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                  <text>amcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

13.Januar 1997

01

AUSSENPOLITIK

USA BENOTIGEN "DIPLOMATIE ERSTER
KLASSE"
Anhörung von Madeleine Albright

NATO

DIE NEUE TRANSATLANTISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter Hunter

PORTRAT

JANET L. YELLEN
Die designierte Vorsitzende des Rats der
Wirtschaftsberater
ALEXIS M. HERMAN
Die designierte Arbeitsministerin
RODNEY E. SLATER
Der designierte Verkehrsminister
ANDREW CUOMO
Der designierte Minister für Wohnungs- und
Städtebau

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
15.Januar 1997

USA benötigen "Diplomatie erster Klasse"
Anhörung von Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Die designierte Außenministerin der Vereinigten Staaten, Madeleine Albright, erklärte bei
ihrer Anhörung im Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten am 8. Januar 1997, im Falle ihrer
Bestätigung werde es eine ihrer wichtigsten Aufgaben sein, eine "Diplomatie erster Klasse" aufzubauen, die nach
dem Zusammenbruch des Kommunismus einen neuen internationalen Rahmen schaffen kann. Nachfolgend
veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede von Madeleine Albright.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre und Freude, heute Morgen
hier zu sein. Zunächst einmal möchte ich dem Präsidenten für sein Vertrauen danken, das er durch die
Nominierung für dieses hohe und eine große Herausforderung darstellende Amt in mich gesetzt hat.
Ich bin Außenminister Christopher sehr dankbar für
seine freundlichen Einleitungsworte und die mir
während der letzten vier Jahre gebotene Gelegenheit
zu beobachten, wie ein geradliniger und entschlossener Diplomat vorgeht.
Und ich weiß sehr zu schätzen, daß dieser Ausschuß
so freundlich war, diese Anhörung umgehend anzuberaumen.
Herr Vorsitzender, wir haben mehr als die Hälfte des
Weges zwischen dem Zerfall der Sowjetunion und dem
Beginn eines neuen Jahrhunderts hinter uns gelegt.
Unsere Nation wird geachtet und lebt in Frieden.
Unsere Bündnisse sind stark. Unsere Wirtschaft
floriert. Und von den entfernten Gegenden Asiens
über die neuentstehenden Demokratien Zentraleuropas und Afrikas bis zur Gemeinschaft der Demokratien in unserer eigenen Hemisphäre - mit einer
vorübergehenden Ausnahme, dem Kuba unter Castro dienen amerikanische Institutionen und Ideale als
Beispiel für diejenigen, die Freiheit genießen oder
danach streben.
Das alles ist kein Zufall, und die weitere Entwicklung ist
keinesfalls unvermeidlich. Demokratische Prozesse
müssen nicht nur aufgebaut, sondern auch erhalten

AMERIKA DIENST 01

werden - durch die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten. Und wir müssen unsere Führungsrolle
bewahren, wenn wir unsere Interessen weltweit
schützen wollen.
Täuschen Sie sich nicht - diese Interessen sind keine
geopolitischen Abstraktionen, sondern durchaus real.
Es ist von Bedeutung für unsere Kinder, ob sie in einer
Welt aufwachsen, in der die Gefahr durch Massenvernichtungswaffen auf das Mindestmaß herabgesetzt
wurde oder ob sie außer Kontrolle geraten können.
Es ist von Bedeutung für Millionen berufstätiger,
landwirtschaftlich tätiger oder investierender Amerikaner, ob die Weltwirtschaft weiterhin gute neue Arbeitsplätze und offene neue Märkte schafft, oder ob es
infolge von Fehlkalkulationen oder Protektionismus mit
ihr bergab geht.
Es ist von Bedeutung für unsere Familien, ob aus dem
Ausland weiterhin illegale Drogen in unser Land
gelangen.
Es ist von Bedeutung für ins Ausland reisende und im
Inland tätige Amerikaner, ob die Geißel des internationalen Terrorismus bekämpft wird.
Es ist von Bedeutung für unsere Arbeitnehmer und
Geschäftsleute, ob sie ungerechterweise zum Konkurrenzkampf mit Unternehmen gezwungen werden,
die faire Arbeitsnormen verletzen, die Umwelt zerstören oder durch Korruption anstatt durch Wettbewerb
Vertragsabschlüsse erzielen.

Seite 1

�Und es ist von Bedeutung für uns alle, ob wir - sei es
durch Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit - zulassen,
daß kleine Kriege sich zu großen entwickeln, die
unsere Sicherheit und Freiheit gefährden.
Um die Gefahren zu bekämpfen und die Chancen zu
ergreifen, müssen wir mehr sein als nur Zuschauer
oder Akteure. Wir müssen die Geschichte unseres
Jahrhunderts schreiben.
Vor einem halben Jahrhundert, nach der durch
Weltwirtschaftskrise, Holocaust und Krieg verursachten Zerstörung, reichte es nicht aus festzustellen, daß
das, wogegen wir ankämpften, gescheitert war.
Führende Politiker wie Truman, Marshall und Vandenberg waren zur Schaffung eines dauerhaften Friedens
entschlossen. Zusammen mit unseren Verbündeten
riefen sie verschiedene Institutionen für die Verteidigung der Freiheit, den Wiederaufbau der Volkswirtschaften, die Einhaltung der Gesetze und Wahrung
des Friedens ms Leben.

die Diplomatie verlassen und von unseren Diplomaten
die Vertretung unserer Interessen mit Können, Wissen
und Rückgrat erwarten.
Im Falle meiner Bestätigung wird eine meiner wichtigsten Aufgaben in der Zusammenarbeit mit dem
Kongreß bestehen um zu gewährleisten, daß wir über
die herausragende diplomatische Vertretung verfügen,
die unser Volk verdient und unsere Interessen verlangen. Das gibt es jedoch nicht umsonst. Wir
müssen die für die Aufrechterhaltung der amerikanischen Führungsrolle erforderlichen Investitionen
tätigen. Betrachten Sie sich, was auf dem Spiel steht.
Wir sprechen hier über ein Prozent unseres Bundeshaushalts, aber dieses eine Prozent könnte
entscheidend für 50 Prozent der Geschichte unseres
Zeitalters sein.

Heute reicht es für uns nicht aus festzustellen, daß der
Kommunismus gescheitert ist. Wir müssen weiterhin
an einem neuen - an die Herausforderungen des
neuen Jahrhunderts angepaßten - Rahmen bauen, der
unsere Bürger und Freunde schützt, unsere Werte
bekräftigt und unsere Zukunft sichert.

Bedauerlicherweise sind - wie Senator Lugar vor
kurzem darlegte - "unsere internationalen Operationen
unzureichend finanziert und personell unterbesetzt".
Er wies auch darauf hin, daß nicht nur unsere Interessen, sondern auch unsere Bestrebungen zum
Ausgleich des Haushalts Schaden nehmen würden,
wenn das amerikanische Disengagement zu "nuklearem Terrorismus, einem Handelskrieg, einer Energiekrise, einem größeren regionalen Konflikt... oder einer
anderen abwendbaren Katastrophe führen würde".

Dabei dürfen wir unsere Energien im Gegensatz zu
unseren Vorgängern nicht nur auf die Bekämpfung
einer einzigen bösartigen Ideologie richten. Wir sehen
uns einer Vielzahl von Bedrohungen gegenüber, von
denen einige so alt sind wie ethnische Konflikte,
andere so neu wie Briefbomben, manche so langfristig
wie die Erderwärmung, andere so gefährlich wie
Nuklearwaffen in den falschen Händen.

Herr Vorsitzender, wir sind die reichste, stärkste und
am meisten respektierte Nation der Welt. Wir sind
auch der größte Schuldner bei den Vereinten Nationen
und anderen internationalen Finanzinstitutionen. Wir
wenden einen geringeren Prozentsatz unseres
Wohlstands für die Unterstützung von Demokratie und
Wachstum in den Entwicklungsländern auf als jede
andere Industrienation.

Für den Umgang mit einer solchen Vielfalt von Bedrohungen benötigen wir ein breites Spektrum außenpolitischer Instrumente.

In den letzten vier Jahren hat das Außenministerium
die Zahl seiner Mitarbeiter um mehr als 2.000 verringert, Stellen heruntergestuft, mehr als 30 Botschaften
oder Konsulate geschlossen und die dringend benötigte Modernisierung von Infrastruktur und Kommunikationsdiensten aufgeschoben. Seit 1991 sind unsere
Auslandshilfeprogramme um 30 Prozent gekürzt
worden.

Aus diesem Grund müssen unsere Streitkräfte die am
besten geführten, am besten ausgebildeten, am besten
ausgerüsteten und am meisten respektierten der Welt
sein. Und Präsident Clinton sowie unsere führenden
Militärs haben zugesagt, daß das der Fall sein wird.
Aus diesem Grund benötigen wir eine Diplomatie
erster Klasse. Macht und die glaubwürdige Möglichkeit des Einsatzes von Gewalt sind für die Verteidigung
unserer vitalen Interessen und die Wahrung der
Sicherheit Amerikas unerläßlich. Aber Gewalt allein
kann ein stumpfes Werkzeug sein, das zur Lösung
vieler Probleme nicht in der Lage ist.

Man sagt, wir wären von einem Zeitalter, in dem die
Großen die Kleinen vernichten, zu einem Zeitalter
übergegangen, im dem die Schnellen die Langsamen
vernichten. Wenn das der Fall ist, befindet sich Ihr
Außenministerium mit seiner veralteten Technologie,
seinen ausgesetzten Wartungsarbeiten im Wert von
300 Millionen Dollar und seiner schrumpfenden Basis
an ausgebildetem Personal in Schwierigkeiten.

Um erfolgreich zu sein, müssen Macht und Diplomatie
einander ergänzen und sich gegenseitig verstärken.
Denn es wird viele Gelegenheiten an vielen Orten
geben, wo wir uns zum Schutz unserer Interessen auf

Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich für die
Erfüllung meiner Pflicht einsetzen, effektive und
effiziente Außenpolitik zu machen. Ich werde mit
diesem Ausschuß und dem Kongreß daran arbeiten

Seite 2

AMERIKA DIENST 01

�sicherzustellen, daß die amerikanische Öffentlichkeit
den vollen Gegenwert für jeden Dollar an Steuergeldern bekommt. Ich möchte aber auch gewährleisten,
daß unsere Außenpolitik die Interessen des amerikanischen Volkes erfolgreich fördert und schützt.
Zusätzlich möchte ich mit Ihnen an der Fortsetzung
von Reformen sowie der Bezahlung unserer ausstehenden Beiträge an die Vereinten Nationen arbeiten
- einer Organisation, an deren Gründung die Amerikaner mitwirkten, die unsere Ideale widerspiegelt und
den Zielen Stabilität, Recht und Gesetz sowie internationaler Zusammenarbeit dient, die in unserem Interesse liegen.
Die Debatte über die angemessene Finanzierung
unserer Außenpolitik ist in Amerika nichts Neues. Sie
wurde immer wieder geführt - seit der Vorläufer
unseres heutigen Kongresses Ben Franklin nach Paris
schickte, über die Vorschläge zu Lend Lease und den
Marshallplan vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bis
zum Beginn des SEED-Programms zur Unterstützung
osteuropäischer Demokratien und des Nunn-LugarProgramms vor wenigen Jahren. In jedem Fall war die
Geschichte eher auf Seiten derjenigen, die sich für ein
amerikanisches Engagement einsetzten als derjenigen, die behaupteten, wir könnten uns eine Führungsrolle nicht leisten.
Herr Vorsitzender, jeder Rahmen für eine amerikanische Führungsrolle muß Maßnahmen zur Kontrolle
der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und
Terror beinhalten, muß die Chancen für die Beilegung
gefährlicher regionaler Konflikte ergreifen, Amerika als
Mittelpunkt der expandierenden Weltwirtschaft erhalten
und die hehren Grundsätze von Demokratie, Recht
und Gesetz bewahren können.
Im Zentrum dieses Rahmens stehen jedoch unsere
wichtigsten Bündnisse und Beziehungen.
Diese
Bande halten nicht nur unsere Außenpolitik, sondern
das gesamte internationale System zusammen. Wenn
wir mit den anderen führenden Nationen kooperativ
zusammenarbeiten können, schaffen wir ein dynamisches Netz von Grundsätzen, Macht und Zielbewußtsein, das hohe Maßstäbe setzt und weltweiten
Fortschritt fördert. Das ist unsere Chance, denn im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ist große Machtpolitik
kein Nullsummenspiel.
Die transatlantische Partnerschaft
Ein herausragendes Beispiel ist die transatlantische
Partnerschaft.
Es ist eine zentrale Lektion dieses Jahrhunderts, daß
Amerika eine europäische Macht bleiben muß. Wir
haben ein Interesse an der europäischen Sicherheit,
weil wir die Instabilität vermeiden wollen, die fünf
Millionen Amerikaner in zwei Weltkriege auf der

AMERIKA DIENST 01

anderen Seite des Atlantiks hineinzog. Wir haben ein
Interesse an europäischer Demokratie, weil der Kalte
Krieg durch den Triumph der Freiheit beendet wurde.
Wir haben ein Interesse an europäischer Prosperität,
denn unser eigener Wohlstand ist abhängig von
Partnern, die offen für unsere Exporte, Investitionen
und Ideen sind.
Dank der Bestrebungen von Präsident Clinton und
Außenminister Christopher steht heute die amerikanische Führungsrolle in Europa auf solidem Boden.
Die europäischen Institutionen entwickeln sich in
Richtung eines Kontinents, der freier, geeinter und
friedlicher ist als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte.
Unsere wichtigsten bilateralen Beziehungen sind so
stark und widerstandsfähig wie eh und je, wenn auch
manchmal sehr lebhaft.
Das schreckliche Gemetzel in Bosnien hat geendet.
Die Partnerschaft für den Frieden hat die sicherheitspolitische Zusammenarbeit erweitert.
Und es gibt weitere Fortschritte bei politischen und
marktwirtschaftlichen Reformen in Zentraleuropa und
den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich Sie in diesem
Ausschuß oft um Ihre Unterstützung für unsere Vision
eines integrierten, stabilen und demokratischen
Europas bitten.
Beim Madrider NATO-Gipfel im Juli wird das Bündnis
die europäische Sicherheit erörtern, darunter die
Anpassung der NATO an neue Missionen und Strukturen, der Rahmen für verstärkte Konsultation und
Kooperation mit Rußland und die Erweiterung.
Ziel der Erweiterung ist es, für den Osten Europas das
zu tun, was die NATO vor 50 Jahren für den Westen
Europas leistete: Integration neuer Demokratien,
Überwindung alten Hasses, Aufbau von Vertrauen in
die wirtschaftliche Erholung sowie Abschreckung von
Konflikten.
Wer behauptet, es solle erst eine NATO-Erweiterung
geben, wenn eine militärische Bedrohung auftritt, trifft
nicht den Punkt. Die NATO ist nicht das Aufgebot
eines Sheriffs aus dem Wilden Westen, das erst im
Falle drohender Gefahr mobilisiert wird. Sie ist ein
dauerhaftes Bündnis, der Dreh- und Angelpunkt der
Stabilität, das verhindern soll, daß ernsthafte Bedrohungen überhaupt auftreten.
Wer sich Sorgen macht, die Erweiterung könnte
Europa spalten, dem sei gesagt, daß die NATO den

Seite 3

�alten Eisernen Vorhang nicht als seine Ostgrenze
erhalten kann und soll. Das war eine künstliche
Teilung, die stolzen Nationen aufgezwungen wurde,
von denen einige jetzt bereit sind, einen Beitrag zur
Sicherheit des Kontinents zu leisten. Die NATO muß
und will jeder europäischen Nation die Tür zur Mitgliedschaft offenhalten, die im Bündnis Pflichten übernehmen und zu seinen Zielen beitragen kann, während sie
gleichzeitig eine starke und dauerhafte Partnerschaft
mit allen Demokratien Europas aufbaut.

Und schließlich hängt die Zukunft von Stabilität und
Demokratie in Europa auch von der weiteren Umsetzung des Daytoner Abkommens ab.

Der Aufbau eines kooperativeren und integrierteren
Europas ist eines zahlreicher Themen, die Präsident
Clinton mit Präsident Jelzin während dessen Reise in
die Vereinigten Staaten im März erörtern wird. Ein
demokratisches Rußland kann und muß ein starker
Partner bei der Erlangung dieses gemeinsamen Ziels
sein.

Obwohl das Versprechen von Dayton noch nicht
vollständig erfüllt ist, hat sich während der letzten 13
Monate viel geändert. Die Kämpfe wurden eingestellt,
es fanden friedliche Wahlen statt, und nationale
demokratische Institutionen nehmen Gestalt an.

Wir wissen, daß Rußland sich immer noch inmitten
eines einschneidenden Übergangsprozesses befindet,
aber die Errungenschaften der letzten fünf Jahre sind
unumkehrbar. Trotz der Bedrohung durch Korruption
und Verbrechen haben offene Märkte und demokratische Institutionen Fuß gefaßt. Und im letzten Sommer
fanden die ersten wirklich demokratischen Wahlen
nationaler Politiker in Rußlands langer Geschichte
statt.
Präsident Jelzins Herausforderung in seiner zweiten
Amtszeit wird darin bestehen, die hinter den internen
Reformen stehende Dynamik wiederherzustellen und
Rußlands Integration in den Westen zu beschleunigen.
Wir haben großes Interesse an der Ermutigung dieses
großartigen Landes, seinen demokratischen Kurs zu
halten, die Souveränität seiner Nachbarn uneingeschränkt zu respektieren und gemeinsam mit uns das
gesamte Spektrum regionaler und globaler Fragen
anzugehen.
Unsere immer enger werdende Freundschaft mit einer
demokratischen Ukraine ist für die europäische
Integration ebenfalls von grundlegender Bedeutung.
Die Ukraine war der erste der neuen unabhängigen
Staaten, in dem die Machtübergabe von einer demokratisch gewählten Regierung an die nächste stattfand.
Und unter Präsident Kutschma hat sie ehrgeizige
Wirtschaftsreformen eingeleitet, die die Inflationsrate
senkten und den Zusammenbruch der Wirtschaft
verhinderten.
In unseren Beziehungen zu Rußland und zur Ukraine
gleichermaßen wird die binationale Kommission mit
Vizepräsident Gore als dem führenden amerikanischen Vertreter wertvolle Hilfe bei der Festsetzung
der Tagesordnung und der Erleichterung von Zusammenarbeit bei einem breiten Spektrum von
Unternehmungen bieten.

Seite 4

Obwohl die IFOR ihre militärischen Aufgaben in
Bosnien hervorragend erfüllt hat, ist noch mehr Zeit für
den wirtschaftlichen Wiederaufbau und den politischen
Heilungsprozeß erforderlich. Die SFOR verfolgt jetzt
das Ziel, die Zeit zu überbrücken, bis der Frieden
wirklich tragfähig ist.

Das ist großenteils auf die amerikanische Führungsrolle zurückzuführen. Jetzt besteht unser Plan darin, in
Zusammenarbeit mit unseren zahlreichen Partnern
diese Errungenschaften zu konsolidieren und darauf
aufzubauen.
Unsere Strategie besteht in einer
Verringerung der Notwendigkeit einer internationalen
Militärpräsenz, indem wir ein stabiles militärisches
Gleichgewicht herstellen, Rechts- und Gesetzesinstitutionen verbessern, mehr Menschen die sichere
Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen und die Festnahme und strafrechtliche Verfolgung weiterer Kriegsverbrecher veranlassen.
Angesichts dieser dauerhaften Herausforderungen ist
es ermutigend zu sehen, daß der durch das Daytoner
Abkommen eingeleitete Prozeß historische Dimensionen hat.
Heute arbeiten in Bosnien praktisch alle europäischen
Nationen zusammen, um einer Region Stabilität zu
bringen, deren Konflikte Anfang dieses Jahrhunderts
den Kontinent zerrissen.
Das reflektiert eine deutliche Abkehr von den Einflußsphären und der Diplomatie des Kräfteausgleichs
der Vergangenheit sowie eine explizite Ablehnung der
auf ethnischer Zugehörigkeit basierenden Politik. Und
es bestätigt die Prämisse der Partnerschaft für den
Frieden, indem es das wachsende gemeinsame
Verständnis in Europa für die Herstellung eines
Gefühls der Sicherheit unter Beweis stellt.
Die mit IFOR und SFOR in Bosnien gewonnene
Erfahrung erhöht das Potential für die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen der NATO und
nicht der NATO angehörenden Staaten Europas. In
Bosnien verteidigen sich Soldaten aus der NATO,
Rußland, Polen, der Ukraine, Rumänien und vielen
anderen Nationen gegenseitig und sind voneinander
abhängig. Unsere Herausforderung besteht darin,
diesen Geist auf andere gemeinsame Unternehmungen zu übertragen und ihn noch lange nach Abzug der
SFOR lebendig zu erhalten.

AMERIKA DIENST 01

�Die europäische Stabilität hängt großenteils von
fortgesetztem amerikanischen Engagement und der
Führungsrolle unseres Landes ab. Und die Geschichte zeigt, daß die europäische Stabilität auch für unsere
nationalen Interessen von lebenswichtiger Bedeutung
ist. Infolgedessen bleiben wir engagiert, werden
weiterhin führen, unsere Bündnisse stärken und mit
unseren demokratischen Partnern ein Europa aufbauen, in dem jede Nation frei und jede freie Nation
unser Partner ist.
Förderung von gegenseitiger
Wohlstand in Asien

Sicherheit

und

Herr Vorsitzender, Amerika muß eine europäische
Macht bleiben. Und wir müssen und werden auch eine
pazifische Macht bleiben.
Asien ist ein Kontinent, auf dem atemberaubende
wirtschaftliche Expansion und maßvolle, aber stetige
Bewegung in Richtung auf die Demokratie stattfindet.
Seine Wirtschaftskraft stärkt die unsere und ist einer
der Gründe für das vitale Interesse, das wir an seiner
Sicherheit haben. Schließlich handelt es sich hier um
ein Gebiet, in dem Amerika während der letzten sechs
Jahrzehnte drei Kriege führte und in dem 100.000
amerikanische Soldaten stationiert sind.
Präsident Clinton hat diese dynamische Region oben
auf unsere Tagesordnung gesetzt, und ich plane, ihren
Versprechungen und Gefahren einen Großteil meiner
Aufmerksamkeit zu widmen.
Unsere dortigen Prioritäten liegen in der Stärkung
unserer wichtigsten Bündnisse sowie der gleichzeitigen erfolgreichen Pflege unserer facettenreichen
Beziehungen zu China.
Aufgrund unseres Engagements für die regionale
Sicherheit haben wir unsere vornestationierte Militärpräsenz im Westpazifik beibehalten. Wir ermutigen
regionale Bestrebungen zur gewaltlosen Beilegung
territorialer oder anderer Streitigkeiten. Wir arbeiten
hart an der Öffnung von Märkten für amerikanische
Produkte und Dienstleistungen - sowohl bilateral als
auch im Rahmen des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC). Diese Frage
machte Präsident Clinton zu einem Thema der Gipfeltreffen. Wir erweitern unsere diplomatischen und
sicherheitspolitischen Beziehungen zu Südostasien,
der Heimat der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Und wir werden weiterhin die
Achtung der international anerkannten Menschenrechte und die Ausbreitung der Freiheit fördern.
Unsere engsten und weitreichendsten bilateralen
Beziehungen in der Region unterhalten wir zu Japan,
mit dem wir unser Bündnis nachdrücklich bekräftigten.

AMERIKA DIENST 01

Wir halten mit Japan regelmäßige Konsultationen über
ein breites Spektrum außenpolitischer Fragen ab - von
Sicherheit in Asien bis zu Entwicklung in Afrika. Wir
wissen die großzügige finanzielle Unterstützung des
Landes für Friedensbestrebungen von Bosnien bis
zum Nahen Osten zu würdigen. Und wir arbeiten mit
Japan und einem weiteren geschätzten Verbündeten,
der Republik Korea, an der Umsetzung des Rahmenabkommens über das Einfrieren der Entwicklung von
Nuklearwaffen in Nordkorea zusammen. In den letzten
Wochen haben wir mit Seoul erfolgreich am Abbau der
Spannungen, der Bekräftigung des nuklearen Einfrierens und der Verbesserung der Dialogsaussichten
auf der Halbinsel zusammengearbeitet.
Ich würde mich freuen, im Falle meiner Bestätigung
sowohl Japan als auch der Republik Korea möglichst
bald einen Besuch abstatten zu können.
Ferner sehe ich dem bevorstehenden Besuch des
chinesischen Außenministers bei uns erwartungsvoll
entgegen.
Starke bilaterale Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China sind erforderlich, um die
Zusammenarbeit auszuweiten, das Potential für
Mißverständnisse zu verringern und Chinas Entwicklung zu einem verantwortungsbewußten Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft zu ermutigen.
Um Fortschritte zu machen, müssen unsere beiden
Länder auf der Grundlage gegenseitiger Offenheit
miteinander umgehen. Wir haben wichtige Differenzen, insbesondere bei Handel, Waffenlieferungen und
Menschenrechten, einschließlich Tibet.
Wir sind
besorgt über die chinesische Politik gegenüber
Hongkong. Obwohl wir an unserer Politik festhalten,
daß es nur ein China gibt, werden wir starke inoffizielle
Beziehungen zu Taiwan pflegen. Wir haben jedoch
auch viele gemeinsame Interessen, und wir haben bei
mehreren Fragen zusammengearbeitet, einschließlich
der koreanischen Halbinsel, Verbrechensbekämpfung,
Umweltschutz und Nuklearversuchen.
Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber China
wird im Kongreß und im amerikanischen Volk seit
langem kontrovers diskutiert. Es bestehen Meinungsverschiedenheiten über ein angemessenes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Elementen dieser
Politik. Es sollte jedoch kein Zweifel an der Bedeutung
dieser Beziehungen und der Notwendigkeit einer auf
Integration, nicht Isolation Chinas abzielenden Politik
bestehen.
Präventive Verteidigung
tödlicher Waffen

durch

die

Kontrolle

Der Kalte Krieg mag vorüber sein, aber die Bedrohung
unserer Sicherheit durch nukleare und andere Massenvernichtungswaffen ist nur verringert, nicht beendet

Seite 5

�worden. Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind
weiterhin ein wesentliches Element unserer Außenpolitik.
Unter unserer Führung ist viel erreicht worden.
Russische Raketen sind nicht länger auf unsere
Häuser gerichtet. Aus Belarus, Kasachstan und der
Ukraine wurden die Nuklearwaffen abgezogen, und die
letzten Raketensilos werden mit Sonnenblumen
bepflanzt. Die Nuklearkapazitäten des Irak wurden
verringert, die Nordkoreas eingefroren. Der Nichtverbreitungsvertrag wurde unbegrenzt und bedingungslos
verlängert. Ein umfassendes Verbot von Atomtests
wurde verabschiedet, und bald wird ein Verbot von
Chemiewaffen in Kraft treten.
Herr Vorsitzender, diese Bestrebungen zur Verringerung der Ausbreitung und Zahl von Massenvernichtungswaffen tragen zu dem bei, was Verteidigungsminister Perry als "präventive Verteidigung"
bezeichnet. Sie zielen auf die Wahrung der Sicherheit
aller Amerikaner ab. Wir wollen damit nicht anderen
einen Gefallen tun, sondern unterstützen unsere
eigenen nationalen Interessen. Aber Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind eine noch nicht
beendete Aufgabe, zu deren Fortsetzung wir Ihre Hilfe,
die dieses Ausschusses und des Senats benötigen.
Erstens werden wir Sie um Ihre Zustimmung zur
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention vor ihrem
Inkrafttreten Ende April ersuchen.
Wie dieser Ausschuß weiß, wurde die CW-Konvention
unter Präsident Reagan in die Wege geleitet und unter
Präsident Bush ausgehandelt. Sie wird von vielen in
beiden Parteien, von Unternehmen und unserem
Militär unterstützt. Die CW-Konvention ist kein Allheilmittel, aber sie wird es verbrecherischen Staaten und
anderen, die unseren Interessen gegenüber feindlich
gesinnt sind, erschweren, Chemiewaffen zu entwickeln
oder zu beschaffen. Herr Vorsitzender, ich hoffe auf
unsere Zusammenarbeit, um diesen Vertrag rechtzeitig
zu verabschieden, damit die Vereinigten Staaten
Gründungsmitglied sein können.
Wir werden auch Ihre baldige Zustimmung zum KSEFlankenabkommen anstreben, das für den KSEVertrag unerläßlich ist, der wiederum in hohem Maße
zur europäischen Sicherheit beiträgt.
In Übersee werden wir mit Rußland zusammenarbeiten, um die unverzügliche Ratifizierung des
START Il-Vertrags durch die Duma sicherzustellen und
dann weitere Reduzierungen und Begrenzungen
strategischer Nuklearwaffen anzustreben.
Wir werden auch die Bestrebungen fortsetzen, um die
Forderung von Präsident Clinton nach Verhandlungen
zu erfüllen, die zu einem weltweiten Verbot des
Einsatzes, der Lagerung, Herstellung und des Trans-

Seite 6

fers von Antipersonenminen führen.
Die durch
Mißbrauch von Landminen verursachten humanitären
Probleme können nur auf globaler Basis bewältigt
werden. Im September erklärte der Präsident vor der
UN-Generalversammlung, "unsere Kinder haben
Anspruch darauf, auf sicherem Boden gehen zu
können". Dies wird in den nächsten vier Jahren ein
wichtiges Rüstungskontrollziel sein.
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sind eng mit
unserer Politik gegenüber verbrecherischen Staaten
verbunden. Wir haben großes Interesse zu verhindern, daß Massenvernichtungswaffen von Regimen
mit erwiesener Mißachtung der Rechtsstaatlichkeit
beschafft werden. Entsprechend werden wir weiterhin
auf die Verbesserung der Sicherheit hinarbeiten und
das Abzweigen von spaltbarem Material verhindern.
Wir lehnen den Verkauf oder Transfer von modernen
Waffen oder Technologien an den Iran nach wie vor
vehement ab. Und wir werden auf der Beibehaltung
strenger Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak bestehen, bis das Regime die entsprechenden Resolutionen des Sicherheitsrats erfüllt.
Tatkräftige Diplomatie zur Unterstützung des
Friedens
Herr Vorsitzender, die angemessene Rolle der Vereinigten Staaten bei der Beendigung von Konflikten
und der Reaktion auf Krisen in Übersee ist eingehend
erörtert worden, nicht nur in unserer Zeit, sondern im
gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte.
Weil wir einzigartige Fähigkeiten und beispiellose
Macht haben, ist es natürlich, daß andere sich in
Notfällen an uns wenden. Wir haben zahllose Chancen, auf der ganzen Welt zu handeln. Aber wir haben
weder unbegrenzte Ressourcen noch unbegrenzte
Verantwortung. Wenn wir unsere eigenen Interessen
schützen und unsere Glaubwürdigkeit bewahren
wollen, müssen wir unser jeweiliges Engagement
sorgfältig abwägen und sowohl selektiv als auch
diszipliniert bei unseren vereinbarten Einsätzen
vorgehen.
In Anbetracht dieser Tatsache haben wir einen starken
Anreiz, andere Mechanismen zur Reaktion auf Notfälle
und Konflikte zu stärken, darunter die Vereinten
Nationen und regionale Organisationen. Wir sollten
eng mit dem gesamten Netz öffentlicher und nichtstaatlicher Organisationen zusammenarbeiten, um die
humanitären und anderen Kosten natürlicher und vom
Menschen verursachter Katastrophen vorherzusehen,
zu verhindern, einzudämmen und zu minimieren. Und
wir sollten darauf bestehen, daß andere Nationen, die
dazu in der Lage sind, den ihnen angemessenen
finanziellen, technischen und - wenn nötig - militärischen Beitrag leisten.

AMERIKA DIENST 01

�Die oberste Verpflichtung der Vereinigten Staaten
besteht gegenüber ihren eigenen Bürgern. Wir sind
keine Wohltätigkeitsorganisation oder eine Feuerwehr.
Wir werden entschieden unsere eigenen lebenswichtigen Interessen verteidigen.
Wir sind uns jedoch bewußt, daß unsere Interessen
und die unserer Verbündeten auch durch regionale
oder Bürgerkriege und ein Machtvakuum betroffen sein
könnten - das sich Kriminelle und Terroristen zum Ziel
nehmen - sowie durch entsetzliches menschliches
Leid und Bedrohungen der Demokratie. Präsident
Clinton hat vor kurzem erklärt: "Die Vereinigten
Staaten können und sollten nicht versuchen, jedes
Problem zu lösen, aber wo unsere Interessen klar sind,
unsere Werte auf dem Spiel stehen und wir etwas
bewirken können, müssen wir handeln und eine
Führungsrolle übernehmen."
Während der vergangenen vier Jahre haben die
Vereinigten Staaten unter der Führung von Präsident
Clinton und Außenminister Christopher in historisch
krisengeschüttelten Regionen der Welt unerschütterlich die Friedensstifter gegen die Bombenleger unterstützt. Unser Ziel war die Schaffung eines Umfelds, in
dem Bedrohungen unserer Sicherheit und der unserer
Verbündeten sowie die Wahrscheinlichkeit der Entsendung amerikanischer Streitkräfte in einen Kampf
verringert sind.
Wir sind uns bewußt, daß weder die Vereinigten
Staaten noch irgendeine andere Macht von außen in
den meisten dieser Situationen eine Lösung aufzwingen kann. Aber wir können es den Friedenssuchenden erleichtern, die zur Erlangung dieses Friedens
erforderlichen Risiken zu übernehmen.
Während der Vorbereitung dieser Rede hat die
kontinuierliche Diplomatie der Vereinigten Staaten im
Nahen Osten zu einem neuen Dialog zwischen Israel
und seinen palästinensischen Partnern beigetragen
und bemerkenswerte Fortschritte beim Abzug der
Israelis aus Hebron erzielt.
Obwohl ein Abkommen noch nicht in greifbare Nähe
gerückt ist, haben die von uns während der vergangenen drei Monate geführten intensiven Verhandlungen einschließlich persönlicher Gespräche zwischen
Ministerpräsident Netanjahu und PLO-Führer Arafat eine gewisse Dynamik und größeres Vertrauen
zwischen den beiden Seiten wiederhergestellt. Dieser
Prozeß begann während des von Präsident Clinton im
Oktober letzten Jahres anberaumten Gipfeltreffens in
Washington und wurde durch unser tatkräftiges
diplomatisches Engagement bewahrt und vorangebracht.
Ministerpräsident Netanjahu und PLO-Chef Arafat
haben gegenüber Präsident Clinton ihre Entschlossenheit zur Fortsetzung ihrer gemeinsamen Bestrebungen

AMERIKA DIENST 01

für den Frieden bekräftigt. Die Vereinigten Staaten
werden dabei an ihrer Seite stehen.
Heute gibt es zwei konkurrierende Visionen im Nahen
Osten. Eine konzentriert sich auf das Leid und die
Tragödien der Vergangenheit, die andere auf die
Möglichkeiten der Zukunft. Ein Abkommen über
Hebron würde als Katalysator dienen und die Verfechter des Friedens stärken. Unter der Führung des
Präsidenten beabsichtigen wir, auf allen Ebenen
entschieden vorzugehen, um einen sicheren, umfassenden und dauerhaften Frieden zwischen Israel und
seinen arabischen Nachbarn zu realisieren.
Im gesamten Verlauf dieses Prozesses werden wir
vom unerschütterlichen Engagement der Vereinigten
Staaten für die Sicherheit Israels und unserem Widerstand gegen diejenigen geleitet sein, die diesen
Prozeß durch Terroranschläge und Gewalt stören
wollen.
Außenminister Christopher verläßt sein Amt nach vier
Jahren historischer Fortschritte bei der Erleichterung
des Friedens im Nahen Osten. Er wird vermißt
werden, und ich werde der Verpflichtung des USAußenministeriums zu einer aktiven Rolle der Vereinigten Staaten in diesem seit so langem von Krisen
geschüttelten und strategischen Teil der Welt weiterhin
nachkommen.
Auch in Zypern sind seit langem bestehende Meinungsverschiedenheiten nach wie vor ungelöst. 1996
kamen die Parteien einer endgültigen Entscheidung
über den Status der Insel nicht näher. Darüber hinaus
haben beunruhigende gewalttätige Zwischenfälle das
Klima für Verhandlungen beeinträchtigt und gleichzeitig
ihre Dringlichkeit unterstrichen. Die Kontroverse hier
und ähnliche Differenzen zwischen unsere beiden
NATO-Verbündeten Türkei und Griechenland betreffen
die europäische Stabilität und unsere vitalen Interessen. Entsprechend sind wir in diesem neuen Jahr
bereit, eine größere Rolle bei der Förderung einer
Lösung für Zypern zu übernehmen, aber damit eine
Initiative Früchte tragen kann, müssen die Parteien
Schritten zustimmen, die Spannungen abbauen und
direkte Verhandlungen möglich machen.
In Nordirland fühlen wir uns durch die Aufnahme von
Mehrparteiengesprächen ermutigt, sind jedoch
enttäuscht über den Mangel an Fortschritten und
verurteilen die erneuten Gewaltakte der IRA aufs
Schärfste. Wir werden weiterhin mit der irischen und
der britischen Regierung sowie den betroffenen
Parteien zusammenarbeiten, um zu substantiellen
Fortschritten bei den Gesprächen beizutragen. Wir
stellen fest, daß der ehemalige Senator George
Mitchell, der den Vorsitz der Mehrparteiengespräche
führt, entscheidend an den erzielten Fortschritten
beteiligt war.

Seite 7

�Am Vorabend des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit
von Indien und Pakistan werden wir erneut die Aussichten für einen Abbau der Spannungen prüfen, die
seit langem zwischen diesen beiden Freunden der
Vereinigten Staaten bestehen.
Wir haben eine Fülle von Sachwerten in dieser Region
und sind besonders besorgt über den regionalen
Rüstungswettlauf und die nukleare Weiterverbreitung.
Sowohl Indien als auch Pakistan sollten wissen, daß
wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen
werden, um die Beziehungen der beiden Länder zu
uns zu stärken und bessere Beziehungen zwischen
ihnen zu ermutigen. Von beiden Ländern erwarten wir,
daß sie Aktionen vermeiden, die als Provokation des
anderen beabsichtigt sind.
Ein weiterer durch die Geschichte und Geographie
bedingter Disput besteht zwischen Armenien, Aserbaidschan und Nagorny-Karabach. Die gute Nachricht
ist, daß der Waffenstillstand jetzt seit über zwei Jahren
hält. Die schlechte Nachricht ist, daß die Fortschritte
unter dem Minsk-Prozeß der OSZE quälend langsam
erzielt werden. Wir haben sehr beträchtliche wirtschaftliche, politische und humanitäre Interessen in
dieser Region und sind bereit, eine maßgeblichere
Rolle bei einer Lösung zu spielen. Ein Schritt, den der
Kongreß zur Erhöhung unseres Einflusses unternehmen sollte, wäre die Aufhebung der Restriktionen für
nichtmilitärische Hilfe für Aserbaidschan bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Unterstützung unseres
großzügigen Hilfsprogramms in Armenien.
In Zentralafrika versuchen wir mit den regionalen
Politikern und unseren Verbündeten zu verhindern,
daß die immer noch instabile Situation zu einer noch
größeren Tragödie eskaliert.
Wir ermutigen die
Rückführung der restlichen ruandischen Flüchtlinge
und sind bei ihrer Reintegration in die ruandische
Gesellschaft behilflich. Mit den Bestrebungen des
Sondergesandten Howard Wolpe fördern wir einen
Dialog zwischen den gegnerischen Parteien in Burundi. Und wir unterstützen ein Ende des Konflikts in
Zaire auf der Grundlage der Anerkennung der territorialen Integrität Zaires und vollständiger Respektierung
der Menschenrechte.
Herr Vorsitzender, ich habe Afrika im vergangenen
Jahr besucht. In Ruanda, in der wunderschönen
Region, wo der Film "Gorillas im Nebel" gedreht wurde,
gibt es eine alte Steinkirche. Neben dieser Kirche
arbeiten Amerikaner und andere Freiwillige mit kleinen
Bürsten, um die Gebeine der 1994 dort ermordeten
Menschen zu reinigen und zusammenzufügen. Unter
den Hunderten von Skeletten fiel mir eines auf, das nur
ungefähr 50 cm lang war - in etwa die Größe meines
kleinen Enkels.
Man sagt, Außenpolitik sollte nicht von Emotionen
geleitet sein. Das ist richtig. Aber wir sollten uns vor

Seite 8

Augen führen, daß ermordete Kinder keine Emotionen
sind - sie sind menschliche Geschöpfe, deren potentieller Beitrag für immer verloren ist. Amerika hat
ebenso wie alle zivilisierten Menschen ein Interesse,
wo immer möglich zu handeln, um Genozid zu verhindern und abzulehnen.
Ein praktischer Schritt, den wir unternehmen können,
ist die Verbesserung der Fähigkeit der afrikanischen
Länder, sich erfolgreich für friedenssichernde Bestrebungen innerhalb ihrer Region zu engagieren. Das ist
der Zweck der von der Administration im Herbst
vergangenen Jahres vorgeschlagenen Reaktionstruppe auf afrikanische Krisen. Dieser Vorschlag hat
beträchtliches Interesse sowohl innerhalb als auch
außerhalb der Region hervorgerufen. Mit der Unterstützung des Kongresses wird ihm im kommenden
Jahr Priorität eingeräumt.
Führungsrolle für eine globale Wirtschaft
Die Clinton-Administration hat in diesen vergangenen
vier Jahren außergewöhnlichen Erfolg bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Amerikaner im Inland durch
die Öffnung von Märkten im Ausland erzielt. Die über
200 vereinbarten Handelsabkommen haben zu einem
Zuwachs unserer Exporte um 34 Prozent seit 1993
geführt und 1,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Durch die Verabschiedung des NAFTA, den
Abschluß der Uruguay-Runde des GATT und das beim
Gipfeltreffen von Miami eingegangene Versprechen,
bis zum Jahr 2005 freien und offenen Handel in
unserer Hemisphäre herbeizuführen, sowie die APECVerpflichtung, bis 2020 dasselbe in der asiatischpazifischen Region zu bewirken, hat der Präsident die
Vereinigten Staaten zu einem noch dynamischeren
Dreh- und Angelpunkt der globalen Wirtschaft im 21.
Jahrhundert gemacht.
Als Außenministerin würde ich alles in meiner Macht
Stehende tun, damit diese Dynamik anhält. Ich habe
bereits mit Finanzminister Rubin, dem designierten
Wirtschaftsminister Bill Daley und der designierten
Handelsbeauftragten Charlene Barshefsky gesprochen. Im Falle unserer Bestätigung beabsichtigen wir
als Team zu arbeiten - Amerikas Team. Und wir
beabsichtigen, ein sehr entschlossenes Team zu sein.
Der Wettbewerb auf den Märkten der Welt ist hart.
Häufig liegen unsere Firmen Kopf an Kopf mit ausländischen Konkurrenten, die von ihren Regierungen aktiv
unterstützt werden. Eine Hauptverantwortung des
Außenministeriums ist darauf zu achten, daß die
Interessen amerikanischer Unternehmen und Arbeitnehmerfair behandelt und ungerechte Hemmnisse für
Wettbewerb überwunden werden.
Entsprechend
stehen die Türen des Außenministeriums und unserer
Botschaften auf der Welt für amerikanische Geschäftsleute offen - und werden offen bleiben -, die ihre Ideen
vermarkten wollen und um unsere Hilfe bitten.

AMERIKA DIENST 01

�In den kommenden Jahren müssen wir weiterhin ein
globales Wirtschaftssystem schaffen, das für Amerika
arbeitet. Weil unsere Menschen so produktiv und
erfindungsreich sind, werden wir bei jedem echten
Wettbewerb Erfolg haben. Die Aufrechterhaltung des
gerechten Systems erfordert jedoch konstante Anstrengungen. Die Erfahrung lehrt uns, daß es immer
einige geben wird, die einen Vorteil erzielen wollen,
indem sie den Zugang zu unseren Produkten verweigern, Produktpiraterie bei unseren urheberrechtlich
geschützten Waren begehen oder uns durch Ausbeutungsbetriebe unterbieten.

Fülle gemeinsamer Anliegen teilen, darunter Kriminalität, Drogen, Einwanderung und die Umwelt.

Aus diesem Grund wird unsere Diplomatie weiterhin
einen hohen Standard bei den Arbeitsbedingungen,
der Umwelt und Unternehmenspraktiken betonen.
Und aus diesem Grund werden wir auf ein Handelssystem hinarbeiten, das faire Regeln einführt und
durchsetzt.

Wir wissen jedoch, daß der Hauptantrieb für die
Entwicklung dort wie überall vom Privatsektor kommen
muß.

Obwohl wir nach wie vor eng mit unseren G-7-Partnern
zusammenarbeiten, sind die Vorteile der wirtschaftlichen Integration und erweiterten Handels nicht auf die
meisten Industrienationen begrenzt und sollten dies
auch nicht sein. Insbesondere heute, da unser
bilaterales Auslandshilfeprogramm gekürzt wird, sind
Wirtschaftsinitiativen des öffentlichen und Privatsektors
überall ein wichtiger Bestandteil unserer Außenpolitik.
Wir können auch Ressourcen effektiv einsetzen,
indem wir mit den internationalen Finanzinstitutionen
zusammenarbeiten und sie unterstützen.
In Lateinamerika, einer Region von Demokratien,
werden wir auf den gesamtamerikanischen Gipfel von
1994 aufbauen, um die Rechts- und andere politische
Institutionen zu stärken sowie einen höheren Lebensstandard durch freien Handel und wirtschaftliche
Integration zu fördern. Ich freue mich, daß wir bei
diesen Bestrebungen die Hilfe des neuen designierten
Sondergesandten für Gesamtamerika, Mack McLarty,
haben.
Obwohl es noch sehr viel Armut gibt, wurden in vielen
Teilen der Hemisphäre durch Wirtschaftsreformen,
verstärkten Handel, niedrige Inflation und höhere
Auslandsinvestitionen substantielle Fortschritte erzielt.
Wir sind der Auffassung, daß durch ein Abkommen
über eine Freihandelszone für Gesamtamerika bis zum
Jahr 2005 weitere Fortschritte erzielt werden können,
die für uns und unsere Partner in der Hemisphäre von
Vorteil sind. Wir räumen auch dem baldigen Beitritt
Chiles zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen unter gleichen Bedingungen sowie der Erweiterung von dem NAFTA entsprechenden Arrangements
auf Zentralamerika und die Karibik hohe Priorität ein.
In unserer unmittelbaren Umgebung ermutigen wir
andauernde wirtschaftliche und politische Reformen in
Mexiko, einem Land, mit dem wir eine gemeinsame
Grenze von 3.400 Kilometern Länge haben und eine

AMERIKA DIENST 01

In Afrika verbessert sich die generelle wirtschaftliche
Perspektive, aber erschreckende Probleme wie
Verschuldung, Streitigkeiten, Umweltzerstörung und
unzureichende Investitionen bestehen weiterhin.
Es liegt in unserem Interesse, den Politikern der
Region bei der Überwindung dieser Probleme behilflich
zu sein und ein Afrika aufzubauen, das wohlhabender,
demokratischer und stabiler ist.

Daher ist es ermutigend, daß viele afrikanische
Regierungen Wachstum durch Maßnahmen erleichtern, die es Privatunternehmen gestatten, das Ruder
zu übernehmen, während sie gleichzeitig klug in
Bildung, Gesundheitswesen und Projekte zur Verbesserung der Chancen für Frauen investieren.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich große Betonung
auf die Zusammenarbeit mit den demokratischen
Politikern Afrikas legen, um diese Trends zu erweitern
und zu vertiefen. Insbesondere werden wir auf die
Integration Afrikas in die Weltwirtschaft hinarbeiten,
uns an Bestrebungen zur Erleichterung der Schuldenlast beteiligen und den Ländern, die dafür in Frage
kommen, wo wir können mit gezielten bilateralen
Hilfsprogrammen helfen.
Förderung der Freiheit
Rechtsstaatlichkeit

und Erweiterung der

Herr Vorsitzender, der Vertreter einer ausländischen
Macht hat einmal gesagt, sein Land haben keine
permanenten Verbündeten, nur permanente Interessen.
Von Amerika könnte man sagen, daß das Land keine
permanenten Feinde, sondern nur permanente
Prinzipien hat.
Diese Prinzipien gründen auf der Respektierung der
Gesetze, menschlichen Würde und Freiheit, nicht nur
für einige, sondern für alle Menschen.
Sollte ich bestätigt werden, kann ich Ihnen versichern,
daß die Vereinigten Staaten nicht zögern werden, die
Verletzung international anerkannter Menschenrechte
offen anzusprechen, unabhängig davon, ob sie in
Kuba oder Afghanistan, Burma, Belgrad oder Peking
stattfindet.
Wir werden mit anderen zusammenarbeiten, um die
Kräfte des internationalen Verbrechens zu bekämpfen

Seite 9

�und die Drogenhändler für immer aus dem Geschäft zu
vertreiben.
Wir werden einen harten Kurs gegen internationalen
Terror verfolgen und auf dem Prinzip bestehen, daß es
nicht gerechtfertigt werden kann, Terroristen zu
unterstützen oder ihnen Zuflucht zu gewähren. Es ist
falsch. Und den Schuldigen sollte nicht applaudiert,
sondern sie sollten isoliert und bestraft werden.
Wir werden unsere starke Unterstützung des internationalen Kriegsverbrechertribunals für Ruanda und den
Balkan fortsetzen, weil wir der Überzeugung sind, daß
die der ethnischen Säuberung Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden sollten, und diejenigen, die
Vergewaltigung nur als eine weitere Kriegstaktik
ansehen, für ihre Verbrechen einstehen müssen.
Und wir werden weiterhin Demokratie fördern und
befürworten, weil wir wissen, daß Demokratie ein Vater
des Friedens und die Amerikanische Verfassung noch
immer die revolutionärste und anregendste Quelle für
Wandel in der Welt ist.

größte Herausforderungen und Chancen erachte, mit
denen wir uns in den nächsten vier Jahren konfrontiert
sehen. Zweifelsohne haben wir viel zu tun.
Ich könnte Ihnen sagen, daß ich immer die Ambition
hatte, Außenministerin der Vereinigten Staaten zu
werden. Aber das stimmt nicht. Offen gesagt, habe
ich nicht gedacht, daß es möglich wäre.
Ich kam mit 11 Jahren nach Amerika. Meine Familie
kam hierher, um dem Kommunismus zu entfliehen und
Freiheit zu finden - und das haben wir. Meine Ambition
zu jener Zeit war nur, gut Englisch zu sprechen, meine
Eltern zu erfreuen, hart zu lernen und aufzuwachsen,
um Amerikanerin zu sein.
Die Zeitung in Denver, wo wir lebten, hatte folgendes
Motto: "Es ist ein Privileg, in Colorado zu leben."
Mein Vater pflegte dieses Motto in regelmäßigen
Abständen zu wiederholen, fügte aber häufig eine
kleine Mahnung hinzu: "Kinder", sagte er, "vergeßt nie,
daß es auch ein Privileg ist, in den Vereinigten Staaten
zu leben."

Die Umwelt
Abschließend, Herr Vorsitzender, möchte ich klarstellen, daß ich im Falle meiner Bestätigung auf
Außenminister Christophers kluge Entscheidung
aufbauen möchte, Umweltbelange in unsere Außenpolitik einzubeziehen.
In den vergangenen Jahren bin ich in nahezu jede
Region der Welt gereist. Ich habe die durch Überentwicklung verursachte drängende Fülle und die
Entwaldung gesehen, die entsteht, wenn zunehmende
Populationen um abnehmende natürliche Ressourcen
kämpfen. Ich habe die Luft smogbelasteter Städte
gerochen, wo die durch moderne Technologien
ermöglichten Umwelttechniken noch nicht angewandt
werden.
Die Bedrohungen, denen wir uns durch Umweltzerstörung gegenübersehen, sind nicht so spektakulär
wie die durch die Bombe eines Terroristen oder eine
gegnerische Rakete. Aber sie betreffen direkt die
Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität von
Familien überall auf der Welt. Wir können wählen, ob
wir bei der Reaktion auf diese Bedrohungen passiv
bleiben und die harte Arbeit unseren Kindern überlassen, oder jetzt aktiv und vorausschauend sind. Ich
habe mich für den letzteren Kurs entschieden, und
werde nicht zögern, die Unterstützung des Kongresses
und der Öffentlichkeit dafür zu gewinnen.
Schlußbemerkung
Verehrte Ausschußmitglieder, ich fühle mich zutiefst
geehrt, heute hier sein zu dürfen. Ich habe einiges,
aber bei weitem nicht alles dargelegt, was ich als

Seite 10

Lange nachdem ich mein Zuhause verlassen hatte, rief
meine Mutter immer am 4. Juli an, um meine Kinder ihre Enkel - zu fragen: "Sagt mir, singt Ihr patriotische
Lieder?"
Senatoren, Sie auf Ihrer Seite des Tisches und ich auf
meiner haben eine einzigartige Chance, Partner bei
der Schaffung eines neuen und dauerhaften Rahmens
für eine amerikanische Führungsrolle zu sein. Einer
meiner Vorgänger, Dean Acheson, schrieb darüber,
bei der Schaffung eines neuen Zeitalters dabei zu sein.
Sie und ich stehen vor der Herausforderung und
haben die Verantwortung, das neueste Kapitel unserer
Geschichte mitzuverfassen.
Dabei sollten wir uns vor Augen führen, daß es keine
Seite im amerikanischen Buch der Geschichte - auf die
wir stolz sind - gibt, die von einem chronischen Nörgler
oder einem Niedergangspropheten geschrieben
wurde.
Wir sind Macher.
Indem wir der Versuchung der Isolation widerstehen
und Seite an Seite mit denen auf der Welt stehen, die
unsere Werte teilen, werden wir unsere eigenen
Interessen voranbringen, unsere besten Traditionen
ehren und versuchen, daß ein Gebet erhört wird, das
viele Jahre lang in zahlreichen Sprachen gesprochen
wurde, entsprechend der unterschiedlichen Sitten, als
Antwort auf ein gemeinsames Streben.
Dieses Gebet ist das Gebet für Frieden, Freiheit,
Essen auf dem Tisch und das, was Präsident Clinton

AMERIKA DIENST 01

�einst so eloquent als "das stille Wunder eines
normalen Lebens" bezeichnet hat.
Wenn ich mit Ihrer Zustimmung als Außenministerin
bestätigt werde, möchte ich Sie bitten, mit mir gemein-

AMERIKA DIENST 01

sam als Vertreter der unerläßlichen Nation und mit der
Hilfe Gottes alles zu tun, damit dieses Gebet erhört
wird.
Ich danke Ihnen.

Seite 11

�NATO
15. Januar 1997

Die neue transatlantische Partnerschaft
Rede von Botschafter Hunter

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Botschafter Robert E. Hunter, Ständiger
Vertreter der Vereinigten Staaten bei der NATO, am 19. Dezember 1996 anläßlich des ihm vom European
Institute verliehenen Transatlantic Leadership Award gehalten hat.

Was für eine großartige Zeit ist das heute für die
NATO. In genau sieben Stunden und 31 Minuten läuft
das Mandat der Implementation Force (IFOR) in
Bosnien - der Operation Joint Endeavor - aus. Und im
gleichen Augenblick werden wir die Operation Joint
Guard einleiten, die Stabilization Force (SFOR). Das
sind 366 Tage seit der Stunde Null der ersten Mission,
und es ist die Stunde Null der neuen Mission. Das ist
eine beeindruckende Leistung. Alle 16 NATO-Verbündeten waren an der IFOR beteiligt. Das 16. Land ist
Island, das keine Streitkräfte unterhält, aber, um sich
zu beteiligen und Solidarität zu zeigen, einen Arzt und
zwei Krankenschwestern entsandt hat. Auch 13
Mitglieder der Partnerschaft für den Frieden und vier
andere Länder haben sich an der IFOR beteiligt, und
wir haben zusammen das erreicht, was vor noch
einem Jahr unmöglich erschien, jetzt jedoch praktisch
eine Alltäglichkeit ist. Was die NATO sowie ihre
Freunde und Partner geleistet haben, war außergewöhnlich. Ich danke Gott für die unglaubliche Tatsache, daß es bis jetzt kein einziges Todesopfer gegeben hat - das ist beispiellos bei einer Operation dieser
Qualität und Größe, vor allem in der modernen Geschichte.
Was die NATO tut, wird natürlich nicht genug sein, um
den Erfolg des Abkommens von Dayton zu gewährleisten. Was die NATO tut, wird natürlich nicht genug
sein um sicherzustellen, daß sich für die gepeinigten
Menschen in Bosnien die Hoffnungen erfüllen.
Natürlich liegt die Verantwortung bei den Menschen in
Bosnien selbst, bei ihren Nachbarn und bei der
internationalen Staatengemeinschaft.
Sie müssen
dafür sorgen, daß die zivilen Bestrebungen - der
Wiederaufbau - erfolgen und dafür sorgen, daß die
Polizei die notwendigen Funktionen übernimmt, dafür
sorgen, daß die Kriegsverbrecher in Den Haag vor

AMERIKA DIENST 01

Gericht gestellt werden, und dafür sorgen, daß die
Flüchtlinge in ihre oder ähnliche Häuser in ganz
Bosnien zurückkehren können.
Ich möchte jedoch auch eindeutig klarstellen, daß die
NATO definitiv etwas bewirkt hat. Nach drei langen
Jahren des Kampfes im Rat und im Bündnis ist es uns
gelungen, Indifferenz durch Aktionen zu ersetzen, es
ist uns gelungen, eine Periode des Herumprobierens
zu überwinden und, nachdem die Atlantische Allianz
beinahe wegen Bosnien in die Brüche ging, zu den
ersten erfolgreichen Luftangriffen vor nur 16 Monaten
überzugehen, mit denen die Tür zum Abkommen von
Dayton und darüber hinaus geöffnet wurde. Meiner
Ansicht nach ist es bemerkenswert, daß die NATO
überhaupt handeln konnte und nicht, daß sie so lange
brauchte, in Bosnien "einzugreifen", sich dort zu
engagieren und effektiv zu sein. Es ist bemerkenswert, daß die 16 verbündeten Regierungen in der Lage
waren, diesen großen Supertanker eines Bündnisses das allein zum Zweck der Eindämmung der sowjetischen Macht und des Kommunismus gegründet wurde
- um 120 Grad zu wenden, um sich auf einen Ort zu
konzentrieren, der für die meisten Verbündeten von
geringer strategischer, jedoch von großer politischer
und moralischer Bedeutung war, in der Tat ein Ort, der
für die meisten Verbündeten "ein weit entferntes Land
war, über das wir nichts wußten". Aber schließlich
gewannen alle 16 Länder die Erkenntnis, daß wir
dieses wertvolle Bündnis, das uns seit so vielen
Jahren Sicherheit gegeben hatte und das für so viel
mehr Menschen Sicherheit und Frieden in der Zukunft
versprach, nur bewahren und erweitern können, wenn
wir in Bosnien effektiv sind - und die schlimmsten
Kämpfe auf dem europäischen Kontinent seit dem
Zweiten Weltkrieg beenden.

Seite 1

�Ich bin sicher, daß die NATO aufgrund der Überzeugung der 16 Länder begann, die Zukunft in den Griff zu
bekommen - weit über Bosnien hinaus - und Bosnien
in historischer Hinsicht in den Schatten stellte. Und
aufgrund ihrer kollektiven Überzeugung, daß das
Bündnis es wert sei, erhalten zu werden und wir es
uns nicht leisten könnten, es zu verlieren und wegen
des Versprechens gegenüber Bosnien, waren wir
schließlich in der Lage, zusammenzukommen und
etwas zur Beendigung des Krieges zu unternehmen.
Sieben Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sind
wir uns meines Erachtens jetzt dreier Tatsachen
bewußt: Erstens, daß die Geschichte nicht zu Ende
ging, sondern vielmehr einen neuen Anfang hinzugefügt hat, eine Chance, die Prinzipien, Werte und
Gründe zu rechtfertigen, für die wir während des
Kalten Krieges gekämpft hatten. Die Geschichte fügte
auch die Verantwortung hinzu, diese Prinzipien und
Werte sehr viel mehr Völkern als je zuvor in ganz
Europa und sogar darüber hinaus nahezubringen.
Zweitens gelangten wir zu der Überzeugung, daß viele
Institutionen in diesem Prozeß von Bedeutung sein
würden: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die Europäische
Union (EU), die Westeuropäische Union (WEU) und
der Europarat. Aber eine Institution hat sich wiederum
als unerläßlich und herausragend erwiesen, und das
ist die NATO. Das dritte, das wir gelernt haben, auch
wiederum mit allem nötigen Respekt für die gemeinsamen Bestrebungen am Verhandlungstisch und im
Bündnis, ist, daß die NATO am besten arbeitet, wenn
die Vereinigten Staaten bereit sind, sich zu engagieren
und eine Führungsrolle zu übernehmen. Ich freue
mich sagen zu können, daß diese Verpflichtung auch
heute noch gültig ist - die Vereinigten Staaten sind
engagiert, sie haben eine Führungsrolle übernommen und dies gilt auf überparteilicher Ebene. Was wir
heute tun, begann unter Präsident Bush, wurde unter
Präsident Clinton fortgesetzt und von jedem Kongreßabgeordneten ratifiziert, der uns bei der NATO besucht
hat. Es geht auf die Wurzeln dieses Landes zurück.
Es ist keine Verpflichtung der Republikaner oder der
Demokraten. Meiner Ansicht nach ist es eine Verpflichtung Amerikas.
Wir haben uns bei der NATO auf vier große Ziele
geeinigt, die wir verfolgen - nicht um etwas zu haben,
das das Bündnis um seiner selbst willen erhält,
sondern vielmehr unsere gemeinsamen Interessen
fördert, für die das Bündnis erforderlich ist. Das erste
große Ziel ist natürlich, daß Amerika eine europäische
Macht bleibt, nicht nur heute, sondern auf unbegrenzte
Zukunft hinaus. Mit Ausnahme unseres eigenen
Bürgerkriegs hat unser Land in der Tat mehr Blut
vergossen und Gut geopfert, um Europa frei und
unabhängig zu halten, als für irgend etwas, das wir in
unserer gesamten Geschichte getan haben. Ich habe
keinen Grund zu der Annahme, daß wir diese Verpflichtung in Zukunft nicht wahrnehmen werden.

Seite 2

Die zweite große Aufgabe der NATO, der Europäischen Union und anderer Institutionen besteht in der
Sicherstellung, daß wir das in Zukunft bewahren, was
wir während der vergangenen 50 Jahre erfolgreich
geleistet haben, einschließlich der Verhinderung einer
Renationalisierung der Verteidigung. Noch wichtiger
ist das, was von den Ländern der Europäischen Union
erreicht wurde, das in der Geschichte der Menschheit
seinesgleichen sucht - die Abschaffung des Kriegs an
sich als Mittel der Regulierung der Beziehungen
zwischen diesen Ländern. Wir leben in Brüssel, und in
Brüssel haben wir eine Abkürzung oder einen Namen
für alles. Deshalb nenne ich das den "europäischen
zivilen Raum". Und zur Erhaltung und Erweiterung
dieses europäischen zivilen Raums beizutragen, ist
von fundamentaler Bedeutung für unsere Arbeit bei der
NATO.
Aber das sind alte Aufgaben, kontinuierliche Zielsetzungen. Die neuen Aufgaben und Zielsetzungen - die
Öffnung von Grenzen und ihr Überschreiten - beginnen mit der Übernahme von Verantwortung in der
NATO, in unserem kollektiven Interesse, für Sicherheit
in Zentraleuropa. Die Rolle der NATO für die Sicherheit im umfassendsten Sinne war während des
Kalten Krieges ein elementares Ziel im Westen, war
ein elementares Ziel bei der Bewältigung der bosnischen Herausforderung und ist elementar bei der
Bewältigung anderer potentieller Herausforderungen der Schaffung der Grundlagen für Vertrauen und
Veränderungen, damit die Menschen verstehen, daß
sie eine Zukunft haben können, die nicht von außen
gestört wird, und Vertrauen in Stabilität haben.
Was die Europäische Union und die NATO in Zentraleuropa zu tun versuchen, ist die Vollendung des
Versprechens des Marshallplans, das von Joseph
Stalin vor rund 50 Jahren vereitelt und vom Eisernen
Vorhang ausgegrenzt wurde. Wir haben jetzt endlich
eine Chance, dieses große Unternehmen zu vollenden. Es ist höchst selten - vielleicht einzigartig - in
der Geschichte, daß wir eine zweite Chance erhalten!
Jetzt haben wir die Chance, das Vermächtnis des
Marshallplans zu erfüllen.
Schließlich - und was historisch vielleicht am wichtigsten ist - sind wir bei der NATO dem Ziel des Bündnisses verpflichtet, unseren ehemaligen Gegner
Rußland einzubeziehen und zu versuchen, dem Land
beim Erfolg des Experiments mit Demokratie und
Marktwirtschaft behilflich zu sein. Wir müssen Rußland als nützliches und produktives Mitglied in die Welt
dort draußen einbeziehen. Unter Präsident Bush und
dann unter Präsident Clinton sahen wir uns mit der
Entscheidung zwischen Paradigmen konfrontiert, die
sich aus der Art ableiteten, wie Deutschland 1919 und
danach sowie 1945 und danach behandelt wurde.
Das erste Mal wurde Deutschland getreten, als es am
Boden lag, und wir haben die Ergebnisse im Zweiten
Weltkrieg gesehen. Das zweite Mal versuchten viele

AMERIKA DIENST 01

�mutige Männer und Frauen mit Vision etwas anderes.
Das Ergebnis ist das freie, unabhängige und demokratische Deutschland, das wir heute sehen. Wir haben
jetzt die Entscheidung getroffen, daß wir Rußland
entsprechend dem zweiten Paradigma behandeln
werden - so schwierig diese Herausforderung auch ist
und so schwierig es auch sein wird, Verhaltensweisen
und Denkgewohnheiten zu ändern, damit wir mit
unserem alten Gegner arbeiten können - statt ihn an
den Folgen der Beendigung des Kalten Krieges leiden
zu sehen.
Diese vergangenen anderthalb Wochen waren
entscheidend für die NATO. Ich habe gestern unseren
Verteidigungsministern in Brüssel auf Wiedersehen
gesagt, ebenso wie ich letzte Woche zu unseren
Außenministern auf Wiedersehen gesagt habe. Bei
diesen beiden Treffen haben wir einige grundlegende
Entscheidungen getroffen, die auf den jüngsten,
hoffnungsvollen Entscheidungen vom Gipfeltreffen im
Januar 1994 aufbauen, bei dem Präsident Clinton uns
seine Zukunftsvision darlegte und von den anderen
Staats- und Regierungschefs des Bündnisses die
Zustimmung dazu erhielt. Bei diesen beiden Ministertreffen haben wir den Rubikon für die Zukunft der
NATO überschritten. Das von uns Geleistete wird am
8. und 9. Juli beim nächsten NATO-Gipfel in Madrid
ratifiziert. Wir unternehmen entscheidende Schritte,
um eine neue NATO hervorzubringen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und das Bündnis
in dreierlei grundlegender Weise anzupassen: Neue
Missionen wie in Bosnien, Einbeziehung des Ostens,
um mehr Länder und Menschen zu umfassen als wir je
für möglich gehalten hätten, und einen Prozeß des
inneren Wandels zu durchlaufen, nach dem die neue
NATO in vieler Hinsicht verglichen mit der Vergangenheit nicht wiederzuerkennen ist.
Ja, beim NATO-Gipfeltreffen im Juli können und
werden wir neue Mitglieder aufnehmen. Wir werden
die Einladungen an eine Reihe neuer Länder aussprechen, die Verhandlungen mit der NATO aufzunehmen und bis 1999 Vollmitglieder des Bündnisses
zu werden. Die Tür für zukünftige Mitglieder wird offen
bleiben. Wie Außenminister Christopher bei einem
anderen historischen Anlaß im September vergangenen Jahres in Stuttgart sagte: "Die Tür zur NATOMitgliedschaft wird offen bleiben, so lange es europäische Länder gibt, die willens und bereit zur Übernahme der Pflichten der Mitgliedschaft sind."
Ja, wir können und werden alles Erforderliche tun um
sicherzustellen, daß die Länder, die nicht als erste zum
NATO-Beitritt eingeladen werden, nicht entmutigt
werden. Wir lehnen das Konzept von Grauzonen,
Pufferstaaten oder Einflußsphären ab und versuchen,
im östlichen Teil des Kontinents das außer Kraft zu
setzen, was wir bereits im Westen außer Kraft gesetzt
haben - das jahrhundertealte gescheiterte Konzept des
Kräftegleichgewichts.

AMERIKA DIENST 01

Die noch keine drei Jahre alte Partnerschaft für den
Frieden hat Wunder bewirkt - und meines Erachtens
wissen das die hier versammelten Vertreter der
Partnerländer - indem sie die Völker, die so lange
hinter dem Eisernen Vorhang litten, in die Lage
versetzte, ihren Platz im Westen einzunehmen und die
Vorteile zu genießen, die wir schon lange als selbstverständlich erachten. Die Partnerschaft für den
Frieden verfolgt zwei große Ziele. Eines besteht darin,
die Länder auf die NATO-Mitgliedschaft vorzubereiten.
Wenn wir den wichtigsten Schritt bei der NATOErweiterung unternehmen - den US-Senat um seine
Zustimmung mit Zweidrittelmehrheit zu bitten - und
wenn die Senatoren uns fragen, ob die von uns
ausgewählten Länder für die Aufnahme bereit sind,
wird die PFF gewährleisten, daß wir eine positive
Antwort erhalten - daß diese Länder zur Sicherheit
beitragen und sich ihrer nicht nur erfreuen. Noch
wichtiger ist, daß die Partnerschaft für den Frieden
eine dauerhafte, enge Verbindung zur NATO darstellt.
Die Partnerländer kommen zu uns nach Brüssel, in
unser Oberstes Hauptquartier (SHAPE), sie übernehmen die Maßstäbe der NATO, werden mit uns zusammen ausgebildet, nehmen mit uns zusammen an
Manövern teil, gehen mit uns zusammen nach Bosnien, tragen dieselben Risiken wie wir, übernehmen
dieselben Pflichten wie alle anderen Bündnismitglieder.
Tatsächlich möchten wir den Unterschied zwischen
einem Partner und einem Bündnismitglied so klein wie
möglich halten. Wir haben eine Reihe neuer Schritte
unternommen, um eine "Super"-PFF zu schaffen und
eine neue Institution ins Leben zu rufen - den Atlantischen Partnerschaftsrat - der den Beziehungen dieser
Länder zum Bündnis neuen Schwung verleihen soll.
Wir werden alles Mögliche unternehmen, um Rußland
einzubeziehen. Vor kurzem fand in Lissabon der
OSZE-Gipfel statt, bei dem der Prozeß der Modernisierung des KSE-Vertrags eingeleitet wurde. Rußland
gehört der Partnerschaft für den Frieden an. Wir
möchten besondere Beziehungen zu Rußland anknüpfen. Im letzten Jahr taten 1.500 der besten
russischen Soldaten im amerikanischen Sektor in
Bosnien Dienst. Und als wir im Herbst mit der Planung
für eine Nachfolgetruppe in Bosnien - eine Stabilisierungstruppe - begannen, erklärten die Russen: "Ihr
könnt mit uns rechnen, auf der Grundlage derselben
Bedingungen wie vorher."
Ferner schlugen wir
Rußland die Formulierung einer Charta vor, um die
besonderen Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu kodifizieren, und wir hoffen, daß sie
rechtzeitig vor dem Madrider Gipfel abgeschlossen
werden kann. Wir müssen uns jedoch über eines im
klaren sein: Rußland ist gegen eine NATO-Erweiterung. Als Außenminister Primakow vor einer Woche
mit den Außenministern des Bündnisses zusammentraf, äußerte er jedoch, die Diskussionen und Verhandlungen über die Charta könnten fortgesetzt werden.
Und als Verteidigungsminister Rodionow mit den
Verteidigungsministem der NATO zusammentraf und

Seite 3

�laut, deutlich und unmißverständlich die russische
Ablehnung einer NATO-Erweiterung erklärte, wurde er
anschließend bei seiner Pressekonferenz gefragt, ob
dies im Falle der Aufnahme neuer Mitglieder das Ende
der militärischen Zusammenarbeit zwischen Rußland
und dem Bündnis bedeuten würde. Tatsächlich
erwiderte er darauf: "Natürlich nicht, denn sie liegt in
unserem Interesse."
Ich erinnere mich, was geschah, als zwei hochrangige
russische Beamte der NATO einen Besuch abstatteten, der mehr über die russische Psychologie aussagt
als über die russischen Überlegungen hinsichtlich der
weiteren Entwicklung der NATO - ein wirkliches
Verständnis, daß die NATO für niemanden eine
Bedrohung darstellt, auch nicht für Rußland. Nachdem
die beiden Herren ein paar Tage unserer Arbeit
zugeschaut hatten, erklärte jeder von ihnen: "Wir
können akzeptieren, was die NATO tut. Wir sehen,
daß sie nicht aggressiv ist und keine Bedrohung
darstellt. Aber eines müssen Sie tun - Sie müssen den
Namen ändern. Wir können das Wort 'NATO' aufgrund seiner Bedeutung während des Kalten Krieges
in Rußland nicht verkaufen. Unter einem anderen
Namen könnte sie jedoch akzeptiert werden." Ich
fürchte jedoch, daß uns dieser Name ans Herz
gewachsen ist!
Wir können und werden das Bündnis, den Kern der
NATO, reformieren, um zu zeigen, daß wir keine
Bedrohung für Rußland darstellen und in der Lage
sind, in Bosnien und auch zukünftig bei ähnlichen
Fällen einzugreifen. Wir werden Veränderungen
durchführen, die die Grundlage für die Aufnahme
neuer Mitglieder darstellen, Ressourcen sparen und
die Unterstützung durch das Volk in jedem unserer
Länder gewährleisten.
Dadurch werden wir auf
zukünftige Herausforderungen vollständig vorbereitet.
Dadurch sowie durch unser neues Konzept alliierter
Streitkräftekommandos (CJTF) wird das Bündnis mit
16 Mitgliedern leistungsfähiger. Ich möchte die Zahl
16 besonders betonen. Vor drei Wochen entschied
sich Spanien für eine volle Mitgliedschaft im Bündnis.
Vor einem Jahr traf Frankreich am 5. Dezember die
mutige Entscheidung für ein umfassendes Engagement in der neuen, umgestalteten NATO. Am heutigen
Abend möchte ich darauf hinweisen, daß das Glas der
neuen Beziehungen Frankreichs zum Bündnis weder
halb voll noch halb leer ist, sondern zu 99 Prozent voll.
Und ich bin zuversichtlich, daß wir es auch noch um
das fehlende eine Prozent auffüllen können.
Die Umgestaltung der NATO steht auch im Zusammenhang mit einem besonderen europäischen Kapitel
- der Europäischen Union, der Westeuropäischen
Union und der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität (ESDI). Meine Regierung hat zugesagt,
alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um der
WEU erstmals bei der Durchführung wirksamer

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Aktionen zu helfen. Wir verstärken den Einfluß der
Europäer im Befehlssystem des Bündnisses, erhöhen
die Sichtbarkeit des europäischen Teils dieses Befehlssystems und schaffen die Möglichkeit für eine
verstärkte europäische Verantwortung.
Wir, die
Vereinigten Staaten, scheuen uns nicht und flüchten
auch nicht davor. Wir unterstützen und begrüßen sie
und unternehmen zusammen mit den anderen 15
Bündnismitgliedern alles hierzu Erforderliche.
Es gibt jedoch noch eine weitere unerledigte Aufgabe,
die wir in der NATO mit der Europäischen Union
angehen können. Unsere beiden Institutionen befinden sich in derselben Stadt auf zwei verschiedenen
Planeten. Derzeit bestehen praktisch noch keine
Beziehungen zwischen NATO und EU. In Brüssel
bemühen wir uns aber bereits um den Abbau dieser
Mauern. Vor zwei Monaten stattete uns Hans van den
Broek, den man als Außenminister der Europäischen
Union bezeichnen könnte, einen Besuch ab. Er nahm
an einem privaten Mittagessen des NATO-Rates teil.
Viele von uns haben an diesem Problem gearbeitet sehr konstruktiv, aber auch mit vorsichtigem Zögern
und relativ viel gegenseitigem Taxieren zwischen
NATO und EU.
Ich weiß, daß eine Organisation uns beim Knüpfen der
erforderlichen neuen Beziehungen zwischen der
NATO und der Europäischen Union helfen kann: das
European Institute hier in Washington. Jacqueline
Grapin hat bereits sehr viel getan, um die Vereinigten
Staaten und Europa über den Atlantik hinweg einander
näherzubringen. Jetzt arbeiten sie und ihr European
Institute gemeinsam an dieser grundlegenden Zusammenführung von NATO und EU - zwei derselben
Sache verschriebenen Institutionen. Wir setzen uns
dafür ein, innerhalb dieser beiden Institutionen dieselbe Geschichte des Engagements in Westeuropa
und über den Atlantik hinweg wie in Zentaleuropa und
Rußland zu schreiben. Die Ziele des Bündnisses und
der EU - und großenteils auch unsere Methodik ergänzen sich, und meines Erachtens werden wir uns
in Zukunft gegenseitig stärken. Jean Monnet formulierte es vor einigen Jahren am besten, als er sagte: "Das
Ziel besteht darin, alle an eine Seite des Tisches zu
bekommen und das Problem auf die andere." Und
genau das tut Jacqueline.
Ich möchte mit einer Herausforderung schließen und
Sie zur Übernahme einer neuen Aufgabe auffordern.
Meine Arbeit bei der NATO hat viele Aspekte, von
denen einer von herausragender Bedeutung ist.
Meines Erachtens haben wir ein gutes Bündnis für die
Zukunft aufgebaut. Wir haben unserer Meinung nach
einen Cadillac entworfen, fürchten aber, daß wir mit
einem Edsel enden, wenn wir nicht die unvermeidliche
Aufgabe erfüllen, den Menschen in diesem Land und
allen anderen Mitgliedstaaten des Bündnisses zu
erklären, warum und wie wir das tun, zu welchem
Zweck und warum sie uns unterstützen sollten. Es ist

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�eine Ironie, daß wir in einer Zeit nach dem Kalten Krieg
leben, in der leicht so viel zur Verhinderung einer
Wiederholung jedes der drei Kriege getan werden
kann, die Europa in diesem Jahrhundert erlebt hat, wir
aber so große Schwierigkeiten haben, die erforderliche
Aufmerksamkeit zu erhalten. Es werden so wenige
Mittel benötigt, aber es ist so schwierig, sie zu bekommen.
Tom Lantos, ein bekannter Kongreßabgeordneter aus
San Francisco, hat einmal gesagt, wenn man die
westlichen Länder vor zehn Jahren gefragt hätte,
wieviel sie für Ostdeutschland, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und die
Sowjetunion zahlen würden - 100 Milliarden oder 500
Milliarden Dollar? - wäre es kein Problem gewesen,
das Geld aufzubringen. Wieviel würde jetzt gezahlt,
damit diese Länder frei und unabhängig bleiben und
zum Westen gehören? Wieviel würde aufgewendet,
um das Versprechen des Marshallplans zu erfüllen?
Wievel würde man tun um sicherzustellen, daß in
Zukunft in Europa alles gewährleistet ist, was wir im
Kalten Krieg anstrebten? Bedauerlicherweise würde
man jetzt wohl eine andere Antwort bekommen zumindest wenn wir nicht in jeder unserer Nationen

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und in jedem unserer Parlamente die erforderliche
Unterstützung mobilisieren können.
Und hierfür
benötigen wir Ihre Hilfe - jetzt mehr denn je.
Isaac Newton erklärte, er stünde auf den Schulten von
Riesen. Es ist offensichtlich, daß wir in der NATO
heute auch auf den Schultern von Riesen stehen, von
denen einige heute hier versammelt sind. Teilweise
haben sie viele Jahre daran gearbeitet zu ermöglichen,
daß ich heute hier stehen kann und wir ein European
Institute haben, das so viel bewirkt. Wir blicken zurück
und beurteilen die Errungenschaften der letzten 50
Jahre. Wir sprechen über die Größe von Politikern
und ihre damalige Vision. In 50 Jahren werden die
Menschen auf uns zurückschauen - auf jeden einzelnen hier Anwesenden - mit dieser perfekten nachträglichen Einsicht - und darüber urteilen, ob wir
unserer Verantwortung gerecht geworden sind - dieser
einzigartigen Verantwortung und Chance, die keine
andere Generation in der transatlantischen oder
europäischen Geschichte hatte. Ich bin zuversichtlich,
daß die Geschichte uns milde beurteilen wird, denn ich
weiß um das Format und Engagement jedes einzelnen
hier Anwesenden. Ich danke Ihnen.

* * *

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Janet L. Yellen
Die designierte Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Nominierung von Janet L. Yellen als
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater bekannt. Yellen, die derzeitig dem Rat der Gouverneure des
Federal Reserve System, der amerikanischen Zentralbank, angehört, tritt damit die Nachfolge von Joseph Stiglitz
an.

Janet L. Yellen wurde am 12. August 1994 als Mitglied
des Rats der Gouverneure des Federal Reserve
System vereidigt - ein Posten, der am 31. Januar 2008
ausläuft.
Dr. Yellen wurde am 13. August 1946 in Brooklyn, New
York, geboren. Sie machte 1967 ihren Abschluß in
Wirtschaftswissenschaften summa cum laude an der
Brown University und promovierte 1971 in diesem
Fach an der Yale University.
Dr. Yellen war von 1971-76 Dozentin in Harvard. Von
1977-78 war sie Ökonomin im Rat der Gouverneure
des Federal Reserve System und auf internationale
Handels- und Finanzfragen, einschließlich der Stabilisierung der internationalen Wechselkurse spezialisiert.
Von 1978-80 lehrte Dr. Yellen an der London School of
Economics.
Vor ihrem Beitritt zum Rat der Gouverneure hatte Dr.
Yellen den Bernard T. Rocca, Jr.-Lehrstuhl für interna-

tionale Wirtschaft und Handel der Haas School of
Business an der University of California in Berkeley
inne, wo sie seit 1980 lehrte. Ferner gehörte sie dem
Gremium der Wirtschaftsberater des Haushaltsbüros
des Kongresses an und war hochrangige Beraterin für
Wirtschaftsfragen beim Brookings Panel.
Dr. Yellen schrieb über eine Vielzahl makroökonomischer Fragen, wobei sie sich auf die Ursachen,
Mechanismen und Auswirkungen von Arbeitslosigkeit
spezialisierte. Darüber hinaus ist sie im Bereich der
Volkswirtschaft eine anerkannte Wissenschaftlerin,
wobei sie sich in letzter Zeit auf die Ermittlung der
Handelsbilanz sowie den Verlauf der Wirtschaftsreformen in Osteuropa konzentrierte.
Dr. Yellen ist mit einem anderen Wirtschaftswissenschaftler, Professor George Akerlof, verheiratet, mit
dem zusammen sie mehrere Artikel verfaßte. Die
beiden haben einen Sohn, Robert.

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Alexis M. Herman
Die designierte Arbeitsministerin

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab am 20. Dezember 1996 die Nominierung von Alexis M. Herman zur
Arbeitsministerin bekannt. Vorbehaltlich ihrer Bestätigung durch den Senat tritt sie im Kabinett die Nachfolge von
Robert Reich an.
Während Präsident Clintons erster Amtszeit war Herman Direktorin des Büros für Öffentlichkeitsarbeit im Weißen
Haus.

Alexis Herman begann ihre berufliche Laufbahn 1969
als Sozialarbeiterin für Catholic Charities und entwikkelte Berufsausbildungsmöglichkeiten für arbeitslose
Jugendliche, ungelernte Arbeitnehmer und neue
Mitarbeiter des Schiffbauunternehmens Ingall's in
Pascagoula (Mississippi). Nach ihrer einstimmigen
Bestätigung durch den Senat im Jahr 1977 war sie
unter der Carter-Administration Direktorin des Büros
für Frauenfragen im US-Arbeitsministerium. Im Januar
1993 wurde Herman zur persönlichen Referentin
Präsident Clintons und Direktorin des Büros für
Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus ernannt. In
letztgenannter Funktion ist sie dafür zuständig,
Unterstützung für Präsident Clintons Prioritäten zu
gewinnen. In dieses Amt brachte sie mehr als zwei
Jahrzehnte leitender Tätigkeit ein, während der sie
Maßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmern, Frauen
und schwer vermittelbaren Arbeitskräften entwickelte,
förderte und umsetzte.
Herman war 1992 stellvertretende Direktorin des
Übergangsteams des Präsidenten. 1991 wurde sie
Leiterin des Komitees für den nationalen Parteitag der
Demokraten und war verantwortlich für die Organisation des Parteitags. Zuvor war sie Stellvertretende
Vorsitzende und Leiterin des nationalen Komitees der
Demokraten.
Als Gründerin und Präsidentin von A.M. Herman &amp;
Associates war Herman in den achtziger Jahren
Beraterin von Regierungen der Bundesstaaten und
Kommunalverwaltungen sowie von Privatunternehmen. Als Expertin für den Abbau und die Beseitigung

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von Hindernissen auf dem Arbeitsmarkt beriet sie
Unternehmen in Personalfragen im Zusammenhang
mit Ausbildung, Mentorentätigkeit sowie Bekämpfung
von Arbeitskräftefluktuation. Ferner half sie den
Regierungen der Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen, wirtschaftliche Entwicklungstätigkeit an die
Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausbildungsstrategien zu binden.
Als Direktorin des Büros für Frauenfragen im Arbeitsministerium unter der Carter-Administration beriet
Herman die Administration und Arbeitsminister Ray
Marshall über Arbeitsplatzpolitik. Sie rief neue Programme zur Unterstützung junger Frauen mit niedrigem Einkommen und beschäftigungsbezogenen
. Problemen ins Leben und stärkte die Zusammenarbeit
bei Frauenfragen zwischen Privatwirtschaft, Gewerkschaften und Behörden. Sie war die erste Büroleiterin,
die in den Rang einer Stellvertretenden Staatssekretärin erhoben wurde. Vor ihrer Tätigkeit im Arbeitsministerium war Herman bei R-T-P Inc. in Atlanta
nationale Direktorin des Beschäftigungsprogramms für
weibliche Angehörige von Minderheiten. Dort entwikkelte sie Programme, um Frauen aus Minderheitengruppen im Büro und an nichttraditionellen Arbeitsplätzen unterzubringen.
Herman, die seit langem eine Befürworterin starker
Familien ist, kämpft für Beschäftigungsmöglichkeiten
für Männer und Frauen. Die in Mobile (Alabama)
geborene Herman machte 1969 ihren Abschluß an der
Xavier University in New Orleans.

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�PORTRAT

15.Januar 1997

Rodney E. Slater
Der designierte Verkehrsminister

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Nominierung von Rodney E. Slater
zum Verkehrsminister bekannt. Der derzeitige Direktor der Federal Highway Administration tritt damit die
Nachfolge von Federico Pena an.

Als Hauptverantwortlicher für die Highways der Nation
setzt sich der Direktor der Federal Highway Administration, Rodney E. Slater, dafür ein, der Verpflichtung der Clinton-Administration zu strategischen
Investitionen in die Infrastruktur des Landes nachzukommen und sicherzustellen, daß Amerika den
verkehrspolitischen Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts gewachsen ist.
Die Federal Highway Administration (FHWA) unterstellt dem amerikanischen Verkehrsministerium. Die
Behörde hat 3.500 Mitarbeiter, ein Jahresbudget von
20 Milliarden Dollar und ein Büro in jedem Bundesstaat. In den letzten vier Jahren erzielte die FHWA
Rekordhöhen mit ihren Investitionen in die nationale
Infrastruktur. Unter Slaters Führung förderte sie
fortschrittliche Initiativen in Bereichen wie Finanzierung
von Highways und Technologie, während sie dazu
beitrug, das Versprechen des Präsidenten zum
Wiederaufbau Amerikas umzusetzen.
Seit seiner Ernennung zum Direktor der Federal
Highway Administration im Jahr 1993 legte Slater auf
seinen Reisen in 40 Bundesstaaten mehr als 450.000
Kilometer zurück. Er traf mit Tausenden von Menschen zusammen - von Vertretern des Verkehrswesens der Bundesstaaten und Kommunen bis zu
normalen Bürgern, die wissen, daß verkehrspolitische
Erfordernisse mehr umfassen als nur Beton, Asphalt
und Stahl. Alle unterstrichen die Bedeutung von
Beförderungsmitteln für die Volkswirtschaft und ihre
wesentliche Rolle im Alltagsleben der Menschen.
Slater hörte sich ihre Anliegen an und bezog sie in den
Entscheidungsfindungsprozeß der FHWA ein.
Slater ist der 13. Direktor der Federal Highway Administration und der 19. Chef der Verwaltungsbehörde

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für die Highways seit ihrer Gründung unter dem
Namen "Office of Road Inquiry" im Jahr 1893. Slater
bringt in dieses Amt seine auf bundesstaatlicher Ebene
gewonnene große Erfahrung ein. Er war 1992-93
Vorsitzender der Highway-Kommission des Bundesstaates Arkansas und 1987-92 einer ihrer Kommissare. Ferner war er 1983-87 hochrangiger Mitarbeiter
des damaligen Gouverneurs Clinton und 1980-82
stellvertretender Justizminister von Arkansas. Darüber
hinaus war er von 1987 bis 1992 an der Arkansas
State University als Direktor des Verbindungsbüros zur
Regierung tätig.
Slater erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den "Arkansas Public Transportation
Advocate Award" der Arkansas Transit Association.
Die Arkansas Jaycees ernannten Slater zu einem der
"zehn herausragenden jungen Einwohner von Arkansas", und die Arkansas Times bezeichnete ihn
wegen seines Einsatzes für die Sanierung des Mississippi Delta in Arkansas als "Helden von Arkansas". Er
war Sekretär und Schatzmeister der Arkansas Bar
Association, Mitglied der Arkansas Sesquicentennial
Commission und Verbindungsmann zur Martin Luther
King, Jr. Federal Holiday Commission.
Slater machte 1977 seinen Abschluß an der Eastern
Michigan University und 1980 an der juristischen
Fakultät der University of Arkansas. 1994 erhielt er
den Preis der Eastern Michigan University für herausragende farbige Studenten und bei der Verleihung
akademischer Grade im Wintersemester 1996 die
Ehrendoktorwürde.
Slater wurde in Marianna (Arkansas) geboren. Mit
seiner Frau Cassandra Wilkins hat er eine Tochter,
Bridgette Josette.

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�PORTRAT
15.Januar 1997

Andrew Cuomo
Der designierte Minister für Wohnungs- und Städtebau

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Dezember 1996 gab Präsident Clinton die Ernennung von Andrew Cuomo zum
Minister für Wohnungs- und Städtebau bekannt. Der Sohn von Mario Cuomo, dem ehemaligen Gouverneur des
Bundesstaates New York, tritt mit diesem Posten die Nachfolge von Henry Cisneros an.

Während Präsident Clintons erster Amtszeit war
Andrew Cuomo Abteilungsleiter im Ministerium für
Wohnungs- und Städtebau. Während dieser Zeit
wurde er dafür bekannt, daß er den Erfordernissen der
Gemeinden große Beachtung schenkte und innovative
Lösungen auf der Grundlage von Partnerschaften
zwischen örtlichen Gruppen, Wirtschaftsvertretern und
gewählten Beamten fand. Cuomos Tätigkeit im
Wohnungs- und Städtebauministerium wurde von der
John F. Kennedy School of Government der Harvard
University als Beispiel für "effektive Regierungsführung" gewürdigt, die dazu beiträgt, "das Vertrauen
in die Fähigkeit der Regierung zur Lösung schwieriger
Probleme wiederherzustellen".
1986 gründete Cuomo die Organisation H.E.L.P.
(Housing Enterprise for the Less Privileged), die sich
zum größten privaten Anbieter von Übergangswohnungen für Obdachlose und national anerkannten Beispiel
entwickelte. Das Modell von H.E.L.P. bietet sichere,
qualitativ hochwertige Unterbringung und umfassende
Sozialdienste vor Ort unter einem Dach an und schafft
damit eine tragende Gemeinschaft für obdachlose
Familien. H.E.L.P. verhilft derzeit mehr als 4.000
Menschen jährlich zu einer Unterkunft.
Das Projekt Genesis zur Förderung innovativer
Ansätze für Stadtsanierung, Gemeindeentwicklung und
bahnbrechende Verwaltungsmethoden im Bereich der
Wohnungsvermietung geht ebenfalls auf Cuomos
Initiative zurück. Genesis dient als Modell für einen
umfassenden Ansatz, Gemeindeentwicklung mit
erschwinglicher Unterbringung zu verbinden und eine
Partnerschaft zwischen allen Regierungsebenen und
dem Privatsektor zu schaffen. 1993 führte Cuomo das
Modell H.E.L.P. im Bauministerium ein und entwickelte

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den Continuum of Care-Ansatz, der von Hunderten
von Gemeinden im ganzen Land übernommen wurde.
Im Oktober 1991 wurde Cuomo von Bürgermeister
David Dinkins zum Vorsitzenden der Kommission für
die Obdachlosen ernannt und war damit der jüngste
Kommissionsvorsitzende in der Geschichte der Stadt
New York. Die Kommission legte dem Bürgermeister
im Februar 1992 ihren Bericht "Der Weg zum Heim ein neuer Kurs in der Sozialpolitik" vor. Er entwickelt
einen Rahmen für fortgesetzte Betreuung von Obdachlosen in New York und wurde von zahllosen gewählten
Beamten, Organisationen und Zeitungen gewürdigt,
einschließlich des Präsidenten des New Yorker
Stadtrats, der Partnerschaft für die Obdachlosen, der
Koalition für die Obdachlosen sowie der The New
York Times, New York Post und Daily News. Die
Empfehlungen der Kommission wurden vom Bürgermeister angenommen und erhielten nationale Anerkennung als beispielhafter Ansatz zur Lösung von
Problemen der Obdachlosen.
Cuomo ist Verfasser zahlreicher Artikel und hielt
Vorträge an Universitäten im ganzen Land. Für sein
Engagement für Gemeindeentwicklung, erschwingliche
Wohnungen und seine Arbeit im Dienst der Obdachlosen und der Öffentlichkeit erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter 1996 den Preis der Ford Foundation/Kennedy School für innovative Regierungsführung, 1992 für Pionierarbeit im Wohnungsbau vom
American Institute of Architects, ebenfalls 1992 die
Bard-Auszeichnung für herausragende Leistungen im
Bereich von Architektur und städtischem Design für
das Projekt Genesis, 1991 von der New York University die Auszeichnung für herausragende Leistungen im Dienst der Gemeinschaft, 1988 die Auszeich-

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�nung der Fannie Mae Foundation für herausragende
Leistungen sowie den Preis für gute Nachbarschaft
des amerikanischen Roten Kreuzes.
1982, im Alter von 23 Jahren, war Cuomo Wahlkampfmanager für den ersten Wahlkampf von Mario M.
Cuomo für das Gouverneursamt des Bundesstaates
New York und anschließend persönlicher Referent des
Gouverneurs. Danach war Cuomo juristisch tätig - erst
als stellvertretender Staatsanwalt in Manhattan und

dann als Partner in der Anwaltssozietät Blutrich,
Falcone &amp; Miller.
Cuomo machte 1982 seinen juristischen Abschluß an
der Albany Law School und erwarb 1979 seinen
Bachelor of Arts an der Fordham University. Er wurde
am 6. Dezember 1957 in Queens im Bundesstaat New
York geboren. Cuomo ist mit Kerry Kennedy Cuomo
verheiratet und Vater der im Januar 1995 geborenen
Zwillingstöchter Cara und Mariah.

* * * * *

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