<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2461" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2461?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:08:57+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2472">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ae58c0c548b1de5c5c377665960a5c75.pdf</src>
      <authentication>8adf7c62bc4254826552d1aae9ead115</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12793">
                  <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

25. Juni 1997

12

G-8

GIPFEL IN DENVER IST VORBEREITUNG
AUF ZUKÜNFTIGE GLOBALE
HERAUSFORDERUNGEN
Radioansprache von Präsident Clinton

GESELLSCHAFT

CLINTON: VIELFALT IST VON
ELEMENTARER BEDEUTUNG
Rede des Präsidenten in San Diego

WIRTSCHAFT

RUBIN FORDERT FORTGESETZTES
INTERNATIONALES ENGAGEMENT
DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede des Finanzministers

AUSSENPOLITIK

THEMEN DER GESAMTEUROPÄISCHEN
SICHERHEITSPOLITIK
Ansprache von J.D. Bindenagel

TERRORISMUS

TERRORISMUS, DIE MEDIEN UND DAS
21. JAHRHUNDERT
von Raphael F. Perl

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�G-8
25. Juni 1997

Gipfel in Denver ist Vorbereitung
auf zukünftige globale Herausforderungen
Radioansprache von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Radioansprache, die Präsident Clinton im Vorfeld des
vom 20.-22. Juni 1997 in Denver abgehaltenen Wirtschaftsgipfels der Staats- und Regierungschefs der acht
führenden Industriestaaten hielt.

Guten Morgen. Ich spreche heute aus Denver (Colorado) zu Ihnen, wo die Staats- und Regierungschefs
der führenden demokratischen Industriestaaten am
G-8-Gipfel teilnehmen. Während der nächsten zwei
Tage werden die Augen der Weltöffentlichkeit auf
Denver und Amerika ruhen, und wir haben allen
Grund, stolz zu sein.
Unsere Volkswirtschaft ist die gesündeste seit einer
Generation und die stärkste der Welt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 24 Jahren, der niedrigsten
Inflationsrate seit 30 Jahren, der größten Verringerung
der Ungleichheit unter unseren Arbeitnehmerfamilien
seit den sechziger Jahren und mehr als 12 Millionen
neuen Arbeitsplätzen. Unsere Exporte befinden sich
auf dem Höchststand. Wir bahnten einen neuen Weg
zu Wohlstand und Sicherheit mit einer Strategie zum
Abbau des Haushaltsdefizits, Investitionen in unsere
Menschen und der Öffnung der Welt für unseren
Handel. Amerika ist bereit zur Übernahme einer
Führungsrolle im 21. Jahrhundert, wie wir sie schon im
zu Ende gehenden 20. Jahrhundert innehatten.
Heute möchte ich darüber sprechen, warum dieser
Gipfel für unsere Nation und unser Volk von Bedeutung ist und was wir dort erreichen wollen. Die
führenden Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Kanadas, Frankreichs, Deutschlands,
Italiens, Großbritanniens, Japans, der Europäischen
Union und Rußlands werden an einem Tisch sitzen.
Die Tatsache, daß sie zusammenkommen, sagt schon
alles über die Welt von heute aus. Unsere Heimatländer liegen Tausende von Kilometern voneinander
entfernt, aber das durch die Revolution im
Technologie-, Verkehrs- und Kommunikationsbereich

AMERIKA DIENST 12

angekurbelte Wachstum der Weltwirtschaft hat uns alle
einander nähergebracht. Und die Tatsache, daß ein
demokratisch gewählter Regierungschef Rußlands
erstmals einem dieser jährlichen Treffen von Anfang
bis Ende beiwohnt, zeigt, wie weit wir seit den Tagen
des Kalten Krieges gekommen sind.
Dieser Moment der Möglichkeiten bietet enorme
Chancen für all unsere Völker - Ideen, Waren und
Dienstleistungen, Technologie und Kapital überqueren
die Grenzen schneller denn je, bereichern unser
Leben auf vielfältige Weise und erhöhen unseren
Wohlstand. Aber während sich der Fortschritt schnell
auf der Welt verbreitet, kann das bei Problemen
ebenfalls geschehen. Eine Währungskrise in einem
Land kann auch weit über seine Grenzen hinaus
Erschütterungen verursachen, Arbeitsplätze und
Stabilität in einem völlig anderen Teil der Welt gefährden. Moderne Technologien und offenere Grenzen
tragen zum Prosperieren der Unternehmen bei können aber auch Terroristen, Drogenhändlern und
Verbrechern beim Planen und Verwischen ihrer
Spuren behilflich sein.
Vermehrte Reisen und Handel setzen unsere Menschen neuen Kulturen und Chancen aus, aber auch
der Verbreitung gefährlicher Krankheiten, gegen die
keine Nation immun ist. Und die Verschlechterung der
Qualität der Umwelt in einem Land kann zu globalen
Problemen beitragen, die die Lebensqualität aller
verschlechtern.
In den vergangenen vier Jahren haben wir hart
gearbeitet, um gemeinsame Maßnahmen gegen diese
Bedrohungen zu ergreifen und diese gemeinsamen

Seite 1

�Maßnahmen zum zentralen Bestandteil unserer
Gipfeltreffen zu machen. Hier in Denver werde ich
weitere Schritte zum Schutz unserer Bürger vor diesen
Bedrohungen ankündigen. Vor zwei Jahren, als wir in
Halifax zusammenkamen, vereinbarten wir Zusammenarbeit zur Abwendung von Finanzkrisen und deren
Verbreitung im Falle ihres Auftretens. Inzwischen
haben sich unsere Finanzminister auf die Schaffung
eines globalen Netzwerks von Bank- und Marketingvertretern zur Überwachung der Finanzpolitik der
jeweiligen Länder und riskanter Maßnahmen geeinigt.
Unsere Zusammenarbeit wird verhindern, daß ein
Finanzschock im Ausland den Wohlstand hier bei uns
zu Hause bedroht.
Wir arbeiten auch mit den Entwicklungsländern an der
Verabschiedung solider Finanzpraktiken zusammen,
so daß ihre Märkte ungestört funktionieren, sie stabile
Unternehmen aufbauen sowie Handel und Investitionen anziehen können. Diese aufstrebenden Volkswirtschaften sind die am schnellsten wachsenden der
Welt. Ihnen bei der Schaffung von mehr Wohlstand
behilflich zu sein, bedeutet größere Chancen für
amerikanische Exporte und bessere amerikanische
Arbeitsplätze.
Wir werden auch unseren Kampf gegen Grenzen
mißachtende neue Kräfte der Zerstörung fortsetzen.
Als wir im vergangenen Jahr in Lyon zusammenkamen, vereinbarten wir eine Reihe von Maßnahmen zur
Bekämpfung von Terrorismus und organisiertem
Verbrechen. In der Zwischenzeit haben wir konkrete
Schritte durchgeführt, von der Verbesserung der
Flugsicherheit bis zur Verweigerung von Zuflucht für
Verbrecher. Darüber hinaus haben wir beträchtliche
Fortschritte bei der Verbesserung der Sicherheit und
sicheren Lagerung von Nuklearmaterial erzielt - was
ohne Rußland als Partner einfach nicht möglich
gewesen wäre.
Gemeinsam arbeiten die Acht auf die verschärfte
Kontrolle von Plutonium aus zerlegten Gefechtsköpfen

*

Seite 2

hin, damit es nicht in die falschen Hände gerät. Um
Nuklearschmuggel besser zu verhindern und solche
Fälle zu ermitteln, haben wir ein rasches Reaktionsnetz aufgebaut und die Zusammenarbeit zwischen
Strafverfolgungs- und Zollbehörden, den Nachrichtendiensten sowie die Arbeit unserer Gerichte verbessert,
damit wir die Quellen von geschmuggeltem Nuklearmaterial besser ausmachen können. Bald werden sich
uns über 20 zusätzliche Länder in Europa und Zentralasien bei diesen gemeinsamen Unternehmungen
anschließen.
In diesem Jahr werden wir eine weitere globale
Herausforderung in Angriff nehmen: Die Verbreitung
von ansteckenden Krankheiten. Viele glauben, daß
dies eines der gravierendsten Probleme des 21.
Jahrhunderts sein wird. Ich werde auf ein Abkommen
zur gemeinsamen Entwicklung eines globalen Krankheitsüberwachungsnetzes drängen, das frühzeitig über
den Ausbruch einer Krankheit informiert, so daß wir
rasch und effektiv reagieren können. Um diese
Reaktion zu koordinieren, damit wir die richtigen
Medikamente so schnell wie möglich dort zur Verfügung haben, wo sie benötigt werden, und zur Stärkung
des öffentlichen Gesundheitssystems - insbesondere
in den Entwicklungsländern - werde ich ferner die
anderen Staats- und Regierungschefs bitten, sich
Amerika bei der vehementen Suche nach einem
HIV/AIDS-lmpfstoff anzuschließen, wie ich bereits im
vergangenen Monat in meiner Rede vor der Morgan
State University in Maryland gefordert habe.
Das Treffen der Acht ist Teil der von uns unternommenen umfassenderen Bestrebungen zur Gestaltung der
Welt, damit sie die Herausforderungen in dem vor uns
liegenden Jahrhundert meistern kann. Wir wissen,
wenn wir unsere Stärke, unsere Erfahrung und unsere
Ideen koordinieren, haben wir eine sehr viel bessere
Chance auf Erfolg. Und für die amerikanischen
Familien bedeutet dies mehr Wohlstand, mehr Frieden
und mehr Sicherheit für unsere Kinder.

* * *

*

AMERIKA DIENST 12

�GESELLSCHAFT
25. Juni 1997

Clinton: Vielfalt ist von elementarer Bedeutung
Rede des Präsidenten in San Diego

SAN DIEGO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede, die Präsident Clinton am 14.
Juni 1997 im Rahmen einer Abschlußfeier an der University of California in San Diego hielt. Darin konzentriert
sich der Präsident auf die Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten und stellt einen Plan vor, den Dialog
zu fördern und Rassentrennung auf allen Gebieten zu überwinden.

Heute feiern wir Ihre Leistungen in einem für Amerika
wahrhaft glücklichen Moment. Der Kalte Krieg ist
vorüber und überall auf der Welt ist die Freiheit auf
dem Vormarsch. Mehr als die Hälfte der Menschen
weltweit leben erstmals unter einer Regierung ihrer
Wahl.
Unsere Wirtschaft ist die gesündeste seit einer Generation und die stärkste der Welt. Unsere Kultur, unsere
Wissenschaft und unsere Technologie versprechen
unvorstellbare Fortschritte und interessante neue
Berufswege. Dank unserer Bestrebungen bekommen
wir unsere sozialen Probleme - von Kriminalität bis
Armut - endlich in den Griff.
Natürlich liegen vor Ihnen noch Herausforderungen.
Jenseits unserer Grenzen müssen wir Terrorismus,
organisiertes Verbrechen und Drogenhandel, die
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen
sowie potentielle neue Krankheiten und Umweltkatastrophen bekämpfen.
In unserem Land müssen wir sicherstellen, daß jedes
Kind die Chance zur Entwicklung seiner von Gott
gegebenen Fähigkeiten erhält. Wir dürfen den Kindern
nicht erst Beachtung schenken, wenn sie in Schwierigkeiten sind.
Wir müssen weiterhin die Geißel von Jugendbanden,
Verbrechen und Drogen bekämpfen. Wir müssen uns
darauf vorbereiten, daß die Babyboom-Generation in
Rente geht, damit uns noch Geld für die Bekämpfung
der Armut unter Kindern übrigbleibt. Wir müssen die
Kräfte von Wissenschaft und Technologie zum Wohl
der gesamten amerikanischen Öffentlichkeit einsetzen.

AMERIKA DIENST 12

Aber meines Erachtens ist unsere größte Herausforderung auch unsere größte Chance. Das komplexeste aller unsere Gesellschaft immer noch konfrontierenden Probleme von Diskriminierung und
Vorurteilen ist das älteste und in mancher Hinsicht
auch neueste: das Rassenproblem. Können wir das
Versprechen Amerikas erfüllen und dabei die Bürger
aller Rassen einbeziehen - nicht nur an einer Universität, deren Studenten verständige Dozenten und
die Zeit haben, nachzudenken, sich zu entfalten und
sich im täglichen Leben kennenzulernen? Mit anderen
Worten: Können wir im 21. Jahrhundert zu einem
Amerika werden?
Ich weiß und habe das auch bereits gesagt, daß
dieses Ziel nicht mit Geld erkauft, nicht mit Gewalt
erzwungen und nicht mit Technologie geschaffen
werden kann. Es kann nur vom menschlichen Geist
ausgehen - dem Geist, der sichtbar wurde, als der aus
Angehörigen vieler Rassen bestehende Chor die
Gospels sang.
Heute hat der Bundesstaat Hawaii, der hier durch
einen Senator und eine Kongreßabgeordnete vertreten
ist, keine rassische oder ethnische Mehrheit. Es ist ein
wunderbarer Ort voller Freundschaft und Patriotismus.
Binnen drei Jahren wird hier in Kalifornien keine
rassische oder ethnische Gruppe mehr die Mehrheit
der Bevölkerung des Bundesstaates ausmachen. Fünf
unserer größten Schulbezirke haben bereits Schüler
aus mehr als 100 verschiedenen rassischen und
ethnischen Gruppen. Auf diesem Campus haben 12
Nobelpreisträger aus neun verschiedenen Ländern
gelernt oder gelehrt. In einem halben Jahrhundert,

Seite 1

�wenn unsere Enkel aufs College gehen, wird es in
Amerika keine Rasse geben, die die Mehrheit stellt.
Was für ein Amerika wird das sein? Wird es ein
Amerika sein, das seine Unterschiede nicht nur
respektiert, sondern feiert, und vor allem seine Gemeinsamkeiten betont? Werden wir definieren können, was es bedeutet, ein Amerikaner zu sein, nicht
nur im Zusammenhang mit dem Kompositum, das
unsere ethnische Herkunft angibt, wie zum Beispiel
afroamerikanisch, sondern vor allem im Hinblick auf
unsere Bindung an die Werte, für die Amerika steht
und nach denen wir leben? Unsere Herzen sehnen
sich danach, diese Fragen mit Ja zu beantworten, aber
unsere Geschichte erinnert uns daran, daß das
schwierig ist. Die uns verbindenden Ideale sind so alt
wie unsere Nation, aber dasselbe gilt für die uns
trennenden Kräfte. Unsere Gründerväter wollten eine
perfektere Union bilden: Die in diesem Satz enthaltene
Demut und Hoffnung ist die Geschichte von Amerika
und unsere heutige Mission.
Halten Sie sich folgendes vor Augen: Wir wurden mit
einer Unabhängigkeitserklärung als Staat geboren, die
bekräftigt, daß wir alle gleich geschaffen sind und einer
Verfassung, die die Sklaverei festschrieb. Wir kämpften einen blutigen Bürgerkrieg, um die Sklaverei
abzuschaffen und die Union zu erhalten, blieben
jedoch ein weiteres Jahrhundert lang geteilt und
ungleich vor dem Gesetz. Wir drangen im Namen der
Freiheit auf den gesamten Kontinent vor, vertrieben
dabei aber die Indianer von ihrem Land und vernichteten oftmals ihre Kultur und ihr Leben. Unsere
Freiheitsstatue heißt die armen, müden, gebeutelten
Massen der Einwanderer an unseren Grenzen willkommen, aber jede neue Welle spürte den Stachel der
Diskriminierung.
Im Zweiten Weltkrieg kämpften die Amerikaner
japanischer Herkunft mutig für die Freiheit in Europa
und brachten große Opfer, während ihre Familien zu
Hause in Internierungslager gepfercht wurden. Die
berühmten schwarzen Kampfpiloten aus Tuskegee
verloren während des Krieges keinen ihrer Bomber,
aber ihre afroamerikanische Herkunft beraubte sie
vieler Rechte, als sie in Friedenszeiten nach Hause
zurückkehrten.
Obwohl Angehörige von Minderheiten heute mehr
Chancen denn je haben, sehen wir immer noch
Beweise für Intoleranz: Von der Entweihung von
Gotteshäusern - seien es Kirchen, Synagogen oder
Moscheen - bis zu abfälligen Bemerkungen in Unternehmen. Sie, die Absolventen des Jahrgangs 1997,
haben noch viel Arbeit vor sich. Wer jedoch sagt, wir
könnten das Problem der Vorurteile nicht in das
Versprechen der Einheit umwandeln, vergißt, wie weit
wir schon gekommen sind und hat wahrscheinlich
noch nie einen Jahrgang wie den Ihren gesehen.

Seite 2

Wenn ich Sie betrachte, kann ich mich fast nicht mehr
an mein eigenes Leben erinnern. Ich wuchs während
des höchst dramatischen Kalten Krieges im patriotischen Süden auf. Schwarze und weiße Bürger der
Südstaaten trugen gleichermaßen die nationale
Uniform zur Verteidigung der Freiheit gegen den
Kommunismus. Sie kämpften und starben gemeinsam
- von Korea bis Vietnam. Aber zu Hause ging ich in
nach Rassen getrennte Schulen, schwamm in nach
Rassen getrennten Schwimmbädern, saß im Kino in
dem für Weiße abgetrennten Bereich und reiste in
meinem Heimatstaat durch kleine Städte, in denen
Toiletten und Wasserspender noch nach "Weiß" und
"Farbig" getrennt waren.
Durch die Gnade Gottes hatte ich einen Großvater, der
zwar nur eine Grundschulbildung, dafür aber das Herz
eines wahren Amerikaners hatte. Er brachte mir bei,
daß das falsch ist. Und durch die Gnade Gottes gab
es mutige Afroamerikaner wie den Kongreßabgeordneten John Lewis, die immer wieder ihr Leben aufs
Spiel setzten, um das Unrecht zu beheben. Und es
gab weiße Amerikaner wie den Kongreßabgeordneten
Bob Filner, der gemeinsam mit John Lewis den langen,
edlen Kampf für die staatsbürgerlichen Rechte kämpfte
und wußte, daß es auch ein Kampf zur Befreiung der
Weißen war.
Es gibt zweifellos noch unerledigte Angelegenheiten
zwischen schwarzen und weißen Amerikanern, aber
das klassische amerikanische Dilemma ist jetzt zu
einer Vielzahl von Dilemmas der Rasse und ethnischen Zugehörigkeit geworden. Wir sehen sie an
den Spannungen zwischen schwarzen und hispanischen Kunden und ihren koreanischen oder arabischen Lebensmittelhändlern, an dem wiederauflebenden Antisemitismus sogar auf dem Campus einiger
Colleges, an der Feindseligkeit gegenüber neuen
Einwanderern von Asien über den Nahen Osten und
die ehemals kommunistischen Länder bis nach
Lateinamerika und der Karibik - selbst denen, die
durch harte Arbeit und dank starker Familien Erfolg auf
die amerikanische Art hatten.
Wir beobachten eine beunruhigende Tendenz, das zu
beanstandende Verhalten einiger Mitglieder bestimmter Gruppen, einschließlich der weißen Mehrheit, auf
die ganze Gruppe zu übertragen. Wenn ein farbiger
Amerikaner ein Verbrechen begeht, sollte man dieses
selbst verurteilen - aber dabei nicht vergessen, daß die
meisten Afroamerikaner hart arbeitende, gesetzestreue Bürger sind. Wenn das Mitglied einer Gang von
Latinos Drogen schmuggelt, sollte man das verurteilen
- aber dabei nicht vergessen, daß die große Mehrheit
der Hispanoamerikaner
verantwortungsbewußte
Bürger sind, die ebenfalls die Geißel der Drogen in
unserem Leben beklagen. Wenn weiße Teenager
einen afroamerikanischen Jungen nur wegen seiner
Rasse fast zu Tode prügeln, dann verurteilen Sie das
um Gottes willen - aber vergessen Sie nicht, daß die

AMERIKA DIENST 12

�überwältigende Mehrheit der Weißen das ebenso
verabscheuungswürdig findet. Wenn eine asiatische
Großhändlerin ihre einer anderen Minderheitengruppe
angehörenden Kunden diskriminiert, sollte man sie
darauf ansprechen - aber dabei nicht vergessen, daß
sehr viele Asiaten ebenfalls unter Vorurteilen gelitten
haben und nicht möchten, daß das jemand anderem
passiert.
Vergessen Sie auch nicht, daß wir trotz hartnäckiger
Vorurteile integrierter denn je sind. Es gibt in Wohngegenden, bei der Arbeit, in der Schule und bei
sozialen Aktivitäten, im religiösen Leben und sogar in
der Liebe und Ehe mehr die Rassenschranken
überwindende Verbindungen als je zuvor. Mehr
Amerikaner denn je erfreuen sich der Gesellschaft und
unterschiedlichen Kultur anderer Rassen. Und mehr
denn je erkennen die Vorteile unserer rassischen,
sprachlichen und kulturellen Vielfalt in einer globalen
Gesellschaft, in der Handels- und Kommunikationsverbindungen die Menschen näherbringen und
diejenigen reich belohnen, die das Leben jenseits der
Grenzen ihrer Nation verstehen.
Mit nur einem Zwanzigstel der Weltbevölkerung aber
einem Fünftel des Welteinkommens müssen wir
Amerikaner in den übrigen 95 Prozent der Verbraucher
auf der Welt Abnehmer finden, um unseren Lebensstandard beizubehalten. Da wir aus allen Kulturen der
Erde stammen, sind wir hierzu in einer einzigartigen
Weise befähigt. Über den Handel hinaus können die
unterschiedliche Herkunft und die Begabungen
unserer Bürger Amerika helfen, den Globus zu erhellen und den durch Rasse, Religion und ethnische
Herkunft gespaltenen Ländern zu zeigen, daß es einen
besseren Weg gibt.
Wie Sie uns heute gezeigt haben, bereichert unsere
Vielfalt unser Leben auf immaterielle Weise - sie
vertieft unser Verständnis der menschlichen Natur und
der Unterschiede zwischen den Menschen und macht
unsere Gemeinden interessanter, vergnügter und
sinnvoller. Deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Ich möchte das amerikanische Volk bitter), sich mir bei
dem großen nationalen Bestreben anzuschließen, das
Versprechen Amerikas für diese neue Zeit zu vervollkommnen, in der wir den Aufbau einer vollkommeneren Union anstreben.

Teilnahme an diesen Bestrebungen ebenso viel
gewinnen wie alle anderen - sie werden durch ein
Amerika bereichert, in dem wir endlich die Verantwortung für alle unsere Kinder übernehmen, damit sie,
wie Martin Luther King hoffte, "nicht anhand ihrer
Hautfarbe, sondern anhand ihres Charakters" beurteilt
werden.
Was müssen wir tun? Ich arbeite seit viereinhalb
Jahren daran, Amerika auf das 21. Jahrhundert
vorzubereiten - mit Chancen für alle, Pflichten für alle
und einer amerikanischen Gemeinschaft aller Bürger.
Um auf diesen Gebieten Erfolg zu haben, müssen wir
uns mit den Realitäten und Vorstellungen aller Rassen
in Amerika befassen.
Erstens müssen wir weiterhin die Chancen verbessern. Umfassende Beteiligung an einer starken
und wachsenden Wirtschaft ist das beste Mittel gegen
Neid, Verzweiflung und Rassismus. Wir müssen
Fortschritte machen, um Millionen aus Armut und
Sozialhilfe zu retten und ihnen Arbeit zu geben, die
Innenstädte mit Unternehmergeist zu erfüllen und
unsere Bestrebungen zu verdoppeln, die ländlichen
Gebiete zu erreichen, die noch nicht in den Genuß des
Wohlstands gekommen sind. Und am wichtigsten ist,
daß wir unseren jungen Menschen die beste Bildung
der Welt bieten müssen.
Es gibt keine Kinder, die aufgrund ihres ethnischen
oder rassischen Hintergrunds nicht den von uns

gesetzten höchsten akademischen Standards entsprechen können, wenn wir ihnen gut ausgebildete
Lehrer und gut ausgestattete Klassenzimmer geben
und weiterhin vernünftige Reformen zur Förderung
herausragender Leistungen unterstützen, wie beispielsweise die Bewegung zur Gründung von Privatschulen.
Zu einer Zeit, in der eine Collegeausbildung Stabilität,
einen guten Arbeitsplatz und Zugang zur Mittelschicht
bedeutet, müssen wir allen Amerikanern die Tür zum
College öffnen, damit am Vorabend des nächsten
Jahrhunderts ein mindestens zweijähriger Collegebesuch ebenso üblich wird, wie es heute das HighSchool-Diplom ist.

Jetzt, da mehr Grund zur Hoffnung als zur Angst
besteht und wir nicht durch Notfälle oder soziale
Umwälzungen unter Druck stehen, ist der richtige
Zeitpunkt, gemeinsam zu lernen, miteinander zu
sprechen und gemeinsam das eine Amerika aufzubauen.

Bei unseren Bestrebungen zur Ausweitung von
Wirtschafts- und Bildungschancen für alle unsere
Bürger müssen wir die Rolle von Programmen zur
beruflichen Gleichstellung in Betracht ziehen. Ich
weiß, daß diese in Amerika nicht perfekt waren,
weshalb wir vor zwei Jahren Bestrebungen in die
Wege leiteten, die Mängel zu beseitigen. Aber wenn
sie richtig eingesetzt werden, funktionieren sie.

Ich weiß, daß viele Amerikaner weißer Hautfarbe den
Eindruck bekommen können, dieses Gespräch würde
sie ausschließen oder bedrohen. Das darf nicht sein.
Meines Erachtens können die Weißen durch die

Die berufliche Gleichstellung brachte eine ganze
Generation von Führungskräften auf Gebieten hervor,
die früher exklusive Clubs waren - in denen Menschen
wie ich den Vorteil einer 100-prozentigen Gleich-

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�Stellung genossen. Jetzt gibt es mehr Unternehmerinnen denn je. Und es gibt mehr Rechtsanwälte und
Richter, Wissenschaftler und Ingenieure, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsführer afrikanischer, hispanischer
und asiatischer Herkunft denn je.

der Ausbildung der Studenten geschehen. Wir dürfen
bei der weiterführenden Bildung nicht wieder die
Rassentrennung einführen oder es den Privatuniversitäten überlassen, die Arbeit der Öffentlichkeit zu
übernehmen.

Das beste Beispiel für berufliche Gleichstellung ist
jedoch unser Militär. Unsere Streitkräfte sind vollkommen vielfältig - vielleicht die integrierteste Institution in unserer Gesellschaft und zweifelsohne das
integrierteste Militär der Welt. Und noch wichtiger ist,
daß niemand in Frage stellt, daß sie die besten der
Welt sind. Soviel zu dem Argument, herausragende
Leistungen und Vielfalt gingen nicht Hand in Hand.

Zu einer Zeit, in der wir daran arbeiten müssen, besser
zusammen zu leben und zu lernen, sollten wir weiterhin versuchen, wirtschaftliche Chancen anzugleichen.
Diejenigen, die Förderprogramme ablehnen, bitte ich,
eine Alternative zu bieten. Ich würde sie akzeptieren,
wenn ich dadurch einen besseren Weg finden könnte.
Und denjenigen unter uns, die sie noch unterstützen,
sage ich, wir sollten uns weiterhin dafür einsetzen, wir
sollten diejenigen einbeziehen, die anderer Meinung
oder unsicher sind, und über die praktischen Auswirkungen dieser Probleme reden, und man sollte nie
von uns denken, daß wir nicht mit denen zusammenarbeiten wollen, die anderer Meinung sind als wir, um
neue Wege zu finden, den Menschen weiterzuhelfen
und die Menschen zusammenzubringen.

Einige argumentieren, daß die bei einheitlichen Tests
erzielten Noten der einzige Qualifikationsmaßstab für
die Zulassung zum College oder zur Universität sein
sollten. Häufig wird jedoch für die Kinder von Ehemaligen oder Studenten mit sportlichen Fähigkeiten nicht
derselbe Maßstab angelegt.
Meines Erachtens haben Studenten, die die herausragenden Leistungen und die Vielfalt der Menschen
verkörpern, mit denen wir leben und arbeiten werden,
einen eigenständigen erzieherischen Wert. Blicken
Sie um sich. Glauben Sie nicht, daß Sie aufgrund der
Sie umgebenden Vielfalt sehr viel mehr gelernt haben
als wenn alle um Sie herum genauso aussehen
würden wie Sie? Ich glaube, Sie haben sehr viel mehr
gelernt.
Und über den erzieherischen Wert hinaus liegt es im
öffentlichen Interesse, weil Sie lernen, in der Welt, in
der Sie besser leben werden, zu leben und zu arbeiten. Wenn junge Menschen Seite an Seite mit Menschen unterschiedlichster Herkunft sitzen, lernen sie
etwas, das sie in die Welt mitnehmen können. Sie
werden bessere Bürger sein.
Viele Studenten, die an einem Förderprogramm
teilgenommen haben, erbringen herausragende
Leistungen. Sie arbeiten hart, sie bestehen die
Prüfungen, sie gehen und dienen den Gemeinden, die
sie wegen ihres Fachwissens und als Vorbild brauchen. Wenn wir ihnen die Tür verschließen, werden
wir unsere großartigsten Universitäten schwächen,
und es wird schwieriger sein, die Gesellschaft aufzubauen, die wir im 21. Jahrhundert benötigen.
Ich weiß, daß die Bürger Kaliforniens ohne böse
Absicht für die Aufhebung der Förderprogramme
gestimmt haben. Die große Mehrheit tat es einfach
aus der Überzeugung heraus, daß Diskriminierung und
Isolierung keine Barrieren für Leistung mehr sind.
Aber betrachten Sie sich die Ergebnisse. Die Immatrikulationszahl der Angehörigen von Minderheiten an
juristischen Fakultäten und anderen Graduiertenprogrammen ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten
gesunken. Stellen Sie sich vor, dasselbe würde bei

Seite 4

Abgesehen von den Chancen müssen wir von jedem
Amerikaner
Verantwortungsbewußtsein
fordern.
Unsere Stärke als Gesellschaft hängt von beidem ab davon, daß die Menschen die Verantwortung für sich
selbst und ihre Familien übernehmen, ihren Kindern
Werte beibringen, hart arbeiten und das Gesetz
befolgen und den anderen etwas zurückgeben. Die
neue Wirtschaft bietet weniger Garantien, enthält mehr
Risiken, aber auch größere Belohnung. Sie fordert von
uns allen, noch mehr Verantwortung für unsere
Ausbildung zu übernehmen als je zuvor.
In dem derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung hat nur
eine rassische oder ethnische Gruppe in den Vereinigten Staaten tatsächlich einen Einkommensrückgang erlebt - die Hispanoamerikaner. Ein Hauptgrund dafür ist, daß die Zahl der Schulabbrecher an
hispanischen High Schools weit über der von Weißen
und Schwarzen liegt. Einige der Abbrecher wollen
unbedingt arbeiten. Wir bewundern die legendäre
Bereitschaft, viele Stunden lang eine harte Arbeit bei
schlechter Bezahlung zu übernehmen. In der alten
Wirtschaft war das vernünftig. Aber in der neuen
Wirtschaft, in der Ausbildung der Schlüssel ist, bedeutet Schulbesuch Verantwortung.
Keine Verantwortung ist grundlegender als das
Befolgen von Gesetzen. Es ist nicht rassistisch, darauf
zu bestehen, daß jeder Amerikaner das tut. Der Kampf
gegen Verbrechen und Drogen ist ein Kampf für die
Freiheit aller unserer Menschen - einschließlich und
vielleicht insbesondere der Minderheiten, die in
unseren ärmsten Vierteln leben. Aber die Respektierung der Gesetze muß in beide Richtungen erfolgen.
Die schockierend unterschiedlichen Auffassungen
über die Fairneß unseres Strafrechtssystems erwachsen aus den realen Erfahrungen, die so viele
Angehörige von Minderheiten mit den Strafverfol-

AMERIKA DIENST 12

�gungsbeamten gemacht haben. Die Antwort besteht
zum Teil darin, daß alle unserer Bürger die Gesetze
befolgen, aber die Grundregel muß lauten, daß das
Gesetz alle unsere Bürger respektiert.
Und das gilt auch für die Durchsetzung unserer
Gesetze über die Bürgerrechte. Die Behörde für die
Gleichberechtigung am Arbeitsplatz hat beispielsweise
einen enormen Überhang an Fällen von Diskriminierungsklagen - obwohl wir diesen in den vergangenen
vier Jahren um 25 Prozent reduziert haben. Ohne
mehr Ressourcen können wir nicht sehr viel mehr tun.
Es ist unerläßlich, daß der Kongreß - insbesondere die
Abgeordneten, die sagen, sie seien für Bürgerrechte
aber gegen Förderprogramme - uns mindestens das
erforderliche Geld für die Umsetzung des Rechts des
Landes geben und zwar bald.

unterrichtet, einen Dialog in jeder Gemeinde des
Landes fördert, um diese Probleme in Angriff zu
nehmen und durchzuarbeiten, Führungspersönlichkeiten auf allen Ebenen anwirbt und ermutigt, Rassentrennung zu überwinden sowie konkrete Lösungen zu
unseren Problemen erarbeitet und umsetzt - Lösungen, die uns alle in der Regierung, den Unternehmen,
Gemeinden und als einzelne Bürger einbeziehen.
Ich werde dem amerikanischen Volk in regelmäßigen
Abständen von unseren Erkenntnissen und Aktionen
berichten, die wir alle durchführen müssen, um
Amerika voranzubringen.
Dieses Gremium wird
Amerikanern aller Rassen und aller Lebensbereiche
zuhören. Sie leisten einen großartigen Dienst am
Bürger, aber beim Aufbau eines Amerikas müssen alle
Bürger dienen.

Unser drittes Gebot ist vielleicht das Schwierigste. Wir
müssen eine auf die Respektierung des anderen und
unsere gemeinsamen Werte gründende amerikanische
Gemeinschaft aufbauen. An der Schwelle zu einem
neuen Jahrhundert müssen wir heute mit einer offenen
Diskussion über den Stand der Rassenbeziehungen
und die Auswirkungen auf Amerikaner so vieler
unterschiedlicher Rassen beginnen, die zusammen
leben und arbeiten. Seit langem reden wir aneinander
vorbei und übereinander. Es ist höchste Zeit, daß wir
alle beginnen, miteinander zu reden.

Wie ich beim Gipfeltreffen des Präsidenten über den
Dienst am Bürger in Philadelphia erklärt habe, sind
solche Akte des Dienstes am Bürger grundlegende
Akte der Staatsbürgerschaft. Die Regierung muß ihre
Rolle spielen, ein Großteil der Arbeit muß jedoch vom
amerikanischen Volk als Dienst am Bürger geleistet
werden. Dieses Unternehmen wird uns stärken und
uns näher zusammenbringen.

Im kommenden Jahr möchte ich mit dem amerikanischen Volk ein großartiges und beispielloses Gespräch über Rassen führen. An den Bestrebungen der
Gemeinden von Lima in Ohio bis zu Billings in Montana, an bemerkenswerten Experimenten rassenübergreifender Kommunikation wie dem einzigartigen
ERACISM habe ich gesehen, was Amerikaner tun
können, wenn sie aufeinander zugehen.

allen anerkannt wird.

Ich habe einen der größten Gelehrten der Vereinigten
Staaten, Dr. John Hope Franklin, gebeten, den Vorsitz
über ein Beratergremium von sieben herausragenden
Amerikanern zu übernehmen, um mir bei diesem
Unternehmen behilflich zu sein. Es sind die ehemaligen Gouverneure Thomas Kean aus New Jersey und
William Winter aus Mississippi - beide vehemente
Bürgerrechtsaktivisten; Linda Chavez-Thompson,
Stellvertretende Vorsitzende des amerikanischen
Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO; Reverend
Suzan Johnson Cook, Pfarrerin aus der Bronx und
ehemaliger Fellow des Weißen Hauses; Angela Oh,
Rechtsanwältin und Gemeindevertreterin von Los
Angeles sowie Robert Thompson, Geschäftsführer von
Nissan USA - alle herausragende Führungspersönlichkeiten und Führungspersönlichkeiten in ihrer Gemeinde.
Ich möchte, daß dieses Gremium die Amerikaner über
die Fakten im Zusammenhang mit Rassenfragen

AMERIKA DIENST 12

Mit anderen Worten: Ich möchte, daß Amerika das
Gefühl und den Geist bewahrt, den Sie alle uns heute
vermittelt haben. Ich möchte, daß das Gremium von
Ich möchte, daß Sie sich die

Freiheit nehmen, im nächsten Jahr mit Dr. Franklin
und den Angehörigen des Gremiums zu sprechen.
Zunächst wird ein ehrlicher Dialog nicht leicht sein.
Wir alle müssen unsere Abwehrhaltung, Furcht,
political correctness und andere Barrieren für Ehrlichkeit aufgeben. Die Emotionen können hohe Wellen
schlagen, aber wir müssen beginnen.
Was werden wir als Land wirklich erreichen? Wenn
wir nicht mehr tun als reden, wird es interessant sein aber nicht genug. Wenn wir nicht mehr tun als voneinander losgelöste Maßnahmen vorzuschlagen, wäre
das hilfreich - aber nicht genug.
Aber wenn die Menschen in zehn Jahren zurückblicken und sehen, daß dieses Jahr des ehrlichen
Dialogs und konzertierter Aktionen dazu beitrug, die
Zukunft unserer Kinder von der schweren Last der
Rassenfrage zu befreien, dann haben wir Amerika ein
wertvolles Geschenk gemacht.
Ich möchte Sie bitten, sich jetzt, nach dem schwierigen
Prozeß über den Bombenanschlag in Oklahoma,
einen Augenblick lang an diesen schrecklichen Tag zu
erinnern, als wir für Amerikaner geweint und einen
Moment lang vergessen haben, daß viele von ihnen
einer anderen Rasse angehörten.

Seite 5

�Erinnern Sie sich an die vielen Gesichter und Rassen
der Amerikaner, die nicht geschlafen und ihr Leben
aufs Spiel gesetzt haben, um zu retten, zu helfen und
Trost zu spenden. Erinnern Sie sich, daß Sie Naturkatastrophen wie hier in Kalifornien gesehen haben. Das
ist das Gesicht des echten Amerikas. Das ist das
Gesicht, das ich immer wieder gesehen habe. Das ist
das Amerika, das wir auf irgendeine Weise im täglichen Leben Amerikas real werden lassen müssen.
Sie als Absolventen werden eine bessere Chance
haben, Ihre Träume auszuleben als jede andere
Generation in unserer Geschichte, wenn wir aus
unseren vielen unterschiedlichen Elementen ein
Amerika machen - eine Nation in Frieden mit sich
selbst, die durch gemeinsame Werte, Wünsche und
Chancen sowie die Respektierung unserer Unterschiede verbunden ist.
Ich bin ein schottisch-irischer Baptist aus dem Süden
der Vereinigten Staaten, und ich bin stolz darauf. Aber
mein Leben wurde in unermeßlicher Weise durch die
Kraft der Thora, die Schönheit des Koran, die eindringlichen Weisheiten der Religionen Ost- und Südasiens
bereichert - die meine amerikanischen Mitbürger
ausüben. Ich habe unbeschreibliche Freude und
Frieden in Kirchen der Schwarzen und Pfingstler
gefühlt. Ich habe die Intensität und Selbstlosigkeit
meiner hispanischen Mitbürger gegenüber der Familie
lieben gelernt. Als Südstaatler bin ich mit Countrymusic und Dorffesten aufgewachsen, und sie
gefallen mir immer noch. Aber ich habe auch die
Feiern und das Essen, die Musik, Kunst und Kultur der
Indianer und Amerikaner aus jeder Region der Welt
genossen.
In jedem Land, das ich als Ihr Präsident besucht habe,
fühlte ich mich wie zu Hause, weil einige Bürger dieser
Länder in Amerika ein Zuhause gefunden haben. Seit
zwei Jahrhunderten ist ein Strom von Einwanderern,
angezogen von dem Versprechen der Freiheit und
fairen Chancen, an unsere Küsten gekommen, um ein
neues Leben aufzubauen. Was immer sie sonst
vorfanden - selbst Intolereanz und Gewalt - sie haben

*

Seite 6

Amerika jedoch nie aufgegeben. Selbst Afroamerikaner, von denen die ersten in Ketten hierhergebracht
wurden, haben Amerika nie aufgegeben.
Es ist an Ihnen zu beweisen, daß sie zu Recht an
Amerika glaubten. Isoliert auf Inseln - einige großartig,
andere armselig - zu leben, ist nicht die amerikanische
Art. Unsere Selbstachtung darauf zu gründen, auf
andere herabzusehen, ist nicht die amerikanische Art.
Zufrieden zu sein, wenn wir haben was wir möchten,
achtlos gegenüber anderen, die noch nicht einmal das
haben, was sie brauchen und verdienen, ist nicht die
amerikanische Art. Wir haben die Schranken in
unseren Gesetzen niedergerissen. Jetzt müssen wir
die Schranken in unserem Leben, in unseren Köpfen
und unseren Herzen niederreißen.
Vor über 30 Jahren, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, stellte die Kerner-Kommission fest,
wir würden zu zwei Amerikas - einem weißen und
einen schwarzen, getrennt und ungleich. Heute sehen
wir uns mit einer anderen Entscheidung konfrontiert:
Werden wir nicht zwei, sondern viele Amerikas,
getrennt, ungleich und isoliert? Oder werden wir Kraft
aus allen unseren Menschen und unserem althergebrachten Glauben an die Qualität der menschlichen
Würde schöpfen, um die erste wirklich multirassische
Demokratie der Welt zu werden? Das ist die unbeendete Arbeit unserer Zeit - die Last der Rassentrennung
aufzuheben und das Versprechen Amerikas einzulösen.
Liebe Stundenten des Jahrgangs 1997 - ich bin im
Schatten eines nach Rassen getrennten Amerikas
aufgewachsen, aber ich habe den Hoffnungsschimmer
eines einzigen Amerikas gesehen. Sie haben mir
heute einen Hoffnungsschimmer gegeben. Das ist das
Amerika, das Sie schaffen müssen. Es beginnt mit
Ihren Träumen - also hegen Sie große Träume, leben
Sie Ihre Träume, stellen Sie Ihre Eltern vor eine
Herausforderung und erziehen Sie Ihre Kinder gut.
Gott schütze Sie.
Lebensweg.

* * *

Alles Gute für Ihren weiteren

*

AMERIKA DIENST 12

�WIRTSCHAFT
25. Juni 1997

Rubin fordert fortgesetztes internationales
Engagement der Vereinigten Staaten
Rede des Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Finanzminister Robert Rubin zufolge hat sich die Notwendigkeit der Führungsrolle und
des Engagements der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft seit dem Marshallplan nicht verändert.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Rubin bei einer von der George Washington University zum 50.
Jahrestag des Marshallplans veranstalteten Konferenz am 2. Juni 1997 hielt.

Ich freue mich über die Einladung, heute aus Anlaß
des 50. Jahrestages des Marshallplans zu Ihnen
sprechen zu dürfen. Es ist mir eine Ehre, mit denen
zusammenzutreffen, die am Marshallplan mitgewirkt
haben.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich einen
kurzen Rückblick vornehmen und anschließend
erörtern, wie Geist und Vision des Jahres 1947 in der
Welt von heute und morgen bewahrt werden können.
Vor fünfzig Jahren hielt George Marshall eine Rede an
der Harvard University, in der er seinen Hilfsplan für
Europa vorstellte, der nach ihm benannt wurde. Zu
einer Zeit, in der wir vom Krieg erschöpft waren und
die Versuchung groß war, sich von der Weltbühne
zurückzuziehen, griffen wir einem krisengeschüttelten
Europa mit einer dramatischen Hilfsaktion unter die
Arme. Die Kosten des Marshallplans beliefen sich auf
die enorme Summe von 13 Milliarden Dollar für drei
Jahre oder nahezu 10 Prozent des damaligen Bundeshaushalts. Aber der Ertrag unserer Investitionen
war ebenfalls enorm. Der Marshallplan war für den
Wiederaufbau Europas, die Stärke und den Wohlstand
der westlichen Volkswirtschaften entscheidend.
Dieser Plan - sein Geist und seine Vision - markierte
einen der großartigsten Momente Amerikas.
Es besteht kein Zweifel daran, daß der Marshallplan in
moralischer Hinsicht das Richtige war. Der Marshallplan lag jedoch auch in unserem wirtschaftlichen und
nationalen Sicherheitsinteresse. Amerika benötigte und benötigt auch heute noch - eine prosperierende
und erfolgreiche Welt, um selbst zu prosperieren und

AMERIKA DIENST 12

Erfolg zu haben. Visionäre wie George Marshall waren
sich dessen bewußt. Obwohl Marshall dem Militär
angehörte, wußte er, daß Sieg nicht bedeutet, daß die
Waffen beiseite gelegt werden und die Flagge gehißt
wird - es nur dann einen Sieg gibt, wenn die Bedingungen für dauerhaften Frieden und Wohlstand geschaffen sind. Mit anderen Worten: Er wußte, daß Stabilität
von heute morgen zu Konflikten führen kann und
präventive Diplomatie die effektivste Art von Diplomatie
ist.
Heute ist das Vermächtnis des Marshallplans klar. Er
trug zum Aufbau eines prosperierenden und freien
europäischen Kontinents bei, der sich immer stärker
auf eine Integration zubewegt. Er brachte die Vereinigten Staaten entschlossen auf den Kurs einer
Führungsrolle und des Engagements für internationale
Angelegenheiten. Und er zeigte, daß wir aus unserer
nach dem Ersten Weltkrieg getroffenen Entscheidung
zum Rückzug aus globalen Angelegenheiten etwas
gelernt haben.
Die Notwendigkeit der Führungsrolle und des Engagements der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft hat
sich seit dem Marshallplan nicht verändert - obwohl
sich die Umstände offensichtlich geändert haben.
Tatsächlich hat sich diese Notwendigkeit in mancher
Hinsicht verstärkt, ebenso wie die Bedeutung der
Wirtschaft für die Außenpolitik, die schon damals groß
war, in mancher Hinsicht zugenommen hat. 1947
waren 12 Prozent unserer Wirtschaft vom Handel
abhängig. Heute hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. 1947 sahen sich die meisten führenden amerikanischen Unternehmen als amerikanische Unterneh-

Seite 1

�men mit Auslandsniederlassungen. Heute betrachten
sie sich als globale Unternehmen mit Sitz in den
Vereinigten Staaten. 1947 gab es nationale Kapitalmärkte mit sehr wenig grenzüberschreitendem Kapitalfluß. Heute haben wir einen riesigen integrierten
globalen Kapitalmarkt mit enormen grenzüberschreitenden Investitionen und täglichem Finanzfluß.
Technologie, politischer Wandel und Marktöffnung
haben die Integration unserer Volkswirtschaften
beschleunigt und neue Wachstumsmöglichkeiten, aber
auch neue Risiken geschaffen. Es ist nicht übertrieben
zu sagen, daß unser wirtschaftliches Wohlergehen in
hohem Maße und irreversibel an das der übrigen Welt
gekoppelt ist. Kürzlich las ich eine Kolumne, deren
Verfasser die Globalisierung des Wirtschaftslebens
schlecht machte. Meines Erachtens hätte er sich
ebensogut über die Gezeiten beklagen können.
Meiner Meinung nach steht nicht die Realität zur
Diskussion. Die einzige Frage lautet, ob wir sie uns
zunutze machen - mit den möglicherweise großen,
daraus resultierenden Vorteilen - oder ob wir der
Realität den Rücken zuwenden - mit dem normalerweise daraus resultierenden Ergebnis. Es steht außer
Frage, wofür sich George Marshall entschieden hätte.
Die Förderung einer gesunden Weltwirtschaft liegt
1997 ebenso in unserem Interesse wie 1947. Damals
legte Marshall angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen des Europas nach dem Krieg eine aus
drei Teilen bestehende Strategie vor: Den zerstörten
Nationen das dringend benötigte Kapital für ihren
Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen, diese Hilfe an
wesentliche Wirtschaftsreformen zu binden und
Europa in die internationale Staatengemeinschaft zu
integrieren. Diese Bedingung und diese Vision von
integrierten Volkswirtschaften werden bisweilen
vergessen, aber sie waren integraler Bestandteil des
Marshallplans.
Die Strategie zur Förderung von Wachstum und
wirtschaftlichem Wohlergehen in den Industrie- und
Entwicklungsländern von heute ist sehr ähnlich: Die
Unterstützung einer soliden Wirtschaftspolitik in
Verbindung mit Hilfsleistungen, derzeit großenteils
durch die internationalen Finanzinstitutionen und ihre
an Bedingungen geknüpften Maßnahmen, die Überwindung der Hindernisse für wirtschaftliche Integration,
einschließlich der Bestrebungen des NAFTA, GATT,
APEC und der Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent zur Liberalisierung des Handels
sowie die Bereitstellung von Kapital, obwohl das in der
heutigen Welt zunehmend durch die Förderung von
Bedingungen geschieht, die Privatkapital anziehen.
Das unterstreicht den grundlegenden Unterschied
zwischen der Herausforderung des Wiederaufbaus
von Europa 1947 und der Herausforderung, heute
Entwicklung und Wachstum weltweit zu fördern. In
den vierziger Jahren gab es keine globalen Kapitalmärkte.
Die im Marshallplan vorgesehenen 13

Seite 2

Milliarden Dollar an direkten zwischenstaatlichen
Krediten waren für den Wiederaufbau Europas von
entscheidender Bedeutung. Jetzt liegt der Schlüssel
für Entwicklung und Wachstum weniger in offizieller
Hilfe, sei es durch bilaterale oder internationale
Finanzinstitutionen, obwohl sie wichtig bleibt, sondern
vielmehr in der Schaffung eines Umfelds, das Anreize
für Privatinvestitionen gibt.
Wesentlich für die Schaffung dieses Umfelds ist ein
anderes Produkt dieser bemerkenswerten Periode
internationaler Vision und Führung in den späten
vierziger Jahren: Die Bretton Woods Institutionen - der
internationale Währungsfonds und die Weltbank sowie ihre jüngeren Begleitinstitutionen, die regionalen
Entwicklungsbanken und das GATT/die WTO.
Betrachten Sie sich die Entwicklungsländer weltweit,
die während der vergangenen 25 Jahre einen außergewöhnlichen Wandel durchgemacht haben. In Asien,
Lateinamerika und Zentraleuropa entsteht in einem
Land nach dem anderen ein fast universeller Konsens,
daß die freie Marktwirtschaft der Schlüssel zu Wohlstand ist, wobei viele Länder in jeder dieser Regionen
während der letzten Jahre - und in einigen Fällen,
insbesondere in Asien, während der letzten Jahrzehnte
- große wirtschaftliche Fortschritte gemacht haben.
Die internationalen Finanzinstitutionen waren hierfür
von zentraler Bedeutung. Sie investieren in Bildung,
Gesundheitsfürsorge und die anderen grundlegenden
Voraussetzungen für eine erfolgreiche, marktorientierte
Wirtschaft und ermutigen solide finanzpolitische und
andere Maßnahmen, indem sie ihre Hilfe an Bedingungen knüpfen - ebenso wie es der Marshallplan vor 50
Jahren tat. Das wiederum ist entscheidend für unser
Land, denn Wohlstand in den Entwicklungsländern und
den ehemals kommunistischen Ländern fördert
politische Stabilität und Demokratie, die wiederum zu
wirtschaftlicher Aktivität in unserem Land beitragen
und unsere nationale Sicherheit erhöhen.
Trotz aller Fortschritte in den Entwicklungsländern und
den im Übergangsstadium befindlichen Staaten bleibt
die Herausforderung bestehen, die gesamte Weltbevölkerung in die wirtschaftliche Hauptströmung
einzubeziehen. Unsere Zukunft - unser wirtschaftliches Wohlergehen, unsere nationale Sicherheit,
unsere Umwelt und unsere öffentliche Gesundheit hängen von der Bewältigung dieser Herausforderung
ab. Schätzungen der Weltbank zufolge leben 1,3
Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar pro
Tag, und selbst in vielen Ländern, in denen beträchtliche Fortschritte gemacht wurden, sind diese Errungenschaften nicht unumkehrbar.
Viele Teile Asiens haben wirtschaftliche Bedingungen
geschaffen, die vor 30 Jahren unmöglich erschienen
wären, aber eine große Zahl von Asiaten lebt noch in
Armut. Und Afrika ist ein ganzer Kontinent, der in
Armut gefangen ist, obwohl einige Länder Reformen

AMERIKA DIENST 12

�eingeleitet haben und jetzt echte wirtschaftliche
Verbesserungen erleben. Wenn man den Geist und
die Vision des Marshallplans auf Afrika anwendet, ist
es meines Erachtens gar keine Frage, daß ein wirtschaftlich erfolgreiches Afrika nicht nur im Interesse
der Afrikaner liegt, sondern auch in unserem.
Zur Erlangung dieser Ziele arbeitet die Administration
im Kongreß mit einer aus Mitgliedern beider Parteien
bestehenden Gruppe an einer tragfähigen Strategie für
Afrika und mit den internationalen Finanzinstitutionen
an einer signifikanten Erhöhung ihrer Konzentration
auf Afrika. Ein Afrika, das mit seinem Engagement für
Demokratie, Wirtschaftsreformen und nachhaltige
Entwicklung erfolgreich ist, bietet seinen Menschen
einen höheren Lebensstandard und ist in politischer
und sozialer Hinsicht stabiler. Das wiederum wird für
amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer von
Vorteil sein, aber auch unsere nationale Sicherheit
stärken, indem die Notwendigkeit verringert wird, auf
Krisen in Afrika zu reagieren.
Jede Komponente einer zukunftsorientierten internationalen Wirtschaftspolitik ruft jedoch unverzüglich die
Debatte über die Rolle unseres Landes in der Weltwirtschaft und in der Welt generell hervor - ebenso wie der
Marshallplan zu seiner Zeit eine umfassende Debatte
auslöste. Diese Debatte wird an vielen Fronten
deutlich. Eine davon ist der Bereich der Ressourcen.
Wir sind bei weitem die größte und wohlhabendste
Volkswirtschaft der Welt, und dennoch sind wir der
größte Schuldner der Vereinten Nationen, und auf uns
entfällt der Löwenanteil der Rückstände bei der
Weltbank sowie den multilateralen Entwicklungsbanken. Wir waren entscheidend an der Schaffung
dieser Institutionen beteiligt, und jetzt bedrohen wir ihre
Existenz.
Auch der Handelsliberalisierung scheinen die Vereinigten Staaten immer ablehnender gegenüberzustehen, während die Nationen auf der ganzen Welt
sich in vielfältigerweise zusammenschließen wie beim
Europäischen Binnenmarkt in Europa, dem MERCOSUR in Lateinamerika und dem ASEAN in Asien.
Diese Bewegung zu Integration wird andauern - mit
oder ohne uns. Die einzige Frage ist, ob wir dabei sein
und von den Vorteilen profitieren werden, oder sehr zu
unserem Nachteil außen vor bleiben.
Die Sicherung der politischen Unterstützung für die
Aufrechterhaltung unserer Führungsrolle im Ausland
erfordert den Aufbau öffentlicher Unterstützung für
diese zukunftsorientierten Maßnahmen. Auch dies
verstand George Marshall sehr gut. Als er 1947 in
Harvard über seinen Vorschlag, Europa zu helfen,
sprach, war er sich der politischen Herausforderung
bewußt, als er sagte: "Ein unerläßlicher Bestandteil

AMERIKA DIENST 12

jeder erfolgreichen Aktion der Vereinigten Staaten ist
das Verständnis der Menschen in Amerika über den
Charakter des Problems und der anzuwendenden
Mittel. Politische Leidenschaft und Vorurteile sollten
dort keinen Platz haben." Nachdem er den Vorschlag
unterbreitet hatte, leiteten Präsident Truman, der
republikanische Senator Arthur Vandenberg und
Mitglieder beider Parteien eine Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den Plan und für seine
Unterstützung ein. Der Marshallplan, der anfänglich
auf Skepsis und Ablehnung stieß, wurde schließlich mit
überwältigender Mehrheit von beiden Häusern des
Kongresses verabschiedet.
Heute sehen wir uns mit derselben Herausforderung
beim Aufbau des Verständnisses - um mit Marshalls
Worten zu sprechen - der Menschen in Amerika über
den Charakter des Problems und der anzuwendenden
Mittel konfrontiert. Die Regierungsvertreter, die sich
der Bewältigung dieser Herausforderung verpflichtet
haben, können dies nicht alleine tun. Alle, die verstehen, wie entscheidend unser Wohlergehen mit dem
Wohlergehen der übrigen Welt verbunden ist, müssen
sich beim Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses
aller Amerikaner über diese lebensnotwendige Verbindung zusammenschließen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete sich ein Großteil
der Unterstützung für den Marshallplan aus dem
dringenden Bedarf der Zeit des Kalten Krieges ab.
Heute besteht auch dringender Bedarf für die amerikanische Führungsrolle in der Welt, aber er ist weniger
offensichtlich und schwieriger zu verstehen und macht
die Herausforderung des Aufbaus öffentlicher Unterstützung umso größer. Ich möchte abschließen, indem
ich Sie auffordere, das heutige Programm an der
George Washington University nicht nur mit einem
vertieften Verständnis des Marshallplans und von
General George Marshall zu verlassen, sondern mit
der Verpflichtung, seinen Geist und seine Vision
angesichts der Herausforderungen von heute zu
bewahren - und zum Aufbau dieses gemeinsamen
Verständnisses unter allen unseren Bürgern über
unser gemeinsames Interesse an der übrigen Welt
beizutragen.
Ich habe mich heute Nachmittag primär auf die
wirtschaftliche Interdependenz konzentriert, aber in der
heutigen Welt sind nationale Sicherheit, öffentliche
Gesundheit, Umweltschutz, Verbrechen und Terrorismus zu Problemen geworden, die keine Nation - selbst
die reichste und mächtigste - alleine meistern kann.
Eine der großen Lektionen des 20. Jahrhunderts - eine
Lektion, die George Marshall völlig verstand - lautet
zweifelsohne, daß ein Rückzug aus internationalen
Angelegenheiten nicht funktionieren kann. Wenn wir
uns zurückziehen, leiden wir; wenn wir uns engagieren, prosperieren wir. Ich danke Ihnen.

Seite 3

�AUSSENPOLITIK
25. Juni 1997

Themen der gesamteuropäischen Sicherheitspolitik
Ansprache von J. D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires der Botschaft der
Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, am 18. Juni 1997 beim Außenpolitischen Kongreß der
Sozialdemokratischen Partei hielt.

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, einige der
wichtigsten Themen auf unserer transatlantischen
Sicherheitstagesordnung erörtern zu dürfen, während
wir uns auf das 21. Jahrhundert vorbereiten.
Die Revolution von 1989 hat die Welt grundlegend
verändert. Wenn wir jedoch das gesamte Spektrum
der uns während dieser hektischen Tage des Wandels
konfrontierenden Probleme betrachten, stellen wir fest,
daß einige Themen herausstechen:
Integration,
Konsolidierung der Demokratie,
Erweiterung des Wohlstands und
Stärkung von Stabilität, Sicherheit und Freiheit.
Diese Themen unserer Außenpolitik ermöglichten den
westlichen Nationen die Prosperität während des
vergangenen halben Jahrhunderts. Unser Ziel sollte
darin bestehen, dieses Versprechen den Ländern zu
geben, die gerade erst begonnen haben, sich an der
transatlantischen Sicherheitsgemeinschaft zu beteiligen. In diesem Kontext versuchen wir, unsere
wichtigsten Institutionen anzupassen.
Als europäische Macht haben sich die Vereinigten
Staaten zutiefst verpflichtet, die Trennlinien in Europa
auszuradieren. Es gibt eine Fehleinschätzung, daß die
NATO-Erweiterung neue Trennlinien in Europa
schaffen wird. Das Gegenteil ist der Fall.
Unsere gesamte Politik zielt auf die Schaffung eines
Europas ab, das frei von den während des Kalten
Krieges gezogenen künstlichen und unrechtmäßigen
Trennlinien ist. Ein Beweis dafür ist die Grundakte

AMERIKA DIENST 12

zwischen der NATO und Rußland über Zusammenarbeit und Sicherheit, die eine einzigartige Gelegenheit
für Kooperation zwischen dem Bündnis und Rußland
bei einem breiten Spektrum sicherheitspolitischer und
militärischer Angelegenheiten bietet. Darüber hinaus
unterstreicht sie, daß die NATO und Rußland grundlegende Prinzipien teilen - die von Demokratie und
Pluralismus bis zu gegenseitiger Transparenz bei der
Verteidigungspolitik und Militärdoktrin reichen. Unser
Engagement für diese Prinzipien wird ein sicheres und
ungeteiltes Europa fördern. Die Grundakte schafft
auch die Grundlage für gemeinsame Entscheidungen
und gemeinsame Aktionen der NATO und Rußlands
bei der Gestaltung der europäischen Sicherheit. Damit
wird offensichtlich, daß es bei unserer Vision der
europäischen Sicherheit nicht um Ausgrenzung,
sondern um Einbeziehung geht. Unsere Zusammenarbeit mit den russischen Streitkräften - und mit den
Streitkräften anderer an der Partnerschaft für den
Frieden beteiligter Länder - in Bosnien demonstriert,
daß dieser Ansatz funktionieren kann.
Aus diesem Grund möchte ich der in jüngster Zeit in
der Presse geäußerten Meinung widersprechen, daß
die Erweiterung die Handlungsfähigkeit der NATO
einschränken wird und die NATO zu einer Art Debattierclub würde - so die Überschrift eines Artikels von
Henri Kissinger in der "Welt am Sonntag" von vergangener Woche (8. Juni). Der Gedanke, die NATO
würde nur noch aus Worten und keinen Taten bestehen, entspricht schlicht und einfach nicht der Realität.
Wir konnten bereits Aktionen vor Ort beobachten reale Zusammenarbeit zwischen den NATO-Verbündeten und Partnerstaaten - die auf das Ende des Konflikts
und die Bewahrung des Friedens in Bosnien sowie die
Schaffung der Bedingungen für die Wiederherstellung

Seite 1

�von Ordnung und Demokratie in Albanien ausgerichtet
sind.
In diesem Zusammenhang möchte ich die konstruktive
Rolle unterstreichen, die die Partnerstaaten bereits
spielen und in Zukunft durch den Euroatlantischen
Partnerschaftsrat noch effektiver spielen werden. Der
Rat wird dem Bündnis und den Partnern einen politischen Rahmen für ihre kooperativen Beziehungen
bieten. Der EAPR ist Teil einer umfassenderen
Struktur, die wir zur Verhinderung zukünftiger Konflikte
in Europa aufbauen. Er verkörpert unsere Entscheidung, daß wir mehr tun müssen als nur auf Krisen zu
reagieren: Wir werden dem Entstehen einer Bedrohung Vorschub leisten, wenn wir auf das Entstehen
einer Bedrohung warten.
Der EAPR ist ein lebender Beweis, daß die sich
innerhalb des NATO-Bündnisses vollziehenden
Veränderungen Europa integrieren, dem Kontinent
mehr Sicherheit bieten und ihn nicht teilen oder instabil
machen. Dieses neue Gremium ist nicht nur für
diejenigen ein Forum, die eine NATO-Mitgliedschaft
anstreben, sondern auch für diejenigen, die sich
dagegen entscheiden.
Fragen bezüglich der Erweiterung der Mitgliedschaft
des Bündnisses stehen an oberster Stelle der Tagesordnung im Vorfeld des Madrider Gipfeltreffens im
kommenden Monat. Es ist der logische nächste Schritt
nach der Entscheidung des Bündnisses zur Erweiterung der Gemeinschaft von NATO-Verbündeten vor
drei Jahren. Durch die Erweiterung des Bündnisses
hofft die NATO, für den Osten Europas das zu tun, was
die NATO einst für den Westen Europas getan hat alten Haß zu überwinden, Integration zu fördern, ein
sicheres Umfeld für Wohlstand zu schaffen und Gewalt
in der Region abzuschrecken, in der zwei Weltkriege
und der Kalte Krieg begannen. Was die Frage neuer
Bündnismitglieder anbelangt, unterstützen die Vereinigten Staaten die Aufnahme einer kleinen Gruppe
von drei Ländern in der ersten Runde und in Zukunft
eine offene Tür für weitere Mitglieder.
Die Anpassung der NATO ist nicht auf neue Mitglieder,

Partner und unsere Charta mit Rußland und die mit der
Ukraine beschränkt. Sie beinhaltet auch die Umstrukturierung der militärischen Führung des Bündnisses, die Entwicklung einer
Europäischen
Sicherheits- und Verteidigungsidentität innerhalb der
NATO sowie die Umsetzung des Konzepts Alliierter
Streitkräftekommandos (CJTF). Wir drängen darauf,
daß der im Juni 1996 in Berlin von den Außenministern
des Bündnisses vereinbarte Zeitplan für die interne
Anpassung eingehalten wird.
Unser Engagement für eine gestärkte OSZE - die
einzige gesamteuropäische Sicherheitsorganisation ist ein zusätzlicher Beweis für unser Vorhaben, die
Trennlinien der Vergangenheit zu beseitigen. Die

Seite 2

OSZE ist von Natur aus eine Organisation, die ständig
verbessert und umstrukturiert wird. Wir haben zahlreiche Debatten über den richtigen Aufbau der OSZE
geführt, und die Vereinigten Staaten sind weiterhin der
Ansicht, daß die Einzigartigkeit der OSZE eine ihrer
Stärken ist. Sie ist eine werteorientierte politische
Organisation, die stark ist, weil sie keine formalrechtliche Struktur hat. Wir müssen diese Organisation
stark, kreativ und bereit halten, damit sie weiterhin an
vorderster Front der Bestrebungen zur Förderung von
Sicherheit, Demokratie und Wohlstand im gesamten
OSZE-Gebiet steht.
Wir machen Fortschritte mit einer Agenda von Aktivitäten, die unsere Fähigkeit unter Beweis stellt, auf die
neue internationale Situation zu reagieren und uns auf
die Zukunft vorzubereiten. Wir sind von Anzeichen für
Wandel und Anpassung umgeben. Während wir hier
zusammentreffen, nehmen Dänemark, Deutschland,
Estland, Finnland, Großbritannien, Lettland, Litauen,
die Niederlande, Norwegen, Polen, Rußland, Schweden und die Vereinigten Staaten an der 25. jährlichen
amerikanischen Marineübung BALTOPS in der Ostsee
teil (16.-27. Juni). Dieses Manöver zeigt, wie weit wir
gekommen sind.
Wir arbeiten hart daran, Europa zusammenzubringen,
wobei wir, wie Außenministerin Albright es kürzlich
formulierte, folgendes bedenken sollten: "Ein Europa
ohne Teilungen ist kein Europa ohne Unterschiede.
Diese Unterschiede müssen jedoch auf neuen Verhaltensweisen und Gegebenheiten, nicht auf alter
Geschichte oder Geographie basieren."
Ich möchte kurz auf die bedeutende Rolle Deutschlands in diesem ständigen Anpassungsprozeß zu
sprechen kommen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges und der Vereinigung Deutschlands wurde
immer deutlicher, daß die Bundesrepublik zusammen
mit den anderen Bündnismitgliedern Streitkräfte zu
diesen Krisenreaktions- und Friedenssicherungsbestrebungen beisteuern kann und sollte, wenn die
Stabilität in Europa in Gefahr ist. Das Bundesverfassungsgericht hat klare Richtlinien dafür gegeben, wie
die Bundeswehr in solchen Situationen eingesetzt
werden darf, und wir respektieren die Notwendigkeit,
daß das Militär ein Mandat vom Bundestag erhält. Die
erfolgreiche Beteiligung der Bundeswehr an der IFOR
und der SFOR zeigt, daß Deutschland in diese neue
Rolle hineinwächst.
Wir werden uns alle für die Förderung des Friedens in
Europa einsetzen. Wie die jüngsten Entwicklungen in
Albanien jedoch deutlich machen, ist die Bedrohung
von Gewalt und Instabilität immer noch akut. Aus
diesem Grund soll Deutschland, ebenso wie seine
europäischen Partner und wir bereit sein, einen
militärischen Beitrag zu leisten, wenn Menschenleben
und der Frieden auf dem Spiel stehen. Unsere lange
Partnerschaft mit der Bundesrepublik nach dem Krieg

AMERIKA DIENST 12

�überzeugt uns, daß Deutschland für diese Rolle bereit
ist. Wir begrüßen die führende Rolle Deutschlands
innerhalb des Bündnisses, die Anpassung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa zu
bewirken. Diese Anpassung ist zu einem wichtigen
Aspekt der umfassenderen europäischen Sicherheit
geworden, da sie den Weg für die NATO-Erweiterung
bereitet. Wir konzentrieren uns auf erhöhte Sicherheit
anstatt erhöhte militärische Stärke, und der KSEVertrag ist ein wichtiger Mechanismus für die Erlangung dieses Ziels.

dieser Ziele unterstreichen. Diese Ziele basieren auf
dem gemeinsamen Engagement für Demokratie,
Menschenrechte und Freiheit, die in der Welt nach
dem Krieg im Zentrum der deutsch-amerikanischen
Partnerschaft stehen. Wenn wir unsere Aktionen auf
diese gemeinsamen Verpflichtungen und Prinzipien
gründen, können wir zuversichtlich sein, daß wir
unsere Ziele erreichen. Dann können wir auf das
Ende des 20. Jahrhunderts als eine Zeit zurückblicken,
in der wir die richtigen Entscheidungen trafen und den
Mut hatten, historische Chancen zu ergreifen.

Abschließend möchte ich die Bedeutung der deutschamerikanischen Zusammenarbeit bei der Erlangung

Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�TERRORISMUS
25. Juni 1997

Terrorismus, die Medien und das 21. Jahrhundert
von Raphael F. Perl

(AD) - Der Verfasser des nachfolgenden Artikels, Raphael F. Perl, ist beim Forschungsteam des Kongresses in
der Library of Congress Experte für internationale Terrorismusfragen.

Bei der Konfrontation von Regierungen mit Terroristen
stellen die Medien weiterhin eine mächtige Kraft dar.
Wenn sie sich an die Öffentlichkeit wenden und diese
beeinflussen, hat das nicht nur Auswirkungen auf die
Aktionen von Regierungen, sondern auch von Terrorgruppen.

erstattung über einen Terroranschlag erwarten.
Anschließend untersucht er drei Trends, die Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Terrorismus
und Medien haben und bietet zum Abschluß einige
Optionen.
Die Erwartungen der Terroristen an die Medien

Aus der Sicht der Terroristen ist die Berichterstattung
in den Medien ein wichtiges Maß für den Erfolg
terroristischer Gewalttaten oder Kampagnen. Im Fall
von Geiselnahmen, bei denen die Medien für den
Terroristen möglicherweise die einzige unabhängige
Quelle für Berichterstattung über den Lauf der Ereignisse sind, kann die Berichterstattung eine Rettungsaktion erschweren.
Regierungen können sich der Medien bedienen, um
die Weltöffentlichkeit gegen ein terroristisches Land
oder eine Terrorgruppe aufzubringen. Öffentlichkeitsarbeit und die Medien können auch eingesetzt werden,
um die Öffentlichkeit in anderen Ländern zu mobilisieren, Druck auf die Regierung auszuüben, damit diese
gegen den Terrorismus vorgeht.
Margaret Thatcher stellte einmal fest, Publicity sei der
Sauerstoff für den Terrorismus. Das unterstreicht, daß
Public Relations eine wichtige Waffe der Terroristen
und die Medien das zentrale Medium für den Einsatz
dieser Waffe sind. Der Terrorismus spielt heute in den
Medien eine Rolle.
Dieser Artikel befaßt sich mit den widersprüchlichen
Ansichten über die wünschenswerte Rolle der Medien
bei der Berichterstattung über terroristische Zwischenfälle sowie den verschiedenen Erwartungen an die
Medien: Was die Terroristen erwarten, was die
Regierung erwartet, was die Medien von der Bericht-

AMERIKA DIENST 12

Terroristen, Regierungen und die Medien sehen
Funktion, Rolle und Pflichten der Medien bei der
Berichterstattung über Terroranschläge aus unterschiedlichen und oftmals scheinbar widersprüchlichen
Blickwinkeln. Diese Einstellungen leisten dem Gruppenverhalten während terroristischer Gewaltakte
Vorschub, was oftmals zu taktischen und strategischen
Vorteilen für die Terroristen und ihre Sache führt. Für
die Regierung und die Medien besteht die Herausforderung darin, die diesen Einstellungen innewohnende Dynamik zu erkennen und politische Optionen zu
entwickeln, die den jeweiligen Interessen dienen.
Terroristen wollen kostenlose Publicity, die
eine Gruppe normalerweise nicht bekommt
oder sich nicht leisten kann. Jegliche Publicity
macht die Welt auf ein existierendes Problem
aufmerksam, das nicht ignoriert werden darf
und angesprochen werden muß. Ein unredigiertes Interview ist ein kostbares Gut, beispielsweise das im Mai 1997 von CNN gesendete Interview mit Mohammad Bin Ladin.
Zugang zu einem Terroristen verspricht eine
heiße Story.
Terroristen wollen Verständnis für Ihre Sache,
wenn nicht sogar für ihre Aktionen. Man mag
ihren Aktionen nicht zustimmen, was jedoch
nicht ausschließt, daß man Teilnahme an

Seite 1

�ihrem Leiden und ihrer Sache zeigt. Die
Öffentlichkeit braucht Hilfe um zu verstehen,
daß ihre Sache gerecht und terroristische
Gewalt ihr einziges Mittel im Kampf gegen die
überlegenen Kräfte des Bösen ist. Daher sind
gute Beziehungen zur Presse für sie von
großer Bedeutung, weshalb sie oft über Jahre
aufgebaut und weiterentwickelt werden.
Terroristen versuchen unter Umständen, ihren
Anhängern Stellen im Pressebereich zu
vermitteln, insbesondere bei Nachrichtenagenturen, und bemühen sich manchmal
sogar, kleinere Medienorganisationen durch
Finanzhilfe zu kontrollieren. Ein Beispiel ist
Bin Ladin, der angeblich einen islamischen
Nachrichtendienst am Golf finanziert haben
soll, der einen harten Kurs verfolgt.
Sie wollen Legitimität. Die Presse soll das
legitimieren, was oft als eindeutige Spaltung
zwischen bewaffneten Gruppen und politischen Gruppierungen dargestellt wird. Die
IRA und die Hamas sind Beispiele. Musa Abu
Marzuq beispielsweise, dem der politische
Flügel der Hamas unterstand, hat angeblich
bestimmte Bombenanschläge und Morde
befürwortet. Solche Unterscheidungen dienen
oftmals dazu, den Menschen den Beitritt zu
Terrororganisationen zu erleichtern.
Sie wollen, daß die Presse den Erkenntnissen
und Ansichten speziell ins Leben gerufener
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Legitimation verschafft und prüft, welche Zentren
als Deckmantel für terroristische Finanzierung,
Anwerbung und Reisen von Terroristen ins
Zielland dienen können. Die Finanzierung des
palästinensisch-islamischen Dschihad und
seiner Kontrolle über World and Islam Studies
Enterprise ist nur eins von vielen Beispielen.
Ein zweites ist die von der Hamas finanzierte
Islamic Association for Palestine (IAP) mit Sitz
in Richardson (Texas).
Sie wollen - im Fall von Geiselnahmen Einzelheiten über Identität, Zahl und Wert der
Geiseln, über möglicherweise geplante Rettungsversuche sowie das Ausmaß der öffentlichen Berichterstattung über ihre Operation.
Insbesondere wenn staatliche Sponsoren
betroffen sind, wollen sie Einzelheiten über
Pläne für militärische Vergeltungsmaßnahmen.
Und sie wollen die Hilfe der Medien, um ihrem
Feind Schaden zufügen. Das gilt insbesondere, wenn die Gewalttäter und der Grund für ihr
Handeln anonym bleiben. Sie wollen, daß die
Medien Panik machen, Angst verbreiten,

Seite 2

wirtschaftliche Verluste wie beispielsweise
beim Tourismus herbeiführen, damit die
Bevölkerung das Vertrauen in die Fähigkeit
ihrer Regierungen verliert, sie zu schützen,
und damit Regierung und Bevölkerung in
bestimmten Situationen und im Hinblick auf
die gesamte Bedrohung durch den Terrorismus überreagieren.

Die Erwartungen der Regierungen an die Medien
Regierungen erwarten von den Medien Verständnis,
Zusammenarbeit, Zurückhaltung und Loyalität bei ihren
Bestrebungen, den durch Terrorismus verursachten
Schaden für die Gesellschaft zu begrenzen und die für
terroristische Gewalttaten Verantwortlichen zu bestrafen oder festzunehmen. Das gilt insbesondere für
folgende Bereiche:
Regierungen wollen Publicity zur Förderung
ihrer Tagesordnung und nicht der terroristischen. Aus ihrer Perspektive sollten die
Medien bei bestimmten Operationen die
Aktionen der Regierung unterstützen und ihr
die benötigten Informationen liefern.
Ein wichtiges Ziel besteht darin, den Terroristen von den Medien abzuschotten - und ihm
so das Forum für Propaganda zu entziehen,
ohne daß dies zu seiner unmittelbaren Niederlage führt.
Ein weiteres Ziel besteht darin, daß die Medien Terroristen als gemeine Verbrecher
brandmarken.
Im Fall von Geiselnahmen ziehen Regierungen es normalerweise vor, die Medien vom
unmittelbaren Vorgehen auszuschließen, aber
sie möchten von den Medien nachrichtendienstliche Informationen erhalten, wenn diese
Zugang zum Ort der Geiselnahme haben.
Sie wollen, daß die Publicity zur Entschärfung
der angespannten Lage beiträgt, nicht umgekehrt. Es ist ein wichtiges Ziel der Politik, die
Nation zu beruhigen.
Bei Zwischenfällen wollen sie den Zugang der
Terroristen zu Daten von außerhalb kontrollieren - Daten über Geiseln zurückhalten,
damit die Medien keine Informationen über
Terrorbekämpfungsaktionen preisgeben oder
die Terroristen mit Informationen versorgen,
die ihnen dienlich sind.
Nach Zwischenfällen wollen sie, daß die
Medien nichts darüber verlauten lassen,
welchen Handel die Regierung eingegangen

AMERIKA DIENST 12

�ist, um die Operation erfolgreich abzuschließen - und nichts über die erfolgreichen oder
erfolglosen Methoden der Terroristen verlauten lassen, damit diese nicht von anderen
Terroristen nachgeahmt werden können.
Sie wollen vermeiden, daß die Medien durch
Desinformationen getäuscht werden. Viele
Gruppen haben ein Motiv, unrichtige oder
falsche Informationen zu verbreiten.
Sie wollen, daß die Medien ein positives Bild
der staatlichen Stellen vermitteln. Die Behörden können gezielt Informationen zu bestimmten Medienvertretern durchsickern lassen, die
wiederum positiv über sie berichten und Kritik
an ihrer Vorgehensweise vermeiden.
Sie möchten, daß die Journalisten sie informieren, wenn sie Grund zu der Annahme
haben, daß ein Terroranschlag geplant oder
eine bestimmte Person an terroristischen
Aktivitäten beteiligt ist.
In extremen Fällen unter den gegebenen
Umständen möchten sie, wenn die nationale
Sicherheit auf dem Spiel steht und die Erfolgschancen groß sind, daß die Medien mit ihnen
zusammenarbeiten und eine Ente verbreiten,
die zur Aufhebung einer unmittelbaren terroristischen Bedrohung beiträgt.
Die Erwartungen der Medien im Falle terroristischer
Berichterstattung
Jeder Journalist wünscht sich die Freiheit, ohne
Einschränkungen - sei es von Seiten seiner Redaktion
oder der Regierung - über ein Ereignis berichten zu
können.
Die Medien wollen eine Story als erste herausbringen. Die Erstmeldung ist das Goldene
Vlies. Alte Neuigkeiten sind keine Neuigkeiten. Im heutigen äußerst konkurrenzfähigen, hochtechnisierten Kommunikationsumfeld ist die Informationsübermittlung in
Realzeit ein ständiges Muß.
Die Medien wollen die Story so früh und so
dramatisch wie möglich herausbringen möglichst in Form eines Interviews. Während
der Entführung der TWA 847 im Juni 1985
sendete ABC ausführliche Interviews mit
Kidnappern und Geiseln gleichermaßen. Es
wurde sogar ein Bild des Piloten mit der
Pistole an der Schläfe gezeigt.
Meistens wollen sie professionell und genau
sein und Desinformationen keinen Glauben

AMERIKA DIENST 12

schenken, so attraktiv sie auch scheinen
mögen.
Sie möchten ihre Fähigkeit bewahren, in der
Gesellschaft so sicher und frei wie möglich zu
agieren. In vielen Fällen geht dies über ihr
Recht zu relativ ungehinderter Berichterstattung hinaus. Es wird in persönliche physische
Sicherheit umgesetzt. Sie wollen sich selbst
schützen - und nicht während Operationen
getötet oder von Terroristen wegen negativer
Berichterstattung ermordet werden.
Sie wollen das Recht auf Information der
Gesellschaft schützen.
Und sie wollen eine konstruktive Rolle bei der
Lösung spezifischer Terrorsituationen spielen,
wenn dies ohne einen übermäßig hohen Preis
im Hinblick auf den Verlust der Story oder
moralische Kompromisse erfolgen kann.
Trends mit Auswirkungen auf den Terrorismus und
die Medien
Es scheinen sich eine Reihe von Trends abzuzeichnen, die Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen
den Medien, den Terroristen und der Regierung
haben. Dazu zählen: 1. Ein Trend zu Anonymität bei
Terrorismus. 2. Ein Trend zu gewalttätigeren Terroranschlägen. 3. Ein Trend zu Angriffen auf Medienvertreter und -Institutionen.
Anonymität bei Terrorismus
Heute beobachten wir einen Trend zu anonymem
Terrorismus, bei dem niemand die Verantwortung
übernimmt und keine Forderungen gestellt werden.
Der Anschlag auf das World Trade Center ist nur ein
Beispiel. Diese Praxis räumt den Medien eine größere
Rolle für Spekulationen ein und hilft ihnen bei Behauptungen, sie würden die Forderungen oder Ziele
der Terroristen hochspielen. Dennoch kann die
andauernde aufgebauschte Berichterstattung über
Terrorakte Ziele der Terroristen fördern, wie die
Verbreitung von Angst, Beeinträchtigung des Tourismus und Provokation starker staatlicher Reaktionen,
die letztlich zu Einschränkungen der persönlichen
Freiheit führen.
Gewalttätigerer Terrorismus
In der Welt hochtechnologisierter Informationsgesellschaften von heute ist das Potential für gewalttätigeren
Terrorismus eine Realität, die nicht ignoriert werden
kann. Während der Terrorismus gewalttätiger wird,
könnte sich sehr wohl die Annahme breit machen, daß
die Presse in gewissem Maße für die Begünstigung
von Terrorismus oder das Hochspielen seiner Auswirkungen verantwortlich ist. Zunehmend bedrohte

Seite 3

�Gesellschaften könnten geneigt sein, angesichts der
Konsequenzen von massenhaften Opfern weniger
Risiken einzugehen und den Medien immer weniger
die Selbstkontrolle zutrauen.
Angriffe auf Medienvertreter und -institutionen
Wir könnten auch einen Trend zu Angriffen auf
Journalisten beobachten, die Terroristen betreffende
Themen offen ansprechen. Solche Aktivitäten gibt es
nicht nur in Algerien, Mexiko, Rußland, Tschetschenien oder London, sondern auch hier in der Bundeshauptstadt Washington im nationalen Pressegebäude und bei den Vereinten Nationen in New York.
Eine private Gruppe hat die 1995 von Terroristen
getöteten Journalisten auf 45 beziffert.

agenturen und Printmedien besteht. Die Fernsehberichterstattung über Zwischenfälle würde dann von
dem Fernsehmitarbeiter in dem Zentrum koordiniert.
Ein solches Zentrum könnte von einem Regierungssprecher (dem Koordinator für terroristische Informationen -TIC) geleitet werden, der unverzüglich versuchen
würde, der speziellen Terrorgruppe die Propaganda zu
entreißen.
Wenn Zwischenfälle in den Vereinigten Staaten
vorkommen, gibt es abgesehen von dem Vorfall selbst
ein Nachrichtenvakuum und bis zu dem Zeitpunkt, zu
dem die Regierungsbehörden sich geeinigt haben, was
gesagt und welche Position bezogen werden kann, ist
die Propagandainitiative der Regierung nur allzu
häufig bereits verloren.

Optionen

Medienpools

Es gibt eine Reihe von Optionen, um die Effektivität der
medienorientierten Reaktionen der Regierung auf
Terrorismus zu verbessern und zu verhindern, daß die
Medien unabsichtlich zur Förderung terroristischer
Ziele manipuliert werden. Dazu zählen: 1. Die
Finanzierung gemeinsamer Übungen der Medien und
der Regierung. 2. Die Einrichtung eines Reaktionszentrums der Regierung auf terroristische Informationen. 3. Verstärkter Einsatz von Medienpools. 4.
Förderung freiwilliger Richtlinien für Presseberichterstattung. 5. Überwachung von gegen Medien
gerichtetem Terrorismus.

Eine andere Option, insbesondere für die Berichterstattung bei Geiselnahmen, wäre der Einsatz eines
Medienpools, von dem die Nachrichten gleichzeitig
gesendet werden. Wenn man sich für diese Option
entscheidet, sollten Mechanismen für die Durchführung eines solchen Konzepts vorhanden sein.

Gemeinsame Übungen der Medien und der Regierung
Öffentlichkeitsarbeit muß vor der Story erfolgen, nicht
als Reaktion darauf. Die Nationen benötigen umfassende Strategien für Öffentlichkeitsarbeit, um von
Terroristen geleitete Initiativen zu bekämpfen, und die
Medien können im Rahmen einer solchen Strategie
eine wichtige Rolle spielen. Übungen sind hier von
entscheidender Bedeutung: Übungen wie die von der
George Washington University und dem Technologieinstitut in Holon (Israel) durchgeführten, die
Regierungs- und Medienvertreter zusammenbringen,
um eine Reaktion der Regierung und die Medienberichterstattung über Scheinangriffe von Terroristen zu
simulieren.
Ein Reaktionszentrum der Regierung auf terroristische Informationen
Eine Option, die Regierungen in Erwägung ziehen
könnten, wäre die Einrichtung eines ständigen Reaktionszentrums der Regierung auf terroristische
Informationen (TIRC). Nach Absprache mit den
Medien könnte ein solches Zentrum eine Gruppe für
rasche Reaktionen auf Terrorismus (über Kommunikationsverbindungen) in Rufbereitschaft haben, die aus
Mitarbeitern der Fernsehanstalten, Nachrichten-

Seite 4

Freiwillige Richtlinien für die Presseberichterstattung
Eine weitere Option wäre die Einführung eines lockeren freiwilligen Verhaltenskodex oder von Richtlinien,
zu denen die Redakteure und Reporter Zugang haben
sollten. Ein spezieller Mediengipfel - vielleicht unter
der G-7-Rubrik - würde für Geschäftsführer der
Fernsehanstalten und Printmedien einberufen, um
freiwillige Richtlinien für die Berichterstattung über
Terrorismus zu erarbeiten.
Es könnte Richtlinien für folgende Bereiche geben:
Beschränkung von Informationen über die
Geiseln, die ihnen schaden könnten, zum
Beispiel Anzahl der Geiseln, Nationalität,
berufliche Position, finanzielle Verhältnisse
oder wichtige Verwandte.
Beschränkung von Informationen über militärische Bewegungen während Rettungsoperationen.
Beschränkung von unredigierten Liveinterviews mit Terroristen oder die Vereinbarung,
sie nicht zu senden.
Sorgfältige Prüfung der Informationsquellen,
wenn der Druck auf Berichterstattung hoch ist,
die vielleicht nicht genau ist.
Abschwächung von Informationen, die weitverbreitete Panik verursachen könnten.

AMERIKA DIENST 12

�Selbst wenn keine spezifischen Richtlinien verabschiedet werden, würde ein solcher Gipfel das Verständnis
der Öffentlichkeit und der Presse über die Erfordernisse ihrer jeweiligen Institutionen verbessern.
Überwachung' von gegen Medien gerichtetem
Terrorismus
Schließlich könnte sich weltweit ein Trend von vermehrten Terrorangriffen auf Medienvertreter und -Institutionen abzeichnen. Überraschenderweise gibt es
jedoch keine schnell verfügbaren staatlichen Statistiken. Um diese Situation zu beheben, könnten Regierungsberichte über Terrorismus, wie der vom USAußenministerium unter dem Titel Patterns of Global
Terrorism veröffentlichte, weltweite jährliche Statistiken enthalten, die die Anzahl der pro Jahr bei Terroranschlägen getöteten oder verletzten Journalisten
angeben sowie die Anzahl von Terroranschlägen auf
Medienvertreter und -Institutionen pro Jahr.

Schlußbemerkung
Die Medien und die Regierung haben gleichermaßen
ein Interesse daran, daß die Medien nicht unabsichtlich
zur Förderung von Terrorismus oder seinen Methoden
manipuliert werden. Andererseits wollen die Politiker
jedoch nicht, daß der Terrorismus die Pressefreiheit einen Pfeiler demokratischer Gesellschaften - unterhöhlt.
Per definitionem ist dies ein Dilemma, das nicht
vollständig beseitigt werden kann und mit dem die
Gesellschaft ständig kämpfen muß. Die Kommunikation zwischen der Regierung und den Medien ist hier
ein wichtiges Element bei jeder Strategie, die auf die
Verhinderung von Terrorismus und den Erhalt der
Demokratie abzielt.
In der Realität sind Terrorismus und Demokratie nicht
vereinbar, und in von Verbrechern oder radikalen
religiösen Extremisten beherrschten Gesellschaften ist
die freie Presse eine der ersten Institutionen, die
verschwinden muß.

* *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12788">
              <text>25.06.1997</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12789">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12790">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12791">
              <text>Amerikadienst 25.06.1997</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12792">
              <text>&lt;strong&gt;1. G-8&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfel in Denver ist Vorbereitung auf zukünftige globale Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Vielfalt ist von elementarer Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in San Diego&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rubin fordert fortgesetztes internationales Engagement der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Themen der gesamteuropäischen Sicherheitspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Terrorismus, die Medien und das 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Raphael F. Perl&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
