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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
3. April 1996

07

HAUSHALT

CLINTON: AUSGLEICH DES BUNDESHAUSHALTS IN SIEBEN JAHREN
Haushaltsvorlage des Präsidenten

AUSSENPOLITIK

DER HAUSHALT FÜR INTERNATIONALE
ANGELEGENHEITEN
Rede von Außenminister Christopher

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DEUTSCHLAND
UND ISRAEL - EIN GEMEINSAMES
SCHICKSAL
von J.D. Bindenagel

USA-DEUTSCHLAND

DIE ZUKUNFT DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
von J.D. Bindenagel

ABRÜSTUNG

RATIFIZIERUNG DER CHEMIEWAFFENKONVENTION IM FRÜHJAHR ANGESTREBT
Anhörung von Verteidigungsminister Perry

NAHER OSTEN

UNHCR SOLL FRIEDENSPROZESS
UNTERSTÜTZEN
Rede von Botschafterin Ferraro

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�HAUSHALT

3. April 1996

Clinton: Ausgleich des Bundeshaushalts
in sieben Jahren
Haushaltsvorlage des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Bei der Vorlage seines Haushaltsentwurfs für das am 1. Oktober beginnende Fiskaljahr
1997 gab Präsident Clinton seine Absicht bekannt, mit einem Ausgleich des Bundeshaushalts innerhalb von
sieben Jahren auf der starken wirtschaftlichen Bilanz der Vereinigten Staaten aufzubauen.
Bei gleichzeitiger Kürzung der Ausgaben zur freien Verfügung sei seine Haushaltsvorlage eine "Investition in die
Zukunft" für Bildung und Ausbildung, Technologie und Umweltschutz, so der Präsident.
Darüber hinaus zielt Clintons Haushaltsentwurf auf eine Reform des Sozialwesens sowie Steuererleichterungen
für Amerikaner mit mittlerem Einkommen und mittelständische Unternehmen ab.
Nachfolgend veröffentlichen wir die dem Haushaltsplan beiliegende Botschaft des Präsidenten.

An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Der Haushalt 1997, den ich Ihnen mit dieser Botschaft
übersende, bautauf der starken wirtschaftlichen Bilanz
der Vereinigten Staaten mit einem Ausgleich des
Bundeshaushalts innerhalb von sieben Jahren bei
gleichzeitigen weiteren Investitionen in das amerikanische Volk auf.
Der Haushaltsentwurf sieht Kürzungen bei unnötigen
und weniger wichtigen Ausgaben vor und schützt die
älteren Mitbürger, Arbeitnehmerfamilien und Kinder. Er
reformiert die Sozialhilfe, damit sich Arbeit bezahlt
macht, und räumt Amerikanern mit mittlerem Einkommen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen Steuervergünstigungen ein.
Vor drei Jahren traten wir das Erbe einer Wirtschaft an,
die unter kurz- und langfristigen Problemen litt Problemen, die durch die Wirtschafts- und Finanzpolitik der vorherigen 12 Jahre geschaffen und verschärft wurden.
Auf kurze Sicht war das Wirtschaftswachstum langsam, und es wurden wenige Arbeitsplätze geschaffen.
Das Haushaltsdefizit, das Anfang der achtziger Jahre

AMERIKA DIENST 07

zu explodieren begann, stieg in unerschwingliche
Höhen.
Auf längere Sicht hatte sich die Produktivität seit
Anfang der siebziger Jahre verlangsamt und infolgedessen stagnierte oder sank der Lebensstandard für
die meisten Amerikaner. Gleichzeitig vergrößerte sich
die Kluft zwischen Armen und Reichen.
In den vergangenen drei Jahren haben wir haushaltspölitische und andere wirtschaftliche Maßnahmen
eingeführt, die den Kurs der Volkswirtschaft grundlegend veränderten - zum Guten. Wir haben stärkeres
Wachstum, niedrigere Zinssätze, stabile Preise,
Millionen neuer Arbeitsplätze, Exporte in Rekordhöhe,
geringere private und Unternehmensverschuldung
sowie einen höheren Lebensstandard geschaffen.
In Zusammenarbeit mit dem letzten Kongreß haben wir
1993 ein Wirtschaftsprogramm verabschiedet, das
besser als alle unsere Prognosen das Wachstum
ankurbelte und das Defizit abbaute. Wir haben das
Defizit um nahezu die Hälfte reduziert, von 290
Milliarden Dollar im Jahr 1992 auf 164 Milliarden Dollar
1995. Als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts
haben wir das Defizit in drei Jahren um mehr als die

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�Hälfte verringert und es damit auf den niedrigsten
Stand seit 1979 gebracht.

Erarbeitung eines Abkommens erzielt. Wir sind zu weit
gekommen, um diese Chance zu vergeuden.

Bei gleichzeitiger Kürzung der Ausgaben zur freien
Verfügung haben wir die Ressourcen für Investitionen
in die Zukunft umgeleitet. Mit zunehmend an Qualifikationen gebundenen Löhnen und Gehältern haben wir
klug in Bildung und Ausbildung investiert, um den
Amerikanern beim Erwerb der Voraussetzungen
behilflich zu sein, die sie für die hochbezahlten Arbeitsplätze von morgen benötigen. Wir investierten darüber
hinaus auch vornehmlich in Wissenschaft und Technologie, die im gesamten Verlauf der Geschichte unserer
Nation ein starker Motor für Wirtschaftswachstum

Ein ausgeglichener Haushalt würde die Zinssätze für
alle Amerikaner senken, einschließlich der jungen
Familien im ganzen Land, die ihr erstes Haus kaufen
wollen. Er würde auch Mittel auf den Privatmärkten
freisetzen, mit denen Unternehmen in Fabriken und
Gerät oder die Ausbildung ihrer Arbeitnehmer investieren könnten.

Für Amerikaner, die kaum Geld für die Erziehung ihrer
Kinder und das Nötigste zum Leben haben, soll sich
Arbeit bezahlt machen. Wir haben den Einkommensteuerfreibetrag erhöht und Steuervergünstigungen für
15 Millionen Arbeitnehmerfamilien eingeführt. Und wir
haben 37 Bundesstaaten die Freiheit eingeräumt,
Wege zu sondieren, damit Menschen bei gleichzeitigem Schutz ihrer Kinder nicht länger von Sozialhilfe abhängig sind.
Während die Wirtschaft immer globaler wird, hängt der
Wohlstand zu Hause hauptsächlich von der Öffnung
ausländischer Märkte für amerikanische Waren und
Dienstleistungen ab. Vor diesem Hintergrund haben
wir Gesetze zur Umsetzung des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens und des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens erlassen und über 80 weitere
Handelsabkommen geschlossen.
Unter unserer
Führung sind die Exporte auf Rekordhöhe gestiegen.
Mit diesen Maßnahmen haben wir den Weg zu einer
Zukunft mit tragfähigem Wirtschaftswachstum, niedrigen Zinssätzen, stabilen Preisen und mehr Chancen
für Amerikaner aller Einkommensschichten geebnet.
Aber unsere Arbeit ist noch nicht getan.
Beim Blick in die Zukunft müssen wir - wie ich vor
kurzem in meinem Bericht zur Lage der Nation feststellte - drei grundlegende Fragen beantworten: Wie
können wir den Amerikanischen Traum zur Realität für
alle Amerikaner werden lassen, die dafür zu arbeiten
bereit sind? Wie bewahren wir unsere althergebrachten und beständigen Werte auf dem Weg in die
Zukunft? Und wie meistern wir diese Herausforderungen gemeinsam, als ein Amerika?
Die Haushaltsvorlage spricht diese Fragen an.
Schaffung eines Zeitalters der Chancen
Ich habe mich zur Beendigung des von uns 1993 in
Angriff Genommenen verpflichtet - dem Haushaltsausgleich. Bei unseren Verhandlungen mit den Kongreßabgeordneten haben wir große Fortschritte bei der

Seite 2

Wir müssen den Haushalt jedoch auch in der richtigen
Weise ausgleichen - indem wir unnötige oder weniger
wichtige Ausgaben kürzen, in die Zukunft investieren,
ältere Mitbürger und Arbeitnehmerfamilien, Kinder und
andere schwächere Mitglieder der Gesellschaft
schützen sowie Steuererleichterungen für Amerikaner
mit mittlerem Einkommen und mittelständische Unternehmen einführen.
Mein Haushalt tut das. Er stärkt Medicare und Medicaid, von denen Millionen ältere Mitbürger, Behinderte
und einkommensschwache Amerikaner abhängig sind.
Er reformiert die Sozialhilfe. Er kürzt andere Titel. Und
er nimmt tiefe Einschnitte bei den Ausgaben zur freien
Verfügung vor.
Aber bei gleichzeitiger Kürzung der frei verfügbaren
Ausgaben investiert meine Haushaltsvorlage in
Bildung und Ausbildung, die Umwelt, Wissenschaft und
Technologie, Strafverfolgung und andere Prioritäten,
um eine bessere Zukunft für alle Amerikaner aufzubauen. Wir sollten mehr für das ausgeben, was wir
benötigen, und weniger für das, was wir nicht benötigen.
Projektion der amerikanischen Führungsrolle
Weltweit leben wir in einer Zeit großer Chancen und
Herausforderungen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges blickt die Welt auf die Vereinigten Staaten für
eine Führungsrolle. In der Annahme, daß dies eindeutig in unserem besten Interesse liegt, dürfen wir
uns nicht abwenden.
Mein Haushaltsplan sieht die erforderlichen Ressourcen zur Förderung der strategischen Interessen der
Vereinigten Staaten, der Umsetzung unserer Außenpolitik, Öffnung von Märkten im Ausland und Unterstützung amerikanischer Exporte vor. Er stellt auch die
Mittel zur Bewältigung der sich abzeichnenden globalen Bedrohungen bereit, die an die Stelle des Kalten
Krieges als Hauptgrund für Besorgnis getreten sind regionale, ethnische und nationale Konflikte, die
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen,
internationaler Terrorismus und Verbrechen, Drogenhandel und Umweltzerstörung.
Auf diplomatischer Ebene konnten wir zahlreiche und
erfreuliche Erfolge verzeichnen, die die Welt zu einem

AMERIKA DIENST 07

�sichereren und stabileren Ort gemacht haben. Dank
unserer Führungsrolle tragen wir dazu bei, Frieden
nach Bosnien und in den Nahen Osten zu bringen, und
wir haben Fortschritte in Nordirland herbeigeführt. Wir
haben auch die Bewegung zu Demokratie und freien
Märkten in Rußland und Zentraleuropa ermutigt und
erfolgreich internationale Bestrebungen zur Entschärfung der nuklearen Bedrohung durch Nordkorea
angeführt.
Auf militärischer Ebene haben wir unsere Truppen dort
stationiert, wo sie einen effektiven Beitrag leisten
können und wo es in unserem Interesse lag, Stabilität
durch Beendigung des Blutvergießens (wie in Bosnien)
und Leidens (wie in Ruanda) zu fördern. Wir haben
auch den Einsatz von Gewalt zur Lockerung von
Spannungen angedroht, wie zur Amtsenthebung einer
unwillkommenen Diktatur in Haiti und im Falle des Irak,
als das Land erneut in Kuwait einzumarschieren
drohte.
Dieser Haushalt sieht die Mittel zur Unterhaltung und
Modernisierung der stärksten, am besten ausgebildeten, am besten ausgerüsteten und einsatzbereitesten Streitmacht der Welt vor. Damit unterstützen wir weiterhin die Soldaten und ihre Familien mit
einer Verbesserung der Lebensqualität, während wir
die Beschaffung der neuen Technologien planen, die
Ende dieses Jahrzehnts verfügbar sein werden.
Schaffung von Chancen und Übernahme von
Verantwortung
Die Bundesregierung kann nicht - im Alleingang - die
meisten Probleme lösen und die meisten Herausforderungen ansprechen, mit denen wir uns als Volk
konfrontiert sehen. In manchen Fällen muß sie eine
Führungsrolle übernehmen - sei es, um die Gesundheitsfürsorge für die sozial Schwachen zu übernehmen, den Zugang zu Bildung und Ausbildung zu
verbessern, in Wissenschaft und Technologie zu
investieren, die Umwelt zu schützen oder die Steuerbelastung fairer zu gestalten. In anderen Fällen muß
sie eine partnerschaftliche Rolle spielen - mit den
Bundesstaaten, Kommunen, gemeinnützigen Gruppen,
Kirchen und Synagogen, Familien und Einzelpersonen
zusammenarbeiten, um die Gemeinden zu stärken,
damit Arbeit sich bezahlt macht, um die öffentliche
Sicherheit zu wahren und die Qualität der Bildung zu
verbessern.
Zur Wiederherstellung der amerikanischen Gemeinschaft sieht der Haushalt Investitionen in den nationalen Sozialdienst vor, in dessen Rahmen dieses
Jahr 25.000 Amerikaner bei der Lösung von Problemen in Gemeinden helfen und sich dabei Geld für
weiterführende Bildung oder zur Zurückzahlung von
Ausbildungsförderung verdienen. Wir wollen mehr
Ermächtigungszonen und Unternehmensgemeinschaften ins Leben rufen, um wirtschaftliche Entwick-

AMERIKA DIENST 07

lung zu fördern und die Chancen für die Bewohner
benachteiligter städtischer und ländlicher Gebiete zu
erhöhen. Wir wollen den Fonds der Finanzinstitutionen
für die Gemeindeentwicklung aufstocken, um Gemeinden Kredite und andere Dienstleistungen anbieten
zu können. Mit demselben Ziel vor Augen wollen wir
das Amt für Wohnungswesen und städtische Entwicklung in eine Behörde umwandeln, die sich besser für
die Bewältigung örtlicher Erfordernisse eignet. Und wir
wollen unsere Beziehungen zu den Indianern in
unserem Land aufrechterhalten sowie die wichtigen
Dienstleistungen, die wir ihnen anbieten.
Bei der Gesundheitsfürsorge besteht unsere Herausforderung in der Verbesserung des bereits bestehenden und überwiegend erfolgreichen Systems und nicht
in der Aufkündigung von Deckungszusagen, von
denen Millionen sozial schwacher Amerikaner abhängig sind. Mein Haushaltsentwurf stärkt Medicare und
Medicaid und garantiert ihren weiteren Bestand. Bei
Medicare unterstützt er den Treuhandfonds für Teil A,
bietet älteren und behinderten Bürgern mehr Wahlmöglichkeiten, gestaltet das Programm effizienter und
stärker auf die Bedürfnisse der Empfänger zugeschnitten. Bei Medicaid räumt er den Bundesstaaten mehr
Flexibilität bei der Verwaltung ihrer Programme ein und
bewahrt gleichzeitig die Garantie einer Gesundheitsfürsorge für die sozial schwächsten Amerikaner, hält die
derzeitigen Qualitätsstandards für Pflegeheime
aufrecht und schützt auch weiterhin die Ehepartner
von Pflegeheimbewohnern vor der Verarmung. Mein
Haushaltsentwurf sieht Reformen zur Verbesserung
des Zugangs zu privater Krankenversicherung und
ihrer Finanzierung vor sowie Hilfen für diejenigen, die
ihren Arbeitsplatz verloren haben, damit sie weitere
sechs Monate die Prämien für ihre private Versicherung bezahlen können. Ferner beabsichtige ich
Investitionen in verschiedene öffentliche Gesundheitsdienstleistungen, beispielsweise das Ryan WhiteProgramm zur Unterstützung von AIDS-Kranken sowie
Aktivitäten im Forschungs- und Gesetzgebungsbereich
zur Förderung der öffentlichen Gesundheit.
Da das amerikanische Sozialwesen krankt, haben wir
hart an der Verbesserung der Bereiche gearbeitet, die
keiner Aktionen des Kongresses bedürfen. Beispielsweise haben wir 37 Bundesstaaten die Möglichkeit
eingeräumt, Wege zu sondieren, um Sozialhilfeempfänger ohne Nachteile für ihre Kinder wieder in die
Arbeitswelt einzugliedern. Und wir kassieren Rekordsummen an Unterhaltszahlungen von Vätern. Aber
jetzt benötige ich die Hilfe des Kongresses. 1993
erhöhten wir gemeinsam den Einkommensteuerfreibetrag für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien und
belohnten dadurch Arbeit statt Abhängigkeit von
Sozialhilfe. Jetzt wird durch meinen Haushaltsentwurf
das Sozialversicherungssystem überholt, indem ein
Zeitrahmen für Bargeldzahlungen sowie strenge
Arbeitsanforderungen festgesetzt werden. Und ich
strebe eine parteiübergreifende Verabschiedung von

Seite 3

�Gesetzen an, die Arbeit und die Übernahme von
Verantwortung fordern, Kinder schützen und angemessene Mittel für die Versorgung und Ausbildung
der Kinder bieten.

Technologie abhängigen Behörden sowie für gemeinsame Projekte mit Universitäten und Industrie, beispielsweise den im Rahmen des Hochtechnologieprogramms geschlossenen Partnerschaften.

Bildung und Ausbildung werden in zunehmendem
Maße der Schlüssel zu einem höheren Lebensstandard. Obwohl die Amerikaner eindeutig wünschen,
daß die Bundesstaaten und Kommunen bei der
Bildung eine führende Rolle übernehmen, muß die
Bundesregierung wichtige Unterstützung bieten - von
der Finanzierung der Vorschule, in der Kinder auf das
Lernen vorbereitet werden, bis zur Verbesserung des
Zugangs zu Colleges und Umschulungseinrichtungen.
Mein Haushaltsentwurf sieht eine Fortsetzung der
hohen Investitionen vor, die Amerikanern die für gute
Arbeitsplätze erforderlichen Qualifikationen geben.
Neben meinen laufenden Investitionen schlägt der
Haushaltsentwurf einen Fonds für die Förderung von
technologischem Wissen vor, um die Vorteile der
Technologie in die Klassenzimmer zu bringen, ein
Stipendium in Höhe von 1.000 Dollar für die besten 5
Prozent unter den Absolventen jeder High School und
mehr Schulgründungen, damit Eltern, Lehrer und
Gemeinden öffentliche Schulen schaffen können, die
den Bedürfnissen ihrer Kinder entsprechen.

Im Bereich der Verbrechensbekämpfung muß die
Bundesregierung mit den Bundesstaaten und Gemeinden bei einigen Problemen zusammenarbeiten
und bei anderen eine Führungsrolle übernehmen. Zur
Unterstützung der Gemeinden investieren wir weiterhin
in das Programm "Bürgernahe Polizei", um 100.000
weitere Streifenpolizisten einzustellen. Wir helfen den
Bundesstaaten beim Bau neuer Gefängnisse, bei der
Durchsetzung des Brady-Gesetzes, damit Verbrecher
keine Handfeuerwaffen kaufen dürfen, sowie beim
besseren Umgang mit dem Problem jugendlicher
Gangs. Auf Bundesebene führen wir den Kampf zur
Unterbindung des Drogenschmuggels in unser Land
und zur Verbesserung der Behandlung Drogenabhängiger. Wir vergrößern unsere Anstrengungen
zur Sicherung der Grenzen gegen illegale Einwanderung und helfen gleichzeitig bei der Bestreitung der
Kosten solcher Einwanderung für den Staat.

Wir Amerikaner können stolz darauf sein, daß wir im
Laufe der letzten 25 Jahre unter der Leitung von
Präsidenten aus beiden Parteien unsere Umwelt
gesäubert haben. Aber unsere Arbeit ist noch nicht
beendet, da noch viele Amerikaner verschmutzte Luft
atmen oder unsauberes Wasser trinken. Mein Haushalt setzt unsere Suche nach Lösungen für unsere
Umweltprobleme fort, ohne die Unternehmen über
Gebühr zu belasten oder unnötige Verordnungen zu
verhängen. Wir stellen die notwendigen Gelder bereit,
um die Programme des Umweltschutzamtes durchzuführen, unsere Parks und Wälder zu schützen,
meinen Plan zur Renaturierung der Florida Everglades
umzusetzen, sowie für meine Initiative "Braunes Feld"
zur Sanierung verlassener, verseuchter Industriegebiete in benachteiligten städtischen und ländlichen
Gemeinden. Und wir setzen die Umstrukturierung des
Prozesses zum Erlaß von Vorschriften fort, indem wir
mit den Unternehmen zusammenarbeiten, anstatt sie
wie Gegner zu behandeln.
Angesichts der essentiellen Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für unsere wirtschaftliche
Zukunft, unsere nationale Sicherheit und das Wohlergehen unseres Volkes sieht mein Haushaltsentwurf
eine Fortsetzung unserer Investitionen auf diesem
entscheidenden Gebiet vor. Zu diesem Zweck bitte ich
den Kongreß, meinen verschiedenen Gesuchen
nachzukommen - für Grundlagenforschung im medizinischen Bereich beim Nationalen Gesundheitsamt, für
Grundlagenforschung und Bildung bei der National
Science Foundation, für Forschung an anderen, zur
Erfüllung ihrer Aufgaben von Wissenschaft und

Seite 4

Für viele Familien besteht natürlich das größte Problem oftmals darin, die Rechnungen zu bezahlen.
Mein Haushalt sieht Steuererleichterungen für Amerikaner mit mittlerem Einkommen sowie für kleine und
mittelständische Unternehmen vor. Er bietet einen
Einkommensteuerfreibetrag für jedes Kind unter 13
Jahren, einen Nachlaß für Collegegebühren sowie
erleichterten Zugang zu den Rentenkassen des
einzelnen, um Familien beim Sparen für die Zukunft
und der Bezahlung von Collegegebühren, beim
Hauskauf, im Falle von Arbeitslosigkeit oder bei
medizinischer Behandlung und Pflegefällen Beistand
zu leisten. Für mittelständische Unternehmen sieht er
mehr Steuererleichterungen bei Investitionen vor und
erleichtert die Einrichtung einer Rentenversicherung.
Ferner soll Selbständigen der Abschluß einer Krankenversicherung erleichtert werden, indem diese steuerlich absetzbar wird.
Eine funktionierende Regierung
Diese Prioritäten werden wir mit einer schlankeren
Regierung verfolgen, die effizient arbeitet, klugen
Gebrauch von den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln
macht, sich auf Ergebnisse statt nur auf Ausgaben
konzentriert und dem amerikanischen Volk bessere
Dienstleistungen anbietet. Durch die Umstrukturierung
der Regierung unter der Führung von Vizepräsident
Gore machen wir echte Fortschritte beim Aufbau einer
Regierung, die "besser funktioniert und weniger
kostet".
Wir haben die Zahl der Bundesbediensteten um
200.000 verringert und somit die kleinste Mitarbeiterzahl seit 30 Jahren, die den geringsten Anteil an der
gesamten Erwerbsbevölkerung seit dem New Deal

AMERIKA DIENST 07

�stellt. Wir sind dem Zeitplan zur Streichung von
272.900 Stellen - wie im von mir unterzeichneten
Gesetz über die Umstrukturierung des Regierungsapparats - voraus.
Ebenso wichtig ist, daß die Regierung besser funktioniert.
Behörden wie die Sozialversicherungsverwaltung, die Zollbehörde und das Amt für Veteranen
bieten ihren Kunden weitaus bessere Dienstleistungen
an. In der gesamten Regierung nutzen die Behörden
die Informationstechnologie zur Bereitstellung von
weitaus effektiveren Dienstleistungen für mehr Menschen.

Hämmer, Aschenbecher und andere kleine Artikel, die
man in den Geschäften vor Ort billiger kaufen kann.
Mit Blick in die Zukunft planen wir eine engere Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten und Kommunen,
mit Unternehmen und Einzelpersonen sowie mit
Regierungsbediensteten, um unsere Bestrebungen auf
die Verbesserung von Dienstleistungen für das
amerikanische Volk zu konzentrieren. Unter der
Leitung des Vizepräsidenten setzen die Behörden
immer höhere Standards für die Bereitstellung schnellerer und besserer Dienstleistungen.
Schlußbemerkung

Wir verringern die Gesetzeslast weiter und stellen
sicher, daß unsere Vorschriften zweckdienlich sind
und keine unnötige Belastung für Unternehmen und
Steuerzahler darstellen. Wir schaffen in der gesamten
Regierung 16.000 Seiten mit Verfügungen ab, und die
Behörden verbessern ihre Verfahren zum Erlaß von
Bestimmungen.

Unsere Tagesordnung funktioniert. Wir haben das
Haushaltsdefizit beträchtlich reduziert, die Wirtschaft
gestärkt, in unsere Zukunft investiert und die Regierung verkleinert, während wir gleichzeitig ihr Dienstleistungsangebot für das amerikanische Volk verbessert haben.

Zusätzlich modernisieren wir das staatliche Beschaffungswesen, damit die Regierung kostengünstiger
bessere Waren vom Privatsektor kaufen kann. Die
Regierung zahlt nicht länger überhöhte Preise für

Jetzt haben wir die Chance, auf unseren Erfolgen
aufzubauen, indem wir den Haushalt auf die richtige
Art und Weise ausgleichen. Wir sollten diese Chance
nicht verpassen.

*

AMERIKA DIENST 07

* * * *

Seite 5

�AUSSLNPOLITIK
3. April 1996

Der Haushalt für internationale Angelegenheiten
Rede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von US-Außenminister Warren Christopher am 27.
März 1996 vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Operationen im Ausland
gehaltene Rede über den Haushalt für internationale Angelegenheiten im Finanzjahr 1997.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Es ist
mir eine Freude, erneut vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Operationen im
Ausland sprechen zu dürfen. Ich sehe Konsultationen
mit Ihnen zu Beginn der neuen Haushaltsgespräche
erwartungsvoll entgegen.
Bei dem von uns heute zu erörternden Haushalt geht
es um sehr viel mehr als Dollar oder Cents. Er stellt
den Kongreß vor eine grundlegende Entscheidung.
Werden wir die Interessen des amerikanischen Volkes
fördern und die amerikanische Führungsrolle in der
Welt aufrechterhalten? Oder werden wir die bereits
erzielten Fortschritte unterminieren und die vor uns
liegenden Chancen verpassen?
Werden wir uns in Regionen von elementarer Bedeutung weiterhin für Frieden und Sicherheit einsetzen
oder die Bedrohungen ignorieren, bis sie unsere
Küsten erreichen? Werden wir die nach dem Zweiten
Weltkrieg geschaffenen Bündnisse und Institutionen
bewahren oder unseren Verpflichtungen den Rücken
kehren und uns selbst keine andere Option lassen, als
uns zukünftigen Krisen alleine zu stellen? Werden wir
neuen Bedrohungen die Stirn bieten, die keine Grenzen respektieren, oder unseren Kindern eine Welt
hinterlassen, die von nuklearer Weiterverbreitung,
Terrorismus und Umweltkrisen gekennzeichnet ist?
Präsident Clinton hat seine Entscheidung getroffen. Er
hat die zentrale Lektion dieses Jahrhunderts verstanden - daß Amerika eine Führungsrolle übernehmen muß. Das ist auch die Lektion der vergangenen
drei Jahre. Betrachten Sie sich, was wir durch unsere
Führungsrolle erreicht haben.

Wir beendeten den todbringenden Krieg in Bosnien
und beseitigten die Bedrohung für Sicherheit und
Stabilität im Herzen Europas, die er darstellte. Wir
setzten dem Zustrom haitianischer Flüchtlinge an
unseren Küsten ein Ende und gaben dieser Nation
eine Chance zur Schaffung von Demokratie und
Wohlstand. Wir erzielten die unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und verpflichteten mehr als 100 Länder, niemals
Nuklearwaffen zu bauen. Atomraketen in der ehemaligen Sowjetunion sind nicht länger auf amerikanische
Städte gerichtet.
Das nordkoreanische Nuklearprogramm befindet sich auf dem Weg der Verschrottung. Und unsere Wirtschaftsdiplomatie hat einen
Exportboom hervorgerufen und mehr als eine Million
hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze geschaffen.
Amerika stand an der Seite derjenigen, die um des
Friedens willen mutig Risiken eingingen. Wir halfen
Israel und seinen arabischen Nachbarn, historische
Fortschritte zu einem umfassenden Frieden zu erzielen. Wir halfen den Menschen in Nordirland bei der
Annäherung an eine gerechte und dauerhafte Lösung.
Und nach den feigen Terroranschlägen der vergangenen Wochen stand Präsident Clinton an der Seite der
Friedensstifter.
Die außenpolitischen Errungenschaften dieser Administration waren möglich, weil wir ohne Zögern die
Führungsrolle übernahmen. Unsere Investitionen
zahlen sich für das amerikanische Volk aus. Unsere
Nation ist sicherer. Unsere Wirtschaft ist stärker. Und
unsere Werte sind im Kommen.
Das durch diese Art von Führungsstärke Erreichte
kann nicht umsonst erhalten werden - wenn wir das

AMERIKA DIENST 07

Seite 1

�amerikanische Volk nicht verändern wollen. Wir
können uns zur Projektion unserer Führungsrolle auch
nicht allein auf militärische Stärke verlassen - wenn wir
nicht die ganze Zeit unser Militär einsetzen wollen.
Das würde viele Dollar und Menschenleben kosten,
die wir nicht verschwenden können.
Der Haushalt für internationale Angelegenheiten ist
jedoch seit 1984 real um 51 Prozent geschrumpft.
Unser Gesuch für 1997 in Höhe von 19,2 Milliarden
Dollar, davon 12,8 Milliarden von diesem Unterausschuß, liegt unter dem vom letzten Jahr. Es erzielt das
bestmögliche Gleichgewicht zwischen unseren beiden
übergeordneten Zielen - Verfolgung unserer nationalen
Interessen und Erzielung eines Haushaltsausgleichs
innerhalb von sieben Jahren. Es ist das absolute
Minimum für eine Außenpolitik, die unser Land schützt
und die amerikanische Führungsrolle aufrechterhält.
Ich möchte näher darauf eingehen, wie unser Haushalt
uns in diesem Jahr und danach bei der Bewältigung
von drei Herausforderungen helfen wird: Streben nach
Frieden und Stabilität in Regionen von lebenswichtigem Interesse, Begegnung transnationaler Sicherheitsbedrohungen sowie Förderung von offenen
Märkten und Wohlstand.
Streben nach Frieden und Sicherheit
Zunächst möchte ich die Schlüsselregionen ansprechen, in denen wir den Frieden anstreben. In
jeder einzelnen schafft unser Beistand nicht nur
Sicherheit, sondern bewirkt auch die Hilfe unserer
Freunde und Verbündeten bei der Erlangung unserer
gemeinsamen Ziele.
Vor zwei Wochen bekräftigte Präsident Clinton bei
seinem Besuch in Ägypten und Israel die von den
Vereinigten Staaten beim Nahostfriedensprozeß
übernommene führende Rolle. Der Anti-Terror-Gipfel
in Scharm-el-Scheich brachte 29 führende Politiker
aus der ganzen Welt zusammen. Er demonstrierte
dramatischer als je zuvor, daß Israel jetzt in der
Region Partner hat, die sich gemeinsam mit diesem
Land dem Terrorismus entgegenstellen. Und der
Besuch des Präsidenten in Israel zeigte den Menschen
dort erneut, daß die Vereinigten Staaten sich dafür
einsetzen, ihnen den für die Erlangung von Frieden
und Sicherheit erforderlichen moralischen und materiellen Beistand zukommen zu lassen.
Jetzt müssen wir gemeinsam handeln. Morgen und
am Freitag werden in Washington Experten zur
Vorbereitung von Empfehlungen zusammentreffen, die
sie den Ministern vorlegen, damit die beim Gipfel
getroffenen Entscheidungen zügig und wirksam
umgesetzt werden.
Wir sind entschlossen zum Einsatz aller uns zur
Verfügung stehenden Instrumente, um den Terroris-

Seite 2

mus zu bekämpfen und die Feinde des Friedens zu
besiegen. Die israelische Regierung arbeitete mit uns
an der Identifizierung wichtiger Maßnahmen für den
Kampf gegen Terrorismus, deren Kosten sich auf
insgesamt 100 Millionen Dollar belaufen. Ich bitte Sie,
unverzüglich dem Ersuchen des Präsidenten für
zusätzliche 50 Millionen Dollar in diesem Jahr nachzukommen, die mit durch eine niedrige Inflationsrate
bedingten Einsparungen aus dem Haushalt des
Verteidigungsministeriums ausgeglichen werden. Die
Gelder sollen helfen, die vordringlichen Bedürfnisse
Israels zu decken, darunter Bombensuchgeräte und
Durchleuchtungseinrichtungen. Ferner werden wir die
Ausbildung und technische Zusammenarbeit mit Israel
zur Bekämpfung von Terrorismus erweitern.
Mit derselben Entschlossenheit, die wir aufbrachten,
um beim Anti-Terror-Gipfel den größten je dagewesenen Konsens gegen den Terrorismus zu schmieden,
werden wir den Parteien bei der Suche nach einem
dauerhaften und umfassenden Frieden beistehen.
Unser neuer Haushalt sieht 5,25 Milliarden Dollar zur
Unterstützung unserer Bestrebungen an diesem für
den Friedensprozeß entscheidenden Moment vor - das
schließt unsere fortgesetzten Investitionen in die
Sicherheit und Wirtschaftsentwicklung Israels und
Ägyptens ein, die Anker für Frieden und Stabilität in der
Region sind. Unsere Unterstützung für Jordanien wird
dem Land helfen, seine wichtigsten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Erfordernisse anzusprechen, während es um des Friedens willen
Risiken eingeht. Unser Antrag in Höhe von 75 Millionen Dollar für das Westjordanland und den Gazastreifen wird den palästinensischen Behörden helfen, die
ihrer Kontrolle unterstehenden Gebiete zu verwalten,
den Palästinensern die konkreten Vorteile des Friedens vor Augen führen, die durch den Terrorismus
verursachte Armut lindern und zur Mobilisierung
zusätzlicher Unterstützung durch die internationale
Staatengemeinschaft beitragen.
Herr Vorsitzender, in die vergangene Woche fiel der
90. Tag der NATO-Mission in Bosnien. Unsere
Truppen haben ihre erste entscheidende Herausforderung bewältigt, den Rückzug der Kriegsparteien
von den Frontlinien zu überwachen, an denen sie vier
Jahre lang kämpften und starben. Jeder Amerikaner
kann stolz auf die von unseren Soldaten und Diplomaten übernommene Rolle sein, die diesen Erfolg
ermöglicht hat. Wer von Ihnen in Bosnien war, weiß,
welch herausragende Arbeit unsere Leute unter
äußerst schwierigen Umständen leisten.
Wir sind jetzt in eine neue, heikle Phase der Operation
eingetreten. Das Morden in Bosnien hat aufgehört,
aber Frieden im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es
noch nicht. Unsere heutige Herausforderung besteht
darin, den Menschen in Bosnien bei der Aufnahme des
Wiederaufbauprozesses zu helfen. Sie besteht in der
Einrichtung einer zivilen Polizeitruppe. Sie besteht

AMERIKA DIENST 07

�darin, die durch das Abkommen von Dayton geschaffenen politischen Institutionen mit Leben zu erfüllen. Sie
besteht darin, die der Greueltaten Schuldigen vor den
Richter zu bringen.
Bei all diesen Fragen haben wir vergangene Woche in
Genf und Moskau Fortschritte erzielt. Die Parteien
stimmten einer Zusammenarbeit mit der IFOR beim
Umgang mit Bedrohungen und Gewalt in den Gebieten
zu, die unter dem Abkommen übertragen werden.
Serbien und Kroatien erklärten sich bereit, drei der
Kriegsverbrechen Verdächtigte an das Kriegsverbrechertribunal zu übergeben. Die Parteien in Bosnien
kamen überein, die restlichen Kriegsgefangenen
freizulassen und die für freie und faire Wahlen Ende
des Jahres - dem nächsten wichtigen Meilenstein auf
dem Weg zu Frieden - erforderlichen Grundregeln zu
akzeptieren.
Die Hauptverantworung für diese
Aufgaben tragen die Parteien. Aber ohne internationale Hilfe können die zivilen Bestrebungen keinen
Erfolg haben, und der Frieden wird nicht von Dauer
sein.
Die von uns letzten Dezember angekündigte Hilfe hat
die Bosnier bereits beim Wiederaufbau ihrer Häuser
unterstützt, Brennmaterial und Kleidung für den Winter
bereitgestellt und kurzfristige Beschäftigung herbeigeführt. Durch die Militärhilfe, die wir für dieses und
das kommende Jahr fordern, werden neue, zuverlässige Polizisten ausgebildet, Straßen und Felder in
Bosnien abgegrenzt und kleine Unternehmenskredite
gewährt, die den demobilisierten Soldaten den Übergang zum Frieden erleichtern sollen. Unser Gesuch
wird auch dazu beitragen, eine ständige Wahlkommission einzurichten, damit nach dem Abzug der Friedenstruppe IFOR freie Wahlen gewährleistet sind.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Diese Arbeit
kann, sollte und wird von den Vereinigten Staaten nicht
allein geleistet werden. Unser Antrag für zusätzliche
200 Millionen Dollar in diesem Jahr wird ein Mehrfaches dieser Summe aus Europa, dem Nahen Osten
und Asien sowie von der Weltbank und dem IWF
freisetzen. Wenn unser Nachtragsgesuch jedoch nicht
bis zum 12. April angenommen wird, übernehmen
unsere Partner vielleicht nicht ihren Part, und der
Friedensprozeß könnte in Gefahr geraten. Daher ist
es zwingend erforderlich, daß sich der Kongreß vor
der Frühjahrspause mit dieser Vorlage befaßt.
Herr Vorsitzender, diese Hilfe ist eine kleine Investition,
um ein Wiederaufflammen des Krieges in Bosnien zu
verhindern. Nachdem wir so weit gekommen sind und
so viel investiert haben, dürfen wir das von uns
Erreichte nicht gefährden, indem wir diese Mittel
verweigern.
Die Teilnahme so vieler mittel- und osteuropäischer
Länder an der IFOR stellt den Wert der Partnerschaft
für den Frieden (PFF) unter Beweis, in deren Rahmen

AMERIKA DIENST 07

sie seit zwei Jahren mit den Streitkräften der NATO
üben und planen. Ohne ihre Beteiligung und die
logistische Unterstützung, die Länder wie Ungarn den
amerikanischen Truppen gewährten, könnte die
internationale Koalition zur Wiederherstellung des
Friedens in Bosnien nicht existieren. Die Zusammenarbeit innerhalb der IFOR sowie im Rahmen der
Partnerschaft für den Frieden bereitet auch den Weg
interessierter Nationen zu einer NATO-Mitgliedschaft
vor. Die 60 Millionen Dollar, die wir von diesem
Unterausschuß für die PFF beantragen, sind entscheidend zum Erhalt dieses erfolgreichen neuen
Elements europäischer Sicherheit.
Unser Einsatz für den Frieden in Bosnien und im
Nahen Osten wurde auch durch unsere Zusammenarbeit mit Rußland gefördert. Wir setzen unsere
Kooperation ebenfalls in anderen, für unsere Sicherheit
entscheidenden Bereichen fort. Wir haben bereits
einen massiven Abbau des Nuklearwaffenarsenals
erreicht und die Sicherheit von Nuklearmaterial erhöht.
Vergangene Woche in Moskau machten wir wichtige
Fortschritte bei unseren gemeinsamen Bestrebungen
zum Abschluß eines Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot in diesem Jahr. Ferner bereiteten wir
die Tagesordnung für den Moskaubesuch des Präsidenten im April zur Teilnahme am Nukleargipfel der
P-8 sowie für seine Zusammenkunft mit Präsident
Jelzin vor.
Natürlich haben wir auch weiterhin bedeutende
Differenzen, beispielsweise hinsichtlich des Krieges in
Tschetschenien, der NATO-Erweiterung sowie der
nuklearen Zusammenarbeit Rußlands mit dem Iran.
Die uns konfrontierende Herausforderung besteht
darin, bei Übereinstimmung unserer Interessen
zusammenzuarbeiten und mit unseren Differenzen
offen und konstruktiv umzugehen.
Obwohl pluralistische Wahlen und marktwirtschaftliche
Prinzipien in Rußland zunehmend Realität werden, ist
der Reformprozeß großen Belastungen ausgesetzt.
Die Menschen in Rußland müssen bei den Präsidentschaftswahlen im Juni eine wichtige Entscheidung
treffen - ein Wettstreit, bei dem die Vereinigten Staaten
neutral sind und sein sollten. Unsere Aufgabe besteht
in der Förderung freier und fairer Wahlen sowie
fortgesetzter politischer und wirtschaftlicher Reformen.
Das Grundprinzip ist klar: Unsere Hilfe trägt zur
Stärkung der demokratischen Institutionen Rußlands
und der Stützen einer Marktwirtschaft bei, in der drei
Viertel aller russischen Unternehmen sich in der einen
oder anderen Form in privater Hand befinden. Der
Großteil unserer Hilfe geht jetzt an Privatorganisationen und Kommunalregierungen. Sie konzentriert sich
auf konkrete Ziele wie Reaktorsicherheit, Entwicklung
klarer steuerlicher Bestimmungen und Unterstützung
freier Medien.

Seite 3

�Angesichts der bislang erzielten Fortschritte, der
neuen Reformbestrebungen in den anderen Neuen
Unabhängigen Staaten sowie unserer haushaltspolitischen Realitäten ist die Hilfe der Vereinigten
Staaten an Rußland seit 1994 stark gesunken.
Rußland wird nur 173 der 640 Millionen Dollar erhalten, die wir für die Neuen Unabhängigen Staaten
beantragt haben. Wo wir Chancen zur Konsolidierung
wichtiger Fortschritte sehen, erhöhen wir die Finanzhilfe. Die im Haushalt für internationale Angelegenheiten für die Ukraine bereitgestellten Gelder übersteigen
die für Rußland vorgesehenen. Die Ukraine ist derzeit
unser viertgrößter Hilfsempfänger, was die bei wirtschaftlichen und politischen Reformen von diesem
Land erzielten Fortschritte sowie unser Engagement
für seine Sicherheit und Prosperität widerspiegelt.
Unser Gesuch für das SEED-Programm zur Unterstützung der osteuropäischen Demokratien läßt im
Hinblick auf die Region Optimismus anklingen - die
Tschechiche Republik, Estland und Lettland haben
"ihre Prüfung bestanden". Jetzt, da die Tschechische
Republik Mitglied der OECD ist und andere bald folgen
werden, hat diese Hilfe ihr Ziel erreicht und ist nicht
länger vonnöten.
In Haiti gestattete Präsident Clintons Politik eines
entschlossenen und geduldigen Engagements es den
amerikanischen Truppen, friedlich in das Land zu
kommen und es rechtzeitig wieder zu verlassen. Die
letzten amerikanischen Soldaten werden am 15. April
abziehen, und Kanada erklärte sich bereit, eine
Nachfolgeoperation der UNO zu leiten. In den letzten
anderthalb Jahren hat sich die Sicherheits- und
Menschenrechtssituation dramatisch verbessert. Die
Amtseinführung Präsident Prevals im vergangenen
Monat war für Haiti die erste friedliche Übergabe der
Macht von einer gewählten Regierung zur nächsten.
Beim Besuch Prevals vergangene Woche erörterten
wir die enormen Herausforderungen, die Armut,
Gewalt und Unterentwicklung noch für das haitianische
Volk darstellen sowie die Notwendigkeit für Haiti,
grundlegende Wirtschaftsreformen und den Privatisierungsprozeß fortzusetzen. Die Kosten dafür,
dem haitianischen Volk bei einer Reform des Justizwesens, der Ausbildung von Polizisten sowie der
Verbesserung des Gesundheits- und Bildungswesens
zu helfen, sind bescheiden im Vergleich zu den Kosten
der Konsequenzen einer Diktatur. Unsere Hilfe wird
zur Konsolidierung der jüngsten Fortschritte beitragen
und gewährleisten, daß wir unser Ziel eines stabilen
Haitis erlangen, das den Menschen im eigenen Land
ein gutes Leben bieten kann.
In Nordirland hat die Bevölkerung die Entscheidung wie Präsident Clinton es formulierte - "Für Dialog statt
Teilung und für Hoffnung statt Angst" getroffen. Die
Vereinigten Staaten müssen ihr weiterhin zur Seite
stehen. Präsident Clintons persönlicher Einsatz und

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die überparteiliche Unterstützung dieses Kongresses
haben dazu beigetragen, Allparteiengespräche in
greifbare Nähe zu rücken und Investitionen des
Privatsektors ermutigt, die den Menschen in Nordirland
Arbeitsplätze und Hoffnung bringen. Unsere Diplomatie und wirtschaftliche Unterstützung sind entscheidender als je zuvor, um den Weg zu einer gerechten und
dauerhaften Lösung zu ebnen.
Ostasien ist natürlich eine weitere Region, an der wir
ein elementares Interesse bei der Bewahrung von
Frieden und Stabilität haben. Durch unsere militärische und diplomatische Präsenz haben wir Peking
gegenüber die gravierenden Konsequenzen klargemacht, die sich aus dem Einsatz von Gewalt zur
Lösung der Taiwan-Frage ergeben würden. Wir haben
gehandelt, um das Risiko einer Fehleinschätzung zu
verringern und unser Interesse an der friedlichen
Beilegung der Probleme zwischen der Volksrepublik
China und Taiwan verdeutlicht - ein Schlüsselfaktor
unserer seit langem verfolgten Politik eines China. Wir
beglückwünschen das Volk von Taiwan zu seiner
historischen demokratischen Umgestaltung.
Wir
begrüßen die öffentlichen Erklärungen dieser Woche
aus Peking und Taipeh, in denen der Bereitschaft
Ausdruck verliehen wurde, die Differenzen zwischen
den beiden Ländern friedlich und unmittelbar durch die
Wiederaufnahme ihres Dialogs anzusprechen.
Herr Vorsitzender, wir haben weiter ernsthafte Meinungsverschiedenheiten mit China und verfolgen
entschlossen die amerikanischen Interessen bei
Nichtverbreitung und Menschenrechten. Weil wir
beispielsweise bei Menschenrechten keine Fortschritte
beobachten konnten, arbeiten wir in dieser Frage mit
der Europäischen Union bei der UN-Menschenrechtskommission zusammen.
Es gibt noch eine Reihe von Themen, bei denen
unsere Zusammenarbeit mit China unerläßlich ist. In
der Tat haben wir erfolgreich mit China beim Exportverbot für ballistische Raketen, der Einstellung des
nordkoreanischen Nuklearprogramms, der Herbeiführung des Friedens in Kambodscha, der Rückführung
illegaler Einwanderer und der Bekämpfung des
Drogenhandels kooperiert.
Der beste Weg zur
Verfolgung unserer Interessen ist für uns eine konsequente Politik des langfristigen Engagements. In
diesem Geiste werde ich mit dem Vizepremier und
Außenminister Quian Qichen am 19. April in den
Niederlanden zusammenkommen, um sowohl unsere
Belange anzusprechen als auch unsere Zusammenarbeit voranzubringen.
Inangriffnahme transnationaler Sicherheitsbedrohungen
Wie ich bereits ausführte, sehen wir uns auch mit der
Herausforderung konfrontiert, die Amerikaner vor
transnationalen Sicherheitsbedrohungen zu schützen.

AMERIKA DIENST 07

�In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im Oktober
vergangenen Jahres unterstrich Präsident Clinton, daß
Weiterverbreitung,
Terrorismus,
internationales
Verbrechen, Drogen und Umweltzerstörung alle
Nationen in dieser interdependenten Welt bedrohen.
Wir müssen weiterhin auf die Eindämmung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hinarbeiten - der gravierendsten potentiellen Bedrohung
für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten.
Präsident Clinton wird beim Nukleargipfel kommenden
Monat in Moskau auf zusätzliche Schritte zur Eindämmung der Weiterverbreitung, Verbesserung der
nuklearen Sicherheit und Beendigung der Umweltzerstörung drängen.
Aufbauend auf unserem Erfolg bei der Erlangung der
unbegrenzten und bedingungslosen Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags im vergangenen Jahr ist ein
weiterer Meilenstein in Sicht: Der Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot. In der letzten Woche
bin ich mit den Hauptunterhändlern in Genf zusammengetroffen und freue mich berichten zu können, daß
echte Fortschritte zum Abschluß eines Vertrags erzielt
werden, den Präsident Kennedy vor 35 Jahren als
erster befürwortete. Unser Ziel ist die rechtzeitige
Verabschiedung des Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot zur Unterzeichnung in diesem Jahr.
Eine der wichtigsten Leistungen dieser Administration
war das Einfrieren des nordkoreanischen Nuklearprogramms. Seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und
der Demokratischen Volksrepublik Korea im Oktober
1994 wurden die nordkoreanischen Nukleareinrichtungen unter effektiver Überwachung der internationalen Atomenergie-Organisation eingefroren. Die
Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel (Korean Peninsula Energy Development
Organization - KEDO), bei deren Einrichtung zur
Umsetzung des Rahmenabkommens wir beteiligt
waren, hat beträchtliche Fortschritte erzielt.
Im
Dezember vergangenen Jahres unterzeichneten die
KEDO und die Demokratische Volksrepublik Korea ein
weitreichendes Abkommen, um Leichtwasserreaktoren
für Nordkorea bereitzustellen und es der IAEO zu
ermöglichen, die Inspektionen von nicht eingefrorenen
Nukleareinrichtungen wiederaufzunehmen.
Dieser
Haushaltsantrag geht von der Finanzierung der KEDO
aus - einer notwendigen Investition zur Sicherung
dieser Errungenschaften sowie der Beiträge von
Südkorea und Japan, die unsere eigenen in den
Schatten stellen.
Die Bestrebungen von Paria-Staaten wie Irak, Iran und
Libyen zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen müssen ebenfalls unterbunden werden. Die
Nachricht, daß UN-Inspektoren das biologische
Waffenprogramm des Irak aufdeckten, ist erschrekkend. Es ist jetzt klar, daß Saddam Hussein im Besitz

AMERIKA DIENST 07

biologischer Waffen war und kurz davor stand, sie im
Golfkrieg gegen Zivilisten einzusetzen. In der vergangenen Woche verlieh der Hauptinspekteur der Vereinten Nationen für die Aufdeckung des Waffenprogramms des Irak seiner Besorgnis Ausdruck, daß
der Irak selbst fünf Jahre nach seiner Niederlage im
Golfkrieg immer noch mehr als ein Dutzend Raketen
mit biologischen Gefechtsköpfen versteckt haben
könnte. Dies ist eine weitere Mahnung, daß Saddam
Hussein sein Streben nach der Beschaffung von
Terrorwaffen nicht aufgegeben hat und die Sanktionen
aufrechterhalten werden müssen - und wir in unserer
Unterstützung der wichtigen Arbeit der IAEO im Irak
und auf der ganzen Welt nicht nachlassen dürfen. Es
ist ebenfalls eine Mahnung, daß wir die Chemiewaffenkonvention noch in diesem Jahr ratifizieren müssen.
Darüber hinaus müssen wir uns verschärft auf die
Bekämpfung internationaler Verbrecher, Terroristen
und Drogenhändler konzentrieren. Die Ernennung von
General Barry Mccaffrey zum Leiter unserer Suchtstoffbekämpfungskampagne durch den Präsidenten
wird unsere Bestrebungen im In- und Ausland intensivieren - einschließlich der Beschlagnahme von
Drogen. Meine Reise nach Lateinamerika und in die
Karibik im vergangenen Monat markierte bedeutende
Entwicklungen in unserer Zusammenarbeit mit den
karibischen Nationen bei der Drogenbekämpfung. In
Trinidad unterzeichneten wir das erste einer Reihe von
Abkommen, die engere Zusammenarbeit bei amerikanischen Drogenbekämpfungsoperationen vorsehen.
Wir sind absolut entschlossen, Drogenschmuggel an
der Quelle zu stoppen, Kuriere abzufangen und zu
verhindern, daß diese Drogen in die Vereinigten
Staaten gelangen.
In diesem Jahr beantragen wir beträchtlich mehr Mittel,
als im vergangenen Jahr für Ausbildungsprogramme
von Strafverfolgungsbeamten
in
Lateinamerika,
Zentraleuropa und den Neuen Unabhängigen Staaten
bewilligt wurden, sowie eine bescheidene Aufstockung
der Mittel für unsere globalen Hilfsprogramme zur
Terrorismusbekämpfung. Wir werden unsere Programme zum Anbau von Getreide anstelle von Cocapflanzen und unsere Unterstützung aus der Luft in den
Anden verbessern. Und wir werden unsere Bestrebungen zur Eindämmung des Heroinschmuggels in
Süd- und Südostasien erweitern.
Diese Administration widmet der internationalen
Dimension des Umweltschutzes in diesem Jahr
vermehrte Aufmerksamkeit. Wir haben die Zusammenarbeit beim Umweltschutz mit unseren globalen
Partnern verbessert und sie ermutigt, weitere Schritte
zum Erhalt von Ressourcen zu unternehmen. Unsere
gemeinsamen Tagesordnungen mit Japan, Brasilien
und Indien sind gute Beispiele dafür, wie wir unsere
Diplomatie zur Förderung eines breiten Spektrums von
Interessen einsetzen, die so grundlegend sind wie die
Gesundheit unserer Bürger und so komplex wie das

Seite 5

�Überleben des gesamten Ökosystems. Im vergangenen Monat habe ich ein Forschungsinstitut am Amazonas besucht, das gemeinsam von der Smithsonian
Institution und der brasilianischen Regierung geleitet
wird, und dessen Forschung auf den Schutz der
Artenvielfalt sowie die Erfindung von Produkten mit
großem kommerziellen Wert ausgerichtet ist.
1996 integriert das amerikanische Außenministerium
erstmals in vollem Umfang Umweltziele in unsere
tägliche Diplomatie. Wir nutzen Umweltinitiativen
besser zur Förderung unserer längerfristigen strategischen und wirtschaftlichen Ziele.
Beispielweise
ermutigen wir gemeinsame Wasserprojekte im Nahen
Osten und helfen unseren Umweltindustrien bei der
Erlangung eines größeren Anteils des globalen
Marktes in Höhe von 400 Milliarden Dollar. Und mit
unserem Beitrag von 100 Millionen Dollar zur globalen
Umweltfazilität unterstützen wir Bestrebungen zum
Schutz der Ozonschicht, schützen Amerikaner vor
Hautkrebs sowie vom Aussterben bedrohte Arten.
Unsere Programme zur Eindämmung der Bevölkerungsexplosion und für tragfähige Entwicklung können
definitiv etwas bei der Bewältigung der Bedrohungen
für unseren Wohlstand und die globale Stabilität
bewirken. Unser Antrag in Höhe von 3,8 Milliarden
Dollar beinhaltet Programme des Amts für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) und freiwillige Beiträge zu internationalen
Organisationen, die Wirtschaftswachstum fördern.
Meinungsumfragen zu diesen wichtigen Themen
belegen, daß viele Amerikaner ihr Land als großzügigen Spender ansehen - so großzügig, wie wir in den
Tagen des Marshallplans waren, als immerhin 16
Prozent unseres Haushalts für Auslandshilfe aufgewandt wurden. Aber heute stehen die Vereinigten
Staaten an letzter Stelle unter den Industrienationen
mit nur 0,1 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für
Auslandshilfe. Das sollte kaum Anlaß zu Stolz in einer
Zeit sein, in der so viele der Länder, die unsere Hilfe in
der Vergangenheit empfangen haben, unsere größten
Handelspartner geworden sind. Der Wert unserer
Exporte nach Lateinamerika war beispielsweise allein
im Jahr 1994 doppelt so hoch wie in den vergangenen
44 Jahren.
Unsere Hilfe für Afrika muß aufrechterhalten werden,
insbesondere zu einer Zeit, in der viele Länder Fortschritte bei der Stabilisierung ihrer Volkswirtschaften
erzielen und sich auf dem Weg zu Demokratie befinden. Unser Haushaltsantrag für Afrika in Höhe von
704 Millionen Dollar wird wichtige Bestrebungen auf
Gebieten unterstützen, die von demokratischer
Regierungsführung bis zur Stabilisierung des Bevölkerungswachstums reichen. Unsere auf die Länder in
Afrika und andernorts ausgerichtete Hilfe soll auch
rechenschaftspflichtige Regierungen stärken, die
Menschenrechte respektieren. Basierend auf unserer

Seite 6

Überzeugung, daß Demokratie und Entwicklung Hand
in Hand gehen, verbessern unsere Bestrebungen im
Rahmen von AID und anderen Programmen die
Aussichten für offene Gesellschaften und offene
Märkte, die Stabilität und Wohlstand für ihre Bürger
bieten.
Von unserer humanitären Hilfe profitieren nicht nur die
von uns geimpften drei Millionen Kinder pro Jahr,
sondern auch die Tausenden von Katastrophenopfern,
für die wir Unterkunft, Kleidung und Nahrungsmittel
bereitstellen. Es liegt ferner im Interesse der Vereinigten Staaten, Forschung zu Infektionskrankheiten
wie Ebola und Malaria zu betreiben und diese zu
behandeln. Wir sind auch daran interessiert, Flüchtlingen so bald wie möglich die Rückkehr in ihre Heimat
zu ermöglichen.
In diesem Jahr haben wir eine Aufstockung der Mittel
beantragt, um unsere Beiträge zu multilateralen
Entwicklungsbanken wieder in voller Höhe leisten zu
können. Wie Sie wissen, sind unsere Beiträge für die
Banken unerläßlich als Ausgleich der Beiträge anderer
Nationen für die Bank. Darüber hinaus führen die
Vereinigten Staaten die Bestrebungen der G-7 zur
Reformierung der multilateralen Banken an, um sie
effizienter und effektiver zu machen. Man sollte sich
vor Augen führen, daß amerikanische Unternehmen
mehr Verträge über die multilateralen Entwicklungsbanken bekommen als jede andere Firma eines
Landes. Wir können die Vorteile dieser Reformen für
die amerikanischen Interessen nicht genießen, wenn
wir nicht unsere Verantwortung übernehmen.
Förderung von offenen Märkten und Wohlstand
Diese Administration mißt der Schaffung von Arbeitsplätzen für Amerikaner im Inland durch die Öffnung
von Märkten im Ausland höchste Priorität bei. Wir
bauen Handels- und Investitionshemmnisse am Pazifik
durch die APEC, am Atlantik durch die Europäische
Union und auf dem amerikanischen Kontinent durch
den Miami-Prozeß ab.
Unsere bilateralen Verhandlungen zeitigen ebenfalls
Ergebnisse, darunter 20 Abkommen zur Marktöffnung
mit Japan. Unsere Exporte nach Japan steigen jetzt
fünfmal schneller als die Importe. In diesem Jahr heißt
unsere Losung Umsetzung - die Gewährleistung, daß
diese Handelsvereinbarungen und -abkommen neue
Chancen für amerikanische Unternehmen und konkurrenzfähige Arbeitnehmer eröffnen.
Die Unterstützung amerikanischer Unternehmen im
Ausland erfordert konstante und sorgfältige Aufmerksamkeit seitens unserer Diplomaten in Washington
und vor Ort von Singapur bis Santiago. Sie bedingt die
Finanzierung von Vertretungen und Personal im
Ausland sowie von Programmen und Werbekampagnen. Sie kann nicht mit Teilzeitkräften in einer Welt

AMERIKA DIENST 07

�der 24-Stundenmärkte und Vollzeit-Exportförderung
durch unsere Konkurrenten geleistet werden.

Privatsektor benötigen unsere Mitarbeiter Ressourcen,
um ihre Arbeit leisten zu können.

In diesem Jahr beantragen wir 639 Millionen Dollar zur
Förderung von Handels- und Investitionsmöglichkeiten
für amerikanische Unternehmen durch die ExportImport Bank, die Entwicklungsgesellschaft OPIC sowie
das Amt für Handel und Entwicklung. Ihre Programme
finanzieren Exporte amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, stellen Kredite für Märkte mit höherem Risiko wie in den Neuen Unabhängigen Staaten
bereit und erleichtern Infrastrukturprojekte für amerikanische Firmen auf den großen aufstrebenden Märkten
in Europa, Asien und Lateinamerika. Und sie unterstützen amerikanische Exporte in einer Größenordnung von 15-20 Milliarden Dollar sowie bis zu
300.000 amerikanische Arbeitsplätze.

Ohne die Plattformen, die unsere Botschaften anderen
Bundesbehörden und dem Außenministerium zur
Verfügung stellen, könnten wir keine Terroristen
verfolgen. Wir könnten nicht die Lage religiöser
Minderheiten in Osteuropa beobachten oder von
Amerikanern, die irgendwo auf der Welt als Geisel
gefangengehalten werden. Wir könnten keine Tropenkrankheiten dort bekämpfen, wo sie ausbrechen. Wir
könnten keine neuen Chancen für amerikanische
Unternehmen eröffnen.

Ein vernünftiger Handel, den das amerikanische
Volk unterstützen kann
Herr Vorsitzender, bei dieser Anhörung habe ich
mehrfach die absolut vitale Bedeutung unserer
Vertretungen auf der ganzen Welt und der Menschen
angesprochen, die dort arbeiten. Ich habe häufig
gesagt, daß unsere Diplomaten unsere erste Verteidigungslinie sind. In den vergangenen Wochen habe ich
Mitarbeitern Auszeichnungen verliehen, die eine
Botschaft in einer Kriegszone öffneten, einen Botschafter sicher aus einem Hinterhalt fuhren und traurigerweise - an die Familie eines Mannes, der in
dem Bestreben sein Leben ließ, Frieden nach Bosnien
zu bringen. Ihr Dienst verkörpert die Vereinigten
Staaten von ihrer besten Seite. Aber ebenso wie im

*

AMERIKA DIENST 07

Diejenigen, die sich unseren Verpflichtungen entziehen
und unsere Führungsrolle aufgeben wollen, legen
einen Mangel an Wertschätzung für das an den Tag,
was Amerika in den vergangenen 50 Jahren geleistet
hat, und einen Mangel an Vertrauen, daß unsere
großartige Nation die Zukunft gestalten kann. Aber
genau ein solcher Rückzug würde durch weitere
Kürzungen unserer Mittel bewirkt.
Mit acht Zehnteln von einem Prozent unseres nationalen Haushalts, die wir von diesem Unterausschuß
beantragen, gestalten wir die Außenpolitik dieser
großartigen Nation, um die Erfordernisse unserer
Nation zu erfüllen und Sicherheit, Wachstum und
Führung für das nachte Amerikanische Jahrhundert
gewährleisten zu können. Das ist ein vernünftiger
Handel, den meiner Ansicht nach jeder Amerikaner
unterstützen kann.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 7

�AUSSENPOLITIK
3. April 1996

Die Vereinigten Staaten, Deutschland und Israel ein gemeinsames Schicksal
von J.D. Bindenagel

JERUSALEM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 11. März 1996 in Jerusalem gehaltene
Rede.

Guten Morgen. Ich danke Ihnen für die Einladung,
erneut vor diesem erlesenen Publikum eine Rede
halten und Ihnen meine Gedanken zu den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Deutschland
und Israel vermitteln zu dürfen. Natürlich werde ich
mich in meiner derzeitigen Funktion als Gesandter der
Amerikanischen Botschaft in Bonn auf das konzentrieren, was ich am besten kenne - Deutschland und
die deutsch-amerikanischen Beziehungen - und die
Feinheiten der deutsch-israelischen Beziehungen
meinen Amtskollegen überlassen. Die Vorbereitung
auf meine heutigen Ausführungen bot mir jedoch eine
ausgezeichnete Gelegenheit, die faszinierende
Komplexität der Bande zu erforschen, die uns drei
verbinden.
Die Ereignisse des letzten Jahrzehnts waren wirklich
historisch. Der Kalte Krieg ist vorüber und damit
verschwand die sowjetische Bedrohung. Die Welt ist
jedoch immer noch ein gefährlicher Ort, und Frieden
und Wohlstand werden noch immer durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Nuklearschmuggel und Terrorismus bedroht.
Sie hier in Jerusalem wissen besser als andere, wie
gefährlich die Welt sein kann. Die jüngsten Selbstmordkommandos der Hamas sind eine grauenhafte
Mahnung. Deutschland und die Vereinigten Staaten
sind ebenfalls betroffen. Die weitverbreiteten, politisch
motivierten Brandanschläge auf türkische Geschäfte in
Deutschland dauern an. Bombenanschläge auf das
World Trade Center in New York und auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City haben die Amerikaner aus
ihrer Selbstzufriedenheit gerüttelt, in die sie vielleicht
verfallen waren.

AMERIKA DIENST 07

Wir sind bedroht durch ethnischen Haß, nationalistischen Extremismus und religiösen Fanatismus, der vor
kurzem das Leben eines der größten Verfechter von
Frieden auf der ganzen Welt forderte: Ministerpräsident Rabin.
Diese Kräfte der Zersetzung führen Krieg gegen die
Menschheit. Ebenso wie Kommunismus und Faschismus verbreiten sie Dunkelheit statt Licht. Und ebenso
wie Kommunismus und Faschismus können sie nur
bekämpft werden, wenn freie Völker sich für eine
gemeinsame Sache zusammenschließen.
Unsere drei Nationen - Israel, Deutschland und die
Vereinigten Staaten - sind auf die Bewältigung dieser
Herausforderung gut vorbereitet. Wir sind durch das
verbunden, was ich als unser "gemeinsames Schicksal" bezeichnen möchte - ein auf historische Verbindungen, gemeinsame Werte und gemeinsame Interessen gegründetes Schicksal.
Dieses gemeinsame Schicksal ist vor allem das
Produkt einer von Triumphen und Tragödien durchzogenen Geschichte - einer Geschichte, in die alle drei
Länder eng verstrickt sind. Nichts kann das besser
verdeutlichen als das Leben von Chaim Weizmann. Er
verbrachte einen Großteil seiner Jugend in Deutschland, studierte in Berlin und Freiburg und lebte jahrelang in New York - wo er für die Sache des Zionismus
tätig war - bevor er 1948 der erste Präsident Israels
wurde.
Sein Leben spiegelte drei der herausragenden historischen Entwicklungen des zwanzigsten Jahrhunderts
wider: Den Zusammenbruch der alten europäischen

Seite 1

�Ordnung; die Erfüllung des langgehegten Traumes des
jüdischen Volkes von der Wiederansiedlung in der
Heimat seiner Vorfahren in Palästina, einem Land, das
die Wiege dreier der größten religiösen Traditionen der
Welt ist; und die Rolle der Vereinigten Staaten als
Anführer der internationalen Staatengemeinschaft eine Rolle, die sich infolge des Zusammenbruchs des
europäischen Staatensystems ergab.
Als amerikanischer Diplomat würde ich sagen, die
Geschichte hat uns gelehrt, daß eine engagierte,
aufgeklärte amerikanische Führungsrolle erforderlich
ist. Sie war notwendig, um nach der Katastrophe
zweier Weltkriege das Gleichgewicht in Europa
wiederherzustellen. Sie war notwendig, um Israel in
einer Zeit zu schützen, in der das Land von zutiefst
verfeindeten Nachbarn umgeben war, die von einer
aggressiven Supermacht unterstützt wurden.
Ich habe einen dieser historischen Augenblicke
miterlebt, als die amerikanische Führungsrolle etwas
bewirkte. Vor etwas mehr als sechs Jahren wurde die
Berliner Mauer geöffnet - sie wurde von der gebündelten Macht aufbegehrender Bürger in der erfolgreichsten Revolution der deutschen Geschichte niedergerissen. Als 1989 dieser Augenblick der Wahrheit gekommen war, standen wir - ebenso wie wir es in Israel
seit 1948 getan hatten - an der Seite des deutschen
Volkes bei seinem Streben nach Freiheit und Einheit.
Als die Zeit gekommen war, waren wir dort, um unsere
Verbündeten und Freunde zu unterstützen, weil wir an
die Richtigkeit ihrer Sache glaubten.
Wir taten richtig daran, an der Seite der Deutschen bei
ihrer demokratischen Revolution von 1989 und im
Prozeß der Wiedervereinigung zu stehen. Vor einem
Jahr, beim Staatsakt am 8. Mai 1995 zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, erfaßte
Bundespräsident Herzog das Wesen des neuen
Deutschlands mit den Worten:
"Heute steht die deutsche Demokratie
auf zwei gleich starken Beinen: auf
der geduldigen Aufbauarbeit und der
Lernfähigkeit der Westdeutschen seit
1948 und auf der ostdeutschen Revolution von 1989."
1989 waren jedoch nicht alle der Ansicht, daß ein
vereinigtes Deutschland eine Kraft für Frieden in der
Welt sein würde. Viele fürchteten Deutschland und
sahen im Falle der Wiedervereinigung eine Katastrophe für Europa voraus. Und nach der Wiedervereinigung fürchteten andere, daß der verheerende
Zustand der schwachen und nicht wettbewerbsfähigen
ostdeutschen Wirtschaft den Westen über Gebühr
belasten würde. Einige dachten, das Land könnte das
Opfer von sozialem Chaos oder wiederauflebendem
Extremismus werden.

Seite 2

Diese Ängste erwiesen sich jedoch als unbegründet.
Trotz aller durch die Wiedervereinigung verursachten
tiefgreifenden Veränderungen hat das vereinte und
freie Deutschland meines Erachtens Grund, seinen
Platz in Europa und der Welt mit Stolz zu betrachten.
Der Geist der Demokratie hat dauerhaft Fuß gefaßt.
Die Bundesregierung zieht wieder in ihre historische
Hauptstadt - Berlin. Aber die durch Bonn symbolisierte
Verpflichtung zu gemeinsamen westlichen Werten wird
Bestand haben. Wir sind der Auffassung, daß Berlin in
der Tat nicht nur diese Bonner Tradition fortsetzen,
sondern sie noch durch das Vermächtnis der ostdeutschen Revolution von 1989 bereichern wird.
Seit 1989 hat eine Reihe von Wahlen Deutschlands
Verpflichtung zu Demokratie bestätigt. Angesichts von
Gewaltakten gegen Ausländer demonstrierte das
deutsche Volk Zivilcourage, und das Rechtssystem
brachte die Schuldigen vor Gericht.
Zivilcourage besonderer Art wurde auch von den
Israelis bewiesen, die sich für Toleranz und Verständnis für ihre palästinensischen Nachbarn trotz der
blutigen historischen Bilanz und der andauernden
Provokationen einer extremistischen Minderheit
aussprachen.
Die Vereinigten Staaten sind zuversichtlich, daß
Deutschland nach über einem Jahrhundert der
Konflikte seinen Platz im Zentrum Europas gefunden
hat. Zusammen mit Deutschland haben wir neue
Verbindungen zu den aufstrebenden Demokratien in
Europa geknüpft und uns der Förderung demokratischer Werte auf der ganzen Welt verschrieben.
Ebenso sind die Bande zwischen Deutschland und
Israel noch enger geworden - wie durch den jüngsten
Staatsbesuch von Präsident Ezer Weizman in
Deutschland belegt - auch wenn die Schrecken der
Vergangenheit unvergessen sind. Diese Erinnerung
ist unerläßlich für die Wachsamkeit gegen Rechtsextremismus.
Die Erinnerung an die Tragödie des 20. Jahrhunderts
verkompliziert die deutsch-israelischen Beziehungen.
Aber an der Schwelle zum 21. Jahrhundert sehen wir
hoffnungsvolle Zeichen der Zusammenarbeit für die
Zukunft. Deutschland und Israel teilen eine gemeinsame Geographie trotz der physischen Distanz
zwischen ihnen. Beide Länder liegen im Westen von
Regionen, die enorme soziale, wirtschaftliche und
politische Veränderungen durchmachen - die seit
kurzem befreiten Nationen Zentral- und Osteuropas
auf der einen Seite und der krisengeschüttelte Nahe
Osten auf der anderen.
Beide Länder sind sich ihrer exponierten geopolitischen Lage und der daraus resultierenden Verletzlichkeit sehr wohl bewußt. Beide befinden sich in einem
Prozeß der Aussöhnung - zwischen den beiden

AMERIKA DIENST 07

�Hälften Europas und zwischen Juden und Arabern der die Welt zum Besseren wendet.
Wir in den Vereinigten Staaten - einem Labor für eine
multikulturelle Gesellschaft - wissen Toleranz sehr zu
schätzen und sind uns bewußt, wie schwierig Toleranz
und Versöhnung in der Praxis zu erlangen sind.
Schließlich arbeiten wir seit langem daran. Wir haben
durch Erfahrung gelernt, daß Toleranz und Respektierung der Rechte und Gefühle anderer trotz unvermeidlicher Spannungen die beste Chance für uns alle
bieten, in Frieden zu leben.
Die Diskussion über Toleranz ist ein konstantes
Thema in allen Demokratien. In Deutschland, in Israel,
in den Vereinigten Staaten und überall auf der Welt
müssen wir diejenigen zurückweisen, die mit harten
Worten über Rasse, ethnische Zugehörigkeit und
Religion einen Keil zwischen uns treiben wollen. Ich
bin sicher, daß unsere drei Nationen in dieser Hinsicht
eine gemeinsame Verpflichtung haben.
Über unsere gemeinsamen Werte und historischen
Bande hinaus verbinden uns vordringliche Interessen.
Die Vereinigten Staaten haben beispielsweise elementare Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen in Europa
und im Nahen Osten. In den vergangenen 50 Jahren
haben wir unser Leben, unser Gut und unsere geheiligte Ehre zur Verteidigung Europas und Israels gegen
Aggression eingesetzt. Hier im Nahen Osten ist diese
Gefahr geschwunden. In Europa ist sie im großen und
ganzen verschwunden. Aber in ihrem Gefolge sind
neue Instabilitäten entstanden.
Instabilität ist die größte Gefahr, mit der wir uns heute
konfrontiert sehen. In Europa haben wir mächtige
Instrumente zu ihrer Bekämpfung geschaffen. Das
wichtigste ist die NATO - das erfolgreichste Militärbündnis der Geschichte. Die NATO ist als Sieger aus
der jahrzehntelangen Konfrontation zwischen den
mächtigsten Streitkräften der Geschichte hervorgegangen, ohne einen Schuß abfeuern zu müssen.
Nach diesem Sieg der freien Völker entschied sich das
Bündnis zu seiner Erweiterung, um über ganz Europa
hinweg die Stabilität zu verbessern. Dieser Prozeß
wird den Ländern, die nach Jahrzehnten kommunistischer Diktatur ihre Freiheit wiedergewonnen
haben, die erforderliche Sicherheit geben, um ihre
Volkswirtschaften wiederaufzubauen, ihre innenpolitischen Institutionen zu stärken und Frieden mit
ihren Nachbarn zu schließen.
Die ersten Schritte in diesem Prozeß wurden schon
vor langer Zeit unternommen. Der wichtigste war die
Partnerschaft für den Frieden. Die PFF verändert
bereits das politische und wirtschaftliche Gesicht
Zentral- und Osteuropas.

AMERIKA DIENST 07

In vielen Nationen ist die angestrebte NATO-Mitgliedschaftzum Hauptpunkt der Plattformen aller führenden
politischen Parteien geworden. Länder, die der NATO
beitreten wollen, legten stillschweigend ihre Grenzstreitigkeiten bei und führen den Schutz ethnischer
Minderheiten ein, um Spannungen mit ihren Nachbarn
zu verhindern.
Während dieser Prozeß vorangeht, ist es unerläßlich,
daß wir Rußland nicht isolieren. Wir streben direkte
und offene Beziehungen zu Rußland an, die seine
besondere Position und den Status des Landes
berücksichtigen sowie die Stabilität der anderen seit
kurzem unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion verbessern. Schließlich liegt ein stabiles
und friedliches Europa stark im Interesse Rußlands.
Rußland ist bereits Mitglied der Partnerschaft für den
Frieden. Das Land führt einen intensiven, separaten,
andauernden Dialog mit der NATO. Und am dramatischsten ist, daß seine Streitkräfte gemeinsam mit der
IFOR-Friedenstruppe in Bosnien dienen.
Mit seinem Beitrag zur Schaffung dieser neuen
Strukturen - der Partnerschaft für den Frieden, der
NATO-Erweiterung und einer pragmatischen Partnerschaft mit Rußland - spielt Deutschland gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten eine führende Rolle. Das
Engagement Deutschlands für die NATO ist ungebrochen und konnte die Unterstützung der Deutschen gewinnen, die dem Bündnis gegenüber vorher
skeptisch, wenn nicht sogar feindlich eingestellt waren.
Alle diese Entwicklungen sind vielversprechend. Aber
sie werden durch den Krieg in Bosnien bedroht.
Dieser Krieg bedroht daher unser aller Interessen.
Die Schüsse, die über Sarajevo verhallten, erinnerten
düster an die Anfänge des Ersten Weltkriegs. Auf den
Feldern des Todes und in den Konzentrationslagern
von Bosnien wurden im Herzen Europas die schrecklichsten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wach.
Ohne den entschlossenen Einsatz von Gewalt der
NATO hätte unsere Diplomatie die Parteien nicht an
den Verhandlungstisch gebracht. Ohne die Aussicht
auf eine NATO-Friedenstruppe hätten die Parteien
nicht das Vertrauen gehabt, eine Lösung zu erzielen
und umzusetzen. Bosnien ist bis heute der dramatischste Beweis, daß Amerika weiterhin eine Führungsrolle übernehmen wird.
Bosnien hat auch demonstriert, daß Deutschland im
Einklang mit seiner neugefundenen Souveränität und
Macht in Europa andere Pflichten zu übernehmen
beginnt. Von seiner konstruktiven Rolle in der Kontaktgruppe bis zu der historischen Entscheidung des
Bundestages über die Entsendung deutscher Truppen
als Teil der IFOR hat Deutschland eine Reihe von
Schritten zur Übernahme einer größeren Rolle bei der

Seite 3

�Verteidigung unserer gemeinsamen
Interessen unternommen.

Werte

und

Einige in Deutschland argumentierten, aufgrund der
deutschen Geschichte könne Deutschland keine
Truppen auf den Balkan entsenden. In dieser Debatte
siegte die Erkenntnis, daß die Bundeswehr als Bewahrer des Friedens und Verteidiger der Menschenrechte
eine Rolle spielen muß, über die auf die Aktionen des
Naziregimes zurückzuführenden historischen Vorbehalte. In der Tat ist die Bundeswehr heute in
Bosnien zum Schutz eben der Werte stationiert, die die
Wehrmacht zu zerstören versuchte.
Natürlich ist die Debatte über den legitimen Einsatz
von Gewalt in jeder Demokratie - einschließlich
meiner - normal. Das gilt insbesondere für Deutschland, und diese Diskussion wird bei jedem Bundeswehreinsatz erneut entbrennen.
Wir Amerikaner verstehen, daß Deutschland Zeit
benötigt, um sich an seine neuen Rollen anzupassen
und Entscheidungen zu treffen, dank derer sich das
Land an seinem neuen Platz auf der internationalen
Bühne sicher fühlen kann. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß Deutschland weiterhin in die richtige Richtung
geht.
Wir sehen Deutschland - und Israel - als entscheidende Partner bei der elementaren Aufgabe des Aufbaus
eines transatlantischen Sicherheitssystems, das
Demokratie, freie Märkte und die gemeinsame Sicherheit fördern wird.
Gemeinsame Verantwortung ist die andere Seite der
Medaille eines gemeinsamen Schicksals. Jeder von
uns bringt einzigartige Fähigkeiten in die uns konfrontierenden Probleme ein. Weder Amerika, noch
Deutschland oder Israel können Erfolg haben, wenn
wir nicht alle Erfolg haben.
Wir arbeiten zusammen, um die neuen Grenzen der
Freiheit zu erweitern und zu sichern sowie die Zone
des Friedens auszudehnen - sei es in Bosnien oder im
Westjordanland. Gemeinsam reichen wir Nationen die
Hand der Freundschaft, die mit der Überwindung des
lähmenden Vermächtnisses der Vergangenheit
kämpfen - in Europa, im Nahen Osten und andernorts.
Deutschland hat bei diesen Unternehmungen eine
Führungsrolle übernommen.
Wir begrüßen die
Zusammenarbeit mit Deutschland bei der Bekämpfung
der Weiterverbreitung in der Energieentwicklungsorganisation der koreanischen Halbinsel (Korean
Peninsula Energy Development Organization - KEDO)
- der internationalen Bestrebung zur Eindämmung und
Überwachung der nordkoreanischen Nuklearfähigkeit.
Und natürlich wissen wir Deutschland als verläßlichen
und großzügigen Partner in dieser Region zu schätzen. Sowohl beim Gipfeltreffen von Amman als auch

Seite 4

bei den wichtigen Gesprächen über Wasserrechte hat
Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt.
Entsprechend wünschen wir, daß Deutschland einen
aktiveren Part bei der Entwicklungsbank für den Nahen
Osten übernimmt.
Zusammen mit unseren Verbündeten haben unsere
drei Länder darauf hingearbeitet, Gegner zu Verbündeten und Diktaturen zu Demokratien zu machen. Wir
haben Institutionen aufgebaut, die unsere Sicherheit
und wirtschaftliche Stärke gewährleisteten.
Aber es bleibt noch viel zu tun. Es gibt Bereiche, in
denen wir uns Herausforderungen gegenübersehen,
die wir gemeinsam meistern müssen - die globalen
Herausforderungen der Weiterverbreitung von Waffen
und Terrorismus, die ich eingangs erwähnte. Der Iran
ist ein gutes Beispiel. Das Land ist vielleicht in beiden
Fällen der gravierendste Verletzer. Der Iran ist ein
Fall, bei dem meines Erachtens unsere Werte und
Interessen koinzidieren.
Der Iran hat Maßnahmen ergriffen, die ein Anathem für
alle gesetzestreuen Nationen sind. Der Iran verübt
Terroranschläge, indem er seine Gegner ermordet
sowie palästinesischen Extremisten Material und
politische Unterstützung gewährt, die versuchen, den
Nahost-Friedensprozeß durch Gewalt zu unterminieren. Er unterstützt auch Oppositionsgruppen, die
säkulare Regime in der muslimischen Welt unterwandern wollen. Der Iran versucht, Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme zu beschaffen.
Der Iran unterhält ferner ein regionales Aufrüstungsprogramm, das die Stabilität der gesamten Region
bedroht. Im Inland werden die Rechte der Bürger grob
verletzt.
Die Vereinigten Staaten haben eine besondere
Verantwortung, eine Führungsrolle in der Welt dabei zu
übernehmen, Staaten anzuprangern, die internationalen Normen spotten. Um den Iran einzudämmen,
haben wir ein breites Spektrum politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen angewandt. Unser Embargo
ist ein deutliches Signal für die Welt, daß die Aktionen
des Iran es dem Land unmöglich machen, wie gewohnt
seinen Geschäften nachzugehen.
Obwohl unsere politische Einstellung hinlänglich
bekannt ist, belegen die jüngsten Terroranschläge in
Israel, daß die Isolierung des Iran die beste Politik ist.
Wirtschaftliches Engagement und kritischer Dialog
haben sich als fruchtlos erwiesen.
Die amerikanische Führungsrolle ist entscheidend an
diesem kritischen Punkt des Nahost-Friedensprozesses. Präsident Clinton hat erneut bewiesen, daß er
fähig und willens zu handeln und zu führen ist. Der
Anti-Terrorismus-Gipfel in Scharm-el-Scheich in dieser

AMERIKA DIENST 07

�Woche ist ein äußerst wichtiger Beweis, daß die
Politiker, die auf dem Höhepunkt des Friedensprozesses für ihn eintraten, bereit sind, Seite an Seite zu
stehen und sich der terroristischen Bedrohung des
Friedens zu stellen.
Präsident Clinton hat seine einzigartige Fähigkeit unter
Beweis gestellt, die führenden Politiker der Welt
schnell zusammenzubringen, um den Befürwortern
von Terrorismus und denen des Friedens zu zeigen,
wo die Welt steht.
In diesem wie in anderen Fällen ist die amerikanische
Führungsrolle noch immer vonnöten. Wir sind noch
immer die Schlüsselfigur sowie der Dreh- und Angelpunkt dieser in einem gemeinsamen Schicksal verhafteten Gemeinschaft. In den neunziger Jahren findet
jedoch eine seit langem fällige Überprüfung unserer
Prioritäten statt, obwohl unsere Loyalität nicht in Frage
steht - die Loyalität, die Deutschland und Israel seit
Jahrzehnten stützt. Diese Überprüfung wird durch
unsere innenpolitischen Erfordernisse sowie durch
eine veränderte Welt erforderlich.
Wie jüngste Meinungsumfragen - einschließlich der
umfassenden Studie des Chicago Council on Foreign
Relations - eindeutig belegen, wird - und kann Amerika 50 Jahren des Erfolgs nicht den Rücken
kehren. Wenn diese Jahre uns irgend etwas gelehrt
haben, dann, daß die Vereinigten Staaten eine einzigartige Verantwortung und eine einzigartige Fähigkeit
besitzen, international eine Kraft für Frieden und
Fortschritt zu sein.
Diese Zeit atemberaubender globaler Veränderungen
bietet uns eine historische Chance. Es steht enorm
viel auf dem Spiel. Die von uns jetzt gefällten Entscheidungen werden ebenso sicher Auswirkungen auf
die Zukunft haben wie die bedeutenden Entscheidun-

*

AMERIKA DIENST 07

gen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs von weitblickenden Verbündeten getroffen wurden.
Angesichts vieler Schwierigkeiten haben wir den
Augenblick genutzt, um die Grundlage für eine neue,
integriertere Welt zu schaffen, um die Nationen
Zentral- und Osteuropas und des Nahen Ostens zu
demokratischen politischen Systemen und freien
Marktwirtschaften zu führen. Vor uns liegt die Möglichkeit eines Zeitalters mit mehr Frieden und Wohlstand.
Gemeinsam haben wir Hervorragendes geleistet. Wir
haben den Sieg im Kalten Krieg davongetragen und
sind auf dem Weg zu einer neuen, dauerhaften
Friedensordnung in dieser von jeher krisengeschüttelten Region. Wir dürfen jedoch nie die Wahrheit
dessen aus den Augen verlieren, was Präsident
Kennedy in der Paulskirche - der Wiege der deutschen
Demokratie - vor einer Generation sagte:
"Unsere Freiheit ist bedroht, wenn wir
uns auf unseren Errungenschaften
ausruhen und der Geschwindigkeit
des Fortschritts widerstehen. Denn
die Zeit und die Welt kennen keinen
Stillstand. Wandel ist das Gesetz des
Lebens. Und wer nur auf die Vergangenheit oder die Gegenwart blickt,
verpaßt mit Sicherheit die Zukunft."
Ich bin zuversichtlich, daß wir die Zukunft nicht
verpassen werden. Deutschland, Israel und die
Vereinigten Staaten haben ein durch die Geschichte,
gemeinsame Werte und Traditionen sowie einer
gemeinsamen Verpflichtung zu Frieden bedingtes
gemeinsames Schicksal. Dieses Schicksal wird über
alle vor uns liegenden Herausforderungen obsiegen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 5

�USA-DEUTSCHLAND

3. April 1996

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen
von J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 20. März 1996 im Bildungszentrum Wildbad
Kreuth gehaltene Rede.

Sehr geehrter Herr Dr. Meier-Walser, sehr geehrter
Herr Dr. Hirscher, meine Damen und Herren,
die deutsch-amerikanischen Beziehungen befinden
sich trotz aller Unkenrufe in guter Verfassung. Diese
Feststellung will ich an den Anfang meiner Ausführungen stellen. Nicht weil ich von Berufs wegen
Optimist bin, sondern weil ich mich in der privilegierten
Lage befinde, täglich zu beobachten, welche Fülle an
Kontakten besteht und wie unsere enge Zusammenarbeit Früchte trägt.
Wenn ich nur daran denke, wie intensiv sich unsere
Beziehungen zur Bundesregierung gestalten, dann
wundere ich mich immer wieder über Medienberichte,
die das Ende unseres engen Verhältnisses herbeireden.
Auch diese Expertentagung stellt sich die Frage, ob
nicht angesichts der weltpolitischen Veränderungen
mit einer Abschwächung der Beziehungen zu rechnen
ist. In der Tat haben das Ende des Kalten Krieges, die
deutsche Einheit und die Liberalisierung und Demokratisierung Osteuropas die politische Landkarte verändert. Diese Veränderungen sind beachtlich, und
zweifelsohne ist es legitim, nach den Konsequenzen
zu fragen.
Für die politische Analyse erscheint es mir allerdings
zwingend, die gewachsenen Strukturen nicht aus den
Augen zu verlieren. Weder hat sich Deutschland nach
Erlangung der uneingeschränkten Souveränität aus
seiner Westbindung gelöst, noch haben die Vereinigten Staaten Europa den Rücken gekehrt. Und es
ist nicht ersichtlich, daß sich beide Staaten in eine
derartige Richtung entwickeln.

AMERIKA DIENST 07

Das soll nun aber nicht heißen, unsere diplomatischen
Beziehungen seien keinem Wandel unterworfen. Die
Intensität von Beziehungen zwischen zwei Ländern
kann man zum einen an der Anzahl der bilateralen
Probleme festmachen, zum anderen aber auch an der
Summe der gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen, die beide Staaten zu bewältigen haben.
Ich neige zur zweiten Definition; angesichts der guten
Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten bleibt
mir auch keine andere Wahl.
Deshalb möchte ich auch über die Perspektiven
diskutieren und Ihnen nicht nur eine Zustandsbeschreibung aus offizieller Sicht geben.
Aktualität gewinnt das Thema durch die innenpolitische
Situation in beiden Ländern. In der Bundesrepublik
stehen drei Landtagswahlen an. In wenigen Tagen
werden wir wissen, welche bundesweiten Auswirkungen der Wahlausgang haben wird. In den Vereinigten
Staaten dagegen müssen wir uns noch etwas gedulden. Die Präsidentschaftswahlen finden erst am 5.
November statt. Gegenwärtig läuft der Auswahlprozeß
innerhalb der republikanischen Partei, die bekanntermaßen seit den Kongreßwahlen im November 1994
im Repräsentantenhaus und dem Senat die Mehrheit
stellt. Präsident Clinton hat keinen Herausforderer in
der eigenen Partei. Seit gestern hat Senator Dole
genügend Delegiertenstimmen für die Kandidatur bei
den Republikanern.
Insgesamt
996 Delegierte
müssen sich in 55 Auswahlverfahren auf einen
Kandidaten für das Präsidentenamt entscheiden. Erst
im August beginnt dann der eigentliche Wahlkampf.
Wie jeder Wahlkampf wird auch der Präsidentschaftswahlkampf mit Themen geführt, die eher innen-, sozialund wirtschaftspolititischer Natur sind. Außen- und

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�Sicherheitspolitik spielen in der Regel keine allzu
große Rolle. Dazu kommt, daß sich die Vereinigten
Staaten in einem Transformationsprozeß befinden. Mit
dem Ende des Kalten Krieges hat sich unsere internationale Perspektive gewandelt. Problemkonstellationen, die früher wenig Beachtung gefunden haben, sind
nun in das Blickfeld der politisch Verantwortlichen
gerückt. Die Staatsverschuldung, die Reform des
Wohlfahrtsstaats und der Abbau der Bürokratie sind
Themen, an denen sich politische Auseinandersetzungen entzünden.
Wenn ich davon sprach, daß Außen- und Sicherheitspolitik keine große Rolle im Wahlkampf spielen, dann
gilt dies natürlich nicht ausschließlich. Angesichts der
hohen Erwartungen, die weltweit an die amerikanische
Führungsrolle gestellt werden, erscheint es für die
Kandidaten zweckmäßig, hier und da das Thema
"Außenpolitik" pointiert anzusprechen. Wenn dann die
Medien bestimmte Aussagen kolportieren, kann man
fast den Eindruck gewinnen, Amerika würde dem
Isolationismus anheimfallen. Dem ist nicht so.
Allein die Aufzählung jüngster außenpolitischer
Initiativen und Erfolge macht deutlich, daß die Clinton-Administration mit ihrem außenpolitischen Engagement zweifelsohne Beachtliches geleistet hat. Ich darf
nur an das Friedensabkommen für Bosnien erinnern,
an die Demokratisierung Haitis, den Beginn einer
Versöhnung in Nordirland, die Drogenbekämpfung in
Kolumbien, den fortschreitenden Friedensprozeß im
Nahen Osten, die Abwendung einer nuklearen Konfrontation mit Nordkorea, das Wirtschaftspaket für
Mexiko und die kontinuierliche Unterstützung Rußlands und Osteuropas auf dem Weg zu Demokratie
und Marktwirtschaft.
Gerade auch im Bereich der Außenwirtschaftspolitik
wird doch ganz deutlich, welche Politik ein Land
verfolgt. Unsere Unterstützung für einen fairen und
offenen Welthandel ist und bleibt ungebrochen. Als
Weltmacht und Exportnation können wir uns Isolationismus gar nicht leisten. Die ökonomischen Interdependenzen des Weltmarktes sind inzwischen so groß,
daß ein Ausstieg weder sinnvoll noch finanzierbar ist.
Ich will aber gar nicht leugnen, daß es in meinem Land
isolationistische Tendenzen gibt. Nur gibt es dafür
keine parlamentarische Mehrheit.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß Amerika - ein
klassisches Einwanderungsland - sich abschottet und
seinen globalen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt.
Allein die Tatsache, daß wir nach dem Ende des
Kalten Krieges unsere Streitkräfte in Europa auf
100.000 Mann reduziert haben, kann wohl kaum als
Beleg für eine Abwendung von Europa gelten.

Seite 2

Lassen Sie mich folgendes dazu sagen: Die Vereinigten Staaten verstehen sich nach wie vor als eine
europäische Macht. An unserem Engagement für
Europa sollte angesichts zweier Weltkriege und einem
Kalten Krieg nicht gezweifelt werden. Wir haben
unsere historische Lektion gelernt. Unsere militärische
Präsenz und das politische und ökonomische Gewicht
der Vereinigten Staaten schufen die Voraussetzungen
für ein freies, stabiles und wohlhabendes Europa.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß wir uns aus Europa
zurückziehen.
Wir werden auch weiterhin eine
angemessene Truppenpräsenz aufrechterhalten,
sofern dies von unseren europäischen Bündnispartnern gewünscht wird.
Gleiches gilt auch für das Argument, die Vereinigten
Staaten würden sich auf Kosten Europas dem asiatisch-pazifischen Raum zuwenden. Angesichts der
hohen Wachstumsraten im pazifisch-asiatischen
Raum, der Globalisierung der Weltwirtschaft und der
Wettbewerbssituation auf dem Weltmarkt ist es
naheliegend, ökonomische Chancen wahrzunehmen.
Insbesondere dann, wenn mit der Ausdehnung des
Handels auch andere außenpolitische Ziele wie
beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte
verfolgt werden können. Aber, und das möchte ich
hier ausdrücklich hervorheben, diese sogenannte
Hinwendung zum pazifisch-asiatischen Raum beinhaltet natürlich keine Abkehr von Europa. Amerikanische
Außenpolitik ist nicht mit den Regeln des Nullsummenspiels zu erklären.
Sie werden sich sicherlich fragen, warum ich so lange
über die amerikanische Außenpolitik spreche. Aus
einem einfachen Grund: Ohne Standortbestimmung
bezüglich der gegenwärtigen Entwicklung läßt sich
schwerlich über die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen sprechen.
Wie eingangs erwähnt, kommt es darauf an, die Grundlagen unseres
Verhältnisses nicht aus den Augen zu verlieren.
Deutschland wird von uns als einer der wichtigsten
Verbündeten und Partner in vielen Politikbereichen
erachtet. Ohne Deutschlands politische Unterstützung
könnten viele Probleme nicht gelöst und gemeinsame
Ziele nicht verwirklicht werden.
Aus amerikanischer Sicht - und ich bin mir sicher, auch
von deutscher Warte aus - stellt die Wiedererlangung
der "deutschen Einheit" eine Zäsur in der deutschen
und europäischen Geschichte dar. Für uns Amerikaner ist es beeindruckend, wie Ihr Land an dieser
Vereinigung arbeitet. Innerhalb der letzten fünf Jahre
wurden große Fortschritte erzielt.
Ich komme leider nicht mehr so oft in den Osten wie
noch zu Zeiten meiner Verwendung in der Hauptstadt
der DDR. Einerseits ist dies bedauerlich, andererseits
erkenne ich mit dem zeitlichen Abstand sehr viel

AMERIKA DIENST 07

�deutlicher, wie sich das Erscheinungsbild geändert hat.
Der konsequente Ausbau der Infrastruktur, sei es nun
beim Verkehrswesen oder im Telekommunikationsbereich, die Erneuerungen der Universitäten und
Bildungseinrichtungen, die Reform des Gesundheitswesens und der Verwaltungen sind Leistungen, die
das Prädikat "außergewöhnlich" verdienen.
Was den unvoreingenommenen amerikanischen
Betrachter erfreut, ist die große Solidarität zwischen
den Deutschen.
Nicht nur der Finanztransfer ist
enorm. Die Bereitschaft, voneinander zu lernen und
miteinander die fünf neuen Bundesländer aufzubauen
und zu modernisieren, ist manifester Ausdruck einer
nationalen wie auch sozialen Solidarität.
Vielfach habe ich allerdings den Eindruck, daß die
erheblichen Fortschritte in der öffentlichen Diskussion
nicht zur Kenntnis genommen werden. Fortschritte,
die für manchen Beobachter nicht schnell genug
erreicht worden sind. Das mag in dem einen oder
anderen Fall auch richtig sein, aber jene, denen es
nicht schnell genug geht, sollten sich an den pragmatischen Ausspruch erinnern: "Auch Rom wurde nicht an
einem Tag erbaut."
Ich glaube, daß eine pragmatische Einstellung bei der
Beurteilung der Anstrengungen, die innere Einheit zu
vollenden, durchaus hilfreich sein kann. Was seit der
Aufteilung des Deutschen Reiches 1945 in Besatzungszonen getrennt war, konnte nicht über Nacht
wieder zusammengeführt werden. Zu unterschiedlich
hatten sich beide deutschen Staaten entwickelt; zu
unterschiedlich waren die ideologischen, politischen,
wirtschaftlichen und kulturellen Perspektiven.
Angesichts der Tatsache, daß weder die DDR noch die
Bundesrepublik in ihrer jeweils vierzigjährigen Geschichte Erfahrungen mit "Wiedervereinigungen"
sammeln konnten - wenn man einmal von der Wiedervereinigung des Saarlands mit der Bundesrepublik
1955 absieht - verlief der Vereinigungsprozeß bislang
trotz der gewaltigen Anpassungsprobleme überaus
erfolgreich.
Bei der Beurteilung der erbrachten Leistungen muß
man sich den Lauf der Geschichte immer wieder vor
Augen führen. Welche Aufgaben und Herausforderungen waren zu meistern, auf die man sich nicht lange
vorbereiten konnte? Im Gegensatz zu Korea hatte die
Bundesrepublik keinen Vereinigungsminister.
Die Leistungen auf beiden Seiten der innerdeutschen
Grenze waren beachtlich:
Die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR
haben sich zum erstenmal in der deutschen Geschichte die Demokratie in einer friedlichen Revolution
selbständig erkämpft. Und dies unter den Bedingungen eines totalitären Regimes. Mit der "Wende" hat

AMERIKA DIENST 07

die
Bevölkerung
unter
großen
Risiken
die
SED-Herrschaft beendet. Trotz der schmerzlichen
Erfahrungen vom Juni 1953, trotz der beträchtlichen
Gefahr einer chinesischen Gewaltlösung formierte sich
im Spätsommer 1989 landesweit der Protest. Ein
Protest, der sich gegen den bürokratischen Zentralismus, die Nomenklatura und andere Begleiterscheinungen richtete und wegen der allgemeinen
Unzufriedenheit mit den materiellen Lebensumständen, der politischen Gängelung und der fehlenden
Bewegungsfreiheit immer größeren Zulauf erhielt.
Wir alle wissen jetzt, wie schwierig es ist, einen
friedlichen Übergang von einer Diktatur zu einer
Demokratie zu erreichen. Es gibt in der jüngeren
Geschichte nicht allzu viele Beispiele, wo das ohne
Blutvergießen geschehen ist. Mut und Vertrauen in die
Richtigkeit des eigenen Handelns sind dabei unabdingbare Voraussetzungen. Auch Präsident Clinton
hat während seines Berlin-Besuchs im Sommer 1994
auf die Notwendigkeit von "Zivilcourage" hingewiesen.
Wenn wir uns den bisherigen Prozeß der äußeren und
inneren Vereinigung vergegenwärtigen, sollten wir
nicht verkennen, welchen Beitrag die alte Bundesrepublik geleistet hat, um diesem Unternehmen zum
Erfolg zu verhelfen.
Und da gibt es keinen Zweifel, daß Rechtsstaatlichkeit,
parlamentarische Demokratie und soziale Marktwirtschaft zu nennen sind. Der Wertekanon einer demokratischen Gesellschaft, eine bewährte rechtsstaatliche
Ordnung, Freiheit und Toleranz wie auch eine ausgeprägte politische Kultur haben den Übergang von der
Zweistaatlichkeit zur EinStaatlichkeit möglich gemacht.
Diese Wesensmerkmale der "alten" Bundesrepublik
waren meiner Ansicht nach entscheidend, um den
Vereinigungsprozeß in geordnete Bahnen zu lenken
und auch die nötige internationale Unterstützung zu
finden.
Als eine der Siegermächte des Zweiten
Weltkrieges, Mitglied des Alliierten Kontrollrates in
Berlin und Schutzmacht der Bundesrepublik im Kalten
Krieg sind wir durchaus stolz, daß die Demokratie in
der deutschen Bevölkerung Fuß gefaßt hat. Und
besonders freut uns, daß nach der friedlichen Revolution vom 9. November 1989 die parlamentarische
Demokratie in ganz Deutschland zum Durchbruch
gekommen ist.
Bedenken hatten wir keine, als wir vorbehaltlos die
bundesdeutsche Regierung nach dem Fall der Mauer
unterstützten. Im Gegenteil, die Verläßlichkeit der
Deutschen stand außer Frage. So hatte die "alte"
Bundesrepublik keinen Zweifel an der Richtigkeit der
von Konrad Adenauer eingeschlagenen Politik der
Westintegration aufkommen lassen. Die Rückkehr in
die zivilisierte Staatengemeinschaft war gelungen,
Deutschland hatte sich als treuer und berechenbarer
Partner im Atlantischen Bündnis erwiesen.

Seite 3

�Für uns und auch für die zögerlichen Nachbarstaaten
Deutschlands war es wichtig, daß die politische
Führung dieses Landes konsequent die Risiken von
"Sonderwegen" vermied. Die Ängste sind überwunden, Deutschland könne angesichts der Erlangung
seiner vollständigen Souveränität die engen Bindungen zur westlichen Staatengemeinschaft kappen und
seine Eigenständigkeit propagieren. In der "Stunde
der Wahrheit" hat die Bundesregierung souverän an
ihren politischen Grundüberzeugungen festgehalten
und damit das internationale Vertrauen in sie gerechtfertigt. Mit großem Elan hat sie aktiv an der Fortsetzung der europäischen Integration gearbeitet und jene
Vermutungen im Keim erstickt, Deutschland wäre
ausschließlich am eigenen nationalen Wohlbefinden
interessiert.
Damit hat Deutschland in einer schwierigen politischen
Übergangszeit Größe bewiesen und einen überaus
wichtigen Beitrag zur Erhaltung von Frieden und
Stabilität in Europa geleistet. Dies sind gute Voraussetzungen für den Aufbau einer ungeteilten europäischen Friedensordnung und ein stabiles Fundament
für unsere Partnerschaft.
Wir Amerikaner erkennen die Schwierigkeiten an, die
mit der Vereinigung einhergehen und deren Lösung
noch geraume Zeit erfordern sowie erhebliche Kraftanstrengungen nach sich ziehen wird. Dennoch, auch
auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Für uns
nimmt Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Bewahrung des Friedens, der Stabilität und Sicherheit in
Europa ein.
Was hat sich mit der deutschen Wiedervereinigung für
uns Amerikaner geändert? Oder anders formuliert:
Wie hat sich das deutsch-amerikanische Verhältnis
nach der Vereinigung entwickelt?
Ich glaube mit Fug und Recht behaupten zu können,
daß die deutsch-amerikanischen Beziehungen durch
die Vereinigung noch besser geworden sind. Formalrechtlich haben sich die diplomatischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland mit deren Erlangung der vollen und
uneingeschränkten Souveränität über die inneren und
äußeren Angelegenheiten gewandelt. Deutschland
vollzog seine Vereinigung in Ausübung des Selbstbestimmungsrechts der Völker gewaltlos und einvernehmlich mit den Grundsätzen der Schlußakte von
Helsinki. Mit der Vollendung der äußeren Einheit ist
die Epoche der Nachkriegszeit zu Ende gegangen.
Beide Staaten stehen sich nun gleichberechtigt und
partnerschaftlich verbunden gegenüber.
Faktisch hat sich wenig seit dem 15. Mai 1991 geändert, als die Sowjetunion die Ratifikationsurkunde des
"Vertrages über die abschließende Regelung in bezug
auf Deutschland" hinterlegte und Deutschland endgültig souverän wurde. Deutschland und die Vereinigten

Seite 4

Staaten unterhalten enge und intensive Kontakte auf
dem gesamten Spektrum der deutsch-amerikanischen
Beziehungen. Das wird auch so bleiben, ob wir unsere
Botschaft nun in Bonn oder Berlin haben.
Dies ist ein weiterer, nicht unwesentlicher Aspekt, der
sich mit der deutschen Einheit ergeben hat. Der
Deutsche Bundestag hat beschlossen, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen. Infolge
des Umzugs der Regierung und des Parlaments
werden auch wir in Berlin eine neue Botschaft errichten. Mit dem Fall der Mauer ist das Grundstück am
Pariser Platz wieder verfügbar geworden, wo vor dem
Zweiten Weltkrieg die Amerikanische Botschaft stand.
Sie war im Krieg schwer beschädigt worden und wurde
später abgerissen. Inszwischen haben wir einen
Architektenwettbewerb durchgeführt. Wann mit dem
Bau begonnen wird, hängt nicht zuletzt von der
Haushaltslage ab.
Eine Aktivität der Botschaft möchte ich nicht unerwähnt
lassen, da sie sich erst nach der Einheit ergeben hat,
seitdem aber konsequent verfolgt wird. In Übereinstimmung mit der Außenwirtschaftsstrategie der
Clinton-Administration laden wir in regelmäßigen
Abständen amerikanische Unternehmer und Investoren nach Ostdeutschland ein. Nicht nur um einen
Beitrag zum "Aufbau Ost" zu leisten, sondern auch um
auf die zahlreichen Investitionsmöglichkeiten hinzuweisen.
Bisher haben wir drei Unternehmerkonferenzen
organisiert. Die letzte fand im Oktober in Erfurt und
Weimar statt. An ihr nahmen rund 200 Firmenrepräsentanten aus den Vereinigten Staaten teil. Die
amerikanischen Investitionen in Ostdeutschland
belaufen sich auf circa 6,5 Milliarden Dollar; damit hat
die amerikanische Industrie rund 55.000 Arbeitsplätze
gesichert oder neu geschaffen.
Der Standort Deutschland ist trotz hoher Löhne und
Kosten für manche Unternehmen nach wie vor attraktiv. Das Wirtschaftsengagement in Ostdeutschland
unterstreicht auch die Brückenfunktion dieser Region
gegenüber den ost- und südosteuropäischen Staaten.
Die Erlangung der uneingeschränken Souveränität hat
auch Auswirkungen auf die Ziele und Methoden der
deutschen Außenpolitik gehabt. Natürlich interessiert
es uns, wie die Bundesregierung ihren neuen politischen und rechtlichen Handlungsspielraum nutzt. Mit
der Einheit hat Deutschland neue Rechte, aber auch
weitere Pflichten erhalten. Als dynamischer und
wohlhabender Staat mit den meisten Nachbarstaaten
liegt es nun an Deutschland, dieser Verantwortung
gerecht zu werden. Daß dies nicht einfach ist, hat eine
Episode zu Beginn des kriegerischen Auseinanderbrechens Jugoslawiens gezeigt.

AMERIKA DIENST 07

�Mit ihrer Anerkennung von Kroatien und Slowenien hat
die Bundesrepublik Deutschland Anfang der neunziger
Jahre den außenpolitischen Versuch unternommen,
einen Beitrag zur Eindämmung des Teilungskonfliktes
im ehemaligen Jugoslawien zu leisten. Diese Initiative
wurde von Deutschlands Verbündeten kritisch beurteilt. Besorgte Kommentatoren sprachen damals von
einem neuen außenpolitischen Stil, der die neu gewonnene Macht demonstriere.
Die Anerkennung von Grenzen - ohne gesicherten
Schutz derselben - konnte angesichts der hohen
Gewaltbereitschaft der politisch Verantwortlichen keine
friedensbewahrende Wirkung entfalten. Deutschland
hat für diese Vorgehensweise im In- und Ausland viel
Kritik erhalten. Historische Parallelen, wie sie in dieser
Diskussion Erwähnung fanden, waren meines Erachtens allerdings unzutreffend.
Argumente, die
Deutschlands Rolle in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts thematisieren, werden dem ausgeprägten
Friedenswillen des demokratischen Deutschlands nicht
gerecht, das aus seiner Geschichte gelernt hat.
Der Einsatz von Macht, politischem Gewicht, diplomatischem Engagement und vor allem militärischen
Optionen ist allerdings notwendig, um einem Friedenswillen die nötige Glaubwürdigkeit beziehungsweise
den nötigen Nachdruck zu verleihen. Dies hat der
Krieg im ehemaligen Jugoslawien uns allen - jeden
Tag durch das Fernsehen - schonungslos und unbarmherzig vor Augen geführt.
Ich möchte mit diesem Beispiel nur darauf hinweisen,
wie risikoreich außenpolitische Initiativen sind, wenn
sie nicht auf einem breiten internationalen Konsens
basieren. Der verantwortungsbewußte Umgang mit
Macht muß prinzipiell die internationalen, innenpolitischen und psychologischen Rahmenbedingungen
berücksichtigen, in denen das politische Gewicht eines
Staates eingesetzt wird.
Gleiches gilt natürlich auch, wenn europäische und
außereuropäische Kriege die westliche Staatengemeinschaft zum Handeln zwingen. Deutschland hat
begonnen, in eine Rolle zu wachsen, die seinem
politischen Gewicht und ökonomischen Leistungsvermögen besser gerecht wird. Andere können nun nicht
länger auf Deutschland zeigen, weil es seine Mitverantwortung bei der Lösung internationaler Konflikte
nicht übernehmen will. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den Einsatz von Streitkräften
außerhalb des NATO-Vertragsgebietes zeigt deutlich,
daß die politische Führung Deutschlands die Verantwortung annimmt. Mit dem Einsatz von Bundeswehreinheiten im ehemaligen Jugoslawien trägt Deutschland zur Befriedung dieser vom Krieg heimgesuchten
Region Europas bei.
Die Bundesrepublik befindet sich aus meiner Sicht auf
dem Weg, die Mittel militärischer Macht als ein In-

AMERIKA DIENST 07

strument der Außenpolitik zu begreifen. Deutschland
kann sich nicht aus Konflikten heraushalten, die
gemeinsame europäische oder
transatlantische
Interessen tangieren. Die Verpflichtung zum Frieden
beinhaltet auch eine internationale Verantwortung
gegenüber jenen, die Opfer einer gewalttätigen Politik
geworden sind. Der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien zeigt zudem, daß wir uns klar werden müssen,
wie weit die postulierten Grundwerte in Europa reichen
und mit welchen Mitteln sie verteidigt werden sollen.
Wieder einmal mußten wir feststellen, daß mit diplomatischen Anstrengungen allein kein internationales
Recht durchzusetzen ist.
Ich will damit nicht einer wie auch immer gearteten
"Militarisierung der Außenpolitik" das Wort reden. Im
Gegenteil, es kommt darauf an, gemeinsam geeignete
und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um
Konflikte zu verhüten und Formen der friedlichen
Beilegung von Streitigkeiten zu nutzen, um Krisen zu
entschärfen. Wenn Maßnahmen der Konfliktverhütung
nicht greifen, müssen friedenserhaltende und gegebenenfalls friedensschaffende Schritte unternommen
werden, die durch den Einsatz militärischer Mittel
unserem Engagement für den Frieden die nötige
Glaubwürdigkeit verleihen. Die amerikanische Regierung unterstützt die Bundesrepublik bei der Wahrnehmung ihrer neuen Verpflichtungen.
Unsere Beziehungen sollten nicht nur in einem
bilateralen Kontext betrachtet werden. Eine solche
Sichtweise kann der Bedeutung Deutschlands nicht
gerecht werden. Deutschland als eine treibende Kraft
der Europäischen Union gewinnt durch sein Engagement für die USA einen Stellenwert, der sich maßgeblich von jenen Staaten unterscheidet, die wenig
Interesse am Aufbau eines vereinten Europas haben.
Deutschlands Engagement für die Erweiterung der
NATO und der Europäischen Union wird von uns als
ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Stabilisierung dieser Region betrachtet. Hier zeichnen sich
Perspektiven ab, die vielfach in der Diskussion über
unser Verhältnis übersehen werden.
Ohne das Zusammenwirken der maßgeblichen Mächte
könnten derartige zukunftsweisende Aufgaben wie die
Erweiterung der NATO und der Europäischen Union
gar nicht gelöst werden. Wir wissen um die Schlüsselstellung Deutschlands in diesem Prozeß. Folglich
weist die Frage, ob sich die bilateralen Beziehungen
nach den machtpolitischen Veränderungen verschlechtern, in die falsche Richtung. Nur weil sich
etwas ändert, kann man nicht davon ausgehen, daß
der bilateralen Geschäftsgrundlage der Boden entzogen wird. Im Gegenteil, die sich uns stellenden
Herausforderungen ziehen einen erheblichen Koordinierungsbedarf nach sich.
Ohne Abstimmungen,
Verhandlungen und gemeinsames Vorgehen würden
wir Schiffbruch erleiden. Und das wäre höchst bedauerlich!

Seite 5

�Was die künftige Zusammenarbeit angeht, bin ich
optimistisch. Das transatlantische Verhältnis ist und
bleibt die Grundlage, von der aus wir operieren. Wenn
wir uns einmal den Verlauf von Krisen und Konflikten in
den letzten Jahren betrachten, dann läßt sich folgendes feststellen: In nahezu allen internationalen Krisensituationen verfolgen die Amerikaner und die meisten
Europäer gemeinsame Ziele. Vielfach unterscheiden
sich zwar die Vorschläge, die Lösungsmodelle und
Strategien zu deren Verwirklichung, doch was die
Bewahrung des Friedens und der Stabilität des
internationalen Systems angeht, zieht das transatlantische Bündnis an einem Strang. Das kann man
auch daran erkennen, daß es gerade diese Staatengruppe ist, die sich bereit erklärt, Garantien zu geben
und die aktiv an konstruktiven Friedenslösungen
arbeitet.
Lassen Sie mich kurz auf die programmatische
Zielsetzung der amerikanischen Europapolitik eingehen. Schon allein an den sechs Punkten ist zu
erkennen, daß unserer Engagement für Europa in
keiner Weise nachgelassen hat:
1.

Die Anpassung der NATO, das heißt interne
Reformen, Ausbau des Kooperationsprogramms "Partnerschaft für den Frieden" und
eine graduelle, durchdachte und transparente
Erweiterung der Atlantischen Allianz.

2.

Die Integration Rußlands und der neuen
unabhängigen Staaten in eine neue europäische Friedens- und Wirtschaftsordnung mit
besonderer Berücksichtigung der Beziehungen Rußlands zur NATO.

3.

Die Stärkung der Organisation für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa.

4.

Die Integration der mittel- und osteuropäischen Staaten in westeuropäische Strukturen
bei gleichzeitigem Abbau von Regionalkonflikten durch präventive Diplomatie.

5.

Die Unterstützung der Europäischen Integration, die Erweiterung der EU und die Stärkung
der europäisch-amerikanischen Beziehungen
durch neue transatlantische Initiativen.

6.

Die Sicherung eines parteiübergreifenden
Konsenses im Kongreß und mit dem amerikanischen Volk hinsichtlich der Rolle Amerikas
als eine europäische Macht.

Von der Warte Washingtons aus ist das Altantische
Bündnis der einzig verfügbare Organisationsrahmen
für den Aufbau einer neuen europäischen Friedensordnung. Die lebhafte Debatte über die Erweiterung
der NATO und auch der Europäischen Union zeigt
deutlich, wie groß das Interesse der ost- und süd-

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europäischen Staaten ist. Ich will gar nicht auf die
Schwierigkeiten eingehen, die bei einer Erweiterung
des Atlantischen Bündnisses zu lösen sind. Es steht
allerdings außer Frage, daß die osteuropäischen
Staaten einen angemessenen Platz in der neuen
europäischen Friedensordnung einnehmen müssen.
Gleichzeitig wollen wir deutlich machen, daß sich der
Prozeß der Erweiterung keineswegs gegen Rußland
richtet.
Unser Ziel ist es - und ich gehe davon aus, daß die
Bundesregierung dies genauso sieht - Europa auch im
kommenden Jahrtausend als eine Region des Friedens, der Stabilität und des Wohlstands zu erhalten.
Trotz aller Übereinstimmung gibt es natürlich auch
Bereiche, wo wir ab und zu divergierende Interessen
verfolgen.
Dies trifft teilweise auf unsere Wirtschaftsbeziehungen zu. Wir sind eben auch wirtschaftliche Konkurrenten, doch diese Tatsache sollten
wir ausdrücklich begrüßen. Denn es sind unsere
Unternehmen, die miteinander konkurrieren und uns
so ein besseres Angebot an Gütern und Dienstleistungen zu niedrigeren Preisen ermöglichen.
Präsident Clinton hat immer wieder betont, daß wir uns
dem weltweiten Wettbewerb stellen wollen, "that we
want to compete, not retreat". Wir wollen uns nicht
hinter protektionistische Schutzwälle zurückziehen,
sondern offensiv die Marktchancen nutzen, die sich
unseren Unternehmen auf dem Weltmarkt bieten. Wir
sehen dazu keine Alternative, denn ohne offene
Märkte im Ausland sind die protektionistischen Stimmen im eigenen Lande nicht zum Schweigen zu
bringen. Freier Marktzugang und Marktöffnung im
Ausland sind für weltweit operierende Unternehmen
unverzichtbar. Aus diesem Grunde ist fairer und
ungehinderter Marktzugang eines der Hauptanliegen
unserer Außenwirtschaftspolitik. Dies berührt auch
unsere Beziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union.
Man kann nicht über die Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten
sprechen, ohne sie in den europäischen Zusammenhang zu stellen. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sind Teil der transatlantischen
Wirtschaftsbeziehungen. Die Grundlage für diese
Zusammenarbeit sind gemeinsame Überzeugungen,
was den freien Welthandel, den ungehinderten Fluß
von Investitionen und marktwirtschaftliche Wettbewerbsstrukturen angeht. Wir sehen den privaten
Sektor als den wesentlichen Mechanismus für Wachs
tum und Innovation.
Dies ist jedoch nicht in allen Ländern der Europäischen
Union der Fall.
Allzuoft registrieren wir eine
Nord-Süd-Konfrontation, wobei die südlichen Länder
für Dirigismus und Protektionismus eintreten und die
nördlichen Länder für Wettbewerb und Freihandel.

AMERIKA DIENST 07

�Der schwierige Umgang mit der EU belastet zuweilen
auch die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Dennoch unterstützen wir vorbehaltlos Deutschlands
Engagement in der Europäischen Union, die Vollendung des Binnenmarktes und die Erweiterung der
Europäischen Union.
Wegen der gemeinsamen
wirtschaftlichen Grundauffassungen hoffen wir, daß
Deutschland die Europäische Union in Wirtschaftsfragen zu mehr Offenheit drängt. Diese Offenheit sollte
von einem transparenten
Entscheidungsprozeß
getragen sein und nicht nur die Notwendigkeit zur
internen Konsensfindung, sondern auch die Interessen
der Handelspartner außerhalb der EU berücksichtigen.
In vielen Fragen wie beispielsweise der Behandlung
audiovisueller Dienstleistungen, wo einige europäische
Staaten diskriminierende Quoten für Filme und Fernsehserien bevorzugen, und bei der Frage des Bananenhandels arbeiten die Vereinigten Staaten und
Deutschland auf das gemeinsame Ziel eines Abbaus
von Handelsschranken hin.
In anderen Bereichen, wie zum Beispiel auf dem Markt
für Kraftwerksausrüstung, bestehen in Deutschland
strukturelle Rahmenbedingungen, die es ausländischen Anbietern fast unmöglich machen, ins Geschäft
zu kommen. Letztlich zahlen die Kunden der Energieerzeuger den Preis für fehlenden Wettbewerb.
Derartige Strukturen erschweren natürlich auch die
Kooperation mit internationalen Partnern, Beteiligungen und Joint-ventures. In manchen Bereichen sind
Direktinvestitionen, die Voraussetzung für Marktzugang sind, praktisch oder gesetzlich ausgeschlossen.
Besonders nachteilig haben sich staatlich geschützte
Monopolmärkte in der Telekommunikation ausgewirkt.
Sie haben nicht nur zum Ausschluß ausländischer
Konkurrenz geführt, sondern auch Innovationen,
günstigere Preise und bessere Leistungsangebote
verhindert. Ein Grund für den schwindenden Anteil
deutscher Gerätehersteller auf dem Telekommunikationsweltmarkt war das Fehlen von Konkurrenz und
dynamischer Nachfrage nach neuen Dienstleistungen
im Inland. Daß wir für eine gegenseitige Öffnung der
Telekommunikationsmärkte eintreten, wird sich für
beide Seiten als nützlich erweisen.
Das sind nur zwei Beispiele, die deutlich machen, daß
wir trotz unserer strategischen Partnerschaft nicht
aufhören können, unsere Wirtschaftsbeziehungen in
einem für alle Beteiligten annehmbaren Rahmen zu
gestalten. Da viel Geld auf dem Spiel steht, und
Arbeitsplätze, Marktanteile, Standorte - letztlich der
Wohlstand unserer Gesellschaften - vom Handel
abhängig sind, bleibt enge Zusammenarbeit eine
unabdingbare Voraussetzung für die Erlangung unserer Ziele.

AMERIKA DIENST 07

Meine Ausführungen über die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen im allgemeinen und der
deutsch-amerikanischen Beziehungen im besonderen
wären unvollständig, wenn ich nicht noch einige Worte
zu den Herausforderungen sagen würde, denen wir
uns stellen müssen - ob wir nun wollen oder nicht.
Auch hier scheint es mir zweckmäßig, unsere Politik zu
koordinieren und Zusammenarbeit zu praktizieren.
Als erstes will ich das Problem der nuklearen Weiterverbreitung ansprechen. Die Gefahren, die sich aus
einer unkontrollierbaren Weitergabe von Massenvernichtungswaffen ergeben, sind enorm. Der Golfkrieg die Befreiung Kuwaits - war eine ernstzunehmende
Warnung. Diktatoren gleich welcher Couleur dürfen
nicht in den Besitz dieser Waffen gelangen. Wir
müssen gemeinsam frühzeitig Maßnahmen ergreifen,
um dies zu verhindern, sei es nun durch diplomatische
Initiativen oder durch Handelssanktionen und Kontrollregime. Wichtig ist eine koordinierte Vorgehensweise.
Als zweites will ich den Kampf gegen den nationalen
und internationalen Terrorismus nennen. Die Attentatsserien in Frankreich oder der feige Mord an dem
israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin sowie
der jüngste IRA-Terror führen uns vor Augen, wozu
fehlgeleitete Menschen in der Lage sind. Wir dürfen
aber nicht zulassen, daß unsere demokratischen
Systeme durch sinnlose Gewaltverbrechen destabilisiert werden. Die Gefährdung der inneren Sicherheit
und des äußeren Friedens ist eine Herausforderung,
der wir uns gemeinsam stellen müssen. Die Bekämpfung kann nur dann erfolgreich sein, wenn Terroristen
nirgendwo mehr sicher sein können. Deshalb ist die
internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden so wichtig.
Gleiches gilt für die Bekämpfung des Drogenhandels,
des organisierten Verbrechens und der Geldwäsche.
Diese Verbrechen greifen den Kern unserer liberalen
Gesellschaften an und belasten das Zusammenleben
unserer Völker. Die nicht minder große Bedrohung
unserer Lebensgrundlagen durch die Umweltverschmutzung sowie durch die Bevölkerungsexplosion
möchte ich hier nur am Rande erwähnen.
Lassen Sie mich zum Schluß kommen. Wir befinden
uns trotz aller Unwägbarkeiten dieser Übergangszeit
nach dem Ende des Kalten Krieges in einer Aufbauphase, die voller Optionen ist. Nutzen wir unsere
Chance, so wie Sie und mit Ihnen die Deutschen die
Chance der Vereinigung ergriffen haben. Ich bin mir
sicher, daß unser gemeinsamer Weg ins 2 1 . Jahrhundert von Erfolg gekrönt ist, wenn Frieden, Stabilität
und Wohlstand erhalten bleiben.
Ich danke Ihnen.

Seite 7

�ABRÜSTUNG
3. April 1996

Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention
im Frühjahr angestrebt
Anhörung von Verteidigungsminister Perry

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten des Senats
forderte Verteidigungsminister William Perry den Senat zur Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention in diesem
Frühjahr auf.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text der Anhörung.

Herr Vorsitzender,
ich freue mich, heute im Namen des amerikanischen
Verteidigungsministeriums für eine Anhörung über die
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention anwesend
sein zu dürfen. Diese Konvention ist ein enormer
Fortschritt seit dem Genfer Protokoll von 1925 dahingehend, daß sie ein vollständiges Verbot chemischer
Waffen vorsieht, nicht nur ein Verbot ihres Einsatzes.
Die Administration hegt den starken Wunsch, daß
dieser Vertrag über das Verbot chemischer Waffen so
bald wie möglich in Kraft tritt. Unverzügliches Handeln
des Senats wird dieses wichtige Ziel unterstützen.
Die Chemiewaffenkonvention ist wirklich ein bedeutender Durchbruch im Bereich der Rüstungskontrolle. Sie
ist sowohl ein Abrüstungs- als auch ein Nichtverbreitungsvertrag, und die Konvention ist die umfassendste, die je ausgehandelt wurde.
Die CW-Konvention verpflichtet die Vertragsparteien,
niemals und unter keinen Umständen chemische
Waffen zu entwickeln, herzustellen, zu beschaffen, zu
lagern oder beizubehalten. Die Konvention verbietet
den Transfer chemischer Waffen in andere Staaten
und untersagt ferner, irgend jemanden bei gemäß dem
Vertrag verbotenen Aktivitäten behilflich zu sein, ihn zu
ermutigen oder auf ihn einzuwirken.
Zusätzlich zu diesem umfassenden Verbot erfordert
die CW-Konvention die Zerstörung aller chemischen
Waffen und ihrer Produktionsanlagen. In Fällen

AMERIKA DIENST 07

außerordentlich zwingender Notwendigkeit kann eine
Vertragspartei die Genehmigung zur Konversion einer
ehemaligen Produktionseinrichtung für Chemiewaffen
zu akzeptablen zivilen Zwecken einholen. Eine solche
konvertierte Produktionsanlage unterläge zusätzlichen
Verifikationsverfahren sowie Tätigkeitsbeschränkungen.
Die Chemiewaffenkonvention wird auch zur Bekämpfung der zunehmenden Verbreitung von chemischen
Waffen beitragen. Indem der Herstellung, Verarbeitung und Verwendung spezifizierter Chemikalien
anhand der Offenlegungs- und Verifikationsregime des
Vertrags nachgegangen wird, schafft die internationale
Organisation der Chemiewaffenkonvention einen
Rahmen und Mechanismen zur Eindämmung der
Verbreitung chemischer Waffen. Die Konvention
untersagt den Handel mit äußerst risikoreichen
Chemikalien mit NichtVertragsparteien. Drei Jahre
nach Inkrafttreten des Vertrags wird auch der Handel
mit bestimmten anderen Chemikalien mit diesen
Staaten verboten. Darüber hinaus wird ein Zertifikat
über den Endverbrauch für den Transfer von Chemikalien mit geringem Risiko an NichtVertragsparteien
erforderlich. Die Exportkontrollvorschriften stärken die
Konvention und machen sie zu einem wertvollen
Werkzeug für die Überwachung dieses potentiell
gefährlichen, mehrfach verwendbaren chemiewaffenfähigen Materials.
Andere Bestimmungen der CW-Konvention - die von
besonderer Bedeutung für das Verteidigungsministeri-

Seite 1

�um sind - gestatten einer Vertragspartei die Fortsetzung von Forschung zu Schutzmethoden wie Spür-,
Schutz- und Entkontaminierungsgerät. Die Konvention
fordert die Vertragsparteien ferner auf, durch die
internationale Organisation finanzielle und andere Hilfe
zur Verfügung zu stellen, wenn eine Partei einem
Angriff ausgesetzt ist oder dieser angedroht wird.
Solche Verfügungen der Konvention werden zur
Reduzierung der globalen Bedrohung durch Chemiewaffen beitragen und gleichzeitig den Schutz von
Chemiewaffen sowie die Hilfestellung für alle Signatarstaaten verbessern.
Die Anforderungen für Routineinspektionen, Wahrheitsfindungs- und Konsultationsmechanismen sowie
die Fähigkeit zur Durchführung einer kurzfristig
anberaumten Ad-hoc-lnspektion gleich an welchem Ort
schaffen eine einzigartige Synergie für die Verifizierung aller Rüstungskontrollabkommen. Die Chemiewaffenkonvention verfügt über das einschneidendste
Verifizierungsregime der Geschichte und ist effektiv
verifizierbar. Ich bin der festen Überzeugung, daß die
CW-Konvention maßgeblich zu den Sicherheitsinteressen des Verteidigungsministeriums und der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten insgesamt
beiträgt.
Die Verfasser des Vertrags definierten Reizstoffe für
den Polizeieinsatz (riot control agents - RCAs) getrennt
von chemischen Waffen. Sie vertraten die Auffassung,
daß diese chemischen Waffen besondere Berücksichtigung innerhalb der Konvention verdienten.
Der Einsatz von RCAs ist bei Strafverfolgungsoperationen und bei der Niederschlagung von Krawallen im
Inland gestattet, und eine Vertragspartei muß die Arten
von RCAs offenlegen, die sich in ihrem Besitz befinden. Die Konvention verbietet den Einsatz von RCAs
als Methode der Kriegführung. Dieses Verbot findet
nur auf ihren Einsatz als Methode der Kriegführung bei
internationalen und innenpolitischen bewaffneten
Konflikten Anwendung. Der Einsatz von RCAs bei
friedenssichernden Operationen, humanitären oder
Katastrophenhilfemissionen, Terrorismusbekämpfung
und der Rettung von Geiseln ist von der Konvention
nicht betroffen.
Ich möchte jetzt einige Fragen ansprechen, die dem
Verteidigungsministerium häufig in Zusammenhang mit
der Chemiewaffenkonvention gestellt werden. Die
Fragen erstrecken sich auf sechs generelle Bereiche:

Reizstoffe für den Polizeieinsatz
Vergeltungsfähigkeit
Erstens. Wie gehen wir - nachdem wir selbst als Mittel
der Vergeltung auf chemische Waffen verzichten - mit
dem Risiko um, daß eine NichtVertragspartei oder ein
Verletzer der CW-Konvention Chemiewaffen gegen
uns einsetzt? Das Verteidigungsministerium vertritt die
Auffassung, daß die Fähigkeit zu Vergeltungsschlägen
mit Chemiewaffen nicht länger ein erforderliches
Element bei der Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen ist. Dies trifft zu, selbst wenn die
Chemiewaffenkonvention nicht universell sein mag
oder universell eingehalten wird. Mehrere Administrationen sind nacheinander zu der Schlußfolgerung
gelangt, daß der nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten am besten durch ein umfassendes Verbot
gedient ist.
Grundsätzlich unterstützt das Verteidigungsministerium den Gedanken, die Fähigkeit zu Vergeltungsschlägen mit Chemiewaffen aufzugeben, weil wir über
ein breites Spektrum alternativer Fähigkeiten zur
Abschreckung vom Einsatz chemischer Waffen oder
seiner Vergeltung verfügen. Unsere Schutzmaßnahmen und Fähigkeiten zur Bekämpfung der Weiterverbreitung sind verbessert worden - teils infolge der
im Golfkrieg gemachten Erfahrungen. Wir können uns
jedoch nicht auf Schutz allein verlassen. Aus offensichtlichen Gründen haben wir uns dafür entschieden,
nicht im Detail darzulegen, welche Antworten wir auf
einen Chemiewaffenangriff hätten. Wie wir während
des Golfkriegs erklärt haben, wird die Reaktion jedoch
"absolut überwältigend" und "verheerend" sein, wenn
ein Land dumm genug wäre, chemische Waffen
gegen die Vereinigten Staaten einzusetzen. Wir
benötigen keine Chemiewaffen, um eine effektive
Abschreckung bereitzustellen oder eine effektive
Antwort auf chemische Waffen zu geben.
Der Verzicht auf Vergeltung mit gleichen Mitteln
gestattet uns mit starker internationaler Unterstützung
unser seit langem bestehendes Ziel eines vollständigen Verbots effektiver zu verfolgen sowie uns die
Kosten und Kontroversen zu ersparen, die mit der
Aufrechterhaltung eines Chemiewaffenarsenals zur
Vergeltung einhergingen. Ich werde gleich im einzelnen auf unser Schutzprogramm eingehen.

Vergeltungsfähigkeit

Zerstörung chemischer Waffen

Zerstörung chemischer Waffen

Zweitens. Was ist erforderlich, um unsere Verpflichtungen zur Zerstörung chemischer Waffen im Ranmen
der CW-Konvention zu erfüllen? Unter der CWKonvention müssen die Vereinigten Staaten ihr
bestehendes Chemiewaffenarsenal zerstören. Es trifft
zwar zu, daß dies ein komplexer und kostenintensiver

Verifizierbarkeit
Schutz nationaler Sicherheitsinformationen

Seite 2

Programm zur chemischen Verteidigung

AMERIKA DIENST 07

�Prozeß sein wird, aber man sollte sich vor Augen
führen, daß der Kongreß die Exekutive bereits angewiesen hat, dem größten Teil dieser Verpflichtung
nachzukommen, unabhängig davon, ob die CWKonvention in Kraft tritt oder nicht.
Da die Vereinigten Staaten die Herstellung von
unitären CW-Kampfstoffen und -Munition im Jahr 1969
eingestellt haben, veralteten die unitären Waffen in
unseren Arsenalen zunehmend und wurden in einigen
Fällen unsicher. Als Resultat des Berichts der Überprüfungskommission für chemische Kriegführung von
1985 wies der Kongreß das Verteidigungsministerium
im Verteidigungsermächtigungsgesetz von 1986 an,
den Bestand an unitären Chemiewaffen bis zum 30.
September 1994 zu entsorgen. Das Verteidigungsermächtigungsgesetz von 1993 verlängerte den
Zerstörungszeitraum bis zum 31. Dezember 2004. Bis
heute haben wir über 1.000 Tonnen chemischer
Waffen in unserer Einrichtung auf Johnston Island
zerstört.
Mit anderen Worten: Die schwierigste Aufgabe - die
Zerstörung der alten Bestände an unitären Waffen bliebe mit oder ohne die CW-Konvention gleich. Aber
mit der Chemiewaffenkonvention erhalten wir bedeutende Vorteile bei der Kontrolle und Überwachung von
Chemiewaffen auf der ganzen Welt.
Wie können wir gewährleisten, daß der Bestand sicher
zerstört wird? Das gleiche Gesetz, das die aktuelle
Frist für die Zerstörung unitärer Waffenbestände
festsetzte, wies den Heeresminister zur Vorlage eines
Berichtes an den Kongreß an, in dem "die Pläne des
Heeres für die Zerstörung allen Materials zur chemischen Kriegführung der Vereinigten Staaten dargelegt werden".
Zusätzlich zur Zerstörung der unitären Waffenbestände werden unsere Verpflichtungen im Rahmen der
CW-Konvention folgendes beinhalten: Binäre chemische Munition; vergrabene chemische Munition,
wenn sie ausgegraben und entschieden wird, daß sie
die Definition der CW-Konvention erfüllt; bei Übungen
nicht explodierte chemische Waffen; nicht mit Chemiewaffen bestückte Trägersysteme und Gerät sowie
Produktionsanlagen für chemische Waffen. Das Heer
legte dem Kongreß im November 1993 einen Bericht
über nicht in Arsenalen gelagertes chemisches
Material vor und ist mit seiner Aktualisierung befaßt,
die im Frühjahr 1996 unterbreitet werden soll.
Gemäß der Anweisung des Kongresses wurde das
Zerstörungsprogramm für chemische Waffen - das
durch Verbrennung in speziell entworfenen Einrichtungen an derzeitigen Lagerstätten für Chemiewaffen durchgeführt wird - verschoben, bis das Heer dem
Kongreß einen Bericht über die Erkenntnisse und
Empfehlungen des nationalen Forschungsrats über

AMERIKA DIENST 07

das Verbrennungsprogramm und alternative Technologien vorgelegt hatte.
Das Heer überprüfte und erwog alle Erkenntnisse und
Empfehlungen des nationalen Forschungsrats. Das
Heer und ich stimmen mit dem nationalen Forschungsrat überein, daß der Verbrennungszerstörungsprozeß
sicher und effektiv ist und beschleunigt durchgeführt
werden sollte. Wir sind mit dem nationalen Forschungsrat ebenfalls einer Meinung, daß die Risiken
der dauerhaften Lagerung der Bestände die potentiellen Risiken der Verbrennung aufwiegen.
Von den vom nationalen Forschungsrat für weitere
Forschung empfohlenen vier alternativen Technologien
hat das Heer zwei getestet - Neutralisierung allein und
von biologischer Behandlung gefolgte Neutralisierung.
Die Ermittlungen über die Effizienz dieser Verfahren
dauern an.
In der Zwischenzeit verfeinern wir den Zerstörungsprozeß auf Johnston Island, und in jeder neuen
Einrichtung werden die gewonnenen Erfahrungen
berücksichtigt. Wir erwarten, daß die Arbeit in diesen
Einrichtungen Bedenken der Öffentlichkeit an den
Standorten beschwichtigen wird. Das Verteidigungsministerium arbeitet eng mit Kongreßabgeordneten
zusammen, die Chemiewaffenstandorte in ihren
Bundesstaaten und Bezirken haben, damit wir aufgeschlossen für ihre Anliegen sein sowie auf die spezifischen Umstände jedes Standorts eingehen können.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß wird das Verteidigungsministerium sicherstellen, daß sämtliches von
der Chemiewaffenkonvention erfaßte chemiewaffenfähige Material innerhalb der vertraglich vorgeschriebenen Zeit von zehn Jahren zerstört wird.
Verifizierbarkeit
Drittens, ist der Vertrag verifizierbar? Obwohl kein
Vertrag 100 Prozent verifizierbar ist, ist die CWKonvention effektiv verifizierbar. Die Chemiewaffenkonvention enthält die umfassendsten Verifizierungsbestimmungen aller Rüstungskontrollregime.
Das
Regime der CW-Konvention besteht aus detaillierter
Offenlegung, Routineinspektionen bekanntgegebener
Standorte sowie kurzfristig anberaumten Ad-hocInspektionen. Mit seinen sich ergänzenden und
überschneidenden Verifizierungserfordernissen sieht
das Regime der CW-Konvention die Mittel vor, um
eine Vertragspartei von der Verletzung der Bestimmungen der Konvention abzuschrecken. Wir sind zuversichtlich, daß Aktivitäten wie die Zerstörung bekanntgegebener Chemiewaffenbestände und Produktionsanlagen verifiziert werden können. Das Aufspüren der illegalen Herstellung geringer Mengen von
Chemiewaffen wird außerordentlich schwierig sein,
dagegen ist es leichter, die Produktion in großem
Umfang, das Füllen und die Lagerung chemischer

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�Waffen aufzudecken. Mit der Zeit sollte sich das
Verifizierungsregime der CW-Konvention dank der
vorgesehenen Offenlegung, Routineinspektionen, der
Mechanismen für Wahrheitsfindung, Konsultationen
und Ad-hoc-lnspektionen als effektiv bei der Bereitstellung einer Vielfalt von Informationen über mögliche
Chemiewaffenprogramme erweisen, die ohne die
Konvention nicht zur Verfügung stehen würden. Wenn
wir die im Rahmen der CW-Konvention gewonnenen
Erfahrungen mit unseren nachrichtendienstlichen
Erkenntnissen und Einschätzungen kombinieren,
können wir ein fundiertes Urteil bezüglich der Einhaltung durch eine Vertragspartei fällen. Wenn wir die
durch das Regime der CW-Konvention vorgesehene
Abschreckung mit unserer militärischen Bereitschaft
kombinieren, haben wir einen effektiven Ansatz zur
Bekämpfung der Verbreitung von Chemiewaffen.
Schutz nationaler Sicherheitsinformationen
Viertens. Besteht ein Schutz der Privatsphäre unserer
Bürger und Unternehmen sowie nationaler Sicherheitsinformationen und Industrietechnologie, damit sie nicht
durch das Verifikationssystem der CW-Konvention
gefährdet werden? Während der Verhandlungen über
die Chemiewaffenkonvention mußte ein Gleichgewicht
zwischen den in vielen Verifikationsbestimmungen
vorgesehenen einschneidenden Maßnahmen und
berechtigten nationalen Sicherheitsanliegen und dem
Schutz geistigen Eigentums sowie verfassungsmäßigen Schutzbestimmungen geschaffen werden.
Nach Ansicht des Verteidigungsministeriums wurde ein
Gleichgewicht zwischen wirksamer Verifizierung der
Konvention und dem Schutz der nationalen Sicherheitsanliegen des Verteidigungsministeriums erzielt.
Zudem belegt die seit langer Zeit vom Verband der
Chemiewaffenhersteller für die Konvention gezeigte
Unterstützung, daß dem Schutz von Industriegeheimnissen ebenfalls Rechnung getragen wurde.
Die CW-Konvention bietet Schutzbestimmungen
gegen unseriöse oder unberechtigte Forderungen
nach Inspektionen. Das Inspektorenteam muß sich
streng an sein Inspektionsmandat halten. Es darf
keine Informationen sammeln oder zurückhalten, die
nicht im Zusammenhang mit Ziel und Zweck der
Konvention stehen oder dafür relevant sind. Bekanntgegebene Produktionsanlagen, die Routineinspektionen unterliegen, haben das Recht auf Aushandlung
von Übereinkünften zu der Einrichtung. Im Einklang
mit der CW-Konvention werden in diesen Übereinkünften Einzelheiten über das Ausmaß des Zugangs,
den Umfang der bereitzustellenden Informationen
sowie die Entnahme von Mustern oder die Kontrolle für
bestimmte Anlagen geregelt.
Diese Schutzbestimmungen gelten insbesondere für
Ad-hoc-lnspektionen. Hierbei hat ein Staat nach der
Ankündigung einer Inspektion 120 Stunden Zeit, bis er
Zugang zu dieser Anlage gewähren muß. Während

Seite 4

dieses Zeitraums handeln der zu inspizierende Staat
und das Inspektorenteam Art und Umfang des Zugangs zu der Einrichtung aus. Der inspizierte Staat
hat der Konvention zufolge das Recht, zum Schutz der
nationalen Sicherheit erforderliche Maßnahmen zu
ergreifen. Hierzu gehören unter Umständen die
Vernichtung oder Entfernung sicherheitsempfindlicher
Dokumente oder Gegenstände aus dem Gebiet oder
die Einschränkung der Analyse von Mustern. Die
Maßnahmen sind jedoch nicht darauf beschränkt. Der
zu inspizierende Staat darf auch sämtlichen verfassungsmäßigen Verpflichtungen Rechnung tragen, die
er im Hinblick auf Industriegeheimnisse, Durchsuchung
und Beschlagnahme haben mag. Diese strengen
Schutzbestimmungen sind gegen die Verpflichtung
abgewogen, sie nicht einzusetzen, um eine Einhaltung
der Konvention zu umgehen. Dementsprechend muß
ein Staat, der keinen vollständigen Zugang gewährt,
alle zumutbaren Bestrebungen unternehmen, um
alternative Mittel zur Klärung möglicher Vorwürfe einer
Nichtbefolgung bereitzustellen.
Die Industrie war stark an die Entwicklung der Verifikationsbestimmungen der CW-Konvention beteiligt, und
auf der Grundlage von im Verteidigungsministerium
gemachten Erfahrungen sind wir der Ansicht, daß die
Gefahr von Industriespionage, Beeinträchtigung des
Schutzes der Privatsphäre und Konzessionen bei
Informationen zur nationalen Sicherheit äußerst gering
ist.
Das Programm zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen
Fünftens. Was unternimmt das Verteidigungsministerium zum Schutz unserer Truppen? Das Verteidigungsministerium wird eine starke chemische Verteidigungsfähigkeit bewahren, die von aggressiven Bestrebungen
zum Sammeln nachrichtendienstlicher Informationen
unterstützt wird. Im Zuge der grundlegenden Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums verlagerten wir unsere Aufmerksamkeit vom Szenarium der
Kriegführung in Europa auf die nahezu gleichzeitige
Bewältigung von zwei regionalen Spannungsfällen.
Die daraus resultierende Einschätzung der regionalen
Bedrohung geht von einer hohen Wahrscheinlichkeit
aus, daß Aggressoren überall dort, wohin die Vereinigten Staaten voraussichtlich Truppen entsenden
würden, mit atomaren, biologischen oder chemischen
Waffen drohen oder diese einsetzen - darunter in
Nordostasien, am Persischen Golf und im Nahen
Osten. Folglich soll durch die Initiative des Verteidigungsministeriums zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen sichergestellt werden, daß
die amerikanischen Streitkräfte so ausgerüstet und
ausgebildet sind, um sich einem im Besitz von Chemiewaffen befindlichen Aggressor wirksam entgegenstellen zu können. Die Entwicklung verbesserter
Fähigkeiten zum Aufspüren von Chemiewaffen sowie
zur Verteidigung vor ihnen ist ein wesentlicher Be-

AMERIKA DIENST 07

�standteil dieser Initiative. Diese Verpflichtung zum
Schutz unserer Streitkräfte in Kombination mit der
Fähigkeit zum schnellen Einsatz der überwältigenden
Macht unserer militärischen Fähigkeiten wird das
Rückgrat der militärischen Abschreckung gegen
jeglichen Aggressor in der Welt der Chemiewaffenkonvention sein.
Der Vertrag erkennt die Notwendigkeit für seine
Unterzeichnerstaaten an, ihre Programme zur Verteidigung gegen Chemiewaffen fortzusetzen. Dieses
Recht wird in Artikel X der Konvention klar und unmißverständlich festgelegt. Ihm zufolge soll keine in der
Konvention enthaltene Bestimmung so ausgelegt
werden, daß sie das Recht einer Vertragspartei
beeinträchtigt, für nicht in der Konvention verbotene
Zwecke Mittel zum Schutz vor Chemiewaffen zu
erforschen, zu entwickeln, zu produzieren, zu beschaffen, weiterzugeben oder zu nutzen. Ferner enthält
Artikel II in seiner Definition von "nicht verbotenen
Zwecken" auch den Schutz vor Chemiewaffen. Die
CW-Konvention sieht die Überwachung und Verifizierung dieser Programme vor um sicherzustellen, daß
solche Aktivitäten nicht zur Geheimhaltung offensiver
Programme genutzt werden können. Um zu gewährleisten, daß unsere Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen die am besten geschützte und
ausgebildete Kampftruppe für Operationen auf einem
atomaren, biologischen oder chemischen (ABC)
Schlachtfeld sind, haben wir mit Unterstützung des
Kongresses ein zentralisiertes Verwaltungs- und
Aufsichtsverfahren entwickelt, das die Erfordernisse
der Teilstreitkräfte auf diesen Gebieten koordinieren
soll.
Unsere ABC-Verteidigungsprogramme werden im
Einklang mit den Vertragsbestimmungen fortgesetzt,
und wir werden unseren Truppen auch in Zukunft
soviel Schutz wie möglich bieten. Keine Bestimmung
des Vertrags schränkt unsere diesbezüglichen Aktivitäten ein.
Reizstoffe für den Polizeieinsatz
Und was ist mit der Verwendung von Reizstoffen für
den Polizeieinsatz für legitime Zwecke? Die Chemiewaffenkonvention gestattet den Einsatz von RCAs bei
Strafverfolgungsoperationen und der Niederschlagung
von Krawallen im Inland, verbietet jedoch den Einsatz
von RCAs als Methode der Kriegführung. Die Administration ist sich bewußt, daß dieses Verbot nur auf
ihren Einsatz als Methode der Kriegführung bei
internationalen und innenpolitischen Konflikten Anwen-

*

AMERIKA DIENST 07

düng findet. Der Einsatz von RCAs bei Operationen in
Friedenszeiten wie normalen friedenssichernden
Operationen, humanitären und Katastrophenhilfemissionen sowie bei Terrorismusbekämpfung und der
Rettung von Geiseln ist von der CW-Konvention nicht
betroffen.
Weder die CW-Konvention noch das offizielle Verhandlungsprotokoll definieren "Methode der Kriegführung". Die Administration hat diese Frage sehr
sorgfältig geprüft und ist zu der Schlußfolgerung
gelangt, daß die Chemiewaffenkonvention den Einsatz
von RCAs bei Polizeieinsätzen in Bereichen, die direkt
und definitiv der militärischen Kontrolle der Vereinigten
Staaten unterstehen, nicht verbietet. Dazu zählt auch
der Einsatz gegen aufständische Kriegsgefangene
sowie in den hinteren Kampfbereichen außerhalb der
unmittelbaren Kampfzone, um Konvoys vor Störungen
durch Zivilisten, Terroristen und paramilitärische
Organisationen zu schützen. Die CW-Konvention
verbietet den Einsatz von RCAs nur gegen Kombattanten und im Einklang mit dem Verständnis unserer
Verbündeten und Vertragsunterzeichner selbst für
humanitäre Zwecke in Situationen, in denen Kombattanten und Nichtkombattanten vermischt sind. Im Brief
des Präsidenten an den Kongreß mit Datum von 23.
Juni 1994 steht jedoch: "Sollte sich das internationale
Verständnis in dieser Frage ändern, würden sich die
Vereinigten Staaten nicht durch diese Position gebunden fühlen". Ich möchte hinzufügen, daß das Schreiben des Präsidenten vom 23. Juni ebenfalls seine
Intention darlegt, das Büro des Verteidigungsministers
anzuweisen, "die Bestrebungen zu beschleunigen,
nichtchemische, nichttödliche Alternativen zu RCAs
zum Einsatz in Situationen zu bringen, in denen
Kombattanten und Nichtkombattanten vermischt sind".
Schlußbemerkung
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Verteidigungsministerium die Chemiewaffenkonvention als
einen ausgewogenen Vertrag erachtet, der in Verbindung mit unseren anderen Bestrebungen zur Eindämmung der Verbreitung von chemischen Waffen,
einem soliden Schutzprogramm gegen Chemiewaffen
und der Beibehaltung eines breiten Spektrums nichtchemischer Reaktionsfähigkeiten den besten Interessen der Vereinigten Staaten und der internationalen
Staatengemeinschaft dienen wird. Das Verteidigungsministerium unterstützt die Konvention uneingeschränkt. Ich bitte den Senat, die Ratifizierung des
Vertrags in diesem Frühjahr zu erörtern und ihr
zuzustimmen.

* * * *

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�NAHER

OSTEN

3. April 1996

UNHCR soll Friedensprozeß unterstützen
Rede von Botschafterin Ferraro

GENF - (AD) - Der Leiterin der amerikanischen Delegation bei der 52. Sitzung der UN-Kommission für
Menschenrechte in Genf, Botschafterin Geraldine Ferraro, zufolge ist beim Streben nach Frieden im Nahen Osten
zuviel erreicht worden, um eine Handvoll Extremisten den Friedensprozeß vereiteln zu lassen. "Die Feinde des
Nahost-Friedensprozesses sind die Feinde der Menschenrechte", erklärte sie am 21. März 1996.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Ferraro im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, im Namen der amerikanischen
Delegation möchte ich Sie zu Ihrer Wahl als diesjähriger Vorsitzender der Menschenrechtskommission
beglückwünschen. Wir müssen uns in dieser Sitzungsperiode mit vielen wichtigen Themen befassen,
und ich bin zuversichtlich, daß wir dank Ihres kompetenten Vorsitzes die meisten von ihnen abhandeln
können.
Die Menschenrechte nehmen einen besonderen Platz
in dieser komplexen, konkurrierenden und zunehmend
interdependenten Welt ein. Auf der einen Seite stehen
sie für das höchste Streben der Menschheit. Auf der
anderen Seite ist die Tatsache, daß wir ihnen so häufig
nicht gerecht werden, eine konstante Erinnerung an
die Arbeit, die wir alle noch leisten müssen. So
langsam und frustrierend die allmähliche Artikulierung
der Menschenrechte manchmal auch erscheinen
mochte, war sie doch eine der wichtigsten Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre. Wir müssen nur
auf die Meilensteine zurückblicken, die wir gesetzt
haben: Die Charta der Vereinten Nationen, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Schlußakte von Helsinki und in jüngerer Zeit das Wiener
Dokument sowie die Plattform der Pekinger Frauenkonferenz.
Die in diesen Dokumenten verankerten oder bekräftigten Menschenrechte werden jetzt von praktisch jeder
Nation der Welt anerkannt. Das ist das Versprechen
der Menschenrechte. Es ist daher unsere Pflicht, auf
unseren bisherigen Errungenschaften aufzubauen und
aus dem Versprechen der alten Welt eine neue zu

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gestalten. Das ist eine kolossale Herausforderung.
Aber wir müssen uns ihr stellen. Wir können damit
beginnen, wenn jede Nation ernsthafte Anstrengungen
unternimmt, die Menschenrechtsvereinbarungen in die
Praxis umzusetzen, denen sie bereits zugestimmt hat.
Unser heutiges Thema ist der Nahe Osten, eine
Region, in der Hoffnung und Verzweiflung noch jeden
Tag miteinander ringen. Es ist eine Region, Herr
Vorsitzender, in der die Neue Welt, über die wir so
häufig gesprochen haben - eine Welt des Friedens und
der Versöhnung - noch immer auf die Probe gestellt
wird. Und dennoch wurden wir Zeuge, wie das
scheinbar Unmögliche Realität wurde. Der einstmals
undenkbar scheinende Frieden zwischen Arabern und
Israelis besteht seit nunmehr vier Jahren. Zusammen
mit Ägypten haben die Palästinenser und Jordanien
Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet. Die
Belohnung ließ nicht lange auf sich warten. Der
Frieden bedeutete die Autonomie der palästinensischen Regierung für die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen für einen fünf Jahre nicht
überschreitenden Zeitraum bis zur endgültigen Lösung
auf der Grundlage der Resolutionen 242 und 338. Er
bewirkte auch den Abzug der israelischen Streitkräfte
aus den größeren palästinensischen Städten und
umliegenden Dörfern, Wahlen für einen palästinesischen Rat und den Leiter seiner Exekutivbehörde
sowie die Einrichtung einer beeindruckenden Vielfalt
ziviler und politischer Institutionen.
Für Jordanien bedeutete der Frieden die Entwicklung
vielfältiger neuer Beziehungen zu Israel. Für beide

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�Staaten lebenswichtige Fragen wie Wassernutzung
sind jetzt Gegenstand häufiger Konsultationen zwischen ihnen. Und viele andere arabische Staaten vom Golf bis Nordafrika - bereiten sich auf den sich
rasch entwickelnden regionalen Markt des Nahen
Ostens vor, der wirtschaftliche Vorteile für nahezu 100
Millionen Menschen verspricht.
Ich bin sicher, alle hier Anwesenden sind sich der
Bedeutung bewußt, die die Vereinigten Staaten dem
jetzt im Nahen Osten eingeleiteten Prozeß des Friedens und der Aussöhnung beimessen. Keine Nation
hat härter als wir gearbeitet, um den Arabern und
Israelis bei der Überwindung der Antipathien der
Vergangenheit behilflich zu sein und einen gerechten
und dauerhaften Frieden für alle Menschen der Region
zu sichern. Niemand darf irgendwelche Zweifel an
unserer Absicht hegen, den Prozeß weiter voranzubringen. Es erforderte großen Mut, die Bande des
Krieges und des Mißtrauens zu durchtrennen, die die
Völker des Nahen Ostens nahezu 50 Jahre lang in
einem Kreislauf von Gewalt, Haß und Vergeltung
gefangenhielten. Viele haben ihren Mut mit dem
Leben bezahlt. Aber Frieden - echter Frieden - hat
viele Helden. Es sind nicht nur die visionären Politiker,
die einem Land Hoffnung brachten, das so viele Jahre
des Krieges erlebte. Auch die Bürger haben einen
außerordentlichen Beitrag geleistet. In Städten und
Dörfern der Region haben Hunderttausende Araber
und Israelis begonnen, einander die Hand der Freundschaft und Zusammenarbeit zu reichen. Auch sie sind
Helden - denn ihnen gebührt der Tribut für die monumentale Arbeit am Aufbau des Friedens - eines
Friedens, der Bestand haben kann.
Das Versprechen des Friedens ist so groß, daß kein
Mörder oder Selbstmordkommando es zerstören kann.
Von den Zitrushainen im Gazastreifen bis zum See
Genezareth treibt Hoffnung die Geschichte voran.
Einige sind jedoch entschlossen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen - Menschen mit krankem
Geist, die sich am Leiden anderer erfreuen und mit
Bombenanschlägen auf Autobusse und terroristischen
Gewaltakten auf sich aufmerksam machen wollen.
Man sagt uns, dies diene einem höheren Ziel als dem
Frieden. Das ist völliger Unsinn. Dies sind Akte der
Verzweiflung, Arroganz und Feigheit.
Die Terroristen der Hamas und der islamischen
Dschihad haben die Zeiten und ihr eigenes Volk falsch
eingeschätzt. Die Menschen, die sie zu vertreten
behaupten, setzen ihr Vertrauen in Frieden, nicht in
Terror. Die Hoffnung hat im Nahen Osten grundlegende Veränderungen und mehr Fortschritte zu einem
gerechten Frieden gebracht, als dies ein Krieg jemals
tun könnte. Es ist folglich nicht überraschend, daß
nach dem Anti-Terror-Gipfel in Scharm-el-Scheich am
13. März Araber und Israelis gleichermaßen die
Bombenanschläge in Israel als feige Akte verurteilten.

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Vielleicht überrascht es auch nicht, daß ein paar
Fehlgeleitete immer noch davon überzeugt sind, sie
allein hätten das Recht zu entscheiden, wer leben darf
und wer sterben soll. Das Überraschende ist, daß sie
glauben, die Menschen würden sie unterstützen. Es
steht außer Frage, daß die Weichen für den Frieden
wieder gestellt werden können - und das werden sie
auch. Die Nationen der Welt haben in Scharm-elScheich deutlich gemacht, daß sich die Regeln im
Nahen Osten geändert haben. Die Kämpfe zwischen
Arabern und Israelis gehören der Vergangenheit an.
Bedauerlicherweise suchen diejenigen, die den Lauf
der Geschichte nicht akzeptieren wollen, jetzt nach
einem anderen Schlachtfeld. Sie verüben Terroranschläge gegen die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.
Herr Vorsitzender, sie dürfen nicht obsiegen. Wir
dürfen nicht tatenlos zusehen, wie eine Handvoll
Extremisten dem Friedensprozeß entgegenwirkt. Es
wurde schon zu viel erreicht als daß wir zulassen
könnten, daß ein paar verzweifelte Terroristen über die
Zukunft von Millionen Menschen im Nahen Osten
entscheiden. Wir müssen uns jetzt klar und deutlich
äußern. Die Feinde des Nahostfriedensprozesses
sind die Feinde der Menschenrechte. Vergangenes
Jahr nahm die Kommission einstimmig eine positive
Nahostresolution an. Die Vereinigten Staaten unterstützen dieses Jahr erneut eine solche Resolution.
Durch ihre erneute einhellige Billigung bei dieser
Sitzung sendet die Kommission die wichtige Botschaft,
daß wir den direkten Zusammenhang zwischen dem
Friedensprozeß und der Verbesserung der Menschenrechte im Gazastreifen und im Westjordanland
anerkennen. Wir begrüßen den Vorschlag des
Sonderberichterstatters, sein Mandat zu überprüfen
und zu erweitern. Ferner ist es unseres Erachtens an
der Zeit, der überflüssigen Rhetorik ein Ende zu
setzen, die in der Vergangenheit allzu oft charakteristisch für die einseitigen Resolutionen der Kommission
war. Die Kommission muß die veralteten und sich
wiederholenden jährlichen Resolutionen abschaffen,
die unter diesem Tagesordnungspunkt hervorgebracht
wurden. Wir sind der Ansicht, daß Punkt 4 der Tagesordnung unnütz ist und daher abgeschafft werden
sollte. Da der Frieden im Nahen Osten Fuß faßt, sollte
jede Überlegung zu Menschenrechtsproblemen unter
Punkt 10 erfolgen, wie es bei jedem anderen Land
auch geschieht. Diese Kommission muß sich erneut
der Unterstützung des Friedensprozesses widmen.
Die jüngsten Ereignisse beweisen, daß es noch Feinde
des Friedens gibt. Wir wollen sie nicht ermutigen. Wir
wollen ein für allemal zeigen, daß jede Delegation bei
dieser Kommission fest und unerschütterlich auf der
Seite des Friedens und der Menschenrechte im Nahen
Osten steht. Das sind wir uns selbst und der Geschichte schuldig.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 07

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