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                  <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

2. Oktober 1996

VEREINTE NATIONEN

DIE PRIORITÄTEN DER USA BEI DER
51. UN-GENERALVERSAMMLUNG
Rede von Botschafterin Albright

NAFTA

SCHAFFUNG VON ARBEITSPLATZEN UND
SCHUTZ DER UMWELT MÜSSEN HAND
IN HAND GEHEN
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WIRTSCHAFT

POLITIKER MUSSEN UNBESTÄNDIGKEIT
DES KAPITALFLUSSES BEKÄMPFEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers

ARBEIT

DIE SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN
UND BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten

1993-1996
- Überarbeitete Version -

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
2. Oktober 1996

Die Prioritäten der USA bei der
51. UN-Generalversammlung
Rede von Botschafterin Albright

NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten sehen die 51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung als
Möglichkeit, bei wichtigen Fragen, die das Leben der Menschen überall auf der Erde beeinflussen, wirkliche
Fortschritte zu machen, insbesondere beim Schutz vor Terrorismus, Korruption und Verbrechen, Drogen und
illegalen Waffenverkäufen, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, am 18. September 1996. Bei einer Pressekonferenz im Zentrum für die
ausländische Presse des US-Informationsamts (United States Information Agency - USIA) legte Albright die fünf
Hauptziele der US-Delegation bei der 51. Generalversammlung dar, die am 17. September offiziell eröffnet wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Botschafterin Albright abgegebenen Erklärung.

Ich freue mich, heute Nachmittag hier sein und mit
Ihnen die Prioritäten der Vereinigten Staaten bei der
51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung
erörtern zu können.
Wir erachten dieses Jahr als Chance, echte Fortschritte bei der Erlangung der Ziele zu machen, die
Auswirkungen auf das Leben der Menschen überall
haben. Das historische Beispiel für die Fähigkeit der
Nationen auf der ganzen Welt zur Zusammenarbeit für
das Gemeinwohl ist uns noch frisch im Gedächtnis.
Letzte Woche unterstützten Nationen jeder Größe und
aus jedem Kontinent den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Nuclear Test Ban
Treaty - CTBT) - einen Vertrag, der am Rande der UNGeneralversammlung nächste Woche zur Unterzeichnung ausgelegt wird. Wir hoffen, daß wir während der
ganzen bevorstehenden Generalversammlung auf
diesem Geist der zukunftsorientierten Zusammenarbeit
aufbauen können.
Der CTB-Vertrag soll die durch die nukleare Weiterverbreitung und die Möglichkeit eines Atomkriegs entstehenden Risiken für die Welt verringern. Diesen
Herbst wird die Generalversammlung gebeten werden,
auf andere Bedrohungen der Sicherheit und des
Wohlergehens unserer Bürger zu reagieren.

AMERIKA DIENST 19

Wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr erklärte,
ist internationale Zusammenarbeit von wesentlicher
Bedeutung, wenn alle Menschen vor den die moderne
Welt konfrontierenden Gefahren sicher sein wollen.
Wir werden alle - in unterschiedlichem Ausmaß und
auf verschiedene Art und Weise - von feindlichen
transnationalen Kräften bedroht, darunter Terrorismus,
Korruption und Verbrechen, Drogen und illegale
Waffenverkäufe.
Wir alle haben ein Interesse am Umgang mit den
globalen Herausforderungen der Linderung von Armut,
Eindämmung von Krankheit, des Erhalts einer gesunden Umwelt und der Vergrößerung der Chancen für
Frauen. Und unsere Menschen werden alle von den
Bestrebungen zur Bekämpfung von Intoleranz, Förderung der Respektierung von Menschenrechten und
Ausweitung der Rechtsstaatlichkeit profitieren.
Diesen Herbst werden sich die Vereinigten Staaten im
Rahmen der Beratungen der Generalversammlung für
jedes dieser Ziele einsetzen.
Erstens suchen wir Unterstützung für eine Initiative
zum Entwurf, Aushandeln und Abschluß einer Konvention gegen Terroranschläge: Terrorismus ist eine
Plage, die sich bis in jeden Winkel der Erde ausgebreitet hat. Wir müssen uns gemeinsam für die Ab-

Seite 1

�schreckung, Verhütung und Bestrafung terroristischer
Aktionen einsetzen. Und wir müssen denjenigen, die
solche Aktionen in Erwägung ziehen, klarmachen, daß
die internationale Staatengemeinschaft sie geeint
bekämpfen wird, falls sie dieser bösartigen Versuchung nachgeben.
Zweitens werden wir weiterhin mit den Mitgliedstaaten
daran arbeiten, unserer Unterstützung für Bestrebungen zur Beilegung seit langer Zeit bestehender
regionaler Differenzen im Nahen Osten und andernorts
möglichst starken Ausdruck zu verleihen. Die Vereinten Nationen haben eine Verantwortung zur
Unterstützung von Anstrengungen zur Erlangung des
Friedens durch ausgewogene und konstruktive
Resolutionen, die diejenigen ermutigen sollen, die zur
Übernahme von Risiken um des Friedens willen bereit
sind.
Drittens werden wir einer Resolution sehr hohe
Priorität einräumen, die möglichst baldige Unterstützung für ein internationales Abkommen über das
Verbot der Nutzung, Lagerung, Produktion und
Weitergabe von Antipersonenminen fordert.
Ich
brauche denjenigen unter Ihnen, die aus von Bürgerkriegen heimgesuchten Ländern kommen, nicht zu
sagen, daß Landminen wahllos töten und sich unter
den Opfern mehr Kinder als Soldaten befinden. Minen
sind billig, im Überfluß vorhanden, langlebig, schwer
zu entdecken und tödlich. Gemeinsam können wir
dieser Geißel ein Ende setzen. Das wäre wahrlich ein
Geschenk für zukünftige Generationen.
Viertens werden wir uns für eine internationale Erklärung über Bürgersicherheit einsetzen, die weitverbreitete Entschlossenheit zur Bekämpfung transnationalen Verbrechens in all seinen Formen bekundet.
Fünftens haben wir die Verabschiedung einer Erklärung der Vereinten Nationen über Korruption und
Bestechung bei transnationalen Geschäftsaktivitäten
eingeleitet und streben ihre Annahme an.
Zusätzlich werden die erfolgreiche Leitung und
Durchführung der Friedenssicherungsoperationen der
UNO für die Vereinigten Staaten wie auch für die
meisten anderen Nationen hohe Priorität haben.
Die UN-Mitgliedstaaten müssen auch während dieser
Generalversammlung zusammenarbeiten, um die
Vereinten Nationen auf eine solidere Finanzgrundlage
zu stellen. Das erfordert eine Reihe von Schritten.
Erstens benötigen wir Haushaltsdisziplin. Die regulären Ausgaben für 1996-97 dürfen die vergangenen
Dezember gebilligte Zahl von 2,6 Milliarden Dollar nicht
überschreiten.

Seite 2

Zweitens befürworten die Vereinigten Staaten eine
Überarbeitung der Einstufungsmaßstäbe der UNO, um
fairere Lastenteilung, besseren Finanzfluß und ein
stärkeres Gefühl für gemeinsame Verantwortung
herbeizuführen. Unseres Erachtens ist es wichtig,
dieses Jahr die Überarbeitung abzuschließen, die
derzeitige Anomalien beseitigt und eine Obergrenze
von 25 Prozent für den Beitrag eines Landes zu
Friedenssicherungsoperationen festlegt.
Diese
Veränderungen würden die Abhängigkeit der Vereinten
Nationen von Beiträgen aus einer Quelle verringern
und gleichzeitig die dramatischen wirtschaftlichen
Veränderungen genauer widerspiegeln, die sich
während des letzten Jahrzehnts ereigneten.
Meine Regierung macht sich große Sorgen über die
Finanzlage der Vereinten Nationen, und wir sehen die
Probleme im Zusammenhang mit den jüngsten
Ausfällen amerikanischer Beitragszahlungen.
Dementsprechend arbeitet meine Administration mit
den Kongreßabgeordneten zusammen, damit wir
unseren Verpflichtungen nachkommen. In Anerkennung der von den Vereinten Nationen unternommenen
ersten Schritte und in Erwartung eines fortgesetzten
Engagements für Reformen stellte der Kongreß für
Zahlungen an die UNO im Kalenderjahr 1995 1,5
Milliarden Dollar zur Verfügung, einschließlich freiwilliger Zahlungen. Dieses Jahr haben beide Häuser des
Kongresses die geschätzten erforderlichen Gelder für
amerikanische Beitragszahlungen an die Vereinten
Nationen für Friedenssicherungsoperationen und den
regulären Haushalt vollständig bewilligt. Das Repräsentantenhaus billigte auch - unter der Bedingung
fortgesetzter Finanzdisziplin und Reformen - die
Zahlung eines Teils der noch ausstehenden amerikanischen Beiträge.
Mit Blick auf die Zukunft ist klar, daß eine Kombination
von Ausgabenbeschränkungen und gemeinsamer
Verantwortung erforderlich ist, wenn wir einen angemessenen und verläßlichen Finanzfluß für Aktivitäten und Programme der Vereinten Nationen gewährleisten wollen.
Schließlich werden wir mit anderen Mitgliedern
zusammenarbeiten, um Effektivität, Reaktionsvermögen und Verantwortlichkeit der Vereinten Nationen
zu verbessern. Im vergangenen Jahr wurden beträchtliche Fortschritte bei der Festlegung von Prioritäten der
Aktivitäten, bei der Abschaffung veralteter Mandate
sowie der Verringerung von Überlappung mit der
UNCTAD, den regionalen Ausschüssen und den
Sonderorganisationen gemacht. Es muß noch viel
mehr getan werden.
Zu diesem Zweck entwickelt die hochrangige Arbeitsgruppe zur Stärkung des UN-Systems (High-Level
Working Group on Strengthening the UN System HLWG) eine Reihe von Reformempfehlungen, an-

AMERIKA DIENST 19

�gefangen mit der Generalversammlung und dem
Sekretariat.
Die Vereinigten Staaten haben ein
Kompendium spezifischer Reformvorschläge zur
Prüfung durch die Arbeitsgruppe in Umlauf gebracht,
und wir befürworten eine Fortsetzung des Mandats der
Gruppe, damit sie ihre Arbeit beenden kann.
Zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben muß die
Generalversammlung ihre Bestrebungen zur Lösung
der äußerst schwierigen Frage einer Erweiterung und
Reform des Sicherheitsrats fortsetzen. Die amerikanische Position zu dieser Angelegenheit lautet, daß die
Effektivität des Rates gewahrt werden muß; Deutschland und Japan sollten ihm als ständige Mitglieder
beitreten; alle Regionen der Welt sollten gerecht
vertreten sein; die Gesamtzahl der Mitglieder sollte 20

*

AMERIKA DIENST 19

nicht überschreiten, und die Rechte der derzeitigen
ständigen Mitglieder sollten nicht verändert werden.
Zusammenfassend sind die Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß unsere kollektiven Bestrebungen in der
Generalversammlung in den kommenden Wochen auf
die Förderung der Ziele Sicherheit, Wohlstand und
Frieden ausgerichtet sein sollten, die im Mittelpunkt
der Arbeit der Vereinten Nationen stehen. Ferner
müssen wir weitere Fortschritte bei der Reform der
Organisation machen, damit die UNO einen geringeren
Prozentsatz ihrer Mittel für allgemeine Verwaltungskosten und mehr Geld für Programme und Dienstleistungen ausgibt, die Menschenleben retten oder
bereichern.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
2. Oktober 1996

Schaffung von Arbeitsplätzen und
Schutz der Umwelt müssen Hand in Hand gehen
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration engagiert sich für eine Beendigung des "Fehlverhaltens" der
Vergangenheit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen, erklärte der
Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy Wirth, am 18. September 1996 bei
einer Konferenz über die umweltpolitischen Auswirkungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(North American Free Trade Agreement - NAFTA). Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der
Erklärung des Staatssekretärs.

Vielen Dank. Ich freue mich, heute hier zu sein und
über die bedeutenden Fortschritte zu sprechen, die bei
der Verknüpfung der eng zusammenhängenden
Interessen freier Handel und Umweltschutz gemacht
wurden.
Wie Sie alle wissen, gab es in den letzten Jahren nur
wenige Dinge, die interessanter, fesselnder oder
komplexer waren als Handel und Umwelt. Bereits seit
Jahrhunderten befaßt man sich weltweit mit Handelspolitik, aber im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelte
sie sich im Zuge der Woge von Protektionismus, die
charakteristisch für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
war, zu einer Hauptaufgabe des internationalen
Engagements. Angesichts der negativen Auswirkungen des Protektionismus wurden das GATT und
ähnliche Mechanismen entwickelt, um ein offeneres
und freieres Handelssystem zu fördern, das weltweit
mehr Arbeitsplätze schaffen und einen höheren
Lebensstandard bieten kann.
In ähnlicher Weise haben wir erkannt, daß unser
Lebensstandard und unsere Lebensqualität von den
unsere Wirtschaft und unsere Welt umgebenden
Ökosystemen abhängen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden Gesetzesrahmen
geschaffen, um die Gesundheit des Menschen zu
schützen, die Artenvielfalt zu bewahren und die
Umwelt zu erhalten. Ebenso wie beim Handel ist auch
im Bereich der Umwelt unser Verständnis für die
Zusammenhänge gewachsen. Folglich sind wir zu der

Erkenntnis gelangt, daß internationaler Konsens und
gemeinsame Entschlossenheit das Beste sind, um die
Bestrebungen zum Schutz der Umwelt zu realisieren.
Dies führte zur Entwicklung einer Sammlung nationaler
und internationaler Umweltgesetze, die in ihrer Komplexität den Handelsgesetzen Konkurrenz machen.
Diese beiden Trends - die Betonung eines offeneren
Handelssystems im Dienste unserer gemeinsamen
wirtschaftlichen Zukunft sowie die Betonung erweiterter Bestrebungen, um mehr für unsere gemeinsame umweltpolitische Zukunft zu unternehmen überschneiden sich jetzt. Infolgedessen besteht breite
Übereinstimmung, daß wir bei der Rationalisierung
dieser beiden internationalen Prioritäten erfolgreicher
sein müssen, um globalen Fortschritt zu fördern und
tragfähige Entwicklung zu realisieren - das beim
Erdgipfel vor zwei Jahren verfochtene Konzept.
Daß diese beiden Politikbereiche sich gegenseitig
beeinflussen, ist offensichtlich. Die Handelspolitik
kann eine mächtige Determinante der Qualität der
Umwelt sein, indem sie den Fluß von Investitionen und
Gütern reguliert, die Auswirkungen auf die Umwelt
haben. Umgekehrt kann die Umweltpolitik bedeutende
Auswirkungen auf den Handel haben, beispielsweise
durch die Festlegung von Produktionsstandards oder
das Verbot der Verwendung bestimmter Güter.
In einer idealen Welt sollte es keinen inhärenten
Konflikt zwischen Handels- und Umweltpolitik geben.

AMERIKA DIENST 19

Seite 1
\

�Ein gut funktionierender freier Markt - der alle Marktund anderen Kosten internalisiert - sollte das Verhalten
der Produzenten und Konsumenten so lenken, daß ein
Maximum an wirtschaftlichem Wohlergehen und
Umweltschutz erreicht wird.
Bedauerlicherweise
werden wir uns erst jetzt vieler der marktunabhängigen
Umweltkosten bewußt, während wir die Komplexität
und Zerbrechlichkeit der Natur besser verstehen
lernen. Und bis es uns gelingt, unsere Wirtschaftsund Umweltpolitik - im Inland und auf der Welt - stärker
zu integrieren, müssen wir uns alle an den internationalen Bestrebungen beteiligen - und dabei meines
Erachtens sogar eine führende Rolle übernehmen -,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Diese Administration trat ihr Amt mit der Verpflichtung
an, dem Fehlverhalten ein Ende zu setzen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen. Der Präsident und der Vizepräsident haben stattdessen versprochen sicherzustellen,
daß die beiden Hand in Hand gehen - wie das sein
muß. Es ist unsere Herausforderung und unsere
Absicht, eine führende Rolle bei den internationalen
Bestrebungen zu übernehmen, diese Fragen global zu
verbinden, um das Versprechen tragfähiger Entwicklung zu erfüllen.
Das beinhaltet bedauerlicherweise äußerst komplexe
Angelegenheiten, die schwierige Fragen über folgende
Themen aufwerfen:
Die Ratsamkeit und Möglichkeit der Annahme
internationaler Umweltschutznormen. Wie
können wir am besten die steigende Harmonisierung von Normen ermutigen, damit sie
einen effektiveren Umweltschutz gewährleisten?
Souveränität und die Beilegung von Streitigkeiten. Welche Mechanismen und Institutionen sind zur Beilegung von Streitigkeiten
erforderlich?
Analyse des Produktzyklus. Wie beeinflussen
Anforderungen an Etikettierung, Verpackung
und Recycling den Handel, und stellen sie
legitime Umweltstrategien oder versteckte
Handelsrestriktionen dar?
Subventions- und Investitionsmuster. Beeinflussen Subventionen, Investitionspolitik und
das Niveau von Produktnormen handeis- und
umweltpolitische Ziele?
Diese Themen werfen eine Reihe weiterer Fragen
darüber auf, wie tragfähige Entwicklung unter in
unterschiedlichen Entwicklungsstadien befindlichen
Nationen gefördert werden kann. Im wesentlichen
fürchten die Entwicklungsländer, daß die steigende
Ermutigung umweltpolitischer Belange die Entwick-

Seite 2

lungsmöglichkeiten einschränkt. Daher bleibt eine
breite Kluft zwischen Nord und Süd bestehen, obwohl
einige Fortschritte bei der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für die Bewältigung dieser Fragen
innerhalb der OECD gemacht wurden.
Aus diesem Grund nutzen wir das Aufkommen von
Organisationen wie der Welthandelsorganisation WTO,
dem Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO,
der Kommission für internationalen Handel mit gefährdeten Arten sowie einer Vielzahl anderer Foren zur
Förderung von Umweltschutz, sorgsam abgewogen
gegen das Wachstum des freien Handels und seine
Vorteile. Fall um Fall und Forum um Forum haben wir
Führungstellen geschaffen, die die enge Verbindung
zwischen Umweltschutz und Welthandel fördern.
Der eindrucksvollste Wegweiser, den wir haben, ist
auch der Hauptgegenstand der hier stattfindenden
Diskussionen - das drei Jahre alte Nordamerikanische
Freihandelsabkommen NAFTA. Einer der Gründe,
warum diese Administration das NAFTA und seine
Zusatzabkommen so entschieden unterstützte, waren
seine bahnbrechenden historischen Bestrebungen,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Das NAFTA unterstützte den entstehenden Konsens,
daß wir im internationalen Handelssystem dem
lokalen, nationalen, regionalen und globalen Umweltschutz Priorität einräumen müssen. Erstmals besteht
eines der Ziele einer bedeutenden Handelsvereinbarung in der Förderung tragfähiger Entwicklung. Zur
Erlangung dieses Ziels:
legt das NAFTA-Paket Investitionsvorschriften fest, die eine Senkung bestimmter Normen zum Zweck der
Anziehung von Investoren entmutigen
und stattdessen die Durchführung von
Umweltschutzmaßnahmen zur Regelung von Investitionsaktivitäten gestatten;
unterstützt und bevorzugt das
NAFTA-Paket ausdrücklich handelspolitische Maßnahmen, die in bestimmten internationalen Umweltabkommen gefordert werden - wie
dem Montrealer Protokoll über die
Ozonschicht schädigende Substanzen;
bewahrt das NAFTA-Paket die amerikanischen Umwelt-, Gesundheits- und
Sicherheitsstandards auf allen Regierungsebenen - ein wichtiges Anliegen.

AMERIKA DIENST 19

�Die BECC bestätigte die mögliche Finanzierung von 10 Projekten und entwickelte nach
längerer Vorlaufzeit neue Richtlinien, die jetzt
der Öffentlichkeit vorgelegt werden, um eine
effektivere Prüfung von Projekten und eine
aggressivere Förderung
von tragfähiger
Entwicklung zu erreichen.

Ebenso wichtig ist, daß das NAFTA verschiedene
bedeutende Institutionen ins Leben rief - einschließlich
der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit
(Commission for Environmental Cooperation - CEC),
dem wichtigsten Träger für die Überwachung und
Erlangung dieser Ziele; der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit an den Grenzen (Border
Environmental Cooperation Commission - BECC), die
mit den Kommunalbehörden an der Entwicklung von
Plänen für Umweltinfrastrukturprojekte und ihrer
Zertifizierung arbeitet; und der Nordamerikanischen
Entwicklungsbank (North American Development Bank
- NADBank), die Kapital aus dem Privatsektor zur
Finanzierung von durch die BECC zertifizierten
Projekten zur Verfügung stellt.
Es ist kein Geheimnis, daß diese Institutionen für ihren
Aufbau und ihr effektives Funktionieren Zeit brauchten
- mehr als erwartet. Insgesamt gesehen vertritt die
Administration jedoch die Ansicht, daß das NAFTA ein
Erfolg ist.
Bei seinem Treffen im letzten Monat gab der
Rat der CEC Aktionspläne für die Kontrolle
von vier hartnäckigen toxischen Stoffen
bekannt, die unsere Hemisphäre verschmutzen. Unsere trilaterale Zusammenarbeit wird
unseres Erachtens die Weichen für umfassendere internationale Verhandlungen über eine
globale Konvention über schwer zu beseitigende organische Schadstoffe stellen.
Die CEC stellt eine Liste über die Freisetzung
von Schadstoffen im nordamerikanischen
Raum auf, um die Öffentlichkeit über die
Herkunft der Schadstoffe und ihre Gefahren
zu informieren.
1997 wird der Umweltrat des NAFTA Empfehlungen zu grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfungen aussprechen, um den
Informationsaustausch zwischen benachbarten NAFTA-Ländern über vorgeschlagene
Projekte zu fördern, die wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Umwelt eines benachbarten NAFTA-Landes haben.
Und wir entwickeln neue Mechanismen zur
Ermutigung regionaler Umweltschutzstrategien - beispielsweise das Aufspüren illegalen
grenzüberschreitenden Transports von Sondermüll, die Durchsetzung von Antischmuggelgesetzen der CEC und die Zusammenarbeit zur Durchsetzung der Bestimmungen
der Konvention über den internationalen
Handel mit gefährdeten Arten (Convention on
the International Trade in Endangered Species
- CITES).

AMERIKA DIENST 19

Unabhängig davon entwickelten die Vereinigten Staaten und Mexiko ihre bereits
eindrucksvolle bilaterale Zusammenarbeit in
der Grenzregion weiter. Ein neuer, umfassender Umweltplan für das Grenzgebiet, genannt
Border 21, soll als übergeordneter Rahmen für
Aktivitäten in diesem Bereich dienen.
Einige der signifikantesten Entwicklungen finden
angemessenerweise unter Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort statt. Beispielsweise einigten sich Anfang
des Jahres öffentliche und private Organisationen
sowie Regierungsvertreter aus Mexiko und den
Vereinigten Staaten auf die Förderung von Vorschlägen für den Umgang mit Problemen der Luftverschmutzung in der Region von El Paso-Juarez, die als
einheitlicher Luftraum betrachtet wird. Dieses neue
und vielversprechende Abkommen basiert auf der
Erkenntnis, daß Verschmutzung nicht vor Grenzen
Halt macht und dasselbe auch bei der Suche nach
Lösungen gelten sollte.
Über das NAFTA hinaus haben wir uns an einer
Vielzahl anderer Aktivitäten beteiligt, um den engen
Zusammenhang zwischen Handels- und Umweltpolitik
zu erforschen.
Diese Administration schafft eine
solide Grundlage für derartige Bestrebungen. Eine der
interessantesten - und umstrittensten - Fragen, mit
denen sich die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft befassen, ist das Verständnis der Umstände, unter denen handelspolitische
Maßnahmen für den Schutz der Umwelt außerhalb der
ausschließlichen Rechtsprechung eines Landes
angemessen sind. Es ist nicht einfach, von vornherein
die exakten Umstände zu definieren, unter denen der
Einsatz handelspolitischer Maßnahmen zum Schutz
der Umwelt angemessen erscheint.
Ich möchte noch kurz den von uns entwickelten
gedanklichen Rahmen ansprechen. Wir haben vier
allgemeine Kategorien von Fällen entwickelt, bei denen
unseres Erachtens handelspolitische Maßnahmen zur
Unterstützung umweltpolitischer Ziele gerechtfertigt
sind:
1.

Wenn handelspolitische Maßnahmen eine
Verpflichtung gemäß einem internationalen
Umweltabkommen darstellen, dem wir angehören - vorausgesetzt dieses sieht keine
Diskriminierung von NichtVertragsparteien vor.

Seite 3

�2.

Wenn die Auswirkungen einer Aktivität auf die
Umwelt teilweise innerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs spürbar werden.

3.

Wenn eine Pflanzen- oder Tierart gefährdet
oder bedroht ist oder eine spezielle Vorgehensweise wahrscheinlich zur Gefährdung
oder Bedrohung einer Art führt.

4.

Wenn die Effektivität einer auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden internationalen
Umwelt- oder Naturschutznorm herabgesetzt
wird, vorausgesetzt die Norm ist spezifisch
genug, damit ein objektives Urteil über eine
mögliche "Herabsetzung" gefällt werden kann.

Ich möchte betonen, daß dies Beispiele für Fälle sind,
bei denen die Erwägung von handelspolitischen
Maßnahmen angemessen erscheinen mag.
Dies
hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab, zum
Beispiel ob es auch alternative Möglichkeiten gibt, ob
es Optionen zwischen verschiedenen Arten handelspolitischer Maßnahmen gibt und ob diese auf ihre
mögliche umweltpolitische Effektivität und ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Konsequenzen
überprüft wurden. Es könnte beispielsweise sein, daß
der Einsatz einer handelspolitischen Maßnahme in
einem bestimmten Fall vom Standpunkt des Umweltschutzes aus kontraproduktiv ist. Oder es könnte sein,
daß die Bekämpfung eines zugrundeliegenden
Umweltproblems mit den Mitteln des Umweltschutzes wie der Aushandlung eines internationalen Abkommens - der bevorzugte Lösungsweg ist. Tatsächlich
sind wir im allgemeinen der Ansicht, daß letzteres für
die internationale Staatengemeinschaft hohe Priorität
haben muß. Konsens ist ein wunderbares Gegenmittel
für Konflikt.
Es ist klar, daß das kein einfacher Prozeß sein wird.
Wir haben uns in der Uruguay-Runde um Fortschritte
bemüht, indem wir ein Arbeitsprogramm aufstellten
und anschließend einen ständigen Ausschuß damit
beauftragten, der internationalen Staatengemeinschaft
dabei zu helfen, Handels- und Umweltpolitik in Ein-

Seite 4

klang zu bringen. Der WTO-Ausschuß für Handel
und Umwelt kommt allmählich voran und befaßt sich wie wir alle - mit diesen neuen Disziplinen und Geboten. Zusätzlich zu dem Ausschuß konnten unsere
GATT-Unterhändler Einigung über mehrere wichtige
Umweltbestimmungen in dem Vertrag herbeiführen einschließlich der sanitären und Planzenschutzbestimmungen, die Schutz vor jeglichen Bestrebungen
zur Unterminierung der amerikanischen Umweltnormen bieten.
Ferner arbeiten wir in anderen internationalen Foren wie der OECD - Grundsätze für die Entwicklung und
Verknüpfung von Handels- und Umweltpolitik aus.
Man kann sagen, daß sich die Vereinigten Staaten bei
diesen Bestrebungen zu einer treibenden Kraft für
Umweltbewußtsein entwickelt haben, und wir hoffen,
daß diese Analysearbeit die Unterstützung durch die
OECD-Mitglieder für unsere Umweltagenda verstärken
wird. Ferner hoffen wir, daß die Ergebnisse dieser
Arbeit die weniger entwickelten Länder davon überzeugen werden, daß das Streben nach tragfähiger
Entwicklung und größerer politischer Integration in
ihrem eigenen Interesse liegt.
Abschließend kann gesagt werden, daß die enge
Verbindung von Handels- und Umweltpolitik - im
Rahmen des NAFTA, des GATT und andernorts sowohl bewundernswert als auch unvermeidbar ist.
Die die Zukunft der Vereinigten Staaten gestaltenden
Kräfte - die wirtschaftliche Erneuerbarkeit mit globalem
Wettbewerb und Umweltschutz mit internationaler
Zusammenarbeit verbinden - sind offensichtlich. Es ist
unsere Herausforderung und unsere Chance, den
Wandel im Dienste unserer wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Bestrebungen zu begrüßen.
Ich bin zuversichtlich, daß uns das gelingen wird.
Diese Administration schafft eine solide Grundlage für
diese Bestrebungen. Wir sehen der Zusammenarbeit
mit Ihnen während dieses historischen Treffens zur
Erörterung handeis- und umweltpolitischer Prioritäten
zum Nutzen unserer Nation und der Welt erwartungsvoll entgegen.

AMERIKA DIENST 19

�WIRTSCHAFT
2. Oktober 1996

Politiker müssen Unbeständigkeit
des Kapitalflusses bekämpfen
Rede des Stellvertretenden Finanzministers Lawrence Summers

SINGAPUR - (AD) - Angesichts der zunehmenden Integration der Volkswirtschaften Asiens und der Vereinigten
Staaten müssen die Politiker sich auf nationaler und internationaler Ebene um eine Verringerung der
Unbeständigkeit des Kapitalflusses bemühen, erklärte der Stellvertretende Finanzminister, Lawrence Summers,
am 13. September 1996 vor Vertretern der Finanzwelt in einer Rede, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend
veröffentlichen.

Einleitung

I. Amerikas neue Wirtschaftspartner in Asien

Ich begrüße Sie alle und danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Es ist mir eine Freude, hier zu sein.
Ich möchte der Bankenvereinigung von Singapur, der
Vereinigung der Merchant bankers von Singapur, der
singapurischen Gesellschaft der Finanzanalysten
sowie der Amerikanischen Handelskammer in Singapur danken, daß sie es mir ermöglicht haben, vor
einem so hochrangigen Publikum zu sprechen.

Es steht außer Frage, daß das Wachstum der führenden Volkswirtschaften Asiens erstaunlich ist.

Sie alle wissen, daß das Ausmaß der Wirtschafts- und
Finanzbeziehungen der Vereinigten Staaten zu Asien
größer ist und schneller wächst als das unserer
Beziehungen zu den Industriestaaten Europas. Im
vergangenen Jahr betrug der Handel Amerikas mit
Asien das anderthalbfache unseres Handelsvolumens
mit Europa - 35 Prozent unseres gesamten Handels im
Vergleich zum 21prozentigen Anteil Europas. Wir
haben jedoch mit unseren asiatischen Partnern wie
Singapur nicht dieselben Möglichkeiten zum Meinungsaustausch über Wirtschafts- und Finanzfragen
wie mit unseren europäischen Partnern. Aus diesem
Grund messen wir der Entwicklung des Finanzministerprozesses des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) so große Bedeutung
bei. Wir benötigen jedoch auch die Chance eines
informellen Meinungsaustauschs. Und aus diesem
Grund bin ich hier.

Der Anteil der führenden Länder Asiens am Welthandel stieg von 9,6 Prozent 1981 auf 16,1 Prozent
1994 an.

Im vergangenen Jahr entfielen auf die führenden asiatischen Volkswirtschaften 24,4 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts,
gemessen auf der Grundlage der Kaufkraftparität.

Der Handel der führenden asiatischen Volkswirtschaften mit den Vereinigten Staaten Exporte und Importe - stieg so schnell an, daß
er sich jetzt auf 20 Prozent unseres gesamten
Handels beläuft.
Noch spektakulärer war jedoch vielleicht die Geschwindigkeit des Anstiegs von Kapitalfluß in die
führenden Volkswirtschaften Asiens.
Der Nettofluß an Privatkapital stieg 1995 auf
98,2 Milliarden Dollar an - die Krönung eines
Anstiegs um das 23fache innerhalb von sechs
Jahren.
Allein im vergangenen Jahr stieg der Nettofluß an
Privatkapital in die führenden Länder Asiens um 31

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�Prozent, während der nach Lateinamerika um 22
Prozent fiel.

sich an steigenden Inflationsraten oder Leistungsbilanzdefiziten zeigt.

Obwohl es stimmt, daß ungefähr drei Viertel der
Inlandsinvestitionen aus inländischen Ersparnissen
finanziert wurden und daher die hohen Wachstumsraten der führenden asiatischen Länder großenteils auf
ihre herausragende Spartätigkeit zurückzuführen sind,
war der internationale Kapitalfluß von immenser
Bedeutung für die Ankurbelung der Entwicklung der
Region.

Eine weitere Sorge ist die Abhängigkeit von
den Launen ausländischer Investoren, die
Risiken nicht einschätzen können, der breiten
Masse folgen, beim ersten Anzeichen von
Unsicherheit überreagieren und im Falle ihres
massenhaften Rückzugs eine Volkswirtschaft
zerstören. Wenn die Wirtschaft solchen
Investoren ausgesetzt ist, werden der Kreditkartenbesitzer in Bangkok oder der Hausbesitzer in Manila mit der Hypothek unakzeptabler Risiken belastet.

Wir in den Vereinigten Staaten erkennen zweifelsohne
den Wert großer Auslandsinvestitionen - sowohl für
Ihre Region als auch für unsere Wirtschaft.

IM. Schwere Entscheidungen der Politiker trotz
Entstehen eines grundlegenden Konsenses

Diese haben:
zu Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen in unseren Volkswirtschaften beigetragen;
den Handel mit der Region und innerhalb der
Region gefördert; ohne Ihren Zugang zu
Finanzmitteln würden Ihre Export- und Importmöglichkeiten verringert;
die Produktivität von Kapital in all unseren
Volkswirtschaften erhöht;
den grenzüberschreitenden Austausch guter
Ideen erleichtert und gleichzeitig die gesamte
wirtschaftliche Effizienz verbessert;
zu

einer

gesunden

Zunächst einmal gibt es keinen Ersatz für eine starke
makroökonomische Politik. Diese Wahrheit wurde
noch bekräftigt, als nach der Finanzkrise in Mexiko
schnell Kapital nach Asien zurückfloß. Die Notwendigkeit der Beibehaltung einer starken Politik besteht für
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten.

Risikodiversifizierung

Die wichtigste Leistung der amerikanischen

unserer jeweiligen Finanzanlagen beigetragen.

Politiker besteht unter Umständen darin, daß
wir unser wirtschaftliches Haus in Ordnung
gebracht haben. Dies trug zu weitaus günstigeren globalen Zinssätzen bei.

II. Auslandsinvestitionen: Zuviel des Guten?
Trotz der Vorteile, die dieser große und steigende
Kapitalfluß für all unsere Volkswirtschaften hatte,
machte sich nach der Krise von Mexiko in einigen
Kreisen die Besorgnis breit, die leichte Verfügbarkeit
grenzüberschreitender Finanzierung könnte zuviel des
Guten sein. Oder zumindest daß Kapitalflüsse nicht
nur Chancen, sondern auch Herausforderungen
bieten. Ich fordere alle, die sich Sorgen machen, dazu
auf, folgendes nicht zu vergessen: Es ist besser, in
einem Land zu leben, in das Kapital hineinfließt, als in
einem Land, aus dem es herausfließt.
Diejenigen, die bezweifeln, ob es klug sei, Volkswirtschaften einem großen Kapitalfluß auszusetzen,
führen eine Reihe potentieller Probleme an. Dazu
zählen:
Das Risiko, daß ein großer Kapitalzufluß zu
einer Überhitzung der Wirtschaft führt, was

Seite 2

Es wurde ein internationaler Konsens über mindestens
fünf Aspekte nationaler Politik geschmiedet, die für den
erfolgreichen Umgang der Regierungen mit Kapitalfluß
von entscheidender Bedeutung sind. Die Erfahrungen
dynamischer asiatischer Volkswirtschaften wie Singapur und einige seiner Nachbarn stellen wichtige
Lektionen dar, die zur Bildung dieses Konsenses
beitrugen.

Zweitens verringert eine starke Politik nicht nur das
Risiko und die Auswirkungen finanzieller Unbeständigkeiten, sondern schafft auch ein die Spartätigkeit
förderndes Umfeld.
Hohe inländische Sparquoten sind für eine
gesunde Entwicklung wesentlich. Obwohl ich
ein entschiedener Befürworter offener und
integrierter internationaler Kapitalmärkte bin,
bleibt die Tatsache bestehen, daß drei Viertel
der asiatischen Inlandsinvestitionen durch
inländische Ersparnisse finanziert wurden.
Drittens hilft eine solide makroökonomische Politik
auch bei der Eindämmung von Leistungsbilanzdefiziten.
Ich sagte bereits, daß Defizite von über fünf
Prozent des Bruttoinlandsprodukts besorgniserregend sind, obwohl es viele mildernde

AMERIKA DIENST 19

�Faktoren gibt, beispielsweise die Zusammensetzung von Importen, die Zusammensetzung
des Kapitalzuflusses sowie das fiskalische
Gleichgewicht.
Trotz alledem haben die
Defizite in einigen Ländern Asiens ein Niveau
erreicht, das eine genaue Beobachtung
erforderlich macht.
Somit sollten wir die mäßige Verlangsamung
des Wachstums in einigen asiatischen Volkswirtschaften lediglich als eine benötigte sanfte
Landung betrachten. Die Politiker sollten dem
Druck zur Wiederankurbelung der Volkswirtschaften widerstehen, die gemessen an
internationalen Standards immer noch mit
einer außerordentlichen Geschwindigkeit
wachsen.
Viertens haben wir in einer Welt unbeständigen
Kapitalflusses auch gelernt, daß Wirtschaften große,
starke, wohlgesteuerte und überwachte Finanzmärkte
benötigen.
Schwächen der inländischen Finanzmärkte
schränken die Fähigkeit einer Regierung ein,
angemessen auf das Risiko zu reagieren, daß
der Zufluß die finanzielle Instabilität erhöht.
Das könnte geschehen, wenn inländische
Finanzinstitutionen, insbesondere Banken,
nicht wirksam als Vermittler großen Kapitalflusses agieren und diesen in produktive,
langfristige Investitionen umwandeln können.
Die Überwachungsinstitutionen verfügen unter
Umständen nicht über die Kapazitäten zur
angemessenen Kontrolle von Bilanzentwicklungen. Infolgedessen könnten übermäßige
Kredite für Grundbesitzentwicklungen und
Tätigkeit auf dem Aktienmarkt gewährt werden. Bei einem solchen Szenarium ist das
Risiko von spekulativen Schwindelgeschäften
weitaus größer.
Schwache inländische Bankensysteme können auch die Fähigkeit der Politiker zum
rechtzeitigen und wirksamen Einsatz traditioneller Instrumente der Währungskontrolle
einschränken.
Wenn die Anpassungen
endlich stattfinden, sind sie oftmals weitaus
dramatischer und kostspieliger als notwendig
gewesen wäre. Aus diesem Grund hat die
Stärkung der Finanzmärkte und Intensivierung
der Zusammenarbeit zwischen den Aufsichtsbehörden eine ebenso hohe Priorität für die
APEC Finanzminister wie für die Finanzminister der G-7-Staaten. Dabei spielt die
internationale Zusammenarbeit zwischen
Finanzministern und Zentralbanken - in der
Funktion von Politikern und Kontrollinstanzen
gleichermaßen - eine wichtige Rolle.

AMERIKA DIENST 19

Fünftens stellt die Verbesserung der Qualität und
Verbreitung wirtschaftlicher und finanzieller Informationen eine wertvolle Schulung für Teilnehmer der
Finanzmärkte und Politiker gleichermaßen dar. Es ist
besser für die Märkte, die schlechten Nachrichten zu
kennen, als darüber zu spekulieren, wie schlecht die
Nachrichten sein könnten. Und es ist besser für die
Politiker, ihre Probleme schnell und entschlossen
anzugehen, als die Illusion zu hegen, sie würden durch
Nichtbeachtung verschwinden.
Singapur schätzt die Tugend der Offenheit
und hat sich den neuen Datenoffenlegungsnormen des IWF verpflichtet. Dasselbe gilt für
Malaysia, die Philippinen und Thailand.
Selbst die Länder, die diese fünf grundlegenden Ziele
umsetzen - wie es viele in dieser Region tun - sehen
sich angesichts des starken Kapitalzuflusses immer
noch mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. In
einer Welt des freien Kapitalflusses und integrierter
Märkte kann man nicht gleichzeitig eine unabhängige
Währungspolitik und feste Wechselkurse beibehalten.
Diesbezügliche Bestrebungen der Regierungen waren
kostspielig und könnten tatsächlich die Fähigkeit der
Wirtschaft zur Aufnahme und dem effizienten Einsatz
von Finanzmitteln behindern.
Nicht gewinnbringende Interventionen, die
darauf abzielen, eine aufgrund des Kapitalzuflusses mögliche Abwertung der Wechselkurse zu vermeiden, haben bisweilen nicht nur
eine beschränkte Wirksamkeit, sondern
schaffen auch einen Teufelskreis des immer
weiteren Anstiegs von Kapitalzufluß und
Zinssätzen. Der Grund ist, daß höhere inländische Zinssätze zu mehr anstatt zu weniger
kurzfristigem Kapitalzufluß führen.
Nicht gewinnbringende Interventionen sind
auch extrem kostspielig. Die Zentralbanken
zahlen den Haltern inländischer Wertpapiere darunter viele Ausländer - viel Geld, erzielen
jedoch relativ wenige Gewinne für die ausländische Währung, die sie somit anhäufen.
Ein vielleicht noch größerer Anlaß zur Sorge
ist, daß die Regierungen in ihrem Streben
nach einer Vermeidung von Wechselkursschwankungen den Investoren signalisieren,
daß Investitionen in inländische Währungen
nur einseitig sind - daß sie bei Investitionen in
inländische Währungen nichts verlieren
können. Als Resultat steigt die Begeisterung
noch weiter an, während in Wirklichkeit erforderlich ist, Investoren zu einer realistischen
Einschätzung ihrer Aussichten und Risiken zu
ermutigen.

Seite 3

�IV. Kapitalkontrollen sind nicht die richtige Antwort
Einige Länder haben mit Kapitalkontrollen als Ergänzung zu einer soliden makroökonomischen Politik oder
bisweilen sogar als Ersatz dafür experimentiert. Sie
versuchen durch Kontrollen oder Hindernisse, den
Kapitalzufluß zu bremsen und den Umfang der
darauffolgenden, unvorhersehbaren, schädlichen
Kapitalflucht einzuschränken.
Wir müssen uns jedoch bewußt werden, daß bisher die
Effektivität von Kapitalkontrollen nicht hoch war.
Selbst auf neuentstehenden Märkten mit
unterentwickelten Finanzmärkten wurden die
Kontrollen schnell umgangen, und diese
Unterminierung erzwang eine kontraproduktive Ausweitung der Kontrollen. Die Eskalation
der Kontrolle in Chile Anfang der neunziger
Jahre ist ein Beispiel. Die Einführung einer
Zinsausgleichssteuer in den sechziger Jahren
in den Vereinigten Staaten ist ein weiteres
Beispiel.
Es gibt auch zahlreiche negative Nebenwirkungen. Keine geringe ist, daß bei einer
erfolgreichen Reduzierung der Liquidität die
Kontrollen die Kapitalkosten für inländische
Produzenten erhöhen und damit das Risiko
einer Verringerung von Inlandsinvestitionen
und sogar Handel entsteht.
Wir können im Hinblick auf die Effektivität von Kapitalkontrollen viel lernen. Auch in diesem Bereich entsteht
ein Konsens.
Erstens. Falls Kontrollen eingesetzt werden,
sollten sie begrenzt und temporär sein und
eine Steuerbemessungsgrundlage haben. Die
Kontrollen sollten als vorübergehende Maßnahme betrachtet werden, während Maßnahmen zur Korrektur makroökonomischer
Defekte und Stärkung inländischer Finanzmärkte und ihrer Überwachung ergriffen
werden.
Zweitens. Es gibt keinen Ersatz für die Entwicklung der Finanzmärkte. Kapitalkontrollen
können ein Hindernis für die Evolution des
Finanzsystems werden, das sie überflüssig
machen würde.
Schließlich besteht das Risiko, daß die Politiker aufgrund ihrer Abhängigkeit von Kontrollen
selbstgefällig werden - und die von mir bereits
erwähnten weitaus wichtigeren Dinge übersehen, die sie beim Management ihrer Wirtschaft
in einer Welt finanzieller Unbeständigkeit
beachten sollten.

Seite 4

V. Flexible Wechselkurse funktionieren besser
Angesichts der gravierenden Schwächen von Kapitalkontrollen als dauerhafter Antwort auf den Umgang mit
den potentiellen negativen Auswirkungen von Kapitalfluß ist die einfachste und wirkungsvollste Reaktion
eine flexiblere Wechselkurspolitik. Es ist kein Zufall,
daß einige der ansonsten gut gelenkten Länder mit
geringer Flexibilität der Wechselkurse am härtesten
um die Eindämmung inflationären Drucks kämpfen
mußten und dem Risiko von Spekulationen und
Schwindelgeschäften am stärksten ausgesetzt sind.
Der starke Zufluß, den die führenden asiatischen
Länder in den letzten Jahren erlebten, unterstrich die
Risiken und Kosten unzureichender Wechselkursflexibilität. Natürlich verstehe ich die Argumente für
unterschiedliche Wechselkursregime - um historischen
und/oder örtlichen Gegebenheiten zu entsprechen und ich trete hier nicht als Befürworter baldigen,
folgenschweren Wandels auf. Ich bin jedoch davon
überzeugt, daß größere Wechselkursflexibilität
langfristig den meisten Politikern mehr Mittel für den
Umgang mit Kapitalzufluß und -abfluß zu geringeren
Kosten als derzeit geben wird.
In unserem Fall halten wir es für das Beste, daß der
Dollar wirtschaftliche Grundprinzipien widerspiegelt.
Unsere Erfahrung war, daß die Kosten des Widerstands gegen Wechselkursschwankungen hoch
waren. Mit größerer Flexibilität der Wechselkurse,
wenn die Märkte grundlegende Veränderungen bei
den Aussichten Asiens verspüren, werden die Politiker
in der Lage sein, kostspielige, nicht gewinnbringende
Kapitalanlagen zu vermeiden. Zusätzlich signalisieren
die Schwankungen den Investoren, daß es keine
einseitigen Einsätze mehr gibt. Das sollte die Wahrscheinlichkeit von Spekulationen und untragbar hohem
Kapitalzufluß in Zeiten des Optimismus reduzieren.
VI. Die internationale Reaktion auf Unbeständigkeiten muß ebenfalls gestärkt werden
Ich habe hier der Bedeutung nationaler Politik gewisse
Aufmerksamkeit gewidmet - der entscheidenden Rolle
solider makroökonomischer Politik, den Vorteilen einer
Politik flexibler Wechselkurse, dem Gebot der Stärkung von Finanzmärkten und Intensivierung der
Kooperation zwischen Aufsichtsbehörden sowie den
möglichen vorteilhaften Auswirkungen höherer Standards von Informationsvermittlung auf die Wahrung
des Vertrauens der Investoren und Verhinderung von
Überreaktionen.
Es stimmt aber auch, daß die internationale Staatengemeinschaft eine wichtige Rolle zu spielen hat. Die
Verbindungen zwischen globalen Finanzmärkten
bedeuten jetzt, daß sogar gut gelenkte Länder von
Problemen in einem anderen Land infiziert werden

AMERIKA DIENST 19

�können. Somit ist eine koordinierte internationale
Antwort erforderlich.
Aus diesem Grund arbeitet die internationale Gemeinschaft das New Arrangement to Borrow aus, das die
existierenden General Arrangements to Borrow des
IWF verdoppelt und eine Reihe neuer Wirtschaftsmächte einbringt. Ich freue mich, daß Singapur,
Malaysia und Thailand prinzipiell zugestimmt haben,
einen Beitrag zu dieser bedeutenden internationalen
Initiative zu leisten.
Die internationale Staatengemeinschaft wurde sich
auch der Notwendigkeit verbesserter wirtschaftlicher
Kontrolle in multilateralen Foren bewußt.
Schließlich erkannten wir die Notwendigkeit der
Entwicklung angemessener Problemlösungsmaßnahmen, die Investoren nicht vor Risiken schützen
oder eine unangebrachte nationale Politik ermutigen.
Die Länder müssen das Prinzip akzeptieren, daß sie
ihre Gläubiger aus eigenen Mitteln bezahlen müssen.

*

AMERIKA DIENST 19

Und Schuldscheinbesitzer, die weitaus größere
Gewinne als das amerikanische Finanzamt machen,
sollten keinen Schutz vor Verlusten erwarten, wenn die
Politik des Landes nicht erfolgreich ist.
VII. Schlußbemerkung
Während unsere Wirtschaften immer integrierter
werden, müssen die Politiker parallel dazu handeln.
Wir haben größeres Verständnis für die Auswirkungen
unserer Volkswirtschaften und wirtschaftspolitischen
Maßnahmen auf das jeweils andere Land. Ferner
haben wir gelernt, wie wichtig es ist, daß wir unsere
Ansichten über wachstumsfördernde Maßnahmen, die
Vermeidung und Eindämmung von Finanzkrisen und
effektive Lenkung von Spartätigkeit austauschen.
Unsere Geschäftsleute haben Handels- und Investitionsverbindungen zu den schnell wachsenden
Volkswirtschaften Asiens geknüpft, die nie enger
waren. Politiker im gesamten pazifischen Raum
müssen dasselbe tun.

* * * *

Seite 5

�Die Schaffung von Arbeitsplätzen und
Beschäftigungschancen:
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten 1993 -1996

Ein Bericht des
Rats der Wirtschaftsberater im
US-Arbeitsministerium, Büro des Chefökonoms
23. April 1996

�Zusammenfassung
Seit Januar 1993 hat die Beschäftigungsrate rapide - um netto 8.5 Millionen
neue Arbeitsplätze - zugenommen. Anhand vergleichbarer Daten war das
Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten stärker als bei allen
anderen unserer G-7-Partner.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 entfielen auf Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern. Mehr als die Hälfte des Nettozuwachses fand bei den obersten 30
Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt. Obwohl viele dieser neuen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor entstanden, entsprachen sie nicht den Stereotypen.
Die Fakten legen nahe, daß die große Mehrheit des Nettozuwachses an neuen
Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Sowohl die Haushalts- als auch die
Betriebserhebungen verweisen darauf, daß die Zunahme an Arbeitplätzen auf
Ganztagsstellen konzentriert war.
Der Anteil von Arbeitnehmern mit Mehrfachbeschäftigung blieb seit Ende der
achtziger Jahre ungefähr konstant. Der Haushaltserhebung ist zu entnehmen,
daß der Anteil von beschäftigten Personen mit mehreren Arbeitsplätzen weiterhin bei rund 6 Prozent liegt.
Die Gesamtzahl der Entlassenen machte 1991-92 ungefähr denselben Anteil
an der Erwerbsbevölkerung aus wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der
achtziger Jahre gravierender war als die Anfang der neunziger Jahre. Es ist
jedoch schwierig genau festzustellen, welcher Prozentsatz der Entlassenen auf
die Konjunktur zurückzuführen ist. Die offiziellen Daten über Entlassungen
nach 1993 stehen noch nicht zur Verfügung, aber eine alternative Zählweise zu
Arbeitsplatzverlusten zeigt, daß sie seitdem gesunken sind.
Die Charakteristiken der Entlassungen haben sich etwas verändert. Die Entlassungen von älteren, besser ausgebildeten Büroangestellten haben zugenommen, obwohl sie verglichen mit denen bei jüngeren und weniger gut
ausgebildeten Arbeitern weiterhin relativ niedrig sind.
Trotz einiger jüngster positiver Anzeichen bleiben langfristige Herausforderungen bestehen. Zwischen den siebziger und frühen neunziger Jahren stagnierten die Reallöhne und -gehälter, und das Einkommensgefälle wurde größer.
Aber 1994 stieg das reale mittlere Familieneinkommen zum ersten Mal seit fünf
Jahren, und die Armutsgrenze sank. Wir müssen weiter auf diese Errungenschaften aufbauen, um den Lebensstandard zu verbessern und das Einkommensgefälle zu verringern. Und obwohl sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaf1

�fen als abgebaut werden, erlegt eine dynamische Wirtschaft einigen Arbeitnehmern unweigerlich Kosten auf. Daten von 1981 bis 1993 legen beispielsweise
den Schluß nahe, daß diejenigen, die ihre Stelle verloren, eher auf Dauer (statt
vorübergehend) entlassen wurden, daß ältere Arbeitnehmer ein größeres
Risiko der Entlassung hatten und der durchschnittliche Verlust des Reallohns
aufgrund von Entlassung beträchtlich und andauernd war. Um alle Vorteile
einer dynamischen Wirtschaft zu erlangen, müssen wir diese Angleichungskosten verringern.

Einleitung
Das Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten war seit Januar 1993 solide,
wobei die Beschäftigungsrate im nichtlandwirtschaftlichen Bereich um 8,5 Millionen
zunahm.
Anhand vergleichbarer Daten war das Beschäftigungswachstum in den
Vereinigten Staaten stärker als bei allen anderen unserer G-7-Partner. Der Hauptzweck dieser Studie besteht darin, das Material zu sichten, um ein detaillierteres Bild
zu entwickeln, wo das Beschäftigungswachstum stattfindet und welcher Art die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind.
Die Nachrichten sind ermutigend: Die Beschäftigung bei den Industriezweigen/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern ist unverhältnismäßig gestiegen. Selbst in der traditionell niedriger bezahlten
Dienstleistungsindustrie war die Mehrheit des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen bei
leitenden Positionen und solchen mit einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil
zu verzeichnen, die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne
und Gehälter bieten. Im Gegensatz zur herkömmlichen Überzeugung sind die neuen
Arbeitsplätze nicht unverhältnismäßig viele Teilzeitstellen, die geringe berufliche
Qualifikation erfordern.
Der zweite Zweck dieser Studie ist die Prüfung der Entlassungen. Obwohl die Volkswirtschaft einen Nettozuwachs von Millionen neuer Arbeitsplätze bewirkt, ist es offenkundig, daß die Geschwindigkeit der Umgestaltung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt viele Amerikaner besorgt über ihre wirtschaftliche Zukunft macht. Ein dynamischer und wachsender Arbeitsmarkt kann sowohl Kosten auferlegen als auch
Chancen bieten, und Maßnahmen für Arbeitnehmer zur Bewältigung eines Arbeitsplatzwechsels sind entscheidend zur Reduzierung dieser Angleichungskosten.

Schaffung von Arbeitsplätzen
Einer Betriebserhebung des Bundesamts für Arbeitsstatistik zufolge nahm die Zahl der
nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten zwischen Januar 1993 und März 1996 um
8,5 Millionen (7,8 Prozent) zu. Im Privatsektor stieg die Zahl der Beschäftigten (um
8,7 Prozent) noch schneller, wohingegen die Zahl der Bundesbediensteten (mit

�Ausnahme des Postdienstes) tatsächlich um 11,4 Prozent abnahm und die der bei
bundesstaatlichen und kommunalen Regierungen Tätigen zusammengenommen um
nur 5 Prozent (siehe Abbildung 1) stieg. Der Anteil des öffentlichen Dienstes an der
Beschäftigung nimmt daher ab.
Die Arbeitslosenquote fiel von über 7 Prozent im Januar 1993 auf 5,6 Prozent im März
1996 und lag 19 aufeinanderfolgende Monate unter 6 Prozent. Angesichts der aktuellen demographischen Trends prognostiziert das Bundesamt für Arbeitsstatistik, daß
die Erwerbsbevölkerung zwischen 1994 und dem Jahr 2005 jährlich um rund 1,1
Prozent zunimmt. Um die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten, muß die Volkswirtschaft
daher durchschnittlich einen Nettozuwachs von ungefähr 120.000 neuen Arbeitsplätzen pro Monat verzeichnen. Die Beschäftigung expandiert jetzt in einer Geschwindigkeit, die im Einklang mit stetigem, tragfähigem Wachstum und niedrigen
Arbeitslosenquoten steht.
Figure 1
Private Sector and Government Employment Growth
January 1993 - March 1996

Private Sector

Government

Note: Federal employment excludes the postal Service.
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, establishment survey.

Internationaler Vergleich. Die Vereinigten Staaten konnten einen schnelleren
Beschäftigungszuwachs verzeichnen als alle anderen G-7-Nationen. Nur Kanada
beobachtete eine beträchtliche Zunahme der Beschäftigung, während die anderen G7-Mitglieder unerhebliche Zuwächse an Arbeitsplätzen oder eine tatsächliche Abnahme hatten. Die Leistung des amerikanischen Arbeitsmarkts ist besonders beeindruckend aufgrund der Tatsache, daß sie in einer Periode stattfand, in der das Defizit
des Bundeshaushalts von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr
1992 auf schätzungsweise 1,9 Prozent im Haushaltsjahr 1996 reduziert wurde.

3

�Die Qualität der Arbeitsplätze
Daten der laufenden Bevölkerungserhebung zufolge fanden 38 Prozent des Nettozuwachses bei der Beschäftigung zwischen Februar 1994 und Februar 1996 in den
"Dienstleistungsindustrien" statt.1 Dieser Abschnitt befaßt sich daher zunächst mit der
Qualität der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dann wird eine detailliertere
Analyse aller Sektoren der Wirtschaft vorgenommen.
Höher bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Der "Dienstleistungssektor" ist sehr vielfältig. Dazu zählen viele schlecht bezahlte Positionen, aber auch
zahlreiche hochbezahlte bei Finanzdienstleistungen, Kliniken sowie Computer- und
Buchhaltungsdiensten. Aus diesem Grund ist es wichtig festzustellen, ob der Beschäftigungszuwachs innerhalb der Dienstleistungen vornehmlich in den hohe Qualifikationen erfordernden leitenden Positionen und bei Berufen mit einem speziellen Anforderungsprofil oder bei schlecht bezahlten Arbeitsplätzen stattfand. Die laufende
Bevölkerungserhebung bietet Fakten bezüglich des Beschäftigungszuwachses je nach
Beruf.
*

Die Daten belegen, daß der jüngste Nettozuwachs bei der Beschäftigung im
Dienstleistungssektor vorwiegend in leitenden Positionen oder solchen mit
einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil stattfand (Abbildung 2).
Hierbei handelt es sich um relativ gutbezahlte Arbeitsplätze.

Figure 2
Service Industry Occupations
February 1994 - February 1996

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Higher Wage Occupations
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

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�Die herkömmliche Überzeugung, der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor
sei unverhältnismäßig in schlecht bezahlten Arbeitsplatzkategorien konzentriert, ist
daher falsch.
Zuwachs bei höher bezahlten Arbeitsplätzen nach Industriezweig und Berufsgruppe. Ein noch detaillierteres Bild der Art der neugeschaffenen Arbeitsplätze bietet
eine nach Industriezweig und Berufsgruppe aufgeschlüsselte Untersuchung. Anhand
von Daten der laufenden Bevölkerungserhebung von Februar 1994 bis Februar 1996
ordneten wir die Ganztagsstellen 45 bestimmten Berufsgruppen in 22 großen Industriezweigen zu. 25 Prozent der Befragten gaben an, daß sie neben ihrer Beschäftigung in den angegebenen Industriezweigen und Berufsgruppen noch zusätzliche
Einnahmen hatten. Obwohl viele der Felder für 990 Industriezweige/Berufsgruppen
ziemlich klein waren, fanden sich nur 6 Prozent der Untersuchten in Feldern mit 10
oder weniger Befragten wieder, die für beide Erhebungen Daten über ihre Einkünfte
angaben. Um die mit einer unzureichenden Zahl von Befragten einhergehende große
Schwankungsbreite der Erhebung zu vermeiden, strichen wir die kleinen Felder aus
unserer Analyse. Nach Streichung der Felder mit 10 oder weniger Befragten blieben
287 Berufsgruppen jährlich übrig.2
Der erste Schritt bei unserer Analyse bestand darin, die 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittlerem Wocheneinkommen der Vollzeitbeschäftigten
zu ordnen. Ungefähr die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten im Februar 1994 befand
sich in Feldern mit einem mittleren wöchentlichen Einkommen von mehr als 480 Dollar
(Dollarstand von Februar 1996). Das Beschäftigungswachstum bei diesen hochbezahlten Arbeitsplatzkategorien kann dann mit dem Gesamtbeschäftigungswachstum
verglichen werden. Unsere wichtigste Bemessungsgrundlage für die Arbeitsplatzqualität ist der Prozentsatz des gesamten Beschäftigungswachstums innerhalb der Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern im Februar 1994. Die Ergebnisse waren bemerkenswert.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 fand bei Arbeitsplätzen mit über dem
mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern statt.3
Eine andere Art und Weise, die Ergebnisse unserer nach Industriezweig/Berufsgruppe
aufgeschlüsselten Analyse zusammenzufassen, ist in Abbildung 3 zu sehen. Wir
ordneten 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittleren Wochenlohn der
Vollzeitbeschäftigten und sortierten sie dann entsprechend ihrem Einkommen in 10
Gruppen ein -jede mit 10 Prozent der Beschäftigten im Februar 1994. Hätten alle 10
Gruppen proportional zu ihrem Anteil an der Beschäftigung im Februar 1994 zugenommen, wäre auf jede 10 Prozent des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen
entfallen. Die obersten drei Zehntel entsprachen nicht nur ihrem proportionalen Anteil
am gesamten Beschäftigungswachstum (30 Prozent), sondern lagen weit darüber
(über 50 Prozent).

5

�Mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Beschäftigungszuwachses fand in den
obersten 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt.

Figure 3
Shares of Net Employment Growth
February 1994 - February 1996
Higher paying job categories
68 percent of growth

Lower paying job categories
32 percent of growth
Council of Economic Advisers analysis of Bureau of Labor Statistics data.

Detailliertere Daten über Beschäftigung. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik gibt
auch eine jährliche Veröffentlichung über Löhne und Gehälter sowie Beschäftigungswachstum für eine äußerst detaillierte Reihe von Beschäftigungskategorien auf der
Grundlage von Ergebnissen der Bevölkerungserhebung eines Jahres heraus. Die
Erhebung umfaßte 488 Kategorien mit Daten für 1994 und 1995 (die jährlichen Schätzungen für 1996 stehen erst nächstes Jahr zur Verfügung). Die Ergebnisse dieser
Datensammlung sind eine Erhärtung der obengenannten Erkenntnisse. Zu den
Kategorien mit den größten Zuwächsen bei der Beschäftigung zählen "Verkauf und
Inhaberschaft", "Elektriker", "leitende Positionen bei Marketing und Werbung" sowie
"Elektroingenieurwesen". Im Einklang mit den obengenannten Überlegungen entfielen
auf die einzelnen Berufsgruppen in der oberen Hälfte der Einkommenspyramide 70
Prozent des Nettozuwachses an Beschäftigung, während die obersten 10 Prozent ein
Drittel des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen hervorbrachten.

�Die Beschäftigung in den "Hamburger-Flipping-Jobs"4 sank zwischen 1994 und
1995.
Insgesamt geben die Daten folgende Hinweise auf die Art des jüngsten Beschäftigungswachstums:
Zwei Drittel der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen Ganztagsstellen entfallen auf Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit über
dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern.
Mehr als die Hälfte der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen
Ganztagsstellen fallen in Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit noch
höheren Löhnen und Gehältern (die obersten 30 Prozent).

Die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind großenteils Ganztagsstellen. Daten aus
der laufenden Bevölkerungserhebung und der Betriebserhebung des Bundesamts für
Arbeitsstatistik legen den Schluß nahe, daß der überwiegende Teil des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Die laufende Bevölkerungserhebung enthält auch Daten über Teilzeitstellen. Abbildung 4 zeigt den Anteil der
Beschäftigten, die als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung sowohl "wirtschaftliche" als
auch "nichtwirtschaftliche" Gründe angeben. Trotz einer Verlagerung bei beiden
Kurven aufgrund der Umgestaltung der Erhebung im Januar 1994 ist der Anteil der
Teilzeitbeschäftigten tatsächlich leicht gesunken. Der Rückgang war bei denjenigen,
die aus "wirtschaftlichen" Gründen teilzeitbeschäftigt sind - die oft als "unfreiwillig
Unterbeschäftigte" bezeichnet werden - sogar noch größer.
Die Daten der Betriebserhebung erhärten indirekt die Schlußfolgerungen der Haushaltserhebung. Wenn der Nettozuwachs an neuen Arbeitsplätzen in unverhältnismäßig starkem Maße aus Teilzeitstellen bestünde, würden wir ein Absinken der
durchschnittlichen Arbeitszeit pro Stelle erwarten.5 Die Beschäftigungsdaten zeigen
jedoch, daß die durchschnittliche Arbeitszeit aller Stellen (einschließlich der neugeschaffenen) ungefähr konstant blieb: Die Anzahl der nicht im landwirtschaftlichen
Sektor Beschäftigten und die Gesamtzahl der Arbeitsstunden steigen in den letzten
drei Jahren beide ungefähr in gleichem Maße an (siehe Tabelle). Dies weist darauf
hin, daß die neuen Arbeitsplätze nicht in unverhältnismäßig hohem Maße Teilzeitstellen waren.
In Haushalten und Unternehmen erhobene Daten belegen, daß der Großteil
des in den letzten drei Jahren erfolgten Nettozuwachses an Arbeitsplätzen
Ganztagsstellen waren.

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�Figure 4
Part-Time Workers
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Jan. 1990 Jan. 1991 Jan.1992 Jan. 1993 Jan. 1994 Jan. 1995 Jan.1996
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Beschäftigung und Arbeitsstunden außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors
Januar

März

Prozent

1993

1996

Veränderung

Beschäftigung (Millionen)

109,5

118,0

7,8

Arbeitsstunden (jährlich, Milliarden)

202,2

217,8

7,7

Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

Wenig Veränderung bei Mehrfachbeschäftigung. Manche Amerikaner haben mehr
als eine Stelle, um für ein Haus sparen oder unerwartete Ausgaben finanzieren zu
können. Eine Mehrfachbeschäftigung gibt jedoch Anlaß zur Besorgnis hinsichtlich der
Qualität der Arbeitsplätze, wenn immer mehr Amerikaner zwei oder drei Stellen haben
müssen, um mit ihren Einkünften auszukommen. Ein frustrierter Arbeitnehmer soll auf
die Nachricht, daß 8,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, mit der
Äußerung reagiert haben: "Ja, und ich habe drei davon." Die Daten zeigen jedoch
keine nennenswerte Bewegung im Bereich der Mehrfachbeschäftigung. Der Anteil
derjenigen, die mehrere Stellen haben, liegt seit den späten achtziger Jahren bei
ungefähr 6 Prozent.

�Auswirkungen auf Löhne und Gehälter sowie Einkommensgefälle. Zwischen den
siebziger und den frühen neunziger Jahren verlangsamte sich das durchschnittliche
Wachstum der Reallöhne, und das Einkommensgefälle wurde größer. In den letzten
Jahren gab es jedoch einige ermutigende Anzeichen, daß sich bei diesen Herausforderungen des Arbeitsmarktes das Blatt wendet. 1994 - das letzte Jahr, für das
Daten vorliegen - stieg das mittlere Realeinkommen der Familien, und zum ersten Mal
seit fünf Jahren sank die Armutsgrenze. Eine verbesserte Arbeitsplatzqualität kann
diese jüngsten Errungenschaften stärker zur Geltung bringen, auch wenn die Auswirkungen erst nach längerer Zeit erkennbar sein werden. Wie bereits erwähnt, fand
der jüngste Nettozuwachs an Arbeitsplätzen bei Berufen und in Industriezweigen statt,
die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne und Gehälter
zahlen. Die Vergrößerung der Beschäftigtenzahl hatte jedoch nur geringfügige
Auswirkungen auf die gesamten Lohn- und Gehaltsdaten, da der Nettozuwachs bei
der Beschäftigung lediglich einen relativ kleinen Prozentsatz der Gesamtbeschäftigung des Arbeitskräftepotentials der Vereinigten Staaten ausmacht. Dennoch sind die
Nachrichten über die Qualität des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen ermutigend und
versprechen Gutes für die Zukunft. Obwohl noch viel zu tun bleibt, zeigen die neuesten Trends, daß sich der Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg befindet.

Die Herausforderungen eines dynamischen Arbeitsmarkts
Ein dynamischer, gesunder Arbeitsmarkt schafft genug Arbeitsplätze für eine
wachsende Erwerbsbevölkerung. Gleichzeitig verlagern sich jedoch in einer dynamischen Volkswirtschaft fortwährend Arbeitsplätze von bestimmten Bereichen auf
andere mit mehr Wachstumschancen. (Beispielsweise wurde der Abbau der Stellen
für Bundesbedienstete durch den Beschäftigungsanstieg im Privatsektor mehr als
ausgeglichen.) Inzwischen führen von der Federal Reserve Bank of San Francisco
veröffentlichte Untersuchungen Robert Vallettas zu der Schlußfolgerung, daß
- konjunkturell bereinigt - der Prozentsatz der auf dauerhafte (statt vorübergehende)
Entlassungen zurückzuführenden Arbeitslosigkeit gestiegen ist - insbesondere zwischen 1980 und 1993. Ein höherer Anteil Arbeitslose kann daher keine erneute
Einstellung bei ihrem alten Arbeitgeber erwarten. Infolge dieser Veränderungen auf
dem Arbeitsmarkt fühlen sich viele Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Beschäftigungsaussichten weniger sicher.
Obwohl die Besorgnis vieler Arbeitnehmer real und bedeutend ist, muß man sich auch
objektiv mit den Fakten befassen. Nicht alle Quellen zeigen verstärkte wirtschaftliche
Besorgnis. Beispielsweise lagen die statistischen Erhebungen des Michigan and
Conference Board über Verbrauchermeinungen kürzlich über ihrem historischen
Durchschnitt. Die im Rahmen dieser Erhebung Befragten erachten die Beschäftigungsaussichten offensichtlich nicht als schlecht. Dennoch deutet eine erhebliche
Zahl von Aussagen darauf hin, daß viele Amerikaner sich wegen einer möglichen
Entlassung Sorgen machen - einige sogar große Sorgen. Um auf diese Besorgnis
optimal reagieren zu können, benötigen wir eine präzisere Einschätzung der Natur des
Entlassungsproblems. Ist die Zahl der Entlassungen tatsächlich angestiegen?

9

�Betreffen sie eine andere Kategorie von Menschen als vor zehn Jahren? Dieser
Abschnitt des Berichts befaßt sich mit solchen Fragen.
Fakten aus einer Erhebung über Entlassungen. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik
erstellt alle zwei Jahre eine Erhebung über entlassene Arbeitnehmer, wobei die
neuesten Daten vom Februar 1994 stammen. Die nachfolgende Tabelle faßt die
Entlassungsraten (definiert als Zahl der entlassenen Arbeitnehmer pro 100 Beschäftigte) für die Zeiträume 1981-82 und 1991-92 zusammen.
Der prozentuale Anteil der Entlassenen an der Erwerbsbevölkerung war 1991-92
ungefähr so groß wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der achtziger Jahre
weitaus gravierender war als die zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist jedoch
schwierig genau festzulegen, wie sich der Konjunkturzyklus auf die Entlassungsquote
auswirkt. Ein Vergleich der Entlassungsquoten insgesamt verschleiert auch den
grundlegenden Wandel bei der Häufigkeit der Entlassungen. Die Tabelle zeigt, daß
ältere Büroangestellte 1991-92 viel entlassungsgefährdeter waren als während der
vorherigen Rezession. Und weitere Analysen belegen, daß die Entlassungsquote bei
besser ausgebildeten Arbeitnehmern gestiegen ist. Diese Veränderungen bei der
Häufigkeit von Entlassungen mögen ein Grund für die Berichte über zunehmende
Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sein. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer
Entlassung bei Arbeitern und schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern größer ist, stieg
die Entlassungsquote eindeutig bei den Arbeitnehmern an, die vorher großenteils
immun gegen die Gefahr eines Arbeitsplatzverlusts waren.
*

Die Entlassungsquoten für ältere und besser ausgebildete Arbeitnehmer, die sich
großenteils nicht mit einem solchen Risiko auseinandergesetzt hatten, stiegen
zwischen 1981-82 und 1991-92.
Veränderte Häufigkeit von Entlassungen
Entlassungsquoten*

Gesamt
Beruf
Bürotätigkeit
Fabrikarbeit
Alter
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55+

1981-82
3,9

1991-92
3,8

2,6
7,3

3,6
5,2

5,0
3,8
3,0
3,6

3,8
3,9
3,8
4,3

Als Prozentsatz der Arbeitnehmer, die drei oder mehr Jahre in ihrer derzeitigen Stelle beschäftigt
sind. Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

�Indikatoren für Entlassungen neueren Datums. Wie bereits erwähnt, wird die
Erhebung über Entlassungen alle zwei Jahre durchgeführt, wobei die jüngsten Daten
vom Februar 1994 stammen und sich auf den Zeitraum 1991-93 erstrecken. Bedauerlicherweise stehen die offiziellen Entlassungszahlen für die Zeit nach 1993 noch nicht
zur Verfügung.6 (Die Ergebnisse der im Februar durchgeführten Erhebung über
Entlassungen 1996 sollten Ende des Sommers vorliegen.) Bis die offiziellen Entlassungszahlen zur Verfügung stehen, kann man mit Hilfe anderer Statistiken Hinweise
auf den Wandel des Arbeitsmarktes seit 1993 erhalten.
Ein Indikator sind die Daten über diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Abbildung 5 zeigt die Arbeitsplatzverlustrate, definiert als Prozentsatz derjenigen, die
vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben - die aufgrund eines Arbeitsplatzverlusts
Arbeitlosen (im Gegensatz zu denjenigen, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben
oder zu den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt), die weniger als fünf Wochen
Unbeschäftigten sowie die nicht vorübergehend Entlassenen - an der Gesamtbeschäftigtenzahl gemäß der laufenden Bevölkerungserhebung. Diese Arbeitsplatzverlustrate
entspricht annähernd dem netto-"Abgleiten" in die Arbeitslosigkeit aufgrund eines
Verlusts des Arbeitsplatzes, da sie nur diejenigen erfaßt, die vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben. Abbildung 5 zeigt, daß die Arbeitsplatzverlustrate seit 1992 fällt.

Figure 5
New Job Losers
I .£.

Unemployed new job losers

S

excluding temporary layoffs

1

E

&gt;^
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£
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Q) 0.8

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CD
OL

0.6

j

i

i

i

i

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i

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1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Offizielle Daten über Entlassungen nach 1993 sind noch nicht erhältlich. Aufgrund der Zahlen für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist die
Arbeitsplatzverlustrate seitdem jedoch gefallen.

11

�Die Kosten der Entlassungen. Die Erhebung über entlassene Arbeitnehmer liefert
Informationen über die Auswirkungen des Arbeitsplatzverlusts auf Arbeitnehmer. Die
Ergebnisse sind ernüchternd. Einer Analyse des Bundesamts für Arbeitsstatistik
zufolge hatte ungefähr ein Viertel der zwischen 1991 und 1992 Entlassenen entweder
die Stellensuche eingestellt oder bis zum Zeitpunkt ihrer Befragung im Februar 1994
noch keine Arbeit gefunden. Und obwohl die Erfahrungen sehr unterschiedlich waren,
deutet die von Henry Farber von der Princeton University durchgeführte Untersuchung
darauf hin, daß der reale Einkommensverlust für aus einer Ganztagsstelle Entlassene
und wieder auf einer Ganztagsstelle Beschäftigte Anfang der achtziger und neunziger
Jahre im Durchschnitt bei 10 Prozent lag. Laut einer Studie von Ann Huff Stevens von
der Rutgers University sowie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung sind
Einkommensverluste als Folge von Entlassungen ein dauerhaftes Phänomen. Sechs
oder mehr Jahre nach der Entlassung liegen die Einkünfte eines entlassenen Arbeitnehmers ungefähr 10 Prozent unter dem, was er sonst hätte verdienen können.
In einer Marktwirtschaft, die sich auf nationaler und internationaler Ebene wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sieht, ist ein gewisses Maß an Entlassungen
unvermeidlich. Die Technologie ist ständigem Wandel unterworfen. Neue Unternehmen werden gegründet, einige alte schrumpfen oder schließen. Da der Wandel für
die Arbeitnehmer teuer weden kann, müssen Maßnahmen zur Unterstützung der
Arbeitnehmer bei der Bewältigung dieses Wandels ergriffen werden. Die Mitnahme
von Renten- und Krankenversicherungsansprüchen, effektive Wiederbeschäftigungshilfe, angemessene Arbeitslosenversicherung sowie Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen können allesamt zur Senkung der zwischen zwei Arbeitsstellen anfallenden
Angleichungskosten beitragen. Zusätzlich ist wichtig, daß es keine unnötigen Entlassungen gibt. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld mit Vollbeschäftigung wird die
Notwendigkeit vorübergehender Entlassungen auf ein Minimum reduzieren und die
Chance für eine schnelle Wiederbeschäftigung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz
verloren haben, vergrößern.
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist teuer. Wenn amerikanische Arbeitnehmer mit
dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert werden, müssen sie über die erforderlichen Mittel verfügen, schnell eine neue Stelle zu finden.

Schlußbemerkung
Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem starken Aufschwung, in dem seit Januar 1993
8,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Nachdem wir die letzte Rezession
überwunden haben und uns auf stetige, nachhaltige Weise entwickeln, wächst die
Beschäftigung in den Arbeitsplatzkategorien am schnellsten, die die am besten
bezahlten Stellen anbieten. Unsere Analyse belegt, daß mehr als zwei Drittel des
jüngsten Beschäftigungswachstums in Beschäftigungskategorien/Industriezweigen mit
über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern stattfand, daß die
überwältigende Mehrheit neugeschaffener Arbeitsplätze Ganztagsstellen sind und der
Anteil der Arbeitnehmer, die mehrere Stellen haben, seit Ende der achtziger Jahre

12

�mehr oder weniger konstant geblieben ist. Ein dynamischer Arbeitsmarkt baut jedoch
unweigerlich einige Arbeitsplätze ab und schafft andere neu. Die Kosten eines
Arbeitsplatzverlusts sind beträchtlich und dauerhaft. Um die Vorteile einer dynamischen Volkswirtschaft umfassend genießen zu können, müssen wir diese Angleichungskosten senken.

Fußnoten
1.

Eine umfassende Umstrukturierung der Erhebung im Januar 1994 erschwert langfristige
Vergleiche. Da die Daten der Haushaltserhebungen häufig nicht saisonbereinigt sind,
versuchen wir darüber hinaus denselben Monat in verschiedenen Jahren zu vergleichen.
Der hier vorliegende repräsentative Zeitraum ist daher Februar 1994 bis Februar 1996.

2.

Die verbleibenden Felder für Industriezweige/Berufsgruppen umfaßten 331 Befragte und
enthielten Einkommensdaten für 70 Stichproben.

3.

Aufgrund der Schwankungsbreite bei den monatlichen Erhebungen könnten die präzisen
Zahlen von den Vergleichsmonaten beeinflußt werden. Ferner haben wir dieselbe
Vorgehensweise unter Einsatz von Stundenlöhnen und -gehältern für eine Kombination
von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten gewählt. Die Ergebnisse sind ähnlich.

4.

Diese werden definiert als Stellen in Imbißstuben, Getränkekiosken, in der Küche sowie
in verschiedenen Bereichen der Nahrungsmittelzubereitung. Die Ergebnisse gelten für
Vollzeitbeschäftigte und andere Arbeitnehmer (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung
kombiniert).

5.

Hierbei ist Voraussetzung, daß sich die durchschnittliche Arbeitszeit bei bestehenden
Stellen nicht ändert. Bedauerlicherweise können wir anhand der existierenden Statistiken
nicht feststellen, ob diese Annahme zutreffend ist.

6.

Aufgrund früherer Erfahrungen liegt die Entlassungsquote für
Erhebungsdaten für 1996 wahrscheinlich unter der für 1994.

13

1993 in den

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