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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26. April 1995

15

NICHTVERBREITUNG

GORE DRANGT AUF UNBEGRENZTE
VERLÄNGERUNG DES NICHTVERBREITUNGSVERTRAGS
Rede von Vizepräsident AI Gore

ABRÜSTUNG

ABBAU VON ATOMWAFFEN IN DER
EHEMALIGEN SOWJETUNION MACHT GUTE
FORTSCHRITTE
Rede von Verteidigungsminister Perry

UMWELT

UMWELTPOLITISCHE FORTSCHRITTE SIND
"GROSSE AMERIKANISCHE
ERFOLGSGESCHICHTE"
Interview mit Präsident Clinton

UMWELTPOLITJSCHE HERAUSFORDERUNGEN
IN DER WELT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Timothy Wirth

WIRTSCHAFT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

MULTILATERALE VERHANDLUNGEN ÜBER
FINANZDIENSTLEISTUNGEN
Rede von Finanzminister Rubin

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�NICHTVERBREITUNG
26. April 1995

Gore drängt auf unbegrenzte Verlängerung
des Nichtverbreitungsvertrags
Rede von Vizepräsident AI Gore
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident AI Gore forderte am 19. April 1995 in einer
Rede vor den Vereinten Nationen alle Unterzeichnerstaaten des Nichtverbreitungsvertrags (NW) von 1968
dazu auf, "die richtige Entscheidung zu treffen - der unbegrenzten und bedingungslosen Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags zuzustimmen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Vizepräsidenten im Wortlaut.

In wenigen Wochen wird die Welt der Zusammenkunft von San Francisco von vor einem halben
Jahrhundert gedenken, bei der - während in Europa
und Asien noch die letzte Glut des Zweiten Weltkriegs schwelte - Delegierte aus ungefähr 50 Ländern zusammentrafen, um eine neue internationale
Institution für die Nachkriegsära zu schaffen. Der
Vorschlag, diese Organisation "die Vereinten Nationen" zu nennen, wurde durch Akklamation angenommen - inmitten der Hoffnung aller Menschen auf ein
Leben ohne die "Geißel des Krieges".
Dieser verheißungsvolle Moment fiel jedoch mit dem
Anbruch eines neuen Zeitalters in der Weltgeschichte zusammen - dem Atomzeitalter - das beispiellose
Gefahren für die Zukunft der Menschheit mit sich
brachte.
Ebenso wie die Gründerväter der Vereinten Nationen
sind wir heute zu einem Zeitpunkt außergewöhnlicher Chancen und großer Risiken hier versammelt.
Die Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion ist beendet.
Unsere Regierungen haben schnell gehandelt und
die auf dem nuklearen Gleichgewicht des Schrekkens basierenden Beziehungen hinter sich gelassen.
Allein schon diese Tatsache verringert beträchtlich
die Gefahr eines weltweiten Atomkriegs, beseitigt sie
jedoch nicht.
Im Falle einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
könnte dieses Risiko erneut ansteigen, und unsere
derzeitige Chance zur Verringerung der globalen
nuklearen Gefahr wäre verloren.

AMERIKA DIENST 15

Mit dieser Konferenz tritt der Kampf um die Eindämmung von Nuklearwaffen in eine kritische Phase
ein. Zu Beginn des Atomzeitalters verfügten nur
wenige Länder über die technologischen und finanziellen Mittel zum Bau von Atomwaffen. Das ist jetzt
nicht mehr der Fall.
Das Wissen und die Fähigkeit zum Bau von Nuklearwaffen und ihren Trägersystemen ist in zunehmendem Maße zugänglich. Die meisten Länder sind sich
bewußt, daß der Erwerb von Nuklearwaffen zu mehr
Unsicherheit und Gefahr führt. Aber die wenigen
Länder, die den Besitz von Atomwaffen anstreben,
haben zunehmende Erfolgschancen. Sollten sie
Erfolg haben, wären die Konsequenzen nicht auf ein
Gebiet beschränkt, sondern vielmehr globaler Natur
und würden die Länder, die sich ursprünglich gegen
Atomwaffen entschieden, zu einer Überprüfung ihrer
Entscheidung veranlassen.
Mit anderen Worten: Der abnehmenden Gefahr
eines Atomkriegs als Resultat einer Rivalität steht die
zunehmende Gefahr gegenüber, daß er von anderen
verursacht wird. Es ist einleuchtend, daß weitere
Fortschritte bei der Kontrolle und dem Abbau von
Nuklearwaffen einfacher zu erzielen sein werden,
wenn die Zahl von Atomwaffenstaaten nicht zunimmt.
Dies ist natürlich der Kern der Herausforderung, auf
die der Nichtverbreitungsvertrag zugeschnitten war.
Zum Zeitpunkt seiner Entstehung repräsentierte er
ein gefährdetes Gleichgewicht zwischen widerstreitenden und anscheinend unvereinbaren Interessen.

Seite 1

�Der Vertrag kam den Sicherheitsinteressen der
Atomwaffen- und Nichtatomwaffenstaaten entgegen.
Ferner zog er den universellen Wunsch in Betracht,
daß alle Völker in den Genuß von Nukleartechnologie für friedliche Zwecke kommen sollten, was
jedoch nicht zur Weiterverbreitung von Atomwaffen
führen dürfe.
Das Ergebnis war ein Abkommen, das den Interessen aller Seiten Rechnung trug und einen Weg zu
einer friedlicheren Zukunft identifizierte.
Erstens würden erklärte Atomwaffenstaaten anderen
Ländern nicht beim Erwerb von Nuklearwaffen
helfen, während die Nichtatomwaffenstaaten sich
zum Verzicht auf diese Waffen während der Dauer
des Vertrags verpflichteten.
Die hierzu in der Lage befindlichen Staaten bürgten
ferner für die Weitergabe von Nukleartechnologie für
friedliche Zwecke unter strengen internationalen
Sicherheitsvorkehrungen und gingen die feierliche
Verpflichtung ein, sich für weitere Abrüstungsmaßnahmen einzusetzen.
Nachdem wir jetzt ein Vierteljahrhundert lang Erfahrungen mit diesem Vertrag gesammelt haben, sind
wir hier zusammengekommen, um zu entscheiden,
ob der Sache des Friedens am besten mit einer
zeitweiligen Verlängerung des Vertrags gedient ist
oder durch die Nutzung unserer einmaligen Option,
ihm eine dauerhafte Grundlage zu geben, indem wir
seine unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung beschließen - und wir alle sind uns der Bedeutung einer einmaligen Option bewußt.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten ist es von
lebenswichtiger Bedeutung, daß wir diese einmalige
Option nutzen, um den Vertrag unbegrenzt und
bedingungslos zu verlängern.
Ich vertrete hier mein Land und meinen Präsidenten
und möchte erklären, warum wir so unerschütterlich
an dieser Überzeugung festhalten und die Gründe
darlegen, warum wir mit anderen Ansätzen nicht
übereinstimmen - so sehr wir auch die darin zum
Ausdruck kommenden Anliegen verstehen und
respektieren.
Die Argumente für eine dauerhafte Verlängerung
können prägnant und überzeugend vorgestellt
werden. Zunächst einmal schafft der Vertrag eine
sicherere Welt für all seine Mitglieder - Atomwaffenstaaten und Nichtatomwaffenstaaten gleichermaßen.
Durch die Bereitstellung international anerkannter,
verifizierbarer Mittel für den dauerhaften Verzicht auf
Atomwaffen trägt der Vertrag dazu bei, daß regionale Rivalitäten nicht zu einem regionalen Nuklearwaf-

Seite 2

fenrüstungswettlauf eskalieren. Ohne den Nichtverbreitungsvertrag hätten viel mehr Nationen - wenn
auch widerwillig - beschlossen, sie benötigten Atomwaffen als Abschreckung für ein Nachbarland oder
als Schutz vor künftiger Unsicherheit.
Da der N W es der überwältigenden Mehrheit der
Nationen ermöglicht, auf Atomwaffen zu verzichten,
ohne dabei ihre Sicherheit aufs Spiel zu setzen,
stärkt er die globale Stabilität, welche die für weitere
Fortschritte bei Rüstungskontrolle und Abrüstung
erforderliche Grundlage darstellt.
Obwohl unseres Erachtens die Argumente für eine
unbegrenzte Verlängerung überzeugend sind, muß
jede ehrliche Beurteilung des Vertrags die wichtigsten
gegen ihn gerichteten Einwände in Betracht ziehen.
Ich möchte einzeln auf jedes der Argumente gegen
eine unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung
eingehen und darauf antworten.
Erstens, der Vertrag sei von Natur aus diskriminierend. Zweitens, die Atomwaffenstaaten seien ihren
Verpflichtungen unter Artikel VI nicht nachgekommen.
Drittens, die unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des Vertrags würde die Nuklearwaffenstaaten von wirksamem weiterem Druck auf Abrüstung
befreien. Viertens, der Vertrag setze die Nichtatomwaffenstaaten dem Risiko einer Einschüchterung
durch die Atomwaffenstaaten sowie durch Nichtmitgliedstaaten des N W aus. Fünftens, die dauerhafte
und bedingungslose Verlängerung des Vertrags
zerstöre die Möglichkeit, das Abkommen an künftige
Gegebenheiten anzupassen.
Ich möchte auf jedes dieser Argumente einzeln
eingehen.
Erstens. Es stimmt, daß der Vertrag eine erste
Unterscheidung zwischen Atomwaffenstaaten und
den Staaten anerkennt, die sich zum Verzicht auf
Atomwaffen verpflichten. Der Vertrag schuf jedoch
keine ständige Gruppe von Atomwaffenstaaten.
Er schuf jedoch die Erfordernis, daß die bereits im
Besitz von Atomwaffen befindlichen Staaten anderen
nicht beim Erwerb dieser Waffen helfen dürfen,
verbunden mit einer bindenden rechtlichen Verpflichtung gemäß Artikel VI, in gutem Glauben
Verhandlungen über nukleare Rüstungskontrolle und
Abrüstung fortzusetzen.
Durch die unbegrenzte
Verlängerung des Vertrags werden Nichtatomwaffenstaaten sicherstellen, daß diese Verpflichtung auf
Dauer bindend ist und die Bedingungen dafür schaffen, daß sie letztlich erfüllt wird.
Zweitens. Von manchen wird das Argument angeführt, die Nuklearwaffenstaaten wären ihren Ver-

AMERIKA DIENST 15

�pflichtungen gemäß Artikel VI nicht nachgekommen.
Es gibt überzeugende Beweise dafür, daß unter den
Atomwaffenstaaten der Trend eindeutig in Richtung
der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gemäß Artikel VI
des N W geht. Betrachten Sie sich nur einmal, was
in den letzten Jahren geschehen ist:
Die Vereinigten Staaten und Rußland beseitigten
unter dem INF-Vertrag eine gesamte Klasse
nuklearer Trägersysteme.
Vergangenen Dezember setzten die Vereinigten
Staaten und Rußland sowie die Ukraine, Belarus
und Kasachstan den START I-Vertrag in Kraft,
der die Entfernung von 9.000 Atomwaffen von
ihren Trägersystemen vorsieht.
Die Staatskunst führender Politiker aus Belarus,
Kasachstan und der Ukraine hat zum Verzicht
dieser Nationen auf Nuklearwaffen geführt.
Es ist heute angebracht, diese drei Nationen zu
beglückwünschen, deren Entscheidung über die
Entfernung der Atomwaffen von ihrem Territorium
sowie über den Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag
als Nichtatomwaffenstaaten einen wahrhaften Schritt
für den Frieden darstellt. Übrigens sollten wir auch
Südafrika beglückwünschen, das die Welt auf
vielfältige Weise inspirierte und vor einigen Jahren
den Verzicht auf Atomwaffen beschloß.
Die Vereinigten Staaten und Rußland arbeiten
mit unseren Parlamenten an der Ratifizierung des
START Il-Vertrags, durch den weitere 5.000
Waffen aus den entwickelten Arsenalen der
Vereinigten Staaten und Rußlands entfernt
werden. START I und START II zusammengenommen haben also bereits zu einem Abbau
von zwei Dritteln sowie einer 90prozentigen
Verringerung taktischer Waffen geführt.
Die Präsidenten Clinton und Jelzin einigten sich
auf die Entschärfung von Systemen entsprechend
dem START II-Vertrag nach dessen Ratifizierung.
Ferner beschlossen wir eine Änderung der Zielkoordinaten unserer Atomraketen, damit diese Waffen
nicht länger auf die Kinder irgendeiner Nation
gerichtet sind. Und nicht auf Städte.
Um unseren Worten weitere Taten folgen zu
lassen, haben die Vereinigten Staaten die Produktion spaltbarer Materialien für Nuklearexplosionen eingestellt.
Zudem leitete Präsident
Clinton neue globale Bestrebungen zur Beendigung der Produktion spaltbarer Materialien für
Nuklearexplosionen ein.

AMERIKA DIENST 15

Vergangenen Monat gab Präsident Clinton bekannt, die Vereinigten Staaten würden 200 Tonnen spaltbaren Materials aus ihren Vorräten
beseitigen, so daß diese nie wieder für atomwaffenfähige Zwecke benutzt werden können. Und
letztes Jahr unterstellten die Vereinigten Staaten
zum ersten Mal waffenfähiges Material aus ihrem
Arsenal den Sicherheitsvorschriften der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).
Dies sind konkrete Formen realer Fortschritte bei der
Erfüllung von Artikel VI und wichtige Bausteine für
Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert. Aber wir
müssen natürlich in den kommenden Tagen und
Wochen weiter darauf aufbauen.
Aus diesem Grund haben die Präsidenten Jelzin
und Clinton im vergangenen September ihre
Experten angewiesen, Schritte zur Anpassung der
Nuklearstreitkräfte an das veränderte internationale Sicherheitsklima zu entwickeln und öffentlich
ihrer gemeinsamen Überzeugung Ausdruck
verliehen, daß dieses veränderte Klima zusätzliche Fortschritte beim Abbau von Umfang und
Struktur ihrer Nuklearstreitkräfte sowie die Aussicht auf mögliche weitere Reduzierungen erlauben - und erfordern - wird.
Vor nur zwei Wochen bekräftigten Rußland,
Frankreich und Großbritannien gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten in Genf feierlich unsere
Verpflichtung - wie in Artikel VI niedergelegt - in
gutem Glauben Verhandlungen über wirksame
Maßnahmen im Zusammenhang mit nuklearer
Abrüstung - unserem obersten Ziel - fortzusetzen.
Ferner haben wir unsere Delegation in Genf
angewiesen, "so bald wie möglich" einen Vertrag
über ein umfassendes Atomtestverbot abzuschließen. Um diese Bestrebungen weiter voranzutreiben, verlängerte der Präsident das Moratorium
über Atomtests bis zum erwarteten Abschluß der
Verhandlungen über ein Atomtestverbot und zog
einen früheren amerikanischen Vorschlag für eine
in den Vertrag aufzunehmende Klausel über eine
zehnjährige Widerrufungsperiode zurück.
Wenn die Genfer Abrüstungskonferenz ihre Aufgabe
erfüllt, sind wir bereit zu der Schlußfolgerung, daß die
Vereinigten Staaten bereits ihren letzten Atomtest
durchgeführt haben.
Das dritte Argument gegen die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags lautet, sie
würde die Nuklearwaffenstaaten von wirksamem
Druck auf weitere Abrüstung befreien. Von manchen
wird argumentiert, statt einer unbegrenzten Verlängerung liege die beste Möglichkeit zur Gewähr-

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�leistung von Abrüstung unter den großen Atommächten darin, den N W praktisch als Geisel zu nehmen,
indem er periodischen Abstimmungen über seine
Abschaffung oder sein Bestehen unterworfen oder
zu Bedingungen verlängert wird, die das Prinzip "Abschaffung oder Beseitigung" auf indirekte Weise
wiedereinführen.
Dieses Argument hat zwei gravierende Mängel.
Erstens, im Hinblick auf die großen Atomwaffenstaaten: Das Letzte, was wir beim Umgang mit dem
Problem einer weiteren, unumkehrbaren Einschränkung von Atomwaffen gebrauchen können, wäre die
Möglichkeit eines Widerrufs des N W in regelmäßigen Abständen. Es ist wertlos, daß selbst die
längste erörterte Überprüfungszeit - 25 Jahre unterhalb der Lebensdauer eines großen Nuklearwaffensystems liegt. In der Praxis können laufende
Überprüfungszeiten genau dieselben Konsequenzen
für die Nuklearplanung haben wie eine jetzt getroffene Entscheidung über die Beendigung des Vertrags,
da sie Unsicherheit, Mißtrauen und Angst verursachen würde. Außerdem würde sie Präventivmaßnahmen ermutigen und die schwierige Aufgabe
eines weiteren Abbaus von Nuklearwaffenarsenalen
sowie einer Annäherung an unser oberstes Abrüstungsziel komplizieren.
Der zweite Mangel dieses Arguments ist, daß eine
periodische Gefährdung des Vertrags den Staaten
ein machtvolles Signal senden wird, den Erwerb von
Nuklearwaffen anzustreben. Eine solche Entscheidung wird sie dazu ermutigen, sich ihre Optionen
vorzubehalten, anstatt die Dauerhaftigkeit ihrer
Verpflichtungen unter dem Vertrag zu akzeptieren.
Nicht dem Vertrag angehörende Staaten würden zu
der Annahme ermutigt, dieser würde eines Tages
auseinanderbrechen, und sie würden dementsprechend planen. Da Pläne oft Realität werden, würde
dies dramatisch das Risiko erhöhen, das wir mit dem
Nichtverbreitungsvertrag einzudämmen versuchen.
Die Einbringung von Unsicherheit in nukleare Entscheidungen dient nicht den Zielen des N W .
Vielmehr werden dadurch die wirklichen Fortschritte
gefährdet, die die ursprünglichen Nuklearwaffenstaaten derzeit machen, und Möchtegernweiterverbreiter
ermutigt, auf eine günstige Gelegenheit zu warten
und heimlich ihre Ziele zu verfolgen.
Das vierte Argument gegen eine bedingungslose
Verlängerung des Vertrags lautet, dieser würde die
Nichtatomwaffenstaaten der Gefahr einer Einschüchterung durch die Nuklearmächte sowie die nicht dem
Vertrag angehörenden Staaten aussetzen.

Seite 4

Da sich die Atomwaffenstaaten klar bewußt sind, daß
eine Gefährdung des N W auch ihre eigene Sicherheit gefährden würde, haben sie ein starkes Motiv,
sich atomarer Drohungen zu enthalten und vielmehr
glaubwürdige Zusagen zu geben, um die Bedenken
anderer zu zerstreuen. Aus diesem Grund gab
Präsident Clinton Anfang dieses Monats eine Erklärung ab, die starke positive und negative Sicherheitszusagen enthält. Jeder der vier anderen Nuklearwaffenstaaten veröffentlichte parallel dazu eine
Erklärung.
Anfang des Monats nahm der UN-Sicherheitsrat eine
Resolution an, die diese Zusagen begrüßt und in
beispielloser Weise im Detail Mittel für den Fall
festlegt, daß ein atomarer Mitgliedstaat des N W
einer nuklearen Bedrohung ausgesetzt ist.
Zudem schafft der Erfolg des N W einen Schutz vor
nuklearer Bedrohung, sei es durch Mitgliedstaaten
oder Nichtmitgliedstaaten. Durch die Festsetzung
einer globalen Nichtverbreitungsnorm, zu deren
Verteidigung die Weltgemeinschaft erklärtermaßen
bereit ist, hat der N W nukleare Einschüchterung
weitaus effektiver entmutigt, als die wahllose Bedrohung mit Atomwaffen das tun würde.
Als Reaktion auf das fünfte Argument, eine unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des N W
würde ihn erstarren lassen und seiner Fähigkeit
berauben, auf veränderte Bedingungen zu reagieren,
möchte ich zunächst auf die radikalen Veränderungen
auf der Welt hinweisen, mit denen der Vertrag bisher
ohne Schwierigkeiten umgegangen ist, sowie ferner
auf in den Überprüfungs- und Abänderungsbestimmungen des Vertrags eingebaute Flexibilitätsreserven, die durch die Entscheidung über seine unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung nicht
verändert würden. Der Vertrag sieht alle fünf Jahre
eine Überprüfung vor, was allen Vertragsparteien die
Möglichkeit gibt, ihrer Sorge über seine Wirksamkeit
Ausdruck zu verleihen.
Selbst bei einer unbegrenzten Verlängerung des N W
würden diese Überprüfungen fortgesetzt, und ich
verspreche, daß die Vereinigten Staaten eng mit
anderen Delegationen zusammenarbeiten werden,
um die Lebensfähigkeit und Effektivität des Überprüfungsmechanismus zu gewährleisten. Mit anderen
Worten: Der N W wird ein lebendes Dokument
bleiben.
Meiner Ansicht nach kann auf alle Fragen und
Kritikpunkte des N W eine Antwort gefunden werden
- nicht nur durch logische Argumente, sondern viel
wirkungsvoller durch die Leistung des Vertrags und
seiner Mitgliedstaaten während der vergangenen 25
Jahre.

AMERIKA DIENST 15

�Im Zeitalter nach dem Kalten Krieg - in dem die
Konfrontation der Supermächte von Zusammenarbeit
bei der Beseitigung von Nuklearwaffen abgelöst wird,
welche die Gefahren nuklearer Weiterverbreitung
aber zunehmend offensichtlich werden läßt - bleibt
der Vertrag von zentraler Bedeutung für die Sache
des Friedens.
Wir rufen Sie, die Vertreter der größten Staatengemeinschaft dazu auf, jedem Rüstungskontrollabkommen beizutreten, die unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des Vertrags zu unterstützen,
nicht als Gefallen für jemanden oder als Konzession,
sondern weil es eindeutig im Sicherheitsinteresse
jedes einzelnen von uns liegt.
Der Vertrag verringert noch weit mehr als bei seinem
Abschluß vor 25 Jahren die nukleare Bedrohung für
jede seiner Vertragsparteien, schafft die Grundlage
für internationale Zusammenarbeit bei der friedlichen
Nutzung von Kernenergie und leistet einen entscheidenden Beitrag zu globaler Stabilität, die für weitere
Maßnahmen bei Rüstungskontrolle und Abrüstung
erforderlich ist.
Die von Ihnen zu treffende Entscheidung über die
zukünftige Dauer des Nichtverbreitungsvertrags ist
wirklich von großer Tragweite. Sie betrifft nicht nur
die Politik der Regierungen, sondern das Schicksal
von Menschen überall auf unserem Planeten.
Durch die Ratifizierung des Vertrags akzeptierten
Parlamente auf der ganzen Welt, daß sie durch eine
von der Mehrheit der Vertragsparteien getroffene
Entscheidung gebunden würden. Jeder Vorschlag,
daß diese Entscheidung durch geheime Abstimmung
getroffen werden sollte, unterminiert das Vertrauen
dieser Parlamente. Sie können mit Recht von den
Staaten erwarten, daß sie die Verantwortung für ihre
Aktionen übernehmen. Würde ein Land zum Nutzen
seines Volkes eine Haltung einnehmen und dies
seinen Bürgern verheimlichen? Wie könnte das
einer Überprüfung standhalten?
Wer Rechenschaftsspflicht fordert, muß auch die damit einherge-

*

AMERIKA DIENST 15

henden Lasten tragen. Die Vereinigten Staaten
weisen entschieden jede Vorstellung zurück, die bei
dieser Konferenz getroffenen Entscheidungen könnten einer Überprüfung nicht standhalten, und rufen
alle Länder auf, für ihre Aktionen die Verantwortung
zu übernehmen.
Als der Nichtverbreitungsvertrag vor 25 Jahren in
Kraft trat, konnten nur wenige vermuten, was er für
unser aller Leben bewirken würde.
Heute wissen wir, daß die bei der Schaffung des
Atomzeitalters Anwesenden nur hoffen konnten,
daß der Weiterverbreitung Einhalt geboten werden
kann,
daß die Nationen zum Schutz der Sicherheit aller
zusammenarbeiten können.
Wir dürfen und werden nicht ruhen, bis diese Ziele und der Nichtverbreitungsvertrag - dauerhafte Realität
werden.
Einer der großen Staatsmänner meiner Nation Franklin Delano Roosevelt - äußerte in einer Krisensituation dem amerikanischen Volk gegenüber, seine
Generation hätte ein "Rendezvouz mit dem Schicksal". Dies führte in der gesamten Nation zu der
Erkenntnis, daß es in ihrer Hand lag, den Ausgang
großer Dinge zu entscheiden.
Auch wir sind an einem Punkt angelangt, der als
Rendezvouz mit dem Schicksal bezeichnet werden
könnte.
In diesem Moment der Entscheidung fordere ich Sie
daher dazu auf, mit dem Glauben an den Frieden als
unserer Leitlinie und mit den Hoffnungen unserer
Kinder als Inspiration die richtige Entscheidung zu
treffen - der unbegrenzten und bedingungslosen
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags zuzustimmen.

* * *

*

Seite 5

�ABRÜSTUNG
26. April 1995

Abbau von Atomwaffen in der ehemaligen
Sowjetunion macht gute Fortschritte
Rede von Verteidigungsminister Perry
WASHINGTON - (AD) - Am 19. April 1995 sprach US-Verteidigungsminister William Perry vor dem National
Defense University College der Streitkräfte über Fortschritte bei der Konversion militärischer Einrichtungen in
der ehemaligen Sowjetunion zur Nutzung für friedliche Zwecke. Nachfolgend veröffentlichen wir die
unwesentlich gekürzte Rede des Verteidigungsministers.

Vergangene Woche stattete ich Rußland, der Ukraine und den beiden zentralasiatischen Republiken
Kasachstan und Usbekistan einen Besuch ab. Diese
vier Staaten sind für die Vereinigten Staaten von
strategischer Bedeutung, denn sie sind Grundpfeiler
einer Region, die für uns ein zentrales sicherheitspolitisches Anliegen darstellt. Ein Grund dafür ist die
Tatsache, daß es in dieser Region noch mehr als
20.000 Nuklearwaffen gibt. Diese 20.000 Kernwaffen befinden sich in einem Gebiet, das einen revolutionären Wandel durchmacht.
Revolutionärer
Wandel erzeugt Instabilität; Instabilität plus Atomwaffen ergibt Gefahr.
Daher müssen wir uns in den Nationen dieser
Region wieder engagieren, einmal um das erneute
Entstehen einer nuklearen Bedrohung zu verhindern,
aber auch um wirtschaftliche und politische Reformen zu ermutigen, gemeinsame Sicherheitsinteressen zu verfolgen und das Entstehen einer neuen,
globalen Rivalität, insbesondere zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland zu verhindern.
Wir dürfen unser Engagement jedoch nicht auf
Rußland beschränken, selbst wenn dieses die
mächtigste Nation in dieser Region ist. Auch die
Ukraine ist aufgrund ihrer beträchtlichen Größe und
Bevölkerung, ihrer entwickelten industriellen und
militärischen Infrastruktur und der Stationierung
sowjetischer Nuklearwaffen auf ihrem Territorium von
entscheidender Bedeutung. Tatsache ist, daß die
Ukraine das drittgrößte Atomwaffenarsenal der Welt
hat.
Kasachstan ist ebenfalls von großer strategischer
Bedeutung für die Vereinigten Staaten und verfügt
auch über sowjetische Atomwaffen. Zudem würde

AMERIKA DIENST 15

ich Kasachstan wegen seiner Nähe zu Rußland,
China und dem Iran als Schlüsselnation bezeichnen.
Usbekistan, der vierte Staat unserer Besuchsreise,
hat keine Nuklearwaffen, ist aber dennoch für uns
von strategischer Bedeutung. Tatsächlich ist er
weitaus wichtiger, als hier in den Vereinigten Staaten
angenommen wird. Usbekistan ist einer der wenigen
Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion mit
einer relativ starken Wirtschaft. Er unterhält von allen
Staaten der Region eines der aktivsten gemeinsamen
Wirtschaftsprogramme mit amerikanischen Unternehmen. Vom sicherheitspolitischen Standpunkt aus
gesehen dient Usbekistan als Gegengewicht zu
regionaler Instabilität, insbesondere zu aus dem Iran
exportierten extremistischen Kräften.
Wir unterhalten gute Beziehungen zu allen neuen
unabhängigen Nationen, und jede hat Schritte zur
Einführung wirklicher Demokratie und Marktwirtschaft
unternommen. Ich brauche Ihnen aber nicht zu
sagen, daß alle vier Staaten in dieser Hinsicht noch
einen weiten Weg vor sich haben - mit beachtlichen
Höhen und Tiefen.
Wir sollten die Probleme nicht ignorieren.
Die
Unterstützung von Reformen beinhaltet die klare und
entschiedene Äußerung unserer Anliegen.
Ein
Schlüsselelement unserer Politik gegenüber diesen
Ländern sollte jedoch unerschütterliche Zielstrebigkeit
sein. Wir müssen unsere Augen auf den strategischen Preis richten: Das langfristige, große Bild.
Der Schlüssel hierzu ist stetiges Engagement während aller Höhen und Tiefen. Das gestattet uns die
Arbeit an der Lösung von Problemen sowie die
gleichzeitige Weiterentwicklung der positiven Aspekte

Seite 1

�unserer Beziehungen. Und ich habe meine Reise
für beides benutzt.
Ich möchte mich auf die meiner Meinung nach
positivsten Aspekte meiner Reise konzentrieren, die
für meine Zuhörer hier von größtem Interesse sind.
Positiv ist die Zusammenarbeit insbesondere mit
Rußland und der Ukraine, um ihnen bei der Zerlegung ihrer aus dem Kalten Krieg stammenden
Nuklearwaffen zu helfen. Positiv sind aber auch die
Gemeinschaftsvorhaben amerikanischer Unternehmen mit Unternehmen in Rußland und seinen Nachbarstaaten, um die sowjetische Rüstungsindustrie Fabrikanlagen und F&amp;E-Labors - in produktive
Wirtschaftsunternehmen umzuwandeln.
Das ist eine Erfolgsgeschichte, und Erfolg resultiert
aus der Klugheit und dem Weitblick zweier amerikanischer Senatoren - Sam Nunn und Richard Lugar die das Verteidigungsprogramm zur Beschleunigung
des Zerlegungs- und Konversionsprozesses ins
Leben riefen, das ihre Namen trägt - das NunnLugar-Programm. Dank dem Nunn-Lugar-Programm
findet der Abbau amerikanischer und sowjetischer
Nuklearwaffen aus der Zeit des Kalten Krieges sogar
früher als geplant statt.
Beispielsweise trat vergangenen Dezember der
START I-Vertrag in Kraft und räumt den Vereinigten
Staaten und Rußland sieben Jahre für die erforderliche Demontage ein. Aber sowohl unser Land als
auch Rußland haben bereits über die Hälfte der
Aufgabe, über die Hälfte des Abbaus erledigt.
Neben Rußland sind die Ukraine, Kasachstan und
Belarus auf dem besten Weg, dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) als . Nichtatomwaffenstaaten
beizutreten.
Ende kommenden Jahres werden
diese drei Nationen - Kasachstan, Belarus und die
Ukraine - Mitglieder des N W .
Auch die Umgestaltung der Rüstungsindustrie für
friedliche Zwecke hat einen guten Anfang genommen. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn
es ist nicht möglich, einfach nur die Atomwaffen zu
zerlegen. Wir müssen uns auch mit den überschüssigen Rüstungsfabriken, den Facharbeitern und
Nukleartechnikern befassen. Das liegt im Interesse
dieser Nationen und der Vereinigten Staaten - aus
sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Gründen.
Es ist in ihrem Interesse, die überschüssigen Produktionskapazitäten der Rüstungsindustrie produktiv
einzusetzen und ihre Volkswirtschaften zu entmilitarisieren, zu kommerzialisieren und zu privatisieren.
Und es liegt in unserem Interesse, diesen Nationen
beim Aufbau einer freien Marktwirtschaft zu helfen
und dabei in dieser aufstrebenden Region neue
Märkte für unsere Unternehmen zu erschließen.

Seite 2

Es liegt ebenfalls im amerikanischen Interesse, die
Notwendigkeit einer Waffenproduktion in Rußland aus
beschäftigungspolitischen Gründen zu verringern,
denn diese Waffen könnten die amerikanische
Sicherheit bedrohen, wenn sie in die falschen Hände
geraten. Die Zerlegung von Waffen und die Konversion der Rüstungsindustrie sind also Teil desselben
Sicherheitskontinuums.
Ich habe die Erfolgsgeschichte dieses nuklearen
Sicherheitskontinuums mit eigenen Augen gesehen.
Beispielsweise besuchte ich in Rußland den Luftwaffenstützpunkt Engels, auf dem sowjetische Jagdbomber entsprechend dem START I-Vertrag zerlegt
werden.
Das war wirklich ein beeindruckender
Anblick. Einer der uns begleitenden Journalisten
schrieb: "Dort lagen Einzelteile riesiger Jagdbomber,
als wären diese von wütenden Göttern in Stücke
gerissen worden. Hier ein Flugzeugrumpf, dort
mehrere Tragflächen und da ein Haufen Propeller
von dem schweren Langstreckenbomber Bear. Das
war nicht das Werk wütender Götter, sondern das
russischer Arbeiter, die teilweise mit Hilfe von im
Rahmen des Nunn-Lugar-Programms bereitgestellten
amerikanischen Gerätschaften - besonderen Schneidemaschinen, Pressen und einer als Guillotine
bezeichneten wunderbaren Vorrichtung - die Tragflächen von den Jagdbombern abtrennten." Meines
Erachtens ist das der beste Gebrauch, der je von
einer Guillotine gemacht wurde.
Das war für mich ein einzigartiger Moment auf dem
Luftwaffenstützpunkt Engels. Ich hatte mich während
des Großteils meiner beruflichen Laufbahn mit
Waffen für den Kalten Krieg beschäftigt und gebe zu,
daß ich eine gewisse Begeisterung für die Technologie und die daraus resultierenden Produkte entwickelt
habe - für diese technischen Errungenschaften
unseres Landes und der Russen. Aber ich bin
wahrhaft davon überzeugt - und die Russen sind es
meiner Meinung nach ebenfalls - daß wir uns um der
Sicherheit unserer Enkel und deren Enkel willen über
die Zerstörung dieser Waffen freuen sollten.
Weiterhin war ich Zeuge der Rüstungskonversion in
Rußland, als ich die Produktionsstätte eines neuen
amerikanisch-russischen
Gemeinschaftsunternehmens mit dem Namen Istak besuchte - dem ehemaligen großen russischen Hersteller elektronischer
Kampfführungstechnologie. Wir förderten die Bildung
eines Joint-venture mit dem amerikanischen Unternehmen Hearing Aids International. Jetzt wird das
Gemeinschaftsunternehmen Istak Audio International
genannt und stellt Hörgeräte her. Es soll jährlich
etwa 200.000 Hörapparate produzieren. Dieses neue
Unternehmen, Istak, wurde mit Hilfe eines kleinen
Darlehens - hauptsächlich Startkapital - aus dem
Nunn-Lugar-Programm für friedliche Zwecke umge-

AMERIKA DIENST 15

�wandelt, aber das amerikanische Unternehmen
stellte eine beträchtliche Menge Eigenkapital bereit,
was beweist, daß es von dem wirtschaftlichen
Potential dieses neuen Produkts überzeugt ist.
Diese beiden Zwischenstationen in Rußland - auf
dem Luftwaffenstützpunkt Engels und bei Istak haben mir gezeigt, daß die Zerlegung von Nuklearwaffen fortschreitet und die Konversion der Rüstungsindustrie durch Industriepartnerschaften und
Gemeinschaftsunternehmen funktioniert.
Der Ort, an dem diese Bestrebungen zusammentrafen und das nukleare Sicherheitskontinuum der
Abrüstung und Rüstungskonversion am evidentesten
ist, war eine entlegene, windige Stadt in der Ukraine
- Perwomajsk. In Perwomajsk war früher eine der
wichtigsten sowjetischen Abschußvorrichtungen für
ballistische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBMs). Man konnte es als
Kronjuwel des sowjetischen Atomwaffenarsenals
bezeichnen. Von den Raketensilos nur einer Rampe
hätten die Sowjets 700 nukleare Gefechtsköpfe auf
die Vereinigten Staaten abfeuern können - ausreichend, um jede große Stadt Amerikas dem Erdboden gleichzumachen.
Ich war im vergangenen Jahr zum ersten Mal in
Perwomajsk, stand oben am Rand eines Raketensilos und schaute auf eine SS-24 hinunter. Als Teil
unseres Abkommens mit der Ukraine waren die
Gefechtsköpfe gerade vor einer Woche entfernt und
in eine Zerlegungsfabrik geschickt worden. Bei
meinem diesjährigen Besuch beobachtete ich letzte
Woche, wie eine SS-19 langsam aus dem Silo
geholt und auf einen Lastwagen geladen wurde, so
daß die ganze Rakete zur Zerlegungsstätte transportiert werden konnte. So wird Geschichte gemacht. Dies ist eine der größten politischen Errungenschaften des Zeitalters nach dem Kalten Krieg.
Vom Raketenstützpunkt in Perwomajsk aus reiste ich
zu einer Fabrik am Rande der Stadt. In dieser
Fabrik wurden früher Einzelteile für sowjetische
Kriegsschiffe hergestellt. Jetzt produziert man dort
Fertighäuser. Und wieder stammt das Startkapital
aus dem Nunn-Lugar-Programm. Das ist Konversion der Rüstungsindustrie. Dieses Projekt ist Teil
des Kontinuums der Zerlegung von Raketen in
Perwomajsk und der Schließung des Stützpunktes,
denn das erste der Fertighäuser ist für die Offiziere
der strategischen Raketen vorgesehen, die auf dem
Raketenstützpunkt von Perwomajsk leben, die
Raketen bedienten und jetzt an deren Abbau und
der Schließung des Stützpunktes mitwirken.
Das größte Hindernis bei der Zerlegung der Raketen
und Schließung des Stützpunktes war die Suche

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nach einer Möglichkeit, die Offiziere außer Dienst zu
stellen, und die größte Schwierigkeit dabei war
wiederum die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für sie. Die Ukrainer sagten uns: "Wenn Ihr
dieses Problem lösen könnt, können wir mit der
Zerlegung fortfahren. Gelingt Euch das nicht, treten
wir auf der Stelle." Die von mir besichtigte Fabrik löst
das Problem. Sie ist bereits in Betrieb. In wenigen
Wochen wird täglich ein Haus fertiggestellt - eine
unerhörte Produktionsrate in der alten Sowjetunion.
Kritiker in den Vereinigten Staaten äußerten mir
gegenüber: "Warum sollten wir unsere ehemaligen
Gegner beim Bau von Häusern unterstützen, wenn
wir für unsere eigenen Bürger sorgen müssen und
unseren eigenen Bedarf an Wohnungen haben?" Die
Antwort darauf ist einfach. Wir tun es für unsere
eigene Sicherheit. Es erweist sich auch als gut für
die ukrainische Wirtschaft und unsere eigene, denn
wenn die Fabrik die Herstellung von Häusern für die
Offiziere des Raketenstützpunktes beendet hat,
werden Häuser zum Verkauf auf dem ukrainischen
Wohnungsmarkt produziert, auf dem eine enorme
Nachfrage besteht. Bill Harbert, ein Geschäftsmann
aus Alabama, der dieses Gemeinschaftsunternehmen
mit den Ukrainern in Gang setzte, plant die Einführung einer zweiten Schicht in der Fabrik. Er
verdiente weltweit Geld mit dem Bau von Häusern
und ist davon überzeugt, daß er und seine ukrainischen Geschäftspartner in der Ukraine Geld verdienen können. Somit bauen wir in der Ukraine nicht
nur einige Häuser, sondern schaffen eine ganze
Wohnungsbauindustrie.
Diese Erfolge bei der Konversion der Rüstungsindustrie sind meines Erachtens darauf zurückzuführen, daß die Investitionsentscheidungen nicht von der
amerikanischen, der russischen oder ukrainischen
Regierung getroffen werden, sondern vom Privatsektor, von Menschen wie Bill Harbert, der Gutes tut und
gleichzeitig mit Gewinnen rechnet. Menschen wie er
sind bereit, dem von der Regierung bereitgestellten
Startkapital ihre eigenen Investitionen an die Seite zu
stellen.
Die Regierung spielt hierbei eine bedeutende Rolle,
die zusammengefaßt aus drei Elementen besteht:
Festlegung, Unterstützung, Finanzierungshilfe. Diese
drei Tätigkeiten üben wir in der ehemaligen Sowjetunion aus. Erstens suchen wir nach potentiellen
Produkten für eine Rüstungskonversion. Aus diesem
Grund haben mich auf meiner Reise 10 amerikanische Manager begleitet, die sich für Rüstungskonversionsprojekte interessieren, damit sie sich selber vor
Ort ein Bild von den Möglichkeiten machen und mit
potentiellen Partnern zusammentreffen konnten. Sie
haben Geschäfte gemacht.

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�Zweitens unterstützen wir diese Gemeinschaftsvorhaben, indem wir uns für den Abbau von Hindernissen bei Konversionsprojekten einsetzen. Das ist
der Grund, warum mich Barry Carter, der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen, auf meiner Reise
begleitete. Er ist Experte für die Suche nach Mitteln
zur Verbesserung des Investitionsklimas in dieser
Region.
Und schließlich helfen wir bei der Finanzierung
gemeinsamer Rüstungskonversionsprojekte, weshalb
mich Ruth Harkin, die Präsidentin der Gesellschaft
für Privatinvestitionen in Übersee (Overseas Private
Investment Corporation - OPIC) begleitete. Durch
OPIC, das Nunn-Lugar-Programm und andere
Quellen bringen wir die von Investoren als Startkapital bezeichneten Gelder auf. Wir möchten, daß
diese kleine, von uns eingebrachte Geldmenge wie
ein Magnet größere Beträge von Privatkapital
anzieht. Im Grunde zählen wir darauf, daß der
Privatsektor diese Chancen nutzt. Dabei macht er
Geschichte, denn seine Investitionen werden bei der
Privatisierung dieser Volkswirtschaften sowie beim
Aufbau von Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
helfen. Gleichzeitig dienen sie der amerikanischen
Industrie und Sicherheit.

Die Namen Hyman Rickover und Igor Sikorsky sind
für die Industrie und Sicherheit Amerikas von legendärer Bedeutung. Rickover war ein Pionier unserer
mit Atomwaffen bestückten Kriegsmarine, Sikorsky
ein Pionier unserer Hubschrauberindustrie. Diese
beiden Pioniere hatten gemein, daß sie beide in
Rußland geboren wurden, in die Vereinigten Staaten
kamen, dort große Chancen sahen und Investitionen
tätigten. Dadurch bereicherten sie unser Land.
Heute haben Amerikaner großartige Möglichkeiten, in
Rußland, der Ukraine und den anderen Republiken
der ehemaligen Sowjetunion zu investieren. Diese
neuen unabhängigen Staaten sind nicht nur interessiert, sondern haben die amerikanische Industrie
zum Engagement und zur Gründung dieser Industriepartnerschaften aufgefordert. Diese Partnerschaften
sind eine Möglichkeit, die amerikanische Sicherheit
zu wahren und Reformen in der ehemaligen Sowjetunion zu fördern.
Wir können die Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion nicht kontrollieren, aber wir können sie beeinflussen, und dazu müssen wir in der amerikanischen
Regierung und in der amerikanischen Industrie den
Versuch unternehmen. Das sind wir uns selbst,
unseren Kindern und unseren Enkeln schuldig.
Ich danke Ihnen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 15

�UMWELT
26. April 1995

Umweltpolitische Fortschritte sind
"große amerikanische Erfolgsgeschichte"
Interview mit Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - Die in den Vereinigten Staaten seit dem ersten Tag der Erde im Jahr 1970 gemachten
Fortschritte beim Umweltschutz sind US-Präsident Bill Clinton zufolge wirklich "eine große amerikanische
Ertolgsgeschichte", etwas, auf das man stolz sein könne.
Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Tags der Erde am 22. April 1995 gab der Präsident dem Nachrichtendienst
für Umweltfragen "Greenwire" ein Interview, das wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Frage: Welches sind in diesem und im kommenden
Jahr Ihre obersten umweltpolitischen Prioritäten?
Clinton: Der 25. Jahrestag des Tags der Erde ist
ein Zeitpunkt, das Gelernte anzuwenden, um Umweltschutzprogramme umzugestalten und unser
nationales Engagement für die grundlegenden Ziele
von sauberer Luft und sauberem Wasser zu bekräftigen. Das moderne Zeitalter des Umweltschutzes ist
wirklich eine große amerikanische Erfolgsgeschichte
- etwas, auf das wir stolz sein können. Aber wenn
wir uns den Herausforderungen der nächsten 25
Jahre stellen wollen, dürfen wir nicht stillstehen.
Daher stellt die Umstrukturierung und Stärkung von
Umweltschutzprogrammen meine oberste Priorität
dar. Wir haben gerade 25 Maßnahmen zur Umstrukturierung des Umweltschutzamtes (Environmental Protection Agency - EPA) bekanntgegeben. Wir
verringern die Bürokratie um 25 Prozent. Wir
gewähren kleinen Unternehmen einen sechsmonatigen Aufschub, wenn sie den Umweltschutz fördern
wollen.
Besonders stolz bin ich auf das XL-Projekt (excellence and leadership), in dessen Rahmen das EPA 50
Unternehmen oder Gemeinden gestattet, die derzeitigen Vorschriften durch eine von ihnen entworfene
Alternative zu ersetzen. Wenn ein Unternehmen
sauberer und kostengünstiger produzieren kann,
lassen wir es einen Weg finden.
Meine zweite Priorität - die ebenso bedeutsam wie
die erste ist - besteht darin, denjenigen Einhalt zu
gebieten, welche die Notwendigkeit von Reformen

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als Entschuldigung für eine Verringerung des öffentlichen Gesundheitsschutzes ausnutzen. Ich habe
kürzlich darauf hingewiesen, daß ich gerne mit dem
Kongreß eine vernünftige Lösung für eine Reform des
Vorschriftensystems ausarbeiten würde. Wenn der
Kongreß mir jedoch eine Gesetzesvorlage schickt, die
zuläßt, daß verseuchtes Wasser in das Trinkwassersystem unserer Städte gelangt, werde ich mein Veto
einlegen.
Frage: Die erklärten Ziele Ihrer Umweltpolitik - eine
vernünftige Reform der Vorschriften und Verordnungen, Pläne auf der Grundlage von Dialog und
Konsens, Abbau der Bürokratie, Schaffung von
Arbeitsplätzen bei gleichzeitigem Umweltschutz genießen breite Unterstützung. Warum steht Ihre
Tagesordnung dann so unter Beschuß?
Clinton: Mein Wahlkampf wurde unter der Voraussetzung geführt, daß Ökonomie und Ökologie Hand
in Hand gehen und langfristig das eine nicht ohne
das andere gewährleistet ist. Das habe ich mit
meiner Politik demonstriert - sei es mit dem Plan für
den Nordwesten zum Schutz des alten Baumbestands und der Schaffung von Arbeitsplätzen oder
dem Plan für das Gebiet um San Francisco zur
Wasserversorgung von Stadt, Land und Umwelt oder mit der gerade erwähnten Umstrukturierung
staatlicher Initiativen.
Natürlich sind dies schwierige Fragen, und es wird
immer auf beiden Seiten Menschen geben, die nicht
zufrieden sind. Aber eines ist sicher: Die Amerikaner unterstützen die Ziele Gesundheitsfürsorge und
Umweltschutz. Das ist wahrscheinlich der Grund,

Seite 1

�warum das Wort "Umwelt" im republikanischen
"Vertrag mit Amerika" nicht auftaucht.
Je mehr Menschen vom Kleingedruckten in dem
Vertrag erfahren... je mehr von den Angriffen auf
Gesundheitswesen und Sicherheit hören, desto
größer wird der Druck auf den Senat, den Vertrag
abzulehnen. Er hat bereits das Moratorium über
Vorschriften zugunsten eines vernünftigeren Vorschlags abgelehnt, und ich hoffe, daß er dasselbe
mit einigen anderen, dem Repräsentantenhaus vorgelegten Vorschlägen der Republikaner tun wird.
Frage: Im Wahlkampf haben Sie sich für verbesserte Normen zur Kraftstoffersparnis bei Fahrzeugen
ausgesprochen und ein von Regierung und Industrie
gefördertes Programm begonnen, das bis zum Jahr
2003 ein Auto mit einem Verbrauch von einem Liter
pro 30 Kilometer schaffen soll. Sie scheinen jedoch
die Automobilhersteller nicht zur Entwicklung von
Fahrzeugen ohne Abgasausstoß oder mit weniger
Energieverbrauch zwingen zu wollen. In welche
Richtung muß die Industrie Ihrer Ansicht nach bei
diesen Fragen gehen?
Clinton:
Ich engagiere mich für beträchtliche
Fortschritte bei Kraftstoffersparnis und Abgasreduzierung, damit Umweltschutz und gleichzeitig die
Schaffung von Arbeitsplätzen gewährleistet wird.
Folglich bringt meine Administration an diesen
Fragen interessierte Gruppen zusammen, darunter
Vertreter der Industrie, von Umweltschutzgruppen,
den Regierungen der Bundesstaaten und der Kommunalverwaltung, um Einigung über vernünftige
Lösungen zu erzielen.
Ein Beispiel für dieses Engagement ist der vergangenen September von mir ins Leben gerufene
staatliche Beratungsausschuß, der einen Konsens
über Möglichkeiten für eine substantielle und kostengünstige Reduzierung von Treibhausgasemissionen
aus Privatfahrzeugen in den kommenden 30 Jahren
erzielen soll.
Eine weitere Initiative ist die "Partnerschaft für eine
neue Fahrzeuggeneration", eine historische Partnerschaft zwischen Regierung und Industrie zur Entwicklung von Fahrzeugen, die dreimal soviel Kraftstoff sparen wie die heutigen, gleichzeitig alle
Anforderungen an Sicherheit und Emissionsschutz
erfüllen und in der Anschaffung und beim Unterhalt
nicht teurer sind. Hierbei geht es um die Entwicklung eines Autos für den Gebrauch, nicht um pure
Forschung. Und wenn der Kongreß die Finanzierung hierfür nicht kürzt, wird das großen Nutzen für
Ökonomie und Ökologie haben.

Seite 2

Frage: Was halten Sie von den derzeit dem Kongreß vorliegenden Gesetzesvorschlägen, die eine
Entschädigung von Grundbesitzern fordern, falls
Vorschriften, beispielsweise über Feuchtgebiete oder
Artenschutz, den Wert ihres Grundstücks mindern?
Clinton: Diese Programme sind wie alle anderen
staatlichen Programme reformbedürftig. Aus diesem
Grund riefen wir zur Unterstützung der Besitzer
kleiner Grundstücke Hilfsprogramme für Feuchtgebiete und gefährdete Arten ins Leben. Tatsache
ist, daß die überwältigende Mehrheit der Grundstücksbesitzer - die Hausbesitzer - von diesen
Programmen abgedeckt ist. Das ist der richtige Weg
für Reformen.
Es gibt aber auch einen falschen Weg: Die dieses
Frühjahr vom Kongreß angenommenen Vorschläge,
die eine automatische Kompensation vorsehen. Das
würde den hart arbeitenden Steuerzahler Milliarden
Dollar kosten, hauptsächlich den reichen Großgrundbesitzern und Umweltverschmutzern zugute kommen
und unsere Fähigkeit zum Schutz dessen einschränken, was der Durchschnittsamerikaner wünscht - eine
saubere Umwelt, einen sicheren Arbeitsplatz und
Bürgerrechte. Ich lehne diese Vorschläge ab und
werde im Repräsentantenhaus mein Veto einlegen.
Frage:
Einige Ansichten der Administration zu
natürlichen Ressourcen - beispielsweise zu Weideland, Abholzung und Artenschutz - haben zu heftigen
politischen Reaktionen geführt, insbesondere im
amerikanischen Westen. Was antworten Sie denjenigen, die behaupten, Ihre Politik sei ein "Krieg gegen
den Westen"? Beeinträchtigen diese Konflikte Ihre
Chancen für eine Wiederwahl?
Clinton: Es gibt im amerikanischen Volk eine sehr
starke, tiefempfundene Unterstützung für den Schutz
der Gesundheit des Menschen und der Umwelt. Dies
ist ein unbestrittener amerikanischer Wert, der
Colorado, Washington und anderen westlichen
Bundesstaaten ebenso gemein ist wie allen anderen
Teilen des Landes. Aus diesem Grund arbeiten wir
beispielsweise hart am Schutz unserer abnehmenden
Fischbestände und sind zu einer verantwortungsbewußten Forstwirtschaft entschlossen. Wir benötigen aber auch einen Abbau der Bürokratie. Deshalb
konzentrieren sich unsere Initiativen für den Umgang
mit dem Ökosystem auf die Einbeziehung von
Menschen aus den betroffenen Gemeinden.
Wir bemühen uns um eine Vermeidung der Art von
Krisen, die sich in der Vergangenheit ereigneten. Wir
sammeln noch immer die Scherben einiger ererbter
Krisen auf, beispielsweise der Situation im pazifischen Nordwesten. Unser Forstwirtschaftsplan sieht
Wirtschaftshilfe für die drei Staaten an der Westküste

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�vor - Ausbildung der Arbeitnehmer, Infrastrukturinvestitionen und Hilfe für Familien und Unternehmen. Und nach drei Jahren können wir endlich das
Sitzungszimmer verlassen und den Menschen
wieder Arbeit geben.
Frage: Was sind in diesem und im kommenden
Jahr Ihre obersten Prioritäten internationaler Umweltpolitik? Wie werden die Vereinigten Staaten ihre
Verpflichtungen aus internationalen Umweltverträgen
erfüllen?
Clinton: Die globale Umwelt ist ein extrem wichtiges Element unserer Außenpolitik. Unsere Prioritäten für dieses und nächstes Jahr umfassen Themen
wie Abholzung, Erschöpfung der Fischgründe und
Verschmutzung der Meere, schnelles Bevölkerungswachstum, industrielle Verschmutzung, Zerstörung
der Ozonschicht und globalen Klimawandel. Wir
beabsichtigen, mit anderen Nationen angemessene
Maßnahmen für jedes dieser Gebiete auszuarbeiten.
Zusätzlich werden wir uns stark um die Neudefinition
der Rolle von UNO-Organisationen und anderen
internationalen Institutionen bei der Reaktion auf
diese Belange und der Lösung entstehender Probleme bemühen, bevor sie sich zu großen Krisen
entwickeln. Schließlich werden wir unsere eigenen,

*

AMERIKA DIENST 15

für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Amter
umstrukturieren, um eine besser koordinierte Antwort
auf globale Umweltbelange geben zu können.
Frage: Einige Umweltaktivisten haben Ihnen vorgeworfen, Sie würden der umweltpolitischen Tagesordnung nicht genug Aufmerksamkeit und politisches
Kapital widmen. Was sagen Sie dazu?
Clinton: Ich habe mich von Anfang an mit Umweltfragen befaßt. Fast sofort nach meiner Amtsübernahme habe ich die historische Forstwirtschaftskonferenz in Portland (Oregon) einberufen und mit allen
Beteiligten einen Plan ausgearbeitet. Einen Monat
später habe ich mehr als ein Dutzend spezifischer
Aktionen vorgestellt - und sie allesamt durchgeführt.
Da seit den letzten Wahlen die Umweltgesetze des
Landes stärkerem Beschuß ausgesetzt sind, habe ich
mich wiederholt gegen schlechte Gesetze im "Vertrag
mit Amerika" ausgesprochen und eigene neue
Reformen für den besseren Schutz der öffentlichen
Gesundheit zu geringeren Kosten angekündigt. Als
ich kürzlich die Vorschläge der Republikaner auflistete, die ich nicht akzeptieren kann, betrafen viele
davon die Umwelt. Ich bin sehr stolz auf das von mir
Erreichte.

* * *

*

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�UMWELT
26. April 1995

Umweltpolitische Herausforderungen
in der Welt nach dem Kalten Krieg
von Timothy Wirth
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Timothy Wirth, Staatssekretär für
globale Angelegenheiten im US-Außenministerium.

Vor 25 Jahren wurde der erste Tag der Erde gefeiert, und das Umweltbewußtsein der Weltöffentlichkeit
veränderte sich für alle Zeiten. Zweifellos sind
enorme Fortschritte erzielt worden, seit Millionen
Bürger weltweit am 22. April 1970 ihrer Angst über
den Zustand der Umwelt Ausdruck verliehen. Aber
obwohl wir gelernt haben, mit den grundlegenden
Problemen umzugehen, fanden wir heraus, daß die
Ökosysteme der Erde äußerst komplex sind. Und
wir haben gelernt, daß der Schutz der wesentlichen
lebenserhaltenden Systeme auf dem Planeten für
die internationale Sicherheit dringend erforderlich
und ein gemeinsames Anliegen ist.
Der Kalte Krieg, der mehr als 40 Jahre die langfristige Sicherheit definierte, rückt schnell in weite
Ferne. Statt seiner sind alle Nationen mit einer
Reihe ungewohnter Herausforderungen konfrontiert.
Die Natur, Vielfalt und Geschwindigkeit des Entstehens dieser neuen Herausforderungen erfordern
dringend die Beschäftigung mit lange Zeit vernachlässigten Belangen, die darüber entscheiden, welche
Welt wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen.
Die Nationen werden sich zunehmend bewußt, daß
das Streben nach tragfähiger Entwicklung im Zeitalter nach dem Kalten Krieg eine Säule der internationalen Zusammenarbeit darstellt. Tragfähige
Entwicklung bedeutet, daß die Volkswirtschaften der
Welt, einschließlich unserer eigenen, den Versuch
zur Deckung der Bedürfnisse der heutigen Generation unternehmen sollten, ohne zukünftige Generationen zu gefährden oder zu bestehlen. Dies erfordert
von unserer Seite, umfassendes Wirtschaftswachstum zu fördern, die Umwelt zu schützen, menschliche Fähigkeiten zu pflegen, demokratische Werte
zu verteidigen, die Lebensqualität künftiger Generationen zu verbessern und ihre Chancen zu vergrößern.

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Das größte Hindernis beim Streben nach tragfähiger
Entwicklung ist die fälschliche Überzeugung, Umweltschutz stehe im Widerspruch zu Wirtschaftsinteressen. Tatsache ist jedoch, daß die Wirtschaft
untrennbar mit der Umwelt und ihrer Ressourcenbasis verbunden ist. Das kultivierbare Land, die Wälder, Felder, Ozeane und Wasserstraßen der Welt
unterstützen die Weltwirtschaft und stellen die meisten Rohstoffe für die Industrie und den überwiegenden Teil unserer Nahrungsmittel.
Zum Umweltkapital der Welt gehören auch komplexe
ökologische Systeme zur Filterung von Abfällen,
Regeneration der Böden und Wiederauffüllung der
Süßwasservorräte. Diese Systeme sind die Grundlage des Lebens auf der Erde. Die Zerstörung der
Ozonschicht, der Verlust der Artenvielfalt und der
steigende Kohlendioxidgehalt unserer Atmosphäre
spiegeln die Tatsache wider, daß die Ökosysteme
des Planeten großen Belastungen ausgesetzt sind.
Wenn die Umwelt schließlich gezwungen wird, den
Bankrott zu erklären, weil ihre Rohstoffbasis verschmutzt, zerstört, vergeudet und unumkehrbar aufs
Spiel gesetzt ist, geht die Wirtschaft mit ihr unter.
Das geschah in Mittel- und Osteuropa, wo weitreichende Umweltzerstörung, die wir erst jetzt entdekken und verstehen, zum wirtschaftlichen Zusammenbruch geführt hat. Tatsächlich geschieht das auf der
ganzen Welt - an Orten wie Ruanda, Haiti und im
mexikanischen Chiapas - wo der Mangel an Ressourcen eine der Hauptursachen bewaffneter Konflikte
darstellt.
Mit anderen Worten: Die lebenserhaltenden Systeme
auf dem gesamten Globus werden mit hoher Geschwindigkeit aufs Spiel gesetzt. Die Sicherheit
unserer Nation und der Welt hängt davon ab, ob wir
ein tragfähiges, gerechtes Gleichgewicht zwischen
der Zahl der auf der Erde lebenden Menschen und

Seite 1

�der lebenserhaltenden Fähigkeit unseres Planeten
schaffen können.
Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt
und liegt jetzt bei 5,6 Milliarden. Sie steigt derzeit
schneller als je zuvor an - um nahezu 100 Millionen
Menschen jährlich, dem Äquivalent eines neuen New
York jeden Monat, eines Mexiko jedes Jahr, eines
China jedes Jahrzehnt. 95 Prozent dieses Wachstums findet in verarmten Ländern der Dritten Welt
statt, die bereits darum kämpfen, Arbeitsplätze zur
Verfügung zu stellen und ihre Bevölkerung zu ernähren.
Die Auswirkungen solchen Wachstums auf die
weltweite wirtschaftliche, politische, soziale und
umweltpolitische Sicherheit sind tiefgreifend. Wenn
sie nicht unter Kontrolle gebracht wird, wird die
Spirale des Bevölkerungswachstums jegliche Hoffnung auf wirtschaftlichen Fortschritt in den Entwicklungsländern zunichte machen und jede umweltpolitische Bestrebung scheitern lassen. Bevölkerung
muß auf unserer Liste für tragfähige Entwicklung
ganz oben stehen.
Gleichzeitig müssen wir uns in den wohlhabenderen
Industrieländern mit verschwenderischen Konsummustern befassen. Die Industriestaaten haben die
Fähigkeit zur Nutzung von Ressourcen und zur
Produktion von Abfällen in einer in der Menschheitsgeschichte beispiellosen Geschwindigkeit. In den
Industriestaaten lebt nur ein Fünftel der Weltbevölkerung, aber sie verbrauchen zwei Drittel aller Ressourcen und erzeugen vier Fünftel aller Schadstoffe
und Abfälle.
Bei der internationalen Konferenz über Bevölkerung
und Entwicklung, die vergangenen Herbst in Kairo
stattfand, bemühten sich die Vereinigten Staaten
zusammen mit 180 Nationen, einen Konsens über
die Strategie für den Umgang mit den Fragen
Bevölkerungswachstum und tragfähige Entwicklung
während der nächsten 20 Jahre zu finden.
Diese als "Aktionsprogramm" bezeichnete Strategie
fordert einen umfassenden Ansatz, der die Bereitstellung von Dienstleistungen in den Bereichen
Familienplanung und reproduktive Gesundheit
enthält, mehr Bildung, Ausbildung und Befugnisse
für Frauen sowie verbesserte Gesundheitsfürsorge
für Mütter und Kinder vorsieht und institutionelle
sowie finanzielle Ressourcen mobilisieren soll.
Diese Initiativen beeinflussen das Bevölkerungswachstum. Das Programm erkennt auch an, daß
schnelles Bevölkerungswachstum sowie ein verschwenderischer Umgang mit Ressourcen bei der
Umweltzerstörung eine wichtige Rolle spielen.

Seite 2

Eine wichtige Entwicklung bei der Konferenz war die
von Frauen gespielte zentrale Rolle in bezug auf ihre
Beteiligung am Aktionsprogramm und ihre Bedeutung
dafür. Das Programm stellt fest, daß die Bedürfnisse
von Frauen an sich bedeutend und für die Entwicklung wichtig sind und eine Deckung dieser Bedürfnisse zu einer freiwilligen Bevölkerungsstabilisierung
führen kann. Bildung und Ausbildung sowie mehr
Befugnisse und Gleichheit für Frauen in sozialer,
wirtschaftlicher und politischer Hinsicht sind der
Schlüssel für ein besseres Leben aller Menschen.
In ähnlicher Weise kann die Bereitstellung grundlegender Gesundheitsfürsorge zu relativ niedrigen
globalen Kosten erfolgen. Die Ausrottung von vier
großen Krankheiten - Masern, Tetanus, Keuchhusten
und Kinderlähmung - die Behebung von Jod- und
Vitamin A-Mangel und die weltweite Verfügbarkeit
oraler Rehydrierungstherapien können allesamt
Anfang des nächsten Jahrhunderts erreicht werden.
Allein diese Maßnahmen könnten nahezu 20 Millionen Kindern das Leben retten und einen wichtigen
Beitrag zur Verringerung der Belastung großer
Familien leisten.
Ein anderer Teil unserer globalen Gesundheitsstrategie ist eine größere Konzentration auf AIDS. Ein
Heilmittel wird vielleicht erst in Jahrzehnten entwikkelt, aber mit aggressiven Präventionsstrategien
können wir in den Teilen der Welt etwas bewirken, in
denen sich die Infektionskrankheit seuchenartig
ausbreitet.
Amerika hat eine Führungsrolle übernommen und
sich partnerschaftlich mit der Völkergemeinschaft im
Interesse der Weltbevölkerungspolitik zusammengeschlossen. In Kairo halfen wir bei der Schaffung
und Einführung eines umfassenden Ansatzes für den
Umgang mit schnellem demographischem Wandel:
Universelle Verfügbarkeit von Familienplanung und
reproduktiver Gesundheitsfürsorge, starke Ausweitung der Bildung und Ausbildung für Mädchen sowie
Konzentration auf eine Verringerung der Kindersterblichkeit, die Verantwortung des Mannes, starke
Familien und Engagement von nichtstaatlichen und
Basisorganisationen.
Im Bereich der Umwelt haben wir eine Reihe äußerst
wichtiger Aufgaben vor uns, von denen eine mit dem
globalen Klimawandel zusammenhängt. Wir wissen
nicht genau, wo, in welchem Maße und wann Klimaveränderungen stattfinden. In der Administration ist
man jedoch davon überzeugt, daß wir genug über
mögliche Ereignisse wissen, um die richtige Versicherung abzuschließen.
Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehende
Treibhausgase halten Wärme in der Erdatmosphäre

AMERIKA DIENST 15

�fest, ebenso wie in einem Treibhaus das Glas die
Wärme hält. Die zugrundeliegende Lehre ist klar:
Die fortgesetzte Zunahme von Treibhausgasen wird
zu einer Erwärmung der Erdatmosphäre und einem
Klimawandel mit beträchtlichen Konsequenzen für
unseren Planeten führen. Wir können es uns nicht
leisten abzuwarten. Obwohl noch Unsicherheit im
Hinblick auf Ausmaß und Geschwindigkeit des
Wandels besteht, gibt es keine Rechtfertigung für
Gleichgültigkeit.
Im April 1993 verpflichtete Präsident Clinton die
Vereinigten Staaten dem Ziel der globalen Klimakonvention - dem Einfrieren der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf dem Niveau von 1990.
Im selben Jahr entwickelte die Administration einen
Plan mit über 50 innenpolitischen Maßnahmen zur
Erfüllung dieser amerikanischen Verpflichtung,
darunter eine verstärkte Nutzung erneuerbarer
Energiequellen, Ausweitung von Energiesparnormen
auf Geräte, Schutz von Wäldern und anderen
"Senken" für Treibhausgase.
Parallel dazu soll die Entwicklung und Verbreitung
von Umwelttechnologien gefördert werden. Die
Administration entwarf einen strategischen Rahmen
für Umweltexporte und rief eine neue Umwelttechnologieinitiative im Wert von über einer Milliarde Dollar
ins Leben, um umweltverträglichere Technologien zu
entwickeln und zu verbreiten.
Ferner stellten die Vereinigten Staaten 30 Millionen
Dollar zur Finanzierung von Landesstudien bereit,
die Entwicklungsländern mit einer im Übergang
befindlichen Volkswirtschaft bei der Bestandsaufnahme von Treibhausgasen sowie der Entwicklung
technologischer Optionen zur Emissionsreduzierung
beistehen sollen. Die Vereinigten Staaten arbeiten
mit über 50 Staaten an solchen Studien.

Die Administration entwickelte auch ein gezieltes
bilaterales Hilfsprogramm im Wert von über 300
Millionen Dollar, um Entwicklungsländern beim Abbau
von Treibhausgasemissionen im Energie- und Forstwirtschaftsbereich zu helfen.
Die Verringerung von Treibhausgasen und die
Förderung tragfähiger Entwicklung werden jedoch
weitaus schwieriger sein, wenn wir keine umfassenden Strategien zur Bekämpfung des schnellen
Bevölkerungswachstums entwickeln.
In der neugestalteten Welt ist nationale Sicherheit
eng mit der Sicherheit des einzelnen verbunden. Die
Sicherheit des einzelnen gründet auf Frieden und
politischer Stabilität, physischer Gesundheit und
wirtschaftlichem Wohlergehen. Die größte Bedrohung für die menschliche Sicherheit sind die
schreckliche Armut, in der eine Milliarde Menschen
lebt, der Hunger, der 800 Millionen Männer, Frauen
und Kinder quält, die Verbreitung von AIDS, mit dem
bis zum Jahr 2000 zwischen 30 und 40 Millionen
Menschen infiziert sein werden sowie die Kombination von Gewalt, Armut und Umweltzerstörung, die 20
Millionen Menschen zum Verlassen ihrer Heimat
zwang.
Die Vermeidung von Krisen sowie eine tragfähige
Entwicklung werden im verbleibenden 20. Jahrhundert bis weit in das nächste Jahrhundert hinein die
größten Herausforderungen darstellen. Es ist an der
Zeit, unseren Ansatz zu nationaler Sicherheit neu zu
gestalten - in Erkenntnis der Tatsache, daß unsere
wirtschaftliche und unsere umweltpolitische Zukunft
ein und dasselbe sind. Diese Herausforderungen
entscheiden darüber, welche Zukunft unsere Kinder
und Enkel haben werden.

* *

AMERIKA DIENST 15

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�WIRTSCHAFT
26. April 1995

Multilaterale Verhandlungen
über Finanzdienstleistungen
Rede von Finanzminister Rubin
WASHINGTON - (AD) - Die in der ersten Runde der multilateralen Verhandlungen über Finanzdienstleistungen
unter dem neuen GATT-Abkommen unterbreiteten Angebote sind US-Finanzminister Robert Rubin zufolge
enttäuschend.
Rubin äußerte sich am 13. April 1995 in einer Rede vor dem Los Angeles World Affairs Council zu den
Angeboten, bevor er zum zweiten Jahrestreffen der Finanzminister des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC) nach Bali aufbrach.
Rubin zufolge besteht das langfristige Ziel der Finanzminister im Aufbau offener Finanzmärkte, während die
kurzfristigen Ziele eine rechtzeitige Bereitstellung von Informationen aus dem Finanzbereich umfassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Finanzministers.

Vor einem Jahrzehnt interessierte sich ein Finanzminister vor allem für die Vorgänge in London, Paris,
Bonn oder Tokio. Vor zwanzig Jahren wurde Asien
hier noch wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Heute
können die Ereignisse in Bombay, Singapur, Jakarta
oder Beijing enorme Auswirkungen auf die amerikanische Volkswirtschaft und die amerikanischen
Arbeitnehmer haben.
Dies ist im wesentlichen ein Anzeichen dafür, wie
stark sich die Weltwirtschaft in den letzten Jahren
gewandelt hat, und welche großen Auswirkungen
diese Veränderungen auf uns haben. Internationale
Unternehmen sind sich schon vor langer Zeit dieser
Entwicklungen bewußt geworden und zu echten
globalen Körperschaften geworden. Meines Erachtens muß die gesamte Wirtschaftspolitik einer
Nation genau diese globale Perspektive haben.
Diese Perspektive liegt allen Ansichten des Präsidenten zu Wirtschaftsfragen sowie den uns konfrontierenden Veränderungen und Herausforderungen zugrunde. Um in dem globalen wirtschaftlichen
Umfeld zu handeln, müssen wir global denken und
vorgehen - nicht nur bei unserer Außenpolitik,
sondern auch bei unserer Binnenwirtschaftspolitik.
Eine der wichtigsten Herausforderungen in der
Weltwirtschaft ist der enorme Anstieg von Größenordnung und Geschwindigkeit der heutigen Kapitalströme im Vergleich zu der Zeit vor nur fünf Jahren.

AMERIKA DIENST 15

Und die Märkte können heute entschieden härtere
Urteile abgeben. Vor einem oder zwei Jahrzehnten
mußten sich Finanzminister mit den Urteilen anderer
Regierungen, der internationalen Finanzinstitutionen
und einiger großer Banken befassen. Heute müssen
sie sich, insbesondere in Entwicklungsgebieten, über
die Urteile von Effektenmanagern in Finanzzentren
auf der ganzen Welt sowie über Effektenbewertungsgesellschaften Gedanken machen.
Zudem fand in den neuziger Jahren ein beträchtlicher
Anstieg bei der Nachfrage nach verfügbarem Kapital
statt. Dies zeigt sich an den gewaltigen Infrastrukturbedürfnissen der Entwicklungsländer.
Die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer haben
sich, insbesondere im asiatischen und pazifischen
Raum, als Motoren mit enormem Potential erwiesen.
Mehrere Länder, die vor zwei Jahrzehnten wirklich als
arm bezeichnet werden konnten, verfügen jetzt über
entwickelte Volkswirtschaften und sind somit gleichermaßen zu ernstzunehmenden Konkurrenten wie
großen potentiellen Absatzmärkten geworden.
Im vergangenen Jahrzehnt sind die weltweiten
Exporte real um 80 Prozent angestiegen, und wir in
den Vereinigten Staaten - immer noch der weltweit
größte Exporteur - beobachteten zwischen 1983 und
1993 einen 83prozentigen Anstieg unserer Exporte.
Ferner tätigen wir weltweit die meisten Auslandsinvestitionen.

Seite 1

�Vor diesem Hintergrund ist es eine meiner Aufgaben, den öffentlichen und den Privatsektor zu
drängen, sich sowohl auf globale wirtschaftliche
Integration als auch auf die asiatisch-pazifische
Region zu konzentrieren, in der ein großer Teil
unserer wirtschaftlichen Zukunft liegt - zukünftige
Arbeitsplätze und zukünftiger Wohlstand. Sie ist die
am schnellsten wachsende Region der Welt. Wir
sind eine pazifische Nation und müssen daher
energisch unsere Integration in die Wirtschaft des
asiatisch-pazifischen Raums anstreben.
Natürlich gehen unsere Beziehungen im asiatischpazifischen Raum - der pazifischen Gemeinschaft,
von der der Präsident gesprochen hat - weit über
wirtschaftliche Übereinkünfte hinaus. Wir haben - .
ebenso wie andernorts in der Welt - eindeutige
Sicherheitsinteressen in der Region und engagieren
uns entschieden für die Ermutigung von Verhältnissen, die die Achtung der allgemeinen Grundsätze
der Menschenrechte gewährleisten. Unsere Beziehungen beschränken sich nicht auf die Wirtschaft,
aber Wirtschaftsbeziehungen können Fortschritte in
anderen bedeutenden Bereichen fördern, ebenso
wie politische Öffnung Fortschritte bei Wirtschaftsreformen und -Wachstum antreiben kann.
Ich werde heute zum zweiten Treffen der Finanzminister des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) aufbrechen und
anschließend nach Indien Weiterreisen. Dies wird
der erste Besuch eines amerikanischen Finanzministers in Indien seit der Reise von William Simon im
Jahr 1975 sein. Wir werden auf den Tag genau 20
Jahre nach dem Besuch von Bill Simon dort landen.
An die Adresse derjenigen gerichtet, die nicht mit
dem APEC vertraut sind: Das APEC ist ein Zusammenschluß von 18 Volkswirtschaften der asiatischen, pazifischen und westlichen Hemisphäre - von
Wirtschaftsgiganten wie unserem Land und Japan,
unseren Nachbarn Kanada und Mexiko bis zu den
kleineren, aber schnell wachsenden Volkswirtschaften des Verbands Südostasiatischer Nationen
(Association of South-East Asian Nations - ASEAN).
Ich möchte anhand einiger Zahlen illustrieren, warum
diese Region für die Vereinigten Staaten von lebenswichtigem Interesse ist. Die Beteiligung am Wachstum in Asien und dem pazifischen Raum wird den
Amerikanern auch die Teilhabe an den Vorteilen
ermöglichen - Wachstum, Arbeitsplätze, Gewinne.
Insgesamt beträgt unser jährliches Handelsvolumen
in der Region - Mexiko, Kanada und Japan eingeschlossen - 318 Milliarden Dollar. Unsere Exporte in
die APEC-Staaten machen 63 Prozent unserer
gesamten Exporte aus - ein 9prozentiger Anstieg
innerhalb des letzten Jahrzehnts.

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Unseren Handel mit Kanada und Mexiko ausgenommen, exportierten wir vor 10 Jahren ungefähr im Wert
von 57 Milliarden Dollar in die APEC-Staaten. Heute
belaufen sich unsere Exporte in die Region - erneut
unter Ausschluß Kanadas und Mexikos - auf 155
Milliarden - etwa das Dreifache von vor einem
Jahrzehnt. Beschränkt man die Analyse auf die
Entwicklungsländer innerhalb des APEC - Mexiko
ausgenommen - ergibt sich ebenfalls nahezu eine
Verdreifachung.
Heute sind 6 Millionen amerikanischer Arbeitsplätze
an unseren Handel mit dem asiatisch-pazifischen
Raum gebunden, ungefähr 900.000 allein hier in
Kalifornien.
Dies ist keine abstrakte politische
Rechenübung. Die Beteiligung an der Weltwirtschaft
bedeutet gutbezahlte Arbeitsplätze und einen höheren Lebensstandard für die Amerikaner.
Für die Investitionen gilt dasselbe. Im vergangenen
Jahr erwarben die APEC-Staaten nahezu 30 Prozent
der Aktien und Obligationen unserer Effektenmärkte,
die an Käufer in Übersee gingen. Umgekehrt bieten
die APEC-Märkte, insbesondere die neuentstehenden, zunehmende Chancen für amerikanische
Investoren. Über die Hälfte - 56 Prozent, um genau
zu sein - des Nettoflusses von Wertpapieren in die
Entwicklungsländer des APEC im Jahr 1993 stammten von amerikanischen Investoren. Im Vorjahr lag
dieser Wert noch bei 4,3 Prozent.
In der Region befinden sich viele neuentstehende
Märkte, und sie hängt - trotz hoher inländischer
Sparquote - stark von Auslandskapital ab. Seit 1987
ist die Kapitalisierung der Märkte in der Region um
das Zweieinhalbfache angestiegen, und der Kapitalfluß nimmt weiter zu. Es besteht ein eindeutiger
Bedarf. Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank vom vergangenen Jahr zufolge hat die Region
bis zum Ende des Jahrhunderts einen Infrastrukturbedarf von 1 Billion Dollar. Das sind jährlich ungefähr
200 Milliarden Dollar für Telefone, Kraftwerke, Flughäfen, Autobahnen und ähnliches. Hier in Los
Angeles entspricht das einem Century Freeway pro
Woche. Dies erfordert einen riesigen Kapitalzufluß,
bietet aber gleichzeitig gewaltige Exportmöglichkeiten.
Obwohl ich ein optimistisches Bild male, hat es einige
Wolken. Es bestehen Hindernisse für freieren Handel
und in einigen Gebieten die Notwendigkeit, Privatisierung und andere Reformen fortzusetzen.
Nachdem ich jetzt den Rahmen abgesteckt habe,
möchte ich kurz darauf eingehen, was wir in den
nächsten Jahren und Jahrzehnten unternehmen
müssen, um in der Weltwirtschaft Erfolg zu haben.
Globales Denken, das wir praktizieren müssen, rückt
viele Dinge in ein anderes Licht. Ich möchte mich auf

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�drei Bereiche konzentrieren, die in unserem Land
Gegenstand ausführlicher philosophischer Debatten
sind.
Erstens. Teilnahme am Wettbewerb in einer Weltwirtschaft erfordert offene Märkte. Aus diesem
Grund hat sich diese Administration für den Abschluß des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) sowie der Uruguay-Runde des GATT
eingesetzt. Dies ist ferner der Grund, warum diese
Administration ein Freihandelsabkommen für die
Hemisphäre bis zum Jahr 2005 sowie für die gesamte asiatisch-pazifische Region bis 2020 anstrebt. Es
sind jedoch noch laute Stimmen zu vernehmen, die
sich gegen offene Märkte aussprechen - eine Idee,
die unseres Erachtens für unsere Zukunft absolut
entscheidend ist.
Zweitens. Wir führen eine Debatte über innenpolitische Prioritäten. Der Präsident hat seit Beginn der
Amtszeit unserer Administration darauf hingewiesen,
daß eine effektive Vorbereitung unserer Volkswirtschaft auf den globalen Wettbewerb Investitionen
des öffentlichen Sektors in Bildung und Ausbildung,
die Innenstädte und andere für unsere zukünftige
Produktivität entscheidende Bereiche erfordert - alles
im Rahmen einer Aufrechterhaltung der Finanzdisziplin. Nach Meinung einiger mögen das soziale
Programme sein, aber von einem pragmatischen,
nüchternen, geschäftsmäßigen Standpunkt aus sind
Programme dieser Natur langfristige Investitionen in
Produktivität, welche für Wettbewerb und Wohlstand
erforderlich ist.
Zudem sieht der Etat des Präsidenten für das
nächste Haushaltsjahr steuerliche Anreize vor, damit
die Menschen in ihre Bildung und Ausbildung sowie
in ihre Kinder investieren und mehr sparen. Halten
Sie sich vor Augen, was die Konzentration auf
Bildung und Ausbildung in Singapur, Korea und
Taiwan in wenigen Jahren bewirkt hat. Einige dieser
Länder waren arm und erhielten Auslandshilfe. Jetzt
sind es mächtige wirtschaftliche Konkurrenten.
Kürzlich las ich die Studie eines Ökonomen der
Columbia University, die genau diesen Punkt untermauert. Ihr zufolge war insbesondere im Fall Korea
und Taiwan nicht die Exportorientierung ein wichtiger
Wachstumsfaktor, sondern die Bildungs- und Ausbildungsinvestitionen.
Drittens. Wir müssen beim Umgang mit den Problemen der Weltwirtschaft eine Führungsrolle übernehmen. Dazu sind wir als einzige Nation in der
Lage.
In der modernen Weltwirtschaft, in der
Ereignisse und Gegebenheiten außerhalb unserer
Grenzen einen bedeutenden - positiven oder negativen - Einflu ß auf unser wirtschaftliches Wohlergehen
haben, gebieten unsere Eigeninteressen - nicht

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soziale oder moralische Überlegungen - die Übernahme einer nachdrücklichen Führungsrolle. Beispielsweise ist es wichtig, daß wir die wesentliche
Rolle der Weltbank und des IWF erkennen. Ihr
Beitrag zu Entwicklung und Wirtschaftsreformen kann
einen Exportanstieg und mehr amerikanische Arbeitsplätze herbeiführen.
In Washington wird eine Debatte über diese Institutionen und darüber geführt, ob wir unseren finanziellen
Verpflichtungen ihnen gegenüber nachkommen. Dies
ist Anzeichen für die übergeordnete Debatte, ob wir
uns in Zukunft nach außen öffnen und in der Weltwirtschaft eine Führungsrolle übernehmen oder in uns
selbst zurückziehen sollten. Ich habe keinen Zweifel
daran, daß die Antwort Engagement, Führungsrolle
und Wettbewerb lautet. Das liegt in unserem eigenen
Interesse.
Im Fall der mexikanischen Probleme übernahmen wir
eine Führungsrolle, weil amerikanische Interessen auf
dem Spiel standen. Sie in Kalifornien wissen, daß
wir eine 3.000 Kilometer lange Grenze zu Mexiko
haben. Wir machten uns Sorgen über die Gefahr
eines Anstiegs der illegalen Einwanderung sowie
über unsere Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen sowohl im Hinblick auf Mexiko als auch in bezug auf
die Finanzmärkte anderer Entwicklungsländer, um ein
Übergreifen zu vermeiden. Das Hilfsprogramm ist
jetzt in Kraft. Es ist solide und sollte funktionieren.
Es gibt Anzeichen für Fortschritte, aber erst mit der
Zeit kann man Genaueres sagen.
Wir engagierten uns im Fall von Mexiko. Der Kongreß engagiert sich bei der Unterstützung internationaler Finanzinstitutionen, und wir konzentrieren uns
auf eine Modernisierung dieser Institutionen, damit
sie sich mit den Problemen befassen, die in Mexiko
auftraten. Gleichzeitig bereiten wir das für Juni
dieses Jahres anberaumte Gipfeltreffen der G-7 in
Halifax vor.
Die Lehren aus dem Fall Mexikos sind bei den
Vorbereitungen für das Treffen der APEC-Finanzminister jedem im Gedächtnis. Die Zukunft der Entwicklungsländer liegt in Wirtschaftsreformen, offenen
Märkten, Deregulierung, Privatisierung, der Entwicklung und Stärkung effektiver Kapitalmärkte, wie es in
Mexiko geschah. Und sie hängt von Dingen ab, die
in Mexiko nicht gegeben waren: solider Schuldenverwaltung, Währungs- und Wechselkurspolitik sowie der
frühzeitigen Bereitstellung wirtschaftlicher Informationen.
Dieses Treffen bietet uns die große Chance, auf dem
aufzubauen, was Präsident Clinton 1993 in Seattle
begann und im vergangenen Jahr im indonesischen
Bogor sowie beim ersten Treffen der Finanzminister

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�mit Finanzminister Bentsen fortsetzte. Das APEC
kann nicht nur eine entscheidende Rolle spielen,
sondern auch bei den globalen Bestrebungen die
Führungsrolle übernehmen, stabile und integrierte
Kapitalmärkte aufzubauen und Handel sowie andere
Aspekte wirtschaftlicher Reformen zu fördern.
Die Frage lautet jetzt, was die Regierungen der
APEC-Staaten unternehmen können, um einen
freieren Kapitalfluß zu ermutigen, der - wie die
Politiker der APEC-Staaten im vergangenen Jahr in
Bogor feststellten - für Investitionen und Wirtschaftswachstum so entscheidend ist und um gleichzeitig
das Risiko von Krisen auf den Finanzmärkten,
ähnlich der mexikanischen, zu senken?
Dies ist eindeutig eine langfristige Herausforderung,
ein dauerhafter Prozeß, der kooperative Konsultationen und ständige Aufmerksamkeit erfordert.
Auf lange Sicht wird meines Erachtens eine konzertierte Konzentration auf die Schaffung soliderer,
diversifizierterer und offenerer Kapitalmärkte einen
dauerhaften Beitrag zur Stärkung der Fähigkeit
dieser Märkte leisten, importiertes Kapital wirksam
zu sichern, größere Mengen inländischer Ersparnisse zu mobilisieren, Kapitel zu halten und Unbeständigkeit abzubauen.
Kurzfristig können die Minister meiner Meinung nach
Einigung über eine Anzahl sehr praktischer Maßnahmen erzielen, beispielsweise die rechtzeitige Freigabe nützlicher Finanzinformationen - um die Märkte
zu stabilisieren und die Kapitalflüsse aufrechtzuerhalten.
Marktbewegungen werden viel reibungsloser ablaufen, wenn die Investoren besser informiert sind.
Größerer Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen
ermöglicht Investoren auch eine bessere Unterscheidung zwischen einzelnen Ländern, so daß die
Übertragung von Problemen keine so große Schwierigkeit mehr darstellt.
Unsere Hauptthemen werden dann sein, wie Transparenz und andere Maßnahmen entwickelt werden
können, die im Zusammenhang mit gestärkten und
effizienteren Kapitalmärkten stehen, welcher zusätzliche Beitrag von den Überwachungs- und Regelsystemen geleistet werden kann, und - da so viele
Minister ebenso wie unser Finanzministerium für die
Überwachung des Zollwesens verantwortlich sind wie das Zollverfahren vereinfacht werden kann, das
allzuoft ein ebensolches Handelshemmnis ist wie die
Zölle selbst. Erneut ist das von Mexiko Gelernte die
Notwendigkeit solider makroökonomischer, währungspolitischer und finanzpolitischer Maßnahmen.

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Ich werde mit verschiedenen wichtigen Ministern
auch die Frage der Finanzdienstleistungen ansprechen. Die Vereinigten Staaten haben einen der
offensten Märkte der Welt. Gerade fand bei den
Verhandlungen über Finanzdienstleistungen unter
dem neuen GATT-Abkommen die erste Runde von
Angeboten statt. Die Ergebnisse sind enttäuschend.
In den nächsten Monaten steht viel Arbeit an, und ich
werde hart auf gute Zusagen von bedeutenden
Märkten drängen.
Was Indien anbelangt, demonstriert meine Reise, die
nach der unserer First Lady stattfindet, welche
Priorität wir unseren Beziehungen zu Indien beimessen. Indien ist ein klares Beispiel dafür, wie sich die
Welt verändert.
Vor ein oder zwei Jahrzehnten sah man Indien als
arme Nation, und der wirtschaftlichen Seite der
Beziehungen wurde wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
Jetzt betrachten unsere weitblickenden Geschäftsleute Indien als große Chance für die Vereinigten
Staaten. Mit 900 Millionen Bürgern und einer wachsenden Mittelschicht nahezu von der Größe der
gesamten amerikanischen Bevölkerung ist Indien für
Handel und Investitionen von Bedeutung. Übrigens
war Handel eines der Themen, das Bill Simon dort
ansprach - ich habe seine Rede gelesen.
Seit der Einführung von Reformen 1991 hat Indien
eine große Wende erzielt. Es öffnete sich der Welt
und veränderte sich im Inland. Das Ergebnis ist
wahrhaft beeindruckend.
Meine Aufgabe in Indien besteht in der Erörterung
dieser Reformen, insbesondere auf den Gebieten
Makroökonomie und Finanzen, sowie in der Weiterentwicklung unserer kooperativen Bestrebungen im
wirtschaftlichen Bereich.
Da ich die Arbeit unserer internationalen Finanzinstitutionen für so wichtig erachte, plane ich im
Rahmen meiner Indienreise die Besichtigung eines
von der Weltbank geförderten Entwicklungsprojekts,
um mich aus erster Hand davon zu überzeugen, wie

Entwicklung das Leben der Menschen verbessert und
Wachstum fördert, das wiederum Chancen nicht nur
für die Hilfsempfänger, sondern auch für die amerikanische Wirtschaft schafft.
Bevor ich Ihre Fragen beantworte, möchte ich abschließend noch einmal auf das vorher Gesagte
zurückkommen. Ob es uns gefällt oder nicht - die
Vereinigten Staaten sind nicht länger ein vorwiegend
autonomer Wirtschaftsriese. Obwohl sie immer noch
die größte Volkswirtschaft der Welt haben, sind sie
ein integraler Bestandteil der Weltwirtschaft. Die
Chancen in dieser Weltwirtschaft sind ebenso riesig

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�wie die Probleme. Meiner Meinung nach hängt
unser zukünftiger Wohlstand zweifelsohne von
unserem umfassenden Engagement in der Weltwirtschaft ab, von der Übernahme einer Führungsrolle,
wo dies erforderlich ist, sowie der Vorbereitung
darauf, in dieser Weltwirtschaft ein produktiver und
wettbewerbsfähiger Akteur zu sein.
Obwohl alle Nationen im wirtschaftlichen Bereich aus
Eigeninteresse handeln, stimmen diese Interessen in
einer Welt zunehmender Wechselbeziehungen, sei
es beim Handel oder auf den Kapitalmärkten, immer
stärker überein. Beim Handel war die Gegenseitigkeit von Interessen immer das Hauptargument für
offene Märkte. Auf den Finanzmärkten finden

*

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schnelle Ereignisse statt, deren Auswirkungen nicht
länger vor Grenzen haltmachen. Wie wir gesehen
haben, können Märkte hart sein. Marktstabilität, die
für einen von Vorteil ist, kann für alle von Vorteil sein.
Eine Zerrüttung des Marktes, die einem schadet,
kann allen schaden.
Unsere Gespräche beim APEC-Finanzministertreffen
und die daraus resultierenden Entscheidungen
können einen Beitrag für den Umgang mit den
Problemen und Chancen leisten, die uns alle betreffen - nicht nur in der Region, sondern in allen,
zunehmend integrierten Volkswirtschaften der Welt,
an denen die Vereinigten Staaten größeres Interesse
denn je haben.

* * *

*

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