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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

I.Oktober 1997

19

POLITIK

CLINTONS INNEN- UND AUSSENPOLITISCHE
AGENDA
Rede des Präsidenten vor der American University

NAHER OSTEN

ALBRIGHT: ARABISCHE WELT MUSS SICH
GEEINT FÜR FRIEDEN UND SICHERHEIT
EINSETZEN
Rede der US- Außenministerin vor dem GolfKooperationsrat

NATO

ALBRIGHT: WIR WOLLEN, DASS DER FRIEDEN
BESTAND HAT
Rede der Außenministerin vor dem Ständigen
Gemeinsam Rat der NATO

**

DIE NATO-ERWEITERUNG - LEICHTSINN ODER
NOTWENDIGKEIT?
Rede von Botschafter Robert Hunter

USA-EUROPA

DIE NEUE TRANSATLANTISCHE AGENDA
Rede von Staatssekretär Eizenstat

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�POLITIK
I.Oktober 1997

Clintons innen- und außenpolitische Agenda
Rede des Präsidenten vor der American University

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Clinton am 9. September 1997 vor der
American University gehaltene Rede über die innen- und außenpolitischen Zielsetzungen der Administration.

Vielen Dank. Zuerst möchte ich Ihnen allen für Ihre
herzliche Begrüßung danken. Ich habe Rektor Ladner
bereits gesagt, daß ich nach diesem wunderbaren
Willkommen eigentlich gar keine Rede mehr halten
möchte.
Ich freue mich über die Begrüßung durch den Rektor
und seine profunden Worte. Ich danke Neal Sharma
für seine Einführung und seine Führungsrolle in der
Studentenschaft.
Ich begrüße den Vorsitzenden
Jacobs und Professor Mintz, Minister Dalton und
Gattin, den Stadtverordneten Thomas, alle Treuhänder
und Ehemaligen, die Fakultätsmitglieder, den Lehrkörper, die hier anwesenden Studenten und die Freunde
der American University, die heute gekommen sind.
Viele Mitglieder unserer Administration haben an der
American University ihren Abschluß gemacht oder sind
auf andere Weise mit ihr verbunden. Dazu zählt auch
Ihr ehemaliger Rektor, Joe Duffy. Eines der wichtigsten hat mich heute hierher begleitet - die ehemalige
Dozentin Judy Winston, die Direktorin meiner Rasseninitiative ist, über die ich heute unter anderem sprechen möchte.
Der Beginn eines neuen Studienjahres ist der Zeitpunkt, an dem sich die Studenten und auch wir hier in
Washington nach der Sommerpause des Kongresses
im August wieder an die Arbeit machen. Es ist eine
Zeit echter Hoffnung und des verdienten Optimismus
für Amerika. Und das höre ich heute an Ihren lebhaften Stimmen. Meines Erachtens ist das für mich ein
guter Zeitpunkt, zu Ihnen und unserem Land darüber
zu sprechen, was wir in den verbleibenden Monaten
dieses Jahres tun müssen, um unser Land optimal auf
das 21. Jahrhundert vorzubereiten.

AMERIKA DIENST 19

Ich kann kaum glauben, daß es fast sechs Jahre her
ist, seit ich meine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekanntgab. Damals - Ende 1991 - schien
Amerika sich dem neuen Jahrhundert mit unsicheren
Schritten zu nähern. Dramatische Veränderungen
unserer Lebens- und Arbeitsweise sowie unserer
Beziehungen untereinander und zu der übrigen Welt
bedrohten die Werte, die unser Leben bestimmen. Wir
waren in Gefahr, genau zu dem Zeitpunkt als Nation
stärker gespalten zu werden, an dem wir energisch
gemeinsame Fortschritte machen sollten.
An dem Tag, an dem ich meine Kandidatur bekanntgab, erklärte ich, unsere Mission als Volk müsse darin
bestehen, den Amerikanischen Traum für alle am
Leben zu erhalten, die dafür arbeiten wollen; Amerika
weiterhin als weltweit stärkste Kraft für Frieden,
Freiheit und Wohlstand zu erhalten und unsere Bürger
über alle uns trennenden Gräben hinweg als ein
Amerika zusammenzubringen.
Die ältesten und
dauerhaftesten Werte Amerikas - Chancen für alle,
Verantwortung aller, eine Gemeinschaft aller - mußten
in einer neuen und anderen Zeit stark und lebendig
bleiben. Das erforderte einen neuen Kurs.
Unsere Nation ist jetzt seit mehr als 220 Jahren jung
und stark geblieben, indem sie stets neue Herausforderungen auf eine Art und Weise bewältigt, die
unsere ältesten Werte erneuert. Das ist die Urquelle
unserer Größe. Unsere Nation wurde nicht auf
Religion, Rasse oder Geografie gegründet, sondern
auf einer Reihe leuchtender Ideale, die zu jedem
entscheidenden Moment unserer Geschichte wiederholt, bekräftigt und befürwortet wurden: Lincoln in
Gettysburg; die Progressiven bei der Schaffung einer
neuen Freiheit für das Industriezeitalter; Franklin
Roosevelt, der Amerika im Namen unserer ältesten

Seite 1

�Ideale aus dem Abgrund rettete; Dr. King, der Amerika
aufforderte, die wahre Bedeutung unseres Credos zu
leben. In jedem Moment der Herausforderung und des
Wandels haben wir Amerikaner einen Weg gefunden,
um diese alten Ideale zu bewahren, so daß sie keine
auf Pergamentpapier geschriebenen abgedroschenen
Worte sind, sondern vielmehr lebende Wegweiser für
eine neue Ära.
Seit viereinhalb Jahren arbeiten die Amerikaner daran,
dies zu einer Zeit des Wandels für unsere Generation
zu machen. Wir haben einen mutigen neuen Wirtschaftskurs eingeschlagen, unser Haushaltsdefizit
noch vor dem jüngsten Abkommen über einen ausgeglichenen Haushalt um mehr als 80 Prozent gesenkt,
Exporte durch mehr als 200 Handelsvereinbarungen
ausgeweitet und in unsere Menschen und ihre Zukunft
investiert. Wir machten uns daran, Amerika in der Zeit
nach dem Ende des Kalten Krieges Glaubwürdigkeit
zu verleihen, neue Bündnisse zu schmieden und uns
von Bosnien bis Haiti für unsere Werte einzusetzen.
Wir befaßten uns mit einer Vielzahl tiefgehender
sozialer Probleme einer Generation; wir gingen die
Herausforderungen von Verbrechen, Sozialhilfe und
Armut mit Arbeit, Verantwortung und Gemeinschaftsaktionen an. Und wir begannen mit der Zusammenstellung einer neuen Regierung, die nicht alles tun will,
sich aber nicht damit zufrieden gibt, nichts zu tun.
Vielmehr ist es eine progressive Regierung, die sich
verpflichtet, den Menschen die erforderlichen Werkzeuge zu geben, damit sie das Meiste aus ihrem
Leben machen können.
Heute sehen wir die Ergebnisse. Die Arbeitslosigkeit
liegt unter 5 Prozent, seit 1993 wurden fast 13 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, die Inflation ist
niedrig und stabil, das Wachstum von Investitionen
und das Vertrauen der Verbraucher sind größer als
seit einer Generation. Familieneinkommen beginnen
endlich zu steigen, nachdem sie jahrzehntelang niedrig
waren.
Gewaltverbrechen nehmen seit Jahren
dramatisch ab. Wir waren Zeuge der stärksten
Abnahme von Sozialleistungen in der Geschichte.
Und viele unserer ärmsten städtischen und ländlichen
Gemeinden durchleben einen Frühling der Erneuerung.
Ende Juli erreichte Amerika einen neuen Meilenstein,
als ich den ersten ausgeglichenen Haushalt seit einer
Generation unterzeichnete. Dabei ging es um mehr
als nur um Zahlen. Er verkörpert die größte Zunahme
an Unterstützung für das Bildungswesen seit 1965. Er
umfaßt die größte Zunahme an Hilfe, damit die Menschen aufs College, auf Gemeindecolleges und
Graduate Schools gehen können. Das ist der größte
Anstieg seit der Verabschiedung des Gl-Gesetzes vor
50 Jahren - und er wird praktisch jedem die Tür zu
einem Collegebesuch öffnen, der dafür zu arbeiten
bereit ist.

Seite 2

Dieser Haushalt beinhaltet die größte Einzelinvestition
in die Gesundheitsfürsorge seit der Einführung von
Medicaid im Jahr 1965, die vor allem die Versicherung
von fast fünf Millionen Kindern zum Ziel hat, die derzeit
noch nicht krankenversichert sind. Er sieht die
Wiedereinführung gerechter Leistungen für legale
Einwanderer vor und stellt Milliarden Dollar bereit, um
den Menschen noch stärker zu helfen, die von der
Sozialhilfe wieder zur Arbeit zurückfinden wollen.
Nachdem das Haushaltsdefizit jahrelang unsere Politik
behindert und unsere Wirtschaft gelähmt hat, konnte
Amerika endlich die nächste Generation von dieser
Last befreien. Nach Jahren, in denen die beiden
Parteien oft so müde und gefangen erschienen wie
zusammengeschlagene Kämpfer in einem Ring, der
immer kleiner wird, fanden wir endlich einen Weg für
Demokraten und Republikaner, im nationalen Interesse zusammenzuarbeiten. Und damit haben wir uns
selbst bewiesen, daß Amerika noch funktioniert.
Wir dirigieren die sich heute in den Bereichen Technologie, Handel und Soziales stattfindenden Veränderungen - Veränderungen, die einst so viel Zweifel und
Unsicherheit hervorriefen - auf eine Art und Weise, die
sicherstellt, daß sie mächtige Kräfte des Guten
werden. Bei alledem möchte ich betonen, daß wir
nicht nur auf der Welle des letzten Konjunkturaufschwungs reiten. Unser Wirtschaftsplan, in dessen
Mittelpunkt ein ausgeglichener Haushalt steht, ist die
Grundlage, auf der wir die Zukunft Amerikas aufbauen.
Die Amerikaner dieser Generation gestalten und leiten
eine völlig neue Wirtschaft. Heute arbeitet ein größerer Prozentsatz von Amerikanern in der Computerindustrie als auf der Höhe der fünfziger Jahre in der
Automobilindustrie. Und in den Industriezweigen der

Zukunft - Computer, Biotechnologie, Luftfahrt - ist
Amerika weltweit führend. Aber Amerika ist auch
erstmals seit den siebziger Jahren bei Produktion und
Verkauf von Autos wieder führend.
In dieser neuen Volkswirtschaft wird es noch Höhen
und Tiefen geben, es wird Rezessionen und Krisen
geben, die Aktionen erfordern. Aber die Volkswirtschaft hat sich grundlegend verändert. Früher führten
vor allem die Goldvorräte im Boden, unser reichlich
vorhandenes Farmland oder die Kapazität unserer
Fabriken zum Reichtum der Menschen. Heute wissen
Sie ebenso gut wie jeder andere, daß die Fähigkeiten
unserer Menschen und unsere Vorstellungskraft dazu
führen.
Heute haben wir gute Nachrichten. Und angesichts
guter Nachrichten ist es am leichtesten, sich zu
erholen, Urlaub zu machen, zu glauben, daß unsere
Arbeit getan ist und zufrieden zu sein, daß unsere
Herausforderungen bewältigt sind. Aber Selbstgefälligkeit ist keine Option, und Ferien müssen in einer Zeit
voller Herausforderungen und Veränderungen weiterhin kurz sein. In der Tat muß sehr viel mehr getan

AMERIKA DIENST 19

»•

�werden, um unsere Werte zu erneuern, unsere Nation
zu stärken, noch ungelöste Probleme anzugehen,
wenn wir Ihnen wirklich das 21. Jahrhundert geben
sollen, das Sie verdienen. Wir müssen jetzt die
Schritte unternehmen, die klar vor uns liegen. Und die
Zeit für den Beginn ist jetzt - in diesem Herbst - mit
einer Reihe konkreter Aktionen, die den krönenden
Abschluß für ein Jahr echter Fortschritte für Amerika
bilden.
Zuallererst müssen wir Chancen für alle unsere Bürger
bereitstellen. Chancengleichheit ist unser zentraler
Wert, aber ihre wahre Bedeutung hat sich grundlegend
geändert. Im 19. Jahrhundert bedeutete Chancengleichheit beispielsweise die Zuteilung eines kostenlosen Stücks Land. Im 21. Jahrhundert wird es ein PellStipendium an einem Gemeindecollege, einer Handelsschule oder einer Universität sein. Und mehr
Ausbildung ist wichtig. Wir haben enorme Fortschritte
gemacht. Wie ich bereits sagte, enthält dieser Haushaltsentwurf die größte Aufstockung von Mitteln, um
den Menschen in 50 Jahren Zugang zu weiterführender Bildung zu gewähren - nicht nur das höchste PellStipendium unserer Geschichte, sondern auch
300.000 weitere Jobs, mit denen man sich das Geld für
ein Studium verdienen kann, neue Einsparungsmöglichkeiten beim privaten Rentenkonto für die
Collegeausbildung und Steuerfreibeträge, die praktisch
jedem im Land eine zweijährige Collegeausbildung
ermöglichen, der bisher keinen Zugang zum College
hatte, und eine vierjährige Ausbildung sowie den
Besuch der Graduate School gestatten. So etwas hat
es nie zuvor gegeben, und es wird die Chancen
revolutionieren, wenn es um die Möglichkeit einer
Collegeausbildung geht.
Ich möchte erläutern, warum es so wichtig ist, daß wir
uns auf die nächsten drei Monate konzentrieren. Die
Vereinbarung über einen ausgeglichenen Haushalt
enthält einen Fünfjahresplan für den Ausgleich des
Haushalts, und sie enthält Steuersenkungen. Sie
enthält einen Ausgabenplan. Der Ausgabenplan muß
jedoch jedes Jahr erneut umgesetzt werden. Dies wird
der Kongreß in den nächsten drei Monaten mit der
Verabschiedung der Mittelzuweisungen tun. Er muß
das Geld für die Pell-Stipendien genehmigen. Er muß
das Geld für die Jobs genehmigen, mit denen man sich
das Geld für ein Studium verdienen kann. Er muß eine
Verdoppelung der Mittel für Computer in jedem
Klassenzimmer genehmigen, damit wir unser Ziel
verwirklichen können, jedes Klassenzimmer und jede
Bibliothek bis zum Jahr 2000 an das Internet anzuschließen. Er muß die Initiative "Amerika liest"
genehmigen - mit der wir Gemeindemitarbeiter,
jobbende Studenten im ganzen Land und Tausende
von AmeriCorps-Studenten mobilisieren können, die in
unsere Schulen gehen und mit Lehrern und Eltern
zusammenarbeiten um sicherzustellen, daß jeder
Drittklässler in diesem Land eigenständig lesen kann.
Das müssen wir tun.

AMERIKA DIENST 19

Wir müssen den Prozeß der Mittelbereitstellung
durchlaufen, ohne daß unsere Verpflichtung zu
nationalen Bildungsstandards Schaden nimmt. Wir
wissen zum Beispiel, daß die Vereinigten Staaten das
beste System für weiterführende Bildung der Welt
haben, und die Menschen kommen aus der ganzen
Welt, um hier zu studieren. Darauf bin ich sehr stolz.
Wir wissen jedoch auch, daß wir in der Ausbildung
unserer Kinder vom Kindergarten bis zur 12. Klasse
nicht so gut abschneiden wie wir sollten. Natürlich ist
es in Amerika schwieriger als an vielen anderen Orten
- wir haben mehr Vielfalt. Wir haben mehr rassische
Vielfalt, wir haben mehr sprachliche Vielfalt, wir haben
mehr kulturelle Vielfalt, und wir haben ein größeres
Einkommensgefälle als uns lieb ist. Die andere Vielfalt
ist nur zum Besten, denke ich.
Aber wir machen Fortschritte. Im internationalen
Notenvergleich in Mathematik und Naturwissenschaften lag unsere Nation in diesem Jahr gut über
dem nationalen Durchschnitt - und weit über dem
internationalen Durchschnitt in Mathematik und
Naturwissenschaften bei Viertklässlern. Bei den Noten
der Achtklässler lagen wir jedoch noch weit unter dem
Weltniveau, da unsere Kinder mit dem Erwachsenwerden und all den anderen Schwierigkeiten kämpfen, mit
denen sie sich konfrontiert sehen. Wir müssen besser
werden.
Wir sind die einzige große Nation der Welt, die keine
hohen, klaren, einheitlichen akademischen Standards
für herausragende Leistungen in Grundkursen in
öffentlicher Bildung hat. Wir haben keine. Für die
Ausbildung vom Kindergarten bis zur 12. Klasse sind
verfassungsmäßig die Bundestaaten und die örtlichen
Schulbehörden verantwortlich. Aber der Mathematikunterricht ist in Maine und Montana gleich. Und Kinder
müssen lesen lernen, ob sie in Washington oder an
der Südspitze von Florida leben.
Wir stehen jetzt kurz vor der Gründung einer vom
Kongreß eingerichteten überparteilichen Behörde, die
Prüfungen für Viertklässler im Lesen und für Achtklässler in Mathematik genehmigen soll. Einige denken,
das sollten wir nicht tun. Sie sagen, die Bundesregierung würde damit Macht an sich reißen. Das ist
nicht der Fall. Diese Prüfungen sind freiwillig. Kein
Bundesstaat und keine Schule muß sich daran
beteiligen. Die Bundesregierung hat diese Tests nicht
erarbeitet, wir bezahlen sie nur.
Ich hoffe jedoch, daß alle von Ihnen, die hier an diese
Universität gekommen sind, auf die 52,2 Millionen
Kinder blicken, die heutzutage in Amerika den Kindergarten und die Schule bis zur 12. Klasse besuchen das ist die größte Anzahl von Kindern aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, die es je gab. Wir
berauben sie der Zukunft, die Sie hier für sich in
Anspruch nehmen, wenn wir sie ohne die Grundqualifikationen aus der Schule entlassen, die sie für den

Seite 3

�Erfolg an der Universität benötigen. Und ich hoffe, Sie
werden unsere Bestrebungen bei den nationalen
Standards unterstützen.
Ihr Studentenvertreter hat eine sarkastische Bemerkung über die Sozialversicherung gemacht - und ich
weiß, daß viele von Ihnen denken, daß es sie nicht
geben wird. Aber es wird sie geben. Zweifelsohne
gehört es zu unserer größten Verantwortung sicherzustellen, daß es für die nächste Generation von
Amerikanern eine Sozialversicherung und Medicare
geben wird. Es ist falsch, Menschen in einen Fonds
für Leistungen einzahlen zu lassen, in deren Genuß
sie nie kommen. Das ist falsch.
In den nächsten drei Monaten werden wir auf diesem
Haushaltsabkommen aufbauen, wenn wir uns mit
Medicare befassen. Diese Haushaltsvereinbarung
verlängert die Gültigkeitsdauer des Medicare-Treuhandfonds um ein Jahrzehnt. In der Tat könnte dank
der von uns eingebauten strukturellen Veränderungen
genug Geld gespart werden, um ihn lange darüber
hinaus beizubehalten. Die führenden Kongreßabgeordneten und ich werden jedoch auch eine überparteiliche Kommission ins Leben rufen, die Medicare
prüfen und Empfehlungen abgeben soll, wie die
Krankenversicherung bis weit ins 21. Jahrhundert für
die nächste Generation von Amerikanern erhalten
werden kann.
Wir haben unter Beweis gestellt, daß wir unseren
Haushalt in Ordnung bringen und gleichzeitig die
Leistungen für die älteren Mitbürger verbessern
können. Jetzt müssen wir die Zukunft dieses Programms sicherstellen. Und dann können wir uns auch
mit der Sozialversicherung befassen. Wir können es
tun. Wenn wir den Haushalt ausgleichen können,
können wir ohne Zweifel auch das. Diese Probleme
haben mit den demographischen Veränderungen in
unserer Gesellschaft zu tun, und wir schulden es
Ihnen, nicht mit dieser Last konfrontiert zu werden. Ich
bin zuversichtlich, daß wir unserer Verantwortung
gerecht werden.
Als nächstes müssen wir unsere Bestrebungen zur
Ausdehnung des Handels auf die übrige Welt fortsetzen. Die Vereinigten Staaten sind jetzt wieder der
Exporteur Nummer Eins der Welt. Das müssen wir
aber auch weiterhin sein. Wir müssen es weiterhin
sein - nicht nur, weil es das Richtige für uns ist,
sondern weil es das Richtige für die Welt ist. Ich
möchte Ihnen einige interessante statistische Daten
nennen. In diesem Land leben weniger als fünf
Prozent der Weltbevölkerung; rund 20 Prozent des
Wohlstands der Welt entfällt auf unser Land. Wir
können unseren Wohlstand nicht erhalten, wenn wir
nicht das, was wir haben, an die anderen 95 Prozent
der Menschen in der restlichen Welt verkaufen.

Seite 4

Zweitens werden die wachsenden Volkswirtschaften
der aufstrebenden Länder, vor allem in Asien und
Lateinamerika - aber auch zunehmend in Afrika - in
den nächsten zehn Jahren sehr viel schneller wachsen
als die modernen Volkswirtschaften in Amerika,
Kanada und Europa. Wenn wir uns an diesem
Wachstum beteiligen, können wir eine enorme Zahl
von Ländern, die jetzt als arme Nationen eingestuft
sind, in den Rang von Nationen mit mittlerem Einkommen erheben, in denen Millionen von Kindern eine
würdigere, humanere und erträglichere Zukunft haben;
in denen Demokratie gedeiht; in denen wir gute
Partner nicht nur für die Wirtschaftsbeziehungen,
sondern auch für die Lösung der anderen Probleme
der Welt haben werden, bei denen wir die Verantwortung für sie übernehmen müssen.
Die Vereinigten Staaten haben eine eindeutige Verpflichtung zur weiteren Ausdehnung der Handelsgrenzen. Und morgen werde ich im Ostzimmer des
Weißen Hauses eine Kampagne in die Wege leiten,
um den Kongreß von der Erneuerung der traditionellen
Befugnis zu überzeugen, die Präsidenten jetzt seit
über 20 Jahren haben, ausländische Handelshemmnisse für amerikanische Waren und Dienstleistungen
abzubauen. Das ist für Sie und Ihre Zukunft sehr
wichtig.
Wir brauchen uns vor Handel mit der übrigen Welt
nicht fürchten. Wir sind die produktivste Volkswirtschaft der Welt. Es wird immer Veränderungen in
dieser Volkswirtschaft geben. Es wird immer neue
Arbeitsplätze geben, die geschaffen und abgeschafft
werden. Unter dem Strich haben wir jedoch seit 60
Jahren davon profitiert, daß wir den Weg zur Integration der Volkswirtschaften der Welt angeführt
haben. Das wird Frieden fördern, es wird Freiheit
fördern, es wird Stabilität fördern, es wird den Lebensstandard in anderen Teilen der Welt erhöhen und
gleichzeitig die Vereinigten Staaten als die wohlhabendste Nation der Welt erhalten. Und ich hoffe,
daß Sie auch das unterstützen werden.
Während wir die Chancen erweitern, müssen wir auch
weiterhin Verantwortungsbewußtsein von unseren
Mitbürgern fordern. Unter anderem haben wir die
gemeinsame Verantwortung, alles in unserer Macht
Stehende zu tun, um unsere Familien für das 21.
Jahrhundert zu stärken. Diese neue Volkswirtschaft
setzt die Eltern außerordentlich unter Druck, verlangt
von ihnen mehr Zeit, die sie nicht mit ihren Kindern
verbringen können, bringt vermehrte Nachfrage nach
finanzierbaren Kindertagesstätten mit sich, bombardiert die Kinder selbst mit Werbung, die es schwieriger denn je macht, sie entsprechend unseren
grundlegenden Werten zu erziehen.
Wir arbeiten an der Verabschiedung eines Jugendstrafgesetzes, um unsere Kinder aus Banden heraus
und von Drogen und Waffen fern zu halten. Wir

AMERIKA DIENST 19

�werden die allererste Konferenz des Weißen Hauses
über Kinderbetreuung veranstalten, um Wege zu
sondieren, wie alle Schichten der Gesellschaft einschließlich der Regierung - das vielleicht größte
Problem angehen können, mit dem sich unsere
arbeitenden Eltern heute konfrontiert sehen. Und wir
müssen diese historische Chance bei unseren Bestrebungen zum Schutz unserer Kinder vor den Gefahren
von Tabak nutzen, indem wir strenge Gesetze erlassen, die sich vor allem darauf konzentrieren, daß junge
Menschen weniger rauchen. Mehr Menschen sterben
durch das Rauchen als aufgrund eines anderen
Problems unserer heutigen Gesellschaft.
Als nächstes müssen wir in den kommenden drei
Monaten die riesige Herausforderung der Umweltzerstörung angehen. Wir werden im Dezember in Kyoto
auf einen weltweiten Vertrag über Klimawandel
hinarbeiten, der die Umwelt schützt und gleichzeitig
globales Wachstum fördert, indem er die Unterzeichnerstaaten zu spezifischen, klaren Richtlinien bei der
Verringerung von Treibhausgasemissionen in die
Atmosphäre verpflichtet. Wir wissen - Sie dürfen
applaudieren - daß es richtig ist.
Hier sind Studenten aus der ganzen Welt, aus dem
ganzen Land versammelt. Viele von Ihnen - und Ihre
Familien - haben im letzten Jahrzehnt in ihrer eigenen
Heimatstadt
beträchtliche
Klimaveränderungen
beobachtet, und es entwickeln sich noch dramatischere klimatische Verhältnisse. Es wird Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs in ganz Amerika, über die
Jahrhundertflut zu sprechen, die wir am Mississippi
hatten. Ein Kongreßabgeordneter, der Mitglied der
anderen Partei ist, sagte mir neulich: "Herr Präsident,
in den vergangenen fünf Jahren hatten wir drei
Jahrhundertfluten in meinem Heimatstaat. Heißt das,
ich muß 500 Jahre warten, bis wir wieder eine schlimme Flut haben?"
Viele von Ihnen, die sich mit diesem Problem befassen, wissen, daß eine Gruppe von über 2.500 Wissenschaftlern zu der Schlußfolgerung gelangt ist, das
Erdklima erwärme sich auf eine Art und Weise, die
nicht genau vorhersagbare, aber mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit zerstörerische Konsequenzen haben wird, wenn wir nicht etwas dagegen
unternehmen.
Das ist etwas, das Menschen aller Einkommensschichten, aller sozialen Schichten, aus allen Teilen
des Landes und in der Tat der ganzen Welt betreffen
wird. Wir benötigen die jungen Menschen Amerikas insbesondere die Studenten, die dieses Problem
studieren können - um es zu einem fesselnden
nationalen Thema zu machen. Und wir benötigen
Menschen, die das Vertrauen in unsere Fähigkeit
haben, neues technologisches und wissenschaftliches
Terrain zu erschließen, sich stark zu machen und zu
sagen: "Sie können mich nicht davon überzeugen, daß

AMERIKA DIENST 19

wir die Treibhausgasemissionen nicht beträchtlich
verringern können und die amerikanische Wirtschaft
dennoch weiterhin wächst."
Mit der bereits zur
Verfügung stehenden Technologie könnten wir sie
ohne irgend welche Kosten morgen reduzieren, wenn
wir nur unsere Vorgehensweise ändern würden.
Das wird eine sehr kontroverse Debatte. Und einige
werden sagen, Präsident Clinton hat sich fünf Jahre
lang überschlagen, um die amerikanische Wirtschaft
wiederzubeleben, und jetzt bringt er sie mit der
Verpflichtung zu Fall, die Treibhausgasemissionen in
Amerika zu reduzieren. Das ist nicht wahr. Aber wenn
Sie zulassen, daß der Meeresspiegel steigt und die
Südküste von Florida und die Südküsten von Louisiana
überflutet werden und auf sonstige Weise das Leben
stören, das es in den Vereinigten Staaten in den
nächsten 50 Jahren geben wird, dann werden unsere
Kinder den Preis für unsere Versäumnisse zahlen. Wir
können dieser Volkswirtschaft zu Wachstum verhelfen
und das Richtige für die Umwelt tun. Ich denke, Sie
glauben das, und ich brauche Sie, um mit mir zusammen das amerikanische Volk zu überzeugen, daß
es getan werden kann.
Und schließlich haben wir die Verantwortung zur
Verbesserung unseres politischen Systems. Das von
beiden Parteien aufgebrachte Geld verdoppelt sich
jetzt alle vier Jahre. Die treibende Kraft ist der Zugang
zu Ihnen - den Wählern. Es ist der Zugang zu Ihnen mit Fernsehsendungen, Radiosendungen, mit der Post
und mit Drucksachen - der uns antreibt. Wir müssen
den Kandidaten, die sich für Ämter zur Wahl stellen,
kostenlose oder verbilligte Sendezeit zur Verfügung
stellen, damit sie nicht mehr so viel Geld brauchen.
Und das wollen wir jetzt tun.
Eine von dem republikanischen Senator John McCain
und dem demokratischen Senator Russ Feingold
unterstützte äußerst wichtige Gesetzesvorlage wird
dem Senat gegen Ende dieses Monats vorgelegt. In
jedem Jahr seit meinem Amtsantritt habe ich einen
guten Gesetzentwurf zur Reform der Wahlkampffinanzierung befürwortet. Und jedes Jahr wurden
diese Gesetzesvorlagen durch Obstruktion im USSenat blockiert. Diejenigen, die das dieses Jahr nicht
wollen, sagen, sie werden wieder ganz von vorne
anfangen. Das können sie tun. Aber wenn sie es in
diesem Jahr tun, werden wir dafür sorgen, daß es im
vollen Rampenlicht der Öffentlichkeit geschieht. Ich
bitte um Ihre Unterstützung für die Reform der Wahlkampffinanzierung in diesem Jahr.
Als Drittes müssen wir in den nächsten drei Monaten
hart an der Förderung unserer Interessen und unserer
Führungsrolle in der Welt arbeiten. Wir leben in einer
Welt, die sich stark von der des Kalten Krieges
unterscheidet, und wir müssen noch viel tun, um sie zu
gestalten. Wir haben die Chance, die Vorteile von
Demokratie, Stabilität und freien Märkten zu konsoli-

Seite 5

�dieren und die Grundlagen für das Jahrhundert zu
schaffen, in dem Sie den Großteil Ihres Lebens leben
werden.
In diesem Jahr haben wir bereits die Chemiewaffenkonvention ratifiziert, so daß unsere Soldaten und
Bürger sicherer vor der Bedrohung durch Giftgas sind.
Wir haben hart am Aufbau eines ungeteilten, demokratischen und friedlichen Europas zum ersten Mal in der
Geschichte gearbeitet - und Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik zum NATO-Beitritt eingeladen.
Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Senat bei der
Ratifizierung dieses historischen Schritts im nächsten
Jahr erwartungvoll entgegen und freue mich, daß eine
Gruppe führender Bürgervertreter sie befürwortet.
Wir schmieden neue Partnerschaften mit Rußland, der
Ukraine und den anderen neuen Demokratien Europas
und arbeiten mit allen unseren Freunden in Europa
zusammen, um den Menschen in Bosnien eine
Chance zu geben, sich an der demokratischen Zukunft
Europas zu beteiligen.
Erst haben wir den Krieg beendet und Schlachtfelder
wieder zu Spielfeldern und Luftschutzkeller zu Schulen
gemacht. Jetzt müssen wir unsere Anstrengungen
zum Aufbau eines dauerhaften Friedens verdoppeln.
In den kommenden Monaten werden wir weiterhin
nach Frieden im Nahen Osten und in Nordirland
streben, weiterhin verbrecherische Staaten und
Terroristen bekämpfen, weiterhin sicherstellen, daß
unser Militär und unsere Diplomatie die stärksten der
Welt sind. Aber vor allem werden wir in den verbleibenden Monaten dieses Jahres unsere Hemisphäre und Asien einbeziehen.
Im letzten Jahrzehnt sind auf dem gesamtamerikanischen Kontinent Staatsstreiche, Konflikte und
Planwirtschaften Demokratien und freien Märkten
gewichen. Im nächsten Monat werde ich nach Venezuela, Brasilien und Argentinien reisen, um den Handel
zu erweitern, Drogenhandel zu bekämpfen, die Umwelt
zu schützen und unsere Partnerschaften zu stärken.
Der gesamtamerikanische Kontinent kann zu einem
Bollwerk für unseren Frieden und unsere Sicherheit
werden.
Übrigens entfallen 70 Prozent des gestiegenen
Handels im vergangenen Jahr auf den gesamtamerikanischen Kontinent - er kommt von unseren Nachbarn in unserer Hemisphäre, und wir sollten das
fortsetzen.
Weil ich wollte, daß dies ein wirklich überparteiliches
Unternehmen ist, habe ich den republikanischen
Gouverneur von Massachusetts, Bill Weld, gebeten,
Botschafter in Mexiko zu werden - einem unseren
wichtigsten Verbündeten und Nachbarn. Meines
Erachtens ist er immer noch der beste Kandidat für
den Posten des Botschafters in Mexiko. Und ich

Seite 6

glaube - und das würde ich auch glauben, wenn es um
den Präsidenten einer anderen Partei mit einem
Kandidaten ginge, mit dem ich nicht einverstanden
wäre - wenn ein Präsident jemanden für einen Posten
nominiert, dann steht dieser Person eine Anhörung vor
dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten zu,
und ich finde, er sollte diese Anhörung bekommen.
Im Herbst wird der chinesische Staats- und Parteichef
nach Washington kommen. China ist die Heimat von
einem Viertel der Weltbevölkerung. In weniger als
zwei Jahrzehnten könnte die Volkswirtschaft dieses
Landes die größte der Welt sein. Amerika hat ein
profundes Interesse daran, daß China stabil und offen
ist und in Frieden mit seinen Nachbarn lebt. Wir
möchten, daß es sich politischem Pluralismus und den
internationalen Regeln zivilisierter Verhaltensweisen
verschreibt. Wir möchten ein China, das mit uns am
Aufbau einer Zukunft in Sicherheit und Wohlstand
zusammenarbeitet. China wird sein Schicksal selbst in
die Hand nehmen, aber wenn wir uns in China engagieren, statt uns von dem Land zu isolieren, können
wir den von ihm eingeschlagenen Weg beeinflussen.
Der Besuch von Staats- und Parteichef Jiang Zemin ist
eine gute Gelegenheit - nicht so sehr für großartige
Erklärungen und dramatische Gesten, sondern
vielmehr für konstruktive Arbeit an gemeinsamen
Herausforderungen wie der, mit der wir uns auf der
koreanischen Halbinsel konfrontiert sehen oder dem
Schutz der Umwelt, der Eindämmung der Verbreitung
von Nuklearwaffen und der Erweiterung der Grenzen
des freien Handels zwischen uns. Ich sehe auch eine
Chance für uns, unsere Differenzen bei Themen wie
Menschenrechten und Religionsfreiheit offen und von
Angesicht zu Angesicht anzusprechen.
Uns einander gegenüber an einen Tisch zu setzen,
wird wahrscheinlich sehr viel eher Fortschritte hervorbringen als über den Pazifik hinweg mit dem Finger auf
den anderen zu zeigen. Wenn Staats- und Parteichef
Jiang Zemin hierherkommt, hoffe ich, daß das amerikanische Volk ihn willkommen heißt und sagen wird:
"Ja, es gibt Bereiche, in denen wir Meinungsverschiedenheiten haben, aber Sie repräsentieren ein
Viertel der Weltbevölkerung, einen noch größeren Teil

der Zukunft der Welt und Ihrem und unserem Volk wird
es besser gehen, wenn wir einen Weg zur gemeinsamen Gestaltung dieser Zukunft finden."
Und schließlich werden wir in den nächsten drei
Monaten neue Wege sondieren, um den vielleicht
zerbrechlichsten Wert von allen zu erhalten: Die Bande
der Gemeinschaft, die uns als Amerikaner verbinden.
In diesem Jahrhundert haben wir Welle um Welle von
Einwanderern aufgenommen, die von unserer reichlichen Fülle und unseren Idealen angezogen werden.
Dieses Jahrhundert hat beispiellose rassische Fortschritte erlebt und Afroamerikaner und andere Minderheiten schließen sich dem amerikanischen Haupt-

AMERIKA DIENST 19

�Strom an. Dennoch können eben diese Kräfte des
Fortschritts, die uns nach vorne katapultieren, uns
auch auseinander reißen, uns zu isolieren drohen jeden mit seiner eigenen Web-Seite, aber durch
wenige menschliche Bande der Gemeinschaft verbunden.
Das jahrhundertealte Dilemma der rassischen Ungerechtigkeit, rassischen Vorurteile oder nur schlicht der
alten Ängste und des Mißtrauens gegenüber Menschen, die anders sind als wir, wird verschärft durch
die neue Aufgabe, neue Gruppen von Einwanderern in
die bereits vielfältigste Demokratie aufzunehmen.
Binnen eines Jahrzehnts wird unser größter Staat Kalifornien - keine rassische Mehrheit mehr haben. In
nur wenigen Jahrzehnten wird dieses ganze Land
keine rassische Mehrheit mehr haben. Wir können die
demographischen Muster studieren und wissen, wie
Amerika im 21. Jahrhundert aussehen wird, aber wir
müssen nach innen blicken, um uns vorzustellen, wie
Amerika im 21. Jahrhundert sein wird. Die Antwort
liegt bei uns allen.
Ich habe die Nation gebeten, mit mir gemeinsam eine
eingehende nationale Konversation über das Thema
Rasse zu führen in dem Bestreben, Ungleichgewichte
zu beheben, Haß und Vorurteile abzubauen und sich
mit den realen zugrundliegenden Problemen zu
befassen, die nicht notwendigerweise etwas mit Rasse
zu tun haben, sich aber in rassischer Ungleichgerechtigkeit und Spannungen manifestieren, und - vor
allem - die Amerikaner mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenzubringen, damit sie sich ehrlich über
die uns trennenden Linien gegenübertreten können.
Ihr Rektor stellte fest, daß hier auf diesem Unversitätscampus Menschen aus 140 verschiedenen rassischen
und ethnischen Gruppen vertreten sind. Das ist gut für
Sie. Sie können Amerikas Labor sein. Sie probieren
es aus und lassen uns das Ergebnis wissen.
Diese unsere Vielfalt ist ein Geschenk des Himmels.
Sie ist ein riesiges Geschenk in einer globalen Wirtschaft und einer globalen Gesellschaft. Wenn wir
einen Weg finden können, unsere Unterschiede nicht
nur zu respektieren, sondern uns tatsächlich dazu zu
bekennen und immer noch sagen, was uns verbindet,
ist noch wichtiger - dann werden wir das Problem
gelöst haben, das Bosnien lähmt, das immer noch
dazu führt, daß sich Menschen selbst in die Luft jagen,
um unschuldige Kinder im Nahen Osten zu töten,
wegen dem die Menschen in Irland immer noch über
das argumentieren, was vor 600 Jahren geschah, das
zu gemeinen Stammeskriegen in Afrika geführt hat, bei
denen Hunderttausende Menschen abgeschlachtet
wurden. Und dennoch - blicken Sie sich in diesem
Saal um.
Das ist eine Frage der Vorstellungskraft, der Vision
und des Herzens. Und sie ist auch so wichtig, daß

AMERIKA DIENST 19

man sie nüchtern angehen muß. Bis jeder wirklich
reale wirtschaftliche Chancen, reale Bildungschancen
und sichere Straßen hat, wird es rassische Unterschiede in Amerika geben, die sich in Dingen manifestieren, die wie Rassendiskriminierung aussehen, ob
sie es sind oder nicht. Auch hier müssen wir uns mit
den realen zugrundeliegenden Ursachen befassen.
Aber machen Sie sich nichts vor - die Angst vor
Menschen, die anders sind, ist eine reale zugrundeliegende Ursache. Wie wurden Menschen in Bosnien
Serben, Kroaten oder Muslime? Warum gehörten sie
in Bosnien der orthodoxen Kirche, der katholischen
Kirche oder dem muslimischen Glauben an? Es ist ein
Zufall der Geschichte oder der Jahrhunderte zurückgehenden Geopolitik. Biologisch sind die Menschen
nicht zu unterscheiden. Aber sie waren überglücklich,
Jahrzehnte des Friedens aufzugeben und binnen
Wochen damit zu beginnen, sich mit Hingabe umzubringen und vor nicht allzu langer Zeit gegenseitig
ihre Kinder zu erschießen.
In uns allen ist etwas, das uns in unseren defensivsten
Augenblicken jemanden finden lassen möchte, auf den
wir herabblicken können - das soll heißen, egal, wie
schlecht es mir geht, zumindest bin ich nicht sie oder
er. Stimmt das nicht? Und jeder von uns hat das auf
die eine oder andere Weise einmal an einem Punkt
seines Lebens getan.
Sie sind auf dieses herrliche Universitätsgelände
gekommen, Sie freuen sich mit Ihrem großen Enthusiasmus und Ihrer Hoffnung auf die Zukunft, Sie
sehen einander an, und Sie sind verschieden, und es
gefällt Ihnen. So müssen wir unser tägliches Leben in
Amerika gestalten. Die Menschen müssen am Morgen
aufstehen und sich wegen diesem Land mit all seiner
Vielfalt gut fühlen können, weil wir wissen müssen,
was gut an den Unterschieden zwischen uns ist und
uns zu ihnen bekennen müssen, und wir müssen auch
wissen, was uns verbindet: Was sind die Bedingungen
der Mitgliedschaft in der amerikanischen Gemeinde?
An was muß man glauben, nach welchen Maßstäben
muß man leben und für was muß man einzutreten
bereit sein, um Amerikaner zu sein? Das ist es, was
wir tun werden. Wir müssen uns unsere Zukunft als
eine wirklich multirassische, multiethnische und
multireligiöse Demokratie vorstellen, die immer noch in
einer geraden Linie von hier den ganzen Weg bis zu
George Washington zurückverfolgt werden kann. Ich
bin überzeugt, daß wir es tun können, aber ich bin
auch überzeugt, daß Sie alle den Weg anführen
müssen.
Gestatten Sie mir zu sagen, daß ein Großteil dieser
Arbeit mit dem Kongreß getan werden muß. Und ich
bin sehr erfreut über die Beziehungen, die wir bei der
Arbeit am Haushaltsausgleich hatten. Ich werde mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, damit wir alles in
unserer Macht Stehende zur Umsetzung des Haus-

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�halts tun und die Richter und die anderen bestätigen
können, die unser Handeln erwarten. In gewisser
Weise befinden wir uns auf unbekanntem Terrain, aber
wir wissen, daß die Zeiten unser Handeln erfordern,
und ich bin sicher, daß das amerikanische Volk
unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit unsere
Zusammenarbeit im Interesse der Öffentlichkeit
wünscht.
Überlegen Sie sich folgendes: Es sind noch 844 Tage
bis zum Jahr 2000 - bis zu einem neuen Jahrhundert,
einem neuen Jahrtausend und einem neuen Zeitalter
menschlicher Unternehmungen.
Wird es neue
Fortschritte, neuen Wohlstand und neue Größe für
Amerika bringen? Es liegt im Wesentlichen an uns.
Vor 34 Jahren hielt Präsident Kennedy hier an der
American University eine Rede, die von vielen als
seine beste angesehen wird. Es war eine Zeit, die vor
der Spannung zwischen den Supermächten knisterte,
aber Präsident Kennedy blickte nach vorn und sah
einen Tag, an dem der Kalte Krieg ein Relikt der
Vergangenheit sein würde. Nach Jahrzehnten der
Arbeit, in denen Amerikaner beider Parteien für unsere
Werte eingetreten sind, leben wir jetzt in der Welt, die
sich John Kennedy vor 34 Jahren an der American
University vorstellte.

*

Seite 8

Mit diesem Gedanken möchte ich mich verabschieden:
Es hängt alles von Ihrer Vorstellungskraft ab. Denken
Sie daran, wievielen Kindern wir in all den Krisenherden der Welt das Leben retten könnten, wenn alle
Menschen mit Macht und die Menschen, die sie
unterstützen sich ihre Zukunft nur in einer anderen
Weise vorstellen könnten - wenn sie nur Mut fassen
und mit einem anderen Bild kommen würden als dem,
das sie jeden Morgen beim Aufstehen vor sich sehen.
Das ist die wichtigste Kraft in der Welt.
Präsident Kennedy stellte sich die Welt, in der wir
heute leben, vor 34 Jahren in der Rede hier an der
American University vor. Jetzt ist es an Ihnen und mir
und unseren Mitbürgern, uns vorzustellen, was das
21. Jahrhundert sein wird, und dann das Erforderliche
zu tun, um diese Vision zur Realität für alle unsere
Menschen werden zu lassen. Aus diesem Grund bin
ich hierher gekommen - um Ihre Hilfe und die jedes
anderen Amerikaners zu erbitten. Für Sie hängt viel
davon ab, und ich setze darauf, daß wir dorthin
kommen.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

*

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�NAHER

OSTEN
I.Oktober 1997

Albright: Arabische Welt muß sich geeint
für Frieden und Sicherheit einsetzen
Rede der US-Außenministerin vor dem Golf-Kooperationsrat

ABHA (SAUDI-ARABIEN) - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die USAußenministerin Madeleine Albright am 14. September 1997 beim Ministertreffen des Golf-Kooperationsrats (Gulf
Cooperation Council - GCC) in Abha im Südwesten Saudi-Arabiens hielt.

Vielen Dank. Ich freue mich außerordentlich, hier zu
sein.
Zunächst möchte ich Seiner Majestät, König Fahd,
Seiner Königlichen Hoheit, Prinz Saud, und der
Regierung von Saudi-Arabien für die Veranstaltung
dieses Treffens danken. Mein Dank gilt ferner Minister
Hamad für die Führungsrolle seines Landes im GolfKooperationsrat in diesem Jahr sowie allen Außenministern, die meine erste gemeinsame Sitzung mit
dem Rat ermöglicht haben.
Diese Gelegenheit ist für mich und meine Pflichten als
Außenministerin sehr wichtig, weil die Vereinigten
Staaten ihrer Freundschaft mit den Mitgliedern des
Kooperationsrats großen Wert beimessen. Ich weiß,
daß unsere Beziehungen für Präsident Clinton hohe
Priorität haben. Und ich freue mich über die Möglichkeit, Ihnen die Ansichten der Vereinigten Staaten
darzulegen und Ihre Meinung über die Themen zu
hören, die für uns alle von Belang sind.
Die Vereinigten Staaten haben grundlegende gemeinsame Interessen mit den Golf Staaten und vielen
anderen Ländern in der arabischen Welt. Wir wollen
alle, daß unsere Völker frei von der Bedrohung des
Krieges in Frieden leben können. Wir sind der Ansicht,
daß die Nationen eine Verantwortung zur Respektierung des Gesetzes in ihren gegenseitigen Beziehungen haben. Wir verabscheuen Extremismus und
verurteilen Terrorismus. Wir haben enge wirtschaftliche Beziehungen und möchten, daß unsere Bürger
zusammenarbeiten und die Gelegenheiten nutzen, die
durch den zunehmend integrierten und dynamischen
globalen Markt geschaffen werden.

AMERIKA DIENST 19

Wie Ihre Exzellenzen wissen, ist dies meine erste
Reise in diese Region in meinem derzeitigen Amt. Ich
komme mit Sorge um die Zukunft in diese altehrwürdigen Länder. Bei meiner Reise hatte ich die Gelegenheit, mit jungen Menschen aus Jerusalem und Ramallah zusammenzutreffen. Und bevor ich Washington
verließ, kam ich mit einer anderen Gruppe junger
Menschen zusammen, darunter einigen aus Ihren
Ländern, die an dem Seeds of Peace-Programm
teilnehmen. Zunächst möchte ich Ihnen gegenüber
äußern, was ich auch schon zu diesen Menschen, zu
Ministerpräsident Netanjahu und dem PLO-Vorsitzenden Arafat gesagt habe.
Für den Nahen Osten ist Frieden die einzige Option.
Der Weg des Konflikts führt nur zu Kummer und Leid.
Für Israelis, Palästinenser und Araber ist das ein
versiegender Brunnen. Er bietet nur eine Zukunft mit
mehr Gewalt, mehr Opfern, mehr Leid und mehr Haß.
Es wäre eine düstere Zukunft, die die Menschen in
dieser Region nicht verdienen und nicht akzeptieren
werden. Obwohl der Weg zum Frieden sehr schwierig
sein kann, bietet er eine andere Zukunft - eine Zukunft,
die reich an gegenseitigem Respekt, verstärkter
Zusammenarbeit und Würde für alle Völker ist.
Aus diesem Grund ist es so wichtig, daß die derzeitige
Vertrauenskrise beendet wird und die Staats- und
Regierungschefs den lähmenden Kreislauf von
gegenseitigen Beschuldigungen durchbrechen und
wieder pragmatische Schritte unternehmen, die für die
Fortsetzung des Friedensprozesses erforderlich sind.
Zu diesem Zweck müssen alle, die ein Interesse am
Frieden haben, ihrer Verantwortung nachkommen.

Seite 1

�Die Palästinensische Autonomiebehörde muß alles in
ihrer Macht Stehende unternehmen, um Terrorismus
zu verhindern und zu bestrafen sowie die in Oslo
eingegangene unumkehrbare Verpflichtung zu vertiefen, Israel nicht wie einen Gegner, sondern wie einen
dauerhaften Partner im Frieden zu behandeln. Wie der
PLO-Vorsitzende Arafat bereits sagte, leidet niemand
stärker unter den Auswirkungen des Terrorismus als
die Palästinenser.
Die israelischen Politiker müssen sich unilateraler
Aktionen enthalten, die das Vertrauen der Palästinenser in ihre Absichten unterminieren, und sollten - selbst
während sie die Wahrung der Sicherheit ihres Volkes
anstreben - nicht vergessen, daß keine Nation ein
größeres Interesse am Wohlstand der Palästinenser
als Israel hat.
Die Vereinigten Staaten haben eine Verantwortung der wir uns bewußt sind -, den Frieden zu unterstützen, ohne ihn aufzuzwingen zu wollen. Präsident
Clinton hat deutlich gemacht, daß wir dieser Verantwortung weiterhin gerecht werden, indem wir im
Einklang mit den Resolutionen 242 und 338 des UNSicherheitsrats, einschließlich des Prinzips Land
gegen Frieden, einen umfassenden Frieden unterstützen.
Schließlich haben die arabischen Staaten eine Verantwortung, der Sie sich ebenfalls bewußt sind: Den
Friedensprozeß zu unterstützen und gegen die Feinde
des Friedens anzugehen. Alles in Ihrer Macht Stehende zu unternehmen, damit extremistische Gewalttäter
wie beispielsweise die Hamas keine Hilfe irgendwelcher Art erhalten. Der Palästinensischen Autonomiebehörde großzügige Hilfe zu gewähren, während diese
sich um den Aufbau ihrer Wirtschaft und die Schaffung
einer auf Rechtsstaatlichkeit basierenden Gesellschaft
bemüht. Mehr zur Überwindung der Hindernisse zu
unternehmen, die zwischen Ihren Gesellschaften und
der Israels - dem Partner der Palästinenser im Frieden
- bestehen. Und sich den Vereinigten Staaten und
anderen beim Erhalt des Trends zu regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Wachstum anzuschließen.
Im Hinblick auf diesen letzten Punkt möchte ich
nochmals unserer Hoffnung Ausdruck verleihen, daß
die Mitglieder des Kooperationsrats am diesjährigen
Nahost-Nordafrika-Gipfel (Middle East North Africa MENA) teilnehmen, den die Regierung von Qatar
großzügigerweise veranstaltet.
Die Bestrebungen zur Verbesserung dieser regionalen
wirtschaftlichen Zusammenarbeit sind keine Konzession an Israel, wie einige nahezulegen scheinen. Sie
sind ein unerläßlicher Stützpfeiler der langfristigen
Aussichten auf Frieden. Gemeinsamer Wohlstand
wird eine gemeinsame Verpflichtung zu Frieden
schaffen und den gewalttätigen Extremisten die

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Grundlage entziehen, die auf Entbehrung setzen.
Vermehrter Handel und Investitionen zwischen den
Völkern der Region werden auch die Beziehungen
stärken, Vertrauen aufbauen und die Überwindung der
Rückschläge für den Frieden erleichtern.
In den vergangenen drei Jahren haben die MENAGipfeltreffen in Casablanca, Amman und Cairn erfolgreich ausländische Investoren in die Region angezogen und das Mißtrauen abgebaut, das die Regierungen so lange gespalten und den Privatsektor von der
Zusammenarbeit zu ihrem gegenseitigen Vorteil und
dem ihrer Gesellschaften abgehalten hat.
Der Doha-Gipfel ist eine weitere Möglichkeit, der Welt
eine Botschaft zu übermitteln, daß der Nahe Osten
eine Quelle für wirtschaftliche Dynamik und Chancen
sein kann und die Golfstaaten aktiv ihre Interessen
diversifizieren und regionalen Wohlstand schaffen.
Und er wird den Gegnern des Friedens eine Botschaft
senden, daß sie weder die Politik diktieren noch
Fortschritte zu einer Region aufhalten können, in der
alle von den Vorteilen größerer Stabilität und zunehmenden Wohlstands profitieren.
Während wir eine vielversprechendere Zukunft durch
unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit anstreben,
müssen wir auch eine sichere Zukunft durch unsere
andauernde diplomatische und sicherheitspolitische
Zusammenarbeit aufbauen.
Das erfordert Zusammenarbeit, um terroristische
Bedrohungen auszumachen und darauf zu reagieren
sowie die für Terrorakte Verantwortlichen vor Gericht
zu bringen.
Und das erfordert unsere weitere gemeinsame
Entschlossenheit zur Sicherung von Frieden und
Stabilität in der gesamten Golfregion.
Die Vereinigten Staaten werden alle Anstrengungen
aller Seiten vereiteln, unsere regionalen Freunde zu
zwingen, einzuschüchtern oder die Navigationsfreiheit
in den internationalen Gewässern des Golfs einzuschränken.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin entschlossen zu
verhindern, daß der Irak je wieder Sie oder andere in
der Region bedroht. Wir bestehen nach wie vor
darauf, daß das Regime in Bagdad seine friedlichen
Absichten unter Beweis stellt und die Rechtsstaatlichkeit respektiert, indem das Land alle entsprechenden
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats einhält. Bedauerlicherweise ist der Irak weiterhin weit von diesem
Standard entfernt. Die Vereinigten Staaten sind jedoch
erfreut, daß der Sicherheitsrat einem Plan zugestimmt
hat, der den Verkauf begrenzter Mengen von irakischem Öl gestattet, um den Kauf von Nahrungsmitteln
und anderen humanitären Hilfsgütern für das irakische
Volk zu finanzieren.

AMERIKA DIENST 19

�Unsere Sicherheitszusammenarbeit erfordert auch,
daß wir die Ereignisse in Teheran sorgfältig im Auge
behalten.
Die Wahl von Seyyed Mohammad Khatami zum neuen
Präsidenten des Iran ist eine interessante und möglicherweise hoffnungsvolle Entwicklung. Das iranische
Volk hat seinen Wunsch nach Wandel zum Ausdruck
gebracht. Unklar ist noch, ob und in welchem Ausmaß
der Wandel tatsächlich stattfinden wird.
In jüngster Zeit hat die Politik des Iran Instabilität
genährt und internationale Normen in drei Bereichen
verletzt: Unterstützung von internationalem Terrorismus und gewalttätigem Widerstand gegen den NahostFriedensprozeß; Bestrebungen zur Beschaffung von
Massenvernichtungswaffen und Bestrebungen zur
Destabilisierung freundlich gesinnter Staaten. Aus
einer internationalen Perspektive gesehen, wird
Präsident Khatamis neue Regierung in diesen Bereichen auf die Probe gestellt.
Obwohl wir auf einen positiven Wandel im Iran hoffen,
können wir nicht damit rechnen. Wir werden ihn nicht
an den Worten, sondern an den Taten messen. Wir
müssen Seite an Seite stehen und auch die Ver-

*

AMERIKA DIENST 19

einigten Arabischen Emirate und Bahrain gegen
iranische Einschüchterungsversuche unterstützen.
Abschließend möchte ich nochmals die Bedeutung
unserer andauernden Partnerschaft betonen, wenn wir
Stabilität bewahren, gemeinsame vitale Interessen
schützen und Frieden mit Sicherheit und Würde für alle
Völker dieser Region fördern wollen. Weil unsere
Partnerschaft vor mehr als fünf Jahrzehnten begann,
wissen wir, daß sie dauerhaft ist. Weil unsere Partnerschaft zur Gewährleistung einer Zukunft in Wohlstand
für unsere Bürger beitragen kann, wissen wir, daß sie
klug ist. Weil unsere Partnerschaft den Gesetzesinteressen dient, wissen wir, daß sie gerecht ist. Und weil
unsere Partnerschaft sich dem Frieden verschrieben
hat, wissen wir, daß sie richtig für unsere Kinder und
unsere Kindeskinder ist.
Nochmals herzlichen Dank, daß ich an dieser Konferenz teilnehmen durfte. Ich weiß Ihre Gastfreundschaft
wirklich zu schätzen. Und ich sehe der Zusammenarbeit mit Ihnen bei der weiteren Stärkung unserer
Partnerschaft in den kommenden Monaten und Jahren
erwartungsvoll entgegen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 3

�NATO
I.Oktober 1997

Albright: Wir wollen, daß der Frieden Bestand hat
Rede der Außenministerin vor dem
Ständigen Gemeinsamen Rat der NATO

NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenministerin Madeleine Albright beim
Treffen des Ständigen Gemeinsamen Rats der NATO und Rußlands am 26, September 1997.

Herr Generalsekretär,
verehrte Kollegen,

Außenminister

Primakow,

es ist mir eine große Freude, mit Ihnen gemeinsam
den offiziellen Beginn der neuen und historischen
Partnerschaft zwischen der NATO und Rußland feiern
zu können. Ich möchte nur einige Worte über unsere
Ziele in diesem Ständigen Gemeinsamen Rat und die
vor uns liegende Arbeit sagen. Ich möchte Sie alle
auch in New York - der Stadt, die niemals schläft,
außer vielleicht bei einer Sitzung der UN-Generalversammlung - willkommen heißen.
Wir haben uns hier versammelt, weil jeder von uns
einige unleugbare und hoffnungsvolle Tatsachen
anerkannt hat: Wir wissen, Europa verändert sich,
Rußland verändert sich, die NATO verändert sich.
Wir sind uns bewußt, daß der Integrationsprozeß in
Europa uns so weit bringen sollte, wie die Grenzen der
Freiheit reichen werden. Wir sind der Überzeugung,
daß das Streben nach Sicherheit in Europa kein Spiel
ist und niemals hätte sein sollen, in dem der Gewinn
einer Nation der Verlust der anderen ist.
Vor vier Monaten vereinbarten unsere Staats- und
Regierungschefs in Paris, von diesen Fakten ausgehend grundlegend andere Beziehungen zwischen der
NATO und Rußland aufzubauen. Heute sind diese
Beziehungen im Entstehen begriffen.
Bei Augenblicken wie diesen greifen wir für gewöhnlich
auf das Cliche zurück, daß Kooperation an die Stelle
von Konfrontation getreten ist, und wir erinnern uns
daran, daß der Kalte Krieg wirklich und vollständig
hinter uns liegt. In der Tat geht die Umgestaltung, die
wir gesehen haben, sehr viel tiefer als das.

AMERIKA DIENST 19

Zum ersten Mal in der Geschichte sehen die großen
europäischen und atlantischen Mächte einander nicht
als potentielle Gegner. Zum ersten Mal in der Geschichte sind die kleinen Mächte sicher und frei genug
zur Gestaltung ihrer Zukunft.
Einige fragen sich, warum wir uns in dieser Zeit
relativen Friedens in Europa so sehr auf die Sicherheit
konzentrieren. Die Antwort lautet, wir wollen, daß der
Frieden Bestand hat. Wir wollen die richtigen Sicherheitsarrangements treffen, damit wir uns in der
Zukunft nicht mehr so viele Gedanken über die
Sicherheit machen müssen - und mit der Aufgabe der
Erweiterung von Chancen und Wohlstand fortfahren
können.
Dieser Rat ist eines der Arrangements, die wir richtig
machen müssen. Wenn wir ihn gut nutzen, werden die
NATO und Rußland eine Partnerschaft haben, dank
derer wir zusammen große Dinge tun können. Und
das liegt sicherlich in unserem gemeinsamen Interesse.
Hier werden wir Konsultationen über unsere Militärstrategien, Verteidigungspolitik und Friedenssicherung
führen, hier werden wir praktische Schritte zur Verhinderung der nuklearen Weiterverbreitung und zur
Verringerung der Bedrohungen durch chemische und
biologische Waffen unternehmen. Hier können wir die
Art und Weise unserer Zusammenarbeit verbessern,
wenn Truppen der NATO und Rußlands bei komplexen
Missionen wie der SFOR dienen.
Natürlich werden wir nicht immer bei allem einer
Meinung sein. Und natürlich gibt es noch einen
weiteren Grund, warum wir diesen Rat gegründet

Seite 1

�haben: Um durch regelmäßige Dialoge und verbesserte Transparenz Vertrauen aufzubauen.

folgreich waren und wir uns über die Notwendigkeit
einig sind, die Bestimmungen von Dayton in den
kommenden Monaten mit erneuter Kraft umzusetzen.

Ich weiß, viele Russen bezweifeln, daß ihr Land
vertrauensvolle Beziehungen zur NATO aufbauen
kann. Gestatten Sie mir zu sagen, ich erwarte nicht,
daß diese Treffen diese Einstellung über Nacht
ändern. Ich erwarte nicht, daß Rußland sich plötzlich
in die NATO verliebt.

Unsere Diskussionen über Bosnien im besonderen
und Friedenssicherung im allgemeinen stehen erst am
Anfang. Wir haben einen Rahmen für Partnerschaft,
jetzt müssen wir ihn mit den Einzelheiten füllen.

Meine einzige, leicht ironische Hoffnung ist, daß
Rußland die NATO irgendwann langweilig wird. Mit
anderen Worten, ich hoffe und erwarte, daß Rußland
die echte NATO als das kennenlernt, was sie ist:
Weder eine Bedrohung für Rußland noch die Antwort
auf die drängendsten Probleme des Landes, sondern
einfach als eine Institution, die Rußland bei der
besseren Integration in den europäischen Hauptstrom
behilflich sein kann.

Dazu zählen die Schritte, die zu unternehmen wir
bereits versprochen haben. Wir sehen der Ankunft
eines russischen militärischen Vertreters bei der NATO
erwartungsvoll entgegen. Wir müssen Verbindungsmissionen bei den wichtigsten Militärkommandos des
jeweils anderen Landes einrichten. Die NATO muß ein
Informationszentrum in Moskau eröffnen. Wir sind
bereit, das alles zu tun. Lassen Sie uns dies bis
Dezember erledigen, damit wir eine ehrgeizigere
Tagesordnung für die Zukunft in Angriff nehmen
können.

Ich glaube, daß wir beim Aufbau dieser Art von
Verständnis in Bosnien große Fortschritte erzielt
haben. Die Geschichte wird belegen, daß die NATO,
als sie das erste Mal in Aktion trat, dies zusammen mit
- nicht gegen Rußland gerichtet - tat.

Ich möchte auch betonen, daß die Grundakte zwischen der NATO und Rußland engere russische
Zusammenarbeit mit der NATO in der Partnerschaft für
den Frieden und im Euroatlantischen Partnerschaftsrat
ermutigt.

Im Namen aller meiner Kollegen in der NATO möchte
ich sagen, daß der Beitrag Rußlands zur SFORMission unerläßlich war.

Die grundlegendsten Entscheidungen, die Zusammenarbeit zwischen der NATO und Nichtmitgliedstaaten
betreffen, werden im EAPR in Anwesenheit aller
unserer Partner getroffen. Im November wird der
EAPR zur Erörterung der Stabilität im südöstlichen
Europa zusammenkommen, und wir werden eine gute
Gelegenheit haben, gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir dieses unerläßliche Forum voll und ganz
nutzen können.

Gleichzeitig sind unsere gemeinsamen Bestrebungen
in Bosnien mehr als ein Test unserer Zusammenarbeit,
mehr als ein Test der Verfahrensweise. Sie sind ein
Test unserer Prinzipien. Unser Ziel ist nicht nur
Zusammenarbeit, sondern Zusammenarbeit der Art,
daß künftige Aggression abgewehrt wird, Gerechtigkeit
geschieht und ein vereintes Bosnien seinen Platz in
einem ungeteilten Europa einnehmen kann. Unsere
Verpflichtung, unparteiisch zu sein, erfordert von uns,
jede Partei in Bosnien an dem gleichen objektiven
Standard zu messen: Wie sie die Ziele des Abkommens von Dayton voranbringt.

Die Vereinigten Staaten sehen der Sondierung all
dieser Möglichkeiten mit Rußland und unseren Verbündeten in der NATO erwartungsvoll entgegen. Wir
sind zufrieden, daß dieser Prozeß begonnen hat, und
ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, die Ansichten
meines Landes zum Ausdruck zu bringen und die
Ihren zu hören.

Aus diesem Grund bin ich erfreut, daß unsere Konsultationen in dieser Woche ernsthaft, substantiell und er-

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 19

�NATO
I.Oktober 1997

Die NATO-Erweiterung - Leichtsinn oder Notwendigkeit?
Rede von Botschafter Robert Hunter

CHICAGO - (AD) - Die Erweiterung der NATO ist dem Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika
bei der NATO, Robert Hunter, zufolge "eine Voraussetzung für die Erlangung dauerhafter Sicherheit in Europa".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Botschafter Hunter am 16. September 1997
vor dem Chicago Council on Foreign Relations in Chicago hielt.

Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Es ist mir eine Ehre,
wieder vor dem Chicago Council on Foreign Relations
sprechen zu dürfen - einer zweiten Heimat und
zweifelsohne einem Mekka für diejenigen, die Außenpolitik und die elementare Rolle des amerikanischen
Volkes bei der Erfüllung unserer Verpflichtungen im
Ausland ernst nehmen.
Es ist eine doppelte Ehre, mit Ihrem Präsidenten, John
Rielly, hier zu sein. Seit 30 Jahren darf ich ihn stolz
meinen "Freund und Kollegen" nennen, und seit 25
Jahren steht er dem Chicago Council vor, der dieses
Jahr sein diamantenes Jubiläum feiert und unter Johns
Leitung bei der Förderung des Verständnisses für das
Ausland und Amerikas angemessener Rolle in der
Welt unübertroffen ist.
Somit möchte ich kurz zwei nationale Aktivposten
würdigend hervorheben: den Chicago Council on
Foreign Relations und seinen herausragenden Präsidenten, John Rielly.
Herr Vorsitzender,
dies ist eine außergewöhnliche Zeit für die NATO.
Vor nur wenigen Jahren wurde ein Nachruf auf das
Bündnis geschrieben. Es wurde zusammen mit dem
Warschauer Pakt für Karl Marx' "Aschehaufen der
Geschichte" vorgesehen. Heute freue ich mich jedoch,
berichten zu können, daß die NATO "gesund und
munter" ist und die starke Unterstützung von 16
Verbündeten, drei zum Beitritt eingeladenen Ländern
und 24 Partnern für den Frieden genießt.

AMERIKA DIENST 19

Die NATO ist gesund und munter, weil sie sich erneut
als unverzichtbare Institution für die Erfüllung der
Bedürfnisse und das Ergreifen von Sicherheitschancen
in Europa erwiesen hat - nicht nur heute, sondern bis
hinein ins nächste Jahrhundert.
Alle 16 Verbündeten haben beschlossen, daß sie ihre
Sicherheit gemeinsam - nicht separat - verteidigen
wollen, obwohl der ursprüngliche Grund für ihr Zusammenkommen - der Kalte Krieg und die Sowjetunion
- nicht mehr existieren. Niemand möchte die Verteidigung erneut zur "nationalen Sache" machen; alle
möchten das erprobte und richtige NATO-Bündnis
fortsetzen.
Die NATO ist auch weiterhin die Grundlage für die
einzigartigen Errungenschaften der Geschichte: Die
Tatsache, daß die 15 Mitgliedstaaten der EU nichts
Geringeres erreicht haben, als den Krieg als Instrument ihrer gegenseitigen Beziehungen abzuschaffen. Es ist jetzt undenkbar, daß Deutschland und
seine Nachbarn erneut Krieg führen, und niemand
bezweifelt die Klugheit der zeitlich und territorial
möglichst umfassenden Wahrung und Ausweitung des
"europäischen zivilen Raums".
Wir in der NATO haben jetzt die Chance und die
Ambition, diesen zivilen Raum - Schritt für Schritt nach Osten auszuweiten, um Gesellschaften einzubeziehen, die bislang nicht in der Lage waren, sich
eine Zukunft ohne immer wieder auftretende Konflikte
vorzustellen. Das Bündnis hat sich über seine alten
Grenzen hinaus ausgedehnt - in diesem Sinne haben
wir die "Erweiterung" bereits vollzogen - was das
Versprechen und die Aussicht beinhaltet, Sicherheit
auf dem gesamten Kontinent zu schaffen - die dieses

Seite 1

�Mal Bestand haben wird und alle Länder und Völker
Europas einbeziehen kann, die zur Teilnahme bereit
und willens sind.
Ferner haben wir anerkannt, daß Frieden und Sicherheit in Europa einen revolutionären Ansatz zu
Rußland erfordern - dem Land, dessen Schicksal sich
als entscheidend für die Zukunft Europas erweisen
könnte: Wir dürfen es nicht wie einen Pariahstaat
behandeln, der einen Krieg verloren hat - wie Deutschland nach 1918 behandelt wurde - sondern vielmehr
als großartige Nation mit einem legitimen Recht, Teil
Europas, seiner Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und
Sicherheit zu sein - wie das Deutschland nach 1943,
das sich zu der freien und demokratischen Bundesrepublik entwickelte, wie wir sie heute kennen.
Gleichzeitig hat sich die NATO der Herausforderung
der ernstesten und dauerhaftesten Kämpfe in Europa
seit dem Zweiten Weltkrieg - in Bosnien - gestellt: Eine
Brücke zwischen Sarajevo 1914 und Sarajevo 1997 zu
schlagen. Heute ist der 637. Tag seit die NATOTruppen den Menschen in Bosnien-Herzegowina eine
Chance boten, ihr Leben in Frieden anstatt inmitten der
tragischen Konflikte der letzten Jahre zu gestalten.
Und die NATO stellt erneut unter Beweis, daß sie für
die Vereinigten Staaten in der Welt von entscheidender
Bedeutung ist. Wir sind schon lange eine europäische
Macht, was ein angemessenes Spiegelbild unserer
strategischen, politischen und wirtschaftlichen Interessen ist - sowie unserer demokratischen Werte und
Ziele.
Hierbei sind wir meines Erachtens einer Meinung, und
unser fortgesetztes Engagement für die NATO ist der
wichtigste Ausdruck dieser dauerhaften Interessen und
Werte. Ich bin dankbar, daß jeder Kongreßabgeordnete beider Parteien, der der NATO während
meiner Zeit dort einen Besuch abgestattet hat, seiner
Unterstützung für ein fortgesetztes Engagement der
Vereinigten Staaten für die europäische Sicherheit
Ausdruck verliehen hat. Gleichzeitig wurde dieses
Engagement auf dem Kontinent wieder als wesentlich
anerkannt. Die Verbündeten erwarten erneut von uns
Inspiration, eine Führungsrolle und Engagement.
Dies ist ein ernüchternder Gedanke. Es ist ein Anzeichen für die Pflichten, um deren Übernahme diese
Generation von Amerikanern erneut gebeten wird,
sowie für die schwierigen Verhandlungen und die
wesentlichen Entscheidungen, die wir Amerikaner
gemeinsam treffen müssen. Dies ist ein zusätzlicher
Grund, nach Chicago, ins Herz Amerikas, zu kommen.
Letztlich wird unsere Rolle für die europäische Sicherheit vom amerikanischen Volk entschieden
werden. Das ist richtig, angemessen und notwendig,
denn jede von uns eingegangene Verpflichtung dieser
Größenordnung muß tief in unserer politischen Kultur
verwurzelt sein.

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Herr Vorsitzender,
ist die NATO-Erweiterung Leichtsinn oder Notwendigkeit?
Das ist keine rhetorische Frage und auch keine, die wir
leicht beantworten können. Seien wir ehrlich: Was wir
jetzt tun müssen - Polen, Ungarn und die Tschechische Republik in die NATO aufzunehmen - wird die
Vereinigten Staaten unwiderruflich an die Sicherheit
Europas binden. Das wird zu neuen Ansprüchen und
zu zusätzlichen Kosten führen. Es beinhaltet ein
dauerhaftes Engagement für die Sicherheit und
Stabilität Zentraleuropas. Es bedeutet, die Anliegen
Rußlands ernst zu nehmen und zu versuchen, ihnen
zu entsprechen. Und es verlangt von den NATOVerbündeten, gemeinsam sicherzustellen, daß dies
alles gelingt, damit jedes Land im transatlantischen
Raum - von Nordamerika über ganz Eurasien zumindest in gewissem Umfang ein Interesse am
Erfolg der Verbündeten hat. Wir möchten, daß die
Menschen in Chicago, Frankfurt, Warschau, Prag,
Budapest, Bukarest und den Baltischen Staaten, in
Kiew und Moskau zum gegebenen Zeitpunkt sagen
können, daß die NATO ihnen zu einer sichereren
Zukunft verholten hat.
Und schauen Sie sich die Möglichkeiten an, wenn es
uns gelingt. Wir haben jetzt die Chance, Millionen
Menschen einzubeziehen, die seit langem unter
kommunistischer Tyrannei und sowjetischer Herrschaft
daniederliegen - abgeschnitten von der vollen Blüte
der westlichen Demokratie und den bemerkenswerten
wirtschaftlichen Erfolgen der letzten Jahrzehnte. Wir
haben die Chance, die Wunden zu heilen, die nicht nur
in einem, sondern in allen drei großen europäischen
Kriegen dieses Jahrhunderts geschlagen wurden. Wir
bieten nichts Geringeres als eine einzigartige Chance,
noch einmal die Geschichte beeinflussen zu können:
Die Arbeit des Marshallplans zu beenden und am
Aufbau demokratischer, prosperierender und sicherer
Gesellschaften in ganz Europa teilzunehmen - diesmal
nicht durch einen Eisernen Vorhang getrennt.
Die NATO hat ihre Erneuerung begonnen. Zu diesem
Zweck nahmen dieses Frühjahr führende Politiker des
Bündnisses 44 Tage lang an einer Reihe bemerkenswerter Aktivitäten teil - von der Unterzeichnung der
Grundakte zwischen der NATO und Rußland in Paris
über das Treffen von 43 Staats- und Regierungschefs
beim historischen NATO-Gipfel in Madrid. Und als die
Arbeit erledigt war, hatte sich die NATO grundlegender
gewandelt als zu jedem anderen Moment seit ihrer
Gründung vor nahezu einem halben Jahrhundert.
Dies war eine direkte Reaktion auf Präsident Clintons
Führungsrolle und basierte auf den beim Brüsseler
Gipfel von 1994 getroffenen Entscheidungen. Die
NATO war auf acht verschiedenen Gebieten tätig, die
sich gegenseitig bekräftigten und gemeinsam einen

AMERIKA DIENST 19

�kohärenten und beständigen Rahmen für die europäische Sicherheit schufen.
Im Juli vereinbarten die 16 Staats- und Regierungschefs der NATO in Madrid, die ersten drei Länder zum
NATO-Beitritt einzuladen - und wählten diejenigen aus,
die die Pflichten der Mitgliedschaft am ehesten erfüllen
und die Zustimmung zum Beitritt in den 16 Parlamenten am ehesten erhalten würden. Wir handeln jetzt mit
ihnen die Beitrittsurkunden aus.
Diese werden
nächstes Jahr an die Parlamente weitergeleitet, und im
Falle ihrer Ratifizierung - die zwei Drittel der Stimmen
des US-Senats erfordert - werden die ersten neuen
Mitglieder dem Bündnis bei einem Gipfeltreffen in
Washington am 50. Jahrestag der NATO im April 1999
beitreten.
Gleichzeitig vereinbarten die Verbündeten in Madrid,
die Tür zur Mitgliedschaft offen zu halten. Dies beides
ist miteinander verbunden - Mitgliedschaft und offene
Türen. Das Konzept istTrennlinien in Europa auszuradieren, nicht neue zu ziehen. Aus der Sicht der
Vereinigten Staaten bleibt die Tür zur NATO-Mitgliedschaft so lange offen wie europäische Länder zur
Übernahme der Pflichten einer NATO-Mitgliedschaft
bereit und willens sind. Wer der nächste sein und
wann die Aufnahme erfolgen wird, ist noch nicht
entschieden. Aber die Verpflichtung ist unumstößlich.
Die Staats- und Regierungschefs gingen jedoch noch
weiter. Vor drei Jahren leitete die NATO eines ihrer
erfolgreichsten Projekte in die Wege: Die Partnerschaft
für den Frieden. Diese hat 27 Länder in den Einflußbereich und Aktionsradius der NATO einbezogen, von
Zentraleuropa über die Ukraine und Rußland bis zu
Zentralasien. Für die wenigen Länder, die den NATOBeitritt anstreben, ist die "PfF" - wie wir sie nennen die Zwischenstation für die Mitgliedschaft, das
Übungsgelände für das Bündnis, der Übergang, der
vor dem Beitritt statt hinterher erfolgt - so daß die
Antwort Ja lauten wird, wenn der Senat der Vereinigten
Staaten fragt, ob sie bereit sind. Den Ländern, die der
NATO - zumindest nicht sofort - beitreten, ermöglicht
die PfF permanentes Engagement für das Bündnis,
und sie können buchstäblich alles tun, was ein Bündnispartner tun kann. In der Tat dienen 14 dieser
Partner jetzt bei der SFOR in Bosnien und tragen wie
jedes NATO-Mitglied ihren Teil zur Wahrung des
Friedens bei.
Gleichzeitig hat die NATO der Partnerschaft für den
Frieden durch die Gründung eines neuen Euroatlantischen Partnerschaftsrats größeres politisches
Gewicht verliehen, der seinen 43 Mitgliedern die
Festlegung des Kurses der PfF und das Vorbringen
ihrer Sicherheitsbelange im Zentrum des Bündnisses
gestattet.
Am bemerkenswertesten ist jedoch vielleicht die
Grundakte zwischen der NATO und Rußland. Sie

AMERIKA DIENST 19

bietet Rußland die Chance, eine Hauptrolle in der
europäischen Sicherheit zu spielen - wenn das Land,
wie jedes andere auch, die Spielregeln einhält. Die
Grundakte wahrt uneingeschränkt die Fähigkeit der
NATO, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und
ihre entscheidenden Qualitäten als ein Verteidigungsbündnis zu erhalten, aber sie sieht auch ein breites
Spektrum an Konsultationen, Kooperation und sogar
gemeinsamen Aktionen mit Rußland vor. In der
nächsten Woche wird der neue Ständige Gemeinsame
Rat der NATO und Rußlands bei einem Ministertreffen
in New York zusammenkommen und mit dem Entwurf
eines Arbeitsprogramms beginnen, das sich - unter der
Voraussetzung, daß es auf beiden Seiten Goodwill und
echte Anstrengungen gibt - zu einer strategischen
Partnerschaft entwickeln kann, von der beide Seiten
profitieren, während sie gleichzeitig die Interessen aller
anderen voll wahrt. Es ist immer noch schwierig, sich
vorzustellen, daß heute 1.300 russische Soldaten in
Bosnien im Rahmen der von der NATO angeführten
SFOR dienen - amerikanische und russische Soldaten
patrouillieren zusammen und verstärken sich gegenseitig zum ersten Mal seit der Auflösung der Grand
Alliance nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die NATO hat mit einer Charta, die der elementaren
Bedeutung dieses Landes im Herzen Europas Rechnung trägt, auch eine besondere Partnerschaft mit der
Ukraine besiegelt. Das ist ein entscheidender Test für
alles, was wir zu erreichen versuchen.
Die neue NATO verändert auch in tiefgreifender Art
ihre Arbeitsweise, um die höchst unterschiedlichen
militärischen Anforderungen des neuen Jahrhunderts
zu meistern. Wir werden die Anzahl der Hauptquartiere um zwei Drittel verringern; wir schaffen neue Mittel
für Organisation und Befehlsstruktur der Streitkräfte für
friedenssichernde Missionen und andere Krisen; wir
werden jedoch auch sicherstellen, daß das Bündnis
weiterhin jede mögliche militärische Herausforderung
bewältigen kann - und eine größere NATO ebenso
stark und effektiv ist wie heute.
Und schließlich haben wir bei der NATO auf den
Wunsch unserer europäischen Verbündeten reagiert,
durch eine neue Europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität mehr Verantwortung für die Verteidigung und einen größeren Teil der Last zu übernehmen. Zum ersten Mal wird die Europäische Union
unter Zuhilfenahme der NATO eigenständig militärische Operationen durchführen können, während
sie gleichzeitig die Beziehungen über den Atlantik
hinweg verstärkt, statt mit ihnen zu konkurrieren.
Herr Vorsitzender,
vor diesem Hintergrund sollten wir meines Erachtens
die Erweiterung der NATO beurteilen - als einen Schritt
in einer Sicherheitsstruktur, die Bestand haben kann,

Seite 3

�weil sie die legitimen Erfordernisse aller in Europa
engagierten Länder erfüllt.

Das wäre tatsächlich ein Mißerfolg; das wäre tatsächlich Leichtsinn.

Mit der offiziellen Bündnismitgliedschaft wollen wir die
Länder Zentraleuropas aus der Geschichte herauslösen - der Geschichte eines Jahrhunderts, in dem
Unsicherheit und Instabilität sie und so viele andere
wiederholt in Konflikte und Tragödien gestürzt hat. Wir
wollen den Wettlauf um Vorherrschaft und Kontrolle in
dieser Region beenden - so daß diese ewigen Ziele
der Machtpolitik ihr Schicksal selbst in die Hand
nehmen können. Wir wollen diesen Menschen das
Vertrauen geben, ohne Einmischung ihren Wiederanschluß an den Westen zu verfolgen, ihre neuen
Demokratien zu stärken, Marktwirtschaften aufzubauen und ein neues Leben für sich und ihre
Familien zu gestalten. Und damit wollen wir demonstrieren, daß die NATO für niemanden eine Bedrohung
darstellt, sondern vielmehr eine legitime Rolle für alle
bietet, die mit uns arbeiten möchten.

Ich bin jedoch zuversichtlich, daß wir Erfolg haben
werden - und insbesondere, daß das amerikanische
Volk die vor einem halben Jahrhundert mit dem
Marshallplan und der Gründung der NATO begonnene
Arbeit beenden wird. An dieser Bestrebung beteiligen
wir uns alle; wir alle sind ebenso gefordert wie die
mutigen und visionären führenden Politiker vor einem
halben Jahrhundert. Isaac Newton erklärte einmal, er
stünde "auf den Schultern von Riesen". Und dasselbe
gilt für uns. Ich bin zuversichtlich, daß die Geschichte,
wenn sie uns in einem halben Jahrhundert beurteilt, zu
der Überzeugung gelangen wird, daß wir den Test
bestanden haben.

Die NATO-Erweiterung ist unserer Ansicht nach daher
eine Voraussetzung für die Erlangung dauerhafter
Sicherheit in Europa.
Aber ist sie auch leichtsinnig? Das wäre der Fall,
wenn wir bei dem scheitern würden, was wir jetzt mit
ihren zahlreichen, ineinandergreifenden Aspekten
versuchen; wenn uns bei einem Verbündeten nicht die
Ratifizierung der Beitrittsurkunde gelänge; wenn wir
nicht die Mittel - die bescheidenen Mittel - zum Erhalt
der Stärke der NATO bereitstellen könnten; oder wenn
wir nicht die Vision umsetzen könnten, die den Kern
unserer derzeitigen Bestrebungen darstellt: Die
Schaffung dauerhafter Sicherheit in Europa für das 21.
Jahrhundert, die zur Wiedergutmachung der entsetzlichen Geschichte des 20. Jahrhunderts beitragen kann.

Wenn wir die Zukunft der NATO betrachten, sprechen
wir im Kern über menschliche Werte, den Glauben an
die Freiheit, der dieses Land zu dem gemacht hat, was
es ist. Vor 80 Jahren wurde eine amerikanische
Expeditonstruppe zur Verteidigung dieser Werte nach
Frankreich geschickt und erinnerte sich bei ihrer
Ankunft an einen großen europäischen Patrioten
unseres Unabhängigkeitskrieges mit den bekannten
Worten: "Lafayette, wir sind hier." Während wir uns
heute erneut der Beendigung der Aufgabe widmen, die
wir in Europa vor mehr als einem halben Jahrhundert
begonnen haben, erinnern wir uns an einen anderen
großen europäischen Patrioten, der zur Sicherung
unserer Freiheit beitrug - den Adjutanten von General
Washington, dem vom Kongreß per Gesetz die
amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen wurde.
Wir wollen sagen können: "Tadeusz Kosciuszko, wir
sind hier!"
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 19

�USA-EUROPA
I.Oktober 1997

Die neue transatlantische Agenda
Rede von Staatssekretär Eizenstat

BRÜSSEL - (AD) - Die neue transatantische Agenda (New Transatlantic Agenda - NTA) "ist nicht nur ein Erfolg,
sondern auch zum unschätzbaren Rahmen geworden, in dem wir die transatlantische Partnerschaft
weiterentwickeln", erklärte der Staatssekretär für wirtschaftliche und landwirtschaftliche Angelegenheiten, Stuart
Eizenstat, am 11. September 1997 in einer Rede vor der American Chamber of Commerce in Belgium.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Staatssekretär Eizenstat.

Ich muß diesem Publikum die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union
nicht erläutern. Ich möchte nur kurz hervorheben,
warum sie weiterhin so entscheidend sind. Wenn wir
uns auf die Probleme des Tages konzentrieren,
übersehen wir häufig einige der grundlegenden
wirtschaftlichen Tatsachen:
Der Handel zwischen den Vereinigten Staaten
und der EU übersteigt 250 Milliarden Dollar
jährlich.
Die Handelsbilanz ist im Großen und Ganzen
ausgeglichen, was für die Ähnlichkeit unserer
Volkswirtschaften spricht.
Wir sind die größten Investoren auf dem Markt
des jeweils anderen Landes. Die Vereinigten
Staaten haben 325 Milliarden Dollar in Europa
investiert, und europäische Unternehmen sind
der größte Investor in 41 unserer Bundesstaaten und die Nummer Zwei in den übrigen.
Jeder 12. amerikanische Fabrikarbeiter ist bei
einer europäischen Firma tätig.

Menschenrechten auf der ganzen Welt. Und über die
Jahrzehnte hinweg haben wir wiederholt gesehen, daß
wir beträchtliche Fortschritte bei globalen Herausforderungen erzielen können, wenn wir zusammenarbeiten.
Es sind weniger als zwei Jahre seit der Unterzeichnung der NTA in Madrid durch Präsident Clinton,
Präsident Santer und Ministerpräsident Gonzales
vergangen. Zu jener Zeit herrschte auf beiden Seiten
des Atlantiks das Gefühl vor, daß Amerikaner und
Europäer mit dem Ende des Kalten Krieges neue
Wege zur Bekräftigung unserer langen und für beide
Seiten vorteilhaften Beziehungen finden sollten. Die
NTA war das Produkt dieser Gedanken. Sie umriß vier
umfassende Ziele, die die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union zu einer "Straßenkarte" für unsere
Beziehungen im 21. Jahrhundert weiterentwickelten.
Sie enthält folgende Punkte:
1.

Förderung von Frieden, Stabilität, Demokratie
und Entwicklung.

2.

Reaktion auf globale Herausforderungen.

3.

Weiterentwicklung des Welthandels
engere Wirtschaftbeziehungen.

4.

Herstellung persönlicher Kontakte.

Amerikanische Unternehmen beschäftigen
drei Millionen Arbeitnehmer in Europa.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
sind jedoch nicht nur Wirtschaftspartner. Unsere enge
politische Zusammenarbeit ist entscheidend für die
Förderung von Frieden, Stabilität, Demokratie und

AMERIKA DIENST 19

und

Ich erinnere mich, daß ich den Madrider Gipfel mit
großen Erwartungen und Stolz auf die Rolle verließ,
die meine Kollegen und ich dabei gespielt hatten, die

Seite 1

�neue transatlantische Agenda zum Leben zu erwecken. Unsere führenden Politiker brachten ihre
eigenen hohen Erwartungen zum Ausdruck. Felipe
Gonzalez bezeichnete die NTA als einen "Quantensprung nach vorne". Jacques Santer erklärte, die
Unterzeichnung sei ein "historischer Augenblick ... der
zeige, daß Europa und Amerika jetzt die Mittel und den
Willen zu der gemeinsamen Führungsrolle haben, die
die Welt so dringend benötigt". Bill Clinton bemerkte:
"Unser Schicksal in Amerika ist immer noch mit Europa
verbunden... Diese Aktionsagenda macht deutlich,
daß unsere Partnerschaft sich entwickelt und wir neue
Herausforderungen ausmachen, die wir jedoch
gemeinsam bewältigen müssen".
Es ist genug Zeit verstrichen, um die NTA jetzt anhand
von realen Erfahrungen auszuwerten.
Ich kann voller Vertrauen sagen, die NTA ist nicht nur
ein Erfolg, sondern auch zum unschätzbaren Rahmen
geworden, in dem wir die transatlantische Partnerschaft weiterentwickeln. Sie wird zum Grundstein der
amerikanischen und der europäischen Außenpolitik.
Das soll nicht heißen, daß wir nicht mehr tun und es
besser tun müssen. Aber Inhalt und Zielrichtung der
NTA hilft uns, greifbare Vorteile für Millionen von
Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks zu schaffen.
Ohne den NTA-Prozeß könnten wir nicht auf die im
Juni unterzeichneten Abkommen über gegenseitige
Anerkennung (Mutual Recognition Agreements MRAs) verweisen. Sie werden Handelshemmnisse in
sechs Industriesektoren abbauen, die Handel im Wert
von rund 50 Milliarden Dollar in beide Richtungen
abdecken. Das kann direkt in mehr Arbeitsplätze und
Gewinne auf beiden Seiten des Atlantiks umgesetzt
werden.
Über die NTA haben wir auch ein Zollabkommen
abgeschlossen, das Verfahren standardisieren,
Bürokratie abbauen und zur Aufdeckung von Betrug
beitragen wird. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union haben ein Abkommen über die
Kontrolle von chemischen Grundstoffen unterzeichnet,
das eine Verbindung zwischen unseren Strafverfolgungsbehörden herstellt und ihnen beim Aufspüren
von großen Mengen von Chemikalien behilflich sein
kann, die an illegale Drogen produzierende Einrichtungen geliefert werden.
Diese drei Punkte sind unsere jüngsten und vielleicht
greifbarsten Erfolge, aber der NTA-Rahmen und die
"gewohnheitsmäßige Zusammenarbeit", die er hervorgebracht hat, erleichtern uns die Lösung von Problemen an ihrer Wurzel. In diesem Zusammenhang
denke ich daran, wie die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union bisher kränkende gegenseitige
Beschuldigungen wegen des Libertad-Gesetzes besser bekannt als Helms-Burton-Gesetz - und des
Sanktionsgesetzes zu Iran und Libyen vermeiden
konnten. Die Gefühle bezüglich dieser Themen

Seite 2

schlagen in den Vereinigten Staaten und Europa
weiterhin hohe Wellen. Dank des intensivierten
Dialogs der NTA und ihrer erweiterten Tagesordnung
haben jedoch beide Seiten erkannt, daß nicht einzelne
Differenzen das außerordentlich breite Spektrum
gemeinsamer Interessen in Gefahr bringen dürfen.
Das war uns bei der Bewältigung realer Differenzen über Taktiken, nicht Ziele - im Hinblick auf die Regime
in Kuba, Iran und Libyen behilflich. Durch gewohnheitsmäßige engere Konsultationen haben wir die
schädlichen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen vermieden, die fundamentale Meinungsverschiedenheiten verursacht hätten und gleichzeitig die
Aufmerksamkeit vermehrt auf grundlegende Prinzipien
gelenkt: Unterstützung von Demokratie, Respektierung
der Menschenrechte und Ablehnung von Terrorismus.
Dir Vereinigten Staaten und die Europäische Union
haben auch in internationalen Foren ausgezeichnete
Zusammenarbeit entwickelt. Wenn wir gemeinsam
handeln, können wir bei der Förderung einer Welt mit
mehr Sicherheit und Frieden etwas bewirken - und wir
arbeiten immer mehr zusammen. Mit der NTA als
Leitfaden koordinieren wir unsere Bestrebungen zur
Förderung von Frieden und Milderung humanitärer
Krisen auf der ganzen Welt. Allein im letzten Jahr
haben die Vereinigten Staaten und die EU über die
Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel (KEDO) auf Frieden und Stabilität auf der
koreanischen Halbinsel hingearbeitet, zu der die EU
einen wichtigen finanziellen Beitrag geleistet hat und
bei der sie Vorstandsmitglied sein wird. Wir haben den
Wiederaufbau von Bosnien koordiniert, wo vor kurzem
der schlimmste Konflikt Europas seit dem Zweiten
Weltkrieg ausgetragen wurde, und streben nach
Frieden im Nahen Osten. Die EU leistet den größten
staatlichen Beitrag zur Palästinensischen Autonomiebehörde. Der Direktor des Amts für internationale
Entwicklung (AID), Brian Atwood, und Kommissarin
Emma Bonino kommen regelmäßig zur Koordinierung
humanitärer Hilfe für Orte zusammen, an denen
unsere Bestrebungen wortwörtlich den Unterschied
zwischen Leben und Tod für Millionen Menschen
bewirkt haben.
Seit der Unterzeichnung der NTA kommen hochrangige Regierungsvertreter aus Washington und Brüssel
vier bis sechs Mal pro Jahr zusammen um zu prüfen,
wo wir neue Bestrebungen in die Wege leiten oder die
Aktivitäten bei laufenden Initiativen verdoppeln müssen. Die Hochrangige Beratergruppe trifft sich während jeder Präsidentschaft auf beiden Seiten des
Atlantiks und hat dazu beigetragen, die alle sechs
Monate stattfindenden Gipfeltreffen zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU aktionsorientierter und
substantieller zu machen. Ich wage zu sagen, daß nur
diese Fähigkeit, ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit zu
konzentrieren, Realzeit-Fristen zu setzen und spezielle
bürokratische Interessen zu überwinden, ein Abkommen wie die MRAs ermöglicht hat.

AMERIKA DIENST 19

�Wenn ich zu meinem direkten Verantwortungsbereich unserem wirtschaftlichen Wohlergehen - zurückkomme, muß ich dieses Publikum wohl kaum an die
großen Auswirkungen des transatlantischen Wirtschaftsdialogs (Transatlantic Business Dialogue TABD) erinnern. Dieses Forum, das auf einzigartige
Weise Geschäftsleute und Regierungsvertreter auf
beiden Seiten des Atlantiks zusammenbringt und die
vielen Bereiche gemeinsamer Interessen hervorhebt,
war die treibende Kraft hinter den MRAs, dem Informationstechnologieabkommen (Information Technology
Agreement - ITA) der WTO, dem Abkommen über
Basistelekommunikationsdienste und Zusammenarbeit
in anderen wichtigen Sektoren wie Autos. Es beeinflußt den Handel und die Investitionsagenda. Wir
erwarten ähnliche Anstöße von dem gerade ins Leben
gerufenen transatlantischen Arbeitsdialog (Transatlantic Labor Dialogue - TALD).
Mit Blick auf die Zukunft sehe ich eine NTA, die eine
immer wichtigere Rolle spielt, insbesondere da die EU
ihre Kompetenzen auf neue bedeutende Gebiete
ausweitet und ihre Grenzen erweitert, um zentraleuropäische Mitglieder aufzunehmen. Wir haben
gelernt, daß die Welt aufhorcht, wenn wir bei schwierigen Handelsfragen gemeinsam vorgehen. Bei Handelsfragen besteht meines Erachtens Spielraum für die
Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Union
zugunsten der derzeit in Genf stattfindenden Gespräche über Finanzdienstleistungen - ebenso wie es bei
dem Informationstechnologieabkommen und dem
Abkommen über Basistelekommunikationsdienste
geschehen ist. Die Uruguay-Runde hat bewiesen, daß
etwas bewegt wird, wenn die Vereinigten Staaten und
die EU sich mit einer koordinierten Haltung an Drittländer wenden.
Im Rahmen der NTA halte ich auch eine engere
Zusammenarbeit bei der dritten Säule (juristische und
innenpolitische Angelegenheiten) für möglich. Die
Vereinigten Staaten sind ein bereitwilliger Partner und
sehen produktiven und kooperativen Beziehungen zur
EU erwartungsvoll entgegen, die auch gegenseitige
Unterstützungsprogramme in der Karibik, Zentraleuropa, Lateinamerika und den neuen unabhängigen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion beinhalten. Wir
verstärken kooperative Initiativen zur Drogenbekämpfung, beispielsweise in der Karibik. Und wir freuen uns
auf eine noch engere Zusammenarbeit, wenn Europol
voll funktionsfähig ist.
Einer der erfolgreichsten Aspekte der NTA, der oft
übersehen wird, war die vierte Säule: persönliche
Kontakte. Der TABD ist ein enormer Erfolg und hat die
transatlantische Wirtschaftsgemeinschaft auf bemerkenswerte Art und Weise in unseren staatlichen
Entscheidungsfindungsprozeß eingebettet. Ebenso
begann eine vergangenen Mai vom US-Außenministerium organisierte große Konferenz, die zahlrei-

AMERIKA DIENST 19

che Nichtregierungsorganisationen anzog, mit der
Ausarbeitung eines innovativen Programms für
persönliche Kontakte im Rahmen des vierten Kapitels
der NTA. Wir erwarten, daß daraus während der
kommenden Monate eine Reihe konkreter Projekte
hervorgeht, einschließlich des kreativen Einsatzes des
Internet für den Austausch transatlantischer Erfahrungen und der Schärfung des Bewußtseins der Generationen, für die Weltkrieg, Wiederaufbau und sogar der
Kalte Krieg nur Geschichte sind.
Haben wir die großen Erwartungen erfüllt, die unsere
Staats- und Regierungschefs an die NTA gestellt
haben? Nein, das haben wir nicht - noch nicht.
Präsident Clinton erklärte vor drei Jahren in Berlin, als
die ersten Pläne für die spätere NTA gemacht wurden,
ein integriertes Europa sei Amerikas bester natürlicher
Partner für das 21. Jahrhundert. Wir haben in kurzer
Zeit viele Fortschritte gemacht, aber es wird wahrscheinlich Jahre dauern, bevor wir hoffen können, das
Potential der NTA zum Aufbau dieser Art von Beziehungen und für die Reaktion darauf zu nutzen.
Im Bereich der Wirtschaft könnten "gewohnheitsmäßige Konsultationen" auf den Gebieten Biotechnologie, öffentliche Gesundheit und Umwelt stärker
eingesetzt werden. Dies sind heikle Themen, die für
das Wohlergehen unserer Familien wichtig sind und
Gebiete, bei denen die Menschen gefühlsbetont
reagieren, wenn sie nicht alle Fakten kennen. Wir
sollten besondere Vorsicht walten lassen, damit die
von uns für die öffentlichen Belange unternommenen
Schritte auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage basieren und nicht dem legitimen Handel mit neuen
Produkten schaden. Wir sind beispielsweise sehr
besorgt über das vorgeschlagene Verbot von spezifizierten Risikomaterialien (Specified Risk Materials SMR), das einer wissenschaftlichen Grundlage
entbehrt und amerikanische Exporte nach Europa in
Milliardenhöhe betreffen könnte. Wenn wir uns einmal
von diesem grundlegenden Prinzip abgewandt haben,
öffnen wir nicht nur allen möglichen protektionistischen
Maßnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks Tor und
Tür, sondern laufen auch Gefahr, wissenschaftlichen
Fortschritt zu behindern, der unserer Gesundheit dient,
Kosten verringern und allgemein unsere Lebensqualität verbessern könnte.
Für die EU wird es auch wichtig sein, sich an die
jüngste Entscheidung der WTO gegen das Bananenregime der EU zu halten. Wir können keinen Schadensersatz akzeptieren. Unseres Erachtens können
wir ein im Einklang mit der WTO stehendes Abkommen aushandeln, das auch die Notwendigkeit
eines Marktzugangs der karibischen Länder zum EUMarkt anerkennt. Es ist wichtig, daß die EU den
neuentwickelten
Konfliktschlichtungsmechanismus
respektiert - wie es die Vereinigten Staaten in den von
ihnen verlorenen Fällen getan haben.

Seite 3

�Die NTA vermeidet ehrgeizige langfristige Ziele wie
eine mögliche transatlantische Freihandelszone
zugunsten eines progressiven Abbaus oder einer
Beseitigung von Handelshemmnissen. Auf beiden
Seiten des Ozeans gab es keine angemessene
Unterstützung für mehr. Wir möchten, daß die von der
NTA vorgeschriebene gemeinsame Wirtschaftsstudie
konkrete und ehrgeizige Empfehlungen hervorbringt.
Wir sollten uns jedoch immer wieder fragen, ob wir
unsere Ziele hoch genug gesetzt haben und ob es
auch die richtigen Ziele sind. Ich persönlich bin der
Überzeugung, daß wir ein langfristiges wirtschaftliches
Ziel setzen werden und müssen, das ehrgeiziger ist als
nur die Überwindung einer kleinen Hürde nach der
anderen.
Der umfassenden Nutzung der NTA im Bereich der
Außenpolitik stehen zahlreiche Hindernisse im Weg.
Die EU arbeitet noch hart an der Verbesserung ihrer
internen Mechanismen. Wir sehen den aus der
zwischenstaatlichen Konferenz resultierenden Vorteilen nach der Ratifizierung ihrer Ergebnisse erwartungsvoll entgegen. Diese werden jedoch zweifelsohne nicht die Schwierigkeiten beilegen, denen sich die
EU bei der schnellen und gemeinsamen Reaktion auf
Krisen oft gegenübersieht. Es sollte kein Zweifel daran
bestehen, daß die Vereinigten Staaten eine zusammenhängendere, direktere, einheitlichere Stimme der
EU in der politischen Arena befürworten. Dadurch
würde die EU zu einem noch effektiveren Partner der
Vereinigten Staaten bei internationalen Angelegenheiten.
Wir in den Vereinigten Staaten brauchen noch mehr
Praxis bei der Entwicklung der Instinkte für echte
Konsultationen und echte Partnerschaft mit einer
Körperschaft, mit der die Zusammenarbeit oft frustrierend langsam und kompliziert ist - und die ihre eigenen
Ideen davon hat, was in Situationen getan werden
sollte, in denen sie beträchtliche Hilfe leistet. Bosnien,
der Nahe Osten, die Bestrebungen zur Entschärfung
der Spannungen in der Ägäis, zur Überwindung der
Teilung von Zypern und zur Stärkung der Beziehungen
des Westens zu unserem türkischen Verbündeten sind
nur einige der Themen, die uns alle weiterhin auf die
Probe stellen. Zypern ist ein ausgezeichnetes Beispiel
für die elementare Bedeutung der Zusammenarbeit
zwischen der EU und den Vereinigten Staaten, um
dieser geplagten Insel - einem zukünftigen Mitgliedstaat der EU - Frieden zu bringen. Präsident Clintons
Ernennung von Richard Holbrooke zum Sondergesandten unterstreicht die Bedeutung, die wir diesem
Thema beimessen.
Wir müssen in noch engerem Kontakt bleiben und
offen miteinander sprechen, während in den letzten
Jahren dieses Jahrzehnts und dieses Jahrhunderts
Ereignisse von wahrhaft historischer Bedeutung
stattfinden: Die Erweiterung der EU und der NATO, die
Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) sowie die

Seite 4

Einführung des Euro. Letzteres ist der vielleicht
mutigste Schritt zur politischen und wirtschaftlichen
Integration Europas. Die Vereinigten Staaten, die seit
dem Marshallplan überzeugter Befürworter der
Integration sind, wünschen sich einen Erfolg der
Wirtschafts- und Währungsunion. Die EWWU hat
größere Auswirkungen auf die Gestalt Europas im
neuen Jahrtausend als nahezu alles andere. Die
Vereinigten Staaten und die EU sollten ihre Diskussionen über in Verbindung mit der EWWU stehende Schritte in den nächsten Monaten intensivieren.
Folglich besteht Grund zu Optimismus im Zusammenhang mit der NTA. Wenn ich Lehrer wäre, würde ich
beiden Seiten eine Zwei-plus geben - eine gute Note
nach nur zwei Jahren. Dennoch haben wir noch einen
langen Weg vor uns, um die Vision vom "besten
Partner" zu realisieren, auf der die NTA gründet.
Die NTA ist ein machtvolles, flexibles, aber auch
zerbrechliches Werkzeug. Unsere führenden Politiker
werden darauf bestehen, daß es noch produktiver
wird, wenn es weiterhin ihr Interesse erregen und ihre
Unterstützung erhalten soll. Das verlangt von denjenigen, die es täglich nutzen, zwei nur bei oberflächlichem Hinsehen gegensätzliche Dinge: Die Routine
fortzusetzen und hart an der Entwicklung gemeinsamer Ansätze bei den 1001 Fragen dieser äußerst
komplexen Beziehungen zu arbeiten, nachdem die
erste Begeisterung und der erste Glamour verflogen
sind. Den Trott bürokratischer Routine zu vermeiden,
uns vor Augen zu führen, daß das Ziel dieses Unterfangens nicht noch mehr Gipfelerklärungen sind,
sondern vielmehr die Stärkung - sogar die Neuerfindung - der transatlantischen Beziehungen, die Umstrukturierung des zentralen Elements der gegenseitigen Sicherheitsbande zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa.
Dieses ehrgeizige Ziel kann nicht von der Regierung
alleine erreicht werden. Ich habe bereits darauf
hingewiesen, in welch hohem Maße die Erfolge der
NTA auf die äußerst effektive Rolle des TABD zurückzuführen sind, die Aufmerksamkeit der Regierung
darauf zu lenken, was für die Verbesserung Ihrer
Fähigkeit zur Abwicklung von Geschäften erforderlich
ist. Wesentlich ist, daß Sie bei diesem Prozeß engagiert bleiben und uns bei der Konzentration auf
Themen behilflich sind, die direkte Auswirkungen auf
Gesundheit, Wohlergehen und Wohlstand unserer
Bürger haben. Ich vertrete zwar gerne die Ansicht,
daß wir Ihre Bedürfnisse antizipieren können, aber nur
Sie können uns sagen, welche Schritte Ihre Fähigkeit
zur Abwicklung von Geschäften verbessern. Wir
müssen weiterhin die Initiative ergreifen, um beiden
Seiten Ihre Ansichten und Empfehlungen deutlich zu
machen.
Ferner müssen Sie auch konsequent
sicherstellen, daß wir Ihre Empfehlungen befolgen.
Letztlich hängen Erfolg und Gesundheit der transatlantischen Beziehungen nicht nur von der zwischen-

AMERIKA DIENST 19

�atlantischen Beziehungen nicht nur von der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit ab, sondern - viel grundlegender - von Ihnen und den anderen Teilen unserer

Gesellschaften, die eine gemeinsame Vision haben
und zusammen auf gemeinsame Ziele hinarbeiten.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 19

Seite 5

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 01.10.1997</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clintons innen- und außenpolitische Agenda&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der American University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright: arabische Welt muss sich geeint für Frieden und Sicherheit einsetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der US-Außenministerin vor dem Golf-Kooperationsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright: Wir wollen, dass der Frieden Bestand hat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Außenministerin vor dem Ständigen Gemeinsam Rat der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO-Erweiterung - Leichtsinn oder Notwendigkeit?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert Hunter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue transatlantische Agenda&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Eizenstat&lt;/em&gt;</text>
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