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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

SrioN ^

Z12462 C

13

9. Juli 1997

NATO

CLINTON NENNT VIER GRUNDE FÜR DIE
NATO-ERWEITERUNG
Rede des Präsidenten

ELEKTRONISCHER HANDEL

CLINTON FORDERT "GLOBALE
FREIHANDELSZONE" IM INTERNET
Rede des Präsidenten
SCHAFFUNG EINES GUNSTIGEN UMFELDS
FÜR ELEKTRONISCHEN HANDEL
Rede des amerikanischen Wirtschaftsministers
GLOBALE INFORMATIONSNETZE ALS NEUES
ELEMENT DER WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
Rede von Wirtschaftsminister Daley

MARSHALLPLAN

DIE NEUE ROLLE EUROPAS AUS DER
SICHT DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von J.D. Bindenagel

UMWELT

CLINTON VERSPRICHT FONDS FÜR
ENERGIEPROJEKTE IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
Rede des Präsidenten beim Erdgipfel

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�4. JULI

BESTE WUNSCHE ZUM
UNABHÄNGIGKEITSTAG
Ansprache des Präsidenten

GESELLSCHAFT

OREGON TRAIL - DER WEG NACH WESTEN
von Brad Knickerbocker

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�NATO
9. Juli 1997

Clinton nennt vier Gründe für die NATO-Erweiterung
Rede des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir auszugsweise die Rede, die Präsident Clinton am 3. Juli
1997 vor Veteranen des Zweiten Weltkriegs im Weißen Haus hielt.

In der kommenden Woche werden wir einen historischen Schritt unternehmen um sicherzustellen, daß die
Menschen im In- und Ausland mehr Freiheit als je
zuvor genießen: Wir werden die neuen Demokratien
Zentraleuropas beim NATO-Gipfel in Madrid einladen,
unserem Bündnis beizutreten. Ich danke denjenigen,
die sich bereits vor mir für diese Länder eingesetzt
haben. Parallel zu unseren Bestrebungen zum Aufbau
von Beziehungen der NATO zu Rußland und der
Ukraine und im Rahmen der Partnerschaft für den
Frieden mit so vielen anderen europäischen Demokratien arbeiten wir an der Gestaltung eines Europas, das
erstmals seit der Existenz von Nationalstaaten auf
diesem Kontinent ungeteilt, demokratisch und friedlich
ist.
Unsere Nation hat seit mehr als fünf Jahrzehnten auf
dieses Ziel hingearbeitet und dafür Opfer gebracht.
Jetzt liegt es in unmittelbarer Reichweite. In Europa
haben wir nächste Woche die Chance zur Stärkung
der Werte, die wir alle in Ehren halten - Freiheit,
Demokratie und Sicherheit. Unsere Arbeit in Madrid
wird der krönende Abschluß der Führungsrolle unserer
Nation im 20. Jahrhundert und ein Grundpfeiler für ein
neues Zeitalter der Chancen im 21. Jahrhundert sein.
Ich sah heute in einer Zeitung eine Umfrage, die
besagt, daß nur sechs Prozent der Amerikaner der
Ansicht sind, sie verfolgten die Ereignisse innenhalb
des Bündnisses und wüßten viel über diese Vorgänge.
Das ist in gewisser Weise ein Zeichen gebührender
Anerkennung des Erfolgs der NATO, denn es wurde
noch nie ein Bündnismitglied angegriffen. Wäre das
der Fall gewesen, wüßten die Menschen viel mehr
über die NATO.

Jetzt ist es für uns an der Zeit sicherzustellen, daß
mehr Amerikaner sich der Bedeutung der NATO für
unsere Sicherheit bewußt werden und verstehen,
welche Rolle das Bündnis in Zukunft spielen kann und
warum seine Erweiterung im ureigensten Interesse des
amerikanischen Volkes liegt. Alle mit dieser Frage
beschäftigten Menschen und alle hier Anwesenden
haben einen großen Beitrag hierzu geleistet. Ich hoffe,
daß Sie nach Abschluß dieser Veranstaltung mit Ihren
Freunden und Nachbarn, Mitgliedern Ihrer Organisationen und allen, mit denen Sie Kontakt haben, über
diese Angelegenheit sprechen.
Es gibt vier Gründe, warum die NATO-Erweiterung im
Einklang mit unseren Werten steht und unsere Interessen fördert. Erstens wird unser Bündnis stärker und
kann die Herausforderungen der europäischen
Sicherheit besser bewältigen. Wie bereits gesagt
wurde: Wenn wir aus dem 20. Jahrhundert auch nur
eine Lehre gezogen haben, dann die, daß unsere
Zukunft und die Europas untrennbar verbunden sind.
Eine NATO, die Europas neue Demokratien umfaßt,
wird besser in der Lage sein, ihre Missionen durchzuführen, das Territorium ihrer Mitglieder zu verteidigen und die Konflikte anzusprechen, die unseren
gemeinsamen Frieden bedrohen. Die Tschechen und
Polen haben im Golfkrieg Seite an Seite mit amerikanischen Soldaten gekämpft.
Die Tschechische
Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, die baltischen
Staaten und viele andere zentraleuropäische Länder,
die den Beitritt zur NATO anstreben, entsenden bereits
Truppen zur friedenssichernden Mission der NATO in
Bosnien.
In der Tat hätten wir unsere Truppen ohne die entscheidende Hilfe Ungarns und unser Bereitstellungs-

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�gelände in Taszar, das ich kurz nach seiner Einrichtung besucht habe, nicht so komplikationslos und
schnell nach Bosnien entsenden können. Indem wir
die neuen Demokratien in die NATO einbeziehen und
unsere Zusammenarbeit mit anderen, die zur Zeit nicht
Mitglieder aber Teil unserer Partnerschaft für den
Frieden sind, vertiefen, bauen wir ein stärkeres
Bündnis für alle zukünftigen Herausforderungen der
transatlantischen Sicherheit auf.
Zweitens wird die NATO-Erweiterung offenkundig zur
Sicherung der Errungenschaften der Demokratie in
Europa beitragen. Die NATO kann für den Osten
Europas das tun, was sie nach dem Zweiten Weltkrieg
für den Westen Europas getan hat - das erforderliche
Klima zu schaffen, damit Freiheit und Wohlstand
überleben, wachsen und prosperieren können.
Drittens wird die NATO-Erweiterung zweifelsohne
mögliche Mitglieder zur friedlichen Beilegung ihrer
Meinungsverschiedenheiten ermutigen, und das wird
die Möglichkeit weiterer Konflikte in Europa verringern.
Die bloße Aussicht auf die NATO-Mitgliedschaft hat die
Länder in Zentraleuropa bereits zur Verbesserung der
Beziehungen zu ihren Nachbarn und zur Beilegung
von Grenz- und ethnischen Streitigkeiten veranlaßt, die
zu einem anderen Zeitpunkt und unter anderen
Gegebenheiten zu einem Konflikt hätten führen
können.

*

Seite 2

Und schließlich wird die NATO-Erweiterung die von
Stalin am Ende des Zweiten Weltkriegs gezogene
künstliche Trennlinie ausradieren. Die NATO wird
Europa jetzt helfen, in Sicherheit zusammenzukommen
und nicht in Instabilität auseinandergehalten zu
werden. Die Türen der NATO werden für alle diejenigen offen bleiben, die zur Übernahme der Pflichten der
Mitgliedschaft bereit sind, so daß wir nicht eine alte
Teilung in Europa durch eine neue ersetzen. Die von
den NATO-Verbündeten in Madrid getroffene Entscheidung darf keine einmalige Entscheidung sein.
Einige argumentieren, die zentraleuropäischen Nationen, die zum NATO-Beitritt eingeladen werden, seien
nicht bereit, Seite an Seite mit uns zu stehen. Aber mit allem Respekt - sie haben Unrecht. Die Nationen,
die wir für die Mitgliedschaft in Betracht ziehen, teilen
unsere Werte und Wünsche. Das haben sie immer
wieder unter Beweis gestellt. Sie haben auch die
Fähigkeit, das zu tun, was von NATO-Mitgliedern
erwartet wird.
Wir müssen Europa eine Chance geben, zum ersten
Mal in seiner Geschichte frei und ungeteilt zu sein.
Darauf werden wir in der nächsten Woche und in den
kommenden Monaten und Jahren hinarbeiten, während wir weiterhin mit den Demokratien Europas
zusammenarbeiten, die NATO stärken und sie an die
Missionen des 21. Jahrhunderts anpassen.

* * *

*

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�ELEKTRONISCHER

HANDEL
9. Juli 1997

Clinton fordert "globale Freihandelszone" im Internet
Rede des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Veröffentlichung des Berichts des Weißen Hauses mit dem Titel "Ein
Rahmen für globalen elektronischen Handel" erklärte Präsident Clinton am 1. Juli 1997, die Vereinigten Staaten
werden mit Hilfe der Welthandelsorganisation "das Internet innerhalb von 12 Monaten zu einer Freihandelszone"
machen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten unwesentlich gekürzt.

Vor 139 Jahren feierten die Vereinigten Staaten hier im
Weißen Haus die erste technologische Revolution im
Kommunikationswesen. In diesem Jahr schickte
Königin Victoria das erste Telegramm über den Atlantik
an Präsident Buchanan - genau hier. Und später
befand sich das erste Telefon in der Bundeshauptstadt
Washington in einem Raum im Obergeschoß - dem
gleichen Raum, von dem aus Woodrow Wilson den
amerikanischen Einsatz im Ersten Weltkrieg leitete.
Wir haben also über die Jahre hinweg viele interessante technologische Entwicklungen im Weißen
Haus miterlebt.
Jetzt feiern wir das unglaubliche Potential des Internet
und des World Wide Web. Als ich - vor nicht allzu
langer Zeit - Präsident wurde, nutzten nur Physiker das
Internet. Heute sind ungefähr 50 Millionen Menschen
in 150 Ländern an die Datenautobahn angeschlossen.
Bis zum Jahr 2000 werden es fünfmal - wenn nicht
mehr - sein, die alles Erdenkliche tun. Wir können uns
nicht genau vorstellen, wie das 21. Jahrhundert
aussehen wird, aber wir wissen, daß die Wissenschaft
und Technologie sowie das beispiellose Verschmelzen
von Kulturen und Volkswirtschaften des kommenden
Jahrhunderts in hohem Maße vom Internet beeinflußt
werden.
Der heute veröffentlichte Bericht enthält unsere
Bestrebungen, das Internet für alle Menschen nutzbar
zu machen. Binnen einer Generation soll jedes Kind in
Sekundenschnelle mit der Maus jedes Buch, das je
geschrieben wurde, jede Symphonie, die je komponiert

AMERIKA DIENST 13

wurde, jeden Film, der je gedreht wurde und jedes
Gemälde, das je gemalt wurde, anklicken können.
Dieses Potential kommt einer Revolution gleich. Der
Vizepräsident und ich arbeiten darauf hin, bis zum Jahr
2000 jedes Klassenzimmer und jede Bibliothek an das
Internet anzuschließen, so daß zum ersten Mal jedes
Kind ohne Rücksicht auf seine persönlichen, wirtschaftlichen oder geographischen Umstände Zugang
zu demselben Wissen in der gleichen Zeit und auf
demselben Qualitätsniveau haben kann. Das könnte
das Bildungswesen in den Vereinigten Staaten
revolutionieren.
Unser neuer Plan für einen ausgeglichenen Haushalt
enthält darüber hinaus 300 Millionen Dollar zur
Entwicklung der nächsten Generation des Internet, so
daß führende Universitäten und nationale Labors mit
einer 1.000 Mal höheren Geschwindigkeit kommunizieren können, um neue medikamentöse Behandlungen,
neue Energiequellen und neue Wege der Zusammenarbeit zu erarbeiten.
Aber wie bereits gesagt wurde, wird das Internet in der
Handelswelt auf revolutionärste Weise angewendet.
Wir können bereits Bücher und Kleidung kaufen,
geschäftliche Ratschläge erhalten und alles von
Gartenwerkzeug über scharfe Soßen bis zu Hightechgeräten über das Internet beschaffen. Und wir wissen,
das ist erst der Anfang. Der Handel über das Internet
verdoppelt oder verdreifacht sich jedes Jahr. In
wenigen Jahren wird er Milliarden von Dollar an Waren
und Dienstleistungen hervorbringen.

Seite 1

�Wenn wir ein Umfeld schaffen, in dem elektronischer
Handel wachsen und prosperieren kann, wird jeder
Computer eine Chance für jedes - kleine und große Unternehmen überall auf der Welt sein. Nicht nur
führende Wirtschaftsunternehmen wie IBM werden in
der Lage sein, neue Märkte zu erschließen; auch die
kleinste neugegründete Firma wird ein unbegrenztes
Verkaufs- und Verteilernetz zur Verfügung haben. Es
wird buchstäblich möglich sein, morgen ein Unternehmen zu gründen und nächste Woche Geschäfte mit
Japan, Deutschland und Chile zu tätigen, ohne zu
reisen - etwas, das man früher über Jahre hinweg
hätte aufbauen müssen. Auf diese Weise kann und
sollte das Internet für Unternehmen jeder Größenordnung eine wirkliche Unterstützung sein.
Heute wissen wir jedoch, daß der elektronische
Handel auch beträchtliche Risiken beinhaltet, die
außerordentliches Wachstum und Fortschritt verhindern könnten. Es gibt praktisch keine internationalen
Übereinkünfte oder Vereinbarungen über elektronischen Handel. Viele grundlegende Prinzipien für
Verbraucherschutz und Urheberrechte sind nicht im
Cyberspace enthalten. Elektronischer Handel ist in
vieler Hinsicht der Wilde Westen der Weltwirtschaft.
Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß
diejenigen, die darin Handel treiben wollen, ein
sicheres und stabiles Terrain vorfinden.
Dabei
müssen wir jetzt, da sich der elektronische Handel
noch in den Kinderschuhen befindet, mit anderen
Nationen zusammenarbeiten.
Zur Bewältigung dieser Herausforderung freue ich
mich, unseren neuen Bericht über globalen elektronischen Handel vorstellen zu dürfen, in dem unsere
Prinzipien bei unserem Bemühen dargelegt werden,
Grundregeln für den internationalen elektronischen
Handel mit möglichst wenigen Vorschriften und keinen
neuen diskriminierenden Steuern aufzustellen. Da das
Internet ein enormes Wohlstandspotential hat, sollte es
eine globale Freihandelszone sein. Es sollte ein Ort
sein, an dem Regierungen, wie der Vizepräsident
bereits erklärte, als erste die Initiative ergreifen und
nicht die Entwicklung behindern.
Wir wollen den Privatsektor soweit wie möglich zur

freiwilligen Selbstkontrolle ermutigen. Wir wollen alle
Nationen ermutigen, den elektronischen Handel nicht
mit diskriminierenden Steuern, Zöllen, unnötigen
Vorschriften und lästiger Bürokratie zu belasten.
Wo das Engagement der Regierung nötig ist, sollte es
auf die Unterstützung eines kalkulierbaren, beständigen, gesetzlichen Umfelds für Wirtschaft und Handel
abzielen, damit diese unter fairen und verständlichen
Bedingungen prosperieren können. Und wir sollten
alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um
bestehende Gesetze oder Vorschriften abzuändern,
die den elektronischen Handel behindern könnten. Wir

Seite 2

möchten diese Grundsätze bis zum 1. Januar 2000 in
die Tat umsetzen.
Heute möchte ich drei spezifische Aktionen zur
Erlangung dieses Ziels bekanntgeben und den
Vizepräsidenten bitten, unsere dabei erzielten Fortschritte zu überwachen. Erstens weise ich alle Leiter
der Bundesministerien und -behörden an, ihre den
globalen elektronischen Handel betreffende Politik zu
überprüfen und sicherzustellen, daß sie im Einklang
mit den fünf Grundprinzipien dieses Berichts steht.
Zweitens beauftrage ich die Mitglieder meines Kabinetts, sich für die Erlangung einiger unserer Hauptziele
im nächsten Jahr einzusetzen. Ich beauftrage Finanzminister Robert Rubin, die erforderlichen Abkommen
auszuhandeln, die eine neue diskriminierende Besteuerung des elektronischen Handels verhindern. Ich
weise unsere Handelsbeauftragte, Charlene Barshefsky, an, im Rahmen der Welthandelsorganisation
WTO das Internet innerhalb von 12 Monaten zu einer
Freihandelszone zu machen - auf der Grundlage von
Fortschritten bei unserem bahnbrechenden Informationstechnologieabkommen und unserem Globalen
Telekommunikationsabkommen, das bei Waren und
Dienstleistungen im Wert von mehr als einer Billion
Dollar Zölle abschaffte und Handelshemmnisse
abbaute.
Ich beauftrage Wirtschaftsminister Daley mit der
Entwicklung von grundlegendem Verbraucher- und
Urheberrechtsschutz für das Internet, um das erforderliche kalkulierbare rechtliche Umfeld für den
elektronischen Handel zu schaffen und unsere Einbeziehung des Privatsektors im Rahmen einer entsprechenden Strategie zu koordinieren.
Ich beauftrage die relevanten Behörden, mit dem
Wirtschaftsministerium, der Industrie und den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten und zu
gewährleisten, daß die Amerikaner ihren wirtschaftlichen Aktivitäten in einem sicheren elektronischen
Umfeld nachgehen können, das ihr Vertrauen und ihre
Zuversicht bewahrt. Nächste Woche werden Wirtschaftsminister Daley und Ira Magaziner mit einer
Delegation nach Europa reisen, um unseren europäischen Handelspartnern unsere Vision von elektronischem Handel vorzustellen.
Drittens fordere ich den Privatsektor auf, uns bei der
Bewältigung einer der größten Herausforderungen des
elektronischen Handels zu helfen: Sicherzustellen, daß
wir effektive Methoden für den Schutz der Privatsphäre
jedes Amerikaners entwickeln, insbesondere der
Kinder, die das Internet nutzen. Viele von Ihnen,
meine Damen und Herren, arbeiten bereits im Bundeshandelsausschuß mit dem Vorsitzenden Pitofsky
und Kommissar Varney bei dieser Frage zusammen.
Ich fordere Sie dringend dazu auf, diese Arbeit fortzusetzen und neue Wege zum Schutz unserer grund-

AMERIKA DIENST 13

�legenden Rechte und Freiheiten zu finden, damit wir in
Sicherheit Handel treiben, lernen und kommunizieren
können.
Wie ich bereits letzte Woche sagte, ist es von besonderer Bedeutung, Eltern und Lehrern die notwenigen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie das
Internet für Kinder sicher machen können. Nichteinmischung in den elektronischen Handel darf nicht zu
Gleichgültigkeit im Zusammenhang mit der Erziehung
und dem Schutz von Kindern führen. Ich bitte die
heute hier anwesenden Wirtschaftsvertreter, mit uns
an der Entwicklung einer Lösung für das Internet
zusammenzuarbeiten, die für den Computer ebenso
wirkungsvoll ist wie der V-Chip für das Fernsehen, so
daß Kinder im Einklang mit dem ersten Zusatzartikel
zur Verfassung geschützt werden.
Ende des Monats werde ich ein Treffen mit Vertretern
der Industrie und die Internetnutzer vertretenden
Gruppen, Lehrern, Eltern und Bibliothekaren einberufen, um den Eltern behilflich zu sein, ihre Kinder
vor anstößigem Inhalt im Cyberspace zu schützen.

*

AMERIKA DIENST 13

Heute wollen wir sicherstellen, daß der internationale
Handel im Internet frei von diskriminierenden Steuern,
Zöllen, Bestimmungen und Vorschriften sowie frei von
Produktpiraterie ist.
Im 21. Jahrhundert können wir einen Großteil unseres
Reichtums an Innovationen im Cyberspace schaffen auf Wegen, die sich die meisten von uns nicht einmal
vorstellen können. Diese Vision hat ein Amerika zum
Ziel, in dem jeder Amerikaner - Verbraucher, Kleinunternehmer und Geschäftsführer - unseren Handel in
die entferntesten Winkel der Erde ausdehnen kann.
Wenn wir jetzt das Richtige auf die richtige Weise tun,
können wir unsere Volkswirtschaft in ein neues
Zeitalter führen, in dem unsere Innovation, Flexibilität
und unsere Kreativität für alle unsere Bürger enorme
Vorteile erzielt, in dem wir die Chancen bewahren,
unsere Bürger einander näherbringen und Amerika der
Welt näherbringen.
Ich bin zuversichtlich und kann Ihnen versichern, daß
wir unseren Teil zur Umsetzung der Prinzipien beitragen, für die wir heute eintreten. Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
9. Juli 1997

Schaffung eines günstigen Umfelds
für elektronischen Handel
Rede des amerikanischen Wirtschaftsministers

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Wirtschaftsminister William
Daley bei der europäischen Ministerkonferenz über globale Informationsnetze hielt, die vom 6.-8. Juli 1997 in
Bonn veranstaltet wurde.

Vielen Dank, Herr Minister Wijers, für Ihre freundlichen
Einführungsworte. Ich möchte auch Kommissar Monti
und Staatssekretär Ueno danken, daß sie heute hier
anwesend sind und ihre Gedanken in unsere wichtige
Arbeit einbringen.
Es ist äußerst angebracht, daß wir zu unseren Erörterungen über diesen neuen Handelsbereich in Bonn
zusammenkommen.
Schließlich verkörpert diese
Stadt die Realitäten unserer Zeit und die globalen
Veränderungen, die wir alle erleben. Nach dem
Zweiten Weltkrieg wurde Bonn als temporäre Bundeshauptstadt angesehen - als Sitz der Regierung, bis
Berlin vereinigt sein würde und seinen Platz auf der
internationalen Bühne wieder einnehmen könnte. Die
Jahre verstrichen, Bonn funktionierte weiterhin als
Zentrum der Regierung, und hier wurde in dem festen
Glauben, daß Berlin wartete, wenig gebaut oder
erweitert. Selbst als es schwieriger wurde, Büros zu
finden, selbst als die Nationen der Welt feststellten,
daß ihre Botschaften hier unter Raumnot litten, selbst
als die Erfordernisse eines produktiven und wohlhabenden Deutschlands größere Regierungseinrichtungen notwendig machten, blieb Bonn eine der
kleinsten Städte unter den großen Hauptstädten der
Welt.
Nach ungefähr 40 Jahren sah man schließlich Ende
der achtziger Jahre Baukräne und Baustellen als sich
unter den Politikern die Annahme verbreitete, daß die
Bundeshauptstadt vielleicht für immer Bonn sein
würde. Und gerade als die Bauarbeiten in Bonn
begannen, ging der Kalte Krieg plötzlich zu Ende, die
Berliner Mauer fiel und die Bundeshauptstadt kehrte
nach Hause zurück. Meines Erachtens ist dies eine

AMERIKA DIENST 13

gute Lehre und erinnert uns daran, daß sich unsere
Welt manchmal schneller als erwartet verändert, und
es an uns und den Staats- und Regierungschefs auf
der ganzen Welt ist, vernünftig, einsichtig und klug zu
handeln, während wir auf das nächste Jahrhundert
hinarbeiten.
Betrachten Sie sich die moderne amerikanische
Wirtschaft: Vor nicht allzu langer Zeit hätte niemand
gedacht, daß Hochtechnologie 40 Prozent der jährlichen Zunahme des Bruttoinlandsprodukts der
Vereinigten Staaten ausmachen, oder ein von einem
ungarischen Einwanderer betriebenes neugegründetes
Unternehmen namens Intel so profitabel wie General
Electric sein, oder mehr als ein Viertel der Amerikaner
das Internet nutzen, oder Silicon Valley so lebenswichtig für unsere Volkswirtschaft sein würde wie
Detroit oder New York. Was für die Vereinigten
Staaten zutrifft, gilt auch für die EU, Zentral- und
Osteuropa, Asien und das pazifische Becken, die
westliche Hemisphäre, Afrika und den Nahen Osten und wir befinden uns gemeinsam inmitten dieses
dramatischen und weitreichenden wirtschaftlichen und
sozialen Wandels.
Während wir überlegen, wie die alltäglichen Geschäfte
- Verhandlungen, Vergleiche, Vertragsabschlüsse,
Verkäufe, Ausschreibungen und Käufe - über das
Internet und die Globale Informationsinfrastruktur
abgewickelt werden können, haben wir eine Option:
als Partner vorzugehen. Weniger zu tun, hieße, diese
nächste großartige wirtschaftliche Phase für eine
weitere Trennlinie zwischen Nationen aufs Spiel zu
setzen, wobei uns Sprache, Kultur, Geographie,

Seite 1

�Währung, Geschichte und technologisches Geschick
immer noch von der Zusammenarbeit abhalten.
Wir befinden uns bereits in einer sehr glücklichen
Lage. Die für den elektronischen Handel erforderliche
Technologie existiert schon, wird angewendet und
verbindet heute rund 60 Millionen Menschen auf der
Welt in einem nahtlosen Netz. Jede Transaktion, die
aus der Ferne vorgenommen wird, sei es per Telefon,
Fax oder Post, kann über das Internet billiger, schneller und leichter erfolgen. Und angesichts der Tatsache, daß in weniger als 15 Jahren schätzungsweise 1
Milliarde Menschen auf der Welt - nahezu 20 Prozent
der Weltbevölkerung - durch das Internet verbunden
sein werden, kann man sich der Erkenntnis kaum
entziehen, daß der effektivste Weg, die meisten
Verbraucher in der Weltwirtschaft zu erreichen, der
elektronische Handel sein wird. Wenn wir die Technologie und Infrastruktur zur Verfügung haben, besteht
die uns konfrontierende Herausforderung darin, dieses
Versprechen zu erfüllen.
Ich möchte wiederholen, wir befinden uns in einer sehr
glücklichen Lage, weil die wichtigsten Prinzipien der
Clinton-Administration für den Internetmarkt von
unseren Verbündeten in Europa geteilt werden. Die
Bonner Erklärung hat eine beeindruckende Reihe von
Themen angesprochen und ist eine solide Grundlage,
auf der wir einen florierenden elektronischen Handel
aufbauen können. Wir sind einer Meinung, daß
elektronischer Handel auf vom Privatsektor erarbeiteten Lösungen und vom Markt geschaffenen Möglichkeiten gründen wird. Es wird und sollte nicht ein von
der Regierung betriebener Markt sein. In der Tat sollte
die Rolle der Regierung minimal sein: Übermäßige
Kontrollen sollten vermieden werden; schriftlich
niedergelegte Regeln, die heute veraltet sind oder
elektronischen Handel behindern, sollten überarbeitet
oder abgeschafft werden und Vertragsvereinbarungen,
bei denen Käufer und Verkäufer frei zusammenkommen, sollten an der Tagesordnung sein. Wenn
Regulierung ein Muß ist, dann sollte sie technologieneutral sein, weil neue Technologien die Bestimmungen so schnell veralten lassen wie sie erlassen
werden, und Regulierung sollte einfach nur Wettbewerb fördern, das Recht auf geistiges Eigentum und
die Privatsphäre schützen sowie Betrug verhindern.
Die Geschwindigkeit der technologischen Veränderungen und der Anwendung von elektronischem Handel
erfordert eine neue Art der Problemlösung, bei der
Unternehmens- und Industrievertreter eine Führungsrolle übernehmen. Um ein anschauliches Beispiel zu
nennen: Microsoft und Netscape legten ihre Talente
und Ressourcen zusammen um sicherzustellen, daß
das Internet nicht zu einem Mißbrauch der Privatsphäre einlädt, wie beispielweise dem unbeabsichtigten Zugang zu Dateien oder Netzwerken. So muß
elektronischer Handel sich entwickeln und verwaltet
werden - weil es die Unternehmen sind, die das größte

Seite 2

Interesse am Erfolg von elektronischem Handel haben,
und dieser nur möglich ist, wenn die Unternehmen den
Verbrauchern auf der ganzen Welt das Vertrauen zu
Transaktionen im Internet vermitteln.
Mit dem gemeinsamen Ziel eines prosperierenden,
wachsenden und wohlhabenden Marktes im Internet
stellt sich die Frage, wie man dorthin kommt. Vergangene Woche gab Präsident Clinton neun Empfehlungen bekannt, von denen die amerikanischen
Bestrebungen gemeinsam mit unseren Partnern bei
der Ankurbelung von elektronischem Handel geleitet
sein und die sicherstellen sollten, daß er sich in der für
alle Beteiligten nützlichsten und effizientesten Weise
entwickelt:
Erstens. Das Internet sollte zur Freihandelszone
erklärt werden - zu einem zollfreien Umfeld, wenn es
zur Lieferung von Produkten und Dienstleistungen
genutzt wird. Seit nahezu 50 Jahren haben die
Nationen Zollsenkungen ausgehandelt, weil die
Volkswirtschaften und die Bürger aller Nationen von
freiem Handel profitieren. Weil das Internet ein wirklich
globales Medium ist, ergibt es wenig Sinn, Zölle
einzuführen, die diese Transaktionen einer Menge
marktbeschränkender Hemmnisse aussetzen, die die
Vorteile des Handels auf dem Web unterminieren.
Zweitens. Da elektronische Zahlungssysteme noch
nicht so weit verbreitet sind, wäre es schwierig,
gleichermaßen zeitgemäße und effektive Maßnahmen
zu erarbeiten. Inflexible Vorschriften für den elektronischen Zahlungsverkehr sollten zugunsten einer
stichprobenartigen Kontrolle vermieden werden,
während sich die Zahlungssysteme weiterentwickeln.
Drittens. Geschäftspartner sollten im Internet ungeachtet der von ihnen vereinbarten Bedingungen
miteinander Geschäfte abwickeln können. Kalkulierbare und weithin akzeptierte rechtliche Grundsätze zur
Förderung des elektronischen Handels sind für
Privatunternehmen und freie Märkte von elementarer
Bedeutung. Wir werden uns für einen international
einheitlichen Handelskodex zur Vereinfachung und
Ermutigung von elektronischem Handel mit übereinstimmenden Vorschriften und Rechten einsetzen.
Viertens. Wir müssen das Recht auf geistiges Eigentum schützen, damit Musik, Filme und Kunst verfügbar
sind, sich aber die Produktpiraterie, die sie bereits um
nahezu 11 Milliarden Dollar ihrer Einnahmen beraubt,
nicht auf einem globalen elektronischen Markt explosionsartig verbreitet. Die Anbieter müssen wissen,
daß ihr geistiges Eigentum nicht gestohlen wird, und
die Käufer müssen wissen, daß sie authentische
Produkte bekommen. Internationale Abkommen über
klaren Copyright-, Patent- und Markenschutz zur
Bekämpfung von Produktpiraterie und Betrug sind ein
Muß.

AMERIKA DIENST 13

�Fünftens. Es ist von großer Bedeutung, in dem
vernetzten Umfeld die Privatsphäre zu wahren, damit
die Menschen auf diesem elektronischen Markt
beruhigt Handel treiben können. Wir müssen die
Kinder schützen und gleichzeitig die Rechte der
Unternehmen respektieren. Und wir müssen das
Recht unserer Verbraucher auf Privatsphäre schützen,
damit sie nicht durch vertrauliche Informationen, die für
eine Transaktion erforderlich sind, anderen ausgeliefert werden. Der Privatsektor hat sich stark für einen
sinnvollen, verbraucherfreundlichen, sich selbst
kontrollierenden Umgang mit der Privatsphäre eingesetzt, was unseres Erachtens auf diesem Gebiet der
richtige Weg ist.
Sechstens. Wir müssen Sicherheit durch den Einsatz
von hochentwickelter Kryptographie gewährleisten,
damit Daten wie Kreditkartennummern oder detaillierte
Verträge während Transaktionen nicht gelesen werden
können. Gleichzeitig müssen wir aber auch dafür
sorgen, daß die nationale Sicherheit durch die vernünftige Anwendung dieser Regeln bewahrt wird, damit
potentielle Terroristen oder andere raffinierte Kriminelle
ihre Arbeit nicht hinter Kryptographietechnologie
verstecken können.
Siebtens. Wir müssen weltweit mit unseren Partnern
zusammenarbeiten, um die Einheitlichkeit von Vorschriften und Rechten zu gewährleisten; anderenfalls
droht der elektronische Handel zu wenig mehr als
hochtechnisiertem Isolationismus zu werden. Und wir
müssen gemeinsam am Aufbau eines modernen
globalen Telekommunikationsnetzes arbeiten, das
zugänglich, finanzierbar und dem elektronischen
Handel förderlich ist.
Achtens. Das Internet enthält mehr Informationen und
Inhalte als die herkömmlichen Fernseh- und Radioprogramme je anbieten konnten, bietet seinen Nutzern
aber auch größere Chancen, Inhalt und Zugang zu
kontrollieren. Regeln, die jetzt routinemäßig auf
fragwürdige Inhalte in Rundfunk und Fernsehen
Anwendung finden, werden und sollten nicht auf das
Internet angewendet werden. Vielmehr sollten anstelle
von Inhaltsquoten und lästigen Vorschriften die
freiwillige Selbstkontrolle der Industrie, technische
Lösungen wie Filter und Alterskontrolle sowie Einstufung nach der Eignung für Jugendliche international
zum Schutz der Menschen vor anstößigem Material
eingesetzt werden.
Neuntens. Der Markt sollte die technischen Maßstäbe
setzen: Die Technologie entwickelt sich schneller als
die Gesetzgeber reagieren können, und Bestrebungen
der Regierung zum Betrieb des Internet werden nur die
technologische Innovation behindern.
Wir wissen, daß wir bei einigen Details des elektronischen Handels unterschiedliche Ideen haben.
Diskussionen über nichttarifäre Handelshemmnisse in

AMERIKA DIENST 13

Bezug auf den Inhalt, die Suche nach einem Gleichgewicht in der Kryptographie zwischen privaten Erfordernissen und nationalen Sicherheitsbelangen, mannigfaltige technische Standards und digitale Signaturen
sollten fortgesetzt werden. Die Vereinigten Staaten
vertreten eine klare Position, und wir haben allen
Grund zur Zuversicht, daß wir unsere Meinungsverschiedenheiten überwinden. Da jedoch beim Aufbau
dieses elektronischen Marktes große und andersartige
Gebiete abgedeckt werden müssen, gibt es de facto
mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen
der Bonner Erklärung und den Empfehlungen der
Vereinigten Staaten.
Elektronischer Handel sollte das beste Handels- und
Informationsmedium sein - eine im Wachstum begriffene Wirtschaft, die neugegründeten Unternehmen
Starthilfe geben, zum Wachstum der Unternehmen
beitragen und ihnen Zugang zu neuen, vielversprechenden Märkten geben kann, gleichzeitig aber auch
Bildungs- und Kommunikationsressourcen anbietet.
Und das alles mit wenig bürokratischer Einmischung.
Die Weiterentwicklung des elektronischen Handels,
sein Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Verbesserung des Lebensstandards, Unterstützung der
Verbraucher, Ankurbelung von Wirtschaftswachstum
und Überwindung von Entfernungen zwischen den
Menschen wird am besten vom Privatsektor unserer
Länder und durch unsere kooperativen Bestrebungen
geregelt. Wir müssen vermeiden, daß diese neue
elektronische Welt zu einer digitalen Kluft führt elektronischer Handel muß jede Gesellschaft respektieren, allen Gemeinden zugänglich sein und alle
Beteiligten in den Genuß seiner Vorteile bringen. Er
sollte, wie Vizepräsident Gore vorschlug, von einem
digitalen hippokratischen Eid geleitet sein: Erstens, Du
sollst niemandem Schaden zufügen.
Konzepte wie offene Märkte, freier Handel, Privatsphäre und Rechtstaatlichkeit müssen die Grundlage
für elektronischen Handel bilden. Die Akteure auf der
Weltbühne, die sich nicht an diese Grundsätze halten,
sollten den Stachel der Isolation spüren, während der
elektronische Handel sie ausgrenzt und seine konstruktiven Teilnehmer sich des Wohlstands und der
Möglichkeiten erfreuen, die der Markt im Internet bieten
kann. Als Präsident Clinton letzte Woche die Initiative
der Administration für elektronischen Handel bekanntgab, erklärte er: "Unsere Aufgabe besteht darin
sicherzustellen, daß diejenigen, die darin Handel
treiben wollen, ein sicheres und stabiles Terrain
vorfinden. Dabei müssen wir jetzt, da der elektronische Handel noch in den Kinderschuhen steckt, mit
anderen Nationen zusammenarbeiten." Seien Sie
versichert, daß wir partnerschaftlich zusammenarbeiten werden, damit der elektronische Handel
Nationen und Volkswirtschaften leicht und zuverlässig
verbinden kann, während unsere Völker entscheiden,
was er übermittelt und wie er funktioniert.

Seite 3

�Vor ungefähr 30 Jahren teilte Lyndon Johnson Amerika mit: "Wir müssen uns einer der großen unbeendeten Aufgaben unserer Generation widmen - und diese
unbeendete Aufgabe ist, Europa wieder als Ganzes
zusammenzufügen." Die Konferenz in Bonn, der
einstigen Hauptstadt eines geteilten Deutschlands und
dem Symbol eines geteilten Europas, ist die beste
Erinnerung daran, daß diese Aufgabe jetzt erledigt ist.
Unsere neue Aufgabe besteht darin, die Welt auf neue
Weise als Ganzes zusammenzufügen, damit Wohlstand und Chancen, Handel und Ideen ohne Unter-

*

Seite 4

brechung, Einmischung oder Eingriffe zwischen den
Nationen ausgetauscht werden können. Dabei werden
wir uns gegenseitig ebenso bereichern, wie wir selbst
bereichert werden, und für die Menschen auf der Welt
haben wir damit eine andere Möglichkeit geschaffen,
durch mehr Gemeinsamkeiten miteinander verbunden
zu werden und ein reicheres, leichteres und erfüllteres
Leben zu führen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 13

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
9. Juli 1997

Globale Informationsnetze als neues
Element der Wirtschaftsbeziehungen
Rede von Wirtschaftsminister Daley

FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Wirtschaftsminister
William Daley am 8. Juli 1997 vor der American Chamber of Commerce in Germany hielt.

Charge Bindenagel, Fred Irwin, meine Damen und
Herren. Es ist mir eine große Ehre, in der größten
American Chamber of Commerce in Europa und der
Zweitältesten American Chamber der Welt zu sein.
Ihre Arbeit hier ist von entscheidender Bedeutung für
den Erfolg der Handelsbeziehungen zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten sowie der
EU und den Vereinigten Staaten. Ich möchte Ihnen
allen für Ihren Einsatz und Ihr Engagement zur Stärkung unserer Handels- und Investitionsbeziehungen
danken und sehe einem lebhaften und produktiven
Dialog mit Ihnen in den kommenden Jahren erwartungsvoll entgegen.
In meiner erst sechsmonatigen Amtszeit ist dies meine
zweite Europareise, und das nicht nur, weil die Flugpreise günstig sind. Tatsache ist, daß die transatlantische Partnerschaft weltweit das wichtigste
geopolitische Bündnis ist.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben gemeinsam das Funktionieren der modernen Weltwirtschaft
ermöglicht. Unsere unermüdliche Verteidigung freier
Märkte, demokratischer Werte und Rechtsstaatlichkeit
gestattete, daß eben diese Grundsätze weltweit Fuß
fassen. Wir sind in vieler Hinsicht die Architekten einer
Welt, die nie in den Genuß von mehr Sicherheit oder
Wohlstand gekommen ist.
Nach dem Ende der sowjetischen Bedrohung - und
damit auch der drängenden Sicherheitsbelange des
Kalten Krieges - hat die Clinton-Administration ihren
transatlantischen Schwerpunkt auf den Bereich der
Wirtschaft verlagert, damit Europa, um mit den Worten
Präsident Clintons zu sprechen, zu "unserem wertvollsten Partner wird, nicht nur bei Demokratie und

AMERIKA DIENST 13

Freiheit, sondern auch im Hinblick auf Handel und
Investitionen."
Präsident Clinton und seine europäischen Amtskollegen setzen sich für die Stärkung der Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Europäischen Union durch neue Mittel wie die
neue transatlantische Agenda und den transatlantischen Wirtschaftsdialog ein. Nach langen Verhandlungen schlössen wir letzten Monat die Abkommen
über gegenseitige Anerkennung (Mutual Recognition
Agreements - MRAs) ab, die von den Vereinigten
Staaten und der EU die gegenseitige Anerkennung
ihrer Erfordernisse an Zertifizierung und Prüfung für
verschiedene darunter aufgelistete Produkte vorsehen.
Die MRAs werden die lästigen Inspektionskosten
abschaffen und mehr als 50 Milliarden Dollar für den
transatlantischen Handel freisetzen.
Die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Union sind stärker denn
je. Die EU ist bei weitem unser größter Handelspartner, der von amerikanischen Unternehmen
angebotene Waren und Dienstleistungen im Wert von
einer Billion Dollar abnimmt. Gut die Hälfte der
internationalen Wirtschaftstätigkeit der Vereinigten
Staaten entfällt auf Europa, das somit ein doppelt so
großer Absatzmarkt ist wie Kanada und Japan zusammengenommen. Ein Zwölftel aller Arbeitsplätze in
der amerikanischen Fertigungsindustrie befindet sich
in einem in europäischem Besitz befindlichen Unternehmen.
Die Handelsbeziehungen zwischen Amerika und
Europa sind ausgewogen. Drei Millionen Amerikaner
arbeiten für in den Vereinigten Staaten ansässige

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�europäische Unternehmen, und drei Millionen Europäer sind bei hier angesiedelten amerikanischen Firmen
beschäftigt. Während die Vereinigten Staaten bei
ihrem Handel mit Asien ein Handelsdefizit in Höhe von
1,5 Billionen Dollar zu verzeichnen haben, ist unser
Handel mit Europa in den letzten 25 Jahren fast
ausgeglichen. Das sind nicht nur trockene Statistiken.
Sie schlagen sich in guten Arbeitsplätzen, höheren
Löhnen und Gehältern sowie einem hohen Lebensstandard für Familien und Gemeinden auf beiden
Seiten des Atlantiks nieder.
Und die größte Volkswirtschaft in Europa, Deutschland
- und seine Verbindungen zu Amerika - sind Schlüsselelemente bei den transatlantischen Beziehungen.
Die Vereinigten Staaten und Deutschland sind die
beiden größten Exporteure der Welt, und unser
bilateraler Handel erreichte im vergangenen Jahr die
Rekordzahl von 62 Milliarden Dollar. Unsere bilateralen Investitionen sind ebenso hoch und belaufen sich
auf mehr als 90 Milliarden Dollar. Keine Nation zieht
mehr deutsches Privatkapital an als die Niederlassungen amerikanischer Unternehmen in Deutschland, und
deutsche Niederlassungen in den Vereinigten Staaten
haben einen jährlichen Absatz von mehr als 150
Milliarden Dollar und stellen über eine halbe Million
Arbeitsplätze bereit.
Die American Chamber of
Commerce in Germany spielt eine unschätzbare Rolle,
indem sie bei den deutschen Entscheidungsträgern
darauf drängt, das wirtschaftliche Umfeld in diesem
Land für amerikanische Unternehmen weiterhin
attraktiv zu gestalten.
Wir arbeiten eng mit der Bundesregierung an einer
Reform der öffentlichen Auftragsvergabe, die für in
Deutschland angesiedelte amerikanische Unternehmen seit langem Anlaß zur Besorgnis über den
Marktzugang gab, insbesondere auf dem Gebiet
schweren elektrischen Geräts. Die jüngsten bilateralen Gespräche in Dresden und Bonn brachten große
Fortschritte bei der Einführung eines effizienten und
nichtdiskriminierenden Ausschreibungssystems für die
Beschaffung. Und die deutschen Behörden haben
viele unserer Sorgen über die Liberalisierung des
deutschen Telekommunikationsmarktes zerstreut. Ich
habe diese Woche in Bonn ein gutes Gespräch mit
Wirtschaftsminister Rexrodt geführt und sehe allen
Grund zu Optimismus hinsichtlich der Zukunft der
deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen.
Beim Aufbau der transatlantischen Partnerschaft
müssen wir auch immer die Auswirkungen jenseits
unserer Grenzen in Betracht ziehen. Sie findet
weltweit Widerhall, denn unsere gemeinsame Arbeit ist
entscheidend für die Entwicklung und Förderung des
gesamten Welthandelssystems. Betrachten Sie sich
unsere gemeinsamen Errungenschaften: Die Uruguayund die Singapur-Runde, die Gründung der Welthandelsorganisation, das Informationstechnologie-

Seite 2

abkommen und das Abkommen über Telekommunikationsdienste. Vor kurzem schlössen wir das OECDAbkommen über das Verbot von Bestechlichkeit ab ein wichtiger Schritt zur Beseitigung einer offensichtlich
korrupten Praxis, die dem internationalen Handel
schadet.
Jeder jüngste Meilenstein bei der Förderung von
wirtschaftlicher Freiheit und offenen Märkten ist das
Ergebnis gemeinsamer amerikanisch-europäischer
Aktionen und Führung. Und wenn wir nicht übereinstimmen - wie es mehrere Jahre während der
Uruguay-Runde im landwirtschaftlichen Bereich der
Fall war - erleidet die Sache des freien Handels
weltweit einen Rückschlag.
Vor diesem Hintergrund der Globalisierung und
wirtschaftlichen Zusammenarbeit findet eine Revolution im Bereich der Informationstechnologie statt, die
im 21. Jahrhundert enorme Auswirkungen auf uns alle
haben wird - Regierung, Wirtschaft und Verbraucher.
Ich habe gerade in Bonn an der europäischen Ministerkonferenz über globale Informationsnetze teilgenommen und möchte bei meinem Besuch in Europa
insbesondere darüber sprechen, wie wir bei der
Förderung des elektronischen Handels zusammenarbeiten können.
Das Internet verändert das Wirtschaftsverhalten
praktisch vor unseren Augen. Bald werden die
alltäglichen Geschäfte - Verhandlungen, Vergleiche,
Vertragsabschlüsse, Verkäufe, Ausschreibungen und
Käufe - online abgewickelt: schneller, leichter und
billiger als per Post, Telefon oder Fax, wie es heute
geschieht.
Bereits 60 Millionen Menschen weltweit sind durch die
Datenautobahn verbunden. In weniger als 15 Jahren
wird diese Zahl schätzungsweise auf eine Milliarde
angestiegen sein. Zweifelsohne wird der elektronische
Handel die effektivste Möglichkeit sein, die Verbraucher in der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts zu
erreichen.
Betrachten Sie sich die Möglichkeiten: Die Verbraucher können ein Auto kaufen, Rechnungen bezahlen,
Flugtickets reservieren und Investitionen tätigen, ohne
ihren Computer verlassen zu müssen. Der elektronische Handel wird zur Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen für jeden beitragen und die
Kosten wirtschaftlicher Tätigkeit für jeden senken vom Jungunternehmer bis zum größten multinationalen Unternehmen.
Der elektronische Handel birgt große Chancen, aber
auch große Herausforderungen. Wir müssen Privatsphäre, Sicherheit und den Schutz des Rechts auf
geistiges Eigentum gewährleisten. Wir müssen jedem
eine Teilnahme ermöglichen. Die Macht des elektro-

AMERIKA DIENST 13

�nischen Handels liegt in seiner Fähigkeit zur Überwindung traditioneller Hindernisse, Überwindung von
Weltmeeren und kulturellen Unterschieden. Wenn nur
eine kleine Elite in diesen Genuß kommt, sind unsere
Bemühungen vergeblich. Wir können uns keine
digitale Kluft leisten, die diejenigen, die im Besitz von
Informationen sind, von denjenigen trennt, die sie nicht
haben.
Wir werden diese Herausforderungen nur bewältigen,
wenn wir dem Privatsektor eine Führungsrolle einräumen und elektronischer Handel sich als vom Markt
getriebenes Phänomen entwickelt. Die Rolle der
Regierung besteht in der Bereitstellung eines einfachen und einheitlichen rechtlichen Rahmens, der als
Katalysator und Partner wirkt, nicht als lästiges
Regulativ. In diesem Geiste legte die Clinton-Administration in der vergangenen Woche den amerikanischen Bericht über globalen elektronischen Handel
(Framework for Global Electronic Commerce) vor, der
neun Empfehlungen enthält:
Erstens. Das Internet sollte zu einer Freihandelszone
erklärt werden - zu einem zollfreien Umfeld, wenn es
zur Lieferung von Produkten und Dienstleistungen
genutzt wird. Marktbeschränkende Hemmnisse für
elektronischen Handel aufzubauen, würde seine
Vorteile völlig unterminieren.
Zweitens. Da elektronische Zahlungssysteme noch
nicht so weit verbreitet sind, sollten wir sie stichprobenartig überprüfen statt unflexible Regeln und Vorschriften einzuführen.
Drittens. Geschäftspartner sollten im Internet gemäß
der von ihnen vereinbarten Bedingungen miteinander
Geschäfte abwickeln können. Wir müssen jedoch auf
einen international einheitlichen Handelskodex
hinarbeiten, der übereinstimmende Vorschriften und
Rechte einführt.
Viertens. Wir müssen das Recht auf geistiges Eigentum schützen. Wir müssen Musik, Filme und Kunst
anbieten während wir gleichzeitig gewährleisten, daß
sich die Produktpiraterie nicht auf einem globalen
elektronischen Markt explosionsartig verbreitet.
Fünftens. Die Wahrung der Privatsphäre ist unerläßlich, damit die Menschen in diesem elektronischen Umfeld beruhigt Handel treiben können.
Sechstens. Wir müssen Sicherheit durch den Einsatz
von hochentwickelter Kryptographie gewährleisten, die
Daten zum Schutz von Kreditkartennummern oder
anderen vertraulichen Informationen zerhackt. Wir
müssen uns auch bewußt sein, daß Kryptographie in
die falschen Hände gelangen kann. Wir müssen diese
Regeln vernünftig anwenden, damit Terroristen und
andere raffinierte Kriminelle ihre Arbeit nicht hinter
Kryptographietechnologie verstecken können.

AMERIKA DIENST 13

Siebtens. Die Nationen der Welt müssen zusammenarbeiten, um die Einheitlichkeit von Vorschriften und
Rechten zu gewährleisten und ein modernes, zugängliches, finanzierbares globales Telekommunikationsnetz aufzubauen, das elektronischen Handel unterstützt.
Achtens. Die freiwillige Selbstkontrolle der Industrie
und technische Lösungen - nicht strenge staatliche
Regeln oder Quoten - sind der beste Weg zum Schutz
der Menschen vor anstößigem Material im Internet.
Neuntens. Der Markt sollte die technischen Maßstäbe
setzen. Die Technologie entwickelt sich schneller als
die Gesetzgeber reagieren können, und Bestrebungen
der Regierung zum Betrieb des Internet werden nur die
technologische Innovation behindern.
Elektronischer Handel hat das Potential, zu unserem
mächtigsten wirtschaftlichen Instrument zu werden. Es
ist an uns in der Öffentlichkeit und im Privatsektor, das
Versprechen des elektronischen Handels einzulösen.
Das machen wir diese Woche in Bonn. Die Bonner
Erklärung enthält eine Reihe von Richtlinien, die die
Vorteile globaler Informationsnetze auf die Europäische Union ausdehnen. Ebenso wie der amerikanische Bericht fordert die Bonner Erklärung, daß dieser
Prozeß von der Industrie angeführt wird. Er fordert von
den Regierungen die Bereitstellung eines zuverlässigen rechtlichen und fiskalischen Rahmens für elektronischen Handel, die Reduzierung von Regulierung auf
ein Minimum und den Einsatz ihrer Kaufkraft zur
Ankurbelung der Entwicklungen des Privatsektors in
Bezug auf Inhalt und Technologie.
Wir wissen, daß wir bei einigen Details des elektronischen Handels unterschiedliche Ideen haben.
Nichttarifäre Handelshemmnisse bezüglich des Inhalts,
die Herstellung eines Gleichgewichts in der Kryptographie zwischen privaten Erfordernissen und nationalen
Sicherheitsbelangen sowie digitale Signaturen - zu all
diesen Themen sollte es andauernde Gespräche
geben.
Die Vereinigten Staaten vertreten klare Positionen, und
wir haben allen Grund zur Zuversicht, daß wir unsere
Meinungsverschiedenheiten überwinden. Angesichts
der Vielzahl komplexer Themen, die vom elektronischen Handel abgedeckt werden, gibt es sehr viel
mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen
der Bonner Erklärung und den Empfehlungen der
Vereinigten Staaten.
Während wir unsere Differenzen über elektronischen
Handel oder andere bilaterale Themen ausräumen,
können wir auf eine Geschichte gemeinsamer Kultur
und gemeinsamer Interessen zurückgreifen. Selbst
während wir geschäftig die Beziehungen zu aufstrebenden Märkten auf der ganzen Welt kultivieren,

Seite 3

�wird die Freundschaft zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa und den Vereinigten Staaten und
Deutschland immer etwas Einzigartiges sein.
Wir sehen diese Verbindung in jedem Aspekt unseres
Lebens. Wir sehen sie in unserer Sprache und
unseren Gesetzen, unseren gemeinsamen Werten und
unserem Geschmack. Wir sehen sie, wenn Frankfurt
Galaxy und Rhine Fire aus der World League vor
deutschen Zuschauern American Football spielen. Wir
sehen sie, wenn amerikanische Soldaten und Soldatinnen in Städten wie Heidelberg Teil der Gemeinde
werden. Wir sehen sie in dem außerordentlichen
Beitrag, den Millionen von Deutsch-Amerikanern in
meiner Heimatstadt Chicago geleistet haben. Um
Präsident Clinton aus seiner Proklamation zum Tag
der Deutsch-Amerikaner am 6. Oktober 1996 zu
zitieren: "Die in der deutschen kulturellen Tradition so
wichtige Charakterstärke und persönliche Ehre haben
auch in die zentralen Werte der amerikanischen
Gesellschaft Eingang gefunden."
Was wir gemeinsam geleistet haben, ist wirklich
außerordentlich. Die Früchte unserer gemeinsam im
Kalten Krieg gebrachten Opfer sind sieht- und greifbar:
Deutschland ist wieder vereinigt, der Eiserne Vorhang
ist gefallen. In dieser Woche in Madrid wird Europa,
wie wir es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
gekannt haben, sich für immer verändern, wenn die
Einladung zum NATO-Beitritt an Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik ausgesprochen wird.

*

Seite 4

Gemeinsam haben wir unter Beweis gestellt, daß wir
den beängstigendsten Herausforderungen widerstehen können. Aber während der Kalte Krieg aus den
täglichen Schlagzeilen in die Geschichtsbücher weicht,
dürfen wir nicht selbstgefällig werden. Das 21.
Jahrhundert hält neue Herausforderungen bereit, vor
denen wir nicht zurückschrecken dürfen.
In einer zunehmend automatisierten und elektronischen Welt müssen wir zusammenarbeiten, um von
der Technologie zu profitieren und sie zu einer Kraft für
Wachstum, Fortschritt und Chancen zu machen. Wir
müssen zusammenarbeiten, um einen grenzenlosen
elektronischen Markt aufzubauen, der jede Gesellschaft respektiert, jede Gemeinde in den Genuß ihrer
Vorteile kommen läßt und jedem Bürger der Welt mehr
Befugnisse verleiht. Wir müssen der Verantwortung
gerecht werden, die mit der Führungsrolle auf einem
globalen Markt einhergeht, dessen Instrumente immer
moderner werden.
In den vergangenen 50 Jahren war die wichtigste
Funktion des westlichen Bündnisses die eines Garants
für Frieden und nationale Sicherheit. Mit demselben
unerschütterlichen Engagement und Geist der Zusammenarbeit wollen wir jetzt zusammenarbeiten, um
im 21. Jahrhundert wirtschaftliche Sicherheit - Arbeitsplätze, Wohlstand und Chancen - in den Vereinigten
Staaten, in Europa und auf der ganzen Welt zu
schaffen. Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 13

�MARSHALLPLAN
9. Juli 1997

Die neue Rolle Europas aus der
Sicht der Vereinigten Staaten
Rede von J. D. Bindenagel

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires der Botschaft
der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, bei der von der Citibank veranstalteten
internationalen Wirtschaftskonferenz zum 50. Jahrestag des Marshallplans am 27. Juni 1997 in Berlin hielt.

Bundespräsident Herzog, Staatspräsident Kucan,
Bundestagsvizepräsidentin Vollmer, Minister Kuehnl,
Stellvertretender Außenminister Towpik, Dr. Ruding,
Mr. Kennedy, Botschafter Kimmit, meine Damen und
Herren, verehrte Gäste.
Ich freue mich, als höchstrangiger Vertreter der
Vereinigten Staaten in Deutschland eine Rede bei
dieser Gedenkfeier für den Marshallplan halten zu
dürfen. Präsident Clinton ist sich der Bedeutung dieser
von der Citibank veranstalteten Konferenz bewußt und
hat Bundespräsident Herzog seine Gedanken zu
diesem Anlaß in einem Brief übermittelt. Mit der
Zustimmung des Bundespräsidenten möchte ich aus
diesem Brief ein paar Worte Präsident Clintons
zitieren:

mit neuen Missionen, neuen Mitgliedern und neuen Partnern auf. Wir
helfen den neuen Demokratien Europas bei der Konsolidierung ihrer Reformen. Und wir arbeiten auf die
Gewährleistung hin, daß keine Nation
in Europa je wieder gegen ihren Willen daran gehindert wird, unserer
Interessen- und Wertegemeinschaft
beizutreten.
Das ist unsere Verantwortung gegenüber künftigen Generationen - und
der beste Weg, das Vermächtnis des
Marshallplans zu verwirklichen."
Ende des Zitats von Präsident Clinton.

"Heute sehen wir den Erfolg des
Marshallplans nicht nur an der Gesundung der Volkswirtschaften Westeuropas, sondern auch an dem Prozeß der europäischen Integration, den
er ermutigte; der Aussöhnung zwischen alten Gegnern, die er ermöglichte und den unzerreißbaren Banden, die er zwischen Amerika und
Europa schmiedete.
Heute hat unsere Generation die
Chance, die von Marshalls Generation begonnene große Aufgabe zu
vollenden: Zum ersten Mal in der
Geschichte ein demokratisches, friedliches und ungeteiltes Europa zu
schaffen. Wir bauen eine neue NATO

AMERIKA DIENST 13

Meine Damen und Herren, der Ausklang des 20.
Jahrhunderts bietet die Gelegenheit zu einem Rückblick und einer Vorschau. In den letzten Jahren haben
wir auf die vergangenen fünf Jahrzehnte und die
einzelnen Meilensteine dieses Jahrhunderts zurückgeblickt - wie das Ende des Krieges oder die Gründung der Vereinten Nationen. Der 50. Jahrestag des
Marshallplans ist ein weiterer bedeutender Meilenstein.
Er ist in besonderer Weise geeignet für diese Zeit des
Nachdenkens und des Versuchs, aus der Vergangenheit zu lernen, um uns auf eine bessere Zukunft
vorzubereiten.
Es gibt viele wichtige Lehren, die man aus dem
Marshallplan ziehen kann:
daß ein zerstörter Staat, der sich für die

Seite 1

�Demokratie entscheidet, unverzüglich wieder
der internationalen
Staatengemeinschaft
beitreten kann und sollte;
daß Teilungen mit der Bereitschaft zu Zusammenarbeit und einer helfenden Hand
überwunden werden können
und daß wirtschaftliche Gesundung, politische
Stabilität und Sicherheit miteinander verbunden sind.
Der finanzielle Beitrag zum Marshallplan war für die
Vereinigten Staaten zu jener Zeit nicht unerheblich rund 88 Milliarden Dollar am heutigen Wert des Dollar
gemessen. Aber das wahre Versprechen des Plans
lag in der von ihm gepflanzten Saat, die europäischen
Länder zusammenzubringen und sie zu ermutigen,
über das Nullsummendenken und den begrenzten
nationalen Horizont hinauszugehen.
Wie Außenminister Marshall es in seiner berühmten
Rede unter den Ulmen von Harvard formulierte, "muß
es eine Einigung unter den Ländern Europas bezüglich
der Erfordernisse der Situation und des Beitrags
geben, den diese Länder leisten werden". Die Vereinigten Staaten hatten nicht die Absicht zu bestimmen, wie Europa die Hilfe aufteilen sollte. Es war
vielmehr an den Europäern, diese Schritte selbst zu
unternehmen.
Die Art, in der die Hilfe von den Vereinigten Staaten
verwaltet wurde, ermutigte die Europäer zur Zusammenarbeit. Die Programme zur wirtschaftlichen
Erholung aller Länder bedurften der Genehmigung
nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch der
Organization for European Economic Cooperation oder OEEC -, der 1948 von 16 europäischen Ländern
gegründeten europäischen Institution des Marshallplans.
Die OEEC, der Vorläufer der heutigen OECD und in
vieler Hinsicht der Europäischen Union von heute, war
in vielfältigerweise erfolgreich. Sie bot den Anreiz für:

Gesundung Europas nicht ad hoc erreicht werden
konnte. Ein Rahmenwerk war von entscheidender
Bedeutung. Ein Teil der amerikanischen Hilfe war
bereits zwischen dem Ende des Krieges und dem
Beginn des Marshallplans nach Europa geflossen. Der
vom Marshallplan bewirkte Unterschied lag in der Art,
in der die Hilfe zur Förderung der Zusammenarbeit
eingesetzt wurde.
Das sind wichtige Lektionen für uns, während wir uns
"an die Zukunft erinnern" - wie diese Konferenz es
formulierte - und versuchen, Wege zur Ausdehnung
von Stabilität und Wohlstand Europas zu sondieren.
Ebenso wie vor 50 Jahren spielt das Rahmenwerk
unserer Institutionen heute eine entscheidende Rolle.
In diesem Zusammenhang wird klar, warum die
Anpassung unserer Institutionen heute ein so wichtiges Unterfangen ist. Wie Außenministerin Albright vor
kurzem erklärte, müssen wir Fortschritte erzielen,
indem wir "an unsere Zeit angepaßte und auf den für
alle Zeiten gültigen Werten gründende Mittel anwenden". Das bedeutet die Bewahrung der Institutionen,
die uns so gut gedient haben, aber erfordert auch den
Mut zu ihrer Veränderung, Verbesserung und Öffnung
für neue Mitglieder, die die Werte teilen, die für uns von
größter Bedeutung sind.
Als eine europäische Macht haben sich die Vereinigten
Staaten verpflichtet, die Trennlinien in Europa auszuradieren. Präsident Clinton hat dies vor kurzem beim
Gipfeltreffen der Acht in Denver unter Beweis gestellt,
wo er der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß Rußland
immer weiter in die Arbeit dieser Gruppe einbezogen
werden kann. Es gibt jedoch noch andere Beispiele
eines nach außen gerichteten Ansatzes. Denken Sie
nur an die Erweiterung der OECD mit der Einbeziehung von Polen und Ungarn oder die Aufnahme neuer
Mitglieder in den Europarat.
Diese Institutionen bieten Strukturen für die Zusammenarbeit bei der Lösung - und Verhinderung - von
Problemen. In Anerkennung der Rolle dieser Institutionen haben die Vereinigten Staaten die Erweiterung der NATO befürwortet.

die Aufhebung von Handelsbeschränkungen,
das Teilen knapper Ressourcen,
die Verbesserung der Produktivität durch die
systematische Überwindung von Engpässen
und anderen Mängeln der Volkswirtschaften
Europas,
die Schaffung eines Systems für regelmäßige
Konsultationen über Angelegenheiten von
gemeinsamem wirtschaftlichem Interesse.
Marshall hatte die Gabe zu erkennen, daß die kurzfristige - ganz zu schweigen von der langfristigen -

Seite 2

Unsere gesamte Politik zielt auf die Schaffung eines
Europas ab, das frei von den während des Kalten
Krieges gezogenen künstlichen und unrechtmäßigen
Trennlinien ist. Ein Beweis dafür ist die im Mai dieses
Jahres unterzeichnete Grundakte zwischen der NATO
und Rußland über Zusammenarbeit und Sicherheit.
Sie bietet einzigartige Chancen für Zusammenarbeit
zwischen dem Bündnis und Rußland bei einem breiten
Spektrum von sicherheitspolitischen und militärischen
Angelegenheiten.
Ich möchte auch betonen, welch konstruktive Rolle die
Partnerstaaten der NATO bereits übernehmen und in
Zukunft im Rahmen des Euroatlantischen Partner-

AMERIKA DIENST 13

�schaftsrats, einer neu gegründeten Institution der
NATO, auf noch effektivere Weise spielen können.
Der Rat wird dem Bündnis und seinen Partnerstaaten
einen politischen Rahmen - und eine institutionelle
Grundlage - für ihre kooperativen Beziehungen bieten.
Im Hinblick auf neue NATO-Mitglieder unterstützen die
Vereinigten Staaten die Aufnahme einer kleinen
Gruppe von drei Ländern in der ersten Runde und in
Zukunft eine Politik der offenen Tür für weitere Mitglieder. Während sich das Bündnis auf die Entscheidungsfindung per Konsens in Madrid vorbereitet,
werden nicht geschichtliche oder geographische
Überlegungen die Grundlage für unsere Entscheidungen bilden, sondern die Fähigkeit der Kandidaten,
einen Beitrag zur NATO zu leisten.
Die NATO kann ein bedeutendes Forum für europäische Integration und Stabilität sein, aber sie ist nicht
das einzige Forum. Obwohl die Vereinigten Staaten
kein Mitglied der Europäischen Union sind, haben wir
unser Interesse an deren Entwicklung bereits unter

Beweis gestellt. Die Vereinigten Staaten haben
während der letzten 50 Jahre jede Initiative unterstützt,
die auf größere politische und wirtschaftliche Einheit
unter den europäischen Nationen abzielt. Wir taten
das aus Eigeninteresse: Ein politisch geeintes Europa
wird bei der Erlangung gemeinsamer Ziele ein stärkerer Partner sein, und ein wirtschaftlich geeintes Europa
schafft ein attraktiveres Umfeld für amerikanische
Investitionen.
Der Europäischen Union gebührt Lob für ihre vorausschauenden Entscheidungen, beispielsweise die
Bereitstellung von Hilfsprogrammen in Zentral- und
Osteuropa und ihr Engagement für eine Erweiterung.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß regionale Integration in Europa diesen Ländern bei der
Überwindung von traditionellen Problemen von
Grenzen, Geschichte und Geographie helfen kann.
Mein Land unterstützt Offenheit und Erweiterung und
ermutigt seine europäischen Partner dazu.
Unser Engagement ist jedoch nicht auf Worte beschränkt. Die Vereinigten Staaten und amerikanische
Firmen haben ein lebhaftes Interesse an der wirtschaftlichen Erholung Ost- und Zentraleuropas.
Amerikanische Unternehmen haben sehr früh die
Möglichkeiten in dieser Region erkannt und damit eine
führende Rolle übernommen.
Amerikanische Firmen tätigen auch den Großteil der
ausländischen Investitionen in den neuen Bundesländern. Damit wurden 50.000 Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert. Diese Investitionen, die etwa
8 Milliarden Dollar mobilisiert haben, sind ein wichtiger
Beitrag zum Wachstum Deutschlands und ein Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft der neuen Bundes-

AMERIKA DIENST 13

länder. In der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges
sind diese Investitionen die wesentlichen Pfeiler der
Brücken über den Atlantik. Unsere Aktivitäten hier sind
jedoch nicht nur wirtschaftlicher Natur. Sie spiegeln
unser Engagement für die Zukunft dieses Kontinents
wider - eine auf den Werten Demokratie und freie
Marktwirtschaft basierende Zukunft.
Ein anderer Aspekt ist ebenfalls von Bedeutung für die
Amerikaner - die Möglichkeit, den kulturellen und
historischen Reichtum in diesen Teilen der Welt
wiederzuentdecken, die so lange abgeschottet waren.
Die Wiederentdeckung und Verbindung der Teile
Europas, die einst voneinander getrennt waren sowie
der Kulturaustausch zwischen Zentral- und Osteuropa
einerseits und Westeuropa andererseits ist eine der
interessantesten derzeitigen Entwicklungen. Europa
und die Welt werden durch diese Erfahrung bereichert.
Meine Damen und Herren, wir befinden uns inmitten
einer Zeit des Wandels - einer Zeit der Revolution,
wenn Sie so wollen. Wir haben eine vielversprechende Vergangenheit, aus der wir lernen und auf der wir
aufbauen können. Wir haben eine interessante und
verheißungsvolle Zukunft, auf die wir uns freuen und
die wir gestalten können. Es ist eine Zeit der Chancen
und Hoffnung. Ich möchte mit einem Zitat des amerikanischen Essayisten und Dichters, Ralph Waldo
Emerson, schließen. Erstellte 1837, sechs Jahrzehnte
nach der amerikanischen Revolution, die Frage:
"Wenn es irgendeine Zeit gibt, zu der
man geboren sein möchte, ist es dann
nicht das Zeitalter der Revolution, in
dem Alt und Neu Seite an Seite stehen, in dem die Energien aller Menschen von Angst und Hoffnung genährt werden, in dem der historische
Ruhm des Alten von den reichhaltigen
Chancen des Neuen kompensiert
werden kann?"
Unsere "reichhaltigen Chancen" können in der Verbreitung von Demokratie, Handel und Kommunikationsmöglichkeiten in den Teilen Europas bestehen,
die früher isoliert waren. Bei den Feiern zum 50.
Jahrestag des Marshallplans können wir stolz auf
unsere Leistungen sein. Abschließend möchte ich im
Hinblick auf die Zukunft betonen, daß Deutschland und
die Vereinigten Staaten nach den jüngsten Revolutionen ein gemeinsames Interesse an der Anpassung
ihrer lebenswichtigen europäischen und transatlantischen Institutionen haben, damit sie uns im 21.
Jahrhundert ebenso dienen wie in der letzten Hälfte
dieses Jahrhunderts.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei dieser Konferenz.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�UMWELT
9. Juli 1997

Clinton verspricht Fonds für Energieprojekte
in Entwicklungsländern
Rede des Präsidenten beim Umweltgipfel

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Clinton am 26. Juni 1997 beim
Umweltgipfel der Vereinten Nationen gehaltene Rede.

Vor fünf Jahren befürworteten die Nationen der Welt in
Rio de Janeiro eine einfache, aber revolutionäre
Maxime: Daß der Fortschritt von heute nicht auf
Kosten der Zukunft erfolgen darf.
In unserem Zeitalter sind Umweltbelange an die
oberste Stelle der internationalen Tagesordnung
gesetzt worden, denn in welchem Maße eine Nation
Umweltschutz betreibt, wird gute oder schlechte
Auswirkungen haben, die auf der ganzen Welt spürbar
sind. Der Erhalt unserer gemeinsamen Ressourcen ist
nicht nur für die Qualität unserer Umwelt und Gesundheit entscheidend, sondern auch für die Bewahrung
von Stabilität und Frieden innerhalb und zwischen
Nationen. Um den Vater der amerikanischen Umweltbewegung, John Muir, zu zitieren: "Wenn wir
versuchen, etwas isoliert zu betrachten, stellen wir
fest, daß es mit allem anderen im Universum verbunden ist."
In den seit Rio vergangenen Jahren wurden in einigen
Bereichen echte Fortschritte erzielt. Die Nationen
haben die Verklappung von radioaktivem Müll in den
Ozeanen verboten und die Verschmutzung der Meere
vom Land her verringert. Wir arbeiten auf den Schutz
der kostbaren Korallenriffe hin, die Erhaltung bedrohter
Fischarten und die Eindämmung der Versteppung. Bei
der Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung bekräftigten wir die entscheidende Bedeutung
kooperativer Bestrebungen zur Familienplanung für die
langfristige nachhaltige Entwicklung.
Hier in den Vereinigten Staaten haben wir eine Rekordzahl von Giftmülldeponien gesäubert und beabsichtigen, in den nächsten vier Jahren weitere 500
zu säubern. Wir haben neue Gesetze zum besseren

AMERIKA DIENST 13

Schutz unserer Gewässer erlassen und neue Nationalparks und Monumente geschaffen. Wir arbeiten auf
die Harmonisierung unserer Bestrebungen für Umweltschutz, Wirtschaftswachstum und soziale Verbesserung hin, wobei uns der herausragende Rat für
nachhaltige Entwicklung zur Seite steht.
Gestern habe ich die weitreichendsten Initiativen zur
Verbesserung der Luftqualität in unserem Land seit 20
Jahren bekanntgegeben, mit denen der Smog drastisch reduziert wird und zum ersten Mal in der
Geschichte Normen zur Verringerung der Anzahl
rußbildender feiner Partikel in der Atmosphäre festgesetzt werden. In den Vereinigten Staaten tritt Asthma
bei Kindern stark vermehrt auf, und diese Krankheit ist
heute der Hauptgrund für den Klinikaufenthalt von
Kindern. Diese Maßnahmen werden dazu beitragen,
das zu ändern, die Gesundheit der Menschen jeglichen Alters verbessern und den frühzeitigen Tod von
bis zu 15.000 Menschen pro Jahr verhindern.
Dennoch müssen wir noch sehr viel mehr tun, insbesondere unseren Anteil am globalen Klimawandel
verringern.
Die wissenschaftlichen Fakten sind klar und überzeugend: Wir Menschen verändern das globale Klima.
Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist seit über 200.000 Jahren am höchsten und
steigt drastisch. Wenn dieser Trend nicht aufgehalten
wird, erwarten die Wissenschaftler einen Anstieg des
Meeresspiegels von bis zu 60 cm oder mehr im
nächsten Jahrhundert. In den Vereinigten Staaten
bedeutet das die Überschwemmung von 23.000 km2 in
Florida, Louisiana und anderen Küstengebieten. In
Asien werden 17 Prozent von Bangladesch - Land, auf

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�dem sechs Millionen Menschen leben - verloren
gehen. Inselketten wie die Malediven werden von der
Landkarte verschwinden.
Klimaveränderungen
werden die Landwirtschaft beeinträchtigen sowie
schwere Dürren, Überschwemmungen und die
Verbreitung von ansteckenden Krankheiten verursachen, darunter 50 Millionen oder mehr Fälle von
Malaria jährlich. Wir müssen mit mehr Todesfällen
aufgrund der Hitze rechnen - vor nur zwei Jahren
erlebten wir in Chicago die Tragödie, daß über 400
unserer Mitbürger während einer großen Hitzewelle
starben.
Keine Nation kann dieser Gefahr entrinnen. Keine
Nation kann sich ihrer Verantwortung zu deren
Bewältigung entziehen. Wir alle müssen unseren
Beitrag leisten - Industrienationen, die die größten
Mengen von Treibhausgasen emittieren und Entwicklungsländer, deren Emissionen rasch zunehmen. Ich
beglückwünsche die Europäische Union zu ihrer
starken Konzentration auf diese Themen und die
Weltbank zur Festsetzung von Umweltnormen für
Projekte, die sie in den Entwicklungsländern finanzieren wird.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen bessere
Leistungen erbringen. Mit 4 Prozent der Weltbevölkerung produzieren wir 20 Prozent der Treibhausgase
weltweit. Offen gesagt ist unsere Umweltbilanz seit
Rio nicht ausreichend. Uns werden seit mehreren
Jahren hohe Wachstumsraten beschert, die jedoch
trotz neuer Umweltschutzmaßnahmen zu einer
Erhöhung der Treibhausgasemissionen geführt haben.
Wir müssen unsere Umweltbilanz verbessern, und das
werden wir auch tun.
Die von mir gestern angekündigte Aktion zur Verbesserung der Luftqualität ist ein positiver erster
Schritt, dem jedoch noch viele folgen müssen. Um
eine Verringerung der Treibhausgase und Wirtschaftswachstum zu erzielen, müssen wir stärker in zukunftsträchtige Technologien investieren. Ich werde mein
Kabinett anweisen, darauf hinzuarbeiten. Die Regierung, Universitäten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer
müssen zusammenarbeiten. All diese Bestrebungen
müssen über Jahrzehnte fortgesetzt werden. Vizepräsident Gore erklärte am Montag: "Nachhaltige Entwicklung erfordert nachhaltiges Engagement." Mit diesem
Engagement können wir erfolgreich sein.
Wir müssen neue Technologien schaffen und neue
Strategien wie Vergünstigungen für umweltfreundliche
Unternehmen entwickeln, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und fortgesetztes Wirtschaftswachstum zu fördern. Viele der Technologien, die zur
Erreichung der neuen Qualitätsstandards der Luft
beitragen, können uns auch beim Umgang mit dem
Klimawandel eine Hilfe sein. Dieser Herausforderung
müssen wir uns sofort stellen, und ich selbst werde
dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

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Damit wir in den Vereinigten Staaten das Unsere tun
können, müssen wir zunächst das amerikanische Volk
und den Kongreß davon überzeugen, daß der Klimawandel ein reales und unmittelbares Problem ist. Ich
werde im Weißen Haus eine Konferenz über den
Klimawandel veranstalten, bei der wir die wissenschaftlichen Tatsachen darlegen, damit unser Volk
versteht, warum wir handeln müssen, sowie die
wirtschaftlichen Tatsachen, damit es sich der Kosten
und Nutzen bewußt wird. Mit den besten Ideen und
Strategien, mit neuen Technologien sowie mit erhöhter
Produktivität und Energieeinsparung können wir uns
diese Herausforderung zunutze machen.
Wir werden mit unserer Bevölkerung zusammenarbeiten - und in die für Dezember anberaumte
Konferenz von Kyoto eine entschiedene amerikanische Verpflichtung zu realistischen und bindenden
Obergrenzen einbringen, die zu einer signifikanten
Verringerung unserer Emissionen von Treibhausgasen
führen werden.
Heute möchte ich drei andere Initiativen erörtern, die
wir im Kampf gegen den Klimawandel und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung hier und jenseits
unserer Grenzen ergreifen.
Erstens: Ich freue mich bekanntgeben zu können, daß
die Vereinigten Staaten die Entwicklungsländer bei der
Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen unterstützen, indem sie ihnen während der nächsten fünf
Jahre Hilfe in Höhe von einer Milliarde Dollar zukommen lassen. Aus diesem Fonds fließen Gelder in
Programme zur Förderung von Energieeinsparung,
Entwicklung alternativer Energiequellen und Verbesserung des Ressourcenmanagements mit dem Ziel
der Förderung von Wachstum, das keine schädlichen
Auswirkungen auf das Klima hat.
Zweitens: Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
Privatinvestitionen ermutigen, die den Umweltstandards entsprechen. Beispielsweise fordert die Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee (OPIC) jetzt,
daß ihre Projekte neuen und strengeren Umweltrichtlinien entsprechen, ebenso wie es bei unserer ExportImport Bank bereits der Fall ist und unsere Freunde
und Verbündeten es hoffentlich ebenfalls durchsetzen
werden. Gemeinsame Richtlinien für verantwortungsbewußte Investitionen können nachhaltiges Wachstum
in den Entwicklungsländern stärken.
Drittens: Zu Hause müssen wir mehr Kreativität
unserer Bevölkerung mobilisieren, damit wir die
Herausforderung des Klimawandels bewältigen
können. Wir arbeiten bereits mit unserer Automobilindustrie an der Herstellung von Fahrzeugen bis
Anfang des nächsten Jahrhunderts, die dreimal soviel
Kraftstoff sparen wie die heutigen Modelle. Aber wir
können mehr tun. Die Sonnenenergie kann unsere
Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Wir

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�werden mit Unternehmen und Gemeinden zusammenarbeiten, um bis zum Jahr 2010 auf einer Million
Hausdächern im ganzen Land Sonnenkollektoren zu
installieren. Indem wir die Sonnenwärme sammeln,
können wir zur Verringerung der Temperatur auf der
Erde beitragen.

Verehrte Amtskollegen, in all unseren Kulturen wurde
der Gedanke weitergegeben, der auch in der Bibel
geschrieben steht: "Eine Generation geht, und eine
Generation kommt; aber die Erde besteht sogar auf
unabsehbare Zeit." Wir müssen unsere Rolle als
Hüter der Umwelt stärken, damit eine reiche Erde
bestehen bleibt, wenn diese Generation geht - und die
nächste Generation eine ebenso reiche und gute Welt
vorfindet wie die, die wir kannten.

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�4.

JULI

9. Juli 1997

Beste Wünsche zum Unabhängigkeitstag
Ansprache des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft von Präsident Clinton zum Unabhängigkeitstag 1997.

Ich freue mich, den Unabhängigkeitstag gemeinsam
mit meinen amerikanischen Mitbürgern im ganzen
Land und auf der Welt feiern zu können.
Wenn wir über zwei Jahrhunderte hinweg zurückblicken, sind wir immer noch erstaunt über den Mut
und die Vision der Gründerväter unserer Nation. Mit
klarem Blick und aus tiefster Überzeugung gestalteten

ren begann, hat uns eine Zeit des Friedens und
Wohlstands beschert, eine Zeit beispielloser Chancen
zur Ausschöpfung des vollen Potentials aller unserer
Bürger. Als Erben der uns in der Unabhängigkeitserklärung vermachten Freiheit und Gleichheit ist es
jetzt unsere Verantwortung - und unser Privileg - auf
diesem Vermächtnis aufzubauen um sicherzustellen,
daß Amerikas Versprechen sich für unser Volk erfüllt.

sie eine neue Form der Regierung für unser neues

Land - eine Regierung, die die menschliche Würde
respektiert und die Rechte des Einzelnen schützt. Sie
entwarfen eine Demokratie, die stark genug war, die
Jahre zu überdauern und dennoch flexibel genug zur
Bewältigung der neuen Herausforderungen und
Verwirklichung neuer Träume. Damit machten sie
Amerika zum Symbol der Hoffnung von Generationen
von Menschen auf der ganzen Welt, die Freiheit und
Gerechtigkeit in Ehren halten.

Während wir mit unseren Familien und Freunden eines
weiteren 4. Juli gedenken, wollen wir uns verpflichten,
Amerika zu einem Land zu machen, in dem Vorurteile
und Diskriminierung keinen Platz haben, anzuerkennen, daß unsere gemeinsamen Werte und Ideale
mächtiger und beständiger sind als jede Kraft, die uns
zu teilen versucht, und das 21. Jahrhundert als die
"perfektere Union" zu beginnen, die unsere Gründerväter vor zwei Jahrhunderten vorhersahen.

An diesem Unabhängigkeitstag haben wir viel zu
feiern. Die Reise, die unsere Nation vor über 220 Jah-

Hillary und ich möchten Ihnen alles Gute für einen
schönen 4. Juli wünschen.

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�GESELLSCHAFT
9. Juli 1997

Oregon Trail - der Weg nach Westen
von Brad Knickerbocker

(AD) - Der nachfolgende Artikel von Brad Knickerbocker erschien erstmals in The Christian Science Monitor.
Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von The Christian Science Monitor, Copyright
© 1993, the Christian Science Publishing Society. Alle Rechte vorbehalten.
Der Verfasser, Brad Knickerbocker, ist Journalist beim Christian Science Monitor.

Das Jahr 1993 markierte den 150. Geburtstag des
Oregon Trail - des Wegs nach Westen -, der ein
wesentliches Element in der Geschichte und Folklore
der Vereinigten Staaten darstellt. Der Trail - eigentlich
ein Netz ineinander übergehender Wege, die große
Teile der Route zu den Goldfeldern in Kalifornien und
des Mormonentrecks nach Utah umfassen - erschloß
einen Großteil des amerikanischen Westens für
Einwanderer aus dem Osten. Und er beschleunigte
die Schließung der Grenze um das Siedlungsgebiet von der Historikerin Patricia Nelson Limerick von der
University of Colorado respektlos als der Ort auf der
Landkarte bezeichnet, an dem Europäer "selten
wurden und Angst bekamen".
Es war eine unvermeidliche und in gewisser Weise
tragische Konsequenz, daß die Bewegung in Richtung
Westen entlang des auch als "Overland Trail" bezeichneten Wegs eine offizielle Politik beschleunigte, die
dem Nomadenleben der Indianer ein Ende setzte. Sie
hatten dort mehr als 12.000 Jahre gelebt, und zumindest während der ersten Jahre der Reise nach
Westen waren sie den Siedlern eher eine Hilfe als eine
Behinderung. Meistens wurden sie von den mächtigeren Neuankömmlingen jedoch als unwichtig, wenn
nicht sogar hinderlich für den Fortschritt und das
"Manifest Destiny" angesehen (die im 19. Jahrhundert
vertretene Überzeugung, daß es die Bestimmung der
Vereinigten Staaten ist, sich auf ganz Nordamerika
auszudehnen), denn sie hatten weder Land bestellt
noch Besitzansprüche geltend gemacht.
In den ungefähr drei Jahrzehnten zwischen dem
ersten organisierten Zug von Siedlern nach Oregon

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und dem Abschluß der Bauarbeiten an der Eisenbahnlinie in Richtung Westen legten mehr als 300.000
Menschen etwa 3.200 Kilometer zurück. Die meisten
kamen mit dem Güterzug oder zu Pferd. Einige zogen
Handkarren hinter sich her, andere liefen die ganze
Strecke neben ihren Ochsen und Eseln zu Fuß auf
Wegen, die heute noch sichtbar sind. Bis in die ersten
Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinein reisten
diejenigen, die sich kein Auto oder Zugticket leisten
konnten, weiterhin entlang dieses Wegs nach Westen eine Reise, die Lillian Schlissen, Direktorin für Amerikastudien am Brooklyn College, als "eine der großen
Völkerwanderungen der Neuzeit" bezeichnet.
Obwohl es meistens alleinstehende Männer waren, die
sich später auf die Suche nach Glück und Gold
begaben, war die Wanderung nach Oregon großenteils
eine Familienbewegung. Es war nicht außergewöhnlich, mit sechs oder sieben Kindern zu reisen, und
ungefähr 20 Prozent der Frauen waren schwanger.
Die Ehepaare waren oft vollständig aufeinander
angewiesen, aber Frauen und Männer hatten normalerweise sehr unterschiedliche Ansichten über diese in
ihrem Leben einmalige Reise.
Für die Männer war es die Gelegenheit für Abenteuer
und unentgeltliches Land in dem fruchtbaren Flußtal
des Willamette. Aber für die Frauen auf den holpernden, staubigen, von Independence in Missouri aus
aufbrechenden Wagen war es eine weitere Entwurzelung, eine Trennung von der Familie und den
Freunden zu Hause. Viele fühlten sich wie Agnes
Stewart, die 1853 schrieb: "Ich bin dieser Reise müde.

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�Ich sehne mich nach der Ruhe eines Zuhauses, in
dem ich wieder in Frieden leben kann."
Die Reise war für alle gefährlich. Einigen Schätzungen
zufolge kamen 10 Prozent auf dem Weg um - meistens
aufgrund von Unfällen und Krankheiten.
Diese
Sterblichkeitsrate war sehr viel höher als die der
amerikanischen Soldaten in Vietnam.
Obwohl sie auf dem Weg viel erdulden mußten und
ihnen nach ihrer Ankunft harte Arbeit bevorstand,
hatten die meisten Auswanderer auch das Gefühl, daß
sie an einem Ereignis beteiligt waren, das sowohl
historisch als auch persönlich von Bedeutung war.
Tausende ritzten ihre Namen und ein Datum in
Felswände entlang des Wegs. Und am Ende des
Tages machten sie Eintragungen in ihre Tagebücher
oder schrieben Briefe.
"Kein anderes Ereignis in diesem Jahrhundert mit
Ausnahme des Bürgerkriegs brachte so viele persönliche Aufzeichnungen hervor wie diese Reise über
Land", schreibt Dr. Schüssel in ihrem Buch Women's
Diaries of the Westward Journey. Die Aufzeichnungen - einige ungeschliffen, andere eloquent - sind
aufschlußreich und häufig ergreifend. Über 800
wurden Schüssel zufolge veröffentlicht oder katalogisiert, und zahlreiche weitere sind in Familiensammlungen aufbewahrt.
Und was ist heute mit dem Territorium von Oregon,
diesem riesigen Landstrich, der ein Gebiet so groß wie
England, Frankreich und Deutschland zusammen-

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genommen umfaßt? Viele Nachfahren dieser in
Oregon Geborenen, die das Manifest Destiny überlebten, leben in Indianerreservaten entlang des Oregon
Trail - Wind River in Wyoming, Fort Hall in Idaho,
Umatilla und Warm Springs in Oregon - und sind oft
ärmer als die Nachkommen der Pioniere.
Obwohl noch ein Gefühl der Weite entlang der Route
vorherrscht (zumindest entfernt von den Städten),
haben die Ansiedlungen bemerkenswerte Veränderungen bewirkt. Die größten Flüsse des Columbia Basin
wurden zur Bewässerung und Stromerzeugung
gedämmt. Ein Großteil der ursprünglichen Wälder
wurde abgeholzt. Bergbau und Viehzucht haben die
Umwelt geschädigt. Überreste des Bombenbaus aus
der Zeit des Kalten Krieges haben ein Gebiet nördlich
des Columbia zur mit den meisten Giftstoffen belasteten Gegend Nordamerikas gemacht.
Solche Veränderungen würden die ersten fleißigen
Siedler von vor anderthalb Jahrhunderten erstaunen.
"Ich würde gerne die Reaktion einiger dieser Leute auf
das sehen, was wir dem Land heute angetan haben",
äußerte Joe Vogel hoch zu Roß, als er 1993 mit einer
Gruppe aus Nebraska nochmals den Trail entlangritt.
"Einiges ist nicht sehr gut." Dennoch herrscht heute
wie damals ein Gefühl der Möglichkeiten und Hoffnung
vor. Tausende Amerikaner (häufig aus dem dicht
bevölkerten Kalifornien) brechen ihre Zelte ab und
ziehen in die kleinen Städte und ländlichen Gebiete
von Oregon, Washington, Idaho, Montana und Wyoming. Sie sind die neuen Einwanderer entlang des
Oregon Trail.

* * *

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