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Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

28. November 1995

SONDERDIENST

BOSNIEN

USA SOLLTEN FRIEDEN IN BOSNIEN
UNTERSTÜTZEN
Rede von Präsident Clinton

Dieser Artikel ist elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.

Frau
Gaby N i e s s e n
USISsI

u

X

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�BOSNIEN
28. November 1995

USA SOLLTEN FRIEDEN IN BOSNIEN UNTERSTÜTZEN
Rede von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit übertragenen Femsehansprache appellierte Präsident Clinton am
27. November 1995 an das amerikanische Volk, den Friedensplan für Bosnien mit der Entsendung
amerikanischer Truppen als Teil der NATO-Truppe zur Umsetzung des Friedens zu unterstützen. Der
Präsident unterstrich, daß die Sicherung des Friedens in Bosnien "auch zum Aufbau eines freien und stabilen
Europa" beitragen wird. Frieden in Bosnien würde darüber hinaus zu "Stabilität in Zentraleuropa" führen, einer
Region, deren Freiheit und Stabilität "von elementarer Bedeutung" für die nationalen Interessen der Vereinigten
Staaten sei.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Fernsehansprache des Präsidenten im Wortlaut.

In der vergangenen Woche erzielten die kriegführenden Parteien in Bosnien ein Friedensabkommen als
Resultat unserer Bestrebungen in Dayton und der
Unterstützung unserer europäischen und russischen
Partner. Heute abend möchte ich zu Ihnen über die
Umsetzung des bosnischen Friedensabkommens
sprechen und begründen, warum unsere Werte und
Interessen als Amerikaner unsere Beteiligung erforderlich machen.
Als erstes möchte ich klarstellen, daß die amerikanische Rolle nicht darin besteht, einen Krieg zu
führen. Unsere Rolle ist es, den Menschen in
Bosnien bei der Sicherung ihres eigenen Friedensabkommens behilflich zu sein. Unsere Mission wird
begrenzt und zielgerichtet sein und unter dem
Oberbefehl eines amerikanischen Generals stehen.
Mit der Ausführung dieser Mission haben wir die
Chance, die Ermordung unschuldiger Zivilisten,
insbesondere von Kindern, zu beenden und gleichzeitig Stabilität in Zentraleuropa herbeiführen, einer
Rpgion, deren Freiheit und Stabilität von elementarer
Bedeutung für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ist. Wir tun das Richtige.
Seit der Gründung unserer Nation war Amerika stets
sehr viel mehr als nur irgendein Ort. Amerika
verkörpert eine Idee, die zum Ideal für Milliarden von
Menschen auf der ganzen Welt geworden ist.
Unsere Gründerväter haben es am besten formuliert:
Amerika steht für Leben, Freiheit und das Streben
nach Glück.

AMERIKA DIENST

Insbesondere in diesem Jahrzehnt hat Amerika mehr
getan als nur für diese Ideale einzutreten. Wir haben
im Geiste dieser Ideale gehandelt und Opfer für sie
gebracht. Unser Volk hat in zwei Weltkriegen gekämpft, damit Freiheit den Sieg über die Tyrannei
davontragen konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg
zogen wir uns aus der Welt zurück und hinterließen
ein Vakuum, das von den Kräften des Hasses gefüllt

wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir weiterhin eine
Führungsrolle in der Welt übernommen. Wir gingen
die Verpflichtungen ein, die den Frieden bewahrten,
zur Verbreitung von Demokratie beitrugen, beispiellosen Frieden und Wohlstand schufen und die zum
Sieg im Kalten Krieg führten.
Wegen unseres Engagements streben heute immer
mehr Menschen auf der ganzen Welt nach den
amerikanischen Idealen - Freiheit, Demokratie und
Frieden. Es ist noch mehr die Macht unserer Ideale
als unsere Größe, unser Wohlstand und unsere
Militärmacht, die Amerika zu einer einzigartig bewährten Nation machen.
Mit dem Ende des Kalten Krieges stellen einige nun
die Notwendigkeit unserer andauernden aktiven
Führungsrolle in der Welt in Frage. Ebenso wie nach
dem Ersten Weltkrieg glauben sie, daß Amerika sich
jetzt seinen Pflichten als Führungsmacht entledigen
kann. Sie argumentieren, um sicher zu sein, müßten
wir nur unsere Grenzen sichern und daß es jetzt an
der Zeit sei, anderen die harte Arbeit der Führung
jenseits unserer Grenzen zu überlassen.
Dem
widerspreche ich entschieden.

Seite 1

�Während der Kalte Krieg dem Weltdorf weicht, ist
unsere Führungsrolle notwendiger denn je, weil
Probleme, die jenseits unserer Grenzen beginnen,
schnell zu Problemen innerhalb unserer Grenzen
werden können. Wir alle sind verwundbar durch die
organisierten Kräfte der Intoleranz und Zerstörung,
Terrorismus, ethnische, religiöse und regionale
Rivalitäten, die Verbreitung des organisierten Verbrechens, von Massenvernichtungswaffen und
Drogenhandel. Ebenso wie Faschismus und Kommunismus bedrohen auch diese Kräfte Freiheit und
Demokratie, Frieden und Wohlstand. Und auch sie
erfordern eine amerikanische Führungsrolle.
Aber nirgends ist das Argument für unsere Führungsrolle besser gerechtfertigt als im Kampf zur
Beendigung oder Verhinderung von Krieg und zivilen
Unruhen. Vom Irak bis Haiti, von Südafrika bis
Korea, vom Nahen Osten bis nach Nordirland sind
wir für Frieden und Freiheit eingetreten, weil es in
unserem Interesse lag, dies zu tun und weil es das
Richtige war.
Das heißt jedoch nicht, daß wir jedes Problem lösen
können. Meine Aufgabe als Präsident ist es, die
Anforderungen an die amerikanische Führungsrolle
mit unseren strategischen Interessen und unserer
Fähigkeit in Einklang zu bringen, etwas zu bewirken.
Amerika kann und darf nicht der Weltpolizist sein.
Wir können nicht alle Kriege für alle Zeiten beenden,
aber wir können einige Kriege beenden. Wir können
nicht alle Frauen und alle Kinder retten, aber wir
können viele retten. Wir können nicht alles tun, aber
wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun.
Es gibt Zeiten und Orte, wo unsere Führungsrolle
den Unterschied zwischen Frieden und Krieg ausmachen kann, wo wir unsere grundlegenden Werte
als Volk verteidigen und unseren fundamentalen
strategischen Interessen dienen können. Meine
amerikanischen Mitbürger - in diesem neuen Zeitalter gibt es immer noch Zeiten, in denen einzig und
allein Amerika Frieden herbeiführen kann und sollte.
Der schreckliche Krieg in Bosnien ist ein solcher
Fall. Nirgendwo auf der Welt von heute ist die
Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle
offensichtlicher oder vordringlicher als in Bosnien.
Seit nahezu vier Jahren spaltet ein schrecklicher
Krieg das Land. Schrecken, von denen wir beteten,
sie mögen für immer aus Europa verbannt sein,
brannten sich wieder in unser Gedächtnis: Abgemagerte Gefangene, eingepfercht hinter Stacheldrahtzäunen, als Instrument des Krieges systematisch
vergewaltigte Frauen und Kinder, wehrlose Männer
und Jungen, die vor Massengräbern exekutiert
wurden, beschworen Visionen der Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs und endloser Flucht-

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lingsströme herauf, die in eine Zukunft der Verzweiflung marschierten.
Bei meiner Amtsübernahme drängten einige auf eine
unverzügliche Intervention in den Konflikt.
Ich
entschied, daß amerikanische Bodentruppen nicht in
dem Krieg in Bosnien kämpfen sollten, weil die
Vereinigten Staaten nicht den kriegführenden ethnischen Gruppen in Bosnien den Frieden aufzwingen
sollten: Den Serben, Kroaten und Muslims. Statt
dessen arbeiteten die Vereinigten Staaten mit ihren
europäischen Verbündeten beim Streben nach
Frieden zusammen, verhinderten eine Ausweitung
des Krieges und milderten das Leiden des bosnischen Volkes.
Wir verhängten strenge Wirtschaftssanktionen gegen
Serbien. Wir setzten unsere Luftwaffe für die längste
humanitäre Luftbrücke der Geschichte und zur
Durchsetzung der Flugverbotszone ein, die den Krieg
aus der Luft beendete. Wir trugen zur Schaffung des
Friedens zwischen zwei der drei kriegführenden
Parteien bei - den Muslims und den Kroaten.
Aber als aus den Monaten des Krieges Jahre wurden, wurde deutlich, daß Europa allein den Konflikt
nicht beenden kann. In diesem Sommer verwandelten die Artillerieangriffe der bosnischen Serben die
Spiel- und Marktplätze in Bosnien erneut in Felder
des Todes. Als Reaktion darauf führten die Vereinigten Staaten die schweren und kontinuierlichen
Luftangriffe der NATO an, die häufig von ausgezeichneten und mutigen amerikanischen Piloten geflogen
wurden. Zusammen mit der Entschlossenheit unserer europäischen Partner und den Gewinnen der
Bosnier und Kroaten auf dem Schlachtfeld überzeugten diese Luftangriffe schließlich die Serben, über
einen Frieden nachzudenken.
Gleichzeitig leiteten die Vereinigten Staaten intensive
diplomatische Bestrebungen in die Wege, die einen
Waffenstillstand in ganz Bosnien herbeiführten und
die Parteien dazu brachten, den grundlegenden
Prinzipien des Friedens zuzustimmen. Drei äußerst
engagierte Diplomaten - Bob Frasure, Joe Kruzel und
Nelson Drew - ließen dabei ihr Leben. Heute abend
gedenken wir ihres Opfers und das ihrer Familien,
und wir werden nie den außergewöhnlichen Dienst
vergessen, den sie unserer Nation erwiesen haben.
Vor nur drei Wochen kamen die Muslims, Kroaten
und Serben schließlich nach Dayton im Herzen
Amerikas, um eine Lösung auszuhandeln. Erschöpft
vom Krieg gingen sie dort die Verpflichtung zu
Frieden ein. Sie stimmten zu, ihre Waffen niederzulegen, Bosnien als einheitlichen Staat zu bewahren, gegen Kriegsverbrecher zu ermitteln und sie zu
verfolgen, die Menschenrechte aller Bürger zu

AMERIKA DIENST

�schützen und eine friedliche, demokratische Zukunft
aufzubauen. Und sie baten um die Hilfe der Amerikaner bei der Umsetzung dieses Friedensabkommens.
Amerika hat die Pflicht, auf diese Bitte einzugehen
und diesen Augenblick der Hoffnung zu einer dauerhaften Realität zu machen. Dafür würden Truppen
unseres Landes und aus der ganzen Welt nach
Bosnien entsandt, um den Menschen dort das
Vertrauen und die Unterstützung zu geben, die sie
zur Umsetzung ihres Friedensplans benötigen. Ich
weigere mich, amerikanische Truppen zu entsenden,
damit sie in einem Krieg in Bosnien kämpfen, aber
meines Erachtens müssen wir zur Sicherung des
bosnischen Friedens beitragen.
Ich möchte Ihnen heute abend sagen, was auf dem
Spiel steht, was unsere Truppen genau leisten
sollen, und warum wir unserer Verantwortung
gerecht werden müssen, bei der Umsetzung des
Friedensabkommens behilflich zu sein. Die Umsetzung des Abkommens in Bosnien kann das schreckliche Leid der Menschen beenden - die Kampfhandlungen, die Massenexekutionen, die ethnischen
Säuberungen, die Kampagnen der Vergewaltigung
und des Terrors. Wir wollen nie die Viertelmillion
Männer, Frauen und Kinder vergessen, die Artillerieangriffen oder Gewehrkugeln zum Opfer fielen oder
zu Tode gefoltert wurden. Zwei Millionen Menschen
- die Hälfte der Bevölkerung - wurden aus ihrer
Heimat in ein erbärmliches Flüchtlingsdasein vertrieben. Und diese gesichtslosen Zahlen haben
Millionen realer, persönlicher Schicksale, denn jedes
Opfer des Krieges war eine Mutter oder Tochter, ein
Vater oder Sohn, ein Bruder oder eine Schwester.
Jetzt ist der Krieg beendet. Die amerikanische
Führungsrolle hat die Chance geschaffen, einen
Frieden aufzubauen und das Leiden zu beenden.
Die Sicherung des Friedens in Bosnien wird auch
zum Aufbau eines freien und stabilen Europa beitragen. Bosnien liegt mitten im Herzen Europas,
umgeben von einigen der instabilen neuen Demokratien und einigen unserer engsten Verbündeten.
Generationen von Amerikanern haben verstanden,
daß die Freiheit und Stabilität Europas von elementarer Bedeutung für unsere nationale Sicherheit ist.
Aus diesem Grund haben wir zwei Kriege in Europa
geführt. Aus diesem Grund haben wir den Marshallplan zum Wiederaufbau Europas in die Wege
geleitet. Aus diesem Grund haben wir die NATO
gegründet und den Kalten Krieg geführt. Und aus
diesem Grund müssen wir den Nationen Europas
behilflich sein, den schlimmsten Alptraum seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs zu beenden - jetzt.

AMERIKA DIENST

Die einzige Streitmacht zur Bewältigung dieser
Aufgabe ist die NATO - das mächtige Militärbündnis
von Demokratien, das unsere Sicherheit jetzt seit
einem halben Jahrhundert garantiert.
Und als
Führungsmacht der NATO und wichtigster Makler des
Friedensabkommens müssen die Vereinigten Staaten
unerläßlicher Bestandteil dieser Mission sein. Wenn
wir nicht dort sind, wird die NATO nicht dort sein.
Der Frieden wird brechen. Der Krieg wird Wiederaufflammen.
Das Gemetzel an Unschuldigen wird
wieder beginnen. Ein Konflikt, der bereits so viele
Opfer gefordert hat, könnte sich wie ein Flächenbrand
in der gesamten Region ausbreiten, die Stabilität
Europas unterminieren und unsere Partnerschaft mit
unseren europäischen Verbündeten aushöhlen.
Die amerikanische Verpflichtung zu einer Führungsrolle wird darüber hinaus in Frage gestellt, wenn wir
uns weigern, uns an der Umsetzung des Friedensabkommens zu beteiligen, das wir hier in den Vereinigten Staaten vermittelt haben, insbesondere, weil
die Präsidenten von Bosnien, Kroatien und Serbien
uns um die Beteiligung gebeten und alle ihr Wort für
die Sicherheit unserer Truppen gegeben haben.
Wenn die Partnerschaften Amerikas schwach sind
und unsere Führungsrolle bezweifelt wird, unterminiert dies unsere Fähigkeit, unsere Interessen zu
wahren und andere von der Zusammenarbeit mit uns
zu überzeugen. Wenn wir unsere Partnerschaften
und unsere Führungsrolle aufrechterhalten, müssen
wir nicht im Alleingang handeln. Wie wir im Golfkrieg
und in Haiti gesehen haben, werden viele andere
Nationen, die unsere Zielsetzungen teilen, auch die
Lasten teilen. Aber wenn Amerika keine Führungsrolle übernimmt, können die Konsequenzen äußerst
schwerwiegend sein, nicht nur für andere, sondern
letztlich auch für uns.
Während ich zu Ihnen spreche, schließt die NATO
die Planung für die IFOR ab - eine internationale
Truppe zur Umsetzung des Friedens in Bosnien von
rund 60.000 Mann. Über 25 andere Nationen,
darunter unsere wichtigsten NATO-Verbündeten,
haben bereits ihre Beteiligung zugesichert.
Sie
werden ungefähr zwei Drittel der gesamten Umsetzungstruppe stellen - rund 40.000 Soldaten. Die
Vereinigten Staaten würden den Rest beitragen,
ungefähr 20.000 Mann.
Gegen Ende der Woche wird mir der endgültige
NATO-Plan zur Überprüfung und Zustimmung vorgelegt. Ich möchte eindeutig klarstellen, was er
meine Ansicht nach enthalten sollte und enthalten
muß, damit ich meine Zustimmung zur Beteiligung
unserer Streitkräfte gebe:

Seite 3

�Erstens wird die Mission genau definiert sein mit
klaren, realistischen Zielen, die in einem bestimmten
Zeitraum erreicht werden können. Unsere Truppen
werden sicherstellen, daß jede Seite ihre Streitkräfte
hinter die Frontlinien abzieht und dort stationiert läßt.
Sie werden den Waffenstillstand aufrechterhalten,
um ein versehentliches erneutes Ausbrechen des
Krieges zu verhindern. Diese Bestrebungen werden
wiederum zur Schaffung eines sicheren Umfelds
beitragen, damit die Menschen in Bosnien in ihre
Heimat zurückkehren, bei freien Wahlen ihre Stimme
abgeben und mit dem Wiederaufbau ihres Lebens
beginnen können. Unsere Vereinigten Stabschefs
sind zu der Schlußfolgerung gelangt, daß diese
Mission ungefähr ein Jahr dauern sollte und wird.
Zweitens wird das Risiko für unsere Truppen auf ein
Minimum reduziert. Die amerikanischen Truppen
werden ihre Befehle von einem amerikanischen
General entgegennehmen, der NATO-Kommandeur
ist. Sie werden schwer bewaffnet und gut ausgebildet sein. Durch eine überwältigende Demonstration
von Macht werden sie die Notwendigkeit des Einsatzes von Gewalt verringern. Aber im Gegensatz
zu den UN-Truppen werden sie die Befugnis, die
Ausbildung und das Gerät haben, unverzüglich mit
überwältigender Macht auf jede Bedrohung ihrer
eigenen Sicherheit oder jede Verletzung der militärischen Bestimmungen des Friedensabkommens zu
reagieren.
Wenn der NATO-Plan meine Zustimmung findet,
werde ich ihn unverzüglich dem Kongreß übermitteln
und um seine Unterstützung ersuchen. Ich werde
auch die Beteiligung einer kleinen Anzahl amerikanischer Soldaten an einer NATO-Vorhut genehmigen,
die in der nächsten Woche die Vorbereitungsarbeit
für die IFOR übernimmt. Sie werden Hauptquartiere
einrichten und das hochmoderne Kommunikationssystem aufbauen, das vor der Entsendung der
Truppen, Panzer und Lastwagen der NATO nach
Bosnien funktionieren muß.
Die Truppe zur Umsetzung des Friedensabkommens
selbst würde in den Tagen nach der offiziellen

Unterzeichnung des Friedensabkommens Mitte
Dezember nach Bosnien disloziert. Die internationale Staatengemeinschaft wird bei der Umsetzung der
Rüstungskontrollbestimmungen des Abkommens
behilflich sein, damit zukünftige Feindseligkeiten
weniger wahrscheinlich und die Rüstungen begrenzt
werden, während die Völkergemeinschaft - die
Vereinigten Staaten und andere - sicherstellen, daß
die Bosnische Föderation die Mittel zu ihrer eigenen
Verteidigung nach dem Abzug der IFOR hat. Die
IFOR wird nicht Teil dieser Bestrebungen sein.

Seite 4

Zivile Behörden auf der ganzen Welt werden ein
getrenntes Programm humanitärer Hilfslieferungen
und für den Wiederaufbau in die Wege leiten, das
vornehmlich von unseren europäischen Verbündeten
und anderen interessierten Ländern finanziert wird.
Auch diese Bestrebungen sind absolut unerläßlich,
damit der Frieden dauerhaft ist.
Diese Behörden werden den Menschen in Bosnien
die Nahrungsmittel, Unterkünfte, Kleidung und
Medikamente bringen, die ihnen so lange verweigert
wurden. Sie werden ihnen beim Wiederaufbau helfen
- dem Wiederaufbau ihrer Straßen und Schulen, ihrer
Kraftwerke und Krankenhäuser, ihrer Fabriken und
Geschäfte. Sie werden Kinder wieder mit ihre Eltern
zusammenführen und Familien in ihre Häuser zurückbringen. Sie werden den Bosniern die freie Wahl
ihrer Politiker gestatten. Sie werden allen Menschen
in Bosnien ein sehr viel größeres Interesse an
Frieden als an Krieg vermitteln, so daß der Frieden
mit Leben erfüllt wird und seine eigene Logik entfaltet.
Wir können und werden in Bosnien Erfolg haben, weil
unsere Mission klar und begrenzt ist und unsere
Truppen stark und gut vorbereitet sind. Aber, meine
amerikanischen Mitbürger, keine Entsendung amerikanischer Truppen ist risikolos, und diese Mission
kann sehr wohl Opfer fordern. Es kann Zwischenfälle
im Feld oder mit Menschen geben, die ihren Haß
noch nicht aufgegeben haben. Ich werde jede
erdenkliche Maßnahme ergreifen, um diese Risiken
auf ein Minimum zu reduzieren, aber wir müssen auf
diese Möglichkeit vorbereitet sein.
Als Präsident gibt es für mich nichts Schwierigeres,
als die Männer und Frauen, die sich freiwillig in den
Dienst unserer Nation stellen, einem Risiko auszusetzen, wenn unsere Interessen und Werte es
verlangen. Ich übernehme die volle Verantwortung
für jeden Schaden, den sie erleiden könnten. Aber
jeder, der irgendeine Aktion in Betracht zieht, die
unsere Truppen in Gefahr bringen könnte, muß
wissen: Amerika schützt die Ihren. Jeder - jeder der die Hand gegen unsere Truppen erhebt, wird die
Konsequenzen zu spüren bekommen. Wir werden
Gleiches mit Gleichem - und mehr - vergelten.
Nach so viel Blutvergießen und Verlusten, nach so
viel abscheulichen Akten unmenschlicher Brutalität
wird es außergewöhnlicher Willenskraft seitens des
bosnischen Volkes bedürfen, sich von der Vergangenheit zu lösen und eine neue Zukunft des Friedens
aufzubauen. Aber mit unserer Führungskraft und
dem Engagement unserer Verbündeten kann das
bosnische Volk die Chance erhalten, seine Zukunft in
Frieden zu entscheiden. Es kann die Chance erhalten, die Welt daran zu erinnern, daß nur wenige

AMERIKA DIENST

�Jahre zuvor die Moscheen und Kirchen von Sarajevo
ein leuchtendes Symbol multiethnischer Toleranz
waren und Bosnien einst seine Einheit in Vielfalt
fand. In der Tat war der Friedhof im Zentrum der
Stadt vor nur wenigen Jahren das herrliche Stadion,
im dem die Olympischen Spiele stattfanden - unser
universelles Symbol für Frieden und Harmonie.
Bosnien kann wieder ein solcher Ort sein. Deswegen dürfen wir jetzt Bosnien nicht den Rücken
zukehren.
Und so bitte ich alle Amerikaner und jedes Mitglied
des Kongresses - Demokraten und Republikaner
gleichermaßen - sich für den Frieden zu entscheiden. Bei der Entscheidung zwischen Frieden und
Krieg muß Amerika den Frieden wählen.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich bitte Sie, nur
einen Augenblick über dieses zu Ende gehende
Jahrhundert und das bald beginnende neue nachzudenken. Weil frühere Generationen von Amerikanern für die Freiheit eintraten und weil wir dies
weiterhin tun, lebt das amerikanische Volk in mehr
Sicherheit und Wohlstand. Und auf der ganzen Welt
leben mehr Menschen als je zuvor in Freiheit. Mehr
Menschen als je zuvor werden mit Würde behandelt.
Mehr Menschen als je zuvor können auf ein besseres Leben hoffen. Darum geht es bei der amerikanischen Führungsrolle.

Wir wissen, daß dies die Segnungen der Freiheit
sind, und Amerika war stets der größte Verfechter der
Freiheit. Wenn wir weiterhin alles in unserer Macht
Stehende tun, um diese Segnungen mit den Menschen auf der ganzen Welt zu teilen, wenn wir
weiterhin die Triebkraft für Frieden sind, dann kann
das nächste Jahrhundert die beste Zeit werden, die
unsere Nation je erlebt hat.
Vor wenigen Wochen hatte ich die Ehre, einige Zeit
mit Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. während
seines Besuches in den Vereinigten Staaten verbringen zu dürfen. Am Ende unseres Gesprächs
blickte der Papst mich an und sagte: "Ich habe den
Großteil dieses Jahrhunderts durchlebt. Ich erinnere
mich, daß es mit einem Krieg in Sarajevo begann.
Herr Präsident, Sie dürfen nicht zulassen, daß es mit
einem Krieg in Sarajevo endet."
In Bosnien hat dieser schreckliche Krieg unsere
Interessen herausgefordert und unsere Seelen
beunruhigt.
Glücklicherweise können wir etwas
dagegen unternehmen.
Ich sage es nochmals:
Unsere Mission wird klar, begrenzt und durchführbar
sein. Das bosnische Volk, unsere NATO-Verbündeten und die Menschen auf der ganzen Welt blicken
jetzt auf Amerika für die Übernahme der Führung.
Also wollen wir die Führungsrolle übernehmen. Das
ist unsere Pflicht als Amerikaner.
Gott schütze Amerika.

* * * *

AMERIKA DIENST

*

Seite 5

�</text>
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