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Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

04

26. Februar 1997

AUSSENPOLITIK

ALBRIGHT: ZIEL IST EIN INTEGRIERTES,
STABILES UND DEMOKRATISCHES EUROPA
Rede der Außenministerin vor Ausschuß
des Repräsentantenhauses

NATO

NATO-ERWEITERUNG: WARUM GRÖSSER
BESSER IST
von Außenministerin Madeleine Albright
RUSSLAND HAT NICHTS ZU BEFÜRCHTEN
von Strobe Talbott

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFT WIRD ZUM IMMER WICHTIGEREN
INSTRUMENT DER DIPLOMATIE
von Alan P. Larson

TELEKOMMUNIKATION

TELEKOMMUNIKATION: DER MOTOR FÜR
WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IM
NÄCHSTEN JAHRHUNDERT
von Alan P. Larson

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
26. Februar 1997

Albright: Ziel ist ein integriertes, stabiles
und demokratisches Europa
Rede der Außenministerin vor Ausschuß des Repräsentantenhauses

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine Albright am 11.
Februar 1997 vor dem Ausschuß für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses gehaltene Rede.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, zum ersten
Mal als Außenministerin eine Rede vor Ihnen halten zu
dürfen. Als Botschafterin bei den Vereinten Nationen
habe ich in hohem Maße von unserem konstruktiven
Dialog während der vergangenen vier Jahre profitiert.
Jetzt sehe ich der Fortsetzung unserer Beziehungen
mit derselben Offenheit und demselben Engagement
erwartungsvoll entgegen - und der Zusammenarbeit
mit Ihnen bei einem noch breiteren Spektrum von
Herausforderungen, mit denen sich unsere Nation und
die Welt konfrontiert sehen.
Herr Vorsitzender, seit dem Fall der Berliner Mauer
sind mehr als sieben Jahre vergangen und fünf seit
dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Heute sind die
Vereinigten Staaten sicher, unsere Volkswirtschaft
floriert, und unsere Ideale im Kommen. Auf der
ganzen Welt ist die Bewegung zu offenen Gesellschaften und offenen Märkten weiter verbreitet und
tiefgreifender als je zuvor. Der Triumph der Demokratie ist weder ein Zufall noch umkehrbar - er ist das
Resultat der dauerhaften amerikanischen Führungsrolle. Er wäre ohne die Macht unseres Beispiels, die
Stärke unseres Militärs oder die Beständigkeit und
Kreativität unserer Diplomatie nicht möglich gewesen.
Das ist die zentrale Lektion des 20. Jahrhunderts - und
diese Lektion muß uns weiterhin leiten, wenn wir
unsere Interessen beim Eintritt in das 21. Jahrhundert
schützen wollen.
Mißverstehen Sie mich nicht: Die Interessen, denen
die amerikanische Außenpolitik dient, sind keine
abstrakten Erfindungen der Planer im Außenministerium. Sie sind die konkrete Realität unseres täglichen

AMERIKA DIENST 04

Lebens. Denken Sie darüber nach. Wäre das amerikanische Volk ebenso sicher, wenn Massenvernichtungswaffen, statt kontrolliert zu werden, in die
falschen Hände gerieten? Genau das wäre geschehen, wenn die Administration und der Kongreß nicht
gehandelt hätten, um die Einstellung des irakischen,
das Einfrieren des nordkoreanischen und die Sicherung des russischen Nuklearwaffenprogramms zu
gewährleisten.
Wären wir so sicher, wenn kleine Konflikte, statt
frühzeitig eingedämmt zu werden, sich über ganze
Regionen hinweg ausbreiten würden? Das wäre
geschehen, wenn wir nicht einen Weg zur Beendigung
des Krieges in Bosnien gefunden und nicht auf
unserem Streben nach einem umfassenden Frieden im
Nahen Osten bestanden hätten.
Wären wir so wohlhabend, wenn sich die Weltwirtschaft, statt offener für unseren Handel und unsere
Investitionen zu werden, abgeschottet und hinter
protektionistische Mauern zurückgezogen hätte? Das
wäre geschehen, wenn wir nicht unerschütterlich auf
den Abschluß des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA und der Abkommen der UruguayRunde des GATT - sowie die Erweiterung des Handels
in unserer gesamten Hemisphäre und über den Pazifik
hinweg - gedrängt hätten.
Die große Kluft in der heutigen Welt besteht nicht
zwischen Ost und West oder Nord und Süd, sie
besteht zwischen denjenigen, die Gefangene der
Geschichte sind und denjenigen, die zur Gestaltung
der Geschichte entschlossen sind. Das ist nicht nur
eine faktische Aussage - sondern eine sachliche
Entscheidung, die wir treffen müssen. Herr Vorsitzen-

Seite 1

�der, es ist dieselbe Entscheidung, mit der sich Amerika
vor 50 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert
sah. Damals war es nicht selbstverständlich, daß wir
die richtige Entscheidung treffen würden. Wir waren
kriegsmüde, und die Weltwirtschaftskrise lag erst
einige Jahre hinter uns. Aber zum Glück für unsere
Generation waren Präsident Truman, Außenminister
Marshall, Senator Vandenberg und andere führende
Kongreßabgeordnete beider Parteien entschlossen,
daß Amerika eher eine Führungsrolle übernehmen
statt sich zurückziehen sollte. In überparteilicher
Weise und zusammen mit unseren Verbündeten
gründeten sie eine Reihe von Institutionen, die ein
halbes Jahrhundert lang erfolgreich die Freiheit
verteidigt, Volkswirtschaften wiederaufgebaut, Gesetze
bewahrt und Krieg verhindert haben.
Seit dem Ende des Kalten Krieges haben wir uns für
einen ähnlichen Kurs entschieden. Wir haben mit dem
Aufbau eines neuen Rahmens für die amerikanische
Führungsrolle begonnen, der den Herausforderungen
eines neuen Jahrhunderts angemessen ist. Dabei
müssen wir nicht nur eine einzige übergeordnete
Bedrohung wie den sowjetischen Kommunismus
ansprechen, sondern vielmehr eine Vielfalt von
Gefahren - einige so alt wie ethnische Konflikte, einige
so tödlich wie terroristische Bomben, einige so vorherrschend wie illegale Drogen und einige so neu wie die
Erderwärmung.
Um effektiv auf unterschiedliche Bedrohungen reagieren zu können, benötigen wir ein breites Spektrum
außenpolitischer Instrumente. Aus diesem Grund
müssen wir ein Militär beibehalten, das flexibel, mobil,
einsatzbereit und stark ist - und Präsident Clinton hat
dies zugesagt. Aber Gewalt als ein stumpfes Instrument und eines mit manchmal extremen Konsequenzen kann nicht alle unsere Probleme lösen. Es
wird viele Fälle an vielen Orten geben, in denen wir auf
die Diplomatie zum Schutz unserer Interessen zurückgreifen und von unseren Diplomaten erwarten werden,
diese Interessen mit Geschick, Wissen und Rückgrat
zu verteidigen.
Herr Vorsitzender, obwohl unser Militär der oberste
Garant unserer Freiheit ist, sind unsere Diplomaten
unsere erste Verteidigungslinie. Eine meiner wichtigsten Aufgaben als Außenministerin wird in der Zusammenarbeit mit Ihnen und unseren Kollegen im
Kongreß bestehen, um die ausgezeichnete diplomatische Vertretung aufrechtzuerhalten, die unsere Bürger
verdienen und unsere Interessen erfordern. Wie ich in
der Anhörung zu meiner Bestätigung erklärte, können
wir keine Diplomatie erster Klasse haben, die nichts
kostet. Wir müssen die für eine amerikanische
Führungsrolle nötigen Ressourcen investieren.
In den vergangenen Jahren sind diese Ressourcen
geschrumpft. Während der letzten vier Jahre hat das
Außenministerium über 2.000 Positionen gekürzt, mehr

Seite 2

als 30 Botschaften und Konsulate geschlossen und die
dringend erforderliche Modernisierung der Infrastruktur
und Kommunikationsnetze verschoben. Wir haben
tiefe Einschnitte in unsere Auslandshilfeprogramme
vorgenommen und tragen jetzt einen kleineren Prozentsatz unseres Volkseinkommens zu Wachstum und
Demokratie in den Entwicklungsländern bei als jede
andere Industrienation. Wir sind der größte Schuldner
der Vereinten Nationen und der internationalen
Finanzinstitutionen.
Unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten
machen kaum ein Prozent unseres Bundeshaushalts
aus. Würde dieser kleine Betrag noch weiter gekürzt,
würde unser Einfluß in der Welt abnehmen, nicht unser
Defizit. In seinem Bericht zur Lage der Nation hat
Präsident Clinton vergangene Woche erklärt: "Wenn
Amerika weiterhin die Welt anführen soll, müssen wir
hier, die Amerika anführen, einfach den Weg finden,
die Kosten dafür aufzubringen."
Der Antrag des Präsidenten für das Haushaltsjahr
1998, den er dem Kongreß vorgelegt hat, strebt die
Wiederherstellung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft an, einschließlich einer bescheidenen
Aufstockung der Mittel für die Operationen des Außenministeriums. Meiner Ansicht nach sind die gesamten
für internationale Angelegenheiten beantragten 19,45
Milliarden Dollar für die Bewahrung der amerikanischen Führungsrolle erforderlich. Ich bitte um Ihre
Unterstützung für diesen Etat. Dabei verpflichte ich
mich, meinen Beitrag zu leisten und bin zur engeren
Zusammenarbeit mit Ihnen entschlossen um zu
gewährleisten, daß das amerikanische Volk den vollen
Wert jedes für unsere Diplomatie ausgegebenen
Dollars erhält.
Herr Vorsitzender, ich möchte heute mit Ihnen den
entstehenden Rahmen für die dauerhafte amerikanische Führungsrolle in der Welt erörtern und Teile
unseres Haushaltsantrags hervorheben, die diese
Rolle unterstützen werden. Dieser Rahmen enthält
Maßnahmen, Massenvernichtungswaffen zu kontrollieren, gefährliche regionale Konflikte zu verhindern
oder beizulegen, die Vereinigten Staaten als zentralen
Ausgangspunkt einer expandierenden Weltwirtschaft
zu bewahren sowie die grundlegenden Prinzipien der
Demokratie und Respektierung der Rechtsstaatlichkeit
zu fördern. Diese Ziele werden wir jedoch nicht
erlangen, wenn wir nicht auch unsere Bündnisse
stärken können und unsere wichtigsten bilateralen
Beziehungen gut pflegen.
Eine Führungsrolle mit Schlüsselpartnern
Unsere Beziehungen zu den führenden Mächten der
Welt verbinden nicht nur die amerikanische Diplomatie,
sondern auch das gesamte internationale System.
Indem sie zusammen handeln, können die führenden
Nationen den generellen Standard des internationalen

AMERIKA DIENST 04

�Verhaltens anheben, wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritt ankurbeln und die Rechtsstaatlichkeit
stärken.
Am Samstag, dem 15. Februar werde ich eine Reise in
einige der wichtigsten Hauptstädte Europas und
Asiens antreten. Der Zweck meiner Besuche besteht
darin, persönliche Kontakte zu den Politikern dieser
Länder zu knüpfen oder zu erneuern und die gesamte
Bandbreite der uns konfrontierenden drängenden
Themen zu erörtern. Ich möchte keine neuen Abkommen abschließen, sondern Gedanken austauschen und eine starke Grundlage für erweiterte
Zusammenarbeit, insbesondere in dem vor uns
liegenden Jahr, schaffen.
Wenn die grundlegende Lektion dieses Jahrhunderts
tatsächlich lautet, daß Amerika eine Führungsrolle
übernehmen muß, dann ist eines der wichtigsten
Korollare, daß wir eine europäische Macht bleiben
müssen. Wir haben ein Interesse an der Sicherheit
Europas, denn seit der Gründung unserer Republik
wissen wir, daß der Atlantische Ozean keine uneinnehmbare Barriere für unsere Verteidigung ist. Wir
haben ein Interesse am Wohlstand Europas, weil
unser eigener Wohlstand schon immer in hohem Maße
von unserem transatlantischen Handel und Investitionen abhing. Und wir haben ein Interesse an der
Freiheit Europas, weil es der Triumph der Demokratie
auf jenem Kontinent war, der den Kalten Krieg beendete.
Heute ist die amerikanische Führungsrolle in Europa
solide. Amerika hat den Weg zur Wiederbelebung der
NATO angeführt, das Blutvergießen in Bosnien
beendet, Unterstützung für die russische Demokratie
mobilisiert und ist für die Unabhängigkeit der neuen
demokratischen Nationen Europas eingetreten. Jetzt
stehen wir kurz vor der Realisierung des am schwersten faßbaren Traums dieses Jahrhunderts - eines
integrierten, stabilen und demokratischen Europas.
Um unser Ziel vollständig zu erreichen, müssen wir
drei Herausforderungen bewältigen: Wir müssen eine
neue und größere NATO schaffen und gleichzeitig die
Integration aller neuen Demokratien des Kontinents
fördern. Wir müssen enge und konstruktive Partnerschaften mit Rußland und der Ukraine aufbauen. Und
wir müssen die Demokratie fördern, die Stabilität
bewahren und die Spannungen in ganz Südosteuropa
entschärfen - insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.
1994 schlug Präsident Clinton ein von unseren
Verbündeten angenommenes Programm zur Anpassung der NATO an neue Herausforderungen vor.
Diese Bestrebungen werden beim NATO-Gipfeltreffen
im Juli in Madrid einen neuen Meilenstein setzen. Bei
dem Gipfel wird das Bündnis mehrere Nationen zur
Aufnahme von Verhandlungen über ihren NATOBeitritt einladen und wichtigen Veränderungen der

AMERIKA DIENST 04

inneren Struktur der NATO zustimmen. Die zum
NATO-Gipfel führenden Verhandlungen werden zu den
ehrgeizigsten und komplexesten in der Geschichte des
Bündnisses gehören. In den kommenden Monaten
werden Regierungsvertreter dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk darlegen, warum die neue,
größere NATO unsere elementaren Interessen fördern
wird.
Im Grunde ist es folgendermaßen: Vor fünfzig Jahren
vereinte die Gründung der NATO neue Demokratien,
überwand alten Haß, kurbelte den wirtschaftlichen
Wiederaufbau an und verhinderte künftige Konflikte.
Was die NATO damals für den Westen Europas getan
hat, kann sie jetzt für den Osten Europas tun - die
Region, in der die beiden globalen Kriege des Jahrhunderts und der Kalte Krieg begannen. Der Prozeß
der Erweiterung hat bereits die Beilegung historischer
Differenzen zwischen Ungarn und Rumänien,
Deutschland und der Tschechischen Republik sowie
Polen und der Ukraine ermutigt. In der Zukunft kann er
unser Vertrauen vertiefen, daß es kein zweites Bosnien geben wird, die demokratischen Revolutionen von
1989 Bestand haben werden und eine Teilung Europas wie im Kalten Krieg nicht in irgendeiner neuen und
gefährlichen Form wiederauftritt.
Das versuchen wir zu verwirklichen. Ebenso wichtig
ist, was wir zu verhindern versuchen. Denn es gibt nur
zwei reale Alternativen zur Erweiterung. Wir könnten
das Bündnis durch eine NATO mit dem kleinsten
gemeinsamen Nenner ersetzen, die alle einbezieht
und niemandem Verpflichtungen auferlegt. Das würde
die NATO abwerten und degradieren. Oder wir
könnten die Erweiterung auf unbestimmte Zeit verschieben und die NATO-Mitgliedschaft entlang der
Grenze des Kalten Krieges einfrieren. Das würde nicht
nur eine permanente Ungerechtigkeit schaffen,
sondern auch eine permanente Quelle von Spannung
und Unsicherheit im Herzen Europas.
Während wir Fortschritte erzielen, müssen wir natürlich
auch sicherstellen, daß keine neuen Trennlinien durch
Europa gezogen werden. Aus diesem Grund stärken
wir die Partnerschaft für den Frieden der NATO, und
aus diesem Grund ist unsere finanzielle Unterstützung
der Partnerschaft von elementarer Bedeutung. Aus
diesem Grund unterstützen wir die Erweiterung der EU
und die mutige Arbeit, die die OSZE von Tschetschenien bis Bosnien leistet. Aus diesem Grund ist
auch die Finanzierung im Rahmen des Gesetzes für
die Unterstützung der osteuropäischen Demokratien
(SEED Act) weiterhin entscheidend. Unsere Unterstützung hat Nationen von Estland bis zur Tschechischen
Republik geholfen, aufstrebende Demokratien zu
gründen und sich dadurch von unserem Programm
unabhängig zu machen. Aber in den noch instabilen
Demokratien wie Bulgarien und Rumänien wird Hilfe
immer noch dringend benötigt.

Seite 3

�Eine der obersten haushaltspolitischen Prioritäten des
Präsidenten ist die Initiative Partnerschaft für den
Frieden, die eine neue Phase unserer Hilfe für Rußland und die anderen Neuen Unabhängigen Staaten
einleitet. Die erste Phase befaßte sich mit der Einführung der elementaren Institutionen der Demokratie
und der Marktwirtschaft. Insgesamt war diese Hilfe
äußerst erfolgreich - insbesondere bei der Förderung
von Privatisierung, freien Wahlen und einer bürgerlichen Gesellschaft. Unsere Bestrebungen konzentrieren sich jetzt auf die Ankurbelung von Handel und
Investitionen, wodurch das Potential für langfristiges
Wachstum freigesetzt wird, das für die Umgestaltung
dieser Gesellschaften von zentraler Bedeutung ist.
Herr Vorsitzender, Rußland und viele seiner Nachbarländertreffen heute Entscheidungen, die monumentale
Konsequenzen für unsere Sicherheit und die Sache
der menschlichen Freiheit haben werden. Das steht
auf dem Spiel: Werden sie normale Demokratien mit
wachsenden Marktwirtschaften, die uneingeschränkter
Bestandteil der europäischen Hauptströmung sind?
Oder werden sie arme und isolierte, von Instabilität,
Korruption und Verbrechen geplagte Nationen? Das
sind keine Entscheidungen, die wir treffen können.
Aber wir können uns entscheiden, denjenigen in jeder
Gesellschaft zu helfen, die zur richtigen Entscheidung
entschlossen sind.
Zweifelsohne sind unsere Interessen klar: Ein starker
und permanenter demokratischer Prozeß in Rußland
und den anderen Neuen Unabhängigen Staaten wird
unsere Sicherheit erhöhen, beim Kampf gegen die
Weiterverbreitung behilflich sein, zur Bekämpfung des
internationalen Verbrechens beitragen, neue Wirtschaftschancen eröffnen und ein Klima dauerhafter
Stabilität in einer Region schaffen, die so lebenswichtig
für unsere Zukunft ist wie sie zentral für unsere
Vergangenheit war.
Wir verstehen, daß Rußland die NATO-Erweiterung
ablehnt und erwarten nicht, daß sich das ändert. Wir
müssen die legitimen Anliegen Rußlands ansprechen,
aber es liegt nicht in unserem Interesse, einen Prozeß
zu verschieben oder aus dem Gleis zu bringen, der
zum Aufbau eines wiedervereinten Europas beiträgt.
Auf jeden Fall werden die von der NATO in Brüssel
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten getroffenen Entscheidungen nicht das Schicksal der russischen Demokratie entscheiden. Das wird von der
Fähigkeit der russischen Politiker abhängen, die realen
Bedürfnisse ihres Volkes zu erfüllen sowie die wirtschaftliche Erholung und Erneuerung Rußlands zu
beschleunigen.
Die NATO kann und möchte Rußland zu unserem
vollwertigen Partner beim Aufbau eines geeinten und
friedlichen Europas machen. Die NATO hat Rußland
eine offizielle Charta vorgeschlagen, die uns gemeinsame Kooperation, Konsultationen, Ausbildung und

Seite 4

Krisenreaktion gestatten wird. Wir haben stetige
Fortschritte zu diesem Ziel gemacht, das Hauptthema
meiner Gespräche in Europa sein wird.
Der Erfolg der neuen ukrainischen Demokratie ist
ebenfalls entscheidend für die Zukunft Europas. Von
den Neuen Unabhängigen Staaten war die Ukraine der
erste, der eine Machtübergabe von einer demokratisch
gewählten Regierung an die nächste erlebte. Vor
kurzem hat Präsident Kutschma ein mutiges Reformprogramm eingeleitet, das die Inflation eindämmte und
einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhinderte.
Unsere Beziehungen zur Ukraine gründen auf einem
soliden Fundament gemeinsamer Interessen, einschließlich dem Streben nach einem sichereren und
integrierteren Europa. Ebenso wie mit Rußland haben
wir eine binationale Kommission gegründet, der auf
unserer Seite Vizepräsident Gore vorsitzt, und eine
Tagesordnung für Zusammenarbeit bei einem breiten
Spektrum wichtiger Themen festgelegt.
Die größte Probe für Europas Fähigkeit, gemeinsam im
Namen der europäischen Sicherheit zu handeln, ist
heute Bosnien, wo die NATO und Nichtmitgliedstaaten
der NATO gleichermaßen das Abkommen von Dayton
umsetzen. Die IFOR hat ihre Mission in Bosnien
brillant ausgeführt, aber für die politische Aussöhnung
und den wirtschaftlichen Wiederaufbau wird noch mehr
Zeit benötigt. Die SFOR wird Bosnien die Chance
geben, den neuen Frieden des Landes tragfähig zu
machen. Unsere Strategie besteht in der weiteren
Verringerung der Notwendigkeit für eine internationale
militärische Präsenz durch die Schaffung eines
stabilen militärischen Gleichgewichts, Verbesserung
der Rechtsinstitutionen, die sichere Rückführung der
Menschen in ihre Heimat und die Sicherstellung, daß
mehr der Kriegsverbrechen Beschuldigte verhaftet und
angeklagt werden.
In Bosnien besteht die unmittelbare Aufgabe in der
Entscheidung über den Status von Brcko und das
Datum für Kommunalwahlen - beides sind Meilensteine
beim Abschluß der Umsetzung des Abkommens von
Dayton. Über Bosnien hinaus werden wir weiterhin
klarstellen, daß die Nationen des ehemaligen Jugoslawiens Europa nur als freie und offene Gesellschaften wieder beitreten können.
In den vergangenen 13 Monaten haben praktisch alle
Nationen in Europa zusammengearbeitet, um der
instabilsten Region des Kontinents Hoffnung zu
bringen. Unsere Herausforderung besteht in der
Ausweitung dieses Geistes der Zusammenarbeit auf
alle Bande, die unsere neue atlantische Gemeinschaft
verknüpfen.
Herr Vorsitzender, dieses Jahrhundert hat uns gelehrt,
daß die elementaren Interessen der Vereinigten
Staaten untrennbar mit denen Europas verbunden
sind, aber es hat uns auch gezeigt, daß unsere

AMERIKA DIENST 04

�Sicherheit und unser Wohlstand ebenso von den
Ereignissen in Asien abhängen. In der Tat sind die
Vereinigten Staaten seit der Jahrhundertwende eine
pazifische Macht. In den vergangenen sechs Jahrzehnten haben wir drei Kriege in Asien geführt. Seit
dem Zweiten Weltkrieg sind wir in der asiatischpazifischen Region aktiv engagiert, und in den letzten
Jahren hat unsere Führungsrolle zum Aufschwung
vieler der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt
beigetragen. Darüber hinaus hat es von Südkorea bis
zu den Philippinen und von der Mongolei bis nach
Thailand und Taiwan stetige Fortschritte bei Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit gegeben
- Entwicklungen, die das universelle Streben nach
Freiheit hervorheben.
Präsident Clinton hat Asien neue Bedeutung in unserer
Außenpolitik eingeräumt. Gemeinsam mit unseren
Partnern haben wir mit dem Aufbau der asiatischpazifischen Gemeinschaft begonnen. Wir öffnen
Märkte für amerikanische Waren, Dienstleistungen und
Kapital - sowohl bilateral als auch durch das Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(APEC). Wir stärken unsere wichtigsten Bündnisse
und behalten unsere Vornestationierung von 100.000
Soldaten im Westpazifik aufrecht. Wir unterstützen
neue multilaterale Sicherheitsdialoge wie das ASEANRegionalforum. Und wir unterstützen weiterhin neue
Demokratien und unterstreichen die Bedeutung der
Achtung von Menschenrechten.
Unser Bündnis mit einem demokratischen und wohlhabenden Japan ist einer der großen Erfolge der
Nachkriegszeit. Heute arbeiten unsere beiden Nationen bei einer Vielzahl bilateraler, regionaler und
globaler Themen zusammen. Wir haben unsere
militärischen Verbindungen durch die Sicherheitserklärung des vergangenen Jahres untermauert und
durch die seit 1993 ausgehandelten beispiellosen 22
Handelsabkommen größeres Gleichgewicht in unsere
Wirtschaftsbeziehungen gebracht.
Mit unserer
ehrgeizigen Gemeinsamen Tagesordnung sprechen
wir komplexe globale Probleme wie AIDS, Umweltverschmutzung und nicht tragfähiges Bevölkerungswachstum an. Und gemeinsam unterstützen wir die
Demokratie in Haiti und Rußland sowie Frieden in
Bosnien und im Nahen Osten.
Wir kooperieren mit Japan und einem anderen wertvollen Verbündeten, der Republik Korea, bei der Umsetzung des Rahmenabkommens, mit dem Nordkoreas
Nuklearwaffenprogramm eingefroren wird. In den
vergangenen Wochen haben wir eng mit der südkoreanischen Regierung zusammengearbeitet, um die
Spannungen mit dem Norden zu entschärfen und
erneute Dynamik für den Friedensprozeß zu gewinnen. Ich bitte um Ihre Unterstützung für die Finanzierung
der Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel (KEDO) im Haushaltsjahr 1998, die für diese
erneute Dynamik entscheidend sein wird. Die Ver-

AMERIKA DIENST 04

einigten Staaten leisten zur Zeit die höchsten Beiträge
für die KEDO. Aber in Zukunft werden Japan und die
Republik Korea uns mit der Finanzierung des Baus
von zwei Leichtwasserreaktoren für Nordkorea bei
weitem in den Schatten stellen. Wir werden auch
weiterhin auf die Verwirklichung des Vorschlags der
Präsidenten Clinton und Kim zu Vierparteiengesprächen über die Herbeiführung eines dauerhaften
Friedens auf der Halbinsel drängen.
Chinas Entwicklung zu einer Weltmacht und die
Evolution seiner Beziehungen zu anderen Nationen
werden großen Einfluß auf die Geschichte unseres
Zeitalters haben. Aus diesem Grund müssen wir
unsere Bande erweitern, und aus diesem Grund
ermutigen wir die aktive und verantwortungsvolle
Beteiligung Chinas an der internationalen Staatengemeinschaft. Unsere beiden Nationen teilen viele
gemeinsame Interessen und haben bereits bei vielen
Themenkomplexen zusammengearbeitet - darunter die
nordkoreanische Halbinsel, internationales Verbrechen, Atomtests und die globale Umwelt. Gleichzeitig haben wir beträchtliche Differenzen bei Handel,
Waffentransfers und Menschenrechten.
Wir haben bedeutende Interessen in Hongkong, das
auf der Liste unserer wichtigsten Handelspartner an
13. Stelle steht. China wird bald die Souveränität über
Hongkong wiedererlangen, aber Hongkong wird seine
Verbindungen zu unserer Nation und der Welt nicht
abbrechen. Wir erwarten von China, daß das Land
den Wortlaut und Geist seines Abkommens mit
Großbritannien über die Rückgabe Hongkongs erfüllt.
In diesem Abkommen hat China sich zur Beibehaltung
von Hongkongs offener Wirtschaft, der demokratischen Regierung, des ausgezeichneten Rechtssystems und der bürgerlichen Freiheiten verpflichtet.
Mit der Erfüllung dieser Verpflichtung wird China nicht
nur zur Sicherstellung der Zukunft Hongkongs beitragen, sondern auch die Position der Volksrepublik
stärken und zum eigenen wachsenden Wohlstand
beitragen. Ich sehe Gesprächen über dieses Thema
während meines bevorstehenden Besuchs in Peking
und anderen Hauptstädten erwartungsvoll entgegen.
Obwohl unsere Interessen erfordern, daß wir weiterhin
starke Beziehungen zu Europa und Asien unterhalten,
sind wir zuallererst eine gesamtamerikanische Nation.
Die westliche Hemisphäre war nie zuvor freier oder
wohlhabender. Und nie zuvor waren unsere Beziehungen zu unseren lateinamerikanischen und karibischen Nachbarn so stark. Als die Demokratiebewegung in Haiti bedroht war, haben wir durch unser
entschlossenes Handeln die legitime Regierung wieder
ins Amt eingeführt. Und als die freien Märkte durch die
Finanzkrise in Mexiko bedroht waren, bedurfte es
unserer Führungsrolle zur Wiederherstellung des
Vertrauens.

Seite 5

�Die Rückzahlung unseres Kredits für Mexiko drei
Jahre vor dem Termin hat Präsident Clintons mutige
Entscheidung gerechtfertigt und uns Vertrauen in die
Fähigkeit unseres Nachbarlandes gegeben, harte,
aber notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Wir
ermutigen nach wie vor weitere politische und wirtschaftliche Reformen in Mexiko, einem Land, mit dem
uns eine 2.000 Meilen lange Grenze und viele gemeinsame Interessen verbinden - einschließlich der
Bekämpfung von Verbrechen, Drogenhandel, illegaler
Migration und Umweltzerstörung. Der Präsident und
ich werden auch in Zukunft unsere Verbündeten und
Freunde drängen, gemeinsam mit uns die Diktatur in
Kuba zu isolieren. In Südamerika wurde die Stärke
unserer Beziehungen zu Argentinien, Brasilien und
Chile durch die Zusammenarbeit unserer vier Nationen
zur Beendigung der Grenzstreitigkeiten zwischen
Ecuador und Peru unter Beweis gestellt. In der gesamten Hemisphäre müssen wir weiterhin den Geist
der Zusammenarbeit des historischen gesamtamerikanischen Gipfels in Miami vor zwei Jahren fördern.
Eine Führungsrolle zur Kontrolle todbringender
Waffen
Herr Vorsitzender, dank der amerikanischen Führungsrolle hat die Welt wichtige Fortschritte bei der
Kontrolle von Nuklear- und anderen Massenvernichtungswaffen gemacht. Die Zeit bis zum Jüngsten
Tag, die einst so nahe schien, wurde verlängert. Zum
ersten Mal seit dem Beginn des Nuklearzeitalters sind
keine russischen Raketen auf die Vereinigten Staaten
gerichtet und keine amerikanischen Raketen auf
Rußland. Die Nuklearwaffen wurden aus Belarus,
Kasachstan und der Ukraine abgezogen. Die Nuklearfähigkeit des Irak wurde beseitigt und die Nordkoreas
eingefroren.
Der Nichtverbreitungsvertrag wurde
unbegrenzt und bedingungslos verlängert und der
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot verabschiedet.
Trotz dieser Fortschritte ist die Gefahr noch lange nicht
gebannt. Aus diesem Grund bleiben Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung nach wie vor ein grundlegender Bestandteil unseres außenpolitischen Rahmens, und aus diesem Grund ist unsere weitere
Unterstützung des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung sowie der Internationalen AtomenergieOrganisation ein wichtiger Bestandteil unseres Haushalts.
Unser unmittelbarstes Gebot der Rüstungskontrolle ist
die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention, oder
CW-Konvention, vor ihrem Inkrafttreten Ende April.
Wie Sie wissen, wurde die CW-Konvention von den
Reagan- und Bush-Administrationen ausgehandelt und
im Januar 1993 von Außenminister Lawrence Eagleburger unterzeichnet. Sie erfreut sich breiter Unterstützung unserer beiden Parteien, des Militärs und der
Unternehmen. Wie jedes Rüstungskontrollabkommen

Seite 6

ist die CW-Konvention kein Allheilmittel. Aber sie wird
ein mächtiges Instrument sein, die uns feindlich
Gesinnten von der Entwicklung oder Beschaffung von
Chemiewaffen abzuhalten. Die Verabschiedung der
Konvention würde alle unsere Bürger sicherer und es
weniger wahrscheinlich machen, daß unsere Streitkräfte auf dem Gefechtsfeld mit Chemiewaffen konfrontiert werden.
Wir haben auch noch andere Prioritäten. Wir streben
die rasche Verabschiedung des Flankenabkommens
zum Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) an, das den KSE-Vertrag stärken und dadurch
die Sicherheit in Europa verbessern wird. Wir werden
mit Rußland zusammenarbeiten, um die baldige
Ratifizierung des START Il-Vertrags durch die Duma
sicherzustellen und dann Verhandlungen über weitere
Reduzierungen unserer Nukleararsenale aufzunehmen. Und wir werden weiterhin ein globales Abkommen über das Verbot von Einsatz, Lagerung,
Herstellung und Transfer von Antipersonenminen
anstreben.
Schließlich ergreifen wir zusätzlich zur Chemiewaffenkonvention wichtige Schritte, die verhindern sollen,
daß Massenvernichtungswaffen von denjenigen
beschafft werden, die zu ihrem Einsatz versucht sein
könnten. Wir arbeiten darauf hin, die Sicherheit zu
verbessern und das Umleiten von spaltbarem Material
zu verhindern. Wir haben die anderen 32 führenden
Waffenlieferanten im Wassenaar-Abkommen überzeugt, nicht mit Waffen oder anderen sicherheitsempfindlichen Technologien mit dem Iran und anderen
Ländern zu handeln, die erwiesenermaßen internationale Normen mißachten. Und wir bestehen auf der
Beibehaltung harter Sanktionen gegen den Irak, bis er
die entsprechenden Resolutionen des Sicherheitsrats
einhält.
Eine Führungsrolle bei der Unterstützung des
Friedens
Herr Vorsitzender, aufgrund der einzigartigen Fähigkeiten und der beispiellosen Macht der Vereinigten
Staaten blickt die Welt häufig auf uns, um Konflikte zu
beenden und auf Krisen zu reagieren. Unsere oberste
Verpflichtung ist jedoch der Schutz unserer eigenen
Bürger.
Wir haben begrenzte Ressourcen und
umfassende - aber immer noch begrenzte - Interessen.
Um unsere Glaubwürdigkeit zu bewahren und schwierige Situationen zu vermeiden, müssen wir sorgfältig
mit unseren Verpflichtungen und selektiv bei unseren
Aktionen vorgehen.
Dennoch sind wir uns bewußt, daß es Situationen
geben wird, in denen unsere Interessen und die
unserer Verbündeten eine aktive amerikanische Rolle
erfordern. Wir verstehen auch, daß kleine Konflikte,
wenn man sich ihrer nicht annimmt, zu großen eskalieren können, die eine Gefahr für uns darstellen und

AMERIKA DIENST 04

�hätten verhindert werden können. Entsprechend
haben Präsident Clinton und Außenminister Christopher während der letzten vier Jahre unerschütterlich
den Frieden in den Regionen der Welt unterstützt, in
denen wir Interessen haben. Wir sind uns bewußt,
daß wir keine Lösungen aufzwingen, es den Verfechtern des Friedens jedoch erleichtern können, die
erforderlichen Risiken zu seiner Erlangung einzugehen.
Im Nahen Osten war das Abkommen vom vergangenen Monat über den Abzug der israelischen Streitkräfte aus Hebron ein außerordentlicher Erfolg für die
amerikanische Diplomatie. Die intensiven Verhandlungen trugen zu neuem Vertrauen zwischen den
Israelis und den Palästinensern bei. Das Abkommen
sieht nicht nur einen Plan für die Zukunft ihrer Beziehungen vor, sondern verleiht auch dem gesamten
Friedensprozeß neue Dynamik.
Ich beglückwünsche Ministerpräsident Netanjahu und
den PLO-Vorsitzenden Arafat zu ihrem Mut, das
Abkommen persönlich abzuschließen, und ich danke
König Hussein für seine wichtige Rolle dabei, diese
langwierigen Gespräche zu einem erfolgreichen Ende
zu bringen. Der ehemalige Außenminister Christopher
sowie der Sonderbeauftragte Dennis Ross und sein
Team verdienen großes Lob für ihre enormen Anstrengungen nicht nur beim Hebron-Abkommen,
sondern während der gesamten vergangenen vier
Jahre. Seien Sie versichert, daß ich das Engagement
der Vereinigten Staaten für eine aktive amerikanische
Rolle in dieser Region von elementarer Bedeutung für
unsere Interessen uneingeschränkt fortsetzen werde.
Um die durch das Hebron-Abkommen ausgelöste
Dynamik zu bewahren, haben wir eine dreigliedrige
Tagesordnung festgelegt. Erstens werden wir dauerhafte Fortschritte zwischen den Israelis und Palästinensern unterstützen. Zweitens werden wir nach
Wegen suchen, um die Verhandlungen zwischen
Israel und Syrien sowie zwischen Israel und Libanon
voranzubringen. Und drittens werden wir andere
arabische Staaten zur Erweiterung ihrer Verbindungen
zu Israel ermutigen. Um all diese Bestrebungen
unterstützen zu können, müssen wir unser derzeitiges
Niveau bilateraler Hilfe für Israel, Ägypten, Jordanien,
das Westjordanland, Gaza und Libanon aufrechterhalten.
Wie Sie wissen, werden Ministerpräsident Netanjahu
und der PLO-Vorsitzende Arafat Washington in Kürze
besuchen, und Präsident Mubarak und König Hussein
werden nächsten Monat kommen. Unter Präsident
Clintons Führung werden wir weiterhin einen sicheren,
umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn anstreben. Bei all
unseren Bestrebungen werden wir von der unerschütterlichen Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur
Sicherheit Israels und von unserer ebenso starken

AMERIKA DIENST 04

Ablehnung derjenigen geleitet sein, die Gewalt und
Terror zur Abschreckung des Friedens einsetzen
würden.
In Zypern ist der seit langem bestehende Konflikt
zwischen dem türkischen und griechischen Teil nach
wie vor ungelöst. Die zunehmende Gewalt auf der
Insel im letzten Jahr vereitelte die Versuche zur
Wiederaufnahme der Verhandlungen, beleuchtete
jedoch auch schlaglichtartig die dringende Notwendigkeit einer dauerhaften Lösung. Der Disput teilt natürlich mehr als die beiden zypriotischen Gemeinden - er
wirkt weiterhin als Keil zwischen den NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland. Dabei bedroht er die
europäische Sicherheit und unsere elementaren
Interessen. Entsprechend sind die Vereinigten Staaten
bereit, eine größere Rolle bei der Förderung einer
Lösung des Konflikts zu spielen. Damit solche Bestrebungen jedoch Früchte tragen können, müssen die
Parteien konkreten Schritten zustimmen, die die
Spannungen entschärfen, Vertrauen aufbauen und
produktive Verhandlungen möglich machen.
In Nordirland fühlen wir uns durch die Aufnahme der
Mehrparteiengespräche im Juni vergangenen Jahres
ermutigt, sind jedoch über den Mangel an Fortschritten
enttäuscht. Dennoch erkennen wir die historische
Bedeutung der Zusammenkunft von nationalistischen
und unionistischen Vertretern sowie der britischen und
irischen Regierung an einem Verhandlungstisch an.
Wie bedauern den erneuten Einsatz von Gewalt durch
die IRA und unterstützen die Entscheidung, die Sinn
Fein von den Gesprächen auszuschließen, bis die IRA
wieder einen unmißverständlichen und dauerhaften
Waffenstillstand herstellt.
Ich beglückwünsche
Senator Mitchell sowie seinen kanadischen und
finnischen Kollegen zu ihrer entschlossenen Führungsrolle bei den Verhandlungen. Wir werden zweifelsohne hart auf einen Durchbruch in den kommenden
Monaten hinarbeiten.
In Zentralafrika arbeiten wir mit den regionalen Politikern und unseren Verbündeten zusammen, um weitere
Tragödien in diesem von Genozid, Flüchtlingen und
Krieg heimgesuchten Gebiet zu verhindern. In Ruanda
sind die meisten Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt, aber wir werden weiterhin unseren Beitrag zur
Nothilfe leisten, bis die verbliebenen Flüchtlinge
reintegriert sind. In Burundi fordern wir die Regierung
und die Rebellen auf, den Waffenstillstand auszurufen
und ernsthafte Gespräche über die nationale Aussöhnung aufzunehmen. Und in Zaire sind wir zutiefst
besorgt über die jüngsten Anzeichen einer Wiederaufnahme der schweren Kämpfe im östlichen Teil des
Landes. Wir halten unsere Unterstützung für eine
Lösung des Konflikts auf der Grundlage der Anerkennung der territorialen Integrität Zaires und der
uneingeschränkten Respektierung der Menschenrechte aufrecht.

Seite 7

�Angesichts der andauernden Krise in Zentralafrika
werden wir unserem Vorschlag einer afrikanischen
Krisenreaktionstruppe (ACRF) Priorität einräumen.
Die ACRF wäre eine stehende Streitmacht für die
Ausführung friedenssichernder Missionen in Afrika.
Die internationale Staatengemeinschaft würde die
Ausbildung und das Gerät, die afrikanischen Nationen
selbst würden jedoch die Soldaten und Befehlshaber
bereitstellen.

rangen um einen ausgewogenen Ansatz zum Nahen
Osten. Wir verurteilten den Abschuß unbewaffneter
Flugzeuge durch Kuba. Wir genehmigten die friedenssichernden Missionen, die in Angola, Haiti, Ostslavonien, der ehemaligen jugoslawischen Republik
Mazedonien und andernorts gut funktioniert haben.
Wir haben ein Kriegsverbrechertribunal gegründet und
diplomatische Schritte eingeleitet, um einen erneuten
Genozid in Zentralafrika zu verhindern.

Generell verbessern sich in Afrika die Aussichten auf
Demokratie und Wirtschaftswachstum. Viele der
neuen demokratischen Regierungen Afrikas erleichtern Wachstum durch Maßnahmen, die es Privatunternehmen gestatten, Fuß zu fassen, während
gleichzeitig öffentliche Mittel klug in Bildung, Gesundheitsfürsorge und Projekte zur Verbesserung der
Chancen von Frauen investiert werden. Wir werden
mit den demokratischen Politikern Afrikas zusammenarbeiten, um diese Trends zu erweitern und zu vertiefen. Aber erschreckende Probleme wie Verschuldung,
Konflikte, Umweltbelastung und unzureichende
Investitionen bleiben bestehen. Es liegt in unserem
Interesse, den afrikanischen Politikern bei der Überwindung dieser Probleme behilflich zu sein und einen
wohlhabenderen, demokratischen und stabilen
Kontinent aufzubauen. Wir werden die Integration
Afrikas in die Weltwirtschaft fördern und einzelnen
Ländern, wenn wir können, durch gezielte bilaterale
Hilfsprogramme helfen.

In der Generalversammlung und anderen UN-Gremien
sowie ihren Sonderorganisationen wird ein Großteil der
internationalen Verhandlungen geführt. Die Einhaltung
der nuklearen Sicherheitsbestimmungen wird verifiziert; Bestrebungen zur Beendigung der Ausbeutung
von Kindern werden durchgeführt; man kümmert sich
um Flüchtlinge; epidemische Krankheiten werden
eingedämmt und Normen eingeführt, die amerikanischen Unternehmen den Export von Waren in
Milliardenhöhe gestatten. Dies ist nur ein Beispiel. Wir
haben ein enormes Interesse an diesem System einem System, an dessen Gründung die Amerikaner
mehr als jede andere Nation beteiligt waren.

Die Vereinigten Staaten werden in Afrika und andernorts weiterhin eine nachhaltige Entwicklung unterstützen sowie humanitäre und Flüchtlingshilfe bereitstellen, wenn Krisen auftreten. Unsere begrenzten
Ressourcen sind jedoch ein großer Anreiz für uns,
andere Mechanismen zur Reaktion auf Notfälle und
Konflikte zu stärken, einschließlich Friedenssicherung,
Entwicklung und humanitärer Aktivitäten der Vereinten
Nationen. Der Präsident beantragt in diesem Jahr 100
Millionen Dollar und eine Vorschußbewilligung in Höhe
von 921 Millionen Dollar, die nächstes Jahr zur
Verfügung gestellt werden soll, um unsere Außenstände bei den Vereinten Nationen und anderen
internationalen Organisationen zu bezahlen. Unser
Ziel ist die Sicherstellung der kontinuierlichen amerikanischen Führungsrolle in diesen Organisationen und
die Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedstaaten - in
Konsultationen mit dem Kongreß - bei weiteren UNReformen.
Herr Vorsitzender, dies ist ein Bereich, in dem es
zwingend geboten ist, gemeinsames Terrain zu
schaffen. Die amerikanische Führungsrolle in den
Vereinten Nationen ist von Bedeutung. Vier Jahre lang
hatte ich das Privileg, im Sicherheitsrat hinter einem
Schild zu sitzen, auf dem schlicht stand "Vereinigte
Staaten", und die amerikanischen Interessen zu
verteidigen. Während dieser Zeit hielten wir die
Sanktionen gegen Libyen und den Irak aufrecht. Wir

Seite 8

Jetzt sind wir an einem kritischen Punkt angelangt.
Wir sind mit unseren Beiträgen, die nach den Regeln
entrichtet werden müssen, denen unsere Nation vor
langer Zeit freiwillig zustimmte, in Milliardenhöhe im
Rückstand. Wir haben eine umfassende Tagesordnung für Reformen, die im Falle ihrer Verabschiedung diese Organisation bestens auf das 21. Jahrhundert vorbereiten würden. Wir haben einen neuen
Generalsekretär, der seine Unterstützung der Reformen eindeutig klargestellt hat, aber auch die Auffassung vertritt - wie es auch unsere Nation stets getan
hat - daß Verpflichtungen eingehalten werden sollten.
In den kommenden Tagen möchte ich mit Ihnen
zusammenarbeiten, um einen Weg zur Umsetzung des
Plans des Präsidenten zu finden. Unsere dauerhafte
Führungsrolle in den Vereinten Nationen hängt davon
ab. Unsere Prinzipien erfordern es. Unser Haushalt
gestattet es. Und unsere Interessen erfordern es.
Mißverstehen Sie mich nicht. Für diejenigen, die
eifersüchtig auf die amerikanische Füjirungsrolle sind
oder ihr feindselig gegenüberstehen, sind diese
Außenstände eine offene Einladung, Amerika zur
Strecke zu bringen. Wir müssen dieses Thema hinter
uns bringen und Fortschritte mit besseren internationalen Organisationen erzielen, die von starken und
respektierten Vereinigten Staaten angeführt werden.
Eine Führungsrolle in der Weltwirtschaft
Herr Vorsitzender, kurz nach seiner Amtsübernahme
1993 erklärte Präsident Clinton, "wir müssen uns dem
Wettbewerb stellen und dürfen uns nicht zurückziehen". Seitdem wurden dank der von ihm übernommenen Führungsrolle bei der Schaffung von Arbeits-

AMERIKA DIENST 04

�platzen für Amerikaner im Inland durch die Öffnung
von Märkten im Ausland spektakuläre Erfolge erzielt.
Wir haben mehr als 200 Handelsvereinbarungen
unterzeichnet und unsere Handelsgesetze entschlossen umgesetzt. Wir haben das NAFTA verabschiedet
und die Uruguay-Runde des GATT zum Abschluß
gebracht. Wir sind beim Gipfel von Miami die Verpflichtung eingegangen, die Verhandlungen über eine
Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent
bis 2005 abzuschließen, und wir haben die Verpflichtung des APEC zur Erlangung freien und offenen
Handels im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr
2020 formuliert.

Auf den heutigen, von hartem Wettbewerb charakterisierten Weltmärkten müssen unsere Firmen oft mit
ausländischen Unternehmen konkurrieren, die aktive
Unterstützung durch ihre Regierung erfahren. Aus
diesem Grund muß und wird das US-Außenministerium alles in seiner Macht Stehende unternehmen um
sicherzustellen, daß amerikanischen Unternehmen
und Arbeitnehmern faire Behandlung widerfährt. Aus
diesem Grund bitte ich Sie um ihre fortgesetzte
Unterstützung für die Programme der Export-Import
Bank, die Gesellschaft für Privatinvestitionen in
Übersee (OPIC) und den Handels- und Entwicklungsrat.

Diese historischen Maßnahmen haben seit Anfang
1993 zu einer Erhöhung unserer Exporte um ein Drittel
sowie zur Schaffung von 1,6 Millionen neuen Arbeitsplätzen beigetragen. Noch wichtiger ist, daß die
Vereinigten Staaten unter dieser Administration zu
einem noch dynamischeren Mittelpunkt der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert geworden sind.

Neben der Schaffung von Chancen für amerikanische
Unternehmen im Ausland müssen wir auch weiterhin in
den multilateralen Institutionen eine Führungsrolle
übernehmen, die eine Expansion der Weltwirtschaft
fördern. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Unternehmen bei einem wirklich fairen Wettbewerb erfolgreich
sein können. Unsere Herausforderung besteht jedoch
darin sicherzustellen, daß das System fair bleibt. Das
erfordert harte Arbeit und Wachsamkeit. In der WTO
müssen wir solide Vorschriften ausarbeiten und ihre
entschlossene Durchsetzung gewährleisten - und wir
müssen weiterhin beharrlich unsere Unterstützung für
hohe Standards bei Arbeitsnormen, Geschäftspraktiken sowie beim Umweltschutz fortsetzen.

Wir dürfen uns jedoch nicht auf dem bisher Erreichten
ausruhen. Wir werden eng mit anderen Bundesbehörden zusammenarbeiten und unsere Dienststellen auf
der ganzen Welt dazu auffordern, bei unserer wirtschaftlichen Tagesordnung Fortschritte zu machen. In
unserer Hemisphäre werden wir den frühzeitigen
Beitritt Chiles zum NAFTA als gleichberechtigter
Partner sowie die Einbeziehung Zentralamerikas und
der Karibik in Vereinbarungen anstreben, die dem
NAFTA ähneln.
Im asiatisch-pazifischen Raum
werden wir sicherstellen, daß unsere Marktzugangsabkommen mit Japan und unsere mit China abgeschlossenen Vereinbarungen über das Recht auf
geistiges Eigentum vollständig umgesetzt werden.
Ferner werden wir größeren Zugang zu Schlüsselsektoren in China anstreben und mit diesem Land zusammenarbeiten, während es die erforderlichen
Veränderungen durchführt, die ihm eine Aufnahme in
die WTO zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen
gestatten.
Und wir werden die amerikanische
Handels- und Investitionstätigkeit mit Indien ermutigen,
das seine bahnbrechenden Wirtschaftsreformen
fortsetzt.
In Europa bietet die von uns und unseren EU-Partnern
1995 unterzeichnete neue transatlantische Agenda
einen Plan für noch freieren und ungehinderteren
Handel. Wir werden die gemeinsam mit unseren
OECD-Partnern unternommenen Bestrebungen zur
Bekämpfung korrupter Handelspraktiken fortsetzen,
die einen Betrug an amerikanischen Unternehmen und
Arbeitnehmern darstellen und weltweit die Rechtsstaatlichkeit unterminieren. Und schließlich werden wir
mit unseren Partnern im Nahen Osten weiterhin an der
Stärkung der wirtschaftlichen Dimension des Friedensprozesses arbeiten.

AMERIKA DIENST 04

Wir dürfen nicht vergessen, daß die Entwicklungsländer weltweit die am schnellsten wachsenden Märkte
für amerikanische Unternehmen darstellen.
Wir
müssen diese Länder weiterhin zu einer umfassenden
Teilnahme an der Weltwirtschaft ermutigen. Wo es
möglich ist, sollten wir ihre Reformen durch unsere
bilaterale Entwicklungshilfe und die multilateralen
Entwicklungsbanken unterstützen. Für jeden Dollar,
den die Vereinigten Staaten beisteuern, verleiht die
Interamerikanische Entwicklungsbank 40 Dollar, die
asiatische Entwicklungsbank 80 Dollar und die Weltbank 135 Dollar.
Herr Vorsitzender, eine unserer wichtigsten Möglichkeiten, einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung zu
leisten, ist unsere Unterstützung für internationale
Familienplanung. Durch die Stabilisierung der Wachstumsraten der Bevölkerung können die Entwicklungsländer einen größeren Teil ihrer knappen Ressourcen
für die Deckung der Grundbedürfnisse ihrer Bürger
aufwenden. Zudem dienen unsere freiwilligen Familienplanungsprogramme
unseren
allgemeinen
Interessen, indem sie die Stellung der Frau verbessern, den Flüchtlingsstrom eindämmen, die Umwelt
schützen und Wirtschaftswachstum fördern. Aus
diesem Grund fordere ich den Kongreß zur Annahme
einer gemeinsamen Resolution vor Ende des Monats
auf, um den Bevölkerungsfonds des Amts für internationale Entwicklung (AID) für das Haushaltsjahr 1997
umgehend freizugeben. Wie der Präsident bereits
erklärte, wird eine weitere Verzögerung zu einem

Seite 9

�tragischen Anstieg von ungewollten Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüchen und der
Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern führen.
Eine Führungsrolle zur Förderung von Freiheit und
Rechtsstaatlichkeit
Die Vereinigten Staaten wurden auf den Prinzipien der
Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und Freiheit nicht
nur für wenige, sondern für alle Menschen gegründet.
Herr Vorsitzender, als vor Tyrannei Geflohene halte ich
diese Prinzipien in Ehren. Ich kann Ihnen versichern,
daß ich mich als Außenministerin klar und deutlich
gegen eine Verletzung der Menschenrechte aussprechen werde, wo immer sie erfolgt. Darüber hinaus
werde ich mich für die Förderung von Demokratie
weltweit einsetzen. Demokratie ist nicht nur die beste
Garantie für Menschenrechte, sondern auch der
Ursprung von Frieden und Wohlstand. Aus diesem
Grund müssen wir die Unterstützung für unsere
Demokratieprogramme fortsetzen, die Wahlen,
politische Parteien, staatliche Institutionen, die bürgerliche Gesellschaft und die Rechtsstaatlichkeit in zahlreichen Entwicklungsländern stärken.
Die Vereinigten Staaten werden auch ihre Bestrebungen in Übersee zur Bekämpfung von internationalem
Verbrechen und Drogenhandel verstärken.
Mit
unserer Hilfe stärken viele Länder, die Drogen herstellen, ihre demokratischen Institutionen zum Schutz
vordem korrupten Einfluß von Kriminellen. Wir haben
wichtige Fortschritte erzielt: Mehr Drogenbarone denn
je befinden sich hinter Gittern; Peru, wo weltweit die
meisten Kokapflanzen angebaut werden, hat den
Anbau auf das niedrigste Niveau seit einem Jahrzehnt
verringert; und wir haben zahlreiche bilaterale Auslieferungsabkommen und Vereinbarungen über
gegenseitigen Rechtsbeistand ausgehandelt.
Bei unseren Bestrebungen zur Bekämpfung des
internationalen Terrorismus werden wir ebenfalls nicht
nachlassen. Unsere Politik ist klar: Wir machen den
Terroristen gegenüber keine Konzessionen; wir üben
Druck auf den Terrorismus fördernde Staaten aus; wir
unternehmen alles in unserer Macht Stehende, um
Terroristen vor den Richter zu bringen. Unter der
Führung Präsident Clintons mobilisieren wir weltweit
Unterstützung zur Bekämpfung der Kräfte des Terrors.
Gemeinsam mit unseren G-7-Partnern und Rußland
haben wir uns auf die Verbesserung der Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung auf vielen
Gebieten geeinigt - einschließlich des Schutzes für
Massenbeförderungsmittel, der Verbesserung der
Strafverfolgung, strengerer Grenzkontrollen, der
Behinderung der Finanzierung terroristischer Aktivitäten und der Ausarbeitung eines internationalen
Vertrags zur Verhinderung von Terroranschlägen.
Wir werden unsere starke Unterstützung für das
Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen für

Seite 10

Ruanda und den Balkan fortsetzen. Nach allen
Schrecken dieses Jahrhunderts wird die Geschichte
uns nicht vergeben, wenn wir nicht versuchen, die für
ethnische Säuberungen, Massenvergewaltigung und
andere Greueltaten Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zu unseren Vorschlägen für Beiträge
zu den Friedenssicherungsaktivitäten der UNO zählt
die andauernde Unterstützung für diese Tribunale.
Herr Vorsitzender, ich möchte noch einen Punkt
anführen. Ich möchte deutlich machen, daß ich
Außenminister Christophers herausragende Initiative,
Umweltfragen in den Mittelpunkt der Außenpolitik zu
stellen, fortsetzen werde. Die Bedrohungen durch
Erderwärmung, Umweltverschmutzung, Entwaldung
und Verlust der Artenvielfalt mögen nicht so dramatisch sein wie die durch Nuklearwaffen oder die
Bomben von Terroristen. Aber wenn wir sie ignorieren, werden wir zweifellos mit Gesundheitsschäden,
dem Verlust von Arbeitsplätzen und der Verschlechterung unserer Lebensqualität dafür zahlen. Aus diesem
Grund müssen wir weiterhin Bande der Zusammenarbeit zum Schutz der Gesundheit und Produktivität
unseres gemeinsamen Erbes von Luft, Wasser und
Land schmieden.
Dies wird ein entscheidendes Jahr wird für den Schutz
der internationalen Umwelt sein. Unser Hauptziel
besteht im Abschluß eines Abkommens über die
nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung
bis Dezember. Unter den Wissenschaftlern herrscht
Übereinstimmung, daß das Problem real und ernst ist.
Wir müssen schnell handeln, um die katastrophalen
Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern einschließlich einem Anstieg des Meeresspiegels,
härteren Wetterbedingungen und der Ausbreitung
ansteckender Krankheiten. Im kommenden Jahr
werden die Vereinigten Staaten eine internationale
Aktion starten, um die Produktion einiger der giftigsten
Chemikalien der Welt zu verbieten. Obwohl sie in
unserem Land bereits verboten sind, werden diese
Chemikalien im Ausland immer noch hergestellt - und
können uns selbst dann schaden, wenn ihre Freisetzung in Luft und Wasser Tausende von Kilometern
entfernt erfolgt.
Schlußbemerkung
Verehrte Ausschußmitglieder, der Erfolg unserer
neuen Außenpolitik wird großenteils davon abhängen,
ob wir den Geist der Überparteilichkeit wiederbeleben
können, der nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschend war. Eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik ist von großer Bedeutung, denn sie
gestattet uns, auf der Weltbühne mit mehr Autorität zu
handeln, weil sie unsere Verbündeten zu größerer
Kooperationsbereitschaft anspornt, die Vorsicht
unserer tatsächlichen und potentiellen Gegner erhöht
und unsere Rolle als Modell für Demokratien und
Demokraten auf der ganzen Welt stärkt.

AMERIKA DIENST 04

�Eine von beiden Parteien getragene Politik ist für
unsere derzeit geteilte Regierung nicht nur geeignet,
sondern auch zeitgemäß. Das Ende des Kalten
Krieges hat bereits die innenpolitischen Aspekte der
amerikanischen Außenpolitik ebenso stark verändert
wie es die Weltpolitik verändert hat. Jetzt besteht in
unserer außenpolitischen Debatte die größte Kluft nicht
zwischen den beiden Parteien, sondern zwischen den
Befürwortern und den Gegnern des amerikanischen
Engagements. Die führenden Köpfe beider Parteien
sind sich der Notwendigkeit einer fortgesetzten
Führungsrolle der Vereinigten Staaten bewußt.

hinsichtlich des Haushalts 1998 für internationale
Angelegenheiten erzielen. Lassen Sie es mich noch
einmal wiederholen: Die Verabschiedung dieses
Haushalts ist von elementarer Bedeutung, wenn wir
die amerikanische Führungsrolle in der Welt aufrechterhalten wollen. Wir müssen der Erosion unserer
diplomatischen Ressourcen Einhalt gebieten, die seit
einigen Jahren unsere Außenpolitik behindert. Dieser
Haushalt gibt uns die Chance, diesen Prozeß einzuleiten. Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, machen wir uns an die Arbeit.
Vielen Dank.

Eine der ersten Bewährungsproben für eine überparteiliche Politik wird die Frage sein, ob wir Einigkeit
*

AMERIKA DIENST 04

* * *

*

Seite 11

�NATO

26. Februar 1997

NATO-Erweiterung: Warum größer besser ist
von Außenministerin Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von US-Außenministerin Madeleine Albright
verfaßten Artikel, der erstmals in der Ausgabe des The Economist vom 15. Februar 1997 erschien.

Es ist eine alte diplomatische Tradition, daß amerikanische Außenminister ihre Amtszeit mit einem Besuch
bei unseren engsten Verbündeten und Partnern
beginnen. Daher werde ich diese Woche mit führenden europäischen und anschließend asiatischen
Politikern zusammentreffen, um eine gemeinsame
Tagesordnung aufzustellen. In praktisch allen diesen
Ländern sind die dominierenden Fragen des Tages ebenso wie in meinem Land - innenpolitischer Natur
und betreffen Kindererziehung, Unternehmensgründungen, Defizitabbau und den Kampf gegen die
Arbeitslosigkeit. In einer Zeit, in der auf unseren
Kontinenten relativer Friede herrscht, besteht die
Gefahr, daß die jahrzehntelange diplomatische Arbeit
und der Aufbau von Institutionen in Vergessenheit
geraten, die es der großen Mehrheit der Menschen
erst ermöglicht haben, sich mit innenpolitischen
Verbesserungen zu befassen anstatt mit dem nationalen Überleben.
Meine Botschaft bei dieser Reise lautet, daß wir zügig
unsere Arbeit tun müssen, wenn diese Ruhe andauern
und sich verbreiten soll, statt als schöne Zeit mit
tragischerweise verpaßten Chancen in die Geschichte
einzugehen. Diese Botschaft gilt in besonderer
Hinsicht für Europa. Heute ist dieser Kontinent nicht
länger zweigeteilt, aber Gefahren bleiben bestehen:
Von Bosnien bis Tschetschenien starben während der
letzten fünf Jahre mehr Europäer eines gewaltsamen
Todes als in den vergangenen 45 Jahren. Von
Serbien bis Belarus werden wir daran erinnert, daß die
demokratische Revolution in Europa noch nicht
abgeschlossen ist.
Dennoch liegt ein Ziel, das vor wenigen Jahren noch
utopisch erschien, in Reichweite: Ein friedliches und
ungeteiltes Europa, das partnerschaftlich mit den

AMERIKA DIENST 04

Vereinigten Staaten zusammenarbeitet und jede neue
Demokratie des Kontinents in unserer transatlantischen Gemeinschaft willkommen heißt.
Das ist zweifellos ein ehrgeiziges Ziel. Wir haben
jedoch zu seiner Erlangung gemeinsam bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Westeuropa steht kurz vor
der Wirtschafts- und Währungsunion. Die meisten der
am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften
Europas liegen östlich der Elbe. Rußland hat sich für
Demokratie und Marktwirtschaft entschieden und den
düsteren Prognosen über seine weitere Entwicklung
getrotzt. Eine unabhängige und auf fester demokratischer Grundlage ruhende Ukraine schließt sich Europa
an. Das entschlossene Vorgehen von Amerikanern
und Europäern hat den Kämpfen in Bosnien ein Ende
gesetzt. Die dortige Militärkoalition setzt sich aus so
vielen ehemaligen Gegnern zusammen, wie kein
Geschichtsstudent in nüchternem Zustand hätte
prognostizieren können: Frankreich und Deutschland,
Polen und Litauen, Türkei und Griechenland, Rußland
und die Vereinigten Staaten.
Viele Institutionen spielen bei diesen Bestrebungen
eine Rolle, und alle werden dieses Jahr auf eine harte
Probe gestellt. Die Europäische Union hat zugesagt,
daß sie sich erneut vergrößert und bald Entscheidungen trifft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat Polen,
Ungarn und die Tschechische Republik aufgenommen;
jetzt blickt sie auf andere marktwirtschaftliche Demokratien einschließlich Rußlands. Die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
fördert demokratische Standards, die die europäische
Integration ermöglichen - und sie geht in Bosnien
immer noch einen steinigen Weg.

Seite 1

�Aber es ist die NATO - der Dreh- und Angelpunkt der
europäischen Sicherheit und wichtigste Mechanismus
für das Engagement der Vereinigten Staaten in Europa
- die bei der Integration Europas führend ist. Sie
verändert ihre interne Struktur, um die Rolle Europas
aufzuwerten. Ihre Partnerschaft für den Frieden, in
deren Rahmen andere Länder gemeinsame Übungen
und Manöver mit dem Bündnis durchführen und
gemeinsam mit ihm planen und kooperieren können,
hat alte Gegner und lange Jahre neutrale Länder
zusammengebracht. Nach diesen Veränderungen ist
die Mitwirkung Frankreichs und Spaniens im Bündnis
stärker geworden. Die NATO ist jetzt attraktiver für
mehr Nationen, weil sie neue Herausforderungen in
Europa und darüber hinaus angeht. Die nächsten
sechs Monate werden zu den ehrgeizigsten und
schwierigsten in der Geschichte des Bündnisses
zählen.
Die Chance der NATO
Beim NATO-Gipfel im Juli dieses Jahres in Madrid
werden die führenden Politiker des Bündnisses die
internen Strukturen der NATO reformieren und mehrere Nationen zum Beitritt bis 1999 einladen. Präsident
Clinton und ich haben keine höhere Priorität als die
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten sowie mit
unseren Bürgern und dem Kongreß beim Aufbau
dieser neuen NATO. In Amerika wird es darüber
lebhafte Debatten geben, und das sollte auch so sein.
Aber ich bin zuversichtlich, daß das amerikanische
Volk und seine Vertreter zu der Überzeugung gelangen, daß eine neue und erweiterte NATO unserer
Sicherheit ebenso dient wie der Europas.
In der Debatte über die Zukunft der NATO wird die
Vergangenheit des Bündnisses allzu oft auf eine
eindimensionale Karikatur reduziert, die ihre Bedeutung für die heutigen Herausforderungen in Europa
unterschätzt. Zweifelsohne bestand während des
Kalten Krieges die Aufgabe der NATO in der Eindämmung der sowjetischen Bedrohung. Aber das war
nicht alles. Das Bündnis bot die Zuversicht und
Sicherheit, die zerrüttete Volkswirtschaften für ihren
Wiederaufbau benötigten. Es trug zur deutschfranzösischen Versöhnung bei und ermöglichte damit
die europäische Integration. Gemeinsam mit anderen
Institutionen führte es erst Italien, dann Deutschland
und schließlich Spanien wieder in die Familie europäischer Demokratien zurück. Es nahm der Verteidigungspolitik des Bündnisses den nationalen Charakter. Es stabilisierte die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei. Und alles, ohne daß ein
Schuß abgegeben wurde.
Jetzt kann die neue NATO für Osteuropa tun, was die
alte NATO für Westeuropa geleistet hat: Überwindung
alten Hasses, Förderung von Integration, Schaffung
eines sicheren Umfelds für Wohlstand, Abschreckung

Seite 2

von Gewalt in der Region, in der zwei Weltkriege und
der Kalte Krieg begannen.
Allein die Aussicht auf eine NATO-Erweiterung verlieh
Zentral- und Osteuropa mehr Stabilität, als die Region
in diesem Jahrhundert erlebt hat. Ungarn löste seine
Grenz- und Minderheitenprobleme mit der Slowakei
und Rumänien. Polen überwand eine alte Kluft und
gründete gemeinsame Friedenssicherungsbataillone
mit der Ukraine und Litauen. In der gesamten Region
mobilisierte die Unterstützung für eine NATO-Mitgliedschaft politische Parteien jeder Couleur, die sich für
einen Beitritt zum Westen aussprachen. Ein Land
nach dem anderen stellte sicher, daß Soldaten von
Zivilisten ihre Befehle erhalten und nicht umgekehrt.
Um sich der NATO anschließen zu können, lösen
diese Staaten Probleme, die zu einem zweiten Bosnien
hätten führen können. Das ist das produktive Paradoxon im Herzen der NATO: Durch die Abgabe feierlicher Sicherheitsgarantien verringern wir tatsächlich die
Möglichkeit, daß unsere Truppen erneut in Kämpfe in
Europa verwickelt werden. Gleichzeitig gewinnen wir
neue Verbündete, die bestrebt und zunehmend fähig
sind, einen Beitrag zu unserer gemeinsamen Sicherheitsagenda zu leisten - vom Kampf gegen den
Terrorismus und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Sicherung von Stabilität in
Krisenregionen wie dem ehemaligen Jugoslawien.
Die NATO-Erweiterung beinhaltet reale Kosten - für die
Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und unsere
Partner. Aber die Kosten sind zumutbar und viele
würden auch unabhängig von einer Erweiterung
entstehen. Die Mitgliedschaft anstrebende Länder
müssen ihre Streitkräfte modernisieren - ungeachtet
dessen, ob sie Bündnismitglied sind oder nicht. In
einem unsicheren Zentraleuropa ohne Bindungen
wären die Militärausgaben wahrscheinlich noch höher.
Die Entscheidung gegen eine Erweiterung würde
ebenfalls Kosten beinhalten: Sie käme der Erklärung
gleich, daß die NATO weder die Herausforderungen
angehen noch die geographischen Gegebenheiten
eines neuen Europas akzeptieren will. Die NATO wäre
der Vergangenheit verhaftet und würde Belanglosigkeit
und sogar Zerfall riskieren. Diese Kosten können wir
nicht tragen.
Reaktion auf die Kritiker
Die NATO und ihre Mitgliedstaaten haben die Gründe
für eine Erweiterung dargelegt. Jetzt ist es für die
Kritiker höchste Zeit, eine vernünftige Begründung
dafür zu geben, warum sie trotz des tiefgreifenden
Wandels in Europa eine Politik versteinerter Unbeweglichkeit befürworten. Nachdem jetzt die Grenze
der Demokratie bis zu den entlegensten Orten Europas verschoben wurde, stellt sich die Frage nach der
Logik, die Ostgrenze der NATO dort einzufrieren, wo
sie gegenwärtig liegt - entlang der Linie, an der die

AMERIKA DIENST 04

�Rote Armee im Frühjahr 1945 Halt machte. Präsident
Clinton erklärte vor zwei Jahren in Prag: "Die Grenzen
der Freiheit sollten jetzt durch neues Verhalten, nicht
durch alte Geschichte definiert werden." Oder in
diesem Fall durch alte Denkweisen. Sie auf andere
Weise zu definieren, würde nicht nur dauerhaftes
Unrecht schaffen und die in diesem Jahrhundert auf
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gebrachten
Opfer verhöhnen, sondern wäre auch eine ständige
Quelle von Spannungen und Unsicherheit im Herzen
Europas.
Manche Kritiker weisen darauf hin, daß kein potentielles NATO-Mitglied mit einer unmittelbaren militärischen
Bedrohung konfrontiert ist. Das stimmt. Aber dasselbe gilt auch für Italien. Oder Dänemark. Oder Großbritannien. Oder Island. Oder die Vereinigten Staaten.
Wenn die NATO nur für die Länder offenstünde, die
von aggressiven Nachbarn bedroht werden, käme
praktisch keines der derzeitigen Mitglieder für einen
Beitritt in Frage.
Wer die Frage stellt, "wo ist die Bedrohung?", erkennt
nicht den wirklichen Wert der NATO. Das Bündnis ist
kein Aufgebot von Sheriffs aus dem Wilden Westen,
das wir nur bei drohender Gefahr mobilisieren. Es ist
eine ständige Präsenz zur Förderung gemeinsamer
Unternehmungen und zur Verhinderung des Entstehens einer Bedrohung. Aus diesem Grund benötigen die derzeitigen Bündnismitglieder es immer noch,
und aus diesem Grund möchten ihm weitere Länder
beitreten. Die NATO braucht keinen Feind. Sie hat
dauerhafte Ziele.
Andere Kritiker behaupten, die Integration Europas
könne durch die EU erfolgen. Ferner argumentieren
sie, Zentraleuropa brauche Aktien und Wertpapiere,
nicht Waffenlager und Bomben. Sie haben sicherlich
Recht, daß die EU-Erweiterung von elementarer
Bedeutung ist. Obwohl die Vereinigten Staaten bei
diesem Prozeß kein Mitspracherecht besitzen, haben
sie großes Interesse daran, daß sie so schnell und
umfassend wie möglich erfolgt.
Die von der NATO gebotene Sicherheit war für den
Wohlstand, den die EU erwarten läßt, immer entscheidend.
Darüber hinaus verlangt die EU-Erweiterung von den derzeitigen und neuen Mitgliedern
enorme und komplexe Anpassungen von Subventionsschemata und Regelwerk. Wenn die NATO-Erweiterung schneller vonstatten gehen kann, warum
sollten wir dann so lange warten, bis die Tomatenbauern in Zentraleuropa die richtigen Pestizide einsetzen?
Und da die NATO im Unterschied zur EU eine transatlantische Institution ist, kann sie gewährleisten, daß
ein geeintes Europa weiterhin seine stärkste Bindung
zu Nordamerika hat. Die Frage lautet nicht, welcher
Institution starke Demokratien beitreten sollten,
sondern wann und wie sie zum Beitritt bereit sind.

AMERIKA DIENST 04

Ferner behaupten die Kritiker, eine NATO-Erweiterung
werde das nach dem Ende des Kalten Krieges entstandene Europa in gewisser Weise erneut spalten.
Ganz im Gegenteil! Das Bündnis hat eine Vielzahl von
Schritten unternommen um sicherzustellen, daß das
Ausradieren alter Trennlinien keine neuen auf der
Landkarte hinterläßt. Die NATO stärkt die Partnerschaft für den Frieden, bezieht die Ukraine und
Rußland ein und gibt jeder neuen Demokratie unabhängig davon, ob sie dem Bündnis früher oder
später oder überhaupt nicht beitritt - im Rahmen des
dieses Frühjahr zu gründenden Atlantischen Partnerschaftsrats ein Mitspracherecht im Hinblick auf ihre
Zukunft.
Natürlich muß die Erweiterung der NATO mit den
stärksten Kandidaten anfangen; andernfalls wäre sie
gar nicht möglich. Aber wenn wir sagen, daß die
ersten neuen Mitglieder nicht die letzten sind, meinen
wir das auch. Und wir erwarten von den neuen
Mitgliedern, die Stabilität nach Osten zu exportieren
anstatt die Erweiterung als ein Wettrennen anzusehen,
auf Kosten der eigenen Nachbarn nach Westen zu
entkommen.
Der Kern dieser Herausforderung - und eine der
wichtigsten Aufgaben der NATO - besteht im Aufbau
einer engen und konstruktiven Partnerschaft mit
Rußland. Das erfordert Vision und politischen Willen.
Es verlangt, die Klischees aus der Zeit des Kalten
Krieges aufzugeben und die europäische Sicherheit
nicht länger als Nullsummenspiel zu betrachten.
Die NATO-Erweiterung erfolgt nicht als Reaktion auf
eine neue russische Bedrohung. Beweggrund ist das
Gebot der Schaffung eines integrierten Europas - das
Rußland ein- und nicht ausschließt. Das Ziel der
Erweiterung besteht darin, Zentral- und Osteuropa einer Region, deren zukünftige Stabilität der Schlüssel
zur Zukunft Europas als Ganzes ist - dieselbe Art von
Sicherheit zu geben, die in Westeuropa bereits
selbstverständlich geworden ist. Rußland benötigt
ebenso wie alle anderen Länder Stabilität und Wohlstand im Zentrum Europas.
Ich bin mir bewußt, daß viele russische Politiker der
NATO-Erweiterung ablehnend gegenüberstehen.
Dennoch hat die NATO, die Rußland abzulehnen
vorgibt, wenig Ähnlichkeit mit dem Bündnis, das wir
tatsächlich aufbauen.
Die konventionellen und
nuklearen Streitkräfte der NATO sind dramatisch
reduziert worden. Wir haben weder den Plan noch die
Notwendigkeit oder Absicht, Nuklearwaffen auf dem
Territorium neuer Mitgliedstaaten zu stationieren. Die
Aktionen der NATO in den vergangenen sechs Jahren
lassen ein auf den Aufbau von Kooperation und nicht
Konfrontation konzentriertes Bündnis erkennen, ein
Bündnis, das - wie in Bosnien - Seite an Seite mit
Rußland zusammenarbeitet und nicht versucht, das
Land zu isolieren.

Seite 3

�Wir sind uns bewußt, daß Europa erst endgültig
ungeteilt und frei sein kann, wenn ein demokratisches
Rußland uneingeschränkter Bestandteil Europas ist.
Wir hoffen jetzt, die Russen werden erkennen, daß ihr
Mißtrauen gegenüber der NATO und ihrer Erweiterung
ungerechtfertigt ist. Wenn Rußland letztlich Teil eines
ungeteilten Europas sein möchte, dann kann es nicht
auf Länder wie Polen, Estland oder die Ukraine als
Pufferzone hoffen, die Rußland von Europa trennt.
Es ist ein Fehler zu denken, das Schicksal der russischen Demokratie stehe bei der Erweiterungsdebatte
irgendwie auf dem Spiel. Rußlands Zukunft als eine
freie und wohlhabende Nation wird von der Fähigkeit
seiner Politiker und Bürger abhängen, eine offene
Gesellschaft aufzubauen, Verbrechen und Korruption
zu bekämpfen, Wirtschaftswachstum anzukurbeln und
alle an dessen Früchten teilhaben zu lassen. Das
russische Volk weiß, daß seine Zukunft in Moskau, in
Perm, Irkutsk und sicherlich nicht in Brüssel entschieden wird. Zahlreiche Meinungsumfragen haben
ergeben, daß wenige Durchschnittsrussen Besorgnis
über ein Bündnis empfinden, das, wie viele russische
Politiker einräumen, keine akute militärische Gefahr für
Rußland darstellt.
Es läge nicht in unserem Interesse, die Erweiterung als
Reaktion auf die Behauptungen einiger Russen, sie sei
ein offensiver Akt, zu verschieben oder aus dem Gleis
zu bringen. Das würde nur die schlimmsten politischen Tendenzen in Moskau ermutigen. Es würde
eine Botschaft senden, daß sich die Konfrontation mit
dem Westen auszahlt. Mit der Integration der neuen
Demokratien Zentral- und Osteuropas abzuwarten,
würde der russischen Demokratie in keiner Weise
helfen. Es würde schwerer, nicht leichter, die Art von
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland zu
schaffen, die wir heute anstreben.
Wie Rußland einbezogen werden kann
Die NATO hat den Vorschlag unterbreitet, diese
Partnerschaft in einer Charta mit Rußland zu definieren. Die Charta würde klare Prinzipien und
Arrangements für Konsultationen, Kooperation und
gemeinsame Aktionen bei der Friedenssicherung,
Verteidigungs- und Rüstungskontrolle, nuklearen
Sicherheit, Nichtverbreitung und Notfallhilfe festlegen.
Sie würde einen ständigen gemeinsamen NATORußland-Rat gründen. Wir möchten, daß sich Rußland und unsere anderen Partner an den alliierten
Streitkräftekommandos beteiligen, die uns die gemeinsame Reaktion auf Krisen gestatten. Wir möchten,
daß die russischen Offiziere bei der Planung der
Missionen behilflich sind, die wir gemeinsam unternehmen. Als eine nicht durch NATO-Entscheidungen
gebundene Nation hätte Rußland kein Vetorecht. Aber
die Mitsprache des Landes wäre erwünscht.

Seite 4

Wir führen auch Verhandlungen zur Aktualisierung des
Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE), der die Stationierung konventioneller Waffen in
ganz Europa begrenzt. Wir laden Moskau zur Beteiligung an einem Abkommen ein, das die Streitkräfteniveaus senken sowie Stabilität und Transparenz
auf dem Kontinent fördern wird. Damit kann Rußland
sicher sein, daß die NATO-Erweiterung nicht zu einem
größeren Aufmarsch von NATO-Streitkräften entlang
seiner Grenzen führen wird. In der Tat kann es
sicherstellen, daß es keine destabilisierende Konzentration militärischen Geräts irgendwo in Europa gibt.
Wir haben gute Chancen, vordem NATO-Gipfeltreffen
im Juli Fortschritte bei diesen Themen zu erzielen. Ich
werde am 20. Februar in Moskau mit russischen
Regierungsvertretern zusammentreffen.
Präsident
Clinton wird Präsident Jelzin im März in Helsinki
treffen. Er wird im Mai für das Gipfeltreffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der EU erneut nach
Europa kommen. Die Staats- und Regierungschefs
derG-7 werden im Juni mit Präsident Jelzin in Denver
zusammenkommen. Rußland hat eine strategische
Chance zur Sicherung seiner Interessen in einem
integrierten Europa. Das Land sollte sie jetzt ergreifen.
Ich gehe diese Herausforderung und die uns in Europa
in den nächsten Jahren konfrontierenden Herausforderungen mit Zuversicht an. Und warum auch
nicht? Seit nunmehr einem halben Jahrhundert
arbeiten Europäer und Amerikaner bei der Gestaltung
der Ereignisse zusammen, statt sich von den Ereignissen bestimmen zu lassen.
Das Europa von heute steht in krassem Gegensatz zu
dem Europa, das ich als Kind nach dem Zweiten
Weltkrieg kannte. Für diejenigen, die damals noch
nicht hier waren, muß es schwer sein, sich die Tage
von Franco, Tito und Stalin, die Flüchtlinge, den
Hunger, die konstante Furcht, daß Frieden nur ein
Zwischenspiel sein könnte, das Europa, das Winston
Churchill als "einen Trümmerhaufen, ein Leichenhaus,
einen Nährboden für Pest und Haß" bezeichnete,
vorzustellen.
Gott sei Dank hatten Politiker wie Marshall, Monnet,
Bevin und Adenauer die innere Kraft für die harten und
kontroversen Entscheidungen, die für den Aufbau der
Institutionen erforderlich waren, die uns 50 Jahre des
Friedens und Wohlstands bescherten. Jetzt ist es an
uns zu handeln.
In seinem Bericht zur Lage der Nation stellte Präsident
Clinton fest, daß ein heute geborenes Kind praktisch
keine Erinnerung an das 20. Jahrhundert haben wird.
Gleichermaßen haben die heute geborenen Kinder der
transatlantischen Gemeinschaft die Chance, aufzuwachsen und ein völlig anderes Europa zu kennen.
In diesem neuen Europa werden sie den Checkpoint
Charlie nur als Museum kennen, Jalta nur als Provinz-

AMERIKA DIENST 04

�Stadt in einer souveränen Ukraine, Sarajevo nur als
friedliches Bergdorf im Herzen Europas. Die Kinder
des nächsten Jahrhunderts werden erwachsen und
kennen eine völlig andere NATO - die ihre Energien
zugunsten von Integration massiert statt ihre Streitkräfte entlang der Trennlinien zu massieren.

All dies ist möglich, wenn - und es ist kein sehr großes
wenn - wir jetzt handeln, um die Arrangements zu
stärken, die Europa so lange so gut gedient haben,
und sie auf neue Partner und Verbündete ausdehnen.
Wenn wir einmal zusammengekommen sind, können
wir uns auf das konzentrieren, was wir zusammen tun
müssen. Dieses Ziel ist jedes bißchen unserer
gemeinsamen Bestrebungen wert.

* * * * *

AMERIKA DIENST 04

Seite 5

�NATO
26. Februar 1997

Rußland hat nichts zu befürchten
von Strobe Talbott

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Stellvertretenden Außenministers Strobe
Talbott, der erstmals in der The New York Times vom 18. Februar 1997 erschien.

Außenministerin Madeleine Albright und ihr russischer
Amtskollege Jewgenij Primakow werden am Donnerstag in Moskau zusammenkommen, um Wege zur
Stärkung der Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu erörtern - trotz der russischen Vorbehalte
gegen die Entscheidung des Bündnisses zur Aufnahme neuer Mitglieder. Die Chancen für Fortschritte
werden größer sein, wenn die Russen nicht nur die
Unvermeidlichkeit der Erweiterung, sondern auch die
Gründe dafür verstehen.
Die Entscheidung zur Erweiterung des Bündnisses
begann mit einer Frage. Sollte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Pakts ein Militärbündnis in der europäischen
Landschaft bestehen bleiben, oder sollte sich die
NATO freiwillig in die Annalen der Geschichte zurückziehen?
Als Präsident Clinton 1993 seine erste Amtszeit antrat,
gelangte er zu der Schlußfolgerung, ein Bündnis sei
immer noch erforderlich, weil es weiterhin Bedrohungen der Sicherheit der Mitgliedstaaten und Europas als
Ganzem geben würde.
Er war über mehrere Eventualfälle besorgt. Einer war
ein aus ethnischen und anderen Spannungen herrührender regionaler Konflikt oder Instabilität, die innerhalb oder zwischen europäischen Staaten entstehen würden. Ein anderer war eine externe Bedrohung vom Süden oder Osten. Solche Möglichkeiten mögen weit hergeholt erscheinen, sind jedoch
besonders in einer Ära nicht undenkbar, in der sich
Raketentechnologie und Massenvernichtungswaffen
weiter verbreiten.
Dann stellte sich eine weitere Frage: Wird die NATO
selbst zu sehr mit dem Kalten Krieg identifiziert, um die

AMERIKA DIENST 04

neuen Herausforderungen zu bewältigen und neue
Chancen zu nutzen?
Sollte ein neues Bündnis
gegründet werden?
Der Präsident entschied sich aus drei Gründen für die
Anpassung des bestehenden Bündnisses. Erstens ist
es leichter und billiger, auf das bereits Bestehende
aufzubauen, statt einen völlig neuen Anfang zu
machen. Zweitens muß die NATO der Dreh- und
Angelpunkt für die amerikanische Verpflichtung zur
Verteidigung Europas bleiben. Drittens ist die NATO
eine bewährte Kraft für die friedliche Integration und
demokratische Entwicklung auf dem Kontinent.
Die NATO war nie ein rein militärisches Instrument sie hatte stets auch eine politische Funktion. Nach
dem Zweiten Weltkrieg trug das Bündnis dazu bei, daß
Italien und Deutschland Teil der transatlantischen
Gemeinschaft wurden. Es förderte die Konsolidierung
einer von Zivilisten geführten Demokratie in Spanien.
Es ebnete den Weg für die Aussöhnung zwischen
Frankreich und Deutschland und für die Europäische
Union. Sein einheitliches Kommando schaffte den
Anreiz für militärischen Wettbewerb unter den westeuropäischen Mächten ab. Es trug zur Sicherung des
Friedens zwischen Griechenland und der Türkei bei.
In der Vergangenheit und besonders im 19. Jahrhundertdienten Bündnisse nicht nur zur Führung oder
Abschreckung von Kriegen, sondern gestalteten auch
die Beziehungen zwischen ihren Mitgliedstaaten.
Insoweit die NATO dieser Tradition folgt, hat das Ende
des Kalten Krieges in der Tat seine logische Begründung untermauert - und sollte es denjenigen erleichtern, die bisher das Bündnis als notwendiges aber
vorübergehendes Übel betrachteten, es statt dessen
als dauerhaft Gutes anzusehen.

Seite 1

�Obwohl die NATO ihre militärische Fähigkeit und ihre
Kernidentität als Verteidigungsvertrag bewahrt, kann
sie sich zunehmend auf ihre politische Funktion
konzentrieren. In der Tat kann sie diese Mission auf
die ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts
ausdehnen.
Diese Erwägung hatte Präsident Clinton im Hinterkopf,
als er die schwierigste Frage - die Erweiterung des
Bündnisses - anging. Es gab nur zwei mögliche
Antworten: Ja oder Nein. "Vielleicht" oder "später,
aber nicht jetzt", würde einem "Nein" entsprechen oder
von den Zentraleuropäern zumindest so aufgefaßt
werden.
Es gab mehrere Gründe, warum die Antwort Ja lauten
mußte. Ein Teil der Mission der NATO nach dem
Kalten Krieg ist die Öffnung ihrer Türen für die neuen
Demokratien, die ihre Souveränität wiedergewonnen
haben. Sie möchten Teil der transatlantischen Gemeinschaft sein und verdienen dies auch. Ganz
Europa wird sicherer und wohlhabender sein, wenn die
postkommunistischen Länder sich weiter zu einer
bürgerlichen Gesellschaft und Marktwirtschaften
entwickeln sowie harmonische Beziehungen zu ihren
Nachbarn unterhalten.
Die bloße Aussicht auf die NATO-Mitgliedschaft
ermutigt diese Trends. Bei der Verfolgung ihres Ziels
eines NATO-Beitritts haben einige zentraleuropäische
Staaten ihre internen Reformen bereits beschleunigt
und die Beziehungen untereinander verbessert.
Umgekehrt würde eine Entscheidung gegen die
NATO-Erweiterung - und damit, die NATO nach dem
Kalten Krieg in ihrer Struktur aus dem Kalten Krieg
einzufrieren - den Zentraleuropäern eine weder
willkommene noch hilfreiche Botschaft senden. Sie
würde implizieren, daß diese in eine permanente
Pufferzone zwischen Ost und West verwiesen würden.
Es wäre höchst ungerecht und ironisch - eine doppelte
Gefahr - wenn diese Länder tatsächlich für die nächsten 50 Jahre bestraft wären, weil sie in den letzten 50
Jahren - gegen den Willen des Volkes - Mitglied des
Warschauer Pakts waren. Das daraus resultierende
Gefühl von Isolation und Verwundbarkeit wäre entmutigend und möglicherweise destabilisierend.
Wir müssen natürlich die Frage des russischen
Widerstands gegen die NATO-Erweiterung klar ins
Auge fassen. Wir sollten sie aber auch als das
erkennen, was sie ist - vornehmlich eine Frage der
Einstellung, politischer Empfindlichkeiten, keine Frage
der militärischen Realität.
Die neue NATO stellt für Rußland keine Bedrohung dar
- genausowenig wie ein demokratisches Rußland eine
Bedrohung für das Bündnis darstellt. Die Erweiterung
ist zur bequemen Zielscheibe russischer Ängste und

Seite 2

Ressentiments geworden, die in den Unsicherheiten
über die postsowjetische Identität und Rolle in der Welt
wurzeln.
Viele russische Reformer und Demokraten sowie
einige renommierte Experten aus dem Westen warnen, die NATO-Erweiterung würde nationalistische,
antiwestliche und militaristische Kräfte in Rußland
freisetzen.
Diese Gefahr ist zwar real, wird aber übertrieben
dargestellt. Sie ist durchaus zu meistern. Schwarzseherei findet in der politischen Elite Rußlands mehr
Resonanz als in der Gesamtbevölkerung. Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß der Durchschnittsrusse sich weitaus mehr Sorgen über innenpolitische
Fragen - Löhne und Gehälter, Renten und Kriminalität macht.
Das heißt nicht, daß die Bedeutung von Einstellungen
als Faktor in Politik und Diplomatie als unwesentlich
abgetan werden sollte. Aber es liegt in der Macht der
Russen, die derzeit scharf gegen ein anachronistisches Klischee der NATO angehen, ihre Einstellungen
stärker der Realität anzupassen.
Anstatt die Erweiterung als Schlag gegen den russischen Stolz und Mißtrauensvotum des Westens gegen
die Zukunft Rußlands zu betrachten, sollten sie diese
als Bestandteil eines größeren Evolutionsprozesses
akzeptieren, der Rußland nutzen kann und sollte.
Schließlich hat auch Rußland ein Interesse an einem
stabilen Zentraleuropa. Das russische Volk wurde
zweimal in diesem Jahrhundert von Kriegen heimgesucht, die in genau dieser Region begannen.
Ein wichtiger Bestandteil der Öffnung der NATO nach
Osten ist ihre Bereitschaft, den legitimen politischen
und Sicherheitsinteressen Rußlands Rechnung zu
tragen. Die Identifizierung von gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Aufgaben und Wegen zur
Vertiefung und Erweiterung der Vertrauensbildung
zwischen dem Bündnis und Rußland ist nicht nur ein
übergeordnetes Ziel des Besuchs von Außenministerin
Albright in Moskau diese Woche, sondern auch des für
nächsten Monat in Helsinki anberaumten Gipfeltreffens
zwischen den Präsidenten Clinton und Jelzin. Die
Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland,
wie sie derzeit im ehemaligen Jugoslawien stattfindet,
bietet ein Modell für den Umgang mit einem zweiten
Bosnien. Die amerikanischen Streitkräfte in Europa
verbringen nicht mehr ihre Zeit damit, sich auf den
Kampf gegen russische Truppen in Zentraleuropa
vorzubereiten. Vielmehr üben sie für friedenssichernde Operationen mit NATO-Verbündeten und anderen
Partnern, zu denen manchmal sogar die Russen
zählen.
Heute gibt es im NATO-Hauptquartier in Brüssel ein
russisches Verbindungsbüro. Wir haben eine Aus-

AMERIKA DIENST 04

�weitung dieser Austauschaktivitäten und die Einbeziehung russischer Offiziere auf allen oberen
Ebenen der Befehlsstruktur des Bündnisses vorgeschlagen.
Diese Art von Interaktion mit der NATO kann dem
russischen Militär helfen, seine Schwierigkeiten beim
Versuch einer Modernisierung zu bewältigen.
Manche haben prognostiziert, die Erweiterung werde
die Bedeutung der Nuklearwaffen für die europäische
Sicherheit erhöhen. Ganz im Gegenteil. Nach dem
Ende des Kalten Krieges hat das Bündnis bereits die

*

AMERIKA DIENST 04

*

Zahl der Nuklearwaffen in seinem Arsenal um 90
Prozent verringert. Darüber hinaus bestünde für den
Fall, daß die NATO nicht erweitert wird, die ständige
Gefahr, daß Nationalismus und militärische Rivalität in
Zentraleuropa Wiederaufleben und damit die Möglichkeit einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
schaffen könnten.
Die NATO hat sich bereits verändert - tiefgreifend,
vorteilhaft und dauerhaft. Ein wesentlicher Bestandteil
der neuen Mission der neuen NATO ist die Zusammenarbeit mit einem neuen Rußland bei der Umgestaltung Europas als Ganzem.

*

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
26. Februar 1997

Wirtschaft wird immer wichtigeres Instrument
der Diplomatie
von Alan P. Larson

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Abteilungsleiters für wirtschaftliche und
unternehmerische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson.

Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Vereinigten
Staaten hat die Wirtschaft eine wichtigere Rolle in der
Außenpolitik gespielt als heute.
Diese zunehmend interdependente Beziehung hat
zwei grundlegende Dimensionen. Die erste ist, daß
die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Weltwirtschaft heute lebenswichtiger für den Wohlstand im
Inland ist als zu jeder anderen Zeit seit dem Anfang
des 19. Jahrhunderts. Die zweite ist, daß viele der
großen außenpolitischen Herausforderungen von
heute - beispielsweise die Integration Chinas und
Rußlands in die internationale Staatengemeinschaft nur mit dem kreativen und effektiven Einsatz wirtschaftlicher Maßnahmen und Institutionen bewältigt
werden können.
Während des Kalten Krieges, als die Eindämmung der
Sowjetunion das Hauptziel war, waren Sicherheitsbündnisse das vorherrschende politische Instrument.
In der Zeit nach dem Kalten Krieg haben Wirtschaftsbeziehungen eine mindestens ebenso große Bedeutung gewonnen. Der Internationale Währungsfonds
(IWF) und die Weltbank haben Rußland zum Beispiel
außergewöhnlichen Zugang zu Ressourcen gewährt,
um die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren und die
Institutionen von einer zentral gelenkten zu einer vom
Privatsektor geleiteten marktorientierten Volkswirtschaft umzugestalten. Wir versuchen, Rußland in die
Weltwirtschaft zu integrieren, indem wir seine effektive
Beteiligung an der Welthandelsorganisation (WTO),
dem Pariser Club der offiziellen Gläubigernationen, der
OECD und dem APEC fördern.
Die Integration Chinas in das internationale politische
und wirtschaftliche System wird eine der großen
außenpolitischen Herausforderungen des nächsten

AMERIKA DIENST 04

Jahrhunderts sein. Wenn die chinesische Volkswirtschaft nur im entferntesten so weiterwächst wie in den
vergangenen Jahren, werden die Auswirkungen auf
die Weltwirtschaft tiefgreifend sein. Wir begrüßen die
wachsende wirtschaftliche Stärke und den wachsenden Wohlstand Chinas. Wir müssen jedoch sicherstellen, daß China im Einklang mit seinem wirtschaftlichen Aufschwung eine verantwortungsvolle Rolle bei
der Formulierung und Einhaltung internationaler
Regeln spielt. Aus diesem Grund unterstützen wir
Chinas Beitritt zur WTO, bestehen jedoch darauf, daß
dieser Beitritt unter wirtschaftlich soliden Bedingungen
erfolgt.
Im Nahen Osten sind die wirtschaftlichen Instrumente
und Institutionen die unerläßliche Grundlage für einen
dauerhaften Frieden. In diesem Zusammenhang spielt
die Weltbank eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung und Koordinierung von Bestrebungen zur
Entwicklung der Infrastruktur im Westjordanland und
Gazastreifen. Wir hoffen, daß die Nahost-Wirtschaftsentwicklungsbank durch die Unterstützung von
grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten, Privatinvestitionen und die Koordinierung der Wirtschaftspolitik mit der Zeit zur Überwindung der wirtschaftlichen Zersplitterung der Region beiträgt.
In Haiti und Bosnien hängen die außenpolitischen Ziele
der Vereinigten Staaten großenteils von den Anstrengungen der Geberländer auf bilateraler Ebene,
multilateraler Entwicklungsbanken und dem IWF beim
Aufbau politischer und wirtschaftlicher Institutionen ab,
die die bürgerliche Gesellschaft und Stabilität untermauern.
Das soll nicht heißen, daß militärische und regionale
Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr so wichtig sind.

Seite 1

�Weit gefehlt! Dennoch kann der effektive Einsatz
wirtschaftlicher Instrumente - insbesondere auf
multilateraler Basis - Krisen verhindern, die später eine
einseitige Intervention der Vereinigten Staaten als der
verbliebenen militärischen Supermacht mit sehr viel
höheren Opfern an Menschenleben und Gut erforderlich machen könnten.
Im innenpolitischen Bereich unternimmt die ClintonAdministration Schritte zum Wiederaufbau einer
überparteilichen Basis für die wirtschaftliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Der Präsident hat vom
Kongreß das Verhandlungsmandat für den Abschluß
von Handelsabkommen und eine solide Finanzierung
auswärtiger Angelegenheiten erbeten. Das Verhandlungsmandat ist erforderlich, wenn die Vereinigten
Staaten ihre Initiative global aufrechterhalten und in
der westlichen Hemisphäre wiedergewinnen wollen.
Die Administration bittet auch um die Unterstützung
beider Parteien, damit die Außenstände der Vereinigten Staaten bei internationalen Organisationen
und internationalen Finanzinstitutionen ausgeglichen
werden können.
Gleichzeitig unternehmen das Außenministerium und
andere amerikanische Behörden entschiedene Schritte
zur Öffnung von Märkten und Erweiterung der Handelsbeziehungen wo immer möglich.

den. Und in diesem Monat haben wir gerade entsprechende WTO-Verhandlungen abgeschlossen, bei
denen 68 Länder der Öffnung ihrer Märkte für Basistelekommunikationsdienste für Wettbewerb und internationalen Handel zustimmten.
Die Vereinigten Staaten unterstützen auch die OECDVerhandlungen zur Erlangung eines multilateralen
Investitionsabkommens (MAI). Unser Ziel beim MAI ist
die Schaffung neuer Chancen und die Einführung
besserer Schutzmaßnahmen für ausländische Investoren. Wir werden dafür sorgen, daß nicht der
OECD angehörende Länder dem Abkommen beitreten
können, so daß das Abkommen die Investitionsstandards auf der ganzen Welt verbessern könnte.
Schließlich arbeiten die Vereinigten Staaten auf die
Einführung effektiver Disziplinen zur Bekämpfung der
Wirtschaftskorruption in Übersee hin. Die OECDLänder haben vor kurzem ein Abkommen zur Beendigung der Praxis erzielt, daß Unternehmen Bestechungsgelder aus dem Ausland steuerlich absetzen
können. Zur Zeit werden Verhandlungen über eine
ähnliche Vereinbarung geführt, die von amerikanischen Handelspartnern fordert, Bestechung ausländischer Firmen als Straftat einzustufen - ein Schritt,
den die Vereinigten Staaten vor nahezu 20 Jahren mit
der Verabschiedung des Gesetzes über korrupte
Praktiken im Ausland unternahmen.

Die Vereinigten Staaten haben ein Luftfahrtabkommen
über Offene Himmel mit Deutschland, 11 anderen
europäischen Ländern, Jordanien und Singapur
abgeschlossen. Wir streben aktiv ähnliche Abkommen
mit den wichtigsten Volkswirtschaften des Pazifischen
Beckens und den Ländern Zentralamerikas an. Und
schließlich führen wir entscheidende Verhandlungen
über Offene Himmel mit Großbritannien und Japan den Toren zu Europa und Asien.

Insgesamt werden diese Initiativen die Grundlage für
eine neue Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert schaffen die auch demokratische Werte fördert. Die Disziplinen
bezüglich Bestechung werden auch zur Verhinderung
von Korruption in instabilen demokratischen Institutionen beitragen. Offene Himmel und die Datenautobahn
werden die Verbreitung von Ideen und Informationen
sowie von Waren und Dienstleistungen beschleunigen.

Zur Zeit führen wir Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation um sicherzustellen, daß die
Datenautobahn auf die ganze Welt ausgedehnt wird.
Die WTO-Verhandlungen in Singapur im Dezember
vergangenen Jahres führten zum Informationstechnologieabkommen, unter dem die Zölle auf Produkte im
Wert von über 500 Milliarden Dollar abgeschafft wer-

Wenn die Vereinigten Staaten und ihre Partner die vor
uns liegenden wirtschaftlichen Herausforderungen mit
Vision und Enthusiasmus angehen, können wir uns
alle an der Schaffung eines neuen internationalen
Wirtschaftssystems beteiligen, das unseren kollektiven
Wohlstand und unsere kollektive Sicherheit bis weit in
die Zukunft sicherstellen wird.

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIENST 04

�TELEKOMMUNIKATION

26. Februar 1996

Telekommunikation: Der Motor für wirtschaftliche
Entwicklung im nächsten Jahrhundert
von Alan P. Larson

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Artikel des Abteilungsleiters für wirtschaftliche und
unternehmerische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson.

Die heutige Weltwirtschaft erfordert eine moderne
Informationsinfrastruktur zur Förderung des Wachstums.
Die raschen
Entwicklungen
in der
Telekommunikations- und Informationstechnologie
machen den schnellen und zuverlässigen Austausch
von Daten, Aufträgen und Analysen unerläßlich für das
unternehmerische Umfeld von heute.
Die Informationstechnologie ist zum Motor für Entwicklung in allen Bereichen der Wirtschaft geworden. Vom
Fertigungsbereich bis zur Landwirtschaft, von der
Versicherungsbranche bis zur Unterhaltungsindustrie,
vom Bankwesen bis zum Umweltschutz kurbeln
Computer, Telefon, Fax, Zellularfunk und andere
Telekommunikationswunder
unseres
Zeitalters
internationales Wirtschaftswachstum an.
Beim Ministertreffen der Welthandelsorganisation
(WTO) in Singapur verpflichtete man sich zum Abbau
von Zöllen in Höhe von mehr als 500 Milliarden Dollar
auf Produkte, die für den Bau der Datenautobahn
unerläßlich sind. Ein gutes WTO-Abkommen über
Basistelekommunikationsdienste wird einen Anreiz für
Wettbewerb und Effizienz bei der Entwicklung unseres
Informationszeitalters darstellen und gewährleisten,
daß sich diese Datenautobahn auf alle Nationen
erstreckt.
Fortschritte in der Telekommunikationstechnologie
werden nicht durch staatliche Beratungen über die
Abkommen im Bereich Informationstechnologie oder
Basistelekommunikationsdienste verzögert. Bestenfalls können diese Absprachen nur dazu beitragen,
daß die Länder mit den Veränderungen Schritt halten,
die Technologie und die Industrie uns weiterhin bieten.

AMERIKA DIENST 04

Diese Abkommen helfen den Ländern, ihren Firmen
und Bürgern, vom Fortschritt zu profitieren.
Um in der heutigen Welt konkurrenzfähig zu sein,
fordern unsere Unternehmen Telekommunikationsregelungen, die vernünftig kalkulierte und wettbewerbsfähige Dienste, transparente und konsequente
Lizenzverfahren sowie wettbewerbsfreundliche und
nichtdiskriminierende Bestimmungen enthalten. In
einem Zeitalter unverzüglicher globaler Kommunikation
über eine Vielfalt von Medien sollten sich die Aufsichtsbehörden jetzt vor Augen führen, daß Hemmnisse
"Außenseiter" nicht abhalten, wie sie es einst konnten in der Tat ist das Konzept des "Außenseiters" jetzt ein
Anachronismus. Die Handelschranken schaden am
ehesten und dauerhaftesten der heimischen Industrie
des Landes, die bei den unweigerlichen Fortschritten
der Informationstechnologie hinterherhinkt.
Länder, die sich für die Entwicklung ihrer Telekommunikationsinfrastruktur und damit für den Verkehr auf
dieser Datenautobahn entscheiden, werden Akteure in
der Weltwirtschaft. Länder, die diese Entwicklung
bekämpfen, werden ihren eigenen Industrien, Unternehmern und Bürgern schaden. Selbst Entwicklungsoder einkommensschwache Länder haben die Chance, die industrielle Revolution zu überspringen und
sofort ins Informations- und postindustrielle Zeitalter
einzutreten. Viele haben sich für den Einsatz neuer
Informationstechnologien zur Ankurbelung
ihres
Wachstums im Agrarbereich und in anderen Industrien
oder dafür entschieden, sich selbst zum globalen
Ausgangspunkt der Telekommunikationsindustrie zu
machen, ihren Volkswirtschaften
unverzügliche
ausländische Direktinvestitionen und - was vielleicht

Seite 1

�am wichtigsten ist - Arbeitsplätze und Ausbildung für
ihre Menschen zur Verfügung zu stellen.
Die US-Regierung ist sich einig, daß Entwicklung im
Telekommunikationsbereich erforderlich ist, jedoch
Geld kostet. Die Weltbank hat errechnet, daß in den
nächsten fünf Jahren 60 Milliarden Dollar pro Jahr an
Kapital für den Aufbau der weltweiten Infrastruktur
benötigt werden, um die Vorteile der Informationsrevolution zu nutzen. Die Weltbank hat jedoch die für
diese Aufgabe erforderlichen 60 Milliarden Dollar
jährlich nicht angeboten. Die notwendigen Investitionen müssen vom Privatsektor angezogen werden.
Um Anreize für solche Investitionen zu schaffen, sollte
jedes Land, das möchte, daß seine Bürger mit der Welt
Schritt halten, ein regulierendes Regime im Inland
einführen, das Investitionen und Wettbewerb ermutigt.
Eine Reihe von Ländern wie Mexiko, Chile und
Singapur haben das getan, viele andere auf dem
amerikanischen Kontinent und andernorts widersetzen
sich bedauerlicherweise noch.
Die Länder müssen auch international handeln. Ein
Abkommen über Basistelekommunikationsdienste wird
den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen
im modernen Sektor bedeuten. Ein Abkommen wird
uns allen dienen, indem es einen wettbewerbsfreundlichen Rahmen zum Nutzen unserer besten und effi-

* *

Seite 2

zientesten Industrien und Dienstleistungen schafft.
Die WTO-Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste sind in die letzte Phase getreten, in der
Nationen "Angebote" zur Ankurbelung von Investitionen machen können. Wir sind optimistisch, daß die
Industrie die Regierungen drängen wird, die besten
Angebote zu unterbreiten. Das Telekommunikationsabkommen muß global sein, um dem Einflußbereich
der Technologie zu entsprechen.
Wir haben den ersten Schritt getan. Unser Markt in
Höhe von 213 Milliarden Dollar ist bereits der offenste,
wettbewerbsfähigste und effizienteste der Welt. Wir
sind jedoch noch weiter gegangen, indem wir bei
Diensten für Orts-, Fern- und internationale Gespräche
unbegrenzten Wettbewerb, 100 Prozent indirekten
ausländischen Besitz und regulative Verpflichtungen
zur Verbesserung des Wettbewerbs zugelassen
haben.
Wir fordern die Industrienationen zu entsprechenden
Angeboten auf und die Entwicklungsländer zu schrittweisen Zusagen für die künftige Liberalisierung.
Unseres Erachtens kann das Wirtschaftswachstum,
das wir am Ende des Jahrhunderts zu sehen begonnen haben, mit dem Abschluß des investitionsfreundlichsten und effizientesten Telekommunikationsabkommens fortgesetzt werden.

* *

*

AMERIKA DIENST 04

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 26.02.1997</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Albright: Ziel ist ein integriertes, stabiles und demokratisches Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Außenministerin vor Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO-Erweiterung: Warum größer besser ist&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Außenministerin Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Russland hat nichts zu befürchten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Strobe Talbott&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaft wird zum immer wichtigeren Instrument der Diplomatie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Alan P. Larson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Telekommunikation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Telekommunikation: der Motor für wirtschaftliche Entwicklung im nächsten Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Alan P. Larson&lt;/em&gt;</text>
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