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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
15. Mai 1996

10

GESAMTAMERIKA

FREIHEIT, FRIEDEN UND WOHLSTAND FÜR
DIE GESAMTE WESTLICHE HEMISPHÄRE
Rede von Vizepräsident AI Gore

BOSNIEN

USA WERDEN AUSHARREN
Anhörung von Staatssekretär Peter Tarnoff

NATO

DAUERHAFTE ZUSAMMENARBEIT
ZWISCHEN NATO UND RUSSLAND
von General George A. Joulwan

USA-EUROPA

NATIONALISMUS IN EUROPA AMERIKANISCHE ANMERKUNGEN
von J.D. Bindenagel

WIRTSCHAFT

USA MUSSEN WEITERHIN FÜHRUNGSSTÄRKE IM AUSLAND BEWEISEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

USIA

DIE BEDEUTUNG EINES UNABHÄNGIGEN
US-INFORMATIONSAMTS
von Senator Howell Heflin

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�GESAMTAMERIKA
15. Mai 1996

Freiheit, Frieden und Wohlstand für die
gesamte westliche Hemisphäre
Rede von Vizepräsident AI Gore

WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge gebührt dem Rat der amerikanischen Staaten (Council of
the Americas) ein großer Teil des Verdienstes für die bemerkenswerten Fortschritte zu Freiheit, Frieden und
Wohlstand, die in der westlichen Hemisphäre in den letzten 31 Jahren erzielt wurden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Vizepräsidenten zum Abschluß der jährlichen Zusammenkunft des
Rates im US-Außenministerium am 7. und 8. Mai 1996.

Seit 31 stolzen Jahren ist der Council of the Americas
ein herausragendes Sprachrohr der Unternehmen
unserer Nution zur Verteidigung von freien Märkten
und freien Gedanken in unserer gesamten Hemisphäre.
Seit Präsident Clinton und ich im Weißen Haus sind,
arbeiteten der Council und seine Mitglieder Seite an
Seite mit uns und bedeutenden multilateralen Institutionen wie der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS), um nicht nur den Bürgern der Vereinigten
Staaten, sondern allen Mitgliedern der Familie unserer
Hemisphäre Chancen und Hoffnung zu bringen.
Unsere Zusammenarbeit bringt gesunde Dividenden
hervor. Wer das bezweifelt, braucht nur an die
historische Umgestaltung zu denken, die seit der
Gründung dieser Organisation im Jahr 1965 in unserer
Hemisphäre stattgefunden hat. Vor 31 Jahren waren
die meisten Volkswirtschaften und Gesellschaften
Lateinamerikas vollkommen abgeschottet.
Die
Wirtschaftspolitik war von rückwirkender Importsubstitution geleitet.
Die Regierungen waren großenteils nicht demokratisch
und fast immer idiosynkratisih. Die Aussichten für
Investitionen und Handel .varen gelinde gesagt
erschreckend.

AMERIKA DIENST 10

Aber David Rockefeller und die visionären Männer und
Frauen, die gemeinsam mit ihm den Council of the
Americas gründeten, waren klug genug zu wissen, daß
in den Vereinigten Staaten und den anderen amerikanischen Ländern ein Großteil des Geschäfts Geschäfte
sind und sich unsere Hemisphäre nur mit Hilfe von
Dialog, Partnerschaft und Handel von den Fesseln
ihrer illiberalen Vergangenheit befreien und den Weg
zu einem neuen Zeitalter des Fortschritts und Wohlstands ebnen konnte.
Heute freue ich mich sagen zu können, daß das vom
Council ins Auge gefaßte Zeitalter endlich in voller
Blüte steht. In den Staaten Amerikas ist jetzt wirklich
Frühling. Von Port Arthur im Norden bis Feuerland im
Süden bauen wir in dieser Hemisphäre eine Zukunft
auf der Grundlage von freiem Handel, starken demokratischen Institutionen und tragfähigem, umweltfreundlichem Wachstum. Wir gestalten eine Zukunft,
die durch ein gemeinsames Engagement zur Bekämpfung von Armut und Korruption gestärkt wird - eine
Zukunft, die durch ein gemeinsames Engagement zur
Förderung von Gerechtigkeit, Bildung, Gesundheitsfürsorge und freies Unternehmertum gesichert wird.
Gemeinsam haben wir etwas wahrhaft Großartiges
geschaffen, denn heute ist nahezu die Hälfte unseres
Globus - von einem Pol zum anderen und von einem
großen Ozean zum anderen - das Land der freien
Menschen. Nahezu eine Dreiviertelmilliarde Men-

Seite 1

�sehen bestimmen ihre eigenen Gesetze und Politiker
und leben praktisch in Frieden.

die Schaffung von Wohlstand, die Förderung von
Demokratie, Freiheit und Frieden.

In diesen fruchtbaren Ländern pflegen wir die am
schnellsten wachsenden und größten freien Märkte
der Welt. Wir ersetzen Handelshemmnisse durch
Brücken für den Handel. Wir begleichen unsere
nationalen Schulden. Wir gestalten unsere Instrumente der Selbstverwaltung effizienter und richten sie
stärker auf die Bedürfnisse unserer Bürger aus. Wir
können stolz auf die Reise sein, die wir vor anderthalb
Jahren beim gesamtamerikanischen Gipfel in Miami
begannen. Manchmal war die Reise nicht einfach,
aber der Weg liegt klar vor uns und ist von realen
Fortschritten gekennzeichnet, deren sich unsere
Menschen bewußt sind. NAFTA und MERCOSUR
waren großartige Anfänge. Wir müssen und werden
weiterhin die Schaffung einer Freihandelszone in
unserer Hemisphäre bis zum Jahr 2005 anstreben.
Unsere Handelsminister machten in Denver und
anschließend in Kartagena wichtige Fortschritte. Jetzt
besteht unsere Arbeit darin, auf diesen Erfolgen
aufzubauen und allen Menschen das Versprechen
wirtschaftlicher Belebung zu bringen.

Funktioniert das NAFTA für Amerika? Und ob! Aber
jeder von uns kann und muß mehr tun um sicherzustellen, daß unsere Hemisphäre unseren schönsten
Zukunftsträumen entspricht - mehr Zusammenarbeit,
mehr Offenheit, mehr Modernisierung, mehr Austausch
von Wissen und Know-how zur Förderung unserer
Demokratie und Freiheit.

Wer die entscheidende Bedeutung der westlichen
Hemispäre für die Wirtschaft dieser Nation versteht,
muß dieses Ziel einfach unterstützen. Als Bürger der
Vereinigten Staaten möchte ich darauf hinweisen, daß
1995 40 Prozent der amerikanischen Exporte in die
westliche Hemisphäre gingen - mehr als in die Pazifikrandstaaten und mehr als in die Europäische Union.
Viele sind sich der dramatischen Veränderungen gar
nicht voll bewußt, die sich in den letzten 31 Jahren an
dieser Front ereigneten. Der Handel innerhalb Lateinamerikas ist in weniger als einem Jahrzehnt um das
Dreifache gestiegen.
Die Schaffung einer amerikanischen Freihandelszone
wird diese Errungenschaften nicht nur konsolidieren,
sondern sie zum Nutzen aller Amerikaner ausweiten.
Der Erfolg des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA zeigt, daß wir auf dem richtigen
Weg sind. Dieser Handel schafft gute Arbeitsplätze,
deren Bezahlung in den Vereinigten Staaten 17
Prozent höher liegt als bei nicht exportorientierten
Industrien. Die Exporte nach Mexiko und Kanada
erhielten 1995 schätzungsweise drei Millionen Arbeitsplätze - gegenüber 1993 ein Anstieg von mehr als
einer halben Million. Das sind 500.000 neue Arbeitsplätze.
Darum geht es schließlich bei der vorgeschlagenen
amerikanischen Freihandelszone: Die Schaffung von
Arbeitsplätzen, Chancen und Sicherheit für alle Bürger
unseres Landes und unsere Partner in dieser Hemisphäre. Es geht um die Erschließung von Märkten,

Seite 2

Unsere in Haiti gemachten Erfahrungen weisen den
Weg. Gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschafthalfen die Nationen unserer Hemisphäre
durch Zusammenarbeit diesen Nationen und ihren
Menschen, sich von jahrzehntelanger Tyrannei und
Unterdrückung zu befreien. Als wir vor einigen
Monaten sahen, wie Präsident Rene Preval in Port-auPrince den Amtseid ablegte, wurde mir bewußt, daß
wir nicht nur ein politisches Ereignis feierten, sondern
die spirituelle Erneuerung des haitianischen Volkes eine Wiedergeburt der Hoffnungen für seine Kinder
und die Zukunft der Nation.
Damit die Demokratie in Haiti und andernorts Bestand
haben kann, muß unsere Region natürlich weiterhin in
Stabilität und Frieden leben. Aus diesem Grund habe
ich mich gefreut, in der historischen Stadt Williamsburg
zusammen mit Verteidigungsminister Perry an der
ersten Konferenz der Verteidigungsminister dieser
Hemisphäre teilzunehmen, die je einberufen wurde,
um an Abbau, Reform und Umgestaltung des Militärs
unserer Nationen sowie am Aufbau von Vertrauen und
sicherheitsbildenden Maßnahmen zu arbeiten.
Dank unserer Zusammenarbeit legen die Nationen des
amerikanischen Kontinents endlich im In- und Ausland
Streitigkeiten mit Worten, nicht mit Waffen bei. Und wir
entscheiden mit dem Stimmzettel, nicht mit Gewehrkugeln über unsere nationalen Geschicke.
Aber keine Nation und keine Region ist auf Dauer
geschützt vor den Bedrohungen ihrer Sicherheit. Die
Ereignisse in Paraguay vor zwei Wochen erinnern uns
daran, daß manche immer noch das Rad der Geschichte zum allzu dunklen Zeitalter der Diktatur in
Lateinamerika zurückdrehen wollen. Wir beglückwünschen die Menschen in Paraguay zu ihrem Mut, das
durch Willenskraft zu verhindern.
Und Präsident Clintons starke, unmißverständliche
Reaktion auf den jüngsten Abschuß von zwei unbewaffneten Zivilflugzeugen durch Kuba ist eine klare
Warnung an Castro, daß sein Bollwerk der Unterdrückung letztlich nicht Bestand haben kann und wird.
Wir müssen auch bei unserem Krieg gegen die
Drogenhändler der Region wachsam bleiben, die
weiterhin unsere Kinder vergiften. Die Rauschmittel,
mit denen sie handeln, sind ein Krebsgeschwür. Wenn

AMERIKA DIENST 10

�es Metastasen bilden kann, wird es in unseren Gemeinden Gewalt, Korruption und Krankheit hervorrufen. Aus diesem Grund bin ich stolz auf die stetigen
Fortschritte, die wir in den letzten Jahren bei der
Bekämpfung dieser Geißel erzielt haben. Wir gehen
hart gegen die Kartelle und ihre Kuriere vor. Wir
verbessern die Zusammenarbeit beim Strafvollzug und
dem Austausch nachrichtendienstlicher Informationen.
Mit der neuen Strategie unserer Hemisphäre gegen
Geldwäsche haben wir die Drogenhändler dort
getroffen, wo es für sie am härtesten ist - an ihren
Geldbörsen. Und wir haben sie bereits gezwungen,
ihre Methoden, ihre Infrastruktur und ihre Transportrouten zu ändern. Hier in den Vereinigten Staaten
befassen wir uns mit der Nachfrageseite dieser
Gleichung.
Wir verstehen sehr gut, daß eine echte Partnerschaft,
die diese Geißel wirksam bekämpft, gleichzeitig
Bestrebungen zur Verringerung und Beseitigung der
Nachfrage sowie Bestrebungen zur Verringerung und
Beseitigung des Angebots beinhaltet. Ebenso erkannten viele der Nationen, die als Quelle illegaler Drogen
identifiziert wurden, daß die Konsequenzen für die
jungen Menschen in ihrem Land jetzt ebenfalls offenkundig werden.
Daher ist unsere Partnerschaft
wichtiger denn je.
Denken Sie an meine Worte: Die Drogenhändler
werden nicht die Oberhand gewinnen. Sie werden
besiegt.
Und schließlich wäre keine Überprüfung der uns
konfrontierenden Herausforderungen vollständig, wenn
sie nicht die schwerwiegenden und sehr realen
Bedrohungen unserer gemeinsamen Ökosysteme
einbeziehen würde.
Letztlich können wir keine
verantwortungsbewußten Hüter der Freiheit sein, wenn

*

AMERIKA DIENST 10

wir nicht auch verantwortungsbewußte Hüter von
Land, Wasser, Luft und anderen natürlichen Ressourcen unserer Hemisphäre sind. Die Förderung von
Demokratie setzt wirtschaftliche Freiheit und die
tragfähige Entwicklung der Ressourcen voraus, die
unsere Freiheiten bewahren. Ich ermutige Sie alle,
diese Sache zu der Ihren zu machen und zu erwägen,
wie Sie uns auf der bevorstehenden Folgekonferenz
über tragfähige Entwicklung im bolivianischen Santa
Cruz bei der Erlangung unserer Ziele helfen können.
Nebenbei bemerkt bedeutet der Einsatz für nachhaltige Entwicklung nicht nur gute Staatsbürgerschaft,
sondern ist ein gutes Geschäft, und die Zahlen
sprechen für sich. Es wird erwartet, daß der Absatz
amerikanischer Umweltprodukte in die Region 1998
auf 8 Milliarden Dollar ansteigt. Ob es um Verträge für
die Klärung von Abwässern in Sao Paulo oder um
Abgasuntersuchungen in Mexiko geht - amerikanischen Unternehmen geht es gut, indem sie Gutes
tun.
So machen wir gemeinsam Fortschritte bei der
Schaffung einer Hemisphäre der Demokratie, Stabilität
und Prosperität. Wir zeigen, daß der Geist von Miami
mehr ist als eine Kollektion abstrakter Ideen und
Prinzipien. Der Geist von Miami ist konkretes Handeln,
das reale und positive Auswirkungen auf das Leben
unserer Bürger hat. Als Geschäftsleute, gewählte
Volksvertreter, Partner und Freunde wollen wir den
epochalen Marsch zu Fortschritt und Frieden fortsetzen, denn unsere besten Tage und besten Momente
als Bürger des amerikanischen Kontinents liegen noch
vor uns.
Präsident Clinton, alle Bürger der Vereinigten Staaten
und ich freuen sich darauf, mit jedem von Ihnen diese
Reise fortzusetzen.

* * * *

Seite 3

�BOSNIEN
15. Mai 1996

USA werden ausharren
Anhörung von Staatssekretär Peter Tarnoff

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Ausschuß für internationale Beziehungen des
Repräsentantenhauses erklärte der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Peter
Tarnoff, am 23. April 1996, "mit 'D+90' (Dayton plus 90 Tage) am 19. März und dem Abschluß der
Gebietsübergabe haben wir das Ende der ersten Schlüsselphase des Abkommens von Dayton und den Beginn
der nächsten erreicht - die Rückkehr zu einem normalen Leben und die Vorbereitung geeigneter Bedingungen für
Wahlen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Staatssekretärs.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für die Einladung,
heute vor diesem Ausschuß zu sprechen. Ferner
begrüße ich die Gelegenheit, mit meinen Kollegen aus
dem Verteidigungsministerium und vom Amt für
internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID) die Lage in Bosnien erörtern zu
können.
Unsere Bestrebungen, durch die Umsetzung des
Abkommens von Dayton Frieden nach Bosnien zu
bringen, machen Fortschritte. In den fünf Monaten seit
der Paraphierung des Friedensabkommens auf dem
Luftwaffenstützpunkt Wright-Patterson wurden wir
Zeuge einer bemerkenswerten Umgestaltung. Wir
befinden uns tatsächlich auf dem Weg von Konfrontation zu Versöhnung. Aber wir stehen erst am
Anfang des Weges. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.
Meines Erachtens sind die bis heute erzielten Fortschritte jedoch allgemein ermutigend.
Wir haben immer gewußt, daß diese Aufgabe schwierig ist und es Rückschritte geben würde. Aber wir
verpflichten uns, bis zum Ende durchzuhalten. Der
jüngste tragische Verlust von Wirtschaftsminister
Brown und seine Mission haben unsere Entschlossenheit nur noch erhöht.
Der große Einfluß der amerikanischen Politik auf
diesen Konflikt wird offensichtlich, wenn wir uns vor
Augen führen, wo wir vor einem Jahr standen. Im April
1995 waren nahezu 70 Prozent des bosnischen

AMERIKA DIENST 10

Territoriums in serbischer Hand. Die internationalen
Friedensbemühungen wurden vollständig vereitelt.
Sarajevo blieb umstellt und belagert. Tausende von
Zivilisten litten unter enormen Entbehrungen. UNPROFOR - die einzige Möglichkeit, irgendeine Art von
Schutz zu erhalten - zog einen Rückzug in Erwägung.
Heute ist das Töten beendet, einige Flüchtlinge kehren
nach Hause zurück, die Menschen erhalten Nahrung,
Kleidung und Unterkunft, und in ganz Bosnien faßt der
Frieden Fuß.
Jetzt werden wir mit den Herausforderungen des
Friedens, nicht mit denen des Krieges konfrontiert.
Denn die Notwendigkeit von Frieden und Stabilität in
diesem Teil Europas und die Beendigung der ethnischen und nationalistischen Kämpfe trieben unsere
diplomatischen Bestrebungen voran, die im Abkommen von Dayton gipfelten. Dieselben Ziele
veranlassen jetzt die amerikanische Politik zu einer
Umsetzung des Abkommens.
Die Übereinkünfte von Dayton sind jedoch keine sich
selbst erfüllenden Versprechungen des Friedens. Sie
sind schlicht und einfach die vereinbarten Pläne für
das Streben nach Frieden. Zur Erreichung dieses
Ziels arbeiten wir in Abstimmung mit unseren Verbündeten auf militärischen und zivilen Kanälen daran, die
Parteien zu einer Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu
ermutigen. Ferner sind wir entschlossen, die Chancen
für einen dauerhaften Frieden zu erhöhen, indem wir in

Seite 1

�Bosnien ein möglichst gutes wirtschaftliches und
Sicherheitsumfeld schaffen.

digkeit einer Einhaltung aller Bestimmungen des
Abkommens konzentrieren.

Das Daytoner Abkommen stellt einen Zeitplan für von
den Parteien zu ergreifende Maßnahmen auf. Mit
jedem Schritt erhöht sich die Aussicht auf allgemeinen
Erfolg. Von der Truppenentflechtung über den Gebietsaustausch bis zur Demobilisierung der Truppen
baut jeder Schritt auf dem anderen auf und dient der
Stärkung des Friedens insgesamt. Mit D+90 (Dayton
plus 90 Tage) am 19. März und dem Abschluß der
Gebietsübergabe haben wir das Ende der ersten
Schlüsselphase des Abkommens von Dayton und den
Beginn der nächsten erreicht - die Rückkehr zu einem
normalen Leben und die Vorbereitung geeigneter
Bedingungen für Wahlen. Die OSZE (Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) muß die
Erfüllung der Bedingungen bescheinigen und das
Datum für die Wahlen in Bosnien festsetzen. Nachdem die OSZE bestätigt hat, daß Bosnien bereit zur
Veranstaltung von Wahlen ist, werden der Wahlkampf
und ausführliche Vorbereitungen beginnen. Nach den
Wahlen müssen die Institutionen funktionieren, auf die
man sich in Dayton einigte und die entscheidend für
einen lebensfähigen bosnischen Staat sind.

Einer der wichtigsten Aspekte dieser Bestrebungen zur
Einhaltung von Dayton beinhaltet die Verpflichtung
aller Parteien, ausländische Truppen und Berater des
Landes zu verweisen. In diesem Zusammenhang
legen wir besonderen Wert darauf, daß iranisches
Militär und Mitarbeiter der Nachrichtendienste Bosnien
verlassen.

Herr Vorsitzender, seit letzten November ist viel
erreicht worden. Wie mein Kollege aus dem Verteidigungsministerium bestätigen wird, haben die dem
NATO-Befehl unterstehenden IFOR-Truppen die
Entflechtung der kriegerischen Streitkräfte und den im
Daytoner Abkommen vorgesehenen Gebietsaustausch
überwacht. In Sarajevo beispielsweise wurde zwar die
Vereinigung der ehemals sorbischen Teile der Stadt
unter Kontrolle der Föderation durch von den Serben
initiierte Störmanöver beeinträchtigt, aber die Menschen dort können jetzt rechtmäßig ein besseres
Leben anstreben.
Wir haben auch sehr eng mit unseren Partnern in der
Kontaktgruppe zusammengearbeitet sowie mit dem
Hohen Repräsentanten Carl Bildt und seinem Stab, um
unsere Bestrebungen möglichst gut zu koordinieren.
Mein Kollege von AID wird im einzelnen auf die
Umsetzung der zivilen Seite des Abkommens eingehen.
Trotz dieser Errungenschaften ist die Erfüllung bestimmter Verpflichtungen - insbesondere was Gefangene, Bewegungsfreiheit und das heikle Thema
Kriegsverbrechen betrifft - nicht so, wie sie sein sollte.
Während der ersten Phase von Dayton wurde die
Umsetzung großenteils von der IFOR vorangetrieben.
Im Vorfeld der Wahlen werden die Parteien einen
größeren Teil der Verantwortung für den Erfolg tragen.
Daher ist es von elementarer Bedeutung, daß die
Unterzeichner des Daytoner Abkommens - die politische Führung in Bosnien, Kroatien und Serbien - sich
auf die vor ihnen liegenden Aufgaben und die Notwen-

Seite 2

In den letzten Tagen zogen Berichte besondere
Aufmerksamkeit auf sich, daß die Vereinigten Staaten
sich nicht aktiv der Lieferung iranischer Waffen über
Kroatien nach Bosnien vor zwei Jahren widersetzt
hatten. Ich möchte auf die Umstände und Fakten
dieses Falls zu sprechen kommen.
Von Anfang an lehnten die Clinton-Administration - und
die meisten Mitglieder des Kongresses - das gegen
Bosnien verhängte Waffenembargo ab. Wir wünschten eine multilaterale Aufhebung des Waffenembargos,
denn wenn die Vereinigten Staaten das Embargo
einseitig aufgehoben hätten, wäre das Sanktionsregime der Vereinten Nationen gegen Libyen und den
Irak geschwächt worden. Die UNPROFOR wäre aus
Bosnien abgezogen, hätte das Land einem größeren
kurzfristigen Risiko ausgesetzt, und die Vereinigten
Staaten hätten intervenieren müssen, um beim Abzug
der UNPROFOR-Truppen unter schwierigen und
gefährlichen Bedingungen behilflich zu sein. Im
Frühjahr 1994 waren die von der Regierung gehaltenen Gebiete Bosniens unter Belagerung und die kurz
zuvor gegründete muslimisch-kroatische Föderation in
einem labilen Zustand.
Im April 1994 wurden die Vereinigten Staaten von der
kroatischen Regierung gefragt, ob sie Einwände
hätten, wenn Kroatien Waffenlieferungen an die
bosnische Regierung aus anderen Ländern - darunter
Iran - über kroatisches Gebiet erlauben würde.
Angesichts der militärischen Dringlichkeit der Situation,
mit der sich die Föderation am Boden konfrontiert sah,
und des Ungleichgewichts zugunsten der bosnischserbischen Streitkräfte hatte die Administration keine
Einwände gegen mögliche Waffenlieferungen an die
Bosnier durch kroatisches Gebiet. Wir entschieden,
wir würden solche Lieferungen weder genehmigen
noch ablehnen. Den amerikanischen Regierungsvertretern wurde gesagt, sie sollten auf weitere Anfragen
der kroatischen Regierung mit der Aussage antworten,
sie hätten "keine Anweisungen" zu diesem Thema.
Die Vereinigten Staaten haben keinen Kontakt mit der
Regierung des Iran in dieser Angelegenheit.
Anfang Mai 1994 begannen die amerikanischen
Nachrichtendienste über Flüge iranischer Transportmaschinen nach Kroatien mit für Bosnien bestimmter
Ladung zu berichten, die angeblich militärische und
humanitäre Güter enthielt. Diese Berichte waren Teil

AMERIKA DIENST 10

�eines nachrichtendienstlichen Papiers, das den
maßgeblichen Kongreßausschüssen täglich übermittelt
wird. Die führenden Vertreter des Kongresses und
ihre Mitarbeiter hatten Zugang zu diesen täglichen
Berichten.
Im Oktober 1994 verabschiedete der Kongreß als
Alternative zu der einseitigen Aufhebung des Waffenembargos - mit starker Unterstützung beider Parteien
und der Administration - ein Gesetz, das die Verwendung zugewiesener Mittel zur Durchsetzung des
Waffenembargos gegen Bosnien für die Vereinigten
Staaten als illegal erklärte. Dem Kongreß war die
Lieferung iranischer Waffen an Bosnien zu jenem
Zeitpunkt bekannt. Die iranischen Waffenlieferungen
waren aus dem Anwendungsbereich dieses Gesetzes
nicht ausgenommen, das im November in Kraft trat.
Unsere Aktionen standen im Einklang mit dem Willen
des Kongresses, wie in dem Gesetz vom Oktober
1994 zum Ausdruck gebracht, das uns die Verwendung zugewiesener Mittel zur Durchsetzung des
Waffenembargos gegen Bosnien untersagte, während
wir gleichzeitig vermieden, einseitig eine bindende
Resolution des Sicherheitsrats zu unterlaufen, indem
wir direkt oder indirekt Waffen an die bosnische
Regierung lieferten.
Die gute Nachricht lautete, daß die mutigen Streitkräfte
Bosniens durchhalten und ihr Gebiet halten konnten.
Weil sie dies taten, konnte die NATO 1995 Maßnahmen ergreifen, und die Vereinigten Staaten
brachten in Dayton ein Abkommen hervor, das den
Menschen in Bosnien in allen drei Gemeinden die
beste Chance für Frieden bietet, die sie seit Jahren
hatten.
Am 23. November verabschiedete der UN-Sicherheitsrat Resolution 1021, die die Aufhebung des Embargos
infolge des Daytoner Abkommens vorsah. Seitdem
arbeitet die bosnische Regierung mit uns zusammen
und kommt ihrer Verpflichtung im Rahmen des Abkommens nach, die ausländischen Streitkräfte zu
entfernen. Die Präsenz und der Einfluß des Iran in
Bosnien wurden beträchtlich reduziert und die bosnische Regierung versteht, daß die Vereinigten
Staaten die Umsetzung ihres Programms zur Ausbildung und Ausrüstung an die Bestimmungen über
ausländische Streitkräfte im Daytoner Abkommen
gebunden haben. Dieser Punkt wurde den Bosniern
sowohl von der Administration als auch vom Kongreß
drastisch verdeutlicht.
Das Abkommen von Dayton enthielt eine wichtige
Initiative für die Parteien zur Aufgabe der andauernden
Kriegshandlungen und der Bewahrung des Friedens.
Das war die Chance für die Parteien, beim wirtschaftlichen Wiederaufbau von Bosnien und Herzegowina Partnerschaften mit der internationalen Staatengemeinschaft zu bilden. Alle Seiten sind durch diesen

AMERIKA DIENST 10

bitteren Konflikt erschöpft. Während Armeen demobilisiert und Waffen in begrenzte Arsenale verlagert
werden können, ist es sehr viel schwieriger für die
Regierungen, den Soldaten einen echten Arbeitsplatz
anbieten zu können, ganz zu schweigen von einem
sicheren Lebensunterhalt. Die Wiederaufbauhilfe ist
eine unerläßliche Investition für den künftigen Frieden
in der Region. Wir benutzen sie, um die Psychologie
des Krieges zu durchbrechen.
Die Anfang dieser Woche in Brüssel abgehaltene
erfolgreiche Konferenz der Geberländer hat in der
internationalen Staatengemeinschaft die Erkenntnis
dieser dringenden Notwendigkeit vertieft und signalisiert, daß sich aus der Einhaltung des Abkommens
von Dayton bald finanzielle Vorteile ergeben würden.
Bei der Konferenz wurden über 1,2 Milliarden Dollar an
neuen Mitteln für den Wiederaufbau zugesagt, und
zusammen mit den im Dezember zugesagten 600
Millionen Dollar wurde das Gesamtziel der internationalen Staatengemeinschaft von 1,8 Milliarden Dollar
für 1996 erreicht.
Die Unterstützung des Kongresses für das Zusatzpaket des Präsidenten in Höhe von 198 Millionen Dollar
war für den Erfolg der Konferenz entscheidend und
gestattete uns insbesondere, das Dreifache der von
uns zugesagten Mittel bei anderen bilateralen Gebern
"locker zu machen". Mit dem Zusatzpaket und anderen neuen Fonds konnten wir bei der Brüsseler
Konferenz 219 Millionen Dollar an neuen Geldern für
den Wiederaufbau und damit in Verbindung stehende
Programme wie Einrichtung einer Polizei, Minenräumung und Wahlen zusagen, von denen für 1996
insgesamt 281 Millionen Dollar vorgesehen sind. Das
ist ungefähr die Hälfte unserer Gesamtzusage in Höhe
von 550 Millionen Dollar für die zivile Umsetzung in
diesem Fiskaljahr für Bosnien und Ostslawonien. Von
dieser Gesamtsumme sind 200 Millionen Dollar reine
Hilfe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau, die die
erste Tranche der Zusage des Präsidenten von 600
Millionen Dollar für den wirtschaftlichen Wiederaufbau
über mehrere Jahre hinweg darstellen.
Konkrete Vorteile für die Menschen in Bosnien aus
dem Daytoner Abkommen - die sogenannte "Friedensdividende" - werden gewährleisten, daß das bosnische
Volk der Verbesserung seines Lebens in diesem
Sommer an der Wahlurne Rechnung trägt. Wir sehen
die Wiedergeburt von Sarajevo, aber diese Wiedergeburt wird durch die zerstörte Infrastruktur ernsthaft behindert. Das gilt für ganz Bosnien. Unsere
Prioritäten in den kommenden Wochen bestehen darin
sicherzustellen, daß die in Brüssel zugesagten Mittel
rasch fließen, daß die Menschen - insbesondere die
Zehntausende demobilisierter Soldaten - beschäftigt
und die einzelnen Wiederaufbauprogramme richtig
koordiniert werden. Die Europäische Union, die den
Löwenanteil der Finanzhilfe bereitstellt, die Weltbank
und der Hohe Repräsentant Bildt haben hier alle eine

Seite 3

�Rolle zu spielen, aber die Vereinigten Staaten müssen
eine Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, daß
die Arbeit getan wird.
Direkte Hilfe allein kann den Frieden nicht gewährleisten. Das Wirtschaftsleben hängt vom Handel ab.
Das Prinzip, daß Handel den Frieden verbessert,
führte Wirtschaftsminister Brown und seine Delegation
Anfang dieses Monats auf den Balkan. Dieser Gedanke wurde durch die Tragödie über Dubrovnik nicht
ausgelöscht. Wir haben uns verpflichtet, weiterhin
Frieden durch Handel anzustreben - sowohl im
Gedenken an die Brown-Delegation als auch, als
effektives Instrument zur Erlangung dauerhafter
Stabilität auf dem Balkan.
Die muslimisch-kroatische Föderation ist ein Eckpfeiler
des Abkommens von Dayton. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Verhinderung erneuter
Kampfhandlungen zwischen diesen Gemeinden und
der Kanalisierung ihrer Differenzen in die politische
Arena. Darüber hinaus bietet die Föderation das
notwendige Gegengewicht zur Republik Srpska. Die
gesamte rechtliche Struktur von Bosnien-Herzegowina
nach Dayton geht von einer gesunden, funktionierenden Föderation aus.
Angesichts der Bedeutung der Föderation für den
Erfolg des Daytoner Abkommens haben die Vereinigten Staaten sie zum Kernstück eines breitgefächerten Programms politischer, technischer und
wirtschaftlicher Unterstützung gemacht. Zusammen
mit unseren Partnern haben wir eine Reihe hochrangiger Treffen in Rom, Genf, Moskau und Sarajevo
abgehalten, die vornehmlich auf die Lösung der
Probleme der Föderation ausgerichtet waren. Am
kommenden Donnerstag werde ich die amerikanische
Delegation bei dem nächsten dieser Treffen in Bonn
leiten.
Am 3. April hat der amtierende Abteilungsleiter Kornblum das erste Treffen des Föderationsforums einberufen - einem Mechanismus für intensivere, regelmäßigere Diskussionen mit den beiden Parteien über
die Föderation betreffende Fragen unter Leitung der
Vereinigten Staaten.
Die Grundlage für einen dauerhaften Frieden hängt
nicht nur von Wahlen ab, sondern auch von der
Schaffung einer effektiven Abschreckung von erneuter
bosnisch-serbischer Aggression gegen die Föderation
sowie einer ausgewogenen Verteilung der Waffen in
der gesamten Region.
Darüber hinaus verpflichtet das Abkommen von
Dayton die Parteien zu einer Reihe von vertrauensbildenden und Rüstungskontrollmaßnahmen. Diese
Maßnahmen zielen darauf ab, Transparenz und
Vertrauen aufzubauen sowie ausgewogene und stabile
Verteidigungsstreitkräfte auf dem niedrigsten Niveau

Seite 4

zu schaffen im Einklang mit den jeweiligen Sicherheitsbedürfnissen der Parteien und der Notwendigkeit,
einen Rüstungswettlauf in der Region zu verhindern.
Aber selbst mit der uneingeschränkten Umsetzung
dieser Maßnahmen haben die Föderations-Streitkräfte
immernoch einen Nachteil. Aus diesem Grund haben
wir uns verpflichtet, internationale Bestrebungen zur
Ausbildung und Ausrüstung der Föderations-Streitkräfte anzuführen, so daß sie eine effektive
Abschreckungs- und Selbstverteidigungsfähigkeit
haben.
Und schließlich ist es unmöglich, sich einen dauerhaften Frieden vorzustellen, der nicht die in den vergangenen Jahren verübten Greueltaten berücksichtigt.
Wir sind keine Befürworter von Rache, denn das wird
nur mehr Verachtung und Gewalt hervorbringen. Wir
können auch nicht Gruppen kollektiv für die böswilligen
Aktionen von Einzelpersonen in ihrer Mitte verantwortlich machen. Aus diesem Grund haben die
Vereinten Nationen auf Drängen dieser Administration
den Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingerichtet. Seit Unterzeichnung des Daytoner Abkommens wurden 57 Personen angeklagt, sechs verhaftet
und die Ermittler haben auf der Suche nach Beweisen
Tausende von Stunden in Bosnien und den Nachbarländern verbracht.
Die Einhaltung der Verfügungen des Internationalen
Tribunals wurde zu einem der Prüfsteine des Daytoner
Abkommens gemacht. Sarajevo, Zagreb und Belgrad
haben seit letztem Jahr Schritte zur Verbesserung
ihrer Zusammenarbeit mit dem Tribunal unternommen. Aber der Mangel an Zusammenarbeit mit dem
Tribunal seitens der bosnischen Serben ist weiterhin
eines der krassesten Beispiele der Nichteinhaltung des
Abkommens.
Anschließend sollte man die amerikanische Führungsrolle nicht vergessen, die die relativen aber realen
Verbesserungen hervorbrachte, die wir jetzt in Bosnien
beobachten können. Und die amerikanische Führungsrolle wird uns in Zusammenarbeit mit unseren
Freunden und Verbündeten durch die von mir beschriebenen Herausforderungen und Chancen leiten.
Als wir und unsere NATO-Partner die IFOR nach
Bosnien entsandten, haben wir den ehemals kriegführenden Parteien gegenüber eindeutig klargestellt, daß
sie letztlich für die Umsetzung des Friedensabkommens verantwortlich sind. Durch die zeitliche Begrenzung der IFOR-Stationierung auf ein Jahr signalisierte die NATO, daß sie kein Ersatz für echte Fortschritte der Parteien zur Erlangung eines dauerhaften
Friedens ist. Zweifelsohne wird der vollständige
Umsetzungsprozeß länger als ein Jahr dauern, aber
wir vertrauen auf die Parteien, daß sie auf die während
dieses ersten kritischen Jahres gemachten Fortschritte
aufbauen, damit sie nach dem Abzug der IFOR
weiterhin den Frieden konsolidieren und Institutionen

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�aufbauen können. Das in Dayton erzielte Abkommen
sah einen schrittweisen Prozeß der Versöhnung und
des Aufbaus von Institutionen vor, den die Vereinigten
Staaten zu unterstützen beabsichtigen.
Angesichts der von uns im vergangenen Jahr gemachten bemerkenswerten Fortschritte - und der Resultate

der amerikanischen Führungsrolle während dieser Zeit
- hat diese Administration die Absicht auszuharren.
Wie Präsident Clinton wiederholt erklärt hat, liegt es im
nationalen Interesse der Vereinigten Staaten, Frieden
nach Bosnien zu bringen. Wir werden mit anderen zur
Erlangung dieses Ziels zusammenarbeiten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 10

Seite 5

�NATO
15. Mai 1996

Dauerhafte Zusammenarbeit zwischen
NATO und Rußland
von General George A. Joulwan

Mons - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) der
NATO, General George A. Joulwan, verfaßten Artikel, der erstmals in The Washington Post erschien.

Das Friedensabkommen von Dayton führte zur
bedeutendsten militärischen und politischen Zusammenarbeit des Westens mit Rußland seit dem
Zweiten Weltkrieg.
Obwohl das Friedensabkommen den Krieg in BosnienHerzegowina beendete und gleichzeitig die Gefahr
eines größeren Krieges verringerte, hatte es auch den
weniger bemerkten Effekt, das gegenseitige Vertrauen
zwischen dem russischen Militär und den Streitkräften
der NATO sowie der Vereinigten Staaten zu fördern.
Ferner unternahmen die NATO und Rußland historische Schritte für zukünftige militärische Zusammenarbeit, indem sie lernten, sich gemeinsam für die
Durchsetzung des Friedens einzusetzen.
Die Militärplaner der NATO und Rußlands trafen in
weniger als zwei Monaten die Vorkehrungen für dieses
bemerkenswerte Ereignis. Ihre intensiven Bestrebungen führten zu einem einzigartigen Ansatz bei der
Zusammenarbeit zwischen NATO und Rußland im
Rahmen einer Militäroperatior.
Rußland kann jetzt umfassend mit NATO-Streitkräften
operieren - von der strategischen Ebene in meinem
Hauptquartier im belgischen Mons bis zur taktischen
Ebene, auf der amerikanische und russische Soldaten
in Bosnien-Herzegowina Seit; an Seite tätig waren gemäß einem militärischen Plan genannt Operation
Joint Endeavor.
Der erste Schritt wurde am 15. Oktober 1995 unternommen, als eine Abordnung des russischen Generalstabs unter der Leitung von Generaloberst Leontij

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Schewtsow in meinem Brüsseler Hauptquartier eintraf,
um Gespräche über den russischen Beitrag zur IFOR
in Bosnien aufzunehmen.
Nach jahrzehntelanger Trennung während des Kalten
Krieges konnten sich Offiziere der NATO und Rußlands in nur 13 Tagen auf bestimmte Grundprinzipien
einigen. Das Abkommen bot die Grundlage für alle
Aspekte militärischer Zusammenarbeit: Verantwortlichkeit (einheitliche Führung); gemeinsame Mission, Ziel
und Richtlinien für die Aktionen der Soldaten; Unparteilichkeit bei der Erfüllung der Pflichten; Abschaffung
des dualen Entscheidungsfindungsprozesses, der in
der Vergangenheit beispielsweise verlangte, daß sich
die Vereinten Nationen und die NATO über Luftangriffe
einigen.
Der dritte Schritt konzentrierte sich auf die entscheidende Frage der Führung. Wir trafen eine besondere
Vereinbarung, die das russische Kontingent meinem
Befehl unterstellte - durch General Schewtsow, der für
die russischen Truppen als mein Stellvertreter fungiert.
Im Rahmen dieser Vereinbarung weise ich dem
russischen Kontingent alle Aufgaben durch ihn zu.
Das entsprach den russischen Forderungen, nicht in
die integrierte Militärstruktur der NATO einbezogen zu
werden, wahrte jedoch die einheitliche Führung, die für
die Effektivität der IFOR unerläßlich ist.
Ferner reflektierte das Abkommen auch das Prinzip
der einheitlichen Führung das gewährleistet, daß alle
IFOR-Streitkräfte - der NATO, Rußlands und anderer
Nichtmitgliedstaaten der NATO - meinen Befehlen
Folge leisten.

Seite 1

�Am 8. November einigten sich der russische Verteidigungsminister Pawel Gratschow und sein amerikanischer Amtskollege William Perry bei einem Treffen
im NATO-Hauptquartier auf diesen einzigartigen
Ansatz. Perry legte ihn anschließend dem Nordatlantikrat der NATO vor, der seine Zustimmung gab.
Am 21. Dezember gab ich der russischen Brigade
schließlich die Einsatzanweisung.
Infolgedessen
übernahm eine 1.500 Mann starke Luftlandebrigade
die Verantwortung für einen sehr wichtigen, 75 Kilometer langen Abschnitt der Pufferzone.
Die Russen operieren in der sogenannten Sapna
Thump. Es ist eine extrem schwierige Mission in
einem Gebiet, in dem während des Krieges einige der
bittersten und intensivsten Kämpfe stattfanden.
Die Streitkräfte der NATO und Rußlands führen
gemeinsame Patrouillen in Brcko im Herzen des
Posavina-Korridors durch. Als Beweis für die Unparteilichkeit der IFOR richtete die russische Brigade ein
Bataillonshauptquartier auf dem Gebiet der Föderation
Bosnien-Herzegowina und ein weiteres auf Seiten der
bosnischen Serben ein.
Die russischen Truppen operieren jetzt innerhalb der
Grenzen der multinationalen Division (Nord). Der
Befehlshaber, Generalmajor Bill Nash von der USArmee, hat nicht die Befugnis, ihnen Missionen oder
Aufgaben zuzuweisen. Er kann jedoch eine taktische
oder tägliche Kontrolle ihrer Pflichten vornehmen.
Dadurch ging die Zusammenarbeit zwischen der
NATO und Rußland von der Theorie zur Praxis über
und bildet eine echte Partnerschaft in einer militärischen Beziehung, die allzu lange durch das Mißtrauen
aus der Vergangenheit verhindert wurde.
Innerhalb von zwei Monaten machten wir große
Fortschritte bei der Harmonisierung von zwei Militärsystemen, die mehr als 50 Jahre lang durch politische
Realitäten getrennt waren. Durch diese Schritte
näherte sich Europa stärker der Stabilität und Sicherheit, die nach dem Ende des Kalten Krieges
angestrebt wurden.
Die Professionalität des russischen Militärs bei der
gemeinsamen Planung mit den NATO-Streitkräften war
entscheidend für diese erfolgreiche Dislozierung unter
extrem schwierigen Bedingungen. Russische Verbindungsoffiziere im NATO-Hauptquartier halfen bei der
abgestimmten Planung der komplexen Truppenbewegungen zum Einsatzgebiet.
Das beinhaltete die
gleichzeitige Bewegung von Lastwagenkonvoys,
Flugzeugen, Schiffen und Zügen aus allen Himmelsrichtungen während des schlimmsten Wetters in
Europa in diesem Jahrhundert in das schwierigste
Gebiet, das man sich vorstellen kann.

Seite 2

Die russische Brigade leistet außerordentlich gute
Arbeit. Sie errichtete entlang der Pufferzone zwölf
Kontrollpunkte und entwickelte gemeinsame Vorgehensweisen für Tätigkeiten wie Artillerieunterstützung und medizinische Evakuierung.
Soldaten der NATO und Rußlands führen jetzt gemeinsame Patrouillen durch, tauschen nachrichtendienstliche Informationen aus und machen gemeinsame
Bestandsaufnahmen von Minenfeldern.
Infolgedessen wurden 60 Tage nach Unterzeichnung
des Abkommens die Grenzen markiert, die Beseitigung bosnischen und serbischen militärischen Geräts
hatte begonnen, es waren gemeinsame Militärausschüsse mit Vertretern der ehemals feindlichen
Armeen eingerichtet worden, und die Parteien setzten
die Entflechtung, Demobilisierung und den Transport
schwerer Ausrüstung in Ortsunterkünfte fort.
Als Minister Gratschow und ich das Gebiet am 7.
Februar besuchten, sahen wir, daß die Soldaten der
NATO und Rußlands bei dieser Mission zu echten
Partnern geworden waren. Wir waren Zeuge, wie
russische und amerikanische Soldaten Seite an Seite
patrouillierten - nicht mehr Gegner im Kalten Krieg,
sondern Kameraden, die sich gemeinsam für die
Sache des Friedens einsetzen.
Diese gemeinsame Mission des Bündnisses und
Rußlands zeugt davon, daß die beiden ehemaligen
Gegner durch militärische Zusammenarbeit friedliche
Ziele erreichen können. Zudem vertiefte sie das
Verständnis und Vertrauen zwischen den Soldaten der
NATO und Rußlands, die in Uglewik, Vicenza, Tuzla
und Mons zusammenarbeiten.
Dies ist das direkte Resultat - das natürliche Resultat einer gemeinsamen Mission. Kontakte zwischen
Offizieren der NATO und Rußlands sind zu einer
täglichen Realität geworden. General Schewtsows
Stab spielt eine entscheidende Rolle bei den IFORPlanungen. Noch wichtiger ist aber, daß seine
Offiziere beim Generalstab in Moskau das Verständnis
für die NATO erhöhen und einen direkten Kanal für
den Umgang mit im beiderseitigen Interesse liegenden
militärischen Fragen bieten. Das ist ein enormer
Fortschritt.
Dies wird auch weiterhin ein Jahr großer Herausforderungen und Erwartungen für das Bündnis sein.
Jede Aktion birgt ihre Risiken, und niemand kann mit
Sicherheit Europas künftiges Sicherheitsumfeld
prognostizieren. Aber meines Erachtens müssen wir
bereit sein, um des dauerhaften Friedens willen
Risiken einzugehen.

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�Das ist erst der Anfang neuer Beziehungen zwischen
der NATO und Rußland. Diese Zusammenarbeit kann

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zu einem dauerhaften partnerschaftlichen Rahmen für
das kommende Jahrhundert werden.

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�USA-EUROPA
15. Mai 1996

Nationalismus in Europa - Amerikanische Anmerkungen
von J.D. Bindenagel

LEIPZIG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, vor dem Fachbereich Politische Wissenschaften
der Universität Leipzig am 11. April 1996 gehaltene Rede.

Sehr geehrte Frau Professor Menschel,
meine Damen und Herren,

politische Waffe ist in Europa und für Europa zu einem
sehr ernsten außenpolitischen Problem geworden.

vielen Dank für die freundlichen Begrüßungsworte und
die Gelegenheit, mit Ihnen über Nationalismus zu
sprechen.

Die Umbruchphase nach dem Ende des Kalten
Krieges hat eben nicht nur zu einer neuen Ordnung im
internationalen System geführt. Nicht überall in Europa
konnten sich persönliche Freiheit, demokratische
Strukturen, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft
durchsetzen.

Nationalismus ist zunächst die Haltung eines einzelnen, einer Bewegung oder eines Staates, die sich
die Durchsetzung nationaler Ziele zur Aufgabe macht.
Es gibt, wie Ihnen bekannt ist, eine ganze Bandbreite
nationalistischer Verhaltensweisen. In der Nationalismusforschung stehen deskriptive Untersuchungsansätze neben ideengeschichtlichen Ansätzen, die ihr
Augenmerk vor allem auf die Herausbildung und die
Geschichte der europäischen Nationalstaaten gerichtet
haben. Angesichts der Vielzahl möglicher Ziele
nationaler Bewegungen wird in der politikwissenschaftlichen Analyse versucht, eine an Zielvorstellungen ausgerichtete allgemeingültige Typologie aller
nationalen Bewegungen zu bilden. Darüber hinaus
gibt es individualpsychologische Ansätze, wonach der
Nationalismus zur Erfüllung des menschlichen Grundbedürfnisses nach Identität beiträgt.
Ich will Frau Menschel nicht vorgreifen und mit Ihnen
Definitionsfragen klären. Meine Absicht ist es, den
Bogen zur politischen Realität zu schlagen. Ich
möchte Ihren Blick für eine bedrohliche Variante des
Nationalismus schärfen und deutlich machen, wie
zweckmäßig theoretische Kenntnisse bei der Analyse
aktueller internationaler Probleme sind.
Nationalismus kann - wie wir Anfang der neunziger
Jahre bedauerlicherweise wieder einmal zur Kenntnis
nehmen mußten - zur Legitimation staatlicher Aggressionspolitik werden. Nationalismus als innen-

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In Südosteuropa entwickelte sich eine neue Unordnung, die zu regionaler Instabilität, Krieg, Zerstörung, Massakern und endlosem Leid führte. Diese
Unordnung wirft natürlich viele Fragen auf, die uns zur
Auseinandersetzung mit einer gefährlichen Geisteshaltung zwingen. Wir müssen uns fragen, welche Rolle
der Krieg aus nationalistischen Beweggründen in
Europa einnehmen darf. Oder anders und genereller
formuliert, wieviel Krieg sind wir bereit zu ertragen?
Welche Vorstellungen haben wir vom friedlichen
Mitt.nander der Staaten und Völker in Europa? Und
inwieweit sind wir bereit, unser Verständnis anderen zu
oktroyieren.
Unsere Verpflichtung zum Frieden beinhaltet auch eine
internationale Verantwortung gegenüber jenen, die
Opfer einer gewalttätigen Politik geworden sind. Der
Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat uns gezwungen,
darüber nachzudenken, wie weit die postulierten
Grundwerte Europas reichen und mit welchen Mitteln
sie verteidigt werden sollen. Mit diplomatischen
Anstrengungen allein ist kein internationales Recht
durchzusetzen. Letztlich geht es darum, ob die
Staatengemeinschaft zuläßt, ein nationalistisches
Krebsgeschwür wuchern zu lassen, das leicht zu
diagnostizieren war, aber unendlich viel schwerer zu
therapieren ist.

Seite 1

�In einem Zeitungskommentar letzte Woche über den
Abschied des EU-Verwalters von Mostar, Hans
Koschnick, hieß es zum Schluß: "Wie lange wird es
dauern, bis die Nationalisten alles zunichte gemacht
haben?"
Das ist eine erschreckende Frage. Wie kann unter
heutigen Bedingungen einem menschenverachtenden
Nationalismus Einhalt geboten werden? Wie kann sich
eine Staatengruppe gegen nationalistisch gesinnte
Kriegstreiber verwahren? Welche Verfahren und
Instrumente stehen der Staatengemeinschaft zur
Verfügung, um Frieden, Stabilität und Sicherheit zu
bewahren?
Wenn ich von "uns" spreche, dann meine ich die
Staaten der Atlantischen Allianz, das heißt die Vereinigten Staaten und die Mitglieder der Europäischen
Union.
Wie der Krieg im ehemaligen Jugoslawien gezeigt hat,
war die politische Entscheidungsfähigkeit und militärische Handlungsfähigkeit der Europäischen Union
nicht gegeben. Ohne den politischen Einsatz der
Vereinigten Staaten und deren militärisches Engagementwäre der verbrecherische Krieg gegen ethnische
Minderheiten wohl nicht im letzten Jahr zu Ende
gebracht worden. Ein Krieg, der zweifelsohne aus
nationalistischen Motiven dem multiethnischen Leben
im ehemaligen Jugoslawien vorläufig ein Ende gesetzt
hat.
Krieg bei den Nachbarn stellt politische Entscheidungsträger vor schwierige Aufgaben und Herausforderungen. Zum einen sind es die Probleme anderer
Wähler, anderer Menschen, anderer Volksgruppen,
anderer Völker. Zum anderen ist das eigene, nationale
Interesse an den Problemen anderer Staaten von jeher
nicht allzu groß, sofern diese nicht bedrohliche Ausmaße annehmen. Wer interessierte sich schon für die
Vorgänge in Jugoslawien Ende der achtziger Jahre,
als der Nationalismus einzelner Volksgruppen eine
Renaissance erlebte. Europa war mit anderen Dingen
beschäftigt: Dem langsamen aber stetigen Zusammenbruch des sowjetischen Reiches, der Selbstbefreiung
Mittel- und Osteuropas, der deutschen Vereinigung
und dem irakischen Überfall auf Kuwait.
Folglich muß man als aufmerksamer Beobachter sehr
vorsichtig sein, wenn man mit dem Finger auf andere
zeigt, um Schuldzuweisungen vorzunehmen. Fehler
sind gemacht worden, das Einmaleins der Diplomatie
wurde aus Uneinigkeit, Wohlwollen oder vielleicht auch
aus Unkenntnis außer Kraft gesetzt. Oder um Friedrich den Großen zu zitieren: "Diplomatie ohne Schwert
ist wie Musik ohne Instrumente."
Man kann nicht ständig Friedenskonferenzen abhalten
und Sanktionen androhen, wenn im Kriegsgebiet eine
ethnische Minderheit im besten Fall vertrieben, im

Seite 2

schlimmsten Fall ermordet wird. Erst sehr spät hat die
westliche Staatengemeinschaft Wege gefunden, die
aus einem Entscheidungs- und Handlungsdilemma
herausführten.
Dies zeigt zum einen, daß politische Uneinigkeit in der
Lagebeurteilung zu erheblichen Verzögerungen bei
der Realisierung von Maßnahmen zur Beendigung der
Kampfhandlungen führt. Des weiteren geriet die
Staatengemeinschaft aufgrund ihrer Uneinigkeit unter
starken öffentlichen Druck, was die Beeinflussung von
Kriegsparteien nochmals erschwert.
Zum anderen bestand am Anfang das Problem, daß es
sich um einen innerstaatlichen Konflikt handelte. Eine
Einmischung in die inneren Angelegenheiten wird in
der Regel von jedem Staat zurückgewiesen. Diese
rechtliche Problematik hat letztlich zur Anerkennung
von Kroatien und Slowenien geführt. Die Bundesrepublik Deutschland hatte Anfang der neunziger Jahre
den außenpolitischen Versuch unternommen, einen
Beitrag zur Eindämmung des Teilungskonfliktes im
ehemaligen Jugoslawien zu leisten. Die mit der
Anerkennung einhergehende Internationalisierung des
jüngsten Balkankonflikts hatte leider keinen durchschlagenden Erfolg. Alle Minderheiten waren infolgedessen in der einen oder anderen Form kriegerischen
Repressalien ausgesetzt.
Die Anerkennung von
Staatsgebieten - ohne gesicherten Schutz der Grenzen - konnte angesichts der hohen Gewaltbereitschaft
der politisch Verantwortlichen keine friedensbewahrende Wirkung entfalten. Deutschland hat für diese
Vorgehensweise im In- und Ausland viel Kritik erhalten.
Historische Parallelen, wie sie in dieser Diskussion
gezogen wurden, sind meines Erachtens allerdings
unzutreffend. Argumente, die Deutschlands Rolle in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts thematisieren,
werden dem ausgeprägten Friedenswillen des demokratischen Deutschlands nicht gerecht, das aus seiner
Geschichte gelernt hat.
Der Einsatz von Macht, politischem Gewicht, diplomatischem Engagement und militärischen Optionen ist
allerdings notwendig, um einem Friedenswillen die
nötige Glaubwürdigkeit beziehungsweise den nötigen
Nachdruck zu verleihen. Dieses Beispiel verdeutlicht,
wie risikoreich außenpolitische Initiativen sind, wenn
sie nicht auf einem breiten internationalen Konsens
basieren. Der verantwortungsbewußte Umgang mit
Macht muß prinzipiell die internationalen, innenpolitischen und psychologischen Rahmenbedingungen
berücksichtigen, in denen das politische Gewicht eines
Staates eingesetzt wird.
Damit will ich nicht einer wie auch immer gearteten
"Militarisierung der Außenpolitik" das Wort reden. Im
Gegenteil, es kommt darauf an, gemeinsam geeignete
und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um
Konflikte zu verhüten und Formen der friedlichen
Streitbeilegung zu nutzen, damit Krisen entschärft

AMERIKA DIENST 10

�werden. Wenn Maßnahmen der Konfliktverhütung
nicht greifen, müssen friedenserhaltende und gegebenenfalls friedensschaffende Schritte unternommen
werden, die durch den Einsatz militärischer Mittel
unserem Engagement für den Frieden die nötige
Glaubwürdigkeit verleihen.
Wir stehen jetzt an einem Wendepunkt. Die Einstellung der Kampfhandlungen in Bosnien ist militärisch erzwungen und diplomatisch durch das
Friedensabkommen von Dayton abgesichert worden.
Präsident Clinton sprach von einer großen Chance für
alle Kriegsparteien, einen international abgesicherten
Neuanfang zu machen. Das heißt aber auch, daß
nationalistische, ethnisch bestimmte Dominanzbestrebungen ein Ende finden müssen und eine
Rückkehr zu einem friedlichen und toleranten Umgang
der Volksgruppen gefunden werden muß. Ich vermag
Ihnen nicht zu sagen, was passieren wird, sollte das
Friedensabkommen scheitern.
Lassen Sie mich auf die amerikanische Europapolitik
zu sprechen kommen, wie sie sich als Reaktion auf
den Nationalismus im Ersten und Zweiten Weltkrieg
entwickelt hat. Damit möchte ich aufzeigen, daß es in
der internationalen Politik durchaus Wege und Verfahren gibt, die durch Nationalismus bedingte Kriegsgefahr erheblich einzuschränken.
Für die amerikanische Regierung stand 1945 der
Aufbau einer stabilen Friedensordnung in Europa im
Vordergrund. Krieg in Europa durfte nicht noch einmal
dazu führen, daß amerikanische Soldaten auf europäischen Schlachtfeldern ihr Leben ließen. Ohne kontinuierliches Engagement, militärische Präsenz und ökonomische Aufbauhilfe war dieses Ziel nicht zu erreichen. Der Kalte Krieg trug das Seine dazu bei, daß
Westeuropa unter dem externen Druck zu Formen der
Zusammenarbeit und Integration fand, die geschichtlich gesehen jeden Europäer mit Stolz erfüllen sollten.
Die Gründung der NATO, als Wertegemeinschaft
konzipiert, mit einem klaren Verteidigungsauftrag,
schuf ein Netz politischer wie auch militärischer
Zusammenarbeit, das den Frieden in Europa sichert.
Dies macht die NATO jetzt für die mittel- und osteuropäischen Staaten so attraktiv. Die Vereinigten
Staaten von Amerika verstehen sich, wenn es um
Europa geht, als eine europäische Macht. Die Sicherheit Europas ist auch unsere Sicherheit. Dies
entspricht unseren historischen Erfahrungen in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Amerika wird auch weiterhin in Europa engagiert
bleiben und mit der Europäischen Union zusammenarbeiten. Das transatlantische Verhältnis ist und bleibt
unsere Geschäftsgrundlage. Der Verlauf von Krisen
und Konflikten in den letzten Jahren zeigt deutlich, daß
in nahezu allen internationalen Krisensituationen Amerikaner und die meisten Europäer gemeinsame Ziele

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verfolgen. Vielfach unterscheiden sich zwar die
Vorschläge, die Lösungsmodelle und Strategien zu
deren Verwirklichung, doch was die Bewahrung des
Friedens und der Stabilität des internationalen Systems angeht, zieht das transatlantische Bündnis an
einem Strang. Das kann man auch daran erkennen,
daß es gerade diese Staatengruppe ist, die sich bereit
erklärt, Garantien zu geben und die aktiv an konstruktiven Friedenslösungen arbeitet.
Weil politische Zusammenarbeit, militärische Kooperation und faire Handelsbeziehungen elementare
Bestandteile einer stabilen Friedensordnung sind, hat
ein wie auch immer begründeter aggressiver Nationalismus keinen Entfaltungsraum innerhalb der
Atlantischen Allianz. Deshalb tritt die amerikanische
Regierung vehement für die Öffnung der NATO ein.
Unsere Außenpolitik gegenüber den Staaten des
früheren Warschauer Paktes ist eindeutig:
Wir
möchten diesen Staaten zu demokratischen und
marktwirtschaftlichen Strukturen verhelfen, so daß sie
eine souveräne Politik betreiben können und ihr
ökonomisches Potential einsetzen, um den Lebensstandard ihrer Bürger anzuheben. Wir streben die
Öffnung unserer westlichen Institutionen für die
ehemals kommunistischen Länder an, die willens und
bereit sind, sich zu Demokratie und offenen Märkten zu
verpflichten. Wir arbeiten an einem neuen transatlantischen Rahmen für das 21. Jahrhundert.
Demokratie, freie Märkte und gegenseitige Sicherheit
sind dabei die grundlegenden Elemente einer dauerhaften internationalen Ordnung.
Die gesellschaftliche Verwurzelung der Demokratie
erfordert neben neuen rechtsstaatlichen Verfassungen,
einer unabhängigen Rechtsprechung und Wahlen
auch kulturelle Erneuerung. Eine neue politische
Kultur muß entstehen, die sich die Gepflogenheiten
demokratischer Prinzipien zu eigen macht. Gewerkschaften sind da ebenso zu nennen wie auch eine freie
Presse. Eine freie Presse ist ungemein wichtig, um
gerade jenen Kräften zu widerstehen, die eine Rückkehr zu den alten Zeiten propagieren. Auch hier haben
wir die Aufgabe, durch den Austausch von Ideen,
durch Programme aller Art jene Entwicklungen zu
fördern, die gegen einen engstirnigen Nationalismus
immun machen.
Ich möchte zum Schluß kommen. Europa und die
Vereinigten Staaten sind auch weiterhin gefordert, mit
gutem Beispiel voranzugehen. Deutlich zu machen,
daß sich Zusammenarbeit lohnt. Daß Toleranz und
Verständnis erheblich dazu beitragen, den internen wie
auch externen Frieden zu bewahren. Er ist letztlich die
Voraussetzung für Freiheit und Wohlstand unserer
Gesellschaften.
Ich danke Ihnen.

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�WIRTSCHAFT
15. Mai 1996

USA müssen weiterhin Führungsstärke
im Ausland beweisen
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Finanzminister Lawrence H. Summers erklärte in einer Rede vor der
Society of American Business Editors und Writers am 29. April 1996 in New Orleans, die Vereinigten Staaten
müßten weiterhin ihre internationale Führungsrolle unter Beweis stellen, "um Märkte zu öffnen, die Sicherheit zu
bewahren und die aufstrebenden Märkte auf dem richtigen Weg zu Demokratie und Wirtschaftswachstum zu
halten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers in wesentlichen Auszügen.

Einleitung
Dies ist ein entscheidender Augenblick in der
Geschichte unseres Landes. Die Amerikaner sind
müde nach einer langen Periode der Konflikte. Sie
sind zunehmend mit den Problemen im Inland - nicht
im Ausland - beschäftigt und wollen sich aus
auswärtigen Verstrickungen zurückziehen.
Unsere gewählten Vertreter geloben, die Regierung
schlanker zu machen. Die Unternehmen werden
immer erfolgreicher, aber die Arbeitnehmer fürchten
um ihre Sicherheit. Die Zölle sind in die Höhe
geschnellt.
Es macht sich Besorgnis über
Einwanderer breit. In einigen Reihen hört man Worte
wie, man müsse Amerika "rein" halten. Quoten und
neue Gesetze verringern den Strom der Einwanderer.
Für einige ist es die beste Zeit, für andere die
schlechteste.
Man könnte annehmen, ich spreche über 1995.
Tatsächlich beschreibe ich das Jahr 1925. Amerika
steht vor einer Reihe katastrophaler wirtschaftlicher
und außenpolitischer Fehler. Sie tragen dazu bei, die
Welt in das zu katapultieren, was vielleicht das
dunkelste Kapitel in der Geschichte der Menschheit ist.
Die Lektionen der zwanziger Jahre sind mächtig. Sie
verweisen auf die Tatsache, daß Amerika nicht sicher
ist, selbst wenn wir die einzige Supermacht der Welt

AMERIKA DIENST 10

sind. Sie sprechen eloquent über die Notwendigkeit
einer amerikanischen Führungsrolle und ein
Engagement selbst in Regionen der Welt, die auf kurze
Sicht weit entfernt zu liegen oder unwichtig zu sein
scheinen. Und sie bieten wichtige Beispiele der Art
und Weise, wie unsere internationale Wirtschaftspolitik
und unsere nationale Sicherheit untrennbar verbunden
sind.
Wir leben in einer Zeit großer Chancen und großer
Herausforderungen.
Chancen, weil
unsere
Wirtschaftsgrundlage stärker ist als je zuvor seit John
F. Kennedy Präsident war. Chancen, weil die Millionen
von Menschen auf der ganzen Welt sich für freie
Märkte und Demokratie entschieden haben und eine
prosperierende
Weltwirtschaft
schaffen.
Herausforderungen, weil - wie Präsident Clinton es
formulierte und wie es die Einwohner von New Orleans
solange praktiziert haben - Amerika wettbewerbsfähig
sein muß und sich nicht zurückziehen darf, wenn das
Land Vorteile aus dieser Weltwirtschaft ziehen will.
Die Vereinigten Staaten sehen sich in den kommenden
Jahren mit drei Prioritäten konfrontiert, wenn unser
Wohlstand gesichert sein soll. Erstens müssen wir
weiterhin die Grundlage für eine starke Wirtschaft hier
im Inland schaffen.
Zweitens müssen wir
Führungsstärke im Ausland beweisen - um Märkte zu
öffnen, die Sicherheit zu bewahren und die

Seite 1

�aufstrebenden Märkte auf dem richtigen Weg zu
Demokratie und Wirtschaftswachstum zu halten.
Drittens müssen wir sicherstellen, daß alle Amerikaner
die Chance zur Beteiligung an unserem Wohlstand
haben. Ich möchte kurz auf jede dieser drei Prioritäten
eingehen. Ich beginne mit der Notwendigkeit für eine
starke Wachstumsgrundlage hier im Inland.
Eine starke Wirtschaftsgrundlage
Wenn ich mir den Stand unserer heutigen Wirtschaft
betrachte, denke ich, daß sie stärker ist als zu jedem
anderen Zeitpunkt meines Berufslebens.
Amerika hat in den vergangenen drei Jahren
unter dieser Administration über 8,5 Millionen
Arbeitsplätze geschaffen und uns eine
Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent beschert dies ist ein Rückgang von 7,3 Prozent zur Zeit
der Amtsübernahme des Präsidenten.
Die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze hat
bereits die Zusage des Präsidenten zur
Schaffung von 8 Millionen Arbeitsplätzen in
vier Jahren übertroffen. Und dies vor dem
Hintergrund,
daß
alle
anderen
Industrienationen
Arbeitsplätze
verloren
haben und einen explosionsartigen Anstieg
ihrer Arbeitslosenquoten beobachten mußten.
Wir konnten einen beträchtlichen Anstieg der
Unternehmensprofite verzeichnen, die nach
Steuern von 1992 bis 1994 um über 25
Prozent gestiegen sind sowie eine weitere
15prozentige Steigerung in den ersten drei
Quartalen von 1995.
Und es gibt eine ganze Reihe von Anzeichen, die
Ihnen sagen, wie gut es den Amerikanern geht, von
den Hypothekenzinsen, die selbst trotz der jüngsten
Anhebung immer noch nur 120 Punkte höher als der
effektive Zinssatz liegen - dem niedrigsten Niveau seit
25 Jahren im Jahr 1993 -, bis zur Armutsgrenze, die
während des ersten Amtsjahres dieser Administration
zum ersten Mal seit einem halben Jahrzehnt gesunken
ist.
Erneuerung des Privatsektors
Worauf ist die wirtschaftliche Stärke zurückzuführen,
die wir beobachten?
Die amerikanischen
Unternehmen haben sich verglichen mit anderen
Ländern als bemerkenswert dynamisch erwiesen. Wir
haben das flexibelste Finanzwesen der Welt, wir
haben die wettbewerbsfähigsten Märkte der Welt, und
wir zwingen uns stets, gegen die Besten der Welt den
Konkurrenzkampf anzutreten.

Seite 2

Betrachten
Sie
sich
den
amerikanischen
Fertigungssektor und die Art von Änderungen, die IBM
oder General Electric - die ihre Einnahmen im letzten
Jahrzehnt vervierfachten - eingeführt haben. Sie
können auf eine Bilanz verweisen, die viele
Unternehmen andernorts auf der Welt noch
erwirtschaften müssen.
So wichtig wie die Wiedergeburt alter Industrien ist die
Entwicklung neuer. Wir sind in einzigartiger Weise
ausgerüstet, im Informationszeitalter zu konkurrieren.
Microsoft ist jetzt eines der zehn am höchsten
bewerteten Unternehmen in den Vereinigten
Staaten
im
Hinblick
auf
die
Marktkapitalisierung. AIG ist eines der 16 am
höchsten bewerteten Unternehmen in den
Vereinigten Staaten.
Betrachten Sie sich die Industrien außerhalb
des Fertigungsbereichs - Federal Express,
Disney, Netscape. Es ist klar, daß ein hoher
Prozentsatz dieser weltweit führenden
Unternehmen aus den Vereinigten Staaten
kommt.
Mit anderen Worten: Wir sind am besten, was die
Technologie von morgen anbetrifft.
Eine gut verwaltete Wirtschaft
Ein Großteil des Lobes für unsere Volkswirtschaft
gebührt dem Privatsektor, der sehr vieles richtig
macht, um in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähig sein
zu können. Aber der Privatsektor könnte nicht
konkurrieren, wenn wir keine Administration hätten, die
etwas tut, das seit Jahrzehnten nicht getan wurde: Sie
verwaltet die Wirtschaft gut.
Die Haushaltsreduzierungen des Präsidenten
haben das staatliche Defizit zum ersten Mal
seit Harry Trumans Präsidentschaft in drei
aufeinanderfolgenden Jahren verringert.
Mit ungefähr 1,9 Prozent im vergangenen Jahr
- im Vergleich zu 4,2 Prozent 1992 - war unser
staatliches Haushaltsdefizit als Anteil am
Bruttoinlandsprodukt das niedrigste von allen
G-7-Staaten. Es sieht so aus, als könnten wir
dieser Leistung auch 1996 entsprechen.
Die Administration konnte die staatlichen
Ausgaben kürzen, weil sie die Regierung
verschlankte. Tatsächlich ist die Regierung so
klein geworden, daß die Anzahl ihrer
Mitarbeiter niedriger ist als in den letzten 30
Jahren
und
die
Zahl
der
Regierungsangestellten als Prozentsatz der
im zivilen Bereich Beschäftigten - die

AMERIKA DIENST 10

�Landwirtschaft ausgenommen niedrigsten Stand seit 1993.

auf dem

Warum ist das wichtig? Es ist wichtig, weil Rückgrat
bei der Finanzdisziplin ein starkes Sinken der
Zinssätze gestattete.
Die Zinssätze befinden sich an diesem Punkt im
Konjunkturzyklus auf einem historischen Tiefstand,
wobei die über zwanzigjährigen Anleihen nur 85
Punkte über dem Tiefstand vom Oktober 1993 liegen.
Die durch die Finanzdisziplin der Regierung
hervorgerufenen niedrigen Zinssätze verschafften
unserer Wirtschaft eine gesunde Belebung. Sie
führten aber auch zu einem rapiden Anstieg der
Ausrüstungsinvestitionen.
Ausrüstungsinvestitionen verzeichneten erstmals seit
30 Jahren drei Jahre hintereinander zweistellige
Wachstumsraten. Das ist wichtig, denn es bedeutet,
daß Amerika die Investitionen in Kapazitäten tätigt, die
für ein tragfähiges, nichtinflationäres Wachstum der
Volkswirtschaft erforderlich sind.
Mit anderen Worten: Wir erfreuen uns einer Situation,
die es seit der Präsidentschaft John F. Kennedys in
unserem Land nicht mehr gegeben hat - einer
niedrigen Inflationsrate sowie einer von Investitionen
geleiteten wirtschaftlichen Erholung.
Das
ist
von
Bedeutung,
denn
die
Wirtschaftsgeschichte seit dem Krieg hat uns eines
gelehrt: Keine wirtschaftliche Erholung ist je an
Altersschwäche gestorben. Sie ist gestorben, weil sie
durch von der Zentralbank hervorgerufene steigende
Zinssätze - für die Inflationsbekämpfung das Motiv war
- unter Druck geriet.
Die Inflationsrate steigt.
Die Menschen werden
nervös. Die Zentralbank hält mit Recht die Zügel
straffer. Die Wirtschaft gerät ins Schleudern und wir
erleben eine Rezession. So war es 1958. So war es
1967. So war es 1970. So war es 1974. So war es
1982. Und so war es 1989.
Wenn wir eine Wiederholung dieses Musters
verhindern wollen, muß die Inflation unter Kontrolle
gehalten werden. Und die Inflationsrate befindet sich
auf dem niedrigsten Stand seit den sechziger Jahren.
Wir müssen die Kapazitäten so ausweiten, daß die
Nachfrage nach Output steigen kann, ohne Preisdruck
auszuüben. Aus diesem Grund ist es so wichtig, daß
diese wirtschaftliche Erholung von Investitionen
geleitet ist - bis der Punkt erreicht ist, an dem unsere
Investitionszahlen positiver sind als seit einer
Generation. Die kluge makroökonomische Verwaltung
des Präsidenten gestattete diese entscheidende

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Justierung von niedriger Inflationsrate, niedrigen
Zinssätzen und hoher Investitionsrate.
Die Wahrung der amerikanischen Führungsrolle
Eine starke wirtschaftliche Grundlage in unserem Land
ist von großer Bedeutung. Sie würde jedoch weniger
bedeuten, wenn wir nicht die amerikanische
Führungsrolle nutzen würden um sicherzustellen, daß
wir unsere Produkte in einer stabilen Weltwirtschaft
absetzen können und Sicherheit und Wohlstand der
Amerikaner durch ein sicheres globales System
gewährleistet werden.
Betrachten Sie sich einen Augenblick lang die
Situation. Wenn sich später Historiker mit unserem
Zeitalter beschäftigen, werden sie wahrscheinlich nicht
das Ende des Kalten Krieges - das Ende der
Auseinandersetzung zwischen zwei Großmächten - als
wichtigstes Ereignis betrachten. Vielmehr könnte das
hervorstechende Ereignis die Tatsache sein, daß in
dieser Ära ungefähr drei Milliarden Menschen in Asien,
Osteuropa und Lateinamerika die schnelle Rolltreppe
in die Modernität betraten. Das geschah, weil sich
erstmals in der Geschichte des Menschen die
Nationen auf ein Modell für wirtschaftlichen Wohlstand
und politische Freiheit einigten. Dieses Modell ist das
amerikanische Modell von freien Märkten und
Demokratie. Und seine Akzeptanz auf der ganzen
Welt
bietet
bemerkenswerte
Chancen
für
amerikanische Arbeitsplätze, Exporte und Wohlstand
in den kommenden Jahrzehnten.
Es steht außer Frage, daß Handel im letzten halben
Jahrzehnt der Motor unserer Wirtschaftsentwicklung
gewesen ist.
Das Wachstum der Exporte lag seit 1992 im
Durchschnitt bei acht Prozent jährlich - mehr als das
Doppelte
des
Wachstums
unseres
Bruttoinlandsprodukts. Amerikanische Unternehmen
exportieren derzeit im Wert von über 700 Milliarden
Dollar - ausreichend für den Erhalt von 10 Millionen
amerikanischen Arbeitsplätzen. Und es sind gute
Arbeitsplätze, deren Bezahlung etwa 15 Prozent über
dem Durchschnitt liegt.
Die Antwort auf die Frage, woher das schnelle
Exportwachstum stammt, lautet neuentstehende
Märkte - Märkte, die bereits vier Millionen
hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze erhalten.
Sollten die Möglichkeiten für Amerikaner wachsen und
die Zahl hochbezahlter Arbeitsplätze ansteigen, wird
es für uns keine höhere Priorität geben als
sicherzustellen, daß die Handelshemmnisse anderer
Länder für unsere Produkte abgebaut werden und sie
ihre Märkte für unsere Waren öffnen.

Seite 3

�Aus diesem Grund hat diese Administration die seit
Jahrzehnten größte Kampagne zur Öffnung von
Märkten für unsere Waren eingeleitet.
Wir haben mehr
anderen Ländern
abgeschlossen,
abzubauen und
schaffen.

als 100 Abkommen mit
zur Öffnung von Märkten
um
Handelshemmnisse
gleiche Bedingungen zu

Wir schlössen die Uruguay-Runde ab, und
unser Rahmenabkommen mit Japan zeigt
bereits Früchte. Das Wachstum bei. den
Exporten, über die wir mit Japan Einigung
erzielten, ist dreimal so groß wie das bei
anderen Produkten.
Amerikanische Führungsrolle für Sicherheit
Die Erschließung von Märkten ist ein Aspekt der
amerikanischen Führungsrolle. Ein weiterer ist die
Gewährleistung, daß die auf dem Weg zu freien
Märkten und Wachstum befindlichen Länder auch den
richtigen Kurs halten. Natürlich geht es dabei um die
Chancen, die wohlhabende Entwicklungsländer den
Amerikanern bieten - durch Exporte und Arbeitsplätze.
Aber die Unterstützung dieser Länder beim Übergang
zu Wachstum und Demokratie beinhaltet eine andere
Erkenntnis: Daß Konflikte ihre Wurzeln in Frustration
haben. Die amerikanische Führungsrolle bei der
Verankerung von Wachstum in Entwicklungsländern
ist wesentlich für die Verankerung von Stabilität sowie
für die Gewährleistung der amerikanischen Sicherheit
in einer Welt, in der Herausforderungen bestehen
bleiben.
Es kann kein Zufall sein, daß nach einem halben
Dutzend Kriegen innerhalb von hundert Jahren, denen
jedesmal Friedensverträge und dann erneute Konflikte
folgten, Krieg in Europa nach 1945 undenkbar wurde.
Das hatte großenteils mit der ökonomischen Vision
von manchen auf beiden Seiten des Atlantiks nach
dem Krieg zu tun. Es war eine Vision, die schnellen
Wiederaufbau als wesentlich für eine Normalisierung
und für Wohlstand erachtete und unterstützte. Und sie
förderte wirtschaftliche Integration als wichtige
Gewährleistung dafür, daß die Menschen von einem
gemeinsamen Frieden mehr zu gewinnen haben als
von entzweienden Konflikten.
Wenn wir uns heute die Regionen ansehen, die für
Amerikas Sicherheit von wesentlicher Bedeutung sind,
müssen wir auf dieselbe Vision bezug nehmen. Es ist
offensichtlich, daß die Aussicht auf Stabilität in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion stark
davon abhängt, daß diese riesigen Länder den
Übergang zu Marktwirtschaft und Wohlstand
erfolgreich vollziehen.
Es ist klar, daß
Konfliktvermeidung in Asien und keine Behinderung
von Fortschritten in der Region durch ideologische,

Seite 4

kulturelle und Grenzstreitigkeiten stark davon
abhängen, wie sehr beide Seiten des Pazifiks in
Wohlstand miteinander verbunden sind und
aufstrebende Mächte in das weltweite Wirtschafts- und
Handelssystem integriert werden. Und es ist klar, daß
die Aussicht auf echte Stabilität in Mittelamerika, auf
die tatsächliche Abschaffung der Apartheid im
südlichen Afrika und auf die Verankerung des Friedens
im Nahen Osten stark damit zusammenhängt, ob
Wohlstand seinen Weg nach Nicaragua findet, die
Industrie in Soweto Fuß faßt und der Handel von Kairo
bis Tel Aviv und Katar ausgeweitet wird.
Unterstützung Rußlands
Ich möchte jetzt auf ein riesiges Land zu sprechen
kommen, dessen erfolgreicher Übergang zu
Demokratie und Marktwirtschaft für unseren Wohlstand
und unsere Sicherheit gleichermaßen von essentieller
Bedeutung ist - Rußland.
50 Jahre lang waren wir mit der Sowjetunion in einem
Kalten Krieg gefangen. Heute haben wir die Chance,
die Früchte unseres historischen Sieges zu genießen.
Unsere Politik, Geld für die Unterstützung Rußlands
zur Verfügung zu stellen - vorausgesetzt das Land
bleibt auf dem Reformweg - hat funktioniert und
Rußland auf dem Kurs des Wandels gehalten.
Vor vier Jahren wurde auf den Moskauer Straßen vom
Hungertod der Massen gesprochen. Das gescheiterte
kommunistische System war nicht in der Lage,
Lebensmittel vom Land in die Städte zu transportieren.
Heute schießen auf jeder Straße neue Geschäfte aus
dem Boden - und sie sind mit Waren gefüllt. Der
Konsum der russischen Bevölkerung ist seit 1992 real
um 20 Prozent angestiegen. Schätzungsweise 70
Prozent der Industrie befinden sich in privater Hand,
und Schlüsselsektoren wie Plastik, Metall und Stahl
sind im Wachstum begriffen. Die Regierung schätzt,
daß
ungefähr
900.000
neue
kleine
und
mittelständische Betriebe gegründet und damit 14
Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Die russische Regierung hat bedeutende Fortschritte
gemacht. Rußland gewann schließlich den Kampf
gegen die Inflation - sie sank von monatlich 18 Prozent
im Januar 1995 auf drei Prozent Ende des Jahres.
Der Rubel wurde stark aufgewertet - im Frühjahr um
15 Prozent. Er bleibt sieben Prozent über seinem
Stand vom April 1995 und durchaus innerhalb seiner
Bandbreite. Rußland scheint bereit für Wachstum zu
sein.
Einige wünschen angesichts der Unsicherheit im
Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen und
einem möglichen Rückzieher vom Reformweg, daß
sich die Vereinigten Staaten zurückziehen.
Sie
argumentieren, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt,

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�Geld für Rußland auszugeben. Ihres Erachtens war
unsere Politik fehlgeleitet - zu stark auf die
Unterstützung eines führenden Politikers oder einer
Partei oder eines Standpunktes ausgerichtet.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die von den
Vereinigten Staaten übernommene Führungsrolle bei
den internationalen Bestrebungen zur Unterstützung
des russischen Übergangs gehen nicht von einer
Person, einer Partei oder auch nur einer eng
definierten Weltsicht der Mächtigen aus. Wie ich
bereits erwähnte, basierte die Politik der ClintonAdministration vom ersten Tag ihrer Amtsübernahme
an darauf, daß Rußland klare, definierbare Schritte
unternimmt, um den wirtschaftlichen Übergang zu
verankern.

Ausführungen zu sprechen kommen. Die Wirtschaft
der Vereinigten Staaten macht Fortschritte. Zum
ersten Mal seit einer Generation bringen wir unseren
Haushalt in Ordnung.
Wir erschließen die
Weltwirtschaft für unsere Exporte und schneiden
auf den
internationalen Märkten besser ab. Insgesamt haben
drei Jahre kluger Verwaltung unserer Wirtschaft
unsere Volkswirtschaft stärker gemacht, als sie seit 30
Jahren war.
Jetzt besteht unsere Herausforderung in der Stärkung
des Fundaments für Fortschritt und darin, Schritte zu
unternehmen die gewährleisten, daß alle Amerikaner
die Chance, die Mittel und die Grundlage erhalten, an
der Schwelle zum nächsten Jahrhundert Erfolg zu
haben.

Schlußbemerkung
Ich danke Ihnen.
Ich möchte noch einmal auf meine anfänglichen

*

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* * *

*

Seite 5

�USIA

15. Mai 1996

Die Bedeutung eines unabhängigen
US-Informationsamts
von Senator Howell Heflin

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Senator Howell Heflin, Demokrat aus
Alabama, über die große Bedeutung der vom US-Informationsamt (United States Information Agency - USIA)
geleisteten Öffentlichkeitsarbeit.

Die Diplomatie hat viele verschiedene Aspekte, zu
denen auch das Image einer Nation im Ausland zählt.

verbreiten und ein Gefühl für gemeinsame kulturelle
Werte zu vermitteln.

Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Indien
beispielsweise werden fast ebenso stark durch die
Vorstellungen der Inder von den Vereinigten Staaten
beeinflußt wie durch die "traditionellere" Diplomatie.
Aus diesem Grund befürworte ich mit Überzeugung
das Fortbestehen eines starken, unabhängigen USInformationsamts.

Diese Programme dienen nicht nur unseren nationalen
Sicherheitsinteressen, sondern bieten auch direkte
wirtschaftliche Vorteile und begünstigen ein Klima, in
dem amerikanische Unternehmen Märkte im Ausland
erschließen können. Diese Märkte schaffen Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer sowie die
Menschen im Gastland.

Während der vergangenes Jahr im US-Senat geführten Debatte über eine optimale Gestaltung der amerikanischen Außenpolitik sprachen sich verschiedene
meiner Kollegen für ein Gesetz aus, das USIA abgeschafft und die Mehrzahl seiner Funktionen und
Programme dem Außenministerium übertragen hätte.

Es gibt bedeutende Unterschiede zwischen der
offiziellen Diplomatie unseres Außenministeriums und
der sogenannten Öffentlichkeitsarbeit. Das Außenministerium führt einen leisen, oft geheimen Dialog mit
anderen Ländern, wobei die Betonung auf Verständigung, Verhandlung und Kompromiß gelegt wird. Sie
sind wichtig, da sie die Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern zur Erlangung übergeordneter
Ziele pflegen.

Ich sprach mich gegen diesen Ansatz aus und setzte
mich entschieden für das US-Informationsamt ein.
Das schließlich verabschiedete Kompromißgesetz,
gegen das Präsident Clinton sein Veto einlegte,
forderte zwar nicht die gänzliche Abschaffung von
USIA, aber viele mächtige Stimmen schworen, weiterhin für seine Auflösung zu kämpfen.
Meines Erachtens dient das US-Informationsamt
weiterhin dem elementaren Ziel, die übrige Welt über
Amerika zu informieren. Das Amt hat die entscheidenden Funktionen, Öffentlichkeitsarbeit zu fördern, über
seine Radiosender und seine Satellitenkonferenz
"Worldnet" im Rundfunk und Fernsehen zu senden,
Bildungs- und kulturelle Austauschprogramme zu
ermöglichen, eine Vielzahl von Informationen zu

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Bei unseren Beziehungen zu Indien wird diese Art der
Diplomatie in der Abteilung für südasiatische Angelegenheiten des Außenministeriums unter der Leitung
von Abteilungsleiter Robin Raphel entwickelt und in
Indien von unserer dortigen US-Botschaft unter
Botschafter Frank Wisner umgesetzt.
Auf der anderen Seite strebt Öffentlichkeitsarbeit, wie
sie vom US-Informationsamt geleistet wird, die Förderung direkter Wirtschaftsbeziehungen an, beteiligt
sich am Aufbau demokratischer Institutionen und
ermutigt gegenseitiges Verständnis und ein gemeinsames Wertebewußtsein.

Seite 1

�Sollte USIA abgeschafft werden, würde diese Art von
dualer Diplomatie schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Und sollte USIA abgeschafft oder in das
Außenministerium eingegliedert werden, würden die
Funktionen der Öffentlichkeitsarbeit stark reduziert,
insbesondere auf Gebieten, wo die Demokratie sie
zum Überleben oder Prosperieren am meisten benötigt.
Ein weiterer wichtiger Grund, warum ich ein unabhängiges US-Informationsamt unterstütze, liegt in
seinen Austauschprogrammen für ausländische oder
amerikanische zukünftige Politiker. Über die Jahre
hinweg haben diese Programme jungen Kommunaloder Staatsbeamten eine Reise in die Vereinigten
Staaten ermöglicht, damit sie mit eigenen Augen sehen
konnten, wie unsere Regierung arbeitet. Mehr als30
derzeitige Staatsoberhäupter hatten ihre ersten
Kontakte zu den Menschen und Institutionen der
Vereinigten Staaten im Rahmen eines Austauschprogramms des US-Informationsamts. Hunderte von
Ministern, Bürgermeistern, Gouverneuren und Parlamentsabgeordneten aus der ganzen Welt bildeten sich
eine erste Meinung von Amerika, als sie in unser Land
kamen und mit den Menschen dort zusammentrafen,
wo diese leben und arbeiten.
Hunderte anderer führender Politiker hier und im
Ausland machten wertvolle internationale Erfahrungen
dank der Unterstützung von USIA für Programme wie
das des American Council of Young Political Leaders.
25 Kongreßabgeordnete sowie zahllose Beamte auf
kommunaler und bundesstaatlicher Ebene aus der
ganzen Nation nahmen an diesen Programmen teil.
Sie alle werden die positiven Auswirkungen dieser
Programme bezeugen.
Das USIA-Programm für Rechtsstaatlichkeit ist ein
Beispiel für die Bestrebungen des Informationsamts,
aufstrebenden Demokratien weltweit Beistand zu
geben. Dieses spezielle Programm leistet einen
aktiven Beitrag zur Reform des Justizwesens in
Rumänien, dem vielleicht unterdrückerischsten der
ehemals kommunistischen Regime. Durch die Entsendung amerikanischer Richter in das Justizministerium

für Langzeitprojekte, Programme zur Stärkung des
Ausbildungsinstituts für Richter sowie laufende
Unterstützung für die neugegründete Ausbildungsvereinigung für Richter ist USIA führend bei der Unterstützung Rumäniens in seinen Bestrebungen zur Schaffung einer unabhängigen Justiz.
In ähnlicher Weise kann USIA auch Experten zur
Verfügung stellen, die Hilfe bei der Entwicklung von
Justiz- und demokratischen Systemen auf der ganzen
Welt leisten.
Ferner fördert das Amt auch Projekte wie das American People Ambassador Program, ein Programm von
People-to-People International. Im Rahmen dieses
Programms wird ein persönlicher Austausch auf
beruflicher, wissenschaftlicher, technischer und
Gemeindeebene zwischen Amerikanern und ihren
Kollegen auf der ganzen Welt arrangiert. Jeder befaßt
sich mit einem anderen Thema, aber alle engagieren
sich für den persönlichen Austausch von Informationen, Ideen, Zielen und Erfahrungen mit führenden
Vertretern des öffentlichen und Privatsektors anderer
Länder.
Wir alle sind uns der uns konfrontierenden haushaltspolitischen Engpässe sehr wohl bewußt, aber wir
dürfen nicht kurzsichtig Investitionen in die Zukunft
unserer Nation, die weltweite Sicherheit und die
Förderung von Freiheit und Demokratie streichen.
Wer kann sagen, ob Bildungs- oder kulturelle Austauschprogramme beibehalten werden, wenn sie in ein
Ministerium verlagert werden, das völlig andere
Aufgaben, Prioritäten und offizielle Ziele hat?
Die Welt bleibt ebenso gefährlich wie früher. Neue
Bedrohungen haben einige der alten ersetzt, die mit
dem Ende des Kalten Krieges wegfielen, aber sie sind
ebenso real und gefährlich für Weltfrieden und Stabilität. Die Welt erwartet von uns die Übernahme einer
Führungsrolle - Führung mit kräftiger Stimme. Ich
werde weiterhin die Bestrebungen unterstützen die
gewährleisten, daß Amerika auch in Zukunft durch ein
unabhängiges US-Informationsamt mit kräftiger
Stimme spricht.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

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