<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2450" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2450?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:30:12+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2461">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/a08d0021eebf7a039017aac2cd643ae9.pdf</src>
      <authentication>04885c6577c3bc67868871fa9158b8ba</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12725">
                  <text>e

/ $r%

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

02

29.Januar 1997

AUSSENPOLITIK

INVESTITIONEN IN DIE AMERIKANISCHE
FÜHRUNGSROLLE
Abschiedsrede von Außenminister Christopher
ENTWURF EINER ÜBERPARTEILICHEN
AUSSENPOLITIK
von Außenministerin Madeleine K. Albright

ABRÜSTUNG

DIE VERRINGERUNG VON BEDROHUNGEN
Rede des designierten Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

AMERIKAS SPITZENPOSITION IN DER
WELTWIRTSCHAFT
Rede des designierten Wirtschaftsministers

PORTRAT

MADELEINE KORBEL ALBRIGHT
Porträt der neuen Außenministerin
WILLIAM S. COHEN
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Investitionen in die amerikanische Führungsrolle
Abschiedsrede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - In seiner Abschiedsrede als US-Außenminister unterstrich Warren Christopher am 15.
Januar 1997 an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in Boston (Massachusetts)
die Notwendigkeit einer besseren Finanzierung der diplomatischen Missionen der Vereinigten Staaten im
Ausland. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Abschiedsrede.

Dies ist das dritte Jahr in Folge, daß ich zu Ihnen
sprechen darf, und ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Vor einigen Jahren nahm ich mir fest
vor, jeden Januar nach Boston zu kommen, bis die
Patriots in den Super Bowl kommen. Nachdem ich
dieses Versprechen erfüllt habe, kann ich beruhigt
nach Hause gehen. Vorher möchte ich jedoch die
letzten vier Jahre Revue passieren lassen und mich
auf die Investitionen konzentrieren, die wir zur Bewahrung der Führungsrolle und des weltweiten Engagements der Vereinigten Staaten tätigen müssen.
Beim Amtsantritt unserer Administration 1993 konzentrierten wir uns auf eine Vielzahl von Herausforderungen, die dringender Aufmerksamkeit bedurften. In
Rußland befand sich die Demokratie in der Krise und
die Wirtschaft stand kurz vor dem Zusammenbruch.
Das Nuklearwaffenarsenal der ehemaligen Sowjetunion war auf vier neue Länder mit wenigen Sicherheitsvorrichtungen verstreut. Die Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Brutalität und
drohte sich auszuweiten. Nordkorea entwickelte
Nuklearwaffen. Der Friedensprozeß im Nahen Osten
war in eine Sackgasse geraten; die Verhandlungen
kamen nicht voran. Die Unterdrückung in Haiti
verursachte Flüchtlingswellen an unseren Küsten. Die
Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA war sehr zweifelhaft, was unsere
Beziehungen zur gesamten Hemisphäre gefährdete.
Im Laufe der letzten vier Jahre haben wir diese
drängenden Fragen Schritt für Schritt beantwortet und
eine dauerhafte Grundlage für unser Engagement in
einer Welt mit mehr Sicherheit und größerem Wohlstand gelegt. Tatsächlich begann die Welt des 21.

AMERIKA DIENST 02

Jahrhunderts in diesem Zeitraum unter unserer
Führung Gestalt anzunehmen. Es ist eine Welt, in der
keine Großmacht eine andere für eine unmittelbare
Bedrohung hält, in der die von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg gegründeten Institutionen an neue Herausforderungen angepaßt werden, in der offene Gesellschaften und offene Märkte einen Wettbewerbsvorteil
genießen und Amerika eine unerläßliche Nation bleibt.
Ein neues und charakteristisches Element unserer
Strategie war die Priorität, die wir dem Umgang mit
neuen globalen Fragen wie Weiterverbreitung, Terrorismus, internationalem Verbrechen, Drogenhandel
und Umweltzerstörung einräumen. Diese grenzüberschreitenden Fragen können nicht durch die traditionelle nationale Diplomatie und auch nicht auf regionaler Basis gelöst werden. Globale Probleme erfordern
globale Lösungen.
1993 ernannten wir erstmals einen Staatssekretär für
globale Angelegenheiten im Außenministerium, der
sich mit vielen dieser Fragen befassen soll. Meines
Erachtens können die seither gemachten Fortschritte
als Hauptvermächtnis der Präsidentschaft Bill Clintons
und hoffentlich auch meiner Zeit als Außenminister
betrachtet werden.
Ein zentraler Bestandteil unserer globalen Strategie ist
die Gewährleistung, daß das amerikanische Volk nicht
mit Massenvernichtungswaffen bedroht wird. Aus
diesem Grund haben wir so hart an der unbegrenzten
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und an
der Sicherung des Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot (CTB-Vertrag) gearbeitet. Aus diesem
Grund haben wir ein Programm eingeleitet, das

Seite 1

�verhindern soll, daß Nuklearwaffen aus der ehemaligen Sowjetunion in die Hände von Terroristen oder
verbrecherischen Staaten fallen. Aus diesem Grund
habe ich mich für das Einfrieren und letztlich die
Beseitigung des nordkoreanischen Nuklearprogramms
eingesetzt. Aus diesem Grund waren wir so fest zur
Stillegung des irakischen Programms für biologische
Waffen entschlossen, und aus diesem Grund wird der
Präsident in den kommenden Monaten auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention drängen.
Ebenso wichtig ist, daß wir die neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen angehen, die seit dem Ende
des Kalten Krieges deutlich sichtbar entstanden sind.
Wir haben den Kampf gegen Terror, Drogen und
Verbrechen ganz oben auf die Tagesordnung der G-7
und der Vereinten Nationen gesetzt. Infolgedessen ist
die Zusammenarbeit der Nationen auf dem Gebiet der
strafrechtlichen Verfolgung enger denn je. Wichtige
Terroristen wurden gefaßt, und viele terroristische
Gewaltakte wurden verhindert.
Ich habe die Einbeziehung von Umweltfragen in jeden
Aspekt unserer Diplomatie zu meiner persönlichen
Priorität gemacht. Auf meinen Reisen war ich bestürzt
über die explodierenden, übervölkerten Städte, die ich
in vielen Teilen der Welt sah - Großstädte wie Sao
Paulo, Mexico City, Jakarta, Manila und Kairo - Städte,
in denen Überbevölkerung und Verschmutzung
Gesundheit und Wohlergehen der Nationen und
Regionen bedrohen. Im Nahen Osten habe ich
gesehen, wie Wassermangel Quelle von Konflikten ist.
In den Neuen Unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion war ich erschrocken über die ruinösen
Auswirkungen von Verschmutzung auf die Gesundheit
des einzelnen, die Lebenserwartung und die Aussicht
auf wirtschaftliche Erholung. Vor einigen Jahren
standen diese Fragen nur selten auf unserer Tagesordnung. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt unserer
Diplomatie und werden meines Erachtens im nächsten
Jahrhundert noch mehr Bedeutung erlangen.
Eine weitere dauerhafte Hinterlassenschaft der ersten
Amtszeit des Präsidenten werden unsere Leistungen

Jenseits des Atlantiks befinden wir uns an der Schwelle zur Schaffung eines stabilen, demokratischen und
ungeteilten Europas. Die amerikanische Führungsrolle
beendete den Krieg in Bosnien und gewinnt den
Frieden. Wir haben die Führungsrolle bei der Stärkung
und Umgestaltung der NATO übernommen. Alle
neuen Demokratien Europas sind der Partnerschaft für
den Frieden beigetreten, und dieses Jahr wird die
NATO mehrere Länder zu Verhandlungen über einen
Beitritt zum Bündnis einladen. In den entscheidenden
Momenten standen wir an der Seite der Demokratie in
Rußland und haben die Tür zur Integration dieses
Landes geöffnet, einschließlich einer neuen Charta mit
der NATO.
Auch Asien geht prosperierend und in Frieden in das
nächste Jahrhundert, und seine neuen Strukturen der
Zusammenarbeit zielen darauf ab, daß das so bleibt.
Wieder war die von uns übernommene Führungsrolle
von elementarer Bedeutung. Wir haben durch die
Aufrechterhaltung unserer militärischen Präsenz
Stabilität geschaffen, unser wichtiges Bündnis mit
Japan gestärkt und gemeinsam mit Südkorea den aus
dem Norden des Landes kommenden Provokationen
die Stirn geboten. Wir haben Weitblick gezeigt, als wir
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC zu einer Befürwortung offenen
Handels veranlaßten. Wir arbeiten mit China an der
Förderung unserer gemeinsamen vitalen Interessen,
auch wenn wir unsere schwerwiegenden Differenzen
bei Fragen wie den Menschenrechten ebenfalls
ansprechen.
Im Nahen Osten sind wir der Erlangung unseres Ziels
eines umfassenden Friedens nähergekommen.
Unsere Diplomatie war entscheidend, Israel beim
Abschluß von Abkommen mit den Palästinensern
sowie einem Friedensvertrag mit Jordanien zu unterstützen. Wir trugen zur Eröffnung einer neuen Dimension des Friedensprozesses bei, indem wir die Wirtschaftsgipfel von Casablanca, Amman und Kairo zu
bedeutenden Schritten für eine Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn ermutigten. Obwohl der Frieden in den

zur Förderung unserer Wirtschaftsinteressen sein.

letzten Monaten viele harte Proben bestehen mußte,

Dank der Uruguay-Runde und des NAFTA sind die
Zölle auf amerikanische Exporte jetzt niedriger denn je.
Dank der mehr als 200 Abkommen zur Marktöffnung
haben wir 1,6 Millionen amerikanische Arbeitsplätze
geschaffen. Dank der in unserer Hemisphäre und
jenseits des Pazifiks eingegangenen Verpflichtungen
zu Freihandel haben wir die Chance, zum Mittelpunkt
eines dynamischen, offenen Marktes zu werden, der
von Chile bis Kanada und von Australien bis Korea
reicht. Wir dürfen diese Chance nicht ungenutzt
verstreichen lassen.

sind seine Errungenschaften dauerhaft und wir zu
Fortschritten entschlossen.

In jeder Region der Welt war unsere Führungsrolle
entscheidend für die Förderung unserer Interessen
und Ideale.

Seite 2

Das Hebron-Abkommen und andere gestern abend
erzielte Übereinkünfte stellen eine außerordentliche
Leistung dar. Sie zeigen, daß dem Frieden eine
machtvolle Logik innewohnt - ein Gebot, das mächtig
genug zur Überwindung der Rückschläge und dem
Zögern der letzten Monate ist.
Das Hebron-Protokoll und die von den Vereinigten
Staaten entworfene Note sind ein klarer Kurs für die
Zukunft. Sie setzen Verpflichtungen fest und geben
Israel und den Palästinensern einen Zeitrahmen für die
Umsetzung der bereits erzielten Abkommen. Ferner

AMERIKA DIENST 02

�setzt die Note einen Zeitpunkt für die Aufnahme der
Verhandlungen über den endgültigen Status fest.
Nachdem die Parteien diesen schwierigen Schritt
getan haben, dürfen sie nicht müde werden und die
Hände in den Schoß legen. Sie müssen diese neue
Dynamik nutzen, um bei der Schaffung des Friedens
Fortschritte zu machen, der im Interesse von Israelis
und Palästinensern gleichermaßen liegt. Und wir
müssen daran denken, daß wir den Parteien bei der
Erlangung eines Abkommens aufgrund unserer
Führungsrolle und unseres Engagements helfen
konnten und weil wir über die Mittel zur Unterstützung
derjenigen verfügen, die um des Friedens willen
Risiken eingehen.
In der westlichen Hemisphäre sahen wir eine dramatische Bewegung zu offenen Gesellschaften und
offenen Märkten - in einer Region, die weltweit den am
schnellsten wachsenden Markt für amerikanische
Exporte darstellt. Als der demokratische Trend in der
Hemisphäre durch die verbrecherischen Diktatoren in
Haiti bedroht wurde, handelten die Vereinigten Staaten
entschlossen, um die legitime Regierung wiedereinzusetzen. Als durch die Finanzkrise in Mexiko die
freien Märkte in Gefahr gerieten, war unsere Führungsrolle zur Wiederherstellung des Vertrauens
vonnöten.
In Afrika sind wir auf einem Kontinent engagiert, der
jetzt an einem Scheideweg angelangt ist - einem
Punkt, an dem eine solide Politik und stetiges internationales Engagement den Unterscheid zwischen Krieg
und Frieden, Armut und Wachstum bewirken können.
Aus diesem Grund haben wir entschlossene Bestrebungen zur Ermutigung von Demokratie, Lösung von
Konflikten und Förderung von Handel und Investitionen
unternommen. Aus diesem Grund arbeiten wir an der
Aufstellung einer Krisenreaktionstruppe für Afrika, die
die Länder der Region in die Lage versetzen soll, auf
Notsituationen mit ihren eigenen Soldaten, aber mit
finanzieller und logistischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu reagieren.
In all diesen Bereichen sind die von uns erzielten
Leistungen das beste Argument für eine prinzipientreue und starke Politik des amerikanischen Engagements in der Welt. Aufgrund unserer militärischen und
wirtschaftlichen Macht und weil man Vertrauen in uns
setzt, daß wir die universellen Werte wahren, gibt es
Zeiten, zu denen nur Amerika eine Führungsrolle
übernehmen kann. Wir müssen führen - nicht weil die
Übernahme einer Führungsrolle ein Selbstzweck ist,
sondern weil sie zur Förderung der Interessen und
Ideale unserer großartigen Nation erforderlich ist.
Das ist die zentrale Lektion unseres Zeitalters. Weil
die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle übernahmen, endet ein Jahrhundert, das nie sicher genug

AMERIKA DIENST 02

für die Demokratie war, mit einer Zunahme von
Frieden und Freiheit. Das Ende des Kalten Krieges
hat die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle nur noch verstärkt. Wie Präsident Clinton sagte:
"Dies ist das großartigste Zeitalter menschlicher
Möglichkeiten in der Geschichte, das besondere
Chancen, aber auch besondere Pflichten impliziert."
Die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle
wird in unserem Land selten in Zweifel gezogen.
Heute wird jedoch unsere Fähigkeit zu führen in Frage
gestellt. Lassen Sie mich das erklären: Niemand im
öffentlichen Leben wird aufstehen und sagen "wir
können uns erlauben, uns zurückzuziehen, wir können
unsere Verpflichtungen ignorieren; wir können Amerika
mit einer Mauer umgeben". Die Kongreßabgeordneten
sagen mir nicht: "Schließen Sie einige unserer Botschaften, rollen Sie die Flagge ein und bringen Sie
unsere Diplomaten bis Weihnachten nach Hause
zurück."
Im Gegenteil: Der Kongreß protestiert immer, wenn wir
widerwillig die Schließung einer Mission infolge von
Haushaltskürzungen des Kongresses beschließen
müssen. Darüber hinaus verringert der Kongreß zwar
unser Budget, fordert uns aber regelmäßig auf, unser
globales Engagement zu erhöhen, indem wir die NATO
erweitern, die Unabhängigkeit der russischen Nachbarn unterstützen, Investitionen in Afrika fördern und
die Arbeitnehmerrechte in Asien schützen, um nur
einige Beispiele zu nennen.

Natürlich hat der Kongreß Recht, wenn er sagt, wir
sollten das alles tun. Aber unsere Außenpolitik wird
nicht durch Rhetorik oder Absichtserklärungen unterstützt. Reden ist billig, die Übernahme einer Führungsrolle nicht.
Eine Führungsrolle in der Außenpolitik erfordert
Ressourcen: Genügend Ressourcen, damit unsere
Botschaften geöffnet bleiben und unsere Mitarbeiter
weiterhin gut ausgebildet werden können. Genügend
Ressourcen, um konstruktive Beziehungen zu den
Großmächten der Welt zu unterhalten. Genügend
Ressourcen, um unseren Einfluß durch internationale
Institutionen zu multiplizieren. Genügend Ressourcen,
um aufstrebenden Demokratien, die eines Tages zu
Verbündeten und Exportmärkten werden können,
gezielte Hilfe zu bieten. Genügend Ressourcen, um
neue Bedrohungen wie Terrorismus und internationales Verbrechen zu bekämpfen.
Das größte Problem für unsere Außenpolitik heute ist,
ob wir das ausgeben werden, was wir für eine effektive
Außenpolitik ausgeben müssen. Seit 1985 wurden
unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten in
realen Zahlen um 50 Prozent gekürzt. 50 Prozent.
Unser Haushalt für auswärtige Angelegenheiten
beträgt jetzt nur etwas über ein Prozent des gesamten
Bundeshaushalts.

Seite 3

�Das Erstaunliche daran ist, daß diese Kürzungen nicht
von einer ernsthaften Debatte im Kongreß begleitet
wurden. Sie waren nicht durch eine Neubewertung
unserer Interessen in der Welt motiviert. Wie ich
bereits sagte, ist im Prinzip jeder für die amerikanische
Führungsrolle. Nur denken einige, wir könnten diese
Führungsrolle übernehmen, ohne den Preis dafür zu
bezahlen. Infolgedessen sind wir durch eine neue
Form des Isolationismus gefährdet, der eine amerikanische Führungsrolle erfordert, aber Amerika der
Fähigkeit zu führen beraubt.
Ein Opfer unserer unzulänglichen Ressourcen wird
das Prinzip der Universalität bei unserer Vertretung im
Ausland sein - das Prinzip, daß es in praktisch jedem
Land eine US-Mission geben sollte. Haushaltskürzungen haben uns gezwungen, mehr als zwei Dutzend
Konsulate und mehrere Botschaften zu schließen.
Wenn das Ausbluten andauert, haben wir keine andere
Wahl, als noch mehr Einrichtungen zu schließen.
In einer unberechenbaren Welt benötigen wir eine
Stimme in jeder Nation. In den vergangenen Jahren
haben wir immer wieder gesehen, wie lebenswichtig
unsere Präsenz sein kann, häufig zu ungewöhnlichen
Zeiten an ungewöhnlichen Orten. Über 170 Nationen
hatten das gleiche Mitspracherecht an der Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und der Verabschiedung des CTB-Vertrags - und den gleichen
Bedarf, von amerikanischer Diplomatie vor Ort überzeugt zu werden. Wir hätten das Friedensabkommen
von Dayton nicht aushandeln können, wenn wir nicht
Botschaften in allen ehemaligen jugoslawischen
Republiken gehabt hätten. Wir brauchten Menschen
vor Ort in jeder Hauptstadt auf dem Balkan, um
Informationen zu sammeln, Verhandlungen zu führen,
Greueltaten aufzudecken, den Weg für unsere Truppen zu ebnen und nicht zuletzt unser Engagement zu
demonstrieren.
Ebenso hätten wir mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit Belarus, Kasachstan und die
Ukraine nicht von der Aufgabe der Nuklearwaffen auf
ihrem Territorium überzeugen können, wenn wir nicht
beschlossen hätten, beim Zusammenbruch der
Sowjetunion Botschaften in allen Neuen Unabhängigen Staaten zu eröffnen. Und dennoch, wenn wir uns
mit einer Situation wie dem Zusammenbruch der
Sowjetunion oder Jugoslawiens konfrontiert sähen,
bezweifle ich, daß wir uns die Eröffnung der erforderlichen neuen Einrichtungen leisten könnten.
Haushaltskürzungen haben auch die Menschen
gezwungen, die für unsere Nation im Ausland tätig
sind, unter unerträglichen Bedingungen zu arbeiten.
Unsere Diplomaten in Peking arbeiten mit veralteter
Technologie in zerfallenden Gebäuden. In unserer
Botschaft in Angola, die der zentrale Ort der Gespräche zur Beendigung des Bürgerkriegs in diesem Land
ist, arbeiten unsere Mitarbeiter behelfsmäßig in

Seite 4

Wohnwagen. Unsere Botschaft in Tadschikistan
operiert in einem Hotel aus der Sowjetära. Wasser
und Strom werden manchmal tagelang abgeschaltet,
und unsere Diplomaten müssen Krüge mit Wasser
nach oben tragen. Das sind die Menschen, an die wir
uns wenden, wenn Amerikaner in Schwierigkeiten
geraten, wenn unsere Unternehmen Hilfe bei der
Erschließung neuer Märkte benötigen, wenn wir
Terroristen und Drogenbarone verfolgen müssen.
Eines der wichtigsten Instrumente unserer Diplomatie
ist Auslandshilfe. Diese Programme geben uns den für
eine effektive Diplomatie erforderlichen Handlungsspielraum. Sie helfen uns, Konflikte und Katastrophen
zu verhindern. Wie eine Krise nach der anderen
bewiesen hat, sind die Kosten der Verhinderung nie so
hoch wie der Preis der Vernachlässigung. Wie haben
bereits fast ebenso viel Geld nur für die Bewältigung
der kurzfristigen Krisen in Ruanda und Burundi
aufgewandt wie wir letztes Jahr zur Förderung von
Entwicklung und Frieden in ganz Afrika ausgeben
konnten.
Unsere Hilfsprogramme haben in den vergangenen
zehn Jahren in realen Zahlen um 37 Prozent abgenommen. Die Hälfte unserer bilateralen Hilfe wird
heute zur Unterstützung des Nahostfriedensprozesses
aufgewandt. Diese Mittel fördern unsere vitalen
Interessen und müssen in vollem Umfang erhalten
werden. Aber die Hilfe für Israel, Ägypten und Jordanien wird unweigerlich unter Druck - möglicherweise
unwiderstehlichen Druck - geraten, wenn unsere
anderen Hilfsprogramme weiterhin dezimiert werden
und dieses Ungleichgewicht zunimmt.
Unsere Diplomaten tragen auch zur Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft
bei. In der Tat haben wir in den vergangenen vier
Jahren einen tiefgreifenden kulturellen Wandel in
unseren Botschaften vollzogen. Sie unterstützen jetzt
aggressiv amerikanische Unternehmen dabei, Verträge abzuschließen und sie im Ausland durchzuführen. Amerikanische Geschäftsleute haben mir erzählt,
wie sehr ihnen dieser Aspekt unseres "Amerikabüros"
im Außenministerium geholfen hat. Aber jetzt höre ich
eine andere Botschaft. Sie sagen, daß unsere Botschafter enorme Anstrengungen unternehmen, die
Kürzungen die Personaldecke jedoch so dünn gemacht haben, daß sie nicht mehr das tun können, was
sie möchten um zu helfen.
Ein anderes Opfer ist unsere Unterstützung für
internationale Institutionen, einschließlich der internationalen Finanzinstitutionen und der Vereinten Nationen. 50 Jahre lang haben die Vereinigten Staaten in
den Vereinten Nationen eine Führungsrolle übernommen, weil sie ein wertvolles Instrument zur Förderung
unserer Interessen sind. Jetzt sehen wir uns mit
krassen Alternativen konfrontiert. Wir können weiterhin über die Vereinten Nationen globale Heraus-

AMERIKA DIENST 02

�forderungen bewältigen, wo wir die Last mit über 180
Nationen teilen. Oder wir können sie alleine meistern,
unsere Soldaten zwingen, das gesamte Risiko zu
übernehmen und unsere Steuerzahler, die Rechnung
zu begleichen. Das ist unsere Wahl.
Teils aufgrund der Außenstände der Vereinigten
Staaten sind die Vereinten Nationen bei der Ausführung von Ausgaben behindert, die für unsere
Interessen von großer Bedeutung sind - Friedenssicherung, Flüchtlingsoperationen, Menschenrechte,
weltweite Gesundheitsfürsorge - um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn wir unsere Beiträge nicht
bezahlen, setzen wir auch unsere Fähigkeit aufs Spiel,
kleinere, abgespeckte Vereinte Nationen zu gestalten.
Aber unsere Reformkampagne hat begonnen, Fortschritte zu zeitigen. Die Vereinten Nationen haben
einen neuen Generalsekretär, eine Führungspersönlichkeit mit der Fähigkeit und Überzeugung, die
Vereinten Nationen zu einer effektiven Institution für
das nächste Jahrhundert zu machen. Die Vereinten
Nationen müssen das Ihre tun. Aber wir auch das
Unsere. Es ist an der Zeit, unsere Beiträge und unsere
Schulden zu bezahlen. Es ist an der Zeit zu erkennen,
daß wir nicht gleichzeitig Reformen durchführen und
uns zurückziehen können.
Im umfassenderen Sinn ist es an der Zeit zu erkennen,
daß wir ein vitales nationales Interesse an der angemessenen Finanzierung unserer internationalen
Bestrebungen haben. Ebenso wie wir unsere militärische Einsatzbereitschaft bewahren müssen, indem
wir Streitkräfte und Stützpunkte auf der ganzen Welt
unterhalten, müssen wir unsere diplomatische Einsatzbereitschaft bewahren, indem wir die Menschen und
Programme unterstützen, die unsere Soldaten aus
einem Krieg heraushalten. In einer Welt realer Gefahren wird die Last der Führung unweigerlich unserem
Militär übertragen, wenn es uns nicht gelingt, unsere
diplomatische Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Die Kosten werden an verpaßten Chancen und
verlorenen Menschenleben gemessen.
Unser Verteidigungsministerium hat eine kluge
Strategie erarbeitet, um zwei nahezu gleichzeitige
größere regionale Konflikte zu bewältigen. Während
unser Verteidigungsministerium die Fähigkeit zur
Bewältigung von zwei Krisen hat, sieht sich das
Außenministerium der Gefahr ausgesetzt, ein Budget
zu haben, mit dem keine einzige Krise bewältigt
werden kann.
Wir können nicht auf eine Krise in einem Teil der Welt
reagieren, ohne Mittel von einem wertvollen Programm
in anderen Regionen abzuziehen. Zur Unterstützung
der Stationierung unserer Truppen in Haiti mußten wir
beispielsweise die Hilfe für die Türkei kürzen. Um den
Waffenstillstand im Nordirak zu überwachen, mußten
wir Mittel für den Friedensprozeß in Guatemala

AMERIKA DIENST 02

abziehen. Wenn heute eine neue Krise entstehen
würde, müßten wir die Wahl treffen: Welches langfristige Interesse - wahrscheinlich ein bereits unzureichend finanziertes langfristiges Interesse - sollte
geopfert werden, um den kurzfristigen Bedarf zu
erfüllen?
Ich fordere den Kongreß zur Überprüfung der Aushöhlung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft und
zur überparteilichen Unterstützung des Haushalts des
Präsidenten für auswärtige Angelegenheiten auf. Das
ist eine Herausforderung, die gemeistert werden muß,
wenn wir unsere Stärke im nächsten Jahrhundert
bewahren wollen.
Während ich aus diesem Amt scheide, habe ich viele
Gründe, optimistisch bezüglich der Zukunft zu sein.
Ich weiß, daß Präsident Clinton immer wieder - von
Haiti bis Bosnien, von Mexiko bis Rußland oder China
- die harten Entscheidungen getroffen hat, die eine
Führungsrolle erfordern, und ich weiß, er wird das
auch in Zukunft tun. Ich weiß, daß auch Botschafterin
Albright eine eloquente und effektive Verfechterin der
amerikanischen Tradition des globalen Engagements
sein wird. Ich weiß, daß die Männer und Frauen in
unserem auswärtigen und öffentlichen Dienst mit
einem vernünftigen Maß an Unterstützung weiterhin
unsere Interessen in jedem Teil der Welt fördern
werden, trotz der Härten und Gefahren, die sie auf sich
nehmen und erdulden.
Ich bin optimistisch, weil ich weiß, daß das amerikanische Volk an unserer Seite steht. Bei meinen Reisen
durch das Land habe ich gesehen: Die Amerikaner
sind stolz, daß wir die führende Nation der Welt sind
und sie wissen, daß mit der Führungsrolle Verantwortung einhergeht. Sie sehen den Beweis, der
Isolationisten entgeht: Daß die Sicherheit unserer
Nation von der Einsatzbereitschaft unserer Diplomaten
als unserer ersten Verteidigungslinie abhängt, daß die
Sicherheit unserer Straßen von unserem Kampf gegen
Drogen und Terror im Ausland abhängt, daß unsere
Arbeitsplätze im Inland von der Gesundheit unserer
Weltwirtschaft abhängen.
Ich bin optimistisch, weil meine eigene Karriere eine
inspirierende Periode in der Geschichte des amerikanischen Engagements in der Welt umspannt. Wenn
wir nicht alle eine große Überraschung erleben, werde
ich der letzte Außenminister sein, der im Zweiten
Weltkrieg gedient hat. Meine Erinnerungen an diese
Zeit und meine Erfahrungen der letzten 50 Jahre
lehren mich, Vertrauen in die Entscheidungen zu
haben, die die Amerikaner treffen werden.
Nach meinem Schulabschluß im Jahr 1949 arbeitete
ich für Richter William O. Douglas. Gegen Ende des
Jahres bei ihm bat ich ihn um einen Rat. Er antwortete: Begib Dich in den Strom der Geschichte und
schwimme so schnell Du kannst. Ich war sehr viel

Seite 5

�länger darin als ich mir je vorgestellt hätte, aber ich
möchte Ihnen erzählen, was ich auf dem Weg gesehen
habe.
Ich sah eine ganze Generation von Politikern beider
Parteien, die unser Interesse erkannten, Deutschland
und Japan wiederaufzubauen, so daß sie unsere
starken Verbündeten und Handelspartner werden
konnten. Ich sah das amerikanische Volk Investitionen
tätigen, die sich in einem halben Jahrhundert des
Friedens und Wohlstands und dem Sieg der Freiheit im
Kalten Krieg auszahlten. Als Außenminister habe ich
ehemalige politische Gefangene wie Havel und
Mandela gesehen, die jetzt die Präsidenten ihrer
Länder sind. Ich habe gesehen, wie frühere Gegner
zu unseren Verbündeten wurden. Ich habe einst

Seite 6

verarmte Länder gesehen, die unsere führenden
Exportmärkte wurden. Auf der ganzen Welt würdigen
die Menschen die Vereinigten Staaten für ihre Hilfe bei
dieser Umgestaltung und sie blicken auf uns, diese
Führungsrolle fortzusetzen.
Heute wie damals bedeuten Bündnisse Frieden,
bedeutet Engagement größere Sicherheit, bringt
Führung Freunde an unsere Seite. Und Ihre Generation hat eine noch größere Chance als meine: Sie
haben den Schlüssel, der die Tür zu einem weiteren
Amerikanischen Jahrhundert öffnet. Aber Sie haben
auch die Verantwortung, die Investitionen zu tätigen,
die meine Generation vornahm - die Investitionen, die
eine Führungsrolle verlangt, die Investitionen, die
diese Welt noch sicherer, freier und besser machen.

AMERIKA DIENST 02

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik
von Außenministerin Madeleine K. Albright

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Sunday New York Times vom 26.
Januar 1997.

Vor einem halben Jahrhundert schrieb Dean Acheson,
man müsse bei der Schaffung eines neuen Zeitalters
dabei sein. Auch wir haben heute dieses Privileg und
die Verantwortung, die damit einhergeht.
Damals hatten unsere Politiker den Weitblick, ein
starkes Amerika zu bewahren und gleichzeitig die
demokratischen Kräfte auf der Welt zu stärken und
Institutionen wie die NATO, die Vereinten Nationen und
die Weltbank aufzubauen, um internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftswachstum zu fördern.
Sie taten dies auf überparteilicher Ebene.
Heute wird ein neuer Rahmen für die amerikanische
Führungsrolle geschaffen, der an die Erfordernisse
eines neuen Jahrhunderts angepaßt ist. Der Erfolg
dieser neuen Führungsrolle wird in beträchtlichem Maß
davon abhängen, ob der nach dem Zweiten Weltkrieg
entstandene Geist der Überparteilichkeit wiederbelebt
werden kann.
Zyniker könnten argumentieren, daß der Ruf einer
Administration nach Überparteilichkeit weniger durch
Prinzipien als durch eine Fähigkeit zu zählen motiviert
ist. Und wir werden zweifelsohne Stimmen von beiden
Parteien im Kongreß benötigen, um viele unserer
außenpolitischen Initiativen fortzuführen. Aber Überparteilichkeit paßt auch in unsere Zeit.
Jahrzehntelang hat der Kalte Krieg nicht nur Nationen,
sondern alle charakterisiert, die sich mit Außenpolitik
befassten. Heute bedeuten die Etiketten der Vergangenheit - Falke, Taube, liberal, konservativ - wenig.
Die größte Kluft besteht zwischen den Befürwortern
und Gegnern des amerikanischen Engagements, eine
Kluft, die keine Parteigrenzen respektiert.

AMERIKA DIENST 02

Glücklicherweise werden beide Parteien von Menschen angeführt, die die Bedeutung der amerikanischen Führungsrolle verstehen. Das ist wichtig, weil
eine überparteiliche Außenpolitik uns gestattet, mit
größerer Glaubwürdigkeit auf der Weltbühne zu
handeln. Sie fördert das Vertrauen unserer Verbündeten und den Respekt derjenigen, die versucht sind, uns
ablehnend gegenüberzustehen. Sie hilft uns, einen
diplomatischen Part - als Friedensstifter und Problemlöser- zu spielen, den andere Nationen nicht übernehmen können, und hebt damit unser Prestige bei
gleichzeitiger Förderung unserer Interessen. Und sie
verstärkt Amerikas Rolle als Modell für die Stärkung
demokratischer Kräfte.
Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten über
Taktiken werden die Aussichten für Überparteilichkeit
durch die bestehende breite Unterstützung unserer
vorrangigen Ziele verbessert. Es besteht ein Konsens
über die Notwendigkeit, Wohlstand im Inland durch die
Förderung einer offenen und expandierenden Weltwirtschaft zu mehren und über die Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten, um ein zunehmend vereintes,
demokratisches und stabiles Europa zu schaffen.
Beide Parteien sind sich der Bedeutung bewußt, eine
asiatisch-pazifische Gemeinschaft mit gemeinsamen
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zielen
aufzubauen und zur Beilegung gefährlicher Dispute im
Nahen Osten und anderen strategischen Regionen
beizutragen. Wir alle wollen die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen aufhalten und Terrorismus,
Drogenhändler und internationales Verbrechen
bekämpfen. Und es besteht eine Verpflichtung zur
Stärkung der Kräfte auf der ganzen Welt, die sich für
Menschenrechte, Demokratie, Entwicklung, eine
gesunde Umwelt und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.

Seite 1

�Natürlich werden die mit diesen Prioritäten einhergehenden Fragen einer eingehenden Prüfung und
Erörterung unterzogen. Das sollte auch so sein.
Während dem Kongreß die Verantwortung zukommt,
eine vernünftige Erwartungshaltung einzunehmen, wird
die Administration die Last der Beweise tragen.
Unsere Aufgabe wird sein, die Verbindung zwischen
unseren umfassenden Zielen und den vor uns liegenden Themen zu schaffen: NATO-Erweiterung, Eindämmung verbrecherischer Regime, Gestaltung
wichtiger bilateraler Beziehungen (einschließlich der
zu China, Rußland und der Ukraine) sowie unsere
Strategien in häufig unbeachteten Regionen von
Lateinamerika, Afrika und Südasien. Die Komplexität
dieser Aufgabe wurde noch in der vergangenen
Woche durch Fragen über die Absichten Pekings in
Hongkong, ein Aufflammen der Spannungen bezüglich
Zyperns und eine neue Runde der Gewalt in Zaire und
Ruanda unterstrichen.
Die Hoffnung, daß Überparteilichkeit den Übergang
von Rhetorik zu Realität bewältigen kann, wird bald auf
die Probe gestellt.
Am 6. Februar wird der Präsident einen Haushalt
vorlegen, der das Defizit weiter verringert, internationale Prioritäten berücksichtig und den Vorschlag
einer Rückzahlung unserer Schulden bei den Vereinten Nationen und multilateralen Banken enthält. Die
Verabschiedung dieses Haushalts ist unerläßlich,
wenn wir die Instrumente haben wollen, um Einfluß auf
die Ereignisse zu nehmen, statt nur auf sie zu reagieren. Zur Bewahrung der Stärke Amerikas benötigen
wir nicht nur ein Militär von Weltklasse, sondern auch
eine Diplomatie von Weltklasse. Dennoch wurden in
den letzten Jahren die Ausgaben für internationale
Angelegenheiten - die normalerweise ein Prozent des
Bundeshaushalts ausmachen - drastisch gekürzt, und
unsere diplomatische Präsenz in Übersee wurde
verringert.
Wenn ich dem Kongreß unseren Haushaltsantrag
vorlege, bin ich mir meiner Pflicht bewußt, unsere
Pläne und Prioritäten mit einer Logik zu erläutern, die
die Amerikaner verstehen. Und ich werde alles in
meiner Macht Stehende tun, damit die Steuerzahler
die volle Dividende ihrer Investition erhalten. Ein wei-

*

Seite 2

terer Test der Überparteilichkeit wird kommen, wenn
die Administration um die baldige Zustimmung des
Senats zur amerikanischen Beteiligung an der unter
den Präsidenten Reagan und Bush ausgehandelten
Chemiewaffenkonvention ersucht. Wenn wir nicht vor
dem 29. April handeln, werden wir keine Gründungspartei des Vertrags sein. Wir würden unseren Interessen schaden, indem wir uns davon abhalten, zur
Formulierung der Regeln beizutragen, nach denen der
Pakt verifiziert wird.
Der Vertrag verkörpert eine Verpflichtung zu unserer
Sicherheit und zum Schutz unserer Streitkräfte. Er
wird von vielen in beiden Parteien, der Geschäftswelt
und dem Militär unterstützt. Aber er hat auch seine
Gegner.
Das amerikanische Volk verdient eine
gesunde Debatte, in der die amerikanischen Interessen abgewogen werden und eine rechtzeitige
Abstimmung stattfindet.
Ich habe einen Großteil meines Lebens im Kongreß
gearbeitet oder ihn studiert. Ich weiß, daß Überparteilichkeit keine Einbahnstraße ist. Ich weiß auch, daß
die Gesetzgeber fast immer das Gefühl haben, sie
seien zu außenpolitischen Fragen nicht ausreichend
konsultiert worden, während die Außenminister
manchmal das Gefühl haben, daß sie nichts anderes
tun, als Konsultationen mit dem Kongreß zu führen.
Die Überbrückung dieser divergierenden Perzeptionen
wird harte Arbeit und guten Willen erfordern.
Als Außenministerin werde ich den Kongreß vor die
Herausforderung stellen, konstruktiv in dem zu sein,
was er von uns fordert, aber meine Tür und auch ich
werden stets offen sein, um möglichst eingehende
Konsultationen sicherzustellen.
In unserer Demokratie ist Überparteilichkeit niemals
absolut. Aber die Geschichte bietet uns die Chance
am Ende des Jahrhunderts, den Geist der Zusammenarbeit wiederzubeleben, der unserer Nation und der
Welt früher gut gedient hat. Indem wir dem Ansatz
unserer gigantischen Vorgänger - Truman, Eisenhower
und Marshall - folgen, können wir ihrer Generation die
Anerkennung zollen, die sie verdient und der nächsten
Generation die Sicherheit geben, die sie verdient.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�ABRÜSTUNG

29. Januar 1997

Die Verringerung von Bedrohungen
Rede des designierten Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Verteidigungsminister William Cohen erklärte in seiner Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats am 22. Januar 1997, obwohl "die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein krisengeschüttelter und gefährlicher Ort".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des designierten Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich fühle mich sehr geehrt, heute als von Präsident
Clinton ernannter Verteidigungsminister hier reden zu
dürfen.
Nahezu zwei Jahrzehnte lang hatte ich das Privileg,
mich als Senator und Mitglied Ihres Ausschusses mit
nationalen Sicherheitsangelegenheiten zu befassen
und habe in dieser Zeit mit sechs Verteidigungsministern zusammengearbeitet. Dank dieser Erfahrung habe ich ein Gefühl für die enorme Verantwortung
dieser Position bekommen. Aber seit dem 5. Dezember weiß ich das Gewicht dieser Verantwortung noch
mehr zu würdigen und fühle mich durch das von
Präsident Clinton in mich gesetzte Vertrauen zutiefst
geehrt.
Daß Präsident Clinton mich zum Verteidigungsminister
ernannt hat, ist meines Erachtens ein deutliches Signal
seiner Verpflichtung zu dem Prinzip, daß die Sicherheit
unserer Nation keine parteipolitische Angelegenheit ist
und auch nicht sein sollte - ein Prinzip, das ich während meiner gesamten Karriere im öffentlichen Dienst
aufrechtzuhalten versuchte. Es war für mich eine
äußerst befriedigende Erfahrung als Gesetzgeber,
wenn es mir gelang, einen Konsens für eine starke,
kohärente und tragfähige Verteidigungspolitik zu
erlangen, um Amerikas globale Interessen zu schützen
und zu fördern.
Wie der Präsident in seiner Rede bei der Einführung in
seine zweite Amtszeit betonte, war diese Zusammen-

AMERIKA DIENST 02

arbeit auch entscheidend für die Bewahrung der
amerikanischen Führungsrolle in der Welt.
Die
Schaffung unserer Bündnisse nach dem Zweiten
Weltkrieg wäre ohne überparteiliche Zusammenarbeit
nicht möglich gewesen, und genau das wird von uns
gefordert, wenn wir diese Bündnisse an die Welt nach
dem Kalten Krieg anpassen und andere Maßnahmen
ergreifen, um dieses vor uns liegende neue Zeitalter zu
gestalten.
Obwohl es immer Raum für legitime Diskussionen über
nationale Sicherheitsfragen geben wird, sollten
Parteilichkeit und Kirchturmdenken in unseren Erörterungen fehl am Platz sein - sei es in der Exekutive, den
Teilstreitkräften oder dem Kongreß. Wir müssen uns
vor Augen führen, daß am Ende jeder Debatte die
Soldaten, Seeleute, Flieger und Marineinfanteristen
stehen, die von uns eine Führungsrolle und keine
Tricks, Unterstützung und nicht politischen Zwist
erwarten.
Denn obwohl die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein
krisengeschüttelter und gefährlicher Ort. Feindlich
gesinnte Regime und Instabilität bedrohen unsere
Interessen in Schlüsselregionen wie Südwest- und
Nordostasien. Instabilität, Nationalismus und ethnische Spannungen stellen Gefahren in Europa dar.
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
bedroht unsere Interessen, unsere Streitkräfte und
sogar unser Heimatland. Und die Bedrohungen durch
Terrorismus, internationales organisiertes Verbrechen
und Drogenhandel bestehen unvermindert weiter.

Seite 1

�Darüber hinaus müssen wir nicht die jahrhundertealte
Geschichte bemühen, um uns daran zu erinnern, daß
gefährliche Bedrohungen plötzlich und unvorhersehbar
entstehen können.
Politisch, wirtschaftlich und technologisch verändert
sich die Welt in einer beispiellosen und manchmal
alarmierenden Geschwindigkeit.
Die Technologie
miniaturisiert die Welt und verbindet unser Schicksal
noch enger mit dem unserer Verbündeten und Wirtschaftspartner auf der Welt.
Das wirkt sich zu unserem Vorteil aus, während wir
freie Märkte und die Prinzipien der Demokratie zu
fördern versuchen. Es erhöht jedoch auch das
Ausmaß, in dem wir von Entwicklungen im Ausland
betroffen sind. Selbst wenn wir wollten, könnten wir
uns nicht von den Kräften isolieren, die die Welt
erfassen.
Genauso wenig wie wir der Weltpolizist sind und
werden, dürfen wir zum Gefangenen der internationalen Ereignisse werden, isoliert und sicher behütet
in einem kontinentalen Kokon.
Vor diesem Hintergrund haben der Präsident und
Verteidigungsminister Perry eine nationale Sicherheitspolitik verfolgt, die nicht nur auf dieses sich wandelnde
Umfeld reagieren, sondern es auch in einer unseren
Interessen dienlichen Weise gestalten soll.
Sie
können auf ihre Leistungen bei der Beseitigung der
Relikte des Kalten Krieges stolz sein - sie verringerten
die nukleare Bedrohung durch die ehemalige Sowjetunion, riefen die Partnerschaft für den Frieden und die
pragmatische Partnerschaft mit Rußland - wie Verteidigungsminister Perry sie bezeichnete - ins Leben,
brachten die NATO auf den Kurs der Erweiterung,
stärkten unser Bündnis mit Japan und entwickelten
Beziehungen zu China auf militärischer Ebene.
Im Falle meiner Bestätigung beabsichtige ich, diese
Bestrebungen fortzusetzen und auf sie aufzubauen,
während wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten,
uns nicht nur mit dem Ende einer Ära, sondern auch
mit der Gestaltung der nächsten zu befassen.
Nach einem Jahrhundert, in dem zwei Weltkriege im
Herzen Europas ausbrachen und ein Kalter Krieg den
Kontinent mehr als vier Jahrzehnte spaltete, stehen wir
an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert mit der
realen Aussicht auf eine endgültige Überwindung der
Teilung Europas. Bevor Präsident Clintons zweite
Amtszeit zu Ende ist, wird die NATO ihre erste Runde
neuer Mitglieder aufgenommen haben, und die
Programme der Partnerschaft für den Frieden werden
erweitert worden sein. Die pragmatische Partnerschaft
mit Rußland wird durch die Verhandlungen über eine
Charta zwischen der NATO und Rußland, verstärkte
amerikanisch-russische Zusammenarbeit auf militärischer Ebene, die Fortsetzung der Aktivitäten zur

Seite 2

kooperativen Verringerung der Bedrohung und
Fortschritte bei unserer Rüstungskontrollagenda weiter
gestärkt.
Die Erlangung des richtigen Gleichgewichts zwischen
Strategie, Programmen und Ressourcen zur Erfüllung
unserer sicherheitspolitischen Erfordernisse der
Gegenwart und Zukunft stellt eine große Herausforderung dar. Dies wird zur Zeit vom Verteidigungsministerium überprüft und ebenfalls vom nationalen
Verteidigungsgremium überarbeitet.
Während wir diesen Prozeß durchlaufen, müssen wir
gewährleisten, daß unsere Streitkräfte die Kriege der
Nation führen und gewinnen können.
Den Präsidenten über den Einsatz von Gewalt zu
beraten, ist die größte Verantwortung, die einem
Verteidigungsminister obliegt. Und als Senator war ich
mir dessen bewußt, als ich in die saudi-arabische
Wüste zu einem Besuch der Truppen reiste, die sich
darauf vorbereiteten, die irakische Invasion in Kuwait
zu bekämpfen, und vor kurzem, als ich unsere tapferen
in Bosnien dienenden Männer und Frauen besuchte
und das Privileg hatte, einem mutigen jungen Soldaten
aus Maine das Purple Heart zu verleihen. Als designierter Verteidigungsminister gelobe ich Ihnen und
unseren Männern und Frauen in Uniform, mein Bestes
zu tun, dieses tiefe Vertrauen zu erfüllen.
Der Präsident hat es bereits gesagt: Wir sollten uns
nicht vor dem klugen Einsatz von Gewalt fürchten, und
hierbei sind der Mut, die Loyalität und die Bereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform, ihr Leben aufs
Spiel zu setzen, ein nationales Gut, das nie als
selbstverständlich hingenommen werden sollte. Und
wenn unsere Soldaten in den Kampf geschickt werden,
müssen klare Ziele gesetzt werden, denen wir entschlossen verpflichtet bleiben und zu deren Erlangung
wir die Mittel haben. Das sind die Grundvoraussetzungen für humanitäre und andere Operationen mit
Ausnahme eines Krieges sowie für andere Eventualfälle größeren Ausmaßes.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß unsere
Streitkräfte ihre Mission nicht nur erfüllen, wenn sie zur
Beilegung einer Krise intervenieren - sie leisten jeden
Tag wichtige Arbeit.
Wenn unsere Schiffe strategische Gewässer patrouillieren, unsere Flugzeuge in weit entferntem Luftraum
fliegen und unsere Soldaten zu Manövern entsandt
werden, sind sie nicht nur bereit für den Fall, daß sich
etwas ereignet. Durch diese Aktionen ereignet sich
bereits etwas: Sie beeinflussen die Ansichten und
Entscheidungen ausländischer Regierungen - seien es
Freunde, die der Unterstützung bedürfen, oder Feinde,
die abgeschreckt werden müssen. Unsere Streitkräfte
gestalten durch ihre täglichen Operationen die Welt

AMERIKA DIENST 02

�und warten nicht einfach, bis sie auf momentane
Krisen reagieren müssen.

waffenprogramm wurde eingefroren, während es mit
der Wirtschaft weiterhin bergab geht.

Herr Vorsitzender, ich möchte auf zwei Punkte besonders eingehen. Seit meiner Nominierung haben
manche festgestellt, daß ich im Hinblick auf mehrere
Fragen der nationalen Sicherheit nicht mit dem
Präsidenten übereinstimme, und aufgrund dessen die
Frage gestellt, ob ich dem Präsidenten in Zukunft
wirksam dienen kann.

Was den Einsatz von Gewalt betrifft, habe ich mich
zwar für verstärkte Konsultationen mit dem Kongreß
ausgesprochen, mich aber geweigert, einmal vom
Präsidenten getroffene Entscheidungen zu unterlaufen. Beispielsweise gehörte ich zu denen, die sich
mit den Senatoren Dole und McCain für die Resolution
zur Unterstützung unserer in Bosnien stationierten
Streitkräfte einsetzten. Ich bin ein Befürworter echter
und andauernder Konsultationen, was meines Erachtens ein Grund für den Präsidenten war, mich in
sein Kabinett zu nehmen.

Ich habe die letzten 25 Jahre im Kongreß gleichermaßen mit denjenigen, deren Meinung ich teile, und mit
denen, deren Meinung ich nicht teile, zusammengearbeitet und habe versucht, das auf konstruktive Art
zu tun, die zu positiven Ergebnissen führt. Meines
Erachtens ist es mir in der Vergangenheit gelungen,
Differenzen zu überbrücken - sie nicht zu übertünchen,
sondern Konsens zu schaffen und vernünftige,
verantwortungsvolle Kompromisse zu schließen.
Ferner möchte ich darauf hinweisen, daß übereinstimmende Meinungen innerhalb einer Administration
weder ein Gebot noch ein anzustrebendes Ideal sind.
Es ist sehr anerkennenswert, daß der Präsident ein
Team energischer Berater haben möchte, die ihm
gemeinsam die beste Beratung zukommen lassen
können. Ich bin sicher, daß es im Falle meiner
Bestätigung wie in allen Administrationen manchmal
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns geben wird,
die hinter verschlossenen Türen beigelegt werden
sollten. Und ich habe keinen Zweifel, daß wir bei
unserer Zusammenarbeit ebenso viel oder sogar noch
mehr Einvernehmen und Kooperationsbereitschaft
zeigen werden wie jede andere Administration der
letzten 25 Jahre.
Was einige der gestellten spezifischen Fragen betrifft,
habe ich keine Bedenken hinsichtlich meiner Fähigkeit
zur effektiven Arbeit innerhalb der Administration.
Was beispielsweise die Raketenverteidigung betrifft,
war ich eines der vier Mitglieder dieses Ausschusses,
die vom Vorsitzenden beauftragt wurden, einen
Konsens zu finden, der vom Kongreß angenommen
und als Gesetz verabschiedet würde. Die Senatoren
Warner, Levin, Nunn und ich haben lange und hart mit
anderen Abgeordneten und der Administration zusammengearbeitet. Uns gelang der Abbau bestehender analytischer und politischer Differenzen, und das
ausgearbeitete Gesetz wurde schließlich von Kongreß
und Administration unterstützt und wird jetzt unter
Berücksichtigung der technischen Aspekte umgesetzt.
In bezug auf das nordkoreanische Nuklearabkommen
war ich in der Tat skeptisch hinsichtlich der Einhaltung
des Rahmenabkommens durch Nordkorea. Es kann
jedoch nicht bestritten werden, daß das Abkommen
tatsächlich funktioniert. Das nordkoreanische Nuklear-

AMERIKA DIENST 02

Ich erwähne das, weil ich davon überzeugt bin, daß
Präsident Clinton zur Überwindung parteipolitischer
Trennlinien bei der Formulierung seiner Sicherheitspolitik entschlossen ist und weiß, wie wichtig es ist,
denjenigen zuzuhören, die anderer Meinung als er
oder seine Berater sind. So kann er sichergehen, daß
seine Aktionen begründet und nicht nur das Produkt
irgendwelcher Trends sind.
Herr Vorsitzender, ich bin es Verteidigungsminister
Perry schuldig, ihm besondere Anerkennung zu zollen.
Meines Erachtens ist er einer der fähigsten Staatsbeamten, die je in einer amerikanischen Regierung
tätig waren. Er verkörperte Unparteilichkeit bei der
Verfolgung unserer nationalen Sicherheitsinteressen.
Seine Integrität und sein Patriotismus, verbunden mit
seiner Brillanz und Ruhe, machten ihn zu einem
Verteidigungsminister, der die zweifelsohne einzigartige Fähigkeit hatte, effektiv und beliebt zu sein. Er
war im Hinblick auf den Einsatz von Gewalt immer
vorsichtig und präzise; er entwickelte pragmatische
Beziehungen zur russischen Regierung, stärkte
unsere Sicherheitspartnerschaft mit Japan und machte
echte Fortschritte beim langen Prozeß der Durchsetzung der Beschaffungsreform. Sein Dienst entspricht
der besten Tradition unseres Landes, und er hat
meiner Meinung nach für alle seine Nachfolger hohe
Maßstäbe gesetzt.
In der Schlußbemerkung seines Buches "On the
Origins of War" stellt der Historiker Donald Kagan fest:
"Ein hartnäckiger und wiederholter
Fehler im gesamten Verlauf der
Geschichte ist der Mangel an Einsicht, daß die Wahrung des Friedens
Mühe, Planung, Mittel und Opfer
verlangt - ebenso wie der Krieg.
Insbesondere in der modernen Welt
hat die Ansicht, der Frieden sei ein
natürlicher Zustand und Krieg ein
Irrweg, dazu geführt, daß in Friedenszeiten die Möglichkeit eines weiteren
Krieges nicht in Betracht gezogen
wurde, was wiederum die Bestrebun-

Seite 3

�gen verhinderte, die zur Wahrung des
Friedens erforderlich sind."
Der Präsident ist sich bewußt, daß die Wahrung des
Friedens aktive Bestrebungen, Planung und Opfer
erfordert. Es ist mir eine große Ehre, daß er mich
gebeten hat, ihn als Verteidigungsminister bei den
erforderlichen Planungen und Bestrebungen zu
unterstützen.

* *

Seite 4

Die von mir umrissenen Ziele stellen beträchtliche
Herausforderungen dar, aber unsere Wirtschaft ist
stark, unsere Nation lebt in Frieden, und das Verteidigungsministerium verfügt bei seinen militärischen und
zivilen Mitarbeitern über ein enormes Reservoir von
Begabungen und Fähigkeiten. Wenn wir zum Nutzen
des amerikanischen Volkes zusammenarbeiten,
können und werden wir diese Herausforderungen
bewältigen.

* *

*

AMERIKA DIENST 02

�WIRTSCHAFT
29. Januar 1997

Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft
Rede des designierten Wirtschaftsministers

WASHINGTON - (AD) - Bei seiner Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuß des Senats am 22. Januar 1997
sprach sich der von Präsident Clinton zum Wirtschaftsminister ernannte William Daley für die Förderung
amerikanischer Exporte durch die Regierung aus.
Nachfolgend veröffentlichen wir den leicht gekürzten Redetext des designierten Wirtschaftsministers.

Herr Vorsitzender,
es ist mir eine Ehre, heute hier sein zu dürfen. In den
Wochen seit meiner Ernennung zum Wirtschaftsminister habe ich über diese Chance nachgedacht und
es hat mich mit großem Stolz erfüllt, daß meine
Ernennung mir die Möglichkeit bietet, die lange
Tradition meiner Familie im öffentlichen Dienst fortzusetzen. Ich bin dankbar für die Chance, der Nation
zu dienen - den Arbeitnehmern, Unternehmern, den
großen und kleinen Firmen, den einzelnen Gemeinden
und dem Präsidenten.
Auf unserem Weg zur letzten Administration des 20.
Jahrhunderts befinden wir uns auf einer noch nicht
beendeten Reise. Wir gestalten die Welt, in der wir
Geschäfte tätigen, neu und definieren gleichzeitig
unseren Platz in ihr neu. Ich sehe meine Nominierung
für das Wirtschaftsministerium folgendermaßen: In
einer neuen, von neuen Regeln regierten Welt hat
Amerika riesige Schritte zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstands des Landes
unternommen. Aber unsere Arbeit ist noch nicht
beendet, und das Wirtschaftsministerium muß viel
unternehmen, damit wir in der Weltwirtschaft weiterhin
einen Vorsprung haben.
Um sicherzustellen, daß das Wirtschaftsministerium
seine elementare Aufgabe erfüllt, möchte ich, daß Sie
und Ihre Kollegen, die Unternehmer und unsere
Handelspartner auf der ganzen Welt volles Vertrauen
in das Ministerium setzen - und werde garantieren,
daß unsere Rolle unerläßlich ist und unsere Glaubwürdigkeit außer Frage steht. Ebenso sehr wie ich mich

AMERIKA DIENST 02

auf meine Arbeit freue, bin ich beeindruckt von den
Möglichkeiten dieses Ministeriums, rühmliche und
bedeutungsvolle Arbeit für Amerika zu leisten.
Die Annahmen, von denen unser Wachstum und unser
Platz in der Welt nach dem Krieg geleitet waren, gelten
nicht mehr. Es gab eine Zeit, in der wir unser Wachstum und einen besseren Lebensstandard durch unsere
Binnenwirtschaft bewahren konnten, aber heute steht
und fällt unser Wohlstand mit auf lange Sicht getroffenen Entscheidungen. Es ist nicht mehr nur die Börse,
die von Wirtschaftsnachrichten und Entscheidungen
auf der ganzen Welt betroffen ist: Amerikanische
Unternehmen von den größten 500 bis zu den kleinsten Anfängern sehen sich Wettbewerb von Volkswirtschaften in Europa und Asien sowie den aufstrebenden Mächten in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen
Osten ausgesetzt, und gleichzeitig bieten sich ihnen
dort neue Chancen.
Nahezu ein Viertel unseres Bruttoinlandsprodukts ist
heute exportabhängig. Über 11 Millionen Arbeitnehmerverdanken ihren Arbeitsplatz den Geschäften, die
ihre Arbeitgeber jenseits unserer Küsten tätigen. Mein
Vorgänger Mickey Kantor erklärte gerne, eine Marktstudie der Vereinigten Staaten heute würde belegen,
daß wir vier Prozent der Weltbevölkerung ausmachen
und eine ziemlich niedrige Geburtenrate haben. Das
heißt, unser zukünftiger Lebensstandard gründet auf
den Verbindungen, die wir mit den anderen 96
Prozent der Welt haben und den Möglichkeiten, die wir
dort schaffen.

Seite 1

�Der Präsident hat einen klaren Plan für den Erfolg der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft dargelegt. In
den ersten Wochen seiner Administration erklärte er,
die Vereinigten Staaten würden es begrüßen, wenn
unsere Konkurrenten hier unter fairen und offenen
Bedingungen Geschäfte abwickeln, wir jedoch denselben Zugang zu ihren Märkten erwarten. Die Administration hat über 200 Handelsabkommen mit
Partnern auf der ganzen Welt unterzeichnet, in die
Entwicklung modernster Technologie investiert, auf die
kluge Verwaltung unserer natürlichen Ressourcen
hingearbeitet, die Exporte angekurbelt, bessere und
nützlichere Wirtschaftsinformationen erarbeitet und
unsere städtischen und ländlichen Gemeinden zu
Mitspielern bei unserer wirtschaftlichen Expansion
gemacht.
Aufgrund dieser Entscheidungen und dank der
Zusagen von führenden Unternehmern und Politikern weil wir diese globale Wirtschaft einbeziehen - führen
die Vereinigten Staaten die Weltwirtschaft an. Wir
stehen seit drei aufeinander folgenden Jahren wieder
an oberster Stelle der Liste des Weltwirtschaftsforums
der produktivsten Volkswirtschaften der Welt. Heute
sind wir die größte Wirtschaftsmacht der Welt - der
größte Exporteur, der beste Innovator, der Motor, der
den weltweiten Wohlstand antreibt.
Vor einigen Jahren schien Amerika zu stagnieren.
Unsere Konkurrenten in so unterschiedlichen Industrien wie der Automobil-, Stahl- und Hightechindustrie,
dem Bankwesen sowie der Luft- und Raumfahrt waren
weltweit aktiv und kämpften um Aufträge, Verträge und
Chancen, während wir am Rande standen und
debattierten, ob wir uns in den Kampf begeben sollten.
Industrien in Japan, Taiwan, Deutschland und andernorts investierten in neue Technologien, während wir
den Verlust der amerikanischen Fertigungsindustrie
beklagten und uns fragten, warum andere die von uns
erfundene Technologie besser anwendeten. Ausländische Volkswirtschaften erlebten einen Boom,
während wir diskutierten, ob wachsende Haushaltsdefizite überhaupt wichtig sind oder nicht. Es war eine
Binsenwahrheit, daß unsere asiatischen und europäischen Konkurrenten unser Brot aßen, und ein wichtiges Buch, Der Aufstieg und Fall der Großmächte,
spekulierte, daß Amerika sich im Niedergang befand.
Wir hatten jede Menge Zwangsvollstreckungen und
Konkurse, aber wenig Vertrauen. Aber diese Tage
sind jetzt vorüber.
Heute ist die amerikanische Wirtschaft gesund, vital
und im Wachsen begriffen. Unsere Arbeitslosenquote
ist die niedrigste seit 25 Jahren. Es werden ebenso
viele Geschäfte gegründet und Häuser gekauft wie seit
Anfang der achtziger Jahre. Ein Haushaltsdefizit, das
unsere Ersparnisse aufbrauchte und unser Wachstum
behinderte, wurde in den vergangenen vier Jahren um
die Hälfte reduziert. Und die Produktionskapazität
unserer Volkswirtschaft ist seit 25 Jahren am schnell-

Seite 2

sten gestiegen. Jetzt sehen wir Forschung und
Entwicklung, Technologie und Bildung als Investitionen
in unsere Zukunft, die sich in Unternehmertum,
Arbeitsplätzen und Gehaltsschecks auszahlen. Und
wir geben das Tempo an, dem die übrige Welt bei
allem folgt - in herkömmlichen Industrien wie der
Automobilbranche und der Landwirtschaft bis zur Luftund Raumfahrt, Telekommunikations- und Hightechindustrie.
Das kommende Jahrhundert - das der Präsident als
"Zeitalter der Chancen" bezeichnet hat - wird auf dem
aufbauen, was die Wirtschaft am besten tut. Ich weiß,
daß einige in der modernen Wirtschaft keinen Platz für
das Ministerium sehen. Dem stimme ich überhaupt
nicht zu. In einer immer stärker konkurrierenden Welt
benötigt unsere Nation kohärente und aufeinander
abgestimmte wirtschaftliche, technologische, handelsund entwicklungspolitische Maßnahmen.
Wir haben zwei Alternativen, wenn wir uns den
Realitäten einer interdependenten Weltwirtschaft
stellen: Wir können am Rand stehen und über die
Rolle der Regierung debattieren, oder wir können
aggressiv, aktiv und ehrgeizig sein. Führen Sie sich
jedoch vor Augen, daß unsere Konkurrenten eifrig
Geschäfte tätigen und wirtschaftliche Verbindungen
um uns herum aufbauen, während wir diskutieren.
Bundeskanzler Helmut Kohl ist vor kurzem nach
Rußland gereist, während der kanadische Ministerpräsident Chretien vergangene Woche eine Handelsdelegation nach Korea anführte. Das sind Mahnungen, daß andere unabhängig von unseren Entscheidungen aktiv Exportchancen suchen.
Im Wirtschaftsministerium kommen Amerikas Potential
und seine Versprechungen zusammen, dort werden
unsere zukünftigen Arbeitsplätze geschaffen und
unser Wirtschaftswachstum genährt. Die ungleichen
Elemente des Handels kommen für eine Aufgabe
zusammen: Amerikas Konkurrenzfähigkeit zu verbessern und zu bewahren.
Die Wirtschaft trägt zur Öffnung von Märkten bei und
stellt sicher, daß unsere Partner das Versprechen
offenen und fairen Handels einhalten, das wir uns
gegeben haben. Und während mehr Mitspieler einen
Platz auf der internationalen Handelsbühne suchen,
wollen wir auch durch das Befürwortungszentrum des
Ministeriums und Handelsmissionen im Namen
amerikanischer Firmen und Arbeitnehmer gewährleisten, daß sie auf den dynamischsten Märkten Fuß
fassen können und an Projekten beteiligt sind. Unsere
Konkurrenten überlassen ihre Unternehmen nicht
ihrem Schicksal in der Welt, und das sollten wir auch
nicht tun. Gleichzeitig sollten wir unsere Arbeitnehmer
keinem Risiko durch unfaire Handelspraktiken aussetzen. Über einem Gebäude des Wirtschaftsministeriums steht Benjamin Franklins Mahnung geschrieben:

AMERIKA DIENST 02

�"Der Handel zwischen Nationen sollte fair und gerecht
sein." Das ist der Standard, den wir halten wollen.

peln, die den Ehrgeiz mitbringen und die Belohnung
dafür erhalten.

Unsere Exporte haben seit 1993 um 34 Prozent
zugenommen und 1,4 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen. Im Rahmen der Aktivitäten der internationalen Handelsverwaltung hat das Wirtschaftsministerium 250 Millionen Dollar für die Exportförderung aufgewandt, die zu überseeischen Umsätzen
von über 40 Milliarden Dollar führten. Darüber hinaus
befreiten wir Hightechexporte in Milliardenhöhe von
veralteten Bestimmungen, ohne unsere nationale
Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Auf diesen Leistungen
aufbauend möchte ich sicherstellen, daß die durch
offene Märkte und globalen Wettbewerb versprochenen hochbezahlten Arbeitsplätze Realität werden.

Aber dieses Versprechen kann nur erfüllt werden,
wenn die Vorteile eines wohlhabenden Amerikas
jedem Amerikaner zugute kommen. Wenn einige
Segmente Fortschritte machen, während andere
stagnieren, werden wir unsere Stärke vergeuden und
unsere Wettbewerbsvorteile aufgeben.
Bildung,
Ausbildung, wirtschaftliche Entwicklung, sogar Zugang
zur Datenautobahn sind der Schlüssel zur Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner, damit ein
größerer Teil unserer Nation eine produktive Rolle in
unserer Volkswirtschaft übernehmen kann.

Während der Übergang von der Fertigung zu Information und Technologie das Wirtschaftswachstum auf der
Welt weiter ankurbelt, verleiht der Handel dem Wettbewerbsvorteil einen Bonus, den sich unsere Nation
durch modernste Technologien verschafft hat. Wir
müssen weiterhin neue Technologien entwickeln und
Unternehmen sowie die Industrie ermutigen, sie für die
kommerzielle Anwendung anzupassen. Weniger zu
tun - vor allem angesichts der Pläne Japans, sein
Budget für Wissenschaft und Technologie bis zum
Jahr 2000 zu verdoppeln, der Pläne Chinas, seine
Investitionen in Forschung und Technologie in dieser
Zeit zu verdreifachen und der Tatsache, daß die
gesamten Ausgaben der EU für Technologie in fünf
Jahren doppelt so hoch sein werden wie unsere würde einen Rückschritt bei einem Großteil unserer
Wettbewerbs- und Produktivitätsvorteile bedeuten, die
so viel dazu beigetragen haben, unser wirtschaftliches
Haus im letzten Jahrzehnt in Ordnung zu bringen.
Während heute die 50 größten Exporteure der Vereinigten Staaten für 30 Prozent der Warenexporte
unserer Nation verantwortlich sind, exportieren nur 12
Prozent unserer
kleinen und mittelständischen
Unternehmen. Gleichzeitig nehmen 40 Prozent der
amerikanischen Arbeitnehmer an Aus- und Weiterbildungsprogrammen teil, und heute besucht eine
Rekordzahl von Studenten das College. Für mich ist
diese Kombination kein unausgeschöpftes Potential,
sondern eine Chance für Wirtschaftswachstum. Wir
sollten in den kommenden Jahren die Exporte mittelständischer Unternehmen mit diesen gelernten und
ausgebildeten amerikanischen Arbeitnehmern verdop-

AMERIKA DIENST 02

Ich möchte die Wirtschaftsentwicklung an Exporte und
Technologie anpassen, um reale Chancen für jeden
Menschen, jede Familie und jedes Unternehmen im
Land zu schaffen. Zusammen werden diese Fäden
der wirtschaftlichen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Technologie, Handel und Information - zum Geflecht
unserer wohlhabenden Zukunft verwoben, indem sie in
jeder Gemeinde im ganzen Land Entwicklung, Unternehmertum und Wachstum ankurbeln. Darin sehe ich
die Aufgabe des Handels: Den Wohlstand Amerikas zu
bewahren, indem wir weiterhin auf der ganzen Welt
innovativ, wachsam und stark sind.
Letztlich werden die Ergebnisse dieses globalen
Wettbewerbs um Exporte und Marktöffnung entscheiden, wo die Arbeitsplätze im nächsten Jahrhundert sein und welche Nationen prosperieren
werden. Die Entscheidung über die Funktion oder
Vitalität des Wirtschaftsministeriums ist daher keine
akademische Übung oder eine in einem Vakuum
stattfindende politische Debatte.
Ich freue mich auf die Arbeit als 32. Wirtschaftsminister, weil der Erfolg des Ministeriums niemals
wichtiger für unser Land war. Ich bin der festen
Überzeugung, daß der Wirtschaftsminister nie vergessen darf, daß er dem Präsidenten, dem Kongreß und
letztlich dem amerikanischen Volk als Katalysator
dient, damit die Sicherheit und der Wohlstand unserer
Nation uns mit gutem Grund zu Vertrauen und Hoffnung ins 21. Jahrhundert bringen können. Ich sehe
der engen Zusammenarbeit mit Ihnen erwartungsvoll
entgegen, damit das Wirtschaftsministerium wie bisher
zur Stärke Amerikas beitragen kann, während wir an
der Spitze der Weltwirtschaft stehen.

Seite 3

�PORTRAT
29. Januar 1997

Madeleine Korbel Albright
Porträt der neuen Außenministerin

Madeleine Korbel Albright wurde am 23. Januar 1997
als 64. Außenminister vereidigt. Vor ihrer Ernennung
war sie Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen (ihre Akkreditierung erfolgte am 6. Februar 1993) sowie Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und des Nationalen Sicherheitsrats.
Davor war Botschafterin Albright Präsidentin des
Center for National Policy. Das Center ist eine 1981
von Vertretern der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und des Bildungswesens gegründete gemeinnützige Forschungsorganisation. Sein Mandat besteht
in der Förderung von Studien und Diskussionen über
innenpolitische und internationale Themen.
Als Forschungsprofessorin für internationale Angelegenheiten und Direktorin des Programms "Frauen im
auswärtigen Dienst" der Georgetown University's
School of Foreign Service unterrichtete Albright Kurse
in internationalen Angelegenheiten, amerikanischer
Außenpolitik, russischer Außenpolitik sowie zentralund osteuropäischer Politik und war verantwortlich für
die Entwicklung und Umsetzung von Programmen zur
Verbesserung der Berufschancen von Frauen ini
internationalen Angelegenheiten.
Von 1981 bis 1982 erhielt Außenministerin Albright ein
Stipendium am Woodrow Wilson International Center

for Scholars der Smithsonian Institution im Anschluß
an einen internationalen Wettbewerb, bei dem sie über
die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen Anfang der achtziger Jahre geschrieben
hatte.
Albright war außerdem Senior Fellow für sowjetische
und osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies, wo sie Forschung
zu Entwicklungen und Trends in der Sowjetunion und
in Osteuropa durchführte.
Von 1978-81 war Außenministerin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und des
Weißen Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung
verantwortlich. Von 1976-78 war sie persönliche
Referentin für Gesetzesfragen von Senator Edmund
Muskie.
Botschafterin Albright erwarb ihren Bachelor of Arts in
Politologie am Wellesley College mit Auszeichnung
und studierte an der School of Advanced International
Studies der John Hopkins University, erhielt ein
Zeugnis vom Russischen Institut der Columbia University und legte ihren Master of Arts und ihr Doktorexamen an der Fakultät für Öffentliches Recht und
Staatswissenschaft der Columbia University ab.
Außenministerin Albright hat drei Töchter.

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

Seite 1

�PORTRAT
29.Januar 1997

William S. Cohen
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Der ehemalige Senator William S. Cohen wurde am
Freitag, dem 24. Januar 1997 bei einer Feier im
Weißen Haus von Vizepräsident AI Gore als 20.
Verteidigungsminister vereidigt.
Präsident Clinton gab Cohens Nominierung am 5.
Dezember 1996 bekannt. Er wurde am 22. Januar
1997 vom Senat mit 99 zu 0 Stimmen bestätigt. Davor
hatte er dem Senat drei Sitzungsperioden für den
Bundestaat Maine (1979-97) und drei dem Repräsentantenhaus als Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks
von Maine angehört (1973-79).
Der am 28. August 1940 in Bangor (Maine) geborene
Cohen besuchte die Bangor High School, die er 1958
abschloß. 1962 erwarb er seinen Bachelor of Arts in
Latein am Bowdoin College und 1965 seinen Bachelor
of Laws cum laude an der Boston University Law
School.
Verteidigungsminister Cohen war von 1979-97 Mitglied
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten. Von
1983-91 und von 1995-97 war er Mitglied des Sonderausschusses für die Nachrichtendienste und von
1987-91 dessen Stellvertretender Vorsitzender.
Mit seinem Einfluß bei Verteidigungs- und internationalen Sicherheitsfragen spielte Cohen eine führende
Rolle beim Entwurf des Goldwater-Nichols-Gesetzes
über die Umstrukturierung des Verteidigungsapparats
von 1986. Er war der Befürworter des Gl-Gesetzes
von 1984 im Senat sowie der folgenden Zusätze zu
diesem bahnbrechenden Gesetz. Cohens Bemühungen führten zur Gründung der Schnellen Einsatztruppe
(RDF), die später zum US-Zentralkommando wurde,
und des maritimen Voreinlagerungsprogramms, die
beide entscheidend für den Erfolg des Golfkrieges
waren. Darüber hinaus ist er Mitverfasser des Gesetzes über die Reform der Überwachung der Nachrichtendienste von 1991 sowie von Gesetzen über die

AMERIKA DIENST 02

Überarbeitung der amerikanischen Spionageabwehrbestrebungen und Verteidigung gegen ausländische
politische und Industriespionage.
Von dem von ihm verfassten Gesetz über Wettbewerb
bei Vertragsabschlüssen bis zum Erlass des Gesetzes
über die Reform der staatlichen Beschaffung von
1996, bei dessen Entwurf er eine entscheidende Rolle
spielte, stand Cohen an vorderster Front bei der
Reform des Beschaffungsprozesses der Bundesregierung. Aufgrund seines Engagements, Rechenschaftspflicht und die besten Praktiken des Privatsektors bei den Bundesbehörden einzuführen, verfasste
er auch das Gesetz über die Reform der Verwaltung
von Informationstechnologie von 1986 , um die Art und
Weise zu verbessern, in der Bundesbehörden Investitionen in Informationstechnologie verwalten und
den Beschaffungsprozeß zu verschlanken.
Cohen war von 1989-97 Vorstandsmitglied des
Council on Foreign Relations und 1996 Leiter der
Nahoststudiengruppe des Council. Er war ferner Leiter
und Mitglied zahlreicher Studiengruppen und Ausschüsse am Center for Strategie and International
Studies, der School for Advanced International Studies
und der Brookings Institution zu Themen wie der
Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums, der
NATO-Erweiterung und der Kontrolle von Chemiewaffen. Seit 1985 war Cohen Leiter der amerikanischen
Delegation hochrangiger Vertreter der Exekutive und
von Abgeordneten des Kongresses bei der Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik, bei der hochrangige
Vertreter der NATO und der Mitgliedsstaaten der
Partnerschaft für den Frieden zusammenkommen. Er
war auch Leiter der amerikanischen Delegationen
beim amerikanisch-arabischen Dialog in Kairo und
dem pazifischen Dialog in Kuala Lumpur - den regionalen Konferenzen über sicherheitspolitische und wirtschaftliche Themen.

Seite 1

�1974 wählte die Zeitschrift TIME Cohen zu einer der
200 künftigen Führungspersönlichkeiten Amerikas.
Die U.S. Junior Chamber of Commerce ernannte ihn
1975 zu einem der zehn herausragenden jungen
Männer in Amerika. Ebenfalls 1975 ehrte die Boston
University Law School Cohen mit ihrem renommierten
"Young Lawyer's Chair" und 1976 verlieh ihm der
Ehemaligenverein der Boston University seine Auszeichnung für hervorragende Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit. 1980 erhielt Cohen den "Vanguard"
vom Verband der Unteroffiziere für seine Arbeit für
Angehörige des Militärs und 1983 zeichnete dieselbe
Organisation ihn mit dem L. Mendel Rivers Award aus.
*

Seite 2

1996 wurde ihm die U.S. Special Operations Command Medal verliehen.
Cohen ist Autor oder Mitverfasser von acht Büchern,
darunter zwei Gedichtbänden, drei Romanen und drei
Sachbüchern.
Seine Frau Janet Langhart ist Präsidentin von Langhart Communications. Cohen hat zwei erwachsene
Söhne, Kevin und Chris.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12720">
              <text>29.01.1997</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12721">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12722">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12723">
              <text>Amerikadienst 29.01.1997</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12724">
              <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die amerikanische Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsrede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Außenministerin Madeleine K. Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verringerung von Bedrohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Wirtschaftsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Madeleine Korbel Albright&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der neuen Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William S. Cohen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
