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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

11. Dezember 1996

24

OSZE

VIZEPRÄSIDENT GORE WÜRDIGT ROLLE
DER OSZE
Rede beim Lissabonner Gipfel

WTO

WTO ALS WEGBEREITER FÜR STÄRKERE
VERFLECHTUNG DER WELTWIRTSCHAFT
Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky

ABSCHLUSS EINES INFORMATIONSTECHNOLOGIEABKOMMENS ERWARTET
Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten
Carla Hills

HANDEL

USA MUSSEN AKTIVISTISCHE
HANDELSPOLITIK VERFOLGEN
von Alan P. Larson

MENSCHENRECHTE

ÜBERBLICK ÜBER DIE
MENSCHENRECHTSSITUATION
Rede von Botschafterin Albright

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�PORTRAT

IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR AUSSENMINISTERIN BERUFEN
Porträt von Madeleine Korbel Albright

PRÄSIDENT CLINTON NOMINIERT
NEUEN VERTEIDIGUNGSMINISTER
Porträt von William S. Cohen

NEUER NATIONALER SICHERHEITSBERATER
NOMINIERT
Porträt von Samuel R. Berger

VOM NATIONALEN SICHERHEITSBERATER
ZUM CIA-DIREKTOR
Porträt von Anthony Lake

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�OSZE
11. Dezember 1996

Vizepräsident Gore würdigt Rolle der OSZE
Rede beim Lissaboner Gipfel

LISSABON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) "mehr als ein großartiges Forum der Nationen. Sie stellt für die Nationen eine Möglichkeit dar,
sich in Wort und Tat zusammenzuschließen, um praktische Probleme und Herausforderungen an die Grundsätze
anzugehen, die im Mittelpunkt dieser Organisation stehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. Dezember 1996 von Vizepräsident AI Gore beim OSZE-Gipfel in
Lissabon gehaltene Rede im Wortlaut.

Ich danke meinem langjährigen Freund, Präsident
Naserbajew. Es ist mir eine Ehre, heute hier im
Namen meines Präsidenten darüber zu sprechen, wie
wir am besten zukünftige Sicherheit und Wohlergehen
der Gemeinschaft der in der OSZE zusammengeschlossenen Nationen gewährleisten können.
Zunächst einmal möchte ich dem derzeitigen OSZEVorsitzenden, dem Schweizer Flavio Cotti, danken und
unserem Gastgeber - Portugal - zu seiner herausragenden Gastfreundschaft und Effizienz gratulieren.
Tatsächlich gibt es in gewisser Weise vielleicht keinen
besseren Ort für solche Gespräche als diese schöne
Stadt und diese großartige Nation. Vor Jahrhunderten
segelten die Portugiesen über das ihnen vertraute
Mittelmeer hinaus in unbekannte Gefilde. Furchtlos
und mutig fanden sie den Weg nach Afrika, Asien und
zum amerikanischen Kontinent. Daher ist es äußerst
angemessen, daß wir in diesem Land der Entdecker
zusammentreffen, um weitere Schritte auf der neuen
Reise zu Frieden, Sicherheit und Wohlstand für unsere
Nationen und unsere Völker zu planen.
Der Zeitpunkt für ein solches Unterfangen könnte nicht
günstiger sein. Erstmals in der Geschichte sind heute
die Nationen dieser Region - vom Atlantik bis zum Ural
und den Steppen Zentralasiens - die Verpflichtung
eingegangen, gemäß demokratischen Werten zu
leben. Am Vorabend eines neuen Jahrtausends
können wir endlich den Aufbau eines Europas anstreben, in dem nicht mehr Krieg, sondern Frieden
erwartet wird und in dem Sicherheit auf der Interaktion

AMERIKA DIENST 24

freier Märkte, freier Gedanken, freier Menschen und
freier Nationen basiert. In dieser Staatengemeinschaft
muß die Sicherheit jedes einzelnen Landes untrennbar
von der Sicherheit aller sein.
Und wie bei jeder Reise ins Unbekannte macht sich
natürlich jeder von uns Sorgen über die Erfolgschancen. Und verständlicherweise wird es auch
Meinungsverschiedenheiten darüber geben, welcher
Kurs eingeschlagen werden sollte. Einige der Differenzen werden bis zum Abschluß dieses Gipfeltreffens
beigelegt. Bei anderen sind noch weitere Gespräche
innerhalb der OSZE und anderer Organisationen sowie
zwischen den besonders betroffenen Beteiligten
erforderlich.
Aber obwohl noch viel Arbeit vor uns liegt, dürfen wir
nicht die bereits erzielten bemerkenswerten Fortschritte vergessen. Zunächst einmal sollten wir uns
vor Augen führen, in welchem Ausmaß sich die OSZE
an die in der Schlußakte von Helsinki verankerten
Prinzipien gehalten hat, obwohl seit der Unterzeichnung der Schlußakte vor mehr als zwei Jahrzehnten
dramatische Veränderungen stattgefunden haben.
Die OSZE ist heute ebenso wie in früheren Jahren ein
Ort, an dem das Schicksal Europas betreffende
Fragen von allen Regierungen gleichberechtigt erörtert
werden können. Die OSZE ist in dieser Hinsicht
einzigartig. Aber sie ist viel mehr als ein großartiges
Forum der Nationen. Sie stellt für die Nationen eine
Möglichkeit dar, sich in Wort und Tat zusammen-

Seite 1

�zuschließen, um praktische Probleme und Herausforderungen an die Grundsätze anzugehen, die im
Mittelpunkt dieser Organisation stehen.
Bei der Gründung der OSZE bestand die größte
Herausforderung an den Frieden in der Möglichkeit
eines Konflikts zwischen großen Bündnissen politischer, militärischer und wirtschaftlicher Rivalen. So
Gott will, sind diese Tage vorbei. Heute rühren die
größten Bedrohungen nicht von Konflikten zwischen
Gruppen von Staaten, sondern von Zwistigkeiten
innerhalb der Staaten her.
Die OSZE ist sich dieser Realität voll bewußt und führt
infolgedessen Missionen in Regionen durch, in denen
Probleme zwischen ethnischen Gruppen zu einer
zentralen Herausforderung für Frieden und Sicherheit
geworden sind. Diese Missionen - in Berg-Karabach,
Abchasien und andernorts - sind einzigartige Bestrebungen, um Gewalt durch politische Prozesse zu
ersetzen und den Menschen bei der Beilegung ihrer
Konflikte mit Hilfe gegenseitigen Respekts, Vertrauensbildung, Versöhnung und Achtung der Menschenrechte beizustehen.
Die OSZE-Mission in Bosnien stellt eine besonders
dramatische Anpassung an die Herausforderungen
dar, die der schwerste dieser Konflikte mit sich brachte. Aufgrund unserer koordinierten Zusammenarbeit
schweigen jetzt endlich auf dem Balkan die Waffen. Das bittere Resultat des Hasses macht neuer
Hoffnung Platz. Kinder werden Morgens von der
Schulglocke und nicht von Mörsergranaten geweckt.
Natürlich sind die Probleme in Bosnien noch längst
nicht beigelegt. Daß wir jedoch schon so viele Fortschritte gemacht haben, ist das Ergebnis der erfolgreichen Koppelung der Fähigkeit der OSZE zum Umgang
mit den Problemen sozialen und politischen Wiederaufbaus mit der Fähigkeit der IFOR, die Parteien in die
Lage zu versetzen, die Bestimmungen des Friedensabkommens einzuhalten. Diese Partnerschaft zwischen OSZE und IFOR ist mehr als nur ein spektakuläres Beispiel dafür, wie spezifische Herausforderungen
durch effektive kooperative Lösungen bewältigt
werden können. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie
die Sicherheit in Europa durch dynamische neue
Verbindungen zwischen unterschiedlichen Institutionen
- einschließlich der NATO, WEU, EU und der Partnerschaft für den Frieden - gefördert werden kann, von
denen jede eine wichtige Rolle spielt und jede ihre
eigenen Stärken und ihr Fachwissen beisteuert sowie
ihren Beitrag leistet.
In vieler Hinsicht erleuchten diese Geistesblitze den
vor uns liegenden Weg. Wir sehen, wie sich Systeme
der Zusammenarbeit innerhalb unserer Institutionen
und zwischen ihnen entwickeln.
Neue Staaten
schließen sich diesen Systemen an oder treten ihnen
in nie dagewesener Weise bei, um nie dagewesene

Seite 2

Fragen zu behandeln. Exklusivität macht dem Grundsatz der Inklusion Platz. Das Anliegen einer genaueren Definition dieser Organisationen geht einher mit
ihren immer zahlreicheren Möglichkeiten der Interaktion und Evolution.
Die OSZE entwickelt sich tatsächlich schnell, flexibel
und inklusiv. Gleichzeitig muß die OSZE nicht in das
einzige Instrument europäischer Sicherheit verwandelt
werden. Wir sollten den besonderen Beitrag dieser
Gemeinschaft der Zusammenarbeit und Werte würdigen, anstatt ihn in einen legalistischen Rahmen zu
pressen. Verträge haben ihren Platz, aber unseres
Erachtens wird die OSZE auf der Grundlage ihrer
flexiblen politischen Verpflichtungen am erfolgreichsten
sein. Die Vereinigten Staaten sind bereit und willens,
an der Entwicklung kooperativer Arrangements
zwischen den OSZE-Mitgliedern und anderen Organisationen wie der NATO zu arbeiten.
Die NATO ist und bleibt ein Verteidigungsbündnis
gleichgesinnter demokratischer Staaten. Als solches
stellt es natürlich für keinen anderen Staat eine
Bedrohung dar, denn die Bürger freier und demokratischer Nationen haben keinen Grund, das Streben
freier und demokratischer Länder Zentraleuropas nach
Stabilität und Frieden zu fürchten. Tatsächlich liegt die
Stabilität, zu deren Ausweitung auf Zentraleuropa die
NATO beitragen kann, im Interesse aller Nationen.
Parallel zu ihrer Erweiterung möchte die NATO starke
kooperative Beziehungen zu Rußland und anderen
Staaten aufbauen. Auch das kann bedeutenden
Einfluß auf die Stärkung von Sicherheit und Stabilität in
Europa haben. Und das heutige historische Abkommen hier bei der OSZE verstärkt diesen Rahmen
für Frieden und Sicherheit noch. Insbesondere ist es
wesentlich, daß sich die NATO-Erweiterung parallel
zum Aufbau starker und kooperativer Beziehungen zu
Rußland vollzieht. Wenn Klugheit und Staatskunst die
Oberhand behalten, kann die NATO durch die Übernahme neuer Missionen und die Aufnahme neuer
Mitglieder einen Beitrag zu Integration und umfassender Sicherheit in Europa leisten.
Dank der OSZE und des großen Erfolgs des heutigen
Treffens haben wir bereits eine Reihe von Grundsätzen entwickelt, die uns bei der Erfüllung dieser Aufgabe helfen werden. Das umfassende Sicherheitsmodell für das Europa des 21. Jahrhunderts reflektiert
die Weisheit, die zu einem hohen Preis von ganzen
Generationen erkauft wurde. Dieses Sicherheitsmodell ist eine Botschaft der Zuversicht und der
Hoffnung. Es ist die Botschaft, daß wir über die
intellektuellen und moralischen Kapazitäten zur
Gewährleistung von Sicherheit für diese und unzählige
künftige Generationen verfügen. Ich möchte gerne all
jene beglückwünschen, die das ermöglicht haben insbesondere meinen Freund, Ministerpräsident Viktor
Tschernomyrdin, mit dem ich am Vorabend dieses
Treffens zusammenkam. Ich danke ihnen allen für die

AMERIKA DIENST 24

�von ihnen geleistete Arbeit, die den heutigen Erfolg
ermöglichte. Auch möchte ich meine Kollegen zu dem
Abkommen über die Aufnahme von Verhandlungen zur
Aktualisierung des KSE-Vertrags beglückwünschen.
Dieses Abkommen - und die kooperative Art seiner
Entwicklung - sind herausragende Beispiele für die
Erfolgsmöglichkeiten flexibler, inklusiver und kreativer
politischer Rahmenbedingungen. Nicht alle unsere
Mitglieder sind KSE-Staaten, aber sie haben Teil an
der durch ein erfolgreiches Ergebnis gebotenen
erhöhten Sicherheit und Stabilität. Ohne die Fähigkeit
der OSZE zur Ermutigung innovativer Wege für den
Umgang mit sich entwickelnden und neuen Bedingungen wäre dieser wichtige Schritt nicht möglich geworden.
Liebe Freunde, in diesem Saal sind die führenden
Politiker des riesigen Territoriums der heutigen OSZE
versammelt. Jeder von uns ist sich der besonderen
Anliegen und Interessen unserer Regierungen bewußt.
Aber jeder hier anwesende Politiker hatte schon
Träume, die weit über die Realität des heutigen Tages
hinausgingen. Wir wissen, daß Worte zur Sicherung
unserer Zukunft nicht ausreichen. Sie erfordert
geduldige, überlegte und dauerhafte Bestrebungen.
Sie benötigt Goodwill, gesunden Menschenverstand
und echte Zusammenarbeit. Sie setzt eine neue,
inklusive Vision von Sicherheit voraus - eine Vision, die
Sicherheit in all ihren Dimensionen umfaßt, nicht nur
der militärischen, sondern auch der politischen,
wirtschaftlichen, umweltpolitischen und moralischen.

*

AMERIKA DIENST 24

Und sie erfordert, daß jeder einzelne von uns an der
ernüchternden Lektion des 20. Jahrhunderts festhält:
Ohne Freiheit kann das Streben der Völker und
Nationen nach einem guten Leben und Sicherheit nicht
realisiert werden. Aus diesem Grund teile ich mit
vielen anderen hier Versammelten meine Besorgnis
über die jüngsten Aktionen der Regierungen von
Belarus und Serbien, die eine Verletzung der Grundsätze dieser Organisation darstellen.
Es liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns. Aber an der
Schwelle zum 21. Jahrhundert haben wir mehr denn je
zuvor die Fähigkeit, den Willen und das Durchhaltevermögen zur Erlangung unseres Ziels. Diesem Ziel ist
Präsident Clinton zutiefst verpflichtet. Amerika bleibt
engagiert - heute ebenso wie bisher - während wir mit
Ihnen am Aufbau eines neuen, ungeteilten und
friedlichen Europas zusammenarbeiten.
Ein altes iberisches Sprichwort lautet: "Reisender, es
gibt keine Straßen. Straßen entstehen durch das
Reisen." Mit großen Hoffnungen, klarer Vision und
Zielstrebigkeit wollen wir unsere Reise beginnen.
Ebenso wie die Entdecker früherer Zeiten, die von
diesem Land aus unbekannte Pfade erforschten,
wollen auch wir mutig sein. Und wir wollen uns vor
Augen führen, daß das Ausmaß der vor uns liegenden
historischen Aufgabe keine Entschuldigung für ein
Scheitern ist. Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 3

�WTO
11. Dezember 1996

WTO als Wegbereiter für stärkere Verflechtung
der Weltwirtschaft
Eröffnungsansprache von Charlene Barshefsky

SINGAPUR - (AD) - Die amtierende Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten, Charlene Barshefsky, erklärte,
wenn die Welthandelsorganisation WTO bei drei wichtigen Verhandlungsrunden - Informationstechnologie,
Basistelekommunikationsdiensten und Finanzdienstleistungen - Erfolg habe, könne sie die Infrastruktur für eine
noch enger verflochtene globale Wirtschaft im 21. Jahrhundert aufbauen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 9. Dezember 1996 bei der Eröffnungssitzung des WTO-Ministertreffens
in Singapur gehaltene Rede der amtierenden Handelsbeauftragten, die Leiterin der amerikanischen Delegation
ist.

Herr Vorsitzender, verehrte Delegierte,
im Namen der amerikanischen Delegation möchte ich
Ministerpräsident Goh, Minister Yeo und der Regierung von Singapur, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Rats Rossier sowie Generaldirektor Ruggiero und
seinen Mitarbeitern für ihre Bemühungen bei der
Vorbereitung dieses historischen ersten Treffens der
Welthandelsorganisation danken. Sie waren außerordentlich freundlich - und wir sind Ihnen sehr dankbar.
Vor nahezu 50 Jahren leitete die Gründung des GATT
eine Periode der Handelsliberalisierung ein, die in der
Weltgeschichte ihresgleichen sucht. Wenige bei
dieser Gründung Anwesende hätten das enorme
Wachstum des Welthandels vorausgesagt, das in
unermeßlicher Weise zum Wohlstand der Völker der
Welt beigetragen und allein im letzten Jahrzehnt um
80 Prozent an Volumen zugenommen hat. Das GATT
hatte Erfolg, weil wir auf dem Ziel beharrten, die
Hemmnisse abzubauen, die unseren Menschen die
Vorteile von freiem und fairen Handel verweigern. Wir
sahen uns mit neuen Herausforderungen konfrontiert,
und wir haben zusammengearbeitet, um neue Chancen zu ergreifen.
Während wir beim ersten Ministertreffen der WTO
zusammenkommen, muß unser Engagement für die
andauernde Arbeit der Handelsliberalisierung ebenso

AMERIKA DIENST 24

entschieden sein. Wir müssen der Welt beweisen, daß
die WTO eine kraftvolle Institution ist, die die Grundlagen für eine neue Periode globalen Wohlstands
schafft. Wie unsere Vorgänger müssen wir neue
Chancen ergreifen.
Die globale Wirtschaft wird nicht auf uns warten. Der
technologische Wandel vollzieht sich rasch - auf der
ganzen Welt - im Westen und im Osten. Wir beglückwünschen Ministerpräsident Mahathir zu seiner Vision,
den Multimedia-Superkorridorplan einzuführen, der zu
einer informationstechnologischen Stadt mit 100.000
Einwohnern sowie zur Schaffung der weltweit ersten
papierlosen nationalen Regierung bis zum Jahr 2000
führen wird. Schätzungen der Weltbank zufolge
werden die Volkswirtschaften der Welt im nächsten
Jahrzehnt Kapital in Höhe von 1,5 Billionen Dollar für
eine qualitativ hochwertige Infrastruktur, moderne
Informationstechnologie und Telekommunikationssysteme benötigen.
Wir haben die Chance, diese Herausforderungen zu
meistern. Wenn wir bei drei wichtigen Verhandlungsrunden - Informationstechnologie, Basistelekommunikationsdiensten und Finanzdienstleistungen - Erfolg
haben, können wir die Infrastruktur für eine noch enger
verflochtene globale Wirtschaft im 21. Jahrhundert
aufbauen.

Seite 1

�Die erste dieser Verhandlungsrunden - das Abkommen über Informationstechnologie - wäre der erste
konkrete Beweis der Fähigkeit der WTO, im Einklang
mit der sich verändernden Welt Fortschritte zu erzielen. Indem wir ein zollfreies Umfeld für Handel und
Informationstechnologieprodukte schaffen, können wir
dazu beitragen, die Kosten für die Verbraucher zu
senken, unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger zu
machen und unseren Volkswirtschaften die Vorteile zu
verschaffen, die sich aus dem Zugang zu mehr
Information ergeben.
Diese Produkte werden zunehmend in praktisch jedem
führenden Industriesektor eingesetzt. Die größten
Anwender von Halbleitern weltweit sind Autohersteller.
Computer und computergesteuerte Maschinen werden
immer unerläßlicher für die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Stahlverarbeitung. Und wir alle
kennen die elementare Rolle, die moderne Telekommunikationssysteme beim Wachstum unserer
Volkswirtschaften spielen.
Aus diesem Grund müssen wir in dieser Woche ein
Abkommen erzielen. Die anhängigen Themen sind
entscheidungsreif. Wir haben eine historische Chance, die Zölle auf diese Produkte zu beseitigen. Wir
müssen sie ergreifen.
Unsere zweite Herausforderung ist rasches Vorgehen,
um die Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste bis zum 15. Februar 1997 abzuschließen. Die
Investoren streben zunehmende Berechenbarkeit im
Telekommunikationssektor als Teil eines gut funktionierenden internationalen Handels- und Investitionsregimes an. Die Telekommunikationsindustrie ist eine
strategisch wichtige Industrie und ein Generator für
Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Wenn wir in
der WTO Erfolg haben, wird die Liberalisierung der
Basistelekommunikationsdienste Investitionen sowie
die Anwendung neuer Technologien in größeren
geographischen und Produktionsgebieten ankurbeln.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben vor kurzem
Verbesserungen der bei den Verhandlungen über
Basistelekommunikationsdienste vorgelegten Angebote bekanntgegeben, und wir fordern die anderen auf,
mit uns gleichzuziehen. Das ist zweifelsohne unsere
Hoffnung und Erwartung. Angesichts der Kürze der
Zeit von diesem Ministertreffen bis zum Abschluß der
Verhandlungsrunde hoffen wir, daß alle WTO-Mitglieder in sinnvoller Weise zu einem Abkommen
beitragen, das Marktzugang und Investitionschancen
im 21. Jahrhundert bietet.
Ich möchte jedoch eines eindeutig klarstellen. Heute
entfallen nahezu 50 Prozent der gesamten Einnahmen
im Telekommunikationsbereich weltweit auf die Vereinigten Staaten. Und wir können und wollen uns nicht
mit einer Situation zufriedengeben, in der wir nicht auf
den Märkten der anderen Hälfte der Welt operieren

Seite 2

können. Wir sind zur Übernahme einer Führungsrolle
bereit, indem wir das beste Angebot unterbreiten, aber
wir können keinen Erfolg haben, wenn die anderen
nicht ebenbürtig mitziehen.
Das bringt mich zur dritten entscheidenden Verhandlungsrunde - Finanzdienstleistungen. Wir haben uns
unsererseits zur Erlangung eines umfassenden und
bedeutungsvollen Abkommens bis Ende nächsten
Jahres verpflichtet. Unser erster Versuch bei den
Verhandlungen war nicht von Erfolg gekrönt. Warum?
Weil die Zusagen anderer wichtiger Länder weit unter
dem lagen, was für ein wirklich liberalisierendes
Abkommen erforderlich ist. In der Tat wollten sich
einige Länder nicht einmal zu ihrer bestehenden
Liberalisierung verpflichten. Um diese Gespräche
erfolgreich abzuschließen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die WTO-Mitgliedstaaten ihre Zusagen auf der Grundlage der GATS-Prinzipien über
Marktzugang, gleiche Behandlung und Meistbegünstigungsstatus maßgeblich verbessern.
Wir sind überzeugt, daß der Abschluß eines Abkommens möglich ist. Wir können und sollten die
stufenweise eingeführten Verpflichtungen, wo das
angebracht erscheint, genauer prüfen, so daß sie
Zusicherungen enthalten, daß nach einem angemessenen Zeitraum unsere Anbieter von Finanzdienstleistungen umfassenden Marktzugang und auf den
Schlüsselmärkten gleiche Behandlung wie die nationalen Unternehmen genießen. Die Vorteile verbindlicher offener Regime in diesem Sektor sollten klar
sein: Mehr Zugang zu internationalem Kapital und eine
stärkere "Infrastruktur" für fortgesetzte Investitionen
und Wirtschaftswachstum.
Wenn wir beim Informationstechnologieabkommen,
den Verhandlungen über Basistelekommunikationsdienste und den bevorstehenden Verhandlungen über
Finanzdienstleistungen erfolgreich sind, werden wir
einen großen Schritt zum Aufbau einer Weltwirtschaft
machen, die für alle unsere Bürger von Vorteil ist.
Natürlich geht unsere Vision für die WTO über diese
drei Verhandlungsbereiche hinaus. Wenn die WTO
weiterhin von Bedeutung sein und auf die neuen
wirtschaftlichen Gegebenheiten reagieren will, müssen
wir nach vorne schauen, mehr Marktzugangschancen
schaffen und - wo erforderlich - neue Regeln aufstellen.
Die Arbeit muß auf vielen Gebieten fortgesetzt werden.
Wer bereits Vorteile aus dem globalen Handelssystem
gezogen hat, muß neue Wege für die weniger Begünstigten finden, damit auch sie in den Genuß der
Vorteile des Systems kommen. Wir müssen die im
WTO-Abkommen über Landwirtschaft geforderten
Reformbestrebungen fortführen. Neben der Ermutigung weiterer Zollsenkungen und Subventionskürzungen sollte die WTO Maßnahmen gegen versteckte

AMERIKA DIENST 24

�Subventionen und neue Formen des Protektionismus
wie handelsbeschränkende und nichttransparente
Aktivitäten staatlicher Handelsfirmen entwickeln. Das
TRIPs-Abkommen sollte so bald wie möglich vollständig umgesetzt und bestehende Verpflichtungen
sollten jetzt erfüllt werden. Ferner müssen wir unsere
Bestrebungen zu Gewährleistung fortsetzen, daß die
WTO offen und transparent ist. Die Öffnung dieses
Ministertreffens für auswärtige Beobachter ist ein
Schritt in die richtige Richtung. Wir werden diese und
andere Fragen in den Arbeitssitzungen eingehender
ansprechen.
•

Um lebensfähig zu bleiben, muß die WTO die Bedürfnisse der verschiedenen am Welthandel beteiligten
Interessengruppen widerspiegeln.
Jede unserer
Volkswirtschaften wird in den kommenden Jahren
aufgrund der Globalisierung stärkerem Druck ausgesetzt, und wir müssen den Arbeitnehmern helfen, sich
an ein offenes Handelssystem anzupassen und davon
zu profitieren. Wir müssen mehr unternehmen um
anzuerkennen, daß eine sich gegenseitig verstärkende
Beziehung zwischen einem offenen Handelssystem
und der Respektierung elementarer Arbeitsnormen
besteht.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Integrität der
Entscheidungen im Bereich der staatlichen Beschaffung würde größer, wenn alle WTO-Mitgliedstaaten
den grundlegenden Normen von Transparenz und
ordentlichem Verfahren zustimmen würden. Unseres
Erachtens ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den ersten
Schritt zu einem WTO-Abkommen über Transparenz
bei der staatlichen Beschaffung zu unternehmen.

Aus diesem Grund möchten wir ein Abkommen
darüber abschließen, daß die WTO in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)
die bedeutende Verbindung zwischen Handel und
Arbeitsnormen genauer untersuchen sollte. Wir sind
fest davon überzeugt, daß verstärkter Handel und
damit einhergehendes Wirtschaftswachstum auch eine
größere Achtung der grundlegenden Menschenrechte
bewirken sollten, die im Mittelpunkt unseres Vorschlags zu den elementaren Arbeitsnormen stehen.

Der Ausschuß für Handel und Umwelt muß seine
Arbeit im Bewußtsein der Tatsache fortsetzen, daß ein
Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung geleistet werden
kann, wenn die Liberalisierung des Handels durch
angemessene nationale Umweltpolitik ergänzt wird.
Für die Glaubwürdigkeit der WTO ist von entscheidender Bedeutung, daß der Ausschuß einen ausgewogeneren Ansatz beim Umgang mit Handel und Umwelt
wählt und beide politischen Perspektiven vollständig in
Betracht zieht. Die Erfüllung des vom Erdgipfel in Rio
herrührenden Mandats für nachhaltige Entwicklung
verlangt von der WTO mehr als nur die Gründung
eines Ausschusses. Das Streben nach nachhaltigem
Wachstum und Entwicklung sollte ein die gesamte
Arbeit dieser Organisation durchziehender roter Faden
sein.
Im Hinblick auf die Erweiterung der WTO-Tagesordnung sind wir bereit zu erwägen, ob die WTO eine
sorgfältige Prüfung der neuen Themen beginnen sollte,
die nach Ansicht einiger Mitglieder erörtert werden
sollten. Ebenso wie andere streben wir einen Interessenausgleich an. Aus diesem Grund sind wir bereit
zur Zusammenarbeit mit anderen, die in den Bereichen
Investitionen und Wettbewerb als Teil einer ausgewogenen umfassenden WTO-Tagesordnung ein bescheidenes Arbeitsprogramm beginnen wollen.

*

AMERIKA DIENST 24

Wir schlagen kein Abkommen über Mindestlöhne, den
Wettbewerbsvorteil
von
Niedriglohnproduzenten
zerstörende Veränderungen oder den Einsatz protektionistischer Maßnahmen zur Durchsetzung von
Arbeitsnormen vor. Wir schlagen vor, daß die Belange
der Arbeitnehmer - die eine Verzerrung des Handels
infolge seiner Liberalisierung fürchten - im Rahmen
eines bescheidenen Arbeitsprogramms der WTO
behandelt werden. Eine Liberalisierung des Handels
kann nur mit heimischer Unterstützung erfolgen. Diese
Unterstützung sowie die der WTO wird zweifelsohne
allmählich untergraben, wenn wir uns nicht mit den
Belangen der Arbeitnehmer befassen und zeigen, daß
Handel der Weg zu greifbarem Wohlstand ist.
Während wir nach vorne schauen, fehlt es uns nicht an
Herausforderungen, aber ich bin sehr optimistisch.
Diese Woche können wir eine überzeugende Botschaft
senden, daß die WTO über den Willen und die Entschlossenheit verfügt, Fortschritte zu machen, um die
starke, pulsierende und pragmatische Institution zu
werden, die wir uns alle vorstellen. Mit viel harter
Arbeit können wir die historische Tradition der Liberalisierung des Handels fortsetzen, der wir uns alle
verschrieben haben.

* * *

*

Seite 3

�WTO
11. Dezember 1996

Abschluß eines Informationstechnologieabkommens erwartet
Rede der ehemaligen US-Handelsbeauftragten Carla Hills

WASHINGTON - (AD) - Carla Hills, die unter der Bush-Administration US-Handelsbeauftragte war, erklärte am 6.
Dezember 1996 im National Press Club, beim vom 9.-13. Dezember in Singapur stattfindenden Treffen der
Welthandelsorganisation WTO werde voraussichtlich ein Informationstechnologieabkommen (Information
Technology Agreement - ITA) verabschiedet.

Man hat mich gebeten, hier über das WTO-Ministertreffen in Singapur zu sprechen und einige Hintergrundinformationen zu geben. Wie Peter Hickman
sagte, wird es dort sehr voll werden. Mehr als 160
Nationen werden vertreten sein: 127 Mitglieder der
WTO und 34 Nationen mit Beobachterstatus. Zusätzlich werden 49 internationale Organisationen als
Beobachter anwesend sein, darunter 14 internationale
Organisationen vom IWF bis zur Weltbank, verschiedene regionale Entwicklungsbanken, die Vereinten Nationen und ihre einzelnen Unterorganisationen. Das Treffen findet also nicht im kleinen Rahmen
statt.
Meine heutigen Zuhörer wissen, was die WTO ist - im
Grunde genommen die Erweiterung des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens (General Agreement on
Tariffs and Trade - GATT), das bald seinen 50.
Jahrestag begeht. Unter dem GATT senkten die
Handelsnationen der Welt ihre Zölle von durchschnittlich 40 Prozent auf heute weniger als fünf Prozent.
Das führte zu einem rapiden Wachstum des Welthandels und damit zu einer Erhöhung des Lebensstandards für die Menschen auf der ganzen Welt sowie zur
Schaffung wirtschaftlicher Chancen.
Anfang der achtziger Jahre entschieden die Mitgliedstaaten des GATT unter der Führung der Vereinigten
Staaten, daß das GATT modernisiert und gestärkt
werden muß, da es sich nur auf Waren bezog, während es in schnellem Wachstum befindliche Sektoren
wie Dienstleistungen, Landwirtschaft und Hochtechnologie gab, in denen der Schutz von geistigem
Eigentum und Investitionen erforderlich waren, es

AMERIKA DIENST 24

jedoch noch keine international vereinbarten Normen
gab.
Wir begannen die Uruguay-Runde multilateraler
Handelsgespräche im Jahr 1986. Sie führten 1994
zum Abschluß Dutzender neuer Abkommen über
Tausende von Zollsenkungen und neue Verpflichtungen hinsichtlich Dienstleistungen, Schutz geistigen
Eigentums und Investitionsschutz. Das war begrüßenswert. Mehr als 100 Nationen unterzeichneten
verschiedene rechtsverbindliche Texte. Eines der
Abkommen führte zur Gründung der Welthandelsorganisation WTO als Nachfolgeorganisation des
GATT, behielt das GATT jedoch für Handel und Waren
bei. Die uns vorliegende Frage lautet jetzt: Was hat
die WTO in den zwei Jahren ihres Bestehens erreicht?
Zwei Jahre sind wahrscheinlich ein zu kurzer Zeitraum,
um eine abschließende Bewertung der Leistungen der
WTO vorzunehmen, insbesondere da viele ihrer
Verpflichtungen fortlaufend sind und stufenweise
eingeführt werden. Lassen Sie mich Ihnen jedoch ein
halbes Dutzend Beispiele für die Bereiche geben, bei
denen die WTO meines Erachtens weitaus substantiellere Verbesserungen als ihr Vorgänger bewirkt hat.
Erstens hat sie größere Reichweite. Ihre 29 rechtsverbindlichen Abkommen umfassen auch Dienstleistungen. Das ist für die Vereinigten Staaten wichtig,
da wir weltweit der größte Anbieter von Dienstleistungen sind und jährlich Dienstleistungen im Wert von
etwa 200 Milliarden Dollar verkaufen. Die Welthandelsorganisation hat erstmals einer Kürzung von
Agrarsubventionen und der Umwandlung mengen-

Seite 1

�mäßiger Beschränkungen in Zölle zugestimmt, um
diese dann zu senken. Und die WTO-Mitgliedstaaten
stimmten erstmals Regeln für den Schutz von Patentrechten, Warenzeichen, Urheberrechten und Handelsgeheimnissen zu. Und sie einigten sich auf die
Stärkung der Handelsregeln des GATT durch die
Forderung, daß die WTO-Mitglieder ausnahmslos alle
rechtsverbindlichen Texte unterzeichnen. Man kann
sich jetzt nicht mehr nur für einige Texte entscheiden,
wie es beim GATT der Fall war. Wenn man ein
Abkommen unterzeichnet, unterzeichnet man alle.
Diese Regel gilt für alle Bereiche mit Ausnahme der
staatlichen Beschaffung. Und wenn das Abkommen
schließlich umgesetzt wird, ist das für das alte Gebiet
der Waren auch von Vorteil, da die Zölle auf Waren
möglicherweise zusätzlich um ein Drittel gesenkt
werden. Und bei 45 Prozent der Industriegüter werden
die Zölle vollständig abgeschafft, einschließlich
wichtiger Sektoren wie Pharmazeutika, Papier und
Möbel - allesamt für die Vereinigten Staaten wesentliche Bereiche.
Der Konfliktschlichtungsmechanismus der WTO ist viel
klarer und schneller. Dieser Bereich hat meines
Erachtens außerordentlich viel Erfolg zu verzeichnen.
Seit Anfang November fanden weltweit 62 Konsultationen über handelspolitische Differenzen statt.
Die Vereinigten Staaten waren bei 21 Kläger und bei
neun Antragsgegner. Wir haben vier Fälle gewonnen
oder beigelegt. 16 Verfahren sind anhängig. Wir
verloren in zwei Fällen, und wer sie studiert, wird
meines Erachtens zu dem Schluß kommen, daß das
Resultat richtig war. Und es gab als Ergebnis der
Antragseinreichungen einige Schlichtungen außerhalb
des Systems. Das ist meines Erachtens eine Erfolgsgeschichte über den Abbau handelspolitischer Streitigkeiten.
Und schließlich schafft die WTO im Gegensatz zum
GATT eine dauerhafte institutionelle Struktur, so daß
ein Wirtschaftsminister den mehr als 100 Nationen
neue Ideen für eine internationale Norm vorlegen
könnte, ohne eine völlig neue, umfassende Runde
handelspolitischer Gespräche einleiten zu müssen.
Durch diese Tür fanden die neueren Themen Einlaß Arbeit, Umwelt und Wettbewerbspolitik. Und sie
werden weiterhin Einlaß finden. Die Tatsache, daß sie
von Anfang an umstritten waren und der Generalsekretär Schwierigkeiten bei der Konsensbildung hat, ist
nicht überraschend. Schließlich wollten die Vereinigten Staaten die Uruguay-Runde 1982 einleiten,
was jedoch erst 1986 geschah. Es braucht also
gewisse Zeit, um einen Konsens zu erarbeiten.
Worüber werden die Minister in Singapur sprechen?
Meines Erachtens wird die Umsetzung der verschiedenen WTO-Abkommen im Mittelpunkt stehen, einschließlich der noch aus der Uruguay-Runde herrührenden Fragen und der sogenannten eingebauten

Seite 2

Tagesordnung, bei der die WTO-Mitglieder sich auf die
künftige Aushandlung bestimmter Bereiche einigten.
Im folgenden möchte ich einige dieser Bereiche
aufzeigen.
Basistelekommunikationsdienste.
Diese Verhandlungen erstrecken sich auf einen Weltmarkt von 500
Milliarden Dollar. Sie sollen im Februar 1997 zum
Abschluß gebracht werden. Die ursprünglich auf April
1996 festgesetzte letzte Frist wurde verlängert, weil
nur 11 Nationen dem amerikanischen Angebot nachkommen wollten. Lateinamerika und Osteuropa hätten
unserem Angebot zugestimmt, wünschten jedoch
einen Zeitraum von einem bis fünf Jahren. Die
asiatischen Nationen legten keine vergleichbaren
Angebote vor. Die derzeitigen Berichte besagen, daß
die Verhandlungen gut verlaufen. Bei einer Wette
würde ich darauf setzen, daß sie Anfang 1997 zu einer
Resolution führen werden.
Zweitens Finanzdienstleistungen. Die Verhandlungen
über Finanzdienstleistungen sollen im nächsten Jahr
wieder aufgenommen werden. Die Verhandlungen
führten zu einem Interimsabkommen, das im Mai
unterzeichnet wurde und im August dieses Jahres in
Kraft trat. Ende nächsten Jahres soll es überprüft und
annulliert werden. Die Vereinigten Staaten haben sich
beschwert, daß das Abkommen derzeit in vielen
Entwicklungsländern existierende Rechte nicht
festgeschrieben hat, insbesondere das Recht, Mehrheitsaktionär von Finanzinstitutionen zu sein. Unternehmen, die 80 Prozent einer Firma gekauft hatten,
wurde mitgeteilt, daß die Gastregierung diesen
Prozentsatz gemäß der Vereinbarung auf unter 50
Prozent senken könnte, und das käme von seiner
Wirkung her einer Abschottung des Marktes gleich.
Meines Erachtens werden in diesem Jahr enorme
Anstrengungen unternommen, um vor allem die
Nationen in Lateinamerika und Asien zu überzeugen,
bessere Angebote für den Sektor Finanzdienstleistungen zu unterbreiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Verhandlungsrunde
über die maritimen Dienstleistungen im Juni verlassen.
Nur 36 Nationen machten Zusagen, und es wurde
vereinbart, die Verhandlungen bis zum Jahr 2000
auszusetzen.
Anfang des Jahres 2000 wird es eine Verhandlungsrunde über Dienstleistungen im allgemeinen geben,
die alle Arten von Dienstleistungen abdeckt, in der
Hoffnung, daß die Nationen Dienstleistungen außer
Tourismus, Information und Gesundheit - die bereits
abgedeckt sind - ansprechen werden.
Landwirtschaft ist stets ein umstrittenes Thema. Unter
den Bedingungen des Abkommens ist eine weitere
Runde vorgesehen, die 1999 beginnen soll. Die
OECD schätzt, daß Agrarsubventionen und Unterstützungsleistungen den Verbraucher noch immer rund

AMERIKA DIENST 24

�350 Milliarden Dollar pro Jahr kosten. Die Vereinigten
Staaten und die 14 Mitglieder der Cairnsgruppe, die
sieben ASEAN- und mehrere lateinamerikanische
Nationen sowie Australien umfaßt, möchten die Arbeit
im Vorfeld der Verhandlungen im Jahr 1999 beginnen.
Sie möchten, daß die Arbeit 1997 aufgenommen wird.
Korea, Japan und die Europäische Union lehnen das
ab. Wäre ich ein Buchmacher, würde ich sagen, es ist
ziemlich unwahrscheinlich, daß vor der Frist 1999 sehr
viel Arbeit geleistet wird.
Der wichtigste Zusatz zu dieser eingebauten und der
unerledigten Tagesordnung wurde bereits erwähnt - es
ist das Abkommen über Informationstechnologie. Die
Vereinigten Staaten messen ihm hohe Priorität bei.
Wir streben bis zum Jahr 2000 einen schrittweisen
Abbau der Zölle - hoffentlich bis auf Null - bei einer
Vielzahl von Geräten an: Computern, LAN-Ausrüstung, Supercomputern und Halbleitern. Das Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) unterstützt das Konzept. Einige APECNationen hatten das Gefühl, daß ihre Erwartungen
nicht erfüllt wurden und andere gewisse Schwierigkeiten mit dem Zeitplan. Aber meiner Ansicht nach
wird es in Singapur eine eingehende Erörterung dieses
Themas geben, und ich gehe davon aus, daß eine Art
von Einigung erzielt wird.
Auch die Aufnahme neuer Mitglieder wurde bereits
erwähnt. Wie Sie wissen, ist ein weiterer großer Erfolg
der WTO der Wunsch so vieler Nationen, deren
Volkswirtschaften sich im Übergang befinden und die
von einer Plan- zur freien Marktwirtschaft gelangt sind,
der WTO beizutreten. Zur Zeit sind 34 Aufnahmeanträge anhängig, darunter die von China, Taiwan,
Vietnam, Saudi-Arabien und Rußland. Und jeder
dieser Anträge stellt eine Herausforderung dar.
Die Minister werden sich schließlich auch mit den
sogenannten neueren Themen auseinandersetzen
müssen, die kontrovers sind. Ich möchte drei oder vier
in absteigender Reihenfolge ihrer Umstrittenheit
nennen.
Erstens Arbeitsnormen.
Generalsekretär Renato
Ruggiero hat in seinem Entwurf der Erklärung vorgeschlagen, daß er Arbeitsnormen ansprechen wird.
Die ASEAN-Nationen, Brasilien und Ägypten sind
entschieden dagegen.
Die Vereinigten Staaten
werden die Erklärung nicht unterschreiben, solange
die wesentlichen Arbeitsnormen nicht erwähnt werden.
Informationen zufolge stimmen die Europäische Union,
Japan und Australien der Erwähnung zu - beharren
jedoch nicht auf einem bestimmten Wortlaut. Die

*

AMERIKA DIENST 24

Frage lautet daher, ob die Arbeitsnormen erwähnt
werden. Ich vermute, daß sie mit einer gewissen
Erwähnung gelöst werden könnte.
Die Sprachregelung des Entwurfs ist äußerst vorsichtig. Sie lautet,
daß die Internationale Arbeitsorganisation die oberste
Rechtsprechung in diesem Bereich hat und mehr
getan werden sollte.
Zweitens Investitionen. In der OECD werden gute
Fortschritte bei einem multilateralen Abkommen über
Investitionen erzielt. Generalsekretär Ruggiero hat
vorgeschlagen, daß die WTO auch die Arbeit an
Investitionen aufnehmen soll. Die Vereinigten Staaten
würden es vorziehen, wenn die OECD ihre Arbeit
abschließen würde, bevor die WTO sich eingehender
damit befaßt.
Und die Entwicklungsländer sind
gespalten. Einige möchten nicht, daß die WTO das
Thema Investitionen anspricht. Sie möchten unilateral
die Regeln für ihre Geschäfte mit ausländischen
Investoren festlegen. Andere wünschen eine Diskussion mit der WTO aus der Sorge heraus, daß ihren
Interessen nicht gedient sein könnte, wenn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - der Club der Reichen - zu einer Resolution
über ein Investitionsabkommen ohne ihren Input
kommt. In der Welt der Entwicklungsländer gibt es hier
also eine Dichotomie, bei der einige es vorziehen, daß
die WTO Schritte zu einem Investitionsarrangement
unternimmt und andere nicht wollen, daß irgendeine
Organisation ein Investitionsabkommen abschließt,
das sich mit ihren Interessen befaßt.
Die Umwelt wurde als kontroverses Thema angesehen, erwies sich dann jedoch als nicht so umstritten.
Die Erklärung wird den Bericht des Ausschusses für
Handel und Umwelt erwähnen, und wahrscheinlich
werden die Minister die WTO um die Fortsetzung ihrer
Arbeit bitten. Grundsätzlich fordert der Anfang November vorgelegte Bericht des Ausschusses Zusammenarbeit zwischen der WTO und Institutionen, die
multilaterale Umweltabkommen umsetzen. Der Bericht
umging den umstrittensten Bereich wie den Einsatz
von Handelssanktionen zur Durchsetzung von Umweltnormen. Der Bericht schlägt vor, daß Differenzen
zwischen den Parteien eines multilateralen Umweltabkommens im Rahmen der Vereinbarung behandelt
werden, obwohl die Parteien ihre WTO-Rechte
behalten würden. Das wirft die Frage auf, was geschieht, wenn es eine Unvereinbarkeit gibt. Die
Sprachregelungen wurden fallengelassen, die die
WTO-Mitglieder aufgefordert hätten sicherzustellen,
daß die in allen multilateralen Umweltabkommen
verankerten Handelsmaßnahmen im Einklang mit der
WTO stehen müssen.

* * *

*

Seite 3

�HANDEL
11. Dezember 1996

USA müssen aktivistische Handelspolitik verfolgen
von Alan P. Larson

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Abteilungsleiter für wirtschaftliche und unternehmerische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Alan P. Larson, verfaßten Artikel über die Bedeutung des
internationalen Handels.

Wie wir alle wissen, ist die Welt gewachsen und wird in
zunehmendem Maße interdependent.
Beispielsweise entsprachen in den sechziger Jahren
die amerikanischen Importe und Exporte dem Wert
von 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jetzt nähern
sie sich - einschließlich Geldtransfers und anderer
Inputs - der 30-Prozentmarke und werden wahrscheinlich bis zum Ende der ersten Dekade des
nächsten Jahrtausends um weitere 10 Prozent
ansteigen. Die Vereinigten Staaten sind der weltweit
größte Exporteur geworden. 1995 exportierten sie
Waren und Dienstleistungen im Wert von über 780
Milliarden Dollar.
Die Vereinigten Staaten waren in den letzten drei
Jahren das konkurrenzfähigste Land der Welt. Die
amerikanische Volkswirtschaft bietet weiterhin einen
höheren Lebensstandard als die europäische und
japanische.
Es besteht kein Grund, den Zusammenhang zwischen
dem Wohlstand unserer Nation und unserer erwiesenen Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen
Märkten zu bezweifeln. 95 Prozent der Verbraucher
weltweit leben außerhalb der Vereinigten Staaten, viele
von ihnen in den dynamischen, neuentstehenden
Märkten Lateinamerikas und Asiens, die viermal so
schnell wachsen wie unsere traditionellen Exportmärkte.
Ihr Wachstum ist auch für uns von Vorteil - jedoch nur,
wenn ihre Märkte für unsere Produkte offen sind und
unsere Märkte für ihre. Die Öffnung dieser Märkte ist
die beste Strategie für die Schaffung hochbezahlter
Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer. Die

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Statistiken zeigen, daß ungefähr 11 Millionen amerikanische Arbeitsplätze exportabhängig sind - allein eine
Million von Agrarexporten. Ich muß hinzufügen, daß
es sich hier um hochwertige Arbeitsplätze handelt,
deren Bezahlung im Durchschnitt zehn Prozent über
der nichtexportabhängiger Arbeitsplätze liegt. Tatsächlich kam eine jüngere Studie zu dem Schluß, daß
die Schaffung von Arbeitsplätzen bei Exportunternehmen fast 20 Prozent höher liegt als bei anderen
Firmen.
Amerika hat Vorteile durch den freien Handel, ist aber
auch davon abhängig, daß der Handel fair ist. Wir
wenden aggressiv unsere heimischen Handelsgesetze
an, wenn ausländische Firmen den Versuch zum
Absatz ihrer Produkte in unserem Land zu Dumpingpreisen unternehmen oder durch illegale Subventionen
begünstigt werden. Wir nutzen häufig den Konfliktschlichtungsmechanismus der Welthandelsorganisation WTO, um unseren Rechten Geltung zu verschaffen. Wir haben der WTO mehr Fälle zur Schlichtung vorgelegt als irgendein anderes Land der Welt.
Die Vereinigten Staaten müssen eine aktivistische
Handelspolitik verfolgen, die internationale Regeln
stärkt, um noch mehr Vorteile aus dem Handel zu
ziehen. Beispielsweise reflektiert die Unterstützung
der Uruguay-Runde und der WTO durch die Vereinigten Staaten unser vitales Interesse an einem
globalen System, das für Handel, Investitionen und
Finanzfluß offen ist.
Wir setzen uns durch folgende Maßnahmen für die
Stärkung der WTO als Institution ein:

Seite 1

�Erweiterung der Mitgliedschaft auf wirtschaftlich sinnvolle Weise. Wir drängen auf Marktreformen in Rußland, China und den Neuen
Unabhängigen Staaten um sicherzustellen,
daß der Beitritt dieser Staaten zum Handelssystem Marktschancen für die Industrie der
Vereinigten Staaten schafft.
Schaffung der Grundlagen für die Lösung
neuer Handelsfragen - beispielsweise Aufdeckung von Bestechung zum Abschluß von
Verträgen - und Förderung des Bewußtseins
für die Bedeutung grundlegender Arbeitsnormen für das Handelssystem.
Bestrebungen zur weiteren Senkung von
Zöllen in Schlüsselsektoren, die für die Vereinigten Staaten von elementarem Interesse
sind, beispielsweise Informationstechnologie.
Ferner arbeiten wir an einem qualitativ hochwertigen Abkommen in der WTO über Basistelekommunikationsdienste - ein Gebiet, auf
dem die amerikanische Industrie technisch
führend ist.
Zusammen mit unseren Bestrebungen zum Abbau von
Handelshemmnissen und zur Stärkung der Regeln für
die Förderung eines transparenten Handelssystems
handeln wir ferner in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein
Abkommen über die Schaffung neuer Investitionsmöglichkeiten aus, das ein hohes Maß an Schutz für
amerikanische Auslandsinvestitionen gewährleistet.
Dieser neue Maßstab für weltweites Investitionswachstum und Stabilität wird als multilaterales Investitionsabkommen bezeichnet. Dieses Abkommen ist für alle
Volkswirtschaften offen, die sich an diese hohen
Investitionsmaßstäbe halten möchten.
Diese Vision freieren Handels fördert auch die regionale Zusammenarbeit. Initiativen in der asiatisch-pazifischen Region und in der westlichen Hemisphäre
verpflichten einige der weltweit größten Länder mit
dem stärksten Wachstum zur Abschaffung von
Handels- und Investitionshemmnissen innerhalb der
nächsten zwei Jahrzehnte.
Beispielsweise hat sich das Forum für asiatischpazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) das
ehrgeizige Ziel von freiem Handel und Investitionen in
der Region bis 2010 und in den Entwicklungsländern
bis 2020 gesetzt.
Die Länder der westlichen Hemisphäre arbeiten auf die
Schaffung einer Freihandelszone auf dem amerikanischen Kontinent bis 2005 hin.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich auch bilateral
mit anderen Ländern für die Erweiterung des Zugangs
zu ihren Märkten. Die Vereinigten Staaten haben mit

seite 2

Japan 22 Abkommen über Marktöffnung in Bereichen
wie Autos und Autoteile, Telekommunikation, Investitionen und Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum abgeschlossen. Unser Ansatz zeigt Resultate: Die amerikanischen Exporte nach Japan haben seit
1992 um 34 Prozent zugenommen.
Wir drängen China zur Annahme der WTO-Handelsverpflichtungen. Wir haben ferner Druck auf China
ausgeübt, die bisher von dem Land verabschiedeten
Abkommen über den Schutz unserer Rechte auf
geistiges Eigentum umzusetzen.
In der Tat besteht eines unserer wichtigsten handelspolitischen Ziele in der Gewährleistung, daß das
geistige Eigentum der Vereinigten Staaten und die
Industrien, die es produzieren und legal exportieren,
auf den überseeischen Märkten angemessenen
Urheberrechtsschutz erhalten.
Wir arbeiten bilateral, in der WTO und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual
Property Organization - WIPO) zusammen um sicherzustellen, daß angemessene Regeln existieren,
eingehalten und durchgesetzt werden.
Wir drängen auch aktiv auf die bestmögliche Umsetzung nationaler Gesetze und Vorschriften sowie der
von der WTO und der WIPO festgesetzten internationalen Regeln und Normen.
Die Liberalisierung des Agrarhandels ist ein weiteres
wichtiges Ziel der Vereinigten Staaten bei künftigen
Handelsgesprächen. Agrarexporte in Höhe von 56
Milliarden Dollar im vergangenen Jahr machten über
sieben Prozent der amerikanischen Gesamtexporte
aus und überstiegen die Agrarimporte bei weitem.
Unser Grundsatz ist die aktive Aushandlung und
Umsetzung von Abkommen - global, regional oder
bilateral - die amerikanische Interessen voranbringen,
fördern und schützen sowie ein auf Regeln basierendes faires und freies internationales System.
Das aus Beamten des Ministeriums und unserer
Botschaften bestehende Amerikabüro im US-Außenministerium arbeitet auf einer sehr praktischen Ebene
um zu gewährleisten, daß die amerikanischen Unternehmer und Arbeitnehmer in der Weltwirtschaft
konkurrenzfähig sind.
Unsere Botschafter und Beamten der Wirtschaftsabteilungen führen Verhandlungen über Wirtschaftsabkommen, darunter Abkommen über den zivilen
Luftverkehr und Investitionen, Steuerverträge, Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums sowie
Maßnahmen zur Marktöffnung. Unsere Botschaften
waren amerikanischen Unternehmen beim Abschluß
und der Umsetzung von Verträgen behilflich - bei-

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�spielsweise einem Telekommunikationsvertrag in El
Salvador in Höhe von 50 Millionen Dollar.
Handel ist für unseren Wohlstand wichtiger als je
zuvor. Die amerikanische Wirtschaft ist gut für erfolg-

AMERIKA DIENST 24

reichen Wettbewerb gerüstet. Es liegt in unserem
Interesse, diese Art von aktivistischer Handelspolitik zu
verfolgen, die globale Handelsregeln stärkt und die
Chancen für weiteres Wachstum unserer Wirtschaft
erhöht.

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�MENSCHENRECHTE

11. Dezember 1996

Überblick über die Menschenrechtssituation
Rede von Botschafterin Albright

VEREINTE NATIONEN - (AD) - In einer Rede vor der UN-Generalversammlung am 21. November 1996 forderte
die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, die internationale
Staatengemeinschaft auf, Ruanda bei der Erfüllung seines Versprechens behilflich zu sein, die Rechte der
zurückkehrenden Flüchtlinge zu schützen und mit dem internationalen Tribunal für den Genozid von 1994
zusammenzuarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright.

Frau Vorsitzende, das 20. Jahrhundert brach an in
einem Klima der Hoffnung inmitten eines generellen
Klimas von Frieden und beeindruckendem technologischen Wandel. Die in Den Haag versammelten
Diplomaten erweiterten den Einflußbereich des
humanitären Völkerrechts. Ehrgeizige Vorschläge für
kollektive Sicherheit kamen in Mode. Und die Kommentatoren sagten ein Zeitalter von beispiellosem
Frieden und gutem Willen voraus.

Während wir in diesem Jahr hier zusammenkommen,
gibt es viele gute Nachrichten.

Es folgte das blutigste Jahrhundert in der Geschichte
der Menschheit.

Auf der ganzen Welt streben zukunftsorientierte
Nationen auf jedem Kontinent die Umsetzung der bei
der 4. Weltfrauenkonferenz verabschiedeten Aktionsplattform an.

Auch heute bereiten wir uns auf ein neues Jahrhundert
vor.
Auch wir leben in einem Zeitalter von relativem Frieden
und raschen technologischen Fortschritten.
Auch wir haben Grund zur Hoffnung.
Aber wenn wir ein neues Jahrhundert vermeiden
wollen, das so voller Enttäuschungen wie das vergangene ist, müssen wir zusammenarbeiten, um elementare Normen von Recht und Unrecht festzusetzen und
einzuhalten.
Das bedeutet, daß wir jede Nation zur Erfüllung ihrer
Verpflichtungen im Rahmen der UN-Charta und der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ermutigen
müssen.

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In Guatemala hat eine starke neue Regierung begonnen, Strafverfolgung einzuführen, die Korruption zu
bekämpfen, die Respektierung der Menschenrechte zu
verbessern und den am längsten andauernden Konflikt
in der Hemisphäre auf dem Verhandlungsweg zu
einem Ende zu bringen.

Und der begrüßenswerte Trend zu offeneren Volkswirtschaften und politischen Systemen dauert an. In
den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich die
Zahl demokratischer Nationen mehr als verdreifacht.
Allein in diesem Jahr gingen über eine Milliarde
Menschen zur Wahl.
Bedauerlicherweise ist der Trend zu Demokratie nicht
universell. Zahlreiche Regierungen greifen weiterhin
zur Ausübung ihrer Amtsgewalt nicht auf die Zustimmung des Volkes, sondern auf Zwang zurück.
Burma ist ein Beispiel.
Hier haben die Behörden ihre eigene Version der
Realität.

Seite 1

�Sie behaupten, ihre Gegner seien von Außenstehenden beeinflußt, während die Opposition in Wirklichkeit
aus zutiefst patriotischen Einheimischen besteht. Sie
behaupten, ihre Verfassungsgebende Versammlung
sei demokratisch, während sie in Wirklichkeit reine
Täuschung ist - vollständig von der Regierung kontrolliert und gelenkt. Sie behaupten, den illegalen
Drogenhandel zu bekämpfen, während das Militär in
Wirklichkeit die Augen vor der Herstellung und dem
Handel mit Drogen verschließt.
Heute gibt es in Burma eine Art Repression, die kommt
und geht. Jeder kleinen Öffnung folgt ein Rückschlag.
Die Regierung hat verhindert, daß Aung San Suu Kyi
und die Nationale Liga für Demokratie einen Parteikongreß einberiefen. Der Nobelpreisträgerin wurde häufig
verboten, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Und
Anfang dieses Monats wurde sie von Verbrechern
überfallen, die nicht ohne offizielle Unterstützung
hätten handeln können.
Im Sommer letzten Jahres erließ die SLORC ein
Dekret, in dem Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren
für jeden angedroht wurden, der den Staat unterminiert
oder die Bestebungen zum Entwurf einer neuen
Verfassung kritisiert. Man kann sich kaum ein repressiveres Gesetz vorstellen.
Entsprechend wird meine Regierung die Generalversammlung in diesem Jahr drängen, ihre uneingeschränkte Unterstützung für Demokratie und Menschenrechte in Burma zum Ausdruck zu bringen. Die
Versammlung könnte einen echten demokratischen
Dialog über Versammlungs- und Redefreiheit, über die
Freilassung politischer Gefangener und ein Ende
erzwungener Umsiedlungen sowie Zwangsarbeit
fordern.
Der Irak ist ein weiteres Land, in dem ständig weitverbreitete gravierende Verletzungen der Menschenrechte stattfinden.
Saddam Husseins Regierung ist die brutalste und
gesetzloseste der Welt. Sie zögert nicht, das irakische
Volk zu foltern und zu terrorisieren, zivile und religiöse
Dissidenten zu unterdrücken, in die Verteilung humanitärer Hilfsgüter einzugreifen und diejenigen zu ermorden, die der Opposition gegen Saddam Husseins
andauernde Herrschaft verdächtig sind.
Bedauerlicherweise ist der Irak nicht das einzige Land
in der Region, das gravierende Menschenrechtsverletzungen begeht.
Bei seinem Besuch im Iran im Februar hörte der
Sondergesandte der Vereinten Nationen Berichte über
Folter, Massenexekutionen, willkürliche Verhaftungen,
Verurteilungen ohne ordentliches Gerichtsverfahren
sowie Unterdrückung bürgerlicher Freiheiten und der
Religionsfreiheit.

Seite 2

Die Vereinigten Staaten fordern die Behörden im Irak
und Iran zur Beendigung der Unterdrückung ihrer
Völker und Unterstützung von internationalem Terrorismus sowie zu Maßnahmen für offenere und freiere
Gesellschaften auf.
Die Regierung des Sudan begeht ebenfalls ungeheuerliche Verletzungen international anerkannter Menschenrechte.
Im vergangenen Jahr hat sich nicht viel verändert. Die
Dokumente berichten weiterhin von Folter, Sklaverei,
willkürlichen Verhaftungen, religiöser Verfolgung und
Einmischung in die Verteilung humanitärer Hilfslieferungen.
Eine Hauptursache des Mißbrauchs ist der Bürgerkrieg
im Sudan. Beide Seiten tragen Schuld, aber die
Regierung verdient besondere Kritik wegen ihrer
mutwilligen Bombardierung von Zivilisten und dem
Einsatz von Streubomben, über den berichtet wird.
Meine Regierung begrüßt die Bereitschaft des Sudan,
dem Besuch des UN-Sonderberichterstatters zuzustimmen. Wir fordern jetzt, daß die Empfehlungen
des Berichterstatters vollständig umgesetzt werden
und die Regierung alles in ihrer Macht Stehende tut,
um die bewaffnete Konfrontation zu einem friedlichen
Ende zu bringen.
In Nigeria hat die Regierung den Übergang zu Demokratie und größerer Achtung der Menschenrechte
versprochen. Diese Versprechen sind willkommen,
wurden jedoch noch nicht erfüllt.
Obwohl der Wahlprozeß begonnen hat, wird er
manipuliert, um die Beteiligung der Oppositionsparteien einzuschränken. Unabhängige Zeitungen
erscheinen wieder, aber die Journalisten werden
schikaniert.
Einem Wahrheitsfindungsteam der
Vereinten Nationen wurde die Einreise nach Nigeria
erlaubt, nicht aber den Sonderberichterstattern.
Politische Häftlinge wurden freigelassen - was wir
außerordentlich begrüßen - aber mehr als 100 Personen werden noch aus vornehmlich politischen Gründen festgehalten, darunter der Oppositionspolitiker
Moshood Abiola, der als Sieger der Präsidentschaftswahlen von 1993 gilt.
Die Vereinigten Staaten fordern Nigeria auf, einen
umfassenden und glaubwürdigen Übergang zu
Demokratie zu vollziehen und die Sicherheit aufrechtzuerhalten, ohne rücksichtslos über grundlegende
Menschen- und bürgerliche Rechte hinwegzugehen.
In China sind die Vereinigten Staaten weiterhin besorgt
über Aktionen zur Einschränkung der freien Meinungsäußerung einschließlich der Verurteilung prominenter
Dissidenten. Außenminister Christopher erklärte, daß
er während seiner jüngsten Reise nach China das

AMERIKA DIENST 24

�gesamte Spektrum unserer Besorgnis mit den dortigen
Politikern angesprochen hat, darunter die Verhaftung
derjenigen, die ihre Ansichten in friedlicher Weise zum
Ausdruck brachten, und der Situation in Tibet. Die
Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft Menschenrechtsprobleme ansprechen, die China betreffen.
In Kuba sind die Vereinigten Staaten nach wie vor
besorgt über den Mangel an Demokratie und Respektierung der Menschenrechte.
Besondere Kritik unsererseits erntete das scharfe
Vorgehen des Regimes gegen die Gruppe "Concillio
Cubano", die versucht hatte, eine Konferenz über
Demokratie und Menschenrechte zu organisieren.
Über 140 Menschen wurden festgenommen und
zusammen mit ihren Familien kontinuierlicher Überwachung und Schikanen unterworfen.
Damit Kuba prosperieren und wachsen kann, muß die
Regierung des Landes den demokratischen Wandel
zulassen. Meine Regierung würden einen solchen
Wandel begrüßen, und wir werden weiterhin mit
anderen freien Nationen zusammenarbeiten, um ihn zu
ermutigen.
Frau Vorsitzende, die Hauptursache von Menschenrechtsverletzungen ist Krieg. Und in unserem Zeitalter
gibt es eher Konflikte in einem Land als zwischen
Ländern.
In Zentralafrika beschäftigen die Spannungen zwischen den Tutsis und Hutus die internationale Staatengemeinschaft seit mehreren Jahren. Die jüngste
Rückführung von Flüchtlingen aus Ostzaire nach
Ruanda ist eine äußerst begrüßenswerte Entwicklung.
Über das unmittelbare Problem der Versorgung dieser
Flüchtlinge hinaus gibt es jedoch weiterhin zahlreiche
Probleme.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Politikern
sowie mit anderen besorgten Regierungen, um die
ruandischen Flüchtlinge, die noch nicht in ihre Heimat
zurückgekehrt sind, dazu zu ermutigen. Mit Respekt
nehmen wir die Verpflichtung der ruandischen Regierung zur Kenntnis, sicherzustellen, daß die Rechte und
Sicherheit dieser Flüchtlinge sowie anderer Hutus
geachet werden. Und wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft Ruanda nicht nur bei der
Erfüllung dieser Verpflichtung behilflich ist, sondern
auch die vielen, seit dem Genozid von 1994 anhängigen Strafprozesse in einem ordentlichen Gerichtsverfahren entscheidet.
Die Menschenrechtssituation gibt auch in Burundi zu
großer Besorgnis Anlaß, wo die Sicherheitskräfte
ebenso wie die ethnischen Milizen und Rebellen
weiterhin Menschenrechtsverletzungen begehen.

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Es ist beachtlich, daß die Regierung vor kurzem die
Verantwortung für das Massaker an 48 Zivilisten
übernommen und versprochen hat, die Täter zur
Rechenschaft zu ziehen. Das ist ein äußerst positiver
Schritt, und wir fordern Major Buyoya und die burundische Armee auf, der Gerechtigkeit Genüge zu
tun.
Auf dem Balkan war das Abkommen von Dayton
darauf ausgelegt, die Rechte aller Bosnier zu wahren,
unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. Die
Durchführung erfolgte stetig, aber langsam. Wir
drängen die Parteien, die Versprechen des Abkommens in die Realität umzusetzen. Und wir bitten alle
Nationen um die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal, sowohl im ehemaligen Jugoslawien
als auch in Ruanda.
Ein weiteres von Bürgerkrieg heimgesuchtes Land ist
Afghanistan. Wie andernorts wurden hier die Menschenrechte durch praktisch alle kämpfenden Parteien
verletzt. Frauen und Kinder waren vornehmlich die
Opfer, nicht nur der Gewalt, sondern auch der von
einer der kämpfenden Fraktionen - den Taliban erlassenen drakonischen Sozialdekrete.
Wir fordern alle afghanischen Gruppen zur Respektierung der grundlegenden Menschenrechte auf unabhängig von Geschlecht, Ethnizität oder Religion.
Darüber hinaus ist die Beendigung der Kämpfe von
entscheidender Bedeutung. Dieser Krieg verlängert
die Agonie des afghanischen Volkes in sinnloser
Weise. Wie die ehemalige Sowjetunion aufgrund
harter Erfahrung lernte, können die Afghanen grausame und entschlossene Kämpfer sein; ihr physischer
Mut steht außer Frage. Erforderlich ist jetzt der
moralische Mut zur Beendigung der Kämpfe und zur
Gründung einer Regierung mit breiter Basis. Sowohl
diese Organisation als auch zahlreiche Mitgliedstaaten
sind zur Hilfe bei der Verwirklichung dieses Ziels
bereit.
Frau Vorsitzende, die größte Spaltung der heutigen
Welt verläuft nicht zwischen Ost und West, Nord und
Süd, oder Rechts und Links. Sie verläuft zwischen
denjenigen, die in dem Haß der Vergangenheit
verhaftet sind und denjenigen, die den Aufbau der
Zukunft anstreben.
Entsprechend appelliert meine Regierung an alle
Regierungen:
Lassen Sie uns alle die untrennbare Verbindung
zwischen menschlicher Entwicklung und menschlicher
Freiheit anerkennen.
Lassen Sie uns alle die in der UN-Charta eingegangenen Verpflichtungen erfüllen.

Seite 3

�Lassen Sie uns alle die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte einhalten.

Und lassen Sie uns dabei unserer gemeinsamen
Verantwortung für die Zukunft und die Kinder gerecht
werden, deren Erbe wir feierlich verwalten.

Lassen Sie uns alle die Würde unserer Bürger respektieren.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 24

�PORTRAT
11. Dezember 1996

Im Ausland geborene Amerikanerin
zur Außenministerin berufen
Porträt von Madeleine Korbel Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Madeleine Albright, die von Präsident
Clinton am 5. Dezember 1996 vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat für das Amt des Außenministers
nominiert wurde.

Madeleine K. Albright wurde von Präsident Clinton im
Januar 1993 zur Ständigen Vertreterin der Vereinigten
Staaten bei den Vereinten Nationen ernannt. Sie ist
außerdem Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und
des Nationalen Sicherheitsrats. Botschafterin Albright
wurde am 1. Februar 1993 bei den Vereinten Nationen
akkreditiert.
Von 1989 bis 1992 war Botschafterin Albright Präsidentin des Center for National Policy, einer gemeinnützigen Forschungsorganisation, die Studien und
Diskussionen über innenpolitische und internationale
Themen fördert. Von 1982 bis zu ihrer Ernennung als
Ständige Vertreterin war sie Forschungsprofessorin für
internationale Angelegenheiten und Direktorin des
Programms "Frauen im auswärtigen Dienst" der
Georgetown University's School of Foreign Service.
Vor ihrer Tätigkeit an der Georgetown University nahm
Botschafterin Albright an einem internationalen
Wettbewerb teil, bei dem sie mit einem Woodrow
Wilson-Stipendium am Woodrow Wilson Center for
Scholars der Smithsonian Institution ausgezeichnet
wurde, um über die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen 1980-82 zu schreiben.

1981 war sie Senior Fellow für sowjetische und
osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies und von 1981-90
ein Adjunct Fellow der Institution.
Von 1978-81 war Botschafterin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und den Weißen
Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung verantwortlich und von 1976-78 persönliche Referentin für
Gesetzesfragen von Senator Edmund Muskie.
Botschafterin Albright erwarb 1968 ihren M.A. an der
Fakultät für Öffentliches Recht und Staatswissenschaft
der Columbia University, wo sie 1976 auch promovierte. 1959 hatte sie am Wellesley College ihr
Examen in Politologie mit Auszeichnung bestanden.
Zu den von ihr veröffentlichten Arbeiten zählen
Poland, the Role of the Press in Political Change,
The Role of the Press in Political Change: Czechoslovakia 1968 und The Soviet Diplomatie Service:
Profile of an Elite.
Botschafterin Albright spricht fließend Französisch und
Tschechisch und verfügt über gute Kenntnisse der
russischen und polnischen Sprache.

* * * * *

AMERIKA DIENST 24

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�PORTRAT

11. Dezember 1996

Präsident Clinton nominiert
neuen Verteidigungsminister
Porträt von William S. Cohen

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend stellen wir den von Präsident Clinton am 5. Dezember 1996 für das Amt des
Verteidigungsministers ernannten William S. Cohen vor. Die Nominierung muß noch durch den Senat bestätigt
werden.

William S. Cohen gehörte drei volle Sitzungsperioden
dem Senat und drei dem Repräsentantenhaus als
Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks von Maine an.
Der 1940 in Bangor (Maine) geborene Cohen erwarb
1962 seinen Bachelor of Arts in Latein am Bowdoin
College und 1965 seinen Bachelor of Laws cum laude
an der Law School der Boston University. Er war
Sozius in der Anwaltskanzlei Paine, Cohen, Lynch,
Weatherbee &amp; Kobritz in Bangor und Dozent an der
University of Maine. Von 1968-70 war Cohen stellvertretender Staatsanwalt für den Landkreis Penobscot,
von 1969-72 Mitglied des Stadtrats von Bangor und
1971-72 Bürgermeister von Bangor.
Cohen wurde 1972 in das Repräsentantenhaus
gewählt und für die beiden darauffolgenden Sitzungsperioden wiedergewählt. Er gehörte dem Repräsentantenhaus bis 1978 an, als er zum Senator gewählt
wurde. 1984 und 1990 wurde er erneut in den Senat
gewählt, verzichtete jedoch 1996 auf eine vierte
Kandidatur.

Cohen ist Mitglied des Streitkräfteausschusses des
Senats sowie des Ausschusses für Regierungsangelegenheiten und des Sonderausschusses für die
Nachrichtendienste.
Im Streitkräfteausschuß ist
Cohen Vorsitzender des Unterausschusses Seemacht.
Er gehört dem Unterausschuß Luftwaffe und Bodentruppen, dem Unterausschuß für strategische Streitkräfte und dem Unterausschuß für Einsatzbereitschaft
an. Ferner ist Cohen Vorsitzender des Sonderausschusses für Überalterung, des Unterausschusses für
staatliche Verwaltung und den District of Columbia des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten sowie
Mitglied des Ständigen Ermittlungsunterausschusses.
Cohen ist Autor des 1982 erschienenen Buchs Getting
the Most Out of Washington, das sich mit dem
Kampf gegen übermäßige Bürokratie in der Regierung
befaßt, sowie Verfasser von mehreren Romanen und
zwei Gedichtbänden. Der 56jährige ist mit Janet
Langhart verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

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�PORTRAT
11. Dezember 1996

Neuer Nationaler Sicherheitsberater nominiert
Porträt von Samuel R. Berger

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend stellen wir Samuel R. "Sandy" Berger vor, der von Präsident Clinton am 5.
Dezember 1996 zum Berater für nationale Sicherheitsfragen ernannt wurde. Berger muß nicht vom Senat
bestätigt werden.

und

außenpolitischer

Berger ist Stellvertretender Berater des Präsidenten für
nationale Sicherheitsfragen.

wirtschaftlicher, SicherheitsAngelegenheiten.

Während des Präsidentschaftswahlkampfs 1992 war
Berger hochrangiger außenpolitischer Berater von
Gouverneur Clinton und nach der Wahl Stellvertretender Direktor für nationale Sicherheit des Übergangsteams von Präsident Clinton und Vizepräsident
Gore.

Vor seiner Tätigkeit in der Clinton-Administration war
Berger (1973-77, 1981-92) Partner der Washingtoner
Anwaltssozietät Hogan &amp; Hartson sowie Direktor der
internationalen Handelsgruppe der Kanzlei.

Berger blickt auf vielfältige Erfahrung im Staatsdienst
zurück. Er war persönlicher Referent des ehemaligen
New Yorker Bürgermeisters John Lindsay, Rechtsreferent des früheren Senators Harold Hughes (Iowa)
und des Kongreßabgeordneten Joseph Resnick (New
York) sowie von 1977-80 Stellvertretender Direktor des
politischen Planungsstabs im US-Außenministerium.
Während seiner Zeit beim Außenministerium befaßte
sich Berger mit einem breiten Spektrum internationaler

Berger erwarb 1967 seinen B.A. an der Cornell
University und 1971 seinen Doktor der Jurisprudenz
an der Harvard Law School.
Berger ist der Autor von Dollar Harvest (1971), einem
Buch über die Politik für den ländlichen Raum der
Vereinigten Staaten.
Berger ist mit Susan Harrison Berger verheiratet und
hat drei Kinder - Deborah, Sarah und Alexander. Die
Bergers leben in Washington, D.C.

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�PORTRAT

11. Dezember 1996

Vom Nationalen Sicherheitsberater zum CIA-Direktor
Porträt von Anthony Lake

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Porträt von Anthony Lake, der am 5. Dezember 1996
von Präsident Clinton für das Amt des CIA-Direktors nominiert wurde. Die Nominierung muß noch durch den
Senat bestätigt werden.

Anthony Lake wurde am 22. Dezember 1992 zum
Berater des Präsidenten in nationalen Sicherheitsfragen ernannt und trat das Amt offiziell am 20. Januar
1993 an. Vorher hatte Lake seine Zeit zwischen seiner
Farm im Westen von Massachusetts und dem Mount
Holyoke College aufgeteilt, wo er seit 1981 Professor
für internationale Beziehungen gewesen war. Ferner
war er im Wahlkampf von Clinton/Gore als hochrangiger außenpolitischer Berater tätig.
1961 schloß Lake sein Studium am Harvard College
mit einem B.A. magna cum laude ab. Anschließend
studierte er zwei Jahre lang Volkswirtschaft am Trinity
College in Cambridge. 1974 promovierte er an der
Woodrow Wilson School of Public and International
Affairs der Princeton University.
Lake trat 1962 in den auswärtigen Dienst ein, dem er
bis 1970 angehörte. Im Rahmen seiner dortigen
Laufbahn war er Vizekonsul in Saigon (1963), Vize-

konsul in Hue (1964-65) und persönlicher Referent des
Präsidentenberaters für nationale Sicherheitsfragen
(1969-70).
Nach seiner Tätigkeit im Wahlkampf von Muskie, für
die Carnegie Endowment und die International Voluntary Services kehrte Lake 1977 ins Außenministerium
zurück und war dort unter der Carter-Administration bis
1981 Leiter des politischen Planungsstabs.
Lake ist Verfasser mehrerer Bücher, darunter Somoza
Falling (1989), Our Own Worst Enemy: The Unmaking of American Foreign Policy (Koautor) (1984)
und The 'Tar Baby' Option: American Policy Toward
Southern Rhodesia (1976). Ferner war er Herausgeber von After the Wars (1990) sowie Mitherausgeber von Legacy of Vietnam: The War, American Society, and the Future of U.S. Foreign Policy
(1976).

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