<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2411" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2411?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:07:57+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2422">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4dfdf6c1fb2b90671760f89c0b139b81.pdf</src>
      <authentication>5cc62eb4e24173f676eb24a4c612223f</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12471">
                  <text>cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

19. Juli 1995

23

USA-EUROPA

AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK UND
TRANSATLANTISCHE BEZIEHUNGEN IM
UMBRUCH
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

ABRÜSTUNG

KRITIK AN ISOLATIONISTISCHEN
TENDENZEN IM KONGRESS
Rede von ACDA-Direktor John Holum

KRIEGSVERBRECHEN

KRIEGSVERBRECHERTRIBUNALE FÜR
JUGOSLAWIEN UND RUANDA SIND
PRÄZEDENZFÄLLE
Bilanz der Arbeit

NAFTA

POSITIVE BILANZ DER ERSTEN ANDERTHALB
JAHRE DES NAFTA
Rede von Robert Earle

DATENAUTOBAHN

NEUES VON DER DATENAUTOBAHN
Übersicht jüngster Entwicklungen

LITERATUR

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EDMUND WILSONEINE HUNDERTJAHRFEIER
von Robert Earle

Deichmanns Aue 29

Tel.: 0228 - 339 23 72

D 53170 Bonn

Fax: 0228 - 33 41 02

�USA-EUROPA
19. Juli 1995

Amerikanische Außenpolitik und
transatlantische Beziehungen im Umbruch
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten in
der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 28. Juni 1995 in der Ausbildungsstätte des Auswärtigen
Amtes gehaltene Rede.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es freut mich, heute Gelegenheit zu haben, mit
Ihnen als angehende Kollegen aktuelle Fragen der
amerikanischen Außenpolitik zu diskutieren.
Ich werde mich in meinen Ausführungen nicht nur
auf die anstehenden Herausforderungen konzentrieren, sondern auch auf die Wertmaßstäbe zu
sprechen kommen, die unsere Politik prägen.
Doch bevor ich mit Ihnen über die amerikanischen
Vorstellungen zur NATO-Erweiterung diskutiere,
unsere Überlegungen zu einem konstruktiven
Verhältnis zu Rußland erörtere und über die Zukunft
der transatlantischen Zusammenarbeit spreche,
möchte ich einige Worte zur Ausbildung amerikanischer Diplomaten sagen.
Im Gegensatz zu der ein- bzw. zweijährigen Ausbildungszeit in der Bundesrepublik werden bei uns
die Nachwuchsdiplomaten nach einer mehrmonatigen Orientierungsphase ins kalte Wasser geworfen.
Mit dem "on the Job training" am ersten Verwendungsort fängt die diplomatische Karriere an. Von
der Pike auf lernt man dann, was es bedeutet, sein
Land zu vertreten. Und sie müssen sich anstrengen
bei einer vierjährigen Probezeit! Mich hat man nach
Korea versetzt. Ein Posten mit Potential: Dort habe
ich die Grundlage für meine berufliche Karriere
gelegt.
Vielleicht sollte ich auch noch eine weitere Besonderheit des Auswärtigen Dienstes erwähnen. Bei
uns müssen sich die angehenden Diplomaten entscheiden, ob sie lieber politische und wirtschaftliche
Fragestellungen in ihrem Berufsleben bearbeiten
wollen oder aber sich mit Fragen der "public diplomacy" und den kulturellen Beziehungen beschäftigen

AMERIKA DIENST 23

möchten. Erstere gehen zum State Department,
letztere zu USIA, dem amerikanischen Informationsamt. Es soll bedauerlicherweise nach dem Willen
des Kongresses aufgelöst werden. Ein gleiches
Schicksal erwartet die ACDA, die Arms Control and
Disarmament Agency, sowie die amerikanische
Entwicklungshilfeorganisation AID.
Die Umgestaltung unseres außenpolitischen Apparats
ist eine Facette eines größeren Transformationsprozesses. Man könnte sie auch als einen Prozeß
der Neuorientierung betrachten. Eine Neuorientierung, nachdem das politische, militärische und
ideologische Korsett des Kalten Krieges von uns
abgefallen ist.
Wie andere Staaten auch stehen die Vereinigten
Staaten nach dem Ende des Ost-West-Konflikts vor
der Aufgabe, ihre Rolle als "global player" neu zu
definieren.
Deutschland erlebte am 9. November 1989 eine
Revolution, die zur Vereinigung beider deutscher
Staaten führte. Die Vereinigten Staaten hatten ihre
Revolution am 4. November 1994. Noch ist nicht
absehbar, was am Ende erreicht wird. Schon jetzt ist
aber deutlich, daß sich der republikanische Kongreß
mit dem "Contract with America" ein für amerikanische Verhältnisse revolutionäres Programm gegeben
hat.
Ziel ist eine Anpassung der Vereinigten Staaten an
die Erfordernisse der Zeit nach dem Ende des Kalten
Krieges. Was sich hinter dieser trockenen Feststellung verbirgt, ist der Versuch, Amerikas Rolle in
der Welt und den Umfang unseres Engagements neu
zu bestimmen. Und wie in anderen Ländern auch
fängt diese Rollenbestimmung zu Hause an.

Seite 1

�An sich ist eine Veränderung der Machtverhältnisse
im amerikanischen Kongreß keine Besonderheit.
Wandel ist eine Konstante im amerikanischen Regierungssystem. Was allerdings diesen Wandel zu
einem historisch bemerkenswerten Ereignis macht,
ist die Tatsache, daß zum ersten Mal seit vierzig
Jahren die Republikaner im 104. Kongreß die
Mehrheit in beiden Kammern - im Repräsentantenhaus und im Senat - stellen.
Mit diesem Wechsel verbinden die amerikanischen
Wähler große Erwartungen.
Letztlich geht es um die Frage, welche Rolle der
Staat bei der Bewältigung der innen-, sozial-, rechtsund wirtschaftspolitischen Herausforderungen spielen
soll. Wie stark der Staat das Leben seiner Bürger
reglementieren soll. Viele Menschen in Europa
haben beispielsweise nicht verstanden, warum die
vom Präsidenten vorgeschlagene Gesundheitsreform
gescheitert ist. Gerade diese Frage tangiert das
Staatsverständnis der Mehrzahl der Amerikaner. Sie
lehnen es ab, sich vorschreiben zu lassen, wie sie
sich zu versichern haben.
Die Veränderung im Machtverhältnis - das, was wir
als "divided government" bezeichnen - hat natürlich
auch Auswirkungen auf die amerikanische Außenpolitik. Es ist unzweifelhaft, daß der republikanische
Kongreß eine etwas andere außenpolitische Prioritätenliste vertritt als die Clinton-Administration.
Die Rollendefinition ist ein mühsames Geschäft. Die
Nachwirkungen des Kalten Krieges sind noch zu
spüren. Wir alle hatten uns geistig an die Bedingungen des Kalten Krieges gewöhnt; nun aber - und
dies schon seit geraumer Zeit - stehen wir vor
komplexen Herausforderungen. Herausforderungen,
die durchaus mit den profunden Fragestellungen
vergleichbar sind, die nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges zu beantworten waren. Wie damals
werden wir auch jetzt wieder erfolgreich sein!
Warum ich mir so sicher bin, werden Sie sich
vielleicht fragen?

Staaten wären nicht mehr in der Lage, eine ihrer
Bedeutung angemessene Politik zu betreiben.
Diese Bewertung übersieht den nach wie vor bestehenden überparteilichen Konsens, was die philosophischen Grundlagen unserer Außenpolitik angeht.
Nach wie vor gilt, daß es unveräußerliche Rechte des
einzelnen gibt, die bedauerlicherweise nicht überall
auf der Welt respektiert und geachtet werden. Die
Freiheitsrechte sind - wie Sie wissen - der Kern der
amerikanischen Verfassung.
Damals galten die
Prinzipien, die Thomas Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 festschrieb, als geradezu
revoluntionär: "... all men are created equal".
Die Grund- und Menschenrechte spielen seit der
Staatsgründung eine nicht zu unterschätzende Rolle
in der amerikanischen Gesellschaft. Sie prägen auch
unsere Auffassung, was die Zielsetzung unserer
Außenpolitik angeht.
Mit missionarischem Eifer wurden die philosophischen Glaubenssätze verinnerlicht und verbreitet.
Die konfliktreichen Begleitumstände der Staatswerdung - angefangen von der Vertreibung marokkanischer Piraten vor der amerikanischen Küste bis zu
den Auswirkungen der Napoleonischen Kriege sowie
dem Krieg mit Mexiko - wurden zum Prüfstein der
amerikanischen Überzeugungen.
Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Außengrenzen gesichert, der innenpolitische Konflikt über
die Sklaverei beendet und die demokratischen
Prinzipien zum Leitmotiv politischen Handelns im
Inneren wie im Äußeren erhoben.
Nur widerstrebend nahmen die Vereinigten Staaten
am Ersten Weltkrieg teil; nicht zuletzt, um die eigene
Sicherheit zu bewahren, aber auch, um den Prinzipien der Selbstbestimmung und der Demokratie in
Europa zum Durchbruch zu verhelfen. Präsident
Woodrow Wilsons "to make the world safe for democracy" traf den Kern des amerikanischen Engagements, das nicht idealistisch war, sondern amerikanische Ideale verfolgte.

Abgesehen davon, daß wir Amerikaner in der Regel
eine optimistische Ader haben, bin ich davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
eine machtvolle, verantwortungsbewußte und vorausschauende Außenpolitik betreiben werden.

Angesicht dieser beständigen Überzeugungen ist es
leicht nachzuvollziehen, warum die amerikanische
Regierung die Demokratisierung in den Staaten
Mittel- und Osteuropas nachhaltig unterstützt.

Sie sollten sich nicht durch die kritische Berichterstattung in den Medien verunsichern lassen: Die
Transparenz der politischen Auseinandersetzungen
im amerikanischen Regierungssystem verleitet viele
Kommentatoren zu der Annahme, die Vereinigten

Nun werden einige von Ihnen sicherlich denken, daß
dieser Aspekt unseres Verständnisses von Außenpolitik nur eine Seite der Medaille ist. Die andere
Seite ist die Tendenz zu Isolationismus - oder was
dafür gehalten wird.

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�Einen klassischen, reinen Isolationismus gab es nie.
Was es gab, waren isolationistische Phasen. Die
Frage nach unserem außenpolitischen Engagement
muß immer auch in Bezug zu den innenpolitischen
Notwendigkeiten gesetzt werden. Und es ist offensichtlich, daß sich in einer interdependenten Welt die
innenpolitischen Interessen nicht von den außenpolitischen trennen lassen.
Auch der Kongreß hat kein Interesse an einer
Schwächung der amerikanischen Führungsrolle.
Auch der Kongreß weiß, wie wichtig unsere auswärtigen Beziehungen sind, um unsere außenwirtschaftlichen Interessen zu verwirklichen. Es besteht
beispielsweise kein Disput darüber, daß der Aufbau
eines freien und fairen Welthandelssystems an erster
Stelle unserer außenpolitischen Prioritätenliste steht.
Wenn es Auseinandersetzungen gibt, dann über
Fragen der richtigen Vorgehensweise, wie unsere
Führungsrolle auch in Zukunft angemessen und
wirkungsvoll vertreten werden soll. Ob stärker in
einem multilateralen Rahmen, wie es der Präsident
befürwortet, oder eher in einem bi- oder unilateralen
Rahmen, wie es Teile des Kongresses wünschen.
Diese Auseinandersetzungen sind keine Neuauflage
einer Debatte über Isolationismus, wie viele glauben.
Der Isolationismus reflektierte eine außenpolitische
Periode im ausgehenden 19. Jahrhundert, die spätestens mit der Kriegserklärung Deutschlands und
Italiens an die Vereinigten Staaten am 11.12.1941
ihr endgültiges Ende fand.
Wenn man sich heute die Diskussionen über eine
Neuordnung der europäischen Staatengemeinschaft
in der unmittelbaren Nachkriegszeit betrachtet, kann
man ganz deutlich erkennen, wie sich die amerikanische Regierung zu einem europäischen Akteur
entwickelt hat. Eine Abwendung von Europa war
nach den leidvollen Erfahrungen der beiden Weltkriege nicht mehr denkbar.
Vor diesem Hintergrund sollten Sie unser ausgeprägtes Engagement zum Aufbau einer stabilen
Friedensordnung in Europa nach dem Ende des
Kalten Krieges betrachten. Deshalb finden Sie in
den Vereinigten Staaten die treibende Kraft für eine
NATO-Erweiterung.
Es scheint mir in diesem Zusammenhang fast
überflüssig darauf hinzuweisen, daß es im ureigensten Interesse der Vereinigten Staaten liegt, wenn
Europa zusammenwächst, Ost und West eine
institutionelle Einheit bilden und für die Vereinigten
Staaten ein verläßlicher und starker Partner werden.

' AMERIKA DIENST 23

Im Nachkriegseuropa fiel es vielen schwer, sich
vorzustellen, daß Deutschland friedlich mit seinen
Nachbarstaaten zusammenlebt. Fünfzig Jahre nach
Kriegsende unterhält Deutschland zu seinen Nachbarstaaten überaus freundschaftliche Beziehungen
und ist voll in die europäische Staatengemeinschaft
integriert.
Diese Entwicklung sollte all jene inspirieren, die heute
mutlos in die Zukunft blicken, voller Zweifel über die
Tragfähigkeit der neuen Strukturen sind und sich
nicht vorstellen können, wie sich Europa zu einem
starken Machtfaktor im Geflecht der internationalen
Beziehungen entwickelt.
Die Vereinigten Staaten setzen große Hoffnungen in
die Fähigkeit der deutschen Außenpolitik, die europäische Integration voranzutreiben. Mit der Erlangung der uneingeschränkten Souveränität im Verlauf
der friedlichen Vereinigung hat Deutschland an politischem Gewicht und Verantwortung gewonnen.
Das Ende der Teilung Europas bestätigte den Erfolg
der westlichen Politik gegenüber den Staaten des
Ostblocks; die Defizite der kommunistischen Regime
in den Bereichen persönliche Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Chancen für den einzelnen
haben sich im Laufe der Zeit als übermächtig erwiesen.
Amerikas Einstellung gegenüber Europa am Ende
des 20. Jahrhunderts ist nicht nur von diesen ertreulichen Veränderungen geprägt, sondern basiert
natürlich auch auf der soliden Grundlage der transatlantischen Partnerschaft.
Erst letzte Woche hat der frühere US-Botschafter
Richard Holbrooke, der nun Abteilungsleiter für
europäische- und kanadische Angelegenheiten im
State Department ist, auf einer Konferenz des Atlantic
Council Altbekanntes bestätigt:
Die Vereinigten
Staaten werden auch weiterhin Streitkräfte in Europa
unterhalten. Und dies sowohl aus militärischen
Gründen, als auch wegen der politischen Symbolik.
Die Vereinigten Staaten verstehen sich, wenn es um
Europa geht, als eine europäische Macht.
Schon der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer,
befürchtete, daß er den Abzug der amerikanischen
Streitkräfte aus Europa noch miterleben würde. Er
sollte sich täuschen.
Die Sicherheit Europas ist auch unsere Sicherheit.
Das klingt sehr einfach, entspricht aber den historischen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten werden deshalb nicht weniger als 100.000 Soldaten in Europa behalten; davon
etwa 75.000 allein in Deutschland.

bei den Wirtschaftsreformen in Mittel- und Osteuropa
spielt. Sie stellt wichtige Informationen und Fachwissen für die neuen Demokratien bereit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Institutionen
entstanden, die Stabilität und Sicherheit, Frieden und
Wohlstand in Europa begünstigt haben. Das transatlantische Verteidigungsbündnis - die NATO - ist für
uns Amerikaner das wichtigste Bindeglied über den
Nordatlantik.

Der zweite Aspekt zielt auf Verfahren ab, die stabilitätsfördernd sind. Wir befürworten eine Stärkung der
OSZE und deren Mandat. Die KSZE hat eine wichtige Rolle bei der Überwindung der politischen Systeme im Osten gespielt. Heute ist die Nachfolgeorganisation dazu prädestiniert, "präventive" Diplomatie zu
betreiben.

Für uns ist die Allianz aber weit mehr als nur ein
Verteidigungsbündnis, in dem wir eine gewichtige
Rolle spielen. Auch wenn dies vielfach in Vergessenheit geraten ist - zu Beginn der transatlantischen
Partnerschaft war ein breites Themenspektrum an
Zusammenarbeit vorgesehen. Ein Blick in den
Washingtoner Vertrag zeigt, daß die NATO nicht als
reines Verteidigungsbündnis konzipiert war. Nur - im
Laufe der Zeit haben andere Organisationen bestimmte Aufgaben übernommen, und die weltpolitische Lage im Kalten Krieg machte es erforderlich,
daß sich die NATO-Mitgliedstaaten auf die Bewahrung ihrer Sicherheit und Freiheit konzentrierten.
Aus unserer Perspektive ist es konsequent, wenn wir
nun Staaten Mittel- und Osteuropas an dieser Sicherheitsgemeinschaft, den bewährten Verfahren der
Zusammenarbeit und den politischen Konsultationen
teilhaben lassen. Die politischen wie auch moralischen Argumente für eine Beteiligung dieser jungen
Demokratien sprechen eindeutig für die Aufhebung
der durch den Kalten Krieg bedingten Ausgrenzung.
An zweiter Stelle unserer außenpolitischen Prioritätenliste steht folglich der Aufbau einer stabilen
Friedensordnung in Europa. Lassen Sie mich die
wichtigsten Bestandteile dieser Sicherheitsarchitektur
kurz ansprechen:
Der erste Aspekt zielt auf die ökonomische Dimension: Die Erfolge der Europäischen Union seit ihren
Anfängen im Jahre 1957 sind beachtlich. Die amerikanische Regierung unterstützt die europäische
Integration ohne Vorbehalt. Die wachsende Interdependenz zwischen West- und Osteuropa führt
früher oder später zu einer Osterweiterung der EU,
was wir begrüßen werden. Politische Stabilität in
Europa ist nicht ohne wirtschaftlichen Wohlstand bei
allen Beteiligten denkbarl
Die Europäische Union ist nicht die einzige Institution, die wir unterstützen, um in Europa Stabilität und
Sicherheit zu bewahren. Angesichts unserer außenwirtschaftlichen Interessen versteht es sich von
selbst, daß wir der neuen Welthandelsorganisation
(WTO) große Bedeutung beimessen. Auch die
OECD ist zu nennen, die eine entscheidende Rolle

Seite 4

Das ist zwar ein überaus schwieriges Thema, aber
gerade deshalb kann es nicht ignoriert werden.
Präventive Diplomatie erfordert Fachwissen über
Land und Leute, deren Geschichte, traditionelle
Konfliktlösungsverfahren und natürlich couragierte
Voraussicht. Eigenschaften, die Sie als angehende
Diplomaten noch brauchen werden.
Wir wollen aus der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ein wirkungsvolles
Instrument zur Beilegung von Streitigkeiten und
Friedenserhaltung machen.
Friedenserhaltende
Maßnahmen, mit oder ohne Truppen, ob in Nagornyj
Karabach oder andernorts, können einen wichtigen
Beitrag leisten, um Konflikte zu lösen oder sie erst
gar nicht entstehen zu lassen.
Dem dritten Aspekt einer stabilen europäischen
Friedensordnung wird die größte Aufmerksamkeit
geschenkt: Der Ost-Erweiterung der NATO. Für die
potentiellen Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa
stellt die NATO die Möglichkeit sicherheitspolitischer
Stabilität und Aufnahme in die westliche Staatengemeinschaft dar.
Ich brauche Ihnen nicht darzulegen, daß die NATO
keinen Staat bedroht. Und es versteht sich von
selbst, daß eine NATO-Erweiterung nicht geplant ist,
um Rußland zu isolieren.
Der Prozeß der NATO-Erweiterung erfolgt in parallelen Schritten. Das Programm "Partnerschaft für
den Frieden" ist der institutionelle Rahmen, in dem
potentielle Mitgliedstaaten an das Bündnis herangeführt werden. Alle interessierten OZSE-Mitgliedstaaten können sich daran beteiligen und den Umfang der militärischen Zusammenarbeit selbst bestimmen. Es gibt, wie Ihnen bekannt ist, keine Rangordnung unter den beteiligten Staaten. Alle werden
gleich behandelt. Jeder Staat muß individuell unter
Beweis stellen, daß er bereit und in der Lage ist, mit
der NATO zusammenzuarbeiten. Dies ist ein wichtiges Element im Aufnahmeprozeß.
Noch diesen Sommer wird die NATO eine Studie
vorlegen, in der Gründe und Verfahrensoptionen für

AMERIKA DIENST 23

�eine Erweiterung erörtert werden. Basierend auf
dieser Studie werden Konsultationen mit am Beitritt
interessierten Staaten autgenommen. Im Dezember
trifft sich dann der NATO-Ministerrat, um die weiteren Schritte auf dem Weg der NATO-Erweiterung zu
diskutieren.
Diese Debatte wie auch der ganze Prozeß findet
nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern ist
transparent und nachvollziehbar.
Es wird kein Vetorecht geben, aber wir haben ein
überaus großes Interesse, die Ost-Erweiterung im
Einvernehmen mit Rußland zu realisieren. Mit Elan
und Überzeugungskraft hat Präsident Clinton während des bilateralen Gipfels Anfang Mai in Moskau
zumindest Rußlands Bereitschaft zur Mitarbeit im
Partnerschaftsprogramm erreicht. Leider hat der
russische Präsident auf dem G-7-Gipfel bzw. dem P8-Treffen in Halifax vor einer Woche seinen Einspruch gegen eine NATO-Erweiterung bekräftigt.
Dies darf uns aber nicht entmutigen. Rußland ist ein
Machtfaktor, der nicht wegzudiskutieren ist. Sicherlich ist es teilweise nicht einfach, für bestimmte
Aspekte russischer Innen- und Außenpolitik Verständnis zu entwickeln, doch nur durch einen kontinuierlichen Dialog können wir unsere Vorstellungen
vermitteln. Vorstellungen, wie sich Rußland als
verantwortungsvoller und zuverlässiger Partner bei
der Gestaltung einer dauerhaften Friedensordnung
verhalten sollte. Es kommt darauf an - und hier fällt
unserem Berufsstand eine große Aufgabe zu unseren Kollegen darzulegen, daß demokratische
Systeme über eine ganze Palette an Verfahren
verfügen, wie politische und andere Konflikte ohne
militärischen Waffeneinsatz gelöst werden können.
Zum Dialog mit Rußland gibt es keine Alternative.
Denken Sie nur an das nach wie vor enorme Nuklearwaffenpotential, das zuverlässig gesichert sein
muß, um keinen Schaden anzurichten. Wie Sie
wissen, befindet sich der Themenkomplex "Nonproliferation" an vierter Stelle der außenpolitischen
Prioritätenskala der Clinton-Administration. Nur in
kooperativer Zusammenarbeit wird es möglich sein,
die Gefahren einer unkontrollierbaren Weitergabe
von Massenvernichtungswaffen zu reduzieren.
Wo ich gerade beim Komplex "Nonproliferation" bin,
möchte ich Sie auf die Ernsthaftigkeit hinweisen, mit
der meine Regierung das Problem der regionalen
Proliferation angeht. Präsident Clinton hat gegen
den Iran ein vollständiges Handelsembargo verhängt. Amerikanische Unternehmen sind davon
betroffen. Der Iran versucht durch den Kauf russischer Atommeiler eine Nuklearkapazität aufzubauen,

AMERIKA DIENST 23

die längerfristig zu einer ernstzunehmenden Bedrohung des Nahen Ostens wie auch Europas führen
wird.
Was die Angelegenheit aus unserer Sicht verschärft,
ist die iranische Unterstützung von Terrorgruppen, die
in Israel Anschläge verüben. Wie man an den
unzähligen Missionen Warren Christophers ablesen
kann, ist es ohnehin schwer genug, in dieser Region
Frieden zu stiften. Terrorismus, Bombenanschläge
und die Störung der öffentlichen Ordnung tragen nicht
dazu bei, den Friedensprozeß zu fördern. Der Iran
muß sein Verhalten ändern und sich wie ein zivilisierter Staat verhalten.
Wirtschaftssanktionen haben sich zwar in der Vergangenheit nicht immer als wirksam erwiesen. Im
Rahmen einer präventiv angelegten Diplomatie sind
sie aber geeignet, ein Zeichen unserer Mißbilligung
zu setzen.
Jetzt kommt es darauf an, unseren Bündnispartnern
zu verdeutlichen, welche langfristigen Implikationen
eine weitere Nuklearisierung des Nahen Ostens hat.
Unsere Verbündeten in Europa sollten dieses sicherheitspolitische Problem nicht auf die leichte
Schulter nehmen! Kurzfristige Handelsvorteile sind
zwar verlockend, aber die Sache ist zu ernst, um
leichtfertig darüber hinwegzugehen.
Ich nehme an, daß sich die Bundesregierung unserer
Position annähern wird. Wir müssen auch dann
zusammenarbeiten, wenn wir unterschiedliche
Auffassungen vertreten.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einige Sätze zum
transatlantischen Verhältnis sagen. In der neuesten
Ausgabe der Zeitschrift "Internationale Politik" wird
wieder einmal die Frage aufgegriffen, ob Europa und
die Vereinigten Staaten auseinanderdriften. In letzter
Zeit kann man oft die These hören, die Allianz
verliere ihren Zusammenhalt, nachdem der Kalte
Krieg zu Ende gegangen und die Bindewirkung der
externen Bedrohung weggefallen ist.
Ich für meinen Teil kann nicht erkennen, daß die
Allianz vor dem "Aus" steht. Das Gegenteil ist richtig:
Wir stehen vor großen Aufgaben und Herausforderungen. Ohne einen institutionellen Rahmen wie das
Bündnis können sie kaum in Angriff genommen
werden. Oder können Sie sich vorstellen, wie Europa
- und ich meine dabei Ost und West - seine Friedensordnung ohne das transatlantische Bündnis gestaltet?
Eine atlantische Gemeinschaft existiert seit geraumer
Zeit. Der Kalte Krieg hat jahrzehntelang unsere

Seite 5

�Beziehungen beeinflußt: Er ist aber nicht ursächlich
tür die Wertegemeinschatt anzusehen.
In Europa wird darüber diskutiert, ob es nicht zweckmäßg sei, eine neue Geschäftsgrundlage der europäisch-amerikanischen Beziehungen zu vereinbaren.
Ihr Außenminister hat erst kürzlich davon gesprochen, eine transatlantische politische Zusammenarbeit zu initiieren.
Aus unserer Sicht ist es prinzipiell begrüßenswert
und sicherlich auch zweckmäßig, wenn es bei diesen
Ideen darum geht, kooperativ, vertrauensvoll und
effizient die anstehenden politischen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Was wir brauchen, sind
praktische Ergebnisse.
Wenn es zu Vertragsverhandlungen kommen sollte,
dann sicherlich erst nachdem die Regierungskonferenz zur Überprüfung des Maastrichter Vertrages
im nächsten Jahr erfolgreich abgeschlossen wurde.

Wichtig ist die Frage, welche Auswirkungen ein
transatlantischer Vertrag auf den europäischen
Integrationsprozeß und auf eine gemeinsame Außenund Sicherheitspolitik der Europäischen Union hat.
Wir glauben, daß eine Vertiefung der Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg sowohl für die Europäische Union wie auch für die Vereinigten Staaten
von Vorteil ist. Neben dem Dialog über Wirtschaftsund Handelsfragen gibt es mittlerweile Studiengruppen, in denen wir zentrale Fragen erörtern, wie die
Einbindung der osteuropäischen Staaten oder die
Bekämpfung des Drogenhandels, der Geldwäsche
und des organisierten Verbrechens.
Es gibt - wie Sie sehen - eine ganze Palette von
Themen, die sich schwerlich "national" lösen lassen.
Folglich werden die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine internationale Macht bleiben und gemeinsam
mit ihren Verbündeten ihre Interessen wahrnehmen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 23

�ABRÜSTUNG
19. Juli 1995

Kritik an isolationistischen Tendenzen im Kongreß
Rede von ACDA-Direktor John Holum
WASHINGTON - (AD) - Obwohl der amerikanische Kongreß wegen Rußlands biologischem Waffenprogramm
Druck ausüben will, sollte er nicht die Gelder für ein amerikanisches Programm kürzen oder einfrieren, das die
Entnuklearisierung Rußlands fördern soll.
Der Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency ACDA), John Holum, hält es für "schwer verständlich, wie irgend jemand denken kann, eine gute Antwort auf
die Sorge über biologische Waffen in Rußland bestehe in mehr Kernwaffen in Rußland, den anderen
unabhängigen Staaten oder sogar möglicherweise in den Händen verbrecherischer Regime oder Terroristen...".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die ADCA-Direktor Holum am 13. Juli 1995 vom dem Atlantic Council
hielt.

Heute möchte ich über die beunruhigenden isolationistischen Tendenzen sprechen, die auf dem Capitol
Hill zunehmend die Unterstützung der Mehrheit
genießen.
Nunn-Lugar und das Dornan Amendment
Zunächst möchte ich mit dem wohl offensichtlichsten
Fall beginnen - den Angriffen auf Unterstützung bei
der sicheren Zerlegung von Massenvernichtungswaffen der ehemaligen Sowjetunion.
Wie Sie
wissen, wurde das Programm von Vertretern beider
Parteien entwickelt - von den Senatoren Nunn und
Lugar. Vor kurzem strich das Repräsentantenhaus
die Nunn-Lugar-Hilfe für das nächste Jahr um
nahezu die Hälfte. Anschließend trat der Kongreßabgeordnete Dornan für einen Zusatzartikel zur
Verfassung ein - das sogenannte Dornan Amendment - den das Haus überwiegend linientreu akzeptierte und der die Nunn-Lugar-Hilfe für Rußland
einfriert, bis der Präsident bescheinigt, daß die
Russen sämtliche biologischen Waffenprogramme
eingestellt haben.
Sie erinnern sich, daß das Nunn-Lugar-Programm
dazu beitrug, ehemals auf die Vereinigten Staaten
gerichtete Raketen zu zerstören, 1.000 strategische
Bomber und mehr als 2.500 Nuklarwaffen zu deaktivieren. Ferner wird der im START I-Vertrag vorgesehene Abbau zwei Jahre eher als geplant
vorgenommen. Das Nunn-Lugar-Programm spielte
eine wesentliche Rolle bei den Entscheidungen der
Ukraine, Belarus' und Kasachstans, auf Atomwaffen

AMERIKA DIENST 23

zu verzichten - Entscheidungen, die das Inkrafttreten
von START I ermöglichten und das Nichtverbreitungs(NVV)-Regime frühzeitig vor der New Yorker
Konferenz über die Überprüfung und Verlagerung des
Atomwaffensperrvertrags stärkten. Ferner wird das
Nunn-Lugar-Programm durch verbesserte Kontrollen
von spaltbarem Material und durch seinen Schutz
den Nuklearschmuggel eindämmen helfen. Es trägt
dazu bei, eine Antwort auf das veränderte neue
Risiko der Weiterverbreitung zu finden, indem es
russische Nuklearexperten einstellt, die sonst zweifelsohne lukrative Möglichkeiten in Ländern wie Irak,
Iran, Libyen oder Nordkorea finden könnten.
Ich hege keinerlei Sympathie für biologische Waffen
in Rußland, und wir sind überhaupt nicht zufrieden
mit den bisherigen russischen Bestrebungen zur
Erfüllung der von Präsident Jelzin ausgesprochenen
Verpflichtung zur Ausrottung des Programms, das er
selbst 1992 mutig offenlegte.
Ich finde es jedoch schwer verständlich, wie irgend
jemand denken kann, eine gute Antwort auf die
Sorge über biologische Waffen in Rußland bestehe in
mehr Kernwaffen in Rußland, den anderen unabhängigen Staaten oder sogar möglicherweise in den
Händen verbrecherischer Regime oder Terroristen,
wenn Material frei transportiert wird und Experten
sich frei bewegen können. Wenn dieser Trick die
Antwort auf russische Programme für biologische
Waffen ist, ist Pest die Antwort auf Seuche.

Seite 1

�Das Nunn-Lugar-Programm stellt ganz offenkundig
keinen Gefallen dar, den wir der ehemaligen Sowjetunion erweisen, sondern eine praktische Politik in
unserem eigenen nationalen Interesse. Es ist Bestandteil unserer nationalen Verteidigung und bringt
uns eine greifbare Verringerung der Bedrohung, auf
deren Abwehr wir uns sonst vorbereiten müßten.
Wenn man das Programm erstellt, würden das
Dornan Amendment und verwandte Sprachregelungen nicht nur bedeuten, daß wir uns selbst ins Knie
schießen, sondern er würde auch noch von einer
starken, absichtlichen und schlimmen Verstümmelung des Knies begleitet.
ABM-Vertrag
Eine weitere, stark belastende Herausforderung für
die Rüstungskontrolle liegt in den Bestrebungen des
Kongresses, einen unilateralen Verzicht auf den
ABM-Vertrag zu erzwingen - und dadurch ein
vollkommen zuverlässiges, aus den START I und
START Il-Verträgen bestehendes, antiballistisches
Raketensystem in Gefahr zu bringen, das drei Viertel
aller je auf unser Land gerichteten Nuklearwaffen
verifizierbar beseitigen wird - einschließlich aller
schweren SS-18 der ehemaligen Sowjetunion - ohne
daß auch nur ein Schuß abgegeben wird.
Der Streitkräfteausschuß des Senats hat sich für die
Stationierung eines nationalen Raketenverteidigungssystems der Vereinigten Staaten an mehreren
Orten bis zum Jahr 2003 ausgesprochen, wodurch
im Grunde genommen eine langsame Aufhebung
des ABM-Vertrags eingeleitet wird. In der Zwischenzeit fordert der Gesetzentwurf vom Präsidenten, alle
Bestrebungen zur Aushandlung einer klärenden
Trennlinie zwischen vorgeschriebener strategischer
Verteidigung und erlaubter Gefechtsfeldverteidigung
einzustellen, bis der Senat die Prüfung des Vertrags
abgeschlossen hat.
Zweifelsohne werden viele unter Ihnen Vertassungsmängel in dem Mandat entdecken, der Präsident
solle nicht mit ausländischen Regierungen verhandeln. Die umfassendere Botschaft dieser Gesetzgebung ist jedoch viel gefährlicher als eine Einmischung des Kongresses in die Befugnisse der
Exekutiven. Zu einer Zeit, in der die Inkraftsetzung
von START I gerade beginnt und START II noch
nicht einmal ratifiziert ist, sieht sie vor, daß ein
Grundpfeiler unserer Rüstungskontrollarchitektur mit
Rußland entfernt werden soll.
Es liegt kein Geheimnis in den Beziehungen zwischen Verträgen über offensive und defensive
Raketen. Da die Anzahl der offensiven Raketen
verringert wird, steigt die Bedeutung jeder defensiven Rakete, mit der sie abgefangen werden könnte.

Seite 2

Als Folge davon würde eine nationale Raketenverteidigung in den Vereinigten Staaten die Reduzierungen unter dem START-Vertrag für die Russen weit
weniger attraktiv gestalten.
Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, John
Shalikashvili, machte deutlich, daß seines Erachtens
eine solche unilaterale amerikanische Gesetzgebung
sowohl die Aussichten auf eine Ratifizierung von
START II durch die Duma als auch unsere umfassenderen Sicherheitsbeziehungen zu Rußland gefährden
könnte.
Inzwischen schlägt unsere Gesetzesvorlage eine
Einstellung unserer Bestrebungen vor, klarzustellen,
daß der ABM-Vertrag eine äußerst fähige gefechtsfeldgebundene Verteidigung nicht ausschließt. Auch
zu diesem Punkt war der Vorsitzende Shalikashvili
eindeutig. Er gelangte zu der Schlußfolgerung, wenn
ein solcher Dialog verboten ist, könnten wir uns eines
Tages gezwungen sehen, zwischen der Aufgabe
einiger Elemente unserer Entwicklungsprogramme für
schauplatzgebundene Raketenabwehr oder einem
einseitigen Vorgehen zu entscheiden, das den ABMVertrag unterminieren und unsere Sicherheitsbeziehungen zu Rußland erweitern könnte. Wie der
Vorsitzende feststellte, würde jede der beiden Alternativen Sicherheitsrisiken und Kosten bergen, die wir
zu vermeiden suchen.
Die logische Erklärung für eine nationale Verteidigung
lautet heute, wir müssen uns auf die Möglichkeit
vorbereiten, daß ein verbrecherischer Staat eines
Tages die Vereinigten Staaten mit einer ballistischen
Rakete erreichen kann. Nachrichtendienstliche und
Verteidigungsexperten erklären, das liege noch in
weiter Ferne, sei aber dennoch etwas, das aktive
Forschung und Entwicklung im Bereich der Verteidigung rechtfertigt - die seit langem im Gange ist.
Aber die Waffen, die START I und START II abschaffen würde - die tödlichsten, die je auf uns
gerichtet waren - existieren heute. Unsere Streitkräfte und Freunde könnten in absehbarer Zukunft
mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen konfrontiert werden.
Unsere Reaktion auf diese Gefahren zugunsten einer
globalen Verteidigung an vielen Orten zu beschneiden wäre, wie fixiert von einem Punkt am Horizont,
der vielleicht ein auf uns zu kommendes Auto sein
könnte, auf eine verkehrsreiche Kreuzung zu laufen.
Ich vermute, diese Gesetzgebung hat mehr mit
Ideologie und der Begleichung alter Rechnungen zu
tun als mit einer soliden nationalen Sicherheitsstrategie. Die Konsequenzen für die Rüstungskontrolle wohlgemerkt, vornehmlich Leistungen republikanischer Präsidenten, auf deren Ratifizierung und
Umsetzung eine demokratische Administration

AMERIKA DIENST 23

�hinarbeitet - könnten katastrophal sein. Ich hoffe,
kühlere Köpfe im Kongreß werden darauf bestehen,
daß diese Gesetzesvorlage erneut erörtert wird.
Bosnien
Als Rüstungskontrollexperte bin ich auch ziemlich
entnervt über den Gesetzentwurf zu Bosnien. Ich
möchte betonen, daß mein Verantwortungsbereich
zu meiner Erleichterung - und zweifelsohne zum
Vorteil der politischen Entscheidungsfindung - weder
die Formulierung noch die Beschreibung unseres
Ansatzes zu Bosnien enthält. Gleichzeitig bin ich
jedoch besorgt über die in der Bosnien-Debatte im
Kongreß vorgebrachte Prämisse, die Vereinigten
Staaten sollten unilateral das Waffenembargo gegen
die Region aufheben.
Der Grund dafür ist, daß Rüstungskontrollabkommen
sich generell nicht selbst umsetzen und Maßnahmen
deshalb von Fall zu Fall entschieden werden müssen, darunter Sanktionen. Wie wir aufgrund der
Fälle Nordkorea und Irak wissen, bewirken Verletzungen des N W nicht automatisch eine Reaktion.
Statt dessen wenden wir uns an den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen, um geeignete Maßnahmen
zu erarbeiten und zu verabschieden. Bei der Chemiewaffenkonvention kann das Durchführungsorgan
bescheidene Strafen auferlegen, aber auch hier
erfordern einschneidende Sanktionen Aktionen des
Sicherheitsrats. Sie hängen zusammen mit allen
Kontrollen der Lieferanten - der Gruppe der Lieferanten von Nuklearmaterial, dem RaketentechnologieKontrollregime, der Australiengruppe für biologische
und chemische Waffen - von multilateralen Aktionen
ab.
Wie stark der Impuls auch sein mag - wenn wir
jedoch im Alleingang die Beendigung des Waffenembargos gegen Bosnien entscheiden, wird dies von
anderen unweigerlich als Präzedenzfall genommen,
die denken, einige unserer Nichtverbreitungsnormen
seien zu hoch oder wir würden diese Normen zu
strikt umsetzen - heute im Irak, morgen vielleicht
andernorts im Nahen Osten oder in Asien. Insbesondere eine Großmacht kann solche Entscheidungen nicht in einem Vakuum treffen - und ich
fürchte, einseitige Aktionen im Hinblick auf Bosnien
würden unweigerlich ein äußerst unwillkommenes
Echo bei entscheidenden Nichtverbeitungsbestrebungen hervorrufen. Wenn wir eine Auswahl treffen,
welche Sanktionsregime wir einhalten und welche
nicht, werden andere sich nicht scheuen, das gleiche
zu tun.

AMERIKA DIENST 23

Nordkorea
Einige im Kongreß möchten unserer Fähigkeit zur
Umsetzung des vereinbarten Rahmenabkommens,
das Nordkoreas Nuklearprogramm einfriert und
zurückschraubt, undurchführbare
Restriktionen
auferlegen.
Wie Sie wissen, steht bei diesem Thema kolossal viel
auf dem Spiel: Die Möglichkeit, daß ein unberechenbares, isoliertes Regime in einem verarmten Land
zahlreiche Nuklearwaffen entwickeln könnte, potentielle UN-Sanktionen und das Risiko eines Krieges,
der unweigerlich amerikanische Truppen einbeziehen
würde. Niemand kann diese Fragen als belanglos
erachten.
Verständlicherweise enthalten Bestrebungen zur
Verhinderung dieser Gefahren auch überparteiliche
Elemente. Ebenso wie unsere Administration hatte
die Bush-Administration bereits hochrangige Gespräche mit Nordkorea geführt als Vorläufer der Diskussionen, die das vereinbarte Rahmenabkommen
hervorbrachten.
Wie wir beobachten konnten, stellt die Umsetzung
des Rahmenabkommens eine schwierige Herausforderung dar. Der Präsident, der Außenminister,
Botschafter Gallucci und andere waren unermüdlich
um den Erhalt des Abkommens bestrebt, während sie
gleichzeitig die Beziehungen zur Demokratischen
Volksrepublik

Korea und

unserem

zuverlässigen

Verbündeten - der Republik Korea - handhabten.
Aber inmitten dieser augenfälligen Herausforderungen
haben einige im Kongreß versucht, das Abkommen
auf eigene Faust neu auszuhandeln - und zahlreiche
Bestimmungen hinzugefügt, die erfüllt werden müssen, bevor die Vereinigten Staaten ihrem Teil des
Abkommens gerecht werden können. Gleichzeitig
hat der Kongreß auch versucht, der amerikanischen
Finanzierung undurchführbare
Einschränkungen
aufzuerlegen und finanziert nicht einmal den bescheidenen Antrag des Präsidenten.
Dies könnte jedoch die Zahlung der wesentlich
größeren Summen vereiteln, die andere Länder
beisteuern sollen und dabei seit langem bestehende
Verpflichtungen gegenüber Südkorea, unsere fundamentalen Sicherheitsbeziehungen zu Japan und
sehr wahrscheinlich das Abkommen selbst torpedieren.
Man fragt sich, was hier vor sich geht. Natürlich, das
Abkommen schlicht und einfach abzulehnen, hieße,
die Verantwortung für die Konsequenzen offen zu
übernehmen. Aber diese heikle Vereinbarung kann
ebenso leicht durch zahlreiche kleine Kürzungen im

Seite 3

�Keim erstickt werden wie durch einen großen, offensichtlichen Einschnitt. Ich hoffe daher, daß jedes
Mitglied des Kongresses, das aus politischen oder
sonstigen Gründen versucht ist, eine Herkulesarbeit
noch schwieriger zu machen, sich den Spiegel
vorhält und in Erwägung zieht, ob die daraus gezogene Befriedigung das gravierende Risiko nicht nur
für die Nichtverbreitung, sondern potentiell für den
Frieden und das Leben der Amerikaner wert ist.
China
Abschließend möchte ich die Rüstungskontrollimplikationen der zahlreichen Versuche des Kongresses erwähnen, die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu China in allen Einzelheiten zu regeln.
Es liegt aus folgenden Gründen in unserem ureigensten Interesse, Rüstungskontrollbeziehungen zu
China aufzubauen: Als militärisch und technologisch
gerüstetes Land kann es die Weiterverbreitung
entweder fördern oder begrenzen; China kann das
Verhalten anderer Länder in vielen Teilen der Welt
beeinflussen, einschließlich Nordost- und Südasiens;
die amerikanischen und russischen strategischen
Streitkräfte werden abgebaut, während die chinesischen erweitert und modernisiert werden; China ist
ein unerläßlicher Mitspieler, wenn Rüstungskontrolle
wirklich und umfassend funktionieren soll.
Offensichtlich gibt es viel Bedauerliches und Ablehnungswürdiges in Chinas derzeitigem Rüstungskontrollverhalten - darunter andauernde Atomtests,
mögliche Raketentransfers und Nuklearlieferungen
an fragwürdige Bestimmungsorte. Aber mit der Zeit
hat China auch begonnen, einige der Rüstungskontrollpflichten einer größeren Macht zu übernehmen wie etwa der Beitritt zum N W , die Verpflichtung zu
einem umfassenden Atomtestverbot und die zumindest grundsätzliche Zustimmung zu Begrenzungen bei Raketenverkäufen.
Dies sind weder die einzigen - noch vielleicht die
hauptsächlichen - Gründe für ein Engagement für
China, aber es sind wichtige Gründe. Und zusammen mit anderen Elementen unserer Politik erfahren
sie Rückschläge durch schwerfällige Versuche,
politische Punkte auf Kosten Chinas erzielen zu
wollen mit der Einleitung unhaltbarer politischer
Vorschriften im Hinblick auf Tibet, den Dalai Lama,
die militärischen Beziehungen Taiwans und so
weiter. In Anbetracht der bereits gestörten amerikanisch-chinesischen Beziehungen könnte sich die
kürzliche Abkehr des Sprechers des Repräsentantenhauses Gingrich von dem zentralen Konzept
"eines China" - auf das sich unsere Politik seit
Präsident Nixon gründete - als verheerend erweisen.

Seite 4

Es mag politisch eine Versuchung darstellen. Aber
es ist keine solide Politik, weder für die Rüstungskontrolle noch für das Land.
Schlußbemerkung
Vor einigen Wochen beschrieb Präsident Clinton
einige dieser Vorschläge zusammen mit dem Plan
zur Konsolidierung der Ämter für auswärtige Angelegenheiten und der drastischen Beschneidung ihrer
Operationen und Budgets als den "isolationistischsten
dem Kongreß unterbreiteten Vorschlag in den vergangenen 50 Jahren".
Das sind starke Worte, und sie haben Argumentationen provoziert. Älteren Republikanern sträuben sich
bei dem Begriff die Haare, da sie sich wahrscheinlich
an die Früchte des Isolationismus der zwanziger
Jahre erinnern und immer noch Arthur Vandenbergs
Vermächtnis eines verantwortungsvollen Internationalismus anstreben. Der Kolumnist Charles Krauthammer hat sogar versucht, den Spieß umzudrehen,
indem er chinesische Initiativen unter anderem als "in
der Tat noch interventionistischer als die der Administration, die sie aus diesem Grund ablehnt" bezeichnete.
Aber der Präsident hat recht. Die Schritte, die seine
Einwände hervorriefen, sind isolationistisch, kurzsichtig und extrem - und gehen in Richtung einer Außenpolitik, die Jeglichem bis auf Großtuerei entbehrt.
Und bei allem Respekt für Herrn Krauthammer Schritte, die mutwillig intervenieren, sind auch isolationistisch, denn sie gehen von der Prämisse aus,
daß auswärtige Angelegenheiten nicht wirklich wichtig
sind. Daher seien sie eine akzeptable Domäne für
Imponiergehabe und politischen Jux - völlig ungeachtet der internationalen Konsequenzen.
Aber in einer veränderten Welt - mit einer unsicheren
Zukunft für das hochgerüstete Rußland, mit verbrecherischen Regimen, die nach Waffen hungern
und nach Mitteln und Wegen zu deren Beschaffung
suchen - verlangen die Herausforderungen der
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung unsere
besten und uneingeschränkten überparteilichen
Bestrebungen. Wir können weder isolationistische
Irrläufe noch politischen Überschwang diese enormen
Aufgaben künstlich aufblähen lassen. Um einen
bekannten chinesischen Spruch zu zitieren: Die
Zeiten, in denen wir leben, sind bereits interessant
genug.
Ich stehe zu der Prämisse, daß die amerikanische
Außenpolitik im allgemeinen und Rüstungskontrolle
im besonderen am stärksten sind, wenn sie sich der
Unterstützung beider Parteien und beider Enden der
Pennsylvania Avenue erfreuen. Die extremen Flügel

AMERIKA DIENST 23

�beider führenden Parteien haben wiederholt mit dem
Isolationismus geflirtet, aber die Idee hat nie die
breite Mitte beider Parteien gefesselt - noch nicht
einmal heute, glaube ich.
Meines Erachtens haben verantwortungsbewußte
Republikaner der Mitte nie die Orientierung verloren,
nur ihre Stimme. Meiner Ansicht nach sind sie privat
entsetzt bei dem Gedanken, daß die starke und
gesunde internationalistische Tradition ihrer Partei der Partei von Arthur Vandenberg, Dwight Eisenhower, Richard Nixon, Ronald Reagan und George
Bush - auf der Grundlage politischer Zweckdienlich-

*

AMERIKA DIENST 23

*

keif oder durch den zutiefst schädigenden Isolationismus einiger weniger Extremisten in Mißkredit gebracht werden könnte.
Montaigne riet: "Fürchtet Euch nicht auszusprechen,
was ihr Euch nicht fürchtet zu denken." Wir müssen
hoffen, daß die internationalistischen Vorsitzenden
beider Parteien sich an dieses Prinzip halten während wir in einer geteilten Regierung die Aufgabe
wiederaufnehmen, eine einheitliche Außenpolitik zu
formulieren, die eine Großmacht in einer gefährlichen
Welt verdient.

*

*

Seite 5

�KRIEGSVERBRECHEN
19. Juli 1995

Kriegsverbrechertribunale für Jugoslawien
und Ruanda sind Präzedenzfälle
Bilanz der Arbeit
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Clinton-Administration steht kurz vor der Übermittelung einer
Gesetzesvorlage an den Kongreß, die den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den Kriegsverbrechertribunalen für das ehemalige Jugoslawien und
Ruanda bei der Verhaftung und Auslieferung von
Personen einräumt, die Kriegsverbrechen beschuldigt werden.
David Scheffer, Rechtsberater von US-Botschafterin
Madeleine Albright, erklärte, die Vereinigten Staaten
würden bereits ihre Grenzen überwachen, um der
Kriegsverbrechen Verdächtige vom Balkan oder aus
Ruanda aufzuspüren, die versuchen könnten, in die
Vereinigten Staaten einzureisen. Scheffer zufolge
stellen die Vereinigten Staaten den Tribunalen ferner
Finanzmittel, technische Hilfe - vor allem bei der
Beschaffung von Informationen -, Mitarbeiter und
andere Unterstützung zur Verfügung.
Mit der
Gesetzesvorlage würde diese Unterstützung noch
erweitert.
In einer Rede vor der Anwaltsvereinigung von San
Francisco und der amerikanischen Gesellschaft für
internationales Recht während der Gedenkfeierlichkeiten anläßlich der Unterzeichnung der Charta der
Vereinten Nationen am 26. Juni 1946 erörterte
Scheffer Umfang und Grenzen der beiden Kriegsverbrechertribunale.
"Wir werden es schaffen", erwiderte Scheffer den
Skeptikern, die sagen, die Angeklagten würden dem
Tribunal für das ehemalige Jugoslawien niemals
überstellt.
"Die Verfahren werden überstellt - dem JugoslawienTribunal liegen bereits über 20 vor... und es werden
weitere erwartet. Die Anführer der bosnischen
Serben sind von Richter Richard Goldstone öffentlich
als Verdächtige ausgemacht worden, gegen die
Ermittlungsverfahren eingeleitet werden."

besteht für sie ein beträchtliches Risiko der Festnahme", so Scheffer.
Im Falle Ruandas grenzt der Hauptankläger das Feld
der Verdächtigen ein und wird sich auf die Anführer
konzentrieren. Damit bleibt jedoch der Regierung
von Ruanda "die nahezu unmögliche Aufgabe überlassen, gegen Zehntausende weniger Verdächtige zu
ermitteln und Strafverfolgungsmaßnahmen gegen sie
einzuleiten".
Scheffer bezeichnete Richter Goldstone aus Südafrika, den Hauptankläger bei beiden Tribunalen, als
"beeindruckend" und erklärte, aufgrund seiner hervorragenden Arbeit bei den jugoslawischen Fällen sei
Goldstone auch zur Anklageführung bei den ruandischen Verfahren ausgewählt worden. Goldstone hat
versprochen, sich auf die Beweise zu stützen und die
höchsten Regierungsvertreter anzuklagen, wenn der
Grund dazu gegeben ist.
Scheffer bezeichnete Berichte, der Sicherheitsrat
ziehe eine Amnestie für die jugoslawischen Verfahren
in Betracht, als "Mythos".
"Es mag lokale Amnestien geben, das wird das
internationale Tribunal jedoch nicht beeinflussen",
äußerte er. "Wir haben eindeutig klargestellt, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht hegen für eine
Resolution zu stimmen, die eine Amnestie für irgendeinen der Straftaten im Balkan-Konflikt Beschuldigten
enthält."
"Regierungen, die nicht mit dem Tribunal zusammenarbeiten, sehen sich mit möglichen Sanktionen des
Sicherheitsrats konfrontiert", fügte Scheffer hinzu.
Die Zusammenarbeit der Belgrader Regierung mit
dem Kriegsverbrechertribunal "wird in Erwägung
gezogen und wird unsere Entscheidung bezüglich der
Aufhebung von Sanktionen sowie der Wiederaufnahme Belgrads in die internationale Staatengemeinschaft bestimmen."

"Wir werden die Beschuldigten verfolgen und sobald
sie sich außerhalb ihres Territoriums befinden,

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�Er warnte, "diejenigen, die bereits den Nachruf auf
das Kriegsverbrechertribunal schreiben, sollten ihre
Computer anlassen. Dies ist ein sehr langer Prozeß,
den keine Regierung umgehen will. Es gibt keine
Einschränkungen."
Die Kriegsverbrechertribunale für das ehemalige
Jugoslawien und Ruanda haben neue Horizonte im
Völkerrecht eröffnet, da ihnen jetzt die Möglichkeit
eingeräumt wurde, die Rechenschaftspflicht von
Einzelpersonen bei der Behandlung von Bürgern
durch Regierungsvertreter zu verschärfen.
Aufgrund der Struktur der beiden Tribunale können
"für Kriegsverbrechen verantwortliche Personen sich
in Zukunft nicht mehr hinter dem Schutzschild der
internationalen Souveränität verstecken", so Scheffer. "Die internationale Staatengemeinschaft wird die
Fähigkeit, das Recht und den internationalen Präzedenzfall zu ihrer Bestrafung haben."
Die Mitarbeiter des Jugoslawien-Tribunals stellten
fest, daß in Bosnien die Regierungsvertreter und
Lagerkommandanten die Situation der Gefangenen
verbesserten, als sie erfuhren, daß die internationale
Staatengemeinschaft zu ihrer Bestrafung entschlossen ist. Scheffer fügte jedoch hinzu, es müßten
noch Gesetzesänderungen vorgenommen werden,
bevor die Androhung eines Kriegsverbrechertribunals
zur glaubwürdigen Abschreckung für potentielle
Kriegsverbrecher wird.
Das Jugoslawien-Tribunal ist das erste seiner Art,
das Recht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit und über das Verbrechen der Verfolgung von
Zivilisten ohne Verbindung zu einem bewaffneten
Konflikt sprechen wird. Die Tribunale von Nürnberg
und Tokio hatten die Rechtsprechung über Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur, wenn diese
in Zusammenhang mit einem bewaffneten Konflikt
standen oder während diesem durchgeführt wurden.
"Zum ersten Mal wird also eine amtliche Körperschaft des internationalen Rechts Regierungsvertreter und sogar selbsternannte Vertreter nicht
anerkannter Staaten zur Verantwortung ziehen für
die Art der Behandlung der ihnen unterstellten
Personen unabhängig von der Existenz eines
bewaffneten Konflikts", erläuterte Scheffer.
Und das Tribunal für Ruanda wird den geplanten
Genozid der Regierung ansprechen, der zu dem
internen bewaffneten Konflikt führte.

*

Seite 2

"Das Tribunal wird das erste internationale Gremium
sein, das Einzelpersonen für Völkermord ohne einen
bewaffneten Konflikt sowie für während eines internen bewaffneten Konflikts begangene Verbrechen zur
Rechenschaft zieht. Beide Schritte werden den
Rahmen einengen, innerhalb dessen eine Regierung
gegen ihre Bürger vorgehen kann. Es sind wichtige,
aber begrenzte erste Schritte."
Häufig werden Vergleiche zwischen dem Jugoslawien-Tribunal und den nach Ende des Zweiten
Weltkriegs in Nürnberg und Tokio abgehaltenen
Kriegsverbrecherprozessen angestellt. Die vor 50
Jahren anberaumten Gerichtsverhandlungen waren
jedoch Sieger-Tribunale, und die Großmächte konnten in einer Weise Anklage erheben, die "heute
einfach nicht möglich ist".
Das Nürnberger Tribunal war eine Gemeinschaftsbestrebung, bei der die Bereitstellung von Finanzmitteln und Personal kein Hindernis darstellte. Bei
der Einrichtung der Tribunale für Ruanda und Jugoslawien stellten die Finanzierung und personelle
Besetzung die Vereinten Nationen jedoch vor große
Schwierigkeiten. Die UNO hat noch nicht entschieden, ob sie die Tribunale ebenso wie Friedenssicherungsoperationen oder als regulären Haushaltsposten
finanzieren soll.
Die Vereinigten Staaten stehen an erster Stelle bei
der Finanzierung und haben zum JugoslawienTribunal bisher zwischen 16 und 20 Millionen Dollar
an freiwilligen und zugewiesenen Mitteln beigesteuert.
Die Vereinigten Staaten werden voraussichtlich rund
8 Millionen Dollar zum Ruanda-Tribunal beitragen.
Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß ein
bestimmter Anteil der Mittel des Tribunals durch
freiwillige Beiträge finanziert wird. "Wir sind ermutigt
durch die 'Koalition des Gewissens' nichtstaatlicher
Organisationen und Einzelpersonen", die einen
finanziellen Beitrag leisten und dem Tribunal technische Hilfe zur Verfügung stellen.
Die beiden Tribunale öffnen die Tür für mögliche
Ermittlungen und/oder Tribunale für andere Gebiete,
darunter Kambodscha, Irak, Burundi, Äthiopien und
Haiti. Die nächste Herausforderung ist die Frage, ob
ein ständiges internationales Strafgericht geschaffen
werden soll.
"Im Sicherheitsrat macht sich so etwas wie TribunalMüdigkeit breit", stellte Scheffer mit der Anmerkung
fest, die Gründung einer ständigen Institution könnte
eine Lösung sein.

*

AMERIKA DIENST 23

�NA F T A
19. Juli 1995

Positive Bilanz der ersten anderthalb Jahre des NAFTA
Rede von Robert Earle
FRANKFURT - (AD) - Wenn sich der heutige Trend fortsetzt, werden die Vereinigten Staaten im Jahr 2005
mehr nach Lateinamerika als nach Westeuropa oder Japan exportieren, erklärte der Gesandte-Botschaftsrat
für öffentliche Angelegenheiten bei der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland
am 29. Juni 1995 in Frankfurt. In seiner Eröffnungsrede vor der Konferenz über das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) mit dem Titel "North America - New
Industry Opportunities" sprach Earle über die Ursprünge des NAFTA und zog nach anderthalb Jahren seines
Bestehens eine vorwiegend positive Bilanz.

Ich freue mich sehr, heute morgen hier zu sein. Als
langjähriger Beobachter Lateinamerikas und Gesandter-Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten
bei unserer Botschaft in Mexiko City zur Zeit der
Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens habe ich zugegebenermaßen großes
persönliches Interesse an diesem Thema.

schichte. Aber während dieses hundert Jahre langen
Zeitraums florierten zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bilateraler Handel, Investitionen und
wirtschaftliche Interdependenz.

Das Thema der Veranstaltung am heutigen Morgen
lautet "NAFTA nach anderthalb Jahren". Ich würde
sagen, daß nach 18 Monaten nur dann eine vorläufige Einschätzung vorgenommen werden kann,
wenn diese Beurteilung in den historischen Kontext
eingeordnet wird. Wir müssen den Hintergrund des
NAFTA kennen, um genau beurteilen zu können,
wieweit es bis jetzt gediehen ist und wohin es
steuert.

In Ermangelung von freiem Handel und der Art von
Symmetrie, wie sie bei den amerikanisch-kanadischen Volkswirtschaften vorherrschte, waren die
Konflikte und Engpässe, die Mexikaner und Amerikaner erlebten, real und frustrierend. Ende der achtziger Jahre dieses Jahrhunderts unterhielten die
Vereinigten Staaten und Mexiko jedoch umfassende
und sich schnell vertiefende Handelsbeziehungen.
Das NAFTA beschleunigte dieses Wachstum, aber
die meisten Experten waren sich einig, daß bilateraler
Handel und Investitionen auch ohne das Abkommen
angestiegen wären.

Diejenigen, die das NAFTA konzipierten und aushandelten, betrachteten es nie als kurzzeitiges
Experiment. Sie sahen es mit der Logik einer
unwiderlegbaren Tatsache: Das wichtigste Merkmal
Nordamerikas heute ist seine Interdependenz. Das
NAFTA erkennt und begrüßt diese Realität.

Das NAFTA ist somit keine Athene, die dem Haupt
des Zeus in voller Rüstung entsprang. Es wurzelt in
der Geographie Nordamerikas, der Psychologie und
Weltanschauung der Nordamerikaner, ihrer gemeinsamen Geschichte sowie dem weltweiten Trend zu
freiem Handel und offenen Märkten.

Diese Interdependenz hat eine lange Geschichte.
Im Rückblick auf die amerikanisch-kanadischen
Beziehungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts
erkennt man, daß freier Handel ein zentrales Anliegen war - ein äußerst heikles Thema, über das erst
nach mehr als hundert Jahren Einigkeit erzielt wurde
- in den späten achtziger Jahren dieses Jahrhunderts.

Aus der Sicht der Vereinigten Staaten dient das
NAFTA drei wichtigen, sogar entscheidenden Funktionen:

Die Diskussionen über freien Handel haben bei den
Beziehungen zwischen den USA und Mexiko, wo
andere Themen dominierten, keine so lange Ge-

AMERIKA DIENST 23

Erstens. Freier Handel ist zumindest seit dem Ende
des Zweiten Weltkrieges für die Amerikaner ein
Credo. Er ist ein natürlicher Bestandteil der Außenpolitik und resultiert aus dem Ethos unserer Nation,
anstatt von äußeren Kräften aufoktroyiert zu werden.
Wir Amerikaner sind stolz darauf, ein pragmatisches
Volk zu sind, und fühlen uns aufgrund unserer
Geschichte bei exzessiver zentraler Kontrolle unbe-

Seite 1

�haglich. Freier Handel ist eine Reaktion auf diese
beiden Punkte. Er engagiert unsere Bürger direkt
auf der internationalen Bühne auf pragmatischer
Basis ohne staatliche Verordnungen.
Es sollte folglich nicht überraschen, daß den Umfragen zufolge die amerikanische Öffentlichkeit das
NAFTA unterstützt. In einer jüngeren Untersuchung
des Chicago Council on Foreign Relations wurde die
Frage gestellt: "Ist das NAFTA für die amerikanische Volkswirtschaft vorwiegend gut oder vorwiegend schlecht?" Die führenden Meinungsbildner in
den Vereinigten Staaten sprachen sich mit 86
Prozent dafür und 13 Prozent dagegen aus. Selbst
die Öffentlichkeit, die mit einer Anti-NAFTA-Kampagne aus dem gesamten politischen Spektrum bombardiert worden war - und für die die Angst um ihren
Arbeitsplatz eine wirkliche Sorge darstellte - stimmte
mit 50 gegenüber 31 Prozent, das NAFTA sei
überwiegend positiv.
In derselben Umfrage antworteten auf die Frage
"Was sind Ihrer Meinung nach heute die zwei oder
drei größten außenpolitischen Probleme der Vereinigten Staaten?" 24 Prozent der Befragten spontan
mit "Welthandel und freier Handel".
Zweitens. Die Beziehungen zu Mexiko sind für die
Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Derselben Umfrage des Chicago Council on Foreign
Relations zufolge bekräftigten 98 Prozent der führenden amerikanischen Politiker und 76 Prozent der
Öffentlichkeit, daß die Vereinigten Staaten ein vitales
Interesse an Mexiko haben. 98 beziehungsweise 71
Prozent sagten dasselbe über Kanada. Wie ich
bereits erwähnte, sind die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und Mexiko nicht immer
einfach. Verglichen mit unseren Beziehungen zu
Kanada sind sie voller Asymmetrien. Diese Asymmetrien haben immer wieder zu Spannungen und
Enttäuschungen geführt oder dazu beigetragen. Das
hat unsere Versuche enorm erschwert, bei der
Verfolgung unserer beiderseitigen Interessen zusammenzuarbeiten.
Freier Handel mit seinem Versprechen einer umfassenden Liberalisierung bot den Vereinigten
Staaten eine vollkommen neue Basis für ihre Beziehungen zu Mexiko. Wir wußten natürlich, daß
Einwände und Probleme fortbestehen würden. Das
wären jedoch Argumente und Probleme im Plural,
nicht im Singular: Viele verschiedene Fragen, von
denen jede an und für sich betrachtet beantwortet
werden kann, nicht eine große Frage, bei der die
individuellen Interessen von Mexikanern und Amerikanern unter einer seltsamen, schwierig zu definierenden Frage des "nationalen Interesses" zusammengefaßt werden können.

Seite 2

Drittens. Ebenso wie die Vereinigten Staaten einen
neuen, kreativen Ansatz zur Entwicklung stärkerer
Beziehungen zu Mexiko suchten, strebten sie auch
einen Wandel bei ihren Beziehungen zu Lateinamerika als Ganzes an. Diese Bestrebungen umspannen die eben erwähnten 100 Jahre. Es gab
zahllose Schwierigkeiten, die gut dokumentiert sind.
Es schien, daß wir nie die richtige Formel fanden, um
uns und unsere Nachbarn in der Hemisphäre zufriedenzustellen. Wir konnten nie den Weg zu einem
Gleichgewicht finden.
Wir wußten jedoch eines: Wenn wir ein zufriedenstellendes Abkommen mit Mexiko abschließen könnten, hätten wir darauf aufbauend die Chance zur
Verbesserung unserer Beziehungen zu allen Nachbarn im Süden.
Dies sind die Ursprünge des NAFTA: Der Glaube an
freien Handel, der Wunsch nach dem Aufbau neuer,
stärkerer Beziehungen zu Mexiko und schließlich der
Wunsch, dasselbe mit der übrigen Hemisphäre zu
tun.
Sie werden feststellen, daß das alles nicht viel mit
dem Kalten Krieg zu tun hatte. Es reflektierte lediglich die natürlichen Tendenzen und Interessen des
amerikanischen Volkes. Der Unterschied zwischen
den zwei Unternehmungen - Freihandel in der
Hemisphäre versus Bekämpfung des Kommunismus ist einfach festzustellen: Einiges möchte man tun,
anderes muß man tun.
Vor diesem Hintergrund sehen die ersten anderthalb
Jahre des NAFTA ziemlich gut aus. Zahllose Abkommen, Übereinkünfte und gemeinsame Ansätze
wurden unter Dach und Fach gebracht. Der Privatsektor hat viel mehr Freiheit bekommen, um wirtschaftlich effizienter zu werden. Einem ernsthaften
Wechselkursproblem in Mexiko wurde getrotzt, wenn
es auch noch nicht ganz überwunden ist. Die Vereinigten Staaten erlebten allgemeines Wachstum bei
Handel und Investitionen und erwarten eine Fortsetzung in den nächsten Jahren.
Ebenso wichtig ist, daß wir in Nordamerika auf
regionaler Basis etwas erreicht haben, das sich
möglicherweise in der gesamten Hemisphäre ausbreiten und den weltweiten Trend zu freiem Handel
verstärken könnte. Es besteht kein Zweifel daran,
daß das NAFTA als Katalysator für die Verhandlungen der Uruguay-Runde diente und zur Errichtung
der Welthandelsorganisation führte.
Natürlich bedeutet das nicht, daß alle Streitigkeiten
über das NAFTA beigelegt oder weitere Fortschritte
zu einer Freihandelszone in der Hemisphäre unausweichlich sind. Das NAFTA ist keine Doktrin, son-

AMERIKA DIENST 23

�dem ein Prozeß. Es muß sich weiterhin in der
Praxis bewähren und wird sicherlich nicht ohne
schwierige Verhandlungen in der gesamten Hemisphäre ausgeweitet.
Für die Europäer ist jedoch die Erkenntnis wichtig,
daß die Debatte über das NAFTA die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu Lateinamerika auf eine
neue Ebene gebracht hat. Wie ich bereits erwähnte,
waren diese Beziehungen - allzu oft - von Mißverständnissen, Verdächtigungen und verpaßten Gelegenheiten charakterisiert. Wir haben über die Jahrzehnte eine Vielzahl von Politiken verfolgt - von der
Monroedoktrin bis zur Dollar-Diplomatie, von guter
Nachbarschaft bis zur Allianz für den Fortschritt.
Das NAFTA bietet die stabilste, kohärenteste und
weitblickendste Politik, die wir je gegenüber Lateinamerika verfolgt haben.
Sie vermeidet Konflikt zugunsten von Zusammenarbeit, wendet sich von Entwicklungshilfe und einer
Gönner-Vasall-Beziehung ab, die in den meisten
Fällen nicht richtig funkionierte sowie Abhängigkeit
und Ressentiments förderte. Gezielte amerikanische
Hilfsprogramme werden auf Gebieten wie der Förderung von Demokratie, der Modernisierung des
Rechtssystems und der Behebung sozialer Ungleichgewichte fortbestehen. Sie sind wichtig für die
Aufrechterhaltung einer geordneten Entwicklung in
der westlichen Hemisphäre. Die Botschaft des
NAFTA ist jedoch, daß Handel, nicht Hilfe an der
Tagesordnung sind.
Wie weit wird uns diese Botschaft dabei bringen, die
Vision des Amerika-Gipfels vom vergangenen
Dezember in Miami zu erfüllen? Nach anderthalb
Jahren kann keine spezifische Frage definitiv beantwortet werden, aber sehen Sie sich nur einige
Zahlen an.
Die amerikanischen Exporte nach
Nordamerika wachsen doppelt so schnell an wie in
die übrigen Länder. Im vergangenen Jahr kaufte
Lateinamerika amerikanische Waren im Wert von 92
Milliarden Dollar. Wenn sich der jetzige Trend
fortsetzt, wird unser Land mehr nach Lateinamerika
als nach Westeuropa oder Japan verkaufen.

*

AMERIKA DIENST 23

In einer interdependenten Welt ragt die unerbittliche
Tatsache des Angrenzens, der Nachbarschaft noch
drohender auf. Neben dem Handel haben unsere
Nachbarn größeren Einfluß auf unsere Fähigkeit zum
Umgang mit Fragen von vitalem nationalem Belang
wie Migration, Drogen, Strafverfolgung und Umwelt.
All diese Faktoren werden mit der Zeit zu einer
Ausweitung des NAFTA auf andere Länder südlich
unserer Grenze führen. Fast die Hälfte jedes Dollars,
den Lateinamerikaner für Importe ausgeben, wird für
den Kauf amerikanischer Waren aufgewendet. Im
Gegensatz dazu geben die Chinesen nur etwa 10
Cent jedes für Importe ausgegebenen Dollars für
amerikanische Waren aus.
Chile zeichnet sich als erster Kandidat für eine
Mitgliedschaft im erweiterten NAFTA ab. Die Vereinigten Staaten verkaufen mehr an Chile mit 14
Millionen Einwohnern als an Indien mit einer Bevölkerung von über 900 Millionen. In den letzten fünf
Jahren verzeichnete Chile eine durchschnittliche
Wachstumsrate von 7,1 Prozent und erzielte eine
Sparquote von 25 Prozent. Andere Staaten wie
beispielsweise Argentinien haben ähnlich vielversprechende Aussichten.
Das 20. Jahrhundert endet positiv - mit dem Triumph
der Ideale, für die die Vereinigten Staaten und andere
in der westlichen Welt seit langem eingetreten sind.
Die Medien haben ausführlich über die umwälzenden
Veränderungen in Mittel- und Osteuropa sowie in
Südafrika berichtet. Dem wirtschaftlichen Start in
Ostasien wird ebenfalls viel Aufmerksamkeit gewidmet. Und all das geschieht verdientermaßen.
Es ist meines Erachtens jetzt jedoch an der Zeit, daß
die dramatischen Veränderungen in Lateinamerika die Ausbreitung von Demokratie und dynamischem
Wirtschaftswachstum - die Berichterstattung erhalten,
die sie verdienen. Auch diese Entwicklungen werden
eine wichtige Rolle bei der Gestaltung unserer
gemeinsamen Zukunft spielen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�DATENAUTOBAHN
19. Juli 1995

Neues von der Datenautobahn
Übersicht jüngster Entwicklungen
Der nachfolgende Artikel faßt die jüngsten Entwicklungen in den Vereinigten Staaten bei Informations- und
Telekommunikationstechnologien zusammen und erörtert Neuheiten auf dem Internet sowie die Entwicklung
einer globalen Informationsinfrastruktur.

Stau auf dem Internet
Die Zeitschrift Inc. berichtet, daß die dramatisch
ansteigende Anzahl von Internet-Nutzern einen
"Stau" verursachen könnten. Dem Wirtschaftsberater Bridger Mitchell zufolge "ist der Stau vorprogrammiert", solange sich die Kosten für das
Internet nicht parallel zu dem vom Anwender bezahlten Preis entwickeln. Die Software für das Übertragungskontrollprotokoll ist eine technologische
Errungenschaft, die eine problemlose Erweiterung
des Internet gestattet, allerdings zu hohen Kosten.
Der Wirtschaftswissenschaftler der University of
Michigan Hai Varian erläutert: "Das durchschnittliche Laden ist nicht das Problem. Die meiste Zeit
arbeitet das Netz mit 5 Prozent der Kapazität. Aber
die "Stoßzeit" gibt Anlaß zur Sorge. Die Qualität
beginnt sich bei rund 20 Prozent der Kapazität zu
verringern, und ein plötzlicher Andrang kann die
Nachfrage binnen Sekunden zu diesem Punkt
bringen."
Telekonferenzindustrie wächst weiter
Laut einem von der internationalen TelekonferenzVereinigung veröffentlichten Bericht beliefen sich im
Jahr 1994 die Einnahmen aus nordamerikanischen
Telekonferenzen auf insgesamt 3,098 Milliarden
Dollar. Dies entspricht einer Wachstumsrate von
34,7 Prozent. Vom Institute for the Future (IFTF)
und der Telespan Publishing Corp. of California
durchgeführten Studien zufolge nahm der nordamerikanische Audio-Telekonferenzmarkt - verglichen mit 995,6 Millionen Dollar im Jahr 1993 1994 um 28 Prozent zu.
PC-Homebanking weckt geringes Interesse
Ein kürzlich im Wall Street Journal veröffentlichter
Artikel berichtet, daß nur ein Prozent der amerikanischen Haushalte Bankgeschäfte mit dem eigenen

AMERIKA DIENST 23

Computer abwickelt, obwohl ungefähr 130 Banken
Online angeschlossen sind, darunter 61 in den ersten
vier Monaten dieses Jahres. Analysten von Payments Systems, Inc. in Tampa (Florida) stellen fest,
das geringe Interesse belege, daß die Verbraucher
erst einmal überzeugt werden müssen, ihr Geld dem
Cyberspace anzuvertrauen. Banken, die Online
gegangen sind, zeigen Optimismus, daß Homebanking zunehmen wird, sobald der Markt mit der Technologie vertraut ist. KPMG Marwick LLP, eine New
Yorker Beratungsfirma, erwartet, daß Homebanking
in nur 10 Jahren gang und gäbe sein wird, wenn die
jüngere "Computergeneration" anfängt, Bankgeschäfte zu tätigen.
Computer-Anwender müssen nicht notwendigerweise reich sein
Eine von SRI International, einer in Menlo Park
(Kalifornien) ansässigen Forschungsfirma, durchgeführte Umfrage ergab, daß 28 Prozent der Computer-Nutzer weniger als 20.000 Dollar pro Jahr verdienen. Anhand dieser Informationen gelangte SRI
zu der Schlußfolgerung, bisherige Annahmen - wer
kein Geld hat, hat keinen Zugang zu Informationen könnten falsch sein. SRI ist der Auffassung, statt der
Einkommensverhältnisse sei eher das Bildungsniveau
dafür entscheidend, wer Zugang zu Informationen hat
und wer ein Informations-Habenichts ist.
Cyberkrankheit - das neue "Computervirus"
Simulatorkrankheiten wie kalter Schweiß, Übelkeit
und Erbrechen nehmen zu, je mehr Virtual Reality zur
Realität wird. Eine vom amerikanischen Militär und
der NASA durchgeführte 20jährige Serie von Studien
belegte, daß bis zu 90 Prozent der Testpersonen
simulatorkrank werden - abhängig vom Realismus
des Simulators.
Einem kürzlich in Technology
Review erschienenen Artikel zufolge entsteht das
Problem der Cyberkrankheit, wenn ein Produkt so

Seite 1

�eindringlich ist, daß das Gehirn nicht verarbeiten
kann, was real ist und was nicht. Einige Unternehmen bewältigen das Phänomen, indem sie den
Realismus-Faktor verringern und das Produkt
weniger realistisch und weniger eindringlich machen,
ohne die Spannung der Virtual Reality zu verrignern.
Interessante Web Sites auf dem Internet
Nachfolgend die Anschriften einiger nützlicher Regierungsstellen auf dem World Wide Web.
Die nationale Telekommunikations- und Informationsverwaltung (National Telecommunications and
Information Administration - NTIA) - (World Wide
Web) http://www.ntia.doc.gov (gopher) gopher.ntia.doc.gov
NTIA ist das wichtigste Sprachrohr der Administration zu Fragen im Telekommunikationsbereich und
das führende Amt für nationale und globale Informationsinfrastruktur-Initiativen, die generell als Datenautobahn bezeichnet werden. Die Home Page von
NTIA ist mit über 500 anderen im Telekommunikations- und Informationswesen tätigen Internet-Stellen
verbunden.

Electronic Frontier Foundation - (WWW)http://www.eff.org/pub/GIINII
Diese Stiftung befaßt sich mit der Förderung von
Bürgerrechten auf der Datenautobahn.
Die US-Wirtschafts- und Statistikverwaltung - (U.S.
Economics and Statistics Administration) - (WWW)
http://doc.gov/resources/ESAinfo.html (gopher)
gopher.stat.usa.gov
Diese Verwaltung stellt Verbindungen zur National
Trade Data Bank (nationale Handelsdatenbank) her,
die umfassende Daten über den Welthandel speichert.
Das Umweltschutzamt (Environmental Protection
Agency - EPA) - (WWW) http://www.epa.gov (gopher)
gopher.epa.gov
Stellt die Verbindung zum Telefonverzeichnis der
EPA und anderen öffentlichen Stellen mit Umweltinformationen her, darunter die wichtigsten EPAInformationsclearinghäuser und EPA-Umweltdatenbanken.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�LITERATUR
19. Juli 1995

Edmund Wilson - eine Hundertjahrfeier
von Robert Earle
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, den Robert Earle, der Gesandte-Botschaftsrat
für öffentliche Angelegenheiten bei der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland,
im Anschluß an die vom 25. bis 28. Mai 1995 in Bonn veranstaltete Konferenz von im Bereich der
Lehrerausbildung tätigen Fachleitern mit den Titel "Many Voices: American Values in Transition" verfaßte.

Wäre er noch am Leben - ein beängstigender
Gedanke - wäre Edmund Wilson in diesem Jahr 100
Jahre alt geworden. Wilson der Kritiker, der Gelehrte, der Polemiker ... vielleicht der vollkommenste,
wenn nicht sogar der einflußreichste amerikanische
Literat dieses Jahrhunderts.
Wie bekannt ist Wilson im Aus- und nicht zuletzt im
Inland mehrere Jahrzehnte nach seinem Tod? Es
lohnt sich, diese Frage zu stellen, weil Wilson das
gesamte Spektrum und die Eleganz des amerikanischen intellektuellen Lebens von seiner besten Seite
so umfassend verkörperte. Wilsons Werk zu kennen, heißt, Einblick in viele der wesentlichen Themen der amerikanischen Zivilisation zu erhalten unsere Beziehungen zu Europa, unsere Beziehungen zu politischen Institutionen in Amerika und zur
amerikanischen Geschichte, unser Gefühl des sich
ständig entwickelnden "Selbst" - so grenzenlos,
gelegentlich arrogant, gelegentlich bescheiden.
Wilsons Generation war zweifelsohne eine der
großen amerikanischen Generationen: Lippman,
Faulkner, Eliot, Fitzgerald, Williams. Es war die
Generation, die Amerikas erste Begegnung mit "der
Welt" in Form des Ersten Weltkriegs erlebte - diesen
internationalen Abgrund und diese demoralisierende
Einöde. Es war eine Generation, die keine Wahl
hatte, als sich im Hinblick auf Visionen und Werte
auf sich selbst zu verlassen. Die Traditionen und
Institutionen ihrer Eltern wurden durch den Amok
laufenden Koloß der Moderne und der in voller Fahrt
gebremsten Menschheit zerschmettert. Wie Stein zu
Hemingway sagte, waren sie die "verlorene Generation", die keinen Platz hatte und sich daher selbst
einen schaffen mußte.
Wilsons Schaffensmethode bestand zunächst in
lesen, später schreiben. Das waren die beiden Pole

AMERIKA DIENST 23

seiner Erfahrungen von der Kindheit bis ins hohe
Alter. Er wurde als Kind aus einer unglücklichen Ehe
in Red Bank (New Jersey) geboren. Als entfernter
Vorort von New York hatte Red Bank den großen
Vorteil der Region - des Mid-Atlantic (Sammelname
für die Bundesstaaten New York, New Jersey,
Delaware und Pennsylvania). Der Mid-Atlantic ist die
transparenteste, am wenigsten regionale der amerikanischen Regionen. Daher ist sie nicht einer bestimmten Sprache oder Sache verpflichtet - der perfekte
Geburtsort für einen Universalgelehrten wie Wilson.
Seine Zeit im Internat (The Hill School in Pennsylvania) und am College (Princeton) verbrachte er mit
lesen, dann begann er zu schreiben.
Sein erstes und lebenslanges Interesse war Journalismus, nicht die Berichterstattung per se, sondern
vielmehr das Aufzeichnen, Analysieren, Kritisieren.
Er führte umfangreiche Tagebücher, die später
Michelin Guides für das gesellschaftliche und intellektuelle Leben der zwanziger, dreißiger, vierziger und
bis in die sechziger Jahre wurden. Es waren gleichzeitig intime persönliche Dokumente und detaillierte
Gesellschaftsberichte. Sie waren klinisch nüchtern,
das Werk eines Rationalisten, und sie waren enzyklopädisch, mit Details über alles, was er sah und
dachte: Den Klang eines Liedes, die Widersprüche
in einer Philosophie, das Muster im Rock einer
attraktiven Frau.
(Auf Wilsons ausdrücklichen
Wunsch wurde jedes Tagebuch von Alfred A. Knopf
in Kleinformat gebunden, gerade in der richtigen
Größe für die Hand und die Manteltasche des Reisenden - die beiden Orte, an denen Wilson seine
Bücher am häufigsten trug).
Seine ersten Publikationen waren in Zeitschriften
abgedruckte Buchrezensionen (es war die Hochblüte
der Zeitschriften in Amerika: Der New Yorker war
nur eine von vielen, obwohl Wilson sich hier am

Seite 1

�häufigsten aufhielt), und dann eine Reihe größerer
kritischer Arbeiten. Sie waren seine Meisterwerke
(die Romane, die er außer Tagebüchern und umfangreichen Studien schrieb, kann man vergessen),
da Wilson einen Intellekt besaß, von dem man zu
Recht sagen konnte, daß er jedes Thema oder jede
Idee von wirklichem Interesse aufgreifen, verdeutlichen und vermitteln konnte. Er schrieb Axel's
Castle, ein brillantes Werk der Literaturkritik über
Joyce, Yeats und Proust. Er schrieb To The Finland Station, ein umfassendes Werk über die
Geschichte des Sozialismus vom 19. Jahrhundert bis
zu Lenin. Er schrieb Patriotic Gore, eine Studie
über die großartige, vernachlässigte literarische
Tradition des amerikanischen Südens (die Faulkner
in einem völlig anderen Kontext Wiederaufleben ließ).
Und er schrieb auch Bücher über die IroquoisIndianer, die Schriftrollen von Qumran und kanadische Literatur.
Seinen Stil könnte man als "transparent" bezeichnen.
Er zeigte das Thema wie Glas. Man konnte direkt
hindurchsehen. Und man konnte genau die richtige
Menge sehen, Stück für Stück, während sich ein
ganzes Mosaik abzeichnete - vollständig, überzeugend, ausgewogen.
Jüngere Biographien (und seine eigenen Aufzeichnungen) verdeutlichen, daß es Wilson selbst an der
Größe und Ausgewogenheit seiner Prosa gebrach.
Er hatte einen Verschleiß an Ehefrauen, stritt mit
Freunden, trank zuviel und öffnete sich nicht gegenüber seinen Studenten oder Bewunderern. Das
alles war jedoch nicht so wichtig.
Das Wichtigste an Wilson ist wahrscheinlich das,
was am schwierigsten zu erfassen ist: Seine Band-

* *

Seite 2

breite. Das Drama seines breiten Interessenspektrums und seiner endlosen Überlegenheit entmutigt
praktisch jeden geneigten Leser. Wer würde, wenn
er Joyce liebt, Wilsons Arbeiten über Joyce so ernst
nehmen wie seine Arbeiten über die Iroquois? Wer
könnte, wenn er von den zwanziger Jahren fasziniert
ist, ebenso fasziniert von Turgenjew sein? In gewisser Weise wußte nur Wilson Wilson zu folgen und zu
würdigen.
Dennoch hat sowohl Wilsons Prosa als auch seine
bedingungslose Überzeugung, daß alles Denken in
Relation zueinander steht (daß Politik, Kultur, Geschichte und Poesie in sorgfältig formulierten Sätzen
aufgenommen und dann in Absätze, Bücher und ein
ganzes Leben eingeflochten werden können) ihm
einen permanenten Platz im intellektuellen Umfeld
der Vereinigten Staaten verschafft. Wenn er auch
nicht der größte Spezialist auf einem bestimmten
Gebiet war, so war Wilson doch der größte Generalist
in vielen unterschiedlichen Fachbereichen. Er war in
gewisser Weise demokratisch und populistisch (trotz
seines elitären Geschmacks) aufgrund der Annahme,
daß er (oder sonst jemand) immer eine Meinung zu
jedem beliebigen Thema hatte.
Wegen seiner Lebendigkeit, guten Urteilskraft und
Bandbreite verdient Wilson es, wieder gelesen zu
werden. Der Mensch und sein Leben waren vielleicht
nicht so interessant. Er las und schrieb. Dazwischen
reiste er, heiratete und trank. Nicht so viel Stoff für
eine Geschichte. Aber er schrieb in Wirklichkeit nicht
seine eigene Geschichte. Seine Geschichte waren
die uneingeschränkten intellektuellen Möglichkeiten
eines Amerikaners, wenn dieser sich die Welt zu
eigen macht.

*

*

AMERIKA DIENST 23

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12466">
              <text>19.07.1995</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12467">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12468">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12469">
              <text>Amerikadienst 19.07.1995</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12470">
              <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikanische Außenpolitik und transatlantische Beziehungen im Umbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Gesandten J.D. Bindenagel&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kritik an isolationistischen Tendenzen im Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kriegsverbrechertribunale für Jugoslawien und Ruanda sind Präzedenzfälle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bilanz der Arbeit&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Positive Bilanz der ersten anderthalb Jahre des NAFTA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Robert Earle&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues von der Datenautobahn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht jüngster Entwicklungen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Literatur&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Edmund Wilson - eine Hundertjahrfeier &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Earle&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
