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cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

07

DATENAUTOBAHN

22. Februar 1995

AKTIONSPLAN DER USA FÜR GLOBALE
INFORMATIONSDIENSTLEISTUNGEN
Zusammenfassung des Berichts
"Agenda für Zusammenarbeit"

TELEKOMMUNIKATION IM INTERNATIONALEN
WETTBEWERB
Rede von Reed E. Hundt

WIRTSCHAFT

WELTHANDEL UND DER AMERIKANISCHE
ARBEITSMARKT
von Kenneth Kasa

KRIEGSVERBRECHEN

RECHTSBERATER SPRICHT ÜBER
KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL FÜR
DAS EHEMALIGE JUGOSLAWIEN
Tribunal setzt neue Maßstäbe

FILM

HOLLYWOOD 1994: EIN JAHR STEIGENDER
ERWARTUNGEN FÜR FRAUEN
Bilanz der Filmindustrie

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�DATENAUTOBAHN
22. Februar 1995

Aktionsplan der USA für globale
Informationsdienstleistungen
Zusammenfassung des Berichts "Agenda für Zusammenarbeit"
WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge werden die Vereinigten Staaten allein sowie in
Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern aus der Privatindustrie und anderen Regierungen auf den Aufbau
eines die Welt verbindenden Netzes von Informationssystemen hinarbeiten.
Der Vizepräsident unterstrich dieses Ziel bei einer Veranstaltung am 15. Februar 1995 anläßlich der
Veröffentlichung der amerikanischen "Agenda für Zusammenarbeit", einem Bericht über die Vision der ClintonAdministration zur Entwicklung einer globalen Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure - Gll),
die lokale und nationale Informationssysteme zu einem globalen Informationsnetz verbinden soll.
Gore betonte, die Agenda sei nur der erste Schritt von vielen, "um die Versprechungen der Gll zu erfüllen".
Er verlieh der Hoffnung Ausdruck, alle Nationen würden sich an diesen Bestrebungen der Vereinigten Staaten
beteiligen.
Die Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur werde, so der Vizepräsident, eine soziale Kraft zum
Nutzen aller darstellen. "Wir haben uns um die Aufstellung einer globalen Agenda bemüht", die andere zur
Teilnahme an dieser Informationsrevolution veranlassen wird.
Bei der Vorstellung der Agenda erklärte Wirtschaftsminister Ronald Brown, es sei das Ziel der ClintonAdministration, in dem Bericht "die Gebiete zu identifizieren, auf denen die Regierungen unabhängige Aktionen
durchführen oder in Zusammenarbeit mit anderen konstruktiv die Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur erleichtern können".
Brown ist Vorsitzender der vom Präsidenten eingerichteten Arbeitsgruppe globale Informationsinfrastruktur.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Zusammenfassung der Regierung über die "Agenda für
Zusammenarbeit".

Die Entwicklung einer globalen Informationsinfrastruktur hat für die Clinton-Administration hohe
Priorität. Fortschritte bei Informations- und Telekommunikationstechnologien haben bereits die Anfänge
einer Gll entstehen lassen. Die Clinton-Administration vertritt die Ansicht, daß eine hochentwickelte Gll
- flexibler, vollständig interaktiv, mit größeren Kapazitäten, kostengünstiger als die existierenden Systeme
und mit verbessertem Zugang für die Menschen
weltweit - aufgebaut werden kann und wird.
"Die globale Informationsinfrastruktur: Agenda für
Zusammenarbeit" umreißt die Vision der Administration für die Entwicklung einer Gll, die den Bedürfnis-

AMERIKA DIENST 07

sen von Menschen auf der ganzen Welt entspricht.
Nach Ansicht der Administration sind gemeinsame
Bestrebungen von Regierungen und Industrie zur
Realisierung der Vorteile eines globalen Informationsmarktes erforderlich. Als Hauptquelle für Fachwissen und Kapital sollte der Privatsektor die Technologien auswählen, die Geschwindigkeit der Entwicklung bestimmen, die angemessenen Normen festsetzen und neue Dienstleistungen und Anwendungen für
die Gll entwickeln. Die Regierungen können diese
Aktivitäten durch die Schaffung eines rechtlichen
Rahmens erleichtern, der effiziente Investitionen und
Innovationen sowie umfassenden Wettbewerb auf

Seite 1

�den Telekommunikations- und Informationsmärkten
fördert.
Die fünf Grundprinzipien, die erstmals von Vizepräsident AI Gore bei der von der internationalen
Fernmeldeunion veranstalteten Konferenz über die
Entwicklung des weltweiten Telekommunikationsnetzes im März 1994 in Buenos Aires vorgestellt
wurden, bilden nach Ansicht der Administration die
Grundlage der globalen Informationsinfrastruktur:
1. Ermutigung von Privatinvestitionen
2. Förderung des Wettbewerbs
3. Bereitstellung offenen Zugangs zum Netz aller
Anbieter und Nutzer von Information
4. Schaffung eines flexiblen Regelwerks, das mit
schnellen Veränderungen bei Technologie und
Märkten Schritt halten kann
5. Gewährleistung der Universalität von Dienstleistungen.
Die "Agenda für Zusammenarbeit" erläutert diese
Grundprinzipien und strebt einen internationalen
Konsens über die Annahme, Anwendung und
Förderung dieser Prinzipien auf nationaler, regionaler und globaler Ebene an.
Die "Agenda für Zusammenarbeit" befaßt sich ferner
mit den politischen Fragen, die für eine Ermutigung
zur Nutzung der GM von entscheidender Bedeutung
sind, einschließlich der Informationspolitik und ihrer
Inhalte sowie unterstützender Maßnahmen von
Regierungen und Industrie, die Vorteile der GH durch
innovative Anwendungen unter Beweis zu stellen.
Was ist die globale Informationsinfrastruktur?
Die GH besteht aus einem Verbund nationaler,
regionaler und internationaler Netze. Als entstehendes globales "Netz der Netze" umfaßt die Gll ein
breites Spektrum von Technologien und Produkten,
Information in jeglicher Form, Normen und Nahtstellen zur Förderung der Interoperabilität der Netze,
Maßnahmen und Technologien zur Gewährleistung
ihrer Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie - vor allem
- die Menschen zur Schaffung und Nutzung der Gll.
Die globale Informationsinfrastruktur regt die weltweite Nachfrage nach neuen Informationstechnologien
und -dienstleistungen an und reagiert darauf. Die
Geschwindigkeit, mit der Informationen bereitgestellt
werden - an sich bereits entscheidend für die Gestaltung der Weltwirtschaft - ihre Zugänglichkeit sowie
vielfältige Nutzung werden weiterhin Wachstum und

Seite 2

Entwicklung der Weltwirtschaft antreiben. Durch die
Errichtung eines globalen Informationsmarktes kann
die Gll zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und Märkte
beitragen, den Handel sowie den grenzüberschreitenden Informationsfluß fördern und Mittel zur Erhöhung
der Lebensqualität aller bereitstellen.
Schaffung einer Grundlage für die Gll
In den Vereinigten Staaten wird die Ansicht vertreten,
fünf Grundprinzipien - bei Telekommunikation,
Informationstechnologie und Informationsdienstleistungsindustrien gleichermaßen angewandt sollten als Grundlage der Gll dienen.
1. Ermutigung von Privatinvestitionen. Investitionen im Privatsektor stellen den effektivsten Weg dar,
Wachstum und Verbesserungen der Infrastruktur
anzukurbeln, die Effizienz bei der Bereitstellung von
Dienstleistungen zu erhöhen und den Bedürfnissen
der Verbraucher besser zu entsprechen. Insbesondere in einer Zeit knapper staatlicher Finanzmittel
stellen Anreize zu Investitionen aus dem in- und
ausländischen Privatsektor oftmals die einzige
realistische Strategie dar, die Entwicklung nationaler
und globaler Informationsinfrastrukturen zu beschleunigen. Die Regierungen müssen angemessene
Reformen bei Vorschriften, Gesetzen und Märkten
vornehmen, um Anreize für Privatinvestitionen im
Telekommunikationswesen, bei Informationstechnologie und Informationsdienstleistungsmärkten zu
schaffen.
2. Förderung des Wettbewerbs. Der effektivste
Weg zur Förderung einer Gll, die allen Ländern
moderne Produkte und Dienstleistungen liefert, ist
verstärkter Wettbewerb im Telekommunikationswesen, bei Informationstechnologie und Informationsdienstleistungsmärkten auf nationaler und globaler
Ebene. Das Modell zur Liberalisierung dieser Märkte
ist weltweit sehr unterschiedlich. Es reicht von relativ
offenen Märkten für Informationstechnologie und
-dienstleistungen ohne rechtliche Bestimmungen über
Märkte mit konkurrenzfähigen, hochwertigen Endgeräten bis zu Beschränkungen des Marktzugangs zu
den größten und gewinnträchtigsten Marktsegmenten
- öffentliche Fernmeldedienste und die zugrundeliegende Infrastruktur.
Die Aufrechterhaltung von
Wettbewerbshemmnissen in diesen Marktsegmenten
wird die Bereitstellung von Infrastruktur behindern
und die Einführung neuer Telekommunikations- und
Informationsdienstleistungen verzögern, deren
Prosperieren von Wettbewerb beim Zugang zu den
Netzen abhängt.
3. Bereitstellung offenen Zugangs. Die Regierungen sollten ein Klima für Märkte und Bestimmungen
schaffen, das möglichst uneingeschränkten Zugang

AMERIKA DIENST 07

�zu Informationen und deren Verteilung schafft.
Durch die Gewährleistung von offenem Zugang zu
Einrichtungen, Netzwerken und Netzwerkdienstleistungen für alle Anbieter von Informationsdienstleistungen können die Regierungen die Verfügbarkeit
verschiedener Informationsquellen für Verbraucher
drastisch verbessern. Da sich die GM auf viele
unterschiedliche bestehende und entstehende
Komponenten auf lokaler, nationaler und globaler
Ebene stützen wird, ist die Interoperabilität dieser
Komponenten unabdingbar (das heißt, die Verbindung von Anwendung, Dienstleistungen und/oder
Netzwerkkomponenten). Die Administration vertritt
die Auffassung, daß die Entwicklung globaler Normen für einen freiwilligen, offenen und vom Markt
geleiteten Prozeß der Schlüssel für die Interoperabilität der GM darstellt.
4. Schaffung eines flexiblen Regelwerks. Der im
wesentlichen globale Charakter von Telekommunikation, Informationstechnologien und Informationsdienstleistungsindustrien erfordert, daß das nationale
Regelwerk auf den Weltmarkt und technologische
Entwicklungen reagiert. Maßnahmen bezüglich der
Regeln sollten ausreichend flexibel sein, um sich an
die entstehenden Technologien und Märkte anzupassen, den Wettbewerb durch transparente Regeln
und Verfahren zu fördern und dennoch lästige
Bestimmungen zu vermeiden, die Innovationen und
neue Angebote von Dienstleistungen im Keim
ersticken. Die Regierungen müssen sich vor einer
Ausweitung der Regeln auf Marktsegmente schützen, die auf unregulierter Basis ausgezeichnet
funktioniert haben. Entsprechend kann ständige
Regulierung unnötig oder sogar kontraproduktiv sein,
sobald ein Markt von einem Monopol zu einer
Wettbewerbsstruktur übergeht.
5. Gewährleistung der Universalität von Dienstleistungen. Das Ziel "universeller Dienstleistungen",
das sicherstellen soll, daß alle Mitglieder einer
Gesellschaft von den Vorteilen einer modernen
Informationsinfrastruktur profitieren, ist grundlegend
für die Entwicklung der Gll. Die Definition universeller Dienstleistungen unterscheidet sich zwangsläufig
von Land zu Land aufgrund von Unterschieden bei
der Entwicklung der Infrastruktur, der Reichweite und
Fähigkeiten nationaler Netzwerke sowie der Kosten
des Zugangs zu Netzen und Dienstleistungen. Das
Konzept universeller Dienstleistungen ist jedoch
evolutionär und erweitert sich entsprechend der
Fähigkeiten des Netzwerks und der steigenden
Nachfrage nach Dienstleistungen.
Universelle
Dienstleistungen können daher von der Einrichtung
von Zugangspunkten auf Gemeindeebene bis zu
einem breiten Spektrum neuer Telekommunikationsund Informationsdienstleistungen variieren und sich
in dem Maße kontinuierlich weiterentwickeln, in dem

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die Einführung von Wettbewerb und Innovationstechnologien größeren Zugang zu Dienstleistungen
für die Verbraucher gestattet.
Ermutigung der Nutzung der Gll
Wenn die Gll ihr volles Potential entfalten soll,
müssen die Nutzer von Netzwerken und Dienstleistungen sicher sein, daß ihre Rechte durch die
Bereitstellung und Weitergabe von Informationen
sowie den Zugang zu ihnen über die Gll nicht verletzt
werden. Um diese Gewährleistung zu bieten, müssen die Regierungen Probleme in den Bereichen
Privatsphäre, Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie
Schutz geistigen Eigentums ansprechen. Es ist
ebenso entscheidend, daß die potentiellen Vorteile
der Gll durch Anwendung demonstriert werden. Nur
wenn man greifbare Ergebnisse der Anwendung
sieht, lernt man schätzen, wie sie zur Verbesserung
der Lebensqualität genutzt werden können.
1. Informationspolitik und Frage des Inhalts. Die
Gll wird ihr volles Potential nur nutzen, wenn den
Verbrauchern ein möglichst breites Spektrum von
Informationen zur Verfügung steht. Die Entwicklung
einer effektiven Informationspolitik stellt die Regierungen vor die wahrscheinlich größte Herausforderung. Zu den wesentlichen Zielen der Informationspolitik zählt die Gewährleistung, daß die Privatsphäre
von die Gll nutzenden Einzelpersonen und Organisationen geschützt ist, die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Netzwerken und der über sie geleiteten
Informationen gewährleistet und das Recht auf
geistiges Eigentum derjenigen geschützt ist, die
Informationen, Bildungs- und Unterhaltungsprogramme bereitstellen. In solchen Partnerschaften untereinander sowie mit Arbeitgebern, Arbeitnehmern,
Wissenschaftlern und Vertretern des öffentlichen
Lebens müssen die Regierungen diese Ziele erarbeiten und umsetzen, um das Wachstum einer
Inf rastruktur sicherzustellen, die den Bürgern der Welt
zugänglich und ihnen gegenüber rechenschaftspflichtig ist.
2. Nutzung der Vorteile der Gll durch Anwendung. Der Wert der Gll wird dadurch definiert, wie
die Menschen davon profitieren. Die Regierungen
müssen die aktive Beteiligung von Verbrauchern und
Unternehmen an der Anwendung neuer Technologien
kultivieren, die die Möglichkeiten der Gll für die
Menschen auf der ganzen Welt in die Praxis umsetzen können. Durch Zusammenarbeit in kreativen
Partnerschaften können der öffentliche und Privatsektor Informations- und Telekommunikationstechnologien auf eine Vielzahl entscheidender und komplexer
Themen anwenden, einschließlich der Verbesserung
von Produktivität und Wirtschaftswachstum, Bereitstellung angemessener Gesundheitsfürsorge, Sicher-

Seite 3

�Stellung von Bildung und Ausbildung, Schutz natürlicher Ressourcen und der Umwelt für weitere tragfähige Entwicklung sowie Schaffung gerechten Zugangs zu Informationen durch öffentliche Institutionen. Die Förderung von Gll-Pilotprojekten und
deren Erprobung durch den öffentlichen und Privatsektor wird dazu beitragen, eine Reihe technischer,
politischer und rechtlicher Hemmnisse für die Verwirklichung der GM auszumachen und zu beheben.
Solche Barrieren werden eher durch eine Strategie
überwunden, die sich auf "learning by doing" konzentriert.
Umsetzung der GH
Die Nutzung des globalen Potentials von Informations- und Telekommunikationstechnologien erfordert
die Zusammenarbeit der Industrien, die über sich
entwickelnde nationale Netzwerke verfügbare Dienstleistungen und Informationen aufbauen, betreiben,
bereitstellen und nutzen. Sie erfordert ferner kooperative Bestrebungen zwischen Regierungen über

*

Seite 4

bestehende internationale und regionale Organisationen sowie auf bilateraler Ebene, um Hindemisse zu
beseitigen, die eine effektive Entwicklung der Gll
blockieren. Durch kollektive Übereinstimmung bei der
Annahme, Förderung und Anwendung der grundlegenden Prinzipien der Gll können Regierungen und
die Industrie die Entwicklung der Gll als grenzenloses
"Netz der Netze" statt einer Flickschusterei inkompatibler Systeme und Dienstleistungen sicherstellen.
Das Ziel der "Agenda für Zusammenarbeit" besteht in
der Förderung der zur Umgestaltung von in Tausende
einzelner Netzwerke und inkompatibler Informationsressourcen aufgespaltenen Regionen in eine durch
eine einheitliche Informationsinfrastruktur vernetzte
globale Gemeinde. Zu diesem Zweck sieht die
"Agenda für Zusammenarbeit" spezifische Vorgehensweisen vor und lädt andere Länder ein, sich den
Vereinigten Staaten bei der Beschleunigung des
Tempos der Entwicklung einer Gll anzuschließen, die
den Bedarf aller Menschen erfüllen kann.

* * *

*

AMERIKA DIENST 07

�DATENAUTOBAHN
22. Februar 1995

Telekommunikation im internationalen Wettbewerb
Rede von Reed E. Hundt
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Vorsitzenden der Federal Communications Commission
(FCC), Reed E. Hundt, am 16. Januar 1995 vor der American Chamber of Commerce in Bonn gehaltene Rede.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich danke der American Chamber of Commerce und
dem Telekommunikations-Unterausschuß für diese
Gelegenheit, Sie alle an meinem ersten Tag in Bonn
treffen zu können. Ich bin zu einer Diskussion über
Telekommunikation nach Bonn gekommen, die
morgen von der Amerikanischen Botschaft mit
hochrangigen deutschen Regierungsvertretern und
Unternehmern veranstaltet wird.
Um die Beteiligung der FCC an der globalen Telekommunikationspolitik zu verbessern, haben wir im
Herbst vergangenen Jahres ein internationales Büro
gegründet. Es wird von Scott Blake Harris geleitet
und hat über 120 hochqualifizierte Mitarbeiter, die
aus unterschiedlichen Abteilungen des Ministeriums,
anderen Regierungsbehörden und dem Privatsektor
zusammengezogen wurden. Es ist eine äußerst
fähige Gruppe.
Die FCC kommt mit einer Politik des Wettbewerbs
auf allen fünf Spuren der Datenautobahn voran. Ich
war in Buenos Aires, als Vizepräsident AI Gore vor
der internationalen Fernmeldeunion eine Rede hielt
und seine Vision einer globalen Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure - GM)
umriß.
Ich werde diese Gedanken heute und
morgen mit deutschen Regierungsvertretern diskutieren.
Heute nachmittag führte ich Gespräche mit Dr.
Boetsch, dem Bundesminister für Post und Telekommunikation, und seinem Staatssekretär, Dr. Laufs.
Wir erörterten Pläne für bilaterale Telekommunikationskonsultationen, die wir am 22. und 23. März
1995 in Washington mit deutschen Regierungsvertretern abhalten werden.
Wichtige politische Themen liegen vor uns, darunter:

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Gespräche der Europäischen Union und der G-7
über Liberalisierung und Privatisierung,
die Umstrukturierung der Deutschen Telekom,
Überprüfung der geplanten Sprint-Transaktion
und mögliche Änderungen von Paragraph 310
sowie andere Entwicklungen auf dem amerikanischen Telekommunikationsmarkt.
Ich möchte die Themen kurz kommentieren.
Telekommunikation in Deutschland
Ich glaube, jeder ist von dem umfassenden Programm der Deutschen Telekom für eine moderne
Telekommunikationsinfrastruktur in Ostdeutschland
beeindruckt. Nichts kann einen besseren Beitrag zu
künftigem Wohlstand im Osten Deutschlands leisten
als moderne Telekommunikation.
Wir sind auch beeindruckt durch:
die Trennung des Betriebs der Deutschen Telekom vom Mandat des Bundesministeriums für
Post und Telekommunikation,
die Einstellung von Subventionen für postalische
Operationen
und die erste Privatisierungsrunde der Deutschen
Telekom im Jahr 1996.
Die ersten 25 Prozent der zu verkaufenden Aktien
sollen 5 bis 8 Milliarden Dollar einbringen. Die EU
hat jedoch als Datum für Wettbewerb bei Infrastruktur
und Dienstleistungen erst 1998 gesetzt. Das erinnert
mich an eine Football-Geschichte - mit der EU als
Football-Trainer. Es war die letzte Spielrunde, und
der Quarterback, dessen Team am Verlieren war,
blickte hilfesuchend auf den Trainer. Der Trainer

Seite 1

�zuckte die Schultern, also entschied sich der Quarterback selbst für einen Spielzug. Das Team erzielte
ein Tor und gewann das Spiel. Hinterher fragte der
Trainer den Quarterback, warum er sich gerade für
diesen Spielzug entschieden habe.
"Nun, ich wußte, wir brauchen sieben Punkte, also
habe ich sieben und sieben zusammengezählt und
Spielzug 15 eingeleitet", antwortete er dem Trainer.
Als der Trainer ihn darauf aufmerksam machte, daß
sieben und sieben vierzehn ergeben, erwiderte der
Quarterback: "Wenn ich so schlau wie Sie wäre,
Trainer, hätten wir das Spiel nicht gewonnen."
In den Vereinigten Staaten wird die Revolution bei
den Bestimmungen im Telekommunikationssektor in
diesem Jahr weit über das von der EU für 1998
Geplante hinausgehen - mit oder ohne Gesetzesreform.
Wenn Deutschland auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt führend sein will, muß das Land
eine sehr viel schnellere Gangart vorlegen als
Brüssel bisher. Vielleicht kann Deutschland wie
dieser Quarterback vorgehen - sich einfach für
seinen eigenen Spielzug entscheiden, um das Spiel
zu gewinnen.
Entwicklungen in der europäischen und weltweiten Telekommunikationspolitik
Wie Sie wissen, beteiligen sich die FCC sowie das
Außen- und Wirtschaftsministerium an Gesprächen
mit der EU und der G-7.
Als wir im November in Washington mit Vertretern
der Europäischen Kommission zusammentrafen,
waren wir beeindruckt von den Fortschritten, die bei
der Schaffung eines allgemeinen Rahmens für die
Liberalisierung des Telekommunikationswesens
erzielt wurden. Wir befürworten entschieden das
unter der Leitung von Kommissar Bangemann
vorbereitete Grünbuch.
Ferner unterstützen wir nachdrücklich die Absicht der
Europäischen Kommission, das im Februar anberaumte Treffen der Telekommunikationsminister der
G-7 in Brüssel als Forum zu nutzen, der europäischen Öffentlichkeit die Vorteile einer Informationsgesellschaft vor Augen zu führen. Dies steht im
Einklang mit der Vision Vizepräsident Gores von
einer globalen Informationsinfrastruktur mit den
Schwerpunkten Privatisierung, Wettbewerb und
Liberalisierung.
Aus diesem Grund haben wir der Kommission
deutlich mitgeteilt, daß wir uns Sorgen über eine
vorgeschlagene Richtlinie machen, die existierende

Seite 2

Quoten für Auslandsprogramme der Rundfunkmedien
auf Multimedia-Dienstleistungen ausweiten könnte.
Inhaltliche Beschränkungen im Zuge eines Kulturprotektionismus schrecken nur von Privatinvestitionen
ab, die zur Entwicklung neuer Kommunikationsnetze
und -dienstleistungen erforderlich sind.
Der Gegensatz zwischen den gemeinsamen Bestrebungen der G-7 zum Aufbau einer Informationsgesellschaft der Zukunft und der von der Kommission
vorgeschlagenen unilateralen Maßnahme zur Begrenzung der durch Multimedia-Dienstleistungen gebotenen inhaltlichen Vielfalt könnte nicht krasser sein.
Wir werden in den kommenden Monaten hart daran
arbeiten, den richtigen Weg zu finden.
Entwicklungen bei amerikanischen Bestimmungen
Wie bereits erwähnt, arbeitet die FCC in den Vereinigten Staaten an der Festlegung von Wettbewerbsbestimmungen für alle fünf Spuren der Datenautobahn. Der neue Kongreß ist inzwischen mit einer
umfassenden Überprüfung des Gesetzes über das
Kommunikationswesen von 1934 befaßt und hofft,
das neue Gesetz bis zum 4. Juli dieses Jahres
verabschieden zu können.
Als Teil dieser Bestrebungen ist eine Reform von
Paragraph 310 über ausländische Anteile an allgemeinen Lizenzen für Rundfunkanstalten möglich.
Ein erst kürzlich unterbreiteter Vorschlag zielt auf die
Abschaffung von Paragraph 310 ab. Ein weiterer
Vorschlag sieht eine Abänderung von Paragraph 310
durch die Einbeziehung des Prinzips der Gegenseitigkeit vor. Ich kann keine Prognose darüber
anstellen, was mit Paragraph 310 geschehen wird, es
ist jedoch offensichtlich, daß die Idee der Gegenseitigkeit sehr attraktiv erscheint.
Wie Sie vielleicht wissen, liegt der FCC ein Vorschlag
der Deutschen Telekom/France Telecom vor, 20
Prozent von Sprint, dem drittgrößten Fernmeldeunternehmen der Vereinigten Staaten zu erwerben. Unter
dem Gesetz über das Kommunikationswesen ist die
Kommission bevollmächtigt, die allgemeinen Auswirkungen dieser Transaktion auf den Wettbewerb zu
prüfen. Zu den in Frage kommenden Gesetzesbestimmungen zählt Paragraph 310(b)(4), der - falls
dies im öffentlichen Interesse liegt - einen Entzug der
allgemeinen Rundfunklizenzen einer Einrichtung
gestattet, wenn mehr als 25 Prozent ihres Eigenkapitals indirekt in ausländischer Hand sind. Der vorgeschlagene 20prozentige Anteil von Deutsche
Telekom/France Telecom an Sprint, gekoppelt mit
existierenden ausländischen Aktienanteilen, würde
über diese Höchstgrenze hinausgehen.

AMERIKA DIENST 07

�Im Juli 1994 genehmigte die Kommission den
Erwerb von 20 Prozent an MCI durch British Telecom, nachdem das Potential der British Telecom
überprüft worden war, ihre Macht auf dem britischen
Markt einzusetzen, um gegen mit MCI konkurrierende amerikanische Fernmeldeunternehmen Wettbewerbspraktiken einzusetzen. Die Offenheit des
britischen Telekommunikationsmarktes und das
dortige flexible Regelwerk waren entscheidend für
unsere Erkenntnis, daß diese Transaktion im öffentlichen Interesse liegt. Wir stellten fest, daß die
entstehende Konkurrenz für British Telecom einen
Schutz vor Diskriminierung darstellt.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten und der von
Interessenten an der Sprint-Transaktion abgegebenen Kommentare muß die Frage vergleichbarer
Offenheit des deutschen und französischen Telekommunikationsmarktes erwogen werden.

*

AMERIKA DIENST 07

Eine Führungsrolle Deutschlands bei der Liberalisierung würde uns gestatten, gemeinsam bei unseren
Nachbarn in diese Richtung zu wirken.
Schlußbemerkung
Letztlich werden natürlich nicht die Regierungen die
neue Telekommunikationslandkarte entwerfen; die
Kräfte innovativer Technologien sind dafür zu stark.
Sie und Ihre Unternehmen wissen das; Sie stehen an
der Spitze einer Informationsrevolution.
Die Regierungen müssen jedoch eine Rolle übernehmen, und eine unserer wichtigsten Aufgaben
besteht darin, ein flexibles Regelwerk zu schaffen,
das Ihre Bestrebungen auf dem Markt erleichtert. Ich
würde mich über Anregungen Ihrerseits freuen,
welchen Beitrag wir hierzu leisten können. Ich danke
Ihnen.
•

* * *

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
22. Februar 1995

Welthandel und der amerikanische Arbeitsmarkt
von Kenneth Kasa
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Kenneth Kasa, Ökonom an der Federal Reserve Bank of San
Francisco, der erstmals im "Weekly Letter" dieser Bank vom 18. November 1994, Nr. 94-40 erschien.

SAN FRANCISCO - (AD) - Während der vergangenen 20 Jahre stagnierte das Wachstum der Löhne
und Gehälter und die Einkommensunterschiede
wuchsen. Das Realeinkommen der Haushalte in
den unteren 40 Prozent der Einkommenspyramide
nahm ab, das der Haushalte in den oberen 40
Prozent leicht zu. Das Realeinkommen der mittleren
20 Prozent wurde im wesentlichen auf dem Niveau
von 1973 eingefroren.
Für diese enttäuschende Entwicklung gibt es mehrere Erklärungen. Insbesondere einer wurde jüngst
viel Aufmerksamkeit gewidmet - daß die abnehmenden Einkünfte der amerikanischen Arbeitnehmer in
gewisser Weise mit der zunehmenden "Globalisierung" der amerikanischen Wirtschaft in Verbindung
stehen. Dieses Argument klingt zunächst plausibel,
da abnehmende Löhne und Gehälter sowie wachsende Ungleichgewichte ungefähr gleichzeitig mit der
zunehmenden Bedeutung des Welthandels auftraten.
Jüngste Forschungen zu diesem Thema lassen
jedoch die Schlußfolgerung zu, das Wachstum des
Welthandels spiele bei diesen Entwicklungen auf
dem inländischen Arbeitsmarkt nur eine nebensächliche Rolle.
Der Trend zu größerer Ungleichheit wird durch eine
wachsende Diskrepanz zwischen dem Einkommen
gelernter und ungelernter Arbeitskräfte gefördert.
Zwischen 1979 und 1988 stieg beispielsweise das
durchschnittliche Einkommen eines College-Absolventen im Vergleich zu dem eines High SchoolAbgängers um 15 Prozent. Bei den Arbeitnehmern
ohne Berufserfahrung war der Unterschied sogar
noch größer. 1979 lag der Stundenlohn eines
College-Abgängers mit einer Berufserfahrung von
weniger als fünf Jahren 30 Prozent höher als der
Lohn eines High School-Abgängers mit ähnlicher
Erfahrung. 1989 war dieser Prozentsatz auf 74
angestiegen. Um diese Erhöhung auf Ungleichgewichte im Welthandel zurückführen zu können,

AMERIKA DIENST 07

benötigen wir daher eine Erklärung, wie der Welthandel Abweichungen zwischen den Löhnen gelernter und ungelernter Arbeitnehmer herbeiführen
konnte.
Der Welthandelstheorie zufolge exportiert eine Nation
Waren, die unter intensiver Nutzung der in ihrem
Land relativ reichlich vorhandenen Ressourcen
produziert werden, und importiert Waren, die ihre
relativ knappen Ressourcen intensiv nutzen. In
gewisser Weise gestatten Handelsgüter, die bestimmte Faktoren in unterschiedlichem Ausmaß umfassen,
den Nationen, indirekt mit dem Faktor Dienstleistungen selbst zu handeln. Angesichts des verhältnismäßigen Überflusses an Facharbeitern in den Vereinigten Staaten sollte das Land dieser Theorie
zufolge Güter exportieren, die unter relativ großem
Einsatz gelernter Arbeitskräfte hergestellt werden,
wohingegen die Importe unter großem Einsatz
ungelernter Arbeitskräfte hergestellt werden.
Da der Handel mit Rohstoffen nur eine indirekte
Möglichkeit des Handels mit dem zugrundeliegenden
Faktor Dienstleistungen ist, tendiert der Welthandel
zu einer Erhöhung der Realeinkommen derjenigen,
die im Besitz der in einer Nation reichlich vorhandenen Ressourcen sind und somit zu einer Senkung der
Einkommen der Besitzer knapper Ressourcen. (Dies
ist als Stopler-Samuelson-Theorem bekannt). Aus
der Sicht eines ungelernten amerikanischen Arbeitnehmers macht es daher kaum einen Unterschied, ob
die Löhne aufgrund gelockerter Einwanderungsgesetze gedrückt werden, die mehr Menschen aus
Niedriglohnländern ins Land lassen oder durch den
Import von Rohstoffen, die unter großem Einsatz
ungelernter Arbeitnehmer hergestellt werden.
Die Einkommen von Facharbeitern - die bereits am
oberen Ende der Einkommenspyramide angesiedelt
sind - steigen im Einklang mit den Exporten, während
ungelernte Arbeitnehmer gezwungen sind, eine

Seite 1

�Senkung ihrer Löhne zu akzeptieren, um mit importierten Waren konkurrieren zu können.
Eine Untersuchung des Beweismaterials durch die
Ökonomen Robert Z. Lawrence und Matthew
Slaughter zeigt, daß nicht der Handel die treibende
Kraft hinter diesem wachsenden Ungleichgewicht ist.
Die zwei Wirtschaftswissenschaftler konzentrierten
sich auf Preisveränderungen, die den Anreiz zur
Verlagerung der Ressourcen zwischen den Sektoren
bieten.
Industriezweige mit einem Preisanstieg
bemühen sich um eine Expansion, die mit sinkenden
Preisen sind zu Verkleinerungen gezwungen. Da
die Industrien sich der Faktoren jedoch in unterschiedlichem Ausmaß bedienen, wird eine veränderte Zusammensetzung der inländischen Produktion zu einem Überschuß an Nachfrage nach den
Faktoren führen, die in den expandierenden Sektoren intensiv eingesetzt werden, sowie zu einem
Überangebot der Faktoren, die in den schrumpfenden Sektoren intensiv genutzt werden. Dies ist der
Hauptgrund für die Beeinflussung der Einkommensverteilung durch den Welthandel.
Nach der Prüfung von Preisentwicklungen in Dutzenden amerikanischer Fertigungsindustrien fanden
Lawrence und Slaughter nur wenige Beweise dafür,
daß die Preise von Waren, die unter großem Einsatz
qualifizierter Arbeitnehmer hergestellt werden,
proportional zu den Preisen stiegen, für deren
Produktion ungelernte Arbeitskräfte benötigt werden.
Dies läßt Zweifel an der Anwendbarkeit des StoplerSamuelson-Theorems aufkommen.
Ein weiterer Zweifel an diesem Theorem betrifft den
Einsatz gelernter und ungelernter Arbeitskräfte bei
der Produktion. Wenn die Gehälter gelernter Arbeitskräfte tatsächlich auf Kosten ungelernter Arbeitskräfte aufgrund einer Verlagerung der Produktion zu facharbeiterintensiven Industrien in die Höhe
getrieben würden, würden wir feststellen, daß alle

*

Seite 2

*

Industriezweige ihren Einsatz ungelernter Arbeitskräfte erhöhen. Da gelernte Arbeitskräfte immer
teurer werden, würden die Produzenten sparen,
indem sie sich auf Produktionsmethoden mit einem
größeren Einsatz ungelernter Arbeitskräfte verlegen.
Lawrence und Slaughter fanden erneut keine Beweise für eine solche Verlagerung. Die verarbeitende
Industrie in den Vereinigten Staaten hat ihren Einsatz
qualifizierter Arbeitskräfte höchstens noch erhöht.
Den Ergebnissen von Lawrence und Slaughter
zufolge erscheint der technologische Wandel als
Quelle des wachsenden Einkommensgefälles in den
Vereinigten Staaten am wahrscheinlichsten. Die
Ängste der Arbeitnehmer im 19. Jahrhundert - sie
würden durch Maschinen ersetzt - kommen der
Wahrheit wahrscheinlich näher als das StoplerSamuelson-Theorem. Verschiedene technologische
Veränderungen - am offensichtlichsten die "Computer-Revolution" Ende der siebziger und achtziger
Jahre - haben den Wert einer Berufsausbildung
erhöht.
Damit in Verbindung stehen Veränderungen im
Multimediabereich bei der Kommunikation und
Telekommunikation. Diese Fortschritte führen zu
einer "Superstar-Wirtschaft, in der die Entlohnung
auf dem Alles-oder-Nichts-Prinzip basiert. Es zeigt
sich in zunehmendem Maße, daß Einkommensungleichgewichte innerhalb der Berufssparten steigen.
Dem Wirtschaftswissenschaftler Avinash Dixit zufolge
verwandeln technologische Veränderungen die
Länder in "Sierra Madre-Volkswirtschaften" - in
Anlehnung an den klassischen amerikanischen Film
"Der Schatz der Sierra Madre" mit Humphrey Bogart.
In dem Film erklärt ein alter Goldsucher, warum
diejenigen, die Goldvorkommen entdecken, so reich
werden: "Weil sie die Löhne derjenigen kassieren,
die ausziehen, um Gold zu suchen, aber keines
finden!"

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�KRIEGSVERBRECHEN
22. Februar 1995

Rechtsberater spricht über Kriegsverbrechertribunal
für das ehemalige Jugoslawien
Tribunal setzt neue Maßstäbe
WASHINGTON - (AD) - Steve Lapper, Oberstleutnant der Luftwaffe und Stellvertretender Rechtsberater der Vereinigten Stabschefs, äußerte bei
einer Pressekonferenz am 14. Februar 1995, das
internationale Kriegsverbrechertribunal für das
ehemalige Jugoslawien sei seit dem Zweiten Weltkrieg die erste internationale Organisation zur
strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechern.
Oberstleutnant Lapper erklärte vor der Washingtoner
Anwaltskammer, die am Vortag von dem Tribunal
gegen 21 bosnische Serben erhobene Anklage
erfolge zum richtigen Zeitpunkt und lenke die weltweite Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Organisation.
Das Kriegsverbrechertribunal wurde am 25. Mai
1993 vom UN-Sicherheitsrat gemäß Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen errichtet. Es besteht
aus drei Hauptabteilungen:
Der Richterschaft, die sich aus 11 Richtern
unterschiedlicher Nationalität zusammensetzt,
dem Büro des Generalstaatsanwalts, der Ermittlungen durchführt und als Kläger auftritt sowie
der Registratur, die Fortschritte bei den Ermittlungen dokumentiert.
Die Rechtsprechung des Tribunals erstreckt sich auf
drei Arten von Verbrechen:
Kriegsverbrechen, die unter die Genfer und
Haager Konventionen fallen,
Verbrechen gegen die Menschlichkeit - nach Plan
verübte Greueltaten gegen die Zivilbevölkerung
sowie
Verbrechen gegen den Frieden - begangen von
den Einzelpersonen, die den Krieg beginnen.

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Oberstleutnant Lapper zufolge fangen die rechtlichen
Schwierigkeiten nach diesen groben Kategorisierungen an. Beispielsweise werden die Kämpfe im
ehemaligen Jugoslawien als "bewaffnete Kampfhandlungen" bezeichnet, um sie von den Kämpfen in
Ruanda zu unterscheiden, den "internen bewaffneten
Kampfhandlungen".
Lapper zufolge sind viele
Rechtsvertreter der Ansicht, diese Unterscheidung sei
juristisch wertlos und führe bereits zu Auseinandersetzungen.
Bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit wird eine
interne Unterscheidung getroffen: Zwischen wahllosem Morden der Zivilbevölkerung und dem organisierten Versuch, sämtliche Mitglieder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu vernichten, dem Genozid.
Kriegsverbrechen dieser Art stehen mit dem Militär in
Verbindung. Eines der ersten Probleme besteht
darin, daß sich die Ansichten der Vereinigten Staaten
und der Vereinten Nationen über das Kriegsrecht in
mancherlei Hinsicht unterscheiden. Das Tribunal
vertritt die Ansicht, jeder in direkter Verbindung zu
einem Kriegsverbrechen stehende Offizier oder
Soldat müsse angeklagt werden. Das bezieht sowohl
diejenigen ein, die Kriegsverbrechen anordneten, als
auch die Ausführenden.
Die Arbeit des Tribunals hört Oberstleutnant Lapper
zufolge dort jedoch nicht auf. Höhere Offiziere, die
von Kriegsverbrechen wußten und nichts zu ihrer
Verhinderung unternahmen, seien ebenfalls schuldig.
Als Beispiel wurde der japanische General Yamashita
angeführt, auch als "Tiger von Malaya" bekannt, der
am Ende des Kriegs im Pazifik gehängt wurde.
Yamashita behauptete, er hätte nichts von den durch
seine Truppen verübten Greueltaten gewußt. Das
amerikanische Gericht befand, er hätte von den
Vorfällen wissen und ihnen Einhalt gebieten müssen.
Auch das Kriegsverbrechertribunal wird eine solche
Ansicht vertreten, so Lapper.

Seite 1

�Bei juristischen Kontroversen zwischen nationalen
und internationalen Gerichtshöfen haben die Vereinten Nationen das letzte Wort. Nationale Gerichte
können Fälle an das Tribunal der UNO weiterleiten.
Dies ist ein Problem mit großen Konsequenzen, das
gelöst werden muß. Nach dem derzeitigen Stand
hätten bei allen Entscheidungen die Richter des
Kriegsverbrechertribunals das letzte Wort, erläuterte
Lapper.
Die Tatsache, daß Saddam Hussein und seine
Regierung einer Vielzahl von inner- und außerhalb
der irakischen Grenze verübten Greueltaten für
schuldig befunden werden und gro ßenteils der Strafe
entkamen, war dem Oberstleutnant zufolge ein
Weckruf für die Welt, der zeigt, daß ihr solche Dinge
aus der Hand gleiten.
Die Kontroversen beim Kriegsverbrechertribunal
bestehen weiterhin. Beispielsweise ist das amerikanische Rechtsprechungsprinzip bei einer Ver-

urteilung - "schuldig über jeden begründeten Zweifel
hinaus" - nur ein Element, das zusammen mit den
Grundsätzen anderer Länder in den Verurteilungsprozeß hineinspielt. Das Tribunal strebt ein Gleichgewicht zwischen der Vielzahl juristischer Quellen an.
Das Tribunal verhängt keine Todesstrafe. Jeder
Verurteilte kommt ins Gefängnis. Da das Kriegsverbrechertribunal jedoch nicht über ein eigenes Gefängnis verfüge, müßten die Verurteilten in die
Gefängnisse anderer Länder geschickt werden.
Einzelheiten stehen jedoch noch nicht fest.
In einer Fragestunde im Anschluß an die Ausführungen des Oberstleutnants räumte dieser ein, er glaube
nicht, daß die höchsten Vertreter einer verbrecherischen Regierung vor Gericht gestellt würden, außer
in einer Situation, die der nach dem Zweiten Weltkrieg gleichkomme. Lapper fügte hinzu, das Tribunal
akzeptiere keinen Handel mit Anträgen und biete
auch keine Möglichkeiten zur Strafmilderung.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 07

�FILM
22. Februar 1995

Hollywood 1994: Ein Jahr steigender Erwartungen
für Frauen
Bilanz der Filmindustrie
Anfang 1995 blickt Hollywood auf ein Jahr der
Leistungen, Enttäuschungen und bescheidener, aber
dennoch erfreulicher Verdienste für Frauen in der
Filmindustrie zurück.
Im Hinblick auf Gewinne hatte Hollywood die besten
12 Monate seiner Geschichte. Es war auch ein Jahr
bemerkenswerter Themenvielfalt, wie durch die vier
erfolgreichsten Filme des Jahres anschaulich verdeutlicht: Ein gewalttätiges Porträt des Gangsterlebens in Pulp Fiction, den jüngsten Zeichentrickfilm
aus den Walt Disney Studios, Der König der Löwen, einen Krimi um einen außer Kontrolle geratenen Bus in Speed und eine geniale Komödie über
einen furchtlosen jungen Mann, der seine Begriffsstutzigkeit überwindet und ein echter amerikanischer
Held wird in Forrest Gump. Ein von der Kritik mit
hohem Lob bedachtes Projekt war ferner ein Dokumentarfilm über Basketball.
1994 war ein Jahr großer Unsicherheiten. Viele
Studios verloren Geld, weil sie große Summen für
Actionfilme, Komödien und in manchen Fällen zu
intellektuelle Projekte riskiert hatten, die nicht die
Gunst des Publikums fanden. Darüber hinaus
mußten mehrere erprobte Regisseure und berühmte
Darsteller zusehen, wie ihre Filme sang- und klanglos untergingen.
Es gab jedoch auch begrüßenswerte Entwicklungen
im vergangenen Jahr - Überraschungen in einigen
Fällen, Bestätigungen in anderen.
Tom Hanks, der letztes Jahr als AIDS-Infizierter in
Philadelphia eine erschütternde, mutige Darbietung
gab, für die er den Oscar gewann, war in Forrest
Gump ganz anders, aber ebenso beeindruckend.
Paul Newman, einer der zuverlässigsten Schauspieler Hollywoods, porträtierte in dem auf dem jüngsten
Roman von Richard Russo basierenden Film Nobody's Fool überzeugend einen alternden, wütenden
Kleinstädter.

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John Travolta, der Ende der siebziger Jahre zu einer
Popgröße wurde und mit Saturday Night Fever das
Discofieber auslöste, erzielte 1994 mit seiner beeindruckenden Darstellung eines Gangsters in Pulp
Fiction erneut einen Durchbruch. Für Drehbuch und
Regie war Quentin Tarantino verantwortlich, ein
junger Filmemacher, der zum Liebling der Filmindustrie avancierte.
Der von der Kritik am höchsten gelobte, nachdenklichste und eingängigste Film des Jahres war der
dreieinhalbstündige Dokumentarfilm Hoop Dreams.
Das kreative Team von drei Filmemachern in den
Dreißigern - Regisseur Steve James, Cutter Fred
Marx und Kameramann Peter Gilbert - beobachtete
acht Jahre lang zwei in der Innenstadt von Chicago
lebende junge Basketballspieler von ihrer Teenagerzeit über die High School bis zum College mit
einigen ernüchternden Umwegen.
Mit einem Aufwand von nur 500.000 Dollar gedreht
(der durchschnittliche Studiofilm kostet zwischen 30
und 70 Millionen Dollar) und von einem kleinen,
unabhängigen Studio herausgebracht, erzielte Hoop
Dreams nicht nur Punkte wegen der Entschlossenheit und Willenskraft seiner Protagonisten, sondern
auch wegen der deplazierten Werte, die so häufig in
der Welt des Sports zu finden sind. Es bleibt abzuwarten, ob es dieser Film als einer der wenigen
Dokumentarfilme schaffen wird und die Oscarnominierung als besten Dokumentarfilm erhält (die Nominierungen der Akademie werden Mitte Februar
bekanntgegeben).
Wenn 1994 nicht als "goldenes Zeitalter" des Filmemachens im Gedächtnis bleibt, so wird es als das
Jahr zitiert werden, in dem Frauen - vor, und noch
mehr hinter der Kamera - beträchtlichen Einfluß
hatten.
Während das Oscarfieber in den ersten Wochen des
Jahres 1995 - einen Monat vor den Nominierungen
und zwei Monate vor der Oscarverleihung - steigt,

Seite 1

�lautet interessanterweise eine der häufigsten Voraussagen, daß die Jury Schwierigkeiten haben wird,
genügend gute Darstellerinnen zu finden, um die
fünf Qualifikationen in der Kategorie "beste Schauspielerin" zu erfüllen.

sion von Louisa May Alcotts Little Woman, die einen
Einblick in das Leben von vier Schwestern und ihrer
Mutter vermittelt, die Mitte des 19. Jahrhunderts in
Massachusetts leben, während der Ernährer im Krieg
ist.

Mehrere Frauen hinterließen 1994 mit ihrer Arbeit
einen bleibenden Eindruck.

Der vornehmlich von einem kreativen Team von
Frauen aus Hollywood - darunter Studioleiterin Amy
Pascal und Produzentin Denise DiNovi - konzipierte
und realisierte 15 Millionen Dollar teure Film war so
billig wie eine Studioproduktion in diesen Tagen sein
kann. Die Einnahmen an den Kinokassen lassen
darauf schließen, daß es eines der profitableren
Unternehmen des Jahres wird.

Unter den Schauspielerinnen gaben Jodie Foster
(Neil), Jessica Lange (Blue Sky), Susan Sarandon
(Der Klient, Linie Woman, Safe Passage), Jennifer
Jason Leigh (Mrs. Parker and the Vicious Circle)
und Winona Ryder (Llttle Woman) beeindruckende
Darbietungen. Wahrscheinlich werden drei oder vier
dieser Gruppe - mit ein oder zwei Überraschungen ihren Namen auf den Oscarstimmzetteln finden.
Gleichzeitig spielten weniger bekannte Darstellerinnen - darunter Julianne Moore (Vanya on 42nd
Street) und Linda Fiorentino (The Last Seduction)
sowie die Studioleiterinnen Amy Pascal und Wendy
Finerman - eine bedeutende Rolle in der Filmindustrie.
Allmählich verändert sich das Klima für Frauen in
Hollywood. Die "gläserne Wand" - eine unsichtbare
Barriere für berufliches Weiterkommen - existiert
noch immer in vielen Bereichen, und Schauspielerinnen, insbesondere die sich dem mittleren Alter
nähernden, könnten zu Recht ungehalten über die
wenigen guten Angebote sein.
Dennoch sind
allenthalben Zeichen des Fortschritts bemerkbar.
Der deutlichste Beweis ist auf der Leinwand zu
sehen, wie zwei der mutigsten Projekte des Jahres
1994 zeigen.
In Neil gab Foster - Gewinnerin von zwei Oscars als
"beste Schauspielerin" (Angeklagt und Das Schweigen der Lämmer) - nicht nur eine brillante Darbietung als wilde junge Frau, die alleine in einem Wald
im Südosten der Vereinigten Staaten lebt und eine
nahezu unverständliche Sprache spricht, sondern
auch ihr Debüt als Regisseurin. In dieser Rolle
mußte sich Foster mit der Besetzung, dem Budget
und anderen Dingen befassen, die für gewöhnlich
nicht in die Domäne des Schauspielers fallen.
Von den meisten Kritikern gelobt und beim Publikum
zunehmend populär, zeigt der Film die ersten
Kontakte zwischen der Protagonistin und einem Arzt
(Liam Neeson), der sie zu ergründen sucht und mit
Hilfe einer Psychoanalytikerin erforscht, ob man Neil
ins tägliche Leben entlocken kann.

Little Woman überraschte die Rezensenten und
Kinogänger etwas durch seine lebhafte, glaubwürdige
Darstellung (mit Winona Ryder, Cläre Danes, Trini
Alvarado, Kirsten Dunst und Susan Sarandon), die
ausgezeichnete Regie des Australiers Regisseurs
Gillian Armstrong sowie das gelungene Zeitbild von
Drehbuchautor und Produzent Robin Swicord, das die
Verbindung zwischen heutigen und jahrhundertealten
Gefühlen widerspiegelt.
Mut, Phantasie und sicherer Instinkt waren auch bei
den Rollen offenkundig, für die sich eine Reihe
anderer Frauen der Szene Hollywoods entschieden.
Jessica Lange, die äußerst wählerisch ist, weil sie für
Qualität steht und der wie den meisten ihrer Kolleginnen nicht viel Arbeit angeboten wird, stellt in Blue
Sky die alternde Frau eines Soldaten dar, die sich
weigert, dem Scheitern ihrer Jugendträume passiv
zuzusehen.
Jennifer Jason Leigh, eine junge Schauspielerin, die
bisher das Pech hatte, vornehmlich in Filmen über
die dunkle Seite der Gesellschaft aufzutreten, die
man getrost vergessen kann, nahm die Herausforderung an, die bittere, selbstzerstörerische Schriftstellerin und Gesellschaftslöwin der dreißiger Jahre,
Dorothy Parker, zu spielen. Mrs. Parker and the
Vicious Circle spielt im Algonquin Club, dem New
Yorker literarischen Salon, der zwischen den beiden
Weltkriegen Schriftsteller, Kritiker und Musiker anzog.
Winona Ryder, die jüngste der drei, verwirklichte ihr
Potential in zwei gegensätzlichen Filmen über das
Leben kurz vor dem Erwachsenwerden.
Little
Woman zeigte sie als zielsichere Person, die ihre
literarischen Ambitionen verwirklichen und einen Platz
in der Welt der Männer übernehmen will. In Reality
Bites versucht sie, ihren Platz im Leben als eine
zeitgenössische junge Erwachsene und Angehörige
der sogenannten Generation X zu finden.

Ein in der letzten Woche des Jahres 1994 in den
Kinos angelaufenes Projekt war die vierte Kinover-

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AMERIKA DIENST 07

�Es gab auch einige Überraschungen. Zwei Schauspielerinnen, eine seit Jahren bekannte und ein
relativer Newcomer, waren in spannenden Krimis zu
sehen. Meryl Streep bekämptt tlüchtende Bankräuber und die reißenden Stromschnellen in Am wilden
Fluß, dem ersten Actionfilm ihrer Karriere. Sandra
Bullock übernimmt das Kommando in einem außer
Kontrolle geratenen Bus in Speed, einem Kassenschlager.

,

»

Streep, die im Laufe ihrer Karriere eine Vielzahl von
Frauen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichem Akzent und aus unterschiedlichen
Jahrhunderten spielte, übernahm die Rolle nicht nur,
um etwas anderes zu versuchen, sondern auch, weil
sie feststellte, daß nur wenige Projekte auf sie
zukamen. (Seitdem hat sie zusammen mit Clint
Eastwood The Bridges of Madison County gedreht, die Verfilmung eines populären neuen Romans über die Romanze zwischen einem älteren
Paar, die Mitte 1995 in die Kinos kommt).
Viele Schauspielerinnen setzen sich mit dieser
Realität in unterschiedlicher Weise auseinander.
Shirley MacLaine, Ende fünfzig, hat angefangen,
Charakterrollen für ältere Darstellerinnen zu übernehmen, wie ihre überzeugende Verkörperung einer
Präsidentenwitwe in Guarding Tess beweist.
Sally Field, noch in den Vierzigern, hat alles Verfügbare angenommen - das heißt, daß sie sich 1994 in
Kostüme hüllte und um ungefähr 40 Jahre alterte,
um neben Hanks Forrest Gumps Mutter zu spielen.
Goldie Hawn und Bette Midier, auch in den Vierzigern, arbeiteten überhaupt nicht. Und einige ihrer
jüngeren, etliche Millionen teuren Kolleginnen wie
Julia Roberts und Sharon Stone verbrachten das
Jahr mit Projekten, die von wenigen Kinogängern
gesehen wurden.

Unweigerlich betreten neue Talente die Bühne. Die
besten waren 1994 Fiorentino und Moore. Fiorentino
wurde in einer Reihe von Filmen mit düsterem, eher
gewalttätigem Inhalt zur Gangsterbraut ihrer Zeit und würdige Nachfolgerin von Ida Lupino und Veronica Lake früherer Filmgenerationen.
Moore, eine ausgezeichnete Darstellerin, die 1995
ihren Durchbruch mit der romantischen Komödie
Nine Months haben könnte (ab Sommer in den
Kinos), stand im Zentrum eines wunderschön inszenierten Experiments, einer Übertragung von
Tschechows Drama Onkel Wanja auf die Leinwand die Schauspieler tragen moderne Kleider statt denen
der damaligen Zeit - das in einem dunklen, verrammelten Theater in New York aufgeführt wird. Mit
dem Titel Vanya on 42nd Street stand der Film nach
Meinung vieler Kritiker auf der Liste der besten zehn.
Der Einfluß der Frauen macht sich allmählich auch
hinter der Kamera bemerkbar in Fortsetzung eines
lange vor 1994 begonnenen Prozesses. Und während Frauen wie Lisa Henson, 34, Stacy Snider, 33,
und Pascal, 36, ihren Platz als Richtungsweiser bei
Columbia, Tri-Star und Turner Pictures übernehmen,
werden sie mehr Frauen in den Prozeß einbeziehen.
Eine der beeindruckendsten Geschichten des Jahres
war in der Tat eine Produktion, die nicht ausdrücklich
als Arbeit von Frauen gewürdigt wurde.
Vor fast zehn Jahren verliebte sich Wendy Finerman,
Absolventin einer Ivy League University und Business
School und damals Mitte zwanzig, in einen Roman
von Winston Groom mit dem Titel Forrest Gump.
Eben am Anfang ihrer Karriere im Filmgeschäft
drängte Finerman das Buch allen möglichen Interessenten auf. Hartnäckig und selbstbewußt gelang
ihr schließlich die Verfilmung des Buches.

* *

AMERIKA DIENST 07

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