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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

28. Dezember 1994

51

M

AUSSENPOLITIK

DIE DIPLOMATISCHEN PRIORITÄTEN DER
USA IM JAHR 1995
Treffen Christophers mit Pressevertretern

HANDEL

HANDEL UND TECHNOLOGIE - GRUNDLAGE
FÜR ARBEITSPLÄTZE UND WOHLSTAND
Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1994

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1994
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
28. Dezember 1994

DIE DIPLOMATISCHEN PRIORITÄTEN
DER USA IM JAHR 1995
Treffen Christophers mit Pressevertretern
WASHINGTON - (AD) - Die Pflege konstruktiver Beziehungen zu den wichtigsten Weltmächten, Stärkung der
Sicherheitsinstitutionen in Europa, Fortsetzung der Liberalisierung des Welthandels, Annäherung an eine
Friedenslösung im Nahen Osten und Eindämmung der Weiterverbreitung von Waffen stehen ganz oben auf
der Liste der außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten für das Jahr 1995, erklärte US-Außenminister
Warren Christopher.
Der Minister stellte diese Ziele am 20. Dezember 1994 gegenüber Vertretern der Presse in groben Zügen dar
und verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, sie könnten mit Unterstützung der neuen republikanischen Mehrheit
im Kongreß erreicht werden, "wenn wir die nationalen Interessen mit Entschlossenheit und Nachdruck
verfolgen".
Der Außenminister gab ferner einen Rückblick auf "ein erfolgreiches Jahr für die amerikanische Außenpolitik"
und zählte zu den 1994 erzielten Erfolgen die Inkraftsetzung des START I-Vertrags, die Initiative Partnerschaft
für den Frieden sowie neue Friedensabkommen im Nahen Osten und die Absetzung des diktatorischen
Regimes in Haiti.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus den Äußerungen Christophers im Rückblick auf das vergangene
und Ausblick auf das kommende Jahr.

Ich möchte kurz auf die im letzten Jahr geleistete
Arbeit eingehen und eine Vorausschau auf einige
unserer Prioritäten im kommenden Jahr geben.
Meiner Meinung nach war 1994 ein erfolgreiches
Jahr für die amerikanische Außenpolitik. Unter der
Führung des Präsidenten haben wir bei der Verfolgung der dauerhaften Ziele der Vereinigten
Staaten zur Schaffung einer Welt mit mehr Wohlstand, Sicherheit und Demokratie bedeutende
Fortschritte erzielt.
Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß
wir meines Erachtens bedeutende Schritte unternommen haben, um Amerika und die Welt sicherer
zu gestalten. Unsere entschlossenen diplomatischen
Bestrebungen haben dazu beigetragen, die Zusage
der Ukraine, Kasachstans und Belarus' über ihren
Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag (NW) als
atomwaffenfreie Staaten zu erhalten, was zur
Inkraftsetzung von START I führte. Jetzt sind
russische Raketen nicht länger auf unser Land
gerichtet, und erstmals in einem halben Jahrhundert

AMERIKA DIENST 51

gibt es in den baltischen Staaten keine russischen
Truppen mehr.
Wir haben bei der Anpassung der NATO an ein
ungeteiltes Europa greifbare Fortschritte erzielt. Wir
haben die Partnerschaft für den Frieden geschaffen
und mit unseren neuen Partnern gemeinsame Manöver abgehalten. Ferner haben wir einen sorgfältig
durchdachten Erweiterungsprozeß der NATO begonnen.
In Asien erzielten wir mit Nordkorea Einigung über
ein Einfrieren und eine Umstellung des Atomwaffenprogramms des Landes. Wir einigten uns mit China
auf eine Begrenzung seiner Raketenexporte.
Im Persischen Golf wurde durch das prompte Handeln des Präsidenten und die äußerst prompte
Dislozierung von Truppen eine mögliche irakische
Aggression eingedämmt - im Keim erstickt - und
diese Episode liegt glücklicherweise hinter uns.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten spielen auch eine wichtige
Rolle bei der Lösung von Konflikten auf der ganzen
Welt sowie bei der Förderung der Demokratie.
Im Nahen Osten hat unsere geduldige Diplomatie
bei der Umsetzung des Abkommens zwischen Israel
und der PLO geholfen. Sie trug auch zur Entwicklung des Friedensvertrags zwischen Jordanien und
Israel bei. Und sie brachte vielversprechende, wenn
auch kleine Fortschritte bei den Beziehungen zwischen Syrien und Israel.
In Haiti führte unsere Bereitschaft, unsere Diplomatie
mit Gewalt zu untermauern, zur Absetzung der
Diktatoren und Wiedereinsetzung der legitimen
haitianischen Regierung.
In Südafrika, Nordirland und Kambodscha waren das
Engagement und die Unterstützung Amerikas Teil
bemerkenswerter Fortschritte. Wir haben bedeutende Schritte zur Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit und Schaffung zusätzlicher amerikanischer
Arbeitsplätze unternommen. Wir brachten die
Uruguay-Runde des GATT zu einem Abschluß - eine
äußerst weitreichende Handelsvereinbarung.
Wir halfen, das APEC zu offenem und freiem Handel
im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr 2010
beziehungsweise 2020 zu verpflichten.
Vor wenigen Tagen einigten wir uns beim gesamtamerikanischen Gipfel auf die Verabschiedung von
Freihandelsabkommen in unserer Hemisphäre bis
zum Jahr 2005. Bei der Konferenz von Casablanca
trugen wir zur wirtschaftlichen Öffnung des Nahen
Ostens bei. Unser Rahmenabkommen mit Japan
und seine jüngsten Entwicklungen verschafften den
Amerikanern Marktzugang in wichtigen Bereichen.
Es gibt eindeutig Gebiete, auf denen wir unsere
Arbeit fortsetzen müssen. Die Arbeit an den meisten
der von mir angesprochenen Fragen ist noch nicht
abgeschlossen. Es gibt bei der Diplomatie nur sehr
wenige endgültige Siege. Der größte Fehler, den wir
begehen könnten, wäre der, uns bei irgendeiner
dieser Fragen auf unseren Lorbeeren auszuruhen.
Der Konflikt in Bosnien ist natürlich das ernsteste
ungelöste Problem, mit dem wir konfrontiert werden.
Wir müssen weiterhin auf eine Verhandlungslösung
drängen, die die Souveränität und Integrität des
belagerten Bosnien-Herzegowina bewahrt.
Wir sehen uns auch mit den schwierigen Problemen
der Eindämmung sowie der Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten und Freunden konfrontiert um
zu gewährleisten, daß so verbrecherische Staaten
wir der Iran oder Irak nicht den Friedensprozeß

Seite 2

stören oder diese Region auf andere Weise destabilisieren.
Abschließend möchte ich einige der Ziele ansprechen, für die wir uns im kommenden Jahr engagieren. Zunächst werden wir uns für die Aufrechterhaltung konstruktiver Beziehungen zu den wichtigsten
Wirtschafts- und Militärmächten der Welt einsetzen.
Wir werden weiterhin mit Rußland auf den Gebieten
zusammenarbeiten, auf denen wir gemeinsame
Interessen haben, und auf den Gebieten nach
Lösungen suchen, wo das nicht der Fall ist. Wir
möchten betonen, daß wir weiterhin Demokratie und
Marktwirtschaft in Rußland unterstützen.
Da wir sicherstellen wollen, daß wir als Großmacht
gute Beziehungen pflegen, sind wir uns auch bewußt,
daß eine gesunde Allianz mit Japan erforderlich ist.
Wir werden im nächsten Jahr hart daran arbeiten,
unsere Wirtschaftsbeziehungen mit Japan auf eine
ebenso stabile Grundlage zu stellen wie unsere
strategischen Beziehungen.
Wir sind uns auch der Notwendigkeit von Kontakten
zu China bewußt, da das Land anscheinend in naher
Zukunft eine neue Führung haben wird. Es ist ein
äußerst wichtiges Land, das eine schwierige Phase
durchläuft.
Unser zweites Ziel wird die Stärkung der Institutionen
europäischer Sicherheit und Ausweitung ihrer Vorteile
nach Osten hin sein. Wir werden mit unseren
Verbündeten an der Förderung der Ziele einer
Erweiterung der NATO und Fortsetzung der Arbeit an
der Partnerschaft für den Frieden und der Kernstruktur der NATO für die Zusammenarbeit mit
Nichtmitgliedstaaten arbeiten. Wir werden im Bereich
der Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
tätig werden und gleichzeitig versuchen, die Fähigkeiten der KSZE zur Konfliktlösung zu verbessern.
Unser drittes Ziel wird es sein, die Dynamik für eine
Liberalisierung des regionalen und weltweiten Handels beizubehalten und zu versuchen, ein offenes
Handelssystem auf regionaler und globaler Ebene zu
fördern. Wir werden die Uruguay-Runde umsetzen.
Wir werden Verhandlungen beginnen, um Chile in
das NAFTA aufzunehmen und anschließend an der
in Miami eingegangenen Verpflichtung zu freiem und
offenem Handel in der gesamten Hemisphäre arbeiten. 1995 wird sich das Außenministerium auch auf
den nächsten APEC-Gipfel vorbereiten und zu
gewährleisten versuchen, daß wir konkrete Fortschritte für offenen und freien Handel im asiatischpazifischen Raum machen.
Unser viertes Ziel im nächsten Jahr wird darin
bestehen, den Nahen Osten einer umfassenden

AMERIKA DIENST 51

�Lösung näherzubringen. Unsere Herausforderung
ist die Konsolidierung der bereits zwischen Israel,
der PLO und Jordanien geschlossenen Abkommen
sowie das Drängen auf Fortschritte auf der schwierigen Verhandlungsschiene mit Syrien und dem
Libanon.
Wir hoffen, Israel bei der Herstellung enger Kontakte
mit den Golfstaaten behilflich sein, die Arabische
Liga zur Beendigung des Boykotts bewegen und auf
die Konferenz von Casablanca aufbauen zu können,
um eine Nahost-Entwicklungsbank zu gründen, mit wie Sie wissen - einem Treffen, das auf Einladung
des Präsidenten Anfang Januar stattfinden soll.
Unser fünftes Hauptziel ist die Beendigung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Wir
beginnen mit dem Versuch, hier die Ratifizierung des
START Il-Vertrags zu vollziehen.
Wir drängen auch - und das wird 1995 ein sehr
wichtiges Thema sein - auf die unbegrenzte Verlängerung des N W , auf einen Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test
Ban Treaty - CTBT) und eine Konvention über die
Einstellung der Produktion von raketenfähigem
Material.
Es erübrigt sich zu sagen, daß wir sehr wichtige

*

AMERIKA DIENST 51

*

Anhörungen haben und sehr wichtige Aktivitäten
entfalten werden, um die Einhaltung des Nuklearabkommens mit Nordkorea sicherzustellen.
Unser sechstes Ziel - und das letzte, das ich heute
hier nennen werde - ist die Bekämpfung neuer
Bedrohungen unserer Sicherheit, einschließlich
internationaler Verbrechen, Drogenhandel und
Terrorismus.
Eine Frage, die Sie sich wahrscheinlich stellen, lautet:
"Herr Außenminister, wie soll dies alles mit einem von
den Republikanern kontrollierten Repräsentantenhaus
und Senat vollbracht werden?" Ich möchte Sie
meines Vertrauens versichern, daß wir der Unterstützung der Republikaner auf dem Capitol Hill gewiß
sein können, wenn wir die nationalen Interessen mit
Entschlossenheit und Nachdruck verfolgen.
Natürlich wird es Meinungsverschiedenheiten geben.
Aber solange wir uns für die nationalen Interessen
einsetzen, bin ich zuversichtlich, daß wir die Unterstützung der Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses gewinnen können. Meines Erachtens kann
die Clinton-Administration ohne Furcht und wirklich
mit viel Vertrauen auf die nächste Phase in der
Außenpolitik blicken. Solange wir uns für die nationalen Interessen einsetzen, werden wir auch die
Unterstützung der Republikaner haben.

*

*

Seite 3

�HANDEL
28. Dezember 1994

HANDEL UND TECHNOLOGIE - GRUNDLAGE FÜR
ARBEITSPLÄTZE UND WOHLSTAND
Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die Notwendigkeit einer Verknüpfung
von Handels- und Technologiepolitik.
Der Artikel erschien erstmals in Business America, August 1994.

Kurz nach seiner Amtsübernahme beschrieb Präsident Clinton die wichtigsten Grundsätze und Ziele
der Wirtschafts- und Handelspolitik seiner Administration. Der Präsident verpflichtete die Vereinigten
Staaten zu aktivem weltweitem Engagement zur
Förderung von Wachstum und Handel und stellte
fest, sein Land werde weiterhin für offene Märkte auf
der ganzen Welt eintreten. Um den Präsidenten zu
zitieren: "Wir müssen konkurrieren und dürfen uns
nicht zurückziehen."
Vor allem dank der Führungsrolle Amerikas sind die
Weltmärkte heutzutage offener als je zuvor, und der
Welthandel ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Dieses offenere Welthandelsklima birgt für die
Vereinigten Staaten neue Herausforderungen
aufgrund des Konkurrenzdrucks ihrer Handelspartner
auf der Welt. Mit diesen Herausforderungen im
Bereich des Wettbewerbs gehen jedoch auch
wirklich historische wirtschaftliche und handelspolitische Chancen für amerikanische Unternehmen
einher.
Das Welthandelsbüro (International Trade Administration - ITA) und das Technologiebüro (Technology
Administration - TA) des Wirtschaftsministeriums
sind der Entwicklung und Umsetzung einer Politik
verpflichtet, die den Vereinigten Staaten die umfassende Nutzung dieser neuen wirtschaftlichen
Chancen gestattet. Gleichzeitig sollen diese Maßnahmen der amerikanischen Industrie helfen, dem
Wettbewerbsdruck des heutigen Weltmarktes standzuhalten.
Ein Eckpfeiler der Strategie ist die Erkenntnis, daß
Handels- und Technologiepolitik gezielt verknüpft
werden müssen. Sowohl erweiterter Handel als

AMERIKA DIENST 51

auch größerer technologischer Fortschritt sind ein
Motor für Wirtschaftswachstum. Durch Technologie
wird die Produktivität unserer Arbeitnehmer verbessert und dadurch der Lebensstandard der Nation
erhöht. Auch der Handel wird in zunehmendem
Maße wichtig für unsere Wirtschaft. Die Löhne im
Exportsektor liegen beispielsweise um 17 Prozent
höher als der Durchschnitt der gesamten Volkswirtschaft.
Die Notwendigkeit einer Verknüpfung von Handelsund Technologiepolitik wird immer deutlicher. In den
letzten beiden Jahrzehnten stieg der Anteil Japans an
Spitzentechnologieexporten an, während der Amerikas fiel. Die Elektronikindustrie ist hierfür ein Beispiel. Die Verschlechterung der amerikanischen
Position begann bei Konsumgütern und verlief über
Büroausstattung bis zur Datenverarbeitung. Der
Verlust von Marktanteilen der Vereinigten Staaten im
Elektronikbereich bedeutete allein zwischen 1985 und
1989 ungefähr 100 Milliarden Dollar Umsatzeinbußen.
Der amerikanische Anteil am Weltmarkt für Produkte
der Luftfahrtindustrie sank von einem 79prozentigen
Höchststand 1970 auf 62 Prozent im Jahr 1988.
Beim heutigen Kapazitätsauslastungsgrad kommt das
einem Verlust von 300.000 amerikanischen Arbeitsplätzen gleich. Industriestudien zeigen, daß die
Vereinigten Staaten in Schlüsseltechnologien wie der
Produktion von Robotern, Silikonplättchen, moderner
Lithographie und anderem stark im Rückstand sind.
Die Gründe für diese Abnahme sind großenteils
unsere eigenen Unzulänglichkeiten. Beispielsweise
betrug das reale Wachstum bei Betriebs- und Geräteinvestitionen in Japan in den letzten beiden Jahrzehnten 194 Prozent, während die entsprechende
Zahl für die Vereinigten Staaten sich nur auf 65

Seite 1

�Prozent beläuft - damit stehen wir am unteren Ende
in der G-7. Mit anderen Worten war unser Ansatz
bei Entwicklung und Kommerzialisierung im nichtmilitärischen Bereich angesichts der Herausforderungen des Weltmarktes einfach unzulänglich.
Die Technologiepolitik der Vereinigten Staaten
reflektiert die Prioritäten der jeweiligen Zeit. Während des Zweiten Weltkriegs verfügten die Vereinigten Staaten über die einzigartige Fähigkeit, die
Ressourcen des Landes in den Bereichen Wissenschaft und Technologie für militärische Zwecke
einzusetzen.
Auf der Grundlage erfolgreicher
Nutzung dieser Ressourcen in Kriegszeiten entwikkelten die amerikanischen Politiker in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine Wissenschafts- und
Technologieinfrastruktur zur Förderung der Grundlagenforschung und Entwicklung von Technologien zur
Erfüllung nationaler Aufgaben in Bereichen wie
Verteidigung, Landwirtschaft, Energie und Weltraumforschung. Die Ausweitung von Technologie auf den
Handel wurde vorwiegend durch die Deckung des
staatlichen Beschaffungsbedarfs mit Produkten,
Verfahren und Dienstleistungen aus dem Privatsektor erzielt.
In den vergangenen Jahren fanden jedoch bei der
Dynamik technologischer Innovationen sowohl auf
nationaler als auch auf globaler Ebene bedeutende
Veränderungen statt. Wegen des Wachstums auf
den Konsumgütermärkten ist der Rüstungsmarkt
nicht länger die dominierende Zugkraft für Technologie wie während der fünfziger und sechziger Jahre.
Vielmehr werden neue Technologien vorwiegend auf
dem Weltmarkt entwickelt und produziert.
Die
technologische Entwicklung wird jetzt von Produzenten aus vielen verschiedenen Ländern angetrieben,
und die technologische Überlegenheit amerikanischer Unternehmen - lange Zeit ein Privileg - wird
in Frage gestellt.
Der Privatsektor wird jetzt mit einer völlig veränderten Wettbewerbssituation konfrontiert.
Die Geschwindigkeit technologischer Anpassung von
Industriezweigen auf der ganzen Welt, der Zyklus
von Produktinnovationen und -veralterung, die
schnelle Wissensübermittlung und der intensive
Wettbewerb für amerikanische Unternehmen erfordern eine Technologiepolitik, die sich der wirtschaftlichen Konsequenzen staatlicher Maßnahmen bewußt
ist.
Diese Administration reagiert auf die neue Wettbewerbssituation. Sie engagiert sich für die Umlenkung und Ausweitung amerikanischer Wissenschafts- und Technologieprogramme, die Auswertung der Auswirkungen staatlicher Finanz-, Steuerund Lenkungspolitik, den Aufbau einer Wirtschaft mit

Seite 2

hochbezahlten, hochwertigen Arbeitsplätzen und die
Unterstützung amerikanischer Unternehmen, um die
Herausforderungen der heutigen Weltwirtschaft zu
bewältigen.
Die amerikanische Politik zur Unterstützung von
Wachstums- und produktivitätsfördernden Technologien umfaßt ein weites Feld von Prioritäten im
Bereich natürlicher Ressourcen und des Humankapitals. Zu den Beispielen zählen weitere Investitionen
in die Grundlagenforschung sowie der Einsatz
privater Mittel für technologische Entwicklung und
Vermarktung. Das Welthandelsbüro und das Technologiebüro prüfen, wie die Regierung durch Zusammenarbeit mit dem Privatsektor die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen mit Hilfe
einer verbesserten Entwicklung neuer Produkte und
des Einsatzes neuer Verfahren erhöhen kann.
Im Zusammenhang mit der Rolle der Bundesregierung bei der Förderung von Wettbewerbsfähigkeit hat
sich das Wirtschaftsministerium auf die Bedürfnisse
der amerikanischen Industrie konzentriert.
Das
Welthandelsbüro und das Technologiebüro informieren sich über die Bedürfnisse des Kunden - der
amerikanischen Industrie - um die Hemmnisse und
"Löcher" bei der Förderung technologischer Vermarktung durch die Bundesregierung zu entdecken.
In diese Untersuchung werden große und kleinere
Unternehmen aus dem Fertigungs- und Dienstleistungssektor einbezogen.
Durch die Prüfung Hunderter, von Verbänden abgegebener Empfehlungen, mit Hilfe detaillierter Interviews mit führenden Wirtschaftsvertretern aus allen
Sektoren sowie gemeinsamer Studien über die
Wettbewerbssituation der amerikanischen Industrie im
Vergleich zu ihren Konkurrenten befaßt sich das
Wirtschaftsministerium zunächst mit den Gebieten,
auf denen die amerikanische Position am stärksten
gefährdet ist.
Der Kongreß hat bereits Schritte zur Förderung der
Fähigkeit amerikanischer Unternehmen unternommen, mit ausländischer Technologie zu konkurrieren.
Er erließ Gesetze, um über staatliche Labors Technologie in den Privatsektor einzubringen und rief Programme ins Leben, die stärker auf die Industrie
zugeschnitten sind. In diesem Zusammenhang sind
vor allem das moderne Technologieprogramm
(Advanced Technology Program - ATP) und das
Technologie-Reinvestitionsprojekt
(Technology
Reinvestment Project - TRP) zu nennen. Der gesamte Etat für diese und andere Programme, deren
Hauptziel die Vermarktung von Technologieprodukten
durch die amerikanische Industrie darstellt, belief sich
1994 auf ungefähr 5 Milliarden Dollar. Zu diesen
umfassenden Programmen zählen Innovationsfor-

AMERIKA DIENST 51

�schung für mittelständische Unternehmen (Small
Business Innovation Research Program - SBIR),
Abkommen über kooperative Forschung und Entwicklung (Cooperative Research and Development
Agreements - CRADAs), Lizenzvergabe von staatlichen Forschungslabors (Licensing from Federal
Laboratories), das Programm über eine Ausweitung
der Vermarktung (Manufacturing Extension Program), ATP und TRP sowie staatlich finanzierte
Forschungskonsortien.

t

Es reicht jedoch nicht aus, die staatlichen Labors
umzustrukturieren und Grundlagen- sowie konkurrenzunabhängige Forschung zu fördern. Die
Industrie hat einen klar definierten Bedarf an techno*

AMERIKA DIENST 51

*

logischen Informationen, wirksamerem Schutz geistigen Eigentums und modernisierten Regelsystemen,
die neue Technologien nicht unterdrücken.
Der Präsident erklärte in seinem Technologieplan
vom Februar 1993: "Wir dürfen uns nicht auf die
zufällige Nutzung von Rüstungstechnologie im
Privatsektor verlassen. Wir müssen uns direkt auf
diese neuen Herausforderungen konzentrieren und
unsere Bestrebungen auf die neuen, vor uns liegenden Chancen richten in der Erkenntnis, daß die
Regierung eine Schlüsselrolle dabei spielen kann,
Privatunternehmen bei der Entwicklung und Nutzung
von Innovationen zu unterstützen."

*

*

Seite 3

�THEMENINDEX
28. Dezember 1994

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1994

Abrüstung

46,50

Abschied

36

AIDS

39,50

Amerika-Gipfel

49

Amerikas Städte

36

Arbeitsmarkt

30

Arbeitswelt

35,40

Außenpolitik

31,38,40,
38, 40, 42
42, 43, Sonderdienst (4. Nov.), 44, 48, 51

Bevölkerung

33, 34, Sonde

Bildung

35

Bosnien

39, 45, 46, 48

Datenautobahn

37

Demokratie

42

Demokratische Partei

49

Deutsch-amerikanischer Tag

40

Drogen

45

Fulbright

41

GATT

47

Gesellschaft

46

Haiti

30

Handel

47,51

Innenpolitik

50

Irak

43, 44

Kongresswahlen

45

Kriegsverbrechen

30,36, 41, 45

KSZE

48

Kultur

47, 49

Landeskunde

31

Landminen

41

AMERIKA DIENST 51

Seite 1

�Literatur

40,41

Manfred Wörner

33

Menschenrechte

31, 37, 46, 49, 50

Militär

33, 47, 48

NATO

40, 43, 48, 50

Nichtverbreitung

31,38

Nordkorea

32,36

Osteuropa

31

Porträt

44,49

Rüstungskontrolle

32

Technologie

37

Thanksgiving

46

Umwelt

33, 34, 42

USA-Deutschland

36,38

USA-Europa

32,38

USA-Haiti

Sonderdienst (16. Sept.), 37, 39

USA-Irak

41

USA-Kuba

33

USA-Nordkorea

42

USA-Rußland

39

USA-Südafrika

40

Verbrechensbekämpfung

34

Verfassung

35

Wirtschaft

30, 32, 39, 40, 44

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 51

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