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                  <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
11

29. Mai 1996

LANDMINEN

USA GEBEN NEUE POLITIK ZUR
ÄCHTUNG VON LANDMINEN BEKANNT
Rede von Präsident Clinton

BOSNIEN

IDEAL EINES MULTIETHNISCHEN UND
DEMOKRATISCHEN BOSNIENS MUSS
VERWIRKLICHT WERDEN
Rede von Außenminister Christopher

TERRORISMUS

CHRISTOPHER: KAMPF GEGEN TERRORISMUS IST DRÄNGENDE HERAUSFORDERUNG
Rede des Außenministers

VERTEIDIGUNG

KONFLIKTVERHUTUNG ALS ZIEL
AMERIKANISCHER SICHERHEITSPOLITIK
Rede von Verteidigungsminister Perry

WIRTSCHAFT

RUBIN: PRIVATINVESTITIONEN, LIBERALISIERUNG DER FINANZMÄRKTE UND
BEKÄMPFUNG VON FINANZVERBRECHEN
Erklärung des Finanzministers

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
inlernet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-DEUTSCHLAND

DIE USA ALS WIRTSCHAFTSPARTNER
UND KONKURRENT
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

OECD

NEUE AUFGABEN UND HERAUSFORDERUNGEN IM BEREICH
WIRTSCHAFTLICHER ZUSAMMENARBEIT
Ansprache von Joseph Stiglitz

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�LANDMINEN
29. Mai 1996

USA geben neue Politik zur
Ächtung von Landminen bekannt
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Am 16. Mai 1996 verkündete Präsident Bill Clinton die neue Politik der Vereinigten
Staaten zum Verbot von Antipersonenminen. Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte
Ansprache des Präsidenten.

Heute leite ich internationale Bestrebungen zum
Verbot von Antipersonenminen in die Wege. Seit
Jahrzehnten ist die Welt entsetzt über die von Landminen angerichtete Zerstörung. Spielende Mädchen und
Jungen, Bauern bei der Bestellung ihres Bodens, ganz
normale Reisende - insgesamt mehr als 25.000
Menschen werden jährlich von Landminen getötet oder
verstümmelt, die nach der Beendigung eines Krieges
zurückblieben. Wir müssen handeln, damit die Kinder
der Welt ohne Furcht den Boden unter ihren Füßen
betreten können.
Zur Beendigung dieses Gemetzels streben die Vereinigten Staaten den baldigen Abschluß eines weltweiten Abkommens über die Einstellung des Einsatzes
sämtlicher Antipersonenminen an. Die Vereinigten
Staaten werden führend bei den internationalen
Bestrebungen zur Beseitigung dieser entsetzlichen
Waffen sein sowie dabei, diesem enormen Verlust an
Menschenleben Einhalt zu gebieten. Die heute von
mir bekanntgegebenen Schritte bauen auf unserer
Arbeit zur Entschärfung von Minen in 14 Nationen auf von Bosnien bis Afghanistan, von Kambodscha bis
Namibia. Ferner bauen sie auf dem Exportmoratorium
über Landminen auf, an das wir uns seit vier Jahren
halten - Bestrebungen, denen sich glücklicherweise 32
weitere Nationen angeschlossen haben.
Zur Erlangung unseres Ziels eines weltweiten Verbots
ordne ich am heutigen Tag verschiedene unilaterale
Aktionen an. Zunächst verfüge ich, daß unsere
Streitkräfte mit sofortiger Wirkung den Einsatz sämtlicher konventioneller Antipersonenminen einstellen.
Die Minen, die bis zu ihrer Explosion gefährlich sind,

AMERIKA DIENST 11

werden entschärft. Einzige Ausnahme sind die zur
Verteidigung der amerikanischen Truppen und unserer
Verbündeten vor Aggression auf der koreanischen
Halbinsel sowie die für Ausbildungszwecke erforderlichen Landminen. Die übrigen Minen - insgesamt mehr
als 4 Millionen - werden aus unseren Arsenalen
entfernt und bis 1999 zerstört.
Ebenso wie die Welt Verantwortung dafür trägt, daß
ein Kind in Kambodscha sicher zur Schule gehen
kann, besteht meine Verantwortung als Oberbefehlshaber der Streitkräfte auch darin, die Sicherheit unserer Männer und Frauen in Uniform zu gewährleisten und ihr Leben zu schützen. Angesichts der
fortgesetzten und beispiellosen Androhung von
Aggression auf der koreanischen Halbinsel habe ich
entschieden, daß die Vereinigten Staaten bei sämtlichen Verhandlungen über ein Verbot ihr Recht auf den
Einsatz von Landminen in dieser Region erhalten
werden und müssen, bis die Bedrohung aufgehört hat
oder Alternativen zu Landminen gefunden werden.
Bis zum Inkrafttreten eines internationalen Verbots
behalten sich die Vereinigten Staaten das Recht vor,
notfalls sogenannte "intelligente Minen" oder Selbstzerstörungsminen einzusetzen, denn es könnte
Kampfsituationen geben, in denen diese Minen das
Leben unserer Soldaten retten.
Ich möchte auf eines besonders hinweisen: Diese
intelligenten Minen sind nicht die versteckten Killer, die
weltweit so viel Leid verursachen. Sie entsprechen
internationalen Normen. Sie zerstören sich selbst
innerhalb weniger Tage und stellen nach Beendigung

Seite 1

�der Kampfhandlungen praktisch keine Gefahr für die
Zivilbevölkerung dar. Aber unter dem von uns angestrebten internationalen Verbot würde dem Einsatz
dieser intelligenten Antipersonenminen ebenfalls ein
Ende gesetzt.
Wir sind entschlossen zu verhindern, daß in den
Ländern dieser Welt erneut Terror gesät wird. Aus
diesem Grund schlage ich vor, daß die 51. Generalversammlung der Vereinten Nationen diesen Herbst eine
Resolution verabschiedet, in der die Nationen der Welt
zur Unterstützung eines weltweiten Verbots von
Landminen aufgefordert werden. Ich habe UNOBotschafterin Albright angewiesen, umgehend mit der
Vorbereitung dieser Resolution zu beginnen.
Drittens. Obwohl die von mir erwähnten Ausnahmen
für den Schutz des Lebens von Amerikanern erforderlich sind, bin ich entschlossen, unsere Abhängigkeit von diesen Waffen vollständig zu beenden. Aus
diesem Grund fordere ich den Verteidigungsminister
auf, sofort mit der Forschungsarbeit und der Entwicklung alternativer Technologien zu beginnen, die keine
neue Gefahr für Zivilisten darstellen.
Viertens. Bei unseren Bestrebungen zur Verhinderung
des Entstehens weiterer Minenfelder müssen wir auch
unsere Anstrengungen verstärken, bereits existierende
zu entschärfen. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen - so
unglaublich es auch erscheinen mag - in Europa,
Asien, Afrika und Zentralamerika ungefähr 100
Millionen Landminen im Boden.
Zum Abbau der durch sie hervorgerufenen Ängste
verstärkt das Verteidigungsministerium seine Bestrebungen zur Entwicklung verbesserter Minensuchgeräte sowie von Entschärfungstechnologie zum Einsatz in
den zahlreichen schon seit langer Zeit unter Minen

leidenden Ländern. Ferner verstärken wir unsere
Ausbildungs- und Hilfsprogramme zur Unterstützung
anderer Nationen bei ihren Bemühungen, ihr Territorium von diesen Geräten zu befreien. Hierzu sowie zur
Entwicklung von Alternativen zu Antipersonenminen
stellen wir ausreichende Gelder zur Verfügung. Ich
werde persönlich mit dem Kongreß in dieser Frage
zusammenarbeiten.
Viele Menschen haben daran mitgewirkt, daß wir so
viel erreichen konnten. Ich möchte insbesondere
Senator Patrick Leahy aus Vermont meinen Dank
aussprechen. Ich weiß zwar, daß er nicht mit allen
Teilen unseres Ansatzes übereinstimmt, aber sein
Engagement und seine moralische Führung in dieser
Sache spielten eine wesentliche Rolle dabei, das
Gewissen unserer Nation aufzurütteln und sie auf das
von Landminen verursachte Leid aufmerksam zu
machen. Weiterhin möchte ich den nichtstaatlichen
Organisationen danken, die sich so stark dafür
eingesetzt haben, diese Angelegenheit ganz oben auf
die internationale Tagesordnung zu setzen.
Bei der Bewältigung der Aufgabe, ein weltweites
Verbot von Landminen zu erzielen, müssen wir
zusammenarbeiten. Und wir werden Erfolg haben. Ich
möchte nochmals sagen, wie sehr ich zu würdigen
weiß, wieviel Zeit und Energie General Shalikashvili
und die Vereinigten Stabschefs dieser bedeutenden
Frage in den letzten Monaten gewidmet haben. Es
können Jahre vergehen, bis alle Völker der Welt sich
sicher fühlen, wenn sie den Boden unter ihren Füßen
betreten, aber wir beschleunigen den Anbruch dieses
Tages mit den heute bekanntgegebenen Entscheidungen. Ich werde alles in meiner Macht Stehende zu
ihrer möglichst schnellen Umsetzung unternehmen einschließlich des internationalen Abkommens über
ein Verbot aller Antipersonenminen.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 11

�BOSNIEN
29. Mai 1996

Ideal eines multiethnischen und demokratischen
Bosniens muß verwirklicht werden
Rede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - Bei einem Treffen des Föderationsforums bosnischer und kroatischer Regierungschefs
im Blair House erklärte Außenminister Christopher am 14. Mai 1996: "Dies ist der Ort, um dem Ideal eines
multiethnischen und demokratischen Bosniens Substanz zu verleihen."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede des Außenministers im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vizepräsident, Herr Außenminister,

Wahlen - der nächste entscheidende Meilenstein in
dem Prozeß - stattfinden können.

ich möchte Sie im Blair House willkommen heißen und
freue mich, daß Sie zu diesem zweiten Treffen des
Föderationsforums nach Washington gekommen sind.
Das Föderationsforum ist eine amerikanische Initiative,
die die Föderation als Eckpfeiler des Friedens in
Bosnien stärken soll. Ich möchte auch unseren
deutschen Partnern und insbesondere dem Stellvertretenden Hohen Repräsentanten Steiner für die
Zusammenarbeit mit uns im Namen der Föderation
danken.

Es gibt einige, die immer noch der Ansicht sind, daß
die Föderation nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Sie
haben jedoch bereits viel getan, um sie eines Besseren zu belehren. Die Föderation hat seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens in der Tat beachtliche Fortschritte erzielt. Eine separate Föderationsregierung wurde gegründet. Das Verfassungsgericht
der Föderation wurde eingeweiht. Praktisch alle
Kantone und Stadtverwaltungen wurden geschaffen.
Interne Zollkontrollstellen werden abgeschafft, und die
Föderationsbehörden für die Erhebung von Zöllen sind
in Betrieb. In Zusammenarbeit mit der IFOR beginnen
einige Stadtverwaltungen, ihre Zusagen über die
Rückführung der Flüchtlinge zu erfüllen.

Während wir heute hier zusammenkommen, ergreifen
die Menschen in Bosnien die durch den Frieden
geschaffenen Chancen. Mit jedem wieder aufgebauten Haus, mit jeder wieder zusammengeführten
Familie, mit jeder ohne Rückgriff auf Gewalt beigelegten Streitigkeit entfernen sie sich einen Schritt
von den Schrecken der Vergangenheit und unternehmen einen Schritt zu einem gerechten und dauerhaften
Frieden. Diese Errungenschaften stehen jedoch noch
auf tönernen Füßen.
Wir sind hier, weil wir uns einer Sache sicher sind:
Wäre es uns nicht gelungen, vor zwei Jahren die
Föderation zu gründen, gäbe es heute keinen Frieden
in Bosnien. Wir sind aber auch hier, weil noch Arbeit
vor uns liegt: Die Föderation muß ihr volles Potential
ausschöpfen, wenn der Frieden Bestand haben soll.
Und wir müssen heute Fortschritte erzielen, damit freie

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Ich weiß, daß man die bitteren Erinnerungen des
Krieges nicht völlig hinter sich lassen kann. Sie haben
sich diesem Prozeß verschrieben, weil es der einzige
Weg ist sicherzustellen, daß der Krieg nicht mehr als
eine bittere Erinnerung bleibt.
Meines Erachtens haben Sie unter Beweis gestellt,
daß Sie diesem Prozeß zum Erfolg verhelfen wollen.
Die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft haben ebenfalls demonstriert, daß sie
alles in ihrer Macht Stehende tun werden um zu helfen.
Obwohl unsere Bestrebungen umfassend sind, gibt es
viele Dinge, die nur Sie tun können. Wir können ein
sicheres Umfeld schaffen, aber Sie müssen die Herzen
und Köpfe vorbereiten. Wir können die Einhaltung

Seite 1

�vieler Aspekte des Friedensabkommens gewährleisten, aber Sie müssen echte Zusammenarbeit
sicherstellen. Wir können der Föderation nur helfen,
wenn sie funktionierende staatliche Institutionen hat,
mit denen die ausländischen Regierungen und
Investoren Geschäfte abwickeln können.
Es ist beispielsweise unerläßlich, daß Sie ein neues
Verteidigungsgesetz der Föderation verabschieden
und umsetzen, um die Streitkräfte der bosniakischen
und kroatischen Gemeinden zu vereinigen. Nur wenn
diese Streitkräfte integriert sind, kann die internationale
Staatengemeinschaft mit ihrer Ausbildung und Ausrüstung beginnen. Es ist ebenso wichtig, daß die
Föderation den Aufbau ihrer Finanzinstitutionen
abschließt, so daß die Hilfe der Weltbank vorangebracht werden kann. Sie müssen auch Wahlgremien
vor Ort einrichten und Ihrer Verpflichtung nachkommen, allen politischen Parteien gleichen Zugang zu
den Medien zu garantieren.
Alle Seiten können ferner bessere Arbeit bei der
Einhaltung ihres Versprechens von Dayton leisten,
Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. In ganz Bosnien
ist es offenkundig, daß die Menschen nach Hause
zurückkehren wollen. In vielen Fällen haben sie große
Risiken auf sich genommen, um dies zu tun. Die IFOR
leistet ihren Beitrag. Es obliegt jedoch ihren Regierungen, dies zu ermöglichen. Sie blicken auf Sie bei der
Erfüllung ihrer Hoffnung, daß der Frieden Bestand
haben kann.
Schließlich benötigt die Föderation eindeutig ausländische Investitionen zum Wiederaufbau ihrer Volkswirtschaft. Die Vereinigten Staaten werden Ron Browns
Mission der Förderung von Handel und Investitionen
fortführen. Unsere Entwicklungsgesellschaft OPIC
wird Geschäfte mit der Föderation in die Wege leiten.
Das Wirtschaftsministerium hat eine ständige Vertre-

* *

Seite 2

tung in Sarajevo eingerichtet. Aber die Föderation
muß das Ihre tun, um die erforderlichen Investitionen
anzuziehen. Sie werden nur prosperieren, wenn Sie
Vertrauen in Ihre Zukunft wecken.
Ich bitte Sie - und das bosnische Volk blickt auf Sie - in
all diesen Bereichen den Geist und die Worte von
Dayton zu bekräftigen. Dies ist der Ort, um dem Ideal
eines multiethnischen und demokratischen Bosniens
Substanz zu verleihen. Sie dürfen nicht vergessen,
daß es dieses Ideal war - nicht die Präferenz einer
Konfliktpartei - das die Freunde Bosniens veranlaßte,
dem Land zu Hilfe zu eilen.
Sie wissen, was Sie hinter sich lassen - vier Jahre der
Gewalt, des Terrors und der Isolation von einem
Europa, das immer wohlhabender, vereinter und freier
wird. Jetzt müssen Sie entscheiden, was Sie werden
wollen. Ich hoffe, Sie werden den Weg wählen, den
die anderen neuen Demokratien Zentraleuropas
eingeschlagen haben, indem sie politischen Pluralismus, eine freie Presse, die Marktwirtschaft unterstützten und eine wirklich bürgerliche Gesellschaft
entwickelten. Das ist der einzige Weg zur Integration
mit Europa und dem Westen - der einzige Weg, der zu
Investitionen, wirtschaftlicher Gesundung und dauerhaftem Frieden führt.
Ich hoffe, daß Sie dieses Forum nutzen werden, um zu
demonstrieren, daß die Föderation funktionieren kann
und um sicherzustellen, daß sie funktionieren wird,
damit die immensen Investitionen in den Frieden, die
wir gemeinsam getätigt haben, sich bezahlt machen.
Dies ist eine Arbeitssitzung mit spezifischen Zielen und
der Aussicht auf beträchtliche Leistungen. Die letztliche Verantwortung für den Erfolg liegt bei Ihnen - den
Regierungschefs der Föderation. Wir dürfen nicht
weniger erwarten als uneingeschränktes Engagement
für die Sache des Friedens.

* *

*

AMERIKA DIENST 11

�TERRORISMUS
29. Mai 1996

Christopher: Kampf gegen Terrorismus
ist drängende Herausforderung
Rede des Außenministers

WASHINGTON - (AD) - "Keine der uns heute konfrontierenden Herausforderungen ist drängender als der Kampf
gegen den Terrorismus", erklärte Außenminister Warren Christopher bei einer vom Washington Institute for Near
East Policy veranstalteten Zusammenkunft am 21. Mai 1996. Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text
seiner Rede.

Es ist mir eine große Freude, wieder vor dem
Washington Institute sprechen zu dürfen. Unter der
Führung von Mike Stein, Barbi Weinberg und Rob
Satloff ist das Institut weiterhin herausragend als
wertvolles Forum für Diskussionen über die
amerikanische Nahostpolitik. Ferner ist das Institut
auch ein Reservoir an Begabungen.
Jede
Organisation, die Menschen wie Martin Indyk, Dennis
Ross und John Hannah hervorbringt, muß wohl den
richtigen Weg eingeschlagen haben.
Manchmal
scheint mir, das Außenministerium schuldet Ihnen eine
Vermittlungsgebühr.
Wie Mike bereits erwähnte, hielt ich zuletzt im Oktober
1993 vor dem Institut eine Rede - kurz nach dem
Händedruck zwischen Ministerpräsident Rabin und
dem PLO-Vorsitzenden Arafat auf dem Rasen vor dem
Weißen Haus, der den Verlauf der Geschichte des
Nahen Ostens dauerhaft veränderte. Seitdem ist viel
geschehen. Israel und Jordanien haben Frieden
geschlossen. Die Palästinenser widersetzten sich
dem Ruf der Hamas nach einem Wahlboykott und
gaben damit ein klares Mandat für den Frieden ab.
Heute haben sie im Gazastreifen und in den meisten
Städten im Westjordanland eine autonome Regierung.
Der Palästinensische Nationalrat stimmte mit
überwältigender Mehrheit für eine Erfüllung seiner
Verpflichtung, die untragbaren Bestimmungen seiner
Charta zu streichen. In Casablanca und Amman
fanden Wirtschaftsgipfel statt. Acht Mitglieder der
Arabischen Liga statteten Israel einen offiziellen
Besuch ab - und mit Ausnahme von Libyen, Irak und
Sudan beteiligte sich jedes Mitglied der Arabischen

AMERIKA DIENST 11

Liga auf die eine
Friedensprozeß.

oder

andere

Weise

am

Hätte ich 1993 diese Ereignisse prognostiziert, hätten
Sie mir möglicherweise einen langen Urlaub
empfohlen. Der Umfang und die Geschwindigkeit des

Wandels waren wahrhaft welterschütternd. Er ist so
schnell gekommen, daß das früher Undenkbare
bereits zur Routine geworden ist.
Angesichts
schwieriger Herausforderungen kann man leicht
vergessen, wie dramatisch der Friedensprozeß bereits
die Landschaft im Nahen Osten verändert hat. Bei
unserem weiteren Vorgehen müssen wir daran
denken, welch enorme Fortschritte wir bereits erzielt
haben.
Keine
der
uns
heute
konfrontierenden
Herausforderungen ist dringlicher als der Kampf gegen
den Terrorismus. Der Terrorismus zerstört das Leben
Unschuldiger.
Er
unterminiert
das
Sicherheitsempfinden der Gesellschaft und damit das
Fundament, auf dem ein dauerhafter Frieden
aufgebaut werden muß. Somit stellt der Terrorismus
eine Bedrohung unserer nationalen Interessen dar nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit.
Präsident Clinton hat den Terrorismus zu Recht als
eine
der
wichtigsten
sicherheitspolitischen
Herausforderungen bezeichnet, denen wir uns nach
dem Ende des Kalten Krieges gegenübersehen. In
seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im
Oktober vergangenen Jahres bezeichnete er den
Terrorismus heute als weltweites Phänomen.
Niemand ist immun dagegen, mit Sicherheit nicht

Seite 1

�Israel.
Aber auch Ägypten, Japan, Frankreich,
Großbritannien, Deutschland, die Türkei, SaudiArabien, Argentinien oder Algerien sind nicht immun
dagegen. Und leider auch die Vereinigten Staaten
nicht, wo Terroristen von Manhattan bis Oklahoma City
Anschläge verübten.

Gegner.
Terroristen und ihre Anhänger führen
systematische Angriffe auf Israel und den
Friedensprozeß durch. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen die
Chance des Friedens zunichte machen, indem sie das
Gefühl persönlicher Sicherheit jedes israelischen
Bürgers zerstören.

Als sei diese Bedrohung noch nicht ernst genug,
sehen wir uns jetzt mit einer noch alarmierenderen
Gefahr konfrontiert - Terroristen im Besitz von
Massenvernichtungswaffen. Der Giftgasanschlag in
der Tokioter U-Bahn vergangenes Jahr war ein
düsteres Omen. Und er war auch ein Weckruf für die
Welt. Die Bedrohung ist real. Wir müssen jetzt
handeln, um ihr zu begegnen.

Die Anschläge der Feinde des Friedens eskalieren aus
einem einfachen Grund: Der Friedensprozeß ist
erfolgreich. Mit jedem Schritt, den Israel und seine
Nachbarn zum Frieden machen, werden die Feinde
des Friedens verzweifelter und entschlossener
zu Anschlägen. Sie müssen die Angst schüren, weil
sie wissen, daß die Hoffnung ihr Verderben ist.

Die Vereinigten Staaten sind hierbei führend. Letzten
Monat
unterzeichnete
der
Präsident
ein
bahnbrechendes Antiterrorismusgesetz. Das Gesetz
sieht Strafverfolgung mit neuen Instrumenten vor, um
Terroristen von einem Anschlag abzuhalten und sie im
Falle eines Anschlags vor Gericht zu bringen. Das
Gesetz stärkt unsere Fähigkeit, die Beschaffung von
Geldern in den Vereinigten Staaten durch
internationale Terroristen zu verhindern. Es bietet
gesetzliche Sicherheitsklauseln, gestattet uns aber
auch die schnelle Ausweisung von Ausländern, die
terroristischen Aktivitäten Vorschub leisten.
Die Vereinigten Staaten stehen auch an der Spitze der
Bestrebungen zur Bekämpfung des Terrorismus auf
globaler Ebene. Wir haben harte Sanktionen gegen
die Staaten verhängt, die Terroristen unterstützen oder
ihnen Zuflucht gewähren. Wir intensivierten unsere
Zusammenarbeit mit anderen Staaten bei der
Terrorismusbekämpfung, was uns die Festnahme der

Schlüsselfiguren von Anschlägen wie dem auf das
World Trade Center gestattete. Letzten Dezember
hielten wir mit unseren Partnern in der G-7 und
Rußland in Ottawa ein Ministertreffen zur Entwicklung
gemeinsamer
Strategien
für
die
Terrorismusbekämpfung ab.
Und im April traf
Präsident Clinton mit Präsident Jelzin und anderen
führenden Politikern in Moskau zusammen und
vereinbarte neue Schritte, die verhindern sollen, daß
Nuklearmaterial in die falschen Hände gelangt.
Nirgends auf der Welt war die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus
sichtbarer als im Nahen Osten. Wir hielten die UNOSanktionen gegen Libyen wegen seiner Rolle bei dem
Bombenanschlag auf Pan-Am-Flug 103 aufrecht. Und
wir setzen uns für verstärkten Druck auf den Sudan
wegen seiner Unterstützung des versuchten Attentats
auf den ägyptischen Präsidenten Mubarak ein.
Die wichtigste Rolle der Vereinigten Staaten - die den
Schwerpunkt meiner heutigen Ausführungen bildet - ist
der Schutz des Nahostfriedensprozesses und der
Friedensstifter vor den bösartigen Angriffen ihrer

Seite 2

Die Vereinigten Staaten sind entschlossen zu
gewährleisten, daß die Feinde des Friedens keinen
Erfolg haben. Wir werden uns ihrem Terror niemals
beugen. Wir werden nicht zulassen, daß Terroristen
unsere Entschlossenheit schmälern oder uns vom Ziel
eines echten, sicheren und dauerhaften Friedens für
Israel und alle Völker im Nahen Osten abbringen.
Als
Israel
im
Februar
und
März
durch
Selbstmordkommandos terrorisiert wurde, reagierte
Präsident Clinton, indem er den Friedensgipfel von
Scharm-el-Scheich organisierte. Praktisch über Nacht
kamen die führenden Politiker der Welt seiner
Aufforderung nach, sich an die Seite Israels zu stellen nicht um einen weiteren Durchbruch beim
Nahostfriedensprozeß zu feiern, sondern um den
Friedensprozeß in einem Moment der Krise zu
verteidigen. Es war ein einzigartiges Ereignis, das
eine unmißverständliche Botschaft entsandte: Die
Feinde des Friedens sind zum Scheitern verurteilt. Ihr
Terror wird nur unsere Entschlossenheit verstärken,
den Kreis des Friedens zu schließen und wird sie für
immer ausschließen.
Scharm-el-Scheich
leitete einen Prozeß zur
Verstärkung der gemeinsamen Bestrebungen beim
Kampf gegen den Terrorismus in der ganzen Region
ein. Vor kurzem unterzeichneten Präsident Clinton
und
Ministerpräsident
Peres
ein
neues
Terrorismusbekämpfungsabkommen zur Stärkung der
Zusammenarbeit unserer beiden Regierungen.
Zusätzlich stellen die Vereinigten Staaten Israel Gerät
und Ausbildungsmöglichkeiten im Wert von über 100
Millionen Dollar zur Terrorismusbekämpfung zur
Verfügung.
Ferner begannen wir mit der Stärkung der Fähigkeiten
der palästinensischen Regierung im Kampf gegen den
Terrorismus. Mit unserer Unterstützung arbeiten
israelische und palästinensische Sicherheitsdienste
jetzt im Rahmen einer gemeinsamen Kampagne
zusammen, um die terroristische Infrastruktur im
Westjordanland und Gazastreifen restlos
zu
beseitigen. Palästinensische Streitkräfte fingen viele
Flugzeuge von Selbstmordkommandos ab. Sie bargen

AMERIKA DIENST 11

�Sprengstoff und Waffenlager. Sie verhafteten die für
Terroranschläge Verantwortlichen, brachten sie vor
Gericht und ins Gefängnis und setzen ihre Jagd fort.
Der PLO-Vorsitzende Arafat versteht heute sehr gut,
daß er im Kampf gegen den Terror seine gesamten
Kräfte einsetzen muß - nicht nur, weil die von ihm mit
Israel geschlossenen Abkommen das verlangen,
sondern weil er weiß, daß die Bomben der Hamas und
der islamischen Dschihad nicht nur das Leben von
Israelis, sondern auch die Bestrebungen der
Palästinenser vernichten wollen. Die Vereinigten
Staaten bestehen
weiterhin darauf, daß diese
verstärkten
palästinensischen
Bestrebungen
fortgesetzt werden.
Ebenso wie die Hamas vor ihr, verfolgte auch die
Hisbollah bei ihren Anschlägen im Libanon in den
letzten Monaten das Ziel, den Friedensprozeß außer
Kraft zu setzen. Als die Feindseligkeiten eskalierten,
waren die Verantwortung und die Interessen der
Vereinigten Staaten klar und deutlich: Die Nutzung
ihres Einflusses, um das Leiden Unschuldiger und die
Krise zu beenden und einen neuen Rahmen zu
schaffen, um die Möglichkeit einer Wiederholung zu
verringern.
Das als Ergebnis meiner Pendeldiplomatie erzielte
Abkommen
diente
genau
diesem
Zweck.
Hunderttausende von Israelis und Libanesen konnten
in ihre Heimat zurückkehren.
Neue schriftliche
Übereinkünfte wurden zur Eindämmung der Gefahren
möglicher
Feindseligkeiten
geschlossen.
Internationale
Bestrebungen
sollen
beim
Wiederaufbauprozeß im Libanon helfen. Und wir
gründen eine Kontrollgruppe, die erstmals Israel, den
Libanon und Syrien zusammenbringt, um eine weitere
Krise zu verhüten.
Die jüngste Gewaltaktion hat eine beunruhigende
Realität erneut schlaglichtartig beleuchtet: Bei
terroristischen
Akten
zur
Störung
des
Friedensprozesses ist der Iran führend. Die iranischen
Politiker bedienen sich regelmäßiger Rhetorik, um zu
Terrorismus anzustiften.
Präsident Rafsanjani
bezeichnete die Ermordung von Ministerpräsident
Rabin als "Rache Gottes".
Und kurz vor den
Bombenanschlägen der Hamas predigte das
Oberhaupt des Iran, Ajatollah Khameini, "die Macht
des Islam wird schließlich das Ende des wurzellosen
zionistischen Regimes herbeiführen, das vernichtet
werden muß."
Der Iran beläßt es jedoch nicht bei Rhetorik. Er trifft oft
mit allen größeren Terrorgruppen zusammen einschließlich der Hisbollah, der Hamas, der
palästinensisch-islamischen Dschihad und der PFLPGC.
Er ermutigt diese Gruppen aktiv, den
Friedensprozeß durch Terroranschläge zu stören. Er
versorgt sie mit Geld - mehrere Millionen Dollar jährlich

AMERIKA DIENST 11

im Fall der Hamas, der islamischen Dschihad und
anderen; bis zu 100 Millionen Dollar jährlich für die
Hisbollah. Ferner versorgt der Iran sie mit Waffen und
Material, Ausbildung und - in einigen Fällen Einsatzleitung.
In den letzten Monaten häuften sich hierfür die
Beweise. Im Vorfeld der israelischen Wahlen wurden
im Iran ausgebildete Terroristen entsandt, um Israel
und die palästinensischen Gebiete zu infiltrieren.
Einige wurden abgefangen. Anderen mißlang knapp
die Durchführung ihrer tödlichen Aktivitäten. Wieder
andere hatten mit ihren mörderischen Missionen
Erfolg.
Unseres Erachtens war eine vom Iran
unterstützte Gruppe verantwortlich für die jüngste
Beschießung
eines
israelisch-amerikanischen
Studenten vom Auto aus im Westjordanland. In einem
anderen Fall beschlagnahmte Belgien eine aus dem
Iran stammende Ladung mit einem Granatwerfer, der
wahrscheinlich für einen Angriff auf jüdische Ziele in
Europa vorgesehen war.
Es sollte keine weiteren Debatten über die Beteiligung
des Iran an terroristischen Aktionen gegen den
Friedensprozeß geben. Der deutsche Außenminister
Kinkel ließ daran bei seinen Äußerungen hier in
Washington vor zwei Wochen keinen Zweifel. Ihm
zufolge ist sich Deutschland "des Bösen voll bewußt,
dessen sich der Iran schuldig machte und immer noch
macht". Weiterhin erklärte er, "die Amerikaner und die
Deutschen sind sich bei ihrer allgemeinen
Einschätzung dessen, was der Iran mit dem
Terrorismus bezwecken will, einig ... Unterstützung der
Hisbollah, der Hamas und der Dschihad."
Obwohl wir und unsere Verbündeten jetzt ähnliche
Analysen der Fakten vornehmen,
bestehen
Differenzen hinsichtlich des besten Weges für den
Umgang mit dem Iran. Die Vereinigten Staaten sind
der Ansicht, daß der Iran nur dann sein Verhalten
ändern wird, wenn die Welt ihm einen Preis abverlangt
- einen ausreichend hohen politischen und
wirtschaftlichen
Preis.
Wir
müssen
den
Verantwortlichen im Iran die Mittel zur Finanzierung
ihrer gefährlichen Politik verweigern. Aus diesem
Grund beschloß der Präsident im vergangenen Jahr
die Verhängung eines umfassenden Embargos gegen
amerikanische Geschäfte mit dem Iran. Und aus
diesem Grund arbeiten wir mit dem Kongreß Gesetze
zur weiteren Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks
auf den Iran aus.
Im Gegensatz dazu beteiligen sich die europäischen
Nationen weiterhin an einem sogenannten kritischen
Dialog mit dem Iran und setzen gleichzeitig den
normalen Handel fort. Die Europäer geben selbst zu,
daß ihre Politik keine signifikante Veränderung des
iranischen Verhaltens herbeiführte. Wir sind weiterhin
davon überzeugt, daß Dialog nur dann die iranische

Seite 3

�Politik verändern wird, wenn er mit wirklichem ökonomischen Druck gekoppelt ist.
Ich möchte eines betonen: Wir widersetzen uns nicht
der Politik der EU, weil wir prinzipiell gegen Gespräche
mit dem Iran sind. Die Vereinigten Staaten haben
schon vor langer Zeit ihre Bereitschaft zu einem
offenen Dialog mit autorisierten Vertretern der iranischen Regierung bekundet, bei dem wir zwei unserer
wichtigsten Anliegen ansprechen können: Erstens die
Unterstützung des Terrorismus - insbesondere des
gegen den Friedensprozeß gerichteten - durch den
Iran und zweitens seine Bestrebungen zum Erwerb
von Massenvernichtungswaffen. Der Iran hat dieses
Angebot jedoch nie angenommen.
Unsere Entschlossenheit zur Eindämmung des Iran
und Niederschlagung der Feinde des Friedens ist
deutlich. Dasselbe gilt aber auch für unser Engagement, auf Fortschritte bei den Verhandlungen über
einen umfassenden arabisch-israelischen Frieden zu
drängen. Alles andere würde den Terroristen zu
genau dem Sieg verhelfen, den sie anstreben.
Um den Kreis des Friedens zu schließen, sind Abkommen zwischen Israel und Syrien sowie zwischen
Israel und dem Libanon von elementarer Bedeutung.
Syrien stellt für uns eine einzigartige Herausforderung
dar. Einerseits haben wir bei unseren bilateralen
Beziehungen zu Syrien ernsthafte Probleme. Syrien
steht auf unserer Drogenliste sowie auf unserer
Terrorismusliste.
Präsident Clinton und ich haben bei Präsident Assad
und anderen hochrangigen syrischen Regierungsvertretem immer wieder auf unsere Belange hingewiesen.
Wir werden das auch weiterhin tun und deutlich
machen, daß diese Anliegen bewältigt werden müssen, bevor die Vereinigten Staaten für beide Seiten
vorteilhafte Beziehungen zu Syrien aufbauen können.
Andererseits sind wir uns jedoch bewußt, daß Syrien
sich vom Iran unterscheidet. Der Iran weist schon den

Gedanken an Frieden zurück und hat sich der Zerstörung Israels verschrieben. Im Gegensatz dazu
verhandelt Syrien direkt mit Israel über die Beendigung
ihres Konfliktes. Ich mache mir keine Illusionen. Es
wird schwierig sein, diese Verhandlungsbereitschaft in
ein Friedensabkommen umzuwandeln. Aber die
bisherigen Gespräche haben eine solide Grundlage für
Fortschritte geschaffen, die bei einer Wiederaufnahme
der Verhandlungen erzielt werden können.
Solange wir davon überzeugt sind, daß der Frieden
möglich ist, müssen wir weiterhin mit den Parteien
zusammenarbeiten, um einen Durchbruch zu erzielen,
der weitreichende strategische Konsequenzen hätte nicht nur für den Nahen Osten, sondern auch für die
vitalen Interessen der Vereinigten Staaten.
Ein
umfassender Frieden wird die Gefahr eines weiteren
arabisch-israelischen Krieges dramatisch verringern.
Er wird schließlich die Beschränkungen beseitigen, die
normalen Beziehungen Israels zur gesamten arabischen und muslimischen Welt im Wege stehen.
Schließlich - und das ist vielleicht am wichtigsten - wird
die Beendigung des arabisch-israelischen Konflikts
uns und unseren Freunden gestatten, unsere Mittel zur
Bewältigung einer Reihe gemeinsamer, uns alle
bedrohender
strategischer
Herausforderungen
einzusetzen - insbesondere das Anwachsen extremistischer Bewegungen, die Terrorismus und
Gewalt einsetzen, sowie verbrecherischer Staaten wie
Iran und Irak, die im Besitz von Massenvernichtungswaffen sind.
Dies sind die realen Gefahren, mit denen wir und
unsere Freunde uns in den kommenden Jahren
befassen müssen. Bei der Verfolgung unserer nationalen Interessen sind wir hierzu entschlossen. Ein
entscheidender Bestandteil unserer Strategie müssen
fortgesetzte Bestrebungen sein, die bestehende
historische Chance zu ergreifen, um einen sicheren
und umfassenden Frieden zu schaffen.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 11

�VERTEIDIGUNG
29. Mai 1996

Konfliktverhütung als Ziel
amerikanischer Sicherheitspolitik
Rede von Verteidigungsminister Perry

BOSTON - (AD) - Verteidigungsminister William Perry zufolge ist die beste Sicherheitspolitik der Vereinigten
Staaten eine präventive Verteidigung, die auf die Verhütung von Konflikten abzielt.
Damit präventive Verteidigung in Rußland, Europa, auf dem Balkan, in Lateinamerika oder China funktioniert, ist
ihm zufolge eine Führungsrolle der Vereinigten Staaten von elementarer Bedeutung.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine gekürzte Version der Rede, die Verteidigungsminister Perry am 13. Mai
1996 vor Studenten und Fakultätsmitgliedern der John F. Kennedy School of Government der Harvard University
hielt.

Im Rahmen einer berühmten Vorlesung in Harvard im
Jahr 1837 fragte Ralph Waldo Emerson seine Zuhörer:
"Wenn es irgendeine Zeit gibt, zu der man geboren
sein möchte, ist es dann nicht das Zeitalter der Revolution, in dem Alt und Neu Seite an Seite stehen, in dem
die Energien aller Menschen von Angst und Hoffnung
genährt werden, in dem der historische Ruhm des
Alten von den reichhaltigen Chancen des Neuen
kompensiert werden kann?"
Ebenso wie Emerson leben auch wir in einem Zeitalter
der Revolution: In der Politik durch das Ende des
Kalten Krieges, in der Wirtschaft durch das dramatische Anwachsen des Welthandels, im Bereich der
Technologie durch die explosionsartige Zunahme von
Informationssystemen.
Heute leben wir gemäß
Emersons Wunsch in einer revolutionären Ära "reichhaltiger Chancen" - einer Ära, in der unsere Energien
von Angst und Hoffnung genährt werden. Symbole
unserer Hoffnung sind der weltweite Erfolg der Demokratie, die Zunahme neuer globaler Handelsbeziehungen, die Ausweitung globaler Kommunikationssysteme
und die explosionsartige Zunahme von Informationsaustausch. In dieser revolutionären neuen Ära wird
der Begriff der "abgeschotteten Gesellschaft" schnell
unmodern. Selbst die Staaten, die immer noch nach
Isolation streben, entdecken, daß diese immer schwieriger zu praktizieren ist. Tatsächlich ist sie unmöglich

AMERIKA DIENST 11

zu erreichen, wenn man die Früchte der Weltwirtschaft
ernten will. China merkte das bei der Niederschlagung
der Demonstration auf dem Platz des Himmlischen
Friedens, als es die Faxmaschinen und Modems nicht
kontrollieren konnte.
Aber neben dieser Hoffnung werden unsere Energien
in dieser revolutionären Ära auch "von Angst genährt":
Angst vor der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Angst vor ethnischem Haß, der
bestehende Staaten zerreißt, Angst vor Terroranschlägen extremistischer Gruppen und Angst vor der
Aggression verbrecherischer Staaten, die von den
Zwängen der früheren Bündnisse aus der Zeit des
Kalten Krieges befreit sind. Für viele bedeutete diese
revolutionäre neue Ära ein Gefühl geringerer persönlicher Sicherheit, symbolisiert durch Bilder der Toten,
die aus dem Bundesgebäude von Oklahoma getragen
werden oder der Passagiere, die nach dem Giftgasanschlag aus der Tokioter U-Bahn flüchten.
Der krasse Gegensatz zwischen unseren Hoffnungen
und unseren Ängsten macht deutlich, daß dieses
revolutionäre neue Zeitalter von der zunehmenden
Fähigkeit der Menschheit charakterisiert ist, Gutes und
Böses zu tun. Ferner macht er deutlich, daß zusätzlich
zu der Revolution in Politik, Wirtschaft und Technologie

Seite 1

�auch eine Revolution bei unserem Denken über
Sicherheitsstrategie erforderlich ist.

zentraleuropäischen Nationen in die europäische
Sicherheitsstruktur.

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten verlangt von
uns die Beibehaltung starker Streitkräfte zur Abschreckung und notfalls zur Verteidigung vor denjenigen, die unsere vitalen nationalen Interessen bedrohen
- und das praktizieren wir. Aber die Vereinigten
Staaten haben heute auch eine einzigartige historische
Chance - die Chance, Konflikte begünstigende Bedingungen zu vermeiden und zur Schaffung von Voraussetzungen für den Frieden beizutragen. Heute möchte
ich zu Ihnen darüber sprechen, auf welche Weise
Amerikas Sicherheitspolitik im Zeitalter nach dem
Kalten Krieg von uns verlangt, diese Chance zu
ergreifen: "Präventive Verteidigung" zur ersten Verteidigungslinie Amerikas zu machen, Abschreckung zur
zweiten Verteidigungslinie und militärische Auseinandersetzung zur dritten und zum letzten Ausweg.

Aber die Geschichte der präventiven Verteidigung
handelt nicht nur von der Vermeidung einer Bedrohung
durch Massenvernichtungswaffen. Es geht bei ihr
auch darum, die Militär- und Verteidigungsapparate
der Welt zur Förderung der Verbreitung von Demokratie, Vertrauen und Verständigung zwischen den
Nationen zu verpflichten. Hier sind die Ergebnisse
vielleicht nicht so direkt greifbar, aber dennoch nicht
weniger bedeutend.

Präventive Verteidigung kann mit Präventivmedizin
verglichen werden. Präventivmedizin schafft Bedingungen, die Gesundheit fördern, die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten verringern und chirurgische
Eingriffe unnötig machen. Präventive Verteidigung
schafft Bedingungen, die Frieden fördern, Kriege
weniger wahrscheinlich und Abschreckung unnötig
machen.
Heute beruht unser Programm der präventiven
Verteidigung auf seinen eigenen Prämissen: Erstens,
daß weniger Massenvernichtungswaffen in weniger
Händen Amerika und die Welt sicherer machen.
Zweitens, daß mehr Demokratie in mehr Nationen
geringere Konfliktmöglichkeiten in der Welt bedeuten.
Und drittens, daß die Verteidigungsapparate eine
wichtige Rolle beim Aufbau von Demokratie, Vertrauen
und Verständigung innerhalb und zwischen Nationen
übernehmen müssen.
Diese Prämissen lassen die Schlußfolgerung zu, daß
die Welt nach dem Kalten Krieg nur dann friedlich und
konfliktfrei sein kann, wenn Amerika weltweit führend
bei der Verhinderung von Konflikte begünstigenden
Bedingungen sowie bei der Schaffung der Vorbedingungen für den Frieden ist. Mit anderen Worten: Wir
müssen mit einer präventiven Verteidigung eine
Führungsrolle übernehmen. Zu diesem Zweck haben
wir im Verteidigungsministerium eine Reihe innovativer
Programme - einige auf nationaler, andere auf internationaler Ebene - ins Leben gerufen. Sie umfassen das
Programm zur Verringerung der kooperativen Bedrohung, das den Nuklearwaffenkomplex der ehemaligen Sowjetunion abbauen soll (Cooperative Threat
Reduction Program); ferner das Nichtverbreitungsprogramm für den Umgang mit der Bedrohung durch
die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen;
das Rahmenabkommen zur Beseitigung des nordkoreanischen Nuklearwaffenprogramms und die Partnerschaft für den Frieden zur Integration von 27 ost- und

Seite 2

Amerika weiß seit langem, daß die Ausbreitung von
Demokratie in mehr Nationen für seine nationale
Sicherheit von Vorteil ist. Es war im letzten Jahrzehnt
ermutigend, daß so viele Nationen der Welt mit uns
darin übereinstimmten, daß Demokratie die beste
Regierungsform ist. Aber da die Nationen der Welt
versuchen, entsprechend diesem Konsens zu handeln,
sehen wir, daß zwischen einem weltweiten Konsens
und einer weltweiten Realität noch wichtige Schritte
liegen. Demokratie ist ein erlerntes Verhalten. Viele
Nationen haben heute Demokratien, die auf dem
Papier existieren, tatsächlich aber auf extrem unsicheren Füßen stehen. Wahlen sind eine notwendige,
jedoch nicht ausreichende Vorbedingung für eine freie
Gesellschaft. Ferner ist die Einbettung demokratischer
Werte in die Schlüsselinstitutionen der Nationen
erforderlich.
Das Verteidigungsministerium spielt eine Schlüsselrolle bei diesen Bestrebungen. Es ist eine einfache
Tatsache, daß praktisch jedes Land der Welt ein Militär
hat. In praktisch jeder neuen Demokratie - in Rußland,
den erst vor kurzem befreiten Nationen der ehemaligen Sowjetunion, in Zentral- und Osteuropa, in Südamerika, bei den asiatischen Tigern - stellt das Militär
eine wichtige Kraft dar. In vielen Fällen hat es die
größte Bindekraft. Oft ist in ihm ein großer Prozentsatz
der gebildeten Elite vertreten, und es kontrolliert die
wichtigsten Ressourcen. Mit anderen Worten: Es ist
eine Institution, die zur Unterstützung oder zur Unterminierung von Demokratie beitragen kann.
Wir müssen erkennen, daß jede Gesellschaft, die von
Totalitarismus zu Demokratie übergeht, an irgendeinem Zeitpunkt durch eine Krise auf die Probe gestellt
wird - sei es eine Wirtschaftskrise, ein Schlag gegen
Menschenrechte und Freiheiten, ein ethnischer oder
Grenzstreit mit einem Nachbarland. Wenn eine solche
Krise ausbricht, wollen wir, daß das Militär eine
positive Rolle bei seiner Lösung übernimmt - keine
negative Rolle, indem es die Flammen der Krise schürt
oder sie sogar als Vorwand für einen Militärputsch
benutzt.
In diesen neuen Demokratien können wir beschließen,
diese wichtige Institution zu ignorieren, oder wir
können versuchen, einen positiven Einfluß auf sie

AMERIKA DIENST 11

�auszuüben. Wir haben die Fähigkeit, Einfluß auszuüben. Tatsächlich hält jedes Militär der Welt die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten für ein Modell, das
Nachahmung verdient. Das ist ein wertvoller Einflußfaktor, den wir für unsere präventive Verteidigungsstrategie kreativ nutzen können.
Wenn wir zwischen den Militärs von zwei benachbarten Nationen Vertrauen und Verständnis schaffen
können, schaffen wir Vertrauen und Verständnis
zwischen den beiden Nationen selbst. Manchmal wird
behauptet, "Krieg ist zu wichtig, um allein den Generälen überlassen zu werden". Präventive Verteidigung
besagt, "Frieden ist zu wichtig, um allein den Politikern
überlassen zu werden".
Obwohl präventive Verteidigung sehr vielversprechend
für die Verhütung von Konflikten ist, müssen wir uns
bewußt sein, daß sie eine Strategie zur Beeinflussung
der Welt ist - nicht dazu, ihr unseren Willen aufzuzwingen. Wir müssen offen und nüchtern eingestehen, daß präventive Verteidigung nicht immer funktioniert. Aus diesem Grund liegt meine oberste Priorität
als Verteidigungsminister immer noch in der Beibehaltung starker, einsatzbereiter Streitkräfte und dem
Willen, sie zur Abschreckung und zur Verteidigung
unserer Interessen einzusetzen. Wir verfügen immer
noch über ein zwar verringertes, aber äußerst effektives Nuklearwaffenarsenal. Wir haben ein starkes, auf
Bedrohungen basierendes Programm zur Verteidigung
mit ballistischen Raketen. Wir unterhalten die besten
konventionellen Streitkräfte der Welt, von denen viele
sowohl in Europa als auch im asiatisch-pazifischen
Raum vorne stationiert sind. Und wir vergrößern
weiterhin unseren technologischen Vorsprung gegenüber jedem potentiellen Gegner, was uns die Vorherrschaft auf jedem Schlachtfeld der Welt gibt. Diese
Kräfte und Fähigkeiten - in Kombination mit dem
politischen Willen, sie einzusetzen - erlauben den
Vereinigten Staaten von Amerika, bei der Abschrekkung von Konflikten weltweit äußerst erfolgreich zu
sein. Dieselben Fähigkeiten und Kräfte bedeuten:
Wenn wir einen Konflikt nicht verhüten oder abschrecken können, werden wir Aggression unverzüglich und mit minimalen Verlusten niederschlagen.
Die Umkehrung trifft ebenfalls zu. Wenn wir die
Bedingungen für einen Konflikt verhindern können,
verringern wir das Risiko, unsere Streitkräfte zur
Abschreckung oder Niederschlagung von Aggression

*

AMERIKA DIENST 11

in Gefahr zu bringen. Die Schlüsselrolle von präventiver Verteidigung ist der Öffentlichkeit jedoch nicht
hinreichend bekannt. Sogar nationale Sicherheitsexperten verstehen sie nicht richtig. Dasselbe galt
übrigens in seinen ersten Tagen für den Marshallplan.
Der Marshallplan kam nicht fertig wie die Venus aus
der Muschel. Tatsächlich erklärte George Marshall
oftmals, er hätte damals bei seinem berühmten Rede
in Harvard 1947 keinen "Marshallplan" vorgelegt.
Vielmehr handelte es sich ihm zufolge um einen
Vorschlag, den er jedoch nicht einfach nur unterbreitete. Der Staatsmann Marshall war ein Visionär,
aber der Soldat Marshall war auch ein praktischer
Mensch. Und als solcher erkannte er, daß in einer
Demokratie kein nationaler Vorschlag, insbesondere
wenn er das Engagement der Vereinigten Staaten auf
der Welt beinhaltet, realisiert wird, wenn er nicht die
Unterstützung der Öffentlichkeit genießt. Der von
Marshall unterbreitete Vorschlag wurde zum Marshallplan, weil George Marshall das darauffolgende Jahr
damit verbrachte, sich direkt an die Öffentlichkeit zu
wenden, um ihre Unterstützung zu gewinnen.
Heute unterbreite ich keinen Vorschlag für präventive
Verteidigung, sondern einen Bericht darüber, wie sie
unsere Welt und die künftiger Generationen bereits auf
positive Weise beeinflußt. Damit präventive Verteidigung als Ansatz für nationale Sicherheit erfolgreich ist,
müssen auch wir das amerikanische Volk davon
überzeugen. Wir müssen Amerika davon überzeugen,
daß zu diesem entscheidenden Zeitpunkt in der
Geschichte, an dem wir unsere größten Hoffnungen für
unser revolutionäres Zeitalter realisieren wollen, unser
Engagement in der Welt sowie die Programme zur
Unterstützung der präventiven Verteidigung von
elementarer Bedeutung für unsere Sicherheit sind. Ich
habe die Kennedy School ausgewählt, um meine
Gedanken über präventive Verteidigung darzulegen,
denn als Wissenschaftler sind die Studenten und der
Lehrkörper hier in der Lage zu verstehen, was auf dem
Spiel steht, wenn wir über präventive Verteidigung
sprechen. Als angehende Führungskräfte und zukünftige Politiker sind Sie auch in der außergewöhnlichen
Situation, der amerikanischen Öffentlichkeit die
Vorteile präventiver Verteidigung erklären zu können
sowie die von mir heute dargelegten Konzepte im
Rahmen Ihrer eigenen Laufbahn auszuweiten. Ich
fordere Sie dazu auf.

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
29. Mai 1996

Rubin: Privatinvestitionen, Liberalisierung der
Finanzmärkte und Bekämpfung von Finanzverbrechen
Erklärung des Finanzministers

NEW ORLEANS - (AD) - US-Finanzminister Robert E. Rubin zufolge wurden beim Treffen der Finanzminister der
westlichen Hemisphäre am 17. und 18. Mai 1996 Schritte eingeleitet, die einen großen Beitrag zur zukünftigen
Prosperität der Region darstellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Erklärung, die der Finanzminister im Anschluß an das
Treffen mit seinen Amtskollegen sowie anderen offiziellen Vertretern aus 26 Ländern des Westens vor
Journalisten abgab.

Wir haben gerade das erste Treffen der Finanzminister
dieser Hemisphäre seit dem gesamtamerikanischen
Gipfel beendet. Wir befaßten uns mit einer breiten
Palette von Themen. Wir leiteten Schritte ein, die
unseres Erachtens einen wichtigen Beitrag zur
zukünftigen Prosperität unserer Region darstellen.
Und wir förderten die Interessen, die wir Amerikaner
an Wachstum, Privatinvestitionen, Arbeitsplätzen und
Sicherheit aller Menschen haben.

kehren und sagen: "Das müssen wir nach Ansicht
unserer Partner tun, damit unsere ganze Region Erfolg
haben kann."

Ich persönlich habe selten so lebhaften und weitreichenden Diskussionen zugehört wie heute. Ich bringe
eine lange Liste aufgeworfener Fragen und angesprochener Themen nach Washington zurück, die meines
Erachtens eine Tagesordnung für Gespräche und
Aktionen in den kommenden Jahren darstellt. Es sind
Angelegenheiten, die zweifelsohne unsere Arbeit in
bilateralen und multilateralen Foren umfassen. Meiner
Ansicht nach haben wir alle unsere Perspektive und
unser Verständnis dieser Fragen vertieft und erweitert.

Wir legen unsere gemeinsamen Ansichten dazu dar,
was auf makroökonomischer und mikroökonomischer
Ebene erforderlich ist, um stärkere und wohlhabendere
Volkswirtschaften zu entwickeln, Maßnahmen für den
Umgang mit dem Problem der Armut sowie zur
Stärkung und Unterstützung der Integration unserer
Märkte zu ergreifen. Wir engagieren uns für eine
Politik, die Inflationsrate zu senken und niedrig zu
halten. Es gibt keine Abweichung von der Meinung,
daß Finanzdisziplin und Währungskontrolle von
größter Bedeutung sind.

Aus diesem Grund sind solche Zusammenkünfte so
wichtig. Sie gestatten den Finanzministern, voneinander zu lernen. Sie zwingen jede Nation und jeden
Minister zur Auseinandersetzung mit Fragen, die über
die tagtäglichen Herausforderungen unserer Arbeit
hinausgehen und deren Lösung über Jahrzehnte
hinweg unseren Wohlstand bestimmt. Und sie helfen
uns bei der Umsetzung und Stärkung guter politischer
Maßnahmen - denn wir alle können in unsere jeweiligen Länder, Volkswirtschaften und Ministerien zurück-

AMERIKA DIENST 11

Wir arbeiteten ein Kommunique aus, das Einzelheiten
unserer Schlußfolgerungen enthält und den Kurs
festlegt, den wir bei unseren spezifischen Aktionen
verfolgen wollen. Ich möchte das Kommunique kurz
zusammenfassen.

Wir konzentrieren uns auch darauf, welche Maßnahmen die heimische Spartätigkeit erhöhen und die
Finanzstabilität fördern könnten. Sie sind von zentraler
Bedeutung für die Erlangung gesteigerten und robusteren realen Wirtschaftswachstums.
Weiterhin einigten wir uns auf eine Anzahl konkreter
Schritte zur Erlangung dieser Ziele. Einer besteht in
der Erhöhung von Finanztransparenz - die rechtzeitige

Seite 1

�Freigabe wichtiger Daten durch die Regierungen,
Offenlegung der Effektenausgabe sowie vollständige
Verbreitung der Informationen über den Handel.
Da Märkte, die zur Spartätigkeit anregen und die
Ersparnisse effektiv einsetzen, für Wachstum und
Finanzstabilität von zentraler Bedeutung sind, engagieren sich unsere Nationen für die Entwicklung und
Stärkung der Gesetze, Kontrollinstitutionen und
Umsetzungsmechanismen, die Finanzmärkte stärken
und Investoren schützen helfen. Gleichzeitig wollen
wir Innovationen ermutigen. Diese beiden Ziele setzen
die Abschaffung von veralteten oder wettbewerbsverzerrenden Vorschriften voraus.
Vor dem Hintergrund dieser Ziele unternehmen wir
verschiedene Schritte, von denen ich hier vier erwähnen möchte:
Erstens haben wir die Interamerikanische Entwicklungsbank zur Ausarbeitung von Programmen für eine
verstärkte Überwachung aufgefordert.
Zweitens
fordern wir die Interamerikanische Entwicklungsbank
zur Zusammenarbeit mit uns bei der Auflistung von
Vorschriften für die nationalen Finanzmärkte auf, die
zu Transparenz als erstem Schritt zu Liberalisierung
und Integration beitragen. Drittens einigten wir uns auf
die Unterstützung der Ausarbeitung von universell
verständlichen Buchhaltungsnormen, damit ein
Investor in einem Land keine Fragen dazu hat, was
eine bestimmte Information in einem anderen Land
bedeutet. Viertens fordern wir die Interamerikanische
Entwicklungsbank zur Gründung eines Instituts für die
Ausbildung von Aufsehern und Prüfern auf, die
solidere Finanzinstitutionen fördern sollen.
Wir erörterten auch die Notwendigkeit, denjenigen eine
Chance zur Beteiligung an der Wirtschaftsentwicklung
zu geben, die außen vor gelassen wurden. Das hat
auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Meine
Amtskollegen waren sich einig, daß mikroökonomische
Kreditvergabe einen wichtigen Beitrag zu diesem
Prozeß leisten kann.
Ein drittes, von uns erörtertes Themengebiet waren
Finanzverbrechen.
Wir engagieren uns gemeinsam für die Bekämpfung
von Geldwäsche ungeachtet dessen, ob die Gelder
aus Drogenschmuggel oder irgendeiner anderen
illegalen Tätigkeit stammen. Sie stellt eine Bedrohung

Seite 2

der Integrität unserer Finanzmärkte sowie unserer
wirtschaftlichen und politischen Systeme dar. Das
Interesse an der Bekämpfung dieses Problems ist seit
unserer Konferenz über Geldwäsche vergangenes
Jahr in Buenos Aires gestiegen. Eine Anzahl von
Ländern hat seit dieser Konferenz konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche ergriffen.
Andere ziehen solche Maßnahmen zwar in Betracht,
aber es muß noch mehr getan werden.
In Verbindung mit den Bestrebungen der OAS zur
Überprüfung der in Buenos Aires vereinbarten Pläne
werden wir einen koordinierten Ansatz der Hemisphäre
zu Ausbildung und technischer Hilfe prüfen. Ich freue
mich, daß so viele meiner Amtskollegen den Prozeß
durch eine Unterstützung des Ausbildungskonzepts
beschleunigen möchten.
Auf jedem der von mir erörterten Gebiete - makroökonomische Politik, Entwicklung der Finanzmärkte,
Bekämpfung von Finanzverbrechen - wurden bei
dieser Zusammenkunft unsere Ziele erreicht. Wir
haben voneinander gelernt, langfristig gedacht, eine
gemeinsame Vision entwickelt sowie ein gemeinsames
Engagement dafür, daß diese Ideen Früchte tragen.
Dieses Treffen war ein Erfolg, und wir sind jetzt
entschlossen, die Konsultationen zwischen den
Finanzministern dieser Hemisphäre zu institutionalisieren. Wir werden in zwei Jahren (oder vielleicht früher)
erneut zusammentreffen, um wirtschaftspolitische
Fragen zu erörtern. Bis dahin werden unsere Stellvertreter, unterstützt von einer neuen technischen Arbeitsgruppe für die Regelung der Finanzmärkte, sowie die
Interamerikanische Entwicklungsbank mit der ihnen
zugewiesenen Arbeit beschäftigt sein. Wir wollen den
Privatsektor um seinen Rat und seine Leitung bitten.
Heute haben wir entscheidende Schritte unternommen, die mit der Zeit den Volkswirtschaften in dieser
Hemisphäre zu verstärktem und stabilerem Wachstum
verhelfen und die Armut mildern. In unserer Region
leben eine Dreiviertelmilliarde Menschen, und in sehr
realem Sinne wird die hier in New Orleans von uns
geleistete Arbeit Arbeitsplätze schaffen und die
Einkommen sowie den Lebensstandard in dieser
Hemisphäre auf Jahre und Jahrzehnte hinaus erhöhen.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 11

�USA-DEUTSCHLAND
29. Mai 1996

Die USA als Wirtschaftspartner und Konkurrent
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

DRESDEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 20. Mai 1996 beim ifo Institut für
Wirtschaftsforschung in Dresden gehaltene Rede.

Guten Abend und herzlich willkommen zu unserem
Symposium. Zunächst einmal möchte ich Ihnen
sagen, wie sehr ich mich freue, wieder in dieser Stadt
zu sein, die ich schon lange kenne. Vor sechseinhalb
Jahren war ich amerikanischer Gesandter in der DDR,
als die seit langer Zeit unter jenem Regime leidenden
Bürgersich schließlich erhoben und riefen: "Es reicht!".
Ich war bei der Wiedergeburt des freien Staates
Sachsen dabei, der in den Köpfen der in diesem
außergewöhnlichen Teil von Deutschland lebenden
Menschen nie aufgehört hatte zu existieren. Und ich
war beim Fall der Berliner Mauer dabei - zu Fall
gebracht von der angehäuften Macht aufgebrachter
Bürger in der erfolgreichsten Revolution der deutschen
Geschichte.
Die Amerikaner sind für ihren Optimismus bekannt sogar in Zeiten der Revolution. Und wir leben zweifelsohne im Zeitalter der Revolution: In politischer
Hinsicht aufgrund der Beendigung des Kalten Krieges,
in wirtschaftlicher Hinsicht aufgrund der Globalisierung
der Industrie und dem Beginn des technologischen
Zeitalters. 1837, ungefähr 60 Jahre nach unserer
eigenen politischen Revolution des Jahres 1776, stellte
ein berühmter amerikanischer Beobachter, Ralph
Waldo Emerson, die Frage:
"Wenn es irgendeine Zeit gibt, zu der man
geboren sein möchte, ist es dann nicht das
Zeitalter der Revolution, in dem Alt und Neu
Seite an Seite stehen, in dem die Energien
aller Menschen von Angst und Hoffnung
genährt werden, in dem der historische Ruhm
des Alten von den reichhaltigen Chancen des
Neuen kompensiert werden kann?"

AMERIKA DIENST 11

Ähnlich Emersons Wunsch nach reichhaltigen Chancen werden auch wir ermutigt durch die Ausbreitung
von Demokratie, neue globale Handelsbeziehungen
und das explosionsartige Anwachsen des weltweiten
Kommunikationswesens. Und ähnlich seinem Verständnis unserer Ängste werden wir mit Terrorismus,
der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen,
ethnischem Haß und verbrecherischen Staaten
konfrontiert.
Als Ergebnis der Revolution von 1989 hat sich
Deutschland unwiderruflich gewandelt. Trotz aller
Schwierigkeiten des Einigungsprozesses und der
Anpassung an seine neue Rolle hat Deutschland
meines Erachtens Grund, stolz auf seinen Platz in
Europa und der Welt zu sein. Zu der soliden Grundlage der alten Bundesrepublik ist jetzt noch eine zweite
starke Säule hinzugekommen: Die Kraft und die Ideale
der demokratischen Revolution, die eine brutale
Diktatur hinwegfegte.
Mit dem neuen Deutschland als Motor machte die
Europäische Union große Fortschritte zu mehr Einheit
und einem echten Binnenmarkt. Das entspricht der
Situation in Nordamerika, wo wir das NAFTA mit
seinem langfristigen Potential zur Ankurbelung von
kräftigem Wirtschaftswachstum ins Leben riefen.
Unser pazifischer Handel ist sehr wichtig.
Weder das NAFTA noch die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Asien schmälern die Bedeutung,
die Europa für uns hat. Ich möchte einige Beispiele für
die Größe und Bedeutung der amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen anführen, bei denen
jeder der wichtigste Absatzmarkt und Handelspartner
des anderen ist.

Seite 1

�Den jüngsten Zahlen zufolge belaufen sich die amerikanischen Exporte in die Europäische Union und
umgekehrt jährlich auf jeweils 130 Milliarden Dollar mehr als das Doppelte der amerikanischen Exporte
nach Japan - und jahraus, jahrein ausgeglichen. Die
EU stellt für 29 unserer 50 Bundesstaaten, einschließlich der westlichen Bundesstaaten wie Kalifornien und
Washington, den größten Absatzmarkt dar.
Die Handelszahlen sind jedoch nur ein Teil der
Geschichte. Die meisten internationalen Geschäfte
werden durch Investitionen und Produktion auf ausländischen Märkten abgewickelt. Während die weltweiten
Exporte von Waren und Dienstleistungen der Vereinigten Staaten sich auf ungefähr 700 Milliarden
Dollar belaufen, beträgt der Absatz von Niederlassungen amerikanischer Unternehmen im Ausland ungefähr 1,6 Billionen Dollar - mehr als die Hälfte davon in
Europa.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
sind auch der größte Investor im jeweils anderen Land
- jeder investierte ungefähr 270 Milliarden Dollar bei
dem anderen. Das stellt mehr als die Hälfte der
amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland dar - 40
Prozent mehr als in Lateinamerika und Asien zusammengenommen. Als Ergebnis dieser Investitionen
sind mindestens drei Millionen Amerikaner bei in den
Vereinigten Staaten angesiedelten europäischen
Unternehmen beschäftigt, und eine ebenso große Zahl
von Europäern arbeitet für amerikanische Firmen in
Europa.
Die amerikanischen Vermögenswerte in Europa
belaufen sich auf nahezu eine Billion Dollar, was weit
über die 200 Milliarden Dollar amerikanischer Vermögenswerte in Asien hinausgeht. Und die amerikanischen Neuinvestitionen in Europa gehen trotz des
rapiden Wachstums der asiatischen Märkte weit über
die Neuinvestitionen in Asien hinaus.
Zusammengenommen beläuft sich der amerikanischeuropäische Handel auf ungefähr 1,7 Billionen Dollar
jährlich - eine riesige Summe, die nahezu 50 Prozent
über unserem transpazifischen Handel liegt.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben ganz
offensichtlich ein enormes Interesse am Wohlergehen
des anderen. Es ist eindeutig nicht der Fall, daß ein
stärkeres Europa ein schwächeres Amerika bedeutet
und umgekehrt - ganz im Gegenteil.

beschäftigungen. Vergleichbare Daten zeigen, daß
das Beschäftigungswachstum in den Vereinigten
Staaten größer ist als bei allen unseren G-7-Partnern
zusammengenommen.
Zwei Drittel des Anstiegs von Vollzeitstellen fand bei
Arbeitsplätzen mit überdurchschnittlicher Bezahlung
statt. Mehr als die Hälfte des Wachstums ereignete
sich bei den oberen 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien. Obwohl viele dieser neuen Arbeitsplätze im
Dienstleistungssektor liegen, entsprechen sie nicht
den Klischees, die auf dieser Seite des Atlantiks oft
wiederholt werden.
Die amerikanische Haushaltspolitik konzentriert sich
weiterhin auf den Abbau des Haushaltsdefizits,
während die Währungspolitik auf die Verhinderung
einer erneuten Inflation abzielt. Zum ersten Mal seit 50
Jahren gelang der Clinton-Administration ein Abbau
des Defizits in drei aufeinanderfolgenden Jahren.
1992 belief sich das Haushaltsdefizit auf 290 Milliarden
Dollar mit aufsteigender Tendenz. Den jüngsten
Zahlen für das Haushaltsjahr 1996 zufolge wird das
Defizit auf 140 Milliarden Dollar gesenkt.
Mit 2,3 Prozent ist der proportionale Anteil unseres
Defizits am Bruttoinlandsprodukt derzeit geringer als in
jedem anderen großen Industrieland - ein weiterer
europäischer Mythos, der näher untersucht werden
muß.
Was die Inflation betrifft, war unsere Leistung beispielhaft.
Die Inflationsrate betrug im Schnitt drei
Prozent. Das Fehlen inflationären Drucks angesichts
der auf 5,6 Prozent sinkenden Arbeitslosenrate in den
letzten anderthalb Jahren ist bemerkenswert.
Obwohl die Beschäftigungslage gut ist, gibt es nur
wenige Hinweise auf einen Anstieg der Arbeitskosten.
Der Beschäftigungskostenindex wies in den letzten
drei Jahren wenige Veränderungen auf. Er spiegelt
die Bestrebungen der Unternehmen zur Kontrolle der
Kosten für Gesundheitsfürsorge sowie die verbesserte
Finanzgrundlage der Rentenpläne wider.
Somit
erhöhte sich der Gesamtkostenindex, der Beihilfen,
Löhne und Gehälter für im Privatsektor Beschäftigte
umfaßt, 1995 auf eine Jahresrate von 2,9 Prozent nominell der geringste Anstieg seit Beginn der Aufstellung des Indexes im Jahr 1980.

Vor diesem Hintergrund hat das Ausmaß dessen, was
wir in den Vereinigten Staaten in den letzten dreieinhalb Jahren erreicht haben, auch für Europa wichtige
Auswirkungen.

Wir haben die Schaffung guter Arbeitsplätze durch
eine Regierungspolitik erleichtert, die ein Umfeld bietet,
in dem innovative Unternehmen Erfolg haben und
expandieren können, sowie durch Programme, die
Exporte fördern und kommerziell tragfähige, moderne
Technologien hervorbringen.

Seit Januar 1993 ist die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten rapide angestiegen - um 8,5 Millionen
neue Arbeitsplätze, die meisten von ihnen Ganztags-

Im Inland befürworten wir Deregulierung, Wettbewerb
und solide Unternehmensführung.
Entsprechend
haben wir versucht, unsere Märkte der gesamten Kraft

Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�des globalen Wettbewerbs zu öffnen. Um Präsident
Clinton zu zitieren: "Wir wollen uns dem Wettbewerb
stellen und uns nicht zurückziehen".
Es wurde viel über "Verschlankung" geredet, aber eine
von der American Management Association im Jahr
1995 durchgeführte Übersicht über 1.000 große und
mittelständische Unternehmen belegt, daß der Verlust
an Arbeitsplätzen real nur 1,1 Prozent ausmacht, wenn
man den Abbau von Arbeitsplätzen im vergangenen
Jahr mit den Neueinstellungen vergleicht. Die Studie
gelangte zu der Schlußfolgerung, daß es sich nicht um
eine gravierende Streichung von Stellen handelt,
sondern vielmehr um eine Verlagerung von Positionen
im mittleren Management zu Arbeitsplätzen, die mehr
professionelle oder technische Qualifikationen erfordern.
Natürlich ist dieses positive Bild nicht die ganze
Geschichte. Obwohl Wachstum das Wichtigste ist, ist
die Lage einiger Teile der amerikanischen Erwerbsbevölkerung nicht so gut wie die allgemeine Wirtschaftslage. Viele amerikanische Beschäftigte waren
nicht in angemessener Weise an der jüngsten wirtschaftlichen Expansion beteiligt. Lohnerhöhungen
wurden nicht zu gleichen Teilen an alle weitergegeben.
Wir sind ebenso an der Qualität - und Langlebigkeit der nahezu 114 Millionen existierenden Arbeitsplätze
interessiert wie an der Schaffung neuer. Ein dynamischer, gesunder Arbeitsmarkt sollte genug Arbeitsplätze für ein wachsendes Arbeitskräftepotential
schaffen. Gleichzeitig werden in einer dynamischen
Volkswirtschaft Arbeitsplätze allmählich aus bestimmten Gebieten in Bereiche mit größeren Wachstumschancen verlagert.
In den modernen Industriestaaten findet als Ergebnis
der technologischen Revolution eine grundlegende
wirtschaftliche Umgestaltung statt, die von den Kräften
des Wettbewerbs und der Innovation im Inland sowie
der Globalisierung der Weltwirtschaft angetrieben wird.
Als Reaktion auf diese Trends müssen die Regierungen ein Umfeld schaffen, in dem Unternehmen unverzüglich auf neue Chancen und technologischen
Wandel reagieren können. Sie müssen gewährleisten,
daß alle Arbeitnehmer eine Chance bekommen, die
neuen Möglichkeiten zu nutzen. Und sie müssen
Institutionen und Maßnahmen für diejenigen ersinnen,
deren Fähigkeiten durch den technologischen Wandel
abgewertet werden.
Heutzutage kann man nicht garantieren, daß ein
Arbeitsplatz für das ganze Leben sicher ist. Wir
können aber etwas anstreben, das ich als "sichere
Verwendungsfähigkeit" bezeichne. Jeder Arbeitswillige sollte erwarten können, daß er über genügend
Fähigkeiten verfügt, um während seines Arbeitslebens
neue Tätigkeiten zu übernehmen.

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Wie unser Arbeitsminister Robert Reich kürzlich
erklärte, gehört ein sicherer Arbeitsplatz wahrscheinlich der Vergangenheit an. Wir können Sicherheit des
Arbeitsplatzes in einer sich so schnell verändernden
Wirtschaft nicht wieder einführen. Aber wir setzen uns
dafür ein, daß die Menschen leichter verwendbar und
einstellbar sind, damit sie im Falle eines Verlusts ihres
Arbeitsplatzes eine ebenso gut bezahlte neue Beschäftigung finden.
Um mit der Aussicht auf langfristige Arbeitslosigkeit
umzugehen, wandeln wir unser System der Arbeitslosenversicherung in ein Wiederbeschäftigungssystem
um. Arbeitsminister Reich erklärte:
"Die Arbeitslosenversicherung wurde für eine
Zeit konzipiert, in der das Hauptproblem der
Arbeitslosigkeit zyklischer Natur war, und sie
sollte den Menschen Unterstützung gewähren,
bis sie wieder ihre alte Arbeit aufnehmen
konnten. Sie waren 'vorübergehend unbeschäftigt'. In der neuen Wirtschaft sind relativ
wenige Menschen vorübergehend unbeschäftigt. Die meisten verlieren ihren Arbeitsplatz
auf Dauer, weshalb wir das Arbeitslosenversicherungssystem so umgestaltet haben,
daß die Menschen in die Lage versetzt werden, durch Ausbildung, Hilfe bei der Arbeitssuche, Beratung und Einkommensteuerfreibeträge schneller wieder einen neuen Arbeitsplatz zu finden."
Gleichzeitig müssen die vieldiskutierten "Entlassungen" in der amerikanischen Industrie und das von den
Medien erörterte Klima der Unsicherheit in die richtige
Perspektive gerückt werden. Vor kurzem war die
Ankündigung von AT&amp;T in den Schlagzeilen, 50.000
Arbeitsplätze abzubauen. Weniger bekannt wurde die
Tatsache, daß im selben Monat 700.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Werden die 50.000 Menschen, die ihren Arbeitsplatz
bei AT&amp;T verloren haben, eine neue, ebenso gut
bezahlte Arbeit finden? Manche ja, andere wiederum
nicht. Und das ist die Crux des Problems, das unsere
beiden Regierungen - und die übrige industrialisierte
Welt - lösen müssen.
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich
Ihnen hier eine Predigt halte, was Sie tun sollten - ganz
im Gegenteil. Als die beiden erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt sollten wir voneinander lernen.
Arbeitsminister Reich äußerte nach der Arbeitsplatzkonferenz der G-7 letzten Monat in Lille:
"Meiner Meinung nach können wir von Europa
etwas lernen. Eine Kultur kann nicht einfach
Programme oder Initiativen direkt in eine
andere Kultur verpflanzen. Aber einem Großteil Westeuropas gelingt es, seiner gesamten

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�Bevölkerung, oder dem Großteil seiner Bevölkerung, ein Mindestmaß an Kenntnissen und
Fähigkeiten zu vermitteln. Die Vereinigten
Staaten haben in dieser Hinsicht noch einen
Weg vor sich liegen."
In diesem Zusammenhang kamen im Laufe der
vergangenen Jahre eine Anzahl von Pädagogen,
Lehrkräften und Mitgliedern der Gesetzgebung nach
Deutschland, um Ihr äußerst effektives "duales
Ausbildungssystem" zu studieren. Der Übergang von
der Schule zum Arbeitsleben nimmt auf der innenpolitischen Tagesordnung Präsident Clintons einen
wichtigen Platz ein. Wir erwarten, daß eine steigende
Zahl von Amerikanern in Ihr Land kommt, um etwas
über das duale System - und sogar im Rahmen des
dualen Systems - zu lernen.
Gleichzeitig fand zwischen dem deutschen und dem
amerikanischen Arbeitsministerium ein wachsender
Informationsaustausch über Arbeitsmarktpolitik statt.
Der Schwerpunkt lag darauf, wie das Arbeitslosensystem in ein Wiederbeschäftigungssystem umgewandelt werden kann.
Die Beschäftigungskonferenzen der G-7 von Detroit
und Lille sind nur zwei Beispiele für den Austausch von
Informationen über die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Wir werden in Kürze in Zusammenarbeit mit der
Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn eine Konferenz
organisieren, die sich mit den hier angesprochenen
Themen befaßt. Zu den Rednern auf amerikanischer
Seite zählen der ehemalige Arbeitsminister Ray
Marshall sowie die Chefökonomin des Arbeitsministeriums, Lisa Lynch.

Wir haben zugestimmt, eine Führungsrolle im expandierenden Welthandel zu übernehmen, indem wir die
Welthandelsorganisation unterstützen und konkrete
Schritte zum Abbau oder der Beseitigung verbleibender Hemmnisse für den Fluß von Waren, Dienstleistungen und Kapital unternehmen. Wir werden
beispielsweise die nichttarifären Hemmnisse ansprechen, die die beträchtlichsten Hindernisse für
freien transatlantischen Handel darstellen - wie etwa
unterschiedliche Normen, Duplizität bei Erprobungsund Genehmigungsverfahren sowie andere widersprüchliche Regeln.
Es ist offenkundig, daß sich die europäischen Politiker
der Notwendigkeit der Liberalisierung und Öffnung von
Märkten bewußt sind. Es gibt ermutigende Anzeichen,
daß sich die starke staatliche Einflußnahme in Sektoren wie Telekommunikation und Transportwesen
verringert. Als ich vor nahezu einem Vierteljahrhundert
zum ersten Mal in Deutschland lebte, wäre die Privatisierung des Post-, Telekommunikations- und
Bahnsystems Häresie gewesen. Aber sie findet statt.
Starke Industrienationen wie Deutschland und die
Vereinigten Staaten können - und sollten - gleichermaßen Konkurrenten und Partner sein. In Bereichen wie
dem Telekommunikationswesen haben wir mit der
Partnerschaft zwischen der Deutschen Telekom und
Sprint sowie in der Luftfahrt mit dem Bündnis zwischen
Lufthansa und United Airlines bewiesen, daß Offenheit
und Deregulierung zum Erfolg für uns beide auf beiden
Seiten des Atlantiks führen kann.
Bundespräsident Herzog erklärte bei der Eröffnung der
Hannover Messe vor wenigen Wochen:

Noch wichtiger als Konferenzen und Ideenaustausch
zwischen Regierungen und Stiftungen ist natürlich die
Schaffung von Arbeitsplätzen. Die wirkliche Arbeit
muß im Privatsektor geleistet werden - auf beiden
Seiten des Atlantiks.

"Was die atlantische Gesellschaft vereint,
reicht über die militärische Zusammenarbeit
weit hinaus in das politische, kulturelle und vor
allem wirtschaftliche Leben. Wir sind eine
Lebens- und Lerngemeinschaft..."

Sowohl Europa als auch Amerika haben noch andere
bedeutende Wirtschaftsinteressen. Die Vereinigten
Staaten wollen den freien Handel in Asien und dem
Pazifik sowie in der westlichen Hemisphäre ausweiten.
Europa strebt eine weitere Integration seines Binnenmarktes und die Aufnahme der Nationen Zentral- und
Osteuropas an. All dies sind wichtige Belange.

"Amerika ist nicht nur ein Seismograph sich
abzeichnender Entwicklungen der modernen
Gesellschaft. Es ist - trotz vieler eigener
Probleme - ein Reservat bewährter Tugenden:
Zuversicht, Unternehmungslust, Innovationsund Pioniergeist, Freiheitsdrang, Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Es lohnt sich
deshalb gerade für uns Deutsche, bei der
Bewältigung unserer eigenen Probleme immer
einmal nach Amerika zu sehen."

Unsere Interessen an anderen Orten der Welt sollten
nicht von der Zentralität der amerikanisch-europäischen Beziehungen ablenken. Im Dezember vergangenen Jahres unternahmen die Vereinigten Staaten
und die EU wichtige Schritte zur Erweiterung und
Vertiefung dieser Beziehungen, indem sie sich auf eine
neue Tagesordnung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit einigten.

Seite 4

Diese Worte Ihres Bundespräsidenten sind eine
Aufforderung zu der Diskussion, die wir am heutigen
Abend führen wollen. Der große Kontrast zwischen
unseren Hoffnungen und unseren Ängsten macht deutlich, daß dieses neue Zeitalter von der zunehmenden
Fähigkeit des Menschen charakterisiert wird, Gutes
und auch Böses zu tun. Diese neue Ära erfordert

AMERIKA DIENST 11

�mehr als bloß innovative Lösungen für unsere politischen und wirtschaftlichen Probleme. Sie fordert von
uns eine Revolution unserer Denkweise. Hierzu

brauchen wir die deutsch-amerikanische Partnerschaft. Ich freue mich auf eine lebhafte Diskussion.

Vielen Dank.

*

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 5

�OECD
29. Mai 1996

Neue Aufgaben und Herausforderungen
im Bereich wirtschaftlicher Zusammenarbeit
Ansprache von Joseph Stiglitz
WASHINGTON - (AD) - Joseph Stiglitz, Vorsitzender von Präsident Clintons Rat der Wirtschaftsberater (Council
of Economic Advisers - CEA), erklärte, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(Organization for Economic Cooperation and Development - OECD) solle ihren Schwerpunkt auf in jüngster Zeit
entstandene Fragen verlagern, darunter die Integration der ehemaligen zentral geplanten Volkswirtschaften in
das Handelssystem.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Ansprache des Leiters der US-Delegation am 22. Mai
1996 beim OECD-Ministertreffen in Paris.

Es überrascht wohl niemanden, wenn ich sage, daß
dieses Ministertreffen an einem für die OECD entscheidenden Zeitpunkt stattfindet. Er markiert einen
Führungswechsel und ist auch von zunehmenden
Haushaltsengpässen, erweiterter Mitgliedschaft sowie
einer Ausweitung der Themengebiete gekennzeichnet.

Vorbereitung internationaler Verhandlungen,
insbesondere im Bereich des Handels. Die
OECD-Studien über Maßnahmen zum Schutz
und der Wettbewerbsfähigkeit der Märkte
sowie Hintergrundarbeit für die Investitionsverhandlungen sind gute Beispiele.

Unter diesen Umständen ist es erforderlich, eine
Bestandsaufnahme - der einzigartigen Rolle und
besonderen Stärken der OECD als Institution - vorzunehmen.

Ein drittes Gebiet sind alle Mitgliedsländer
betreffende Fragen, die immer noch in den
Aktionsbereich jedes einzelnen Landes fallen.
Beispiele sind unter anderem die Arbeitsplatzstudie der OECD, die derzeitigen Untersuchungen zu den Auswirkungen der Bevölkerungsalterung und die Arbeit an einer Reform
der Aufsichtsbestimmungen.

Meines Erachtens bietet die einzigartige Rolle der
OECD Aktivitäten und Untersuchungsmöglichkeiten,
die für viele oder sogar alle ihrer Mitglieder von Vorteil
sind, die jedoch wahrscheinlich keines alleine anbieten
kann. Tatsächlich ist die OECD das internationale
Gegenstück zum Bruttoinlandsprodukt, bei dem die
Vorteile einer Aktivität auch anderen Ländern zugute
kommen. Hierzu möchte ich einige Beispiele anführen:
International vergleichbare Statistiken. Sie
sind sachlich und nüchtern, haben aber
großen Wert. Die OECD leistete Pionierarbeit
im Bereich von Agrarsubventionen, und wir
erwarten, daß die beginnende Arbeit an
Maßnahmen für die Ausbildung von Humankapital ebenso wertvoll sein wird.

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Viertens. Alle Mitgliedsländer betreffende
Fragen, die nur im Rahmen eines kollektiven
Ansatzes gelöst werden können. Die Vereinbarungen über Exportkredite, Maßnahmen zur
Bekämpfung von Bestechung und Korruption
sowie die Bestrebungen zur Begrenzung von
Subventionen sind hierfür als Beispiele zu
nennen. Die Bemühungen zur Ermutigung der
Integration der Schwellenländer sowie dynamischer Nichtmitgliedstaaten in das Handelssystem sind in diesem Zusammenhang von
besonderer Bedeutung.

Seite 1

�Schließlich ist noch die Aushandlung qualitativ
hochwertiger internationaler Übereinkünfte
zwischen einer überschaubaren Zahl gleichgesinnter Länder zu nennen. Das multilaterale Investitionsabkommen ist ein gutes Beispiel
- ebenso wie die derzeitigen Bestrebungen zur
Eindämmung von Bestechung und Korruption. Wir müssen auf diesem Gebiet jedoch
verstärktes Engagement zeigen.

wollen - auf einem mit begrenzten Mitteln ausgestatteten Gebiet ist es sinnvoll, im Hinblick auf Ausmaß und
Häufigkeit unabhängiger Prognosen und Analysen
eine Unterscheidung zwischen einzelnen Ländern
vorzunehmen.
Die Arbeit sollte von die Mitgliedsländer
beschäftigenden Fragen definiert werden,
nicht von Sektoren. Dies gilt insbesondere,
wenn diese Sektoren über ihre eigenen Industriebeobachter und Analysten verfügen.

Die OECD sollte sich auch ihre besonderen Stärken
zunutze machen. Meines Erachtens verfügt keine
andere Institution über die Fähigkeiten der OECD zum
Umgang mit Strukturproblemen, mit denen alle hochentwickelten Volkswirtschaften konfrontiert werden.
Ich habe bereits einige erwähnt. Andere - sowohl
aktuelle als auch zukünftige - Fragen betreffen folgende Bereiche:
Eine Reform der Bestimmungen in Branchen
wie Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Stromerzeugung sowie das Problem, in
deregulierten Sektoren Wettbewerb zu gewährleisten.
Die Interaktion zwischen Handelspolitik,
Offenheit und Effektivität heimischen Wettbewerbs. Dies führt natürlich dazu, daß
Handelspolitik und das effektive Funktionieren
inländischer Märkte langfristiges Wachstum
erzeugen.
Ich habe ausführlich darüber gesprochen, was die
OECD unternehmen sollte. Jede verantwortungsvolle
Diskussion umfaßt auch Bereiche, die weniger wichtig
sind. Hierbei sind meines Erachtens einige allgemeine
Grundsätze hilfreich:
Vermeidung von Duplizität der Aktivitäten,
insbesondere wenn sie bereits von mit wesentlich mehr Mitteln ausgestatteten Institutionen durchgeführt werden.
Um ein Beispiel zu nennen: Von einigen Ländern,
insbesondere den größeren, werden umfassende
Untersuchungen und Prognosen aufgestellt. Ohne die
wirklich ausgezeichnete Arbeit der OECD abwerten zu

Die wertvollste Arbeit ist die im Zusammenhang mit neuen oder gerade auftretenden
Fragen stehende. Die meisten dieser Angelegenheiten betreffen Übergangszeiten oder
Anpassungen und haben daher per definitionem temporären Charakter.
Ein bei diesem Ministertreffen wiederholt angesprochenes Thema ist das der Übergangszeiten. Am interessantesten und wertvollsten erschienen die Fragen,
die Wandel, Anpassung, Übergangsstadium oder
Integration betreffen - von Natur aus dynamische
Prozesse.
Dies bringt die OECD jedoch auf sehr reale Weise
zurück zu ihren Wurzeln in der Organisation für
Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit - einer
zur Unterstützung der durch Krieg zerstörten europäischen Volkswirtschaften bei Wiederaufbau und
Wiedereingliederung in das Handelssystem geschaffenen Organisation.
In der heutigen Welt nach dem Ende des Kalten
Krieges befassen wir uns mit dem Wiederaufbau und
der Wiedereingliederung von Volkswirtschaften, die
nicht durch Krieg Schaden nahmen, sondern durch
Planwirtschaft und massive Verzerrungen interventionistischer Politik. Ferner befassen wir uns mit den
durch unseren enormen Erfolg beim Wiederaufbau
nach Wirtschaftskrise und Krieg entstandenen Herausforderungen und Chancen sowie mit dem daraus
resultierenden Umfang des Wachstums für alle
Länder. Dies sind die Fragen, zu deren Lösung die
OECD gegründet wurde, und ich begrüße es, daß
ihnen auch in Zukunft Aufmerksamkeit gewidmet wird.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 11

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