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                  <text>Herausgeber. U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
&#13;
&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
18&#13;
&#13;
CTBT&#13;
&#13;
UN-GENERALVERSAMMLUNG BILLIGT&#13;
VERTRAG ÜBER EIN UMFASSENDES&#13;
ATOMTESTVERBOT&#13;
Erklärung von Präsident Clinton&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
REDE DER HOFFNUNG&#13;
US-Außenminister James F. Byrnes&#13;
am 6. September 1946&#13;
&#13;
EINE NEUE ATLANTISCHE GEMEINSCHAFT&#13;
FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT&#13;
Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag&#13;
der "Rede der Hoffnung"&#13;
&#13;
USA-KUBA&#13;
&#13;
USA STREBEN MULTILATERALE&#13;
ZUSAMMENARBEIT ZUR FÖRDERUNG&#13;
VON DEMOKRATIE IN KUBA AN&#13;
Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
WAHLEN SIND ERSTER SCHRITT&#13;
BEIM WIEDERAUFBAU&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
FRAUEN&#13;
&#13;
DAS JAHR NACH DER PEKINGER&#13;
WELTFRAUENKONFERENZ - EINE&#13;
BESTANDSAUFNAHME&#13;
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�CTBT&#13;
&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
UN-Generalversammlung billigt Vertrag&#13;
über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
Erklärung von Präsident Clinton&#13;
&#13;
KANSAS CITY - (AD) - Präsident Clinton zufolge bringt der Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) die Welt der Erfüllung des jahrzehntealten Traums näher, "daß&#13;
nirgends auf der Erde Nuklearwaffen gezündet werden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vom Präsidenten am 10. September 1996 nach der Billigung&#13;
des Vertrags durch die UN-Generalversammlung abgegebenen Erklärung.&#13;
&#13;
Heute stimmte die UN-Generalversammlung in New&#13;
York mit überwältigender Mehrheit für die Annahme&#13;
des Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
und seine Auslegung zur Unterzeichnung Ende dieses&#13;
Monats. Es wird mir eine Ehre sein, diesen historischen Vertrag im Namen des amerikanischen Volkes&#13;
zu unterzeichnen.&#13;
Mit unserer Unterschrift sowie der Rußlands, Chinas,&#13;
Frankreichs, Großbritanniens und der großen Mehrheit&#13;
der Nationen auf der ganzen Welt wird umgehend eine&#13;
internationale Sperre gegen Atomtests errichtet.&#13;
Mit diesem Vertrag stehen wir kurz vor der Erfüllung&#13;
des jahrzehntealten Traums, daß nirgends auf der&#13;
Erde Nuklearwaffen gezündet werden.&#13;
Dieser Traum amerikanischer Politiker geht auf die&#13;
Präsidenten Eisenhower und Kennedy zurück. Sie&#13;
setzten sich lange im In- und Ausland für eine sicherere Welt ein. Durch das dauerhafte Verbot sämtlicher&#13;
Nukleartests wird der Vertrag alle Nationen an der&#13;
Verbesserung ihrer existierenden Nuklearwaffenarsenale hindern, die Entwicklung moderner Nuklearwaffen beenden und zur Verhinderung ihrer Ausbreitung beitragen.&#13;
Wir unternehmen den nächsten entscheidenden&#13;
Schritt, um die dunkle Wolke nuklearer Angst zu&#13;
beseitigen, die seit 50 Jahren über der Welt hängt. In&#13;
den vergangenen vier Jahren haben wir den Nichtverbreitungsvertrag dauerhaft verlängert, unter den&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
beiden START-Verträgen existierende Nukleararsenale dramatisch verringert, die Ukraine, Belarus und&#13;
Kasachstan zum Verzicht auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium&#13;
verbliebenen Nuklearwaffen überredet und das&#13;
gefährliche Nuklearprogramm Nordkoreas eingefroren.&#13;
Und heute sind keine russischen Raketen mehr auf&#13;
unsere Städte und Bürger gerichtet.&#13;
Seit vier Jahrzehnten arbeiten visionäre Staatsmänner&#13;
wie der indische Ministerpräsident Nehru unermüdlich&#13;
daran, den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot in die Realität umzusetzen. Vor kurzem haben&#13;
der britische Premierminister John Major, Frankreichs&#13;
Staatspräsident Jacques Chirac, der russische&#13;
Präsident Boris Jelzin und der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin die mutige Entscheidung getroffen,&#13;
die Atomtestprogramme ihrer Länder einzustellen. Ich&#13;
möchte ihnen, dem australischen Außenminister&#13;
Downer sowie dem Vorsitzenden des CTBT-Verhandlungsausschusses und Botschafter der Niederlande,&#13;
Jaap Ramaker, für die von ihnen geleistete Arbeit&#13;
danken.&#13;
Ferner möchte ich im Namen meines Landes unserem&#13;
Botschafter bei der Abrüstungskonferenz, Stephen&#13;
Ledogar, sowie der gesamten US-Delegation meinen&#13;
Dank aussprechen. Sie haben in den letzten drei&#13;
Jahren sehr hart gearbeitet, um diesen glücklichen Tag&#13;
zu ermöglichen. Ich bin stolz, daß die von den Vereinigten Staaten übernommene Führungsrolle entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen hat.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Vereinigten Staaten und die Nationen der Welt&#13;
haben gemeinsam einen weiteren riesigen Schritt&#13;
unternommen, um unsere Welt sicherer zu machen. In&#13;
&#13;
diesem Geiste fordere ich alle Nationen auf, das&#13;
Abkommen zu unterzeichnen,&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Rede der Hoffnung&#13;
US-Außenminister James F. Byrnes am 6. September 1946&#13;
&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die "Rede der Hoffnung" des damaligen US-Außenministers James F. Byrnes, die&#13;
eine historische Wende der amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem besetzten Deutschland darstellte, aus&#13;
Anlaß ihres 50. Jahrestages im Wortlaut. "&#13;
Einführung&#13;
Der Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, General Lucius D. Clay (1897 - 1978) drängte&#13;
Byrnes, seine Rede in Stuttgart zu halten. Byrnes wollte ursprünglich in Paris sprechen, wo der Rat der&#13;
Außenminister (CFM) der alliierten Mächte von April bis Juni 1946 tagte. Außenminister Byrnes, der sowjetische&#13;
Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow (1890 -1986), der britische Außenminister Ernest Bevin (1881 - 1951)&#13;
und der französische Außenminister Georges Bidault (1899 -1983) nahmen daran teil.&#13;
Molotow hatte auf der Pariser Konferenz am 10. Juli 1946 ein vereintes Deutschland angeboten. Die Rede von&#13;
Byrnes wurde - seitens der USA - als eine Antwort auf diesen Vorschlag Molotows für notwendig erachtet.&#13;
Byrnes erteilte General Clay den Auftrag, den Entwurf einer Konzeption für die US-Politik in Deutschland&#13;
abzufassen. General Clays Entwurf wurde auf den 19. Juli 1946 datiert und bildete die Grundlage von Byrnes&#13;
"Rede der Hoffnung".&#13;
General Clay amtierte seit 1945 als Stellvertreter des US-Oberkommandierenden für Europa und Deutschland,&#13;
General Dwight D. Eisenhower. Er folgte dessen Nachfolger General Joseph McNarney zwischen 1947 und 1949&#13;
als US-Oberkommandierender in Europa und Militärgouverneur in der amerikanischen Besatzungszone&#13;
Deutschlands nach und betätigte sich als Mitinitiator und Organisator der Luftbrücke während der Berliner&#13;
Blockade. 1961/62 fungierte er als persönlicher Beauftragter Präsident Kennedys in der Berlin-Frage.&#13;
&#13;
Ich bin nach Deutschland gekommen, um mich an Ort&#13;
und Stelle über die mit dem Wiederaufbau Deutschlands verbundenen Probleme zu orientieren und die&#13;
Ansichten der Regierung der Vereinigten Staaten über&#13;
einige der vor uns liegenden Probleme mit unseren&#13;
Vertretern in Deutschland zu besprechen. Wir Amerikaner haben diesen Problemen beträchtliche Zeit und&#13;
Aufmerksamkeit gewidmet, weil von ihrer erfolgreichen&#13;
Lösung nicht nur das künftige Wohlergehen Deutschlands, sondern auch das Europas abhängt.&#13;
Wir haben wohl oder übel lernen müssen, daß wir alle&#13;
in einer Welt leben, von der wir uns nicht isolieren&#13;
können 2I: Wir haben gelernt, daß Frieden und Wohl-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
ergehen unteilbar sind und daß Frieden und Wohlergehen in unserem Land nicht auf Kosten des&#13;
Friedens und Wohlergehens eines anderen Volkes&#13;
erkauft werden können.&#13;
Ich hoffe, daß das deutsche Volk nie wieder den Fehler&#13;
machen wird, zu glauben, daß das amerikanische&#13;
Volk, gerade weil es den Frieden liebt, in der Hoffnung&#13;
auf Frieden abseits stehen wird, wenn irgendeine&#13;
Nation Gewalt anwendet oder mit Gewalt droht, um die&#13;
Herrschaft über andere Völker oder Regierungen zu&#13;
erlangen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Im Jahre 1917 wurden die Vereinigten Staaten zur&#13;
Teilnahme am Ersten Weltkrieg gezwungen. Nach&#13;
diesem Krieg weigerten wir uns, dem Völkerbund&#13;
beizutreten.31 Wir glaubten, uns den europäischen&#13;
Kriegen fernhalten zu können, und verloren das&#13;
Interesse an europäischen Angelegenheiten. Dies&#13;
schützte uns aber nicht davor, zum Eintritt in den&#13;
Zweiten Weltkrieg gezwungen zu werden. Wir wollen&#13;
jenen Fehler nicht wiederholen. Wir sind entschlossen,&#13;
uns weiter für die Angelegenheiten Europas und der&#13;
Welt zu interessieren. Wir haben zur Organisation der&#13;
Vereinten Nationen beigetragen" und glauben, daß&#13;
dadurch Angreifernationen davon abgehalten werden,&#13;
Kriege anzufangen. Weil wir das glauben, wollen wir&#13;
die Vereinten Nationen mit unserer ganzen Macht und&#13;
allen unseren Hilfsquellen unterstützen.&#13;
Das amerikanische Volk will den Frieden. Es hat schon&#13;
seit langem nicht mehr von einem strengen oder&#13;
milden Frieden für Deutschland gesprochen.&#13;
Darauf kam es auch niemals wirklich an. Was wir&#13;
wollen, ist ein dauerhafter Friede. Wir werden uns&#13;
gegen zu harte und von Rachsucht diktierte Maßnahmen wenden, die einem wirklichen Frieden im&#13;
Wege stehen. Wir werden uns zu milden Maßnahmen&#13;
widersetzen, welche zum Bruch des Friedens einladen.&#13;
Als die Vereinigten Staaten in Potsdam 5| der Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands zustimmten&#13;
und als sie vorschlugen, dafür zu sorgen, daß&#13;
Deutschland für die Dauer einer Generation entwaffnet&#13;
und entmilitarisiert bleibt, waren sie sich der auf ihnen&#13;
und ihren Hauptverbündeten ruhenden Verantwortung&#13;
für die Aufrechterhaltung und gesetzmäßige Durchführung des Friedens wohl bewußt.&#13;
Die Befreiung vom Militarismus wird dem deutschen&#13;
Volke Gelegenheit geben, seine großen Kräfte und&#13;
Fähigkeiten den Werken des Friedens zuzuwenden.6)&#13;
Es braucht sie nur zu ergreifen. Sie gibt ihm die&#13;
Gelegenheit, sich der Achtung und Freundschaft&#13;
friedliebender Völker würdig zu erweisen und eines&#13;
Tages einen ehrenvollen Platz unter den Mitgliedern&#13;
der Vereinten Nationen einzunehmen.&#13;
Es liegt weder im Interesse des deutschen Volkes,&#13;
noch im Interesse des Weltfriedens, daß Deutschland&#13;
eine Schachfigur oder ein Teilnehmer in einem&#13;
militärischen Machtkampf zwischen dem Osten und&#13;
dem Westen wird. Zweimal in einer Generation haben&#13;
der deutsche Militarismus und der Nazismus die&#13;
Gebiete von Deutschlands Nachbarn verwüstet. Es ist&#13;
nur recht und billig, daß Deutschland sein Teil dazu&#13;
beitragen soll, diese Verwüstungen wiedergutzumachen. Die meisten Opfer der Naziaggression waren vor&#13;
dem Krieg weniger begütert als Deutschland. Deutschland darf nicht erwarten, daß diese Opfer ohne fremde&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Hilfe die Hauptkosten dieser Naziüberfälle tragen&#13;
sollen.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind daher bereit, die in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen über die Entmilitarisierung&#13;
und die Reparationen niedergelegten Grundsätze in&#13;
vollem Umfange durchzuführen.7| Wenn Deutschland&#13;
jedoch nicht in der in den Potsdamer Beschlüssen&#13;
vorgesehenen und geforderten Weise als wirtschaftliche Einheit verwaltet wird, müßten an dem von der&#13;
Alliierten Kontrollkommission 8) genehmigten Industrieniveau Änderungen vorgenommen werden.&#13;
Die Grundlage der Potsdamer Beschlüsse war, daß im&#13;
Rahmen eines kombinierten Entmilitarisierungs- und&#13;
Reparationsprogramms Deutschlands Kriegspotential&#13;
durch Ausschaltung und Demontage seiner Kriegsindustrie und durch Verminderung und Beseitigung&#13;
schwerindustrieller Anlagen herabgesetzt werden&#13;
sollte. Es war vorgesehen, dies soweit durchzuführen,&#13;
daß Deutschland ein Industriepotential belassen&#13;
bliebe, welches ihm die Aufrechterhaltung eines&#13;
durchschnittlichen europäischen Lebensstandards&#13;
ohne die Hilfe anderer Länder ermöglicht.&#13;
Die auf diese Weise zu entfernenden Fabriken sollten&#13;
als Reparationen an die Alliierten abgeliefert werden.&#13;
Die aus der russischen Zone zu entfernenden Fabriken sollten der Sowjetunion und Polen zufallen,&#13;
während die aus den westlichen Zonen zu entfernenden Fabriken teilweise der Sowjetunion, in der Hauptsache jedoch den westlichen Alliierten zufallen sollten.&#13;
Ferner wurde eine Aufteilung des deutschen Vermögens im Ausland unter den Alliierten vorgesehen.&#13;
Nach langen Verhandlungen einigten sich die Alliierten&#13;
über den Stand, auf den die hauptsächlichsten deutschen Industrien zwecks Durchführung der Potsdamer&#13;
Beschlüsse herabgesetzt werden sollten. Auf diesen&#13;
Stand einigte man sich in der Annahme, daß Deutschlands einheimische Hilfsquellen für eine auf gerechter&#13;
Grundlage erfolgende Verteilung an alle Deutschen in&#13;
Deutschland zur Verfügung stehen sollten, und daß die&#13;
für den Verbrauch in Deutschland nicht benötigten&#13;
Erzeugnisse der Ausfuhr zur Verfügung stehen sollten,&#13;
um damit die erforderliche Einfuhr zu bezahlen.&#13;
Bei Festsetzung des zulässigen Standes der Industrie&#13;
wurden keinerlei Reparationsleistungen aus der&#13;
laufenden Produktion vorgesehen. Aus der laufenden&#13;
Produktion erfolgende Reparationsleistungen würden&#13;
mit dem nach den Potsdamer Beschlüssen festgesetzten Stand der Industrie völlig unvereinbar sein. Offensichtlich hätte ein höherer Stand der Industrie festgesetzt werden müssen, wenn Reparationen aus der&#13;
laufenden Produktion beabsichtigt gewesen wären.&#13;
Der Stand der Industrie, wie er festgesetzt worden ist,&#13;
reicht nur aus, das deutsche Volk in die Lage zu&#13;
versetzen, sich selbst zu versorgen und einen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, der den durchschnitt-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�liehen Lebensverhältnissen in Europa annähernd&#13;
gleichkommt. Dieser Grundsatz bedeutet erhebliche&#13;
Härten für das deutsche Volk, aber er verlangt von ihm&#13;
lediglich, die Härten zu teilen, die der Angriff der Nazis&#13;
dem Durchschnittseuropäer auferlegt hat.&#13;
Dem deutschen Volk wurde jedoch nicht die Möglichkeit genommen, sein Los im Lauf der Jahre durch&#13;
harte Arbeit zu verbessern. Eine industrielle Entwicklung und industrieller Fortschritt wurden ihm nicht&#13;
verweigert. Gleich den Völkern anderer verwüsteter&#13;
Länder sollte das deutsche Volk den Wiederanfang mit&#13;
einer Friedenswirtschaft machen, die nicht imstande&#13;
ist, ihm mehr als den durchschnittlichen europäischen&#13;
Lebensstandard zu gewähren. Dabei sollte ihm nicht&#13;
das Recht verwehrt bleiben, mögliche, auf Grund&#13;
harter Arbeit und einfacher Lebensweise erworbene&#13;
Ersparnisse für den Aufbau einer Industrie zu verwenden, die friedlichen Zwecken dient.&#13;
Dieses war der Grundsatz der Reparationen, wie&#13;
Präsident Truman ihm in Potsdam zugestimmt hat. Die&#13;
Vereinigten Staaten werden nicht ihre Zustimmung&#13;
geben, daß Deutschland größere Reparationen leisten&#13;
muß als in den Potsdamer Beschlüssen vorgesehen&#13;
wurde.&#13;
Die Durchführung der Potsdamer Beschlüsse ist&#13;
jedoch dadurch behindert worden, daß der Alliierte&#13;
Kontrollrat nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, um es der deutschen Wirtschaft zu ermöglichen, als Wirtschaftseinheit zu arbeiten. Die notwendigen deutschen Zentralverwaltungskörper sind nicht&#13;
geschaffen worden, obgleich die Potsdamer Beschlüsse sie ausdrücklich verlangten.&#13;
Die gerechte Verteilung der lebenswichtigen Güter&#13;
zwischen den einzelnen Zonen mit dem Ziel, eine&#13;
ausgeglichene Wirtschaft in ganz Deutschland herbeizuführen und den Einfuhrbedarf zu verringern, ist nicht&#13;
in die Wege geleitet worden, obgleich die Potsdamer&#13;
Beschlüsse auch dies ausdrücklich verlangten. Die&#13;
Vorbereitung einer ausgeglichenen Wirtschaft in ganz&#13;
Deutschland zur Beschaffung der für die Bezahlung&#13;
genehmigter Einfuhr erforderlichen Mittel ist nicht&#13;
erfolgt, obgleich auch dies die Potsdamer Beschlüsse&#13;
ausdrücklich verlangen.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,&#13;
daß Deutschland als Wirtschaftseinheit verwaltet&#13;
werden muß, und daß die Zonenschranken, soweit sie&#13;
das Wirtschaftsleben und die wirtschaftliche Betätigung in Deutschland betreffen, vollständig fallen&#13;
müssen.&#13;
Die jetzigen Verhältnisse in Deutschland machen es&#13;
unmöglich, den Stand der industriellen Erzeugung zu&#13;
erreichen, auf den sich die Besatzungsmächte als&#13;
absolutes Mindestmaß einer deutschen Friedenswirtschaft geeinigt hatten. Es ist klar, daß wir, wenn die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Industrie auf den vereinbarten Stand gebracht werden&#13;
soll, nicht weiterhin den freien Austausch von Waren,&#13;
Personen und Ideen innerhalb Deutschlands einschränken können. Die Schranken zwischen den vier&#13;
Zonen Deutschlands sind weit schwieriger zu überwinden, als die zwischen normalen unabhängigen&#13;
Staaten. Die Zeit ist gekommen, wo die Zonengrenzen&#13;
nur als Kennzeichnung der Gebiete angesehen&#13;
werden sollten, die aus Sicherheitsgründen von den&#13;
Streitkräften der Besatzungsmächte besetzt gehalten&#13;
werden, und nicht als eine Kennzeichnung für in sich&#13;
abgeschlossene wirtschaftliche oder politische Einheiten.&#13;
Das war der Gang der Entwicklung, wie er in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen vorgesehen war, und das ist&#13;
auch der Gang der Entwicklung, den die amerikanische Regierung mit ihrer ganzen Autorität verfolgen&#13;
wird. Sie hat offiziell ihre Absicht ausgedrückt, die&#13;
Wirtschaft ihrer eigenen Zone mit einer oder mit allen&#13;
anderen zu vereinigen, die hierzu bereit sind.&#13;
Bis jetzt hat sich nur die britische Regierung bereit&#13;
erklärt, mit ihrer Zone daran teilzunehmen. Wir begrüßen diese Zusammenarbeit aufs wärmste. Selbstverständlich soll diese Vereinigungspolitik nicht jene&#13;
Regierungen ausschließen, die heute noch nicht zum&#13;
Beitritt bereit sind. Die Vereinigung steht ihnen zu jeder&#13;
Zeit frei. 9|&#13;
Wir treten für die wirtschaftliche Vereinigung Deutschlands ein. Wenn eine völlige Vereinigung nicht erreicht&#13;
werden kann, werden wir alles tun, was in unseren&#13;
Kräften steht, um eine größtmögliche Vereinigung zu&#13;
sichern.&#13;
So wichtig auch die wirtschaftliche Vereinigung für die&#13;
Gesundung Deutschlands und Europas ist, so muß&#13;
das deutsche Volk doch einsehen, daß der Hauptgrund seiner Leiden und Entbehrungen der Krieg ist,&#13;
den die Nazidiktatur über die Welt gebracht hat. Aber&#13;
gerade, weil Leiden und Entbehrungen in Deutschland&#13;
unvermeidlich sind, lehnt die amerikanische Regierung&#13;
die Verantwortung für ein unnötiges Anwachsen der&#13;
deutschen Not ab, die dadurch verursacht wird, daß es&#13;
dem Alliierten Kontrollrat nicht gelingt, sich darüber zu&#13;
einigen, dem deutschen Volk Gelegenheit zu geben,&#13;
einige seiner dringenden wirtschaftlichen Probleme&#13;
selbst zu lösen: In vielen lebenswichtigen Fragen wird&#13;
Deutschland weder vom Kontrollrat regiert, noch&#13;
gestattet ihm dieser, sich selbst zu regieren.&#13;
Für einen erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands&#13;
ist eine gemeinsame Finanzpolitik wesentlich. Eine&#13;
unkontrollierbare Inflation, begleitet von einer wirtschaftlichen Lähmung, ist fast mit Sicherheit zu&#13;
erwarten, wenn keine gemeinsame Finanzpolitik zur&#13;
Steuerung der Inflation besteht. Ein Programm drastischer Haushaltsreformen ist dringend erforderlich, um&#13;
den Währungsumlauf und die Geldforderungen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�zurückzuschrauben, die Schuldenlast zu revidieren&#13;
und Deutschlands Finanzen auf eine gesunde Grundlage zu stellen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben große Anstrengungen&#13;
gemacht, um ein solches Programm zu verwirklichen,&#13;
wenn aber eine verheerende Inflation verhindert&#13;
werden soll, müssen völlig aufeinander abgestimmte&#13;
Maßnahmen beschlossen und in allen Zonen einheitlich angewandt werden. Um ein Programm dieser&#13;
Art wirksam durchzuführen, ist eine zentrale Finanzbehörde offensichtlich notwendig.&#13;
Es ist auch notwendig, daß ein Verkehrs-,&#13;
Nachrichten- und Postwesen in ganz Deutschland&#13;
ohne Rücksicht auf Zonenschranken eingeführt wird.&#13;
Der sich auf ganz Deutschland erstreckende Aufbau&#13;
dieser öffentlichen Einrichtungen war in den Potsdamer Beschlüssen beabsichtigt. Zwölf Monate sind&#13;
vergangen, und nichts ist geschehen.&#13;
Deutschland benötigt die ganzen Nahrungsmittel, die&#13;
es erzeugen kann. Vor dem Kriege konnte es nicht&#13;
genug Nahrungsmittel für seine Bevölkerung erzeugen. Das Gebiet Deutschlands ist verkleinert worden.&#13;
Die Bevölkerung Schlesiens zum Beispiel ist in ein&#13;
verkleinertes Deutschland zurückgedrängt worden.&#13;
Besatzungsarmeen und Zwangsverschleppte erhöhen&#13;
den Bedarf, während der Mangel an landwirtschaftlichen Maschinen und Düngemitteln die Versorgungsmöglichkeit herabsetzt.10' Um die größtmögliche&#13;
Erzeugung und die zweckmäßigste Verwendung und&#13;
Verteilung der Nahrungsmittel, die erzeugt werden&#13;
können, sicherzustellen, müßte eine zentrale Verwaltungsstelle für Landwirtschaft geschaffen werden&#13;
und unverzüglich mit der Arbeit beginnen.&#13;
Ebenso ist die Schaffung einer zentralen deutschen&#13;
Verwaltungsstelle für Industrie und Außenhandel&#13;
dringend notwendig. Deutschland muß bereit sein,&#13;
seine Kohle und seinen Stahl mit den befreiten Ländern Europas zu teilen, die von diesen Lieferungen&#13;
abhängig sind. Deutschland muß andererseits in die&#13;
Lage versetzt werden, seine Fähigkeiten und Kräfte&#13;
der Steigerung seiner industriellen Produktion dienstbar zu machen und für die zweckmäßigste Verwendung seiner Rohstoffe Sorge tragen zu können.&#13;
Deutschland muß die Möglichkeit haben, Waren&#13;
auszuführen, um dadurch so viel einführen zu können,&#13;
daß es sich wirtschaftlich selbst erhalten kann.&#13;
Deutschland ist ein Teil Europas. Die Gesundung in&#13;
Europa und besonders in den Nachbarstaaten&#13;
Deutschlands wird nur langsam voranschreiten, wenn&#13;
Deutschland mit seinen großen Bodenschätzen an&#13;
Eisen und Kohle in ein Armenhaus verwandelt wird.&#13;
Nachdem die rücksichtslose Nazidiktatur zur bedingungslosen Kapitulation'" gezwungen worden war, gab&#13;
es keine deutsche Regierung, mit der die Alliierten&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
hätten verhandeln können. Die Alliierten mußten&#13;
vorübergehend die Aufgaben des zertrümmerten&#13;
deutschen Staates übernehmen, da sich die Nazidiktatur jeder wahren Rechenschaft dem deutschen Volke&#13;
gegenüber enthoben hatte. Die Alliierten konnten die&#13;
Führer und Günstlinge des Nazismus nicht in Schlüsselstellungen belassen, in denen sie ihren Einfluß&#13;
wieder geltend gemacht hätten. Sie mußten gehen.&#13;
Es war jedoch niemals die Absicht der amerikanischen&#13;
Regierung, dem deutschen Volk das Recht zu versagen, seine eigenen inneren Angelegenheiten wahrzunehmen, sobald es in der Lage sein würde, dies auf&#13;
demokratische Art und unter aufrichtiger Achtung der&#13;
Menschenrechte und grundsätzlichen Freiheiten zu&#13;
tun.&#13;
Die nur wenige Monate nach der Kapitulation gefaßten&#13;
Potsdamer Beschlüsse verpflichteten die Besatzungsmächte, die örtliche Selbstverwaltung wiederherzustellen und die Grundsätze einer gewählten Volksvertretung in den Verwaltungen der Bezirke, Provinzen&#13;
und Länder einzuführen, und zwar so bald wie es mit&#13;
der militärischen Sicherheit und den Zwecken der&#13;
militärischen Besetzung vereinbar ist.&#13;
Der Hauptzweck der militärischen Besetzung war und&#13;
ist, Deutschland zu entmilitarisieren und entnazifizieren, nicht aber den Bestrebungen des deutschen&#13;
Volkes hinsichtlich einer Wiederaufnahme seiner&#13;
Friedenswirtschaft künstliche Schranken zu setzen.&#13;
Die Nazikriegsverbrecher sollten für die Leiden, die sie&#13;
über die Welt gebracht haben, bestraft werden.12) Die&#13;
in den Potsdamer Beschlüssen enthaltenen Grundsätze für die Reparationen und die industrielle Abrüstung&#13;
sollten durchgeführt werden. Die Ziele der Besetzung&#13;
sahen jedoch weder eine lang anhaltende ausländische Diktatur über die deutsche Friedenswirtschaft&#13;
noch eine lang anhaltende ausländische Diktatur über&#13;
Deutschlands innerpolitisches Leben vor. Die Potsdamer Beschlüsse verpflichteten die Besatzungsmächte ausdrücklich, den Aufbau einer politischen&#13;
Demokratie von Grund auf zu beginnen.&#13;
Die Potsdamer Beschlüsse sahen nicht vor, daß&#13;
Deutschland niemals eine zentrale Regierung haben&#13;
sollte. Sie bestimmten lediglich, daß es einstweilen&#13;
noch keine zentrale deutsche Regierung geben sollte.&#13;
Dies war nur so zu verstehen, daß keine deutsche&#13;
Regierung gebildet werden sollte, ehe eine gewisse&#13;
Form von Demokratie in Deutschland Wurzel gefaßt&#13;
und sich ein örtliches Verantwortungsbewußtsein&#13;
entwickelt hätte.&#13;
Die Potsdamer Beschlüsse bestimmten in weiser&#13;
Voraussicht, daß die Verwaltung der deutschen&#13;
Angelegenheiten auf eine Dezentralisierung der&#13;
politischen Struktur und auf die Entwicklung örtlichen&#13;
Verantwortungsbewußtseins gerichtet sein sollte. Dies&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�sollte nicht die Weiterentwicklung zu einer zentralen&#13;
Regierung verhindern, welche die erforderlichen&#13;
Machtbefugnisse besitzt, um Angelegenheiten zu&#13;
behandeln, die einheitlich für ganz Deutschland&#13;
geregelt werden müssen. Dagegen bestand die&#13;
Absicht, die Bildung einer stark zentralen Regierung zu&#13;
verhindern, welche das deutsche Volk beherrschen&#13;
würde, ohne seinem demokratischen Willen zu&#13;
entsprechen.&#13;
Die amerikanische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß jetzt dem deutschen Volk innerhalb ganz&#13;
Deutschlands die Hauptverantwortung für die Behandlung seiner eigenen Angelegenheit bei geeigneten Sicherungen übertragen werden sollte.&#13;
Seit dem Ende der Feindseligkeiten ist mehr als ein&#13;
Jahr vergangen. Die Millionen deutscher Menschen&#13;
sollten nicht gezwungen werden, in Ungewißheit über&#13;
ihr Schicksal zu leben. Die amerikanische Regierung&#13;
ist der Ansicht, daß die Alliierten dem deutschen Volk&#13;
unverzüglich die wesentlichen Friedensbedingungen&#13;
klarmachen sollten, deren Annahme und Befolgung sie&#13;
vom deutschen Volk erwarten. Wir sind der Ansicht,&#13;
daß dem deutschen Volk Erlaubnis und Unterstützung&#13;
gewährt werden sollten, die notwendigen Vorbereitungen für eine demokratische deutsche Regierung zu&#13;
treffen, die in der Lage ist, diese Bedingungen anzunehmen und zu befolgen.&#13;
Die denkenden Menschen der Welt werden von jetzt&#13;
ab die Tätigkeit der Alliierten in Deutschland nicht nach&#13;
ihren Versprechungen, sondern nach ihren Leistungen&#13;
beurteilen. Die amerikanische Regierung hat die für die&#13;
Entnazifizierung und Entmilitarisierung Deutschlands&#13;
erforderlichen Maßnahmen unterstützt und wird dies&#13;
weiterhin tun. Sie glaubt jedoch nicht, daß große Heere&#13;
ausländischer Soldaten oder ausländischer Bürokraten, wie gut ihre Ansichten und Disziplin auch sein&#13;
mögen, auf Dauer die zuverlässigsten Beschützer der&#13;
Demokratie eines anderen Landes sind.&#13;
Alles, was die alliierten Regierungen tun können und&#13;
tun sollten, ist Richtlinien festzusetzen, nach denen&#13;
sich die deutsche Demokratie selbst regieren kann.&#13;
Die Zahl der alliierten Besatzungskräfte sollte so&#13;
beschränkt werden, daß sie genügt, um die Befolgung&#13;
dieser Richtlinien zu sichern.&#13;
Die Frage für uns ist, welche Kräfte notwendig sind,&#13;
um die Sicherheit zu schaffen, daß Deutschland nicht&#13;
wieder wie nach dem Ersten Weltkrieg aufrüstet. Unser&#13;
Vorschlag, einen Vertrag mit den Großmächten zu&#13;
schließen, um ihn für 25 oder sogar 40 Jahre beizubehalten, hätte eine kleinere Besatzungsarmee&#13;
möglich gemacht. Zu seiner Durchführung könnten wir&#13;
uns besser auf ausgebildete Überwachungsbeamte als&#13;
auf die Infanterie verlassen. Wenn zum Beispiel eine&#13;
Automobilfabrik den Vertrag verletzt und ihre Anlagen&#13;
auf die Herstellung von Kriegsmaterial umstellt, würden&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
die Uberwachungsbeamten dies dem Alliierten Kontrollrat melden und dieser würde die deutsche Regierung auffordern, die Herstellung zu unterbinden und&#13;
den Schuldigen zu bestrafen. Leistet die deutsche&#13;
Regierung der Aufforderung nicht Folge, würden die&#13;
alliierten Nationen Schritte unternehmen, die Befolgung durch die deutsche Regierung zu erzwingen.&#13;
Unser Vorschlag für dieses Abkommen wurde nicht&#13;
angenommen.'31 Sicherungsstreitkräfte werden unglücklicherweise wahrscheinlich noch lange Zeit in&#13;
Deutschland bleiben müssen. Man darf mich nicht&#13;
mißverstehen. Wir wollen uns unseren Verpflichtungen&#13;
nicht entziehen. Wir ziehen uns nicht zurück. Wir&#13;
bleiben hier und werden unseren Anteil an der Last auf&#13;
uns nehmen. Solange die Anwesenheit von Besatzungskräften in Deutschland notwendig ist, wird die&#13;
Armee der Vereinigten Staaten einen Teil dieser&#13;
Besatzungsmacht bilden.'"&#13;
Die Vereinigten Staaten treten für die baldige Bildung&#13;
einer vorläufigen deutschen Regierung ein. Fortschritte&#13;
bei der Entwicklung der örtlichen Selbstverwaltung und&#13;
der Landesselbstverwaltungen sind in der amerikanischen Zone Deutschlands erzielt worden, und die&#13;
amerikanische Regierung glaubt, daß ein ähnlicher&#13;
Fortschritt in allen Zonen möglich ist.&#13;
Die amerikanische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die vorläufige Regierung nicht von anderen&#13;
Regierungen ausgesucht werden soll, sondern daß sie&#13;
aus einem deutschen Nationalrat bestehen soll, der&#13;
sich aus den nach demokratischen Prinzipien verantwortlichen Ministerpräsidenten oder anderen leitenden&#13;
Beamten der verschiedenen Länder zusammensetzt,&#13;
die in jeder der vier Zonen gebildet worden sind.&#13;
Unter Vorbehalt der Befugnisse des Alliierten Kontrollrats soll der deutsche Nationalrat für die sachgemäße&#13;
Erfüllung der Aufgaben der zentralen Verwaltungsbehörden verantwortlich sein, die ihrerseits angemessene Machtbefugnisse besitzen sollen, um die Verwaltung Deutschlands als eine Einheit, wie sie in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen geplant war, zu sichern.&#13;
Der deutsche Nationalrat sollte auch mit der Vorbereitung des Entwurfes einer Bundesverfassung für&#13;
Deutschland beauftragt werden, die unter anderem&#13;
den demokratischen Charakter des neuen Deutschlands, die Menschenrechte und die grundsätzlichen&#13;
Freiheiten aller seiner Einwohner sichern soll. Nach&#13;
grundsätzlicher Genehmigung durch den Alliierten&#13;
Kontrollrat wäre die vorgeschlagene Verfassung einer&#13;
gewählten Versammlung zur endgültigen Formulierung&#13;
vorzulegen und sodann dem deutschen Volk zur&#13;
Ratifizierung zu unterbreiten.&#13;
Während wir darauf bestehen werden, daß Deutschland die Grundsätze des Friedens, der gutnachbarlichen Beziehungen und der Menschlichkeit befolgt,&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�wollen wir nicht, daß es der Vasall irgendeiner Macht&#13;
oder irgendwelcher Mächte wird oder unter einer inoder ausländischen Diktatur lebt. Das amerikanische&#13;
Volk hofft, ein friedliches und demokratisches Deutschland zu sehen, das seine Freiheit und Unabhängigkeit&#13;
erlangt und behält.&#13;
Nun ist es auch Zeit, die Grenzen des neuen Deutschlands festzusetzen. Österreich ist bereits als freies und&#13;
unabhängiges Land anerkannt worden.151 Seine&#13;
zeitweilige und erzwungene Vereinigung mit Deutschland war für beide Länder kein glücklicher Zustand,&#13;
und die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß es im&#13;
Interesse beider Länder und des Friedens für Europa&#13;
liegt, wenn jedes seinen eigenen Weg geht.&#13;
In Potsdam wurden, vorbehaltlich einer endgültigen&#13;
Entscheidung durch die Friedenskonferenz, bestimmte&#13;
Gebiete, die einen Teil Deutschlands bildeten, vorläufig&#13;
der Sowjetunion und Polen zugewiesen. Damals&#13;
waren diese Gebiete von der Sowjetarmee und von&#13;
der polnischen Armee besetzt. Es wurde uns gesagt,&#13;
daß die Deutschen aus diesen Gebieten in großer Zahl&#13;
flüchteten und daß es im Hinblick auf die durch den&#13;
Krieg hervorgerufenen Gefühle tatsächlich schwierig&#13;
sein würde, das wirtschaftliche Leben dieser Gebiete&#13;
wieder in Gang zu bringen, wenn diese nicht als&#13;
integrale Bestandteile der Sowjetunion beziehungsweise Polens verwaltet würden.&#13;
Die Staatsoberhäupter erklärten sich damit einverstanden, bei den Friedensregelungen den Vorschlag&#13;
der Sowjetregierung hinsichtlich der endgültigen&#13;
Übertragung der Stadt Königsberg und des anliegenden Gebietes an die Sowjetunion zu unterstützen.&#13;
Sofern die sowjetische Regierung ihre Auffassung&#13;
diesbezüglich nicht ändert, werden wir an diesem&#13;
Abkommen festhalten.&#13;
Was Schlesien und andere ostdeutsche Gebiete&#13;
anbetrifft, so fand die zu Verwaltungszwecken erfolgte&#13;
Übergabe dieses Gebietes durch Rußland an Polen&#13;
vor der Potsdamer Zusammenkunft statt. Die Staatsoberhäupter stimmten zu, daß Schlesien und andere&#13;
ostdeutsche Gebiete bis zur endgültigen Festlegung&#13;
der polnischen Westgrenze durch den polnischen&#13;
Staat verwaltet und zu diesem Zwecke nicht als Teil&#13;
der russischen Besatzungszone in Deutschland&#13;
angesehen werden sollten. Wie aus dem Protokoll der&#13;
Potsdamer Konferenz hervorgeht, einigten sich die&#13;
Staatsoberhäupter jedoch nicht dahingehend, die&#13;
Abtretung eines bestimmten Gebietes zu unterstützen.&#13;
Rußland und Polen haben schwer durch Hitlers&#13;
einfallende Armeen gelitten. Durch das Abkommen von&#13;
Jalta hat Polen an Rußland das Gebiet östlich der&#13;
Curzon-Linie'61 abgetreten. Polen hat dafür eine&#13;
Revision seiner nördlichen und westlichen Grenzen&#13;
verlangt. Die Vereinigten Staaten werden eine Revision dieser Grenzen zugunsten Polens unterstützen.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Der Umfang des an Polen abzutretenden Gebietes&#13;
kann jedoch erst entschieden werden, wenn das&#13;
endgültige Abkommen darüber getroffen ist.&#13;
Die Vereinigten Staaten finden, daß sie Frankreich, in&#13;
welches Deutschland innerhalb von 70 Jahren dreimal&#13;
eingefallen ist, seinen Anspruch auf das Saargebiet,,?l&#13;
dessen Wirtschaft mit Frankreich eng verbunden ist,&#13;
nicht verweigern können. Natürlich müßte Frankreich,&#13;
wenn ihm das Saargebiet eingegliedert wird, seine&#13;
Reparationsansprüche an Deutschland entsprechend&#13;
ändern.&#13;
Von diesen Veränderungen abgesehen, werden die&#13;
Vereinigten Staaten keine Eingriffe in unbestritten&#13;
deutsches Gebiet oder eine Aufteilung Deutschlands,&#13;
die nicht dem echten Willen der Bevölkerung entspricht, unterstützen.&#13;
Soweit den Vereinigten Staaten bekannt ist, wünscht&#13;
die Bevölkerung des Ruhrgebiets und des Rheinlandes, mit dem übrigen Deutschland vereinigt zu&#13;
bleiben, und die Vereinigten Staaten werden sich&#13;
diesem Wunsch nicht widersetzen.""&#13;
Obgleich die Ruhrbevölkerung dem Nazieinfluß als&#13;
letzte erlegen war, ist es eine Tatsache, daß die Nazis&#13;
ohne alle Hilfsmittel des Ruhrgebietes niemals hätten&#13;
die Welt bedrohen können. Nie wieder dürfen diese&#13;
Hilfsmittel für Zerstörungszwecke benutzt werden. Sie&#13;
müssen für den Wiederaufbau eines freien und&#13;
friedlichen Deutschlands und eines freien und friedlichen Europas Verwendung finden. Die Vereinigten&#13;
Staaten werden für solche Kontrollmaßnahmen für&#13;
ganz Deutschland, einschließlich des Ruhrgebietes&#13;
und des Rheinlandes, eintreten, die aus Sicherheitsgründen erforderlich sind. Sie werden helfen, diese&#13;
Maßnahmen durchzusetzen. Sie werden jedoch nicht&#13;
für solche Maßnahmen eintreten, die Ruhrgebiet und&#13;
Rheinland - unmittelbar oder mittelbar - einer politischen Beherrschung oder politischen Manipulation&#13;
seitens ausländischer Mächte unterwerfen.&#13;
Das deutsche Volk empfindet heute die verheerenden&#13;
Folgen des Krieges, den Hitler und seine Günstlinge&#13;
über die Welt gebracht haben. Andere Völker bekamen&#13;
diese verheerenden Folgen lange vor dem deutschen&#13;
Volk zu spüren. Das deutsche Volk muß einsehen, daß&#13;
es Hitler und seine Günstlinge waren, die unschuldige&#13;
Männer, Frauen und Kinder quälten und ausrotteten&#13;
und die versuchten, mit den deutschen Waffen die&#13;
Welt zu beherrschen und zu erniedrigen. Es waren die&#13;
gesammelten zornentbrannten Kräfte der Menschheit,&#13;
die sich den Weg nach Deutschland hinein erkämpfen&#13;
mußten, um der Welt die Hoffnung auf Freiheit und&#13;
Frieden zu geben.&#13;
Das amerikanische Volk, das für die Freiheit gekämpft&#13;
hat, hat nicht den Wunsch, das deutsche Volk zu&#13;
versklaven. Die Freiheit, an welche die Amerikaner&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�glauben und für die sie kämpfen, ist eine Freiheit, an&#13;
der alle teilhaben sollen, die gewillt sind, die Freiheit&#13;
anderer zu achten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben fast alle in ihrem Lande&#13;
befindlichen Kriegsgefangenen nach Deutschland&#13;
zurückgeschickt. Wir unternehmen unverzüglich&#13;
Schritte, um die in anderen Teilen der Welt in unserer&#13;
Hand befindlichen deutschen Kriegsgefangenen&#13;
baldigst zurückzusenden.&#13;
Die Vereinigten Staaten können Deutschland die&#13;
Leiden nicht abnehmen, die ihm der von seinen&#13;
Führern angefangene Krieg zugefügt hat. Aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben nicht den Wunsch, diese&#13;
Leiden zu vermehren oder dem deutschen Volk die&#13;
Gelegenheit zu verweigern, sich aus diesen Nöten&#13;
herauszuarbeiten, solange es menschliche Freiheit&#13;
achtet und vom Wege des Friedens nicht abweicht.&#13;
Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk&#13;
die Regierung Deutschlands zurückzugeben. Das&#13;
amerikanische Volk will dem deutschen Volk helfen,&#13;
seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen&#13;
Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der&#13;
Welt.&#13;
&#13;
" - Quellen:&#13;
Als amerikanische Fassung gilt der vom State Department veröffentlichte Text.&#13;
Vgl.: Byrnes Papers in the library of Clemson University, South Carolina;&#13;
"James F. Byrnes and The Origins of the Cold War";&#13;
ed. by Kendrick A. Clements&#13;
Deutsche Fassungen:&#13;
Stuttgarter Zeitung, 7. September 1946;&#13;
Europa-Archiv, Dezember 1946;&#13;
Diese Rede wurde in Deutschland unter der populären&#13;
Bezeichnung "Rede der Hoffnung" bekannt.&#13;
Vgl. die Textpassagen (unten S. 1) "ich hoffe, daß das&#13;
deutsche Volk"; S. 6 "das amerikanische Volk hofft"&#13;
und S. 6 "der Welt die Hoffnung auf Freiheit und&#13;
Frieden geben".&#13;
21&#13;
&#13;
Nach dem Ersten Weltkrieg praktizierten die USA&#13;
eine Politik der Isolation, indem sie sich aus der&#13;
europäischen Nachkriegspolitik weitgehend zurückzogen.&#13;
31&#13;
&#13;
Der Völkerbund (1920 - 1946) wurde auf Vorschlag&#13;
des US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson&#13;
gegründet. Die USA traten dem Völkerbund jedoch&#13;
nicht bei.&#13;
41&#13;
&#13;
Die UNO war - auf die Initiative des US-Präsidenten&#13;
Franklin D. Roosevelt hin - am 26. Juni 1945 in San&#13;
Francisco gegründet worden mit dem Ziel, nach dem&#13;
Scheitern des Völkerbundes und der Katastrophe des&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Zweiten Weltkrieges, international Frieden und Sicherheit zu garantieren. Am 24. Oktober 1945 trat die&#13;
Charta der Vereinten Nationen (am "Tag der Vereinten&#13;
Nationen") in Kraft.&#13;
51&#13;
&#13;
Die Potsdamer Konferenz dauerte vom 17. Juli bis 2.&#13;
August 1945: Die drei Kriegsverbündeten (US-Präsident Harry S. Truman (1884 - 1972), UdSSR-Premier&#13;
Josef W. Stalin (1879 - 1953), UK-Premierminister&#13;
Winston L Churchill (1874 - 1965), nach den britischen&#13;
Wahlen von Clement R. Attlee (1883 - 1967) abgelöst)&#13;
einigten sich auf Vier-Mächte-Besatzungszonen (der&#13;
USA, des UK, der UdSSR und Frankreichs) für&#13;
Nachkriegsdeutschland sowie auf eine umfassende&#13;
Neuordnung der deutschen Wirtschaft und der deutschen Verwaltungseinrichtungen.&#13;
61&#13;
&#13;
Ein Beispiel für diese Politik war das am 5. 3. 1946&#13;
erlassene "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus in der US-Zone", in: "Gesetz der&#13;
Militärregierung und des Kontrollrats", 1/1, 7 (III).&#13;
7)&#13;
&#13;
Die bereits in Jalta vereinbarten Reparationszahlungen Deutschlands wurden im Potsdamer Abkommen näher modifiziert. In diesem Punkt hatten sich&#13;
Unterschiede zwischen den USA auf der einen Seite&#13;
und Frankreich und der Sowjetunion auf der anderen&#13;
Seite entwickelt. Die Sowjetunion und Frankreich&#13;
versuchten 1946 wiederholt, die Reparationszahlungen zu ihren Gunsten zu ändern.&#13;
8&#13;
&#13;
» Der am 5. Juni 1945 gebildete "Alliierte Kontrollrat",&#13;
dem am 8. August 1945 gebildeten obersten Regierungsorgan der Besatzungsmächte für Deutschland&#13;
(Frankreich, Großbritannien, UdSSR, USA), etablierte&#13;
sich am 30. August 1945 in Berlin.&#13;
&#13;
91&#13;
&#13;
Der Zusammenschluß der amerikanischen und&#13;
britischen Besatzungszone zum "Vereinigten Wirtschaftsgebiet", der sogenannten "Bizone", erfolgte am&#13;
1. Januar 1947. Durch den Beitritt der französischen&#13;
Besatzungszone zur Bizone am 8. April 1949 entstand&#13;
die "Trizone", welche nun die drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands umfaßte.&#13;
'0| Die sowjetischen und französischen Truppen lebten&#13;
aus ihrer jeweiligen Zone, weil ihr eigener dürftiger&#13;
Nachschub nicht ausreichte. Die Sowjets rechtfertigten&#13;
dies als eine Art von Reparationen, aber sie waren&#13;
auch selber in einer akuten Notsituation und konnten&#13;
keine Armee im Ausland unterhalten. Die Franzosen&#13;
nannten ähnliche Gründe, um große Materialmengen&#13;
aus ihrer Zone wegzuschaffen und ihre Besatzungsarmee einschließlich ihrer Angehörigen in Deutschland&#13;
zu versorgen.&#13;
"' Die Forderung zur bedingungslosen Kapitulation&#13;
des Deutschen Reiches wurde erstmals auf der&#13;
Konferenz von Casablanca (14. - 26. 1. 1943) erho-&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�ben, danach auf den Konferenzen von Teheran (28.&#13;
11. - 1. 12. 1943) und Jalta (4. - 11. 2. 1945) bestätigt.&#13;
'?l Zum Zeitpunkt der Byrnes-Rede beriet das Internationale Militärtribunal (IMT) in Nürnberg im Prozeß&#13;
gegen die Hauptkriegsverbrecher die Urteile.&#13;
,3&#13;
&#13;
&gt; Byrnes meinte damit das Scheitern seines Vorschlags für einen "Treaty for Disarmament and Demilitarization of Germany" während der Pariser Außenministerkonferenz im April 1946. Die Vorstellung von&#13;
Byrnes wurde von den Sowjets abgelehnt, in der&#13;
Hoffnung, ein längeres Engagement der USA zu&#13;
verhindern.&#13;
Vgl. Hermann Graml, Die Alliierten und die Teilung&#13;
Deutschlands, Konflikte und Entscheidungen 1941 1948, 1985, S. 150-158.&#13;
141&#13;
&#13;
General Clay hielt diese Textpassage für die wichtigste Feststellung der Rede.&#13;
,S|&#13;
&#13;
Nach der Vier-Mächte-Besatzungsherrschaft vom&#13;
April 1945 bis zum Januar 1946 wurde Österreich am&#13;
7. Januar 1946 eine eigene Republik innerhalb seiner&#13;
Grenzen von 1937 (sog. Zweite Republik Österreich).&#13;
Österreich blieb jedoch bis zum Abschluß des Staatsvertrags vom 15. Mai 1955 in vier Besatzungszonen&#13;
eingeteilt mit seiner ebenfalls in Sektoren aufgeteilten&#13;
Hauptstadt Wien. Die österreichische Neutralität wurde&#13;
im Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 festgeschrieben.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 8&#13;
&#13;
,6)&#13;
&#13;
Hier wird auf die Konferenz von Jalta vom 4. - 11.&#13;
Februar 1945 Bezug genommen: Die polnische&#13;
Westgrenze sollte in einem späteren Friedensvertrag&#13;
festgelegt werden, die Curzon-Linie setzte Stalin in&#13;
Jalta als polnische Ostgrenze durch. Sie wurde&#13;
erstmals im Dezember 1919 als polnische Grenze zur&#13;
Sowjetunion nach dem Ersten Weltkrieg vom britischen Außenminister Lord George N. Curzon (1859 1925) vorgeschlagen und von Polen nicht akzeptiert.&#13;
Nach dem polnisch-sowjetischen Krieg erfolgte die&#13;
tatsächliche Grenzziehung auf der Friedenskonferenz&#13;
von Riga am 18. März 1921; sie verlief wesentlich&#13;
weiter ostwärts. Die "Curzon-Linie" diente dann auch&#13;
der neuen polnisch-sowjetischen Grenze, die durch&#13;
den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 festgelegt&#13;
wurde, zur Orientierung.&#13;
'" Die "Saar-Frage" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst durch einen Sonderstatus des Saarlandes (wirtschaftlicher Anschluß an Frankreich)&#13;
geregelt.&#13;
1,1&#13;
&#13;
Diese Bemerkung richtete sich primär an Frankreich, dessen Politik beabsichtigte, die linksrheinischen&#13;
Gebiete von Deutschland abzutrennen und das&#13;
Ruhrgebiet zu internationalisieren.&#13;
(Die Fußnoten wurden von einer Historikerkommission&#13;
erarbeitet.)&#13;
&#13;
* • *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Eine neue atlantische Gemeinschaft&#13;
für das 21. Jahrhundert&#13;
Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag der "Rede der Hoffnung"&#13;
&#13;
STUTTGART - (AD) - Außenminister Christopher hielt am 6. September 1996 bei einem Festakt im&#13;
Württembergischen Staatstheater aus Anlaß des 50. Jahrestages der "Rede der Hoffnung" nachfolgende&#13;
Grundsatzrede. Wir veröffentlichen den vorbereiteten Text der Rede.&#13;
&#13;
Herr Ministerpräsident, Herr Außenminister, Herr&#13;
Bürgermeister, General Jamerson, Gouverneur&#13;
James, Herr Kongreßabgeordneter, meine Damen und&#13;
Herren,&#13;
bevor ich beginne, möchte ich ein besonderes Wort&#13;
der Anerkennung für meinen Amtskollegen Klaus&#13;
Kinkel aussprechen, der sich in hohem Maße für die&#13;
deutsch-amerikanischen Beziehungen eingesetzt hat,&#13;
der während meiner dreieinhalbjährigen Amtszeit als&#13;
Außenminister mein enger Freund und Vertrauter&#13;
gewesen ist, und der mich heute nach Stuttgart&#13;
eingeladen hat. Ich bin gekommen, um gemeinsam&#13;
mit Ihnen der "Rede der Hoffnung" zu gedenken, die&#13;
mein Vorgänger, Außenminister James Byrnes, heute&#13;
vor 50 Jahren hier in Stuttgart hielt. Ich bin gekommen, um an das halbe Jahrhundert der Fortschritte zu&#13;
erinnern, die wir gemeinsam seit dieser Rede erzielt&#13;
haben und zu erörtern, wie wir im nächsten Jahrhundert eine prosperierende Partnerschaft gewährleisten können.&#13;
Es wird niemanden überraschen, daß man Außenminister Byrnes - wie den meisten von uns - bei der&#13;
Vorbereitung seiner Rede behilflich war. Sein wichtigster Berater war John Kenneth Galbraith, der berühmte&#13;
Ökonom, Autor und Botschafter in Indien. Als ich&#13;
Professor Galbraith vor einigen Tagen anrief, um mit&#13;
ihm Erinnerungen an die Byrnes-Rede auszutauschen,&#13;
meinte er mit einem Lächeln in der Stimme: "Ich habe&#13;
niemals mit größerer-Zustirnmung einer—Rede gelauscht."&#13;
Natürlich hörte ganz Europa aufmerksam zu, denn die&#13;
Zukunft des Kontinents stand auf Messers Schneide.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten hatten sich mit ihren Verbündeten zusammengetan, um den Krieg zu gewinnen,&#13;
weil sie wußten, daß Amerika nicht frei sein konnte,&#13;
wenn Europa es nicht war. Aber im Jahr 1946 hatten&#13;
wir den Sieg noch nicht davongetragen. Die ersten&#13;
amerikanischen Care-Pakete kamen zwar im August&#13;
jenes Jahres hier an, aber ein deutscher Reporter, der&#13;
mit Außenminister Byrnes nach Stuttgart reiste, blickte&#13;
aus seinem Zugfenster und beschrieb "zahllose&#13;
Frauen mit zerschlissenen Rucksäcken ... einige&#13;
wenige Männer, die sich in der Dämmerung nach&#13;
Hause schleppten", ein Zuhause, in dem "die Kinder&#13;
keine Schuhe haben, die Tochter keinen Mantel, das&#13;
Haus weder Fensterscheiben noch Brennstoff im&#13;
Keller hat. Und der Winter kommt." Unterdessen&#13;
brachte die Befreiung im Osten nicht die Freiheit,&#13;
sondern neue kommunistische Tyrannei, die Familien,&#13;
Nationen und die Welt trennen sollte.&#13;
Außenminister Byrnes Rede wurde bekannt als "Rede&#13;
der Hoffnung", weil sie Amerika fest an die Seite derer&#13;
stellte, die an eine bessere Zukunft für Deutschland&#13;
und Europa glaubten. Die von ihm in der Rede&#13;
formulierten Prinzipien legten das Fundament für&#13;
unsere erfolgreiche Partnerschaft der Nachkriegszeit.&#13;
Sie schufen die Basis für das, was zu einer überparteilichen amerikanischen Strategie wurde, symbolisiert&#13;
durch die Anwesenheit des republikanischen Senators&#13;
Arthur Vandenberg bei der Rede von Außenminister&#13;
Byrnes. Diese Prinzipien gestalten unseren Ansatz zu&#13;
Europa bis-auf den heutigen Tag.&#13;
Erstens versprach Byrnes, daß die Vereinigten Staaten&#13;
eine politische und militärische Macht in Europa&#13;
bleiben würden. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten wir&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�uns aus den europäischen Angelegenheiten zurückgezogen und einen schrecklichen Preis dafür bezahlt.&#13;
"Wir wollen jenen Fehler nicht wiederholen", erklärte&#13;
Byrnes. "Wir bleiben hier."&#13;
Zweitens bekräftigte Byrnes, daß unsere Unterstützung für die Demokratie der Schlüssel zu dauerhaftem&#13;
Frieden in Deutschland und Europa ist. "Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk die Regierung Deutschlands zurückzugeben", äußerte er. Wir&#13;
waren zuversichtlich, daß ein demokratisches&#13;
Deutschland unser Partner werden könnte.&#13;
Schließlich brachte Byrnes das Engagement der&#13;
Vereinigten Staaten für die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands zum Ausdruck. Die Vereinigten Staaten vertraten die Auffassung, daß&#13;
Deutschland vereinigt, demokratisch und frei sein&#13;
müßte, wenn Europa als Ganzes Stabilität und Integration erlangen sollte.&#13;
Byrnes weitblickender Ansatz ebnete den Weg für&#13;
George Marshall, Konrad Adenauer, Jean Monnet und&#13;
die bemerkenswerte Generation, die die Erholung&#13;
Europas anführte und uns 50 Jahre Frieden und&#13;
Wohlstand bescherte. Dank ihnen erkannten wir das&#13;
Versprechen der "Rede der Hoffnung". Amerika&#13;
behielt sein Engagement und seine Streitkräfte in&#13;
Europa bei. Das deutsche Volk wählte Freiheit und&#13;
erreichte die Vereinigung. Und gemeinsam behielten&#13;
wir Kurs im Kalten Krieg. Heute ist der Checkpoint&#13;
Charlie nur noch ein Museum für Touristen. Vor dem&#13;
NATO-Hauptquartier, wo wir einst die Verteidigung von&#13;
Berlin und Stuttgart gegen einen sowjetischen Angriff&#13;
planten, wehen heute die Flaggen von 43 europäischen Nationen, einschließlich der russischen.&#13;
Im vergangenen halben Jahrhundert haben die&#13;
Vereinigten Staaten und Deutschland Beziehungen&#13;
aufgebaut, die tiefer als die Bande sind, die ausschließlich von Soldaten und Diplomaten geknüpft&#13;
werden. Wir haben eine kulturelle und intellektuelle&#13;
Partnerschaft, die so ausgezeichnet durch das&#13;
Fulbright-Programm, die Goethe-Institute, den German&#13;
Marshall Fund und viele andere Institutionen repräsentiert wird. Wir haben eine wirtschaftliche&#13;
Partnerschaft: Amerika ist der größte ausländische&#13;
Investor in Deutschland und der Hauptnutznießer&#13;
deutscher Investitionen im Ausland. Wir haben auch&#13;
eine umweltpolitische Partnerschaft: Gemeinsam&#13;
kämpfen wir um die Beseitigung von Altlasten in&#13;
Ostdeutschland, gegen sauren Regen in Wisconsin&#13;
und die Entwaldung in Brasilien.&#13;
Vor 50 Jahren erklärte Außenminister Byrnes, Amerika&#13;
will "dem deutschen Volk helfen, seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien&#13;
und friedliebenden Nationen der Welt".&#13;
Unsere&#13;
gemeinsamen Leistungen sind atemberaubend. Heute&#13;
stehen diese Stadt und das sie umgebende Land für&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
das Europa, das uns allen vertraut ist: Ein Ort, an dem&#13;
Demokratie, Wohlstand und Frieden eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Deutschland ist das&#13;
vereinigte Herzstück eines zunehmend vereinten&#13;
Kontinents. Und dieser Kontinent blickt jetzt auf&#13;
Deutschland als Symbol und Katalysator für die&#13;
Integration, die er anstrebt.&#13;
Trotz all unserer Fortschritte haben wir jedoch in&#13;
Europa noch Herausforderungen zu bewältigen. Das&#13;
Ende des Kalten Krieges hat kein Ende der bewaffneten Konflikte auf diesem Kontinent mit sich gebracht.&#13;
Und obwohl die durch den Kalten Krieg in Europa&#13;
herbeigeführte Spaltung verblaßt, ist sie noch nicht&#13;
vollständig überwunden. Diese Spaltung ist immer&#13;
noch sichtbar in der wirtschaftlichen Kluft zwischen Ost&#13;
und West. Sie zeigt sich an der Umweltverschmutzung, die Menschenleben von der Ukraine bis nach&#13;
Schlesien verkürzt. Vor allem ist sie greifbar in dem&#13;
Wunsch nach größerer Sicherheit der Bürger vom&#13;
Baltikum bis zum Schwarzen Meer, über eine Region&#13;
hinweg, in der die beiden großen Kriege unseres&#13;
Jahrhunderts und der Kalte Krieg begannen.&#13;
In wenigen Jahren bricht ein neues Jahrhundert an.&#13;
Ich möchte Ihnen die Vision vermitteln, die Präsident&#13;
Clinton und ich für die Vereinigten Staaten und Europa&#13;
im Jahr 2000 haben. Es ist die Vision einer neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wird&#13;
auf den von unseren Vorgängern geschaffenen&#13;
Institutionen aufbauen, aber sie wird die künstlichen&#13;
Grenzen Europas der Zeit des Kalten Krieges überschreiten. Sie wird Nordamerika eine tiefere Partnerschaft mit einem umfassenderen, integrierteren Europa&#13;
auf diesem Kontinent und der ganzen Welt bescheren.&#13;
Sie schreibt die von Außenminister Byrnes niedergelegten Prinzipien fort.&#13;
Während das nächste Jahrhundert in dieser neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft anbricht, werden unsere&#13;
gemeinsamen Anstrengungen uns das Vertrauen&#13;
gegeben haben, daß die demokratischen Bestrebungen von 1989 Bestand haben, Vertrauen, daß Kriege&#13;
wie der in Bosnien verhindert werden können, und&#13;
Vertrauen, daß jede neue Demokratie - groß und klein&#13;
- ihren rechtmäßigen Platz in Europa einnehmen kann.&#13;
In dieser neuen atlantischen Gemeinschaft werden die&#13;
Vereinigten Staaten in Partnerschaft mit unseren&#13;
Freunden und Verbündeten - und einer effektiveren&#13;
Europäischen Union, die neue Mitglieder aufnimmt vollständig in Europa engagiert sein. In dieser Gemeinschaft wird die NATO weiterhin der zentrale&#13;
Pfeiler unseres Sicherheitsengagements sein. Es wird&#13;
eine neue NATO sein, angepaßt an die Bewältigung&#13;
sich abzeichnender Herausforderungen, mit der&#13;
uneingeschränkten Beteiligung aller unserer derzeitigen Mitglieder und mehrerer neuer aus dem&#13;
Osten. Die Partnerschaft für den Frieden der NATO&#13;
und die OSZE werden uns die Instrumente zur Verhinderung von Konflikten an die Hand geben und die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Freiheit für alle Bürger unserer Gemeinschaft sicherstellen. In unserer Vision für diese Gemeinschaft wird&#13;
ein demokratisches Rußland unser vollwertiger Partner&#13;
sein. Unsere Volkswirtschaften werden zunehmend&#13;
integriert sein und florieren. Europa und Amerika&#13;
werden gemeinsam gegen die globalen Bedrohungen&#13;
vorgehen, die wir nur zusammen überwinden können.&#13;
Das ist die Art von Vision, die unserer Partnerschaft&#13;
Stärke und unserem Volk Hoffnung in den dunkelsten,&#13;
gefährlichsten Tagen unseres Jahrhunderts gegeben&#13;
hat. Vor zehn Jahren war sie noch ein Traum. In zehn&#13;
Jahren könnte die Chance vertan sein. Aber ich&#13;
glaube, wir können sie ergreifen, wenn wir in den&#13;
letzten Jahren dieses Jahrhunderts gemeinsam vier&#13;
Herausforderungen meistern.&#13;
Die erste Herausforderung besteht im Aufbau eines&#13;
sicheren und integrierten Europas, um die veralteten&#13;
Grenzen des Kalten Krieges für immer auszuradieren.&#13;
Die neuen Demokratien Zentraleuropas und der neuen&#13;
unabhängigen Staaten wollen unsere Partner sein. Es&#13;
liegt in unserem Interesse, ihnen bei der Übernahme&#13;
unserer gemeinsamen Pflichten behilflich zu sein. Es&#13;
liegt in unserem Interesse, sie in die gleichen Wertestrukturen und Institutionen einzubeziehen, die&#13;
Westeuropa die Überwindung seines Erbes von&#13;
Konflikten und Teilung ermöglichten. Es liegt sicherlich&#13;
im Interesse Deutschlands, mit uns und unseren&#13;
anderen Verbündeten bei dieser Aufgabe zusammenzuarbeiten, denn damit kann Deutschlands östliche&#13;
Grenze zu dem gemacht werden, was seine westliche&#13;
seit langem ist: Ein Tor, nicht eine Schranke.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar 1994 schlugen&#13;
Präsident Clinton und unsere Verbündeten eine&#13;
umfassende Strategie für die europäische Sicherheit&#13;
vor. Präsident Clinton vertritt die Auffassung, daß ein&#13;
weiterer Gipfel zur vollständigen Umsetzung dieser&#13;
Strategie erforderlich ist. Ich erwarte, daß unsere&#13;
Staats- und Regierungschefs im Frühjahr oder Frühsommer 1997 zusammentreffen. Ihr Ziel sollte sein,&#13;
den internen Reformen der NATO zuzustimmen,&#13;
Erweiterungsverhandlungen in die Wege zu leiten und&#13;
die Partnerschaft der NATO mit Rußland und anderen&#13;
europäischen Staaten zu vertiefen.&#13;
Der Zweck der NATO-Reform besteht in der Gewährleistung, daß die NATO neue Herausforderungen in&#13;
einem Europa bewältigen kann, in dem keine Macht&#13;
eine Bedrohung für eine andere darstellt. In diesem&#13;
Jahr haben meine Amtskollegen und ich ein historisches Programm für den Aufbau einer neuen NATO&#13;
vereinbart. Es wird dem Bündnis die Übernahme einer&#13;
prominenteren und kompetenteren europäischen Rolle&#13;
gestatten und den besonderen europäischen Funktionen der Westeuropäischen Union Substanz verleihen.&#13;
Es wird die Fähigkeit der NATO verbessern, auf&#13;
Notfälle zu reagieren und es unseren Partnern in&#13;
Zentraleuropa und den neuen unabhängigen Staaten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
erleichtern, uns zur Seite zu stehen, wenn wir es tun.&#13;
Unser oberstes Ziel ist eine neue NATO, in der alle&#13;
unsere Verbündeten, einschließlich Frankreich und&#13;
Spanien, Vollmitglieder sind.&#13;
Auch die NATO-Erweiterung verläuft planmäßig und&#13;
wird stattfinden. Im Augenblick befindet sich die NATO&#13;
in einem intensiven Dialog mit den interessierten&#13;
Ländern um herauszufinden, was sie und die NATO&#13;
als Vorbereitung für ihren Beitritt tun müssen. Auf der&#13;
Grundlage dieser Diskussionen sollten wir beim Gipfel&#13;
von 1997 mehrere Partner zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen einladen. Wenn die ersten neuen&#13;
Mitglieder durch die offene Tür der NATO treten, wird&#13;
sie für alle diejenigen offen bleiben, die unter Beweis&#13;
stellen, daß sie willens und bereit zur Übernahme der&#13;
Pflichten der Mitgliedschaft sind. Die NATO sollte in&#13;
eine neue Phase ihres intensivierten Dialogs mit&#13;
denjenigen eintreten, die eine Mitgliedschaft anstreben, nachdem die ersten Kandidaten zum Beitritt&#13;
eingeladen wurden.&#13;
Die Erweiterung wird sicherstellen, daß die Vorteile der&#13;
NATO nicht an der Linie halt machen, die ihre Bedeutung mit dem Fall der Berliner Mauer verlor. Die von&#13;
unseren Partnern als Vorbereitung auf die Mitgliedschaft unternommenen Schritte - Stärkung der Demokratie und Bildung von Vertrauen mit ihren Nachbarn haben Zentraleuropa bereits größere Stabilität verliehen als es in diesem Jahrhundert erlebt hat. In der Tat&#13;
war kein Bündnis effektiver bei der Verhinderung von&#13;
Konflikten als die NATO. Aus diesem Grund haben wir&#13;
sie geschaffen. Aus diesem Grund wollen unsere&#13;
Partner ihr beitreten. Aus diesem Grund ist die NATO&#13;
das Kernstück unserer europäischen Strategie.&#13;
Natürlich verdienen alle neuen Demokratien Europas unabhängig davon, ob sie der NATO früher, später&#13;
oder überhaupt nicht beitreten - gleiche Chancen, zur&#13;
Gestaltung der Zukunft Europas beizutragen. Aus&#13;
diesem Grund müssen wir den Geltungsbereich der&#13;
Partnerschaft für den Frieden ausdehnen.&#13;
Dank der Partnerschaft für den Frieden können wir&#13;
jetzt die ersten wirklich europaweiten militärischen&#13;
Koalitionen bilden, in denen Soldaten aus Rußland und&#13;
Amerika, Polen und der Ukraine, Deutschland und&#13;
Litauen Seite an Seite üben und jederzeit zum Schutz&#13;
unserer Sicherheit bereit sind. Zu diesem Zweck&#13;
sollten wir das Mandat der Partnerschaft über ihre&#13;
derzeitige Mission hinaus erweitern. Wir sollten&#13;
unsere Partner in die Planung und Durchführung der&#13;
NATO-Missionen einbeziehen. Wir sollten ihnen ein&#13;
größeres Sagen bei der Gründung eines Atlantischen&#13;
Partnerschaftsrats einräumen. Auf diese Weise bietet&#13;
uns die NATO die Grundlage zur Schaffung unserer&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft - in der ganz&#13;
Europa und Nordamerika beim Aufbau dauerhafter&#13;
Sicherheit zusammenarbeiten, und die Erfolg hat, wo&#13;
alle bisherigen Bestrebungen scheiterten.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa ist unerläßlich für diese sich abzeichnende&#13;
neue Gemeinschaft. Das ist klar ersichtlich aus ihren&#13;
wichtigen und mutigen Missionen in Bosnien, Tschetschenien und im Baltikum. Die Grundsätze von&#13;
Helsinki - Respektierung einer offenen Gesellschaft&#13;
und der Rechtsstaatlichkeit - waren der Wegweiser für&#13;
alles, was wir im letzten Jahrzehnt geleistet haben und&#13;
gestalten unsere Vision für die Zukunft. Beim OSZEGipfeltreffen im Dezember in Lissabon sollten wir auf&#13;
diesen Prinzipien aufbauen, um unsere Sicherheitszusammenarbeit im nächsten Jahrhundert zu definieren. In Lissabon sollten unsere Staats- und&#13;
Regierungschefs praktische Schritte unternehmen, wie&#13;
die Aufnahme von Verhandlungen zur Anpassung des&#13;
KSE-Vertrags an das neue Sicherheitsumfeld Europas.&#13;
Engere politische Zusammenarbeit in der Europäischen Union sowie ihre bevorstehende Erweiterung&#13;
werden zu Sicherheit und Wohlstand der neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft beitragen und die Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten&#13;
festigen. Präsident Clinton ist ein entschiedener&#13;
Befürworter verstärkter europäischer Integration und&#13;
hat erneut die von Präsident John F. Kennedy eingegangene Verpflichtung bekräftigt.&#13;
Ein entscheidendes Ziel der neuen atlantischen&#13;
Gemeinschaft ist die Integration der Ukraine in Europa.&#13;
Die Ukraine hat Marktwirtschaft und Demokratie&#13;
eingeführt und auf Nuklearwaffen verzichtet. Sie strebt&#13;
enge Beziehungen zu Rußland und Zentraleuropa&#13;
sowie eine enge Partnerschaft mit westlichen Nationen&#13;
und Institutionen an. Wir wollen der Ukraine bei der&#13;
Konsolidierung ihrer Unabhängigkeit durch die Überwindung ihrer ernsthaften Wirtschaftsprobleme, durch&#13;
Zugang zu wichtigen Märkten und die Entwicklung&#13;
engerer Beziehungen zur NATO helfen.&#13;
Die von mir dargelegte Vision kann nur erfolgreich&#13;
sein, wenn wir die entscheidende Rolle Rußlands in&#13;
der neuen atlantischen Gemeinschaft anerkennen.&#13;
Während eines Großteils dieses Jahrhunderts haben&#13;
Angst, Tyrannei und Selbstisolation Rußland vom&#13;
europäischen Mainstream getrennt. Jetzt fassen&#13;
jedoch die neuen Muster von Vertrauen und Zusammenarbeit Fuß. Das russische Volk baut auf der&#13;
Grundlage der Ideale von Demokratie und freier&#13;
Marktwirtschaft eine neue Gesellschaft auf. Obwohl&#13;
sein Kampf noch lange nicht beendet ist, wie die seit&#13;
20 Monaten andauernden Angriffe auf Tschetschenien&#13;
demonstrieren, hat das russische Volk eine Rückkehr&#13;
zur Vergangenheit abgelehnt und unser Vertrauen in&#13;
die Demokratie bestätigt - dieselbe Art von Vertrauen,&#13;
dem Außenminister Byrnes hier vor 50 Jahren Ausdruck verlieh. Jetzt kann sich ein integriertes, demokratisches Rußland am Aufbau eines integrierten,&#13;
demokratischen Europas beteiligen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Heute möchte ich dem russischen Volk folgendes&#13;
mitteilen: Wir begrüßen Sie als unsere vollwertigen&#13;
Partner beim Aufbau eines neuen Europas, das frei&#13;
von Tyrannei, Teilung und Krieg ist. Wir wollen&#13;
zusammen mit Ihnen daran arbeiten, Rußland in die&#13;
Familie marktwirtschaftlicher Demokratien aufzunehmen. Wir wollen, daß Sie Interesse an den Institutionen europäischer Sicherheit und wirtschaftlicher&#13;
Zusammenarbeit entwickeln und eine Rolle darin&#13;
übernehmen. Aus diesem Grund streben wir grundlegend neue Beziehungen zwischen Rußland und der&#13;
neuen NATO an. Solche Beziehungen sind möglich.&#13;
Sie sind für uns alle wichtig. Und wir sind entschlossen, sie zu knüpfen.&#13;
Die Zusammenarbeit der NATO mit Rußland sollte in&#13;
einer offiziellen Charta ihren Ausdruck finden. Diese&#13;
Charta sollte dauerhafte Vereinbarungen über Konsultationen und gemeinsame Aktionen zwischen Rußland&#13;
und dem Bündnis enthalten.&#13;
Die NATO und Rußland benötigen eine Charta, weil&#13;
wir ein gemeinsames Interesse an der Verhinderung&#13;
bewaffneter Konflikte haben. Wie werden gleichermaßen bedroht durch Proliferation, Nuklearschmuggel&#13;
und das Schreckgespenst von Katastrophen wie&#13;
Tschernobyl. Die Charta sollte uns einen dauerhaften&#13;
Mechanismus für Krisenmanagement an die Hand&#13;
geben, damit wir beim Auftreten dieser Herausforderungen umgehend zusammen darauf reagieren&#13;
können. Unsere Truppen sollten zusammen für&#13;
gemeinsame Operationen üben.&#13;
Das Potential&#13;
unserer Partnerschaft zeigt sich bereits in Bosnien, wo&#13;
unsere Truppen gemeinsame Lasten tragen und&#13;
gemeinsame Leistungen erbringen. Wir wollen den&#13;
nächsten logischen Schritt unternehmen.&#13;
Unsere Bestrebungen in Bosnien demonstrieren&#13;
sowohl die Chancen als auch die Dringlichkeit des&#13;
Aufbaus einer neuen atlantischen Gemeinschaft.&#13;
Bosnien steht heute in vieler Hinsicht dort, wo Europa&#13;
1946 stand. Die Grünflächen seiner Städte wurden zu&#13;
Friedhöfen. Seine Kinder haben Terror und Hunger&#13;
kennengelernt und die destruktive Macht des Hasses&#13;
gesehen. Das Land steht aber auch an der Schwelle&#13;
zu einer besseren Zukunft. Der Krieg ist vorüber und&#13;
der vor ihm liegende Weg klar: Er ist abhängig von&#13;
Demokratie, Gerechtigkeit und Integration. Vergangenen Monat war ich in Sarajevo und sah dort die&#13;
Fortschritte, die gemacht wurden, seit das Daytoner&#13;
Abkommen den Weg zum Frieden geebnet hat.&#13;
Deutschlands Diplomatie, seine Wirtschaftshilfe sowie&#13;
sein militärischer Beitrag sind hierbei allesamt von&#13;
entscheidender Bedeutung.&#13;
Bereits in einer Woche werden Wahlen abgehalten,&#13;
damit die Institutionen eines geeinten bosnischen&#13;
Staates gegründet werden können. Jede politische&#13;
Partei in Bosnien unterstützt diese Wahlen. Das&#13;
bosnische Volk möchte wieder seine Stimme zurück-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�erhalten, die der Krieg ihm verweigerte. Unsere&#13;
Aufgabe besteht darin, ihm bei der Wahrnehmung&#13;
dieses Rechts unter angemessenen Bedingungen zu&#13;
helfen. Durch die Verschiebung der Kommunalwahlen&#13;
hat die OSZE bereits ein deutliches Signal gesendet,&#13;
daß grundlegende Normen erfüllt werden müssen. Wir&#13;
müssen Vertrauen in die Macht der demokratischen&#13;
Entscheidung in Bosnien haben. Wir müssen uns&#13;
auch vor Augen halten, daß Wahlen nur ein erster&#13;
Schritt sind. Wir müssen langfristig zusammenarbeiten, damit die führenden Politiker Bosniens ihren&#13;
Verpflichtungen nachkommen und wir allen Nationen&#13;
des ehemaligen Jugoslawien helfen können, sich&#13;
wieder an Europa anzuschließen.&#13;
Unsere zweite Herausforderung beim Aufbau der&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft besteht in der&#13;
Förderung von Wohlstand unserer Nationen und&#13;
seiner globalen Ausweitung. Die Vereinigten Staaten&#13;
und Europa haben die umfassendsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt aufgebaut. Sie erhalten 14&#13;
Millionen Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks.&#13;
Wir müssen uns auf einen freien und offenen transatlantischen Markt zubewegen, wie ihn die Vereinigten&#13;
Staaten und die Europäische Union letzten Dezember&#13;
anvisierten. Während die Schranken fallen und sich&#13;
die Dynamik erhöht, scheint immer mehr möglich. Wir&#13;
haben bereits ein Stadium erreicht, in dem wir die&#13;
echte Integration der Volkswirtschaften Europas und&#13;
Nordamerikas realistisch erörtern können. Wir können&#13;
jetzt praktische Schritte unternehmen, beispielsweise&#13;
den Abbau von beschränkenden Vorschriften, um&#13;
visionärere Ziele zu erlangen.&#13;
Unsere Vision für offenen Handel und Investitionen in&#13;
der neuen atlantischen Gemeinschaft muß ebenso&#13;
umfassend sein wie unsere Vision dieser Gemeinschaft selbst. Mit anderen Worten: Sie muß sich auf&#13;
Zentraleuropa und die neuen unabhängigen Staaten,&#13;
einschließlich Rußlands, erstrecken. Präsident Jelzin&#13;
hat beispielsweise der Öffnung Rußlands für ausländische Investitionen Priorität eingeräumt, und Präsident Clinton engagiert sich persönlich für die Erlangung dieses Ziels. Wir unterstützen entschieden&#13;
den Eintritt Rußlands in die WTO zu angemessenen&#13;
wirtschaftlichen Bedingungen. Wir sind uns bewußt,&#13;
daß in den neuen Demokratien Europas Stabilität von&#13;
Wohlstand abhängt - und von unserer Bereitschaft zur&#13;
Öffnung westlicher Märkte.&#13;
Das ist ein Grund dafür, daß wir ein umfassendes&#13;
Programm für die Erweiterung der Europäischen Union&#13;
unterstützen. Die Aussicht auf eine Mitgliedschaft in&#13;
der EU wird zur Durchführung demokratischer und&#13;
marktwirtschaftlicher Reformen in Zentral- und Osteuropa beitragen. Sie stellt die Weichen für einen&#13;
echten europäischen Binnenmarkt. Dabei sollten&#13;
rasche Fortschritte gemacht werden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Gemeinsam tragen wir auch die Verantwortung&#13;
sicherzustellen, daß das internationale Wirtschaftssystem und seine Institutionen für das 21. Jahrhundert&#13;
gerüstet sind. Wir haben bereits gemeinsam an der&#13;
Reform des IWF und der Weltbank gearbeitet. Wir&#13;
schlössen die Uruguay-Runde ab und gründeten die&#13;
Welthandelsorganisation. Beim ersten Ministertreffen&#13;
der WTO kommenden Dezember in Singapur sollten&#13;
wir auf den Abschluß der unerledigten Themen der&#13;
Uruguay-Runde drängen, insbesondere bei den&#13;
Dienstleistungen, und damit beginnen, die Prioritäten&#13;
für das nächste Jahrhundert zu setzen. Ferner&#13;
müssen wir das unsrige tun um zu gewährleisten, daß&#13;
die ärmsten Nationen der Welt von offenen Märkten&#13;
profitieren.&#13;
Unsere neue atlantische Gemeinschaft wir nur sicher&#13;
sein, wenn wir gemeinsam am Umgang mit grenzüberschreitenden Bedrohungen arbeiten - Bedrohungen&#13;
wie Terrorismus, Weiterverbreitung von Nuklearwaffen, Verbrechen, Drogen, Krankheiten und Umweltzerstörung. Die Gefahren, die diese Bedrohungen für&#13;
unsere Sicherheit und unser Wohlergehen darstellen,&#13;
sind ebenso groß wie alle, mit denen wir während des&#13;
Kalten Krieges konfrontiert waren. Ihre Bewältigung&#13;
stellt unsere dritte Herausforderung dar, von der ich&#13;
heute zwei Elemente erörtern möchte: Terrorismus&#13;
und Umwelt.&#13;
Wir müssen gemeinsam dem Terrorismus die Stirn&#13;
bieten, wo immer er auftritt. Von den Nachtlokalen in&#13;
Berlin zu den Metrostationen in Paris, von den Bürgersteigen Londons zu den Bürotürmen in New York&#13;
haben gesetzlose Verbrecher unsere Bürger zu&#13;
Zielscheiben und unsere öffentlichen Plätze zu&#13;
Jagdgründen gemacht.&#13;
Präsident Clinton hat versprochen, internationale&#13;
Bestrebungen zur Bekämpfung dieses gemeinsamen&#13;
Feindes anzuführen. Die vom Präsidenten bei der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr vorgestellte Strategie zur Terrorismusbekämpfung war ein&#13;
deutliches Zeichen unserer Entschlossenheit. Die vor&#13;
zwei Monaten von den G-7-Staaten und Rußland in&#13;
Paris angenommenen 25 spezifischen Maßnahmen&#13;
sind ein Entwurf dafür, wie man Terroristen das&#13;
Handwerk legen und sie hinter Gitter bringen kann.&#13;
Ich fordere alle Nationen dazu auf, sie so schnell wie&#13;
möglich umzusetzen.&#13;
Die Zusammenarbeit gegen dem Terrorismus Vorschub leistende Staaten ist ein Gebot, keine Option.&#13;
Sie ist ein Anliegen, für das sich alle Nationen einsetzen sollten. Unser auf Prinzipien gegründetes&#13;
Engagement für freien Handel verpflichtet uns nicht,&#13;
Geschäfte mit aggressiven Tyranneien wir Iran und&#13;
Libyen abzuschließen. Wir müssen unsere Kräfte&#13;
bündeln, um durch wirksame multilaterale Maßnahmen&#13;
diesen verbrecherischen Regimen die Mittel zu&#13;
verweigern, nach denen sie streben.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Auch der Irak unterstützt den Terrorismus, und wie wir&#13;
gesehen haben, stellt er eine dauerhafte Bedrohung&#13;
des Friedens im Nahen Osten dar. Ich möchte&#13;
Bundeskanzler Kohl, Außenminister Kinkel und&#13;
Deutschland meinen aufrichtigen Dank aussprechen,&#13;
daß sie Präsident Clintons entschlossene Reaktion auf&#13;
Saddam Husseins erneute Aggression unterstützt&#13;
haben.&#13;
Bedrohungen der Umwelt respektieren ebenfalls keine&#13;
Grenzen. Sie schaden unseren Volkswirtschaften und&#13;
der Gesundheit unserer Bürger. Aus diesem Grund&#13;
haben Präsident Clinton und ich Umweltfragen zu&#13;
einem wesentlichen Bestandteil der amerikanischen&#13;
Außenpolitik gemacht.&#13;
Hier in Europa besteht unsere dringlichste umweltpolitische Herausforderung darin, die verheerenden&#13;
Auswirkungen jahrzehntelanger kommunistischer&#13;
Mißwirtschaft zu beseitigen. Von den verlassenen&#13;
Dörfern im Umkreis von Tschernobyl über die abgeholzten Wälder Sibiriens bis zu den riesigen verrosteten Fabriken in Zentraleuropa gehört Umweltzerstörung zu den verheerendsten Altlasten, mit denen&#13;
Europas neue Demokratien konfrontiert werden.&#13;
Weltweit können wir durch Zusammenarbeit 1997 zum&#13;
wichtigsten Jahr für die globale Umwelt seit dem Gipfel&#13;
von Rio machen. Wir können die Führung bei der&#13;
Erlangung realistischer, rechtlich bindender Verpflichtungen zur Verringerung der Emission von&#13;
Treibhausgasen übernehmen. Wir können uns auf&#13;
eine verantwortliche Verwaltung der Wälder der Erde&#13;
einigen - einer Ressource, der das deutsche und das&#13;
amerikanische Volk immer hohen Wert beigemessen&#13;
haben.&#13;
Alle heute von mir vorgeschlagenen Schritte erfordern&#13;
eine engere Zusammenarbeit unserer Regierungen.&#13;
Aber die Stärke unserer Beziehungen hängt letztlich&#13;
von den Banden zwischen unseren Menschen ab.&#13;
Das ist die vierte Herausforderung, die ich erörtern&#13;
möchte.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten Deutschland&#13;
und die Vereinigten Staaten Pionierarbeit bei kulturellen und akademischen Austauschprogrammen, die für&#13;
Amerikaner und Europäer heute so wichtig sind.&#13;
Aufgrund unserer Partnerschaft im Kalten Krieg haben&#13;
Millionen Amerikaner in Deutschland und Europa&#13;
gelebt und gearbeitet, und wir können praktisch davon&#13;
ausgehen, daß die Menschen sich gut kennenlernten.&#13;
Aber jetzt nach dem Ende des Kalten Krieges müssen&#13;
wir neue Bande knüpfen. Wir müssen auf den Banden&#13;
aufbauen, die täglich von unseren Unternehmen,&#13;
Universitäten, Parlamentariern und nichtstaatlichen&#13;
Organisationen geschmiedet werden.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Im November werden die Vereinigten Staaten und die&#13;
Europäische Union in Washington eine Konferenz zur&#13;
Stärkung transatlantischer&#13;
Austauschprogramme&#13;
veranstalten. Ich möchte einen besonderen Vorschlag&#13;
unterbreiten. Wir wollen eine Hoffnungsgemeinschaft&#13;
-eine Fellowship of Hope - gründen: Einen Austausch&#13;
zwischen den für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Behörden der Vereinigten Staaten, der EU und&#13;
ihrer Mitgliedstaaten, damit unsere jungen Führungspersönlichkeiten zusammen arbeiten und voneinander&#13;
lernen können. Auch der Privatsektor kann mehr tun.&#13;
Derzeit sind 500.000 Amerikaner bei deutschen&#13;
Unternehmen beschäftigt, und 600.000 Deutsche&#13;
arbeiten für amerikanische Firmen. Wir wollen alle&#13;
unsere Unternehmen dazu ermutigen, dem Beispiel zu&#13;
folgen, das einige Unternehmen bereits durch die&#13;
Ausweitung von Austauschprogrammen für ihre&#13;
Beschäftigten gesetzt haben.&#13;
Ich bin zuversichtlich, daß unsere Völker und unsere&#13;
Regierungen gleichermaßen die Partnerschaft vertiefen können, deren wir uns schon lange erfreuen.&#13;
Schließlich sind die dieser Partnerschaft zugrundeliegenden Prinzipien, denen Außenminister Byrnes&#13;
Ausdruck verlieh, dauerhaft. Im Westen hielten sie&#13;
dem Trauma des Zweiten Weltkriegs stand. Im Osten&#13;
überdauerten sie die Säuberungsaktionen und Propaganda der kommunistischen Herrschaft. Im letzten&#13;
Jahrzehnt ermutigten sie uns zur Zusammenarbeit bei&#13;
der Vereinigung Deutschlands, der Beendigung des&#13;
Krieges in Bosnien, der Unterstützung von Reformen&#13;
in Rußland sowie der Errichtung des offensten Welthandelssystems der Geschichte.&#13;
All dies begann hier, inmitten der Trümmer und&#13;
Verzweiflung des Jahres 1946. Und wenn wir heute&#13;
von großer Hoffnung beflügelt sind, liegt das an dem,&#13;
was Deutschland mit seinen Partnern seit damals&#13;
erreicht hat. Aufgrund des von uns gemeinsam&#13;
Geleisteten kann mein Land einer zukünftigen Partnerschaft mit einen neuen Deutschland und einen neuen&#13;
Europa erwartungsvoll entgegensehen - einem&#13;
Europa, in dem Grenzen einen statt zu trennen; einem&#13;
Europa, dessen Horizonte weiter als seine Grenzen&#13;
sind.&#13;
Wir haben mit Ihnen für den Aufbau dieses neuen&#13;
Europas gekämpft. Und jetzt möchte ich ebenso wie&#13;
mein Vorgänger es vor 50 Jahren tat im Namen&#13;
Amerikas sagen: Wir bleiben hier. Wir können die von&#13;
mir umrissenen Herausforderungen bewältigen. Wir&#13;
können eine freie, geeinte und wohlhabende atlantische Gemeinschaft gründen. Und wenn wir das tun,&#13;
werden Menschen auf der ganzen Welt von dem von&#13;
Europa und Amerika gegebenen Beispiel inspiriert,&#13;
ebenso wie wir von dem Beispiel Deutschlands&#13;
inspiriert wurden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-KUBA&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
USA streben multilaterale Zusammenarbeit&#13;
zur Förderung von Demokratie in Kuba an&#13;
Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Stuart E. Eizenstat, dem Sondergesandten von Präsident&#13;
Clinton und Außenminister Christopher für die Förderung von Demokratie in Kuba, im Rahmen seiner&#13;
Europareise am 11. September 1996 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Ich freue mich sehr, wieder in Deutschland zu sein, um&#13;
mit hochrangigen Vertretern der Bundesregierung, der&#13;
Wirtschaft sowie von nichtstaatlichen Organisationen&#13;
zusammenzutreffen. Ich wollte Deutschland zu einem&#13;
frühen Zeitpunkt in diesem Prozeß besuchen, um die&#13;
Ansichten unserer engsten Verbündeten darüber zu&#13;
hören, wie wir zur Erlangung unseres obersten Ziels der Förderung von Demokratie in Kuba - am besten&#13;
vorgehen.&#13;
Der Schlüssel zur Erreichung dieses Ziels besteht in&#13;
der Ausarbeitung eines effektiven multilateralen&#13;
Ansatzes auf der Grundlage gemeinsamer Interessen&#13;
und gemeinsamer Anliegen. Präsident Clinton ist&#13;
diesen Bestrebungen entschlossen verpflichtet, und&#13;
meine Ernennung zum Sondergesandten reflektiert&#13;
und unterstreicht dieses Engagement. Die heutigen&#13;
Treffen in Deutschland lassen mich hoffen, daß eine&#13;
gemeinsame Basis gefunden werden kann und wir&#13;
trotz unserer Differenzen parallel und unabhängig an&#13;
der Beschleunigung eines friedlichen Übergangs zur&#13;
Demokratie in Kuba arbeiten können.&#13;
Die Zusammenarbeit zur Förderung der Demokratie in&#13;
Kuba würde doppelten Nutzen bringen. Sie würde&#13;
dem seit langer Zeit unterdrückten kubanischen Volk&#13;
Hoffnung geben und den Anbruch des Tages beschleunigen, an dem Freiheit zur Realität geworden ist.&#13;
Und gleichzeitig würde sie zum Abbau von durch das&#13;
LIBERTAD-Gesetz hervorgerufenen Spannungen mit&#13;
unseren Verbündeten beitragen.&#13;
Wir sind uns bewußt, daß unsere Freunde und Verbündeten, einschließlich Deutschlands, wegen be-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
stimmter Aspekte des Helms-Burton-Gesetzes äußerst&#13;
besorgt sind. Wir haben über diese Differenzen&#13;
gesprochen. Wir waren uns jedoch auch darüber&#13;
einig, daß wir Wege zur Förderung der Demokratie in&#13;
Kuba erörtern sollten - eine vom LIBERTAD-Gesetz&#13;
unabhängige Tagesordnung - denn das kubanische&#13;
Volk verdient unsere Hilfe.&#13;
Die Nationen der westlichen Hemisphäre, wie&#13;
Deutschland und seine Partner in Europa, haben sich&#13;
gemeinsam der Demokratie verpflichtet, denn sie ist&#13;
das einzige Regierungssystem, das einen angemessenen Schutz von Menschenrechten und Menschenwürde bieten kann. Kuba ist die einzige nichtdemokratische Nation auf dem amerikanischen Kontinent. Das&#13;
kubanische System stellt keine Alternative dar - es ist&#13;
ein unterdrückerischer Anachronismus. Ebenso wie&#13;
die Vereinigten Staaten, Deutschland und Europa zur&#13;
Förderung von Freiheit und Demokratie in der Sowjetunion und dem ehemaligen Ostblock, in Südafrika,&#13;
Mittelamerika und auf der ganzen Welt zusammengearbeitet haben, können und müssen wir das jetzt in&#13;
Kuba tun.&#13;
Heute habe ich freundschaftliche, konstruktive und&#13;
offene Gespräche mit Wirtschaftsminister Günter&#13;
Rexrodt sowie weiteren Regierungsmitgliedern,&#13;
Wirtschaftsvertretern und Angehörigen nichtstaatlicher&#13;
Organisationen geführt. Wir haben einen wichtigen&#13;
Dialog über diese Angelegenheit eingeleitet, der in den&#13;
kommenden Monaten fortgeführt wird. Die Bundesregierung wird einige unserer Ideen überprüfen, und&#13;
wir hoffen, daß sie auch ihren eigenen Input und Ideen&#13;
dazu unterbreiten wird, wie wir unsere gemeinsamen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Ziele erreichen können.&#13;
Die Vereinigten Staaten streben multilaterale Zusammenarbeit an, die zu konkreten und spezifischen&#13;
Maßnahmen zur Förderung von Demokratie in Kuba&#13;
führt. Diese Bestrebungen sollten Regierungen, NGOs&#13;
und den Privatsektor einschließen. Wir wollen Fortschritte auf den folgenden Gebieten, jedoch nicht&#13;
darauf beschränkt, erzielen:&#13;
1.&#13;
&#13;
Förderung staatlicher Unterstützung für die&#13;
Demokratisierung in Kuba.&#13;
&#13;
2.&#13;
&#13;
Hilfe für unabhängige NGOs und verstärkte&#13;
Unterstützung für den unabhängigen Sektor.&#13;
&#13;
3.&#13;
&#13;
Ermutigung von Zusammenarbeit zwischen&#13;
nichtstaatlichen Organisationen zur Stärkung&#13;
des unabhängigen Sektors.&#13;
&#13;
4.&#13;
&#13;
Ich reise heute abend nach London ab, nachdem ich&#13;
gestern in Madrid war. Ich werde in nächster Zeit wohl&#13;
noch öfter nach Europa reisen. Ich sehe weiteren&#13;
Gesprächen mit der Europäischen Union, ihren&#13;
Mitgliedstaaten sowie anderen Partnern der Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten erwartungsvoll entgegen.&#13;
Ich verlasse Deutschland voller Hoffnung und Optimismus, daß unsere gemeinsamen Ziele und gemeinsamen Werte einen Geist der Zusammenarbeit&#13;
schaffen werden, während wir uns gemeinsam für die&#13;
Förderung von Demokratie in Kuba einsetzen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Entwicklung einer Reihe wirtschaftlicher&#13;
Prinzipien, damit Auslandsinvestitionen in&#13;
Kuba den Wohlstand und die Freiheiten der&#13;
Arbeitnehmer in Kuba erhöhen und nicht&#13;
einfach nur die kubanische Regierung stärken.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Wahlen sind erster Schritt beim Wiederaufbau&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die für den 14. September 1996 anberaumten Wahlen in Bosnien werden ein&#13;
wesentlicher erster Schritt für den Wiederaufbau des Landes sein, teilte der Abteilungsleiter für europäische und&#13;
kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, dem Unterausschuß für europäische&#13;
Angelegenheiten des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten am 10. September mit. Nachfolgend&#13;
veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von John Kornblum.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für die Gelegenheit, zu diesem Ausschuß zu sprechen und die&#13;
derzeitige Situation in Bosnien sowie unsere Arbeit auf&#13;
dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens zu erörtern.&#13;
Wie Sie wissen, waren die Vereinigten Staaten führend&#13;
bei den Bestrebungen, dem jahrelangen blutigen&#13;
Konflikt in Bosnien ein Ende zu setzen. Die zum&#13;
Daytoner Abkommen führenden Friedensgespräche&#13;
waren nur das sichtbarste Beispiel für diese Führungsrolle. Sowohl vor als auch nach Dayton waren wir fest&#13;
entschlossen, bei der Schaffung eines gerechten und&#13;
dauerhaften Friedens in Bosnien und im gesamten&#13;
ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten.&#13;
Aus diesem Grund sind 16.000 amerikanische Männer&#13;
und Frauen als Teil der NATO-Friedenstruppe in&#13;
Bosnien. Aus diesem Grund sind Tausende amerikanischer Zivilisten führend bei den Bestrebungen zur&#13;
Veranstaltung demokratischer Wahlen, Mitwirkung bei&#13;
der Rückkehr der Flüchtlinge, Gründung offener&#13;
Medien, Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit&#13;
und Untersuchung von Kriegsverbrechen. Und aus&#13;
diesem Grund haben wir einen so großzügigen Beitrag&#13;
zu den internationalen Bestrebungen zum Wiederaufbau der zerstörten bosnischen Infrastruktur geleistet.&#13;
Obwohl wir zu Recht stolz auf die von den Vereinigten&#13;
Staaten übernommene Schlüsselrolle bei der Schaffung des Friedens in Bosnien sind, haben wir nicht nur&#13;
aus altruistischen Motiven so viel investiert. Unser&#13;
Engagement auf dem Balkan ist das Ergebnis einer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
nüchternen Analyse unserer nationalen Interessen und&#13;
Prioritäten.&#13;
Der Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens,&#13;
der zum Konflikt auf dem Balkan führte, stellte eine&#13;
beträchtliche Bedrohung der europäischen Stabilität&#13;
und somit unserer eigenen Sicherheit dar. Wären die&#13;
Kämpfe über die Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens hinausgegangen, hätten leicht unsere NATOVerbündeten sowie andere Länder in der Region&#13;
einbezogen werden können. Hätten wir auf dem&#13;
Balkan nicht entschlossen gehandelt, hätte das der&#13;
Glaubwürdigkeit des Bündnisses - dem Grundstein&#13;
unserer nationalen Sicherheit - großen Schaden&#13;
zufügen können.&#13;
Zusätzlich hätte das Virus von Intoleranz und ethnischem Haß, von dem das ehemalige Jugoslawien&#13;
befallen ist, leicht auf die noch auf tönernen Füßen&#13;
stehenden Demokratien Zentral- und Osteuropas&#13;
übergreifen können.&#13;
Schließlich ist das unerschütterliche Engagement für&#13;
Menschenrechte seit langem die wichtigste Säule der&#13;
amerikanischen Außenpolitik.&#13;
Tatsächlich unterscheidet uns dieses Engagement von anderen und&#13;
erhöht unsere Glaubwürdigkeit auf der ganzen Welt,&#13;
insbesondere in Zentral- und Osteuropa. Die ungeheuerlichen Verletzungen von Menschenrechten&#13;
und die verzweifelte humanitäre Situation in Bosnien&#13;
während des Krieges waren unerträglich und erforderten zum Erhalt dieser Glaubwürdigkeit, daß wir&#13;
handelten.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Ich freue mich, berichten zu können, daß heute die&#13;
Vereinigten Staaten unvergleichliches Ansehen und&#13;
Einfluß in ganz Europa und der übrigen Welt genießen&#13;
- großenteils aufgrund der von uns übernommenen&#13;
Führungsrolle bei der Befriedung des Balkans. Die&#13;
durch unsere führende Rolle im Dayton-Prozeß&#13;
gewonnene Erfahrung zeigt eindeutig, daß nur Amerika über die militärische, diplomatische und wirtschaftliche Macht verfügt, die zur Bildung eines&#13;
Konsenses über scheinbar unlösbare Probleme wie&#13;
Bosnien erforderlich ist.&#13;
Europa und damit die Vereinigten Staaten sind aufgrund unserer Bestrebungen in Dayton zweifelsohne&#13;
sicherer geworden. Obwohl einige unser Engagement&#13;
für und in Europa in Frage stellten, besteht heute kein&#13;
Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten die herausragende europäische Macht sind und die Saat dieser&#13;
Position ernten.&#13;
Als ich Außenminister Christopher letzte Woche auf&#13;
seiner Europareise begleitete, sah ich aus erster Hand,&#13;
welch starke Position die Vereinigten Staaten auf dem&#13;
gesamten Kontinent einnehmen. Unsere langjährigen&#13;
Verbündeten wollen mit uns bei einer Vielzahl von&#13;
Fragen zur Erneuerung und Stärkung der transatlantischen Partnerschaft zusammenarbeiten. Die&#13;
neuentstehenden Demokratien Zentraleuropas, die ein&#13;
halbes Jahrhundert kommunistischer Herrschaft hinter&#13;
sich gelassen haben, erkennen die Vorteile der&#13;
Partnerschaft mit Amerika und sind jetzt weniger&#13;
versucht, für die sie konfrontierenden Probleme&#13;
extreme Lösungen zu suchen.&#13;
In ähnlicher Weise ist die NATO, deren Zukunft von&#13;
einigen vor nur einem Jahr noch in Frage gestellt&#13;
wurde, heute zweifelsohne die mächtigste und wirkungsvollste Militärorganisation der Welt.&#13;
Das heißt nicht, daß es keine Probleme gegeben hätte.&#13;
Angesichts der in vier Tagen stattfindenden Wahlen in&#13;
Bosnien kämpfen wir weiterhin mit den Dämonen, die&#13;
Bosnien in den letzten Jahren quälten. Mißtrauen,&#13;
Intoleranz und Gewalt, die wuchsen, während eine&#13;
Generation Bosnier zugrunde ging, werden nicht mit&#13;
der Unterzeichnung eines Dokuments oder der&#13;
Abgabe einer Erklärung verschwinden. Die Auswirkungen dieser Dämonen werden jedesmal deutlich,&#13;
wenn wir eine Zeitung in die Hand nehmen. Sie&#13;
werden nicht über Nacht verschwinden, aber das&#13;
bosnische Volk muß mit unserer Hilfe die Arbeit des&#13;
Wiederaufbaus seiner einst lebensprühenden Gesellschaft fortsetzen. Wahlen sind der erste Schritt in&#13;
diesem Wiederaufbauprozeß.&#13;
Diese Wahlen werden nicht perfekt sein. Es wird&#13;
Probleme geben, darunter auch gravierende. Es&#13;
könnten Menschen gewählt werden, die unsere&#13;
Verpflichtung zu den Idealen von Dayton nicht vollkommen teilen. Einige Wähler werden vielleicht&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
eingeschüchtert, es könnte Betrügereien sowie&#13;
organisatorische oder logistische Schwierigkeiten&#13;
geben.&#13;
Das sollte niemanden überraschen.&#13;
Schließlich&#13;
organisieren Bob Frowick und sein herausragendes&#13;
OSZE-Team die komplexesten Wahlen der Geschichte. Nationale, Kreis- und Kantonalwahlen werden in&#13;
einem Land abgehalten, das vom erbittertsten europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg zerrüttet&#13;
wurde.&#13;
Manche erklärten, diese Probleme seien so groß, daß&#13;
wir gar keine Wahlen abhalten sollten. Bosnien sei&#13;
noch nicht bereit für die Demokratie. Diese Menschen&#13;
haben nicht die Stimme des bosnischen Volkes gehört.&#13;
Bei einer jüngsten Umfrage des US-Informationsamts&#13;
(USIA) erklärten 90 Prozent der Bosnier aller ethnischen Gruppen, sie wollten Wahlen, da diese ein&#13;
wesentlicher Bestandteil des Wiederaufbauprozesses&#13;
und eine notwendige Vorbedingung für demokratisches Leben seien.&#13;
Es wird also Probleme geben. Aber nachdem ich mit&#13;
Vertretern des bosnischen Volkes zu Gesprächen&#13;
zusammengetroffen und im letzten halben Jahr 14 Mal&#13;
in die Region gereist bin, die Unterzeichner des&#13;
Daytoner Abkommens während desselben Zeitraums&#13;
mehr als 20 Mal getroffen und mit eigenen Augen die&#13;
laufenden Vorbereitungen gesehen habe, bin ich&#13;
zuversichtlich, daß diese Wahlen - so unvollkommen&#13;
sie auch sein mögen - den Willen des bosnischen&#13;
Volkes widerspiegeln werden.&#13;
Man muß auch daran denken, daß der 14. September&#13;
den ersten vorsichtigen Schritt Bosniens zu einer&#13;
demokratischen Gesellschaft nach jahrzehntelanger&#13;
kommunistischer Herrschaft und jahrelangem Krieg&#13;
darstellen wird. Dieser Prozeß wird sich fortsetzen&#13;
und weiterentwickeln, während gewählte Vertreter&#13;
zusammen mit der Bildung und Führung einer gemeinsamen Regierung beginnen. Das war der Kern ihrer in&#13;
Dayton eingegangenen Verpflichtung - ein einheitlicher&#13;
Staat mit einer einheitlichen Regierung. Danach&#13;
müssen sich diese Vertreter in zwei Jahren zur&#13;
Wiederwahl stellen.&#13;
Der amerikanische Beitrag zu den Wahlen ist beeindruckend. Mehr als 175 Amerikaner sind derzeit in&#13;
Bosnien, wo sie als Wahlbeobachter und Inspektoren&#13;
eingesetzt werden. 66 Amerikaner nehmen an der&#13;
OSZE-Mission in Bosnien teil. Die NATO-Friedenstruppe unter ihrem amerikanischen Befehlshaber hat&#13;
außerordentliche Arbeit geleistet, um ein sicheres&#13;
Umfeld für Wahlen zu schaffen. Die Mitarbeiter der&#13;
US-Botschaft, die in den schlimmsten Zeiten des&#13;
Konflikts buchstäblich im Büro übernachteten, setzen&#13;
ihre unermüdliche Arbeit fort, um die für die Veranstaltung dieser Wahlen notwendige diplomatische&#13;
Arbeit zu erledigen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Ich habe eine Reihe potentieller Herausforderungen für&#13;
den Wahlprozeß aufgeführt. Eine nicht von mir&#13;
erwähnte betrifft die Beteiligung von angeklagten&#13;
Kriegsverbrechern. Ich habe sie nicht erwähnt, weil&#13;
sie eine Möglichkeit darstellt, die wir keinesfalls&#13;
akzeptieren. Solche Individuen dürfen im Wahlprozeß&#13;
keine Rolle spielen. Zu diesem Zweck forderten und&#13;
erhielten wir die Zustimmung von Radovan Karadzic,&#13;
sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Er&#13;
hat sich großenteils an dieses Abkommen gehalten,&#13;
und wir erwarten nicht, daß er eine Bedrohung des&#13;
Wahlprozesses darstellen wird.&#13;
Vor diesem Hintergrund versichere ich Ihnen jedoch,&#13;
daß wir uns damit nicht zufrieden geben. Das Friedensabkommen ist klar - Angeklagte dürfen keine&#13;
Minute Ruhe haben, bis sie auf die vom Kriegsverbrechertribunal gegen sie erhobenen Vorwürfe reagiert&#13;
haben. Die Vereinigten Staaten haben für die Errichtung des Tribunals gekämpft, wir waren sein&#13;
stärkster Befürworter, und wir werden bei dieser Frage&#13;
keine Nichtbefolgung tolerieren. Karadzic und Mladic&#13;
müssen gehen.&#13;
In unserem Eifer zur Bewältigung der wichtigen&#13;
Probleme, mit denen wir täglich in Bosnien konfrontiert&#13;
werden, lassen wir allzu oft das Gesamtbild außer Acht&#13;
und übersehen die erzielten wirklichen Erfolge.&#13;
Bosnien ist heute ein ganz anderer und viel hoffnungsvollerer Ort als noch vor einem Jahr.&#13;
Vor einem Jahr hatte die amerikanische Friedensinitiative, die in Dayton gipfelte, gerade erst begonnen.&#13;
Die internationale Gemeinschaft stand noch unter dem&#13;
Eindruck der Plünderung Srebrenicas und der mörderischen Bombenanschläge auf unschuldige Zivilisten auf&#13;
dem Zentralmarkt von Sarajevo. Kriegsflugzeuge der&#13;
NATO beteiligten sich an der komplexesten Kampfoperation des Bündnisses in dem Bestreben, die&#13;
Beseitigung schwerer Waffen aus Sarajevo sicherzustellen.&#13;
Und wir mußten noch den Verlust unserer lieben&#13;
Freunde und Kollegen Bob Frasure, Joe Kruzel und&#13;
Nelson Drew bewältigen, die bei ihrer Suche nach dem&#13;
Frieden in Bosnien ums Leben kamen.&#13;
Heute herrscht in Bosnien jedoch Frieden. Ungeachtet&#13;
der anderen Implementierungsprobleme, ungeachtet&#13;
der Herausforderungen, die bisweilen auftauchen,&#13;
dürfen wir eine entscheidende Tatsache nie vergessen: In Bosnien herrscht Frieden.&#13;
Die Kinder Sarajevos können in den Stadtparks&#13;
spielen, ohne auf das Pfeifen der Kugeln eines Scharfschützen horchen zu müssen. Paare können die&#13;
Straßen der Altstadt ohne Angst vor Mörsergranaten&#13;
entlangschlendern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Geschäfte wurden eröffnet, im Exil Lebende kehren&#13;
zurück, Sarajevo ist wieder zum Leben erwacht. Erst&#13;
letzten Monat konnte Außenminister Christopher sich&#13;
selbst ein Bild von den erzielten Fortschritten machen,&#13;
als ihm auf den Straßen der Stadt ein begeisterter&#13;
Empfang bereitet wurde. Die brutale Belagerung&#13;
Sarajevos wird bereits Geschichte.&#13;
Im ganzen Land wurden Soldaten demobilisiert und&#13;
arbeiten am Wiederaufbau ihrer zerrütteten Gemeinden. Die internationale Staatengemeinschaft hat&#13;
den mühsamen Prozeß des Wiederaufbaus der&#13;
zerstörten bosnischen Infrastruktur begonnen. Diese&#13;
Bestrebungen werden dem ganzen bosnischen Volk&#13;
die Vorteile des Friedens zeigen und eine Rückkehr&#13;
zum Blutvergießen unmöglich machen. Die Vereinigten Staaten werden hierzu einen Beitrag von fast&#13;
600 Millionen Dollar leisten, und der Präsident hat&#13;
seinen Sondergesandten, Richard Sklar, nach Sarajevo gesandt, um unsere Arbeit zu koordinieren.&#13;
Im militärischen Bereich wurden die schweren Waffen,&#13;
die während des Konflikts mit solch tödlicher Kraft&#13;
eingesetzt wurden, unter strenger Überwachung der&#13;
NATO eingelagert. Munitionslager, die das Friedensabkommen verletzen, wurden zerstört oder beschlagnahmt. Der Prozeß der Räumung Tausender von über&#13;
das ganze Land verteilten Minen hat begonnen.&#13;
Ferner gelang uns der Abschluß der komplexen und&#13;
umstrittenen Verhandlungen über ein Rüstungskontrollabkommen zwischen Bosnien, Kroatien, Serbien&#13;
und Montenegro sowie den bosnischen Serben.&#13;
Dieses bedeutende Abkommen, dessen Abschluß&#13;
viele für unmöglich gehalten hatten, wird nicht nur&#13;
Waffen, sondern auch Spannungen abbauen. Vor nur&#13;
zwei Wochen inspizierten Vertreter der bosnischen&#13;
Serben Militärgelände in der Föderation, was noch vor&#13;
kurzer Zeit undenkbar gewesen wäre.&#13;
Obwohl&#13;
beträchtliche Probleme bei der Einhaltung des Abkommens bestehen bleiben, haben wir bereits die&#13;
Fähigkeit der Parteien zur Kriegführung verringert und&#13;
eine Rückkehr zum Blutvergießen weitaus schwieriger&#13;
gemacht.&#13;
Die internationale Einsatztruppe der Polizei ist an Ort&#13;
und Stelle und hilft mit ihren Ausbildungs- und Überwachungsprogrammen bei der Wiedereinführung von&#13;
Rechtsstaatlichkeit im gesamten Land. Die Rückkehr&#13;
der Flüchtlinge, eine emotionsgeladene und schwierige&#13;
Frage, ist langsam in Gang gekommen, und es gibt&#13;
einen regelmäßigen Transitverkehr zwischen der&#13;
Föderation und der Republika Srpska.&#13;
Die bosnische Föderation hat große Fortschritte&#13;
gemacht. Die Föderation wurde hier in Washington ins&#13;
Leben gerufen, und ich habe ihrem Erfolg oberste&#13;
Priorität eingeräumt. Durch das Föderationsforum&#13;
haben wir monatliche, hochrangige Konsultationen ins&#13;
Leben gerufen. Das Forum hat eine Reihe bemer-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�kenswerter Abkommen hervorgebracht, die die&#13;
Föderation gestärkt und zu einer lebensfähigen Säule&#13;
des Daytoner Prozesses gemacht haben.&#13;
Der&#13;
bosnisch-kroatische Ministaat Herceg-Bosna wurde&#13;
per Gesetz aufgelöst. Muslimische und kroatische&#13;
Militärs werden zusammengelegt. Die muslimische&#13;
und die kroatische Polizei werden in eine einzige&#13;
Einsatztruppe integriert. Die Zollsysteme werden&#13;
vereinheitlicht.&#13;
Die Annahme des Förderationsverteidigungsgesetzes,&#13;
das ein einheitliches Militär der Föderation vorsieht,&#13;
half den Weg für die Einleitung unseres Ausbildungsund Ausrüstungsprogramms zu ebnen. Jim Pardew&#13;
wird mit ihnen erörtern, daß dieses Programm, das die&#13;
Vereinigten Staaten koordinieren, gewährleistet, daß&#13;
beim Abzug der IFOR in Bosnien ein militärisches&#13;
Gleichgewicht herrscht. Dies ist ein weiterer Schritt,&#13;
den wir unternehmen um sicherzustellen, daß ein&#13;
erneuter Konflikt beider Seiten undenkbar erscheint.&#13;
Ich möchte noch etwas zur IFOR-Friedenstruppe und&#13;
unseren in Bosnien stationierten Truppen sagen.&#13;
Meine Kollegen vom Verteidigungsministerium werden&#13;
ausführlicher über die IFOR-Mission sprechen. Ich&#13;
möchte nur meinem Stolz auf die von unseren jungen&#13;
Männern und Frauen in Bosnien geleistete Arbeit&#13;
Ausdruck verleihen. Die IFOR spielt eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung der Einhaltung des&#13;
Daytoner Abkommens. Es ist nicht übertrieben zu&#13;
sagen, daß der Frieden ohne sie unmöglich wäre.&#13;
Abschließend kann gesagt werden, daß der lange,&#13;
schwierige Prozeß, Bosnien wieder zusammenzufügen, begonnen hat. Die für dieses Wochenende&#13;
anberaumten Wahlen werden ein Meilenstein in&#13;
diesem Prozeß sein. In vier Tagen werden - hauptsächlich als Ergebnis amerikanischer Bestrebungen Bosnier aller ethnischen Gruppen das grundlegendste&#13;
Recht eines freien Volkes ausüben - den Urnengang.&#13;
Und wenn auch die einzelnen, täglichen Entwicklungen&#13;
nicht immer so sein mögen, wie wir es erhofft haben,&#13;
bin ich doch zuversichtlich, daß wir die Grundlage für&#13;
einen dauerhaften Frieden in Bosnien schaffen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Natürlich werden Erfolg oder Scheitern des Daytoner&#13;
Prozesses letztlich von den Parteien selbst abhängen.&#13;
Wenn sie den Frieden wollen und das Daytoner&#13;
Abkommen vollständig umsetzen, wird es Frieden&#13;
geben. Aufgrund meiner umfassenden und ständigen&#13;
Kontakte zu den Parteien setze ich Vertrauen in ihre&#13;
Entschlossenheit, das Daytoner Abkommen funktionieren zu lassen.&#13;
Ich bin aus mehreren Gründen davon überzeugt, daß&#13;
wir in Bosnien Erfolg haben werden. Der erste und&#13;
wichtigste ist die Tatsache, daß die Menschen in&#13;
Bosnien wirklich kriegsmüde sind. Sie haben die&#13;
Zerstörung ihres Landes, den Tod geliebter Menschen,&#13;
das Absinken ihres Lebensstandards miterlebt.&#13;
Während die Vorteile des Friedens immer offensichtlicher werden, erscheint eine Rückkehr zum Krieg&#13;
immer undenkbarer.&#13;
Der Frieden wird in Bosnien die Oberhand gewinnen,&#13;
weil er sinnvoll ist. Der Daytoner Prozeß stellt den&#13;
einzigen Weg dar, auf dem diese geschlagenen und&#13;
gebrochenen Menschen ihre Gemeinden wiederaufbauen, ihre Kinder versorgen und ein normales Leben&#13;
führen können. In wirtschaftlicher Hinsicht können die&#13;
einzelnen Gebietskörperschaften Bosniens nicht ohneeinander überleben. Ungeachtet der derzeitigen&#13;
Rhetorik bin ich davon überzeugt, daß die Führer der&#13;
ethnischen Volksgruppen in Bosnien das wissen.&#13;
Letztlich werden wir erfolgreich sein, weil die Vereinigten Staaten involviert sind. Vor Dayton unterstrich&#13;
jede einzelne Partei die Bedeutung des Engagements&#13;
und der Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Sie&#13;
machten deutlich, daß die Präsenz und Unterstützung&#13;
Amerikas ihnen das Zutrauen gab, die schwere&#13;
Entscheidung für den Frieden zu treffen. Die amerikanische Führungsrolle hat die Parteien so weit gebracht&#13;
und ist erforderlich, um die Arbeit der Schaffung eines&#13;
dauerhaften Friedens zu beenden. Wie ich bereits&#13;
erwähnte, können nur die Parteien einen dauerhaften&#13;
Frieden sichern, aber wir spielen ebenfalls eine&#13;
entscheidende Rolle.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�FRAUEN&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Das Jahr nach der Pekinger Weltfrauenkonferenz eine Bestandsaufnahme&#13;
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&#13;
&#13;
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Ein Jahr nach der 4. Weltfrauenkonferenz nahm Gesundheitsministerin Donna&#13;
Shalala, die ein hochrangiges Mitglied der US-Delegation in Peking gewesen war, im Rahmen einer&#13;
Sondersitzung bei den Vereinten Nationen eine Bestandsaufnahme des vergangenen Jahres vor und lenkte die&#13;
internationale Aufmerksamkeit erneut auf Frauenfragen und die bei der Weltfrauenkonferenz eingegangen&#13;
Verpflichtungen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Ministerin vom 9. September 1996.&#13;
&#13;
Als ich das letzte Mal hier in diesem herrlichen Saal&#13;
war, hielt ich eine Rede vor der UN-Generalversammlung im Jahr 1994, dem internationalen Jahr der&#13;
Familie. An jenem Tag machten wir deutlich, daß ein&#13;
Land nur stark sein kann, wenn seine Familien stark&#13;
sind, und Familien nur stark sind, wenn Frauen stark&#13;
sind.&#13;
Das war die Botschaft der 4. Weltfrauenkonferenz in&#13;
Peking. Und das ist der Grund, aus dem wir heute alle&#13;
hier sind. Mir fällt kein angemesseneres Thema für&#13;
diesen schönen Saal, für diese außergewöhnliche&#13;
Organisation ein.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinten&#13;
Nationen gegründet, um eine chaotische Welt zu&#13;
ordnen und einer in Aufruhr befindlichen Welt Frieden&#13;
zu bringen. Für Präsident Roosevelt und Eleanor&#13;
Roosevelt verkörperte die UNO einen Traum - einen&#13;
Traum, in dem die Nationen durch Zusammenhalt&#13;
stärker werden können, einen Traum, der hier seit&#13;
mehr als 50 Jahren gelebt wird.&#13;
Seit über 50 Jahren ist das hier der Ort, an dem&#13;
Nationen über geographische und rassische, religiöse&#13;
und kulturelle Grenzen hinweg unsere menschliche&#13;
Vielfalt würdigen und unsere gemeinsamen Ziele&#13;
anstreben. Dies ist der Ort, an dem wir Sanktionen&#13;
gegen Südafrika verhängten, um gegen die Ketten der&#13;
Apartheit zu protestieren. Dies ist der Ort, an dem wir&#13;
den Kriegsflüchtlingen aus Afghanistan und der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
ganzen Welt Schutz anboten. Dies ist der Ort, an dem&#13;
wir neue Wege zur Ausrottung von Pocken, zur&#13;
Bekämpfung des Hungers in Somalia und der Ausbreitung von Krankheiten in Zaire beschritten.&#13;
Und dies ist der Ort, an dem wir hier und heute den&#13;
Geist der Konferenz von Peking Wiederaufleben lassen&#13;
- und uns erneut zur Verbesserung des Lebens von&#13;
Frauen und Familien auf der ganzen Welt verpflichten.&#13;
Ich werde nie vergessen, was für ein Gefühl es war, in&#13;
Stärke und Solidarität mit den 40.000 Frauen und&#13;
Männern verbunden zu sein, die vergangenes Jahr in&#13;
Peking zusammenkamen - und von denen viele heute&#13;
hier anwesend sind. Wir waren Landwirte und Fabrikarbeiter, wir waren Wissenschaftler und Sozialarbeiter,&#13;
wir waren Eltern und Regierungsvertreter.&#13;
Aber wir waren geeint durch eine Überzeugung, der&#13;
First Lady Hillary Rodham Clinton so beredt Ausdruck&#13;
verlieh, als sie vor der Konferenz und der Welt erklärte:&#13;
"Menschenrechte sind Frauenrechte. Und Frauenrechte sind Menschenrechte." Das Thema durchzog&#13;
die gesamte Konferenz und schuf die Grundlage für&#13;
unser Aktionsprogramm.&#13;
Achten Sie genau auf diese Worte: Ein Aktionsprogramm. Kein Programm für Gemeinplätze oder&#13;
Rhetorik. Kein Programm, um einen Ausschuß zu&#13;
gründen oder eine Studie in Auftrag zu geben. Ein&#13;
Aktionsprogramm. Und ein Mandat für Ergebnisse.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Warum? Weil allzu viele Frauen und ihre Familien&#13;
immer noch an vermeidbaren Krankheiten sterben.&#13;
Allzu viele Frauen und ihre Kinder werden immer noch&#13;
mit dem Terror und den Tränen häuslicher Gewalt&#13;
konfrontiert. Und allzu vielen Frauen wird immer noch&#13;
der Zugang zu Bildung, richtiger Ernährung, reproduktiver Gesundheit und wirtschaftlicher Sicherheit&#13;
verwehrt.&#13;
Wir fuhren nach Peking, um diese globalen Herausforderungen schlaglichtartig zu beleuchten. Und jede&#13;
Nation brachte das Versprechen mit nach Hause, sie&#13;
anzugehen. In den Vereinigten Staaten machen wir&#13;
unter der Führung Präsident Clintons gute Fortschritte&#13;
bei der Erfüllung dieses Versprechens.&#13;
Am Vorabend der Konferenz gab der Präsident die&#13;
Gründung eines behördenübergreifenden Rates für&#13;
Frauen bekannt, dem ich Vorsitze. Vergangenes Jahr&#13;
haben die Mitglieder des Rates jedes Bundesministerium und jede Behörde eingehend geprüft, um neue und bessere Wege - zu finden, Frauen und Kindern zu&#13;
helfen.&#13;
Aber wir haben uns nicht nur auf Untersuchungen&#13;
beschränkt, sondern auch andere einbezogen - wir&#13;
arbeiten mit nichtstaatlichen Organisationen (NGOs)&#13;
und anderen Partnern zusammen, die gestern die Saat&#13;
für Peking säten und stehen ihnen bei ihrer weiteren&#13;
Arbeit zur Seite.&#13;
Am 28. September veranstalten die Vereinigten&#13;
Staaten eine Satellitenkonferenz, um mit Frauen aus&#13;
dem ganzen Land über den seit Peking zurückgelegten Weg zu sprechen und zu überlegen, welche Berge&#13;
wir noch erklimmen müssen. Ich bin stolz darauf&#13;
sagen zu können, daß wir aufgrund der von Ihnen&#13;
übernommenen Führungsrolle eine gute Geschichte&#13;
erzählen können - eine Geschichte der Fortschritte.&#13;
Allein in unserem Ministerium machen wir Fortschritte,&#13;
indem wir darauf bestehen, daß Frauen an jedem&#13;
klinischen Forschungsprojekt teilnehmen. Wir machen&#13;
Fortschritte, indem wir unser Engagement für die&#13;
Erforschung, Behandlung und Verhütung von Brustkrebs dramatisch erhöhen. Wir machen Fortschritte&#13;
dabei sicherzustellen, daß alle Frauen Zugang zu&#13;
guter reproduktiver Gesundheitsfürsorge und umfassender reproduktiver Freiheit haben. Wir machen&#13;
Fortschritte mit neuen Bestrebungen in Höhe von 100&#13;
Millionen Dollar zur Entwicklung eines Mikrobizids für&#13;
Frauen - damit Frauen überall sich und ihre Familien&#13;
vor der Geißel von HIV und AIDS schützen können.&#13;
Und wir machen Fortschritte, indem wir unseren&#13;
jungen Mädchen beibringen, "Nein" zu Tabak, Drogen&#13;
und vorehelichem Geschlechtsverkehr und "Ja" zu&#13;
ihrer Gesundheit, ihrer Bildung und ihrer Zukunft zu&#13;
sagen. Das ist Fortschritt. Und er findet sich überall in&#13;
unserer Administration.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Es den Frauen zu erleichtern, ein eigenes Heim zu&#13;
haben und sich ein Stück vom Amerikanischen Traum&#13;
zu leisten - das ist Fortschritt. Die Einrichtung einer&#13;
gebührenfreien telefonischen Hotline, die Opfer&#13;
häuslicher Gewalt in ganz Amerika zu jeder Tagesund Nachtzeit in Anspruch nehmen können - das ist&#13;
Fortschritt.&#13;
Große und kleine Unternehmen zur&#13;
Verbesserung der Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen für amerikanische Frauen aufzufordern das ist Fortschritt.&#13;
Die Gewährleistung, daß Mädchen immer die Chance&#13;
erhalten, Mathematik und Naturwissenschaften zu&#13;
lernen und das in einem von sexueller Belästigung&#13;
freien Umfeld zu tun - das ist Fortschritt. Und Frauen&#13;
auf der ganzen Welt zu helfen, die Vorteile der Beteiligung am politischen Leben, von Rechtsschutz und&#13;
Bildungschancen kennenzulernen - das ist Fortschritt.&#13;
Ich möchte auf diesen Punkt näher eingehen.&#13;
Wir wissen, daß Frauen und Familien in den Vereinigten Staaten nur sicher sein werden, wenn sie&#13;
überall auf der Welt sicher sind. Und wir sehen unsere&#13;
Rolle als internationaler Partner darin, die Gesundheit&#13;
und Sicherheit unserer globalen Gemeinschaft zu&#13;
gewährleisten sowie gleichermaßen im Ausmerzen&#13;
von den Menschen befallenden Viren und Gewalt&#13;
gegen den Menschen, wann immer und wo immer sie&#13;
auftreten.&#13;
Manchmal ist es schwer, diese Themen in Angriff zu&#13;
nehmen. Manchmal ist es unpopulär. Aber es ist&#13;
immer richtig, es zu tun.&#13;
Aus diesem Grund standen wir mit Worten und Taten&#13;
an der Seite unserer Brüder und Schwestern auf der&#13;
ganzen Welt, um die schwierigen Themen anzusprechen und eindeutig klarzustellen, daß alle Frauen die&#13;
erforderlichen Instrumente haben müssen, um ihre&#13;
reproduktive Gesundheit zu bewahren und ihr reproduktives Schicksal zu kontrollieren.&#13;
Ob es unseren Töchtern hier oder andernorts auf der&#13;
Welt angetan wird - wir verurteilen die Grausamkeit&#13;
und absolute Unmenschlichkeit genitaler Verstümmelung und werden dies auch in Zukunft tun.&#13;
Wir haben klargemacht, daß Vergewaltigung als Waffe&#13;
des Krieges ein Verbrechen gegen die gesamte&#13;
Menschheit ist. Und wir haben erklärt, daß wir alles in&#13;
unserer Macht Stehende tun werden, um diejenigen zu&#13;
stoppen, die es wagen, Frauen und Kinder in die&#13;
Prostitution zu verkaufen. Das ist Gewalt. Das ist&#13;
Ausbeutung. Das ist eine Greueltat. Und es muß ein&#13;
Ende haben.&#13;
Aber es gibt noch etwas, das wir alle tun müssen.&#13;
Jeden Tag werden in den Gemeinden im In- und&#13;
Ausland diese Frauen und Familien betreffenden&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Probleme diskutiert. Die Einzelheiten werden ausgearbeitet. Das Geschäft wird abgeschlossen. Und die&#13;
Entscheidungen werden unterzeichnet, mit dem Siegel&#13;
versehen und abgeschickt. Aber allzu häufig fehlt&#13;
etwas außerordentlich Wichtiges - die Stimme der&#13;
Frauen. In Peking haben wir es deutlich gesagt: Das&#13;
muß sich ändern.&#13;
In den Vereinigten Staaten machen Frauen 52 Prozent&#13;
der Bevölkerung aus - sie sind kein "spezielles Interesse" - sie sind 52 Prozent der Bevölkerung.&#13;
Wenn Entscheidungen über unsere Gesundheit,&#13;
unsere Familien, unsere Gemeinden und unsere&#13;
Länder getroffen werden, müssen wir am Tisch sitzen.&#13;
Es geht nicht darum, daß Frauen besser oder klüger&#13;
sind als Männer. Es geht darum, daß wir eine einzigartige Stimme haben, die gehört, für jede Entscheidung&#13;
gewertet und in sie eingearbeitet werden muß, die&#13;
unsere Familien und unsere Nationen betrifft.&#13;
Wir waren so erfolgreich, daß wir manchmal scherzen,&#13;
wir befänden uns endlich in dem Zeitalter, in dem ein&#13;
politisches Thema in einem Bundesministerium von&#13;
einer Analystin vorgebracht werden kann, über eine&#13;
Kabinettsministerin und eine politische Beraterin im&#13;
Weißen Haus weitergeleitet wird und auf den Schreibtisch des Präsidenten für seine Zustimmung gelangt.&#13;
Dieser Quantensprung hätte ohne die Führungskraft&#13;
und das Engagement dieses Präsidenten und dieser&#13;
First Lady nicht stattfinden können.&#13;
Und er hat sich sicherlich nicht über Nacht vollzogen.&#13;
Eine Frau auf ein hochrangiges politisches Amt&#13;
vorzubereiten, dauert Jahrzehnte.&#13;
Es erfordert&#13;
Jahrzehnte der Zusammenarbeit zwischen Frauen und&#13;
Männern, Jahrzehnte der Unterrichtung junger Mädchen, daß sie etwas anstreben und die Tür zu Chancen aufstoßen können - von der Grundschule bis zur&#13;
juristischen Fakultät und vom Praktikum als Jugendlicher bis zu Partnerschaften zwischen Senioren.&#13;
Der Frauensport ist so.&#13;
Im vergangenen Monat sah die Welt voll Ehrfurcht zu,&#13;
wie die weiblichen Olympioniken Atlanta - und die Welt&#13;
- im Sturm eroberten. Aber Champions wie Amy Van&#13;
Dyken, Gail Devers und Shannon McMillan fielen ihre&#13;
Goldmedaillen nicht einfach in den Schoß. Sie hatten&#13;
Jahre des Engagements, der familiären Zuwendung,&#13;
Talent, Charakter und natürlich Titel IX zur Seite.&#13;
Der vor über 20 Jahren verabschiedete Titel IX hatte&#13;
ein einfaches Ziel: Sicherzustellen, daß die für den&#13;
Schulsport zur Verfügung gestellten Ressourcen&#13;
gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt werden. Fairneß: Nicht mehr und nicht weniger. Dieser&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
schlichte Akt der Gerechtigkeit öffnete das Schleusentor der Chancen für Frauen im Sport. Zwei Jahrzehnte&#13;
später sehen wir die Ergebnisse - nicht nur bei der&#13;
Olympiade, sondern auf Baseballfeldern und Fußballplätzen und den Sportplätzen in ganz Amerika.&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß die Frauen in diesem&#13;
Land - und in jedem Land - dieselben Chancen zur&#13;
Erfüllung ihrer Träume haben, was immer diese&#13;
Träume sein mögen.&#13;
Wenn ich zu einer Gruppe junger Frauen spreche,&#13;
möchte ich sie stets daran erinnern, daß sie die erste&#13;
Generation sind, die das werden kann, was sie werden&#13;
möchte - in jeder Hinsicht. Nicht nur Ärztinnen und&#13;
Rechtsanwältinnen. Nicht nur Mütter und Astronautinnen. Nicht nur Geschäftsführerinnen und Kabinettsministerinnen. Sondern Präsidentinnen und Ministerpräsidentinnen.&#13;
Ich glaube, daß es möglich ist.&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß jedes junge Mädchen&#13;
glaubt, es ist möglich. Wenn es will und wenn es&#13;
dafür zu arbeiten bereit ist, werden wir ihm alle Chancen geben, dieses Ziel zu erreichen.&#13;
Vor einem Jahr war ich auf dem Weg, um die Rede der&#13;
First Lady Hillary Rodham Clinton vor den nichtstaatlichen Organisationen in Hairou zu hören - eine&#13;
Rede, die sich als einer der Höhepunkte der Konferenz&#13;
erweisen sollte. Aber ich habe sie beinahe verpaßt.&#13;
Ich stand völlig durchnäßt im strömenden Regen, und&#13;
die chinesischen Wachleute waren entschlossen, uns&#13;
aus dem Auditorium fernzuhalten.&#13;
Ich glaube nicht, daß sie mit einem Wisconsin Badger&#13;
rechneten. Ich habe genug siegreiche Fußballspiele&#13;
von Wisconsin gesehen um zu wissen, wie man&#13;
effektiv abblockt. Als sie uns stießen, stießen wir&#13;
zurück. Und wir kamen rein.&#13;
Die Frauenbewegung hat sehr viel größere Hindernisse überwunden. Und das werden wir wieder tun.&#13;
Aber nur, wenn wir uns alle die Hände reichen - von&#13;
Regierungsbehörden bis zu nichtstaatlichen Organisationen und von der Unternehmensleitung bis zu den&#13;
Gemeindevertretern. Nur wenn wir trotz der Rückschläge und trotz der Hindernisse nach vorne drängen.&#13;
Und nur, wenn wir die Männer einbeziehen, insbesondere die jungen Männer, denn unser Kampf&#13;
kann - und sollte - nicht ohne sie gewonnen werden.&#13;
Und weil unsere Themen keine Frauenthemen sind.&#13;
Es sind Familienthemen. Es sind globale Herausforderungen, und wir müssen sie gemeinsam bewältigen.&#13;
Das müssen wir nicht nur um der Frauen willen tun,&#13;
sondern um jeder Person auf dieser Erde willen - für&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�jedes Kind, das eine Mutter hat, für jeden Mann, der&#13;
eine Tochter hat, für jede Familie, für jede Nation. Und&#13;
für unsere gemeinsame Zukunft.&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�</text>
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