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                  <text>;£° ST:

cimcrikci
dicrv&gt;t

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
5. September 1996

17

&lt;&gt;

WAHLEN

CLINTON WILL BRÜCKE INS 21. JAHRHUNDERT BAUEN
Rede des Präsidenten beim Parteikonvent
der Demokraten

DELEGIERTE RATIFIZIEREN WAHLPLATTFORM DER "NEUEN DEMOKRATEN"
Auszüge aus dem Wahlprogramm

DEMOKRATEN FÜR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
Eröffnung des Parteikonvents

KUBA

EIZENSTAT WIRD SONDERGESANDTER FÜR
DIE FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE IN KUBA
Erklärung von Präsident Clinton

FREIHEIT UND WOHLSTAND FÜR DAS
KUBANISCHE VOLK
Ansprache von Botschafter Eizenstat

PORTRÄT

STUART E. EIZENSTAT
Sondergesandterfürdie Förderung von Demokratie
in Kuba

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.
Fax
Internet

0228 - 339 23 72
0228 - 33 31 38
bbsbonn@usia.gov

�SOZIALES

BUNDESSTAATEN ÜBERNEHMEN SOZIALHILFE
Rede von Präsident Clinton

UMWELT

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG EINE AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄT DER
USA
von Timothy E. Wirth

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des, Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

-&gt;

�WAHLEN

4. September 1996

Clinton will Brücke ins 21. Jahrhundert bauen
Rede des Präsidenten beim Parteikonvent der Demokraten

CHICAGO - (AD) - In seiner Rede beim Parteikonvent der Demokratischen Partei am 29. August 1996 in Chicago,
die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen, stellte Präsident Bill Clinton seine Agenda für die nächsten vier
Jahre vor und erklärte, er wolle im Falle seiner Wiederwahl eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, um die
Herausforderungen zu bewältigen, die Grundwerte zu schützen und die Amerikaner auf die Zukunft
vorzubereiten.

Herr Vorsitzender, Herr Vizepräsident, liebe Parteifreunde, meine amerikanischen Mitbürger. Ich danke
Ihnen für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. Ich weiß nicht, ob es besonders schön formuliert ist - aber ich sage einfach, ich nehme die Nominierung an.

wachsendes Haushaltsdefizit, eine Vielzahl unbewältigter Herausforderungen und zunehmenden Zynismus
verzeichnen mußten, sprach ich zu Ihnen über meinen
Geburtsort - und ich sagte Ihnen, daß ich immer noch
glaube, daß es einen Ort namens Hope - Hoffnung gibt.

Es haben so viele Menschen einen Beitrag zu dem
geleistet, was wir für das amerikanische Volk bewirken, und hierbei ist an erster Stelle mein Partner,
mein Freund und der beste Vizepräsident unserer
Geschichte zu nennen - AI Gore.

Seit nunmehr vier Jahren haben wir zur Umsetzung
unserer Vision eine einfache aber tiefgreifende
Strategie verfolgt: Chancen für alle, Verantwortung
aller, eine starke, geeinte amerikanische Gemeinschaft.

Am heutigen Abend möchte ich der Stadt Chicago,
ihrem herausragenden Bürgermeister und ihren
wunderbaren Bürgern für diesen großartigen Parteikonvent danken. Ich liebe Chicago aus vielen
Gründen - wegen seines machtvollen Geistes, seiner
Sportmannschaften, seines lebhaften politischen
Lebens, aber vor allem wegen der Frau, die die Liebe
und das Licht meines Lebens ist - Chicagos Tochter,
Hillary.

Vor vier Tagen, als Sie hierher reisten, begann ich
meine Zugfahrt durch das Herz Amerikas nach
Chicago. Ich wollte die Gesichter derjenigen sehen
und die Stimmen derjenigen hören, für die ich in den
letzten vier Jahren gearbeitet und gekämpft habe. Und
ich sah sie.

Vor vier Jahren machten Sie und ich uns gemeinsam
auf die Reise, um unserem Land unsere Vision zu
bringen, um den Amerikanischen Traum für all jene am
Leben zu halten, die dafür zu arbeiten gewillt sind, um
unsere amerikanische Gemeinschaft zu stärken und
um Amerika zur weltweit stärksten Kraft für Frieden,
Freiheit und Wohlstand zu machen.
Vor vier Jahren, als wir eine hohe Arbeitslosenrate,
stagnierende Löhne und Gehälter, steigende Kriminalität und Inanspruchnahme von Sozialleistungen, ein

AMERIKA DIENST 17

Ich traf eine erfinderische Geschäftsfrau, die früher
einmal in West Virginia von der Sozialhilfe abhängig
war; einen tapferen Polizisten, der angeschossen
wurde, gelähmt ist und jetzt in Kentucky eine Bürgerinitiative leitet; einen Automobilarbeiter aus Ohio, der
früher arbeitslos war und jetzt stolz auf seinen Arbeitsplatz beim ältesten Automobilhersteller Amerikas ist,
der dazu beiträgt, Amerika erstmals seit 20 Jahren
wieder zur Nummer eins bei der Automobilherstellung
zu machen. Ich traf eine Großmutter, die um den
Erhalt der Umwelt für ihren Enkel in Michigan kämpft.
Und ich sah zwei wunderbare kleine Kinder, die stolz
aus ihrem Lieblingsbuch "The Little Engine That Could"
vorlasen.

Seite 1

�Bei jedem Zwischenstopp wurde ich von einer großen,
begeisterten Menge begrüßt, und noch wichtiger ist
vielleicht, daß in jeder kleinen Stadt Schulkinder ihre
amerikanischen Fähnchen schwenkten - alle im
Glauben an Amerika und seine Zukunft.
Um nichts auf der Welt hätte ich auf diese Reise
verzichten wollen, denn sie zeigte mir, daß es in
Amerika wieder Hoffnung gibt. Wir befinden uns auf
dem richtigen Weg ins 21. Jahrhundert.
Betrachten Sie sich nur einmal die Fakten: 4,4 Millionen Amerikaner leben zum ersten Mal in ihrem
eigenen Haus, Hunderttausende Frauen haben sich
selbständig gemacht. Mehr Angehörige von Minderheiten denn je besitzen ein Unternehmen. Es gibt
eine Rekordzahl von neuen Unternehmen und Exporten.
Betrachten Sie sich, was getan wurde. Wie haben die
geringste kombinierte Arbeitslosen-, Inflations- und
Hypothekenrate seit 28 Jahren. Betrachten Sie sich,
was getan wurde: Es wurden 10 Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen, mehr als die Hälfte davon
gutbezahlte. 10 Millionen Arbeitnehmer erhalten nach
dem Mindestlohngesetz ihre verdiente Lohn- oder
Gehaltserhöhung. 25 Millionen Menschen genießen
jetzt Krankenversicherungsschutz, weil das KennedyKassebaum-Gesetz besagt, daß man beim Wechsel
seines Arbeitsplatzes nicht mehr seine Krankenversicherung verlieren darf, selbst wenn ein Familienmitglied krank ist. 40 Millionen Amerikaner haben jetzt
sicherere Renten. Wir senkten die Steuern für 15
Millionen der am härtesten Arbeitenden - für die dem
stärksten Druck Ausgesetzten sowie für alle kleineren
Unternehmen. 12 Millionen Amerikaner profitieren von
dem Gesetz über Urlaub aus familiären oder gesundheitlichen Gründen und können dadurch gute Eltern
und gute Arbeitnehmer sein.
Zehn Millionen Studenten haben bei ihren Darlehen für
Collegegebühren Geld gespart. Wir sorgen dafür, daß
unsere Demokratie funktioniert.
Ferner haben wir politische Reformen durchgeführt,
das selektive Veto, das Motor-Voter-Gesetz und
strengere Registrierungsgesetze für Lobbyisten
eingeführt, dafür gesorgt, daß der Kongreß sich an die
von ihm erlassenen Gesetze für den Privatsektor hält
und nicht fundierte Mandate für die Regierungen der
Bundesstaaten und die Kommunalbehörden gestoppt
werden. Wir haben viel erreicht, und wir müssen noch
eines tun. Werden Sie mir helfen, in den kommenden
vier Jahren eine Reform der Wahlkampffinanzierung
durchzuführen?
Wir haben unsere Investitionen in Forschung und
Technologie erhöht. Wir haben die Investitionen für
die Brustkrebsforschung drastisch erhöht. Wir entwikkeln einen Supercomputer - einen Supercomputer, der

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innerhalb einer Sekunde mehr rechnen kann als ein
Mensch mit Hilfe eines Taschenrechners in 30.000
Jahren. Die beschleunigte Entwicklung von Medikamenten gegen HIV und AIDS und ihre schnellere
Markteinführung haben die Lebenserwartung der
Betroffenen in nur vier Jahren nahezu verdoppelt. Und
wir sehen in dieser Hinsicht noch keine Beschränkungen. Wir werden weitermachen, bis die Betroffenen
wieder ein normales Leben führen können.
Unser Land ist immer noch die stärkste Kraft für
Frieden und Freiheit auf der Welt. Bei Fragen, die uns
früher entzweiten, haben wir die alte Washingtoner
Politik geändert. Die Politiker in Washington haben
sich allzu lange gefragt, wer die Schuld trägt. Wir
haben jedoch gefragt, was wir tun werden.
Bei der Verbrechensbekämpfung: Wir stellen 100.000
zusätzliche Polizisten ein. Wer dreimal gefaßt wird,
muß ins Gefängnis - das ist das Gesetz. Wir verhinderten durch das Brady-Gesetz, daß 60.000 Schwerverbrecher, Ausreißer und Wilderer in den Besitz von
Handfeuerwaffen gelangen. Wir haben halbautomatische Waffen verboten. Wir unterstützten stärkere
Bestrafung und Präventionsprogramme, um unsere
Kinder von Drogen, Gangs und Gewalt fernzuhalten.
Seit vier Jahren - seit vier Jahren sinkt in Amerika die
Verbrechensrate.
Im Bereich der Sozialhilfe haben wir mit den Bundesstaaten zusammengearbeitet, um eine friedliche
Revolution einzuleiten. Heute gibt es 1,8 Millionen
weniger Sozialhilfeempfänger als am Tag meines
Amtsantritts. Wir verhelfen Sozialhilfeempfängern
wieder zu einem Arbeitsplatz.
Wir haben die Unterhaltszahlungen für Kinder um 40
Prozent aufgestockt. Die Zahl der Bundesbediensteten ist die kleinste seit John F. Kennedy. Und das
Haushaltsdefizit ist erstmals seit der Zeit vor dem
Bürgerkrieg vier Jahre lang ununterbrochen gesunken
- um 60 Prozent auf fast Null. Wir werden es schaffen.
Wir befinden uns auf dem richtigen Weg ins 21.
Jahrhundert. Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber
unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Was sollten wir
tun? Zuerst einmal sollten wir überlegen, wie wir
vorgehen wollen. Ich möchte nochmals betonen, daß
die Frage nicht länger lautet, wer die Schuld trägt,
sondern vielmehr, was wir tun sollten.
Ich bin überzeugt, daß Bob Dole, Jack Kemp und Ross
Perot unser Land lieben, und sie haben ihm mit harter
Arbeit gedient. Es ist nicht nur legitim, sondern sogar
notwendig, unsere Leistungen mit ihren zu vergleichen
und unsere Vorschläge hinsichtlich unserer Zukunft mit
ihren. Und ich erwarte von ihnen entschlossene
Bestrebungen, dasselbe zu tun.

AMERIKA DIENST 17

�Aber ich werde sie nicht angreifen. Ich werde sie
weder persönlich angreifen noch anderen in dieser
Partei gestatten, das zu tun, wenn ich es verhindern
kann.
Meine amerikanischen Mitbürger, dies muß ein
Wahlkampf der Ideen, nicht ein Wahlkampf der
Beleidigungen sein. Das amerikanische Volk verdient
es.
Die Hauptidee lautet folgendermaßen: Ich liebe die
großartige und stolze Geschichte Amerikas und halte
sie in Ehren. Und ich bin entschlossen, unsere besten
Traditionen in die Zukunft mitzunehmen. Aber mit
allem Respekt: Wir brauchen keine Brücke zur Vergangenheit. Wir müssen eine Brücke in die Zukunft
schlagen. Und dazu verpflichte ich mich Ihnen
gegenüber.
So wollen wir am heutigen Abend den Entschluß
fassen, diese Brücke ins 21. Jahrhundert zu bauen,
unsere Herausforderungen zu bewältigen und unsere
Werte zu schützen. Wir wollen eine Brücke bauen, um
unsere Eltern bei der Erziehung unserer Kinder zu
unterstützen, um jungen Menschen und Erwachsenen
zu der erforderlichen Bildung und Ausbildung zu
verhelfen, um unsere Straßen sicherer zu machen, um
den Amerikanern zu Erfolg im Privat- und Berufsleben
zu verhelfen, um den Kreislauf von Armut und Abhängigkeit zu durchbrechen, um unsere Umwelt für
künftige Generationen zu schützen und unsere
weltweite Führungsrolle für Frieden und Freiheit
beizubehalten. Wir wollen den Entschluß zum Bau
dieser Brücke fassen.
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend bitte ich
Sie alle, sich am Bau dieser Brücke ins 21. Jahrhundert zu beteiligen. In vier Jahren - in nur vier
Jahren, halten Sie sich das vor Augen - beginnt ein
neues Jahrhundert voll enormer Möglichkeiten. Wir
müssen dem amerikanischen Volk die Instrumente
geben, damit es das Beste aus seinem ihm von Gott
gegebenen Potential machen kann. Wir müssen für
alle Amerikaner, nicht nur einige wenige, die grundlegende Abmachung - Chancen gegen Verantwortung in greifbare Nähe rücken. Das ist das Versprechen
der Demokratischen Partei. Das ist das Versprechen
Amerikas.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem wir durch Bildung unsere Chancen erhöhen, in
dem Computer ebenso Bestandteil des Klassenzimmers sind wie die Tafel, in dem gut ausgebildete
Lehrer von unseren Schülern Spitzenleistungen
verlangen, in dem jeder Achtjährige ein Buch lesen
kann.
Bis zum Jahr 2000 ist das Entscheidendste, was wir
tun können, jedem Amerikaner, der das möchte, die
Chance zu einem Collegebesuch zu geben. Wir

AMERIKA DIENST 17

müssen innerhalb von vier Jahren dafür sorgen, daß
zwei Jahre auf dem College ebenso verbreitet sind wie
es heute schon der Besuch der High School ist. Und
wir können es schaffen. Wir können es schaffen, und
wir sollten zu diesem Zweck die Steuern senken.
Ich schlage einen jährlichen Steuerfreibetrag von
1.500 Dollar für Collegegebühren vor, ein HopeStipendium für die ersten beiden Jahre des Collegebesuchs, um jedem Amerikaner die typische
Collegeausbildung zu ermöglichen.
Meines Erachtens sollte jede Arbeitnehmerfamilie auch
bei der weiterführenden Ausbildung in der Lage sein,
jährlich bis zu 10.000 Dollar an Collegegebühren
steuerlich abzusetzen. Meiner Meinung nach sollten
die Familien dieses Landes auf einem steuerfreien
Rentenkonto Geld für das College sparen können; es
jahrein, jahraus sparen und für die Collegeausbildung
entnehmen können.
Wir sollten Angehörige der Mittelschicht keine Steuern
für das Geld bezahlen lassen, das sie fürs College
ausgeben.
Wir bekommen das Geld langfristig
gesehen vielfach zurück.
Ich möchte hier noch betonen, daß mein ausgeglichener Haushaltsplan diese und alle anderen von mir
heute abend erwähnten Steuersenkungen abdeckt Zeile um Zeile, Cent um Cent. Und diese Steuersenkungen konzentrieren sich auf die Billdung.
Viele unserer amerikanischen Mitbürger lernen, daß
Bildung nicht mit dem Tag der Diplomverleihung
aufhört. Ich habe ein neues G.l.-Gesetz für amerikanische Arbeitnehmer vorgeschlagen - ein Darlehen
von 2.600 Dollar für arbeitslose und unterbeschäftigte
Amerikaner, damit sie die Ausbildung und die erforderlichen Fähigkeiten erhalten können, auf einem
besser bezahlten Arbeitsplatz wieder ins Berufsleben
zurückzukehren - hochqualifizierte Arbeitskräfte für
eine gute Zukunft.
Wir müssen jedoch auf jeder Bildungsebene herausragende Leistungen fordern. Wir müssen darauf
bestehen, daß unsere Schüler und Studenten sowohl
die alten grundlegenden Dinge lernen, die wir schon
gelernt haben, als auch die neuen grundlegenden
Dinge, die sie im kommenden Jahrhundert wissen
müssen. Heute wollen wir uns ein klares nationales
Ziel setzen: Alle Kinder sollten ab der dritten Klasse
lesen können. Wenn 40 Prozent unserer Achtjährigen
nicht so gut lesen können, wie sie sollten, müssen wir
etwas unternehmen. Ich möchte 30.000 Leseexperten
und Mitglieder des National Service Corps mit der
Mobilisierung einer Freiwilligenarmee von einer Million
Lesetutoren für Drittkläßler in ganz Amerika beauftragen. Sie werden unseren Kindern das Lesen
beibringen.

Seite 3

�An unsere Eltern gerichtet sage ich: Sie müssen den
Weg weisen. Es wird sich vielfach zeigen, daß jede
Nacht es wert war, in der sie erschöpft ihren Kindern
vorlasen. Hillary und ich sprechen immer noch über
die Bücher, die wir Chelsea vorlasen, als wir vor
Müdigkeit kaum die Augen offenhalten konnten. Wir
erinnern uns immer noch an diese Bücher, und viel
wichtiger ist, daß auch sie es tut. Wir werden den
Eltern in diesem Land helfen, jedem Kind bis zum Alter
von acht Jahren, bis zur dritten Klasse, das Lesen
beizubringen. Glauben Sie, daß wir das können?
Werden Sie uns dabei helfen?
Wir müssen den Eltern - allen Eltern - das Recht auf
die Entscheidung geben, welche staatliche Schule ihre
Kinder besuchen sollen, und wir müssen den Lehrern
gestatten, neue Schulen zu gründen, in denen sie die
Anforderungen nur erfüllen, wenn sie gute Arbeit
leisten. Wir müssen unsere Schulen auch abends
noch offenlassen, damit unsere Jugendlichen einen
Ort haben, an den sie gehen können, den sie bejahen
können und damit von der Straße bleiben.
Wir müssen dafür sorgen, daß unsere Schüler während ihrer Schullaufbahn harte Prüfungen ablegen. Ein
Schulabschluß muß etwas bedeuten. Wir sollten die
Lehrer belohnen, die gute Arbeit leisten, und diejenigen entlassen, die es nicht tun. Auf jeden Fall sollten
wir nie vergessen, daß ohne unsere Lehrer keiner von
uns heute abend hier wäre. Auf mich trifft das zu. Wir
sollten sie auf-, nicht abwerten.
Wir benötigen Schulen, die unsere Kinder ins nächste
Jahrhundert begleiten. Wir benötigen Schulen, die
wiederaufgebaut und modernisiert werden, mit einzigartigem Engagement von Seiten der Bundesregierung
zur Verstärkung des Baus von Schulen. Und bis zum
Jahr 2000 sollte jede Bibliothek und jedes Klassenzimmer in Amerika mit der Datenautobahn verbunden
werden.
Wenn wir so vorgehen, wird jeder Achtjährige lesen,
wird jeder Zwölfjährige sich ins Internet einloggen, wird
jeder Achtzehnjährige aufs College gehen können.
Und alle Amerikaner werden über das erforderliche
Wissen verfügen, diese Brücke ins 21. Jahrhundert zu
überschreiten.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem wir eine starke und wachsende Volkswirtschaft
schaffen und nachfolgenden Generationen Chancen
hinterlassen, in dem wir unseren Haushalt auf eine Art
und Weise ausgleichen, die unsere Werte schützt und
gewährleistet, daß jede Familie ein eigenes Heim
besitzen und dieses wichtige Kapital schützen kann.
Heute abend wollen wir dem amerikanischen Volk
mitteilen, daß wir den Haushalt ausgleichen werden.
Und wir wollen auch bekanntgeben, daß das auf eine
Weise geschehen soll, die Medicare, Medicaid,

Seite 4

Bildung, Umwelt, ungekürzte Renten und die Stärke
unseres Volkes bewahrt.
Im vergangenen Jahr übermittelte mir der republikanisch dominierte Kongreß einen Haushalt, der diese
Werte und Prinzipien verletzt, und ich legte dagegen
mein Veto ein. Das würde ich morgen wieder tun. Ich
könnte niemals Einsparungen zulassen, die die
Bildung unserer Kinder gefährden, unsere Umwelt
verschmutzen, die Krankenversicherung der Empfänger von Medicaid einstellen oder unsere Pflicht
gegenüber unseren Eltern durch Medicare beenden
oder verletzen. Das könnte ich einfach nicht tun.
Solange ich Präsident bin, werde ich das nicht zulassen.
Und es ist unwichtig, ob sie es wie schon früher erneut
versuchen und uns mit einer Schließung der Bundesbehörden erpressen wollen, um dem amerikanischen
Volk diese Dinge aufzuzwingen. Wir haben esvorher
nicht zugelassen, und wir werden es jetzt nicht zulassen.
Natürlich gibt es eine bessere Antwort auf dieses
Dilemma. Wir könnten die richtige Art von ausgeglichenem Haushalt mit einem neuen Kongreß haben einem demokratischen Kongreß.
Ich möchte den Haushalt mit echten Kürzungen bei der
Regierung, bei Verschwendung, ausgleichen. Ich
möchte einen Plan haben, der ebenso wie meiner
Investitionen im Bildungswesen tätigt - und im Bereich
der Forschung, was Christopher Reeve so überzeugend angemahnt hat.
Und mein Plan verschafft den Amerikanern Steuersenkungen, die zum Wachstum unserer Volkswirtschaft
beitragen werden.
Ich möchte die individuellen
Rentenkonten ausbauen, damit junge Menschen
steuerfrei sparen können, um sich ein Haus zu kaufen.
Heute schlage ich neue Steuersenkungen für Hausbesitzer vor, damit in diesem Land Familien mit
mittlerem Einkommen keine Kapitalertragsteuer zahlen
müssen, wenn sie ihr Haus verkaufen. Ich möchte,
daß jeder Amerikaner die wunderbaren Worte hören
kann: "Willkommen zu Hause".
Ich möchte es noch einmal betonen: Jede heute abend
von mir geforderte Steuersenkung ist gezielt, verantwortungsbewußt und innerhalb meines ausgeglichenen Haushalts finanziert. Meine Steuersenkungen
werden unsere Volkswirtschaft nicht aushöhlen. Sie
werden das Wirtschaftswachstum beschleunigen.
Wir sollten die Steuern senken - für die Familien, die
ihr Kind aufs College schicken, für die Arbeitnehmer,
die noch einmal aufs College gehen, für die Familien,
die für ein Haus oder die Pflege im Alter sparen. Und
wir sollten einen Steuerfreibetrag in Höhe von 500
Dollar pro Kind für Familien mit mittlerem Einkommen

AMERIKA DIENST 17

�einführen, die bei der Erziehung und späteren Ausbildung ihrer Kinder Hilfe benötigen. Das ist die
richtige Art von Steuersenkung - familienfreundlich,
bildungsfreundlich, wirtschaftsfördernd.
Unsere Gegner haben einen völlig anderen Plan
vorgelegt - ein riskantes Steuerprogramm in Höhe von
550 Milliarden Dollar, das sie zu noch größeren
Kürzungen bei Medicare, Medicaid, Bildung und
Umwelt zwingt als die von ihnen letztes Jahr unterbreiteten, gegen die ich mein Veto eingelegt habe.
Aber selbst dann werden die Kosten ihres Plans nicht
gedeckt, so daß dieser das Defizit explosionsartig
erhöhen würde, wodurch ihren eigenen Schätzungen
vom letzten Jahr zufolge die Zinssätze um zwei
Prozent steigen würden. Das würde riesige Kürzungen bei genau den Investitionen erfordern, die wir
für das Wachstum insgesamt benötigen und gleichzeitig die Konjunktur verlangsamen.
Wir wissen, was höhere Zinssätze bedeuten. Für Sie
heißt das höhere Hypothekenzahlungen, höhere
Abzahlungen für das Auto, höhere Gebühren für die
Kreditkarte. Für unsere Wirtschaft bedeutet es, daß
die Geschäftsleute nicht so viel Geld aufnehmen oder
investieren, weniger Arbeitsplätze und Wohlstand
schaffen, nicht so viele Lohnerhöhungen durchführen.
Wollen wir wirklich denselben Fehler wieder machen?
Wollen wir wirklich das Wirtschaftswachstum wieder
stoppen?
Wollen wir wirklich einen neuen Schuldenberg aufhäufen?
Wollen wir die Rezession von 1991 und 1992 zurückbringen?
Wollen wir unsere Brücke ins 21. Jahrhundert schwächen?
Natürlich wollen wir das nicht.
Wir haben die Pflicht - Sie und ich - unseren Kindern
Chancen, nicht Schulden zu hinterlassen. Unser
Haushalt wäre heute ausgeglichen, wir hätten heute
einen Überschuß, wenn wir nicht die Zinszahlungen für
die in den 12 Jahren vor der Clinton-Gore-Administration aufgehäuften Schulden zu leisten hätten.
Dies ist also einer der Bereiche, in denen ich bei allem
Respekt anderer Meinung bin als mein Gegenkandidat. Ich bin nicht der Meinung, wir sollten Haus und
Hof oder dieses Land aufs Spiel setzen. Wir sollten
auf dem richtigen Weg ins 21. Jahrhundert bleiben.
Chancen allein reichen nicht aus. Ich möchte ein
Amerika des 21. Jahrhunderts schaffen, in dem alle
Amerikaner die persönliche Verantwortung für sich,
ihre Familien, ihre Gemeinden und ihr Land überneh-

AMERIKA DIENST 17

men. Ich möchte, daß unsere Nation die Verantwortung übernimmt sicherzustellen, daß jedes Kind
morgens aus dem Fenster schauen und eine ganze
Gemeinde sehen kann, die aufsteht und zur Arbeit
geht.
Ich möchte, daß diese jungen Menschen die freudige
Erregung beim Erhalt des ersten Gehaltsschecks
erfahren, die Herausforderung einer ersten Unternehmensgründung, den Stolz darauf, in die Fußstapfen
der Eltern zu treten. Das von mir letzte Woche
unterzeichnete Gesetz über die Reform des Sozialwesens gibt Amerika eine Chance, aber keine Garantie
für diese Art von Neuanfang, für einen neuen Sozialvertrag mit den Armen, der Gesundheitsfürsorge,
Kinderversorgung und -ernährung garantiert, aber
auch von gesunden Eltern erwartet, sich ihr Einkommen zu verdienen.
Jetzt sage ich an Sie alle gerichtet - ob sie das Gesetz
nun befürworteten oder ablehnten - insbesondere
jedoch an die Adresse derjenigen, die es unterstützten:
Wir haben eine Verantwortung, eine moralische
Verpflichtung zu gewährleisten, daß diejenigen, die
arbeiten sollen, auch die Chance hierzu erhalten. Wir
müssen sicherstellen, daß es Arbeitsplätze gibt.
Bis zum Jahr 2000 sollten eine Million neuer Arbeitsplätze für Sozialhilfeempfänger geschaffen werden.
Unter diesem Gesetz können die Bundesstaaten das
Geld, das vorher für Sozialleistungen aufgewendet
wurde, jetzt für die Unterstützung von Unternehmen
bei der Schaffung von Arbeitsplätzen verwenden. Ich
fordere alle Bundesstaaten dazu auf, das bald zu tun.
Ferner schlage ich vor, Unternehmen einen Steuerfreibetrag für jeden Arbeitnehmer zu gewähren, der früher
von der Sozialhilfe abhängig war und auf Dauer
eingestellt wurde. Private Arbeitsvermittler sollten eine
Prämie für jeden Sozialhilfeempfänger erhalten, den
sie dauerhaft auf einem Arbeitsplatz unterbringen.
Und noch wichtiger ist, ich möchte den Gemeinden
dabei helfen, Sozialhilfeempfänger jetzt sofort - ohne
Aufschub - wieder zurück ins Arbeitsleben zu bringen,
wo sie Schulen reparieren und ihre Umgebung wieder
sauber und sicher gestalten. Es gibt dort draußen sehr
viel zu tun. Unsere Städte können Wege finden, den
Menschen wieder Arbeit zu geben und diesen Familien
dadurch ihre Würde und Stärke zurückzugeben.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich habe sehr viel
Zeit mit meinem guten Freund, dem verstorbenen Ron
Brown, mit Wirtschaftsminister Mickey Kantor und
anderen verbracht, weltweit Märkte für Amerika zu
erschließen. Und ich bin stolz auf jeden einzelnen,
den wir geöffnet haben. Aber wir dürfen nie vergessen, daß der größte unerschlossene Markt für amerikanische Unternehmen hier in Amerika selbst liegt - in
den Innenstädten, den ländlichen Gebieten, wo die
wirtschaftliche Erholung noch nicht spürbar geworden

Seite 5

�ist. Durch Investitionen, Geschäftsabschlüsse und
Arbeitsplätze können sie unsere Partner der Zukunft
werden. Das ist eine großartige Chance, die wir nicht
verpassen dürfen.
Ich schlage neue Ermächtigungszonen vor, wie die
gerade hier in Chicago geschaffene, um arme Gemeinden für Unternehmen attraktiv zu gestalten. Ich
schlage die Gründung von weiteren Gemeindeentwicklungsbanken wie der South Shore Bank hier in Chicago vor, um den Menschen in diesen Gemeinden bei
der Gründung ihrer eigenen kleinen Firma zu helfen.
Mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und neue
Märkte für Amerika hier im eigenen Land tragen zur
Umsetzung der Sozialhilfereform bei.
Meine Damen und Herren, Sie haben mir applaudiert und ich danke Ihnen dafür - aber die Regierung kann
auch nicht alles leisten. Der Privatsektor muß die
meisten dieser Arbeitsplätze bereitstellen. Daher
fordere ich heute erneut jeden Unternehmer in Amerika, der sich einmal über das Scheitern des Sozialwesens beklagt hat, dazu auf, sich entschlossen um die
Einstellung eines Sozialhilfeempfängers zu bemühen.
Ich danke Ihnen.
Schließlich gibt es die Sozialleistungen, über die Sie
sich beschwerten, in dieser Form nicht mehr. Es stellt
sich nicht mehr die Frage nach dem Schuldigen. Jetzt
lautet die einzige Frage, was zu tun ist. Und wir alle
tragen Verantwortung, insbesondere diejenigen, die
früher an den Gesetzen Kritik übten, einen Wandel
forderten und in der Lage sind, armen Menschen eine
Chance zu geben, sich zu entwickeln und ihre Familien
zu ernähren. Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, damit es keine Unterprivilegierten mehr
gibt, die Armen unterstützt und aus ihrer Isolation und
ihrem Exil geholt und nicht mehr vergessen werden.
Ich danke Ihnen.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem unsere Kinder sich nicht mehr gegenseitig
umbringen, in dem ihr Leben nicht mehr durch Gewalt
zu Hause oder auf dem Schulhof bedroht ist, in dem
nicht mehr eine Generation junger Menschen auf der
Straße aufwachsen muß.
Aufgrund der Einstellung von mehr Polizisten, verstärkten Straf- und Präventionsmaßnahmen ist die
Verbrechensrate seit vier Jahren ununterbrochen
gesunken. Aber wir dürfen nicht ruhen, denn sie ist
immer noch zu hoch. Wir dürfen nicht ruhen, bis
Verbrechen nicht mehr an der Tagesordnung sind,
sondern lediglich eine schockierende Ausnahme von
unserem Alltagsleben. Werden Sie mir zur Seite
stehen, bis wir diesen guten Tag erreicht haben?
Meine amerikanischen Mitbürger, wir alle stehen tief in
der Schuld von Sarah und Jim Brady - und ich freue
mich, daß sie sich doch noch nach Chicago verirrt

Seite 6

haben. Das hat mich sehr gefreut. Ihnen verdanken
wir die gute Nachricht, daß 60.000 Schwerverbrecher,
Ausreißer und Wilderer aufgrund des Brady-Gesetzes
nicht in den Besitz von Handfeuerwaffen gelangen
konnten. Aber keinem einzigen Jäger in Arkansas,
New Hampshire, Illinois oder andernorts entging die
Jagdsaison.
Wir sollten das Brady-Gesetz ausweiten, denn keiner,
der sich zu Hause der Gewaltanwendung gegen einen
Ehepartner oder ein Kind schuldig gemacht hat, sollte
eine Waffe kaufen dürfen.
Und wir müssen jene Pistolenkugeln verbieten, die
unsere Polizisten töten. Sie sind nur zu einem Zweck
konzipiert - Polizisten umzubringen. Wir bitten die
Polizei um Schutz. Wir sind es den Polizisten schuldig,
zu ihrer Sicherheit beizutragen, während sie für uns
ihre Arbeit tun.
Wir sollten einen Verfassungszusatz über die Rechte
von Opfern verabschieden, weil Opfer ein Anrecht
haben, gehört zu werden und wissen müssen, wann
ein Angreifer freigelassen wird. Sie müssen es
wissen, und der einzige Weg, dies zu garantieren, ist
ein Verfassungszusatz.
Wir haben große Fortschritte erzielt. Selbst die
Verbrechensrate unter Jugendlichen nimmt endlich ab.
Um so schmerzlicher ist es für mich, daß der Drogenkonsum der Jugendlichen ansteigt. Drogen haben
meinen Bruder beinahe umgebracht, als er ein junger
Mann war. Und ich hasse sie. Er hat gekämpft. Heute
abend ist er mit seiner Frau hier, sein kleiner Sohn ist
hier, und ich bin wirklich stolz auf ihn.
Aber ich habe etwas gelernt - ich habe etwas daraus
gelernt, diesen langen Alptraum mit unserer Familie
durchzumachen. Ich kann Ihnen sagen, mit einigen
dieser jungen Menschen ist etwas geschehen - sie
denken auf einmal, diese Drogen seien nicht mehr
gefährlich, oder sie denken, das Risiko sei akzeptabel.
Angefangen mit unseren Eltern und unabhängig von
der Parteizugehörigkeit müssen wir unsere Energien
erneuern, um diese jungen Menschen die harte,
nackte Wahrheit zu lehren: Drogen sind tödlich,
Drogen sind falsch, Drogen können Euch das Leben
kosten.
General Barry McCaffrey, der Viersternegeneral, der
unseren Kampf gegen Drogen in Lateinamerika
anführte, leitet jetzt unseren Kreuzzug gegen Drogen
im Inland - mehr Drogen an unseren Grenzen abzufangen, scharf gegen diejenigen vorzugehen, die sie
verkaufen, und vor allem, eine nationale Drogenbekämpfungsstrategie zu verfolgen, deren Hauptziel
darin besteht, unsere Kinder nicht in Berührung mit
Drogen kommen zu lassen. Ich fordere den Kongreß
auf, ihm jeden Cent der Mittel zur Verfügung zu stellen,

AMERIKA DIENST 17

�die wir für diese Strategie beantragt haben, und es
jetzt zu tun.
Wir werden noch mehr tun. Wir sollten bedingt
Haftentlassenen sagen: Wir machen einen Drogentest
mit Euch. Wenn Ihr rückfällig werdet, schicken wir
Euch zurück ins Gefängnis. Wir werden den Gangs
sagen: Wir brechen Euch mit denselben Gesetzen
gegen organisiertes Bandentum das Genick, die wir
anwenden, um die Anführer des Mobs ins Gefängnis
zu bringen. Ihr werdet nicht länger unsere Kinder
umbringen oder Mörder aus ihnen machen, bevor sie
Teenager sind.
Meine amerikanischen Mitbürger, wenn wir diese
Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, müssen wir unsere
Kinder befreien - sie aus dem tödlichen Würgegriff der
Waffen, Gangs und Drogen befreien, damit sie frei
sind, ein Leben der Hoffnung aufzubauen.
Ich möchte die Brücke ins 21. Jahrhundert mit einer
starken amerikanischen Gemeinde bauen, die mit
einer starken Familie beginnt. Ein Amerika, in dem alle
Kinder vor destruktiven Kräften bewahrt und geschützt
sind, ein Amerika, in dem die Eltern zu Hause und bei
der Arbeit Erfolg haben.
Wo immer ich in Amerika war, kamen die Menschen
auf mich zu und sprachen über ihren Kampf mit den
Anforderungen der Arbeit und ihrem Wunsch, sich
besser um ihre Kinder kümmern zu können.

Die

allererste Person, die ich je diesen Kampf führen sah,
war vor vier Jahren mit mir hier, und ich vermisse sie
heute abend sehr. Meine hart arbeitende, stets
optimistische Mutter, die sich nie unterkriegen ließ, tat
alles ihr Mögliche für meinen Bruder und mich, häufig
vielen Widrigkeiten zum Trotz. Von ihr habe ich
gelernt, welche Schwierigkeiten man mit Liebe und
Entschlossenheit überwinden kann.
Aber von ihr und unserem Leben habe ich auch
gelernt, daß kein Elternteil es alleine schaffen kann.
Und kein Elternteil sollte es alleine schaffen müssen.
Sie hatte die Hilfe, die alle Eltern verdienen - von
unseren Nachbarn, unseren Freunden, unseren
Lehrern, unseren Pastoren, unseren Ärzten und vielen
anderen mehr.
Als ich meine Karriere im öffentlichen Leben mit
zahlreichen meiner Freunde in der Delegation von
Arkansas begann, hörte man des öfteren den Ausspruch, daß jeder Mann, der für ein öffentliches Amt
kandidiert, behaupten wird, er sei in einer Holzhütte
geboren, die er mit seinen eigenen Händen erbaut
hatte. Nun, meine Mutter wußte es besser. Und sie
stellte sicher, daß auch ich es wußte. Lange bevor sie
Hillary kennenlernte, wußte sie, daß man ein Dorf
braucht, um Kinder großzuziehen, und sie war dankbar
für die Unterstützung, die sie erhielt.

AMERIKA DIENST 17

Wie Tipper Gore und Hillary am Dienstag sagten,
haben wir alle in unserer Administration hart gearbeitet, um die Familien bei der Erziehung ihrer
Kinder und erfolgreicher Arbeit zu unterstützen. Aber
wir müssen mehr tun. Wir sollten das Gesetz über
Krankenurlaub aus familiären oder gesundheitlichen
Gründen erweitern, um den Eltern mehr Zeit einzuräumen, ihre Kinder zu regulären Arztterminen zu
begleiten oder an Elternkonferenzen der Schule
teilzunehmen.
Wir sollten ein Gesetz über Gleitzeit verabschieden,
das den Beschäftigten die Entscheidung gestattet, sich
ihre Überstunden auszahlen oder mit Freizeit vergüten
zu lassen, abhängig davon, was besser für ihre Familie
ist.
Die Lebensmittelbehörde hat neue Maßnahmen
eingeführt, um die Werbung und den Verkauf von
Zigaretten an Jugendliche einzuschränken.
Der
Vizepräsident hat gestern abend eine sehr bewegende
Rede gehalten. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern,
meine amerikanischen Mitbürger, daß dies ein äußerst
wichtiges Wahlkampfthema ist, denn der Kampf ist
noch lange nicht beendet, und die beiden Kandidaten
haben unterschiedliche Meinungen. Ich verspreche
den amerikanischen Eltern, daß ich diesen Kampf zu
Ende führen werde.
In Zusammenarbeit mit der Unterhaltungsindustrie
bieten wir den Eltern einen Chip an, mit dem sie die
Fernsehsendungen kontrollieren können. Fernsehshows werden nach ihrem Inhalt eingestuft, damit die
Eltern entscheiden können, ob ihre kleinen Kinder sie
ansehen sollten. Und in Kürze werden drei Stunden
qualitativ hochwertige Kinderprogramme pro Woche
auf jedem Kanal gesendet.
Das Kennedy-Kassebaum-Gesetz legt fest, daß jeder
Amerikaner seine Krankenversicherung behalten kann,
wenn er den Arbeitsplatz wechseln muß, selbst wenn
jemand in der Familie krank geworden ist. Das ist sehr
wichtig. Aber heute abend sollten wir die nächsten
Schritte darlegen. Als erstes sollten wir die Leistungen
der Krankenversicherung denjenigen zugänglich
machen, die arbeitslos sind. In meinem Plan für einen
ausgeglichenen Haushalt schlage ich vor, daß arbeitslose Familien ihre Krankenversicherung bis zu sechs
Monate behalten können.
Ein Elternteil mag ohne Arbeit, aber kein Kind sollte
ohne ärztliche Versorgung sein. Und ich möchte
wiederholen, was die First Lady am Dienstag sagte:
Wir sollten Mütter und Neugeborene davor schützen,
in weniger als 48 Stunden aus dem Krankenhaus
entlassen zu werden.
Wir respektieren die persönliche Gewissensentscheidung jedes Amerikaners bei dem schmerzlichen
Thema Schwangerschaftsabbruch, vertreten jedoch im

Seite 7

�Hinblick auf ein Gesetz die Auffassung, diese Entscheidung sollte der Frau, ihrem Gewissen, ihrem Arzt
und ihrem Gott überlassen bleiben. Schwangerschaftsabbruch sollte aber nicht nur sicher und legal
sein, sondern auch selten. Aus diesem Grund habe
ich von mir unterstützte nationale Bestrebungen in die
Wege geleitet, um die Zahl unehelicher Kinder von
Teenagern zu verringern. Und aus diesem Grund
müssen wir die Adoption fördern.
Das von mir in der vergangenen Woche unterzeichnete Gesetz über die Anhebung des Mindestlohns
enthielt einen Freibetrag in Höhe von 5.000 Dollar für
Familien, die Kinder adoptieren, und noch mehr, wenn
die Kinder behindert sind. Ich habe der Rassendiskriminierung beim Adoptionsverfahren ein Ende
bereitet. Das war gut für Amerika.
Meine amerikanischen Mitbürger, es gibt bereits
Zehntausende von Kindern dort draußen, die ein gutes
Heim mit liebenden Eltern brauchen. Ich hoffe, daß
mehr Kinder jetzt dieses Heim finden werden.
Ich möchte mit einer sauberen und sicheren Umwelt
eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen. Wir schützen
unsere Nahrungsmittel besser vor Pestiziden. Wir
schützen unser Trinkwasser und unsere Luft vor Gift.
Wir haben Bergbau im Yellowstone-Nationalpark
verhindert. Wir haben in der Mojave-Wüste in Kalifornien den größten Nationalpark südlich von Alaska
geschaffen. Wir arbeiten an der Erhaltung der herrlichen Everglades in Florida.
Und als die Führung dieses Kongresses die Umweltverschmutzer in die Hinterzimmer einlud, um 25 Jahre
des Umweltschutzes rückgängig zu machen, der von
beiden Parteien stets unterstützt wurde, sagte ich
Nein.
Aber wir müssen mehr tun. Heute leben 10 Millionen
Kinder nur vier Meilen von einer Giftmülldeponie
entfernt. In den vergangenen drei Jahren haben wir
197 dieser Deponien beseitigt - mehr als in den
vorherigen 12 Jahren zusammengenommen. In den
nächsten vier Jahren beabsichtigen wir die Beseitigung von weiteren 55 - zwei Drittel der noch vorhandenen, und es sind die gefährlichsten. Unsere Kinder
sollten in der Nähe von Parks aufwachsen, nicht in der
Nähe von Gift.
Wir sollten den bloßen Versuch der Umweltverschmutzung schon zu einem Verbrechen machen. Wir sollten
das Vermögen gravierender Umweltverschmutzer
einfrieren, bis sie die von ihnen geschaffenen Probleme behoben haben. Wir sollten es Familien erleichtern, Informationen über toxische Chemikalien in ihrer
Nachbarschaft zu beschaffen, so daß sie mehr zum
Schutz ihrer Kinder unternehmen können. Das alles
müssen wir tun, um diese Brücke ins 21. Jahrhundert
zu bauen.

Seite 8

Meine amerikanischen Mitbürger, ich möchte eine
Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, die gewährleistet,
daß wir noch immer die Nation mit der stärksten
Verteidigung der Welt sind und unsere Außenpolitik
noch immer die Werte unserer amerikanischen
Gemeinde in der internationalen Staatengemeinschaft
fördert. Unsere Brücke in die Zukunft muß Brücken zu
anderen Nationen enthalten, weil wir immer noch
unverzichtbar als Nation für die Welt bei der Förderung
von Wohlstand, Frieden und Freiheit sind und unsere
Kinder vor den Gefahren des Terrors und der Massenvernichtungswaffen bewahren müssen.
Wir haben dazu beigetragen, Demokratie nach Haiti
und Frieden nach Bosnien zu bringen. Das auf dem
Rasen des Weißen Hauses unterzeichnete Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern
muß jetzt noch mehr Nachbarn Israels einbeziehen.
Der tiefempfundene Wunsch nach Frieden, den Hillary
und ich spürten, als wir durch die Straßen von Belfast
und Derry gingen, muß für alle Menschen Nordirlands
Realität werden. Und Kuba muß endlich der Gemeinschaft von Demokratien beitreten.
Nichts in unserem Leben war so ergreifend wie der
Tag, an dem das Volk der ehemaligen Sowjetunion
und Zentraleuropas die Fesseln des Kommunismus
sprengte. Wir waren bei diesem Prozeß behilflich, und
ich bin stolz darauf. Ich werde unsere starke Partnerschaft mit einem demokratischen Rußland fortsetzen.
Und wir werden einige der neuen Demokratien
Zentraleuropas in die NATO einbeziehen, so daß sie in
Zukunft niemals ihre Freiheit in Frage stellen werden.
Unsere amerikanischen Exporte befinden sich auf
einem Rekordniveau. In den nächsten vier Jahren
müssen wir noch weitere Schranken aus dem Weg
räumen und Lateinamerika, Afrika und andere Länder
in Asien einbeziehen um sicherzustellen, daß unsere
Arbeitnehmer und unsere Produkte - die besten der
Welt - in den Genuß der Vorteile von freiem und fairem
Handel kommen.
In den vergangenen vier Jahren haben wir das
Nuklearwaffenprogramm Nordkoreas eingefroren.
Und ich bin stolz zu sagen, daß heute abend keine
einzige russische Atomrakete auf ein amerikanisches
Kind gerichtet ist. Jetzt müssen wir unverzüglich
Maßnahmen umsetzen und ratifizieren, mit denen die
Nukleararsenale weiter reduziert, Giftgas verbannt und
Atomtests ein für allemal verboten werden.
Wir haben Investitionen in unser wichtigstes Verteidigungsgut getätigt - unsere herausragenden Männer
und Frauen in Uniform. Bis zum Jahr 2000 werden wir
unsere Mittel zur Modernisierung unserer Waffensysteme um 40 Prozent aufstocken. Mit diesen
Zusagen werden wir sicherstellen, daß unser Militär
weiterhin die am besten ausgebildete und am besten
ausgerüstete Streitmacht der gesamten Welt ist.

AMERIKA DIENST 17

�Wir entwickeln eine hochempfindliche nationale
Raketenverteidigung, aber wir dürfen - weder jetzt
noch bis zum Jahr 2000 - nicht 60 Milliarden Dollar für
ein nicht erprobtes, ineffektives Programm 'Krieg der
Sterne' verschleudern, das morgen veraltet sein
könnte.
Wir bekämpfen den Terrorismus an allen Fronten mit
einer dreigleisigen Strategie. Erstens arbeiten wir auf
eine internationale Koalition hin, die keinerlei Toleranz
für Terrorismus hat. In diesem Monat habe ich ein
Gesetz unterzeichnet, das ausländischen Unternehmen harte Sanktionen auferlegt, die in Schlüsselsektoren der iranischen und libyschen Wirtschaft investieren. Solange der Iran Terroristen ausbildet, fördert und
stützt, solange Libyen die Auslieferung derjenigen
verweigert, die für den Bombenanschlag auf Pan AmFlug 103 verantwortlich sind, werden sie einen von den
Vereinigten Staaten festgesetzten Preis bezahlen
müssen.
Zweitens müssen wir der Strafverfolgung die zur
Bekämpfung der Terroristen erforderlichen Instrumente
an die Hand geben. Wir benötigen neue Gesetze, um
hart gegen Geldwäsche durchzugreifen und diejenigen
zu verfolgen und zu bestrafen, die gewalttätige Akte
gegen amerikanische Staatsbürger im Ausland
begehen; um in Bomben verwendetem Schießpulver
chemische Markierungen oder Etiketten beizufügen,
damit wir die Bombenhersteller aufspüren können; um
den Polizisten dieselbe Macht zu verleihen, Leben zu
retten, indem die von Terroristen benutzten Telefone
angezapft werden - die Macht, die sie jetzt zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens haben.
Terroristen sind eine ebenso große - vielleicht noch
größere - Bedrohung unserer Zukunft wie das organisierte Verbrechen. Warum sollten wir zwei unterschiedliche Maßstäbe für eine gemeinsame Bedrohung der Sicherheit Amerikas und unserer Kinder
anlegen?
Mit anderen Worten: Wir benötigen die Gesetze, deren
Verabschiedung der Kongreß verweigert hat. Und ich
bitte den Kongreß erneut: Stimmen Sie diesen Gesetzen als Amerikaner, nicht aufgrund Ihrer Parteizugehörigkeit, jetzt zu.
Drittens werden wir die Sicherheit der Flughäfen und
der Flugreisen verbessern. Ich habe den Vizepräsidenten um die Gründung einer Kommission und
Berichterstattung gebeten, wie dies angegangen
werden kann. Aber jetzt werden wir in unseren
größten Flughäfen das modernste Gerät zum Aufspüren von Bomben installieren. Wir werden jedes
Flugzeug untersuchen, das aus einem anderen Land
nach Amerika oder von Amerika in ein anderes Land
fliegt - jeden Flug, jeden Frachtraum, jede Kabine, ein
jedes Mal.

AMERIKA DIENST 17

Liebe Parteifreunde, meine amerikanischen Mitbürger ich weiß, daß in den meisten Wahlkämpfen Außenpolitik bei den Diskussionen in Friseurgeschäften und
Cafes in Amerika, auf dem Betriebsgelände und den
Bowlingbahnen kein Thema von großem Interesse ist.
Aber es gibt Zeiten, in denen nur Amerika den Unterschied zwischen Krieg und Frieden, zwischen Freiheit
und Unterdrückung, zwischen Leben und Tod bewirken kann. Wir können nicht alle Kinder der Welt
retten, aber wir können viele von ihnen retten. Wir
können nicht der Weltpolizist werden, aber wo unsere
Werte und unsere Interessen auf dem Spiel stehen
und wir etwas bewirken können, müssen wir handeln
und eine Führungsrolle übernehmen. Das ist unsere
Aufgabe, und wir sind besser, stärker und sicherer,
weil wir es tun.
Meine amerikanischen Mitbürger, lassen Sie mich es
ein letztes Mal sagen: Wir können unsere Brücke ins
21. Jahrhundert nur bauen, wenn wir sie gemeinsam
bauen und wenn wir bereit sind, Arm in Arm zusammen über diese Brücke zu gehen. Ich habe in den
vergangenen vier Jahren so viel der Zeit, die Sie mir
gegeben haben, um Ihr Präsident zu sein, damit
verbracht, mich mit den Problemen in Bosnien, dem
Nahen Osten, Nordirland, Ruanda und Burundi zu
befassen. Was haben diese Orte gemeinsam?
Menschen bringen sich gegenseitig um und schlachten
Kinder ab, weil sie sich voneinander unterscheiden.
Sie teilen dasselbe Stück Land, aber sie unterscheiden
sich voneinander - sie hassen ihre Rasse, ihren
Stamm, ihre ethnische Gruppe, ihre Religion.
Wir haben den schrecklichen Preis gesehen, den
Menschen zahlen, wenn sie darauf bestehen, zu
kämpfen und ihre Nachbarn wegen Meinungsverschiedenheiten umzubringen. In unserem eigenen
Land haben wir gesehen, wie Amerika einen schrecklichen Preis für jede Form der Diskriminierung zahlte.
Und wir konnten uns stärker werden sehen, während
wir stetig einen Teil unseres Hasses und unserer
Ängste ablegten; während wir immer mehr Menschen
die Chance gaben, ihre Träume zu leben.
Aus diesem Grund wird die Fackel unserer Freiheitsstatue ebenso wie das von Tausenden von Helden
quer durch Amerika getragene Olympische Feuer
immer heller leuchten als die Feuer, die unsere
Kirchen, unsere Synagogen und unsere Moscheen
niederbrennen. Immer.
Blicken Sie und unsere vor dem Fernseher zuschauenden Mitbürger sich heute abend in diesem Saal um es gibt alle möglichen Unterschiede zwischen den hier
versammelten Menschen. Wenn wir diese Brücke ins
21. Jahrhundert bauen wollen, wenn Sie an die Werte
der Verfassung, der Bill of Rights und der Unabhängigkeitserklärung glauben, wenn Sie bereit sind, hart zu
arbeiten und die Regeln einzuhalten, sind Sie Teil
unserer Familie, und wir sind stolz, bei Ihnen zu sein.

Seite 9

�Sie applaudieren jetzt, weil Sie wissen, daß es wahr
ist. Wenn Sie aus diesem Saal gehen, denken Sie
darüber nach. Leben Sie danach.
Es gibt immer noch zu viele Amerikaner, die ihrer
Angst vor denjenigen nachgeben, die sich von ihnen
unterscheiden. Vor nicht allzu langer Zeit wurden
Hakenkreuze auf die Tür von afroamerikanischen
Angehörigen unserer Spezialeinheit in Fort Bragg
gemalt. Für diejenigen unter Ihnen, die nicht wissen,
was Spezialeinheiten tun - sie sind genau das, was ihr
Name sagt - Spezialeinheiten. Wenn ich heute abend
von dieser Bühne trete, sie anrufe und ihnen sage, sie
sollen um die halbe Welt fliegen und ihr Leben für Sie
riskieren und morgen Mittag dort sein, werden sie es
tun. Sie verdienen es nicht, Hakenkreuze auf ihrer Tür
zu haben.
Blicken Sie um sich - alt oder jung, gesund oder mit
einer Behinderung, von der man sich nicht unterkriegen läßt, Mann oder Frau, Indianer, hier geboren,
Einwanderer, hetero- oder homosexuell - was immer.
Der Test sollte lauten, ich glaube an die Verfassung,
an die Bill of Rights und die Unabhängigkeitserklärung.
Ich glaube an religiöse Freiheit. Ich glaube an die
Redefreiheit. Ich glaube an harte Arbeit und die
Einhaltung von Regeln. Ich komme morgen früh zur
Arbeit. Ich baue diese Brücke ins 21. Jahrhundert. So
sollte der Test lauten.

Moment der Entscheidung . Wir werden den letzten
Präsidenten des 20. Jahrhunderts und den ersten
Präsidenten des 21. Jahrhunderts wählen. Aber das
ist nicht die Entscheidung, um die es geht. Es geht
darum, ob wir eine Brücke in die Zukunft oder eine
Brücke in die Vergangenheit bauen. Es geht darum,
ob wir glauben, daß unsere besten Tage hinter uns
liegen, ob wir ein Land mit Menschen haben wollen,
die alle zusammenarbeiten oder eines, in dem man
alleine ist.
Heute abend wollen wir uns verpflichten, uns der
Verantwortung zu stellen und die Brücke, von der wir
wissen, daß sie gebaut werden sollte, bis ins 21.
Jahrhundert bauen. Lassen Sie uns Vertrauen haben das Vertrauen der Amerikaner, daß wir unsere Größe
nicht hinter uns lassen. Wir werden sie mit uns in das
neue Jahrhundert nehmen - ein Jahrhundert neuer
Herausforderungen und grenzenloser Versprechen.
Mit anderen Worten: Lassen Sie uns die vor uns
liegende Arbeit erledigen, so daß wir, wenn unsere Zeit
hier zu Ende ist, wahrhaft sagen können, wir haben
unsere Kinder auf die Zukunft vorbereitet.
Meine amerikanischen Mitbürger, nach diesen vier
guten, harten Jahren glaube ich noch immer an einen
Ort namens Hope, glaube ich noch immer an Amerika.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie. Gute Nacht.

Meine amerikanischen Mitbürger, in 68 Tagen steht
das amerikanische Volk erneut vor einem kritischen

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AMERIKA DIENST 17

�WAHLEN

4. September 1996

Delegierte ratifizieren Wahlplattform
der "neuen Demokraten"
Auszüge aus dem Wahlprogramm

CHICAGO - (AD) - Seit der Nominierung von Lyndon
Johnson im Jahr 1964 war keine Präsidentschaftsnominierung der Demokratischen Partei so unumstritten wie in diesem Jahr.

Dokument unterstützt das Recht der Frau auf die
eigene Entscheidung, beinhaltet jedoch auch einen
Absatz, der eine unterschiedliche Sichtweise der Frage
respektiert.

Der Wortlaut der Wahlplattform - die praktisch ohne
Meinungsverschiedenheiten und einstimmig von den
Delegierten bei ihrem Parteikonvent in Chicago
verabschiedet wurde - deutet darauf, daß die Demokraten die Einheit wiedererlangen wollen, die sie
während Lyndon B. Johnsons Präsidentschaftswahlkampf vor über einer Generation unter Beweis
stellten.

Die neue Klausel lautet: "Die Demokratische Partei ist
eine Partei der Einbeziehung. Wir respektieren die
persönliche Gewissensentscheidung jedes Amerikaners bei diesem schwierigen Thema, und wir laden alle
unsere Mitglieder zur Beteiligung auf allen Ebenen
unserer Partei ein."

Die Delegierten verabschiedeten das 34 Seiten
umfassende Wahlprogramm am 27. August in mündlicher Abstimmung. Bei einigen früheren Parteikonventen war es über bestimmte Absätze der Wahlplattform
im Plenum zu Streitigkeiten wegen beabsichtigter
Änderungen gekommen. Aber dieses Mal wollten die
Demokraten Geschlossenheit vermitteln.
Das Dokument verwendet die Sprache der politischen
Mitte und bringt die Themen der "neuen Demokraten"
zum Ausdruck, die Präsident Clinton zu betonen
versuchte. Traditionelle demokratische Themen, wie
die Erhöhung des Mindestlohns und andere Maßnahmen zur Unterstützung der Armen, sind einbezogen. Die Wahlplattform wiederholt jedoch auch
Clintons Aussage in seinem Bericht zur Lage der
Nation von 1966, daß "das Zeitalter des 'Big Government' vorbei ist". In dem Dokument steht: "Das
amerikanische Volk möchte keine Lösungen einer
aufgeblähten Regierung, und es will keine leeren
Versprechungen."
Das Thema Schwangerschaftsabbruch, ein potentielles Problem für Demokraten und Republikaner gleichermaßen, da es unter den Demokraten wie Republikanern Abtreibungsgegner und -befürworter gibt,
wurde mit einer Toleranzklausel abgehandelt. Das

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Das Wahlprogramm ist in vier Hauptteile mit den Titeln
"Chancen", "Verantwortung", "Sicherheit, Freiheit und
Frieden" sowie "Gemeinschaft" untergliedert. Es
enthält eine lange Liste von Leistungen, die die
Administration für sich in Anspruch nimmt, insbesondere den Abbau des Haushaltsdefizits, die Senkung der
Verbrechensrate und den Umweltschutz. Es legt auch
die Tagesordnung für die nächsten vier Jahre dar, falls
der Präsident wiedergewählt wird.
Im Bereich der Außenpolitik unterstreicht das Dokument die Erfolge der Clinton-Administration bei Bestrebungen, die Konflikte in Bosnien, dem Nahen Osten,
Nordirland und Haiti friedlich zu beenden. Es enthält
auch den Satz: "Präsident Clinton und Vizepräsident
Gore haben die weitreichendste Tagesordnung der
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der Geschichte festgesetzt." Bei der Bekämpfung von Terrorismus
und organisiertem Verbrechen stellt die Plattform fest,
daß die Clinton-Administration "die aggressivsten
Bestrebungen der amerikanischen Geschichte eingeleitet hat". Das Dokument verweist ferner auf die
starke Unterstützung der Administration für aufstrebende Demokratien auf der ganzen Welt und
kritisiert die Republikanische Partei wegen des
"drastisch gekürzten Haushalts".
Die Wahlplattform ist ein detailliertes Dokument, das
die Einstellung der Partei zu den einzelnen Themen

Seite 1

�widerspiegelt. Manchmal unterstützen die Präsidentschaftskandidaten die Parteiplattform, wie Clinton es in
diesem Fall getan hat. Sehr häufig stimmen die
Präsidentschaftskandidaten jedoch mit Schlüsselpassagen des Programms nicht überein, zum Teil, weil es
eine Kombination der Ansichten der Parteibasis, der
gewählten Vertreter der Partei im Kongreß sowie des
Präsidentschaftskandidaten ist.
Die Plattform der Demokratischen Partei für dieses
Jahr wurde im Juli von einem kleinen Ausschuß unter
Vorsitz des Gouverneurs von Georgia, Zell Miller, und
des Bürgermeisters von Detroit, Dennis Archer,
erarbeitet. Delegierten des Parteitags zufolge enthält
sie Eingaben von Clintons Wahlkampfteam, dem
nationalen Ausschuß der Demokraten und der demokratischen Führung im Kongreß.

Programm über Themen wie die Todestrafe und
Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Als der 186
Mitglieder umfassende Ausschuß jedoch am 5. August
in Pittsburgh (Pennsylvania) zur Verabschiedung des
Entwurfs zusammenkam, vertagte er sich bereits nach
einer Sitzung. Es gab nur vier geringfügige Änderungen.
Inzwischen wurde der Abschnitt der Wahlplattform
über die Reform der Sozialhilfe geändert, um der
Tatsache Rechnung zu tragen, daß Präsident Clinton
inzwischen ein Gesetz zur Reform der Sozialhilfe
unterzeichnet hat, das im Herbst in Kraft tritt. Der
umgeschriebene Absatz erklärt, daß das Gesetz zur
Reform der Sozialhilfe "bei weitem nicht perfekt" ist
und zu einem späteren Zeitpunkt Änderungen zu
Verfügungen wie Kürzung der Leistungen für legale
Einwanderer vorgenommen werden sollten.

Vor der letzten Parteiversammlung der Demokraten im Jahr 1992 - gab es lange Debatten zum Wahl-

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 17

�WAHLEN
4. September 1996

Demokraten für Verbrechensbekämpfung
Eröffnung des Parteikonvents

CHICAGO - (AD) - Der nationale Parteikonvent der
Demokraten begann mit einem Abend, der Emotionen
wecken und an drei Männer erinnern sollte - einer
wurde bei einem Attentat schwer verletzt, einer erlitt
ernsthafte Verletzungen bei einem Reitunfall, und der
dritte verlor sein Leben bei dem Versuch, den Menschen in Bosnien zu helfen.
Alma Brown, die Witwe des verstorbenen Wirtschaftsministers Ron Brown, der im April bei einem Flugzeugabsturz in Kroatien bei der Mission ums Leben kam,
zum Aufbau der vom Krieg zerstörten Region beizutragen, hielt nach einer Videoaufzeichnung zum
Gedenken ihres Mannes eine kurze Rede. Sie bat um
eine Schweigeminute für ihren Mann und die anderen
34 Opfer.
Der Schauspieler Christopher Reeves, zu dessen
zahlreichen Filmen "Superman" zählt, ist infolge eines
Reitunfalls im vergangenen Jahr gelähmt. Reeves, der
1992 Wahlwerbung für Präsident Clinton machte,
betonte, "Familienwerte" bedeuteten, sich um die
weniger Begünstigten einschließlich der Behinderten
zu kümmern. Er erinnerte an Präsident Franklin
Roosevelt mit den Worten: "Ebenso wie diese Administration glaube ich an das wichtigste Prinzip, das
Franklin D. Roosevelt uns gelehrt hat: Amerika
überläßt seine bedürftigen Mitbürger nicht ihrem
Schicksal. Amerika ist stärker, wenn wir uns alle um
den anderen kümmern."
Größten politischen Symbolgehalt hatte jedoch der
Auftritt von Sarah Brady, der Frau von James Brady,
dem Pressesprecher des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Reagan und Brady wurden
1981 bei einem Attentatsversuch auf den Präsidenten
verletzt.
Sarah Brady erklärte, "neun von zehn Amerikanern"
seien für die Wartezeit vor dem Kauf einer Waffe, die in
dem nach ihrem Mann benannten Brady-Gesetz
vorgeschrieben ist.
Sie zollte Präsident Clinton

AMERIKA DIENST 17

Anerkennung für sein "echtes Engagement, der
Waffengewalt ein Ende zu bereiten". Sie dankte auch
den Republikanern, die das Gesetz unterstützt hatten,
darunter Präsident Reagan.
Seit Inkrafttreten des Brady-Gesetzes im Jahr 1994
wurde "über 100.000 verurteilten Verbrechern und
anderen, denen der Kauf einer Waffe untersagt ist, das
Recht auf eine Waffe verweigert", fügte Brady hinzu.
Sie bat um die Unterstützung aller Amerikaner gegen
die sogenannte "Waffenlobby".
Seit Jahrzehnten ist die Kontrolle von Handfeuerwaffen
ein ständiges, kontroverses Thema in der amerikanischen Politik, teils aufgrund der Argumentation
einiger, das Recht, eine Waffe zu tragen, sei in der
amerikanischen Verfassung verankert. Der zweite
Zusatzartikel zur Verfassung lautet: "Da eine gut
ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien
Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes,
Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt
werden."
Die National Rifle Association (NRA), eine mächtige
Lobbygruppe, ist die treibende Kraft bei der Befürwortung von Waffenbesitz mit dem Argument, der
zweite Zusatzartikel verleihe Bürgern und Milizen das
Recht zu ungehindertem Waffenbesitz. In den letzten
Jahren haben sich jedoch die Kontrolle von Waffen
befürwortende Organisationen wie Handgun Control
Inc., deren Vorsitz Sarah Brady führt, stark gemacht
und argumentieren, der zweite Zusatzartikel schütze
nicht den uneingeschränkten Waffenbesitz von
Privatpersonen.
Am Eröffnungsabend des Parteikonvents hielten auch
andere Politiker Reden, darunter der Minderheitsführer
im Senat, Tom Daschle, und der Minderheitsführer im
Repräsentantenhaus, Dick Gephardt. Die Botschaft,
die die Politiker dem Millionenpublikum vor den
Fernsehern übermitteln wollten, war eindeutig: Die
Demokraten kümmern sich und den Durchschnitts-

Seite 1

�amerikaner und seine Probleme. Alle Meinungsumfragen belegen, daß Verbrechensbekämpfung ein
Hauptanliegen der Wähler ist.

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Seite 2

AMERIKA DIENST 17

�KUBA
4. September 1996

Eizenstat wird Sondergesandter für die Förderung
von Demokratie in Kuba
Erklärung von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat Stuart E. Eizenstat, Staatssekretär für internationalen Handel im
US-Wirtschaftsministerium und ehemaliger Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Europäischen Union, zu
seinem und Außenminister Christophers Sondergesandten für die Förderung von Demokratie in Kuba ernannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten.

Zur Unterstützung unserer andauernden Bestrebungen, Demokratie nach Kuba zu bringen, habe ich den
Staatssekretär für internationalen Handel im Wirtschaftsministerium, Stuart E. Eizenstat, zum Sondergesandten des Präsidenten und des Außenministers für
die Förderung von Demokratie in Kuba ernannt. Sein
Auftrag lautet, unsere Verbündeten in den nächsten
sechs Monaten für konkrete Maßnahmen zur Förderung von Demokratie in Kuba zu gewinnen, während
wir Titel III des Gesetzes für Freiheit und demokratische Solidarität in Kuba (Cuban Liberty and Democratic Solidarity Act - Libertad) in der von mir im vergangenen Monat dargelegten Weise umsetzen. Ich habe
ferner die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, und das ehemalige Mitglied des Repräsentantenhauses - den ehrenwerten früheren Vorsitzenden des Ausschusses für
auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses - Dante Fascell, gebeten, eine Beraterfunktion
zu übernehmen, wie dieses wichtige Ziel am besten
erreicht werden kann.
Am 16. Juli 1996 habe ich das Inkrafttreten von Titel IM
des Gesetzes für Freiheit und demokratische Solidarität in Kuba entschieden, mit dem Unternehmen, die
Geschäfte mit Kuba tätigen, davon in Kenntnis gesetzt
werden, daß ihnen wegen des Handels mit enteignetem Vermögen ein Prozeß in den Vereinigten
Staaten droht. Ich habe darüber hinaus das Recht,
Klage zu erheben, für sechs Monate ausgesetzt, um
uns Zeit zur Erarbeitung eines gemeinsamen Ansatzes
mit unseren Verbündeten und Handelspartnern zu
geben, damit wir den demokratischen Übergang in

AMERIKA DIENST 17

Kuba beschleunigen können. Die Verbündeten und
Freunde der Vereinigten Staaten teilen dieses Ziel seit
langem, wir waren uns jedoch nicht immer einig, wie
wir es erreichen können. Es ist jetzt an der Zeit,
gemeinsam konkretere Schritte zu unternehmen.
Damals habe ich auch angekündigt, daß ich einen
Sondergesandten ernennen werde, der internationale
Unterstützung für zunehmenden Druck auf Kuba zur
politischen und wirtschaftlichen Öffnung gewinnen, die
Kräfte des Wandels auf der Insel ermutigen, die
Auslandshilfe gezielter auf die Förderung demokratischer Ziele ausrichten und Geschäftspraktiken unterstützen soll, die Demokratie an den kubanischen
Arbeitsplatz bringen. In den kommenden Wochen und
Monaten wird Stu Eizenstat Konsultationen mit
kubanisch-amerikanischen Unternehmern und Mitgliedern des Kongresses hier in den Vereinigten
Staaten führen, bevor er nach Europa, Kanada und
Lateinamerika reist, um sich der Zusammenarbeit
verbündeter Regierungen, nichtstaatlicher Organisationen und der Unternehmen zu versichern.
Wie gesetzlich festgelegt, werde ich nach Ablauf
dieser sechsmonatigen Frist die von uns gemeinsam
mit unseren Verbündeten erzielten Fortschritte überprüfen, bevor ich entscheide, ob wir das Recht auf
Klage gemäß Titel III weiterhin aussetzen.
Ich bin zuversichtlich, daß die demokratischen Werte
und weitreichenden Interessen, die wir mit unseren
Verbündeten und Partnern teilen, uns die Überwindung
von Meinungsverschiedenheiten über einige Aspekte

Seite 1

�des Libertad-Gesetze gestatten und unsere Aufmerksamkeit erneut auf das Wesentliche lenken - die
Förderung von Demokratie in der einzigen nichtdemokratischen Nation der Hemisphäre.
Kubas jüngste Aktionen unterstreichen die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten und die internationale
Staatengemeinschaft, hart auf einen Wandel auf der
Insel zu drängen. Im Februar haben kubanische MiGs
ohne Warnung zwei unbewaffnete amerikanische
Zivilflugzeuge im internationalen Luftraum abgeschossen und dabei vier unschuldige Menschen getötet. Die
kubanische Regierung unterdrückt systematisch

prodemokratische Aktivisten und unabhängige Journalisten.
Stu Eizenstat verfügt über eine einzigartige Kombination innen- und außenpolitischer Erfahrung als wichtigster ehemaliger innenpolitischer Berater von Präsident
Carter und Botschafter der Vereinigten Staaten bei der
Europäischen Union. Botschafter Eizenstat wird
weiterhin als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium
und Sondergesandter des Außenministeriums für die
Rückerstattung von unrechtmäßig angeeignetem
Vermögen in Zentral- und Osteuropa tätig sein.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 17

�KUBA

4. September 1996

Freiheit und Wohlstand für das kubanische Volk
Ansprache von Botschafter Eizenstat

WASHINGTON - (AD) - Stuart E. Eizenstat, der neue Sondergesandte von Präsident Clinton für die Förderung
von Demokratie in Kuba, forderte die Verbündeten der Vereinigten Staaten in Europa und die Amerikaner auf,
gemeinsam mit Amerika den Wandel der letzten Diktatur der westlichen Hemisphäre herbeizuführen.
Vor Reportern im Weißen Haus erklärte Eizenstat am 16. August 1996, seine Ernennung und Aufgabe seien "ein
weiterer Beweis der Verpflichtung des Präsidenten, dem kubanischen Volk Freiheit und Wohlstand zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Botschafter Eizenstat im Wortlaut.

Es ist mir eine Freude und Ehre, dem Präsidenten und

sidenten im vergangenen Jahr zur Unterstützung des

als Sondergesandter für die

kubanischen Volkes sollten denjenigen helfen, die auf

Förderung von Demokratie in Kuba dienen zu dürfen.
Das wird eine Herausforderung sein, aber ich bin
optimistisch, daß wir Fortschritte in Richtung auf das
Ziel des Präsidenten machen werden, effektive
internationale Kooperation für die Förderung eines
friedlichen Übergangs zu Demokratie in Kuba herbeizuführen. Ich möchte mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten, um kooperative Maßnahmen zur
Verwirklichung dieses Ziels zu sondieren.

einen friedlichen Wandel auf der Insel hinarbeiten. Als
kubanische Flieger im Februar ungerührt und unrechtmäßig ein unbewaffnetes amerikanisches Zivilflugzeug
abschössen, ergriff der Präsident eine Reihe einschneidender Maßnahmen, darunter die Unterzeichnung des Libertad-Gesetzes, um eindeutig klarzustellen, daß die Vereinigten Staaten ein solches
Verhalten nicht tolerieren. Meine Ernennung und
Mission sind ein weiterer Beweis der Verpflichtung des
Präsidenten, dem kubanischen Volk Freiheit und
Wohlstand zu bringen.

dem Außenminister

Ich werde eng mit Botschafterin Albright und dem
ehemaligen Kongreßabgeordneten Dante Fascell
zusammenarbeiten. Sie bringen einen reichen Schatz
an Erfahrung und Urteilsvermögen in dieses Unternehmen ein. Ich habe bereits begonnen, Mitglieder des
Kongresses und Politiker in der kubanisch-amerikanischen Gemeinde zu kontaktieren und werde dies
auch weiterhin tun, um mehr über ihre Ansichten und
Ideen in Erfahrung zu bringen.
Vor allem sehe ich der Arbeit für einen Präsidenten
erwartungsvoll entgegen, der seine Verpflichtung zur
Förderung eines demokratischen Wandels in Kuba
bereits unter Beweis gestellt hat. Der Präsidentschaftskandidat Bill Clinton war ein frühzeitiger und
starker Befürworter des Gesetzes für Demokratie in
Kuba. Als Präsident hat er entschieden und konsequent gehandelt, um den Druck auf die kubanische
Regierung zu verstärken. Die Initiativen des Prä-

AMERIKA DIENST 17

Ich arbeite bereits seit gut zwanzig Jahren mit der
kubanisch-amerikanischen Gemeinde zusammen und
sehe unserer Zusammenarbeit bei dieser neuen
Aufgabe erwartungsvoll entgegen. Daher beabsichtige
ich, Anfang nächster Woche nach Südflorida und New
Jersey zu einem Treffen mit kubanisch-amerikanischen Politikern zu reisen, um unsere Erörterung
meiner Mission fortzusetzen.
Ich werde ein breites Spektrum an Möglichkeiten der
Zusammenarbeit und einen Partnerschaftsrahmen mit
unseren Verbündeten in Europa und vor allem in
unserer Hemisphäre erarbeiten, mit denen der Übergang zu Demokratie in Kuba gefördert werden soll.
Diese Partnerschaft sollte auch nichtstaatliche Organisationen, Privatunternehmen und Verbände einbeziehen. Bei meinen Gesprächen geht es darum, auf

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�grundlegende Veränderungen des politischen und
wirtschaftlichen Systems zu drängen und alle verfügbaren Druckmittel einzusetzen, engere Zusammenarbeit zwischen nichtstaatlichen Organisationen der
Vereinigten Staaten und der Verbündeten bei der
Stärkung der bürgerlichen Gesellschaft in Kuba durch
humanitäre Hilfe über nichtstaatliche Kanäle zu fördern
und freiwillige Geschäftsgrundsätze entsprechend der
Sullivan-Prinzipien in Südafrika einzuführen, damit
Investitionen - sofern sie getätigt werden - den Wandel
fördern. Ich sehe meine Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten nicht so, als ob ich sie "mit der Pistole auf
der Brust" zu Verhandlungen zwinge. Wir werden
vielmehr kooperativ auf Schritte hinarbeiten, die wir
alle unabhängig vom Libertad-Gesetz unternehmen
sollten.
In einer Zeit, in der die Welt sich unweigerlich zu
Demokratie hinbewegt, ist Castros Kuba ein Anachronismus. Kuba ist einer der schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt. Die Vereinigten Staaten
haben die Führungsrolle bei der Verurteilung dieses
repressiven Regimes übernommen. Das werden wir
auch weiterhin tun.
Der Präsident hat eindeutig klargestellt, daß seine
Entscheidung über die Aussetzung des Rechts, gemäß
Titel III Klage zu erheben, von der Erlangung konkreter
Ergebnisse mit unseren Verbündeten und anderen
interessierten Regierungen abhängt. Es wäre nicht
klug, im Vorhinein zu erörtern, was genau das Resultat
unserer Diskussionen sein muß. Ich kann jedoch
sagen, daß wir konkrete, spezifische Maßnahmen
erwarten. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten teilen die grundlegende Überzeugung, daß die

* *

Seite 2

Demokratie in Kuba eingeführt und die Menschenrechte respektiert werden sollten. Meine Aufgabe besteht
in der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, um
unsere Aktivitäten gemeinsam auf diese Ziele auszurichten. Unsere Verbündeten haben diesen Kurs
bereits eingeschlagen. Ich hoffe, diese Verbündeten
ermutigen zu können, mehr zu tun, und andere,
diesem Beispiel zu folgen.
Ich weiß, einige sind skeptisch, ob die Vereinigten
Staaten und andere Demokratien ihre Meinungsverschiedenheiten bezüglich Kuba ausräumen können.
Ich verfüge über einige Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit unseren Freunden in Europa, und ich habe
größere Hoffnungen. Ich teile das Vertrauen des
Präsidenten, daß unsere gemeinsamen Werte und
engen Bande es den Vereinigten Staaten und unseren
Verbündeten gestatten werden, unsere Differenzen
über einige Aspekte des Libertad-Gesetzes zu überwinden und auf die Förderung von Freiheit in Kuba
hinzuarbeiten, wie wir es in anderen Teilen der Welt
getan haben. Die Vereinigten Staaten sind ein Partner
ihrer europäischen Verbündeten, den Ländern Zentralund Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion
beim Übergang vom Kommunismus zu freien Regimes
behilflich zu sein. Die Vereinigten Staaten sind ein
Partner Europas bei der Beendigung des Krieges in
Bosnien und der Arbeit an einem stabilen Frieden auf
dem Balkan. Wie fordern unserer europäischen
Verbündeten und diejenigen in unserer Hemisphäre
zur Zusammenarbeit mit uns auf und bitten sie,
gemeinsam mit uns mehr zu tun, um den demokratischen Wandel des einzigen nichtdemokratischen
Regimes unserer Hemisphäre herbeizuführen.

* *

*

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�PORTRAT

4. September 1996

Stuart E. Eizenstat
Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Biographie von Stuart E. Eizenstat, Staatssekretär für
internationalen Handel im Wirtschaftsministerium, der am 16. August 1996 zum Sondergesandten für die
Förderung von Demokratie in Kuba von Präsident Clinton und Außenminister Christopher ernannt wurde.

Am 5. April 1996 wurde Stuart E. Eizenstat als Staatssekretär für internationalen Handel im Wirtschaftsministerium
vereidigt.
Als Staatssekretär leitet
Eizenstat das internationale Handelsbüro des Wirtschaftsministeriums, das für die Förderung amerikanischer Exporte, Unterstützung amerikanischer
Geschäftstätigkeit im Ausland, die Umsetzung von
Gesetzen gegen unfaire Handelspraktiken und die
Entwicklung der Handelspolitik verantwortlich ist.
Botschafter Eizenstat behält auch weiterhin den Titel
und Aufgabenbereich als Sondergesandter für Vermögensansprüche in Zentral- und Osteuropa.
Vor seiner Verwendung im Wirtschaftsministerium war
Eizenstat Vertreter der Vereinigten Staaten bei der
Europäischen Union (der amerikanische Senat
bestätigte die Nominierung am 30. Juli 1993, und der
Botschafter wurde am 23. September 1993 in Brüssel
akkreditiert). Zum Zeitpunkt seiner Nominierung war
er Sozius und Stellvertretender Vorsitzender der
Rechtsanwaltskanzlei Powell, Goldstein, Frazer &amp;
Murphy, in die er 1981 eingetreten war, und Vorsitzender des Washingtoner Büros der Kanzlei. Gleichzeitig
lehrte Eizenstat als Gastdozent an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in
Cambridge (Massachusetts) und an der Brookings
Institution in Washington.
Von 1977 bis 1981 war Eizenstat als Präsident Carters
Referent für innenpolitische Angelegenheiten und
Politik sowie als Leiter des Stabes für Innenpolitik im
Weißen Haus tätig. 1976 arbeitete er während Carters
Präsidentschaftswahlkampf hauptamtlich als Leiter für
aktuelle Fragen und Politik. Nach der Wahl wurde er
Leiter des Ressorts für Politik, Planung und Analysen
der Carter-Mondale-Übergangsplanungsgruppe.

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Von 1968 bis 1970 war Eizenstat in Atlanta als persönlicher Referent des Richters am Bezirksgericht des
nördlichen Bezirks von Georgia, Newell Edenfield, tätig
und von 1970 bis 1976 als Rechtsanwalt und Sozius
der Kanzlei Powell, Goldstein, Frazer &amp; Murphy.
Botschafter Eizenstat hat zahlreiche Beiträge für
führende Zeitungen, Zeitschriften und juristische
Publikationen verfaßt und war Mitherausgeber des
Buches The American Agenda. Zum Zeitpunkt seiner
Nominierung saß Eizenstat im Vorstand von gemeinnützigen Organisationen wie dem Weizmann Institute
of Science, The Jerusalem Foundation, Brandeis
University, Council on Foreign Relations, Council for
Excellence in Government Center for National Policy,
Overseas Development Council, International Management and Development Institute (Jerusalem), American
Jewish Committee, der UJA Federation of Greater
Washington und war Vorsitzender der Feinberg
Graduate School des Weizmann Institute. Darüber
hinaus war er Vorstandsmitglied von Hercules Inc., PSI
Energy, Inc. sowie der Israel Discount Bank of New
York.
Zur Beendigung seiner Tätigkeit als amerikanischer
Botschafter bei der Europäischen Union im Jahr 1996
verlieh Außenminister Warren Christopher Botschafter
Eizenstat den Foreign Affairs Award for Public Service,
die höchste Auszeichnung, die ein Botschafter erhalten
kann, der nicht Karrierediplomat ist.
Stuart Eizenstat wurde 1943 in Chicago geboren. Er
machte sein Examen in politischen Wissenschaften an
der University of North Carolina in Chapel Hill und
legte 1967 sein juristisches Staatsexamen an der
Harvard University ab. Seine herausragende Lauf-

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�bahn in der Regierung begann während seiner Zeit an
der Universität, als er im Sommer 1963, 1964 und
1966 als Praktikant für die Legislative und Exekutive
der Bundesregierung tätig war. Von 1967 bis 1968
war er unter Präsident Johnson Mitarbeiter im Weißen
Haus und 1968 Forschungsdirektor für Vizepräsident
Hubert Humphreys Präsidentschaftswahlkampf.
Botschafter Eizenstats Biographie erscheint in Who's
Who in America, Who's Who in American Lawyers,
Who's Who in American Jewry, Who's Who in World
Jewry, Who's Who Among Intellectuals, Who's Who in
American Politics und Who's Who in the World.
Während seiner Jahre im öffentlichen Dienst wurden

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*

ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter
der Export Enhancement Award, U.S. Coalition for
Employment Through Exports, 1993; Israel Bond
Award, 1992; Jewish Leadership Award, the Academy
of Jewish Religion, 1989; Man of the Year Award der
National Capital Association of B'nai B'rith Lodges,
1982; Department of Labor Award for Special Contributions to Youth Employment, 1980; Award from the
Washington International Business Council, 1978 und
der Young Man of the Year Award for Leadership,
American Association for Jewish Education, 1973-74.
Botschafter Eizenstat und seine Frau Frances Carol
haben zwei Söhne, Jay und Brian.

*

*

AMERIKA DIENST 17

�SOZIALES
4. September 1996

Bundesstaaten übernehmen Sozialhilfe
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Am 22. August 1996 unterzeichnete Präsident Clinton einen Gesetzentwurf, der den
Bundesstaaten die Verantwortung für die Zahlung von Sozialhilfe an Bedürftige überträgt.
Das selbst von vielen Mitgliedern der Demokratischen Partei scharf angegriffene neue Gesetz bricht mit einer 60
Jahre alten Tradition, die mit Präsident Roosevelts New Deal begann und Präsident Johnsons Great Society
beinhaltete. Das Gesetz gestattet jetzt den Bundesstaaten die Entscheidung über die Bedingungen von
Sozialhilfezahlungen an Kinder, Alleinerziehende und ältere Mitbürger. Dem Gesetz zufolge müssen diejenigen,
die in der Lage sind zu arbeiten, eine Arbeit annehmen, und es setzt fest, wer für Sozialhilfeleistungen in Frage
kommt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Heute versuchen wir die Mängel des Sozialhilfesystems für diejenigen zu beseitigen, die darauf
angewiesen sind. Wir alle wissen, daß sich die heute
von Sozialhilfe abhängige typische Familie stark von
der unterscheidet, für die das Sozialhilfesystem vor 60
Jahren geschaffen wurde. Wir alle wissen, daß viele
Menschen nur eine gewisse Zeit von Sozialhilfe
abhängen, es jedoch eine beträchtliche Anzahl derer
gibt, die sehr lange darauf angewiesen sind, wodurch
sie aus der arbeitenden Bevölkerung ausgeschlossen
werden, die unserem Leben Struktur verleiht.
Vor nahezu 30 Jahren erklärte Robert Kennedy:
"Arbeit ist das, worum es in diesem Land überhaupt
geht. Wir benötigen sie als Einzelpersonen, wir
benötigen sie für unsere Mitbürger, und wir benötigen
sie als Gesellschaft und Volk." Er hatte damals recht,
und er hat heute recht.
Von jetzt an ist die Antwort der Nation auf diese große
soziale Herausforderung nicht mehr der unendliche
Zyklus der Sozialhilfe, sondern es wird die Würde,
Macht und Ethik der Arbeit sein. Heute ergreifen wir
eine historische Chance, Sozialhilfe zu dem zu
machen, was sie eigentlich sein sollte: Eine zweite
Chance, nicht eine Lebensweise.

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Wie ich häufig gesagt habe, ist das.Gesetz, das ich
jetzt unterzeichne, bei weitem nicht perfekt. Der
Kongreß hat mir vorher zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, die meiner festen Überzeugung nach unsere
Kinder nicht schützten und zu wenig taten, um die
Menschen von der Sozialhilfe weg und zur Annahme
einer Arbeit zu bringen. Ich habe gegen beide mein
Veto eingelegt. Dieses Gesetz hatte breite überparteiliche Unterstützung und ist in beiden Bereichen sehr
viel besser.
Das neue Gesetz stellt die grundlegende Voraussetzung wieder her, indem Chancen angeboten werden
und im Gegenzug Verantwortung gefordert wird. Es
sieht 14 Milliarden Dollar für Kinderbetreuung vor, 4
Milliarden Dollar mehr als das bisherige Gesetz. Es ist
gut, weil es für eine Mutter mit kleinen Kindern ohne
die Gewährleistung der Kinderbetreuung unmöglich ist,
zur Arbeit zu gehen. Es erfordert von den Bundesstaaten, selbst die Ausgaben für die Sozialreform zu
tätigen und bietet ihnen starke Leistungsanreize, mehr
von Sozialhilfe abhängige Menschen zur Annahme
einer Arbeit zu bewegen. Es verleiht den Bundesstaaten die Fähigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen mit
dem Geld, das bisher für Sozialhilfe aufgewandt und
jetzt den Arbeitgebern als Anreiz zur Einstellung von
Leuten gegeben wird. Das Gesetz wird den Menschen
helfen, zur Arbeit zu gehen, damit sie nicht länger

Seite 1

�einen Sozialhilfescheck, sondern einen Gehaltsscheck einlösen können.
Es ist auch besser für die Kinder. Es erhält das
nationale Sicherheitsnetz der Lebensmittelmarken und
Schulspeisung. Es hebt die tiefen Einschnitte und
verheerenden Änderungen beim Schutz von Kindern,
Adoption und der Hilfe für behinderte Kinder auf. Es
bewahrt die nationale Garantie der Krankenversicherung für arme Kinder, Behinderte, Ältere und die von
der Sozialhilfe Abhängigen - das ist die wichtigste
Klausel überhaupt.
Es beinhaltet die harten Maßnahmen für die Durchsetzung von Unterhaltszahlungen, die meines Wissens
jeder Kongreßabgeordnete, jeder in der Administration
und jeder denkende Mensch im Land seit über zwei
Jahren unterstützt.
Dieses Gesetz geht in schärfster - beispielloser Weise gegen schmarotzende Eltern vor. Es ist uns
gelungen, die Unterhaltszahlungen um 40 Prozent zu
erhöhen, aber in über einem Drittel der Fälle machen
sich die Delinquenten aus dem Staub und gehen in
einen anderen Bundesstaat. Für viele Frauen und
Kinder ist der einzige Grund ihrer Abhängigkeit von
Sozialhilfe, daß der Vater sie im Stich ließ, statt einen
Beitrag zum Unterhalt des Kindes zu leisten. Das ist
falsch. Wenn alle Väter die Unterhaltszahlungen
leisten würden, die sie rechtlich erbringen müssen,
könnten auf der Stelle 800.000 Frauen und Kinder von
der Liste der Sozialhilfeempfänger gestrichen werden.
Mit diesem Gesetz sagen wir, wenn Ihr nicht den
Unterhalt bezahlt, den Ihr schuldet, werden wir Euer
Gehalt pfänden; wir werden Euch den Führerschein
abnehmen; Euch über Staatsgrenzen hinweg aufspüren; wenn nötig, müßt Ihr abarbeiten, was Ihr
schuldig seid. Das Gesetz ist gut, und es wird zu einer
drastischen Senkung der Sozialhilfezahlungen beitragen, die Unabhängigkeit fördern und die elterliche
Verantwortung stärken.
Wie der Vizepräsident ausführte, sind wir mit einigen
Verfügungen des Gesetzes überhaupt nicht einverstanden. Unseres Erachtens sind die Einschnitte bei
den Lebensmittelzuwendungen zu tief, insbesondere
da sie einkommenschwache Arbeitnehmer mit Kindern
betreffen. Wir sollten nicht diejenigen bestrafen, die
bereits für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Wir sollten
alles in unserer Macht Stehende zu ihrer Unterstützung tun, dafür sorgen, daß sie ihren Arbeitsplatz
behalten und zur Unterstützung ihrer Kinder beitragen.
Wir sind auch der Auffassung, daß die Führung im
Kongreß auf Kürzungen von Programmen für legale
Einwanderer bestanden hat, die viel zu einschneidend
sind.
Diese Kürzungen haben jedoch nichts mit dem
grundlegenden Zweck einer Reform des Sozialwesens

Seite 2

zu tun. Ich unterzeichne dieses Gesetz, weil es eine
historische Chance darstellt - Republikaner und
Demokraten setzten sich zusammen und erklärten, wir
werden diese historische Chance ergreifen, um die
soziale Absprache zwischen der Nation und den
Armen neu zu formulieren. Wir werden die Parameter
der Debatte ändern. Wir werden alles neu machen
und sehen, ob wir nicht ein System der Anreize
schaffen können, das die Arbeit, Familie und Unabhängigkeit stärkt.
Wir können das ändern, was falsch ist. Wir hätten
diese historische Chance nicht vergeuden dürfen, das
zu tun, was richtig ist. Und deshalb möchte ich Sie alle
- unabhängig von Ihrer Parteizugehörigkeit - bitten, die
Implikationen dieser anderen, nicht sozialen Themen
auf das amerikanische Volk zu überdenken und
gemeinsam guten Mutes und guten Glaubens zusammenzuarbeiten, um das zu beheben, was falsch
ist. Wir können den Haushalt ohne diese Kürzungen
ausgleichen, aber wir wollen nicht den Hauptzweck der
sozialen Verfügungen dieses Gesetzes vergessen, die
gut und solide sind und uns zumindest die Chance
bieten können, die schreckliche und fast physische
Isolierung enormer Zahlen armer Menschen und ihrer
Kinder vom Rest Amerikas zu beenden. Das müssen
wir tun.
Dieses Gesetz hat auch etwas wirklich Gutes. Wenn
ich es unterzeichne, müssen wir alle neu anfangen.
Und jedem wird Verantwortung übertragen. Nachdem
ich meinen Namen unter dieses Gesetz geschrieben
habe, wird Sozialhilfe nicht länger ein politisches
Thema sein. Die beiden Parteien können sich nicht
gegenseitig wegen dieses Gesetzes angreifen. Die
Politiker können nicht die Armen angreifen. Es gibt
keine eingefahrenen Gewohnheiten, verkrusteten
Systeme und Mängel, für die jemand anderem die
Schuld zugeschoben werden kann. Wir müssen neu
anfangen. Das ist nicht das Ende der Sozialreform, es
ist der Anfang. Und wir alle müssen Verantwortung
übernehmen.
Wenn wir jetzt sagen, daß wir mit diesem Gesetz
Arbeit erwarten, müssen wir sicherstellen, daß die
Menschen eine Chance haben, zur Arbeit zu gehen.
Wenn wir der Arbeit den ihr gebührenden Wert
beimessen, haben alle in dieser Gesellschaft - Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, religiöse
Institutionen, Einzelpersonen und die Regierungsvertreter - die Verantwortung sicherzustellen, daß die
Arbeitsplätze vorhanden sind. Wenn es jetzt nicht
funktioniert, ist es unser aller Fehler - meiner, Ihrer und
der aller anderen. Es steht nicht länger ein System im
Weg.
Ich habe in den vergangenen vier Jahren hart daran
gearbeitet, Arbeitsplätze zu schaffen und die Investitionen dorthin zu lenken, wo viele Menschen von
Sozialhilfe leben, weil es dort keine wirtschaftliche

AMERIKA DIENST 17

�Gesundung gegeben hat. Darum ging es bei dem
Programm der Übertragung von Befugnissen an
bestimmte Zonen. Darum ging es bei der Initiative
einer Gemeindeentwicklungsbank. Darum ging es bei
der Initiative, heruntergekommene Stadtviertel zu
sanieren - den Menschen die Mittel an die Hand zu
geben, in Wohngebieten ihren Lebensunterhalt zu
verdienen, die vernachlässigt worden waren.
Meines Erachtens müssen wir hier in Washington
mehr dafür tun. Ich möchte jedoch wiederholen, wir
müssen ein neues Arbeits- und Familiensystem
aufbauen. Und die Verantwortung dafür obliegt jetzt
allen. Die auf Sozialhilfe Angewiesenen sind Menschen. Und wir schulden es allen, ihnen eine Chance
zur Rückkehr zu bieten.
Ich möchte, daß sie alle darüber nachdenken, was wir
jetzt tun werden. Dies ist nicht das Ende, dies ist erst
der Anfang. Der Kongreß verdient unseren Dank für
die Schaffung einer neuen Realität, aber wir müssen
sie mit Inhalt füllen. Die Gouverneure haben um diese
Verantwortung gebeten, jetzt müssen wir ihr gerecht
werden. Es gibt Bürgermeister, die Verantwortung
haben, Vertreter der Landkreise, die Verantwortung
haben. Jeder Arbeitgeber in diesem Land, der je eine
abfällige Bemerkung über das Sozialhilfesystem
gemacht hat, sollte darüber nachdenken, ob er nicht
jemanden einstellt, der statt Sozialhilfe dann Arbeit hat.
Wenden Sie sich an den Bundesstaat und sagen Sie,
okay, gebt mir den Scheck, ich nutze ihn als Zulage,
ich bilde diese Menschen aus, ich helfe ihnen, ihr
Leben zu beginnen, und von da aus geht es weiter.
Jede einzelne Person muß nachdenken. Jede Person
in Amerika, die heute abend einen Bericht über diese
Veranstaltung sieht, die je eine abfällige Bemerkung
über das Sozialhilfesystem gemacht hat, sollte jetzt
sagen: "Okay, das ist vorbei. Welche Verantwortung
habe ich, es besser zu machen?"

schäftigten in mittelständischen Unternehmen erleichtert, eine Rente zu bekommen und zu behalten.
Gestern unterschrieben wir das Kassebaum-KennedyGesetz, das bis zu 25 Millionen Amerikanern den
Zugang zur Krankenversicherung erleichtert, von
denen viele schlecht bezahlte Arbeitsplätze haben,
was es für sie schwieriger macht.
Das Gesetz, das ich heute unterzeichne, bewahrt die
Aufstockung des Steuerfreibetrags für Arbeitnehmerfamilien. Jetzt ist es entschieden besser, zur Arbeit zu
gehen, statt weiterhin von Sozialhilfe abhängig zu sein
- entschieden besser. Aufgrund der vom Kongreß in
dieser Sitzungsperiode ergriffenen Maßnahmen ist es
entschieden besser. Und wir müssen diese Arbeit jetzt
zur Realität werden lassen.
Ich habe das schon viele Male gesagt - für die meisten
amerikanischen Familien besteht die größte Herausforderung in ihrem Leben darin, ihre Kinder gut zu
erziehen und gute Arbeit zu leisten. Einen Interessensausgleich zwischen Arbeit und Familie herzustellen, ist die Herausforderung, mit der sich die
meisten Amerikaner am Arbeitsplatz konfrontiert
sehen. Wir wollen, daß jeder wenigstens die Chance
hat, das richtige Gleichgewicht für sich herzustellen.
Heute schaffen wir die Sozialhilfe ab, wie wir sie
kannten. Ich hoffe jedoch, daß man diesen Tag in
Erinnerung behält, nicht wegen dem, was er abschaffte, sondern wegen dem, was er begann - einen
neuen Tag, der Hoffnung, Ehrgefühl und Verantwortung bietet, Arbeit belohnt und die Bedingungen der
Debatte ändert, so daß niemand in Amerika je wieder
das Gefühl hat, Menschen kritisieren zu müssen, die
arm oder von Sozialhilfe abhängig sind, sondern statt
dessen die Verantwortung fühlt, Männer und Frauen
und Kinder einzubeziehen, die isoliert sind, eine
Chance brauchen und die bereit zur Übernahme von
Verantwortung sind - ihnen muß man die Chance
geben und die Verantwortung übertragen.

Vor zwei Tagen haben wir eine Gesetzesvorlage
unterzeichnet, die den Mindestlohn erhöht und es Be-

*

AMERIKA DIENST 17

* * *

*

Seite 3

�UMWELT
4. September 1996

Nachhaltige Entwicklung Eine außenpolitische Priorität der USA
von Timothy E. Wirth

WASHINGTON - (AD) - Wirtschaftswachstum und Umweltschutz müssen "sich gegenseitig verstärken", erklärt
der Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy E. Wirth.
Timothy E. Wirth war von 1987 bis 1993 Senator von Colorado und von 1975 bis 1986 Mitglied des
Repräsentantenhauses. In seiner derzeitigen Funktion ist Wirth zuständig für Themen im Zusammenhang mit
Umwelt, Bevölkerung, Menschenrechten, Flüchtlingen, Drogen und Verbrechen.

Nachhaltige Entwicklung bedeutet im Grundsatz, daß
die Volkswirtschaften der Welt den Versuch unternehmen sollten, den Bedarf der heutigen Generation zu
erfüllen, ohne künftige Generationen einem Risiko
auszusetzen oder sie zu berauben. So verstanden
und verfolgt kann die Idee tragfähiger Entwicklung die
außerordentlich mächtigen wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Kräfte integrieren und harmonisieren, die in der Welt von heute am Werk sind. Es ist ein
in der Erkenntnis wurzelndes Konzept, daß wirtschaftliche und umweltpolitische Fortschritte sich
gegenseitig verstärken.
Ökosysteme sind die Grundlage der modernen
Gesellschaft - bei wissenschaftlicher, landwirtschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Planung. Auf lange
Sicht ist es eine ruinöse Wirtschaftsstrategie, von
unserem ökologischen Kapital zu leben. Gleichzeitig
streben die meisten Völker und Nationen Wirtschaftswachstum sowie wissenschaftliche und technologische
Fortschritte an, die wiederum unerläßliche Bausteine
des Umweltschutzes sind.
Bedauerlicherweise wurde die Sorge um die Umwelt
viel zu lange als ein peripheres, nicht brisantes Thema
angesehen, das im Kontext des Wohlstands als Luxus
behandelt werden kann. Viel zu viele werden mit dem
Kopf nicken und sagen: "Ja, ich bin für Umweltschutz solange das keine Arbeitsplätze kostet." Und in dieser
völlig falschen Analyse verbirgt sich die grundlegende
intellektuelle Herausforderung für nachhaltige Entwicklung.

AMERIKA DIENST 17

Eine mit der Umwelt verflochtene Wirtschaft
Das größte Hindernis beim Streben nach tragfähiger
Entwicklung - hier in den Vereinigten Staaten und
weltweit - ist die fälschliche Annahme, Umweltschutz
stehe im Widerspruch zu Wirtschaftsinteressen.
Tatsache ist jedoch, daß die Wirtschaft untrennbar mit
der Umwelt verbunden und völlig von ihr abhängig ist.
Fünf biologische Systeme - Ackerland, Wälder,
Weiden, Ozeane und Wasserstraßen - unterstützen
die Weltwirtschaft. Mit Ausnahme von fossilen Brennstoffen und Mineralien liefern sie alle Rohstoffe für die
Industrie und unsere gesamten Nahrungsmittel:
Ackerland liefert Nahrungsmittel, Tierfutter und
eine endlose Vielfalt von Rohstoffen für die
Industrie wie Fasern und pflanzliche Öle.
Wälder sind die Quelle für Brennstoff, Holz,
Papier und zahlreiche andere Produkte.
Weiden bieten Fleisch, Milch, Leder und
Wolle.
Ozeane und Wasserstraßen produzieren
Nahrungsmittel für den einzelnen und Ressourcen für die Industrie.
Im Unternehmerjargon ist die Volkswirtschaft eine
hundertprozentige Tochtergesellschaft der Umwelt.
Die gesamten Wirtschaftsaktivitäten hängen von der
Umwelt ab und sind die zugrundeliegende Ressour-

Seite 1

�cenbasis. Wenn die Umwelt schließlich gezwungen
ist, den Bankrott zu erklären, weil ihre Rohstoffbasis
verschmutzt, abgebaut, zerstört oder unwiderruflich
aufs Spiel gesetzt wurde, dann geht die Wirtschaft mit
ihr bankrott.
Ist dies nur ein theoretisches Konzept? Natürlich nicht.
Es geschah in Zentral- und Osteuropa, wo wir die
tiefgreifende Umweltzerstörung erst jetzt entdecken
und verstehen. Tatsächlich geschieht es auf der
ganzen Welt, selbst in vielen Krisenherden der heutigen Zeit, die dauernd Schlagzeilen machen.
Ressourcenknappheit ist die Ursache der gewalttätigen Konflikte, die die bürgerliche Gesellschaft in
Ruanda, Haiti und Chiapas erschüttern. Diese Konflikte könnten sich intensivieren und ausweiten,
während sich immer größere Populationen um immer
weniger Land, Brennstoff und Wasser streiten.
Professor Tad Homer-Dixon von der University of
Toronto warnt, daß die Rohstoffe in den kommenden
Jahren "wahrscheinlich in einer Geschwindigkeit,
Komplexität und Größenordnung knapper werden, die
in der Geschichte ihresgleichen suchen".
Wir lernen, daß das Umweltkapital nicht einfach
gemessen werden kann, indem man Bäume, Fischbestände oder Weizenähren zählt. Es umfaßt auch
komplexe Ökosysteme, die Abfall filtern, Boden
regenerieren und Trinkwasservorräte auffüllen. Diese
Systeme, die wir verspätet zu verstehen begonnen
haben, bilden die Grundlage des Lebens auf der Erde.
Abbau der Ozonschicht, Verlust der Arten und der
zunehmende Kohlendioxidgehalt unserer Atmosphäre
sind ein Beweis der Tatsache, daß die Ökosysteme
des Planeten einer großen Belastung ausgesetzt sind.
Unsere Defizitfinanzierung des Umweltkapitals hat
direkte, messbare Auswirkungen auf die menschliche
Sicherheit. Mit anderen Worten: Die lebenserhaltenden Systeme des gesamten Globus werden mit
rascher Geschwindigkeit aufs Spiel gesetzt, illustrieren unsere Interdependenz mit der Natur und verändern unsere Beziehung zum Planeten. Die Sicherheit unserer Welt hängt davon ab, ob wir ein
tragfähiges, ausgewogenes Gleichgewicht zwischen
der Zahl der auf der Erde lebenden Menschen und der
lebenserhaltenden Fähigkeit des Planeten herstellen
können:
Warum ist dieser neue Aspekt der Sicherheit erst jetzt
erkannt worden? Zwei Trends sprechen für sich.
Erstens das exponentielle Wachstum der menschlichen Bevölkerung. Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und liegt jetzt bei 5,6 Milliarden.
Jedes Jahr nimmt die Welt um weitere 91 Millionen
Bewohner zu - dem Äquivalent eines New York jeden
Monat, eines Mexiko jedes Jahr, eines China jedes
Jahrzehnt. 95 Prozent dieses Wachstums findet in
verarmten Ländern der Dritten Welt statt, die bereits

Seite 2

darum kämpfen, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen
und ihre Bevölkerung zu ernähren.
Gleichzeitig hat die industrialisierte Welt Kapazitäten
und ein Konsumverhalten zur Nutzung von Ressourcen und zur Produktion von Abfall in einer in der
Geschichte der Menschheit beispiellosen Geschwindigkeit entwickelt. Obwohl in den Industriestaaten nur
ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, verbrauchen sie
zwei Drittel aller konsumierten Rohstoffe und erzeugen
vier Fünftel aller Schadstoffe und Abfälle.
Wir manövrieren uns in eine schreckliche Lage - die
Weltbevölkerung nimmt mit einer Geschwindigkeit zu,
der nur unsere zunehmende Fähigkeit, Rohstoffe zu
konsumieren und Abfall zu produzieren, entspricht
oder sie noch übertrifft. Das ist ein absolut nicht
tragfähiger Kurs.
Prioritäten der Vereinigten Staaten für nachhaltige
Entwicklung
Der Bevölkerung muß oberste Priorität auf der Tagesordnung der Vereinigten Staaten für nachhaltige
Entwicklung beigemessen werden. In der internationalen Bevölkerungspolitik haben die Vereinigten
Staaten wieder eine Führungsrolle übernommen, und
wir haben zur Erarbeitung eines 1994 in Kairo vereinbarten internationalen Plans beigetragen, der einen
umfassenden Ansatz zur Bewältigung des raschen
demographischen Wandels fordert. Der Plan sieht die
universelle Bereitstellung von Dienstleistungen in den
Bereichen Familienplanung und reproduktive Gesundheit vor, würde die Ausbildung junger Mädchen
drastisch verbessern und sich auf die Bekämpfung der
Kindersterblichkeit, Verantwortung des Mannes, starke
Familien und die Einbeziehung nichtstaatlicher Organisationen an der Basis konzentrieren.
Elementarer Bestandteil der amerikanischen Bevölkerungsstrategie ist die Förderung sozialer, politischer
und wirtschaftlicher Rechte von Frauen, die außerordentlich wichtige Ressourcen für Wachstum und
Mittler des Wandels sind. Die Dividende dieser
Initiativen - im Hinblick auf Stabilität, Qualität der
Umwelt und wirtschaftliche Produktivität - wird die
Kosten auf Generationen hinaus aufwiegen. Dies wird
zu einem generellen Thema der amerikanischen
Außenpolitik und unseres Erachtens ein erreichbares
Ziel im 21. Jahrhundert.
Eine zweite Priorität - die Bereitstellung grundlegender
Gesundheitsfürsorge - ist eine kluge Investition für die
internationale Staatengemeinschaft, die mit relativ
geringen globalen Kosten getätigt werden kann. Die
Ausrottung von vier verbreiteten, leicht vermeidbaren
Krankheiten - Masern, Tetanus, Keuchhusten und
Kinderlähmung - die Behebung von Jod- und Vitamin
A-Mangel und die weltweite Verfügbarkeit oraler

AMERIKA DIENST 17

�Rehydrationstherapien können allesamt Anfang des
nächsten Jahrhunderts verwirklicht sein.

scheidender Subpopulationen - insbesondere Frauen
- im Entwicklungsprozeß einzulösen.

Allein mit diesen Maßnahmen könnten jährlich 3 bis 4
Millionen Menschenleben gerettet, vielleicht 20
Millionen frühe Kindstode vermieden, unermeßliches,
unnötiges Leiden gemildert und ein maßgeblicher
Beitrag zur Erleichterung des Drucks auf größere
Familien geleistet werden. Bestandteil der globalen
Gesundheitsstrategie der Vereinigten Staaten ist auch
die Konzentration auf AIDS in der Erkenntnis, daß eine
Heilung vielleicht noch Jahrzehnte dauern wird, wir
jedoch mit aggressiven Präventionsstrategien in den
Teilen der Welt helfen können, wo die Verbreitung der
Infektionskrankheit epidemische Ausmaße angenommen hat.

Dieses Ziel der institutionellen Reform ist Teil der
sechsten und letzten Herausforderung - der Herausforderung der Regierungsführung im 21. Jahrhundert.
In dieser Welt nach dem Kalten Krieg machen unsere
Probleme vor traditionellen Grenzen nicht halt globaler Klimawandel, Abbau der Ozonschicht,
Artenvielfalt, Flüchtlinge, Drogen - all diese Themen
geben zur Sorge Anlaß, die uns vor eine Herausforderung stellt und mit Hilfe stärkerer multilateraler,
kooperativer Organisationen bewältigt werden muß.

Die Artenvielfalt ist eine dritte Priorität - ein großer
Schild für die Aufgabe, Gottes Schöpfung zu erhalten,
das biologische Erbe, das alle lebenden Dinge umfaßt.
Diese riesige Quelle genetischer Informationen ist
entscheidend für unsere langfristige wirtschaftliche und
umweltpolitische Integrität, und wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um sie zu erhalten. Der
amerikanische Senat muß den beim Erdgipfel in Rio de
Janeiro 1992 verabschiedeten Vertrag über die
Artenvielfalt ratifizieren. Gemeinsam mit anderen
Signatarstaaten müssen die Vereinigten Staaten
weltweite Bestrebungen in die Wege leiten, diese
umfassende und großenteils unbekannte Informationsquelle zu katalogisieren, zu erkunden und nachhaltig
zu nutzen. Das nächste Jahrhundert wird zweifelsohne das Jahrhundert der Biologie, und wir müssen uns
engagieren, um diese bemerkenswerte Chance neuer
Quellen für Nahrungsmittel, Brennstoff, Fasern und
Pharmazeutika vollständig zu nutzen.
Die Integration umweltpolitischer und wirtschaftlicher
Gebote auf nationaler Ebene ist eine vierte Priorität.
Wir können nicht länger davon ausgehen, daß wir
keine Kosten für die Verschmutzung der Luft oder die
Erschöpfung unserer Ressourcen tragen müssen. Wir
müssen vielmehr diese Kosten internationalisieren und
dem Genie des Marktes gestatten, die effizientesten
Mittel zur Erlangung unserer umweltpolitischen Ziele
herauszufinden.
Die fünfte Herausforderung ist die Reform unserer
internationalen Institutionen zur besseren Förderung
nachhaltiger Entwicklung. Die Weltbank - der wichtigste öffentliche Motor für Entwicklung - wird eine
zentrale Rolle bei der Unterstützung des Übergangs zu
tragfähiger Entwicklung spielen. Wir müssen härter
auf Veränderungen bei den Kreditvergabepraktiken
hinarbeiten, um das Versprechen einer verstärktenBetonung von kleineren, dezentralisierten Projekten zur
Förderung alternativer Entwicklung, zum Schutz der
Umwelt, zur Bewahrung der Rechte der lokalen
Bevölkerung und zur Anerkennung der Rolle ent-

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Wir müssen gewährleisten, daß unsere internationalen
Institutionen für die Aufgaben des 21. Jahrhunderts
geeignet sind. Das wird nicht leicht sein. Mauern
können an einem Tag niedergerissen werden, aber
einen Sinneswandel bei Einzelpersonen zu bewirken
und ein Gefühl für eine gemeinsame Sache unter
Institutionen zu vermitteln, ist sehr viel schwieriger.
Wir haben jedoch einen umfassenden, wenn auch
komplizierten Rahmen, auf den wir aufbauen können.
Meines Erachtens wird nachhaltige Entwicklung der
wichtigste logische Grund für unsere institutionellen
Arrangements im 21. Jahrhundert sein.
Ein neues Sicherheitskonzept
In der neu konfigurierten Welt ist die nationale Sicherheit eng mit der menschlichen Sicherheit verbunden. Die Sicherheit des Menschen ruht auf einem
Fundament von Frieden und politischer Stabilität,
physischer Gesundheit und wirtschaftlichem Wohlergehen. Die Hauptbedrohungen der menschlichen
Sicherheit sind nicht so leicht erkennbar wie beispielsweise das Nukleararsenal eines Gegners, aber sie
sind ebenso todbringend.
Es sind die Bedrohungen, die durch die elende Armut,
in der eine Milliarde der Weltbevölkerung lebt, entstehen; durch den Hunger, der 800 Millionen Männer,
Frauen und Kinder plagt; die Verbreitung von
HIV/AIDS, die bis zum Jahr 2000 30 bis 40 Millionen
Menschen infizieren, und die Kombination von Gewalt,
Armut und Zerstörung der Umwelt, die 20 Millionen
Menschen aus ihrer Heimat vertrieben hat.
In den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
beginnen wir die enge Verbindung zwischen Armut,
Umwelt, Wirtschaft und Sicherheit zu verstehen. Diese
historische Umgestaltung erfordert, daß wir uns jetzt
von veralteten Maßnahmen, Annahmen und der
starren Sichtweise befreien, die gestern noch die
Kriterien unserer Politik waren.
Krisenverhütung und nachhaltige Entwicklung zählen
zu den größten Herausforderungen des nächsten
Jahrhunderts. Es ist an der Zeit, unseren Ansatz zur
nationalen Sicherheit in der Erkenntnis neu zu gestal-

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�ten, daß unsere wirtschaftliche und umweltpolitische
Zukunft ein und dasselbe sind. Diese Herausforderun-

gen entscheiden die Zukunft, die wir unseren Kindern
und Enkelkindern hinterlassen.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Wahlen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton will Brücke ins 21. Jahrhundert bauen&lt;br /&gt;Rede des Präsidenten beim Pateikonvent der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Delegierte ratifizieren Wahlplattform der "neuen Demokraten"&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Wahlprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokraten für Verbrechensbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnung des Parteikonvents&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kuba&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eizenstat wird Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freiheit und Wohlstand für das kubanische Volk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stuart E. Eizenstat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Soziales&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bundesstaaten übernehmen Sozialhilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachhaltige Entwicklung - eine außenpolitische Priorität der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Timothy E. Wirth&lt;/em&gt;</text>
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