Netzen führen, die wiederum
die Technologie und ihre Anwendung am Arbeitsplatz
und zu Hause fördern.

Siebtens sollten die Regierungen mit der Industrie
zusammenarbeiten, um im vernetzten Umfeld den
Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten, damit die
Menschen auf diesem elektronischen Markt unbesorgt
Geschäfte abschließen können.

Zweitens sollten die Regierungen etwas gegen Betrug
im Internet unternehmen. Die Verbraucher benötigen
in der virtuellen Welt ebensoviel Schutz wie in der
physischen.

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Wir müssen uns für den Schutz der Privatsphäre von
Kindern im Netz einsetzen. Und wir müssen die
Privatsphäre von Verbrauchern schützen, damit
privilegierte Informationen, die rechtmäßig für eine
Transaktion verwendet werden, nicht auf andere,
unerlaubte Art und Weise genutzt werden können.

Seite 3

�Der Privatsektor hat viel zu einem sinnvollen, verbraucherfreundlichen, selbstbeschränkenden Schutz
der Privatsphäre beigetragen, und unseres Erachtens
ist das der richtige Weg für den Umgang mit diesem
Thema.
Schließlich können Regierungen eine wertvolle Rolle
übernehmen sicherzustellen, daß alle Teile der
Gesellschaft von den neuen Telekommunikations- und
Informationstechnologien und ihrer Anwendung
profitieren.
Anekdoten liefern eine überzeugende Begründung für
die Ausweitung des Internet auf unterentwickelte
Länder.
1995 gründete beispielsweise der Internationale Fonds
für landwirtschaftliche Entwicklung der UNO (International Fund for Agricultural Development - FAD) das
Kommunikationsnetz FidAmerica in dem Bestreben,
wiederholte Fehler bei landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekten zu vermeiden und in 17 Ländern
Lateinamerikas und der Karibik praktische Informationen zu verbreiten.
Dieses Netzwerk bot ein elektronisches Forum für
einen Dorfhäuptling aus dem Amazonasgebiet, den in
der Entwicklungshilfe Tätigen zu erklären, wie seine
Gemeinde einen Vertrag mit Body Shop über den
Verkauf ätherischer Öle aushandelte. Es gestattete
chilenischen Farmern, ihr Überangebot an Kartoffeln
anzubieten und zu verkaufen. Und es ermöglichte
einem Bauern aus der Dominikanischen Republik, die
Frage eines Guatemalteken zur Bewässerung zu
beantworten.

Rede von Jeff Kennett, dem Ministerpräsidenten von
Victoria, in der dieser eloquent über die Verantwortung
der Regierungen und führenden Politiker für die
Informationsgesellschaft sprach.
Er erklärte: "Wir ziehen eine Generation auf, die keine
direkte Erfahrung mit den wichtigsten Ereignissen in
der Geschichte des 20. Jahrhunderts gemacht hat, für
die Elektronik aber zur zweiten Natur geworden ist.
Für sie muß es ein Gleichgewicht zwischen technologischem Fortschritt und bürgerlichen Werten geben,
damit die Vorteile dieser Fortschritte der gesamten
Gemeinschaft zukommen... Die Herausforderung
besteht darin, sich auf die wirklich erstaunlichen
technologischen Entwicklungen vorzubereiten, die
stattfinden werden, und Pläne auszuarbeiten, wie sie
weltweit zum Guten eingesetzt werden können."
Wir müssen sicherstellen, daß jeder Amerikaner, jedes
Mitglied der Weltgemeinschaft, von der Informationsgesellschaft profitiert.
Der Fernsehnachrichtensprecher Tom Brokaw erklärte
in einer Rede vor der Abschlußklasse der Fairfield
University in Connecticut: "Es ist leicht, schnell ein
paar Dollar zu verdienen, aber es ist schwer, im Leben
wirklich etwas zu bewirken." Unsere Herausforderung
besteht im Einsatz dieser Technologien für das Gute.
Ebenso wie beim Jazz stellt die Abstimmung der
Begabung des Einzelnen mit den Erfordernissen der
Gruppe eine große Herausforderung dar. Und ebenso
wie das beste Jazzensemble kann auch die Gesellschaft dieses Gleichgewicht herstellen. Wir werden mit
zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, aber auch
mit enormen Chancen - als Einzelne und als Nationen.

Als ich in Australien war, hörte ich eine großartige

* * * * *

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�THANKSGIVING
26. November 1997

Die Nationen lernen die Lektion
von Freiheit und Demokratie
Proklamation des Präsidenten zu Thanksgiving

WASHINGTON - (AD) - Wenn Amerika in diesem Jahr am 27. November Thanksgiving feiert, wachsen seine
Kinder, so Präsident Clinton, "frei von den Schatten des Kalten Krieges und der Bedrohung des nuklearen
Holocaust auf".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Proklamation des Präsidenten.

Ein anderes Jahr unserer amerikanischen Reise ist ins
Land gegangen. Der Wechsel der Jahreszeiten
bildete einen weiteren Jahreszyklus, und in Amerika ist
Erntezeit.
Erneut werden Millionen Amerikaner
gemeinsam mit ihren Familien und Freunden Gott für
die zahlreichen Segnungen danken, die er uns zuteil
werden ließ.
An diesem Thanksgiving sind wir wie jeden Tag
dankbar für das Geschenk der Freiheit, für die Vision,
die die Gründerväter unserer Nation Realität werden
ließen und die durch den Mut, die Wachsamkeit und
Opferbereitschaft von Generationen von Amerikanern
bewahrt wurde. Wir sind dankbar für den Reichtum
und die Schönheit dieses großartigen Landes, das
über die Jahre hinweg so viele an seinen Küsten
willkommen geheißen hat. Wir danken für die Liebe
unserer Familien und Freunde. Wir freuen uns, durch
die Frucht ehrlicher Arbeit für die Zukunft unserer
Kinder sorgen zu können. Und ebenso wie die
Pilgerväter, die vor mehr als 300 Jahren Thanksgiving
feierten, danken wir Gott, daß er uns sicher an die
Schwelle zu einer neuen Welt geführt hat, die voller
belebender Herausforderungen und Versprechen
steckt.
In dieser neuen Welt wachsen unsere Kinder frei von
den Schatten des Kalten Krieges und der Bedrohung
des nuklearen Holocaust auf. Einst im Kommunismus
gefangene Nationen lernen die Lektion von Freiheit
und Demokratie. Die technologische Revolution hat
die Menschen einander näher gebracht und beinhaltet

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die Aussicht auf mehr Wissen und Wohlstand für die
ganze Welt.
Mehr als drei Jahrhunderte des Wandels und Wachstums trennen uns von den Pilgervätern und ihren
indianischen Freunden, die Thanksgiving gemeinsam
das Mahl einnahmen. Aber das Vorbild und die
Erfahrung dieser frühen Amerikaner haben für uns
heute immer noch große Bedeutung. Sie erinnern uns
daran, daß die Liebe Gottes uns stärkt und stützt - als
Einzelnen und als Nation. Sie erinnern uns daran, daß
jeder einen Beitrag leisten kann und wir alle bereichert
werden, wenn wir lernen zu teilen. Sie vermitteln uns
eine einfache, aber überzeugende Lektion, die jede
Generation von Amerikanern lernen und weitergeben
muß: Wir brauchen einander. Ebenso wie die Pilgerväter sollten wir, wenn wir in unserer neuen Welt
prosperieren wollen, nicht als isolierte Einzelne
vorgehen, sondern als Mitglieder einer Familie, eines
Amerikas, indem wir unsere Gaben teilen und niemanden zurücklassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir durch die Verfassung und die Gesetze der
Vereinigten Staaten verliehenen Befugnis, Donnerstag,
den 27. November 1997 zum nationalen Feiertag
Thanksgiving. Ich fordere alle Bürger der Vereinigten
Staaten auf, sich im Geiste des guten Willens und beim
Gebet zu Hause, in Gotteshäusern und Gemeindezentren zu versammeln, um Gott ihren tiefempfundenen
Dank für die zahlreichen Segnungen des Lebens zum

Seite 1

�Ausdruck zu bringen und unseren Brüdern und
Schwestern in diesem Land, die gemeinsam unsere
großartige amerikanische Familie bilden, die Hand der
Freundschaft zu reichen.

Unterzeichnet am 21. Tag des November, im Jahre
des Herrn 1997 und im 222. Jahr der Unabhängigkeit
der Vereinigten Staaten von Amerika.

William J. Clinton

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

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