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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
2. Mai 1996

09

USA-JAPAN

AMERIKANISCH-JAPANISCHE PARTNERSCHAFT IST GRUNDSTEIN ASIATISCHER
STABILITÄT
Rede von Präsident Clinton

TERRORISMUS

TERRORISMUS DARF NICHT DEN TRAUM VOM
FRIEDEN IM NAHEN OSTEN ZERSTÖREN
Rede von Verteidigungsminister Perry

AUSSENPOLITIK

DIE KÜNFTIGE TAGESORDNUNG DER INTERNATIONALEN ZUSAMMENARBEIT UND
INTEGRATION AUS AMERIKANISCHER SICHT
von James D. Bindenagel

USA-DEUTSCHLAND

PERSPEKTIVEN DER POLITISCHEN UND WIRTSCHAFTLICHEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN
DEUTSCHLAND UND DEN VEREINIGTEN
STAATEN
von J.D. Bindenagel

LUFTFAHRT

USA SETZEN SICH FÜR OFFENE HIMMEL EIN
von Federico Pena

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-339 23 72
Fax: 0228-33 3138
Internet: bbsbonn@usia.gov

�UMWELT

DIE GLOBALE UMWELT - FORTSCHRITTE
UND HERAUSFORDERUNGEN
von Timothy E. Wirth

TELEKOMMUNIKATION

LIBERALISIERUNG DES GLOBALEN
TELEKOMMUNIKATIONSHANDELS
von Reed Hundt

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�USA - J A P A N
2. Mai 1996

Amerikanisch-japanische Partnerschaft
ist Grundstein asiatischer Stabilität
Rede von Präsident Clinton

TOKIO - (AD) - Japan und die Vereinigten Staaten müssen auf ihren Erfolgen aufbauen und ihre Partnerschaft
stärken, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen zu können, erklärte Präsident Clinton in
seiner Rede vor dem japanischen Parlament am 18. April 1996, die wir nachfolgend veröffentlichen.

Madam Speaker, Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren,

seiner Partei und nach Ansicht vieler von uns auch der
größte Präsident.

in diesem großartigen Saal der Demokratie möchte ich
zunächst im Namen der amerikanischen Delegation,
einschließlich meiner Frau, des Außenministers, des
Wirtschaftsministers und aller anderen hier anwesenden Amerikaner dem japanischen Volk, der japanischen Regierung und natürlich dem Kaiser und der
Kaiserin für ihre außerordentliche Gastfreundschaft
danken, die sie uns bei unserem Besuch in ihrem Land
erwiesen haben.

Das war vor langer Zeit, acht Jahre vor dem Beginn
Ihrer Meijizeit. Aber manche Dinge ändern sich nicht
sehr. In seinem Tagebuch schrieb einer der von Ihrem
Land in die Vereinigten Staaten Entsandten über
seinen Besuch in unserem Kongreß: "Man brachte uns
in eine große Halle, wo die Staatsangelegenheiten
besprochen wurden. Einer der Abgeordneten war
aufgestanden, schrie mit lauter Stimme und gestikulierte wie wild. Nachdem er sich wieder gesetzt hatte,
folgte ein weiterer Abgeordneter und dann wieder ein
anderer seinem Beispiel. Als wir fragten, worum es
gehe, erklärte man uns, alle Staatsangelegenheiten
würden auf diese Weise öffentlich erörtert." Nun,
heute kann ich Ihnen hoffentlich zumindest zeigen, daß
wir Amerikaner einige Fortschritte bei der Art und
Weise gemacht haben, in der wir unsere Staatsangelegenheiten erörtern.

Danken möchte ich auch für die Gelegenheit, zu den
Vertretern des japanischen Volkes und durch sie zu
allen Japanern, vielleicht insbesondere den jungen
Menschen, sprechen zu dürfen.
Ferner möchte ich Ihnen, Madam Speaker, für die
Erwähnung der herausragenden Amerikaner danken,
die aus meinem Heimatstaat stammen - General
McArthur und Senator Fulbright. Ich danke für Ihre
Anerkennung der unter Senator Fulbrights Namen
durchgeführten Mission. Er verhalf nicht nur vielen
Japanern zu einer Ausbildung, sondern verschaffte mir
auch einen Job, damit ich meine Universitätsausbildung abschließen konnte. Ohne ihn wäre ich heute
tatsächlich nicht hier.
Vor 160 Jahren schickte Japan seine erste diplomatische Delegation in die Vereinigten Staaten. Es war ein
bemerkenswertes Jahr für unser Land. Abraham
Lincoln wurde von seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten ernannt. Er wurde der erste Präsident

AMERIKA DIENST 09

Es ist kaum zu glauben, daß es erst 50 Jahre her ist,
seit die Vereinigten Staaten und Japan mit dem Aufbau
der weltweit wahrscheinlich bemerkenswertesten
Partnerschaft für Frieden, Wohlstand und Fortschritt
begannen. Heute feiern wir die Ergebnisse. Japan
schrieb eine der größten Erfolgsgeschichten, die die
Welt je erlebt hat. Sie verwandelten eine geschlossene Gesellschaft in eine offene, lebensfähige Demokratie. Sie gestalteten wirtschaftliche Verwüstung in
mächtiges Wachstum und Chancen für Ihre Menschen
um. Sie bereicherten das Leben von Millionen, indem
sie Technologie für positiven Wandel einsetzten. Sie

Seite 1

�gaben ein Beispiel für alle in Asien und tatsächlich für
die ganze Welt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg streckte eine kluge
Generation von Amerikanern die Hand der Versöhnung aus, um Ihre außergewöhnliche Evolution zu
unterstützen: Zuerst mit einer Sicherheitsgarantie, die
Ihnen die Konzentration auf den Wiederaufbau
gestattete sowie mit Hilfe, die das Fundament für
Wirtschaftswachstum legte. Jetzt sind Japan und die
Vereinigten Staaten vollwertige Partner, die durch
gemeinsame Werte und eine gemeinsame Vision
verbunden sind. Auf der ganzen Welt verdanken wir
die Ausbreitung von Demokratie und größere Aussichten auf Frieden und Wohlstand großenteils der
Arbeit, die unsere beiden Nationen zusammen leisten.
Heute bitte ich Sie, mit mir auf die nächsten 50 Jahre
unserer Partnerschaft zu blicken. Was wird sie
bringen, und wie werden wir sie gestalten? Als die
beiden größten Volkswirtschaften der Welt und zwei
ihrer stärksten Demokratien müssen Japan und die
Vereinigten Staaten ein Bündnis für das 21. Jahrhundert schmieden. Ich bin sicher, daß wir durch
Zusammenarbeit und die gemeinsame Übernahme
einer Führungsrolle die Möglichkeiten nutzen und die
Herausforderungen von heute und morgen bewältigen
können, unseren eigenen Völkern noch mehr Sicherheit und Wohlstand zu bieten und den Menschen
auf der ganzen Welt die Segnungen des Friedens und
Fortschritts zukommen zu lassen.
Die Schaffung eines solchen Bündnisses ist nicht
einfach und erfolgt nicht automatisch. Ich bin mir der
Tatsache bewußt, daß es sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Japan Menschen gibt, die der
Ansicht sind, da der Kalte Krieg vorüber und gewonnen sei und da die Vereinigten Staaten und Japan im
eigenen Land mit Herausforderungen konfrontiert
würden, sollten wir uns von der Welt und voneinander
zurückziehen. Bei allem Respekt möchte ich doch
sagen, daß diese Ansichten falsch sind.
Denken Sie über die Welt nach, in der wir leben - die
Revolution im Informations- und Technologiebereich,
von Laptops zu Lasern, von Mikrochirurgie zu Megabytes. Diese Revolution hat das menschliche Wissen
vergrößert und uns alle einander näher gebracht. Jetzt
bewegen sich Informationen und Ideen mit dem Druck
einer Taste am Computer über den gesamten
Planeten. Sie beinhalten außerordentliche Chancen,
Wohlstand zu schaffen, die Umwelt zu schützen,
Krankheiten zu verhüten und zu besiegen, sowie die
Verständigung zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu fördern.
Wir wissen aber auch, daß diese größere Offenheit
und dieser beschleunigte Wandel ebenfalls bedeuten,
daß jenseits unserer Grenzen entstandene Probleme
schnell unsere Grenzen durchdringen können - die

Seite 2

Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die
Bedrohung durch organisiertes Verbrechen, Drogenhandel und Terrorismus, Umweltzerstörung und
schwere wirtschaftliche Erschütterungen. Und in
offenen und flexiblen Gesellschaften wie den unseren
können die einheimischen Kräfte der Zerstörung die
Freiheiten ausnutzen, die wir alle hochschätzen. Nach
dem Saringasanschlag in der Tokioter U-Bahn und
dem Bombenanschlag von Oklahoma City wissen die
Menschen in Japan und in den Vereinigten Staaten
dies nur allzu gut.
Niemand kann sich von diesen Problemen absondern,
und keine Nation kann diese Probleme im Alleingang
lösen. Um die Chancen des 21. Jahrhunderts zu
ergreifen und seine Herausforderungen zu bewältigen,
müssen Japan und die Vereinigten Staaten weiterhin
Partner sein. Wir müssen unsere Kräfte bündeln und
uns denjenigen anschließen, die unsere Überzeugungen teilen.
In den nächsten Jahren werden wir hierzu ausgiebig
Gelegenheit haben. In den letzten Jahren haben wir
einen guten Anfang gemacht. Natürlich gab es einige
Meinungsverschiedenheiten. Welche zwei großen,
komplexen Nationen hätten wohl keine Meinungsverschiedenheiten? Das Wichtigste ist, daß wir sie mit
Respekt, Geduld und Pragmatismus angegangen sind.
Und wir haben so vieles gemeinsam erledigt, daß wir
heute mit absolutem Vertrauen sagen können: Die
Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Japan ist stärker denn je.
Das Sicherheitsbündnis zwischen unseren beiden
Nationen ist der Grundstein der Stabilität in Asien. Wir
haben gerade eine erneute Überprüfung unserer
Sicherheit abgeschlossen - das Produkt von mehr als
einem Jahr harter Arbeit und Studien. Die gestern von
Ministerpräsident Hashimoto und mir unterzeichnete
gemeinsame Sicherheitserklärung bekräftigt unsere
Verpflichtung, die Stärke dieses Bündnisses zu
erhalten und es an die Herausforderungen eines
neuen Zeitalters anzupassen.
In unserer Erklärung bekräftigt Japan sein grundlegendes Engagement für den japanisch-amerikanischen
Sicherheitsrahmen sowie zur Unterstützung moderner
Selbstverteidigungskräfte. Um die Sicherheit und
Stabilität der Region zu gewährleisten, werden die
Vereinigten Staaten mit Unterstützung Ihrer Nation
100.000 Soldaten in Ostasien stationiert lassen,
einschließlich einer starken Präsenz in Japan ungefähr
auf dem derzeitigen Niveau. Und wir werden unsere
Bestrebungen zur Bewältigung neuer Sicherheitsherausforderungen stärker koordinieren - von der Eindämmung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Stärkung regionaler und
internationaler Sicherheitszusammenarbeit, von der
Eindämmung des Terrorismus bis zur Förderung des
Friedens.

AMERIKA DIENST 09

�Kürzlich wurde die Gastfreundschaft des japanischen
Volkes gegenüber unseren Truppen in Okinawa auf
eine schreckliche Probe gestellt. Das amerikanische
Volk bedauert zutiefst den entsetzlichen Gewaltakt
gegenüber einem japanischen Schulmädchen. Wir
fühlen mit ihr, ihrer Familie und ihren Lieben sowie mit
der gesamten Gemeinde von Okinawa. Wir sind
dankbar, daß der Gerechtigkeit Genüge getan wurde.
In den Monaten nach diesem Vorfall haben wir mit der
japanischen Regierung zusammengearbeitet, um die
Belastung für das japanische Volk durch unsere
militärische Präsenz so gering wie möglich zu halten.
Der diese Woche bekanntgegebene gemeinsame
Aktionsplan fordert die Konsolidierung unserer Militärstützpunkte in Okinawa sowie die Beseitigung der
Unannehmlichkeiten wie Lärm, Ausbildungstätigkeit
und Manöver für die dort lebenden Menschen. Diese
Schritte werden die durch unsere Militärstützpunkte
entstehende Last verringern, ohne unsere gegenseitige Verteidigungsfähigkeit oder unser Engagement für
die Wahrung des Friedens im pazifischen Raum zu
schmälern.
Ich möchte nochmals betonen, wie sehr ich den
Ministerpräsidenten und seine Regierung zu schätzen
weiß sowie die Chance, die den Vereinigten Staaten
geboten wurde, etwas zu tun, was sie wahrscheinlich
schon vor einiger Zeit hätten tun sollen. Ich danke
Ihnen dafür.
Unsere beiden Nationen sind sich bewußt, daß der
Frieden seinen Preis hat. Dieser Preis ist jedoch sehr
viel niedriger als die Kosten dafür, den Frieden aufs
Spiel zu setzen. Überlegen Sie, was geschehen
könnte, wenn sich die Vereinigten Staaten vollständig
aus dieser Region zurückziehen würden. Das könnte
ein kostenintensives Wettrüsten auslösen, das Nordostasien destabilisieren würde. Es könnte uns daran
hindern, bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in
einem Teil der Welt zusammenzuarbeiten, der im 20.
Jahrhundert genug durch Weltkriege und regionale
Konflikte gelitten hat, und der sich jetzt inmitten eines
tiefgreifenden Wandels befindet. Es könnte unsere
Macht zur Abschreckung von Staaten wie Nordkorea
schwächen, die immer noch den Frieden bedrohen
sowie zur Inangriffnahme drängender Probleme wie
Terrorismus, organisiertes Verbrechen und Drogenhandel.
Insbesondere an die jungen Menschen hier in Japan
und zu Hause in Amerika gewandt, die die Leitung der
Geschicke unserer Nationen erben werden, möchte
ich sagen: Einige in meinem Land glauben, vornehmlich Japan profitiere von unserem Sicherheitsbündnis,
und einige in Japan glauben zweifelsohne, hauptsächlich die Vereinigten Staaten profitierten von unserem
Sicherheitsbündnis. Die Wahrheit ist, unsere beiden
Länder, die gesamte Region und die Welt profitieren
von unserem Sicherheitsbündnis.

AMERIKA DIENST 09

An die jungen Menschen gewandt sage ich daher:
Dieses Bündnis ist unsere Verpflichtung zu Eurer
Freiheit und Eurer Zukunft. Und was für eine außergewöhnliche Zukunft das sein kann. Die Volkswirtschaften der asiatisch-pazifischen Region sind die
dynamischsten der Welt und machen bereits ein
Viertel der Weltproduktion aus. Sie wachsen jeden
Tag, verbessern das Leben Ihrer Völker und schaffen
immer weiter expandierende Märkte für andere, die
wettbewerbsfähige Produkte herstellen und Dienstleistungen anbieten.
Viele dieser Produkte und Dienstleistungen sind
natürlich amerikanisch. Über 50 Prozent des Handels
der Vereinigten Staaten wird bereits mit den Nationen
am Pazifik abgewickelt, wodurch drei Millionen guter
amerikanischer Arbeitsplätze gesichert sind. Die
Wirtschaft und der Tourismus expandieren rasch und
werden dies auch in Zukunft tun. Und um nur ein
Beispiel des außergewöhnlichen Potentials der Region
für das nächste Jahrzehnt zu nennen: Ostasien
beabsichtigt, allein für Infrastrukturprojekte 1 Billion
US-Dollar auszugeben.
In meinem Land gibt es mehr als 7 Millionen Einwohner, die ihre Wurzeln nach Asien und fünf an den
Pazifischen Ozean angrenzende Staaten zurückverfolgen. Sie möchten an diesen vielversprechenden
Aussichten teilhaben und sie weiter verbessern. Aus
diesem Grund haben wir vor drei Jahren das Gipfeltreffen des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic
Cooperation - APEC) in Seattle anberaumt.
Unter der Führung Japans haben wir dort begonnen,
einer außerordentlich vielfältigen Region eine gemeinsame Identität und eine Zielsetzung zu geben - einer
Staatengemeinschaft, die sich freiem Handel und
Investitionen, dem Abbau von Handelsschranken und
dem Bau stärkerer Brücken der Zusammenarbeit
zwischen unseren Völkern verpflichtet hat.
Als die führenden Wirtschaftsmächte der Welt müssen
Japan und die Vereinigten Staaten von ihrem gemeinsamen Engagement, freien Handel in die asiatischpazifische Region zu bringen, bis zu unseren Bestrebungen zur Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehungen mit gutem Beispiel vorangehen - was wir auch
tun.
Vor drei Jahren verabschiedeten unsere beiden
Nationen ein Rahmenabkommen, um unseren wirtschaftlichen Dialog besser zu strukturieren und Märkte
hier in Japan zu öffnen. Seit damals haben wir 21
separate Handelsabkommen abgeschlossen, die für
die Menschen auf beiden Seiten des Pazifiks etwas
bewirken. Die von diesen Abkommen abgedeckten
Sektoren - von Autoteilen bis zu medizinischen Gütern
- konnten einen Zuwachs ihrer Verkäufe nach Japan
um rund 85 Prozent beobachten, was einer mehr als

Seite 3

�doppelt so schnellen Steigerung als bei Exporten in
anderen Sektoren entspricht.
Für die Amerikaner bedeuten diese Exporte natürlich
mehr Arbeitsplätze und bessere Bezahlung. Für die
Japaner bedeutet die Tatsache, daß diese amerikanischen Waren und Dienstleistungen zugunsten der
japanischen Verbraucher Wettbewerb schaffen, eine
größere Auswahl zu niedrigeren Preisen. Ihr Keidanren prognostiziert, daß die Verbraucherpreise dank der
Deregulierung bis zum Jahr 2000 um 20 Prozent fallen
werden. Um ein Beispiel anzuführen: Da die Zellularfunkgesellschaften hier jetzt freien Wettbewerb haben,
sind die Einrichtungs- und weiteren Gebühren in der
Region Tokio bereits um ein Drittel gesunken.
Natürlich sind unsere Handelsbeziehungen nicht völlig
frei von Spannungen. Es muß mehr Arbeit geleistet
werden, um die von uns erzielten Abkommen vollständig umzusetzen und uns mit anderen Fragen zu
befassen. Der wichtige Teil ist jedoch, daß wir nach
Jahren der Frustration auf beiden Seiten zum ersten
Mal tatsächlich einen Weg zur Beilegung unserer
Meinungsverschiedenheiten gefunden haben.
Über die Bewahrung der Sicherheit und den Aufbau
einer Zukunft mit freien Märkten hinaus gibt es weitere
Aufgaben, zu deren Übernahme sich Japan und die
Vereinigten Staaten aufgrund ihrer Position in der Welt
von heute entschlossen haben: Aufgaben, die wir auf
eine gemeinsame Tagesordnung gesetzt haben, die
die Segnungen des Friedens, der Demokratie und der
Rechte für andere mit sich bringen, unsere gemeinsame Umwelt schützen sowie die Früchte von Wissenschaft und Technologie zum Nutzen aller ernten.
Gemeinsam haben unsere Nationen eine einzigartige
Chance, den Menschen auf der ganzen Welt behilflich
zu sein, zu lernen, ihre Arbeitsweise zu ändern und in
der Tat ihren Lebensstil umzugestalten. Wir müssen
diese Chance ergreifen, weil es auch unsere Verantwortung ist. Die Vereinigten Staaten sind sehr dank-

Seite 4

bar, daß Japan zunehmend die Verantwortung einer
Führungsrolle übernimmt, die sich aus seinem Stand
als großartige Nation ergibt.
Von Friedenssicherern in Kambodscha bis zu Minenräumern am Persischen Golf - Japan ist dabei. Von
finanzieller und politischer Unterstützung für den
Nahostfriedensprozeß bis zu dem Wiederaufbaupaket
in Höhe von 500 Millionen Dollar, das Sie gerade für
Bosnien bekanntgegeben haben - Japan ist dabei.
Die Menschen in Bosnien und die gesamte internationale Staatengemeinschaft sind dankbar für diese
außerordentlichen Anstrengungen Ihrerseits. Von dem
Ziel, Polio bis zum Jahr 2000 auszurotten, bis zum
Sondieren besserer Reaktionsmöglichkeiten
auf
Naturkatastrophen wie Erdbeben - auch hier führt
Japan den Weg bereits an. Vom Umweltschutz bis zur
Erforschung des Alls - Japan ist dabei. Dank Ihres
Engagements für diese Art von Führungsrolle geht es
uns allen besser.
An das japanische Volk gewandt, dessen in der
Vergangenheit bewiesener Stolz ebenso groß ist wie
seine Konzentration auf die Zukunft, sage ich: Stehen
Sie zu dieser Verpflichtung zu einer Führungsrolle machen Sie sie noch stärker. Wir sind in den vergangenen 50 Jahren so weit gekommen. Von der Verschwendung des Krieges zum Wohlstand des Friedens, von Konflikt zu Zusammenarbeit und Wettbewerb, von Mißtrauen zu Partnerschaft.
Unsere Generation hat die heilige Pflicht, die nächsten
50 Jahre noch besser für alle unsere Menschen zu
machen. In dieser Zeit bemerkenswerter Chancen bin
ich absolut zuversichtlich, daß wir Erfolg haben
werden, wenn wir weiterhin eine Führungsrolle
übernehmen und als Verbündete, Partner und Freunde
zusammenarbeiten.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 09

�TERRORISMUS
2. Mai 1996

Terrorismus darf nicht den Traum vom Frieden
im Nahen Osten zerstören
Rede von Verteidigungsminister Perry

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister William Perry zufolge haben Terrorismus, Massenvernichtungswaffen
und konventionelle Aufrüstung verbrecherischer Staaten das Potential, Israel zu bedrohen und den
Friedensprozeß zu zerstören, der Erfolg haben muß.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede des Verteidigungsministers vom 23. April 1996 bei
der Jahreskonferenz der Antidiffamierungsliga.

1977, als Anwar Sadat seine historische Reise nach
Jerusalem unternahm und dort vor der Knesset

Aufbau dieses gesamten Friedensprozesses bei als
diese beiden Verteidigungsminister.

sprach, wurde er von Ministerpräsident Begin mit den

Worten begrüßt: "Wenn wir Frieden schaffen, einen
echten Frieden, werden wir uns gegenseitig helfen
können, unser Leben zu bereichern und in der Geschichte des Nahen Ostens ein neues episches
Zeitalter einzuleiten." Dieses historische Treffen stellte
die Weichen für das Abkommen von Camp David und
war tatsächlich der Beginn eines neuen epischen
Zeitalters. Alles schien möglich.
Am Abend des Tages, an dem das Abkommen von
Camp David in Washington unterzeichnet wurde,
sprach ich bei einem Empfang gerade mit dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Azer Weisman,
als der ägyptische Verteidigungsminister den Raum
betrat. Azer entschuldigte sich, ging auf den ägyptischen Verteidigungsminister zu, brachte ihn dann mit
und stellte ihn mir vor. Ich werde diese Vorstellung nie
vergessen. Er sagte: "Das ist General Ali. Er ist ein
unverwüstlicher alter Gauner. Wir schössen ihn
dreimal ab und jedesmal kam er davon."
Das entsprach dem Geist der Zeit und war der Beginn
einer Bindung und Partnerschaft zwischen diesen
beiden Männern sowie der Weg zum Abkommen von
Camp David. Nach Camp David wurde bald offensichtlich, daß ein Vertrag allein noch keinen Frieden
schafft. Ein echter Frieden muß Stein für Stein
aufgebaut werden. Und niemand trug mehr zum

AMERIKA DIENST 09

Ich hatte das Glück, ein kleiner Bestandteil dieses
Aufbauprozesses zu sein. Damals war ich Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Kurz nach
Camp David reiste ich sowohl nach Israel als auch
nach Ägypten. Zuerst nahm ich an Zusammenkünften
in Tel Aviv teil und flog dann von dort aus nach Kairo.
Es stellte sich heraus, daß dies das erste Flugzeug
war, das je von Tel Aviv nach Kairo geflogen war, und
ich erinnere mich noch daran, wie ich mich fragte, ob
es bis zur ägyptischen Luftverteidigung durchgedrungen war, daß das seine Richtigkeit hatte.
In Ägypten bestand meine Aufgabe darin, brandneue
Sicherheitsbeziehungen zwischen unseren Ländern zu
schaffen, dabei ganz von vorn anzufangen, Sadats
mutige Entscheidung zur Schaffung des Friedens zu
unterstützen und zu ermutigen. In Israel war meine
Aufgabe, auf den bestehenden Sicherheitsbeziehungen zwischen Amerika und Israel aufzubauen. Wir
erkannten, daß der Frieden eindeutig von einem
starken und sicheren Israel abhängt.
Niemand verstand diese einfache Tatsache, daß der
Frieden im Nahen Osten von einem starken Israel
abhängt, besser als Yitzhak Rabin. Ich war im Januar
in Israel. Es war mein vierter Besuch dort als Verteidigungsminister, aber mein erster ohne Rabin. Ich traf
mit Ministerpräsident Peres - ebenso wie ich es mit
Ministerpräsident Rabin getan hatte - in seinem Büro

Seite 1

�im Verteidigungsministerium zusammen - nicht im Büro
des Ministerpräsidenten. Das war meines Erachtens
symbolisch dafür, wie ernst jeder seine Verantwortung
als Verteidigungsminister für die Wahrung der Sicherheit Israels nahm.
In einigen Tagen werde ich erneut mit Ministerpräsident Peres zusammentreffen, wenn er die Vereinigten Staaten besucht. Hintergrund dieser Zusammenkunft ist die Tatsache, daß Israels militärischer
Vorsprung heute größer denn je ist. Dies ist großenteils auf die mehr als 20 Jahre andauernde enge
Sicherheitszusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und Israel zurückzuführen sowie auf den Wert,
den führende israelische Politiker - darunter zweifelsohne Ministerpräsident Rabin und Ministerpräsident
Peres - auf Verteidigung gelegt haben.

Länder ist es aufgrund unserer Bestrebungen jetzt
schwieriger, in den Besitz hochentwickelter moderner
konventioneller Waffen zu gelangen.
Aber die Isolierung dieser verbrecherischen Staaten
bringt uns nur in gewisser Weise weiter. Wir müssen
den qualitativen Vorsprung Israels aufrechterhalten.
Ich habe es Ministerpräsident Rabin und Ministerpräsident Peres gesagt und ich sage es auch Ihnen:
Solange ich der Verteidigungsminister der Vereinigten
Staaten bin, werden wir den qualitativen Vorteil Israels
wahren.
Das bedeutet 1,8 Milliarden Dollar jährlich an Geldern
für ausländische Verteidigungsfonds.. Es bedeutet
gemeinsame Militärübungen. Es bedeutet Technologietransfer insbesondere im Bereich der Raketenverteidigung. Aufgrund dieser Maßnahmen kann Israel
jede Bedrohung durch verbrecherische Staaten
abwehren, und dessen sind diese sich bewußt.

Wir dürfen nicht die Realität aus den Augen verlieren,
daß der Nahe Osten nur aufgrund der Stärke Israels
sowie der Stärke der amerikanisch-israelischen
Sicherheitspartnerschaft die Aussicht auf einen
umfassenden Frieden hat - den umfassenden Frieden,
den wir uns 1977 alle vorstellten. Tatsächlich werden
Israels Sicherheitsbedürfnisse immer größer, je mehr
wir uns dem Frieden annähern. Dieses Paradoxon
rührt von der Tatsache her, daß die Feinde des
Friedens immer verzweifelter werden, je mehr wir uns
dem Frieden annähern. Sie wissen, daß ihre Zeit
abläuft.

Wichtig ist aber auch, daß diese verbrecherischen
Staaten wissen, daß sie ihre arabischen und muslimischen Nachbarn nicht erfolgreich angreifen können aus diesem Grund war ich vor zwei Wochen in Ägypten. Die dort nach Camp David gesäte Saat der
Sicherheitszusammenarbeit sprießt heute zu einer
soliden, reifen Sicherheitspartnerschaft. Heute sind
Ägyptens Streitkräfte gut ausgebildet, gut ausgerüstet
und tatsächlich eine stabilisierende Kraft in der Region.

Die Angriffe der Hisbollah auf Nordisrael diesen Monat
dienen genau diesem Zweck - der Sabotierung des
Friedensprozesses. In ihrer Verzweiflung werden die
Extremisten bedrohlicher, kriegerischer, unbekümmerter und gewalttätiger denn je. Während wir uns einem
umfassenden Frieden annähern und die Dinge immer
schwieriger werden, wird es immer wichtiger, daß die
Freunde des Friedens die Mittel haben, sich gegen die
Feinde des Friedens durchzusetzen.

Durch gemeinsame Übungen, Verkäufe militärischer
Güter und Technologietransfer helfen die Vereinigten
Staaten vielen gemäßigten arabischen Staaten, sich
besser zu verteidigen. Das alles geschieht mit starker
Unterstützung der israelischen Regierung. Israel
unterstützte beispielsweise entschieden das jordanische Gesuch nach F-16-Jagdflugzeugen und ist
bereit, Jordanien bei der Wartung dieser F-16 zu
helfen.

Heute möchte ich mit Ihnen über die Bedrohungen von
Israels Sicherheit und des Friedensprozesses sprechen sowie darüber, was das Verteidigungsministerium unternimmt, um Israel und denjenigen arabischen
Nationen zu helfen, die ebenfalls den Frieden anstreben, damit wir uns gegen diese Bedrohungen
wehren können.

Es sollte auch jedem in der Region ganz klar werden,
daß die Vereinigten Staaten mit militärischer Gewalt
bereit zum Schutz ihrer lebenswichtigen Interessen in

Die erste wichtige Bedrohung resultiert aus der
Aufstockung des konventionellen Waffenarsenals
durch verbrecherische Staaten, die sich dem Frieden
entgegenstellen - Iran, Irak und Libyen. Die Vereinigten Staaten wollen die aus der konventionellen
Aufrüstung dieser drei Länder entstehende Gefahr
verringern, indem sie sie unter wirtschaftlichen Druck
setzen: Über Libyen und Irak wurden von den Vereinten Nationen Waffenembargos verhängt, und Iran
ist dank der amerikanischen Führungsrolle wachsendem internationalen Druck ausgesetzt. Für die drei

Seite 2

der Region sind.

Wir stellten diese Fähigkeit im

Golfkrieg unter Beweis. Wir demonstrierten sie erneut
1994, als Saddam Hussein wieder seine Truppen an
die kuwaitische Grenze schickte. Heute sind dank der
Voreinlagerung von Gerät und Zugangsabkommen
unsere Fähigkeiten und Anlaufzeit besser denn je.
1980 hätten wir beispielsweise mindestens drei
Monate gebraucht, eine bedeutende Militärstreitmacht
in die Golfregion zu entsenden. Im August 1990
benötigten wir ungefähr einen Monat. Im Oktober 1994
gelang es uns in rund einer Woche.
Die zweite langfristige Bedrohung Israels und des
Friedensprozesses rührt von Massenvernichtungswaffen her. Diese Bedrohung ist nirgends realer oder
erschreckender als im Nahen Osten. Iran, Irak und

AMERIKA DIENST 09

�Libyen verfügen alle über Programme zur Beschaffung
oder zum Bau von atomaren, chemischen und biologischen Waffen. Die Vereinigten Staaten begegnen
dieser Bedrohung mit einer aus drei Elementen
bestehenden globalen Strategie zur Verhütung,
Abschreckung und Verteidigung gegen den Einsatz
dieser Waffen.
Im Nahen Osten bedeutet das, daß wir diese Länder
von der Beschaffung der Technologie und des Materials abhalten werden, die sie zum Abschluß ihrer
Programme benötigen. Aus diesem Grund haben wir
den Kampf um internationale Sanktionen gegen diese
Nationen angeführt. Notfalls sind die Vereinigten
Staaten wirklich bereit, andere drastischere Präventivmaßnahmen zu ergreifen.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich entschieden
für die Eindämmung der Bedrohung durch Libyen, Iran
und Irak. Im Falle des Irak haben Flugzeuge der
Vereinigten Staaten und der Koalition seit 1991 über
Irak im Rahmen der Operationen Provide Comfort und
Southern Watch nahezu 140.000 Flüge absolviert, um
die irakische Bedrohung seiner nördlichen und südlichen Nachbarn zu überwachen. Unsere U-2-Flugzeuge bieten Unterstützung für die Inspektoren der UNSonderkommission, die Iraks Massenvernichtungswaffen und Raketenprogramme überwachen.
All diese Programme sind der Schlüssel zu dem
Versuch zu verhindern, daß diese Waffen jemals zu
Bedrohungen werden. Aber neben dem Bemühen um
eine Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen streben wir auch eine Abschrekkung vom Einsatz dieser Waffen an.
Heute haben die Vereinigten Staaten die stärksten
konventionellen Streitkräfte der Welt, und wir halten
weiterhin eine nukleare Abschreckung aufrecht. Sie ist
beträchtlich geringer als während des Kalten Krieges,
aber - mißverstehen Sie mich nicht - immer noch
verheerend. Diese starken Streitkräfte würden gegen
jedes Land eingesetzt, das Massenvernichtungswaffen
entweder gegen die Vereinigten Staaten oder ihre
Verbündeten richtet. Wir würden unsere Reaktion
nicht im voraus spezifizieren, aber sie wäre überwältigend. Sollten jedoch Prävention und Abschreckung
scheitern, müssen wir immer noch bereit zur Verteidigung gegen diese Bedrohungen sein, insbesondere
gegen Massenvernichtungswaffen.
In wenigen Tagen werden Ministerpräsident Peres und
ich über das Programm für schauplatzgebundene
Raketenabwehr sprechen - ein fruchtbares Gebiet der
Zusammenarbeit. Die Vereinigten Staaten und Israel
entwickeln derzeit Systeme wie das Arrow-Abwehrsystem gegen taktische Raketen und Hochenergielaser, die Raketen weitaus dichter an ihrem Abschußpunkt treffen können als frühere Systeme. Ferner
prüfen wir einige neue Initiativen auf dem Gebiet der

AMERIKA DIENST 09

Frühwarnsysteme. All diese Programme werden wir
ernsthaft und substantiell mit dem Ministerpräsidenten
erörtern, wenn er am Wochenende hier ist.
Ich bin zuversichtlich, daß harte Arbeit und feste
Entschlossenheit Israel, die friedlichen arabischen
Nationen und den Friedensprozeß vor Bedrohungen
durch konventionelle Gefechtsköpfe und Massenvernichtungswaffen schützen werden.
Es gibt jedoch eine dritte Bedrohung, die noch härtere
Arbeit und größere Entschlossenheit erfordert - die
Bedrohung durch den Terrorismus.
Terrorismus
betrifft uns alle - Amerikaner, Israelis und Araber. Wir
alle leiden unter Terroranschlägen - sei es der auf das
World Trade Center in New York, einen überfüllten Bus
in den Straßen von Jerusalem oder ein Bürogebäude
in Saudi-Arabien.
Ich war kürzlich in Saudi-Arabien, wo ich das Büro des
amerikanischen Projektmanagers für unser Programm
mit der saudischen Nationalgarde besuchte. Das war
kurz nach seiner Zerstörung durch eine von Terroristen gelegte Bombe. Als ich mit den Leuten im Büro
des Projektmanagers zusammentraf, waren sie gerade
aus erster Hand über die terroristische Tragödie
informiert worden, aber trotz ihres Verlusts und
Leidens blieb ihr Engagement für die Arbeit der
Ausbildung der saudischen Nationalgarde sowie für
Frieden und Stabilität in der Region ungeschmälert.
Ihre Entschlossenheit ist Amerikas Entschlossenheit.
Wir werden nicht zulassen, daß uns terroristische Akte
so einschüchtern, daß wir irgend einen unserer
wichtigen Sicherheitspartner im Nahen Osten im Stich
lassen. Wir werden nicht zulassen, daß sie unseren
Traum von einem umfassenden Frieden im Nahen
Osten zerstören. Wir werden die Terroristen bekämpfen.
Ich war erfreut, gestern zu hören, daß Saudi-Arabien
die Attentäter des Terroranschlags von Riad festgenommen hat. Dieser Kampf gegen den Terrorismus
wird fortgesetzt, jedoch in Zukunft verstärkte internationale Zusammenarbeit, engere nachrichtendienstliche Kooperation und Entschlossenheit verlangen.
All das war beim ersten Friedensgipfel in Scharm el
Scheich im Januar sichtbar. Vor 29 Jahren waren
Scharm el Scheich und die Juranstraße ein Brennpunkt des Krieges. Im Januar wurde Scharm el
Scheich ein Brennpunkt des Friedens, als die führenden Politiker von 29 Nationen dort gemeinsam gegen
Terrorismus und für den Frieden eintraten.
Dabei müssen wir jedoch ganz deutlich machen, daß
die Vereinigten Staaten nicht gegen den Islam sind.
Wir bekämpfen keine Religion oder das Volk des Iran,
Irak oder Libyens. Wir bekämpfen den Extremismus.
Extremismus, der sich der Gewalt verschrieben hat -

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�sei es innerhalb von Regierungen, bei Einzelpersonen
oder Gruppen. Jeden der versucht, das Gemetzel an
Unschuldigen zu einem politischen Instrument zu
machen. Extremisten, die Haß und Gewalt fördern,
sind eine Gefahr für den Frieden überall - sei es im
Nahen Osten oder an unseren Küsten. Das amerikanische Volk muß sich für die Bekämpfung des Extremismus und Hasses einsetzen, wo es sie vorfindet.
Terrorismus, Massenvernichtungswaffen und konventionelle Aufrüstung verbrecherischer Staaten haben
alle das Potential, Israel zu bedrohen und den Friedensprozeß zu zerstören, der Erfolg haben muß. Und
es ist wichtig für die Vereinigten Staaten, angesichts
dieser Bedrohungen fest zu bleiben.
Der Schlüssel - und das ist das Entscheidende -wird
weiterhin unsere starke Partnerschaft mit Israel und
unsere Unterstützung für alle Nationen sein, die den
Frieden fördern. Es ist jedoch von Bedeutung, sich
nicht in der Bedrohung zu verlieren, denn dies sollte
auch eine Zeit der Würdigung und des Optimismus
sein.
Vor 20 Jahren - ich komme nochmals auf das Abkommen von Camp David zu sprechen - hätte niemand erwartet, den Seder zu sehen, den wir gerade in

der Bundeshauptstadt Washington erlebten. An ihm
nahmen nicht nur hochrangige Vertreter der amerikanischen Regierung teil, sondern auch Botschafter aus
der ganzen Welt, einschließlich Rußlands und Chinas.
Tatsächlich hörte ich, daß der chinesische Botschafter
seine erste Mazza aß.
Vor 20 Jahren hätte niemand gedacht, daß der
jordanische König nach Jerusalem reisen würde, um
dort um einen ermordeten israelischen Ministerpräsidenten zu trauen, oder daß wir nahezu zwei Jahrzehnte des Friedens zwischen Israel und Ägypten
feiern würden.
Trotz aller uns heute und in Zukunft konfrontierenden
Schwierigkeiten sind wir einem umfassenden Frieden
im Nahen Osten näher, als ich es mir 1977 jemals
hätte vorstellen können. Wir sind näher an dem Sieg
in dem Ringen, das Anwar Sadat als "Kampf für
dauerhaften Frieden auf der Grundlage der Gerechtigkeit" bezeichnete.
In seiner Rede vor der israelischen Knesset erklärte
Sadat: "Es ist nicht allein mein Kampf, noch ist es
ausschließlich der Kampf der israelischen Führung.
Es ist der Kampf jedes Bürgers in unseren Ländern,
der das Recht auf ein Leben in Frieden hat."

* * * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 09

�AUSSENPOLITIK
2. Mai 1996

Die künftige Tagesordnung der internationalen
Zusammenarbeit und Integration
aus amerikanischer Sicht
von James D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland am 29. April 1996 bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in
Maria Laach gehaltene Rede.

Sehr geehrter Herr Botschafter Joetze,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
die Frage nach der künftigen sicherheitspolitischen
Tagesordnung ist schnell beantwortet. Der Titel
meines Vortrags umschreibt sehr präzise unsere
Zielsetzung: Internationale Zusammenarbeit und
Integration.
Wie wir dieses Ziel erreichen, wo wir unsere Schwerpunkte setzen, welche Präferenzen wir entwickeln und
welchen Einsatz wir als notwendig erachten, will ich in
meinen Ausführungen skizzieren.
Ich möchte mich dabei nicht nur auf die sicherheitspolitischen Fragestellungen konzentrieren, obgleich sie
- wie Sie alle wissen - nach wie vor von großer Bedeutung sind. Ich möchte auch auf außenpolitische und
außenwirtschaftliche Aspekte unserer Politik abheben.
Heute ergibt der Versuch, die internationale Positionierung eines Staates in Außen-, Sicherheits- und
Verteidigungspolitik aufzugliedern, wenig Sinn. Mit
dem Ende des Kalten Krieges ist eine sehr komplexe
Sachlage entstanden, die eine solche Vereinfachung
nicht mehr erlaubt.
Lassen Sie mich auf die aktuelle Lage zu sprechen
kommen: Auf der Tagesordnung stehen der
IFOR-Einsatz in Bosnien, die Öffnung der NATO sowie
deren Reform.

AMERIKA DIENST 09

Der IFOR-Einsatz in Bosnien
Ich möchte mich zuerst mit Bosnien befassen. Hier
scheint es - was die Dauer des militärischen Einsatzes
angeht - in der Öffentlichkeit einige Mißverständnisse
zu geben. Daraus resultieren Erwartungen, die in
Unkenntnis unserer Absichten zu Trugschlüssen
führen. Das im Daytoner Friedensabkommen vereinbarte militärische Engagement der NATO und anderer
Staaten war bewußt auf ein Jahr begrenzt. Diese
zeitliche Begrenzung ist dazu gedacht, den Verhandlungsdruck auf alle Kriegsparteien aufrechtzuerhalten.
Präsidenten Clinton hat mehr als einmal darauf
hingewiesen, daß dieses eine Jahr als einzigartige
Chance zu betrachten ist. Als Chance, zur Besinnung
zu kommen und die Grundlagen für den Aufbau eines
friedlichen Miteinanders zu schaffen. Um eines ganz
klarzustellen: Der amerikanische Präsident hat mit
seinem Entschluß, amerikanische Soldaten in Bosnien
einzusetzen, ein großes innenpolitisches Wagnis auf
sich genommen. Jene, die sich nun kritisch über seine
Führungsstärke äußern, ignorieren schlichtweg, daß in
meinem Land - wie auch übrigens hier in Deutschland
- Außenpolitik demokratisch legitimiert sein muß.
Die Bereitschaft, Friedenstruppen in eine europäische
Region zu senden, war in der Tat ein erneuter Beweis
amerikanischer Führungsstärke. Ich verrate kein
Geheimnis, wenn ich darauf hinweise, daß viele
Amerikaner nicht sonderlich begeistert sind, diesen
Einsatz zu unterstützen. Dazu kommt noch, daß viele
Amerikaner glauben, es wäre wohl eine "europäische"

Seite 1

�Angelegenheit, im Hinterhof Europas Ordnung zu
schaffen.
Nun ist der Krieg seit geraumer Zeit zu Ende. Amerikanisches Engagement hat dies möglich gemacht.
Unser Einsatz - diplomatisch, wirtschaftlich, militärisch
- ist auch mit den negativen Konsequenzen - mit dem
negativen Vorbild - für die mittel- und osteuropäischen
Staaten begründet worden. Diese Begründung ist um
so wichtiger, als wir den Prozeß zur Aufnahme neuer
Mitglieder in Gang gesetzt haben.
Bevor ich mich allerdings diesem Thema widme,
möchte ich nochmals deutlich machen, daß wir uns
nicht als Besatzungsmacht verstehen.
Das
IFOR-Mandat ist in dieser Hinsicht eindeutig. Die
bisherige Einhaltung des Daytoner Abkommens durch
die Kriegsparteien ist ein gutes Zeichen. Sie haben
erkannt, daß ein überwachter Waffenstillstand die
beste Alternative zur Fortsetzung ihres ethnisch
begründeten Kampfes ist. Ein Kampf, der letztlich nur
Verderben gebracht hat und das Zusammenleben der
Menschen auf Jahrzehnte belasten wird. Die zeitliche
Begrenzung des IFOR-Mandats verdeutlicht den
Kriegsparteien, daß der Westen nicht bereit ist verzeihen Sie mir die lockere Ausdrucksweise - für sie
die Kastanien aus dem Feuer zu holen.
Die Kriegsparteien müssen selbst alle Anstrengungen
unternehmen, um zu einem friedlichen Miteinander
zurückzufinden. Wir werden ihnen die Gestaltungsfreiheit und den Entscheidungszwang für den Frieden
nicht nehmen. Die Völker müssen sich einigen. Und
deshalb ist dieses Jahr lang genug. Wenn nicht jetzt,
wann dann?
Weil sie indirekt gezwungen werden müssen, gemeinsam diese Anstrengungen zu unternehmen, sind die
freien und demokratischen Wahlen im September so
wichtig. Der organisatorische Aufwand für die Wahlen
- soweit ich weiß, wird es sieben verschiedene Abstimmungen geben - ist beträchtlich. Damit sie
ordnungsgemäß durchgeführt werden können, müssen
die Konfliktparteien zusammenarbeiten.
Wie Sie wissen, wird die OSZE die Korrektheit des
Wahlverfahrens überwachen. Dies ist eine wichtige
Aufgabe für die Organisation, deren Bedeutung als
Forum zur Zusammenarbeit oftmals unterschätzt
worden ist. Die Vereinigten Staaten sind davon
überzeugt, daß die OSZE einen wichtigen Beitrag zur
Konfliktbereinigung und Befriedung der Region leisten
kann. Die Wahlen werden hoffentlich den Durchbruch
bringen und eine weitere Stabilisierung der Lage
bewirken.
Die NATO-Erweiterung
Lassen Sie mich zum zweiten, nicht minder wichtigen
Themenblock kommen: Der NATO-Erweiterung. In

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den Vereinigten Staaten können Sie Gegner und
Befürworter der NATO-Erweiterung an ihrer Wortwahl
erkennen. Gegner einer NATO-Erweiterung nennen
sie "expansion", während ihre Befürworter sie als
"enlargement" oder "opening up" bezeichnen.
Der letztere Begriff scheint den Kern der Angelegenheit am besten zu treffen. Die NATO öffnet sich
weiteren demokratisch strukturierten Ländern.
Bekanntlich war es nicht die Atlantische Allianz, die
nach Auflösung des Warschauer Paktes von sich aus
auf potentielle Mitglieder zuging. Ehemalige Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes sind es, die sich um
die Aufnahme in das westliche Verteidigungsbündnis
bemühen.
Die Auseinandersetzung über das Für und Wider einer
NATO-Osterweiterung ist meines Erachtens mehr oder
weniger zu Ende. Fragen, wie man es hätte anders
machen können, ob zu einem früheren oder späteren
Zeitpunkt, oder ob nicht noch mehr Rücksicht auf
russische Sicherheitsbelange genommen werden
sollte, sind nach den deutlichen und verbindlichen
Worten meines Vorgesetzten, Warren Christopher, in
Prag und Moskau im März derzeit nicht mehr von
aktueller Bedeutung.
Außenminister Warren Christopher hatte während
einer Zusammenkunft mit seinen Amtskollegen aus
zwölf mittel- und osteuropäischen Staaten in Prag klare
Worte gefunden: "Die NATO hat sich im Januar 1994
verpflichtet, neue Mitglieder aufzunehmen; sie darf und
wird sie nicht auf ewig im Wartesaal sitzen lassen."
Daran können Sie erkennen, wie stark unserer Einsatz
für die NATO-Erweiterung ist. Es scheint mir durchaus
angebracht, die beiden Optionen Rußlands darzulegen. Rußland hat die Wahl zwischen der Zusammenarbeit mit dem Westen und einer Selbstisolierung. Rußlands Beteiligung an der Gestaltung
eines sicheren und stabilen Europas ist aus unserer
Sicht sehr wünschenswert. Nur ein Vetorecht gibt es
nicht. Kann es auch nicht geben, da die sechzehn
Mitgliedstaaten der NATO darüber zu befinden haben,
welche Beitrittskandidaten in das Bündnis aufgenommen werden.
Schon während des Kalten Krieges hat das Bündnis
sich nicht durch sowjetische Beeinflussungen abhalten
lassen, eine Verteidigungs- und Sicherheitspolitik zu
betreiben, die sich letztlich mit dem Abgang der
Sowjetunion von der Weltbühne als überaus erfolgreich erwiesen hatte.
Auf der Münchner Wehrkundetagung im Februar hat
Verteidigungsminister William Perry darauf hingewiesen, daß die Öffnung der NATO nach Osten unausweichlich ist. Die NATO und Rußland müssen auf
Dauer als gleichberechtigte Partner eine neue Sicherheitsstruktur in Europa aufbauen. Deshalb ist es

AMERIKA DIENST 09

�begrüßenswert, daß Rußland zur politischen und
militärischen Zusammenarbeit bereit ist. Und dies
nicht nur im Rahmen des Programms "Partnerschaft
für den Frieden", sondern auch bei der IFOR-Friedenstruppe in Bosnien. Dort arbeiten die NATO und
russische Einheiten Hand in Hand. Ohne russische
Unterstützung für den Friedensprozeß wären die
Chancen, das Abkommen durchzusetzen, eher
geringer.
Der Beschluß des russischen Parlaments vom März,
die Wiederherstellung der alten Sowjetunion zu
propagieren, ist sicherlich nur ein Aspekt, der die
fehlende Akzeptanz demokratischer Reformen beleuchtet. Aus Sicht der mittel- und osteuropäischen
Staaten wird der NATO-Beitritt dagegen um so dringlicher, was gegebenenfalls zu einer Beschleunigung
des Aufnahmeverfahrens führen könnte.
Wir sind der Auffassung, daß die Stabilität und Sicherheit in der Allianz durch die Aufnahme der mittelund osteuropäischen Länder verbessert wird. Diese
Staaten nähern sich unseren Wertvorstellungen an.
Sie erbringen beträchtliche Vorleistungen, die nicht nur
in ihrem eigenen Interesse sind, sondern auch in
unserem.
Wenn gutnachbarliche Beziehungen
entstehen, wenn durch Transparenz bei der Planung
und Budgetierung von Verteidigungsanstrengungen
Vertrauen geschaffen wird, besteht kein Anlaß zur
Sorge, daß wir auf regionale Krisen reagieren müssen.
Wir sehen in der NATO-Erweiterung ein Instrument der
konstruktiven Befriedung beziehungsweise Stabilisierung einer ethnisch differenzierten Region. Um als
Bündnispartner in Frage zu kommen, müssen die
Kandidaten überzeugende Fortschritte bei der friedlichen Beilegung von Konflikten mit ihren Nachbarn
vorzeigen und nachweisen können, daß ethnische
Minderheiten in ihrem Land umfassend am demokratischen Prozeß mitwirken. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um bilaterale Konflikte zwischen Bündnispartnern auszuschließen und um ein zweites
Bosnien zu verhindern.
Bevor es zu einer Erweiterung der NATO kommt, muß
sichergestellt sein, daß durch die Aufnahme weiterer
Mitglieder die sicherheitspolitische Entscheidungsfindung und militärische Handlungsfähigkeit des
Bündnisses nicht beeinträchtigt wird.
Die Erfahrungen der Beitrittskandidaten mit der
Sowjetunion während der Zeit des Warschauer Paktes
dürfen nicht unser Interesse an einem fairen und
konstruktiven Verhältnis zu Rußland untergraben. Die
Erweiterung darf nicht zu einer neuen Grenzziehung in
Europa führen.
Entscheidend ist die Frage, welche militärischen
Vorbereitungen für die vertraglich definierten Sicherheitsgarantien getroffen werden. Deren Sinn und

AMERIKA DIENST 09

Zweck kann nicht zuletzt wegen der veränderten
strategischen Lagebeurteilung und Bündnisreform
kaum vergleichbar sein mit denen des Kalten Krieges.
Die NATO-Reform
Lassen Sie mich nun kurz auf die NATO-Reform zu
sprechen kommen. Wie Sie wissen, haben sich die
16 NATO-Staaten im Grundsatz auf das Konzept des
sogenannten
Alliierten
Streitkräfte-Kommandos
geeinigt. Dies ist sehr erfreulich, weil es ein wichtiger
Schritt in Richtung einer stärkeren Betonung der
europäischen Verteidigungsidentität ist.
Gerade diese Einigung unterstreicht unseren Wunsch
nach einem geeinten, politisch kohärent handelnden
Europa.
Jene europäischen NATO-Partner, die
militärisch fähig und politisch willens sind, bleiben
unsere wichtigste Stütze bei der Bewältigung künftiger
sicherheitspolitischer Herausforderungen.
Auf dem im Juni in Berlin stattfindenden NATO-Ratstreffen steht die neue Allianzstruktur auf der Tagesordnung. Neben der Frage, welche Rolle Frankreich
künftig in der Allianz spielen will, das sich in letzter Zeit
mit Vorschlägen zu einer Europäisierung der NATO
hervorgetan hat, geht es in erster Linie um die Nutzung
der NATO-Infrastruktur bei Peace-keeping- oder
Peace-enforcement-Einsätzen in Europa. Der Schwerpunkt des "Combined Joint Task Force"-Konzepts liegt
darauf, Verantwortung und Lasten neu aufzuteilen.
Das CJTF-Konzept wird die europäischen Verbündeten in die Lage versetzen, eigenständig militärische
Operationen mit Rückgriff auf die NATO-Infrastruktur
durchzuführen.
Damit verfügen unsere Verbündeten über militärische
Optionen, die ihnen bei entsprechender politischer
Handlungsfähigkeit erlauben, diplomatische Initiativen
zur Konfliktbeilegung zu ergreifen, ohne militärisch mit
leeren Händen dastehen zu müssen.
Ob allerdings die europäischen NATO-Mitgliedstaaten
jemals ohne amerikanische Unterstützung für ihre
sicherheitspolitischen Interessen eintreten werden,
bleibt abzuwarten. Ebenso die Frage, inwieweit die
neuen NATO-Mitgliedsstaaten bereit sind, Risiken
dieser Art auf sich zu nehmen. Sie treten dem Bündnis
zu einem Zeitpunkt bei, an dem nicht mehr die Abschreckung einer Militärmacht im Vordergrund der
gemeinsamen sicherheitspolitischen Anstrengung
steht, sondern die Bewahrung von Stabilität auf dem
europäischen Kontinent.
Die Atlantische Allianz ist ein Zusammenschluß
demokratischer Staaten. Entscheidungen werden
nach dem Konsensprinzip gefällt. Unser Engagement
trägt wesentlich zur Stabilisierung der Verhältnisse bei.
Letztlich erfüllt das Bündnis seinen Zweck, wenn es
das amerikanische Engagement in Europa bewahrt,

Seite 3

�den erreichten Zustand an Sicherheit und Stabilität
gewährleistet, die militärische Einbindung Deutschlands aufrechterhält, mit Rußland eine dauerhafte
Zusammenarbeit aufbaut und die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen für eine konstruktive
Entwicklung der Europäischen Union bietet.
Soweit meine sicherheitspolitischen Anmerkungen.
Lassen Sie mich - wie angekündigt - noch einige
Ausführungen zu den anderen, nicht minder wichtigen
Aspekten unserer Politik machen.
Die Vereinigten Staaten befinden sich nach dem Ende
des Kalten Krieges in einer Phase der Neuorientierung. Die globale Perspektive hat sich gewandelt.
Innenpolitische Problemkonstellationen, die früher
wenig Beachtung gefunden haben, sind nun in das
Blickfeld der politisch Verantwortlichen gerückt. Die
Höhe der Staatsverschuldung, die Reform des Wohlfahrtsstaats und der Abbau der Bürokratie sind
Themen, an denen sich Auseinandersetzungen
entzünden. In der letzten Woche wurde nun endlich
das Haushaltsgesetz für 1996 verabschiedet.
Wie befinden uns im Wahljahr. Im November geht es
wieder einmal darum, wer für die kommenden vier
Jahre Hausherr im Weißen Haus ist. Viele Kommentatoren glauben nun, amerikanische Innenpolitik würde
überhand nehmen. Mit der Folge, daß außenpolitische
Fragestellungen nicht hinreichend berücksichtigt
werden. Dies ist nur zum Teil richtig: Allein die
Aktivitäten meines Außenministers zur Beendigung der
Kampfhandlungen im Südlibanon, der G-7-Gipfel in
Moskau vor gut einer Woche oder der Anti-Terror-Gipfel in Ägypten Anfang März, der auf eine
Anregung des Präsidenten erfolgte, zeigen, daß die
USA auch in Wahlzeiten außenpolitisch handlungsfähig sind.
Ein weiteres Beispiel war die Entsendung zweier
Flugzeugträger in das Chinesische Meer. Wir haben
damit allen asiatischen Ländern deutlich gemacht, wie
groß unser Interesse an der Bewahrung regionaler
Stabilität im asiatisch-pazifischen Raum ist. Dieses
Beispiel zeigt zudem, welche außenpolitischen
Anforderungen in anderen Erdteilen an die Vereinigten
Staaten als Ordnungsmacht gestellt werden.
In diesem Zusammenhang ist die wirtschaftliche
Dimension unseres Handelns von Bedeutung. Hier
zeigt sich - gerade am Beispiel der Europäischen
Union und der transatlantischen Handelsbeziehungen
- wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.
Die EU ist zweifelsohne ein Eckpfeiler der zukünftigen
Sicherheit Europas. Die Union bietet die Grundlage für
Wirtschaftswachstum und Wohlstand auf dem gesamten Kontinent. Dies gilt insbesondere für die mittelund osteuropäischen Staaten. Eine EU-Mitgliedschaft
dieser Staaten, die auch im Zusammenhang mit der

Seite 4

NATO-Erweiterung zu betrachten ist, trägt zur Konsolidierung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Reformen bei.
Wir sind uns bewußt, daß sich die EU in den kommenden Jahren großen Herausforderungen stellen muß.
Wie auch die NATO wird die EU ihre Institutionen
reformieren und ihre Identität verändern. Die EU wird
effiziente Entscheidungsverfahren entwickeln müssen,
um den Anforderungen einer gewachsenen Mitgliedschaft gerecht zu werden.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die politischen
Bestrebungen zur Stärkung und Erweiterung der EU.
Unseres Erachtens besteht kein Zweifel an der
stabilisierenden Wirkung einer funktionsfähigen
Europäischen Union. Die Europäische Union gewinnt
durch den fortschreitenden Integrationsprozeß immer
mehr an Gewicht. Was bislang fehlte, ist ein höherer
Grad an politischer und diplomatischer Einigkeit, die
ihrer wirtschaftlichen und handelspolitischen Macht
entspricht. Es kann nicht in unserem Interesse liegen,
die Zusammenarbeit mit Europa zu vernachlässigen,
wie uns immer wieder vorgeworfen wird.
Bei den amerikanisch-europäischen Beziehungen
steht in wirtschaftlicher Hinsicht enorm viel auf dem
Spiel. Europa ist natürlich unser größter und wichtigster Handelspartner. Die jüngsten Zahlen zeigen, daß
die amerikanischen Exporte in die Europäische Union
sich jährlich auf 130 Milliarden Dollar belaufen, damit
noch vor Kanada, unserem zweitgrößten Absatzmarkt,
liegen und mehr als doppelt so hoch sind wie die nach
Japan, unserem drittgrößten Absatzmarkt. Diese
Zahlen sind nur ein Seite der Medaille. Der Großteil
internationaler Geschäftstätigkeit erfolgt durch Investitionen und Produktion auf ausländischen Märkten
- nicht durch Exporte. Während die weltweiten
amerikanischen Exporte von Waren und Dienstleistungen sich auf ungefähr 700 Milliarden Dollar
belaufen, betragen die Verkäufe von Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen im Ausland
ungefähr 1,6 Billionen Dollar. Mehr als die Hälfte
dieses Absatzes findet in Europa statt. Insgesamt
beläuft sich der amerikanisch-europäische Handel auf
rund 1,7 Billionen Dollar jährlich - eine überwältigende
Zahl, die nahezu 50 Prozent höher ist als unser
transpazifischer Handel.
Um dem Koordinierungsbedarf unserer Handelsbeziehungen gerecht zu werden, unternahmen die
Vereinigten Staaten und Europa in Madrid im vergangenen Dezember bedeutende Schritte zur Erweiterung
und Vertiefung dieser Beziehungen. Wir haben die
neue Tagesordnung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit vereinbart.
Diese neue transatlantische Tagesordnung unterstreicht das breite Spektrum der Beziehungen und
befaßt sich nicht nur mit traditionellen Handelsfragen,

AMERIKA DIENST 09

�sondern auch mit einer ganzen Bandbreite politischer
und wirtschaftlicher Initiativen auf der ganzen Welt.
Ich möchte zum Schluß kommen. Die Vereinigten
Staaten werden sich auch weiterhin gemeinsam mit
ihren Verbündeten zur Bewahrung von Frieden,
Förderung der Demokratie und Öffnung der Märkte
einsetzen. Daß dies nicht ohne Verbündete geht,
versteht sich von selbst.

Internationale Zusammenarbeit und Solidarität werden
auch verlangt, wenn es um die Probleme geht, die ich
als globale Herausforderungen bezeichnen würde:
Bevölkerungsexplosion, Umweltzerstörung, Armut - um
nur einige wenige zu nennen. Ohne internationale
Zusammenarbeit müßte die Staatengemeinschaft im
nächsten Jahrtausend vor diesen Herausforderungen
kapitulieren. Das wollen wir nicht, oder?
Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 09

*

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�USA-DEUTSCHLAND

2. Mai 1996

Perspektiven der politischen und wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten
von J.D. Bindenagel

Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Amerikanischen Botschaft in der Bundesrepublik
Deutschland, J.D. Bindenagel, am 10. April 1996 vor Abgeordneten des Thüringischen Landtages in Erfurt
gehaltene Rede.

Ich
möchte
einige
Bemerkungen
zu den
deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen machen. Sie bilden neben der vertrauensvollen politischen und intensiven militärischen Zusammenarbeit
das dritte Standbein unseres engen Beziehungsgeflechts.
Wie eng die politische Zusammenarbeit, wie intensiv
der Austausch zwischen den jeweiligen Regierungsstellen ist, wie sehr sich das Volumen der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen vergrößert hat und wie
zahlreich die kulturellen Kontakte geworden sind, läßt
sich schwerlich in Zahlen fassen. Die Ergebnisse des
europäisch-amerikanischen Gipfels in Madrid vom
Dezember letzten Jahres verdeutlichen, daß diesseits
und jenseits des Atlantiks die Bereitschaft zu einer
Vertiefung der Beziehungen besteht. So haben wir
vereinbart, nicht mehr nur beidseitige Konsultationen
durchzuführen, sondern auch gemeinsam unsere
Politik abzustimmen.
Dies ist insbesondere angesichts der Frage, inwieweit
wirtschaftliche Konkurrenz eine strategische Partnerschaft ausschließt, von großer Bedeutung. Ich stehe
auf dem Standpunkt, daß sie sich gegenseitig bedingen. Sie tragen zur Festigung der politischen, kulturellen und persönlichen Beziehungen zwischen dem
deutschen und amerikanischen Volk bei.
Es besteht kein Zweifel an der politischen Bedeutung
guter und ausgewogener Wirtschaftsbeziehungen. Sie
tragen unmittelbar zur Stabilisierung unserer Beziehungen bei. Nun mögen manche einwenden, daß hier
und da Handelskonflikte auftreten, die eher auf eine

AMERIKA DIENST 09

DeStabilisierung hinweisen. Dies ist auf den ersten
Blick richtig. Nur kommt es darauf an, in welchem
Rahmen und auf welchem Niveau divergierende
Ansichten über Handelsfragen ausgedrückt werden.
Worauf es ankommt, ist ein verläßlicher, von allen
Beteiligten akzeptierter Rahmen von Wettbewerbsbedingungen. Dies läßt sich allerdings nur in gutem
Einvernehmen auf politischer Ebene erreichen. Die
wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger
in unseren beiden Ländern haben die gleichen wirtschaftspolitischen Grundauffassungen:
Unterstützung für freien Handel, für offene
nichtdiskriminierende Investitionsbeziehungen und für
faire Wettbewerbsregeln. Beide Regierungen sehen
den Privatsektor als wichtigsten Motor für Wachstum
und Innovation an. Und darauf kommt es an, wenn
man das Problem der Arbeitslosigkeit in den Griff
bekommen will.
Die Übereinstimmung in den wirtschaftpolitischen
Grundauffassungen erleichtert die Suche nach
Problemlösungen bei aktuellen handelspolitischen
Auseinandersetzungen. Große Volkswirtschaften wie
die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten mit
ihren unterschiedlichen politischen Strukturen, unterschiedlichen Regulierungs- und Ordnungsansätzen,
unterschiedlichen Marktsstrukturen und Unternehmertraditionen entwickeln ab und zu Reibungs- und
Konfliktpunkte.
Häufig verkomplizieren die Beziehungen der Vereinigten Staaten zur Europäischen Union unsere

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�Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland. Nicht alle
EU-Mitgliedsstaaten teilen uneingeschränkt die
deutsche Aufassung von Freihandel und Wettbewerb.
Sehr oft sehen wir uns mit einem Nord-Süd-Konflikt
innerhalb der EU konfrontiert. Die südlichen Länder
neigen zu einem eher interventionistischen und
protektionistischen Ansatz, während der Norden
Offenheit und Freihandel propagiert.
Wir verlassen uns häufig darauf, daß Deutschland für
eine offene europäische Wirtschaftsidentität eintritt, die
auf einem transparenten und verläßlichen Entscheidungsrahmen beruht. Wir wissen natürlich, daß
Deutschland häufig Solidarität mit den anderen
EU-Mitgliedsstaaten üben muß, und Entscheidungsgrundlage meistens der kleinste gemeinsame Nenner
ist.
Diese institutionelle Einbindung und Integration
Deutschlands unterstützen wir vorbehaltlos. Wir sind
an einem starken Europa interessiert. Das schließt
allerdings eine deutsch-amerikanische Kooperation bei
wichtigen Fragen nicht aus.
Ein Beispiel möchte ich nennen: Bilaterale Probleme,
wie sie im letzten Jahr unter anderem bei der Aushandlung eines neuen Luftverkehrsabkommens
entstanden waren, konnten durch eine tragfähige
Zwischenlösung entschärft werden.
Das "code
sharing" zwischen deutschen und amerikanischen
Fluggesellschaften und die Allianz zwischen Lufthansa
und United Airlines hat finanzielle Vorteile für die
Beteiligten und günstigere Tarife für die Reisenden
gebracht.
Die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen
gestalten sich reibungslos und im großen und ganzen
unbehindert von strukturellen Handelshemmnissen.
Gegenwärtig ist aufgrund der unterschiedlichen
konjunkturellen Entwicklung ein geringes amerikanisches Handelsdefizit festzustellen. Während des
Booms infolge der Vereinigung wies die Bundesrepublik ein Defizit auf.
Die Vereinigten Staaten sind nach der Europäischen
Union der größte Handelspartner Deutschlands, was
auch im umgekehrten Verhältnis stimmt: Deutschland
ist für die USA der größte Handelspartner.
Wie eng und ausgeglichen die Wirtschaftsbeziehungen
sind, sieht man auch an den jeweiligen Investitionen.
Die deutschen Direktinvestitionen belaufen sich auf
fast 60 Milliarden DM. Amerikanische Unternehmen
investieren etwa den gleichen Betrag in Deutschland.
Inzwischen sind rund 600.000 Deutsche in amerikanischen Unternehmen tätig, während deutsche Firmen
schätzungsweise eine halbe Million Amerikaner
beschäftigen.

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Symbolisch für die ökonomische Interdependenz sind
die Entscheidungen führender Automobilhersteller
Deutschlands, Produktionsstätten in den Vereinigten
Staaten zu errichten, sowie die Investitionen von
Unternehmen wie Dow Chemicals, General Motors
und der Boston Investment Company in den neuen
Bundesländern.
Die wachsende Interdependenz der transatlantischen
Handelspartner durch zunehmende Handelsströme
und Direktinvestitionen führt aber auch zu einem
erhöhten staatlichen Regulierungsbedarf in den
jeweiligen Volkswirtschaften. Dieser Bedarf läßt sich
nur auf zwischenstaatlicher Ebene decken, so daß
trotz aller wirtschaftlichen Konkurrenz eine immer
enger werdende bilaterale Verflechtung entsteht.
Es ist offensichtlich, daß wir Partner brauchen, um
künftige politische und ökonomische Herausforderungen gemäß unseren gemeinsamen Wertvorstellungen
und Prinzipien anzugehen.
Die epochalen Veränderungen am Ende dieses Jahrhunderts sind nur
gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen nicht nur
unsere Rolle neu bestimmen, sondern auch die
Strukturen und Inhalte unserer diplomatischen Beziehungen überprüfen.
Die Bundesrepublik Deutschland ist inzwischen der
wichtigste Verbündete der Vereinigten Staaten in
Europa. Dies liegt nicht nur an der geopolitischen
Lage Deutschlands, sondern auch an der nachhaltigen
politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Unterstützung der Demokratisierungsprozesse in Osteuropa
und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion.
Die deutsche Politik gegenüber den früheren Ostblockstaaten entspricht den amerikanischen Vorstellungen
von "safe for democracy". Es hat den Anschein, daß
Deutschland und die Vereinigten Staaten die einzigen
Länder innerhalb der Atlantischen Allianz sind, die ein
Gespür für die Bedürfnisse der aufstrebenden Staaten
in Ost- und Mitteleuropa entwickelt haben. Beide
Regierungen haben verstanden, daß eine dauerhafte
Teilung Europas in Arm und Reich nicht möglich ist,
ohne einen hohen Preis dafür zu bezahlen.
Die amerikanische Deutschlandpolitik ist deshalb weit
mehr als die Bewältigung bilateraler Angelegenheiten.
Hier geht es tatsächlich um strukturbildende Prozesse,
die durch die Übereinstimmung der Interessen zustande kommen.
Unsere Beziehungen zu Deutschland haben nach der
Vereinigung eine neue Bedeutung erlangt: Die Vereinigten Staaten müssen nicht länger die territoriale
Integrität der Bundesrepublik schützen; Deutschland
befindet sich so gesehen nicht mehr in einem sicherheitspolitischen Abhängigkeitsverhältnis. Dies ist
begrüßenswert, nicht weil wir die Bundesrepublik nicht
mehr verteidigen wollen, sondern weil das Ende des

AMERIKA DIENST 09

�Kalten Krieges uns die Mögklichkeit gibt, unsere
bilateralen Beziehungen partnerschaftlicher zu gestalten.
Ohne das Engagement der Bundesregierung sind
heute Fortschritte bei der Vertiefung und Erweiterung
der Europäischen Union nicht denkbar. Als viertgrößte
Wirtschaftsmacht der Welt nimmt die Bundesrepublik
in manchen Technologiebereichen eine Spitzenstellung ein. Das vielfach in der Presse verwendete
Bild eines Wirtschaftsriesen, der politisch wie ein
Zwerg agiert, stimmt schon lange nicht mehr.
Deutschland hat gemeinsam mit seinen Verbündeten
in vielen politischen Bereichen eine wichtige Vorreiterrolle übernommen und damit Führung gezeigt.
Die Vereinigten Staaten unterstützen diesen Prozeß
einer größeren Wahrnehmung internationaler Verantwortung durch Deutschland. Wir sind uns darüber im
klaren, daß es in der deutschen Bevölkerung und auch
in Teilen der politischen Elite Vorbehalte gegen eine
bedeutendere Rolle Deutschlands bei der Lösung
internationaler Krisen gibt. Und wir wissen auch, daß
Deutschland eine schwierige Geschichte hat.

*

AMERIKA DIENST 09

Deutschlands Beteiligung am Bosnieneinsatz der
NATO ist von großem Wert für die Kohärenz des
Atlantischen Bündnisses. Es kann nicht angehen, daß
einige Mitgliedsstaaten Truppen entsenden, während
andere dafür bezahlen.
Unsere Vorstellung von "partners in leadership" beruht
auf der Überzeugung, daß Deutschland neben seiner
ökononischen Leistungsfähigkeit auch die Möglichkeit
hat, konstruktiv zur Bewältigung von internationalen
Krisen und Konflikten beizutragen.
Lassen Sie mich zum Schluß meiner Ausführungen
kommen. Die Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt,
der sich amerikanische und deutsche Unternehmen
ausgesetzt sehen, ist kein Hindernis für die kooperative Gestaltung des bilateralen Beziehungsgeflechts.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß die
deutsch-amerikanische Freundschaft, die auf den
gemeinsamen Idealen von Freiheit, Menschenrechten,Demokratie und Gerechtigkeit basiert, auch künftig
einen wichtigen Beitrag zu Frieden, Stabilität und
Wohlstand leisten wird. Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 3

�LUFTFAHRT
2. Mai 1996

USA setzen sich für Offene Himmel ein
von Federico Pena

WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser des nachfolgenden Artikels ist der amerikanische Verkehrsminister
Federico Pena. Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Journal of Commerce,
16. April 1996.

Der internationale Luftverkehrsmarkt ist größer denn
je. Er bewirkt konjunkturelle Aktivität im Wert von einer
Billion Dollar und schafft mehr als 22 Millionen Arbeitsplätze. Eine Ausdehnung dieses Marktes hängt von
verstärktem Wettbewerb ab.
Jedesmal wenn wir im Bereich der Dienste internationaler Luftfahrtgesellschaften die Konkurrenz verschärfen, wächst dieser Markt beträchtlich, wird die
Beförderung für Reisende und Spediteure verbessert
und der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Handelspartnern verstärkt. Unsere Strategie
besteht in der Ausweitung von Dienstleistungen und
Wettbewerb, wo das möglich ist. Unsere Herausforderung liegt darin, den amerikanischen Luftverkehrsgesellschaften die Chance zu geben, diese
Dienstleistungen so effektiv und produktiv wie möglich
zu gestalten, ohne Zwängen der Regierung ausgesetzt
zu sein, die die vollständige Entwicklung des Luftverkehrsmarktes behindern.
1994 verkündete das Verkehrsministerium eine neue
Politik, sich den Ländern anzuschließen, die einen
unbeschränkten Luftverkehr anstreben. Gleichzeitig
erkannten wir, daß einige unserer Handelspartner
vielleicht nicht gewillt zur Unterstützung eines Systems
wären, das sie nicht kontrollieren und zum Schutz ihrer
eigenen Luftverkehrsgesellschaften einsetzen könnten. Wir ließen den Wunsch erkennen, beim Umgang
mit solchen Partnern flexibel genug zu sein, den Markt
langsamer zu öffnen, ohne bestehende Dienste
einzuschränken.
Unbehinderter Wettbewerb bedeutet offenen Zugang
zwischen zwei Ländern ohne Beschränkungen des
Flugpreises oder der Dienstleistungen, einschließlich

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außerhalb dieser Länder erbrachter Dienstleistungen.
Mit anderen Worten bedeutet er "Offene Himmel". Und
das ist unser oberstes Ziel.
Betrachten Sie sich nur einmal das neue Abkommen
mit Kanada, das innerhalb einer dreijährigen Übergangszeit zu einem vollständig geöffneten Markt
Dienste und Wettbewerb stark ausweitet. Bevor diese
Übereinkunft vor einem Jahr ausgehandelt wurde,
arbeiteten wir - als weltweit größter Handelspartner mit
einem Handelsvolumen von 1 Milliarde Dollar an
jedem Geschäftstag - im Rahmen eines restriktiven
Luftfahrtabkommens, das aus den sechziger Jahren
stammte.
In der zweiten Jahreshälfte 1995 verkehrten als
Ergebnis unseres neuen Abkommens 1 Million zusätzliche Reisende zwischen unseren Ländern. Der
Anstieg von Passagieren ist jetzt fünfmal so hoch wie
früher. Das Grundprinzip? Verstärkte und konkurrenzfähige Luftfahrtdienste pumpten 2 Milliarden
Dollar in unsere Volkswirtschaften.
Die Lektion lautet, daß der ökonomische Kuchen
größer für alle wird, wenn die Märkte für Luftfahrtdienste geöffnet werden. Und wir haben beträchtliche
Fortschritte dabei erzielt, unsere Handelspartner von
diesen beiderseitigen Vorteilen zu überzeugen.
Schauen Sie einmal auf das Jahr 1992 zurück, als die
internationale Situation weniger gut aussah. Länder
wie Frankreich und Thailand hatten in dem Versuch
zur Begrenzung des Wachstums von Dienstleistungen
ihre Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten
Staaten aufgekündigt. Deutschland drohte mit einer
Kündigung seines Abkommens. Damals war der

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�Trend bei der internationalen Luftfahrt, sich von einer
Ausdehnung der Dienstleistungen und verstärktem
Wettbewerb zu distanzieren.
Wir haben diesen Trend wieder umgekehrt. Unter der
aktivistischen Luftfahrtstrategie Präsident Clintons
unterzeichneten wir 35 Abkommen über die Vergrößerung des Luftverkehrsmarktes - mehr als in jeder
anderen vergleichbaren Zeit in der Geschichte.
In Europa schlössen-wir kurz nach der Bekanntgabe
unserer neuen internationalen Luftverkehrspolitik
Abkommen über Offene Himmel mit neun Ländern.
Wir erzielten eine Übereinkunft über die schrittweise
Einführung von Offene Himmel mit der Tschechischen
Republik sowie über eine Liberalisierung der Dienstleistungen für die Ukraine.
In Südamerika schufen wir neue Möglichkeiten auf
dem
amerikanisch-peruanischen
und
dem
amerikanisch-brasilianischen Markt. In Asien, wo
amerikanische Luftfahrtgesellschaften mehr Erträge
erzielen als im atlantischen Raum, schlössen wir
Übereinkünfte mit Hongkong, den Philippinen, Indien
und China, die allesamt wichtige Märkte vergrößern.
Selbst die Länder, die früher vor einer Ausweitung der
Dienste zurückschreckten, haben jetzt die Vorteile des
Wachstums erkannt. Thailand unterzeichnete vor
kurzem ein neues Luftverkehrsabkommen über
zusätzliche Unternehmungen. Deutschland paraphierte kürzlich eine neue Übereinkunft über Offene
Himmel. Durch das deutsche Abkommen werden 40
Prozent des europäischen Luftverkehrsmarktes für
Wettbewerb geöffnet. Und wir erwarten bald die

Aufnahme informeller Gespräche über ein neues
Luftfahrtabkommen mit Frankreich.
So erfolgreich wir auch waren, bleibt doch immer noch
viel Arbeit zu tun. Letzte Woche traf ich bei einem
Besuch in Chile mit 34 Verkehrsministern aus der
gesamten westlichen Hemisphäre zusammen, um
Möglichkeiten für diese Region zu sondieren. Letzten
Herbst reiste ich nach Asien, um den Aufbau von
Beziehungen auf diesem wichtigen Markt fortzusetzen.
Derzeit arbeiten wir mit Polen und Ungarn an einer
Ausweitung der Dienste.
Und natürlich müssen wir uns für eine Verbesserung
der Bedingungen auf unseren beiden wichtigsten
Märkten einsetzen - Großbritannien und Japan. Die
Vereinigten Staaten und Großbritannien sollten einfach
nicht zu den restriktivsten Luftfahrtmärkten der Welt
zählen. Obwohl wir mit dem jüngsten Abkommen mit
Japan über Luftfrachtdienste zufrieden sind, das die
Chancen für beide Nationen erhöht, stellt Tokios
restriktive Haltung gegenüber der Luftfahrt weiterhin
eine große Herausforderung dar. Die Ausweitung der
Dienste zwischen den Vereinigten Staaten und diesen
wichtigen Verbündeten würde den Verbrauchern
beträchtliche Vorteile bringen und den Handel erweitern.
Das Wachstum internationaler Luftverkehrsdienste ist
entscheidend für die zukünftige wirtschaftliche Position
der Vereinigten Staaten. Wir müssen weiterhin die
Handelshemmnisse abbauen, damit unsere Gemeinden, Verbraucher und Luftfahrtgesellschaften in
der Weltwirtschaft konkurrenzfähig sind.

* * * * *

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�UMWELT
2. Mai 1996

Die globale Umwelt - Fortschritte und
Herausforderungen
von Timothy E. Wirth

WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser des nachfolgenden Artikels ist Staatssekretär für globale Angelegenheiten
im US-Außenministerium.

Zu Beginn der zweiten Hälfte der letzten Dekade des
20. Jahrhunderts gibt es Grund zur Hoffnung bei
unserem Verständnis der globalen Herausforderungen, die entscheidend für die Chancen unserer Kinder
und Enkel im 21. Jahrhundert sind, sowie bei unserer
Reaktion darauf.

politischen Kräfte integrieren und harmonisieren, die in
der heutigen Welt am Werk sind.
Tragfähige Entwicklung bietet eine Vision, die die
Herausforderung des Schutzes und Verständnisses
unserer biologischen Ressourcen als enorme Chance
für die Katalogisierung unseres Erbes und den Schutz

Weltweit definiert ein repräsentativer Querschnitt
globaler Themen zunehmend die großen Herausforderungen der Zukunft und muß in dieser Zeit
tiefgreifenden weltweiten Wandels die übergeordnete
Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft
definieren. Die Nationen fangen an, ihre Chance und
Verantwortung zu erkennen, über die derzeitige Krise
hinaus auf die tieferliegenden Gründe zu schauen, die
die Welt zunehmend komplexer gestalten und die
Prioritäten langfristiger nationaler Sicherheit und
globalen Wohlstands erneut definieren.
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen haben die
Vereinigten Staaten die Herausforderung tragfähiger
Entwicklung - wirtschaftliche, soziale und umweltpolitische Fortschritte - an die oberste Stelle ihrer
internationalen Prioritäten gesetzt. Diese Art der
Integration ist unbedingt erforderlich um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten und ihre globalen
Partner eine Welt gemeinsamen Wohlstands und des
Friedens fördern können, die wir alle wünschen.
Mit Hilfe tragfähiger Entwicklung können die Volkwirtschaften der Welt versuchen, die Bedürfnisse der
heutigen Generation zu decken, ohne zukünftige
Generationen ihrer Zukunft zu berauben oder diese
aufs Spiel zu setzen. Wenn die Idee tragfähiger
Entwicklung verstanden und verfolgt wird, kann sie die
äußerst mächtigen wirtschaftlichen und umwelt-

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der wunderbaren Naturprodukte sieht.
Diese Vision unterstützt das Streben nach Wissen:
Die Aufdeckung der Geheimnisse der Ozeane,
Atmosphäre und Biosphäre, um zu verstehen, wie sie
einzeln und in Interaktion funktionieren - eine großartige Chance.
Diese Vision erkennt klar die Chance für Welthandel
und die Notwendigkeit der Pflege und Vergrößerung
der Familie demokratischer, freier Marktwirtschaften,
damit in jeder Nation Armut und menschliches Elend
abgeschafft und die grundlegenden Bedürfnisse des
Menschen gedeckt werden.
Und es gibt ermutigende Zeichen der Hoffnung:
Hier in den Vereinigten Staaten sind zwei Jahrzehnte
vergangen, seit das Gesetz über nationale Umweltpolitik, das Gesetz zur Reinhaltung der Luft, das
Gesetz zur Reinhaltung des Wassers, das Artenschutzgesetz sowie eine Vielzahl von Maßnahmen auf
nationaler, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene
angenommen wurden.
Infolgedessen atmen wir
Amerikaner sauberere Luft, können besser in unseren
Flüssen Fische fangen und schwimmen und haben
mehr Naturschutzgebiete.

Seite 1

�In ähnlicher Weise hat sich die Privatindustrie als
Reaktion auf die Wünsche der Öffentlichkeit und auf
neue Märkte dramatisch verändert. Das Ergebnis sind
nicht nur zahlreiche Beispiele für kreative Strategien
zur Verhinderung von Verschmutzung, sondern auch
erhöhte Effizienz, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
Auf internationaler Ebene wurden große Fortschritte
erzielt, die noch nicht bewältigten gesundheitlichen
Anforderungen und explosiven Wachstumsraten der
Bevölkerung aus der Vergangenheit anzugehen.
Globale Zusammenarbeit war von wesentlicher
Bedeutung bei der stufenweisen Reduzierung von die
Ozonschicht schädigenden Chemikalien. Zum Nutzen
aller Nationen - großer und kleiner, reicher und armer wurden bemerkenswerte Fortschritte im Bereich von
Wirtschaft und Umwelt gemacht.
Wissenschaft und Medizin haben beispielsweise zur
Eindämmung und Ausrottung weitverbreiteter Infektionskrankheiten beigetragen. Masern, Pocken und
Polio - vor nur 30 Jahren große weltweite Probleme werden in praktisch jeder Region der Welt lediglich
unter Kontrolle gehalten, sind aber noch nicht ausgerottet. Die internationale Staatengemeinschaft entwikkelt derzeit einen Impfstoff für Kinder, der diese gegen
eine Vielzahl leicht zu verhütender Krankheiten impft.
Diese Bestrebungen demonstrieren eindeutig, daß wir
die Fähigkeit besitzen, auf die besten Informationen zu
reagieren, die Wissenschaftler über den Zustand der
Umwelt und der Welt zur Verfügung stellen. Und das
entscheidende Kriterium dafür sind Partnerschaften zwischen Wissenschaftlern und Politikern, dem
öffentlichen und Privatsektor sowie zwischen Industrieund Entwicklungsländern.
Es bleiben jedoch noch viele Herausforderungen
bestehen, die bisherige Partnerschaften auf die Probe
stellen und die Bildung neuer Koalitionen für die
Zukunft erfordern.
Erstens muß die Bevölkerungsexplosion an oberster
Stelle der Tagesordnung für nachhaltige Entwicklung
stehenbleiben. Glücklicherweise haben wir eine
bemerkenswerte Tagesordnung - das bei der internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung
im Jahr 1994 in Ägypten vereinbarte Aktionsprogramm. Es steht für die bedeutenden Werte und
wichtigen Lektionen, die wir in den vergangenen 25
Jahren gelernt haben: Daß umfassende Bestrebungen
- von der universellen Bereitstellung von Familienplanung und Dienstleistungen für reproduktive Gesundheit bis zu drastisch verbesserten Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und die Konzentration auf
die Bekämpfung der Kindersterblichkeit, intakte
Familien und die Beteiligung von Kommunen - unerläßlich für internationale Bestrebungen sind um
sicherzustellen, daß die Menschen überall auf der Welt

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in der Lage sind, über die Anzahl ihrer Kinder und den
Zeitraum zwischen ihren Geburten frei zu entscheiden.
Elementarer Bestandteil dieser Strategie ist die
Förderung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rechte von Frauen - der außerordentlich wichtigen Ressourcen für Wachstum und Wandel. Die
Früchte dieser Initiativen - im Hinblick auf Stabilität,
Qualität der Umwelt und wirtschaftliche Produktivität werden die Kosten auf Generationen hinaus aufwiegen.
Die gesundheitliche Grundversorgung wäre eine
weitere kluge Priorität für die internationale Staatengemeinschaft, die mit relativ geringen globalen Kosten
erzielt werden kann. Um nur ein Beispiel zu nennen:
Wir müssen zusammenarbeiten, um Gedanken
auszutauschen und ein globales Überwachungs- und
Reaktionsnetz auszuarbeiten, damit wir die neu und
wieder auftretenden Infektionskrankheiten in den Griff
bekommen. Eine Partnerschaft zwischen Forschungsinstitutionen und dem Privatsektor wird unabdingbar
sein, wenn wir kostengünstige und effektive Diagnosemöglichkeiten für ansteckende Krankheiten entwickeln
sowie die Ausbildung von Allgemeinmedizinern und
Amtsärzten verbessern wollen, damit sie Infektionskrankheiten erkennen und behandeln können.
Die Ausrottung von vier wichtigen, leicht vermeidbaren
Krankheiten - Masern, Tetanus, Keuchhusten und
Polio -, die Beseitigung von Jod- und Vitiamin AMangel sowie die globale Verfügbarkeit einer oralen
Rehydrationstherapie können bis Anfang des nächsten
Jahrhunderts leicht bewirkt werden.
Erfolgreich
durchgeführt würden diese Maßnahmen allein jährlich
3 bis 4 Millionen Menschenleben retten und vielleicht
mehr als 20 Millionen frühe Kindstode verhindern,
unermeßliches, unnötiges Leiden mildern und einen
maßgeblichen Beitrag zur Erleichterung des Drucks
auf größere Familien leisten.
Besseres Verständnis und die Integration von Umweltin Wirtschaftsfragen werden ebenfalls bedeutend zu
tragfähiger Entwicklung beitragen. Die Kosten richtig
festzusetzen, ist eine elementare Aufgabe.

Die

Nationen - einschließlich der Vereinigten Staaten können nicht länger davon ausgehen, daß wir keinen
Preis dafür zahlen müssen, wenn wir die Luft verschmutzen oder unsere Ressourcen erschöpfen. Statt
dessen müssen wir Wege zur Internalisierung dieser
Kosten finden und es dem Markt gestatten, zur
Feststellung der effizientesten Mittel zur Verwirklichung
unserer Umweltziele beizutragen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel und anderen großen
Herausforderungen der globalen Umwelt stehen.
Die Bekämpfung von Hungersnöten und die Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung wird zahlreiche Sektoren vor eine Herausforderung stellen Forschung, Landwirtschaft und Regierung gleicherma-

AMERIKA DIENST 09

�ßen. Die grüne Revolution des vergangenen Vierteljahrhunderts hat zur Bereitstellung von Grundnahrungsmitteln für die wachsende Bevölkerung beigetragen, aber während die Bevölkerung weiterhin
zunimmt, trifft dies für das Ackerland nicht zu. In der
Tat scheinen landwirtschaftlicher Raubbau und die
zunehmende Anfälligkeit von Ernten - der Preis für den
intensiven Einsatz von Düngemitteln und chemischen
Pestiziden - eine der größten Herausforderungen der
Zukunft zu sein.
Und schließlich sind Bildung und Forschung grundlegend, wenn wir das für nachhaltige Entwicklung
erforderliche Wissen und die Erkenntnisse erlangen
wollen. Unsere Schulen und Colleges benötigen
Informationen über die fundamentalen Lebenssysteme
sowie die verschlungenen Beziehungen zwischen
Zivilisation und Natur. Noch größere Anstrengungen
sind für die Aufklärung der Öffentlichkeit erforderlich,

*

AMERIKA DIENST 09

die die zahlreichen Elemente nachhaltiger Entwicklung
versteht. Die neuen Bildungs- und Kommunikationstechnologien werden zur Bewältigung dieser Herausforderung beitragen, aber es gibt keinen Ersatz für
engagierte Studien von Menschen aller Altersgruppen.
Damit wir nicht unsere Kinder ihrer Zukunft berauben,
müssen wir klarstellen, daß tragfähige Entwicklung
eine echte Herausforderung und unglaubliche Chance
ist. Wir müssen unter Beweis stellen, daß Hoffnung
und harte Arbeit die Gegenpole zu Angst vor Wandel
und Widerstand dagegen sind. Wir müssen den
großen Herausforderungen mit erneuter Kreativität und
der mächtigen Kraft der Erfindungsgabe begegnen.
Wir müssen die Diskussion verlagern - von einer, die
häufig wissenschaftliche Themen als Hindernis zu
Wegen der Vergangenheit brandmarkt, zu einer, die
sie als Chancen für neue Ideen, neue Produkte und
eine bessere Lebensqualität für die Zukunft sieht.

* * *

*

Seite 3

�TELEKOMMUNIKATION
2. Mai 1996

Liberalisierung des globalen
Telekommunikationshandels
von Reed Hundt

WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser des nachfolgenden Artikels ist Vorsitzender der amerikanischen
Bundesbehörde für das Fernmeldewesen (Federal Communications Commission - FCC).

Das Thema dieser vom US-Informationsamt (United
States Information Agency - USIA) herausgegebenen
Erstausgabe des elektronischen Journals könnte nicht
aktueller sein. Der Handel mit Dienstleistungen ist
einer der wichtigsten Motoren der Weltwirtschaft.
Dienstleistungen bilden einen großen und zunehmenden Bestandteil aller entwickelten Volkswirtschaften,
und Telekommunikationsdienste sind ein bedeutendes
und rasch wachsendes Segment des Dienstleistungssektors der Weltwirtschaft. Aus diesem Grund erklärte
Renato Ruggiero, der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (World Trade Organization WTO), die Verhandlungsgruppe für grundsätzliche
Telekommunikationsdienste (Negotiating Group on
Basic Telecommunications - NGBT) sei die wichtigste
Aktivität der WTO.
Natürlich sind die Telekommunikationsdienste ein
wachsender Sektor der Volkswirtschaft, weil sie für
viele andere Sektoren von Bedeutung sind - sowohl
Güter- als auch Dienstleistungsindustrien. Die Finanzdienstleistungen, juristischen Dienstleistungen und die
Luftfahrtindustrie - um nur einige zu nennen - hängen
zur Erfüllung des Bedarfs ihrer Kunden maßgeblich
von zuverlässigen, finanzierbaren Telekommunikationsdienstleistungen ab. Entsprechend greift die
Fertigungsindustrie auf Telekommunikationsdienstleistungen für die jeweiligen Stationen des Produktionsprozesses zurück, von Produktgestaltung bis zur
Produktverteilung, Verkauf und Wartung. Und natürlich hat auch die explosionsartige Zunahme des
verfügbaren Inhalts - einschließlich Unterhaltung,
Unternehmensinformation und Unterrichtsmaterial das Wachstum der Telekommunikationsdienste
beschleunigt.

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Es gibt jedoch noch einen anderen Grund, warum
grundsätzliche Telekommunikationsdienste so rasch
zunehmen, und das ist der globale Trend zur Liberalisierung grundsätzlicher Telekommunikationsdienste.
In den Vereinigten Staaten gibt es seit vielen Jahren
Wettbewerb bei zahlreichen Bereichen der Telekommunikationsdienste - vor allem bei Fernmelde- und
internationalen Telekommunikationsdienstleistungen.
Im letzten Jahrzehnt konnten wir eine dramatische
Zunahme an Telekommunikationsgesellschaften, bei
den von diesen Gesellschaften angebotenen Dienstleistungen und beim auf ihren Netzen abgewickelten
Fernmeldeverkehr insgesamt beobachten. Gleichzeitig sind die Preise beträchtlich gefallen. In der Tat
hat AT&amp;T - noch immer die größte Gesellschaft für
Fern- und Auslandsgespräche - seit der Aufhebung
des Monopols mehr als ein Drittel ihres Marktanteils
verloren. Die Gesellschaft hat darauf mit einer maßgeblichen Senkung ihrer Gebühren reagiert. Das
Ergebnis ist, daß AT&amp;T heute höhere Bruttoeinnahmen
und höhere Gewinne verzeichnet als vor dem Wettbewerb - vor allem, weil die Nutzung des Netzes der
Gesellschaft so stark zugenommen hat.
Der Erfolg des Wettbewerbs hat den Appetit nach
mehr Wettbewerb angeregt.
Die amerikanische
Bundesbehörde für das Fernmeldewesen FCC
unterstützte verschärften Wettbewerb bei drahtlosen
Telekommunikationsdienstleistungen, dem am schnellsten wachsenden Segment der Telekommunikationsindustrie, indem sie Hunderte von Lizenzen zur
Versteigerung anbot, um eine neue Generation von
Funkdienstleistungen bereitzustellen. Ferner öffnete
die FCC im November letzten Jahres den amerikanischen Markt für alle Nationen, indem sie neue

Seite 1

�Vorschriften über den Zugang ausländischer Unternehmen zum US-Markt erließ.

markte aller großen Handelsnationen der Welt für
freien und fairen Wettbewerb öffnen.

Am wichtigsten ist, daß Präsident Clinton dieses Jahr
das historische neue Telekommunikationsgesetz
unterzeichnete, das von beiden Häusern des Kongresses nahezu einstimmig angenommen wurde.
Diese neue Gesetzgebung dient als Entwurf für die
Einführung weiteren Wettbewerbs in alle Bereiche der
Kommunikationsindustrie. Meine Kollegen in der FCC
und ich arbeiten bereits hart an Vorschriften, die
Telefongesellschaften die Bereitstellung von Videodiensten und Kabelgesellschaften von Telekommunikationsdiensten gestatten, die örtlichen Unternehmen
das Anbieten von Fernmeldediensten und Fernmeldegesellschaften die Bereitstellung örtlicher Dienstleistungen erlauben. Und schließlich werden diese
neuen Bestimmungen der amerikanischen Öffentlichkeit ermöglichen, die Früchte all diesen Wettbewerbs
zu genießen.

Natürlich habe ich als für das Telekommunikationswesen Verantwortlicher noch weitere Pflichten als die
bloße Gewährleistung funktionierender Märkte. Das
neue Telekommunikationsgesetz der Vereinigten
Staaten macht sehr deutlich, daß das herkömmliche
Ziel universeller Dienstleistungen weiterhin im Vordergrund der amerikanischen Telekommunikationspolitik
steht. Ferner bekräftigt das Telekommunikationsgesetz auch die amerikanische Erfahrung, daß
Wettbewerb der beste Weg zur Gewährleistung
universeller Dienstleistungen ist. In den Vereinigten
Staaten - und auf jedem anderen liberalisierten
Telekommunikationsmarkt der Welt - hat Wettbewerb
universelle Dienstleistungen gefördert, nicht behindert.
Ein konkurrenzfähiger Telekommunikationsmarkt
schafft Anreize für die Gesellschaften, die Informationsinfrastruktur auszubauen. Faire Investitions- und
Wettbewerbsregeln werden die innovativsten Unternehmer aus jeder Nation ermutigen, allen Völkern
moderne
Telekommunikationsdienstleistungen

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin führend bei der
weltweiten Revolution der Telekommunikationsdienste,
aber die Woge der Liberalisierung erfaßt eindeutig die
ganze Welt. In Europa, Asien, Lateinamerika praktisch überall auf der Welt - haben die Regierungen
erkannt, daß diese boomende Industrie von Wettbewerb lebt.
Aus diesem Grund hat Renato Ruggiero Recht, wenn
er auf die große Bedeutung der Arbeit der NGBT
hinweist. Wenn diese Verhandlungen erfolgreich sind,
werden sie auf einen Schlag die Telekommunikations-

anzubieten.
Daher rufe ich meine Kollegen in den Kommunikationsministerien auf der ganzen Welt dazu auf, gemeinsam
mit uns die globale Informationsinfrastruktur aufzubauen. Die vor dem Abschluß stehenden Verhandlungen der WTO bieten hierzu die beste Gelegenheit
und werden sicherstellen, daß eine immer globalere
Industrie von wirklich globalem Wettbewerb profitiert.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 09

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