<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2385" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2385?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:50:35+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2396">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8490d92b8d57031e1f09fb4f66eb7b18.pdf</src>
      <authentication>ed1409c5359639d0c6f9f0cca1ad78f7</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12294">
                  <text>cimGrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

50

21. Dezember 1994

INNENPOLITIK

CLINTON SCHLAGT STEUERSENKUNGEN
FÜR MITTELSCHICHT VOR
Rede des Präsidenten an die Nation

ABRÜSTUNG

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER USA
Rede von Lynn Davis

NATO

DIE DEMOKRATISCHE KONTROLLE DER
STREITKRÄFTE
von Charlie Rose

MENSCHENRECHTE

UNO-GREMIUM MISSBILLIGT
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
Verabschiedung von Resolutionen

AIDS

NEUES UN-PROGRAMM ZUR BEKÄMPFUNG
DER EPIDEMIE
Versuchsreihen für Impfstoff

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax: 0228 -33 41 02

�INNENPOLITIK
21. Dezember 1994

CLINTON SCHLÄGT STEUERSENKUNGEN
FÜR MITTELSCHICHT VOR
Rede des Präsidenten an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Als Reaktion auf die durch den Wahlsieg der Republikaner im November entstandene
Herausforderung hat Präsident Clinton einen Reihe steuerlicher Maßnahmen und Anreize vorgeschlagen, die
den wirtschaftlichen Druck auf einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung mildern sollen.
Präsident Clinton bezeichnete seinen Plan als "die Bill of Rights der Mittelschicht" und erklärte, der Schritt sei
notwendig, denn "obwohl die Wirtschaftsstatistiken einen Aufschwung verzeichnen, steigt unser Lebensstandard
nicht.
Der vierteilige Plan räumt Familien mit einem unter der festgesetzten Grenze liegenden Einkommen
Steuerfreibeträge bis zu 10.000 Dollar pro Jahr für Collegegebühren und einen Steuerfreibetrag von 500 Dollar
pro Kind für Familien ein, die weniger als 75.000 Dollar pro Jahr verdienen, lockert die Restriktionen für Bezüge
aus der privaten Altersversorgung und führt Voucher für die Berufsausbildung von Arbeitslosen ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 15. Dezember 1994 landesweit im Fernsehen übertragene Rede des
Präsidenten.

Guten Abend. Liebe Mitbürger, wir leben in einem
großartigen Land, auf das wir stolz sein können. In
der Weihnachtszeit weiß jedoch jeder, daß mit
Amerika nicht alles in Ordnung ist, Millionen Amerikaner leiden, frustriert, enttäuscht, sogar verärgert
sind.
In dieser Zeit enormer Veränderungen stellt sich uns
eine politische und persönliche Herausforderung.
Zugegeben, sie betrifft die Regierung, geht aber weit
über die Regierung hinaus an den Kern dessen, was
für die meisten von uns von Bedeutung ist. Die
Frage lautet, was werden wir tun?
Ich möchte mit der Wirtschaftslage beginnen. Ich
habe mich um die Präsidentschaft beworben, um
den Amerikanischen Traum wiederherzustellen und
das amerikanische Volk darauf vorzubereiten, sich in
der neuen amerikanischen Wirtschaft dem Wettbewerb zu stellen und zu gewinnen. Zu lange
haben zu viele Amerikaner für stagnierende Löhne
und weniger Sicherheit gearbeitet. Seit zwei Jahren
verfolgen wir eine Wirtschaftsstrategie, die zur
Schaffung von über 5 Millionen neuen Arbeitsplätzen
beigetragen hat. Aber obwohl die Wirtschaftsstatistiken einen Aufschwung verzeichnen, steigt unser
Lebensstandard nicht. Es sieht fast so aus, als ob
die Amerikaner für ihre Produktivität in dieser neuen

AMERIKA DIENST 50

Volkswirtschaft bestraft würden. Das müssen wir
ändern. Mehr Arbeitsplätze sind nicht genug. Wir
müssen die Einkommen erhöhen.
Vor fünfzig Jahren führte ein amerikanischer Präsident die G.l. Bill of Rights ein, die aus dem Zweiten
Weltkrieg zurückgekehrten Veteranen die Möglichkeit
einräumte, das College zu besuchen, ein Haus zu
kaufen und Kinder aufzuziehen. Damit wurde unser
Land aufgebaut. Heute abend schlage ich eine Bill of
Rights für die Mittelschicht vor.
Diese Bill of Rights gründet sich auf vier zentrale
Gedanken: Erstens sollen die Collegegebühren
steuerlich absetzbar werden. Ebenso wie Hypothekenzinsen steuerlich abzugsfähig sind, weil wir
wollen, daß die Amerikaner ein Eigenheim haben,
sollten Collegegebühren absetzbar sein, weil wir
wollen, daß die Amerikaner das College besuchen.
Im einzelnen schlage ich vor, daß alle Studiengebühren - für das College, das Gymnasium, die Berufsschule, berufliche Ausbildung oder Umschulung nach
der High School - steuerlich uneingeschränkt geltend
gemacht werden können und zwar in Höhe von
10.000 Dollar pro Jahr für Familien mit einem Einkommen von bis zu 120.000 Dollar pro Jahr.
Schließlich hat Ausbildung größere Auswirkungen auf

Seite 1

�die Einkommen und die Arbeitsplatzsicherheit als je
zuvor. Wir wollen also die Früchte der Gesundung
von heute in die Chancen von morgen investieren.
Zweitens ist die Erziehung eines Kindes harte Arbeit
in dieser Volkswirtschaft. Wir sollten also den
Familien der Mittelschicht bei der Erziehung ihrer
Kinder behilflich sein. Wir haben letztes Jahr mit der
Verabschiedung des Gesetzes über Urlaub aus
familiären Gründen, günstigeren Krediten für die
Collegeausbildung und durchschnittlichen Steuererleichterungen von über 1.000 Dollar pro Jahr für
15 Millionen amerikanische Familien mit Einkommen
von 25.000 Dollar im Jahr oder weniger einen guten
Anfang gemacht.
Ich möchte jetzt einen Steuerfreibetrag für jedes
Kind unter 13 Jahren in Höhe von 500 Dollar einführen. Diese Steuererleichterung gilt für alle
Familien mit einem Einkommen von weniger als
75.000 Dollar.
Drittens sollten wir Menschen mit einem mittleren
Einkommen beim Sparen behilflich sein, indem jede
amerikanische Familie mit einem Einkommen unter
100.000 Dollar einen steuerlich abzugsfähigen
Betrag von 2.000 Dollar in eine private Altersversorgung einzahlen kann. Aber ich möchte, daß Sie
dieses Geld für ihren Lebensunterhalt, nicht nur für
die Rente benutzen können. Dieses Konto können
Sie - steuerfrei - für die Finanzierung der Ausbildung, medizinische Versorgung, den Kauf eines
ersten Eigenheims oder die Versorgung der Eltern
verwenden.
Da jeder Amerikaner die für das Prosperieren in der
neuen Volkswirtschaft erforderlichen Qualifikationen
benötigt - und die meisten von Ihnen werden von
Zeit zu Zeit den Arbeitsplatz wechseln - sollten wir
viertens die von der Regierung jetzt für Dutzende
verschiedener Ausbildungsprogramme aufgewendeten Milliarden Dollar Ihnen geben, damit Sie Ihre
Ausbildung bezahlen können, wenn Sie Ihren
Arbeitsplatz verlieren oder einen besseren anstreben.
Wir können diese Bill of Rights für die Mittelschicht
finanzieren, indem wir weiterhin die Staatsausgaben
einschließlich Subventionen an mächtige Interessengruppen reduzieren, die sich mehr an Einfluß als an
Erfordernissen orientieren. Wir können ganze
Betriebe verkaufen, die die Regierung nicht länger
unterhalten muß, und Dutzende von Programmen
den Bundesstaaten und Gemeinden übergeben, die
am besten wissen, wie sie ihre Probleme lösen
können.

Seite 2

Mit meinem Plan werden Einsparungen in Milliardenhöhe beim Energieministerium vorgenommen, das
Transportministerium verkleinert sowie im Ministerium
für Wohnungsbau und städtische Entwicklung 60
Programme auf vier gekürzt. Unsere von Vizepräsident Gore angeführte Initiative zur Umstrukturierung
der Regierung hat bereits zum Abbau von Bürokratie
beigetragen und Gelder zum Abtragen des Defizits
und für Investitionen in unser Humankapital freigesetzt. Wir haben bereits Budgets zur umfassendsten
Verkleinerung der Bundesregierung seit 30 Jahren
und zum Abbau des Defizits um 700 Milliarden Dollar
verabschiedet. Das sind über 10.000 Dollar für jede
amerikanische Familie.
In den nächsten Tagen werden wir mehr Einzelheiten
unserer Vorschläge bekanntgeben. Und ich habe
den Vizepräsidenten angewiesen, jedes einzelne
Programm der Ministerien auf weitere Kürzungen hin
zu prüfen.
Wir haben hart gearbeitet, um dieses Defizit unter
Kontrolle zu bringen, nachdem die Staatsverschuldung rn den 12 Jahren vor meiner Amtsübernahme
viermal gestiegen ist. Das ist eine große Belastung
für Sie. Ungefähr fünf Prozent Ihrer Einkommensteuer wird für die Finanzierung von Sozialleistungen
und Auslandshilfe benötigt, aber 28 Prozent für die
Tilgung der Zinsen der zwischen 1981 und dem Tag,
an dem ich Präsident wurde, aufgelaufenen Schulden. Ich fordere den neuen Kongreß zur Zusammenarbeit mit mir bei der Verabschiedung der Gesetzesvorlage über eine Bill of Rights für die Mittelschicht
auf, ohne das Defizit zu vergrößern und ohne neue
Kürzungen von Sozialleistungen oder Medicare
vorzunehmen.
Ich weiß, daß einige die Regierung einfach blind
verkleinern wollen, und ich weiß, daß das jetzt
populär ist. Aber ich werde es nicht tun. Ich möchte
eine schlankere, keine schlechtere Regierung, die
wieder an der Seite der hart arbeitenden Amerikaner
steht. Eine neue Regierung für die neue Volkswirtschaft - kreativ, flexibel, hochqualifiziert, kostengünstig, dienstleistungsorientiert - wie unsere innovativsten Privatuntemehmen.
Ich werde mit der republikanischen Mehrheit und den
Demokraten im Kongreß zusammenarbeiten, um eine
neue amerikanische Volkswirtschaft aufzubauen und
den Amerikanischen Traum wiederherzustellen. Es
wir nicht leicht sein. Glauben Sie mir, die Interessengruppen verstecken sich nicht, nur weil im November
Wahlen waren. In der Tat sind sie stärker als je
zuvor. Und deswegen benötigen wir mehr denn je
eine Reform des Lobbyismus, eine Reform der
Wahlkampffinanzierung und eine Reform des Kon-

AMERIKA DIENST 50

�gresses, damit er die Gesetze befolgt, die er anderen auferlegt.

besser machen. Wir müssen wieder eine Gemeinschaft werden.

Gemeinsam können wir eine funktionierende Sozialund Gesundheitsreform verabschieden. Ich werde
in meinem Bericht zur Lage der Nation im Januar
mehr über meine Zusammenarbeit mit dem neuen
Kongreß sagen.

Ja, einige Menschen nutzen die übrigen aus - indem
sie Gesetze brechen, das Sozialsystem ausbeuten
und unsere Einwanderungsgesetze umgehen. Das
ist falsch, und ich arbeite daran, dem ein Ende zu
bereiten. Die Wahrheit ist jedoch, daß die meisten
Menschen in diesem Land - unabhängig von ihrer
Rasse, Religion, ihrem Einkommen oder ihrer Position zu kontroversen Themen - jeden Tag aufstehen,
zur Arbeit gehen, die Gesetze befolgen, ihre Steuern
zahlen und ihre Kinder so gut sie können erziehen.
Und die meisten von uns sehen sich den gleichen
echten Herausforderungen in dieser neuen Volkswirtschaft gegenüber. Wir werden diese Herausforderungen sehr viel besser meistern, wenn wir zusammenarbeiten und aus unserer Vielfalt Einheit und Stärke
gewinnen.

Aber folgendes werde ich nicht tun. Ich werde keine
Ideen unterstützen, die gut klingen, aber nicht
bezahlbar sind - Ideen, die die von uns in den
vergangenen zwei Jahren für die arbeitenden
Familien erzielten Fortschritte schwächen. Ideen,
die armen Menschen schaden, die das Menschenmögliche zur Erziehung ihrer Kinder tun und versuchen, sich zur Mittelschicht hochzuarbeiten.
Ideen, die unseren Kampf gegen Verbrechen, für
eine saubere Umwelt, bessere Schulen oder für die
Stärke und das Wohlergehen unserer Streitkräfte in
der Außenpolitik unterminieren. Mit anderen Worten,
wir müssen ehrlich mit dem amerikanischen Volk
über die wirklichen Konsequenzen aller Haushaltsentscheidungen sein.
Meine Testfrage lautet: Verbessert eine Idee die
Einkommen und Chancen der Mittelschicht? Fördert
sie Werte wie Familie, berufliche Verantwortung und
Gemeinschaft? Trägt sie zur Stärkung unserer
neuen Volkswirtschaft bei? Wenn ja, dann bin ich
dafür, egal, wer den Vorschlag unterbreitet. Und ich
hoffe, der Kongreß wird mit meinen Ideen ebenso
verfahren. Es geht darum, Fortschritte zu machen,
egal, wem das Verdienst gebührt.
Aber unsere Arbeit in Washington ist nicht genug.
Hier sind Sie angesprochen. Dies alles beginnt mit
Ihnen. Wir können Steuern senken und Chancen
verbessern, aber die Regierung kann nicht Ihre
Kinder erziehen, für Sie in die Schule gehen, Ihren
Angestellten, die es verdient haben, eine Gehaltserhöhung geben oder Probleme in Ihrer Nachbarschaft lösen, die Ihr persönliches Engagement
erfordern. Kurzum, die Regierung kann nicht Ihre
Staatsbürgerpflicht wahrnehmen. Es funktioniert
anders herum.
Die Probleme dieser neuen Welt sind kompliziert,
und wir alle müssen lernen. Das bedeutet, die
Bürger müssen gleichermaßen zuhören und sprechen. Wir brauchen weniger Rhetorik und mehr
offene Konversation, weniger Bosheit und mehr
Nächstenliebe. Wir müssen die Politik der persönlichen Zerstörung und Dämonisieaing beiseite lassen,
die unsere Debatte zu sehr beherrscht hat. Die
meisten von uns sind gute Menschen, die versuchen, es besser zu machen. Und wenn wir uns
gegenseitig alle so behandelten, würden wir es

AMERIKA DIENST 50

Wir haben mehr gemeinsam, mehr, das uns verbindet
als trennt. Und wenn wir beginnen, so zu handeln,
können wir der Zukunft voller Vertrauen entgegensehen. Ich bin immer noch fest davon überzeugt,
daß in Amerika nichts so kaputt ist, daß es nicht mit
dem repariert werden könnte, was heil ist. Hier geht
es nicht um Alltagspolitik. Wie ich seit Jahren sage,
geht es nicht darum, sich nach links oder rechts zu
bewegen, sondern nach vorne. Es geht nicht darum,
ob eine Regierung schlecht oder gut ist, sondern
darum, mit welcher Art von Regierung wir unser von
Gott gegebenes Potential am besten nutzen können.
Und es geht auch nicht um die nächsten Wahlen.
Das liegt in Ihrer Hand.
In der Zwischenzeit werde ich das tun, was ich als
richtig erachte. Meine Regel für die nächsten beiden
Jahre lautet: An erster Stelle steht das Land, und
Alltagspolitik an allerletzter Stelle. Ich hoffe, der neue
Kongreß wird dieselbe Regel befolgen. Und ich
hoffe, Sie auch.
Dieses Land funktioniert am besten, wenn es zusammenarbeitet. Jahrzehntelang seit dem Zweiten
Weltkrieg haben wir immer mehr Amerikanern die
Chance gegeben, ihren Traum auszuleben. Ich weiß,
wovon ich spreche - ich bin einer von ihnen.
Als ich geboren wurde, war meine Mutter bereits
Witwe und die Einnahmen meines Bundesstaates
lagen um die Hälfte unter dem nationalen Durchschnitt. Ich war der erste in unserer Familie, der
einen Collegeabschluß machte mit Mitteln, die meine
Eltern nicht aufbringen konnten - Stipendien, Krediten
und einem halben Dutzend Jobs. Es bricht mir das
Herz, wenn ich Menschen sehe, deren Träume für
ihre Zukunft und die ihrer Kinder wie Seifenblasen
platzen. Und ich werde alles in meiner Macht Ste-

Seite 3

�hende tun, um es zu ändern. Aber ich brauche Ihre
Hilfe. Wir können es schaffen.

sehr viel, für das wir dankbar sein müssen. Das
sollten wir uns vor Augen führen.

Mit all unseren Problemen ist dies immer noch das
großartigste Land der Welt - das vor den größten
Tagen seiner Geschichte steht. Es gibt immer noch

Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage. Gott schütze
Amerika.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 50

�ABRÜSTUNG
21. Dezember 1994

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER USA
Rede von Lynn Davis
WASHINGTON - (AD) - Die Verbreitung von nuklearen und konventionellen Massenvernichtungswaffen sei eine
der kritischsten Sicherheitsbedrohungen der Zeit nach dem Kalten Krieg, erklärte die Staatssekretärin für
internationale Sicherheit und Rüstungskontrolle im US-Außenministerium, Lynn Davis, in einer Rede über die
Nichtverbreitungspolitik der Clinton-Administration am 8. Dezember 1994 vor dem Atlantic Council.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext.

Verhinderung der Verbreitung gefährlicher Waffen
Einleitung
Es ist mir eine große Ehre, heute nachmittag vor
diesem erlesenen Publikum reden zu dürfen. Wenn
ich mir die vielfältigen Aktivitäten des Atlantic Council
betrachte, bin ich beeindruckt über die Konzentration
auf die Herausforderung der Nichtverbreitung in
Ihren Programmen über kollektive Sicherheit, Mittelund Osteuropa, atlantische Zusammenarbeit und
Ost-West-Studien.
Die Clinton-Administration mißt der Nichtverbreitung
hohe Priorität in der amerikanischen Sicherheits- und
Außenpolitik bei. In den vergangenen zwei Jahren
konnten wir einige bemerkenswerte Erfolge verzeichnen.
Ich möchte zunächst diese Erfolge
beschreiben, mich dann den entscheidenden Elementen zuwenden, auf die sie zurückzuführen sind,
und mit einer kurzen Erläuterung der vor uns liegenden Aufgaben schließen.
I. Wichtige Erfolge bei der Nichtverbreitung
Die Ukraine, Belarus und Kasachstan sind dem
Nichtverbreitungsvertrag (NW) beigetreten. Sie
haben dem Transfer der nuklearen Gefechtsköpfe
auf ihrem Territorium zur Zerlegung nach Rußland
und der Zerstörung ihrer strategischen Raketensysteme zugestimmt. Diese Schritte haben den Weg
für das Inkrafttreten des START I-Vertrags in dieser
Woche geebnet.
Rußland und die Vereinigten
Staaten haben sich zur Ratifizierung des START IIVertrags in der ersten Hälfte des Jahres 1995 sowie

AMERIKA DIENST 50

zur Fortsetzung der Gespräche über mögliche weitere
Reduzierungen und Begrenzungen verpflichtet.
Im September vereinbarten die Präsidenten Clinton
und Jelzin zwei wichtige neue Maßnahmen bei der
Umsetzung der von START zwingend vorgeschriebenen Reduzierungen.
Die Verteidigungsminister
werden jetzt alle drei Monate Informationen über
strategische Systeme austauschen, die beseitigt oder
deaktiviert wurden. Sobald der START Il-Vertrag
ratifiziert ist, werden die Vereinigten Staaten und
Rußland alle im Rahmen der Vereinbarung zu reduzierenden strategischen Trägersysteme deaktivieren,
indem ihre Gefechtsköpfe entfernt oder andere
Schritte unternommen werden, um sie zu entschärfen.
Rußland hat der Einstellung des Transfers von
Technologie zur Raketenherstellung nach Indien
zugestimmt und hält jetzt die Richtlinien des Raketentechnologie-Kontrollregimes (Missile Technology
Control Regime - MTCR) ein. Rußland hat die
Schließung seiner Plutonium produzierenden Reaktoren zugesagt und Schritte zur Verbesserung der
Sicherheit für die enormen Nukleararsenale unternommen. Im September 1994 versprach Präsident
Jelzin die Einstellung weiterer Waffenverkäufe an den
Iran.
Die Ukraine hat sich jetzt zur Einhaltung des MTCR
verpflichtet. Kasachstan hat bei dem Transport von
600 kg hochangereichertem Uran in die Vereinigten
Staaten zur Lagerung gemäß der Sicherheitsvorschriften der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) kooperiert. Ein internationales Wissenschaftszentrum in Moskau beschäftigt Tausende

Seite 1

�ehemaliger sowjetischer Atomwaffenspezialisten für
friedliche Forschungsvorhaben.
Nordkorea hat einem Rahmenabkommen über die
Einstellung seines gefährlichen Nuklearprogramms
zugestimmt.
Inzwischen hat Nordkorea seine
atomaren Aktivitäten eingefroren. Die IAEO ist für
die Verifizierung verantwortlich. Die Demokratische
Volksrepublik Korea hat auch die lAEO-Sicherheitsvorschriften in vollem Umfang angenommen und sich
zu einem Dialog mit Südkorea über die Verwirklichung der gemeinsamen Vereinbarung zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel verpflichtet.

Staaten versuchen, Massenvernichtungswaffen,
Raketen und moderne konventionelle Waffen aus
Sorge um ihre Sicherheit zu beschaffen. Diese
Besorgnis ist auf akute regionale Bedrohungen,
wirtschaftliche Unsicherheit oder den Wunsch nach
militärischer Hegemonie und Macht zurückzuführen.
Staaten wollen gefährliche Waffen primär aus ökonomischen Gründen verkaufen. Wenn wir Erfolg haben
wollen, müssen wir uns sowohl mit dem Angebot als
auch der Nachfrage befassen. Dies erfordert die
genaue Abstimmung unserer Reaktionen auf den
individuellen Fall im Rahmen globaler Normen.
Sicherheitszusagen

China hat dem globalen Exportverbot aller BodenBoden-Raketen mit vom MTCR kontrollierten Fähigkeiten zugestimmt. Das Land hat ferner seine
frühere Verpflichtung zur Einhaltung der MTCRRichtlinien auf dem Stand von 1991 bekräftigt. Dank
dieses Abkommens konnten wir die China für den
Transfer von Raketentechnologie nach Pakistan
auferlegten Sanktionen aufheben.
II. Die amerikanische Führungsrolle
In allen diesen Fällen haben die Vereinigten Staaten
vor dem Hintergrund der internationalen Unterstützung für die im NW und MTCR verankerten Nichtverbreitungsnormen eine zentrale Rolle gespielt.
Aktive Diplomatie seitens der Vereinigten Staaten
war der Schlüssel. Im Fall des russischen und
chinesischen Raketenhandels übten die Vereinigten
Staaten direkten Druck zur Unterbindung der gefährlichen Raketenverkäufe aus. Die Vereinigten Staaten haben als Vermittler zu Rußland fungiert und
waren bei den Vorbereitungen für die Verlegung von
Nuklearwaffen aus der Ukraine, Kasachstan und
Belarus behilflich. Die Vereinigten Staaten haben im
Namen des UN-Sicherheitsrats das Rahmenabkommen mit der Demokratischen Volksrepublik Korea
ausgehandelt.

Entscheidend für die Bereitschaft der Ukraine, von
Belarus und Kasachstan, Partei des NW zu werden,
war die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Rußlands zur Gewährung von Sicherheitszusagen. Diese Sicherheitszusagen bekräftigen, daß die Vereinigten Staaten, Großbritannien
und Rußland im Falle des Aktes oder der Androhung
einer nuklearen Aggression Hilfe des UN-Sicherheitsrats beantragen; auf den Einsatz von Nuklearwaffen
gegen diese Staaten verzichten, solange sie keinen
Angriff im Bündnis mit einem Atomwaffenstaat durchführen; die Unabhängigkeit und Souveränität dieser
Staaten respektieren; auf die Androhung wirtschaftlichen Drucks und den Einsatz militärischer Gewalt
gegen sie verzichten und Konsultationen mit ihnen
führen, falls eine Frage bezüglich der Erfüllung dieser
Verpflichtungen auftritt. Die Bereitschaft Rußlands
zur Gewährung dieser Zusagen war von größter
Bedeutung, aber die Vereinigten Staaten und Großbritannien erleichterten die russische Unterstützung
durch ihre eigenen Zusagen. Die Vereinigten Staaten
haben als Teil des Rahmenabkommens zugesagt,
Nordkorea vorbehaltlich seiner uneingeschränkten
Einhaltung des NW Sicherheitszusagen zu gewähren.
Wirtschaftliche und andere Formen der Hilfe

IM. Elemente der Nichtverbreitungspolitik der
Administration
Maßnahmen
Ich möchte mich jetzt den Elementen dieser erfolgreichen Nichtverbreitungsmaßnahmen zuwenden
und mit einer Anmerkung beginnen: Nichtverbreitung ist kein abstraktes Prinzip. Erfolgreiche Nichtverbreitungsmaßnahmen erfordern die Konzentration
auf die Motive von Staaten zur Beschaffung gefährlicher Waffen und die Gründe, warum Staaten diese
Waffen verkaufen wollen.

Seite 2

Ein weiteres entscheidendes Element unserer Nichtverbreitungsmaßnahmen war unsere Fähigkeit,
verstärkten Handel und Technologietransfer mit
Staaten zu fördern, die Nichtverbreitungsnormen
einhalten. Wir haben die Bereitstellung wirtschaftlicher und anderer Formen der Hilfe erfolgreich angewandt, um Staaten Anreize zur Einstellung des
Handels mit gefährlichen Waffen oder deren Beschaffung zu bieten.
Die Ukraine erhält nukleare Brennstäbe zur Energieerzeugung aus Rußland als Kompensation für die
Nuklearwaffen, die das Land nach Rußland zurückverlegt.
Die koreanische Energie-Entwicklungsorganisation (KEDO) wird Nordkorea Öl als Ersatz für

AMERIKA DIENST 50

�die durch die Einstellung seines aktuellen Atomreaktorprogramms verlorene Energie liefern, sowie
Leichtwasserreaktoren als Ersatz für die bisherigen
Graphitreaktoren.
Unser Nunn-Lugar-Programm wird bei der Zerlegung
strategischer Raketen und der Konversion von
Rüstungsindustrien in der Ukraine, Belarus und
Kasachstan entscheidende Hilfestellung leisten. Die
Vereinigten Staaten haben die Zusammenarbeit mit
dem russischen und dem ukrainischen Weltraumprogramm im Anschluß an die Zusage dieser beiden
Staaten aufgenommen, die MTCR-Richtlinien einzuhalten. Im Gegenzug zu der Zustimmung der
beiden Länder zum Abtransport des hochangereicherten Urans aus Kasachstan wird die kasachische
Regierung direkte Entschädigungsleistungen und
technische Hilfe erhalten.
Alle diese Hilfspakete sind auf die individuellen
Bedürfnisse dieser Staaten zugeschnitten. Gelegentlich wurden diese Hilfspakete als Belohnung für
"schlechtes Nichtverbreitungsverhalten" in der
Annahme kritisiert, daß verantwortungsbewußtes
Verhalten keiner Anreize bedürfe. Ohne diese
bescheidene Hilfe hätte wir jedoch wahrscheinlich
unsere umfassenderen Nichtverbreitungsziele nicht
erreicht. Unter dem Strich ist diese Art von Hilfe
sehr viel besser als die mit den Alternativen verbundenen Kosten.

Erfolgreiche Nichtverbreitungsmaßnahmen müssen
auch in unsere außenpolitischen und wirtschaftlichen
Maßnahmen integriert werden. Dies erfordert häufig
harte Entscheidungen zwischen konkurrierenden
Zielen: Verhinderung der Waffenverbreitung, Förderung kommerzieller Interessen und Aufrechterhaltung
guter politischer Beziehungen zu anderen Ländern.
Die internationale Ablehnung des Handels mit Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen wird
generell akzeptiert. Viele der für den Bau dieser
Waffen erforderlichen Technologien und Einzelteile
haben jedoch sowohl zivile als auch militärische
Verwendung.
Deshalb müssen Exportbeschränkungsmaßnahmen für Mehrzweckgüter definiert
werden, und diese betreffen kommerzielle Interessen.
Konventionelle Waffen haben eine legitime Rolle bei
der Gewährleistung von Sicherheit, sie stellen jedoch
auch eine Gefahr dar, wenn sie an die falschen
Länder verkauft werden.
Beschränkungen des
Handels

mit konventionellen Waffen können die

regionale Stabilität verbessern, aber gleichzeitig
sowohl der Rüstungsindustrie im Inland schaden als
auch ein Instrument zur Förderung politischer Zusammenarbeit mit einzelnen Ländern beseitigen. Bei
den konkurrierenden Nichtverbreitungszielen - kommerziellen Interessen und Aufrechterhaltung politischer Beziehungen zu ausländischen Regierungen unterscheidet sich^die Art und Weise, in der die
Vereinigten Staaten hier das Gleichgewicht halten,
häufig von der unserer wichtigsten Partner.

Abschreckungsmittel, Sanktionen
Eine glaubwürdige Nichtverbreitungspolitik muß auch
den Preis für ein sich nicht mit unseren Zielen dekkendes Verhalten erhöhen. Wirtschaftssanktionen
bieten der internationalen Staatengemeinschaft mehr
Entscheidungsspielraum als die Entscheidung zwischen Diplomatie und militärischer Gewalt.
Die Aussicht auf gemäß den amerikanischen Nichtverbreitungsgesetzen erforderliche Sanktionen
spielte eine wichtige Rolle bei unserem erfolgreichen
Abschluß der Verhandlungen über Raketenexporte
mit Rußland und China. Diese Aussicht könnte jetzt
wiederum eine Rolle bei unseren Bestrebungen zur
Einstellung der Waffenverkäufe an den Iran durch
Rußland und andere Länder spielen. Man muß sich
jedoch vor Augen führen, daß Sanktionen schwierig
anzuwenden und bei der Erlangung der von uns
angestrebten Ziele nicht immer erfolgreich sind.
Unser Scheitern, im Sommer Konsens der Ständigen
Mitglieder des UN-Sicherheitrats zu Sanktionen
gegen Nordkorea zu erzielen, schränkte unseren
Verhandlungsspielraum ein. Und Sanktionen können unseren eigenen Unternehmen schaden.
Abwägen konkurrierender Ziele

AMERIKA DIENST 50

Beim Handel mit Parias liefern die westlichen Staaten
diesen Ländern keine Nukleartechnologie, Waffen
oder Militärtechnologie. Rußland und China verkaufen aber immer noch moderne konventionelle
Waffen und Atomreaktoren an den Iran. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten wünschen die
Mitgliedstaaten der Europäischen Union kein Verbot
von Lieferungen sicherheitsempfindlicher Mehrzwecktechnologie an zivile Abnehmer in Ländern wie dem
Iran, ungeachtet der Tatsache, daß der Iran den
internationalen Terrorismus unterstützt und weiterhin
den Friedensprozeß im Nahen Osten behindert.
Es sind wichtige Ziele der Clinton-Administration,
Rußland in die politischen und sicherheitspolitischen
Institutionen des Westens zu integrieren und die
Politik russischer Waffenverkäufe mit der des Westens in Einklang zu bringen. Die Vereinigten Staaten streben die Zustimmung der Russen zur Einstellung aller Waffenverkäufe an den Iran als Gegenleistung für die Unterstützung der Mitgliedschaft des
Landes im Nachfolgeregime des COCOM durch
Amerika an. Im Unterschied dazu waren die Europäer bereit, Rußland in das neue Regime aufzunehmen
in der Hoffnung, seine Waffenverkäufe an den Iran
würden eingestellt.
Die Aufrechterhaltung ihrer

Seite 3

�politischen Beziehungen zu Rußland und ihr Widerstreben, den Iran gesondert zu behandeln, waren
ihnen wichtiger als ihre Nichtverbreitungsziele. Da
die Russen jetzt einer Einstellung weiterer Waffenverkäfife zugestimmt haben, wobei sie auf der
Einhaltung abgeschlossener Verträge bestehen,
drängen die Europäer die Vereinigten Staaten,
Rußland die Mitgliedschaft zu gewähren. Die Vereinigten Staaten bemühen sich hingegen noch
sicherzustellen, daß die unter die laufenden Verträge
fallenden Waffenverkäufe innerhalb vernünftiger
Grenzen gehalten werden.
IV. Präzedenzfälle
Ich möchte kurz auf die Frage der Präzedenzfälle
eingehen, die durch unsere verschiedenen Nichtverbreitungsmaßnahmen geschaffen werden. Unsere
Maßnahmen sind auf die jeweilige sicherheitspolitische, wirtschaftliche und politische Situation eines
Landes zugeschnitten. Sie alle sind von ihrer Auslegung oder ihrem Ergebnis her gesehen nicht
identisch, und keine ist ein Präzedenzfall, wenn wir
nicht zulassen, daß sie ein solcher wird.
Das Rahmenabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Demokratischen Volksrepublik Korea ist hierfür ein gutes Beispiel. Ich
möchte zunächst die wichtigsten Errungenschaften
dieses Abkommens nennen: 1. Nordkorea darf nicht
ungerechtfertigt oder ohne entsprechende Konsequenzen von dem Nichtverbreitungsvertrag zurücktreten. 2. Es liegt weiterhin im Verantwortungsbereich der Internationalen Atomenergie-Organisation,
die Bestimmungen für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften festzulegen; dies ist nicht dem
jeweiligen Land überlassen. 3. Nordkorea akzeptierte Einschränkungen, die über das von den Parteien
des Nichtverbreitungsvertrags verlangte Maß hinausgehen: keine Wiederaufbereitung von Brennelementen, keine Wiederaufbereitung von Brennstäben aus dem 5-MW-Experimentierreaktor, Entsorgung benutzter Brennelemente außerhalb Nordkoreas und Austausch der Graphitreaktoren durch
Leichtwasserreaktoren. Wir erreichten unser Ziel,
einen Prozeß in Gang zu setzen, der das nordkoreanische Nuklearprogramm durch geduldige, aber
entschlossene Diplomatie beendet.
Von einigen Kritikern wird vorgebracht, der Zeitraum
bis zur vollständigen Einhaltung der Sicherheitsvorschriften durch Nordkorea und bis zu den genehmigten Sonderinspektionen der IAEO würde vom
Iran zur Rechtfertigung von Verletzungen des N W
benutzt. Wir sind nicht dieser Ansicht.
Nordkorea genoß bei den Verhandlungen einzigartige Vorteile. Mit seinem eigenen Nuklearpro-

Seite 4

gramm könnte das Land ohne jegliche Hilfe aus dem
Ausland jährlich Hunderte von Kilos an Nuklearmaterial herstellen. Seine Isolation bedeutete, daß es
nicht sehr empfindlich gegenüber wirtschaftlichem
Druck von außen war, und die Streitkräfte Nordkoreas bedrohten Südkorea.
Bis zum Ende der Verhandlungen war Nordkorea
nicht bereit, Sonderinspektionen zuzulassen. Das
amerikanisch-nordkoreanische Rahmenabkommen
fordert jedoch die Durchführung umfassender Sicherheitsvorkehrungen, wenn auch erst in einigen
Jahren. Ferner bietet das Abkommen die Möglichkeit
zur Überwachung des Einfrierens und der Einhaltung
des Vertrags. Und es werden keine Nuklearkomponenten für Leichtwasserreaktoren bereitgestellt, bis
die Forderungen der IAEO nach umfassenden
Schutzvorrichtungen erfüllt sind.
Der Iran ist ein ganz anderer Fall. Das Land hat sich
stark darum bemüht, eigene atomare Fähigkeiten zu
entwickeln, die jedoch nicht so fortgeschritten sind
wie in Nordkorea. Jeglicher Rücktritt vom N W oder
die Weigerung, lAEO-lnspektionen zuzulassen,
werden zur sofortigen Einstellung von Nuklearhilfe an
den Iran führen, vor allem durch Rußland und China.
Diese Schritte würden dazu führen, daß der Iran erst
in vielen Jahren zur Herstellung von Nuklearwaffen in
der Lage ist.
Unsere Aufgabe ist es, nicht zuzulassen, daß irgendein Land den N W ausnutzt. Wir ermutigen die IAEO
zur Durchführung von Sonderinspektionen, damit sie
alltäglicher werden und nicht aufgrund ihrer Einzigartigkeit derartige Abwehrreaktionen hervorrufen.
Ferner werden wir uns bereits im Vorfeld bemühen,
unter den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats
Einigung über Schritte im Falle von Verletzungen des
Vertrags zu erzielen.
V. Zukünftige Aufgaben
Wir haben im Bereich der Nichtverbreitung bereits
einige wichtige Errungenschaften zu verzeichnen,
aber es liegen noch viele Aufgaben vor uns, die alle
hohe Priorität haben. Ich möchte einige davon
ansprechen, wobei ich mir bewußt bin, daß ich viele
andere ebenfalls anführen könnte.
Die Gewährleistung der unbegrenzten und bedingungslosen Verlängerung des N W ist vielleicht die
wichtigste vor uns liegende Aufgabe auf dem Gebiet
der Nichtverbreitung. Der vor 25 Jahren unterzeichnete N W ist der Grundstein internationaler Bestrebungen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen. Im
kommenden Frühjahr wird der Vertrag überprüft.
Derzeit bemühen wir uns auf dem Wege der Diplomatie um weltweite Unterstützung.

AMERIKA DIENST 50

�Wir waren besonders erfreut darüber, daß auf dem
diese Woche in Budapest stattfindenden KSZEGipfel die 52 Teilnehmerstaaten eine unbegrenzte
Verlängerung des N W unterstützten und sich für
den Abschluß eines Vertrags über das Verbot der
Herstellung spaltbaren Materials aussprachen. Wir
haben mit Rußland zusammengearbeitet, um das im
N W niedergelegte Ziel eines Abbaus von Nuklearwaffen durch die Atommächte zu erreichen. Derzeit
ist eine bedeutende Verringerung strategischer
Nuklearwaffen im Gang. Rußland und die Vereinigten Staaten zerlegen zusammen jährlich über 2.000
Atomwaffen.
Über den N W hinaus streben wir ein erweitertes
Mandat von den NW-Mitgliedstaaten für unsere
Nichtverbreitungsbestrebungen an. Ein Vertrag über
ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive
Test Ban Treaty - CTBT) wird die Weiterverbreitung
von Nuklearwaffen zusätzlich unterbinden. Die
Vereinigten Staaten sind der Vorreiter bei dem
Streben der Atommächte nach einem Moratorium für
Atomtests sowie bei der nachdrücklichen Forderung
nach einem internationalen Vertrag über das gesetzliche Verbot aller Atomtests. Wir wollen den N W
nicht als Druckmittel für den Abschluß eines Vertrags
über ein umfassendes Atomtestverbot einsetzen,
stimmen aber mit anderen Ländern darin überein,
daß Fortschritte beim CTBT das Klima für eine
unbegrenzte Verlängerung des N W verbessern.
Wie der Präsident in seiner jüngsten Rede vor der
UN-Generalversammlung erklärte, streben die Vereinigten Staaten ein weltweites Verbot der Produktion spaltbaren Materials für Nuklearwaffen oder
außerhalb internationaler Sicherheitsvorschriften an.
Wir hoffen, daß die Verhandlungen über diesen
Vertrag Anfang 1995 in Genf aufgenommen werden.
Wir bemühen uns auch ernsthaft um Vereinbarungen
über Transparenz und Zurückhaltung beim Transfer
hochentwickelter konventioneller Waffen und sicherheitsempfindlicher Mehrzwecktechnologie. Anders
als bei Raketen und Massenvernichtungswaffen
existieren für konventionelle Waffen keine internationalen Vereinbarungen. Wir haben eine weitreichende Strategie vorgeschlagen, um Rußland und
die anderen Mitgliedstaaten des ehemaligen Warschauer Pakts an einem neuen, globalen Mandat zu
beteiligen.
Die jüngsten Schritte des Irak zur Anerkennung des
Existenzrechts von Kuwait sind noch keine vollständige Einhaltung der UN-Resolutionen. Die UNSonderkommission verfügt - fast vier Jahre nach
dem Golfkrieg - noch nicht über umfassende Informationen über die biologischen und chemischen
Waffenprogramme des Irak. In Erwartung einer

AMERIKA DIENST 50

Aufhebung der UNO-Sanktionen treffen einige Länder
bereits Vorkehrungen für eine Wiederaufnahme des
Handels. Damit wird Baghdad ein falsches Zeichen
gegeben. Der Irak muß alle relevanten Resolutionen
befolgen, bevor der UN-Sicherheitsrat eine Aufhebung des Verbots von Erdölverkäufen in Erwägung
ziehen kann.
Die Umsetzung des amerikanisch-nordkoreanischen
Rahmenabkommens wird wahrscheinlich ein langer,
schwieriger Prozeß. Zudem müssen wir bei anderen
Fragen unsere Bestrebungen verstärken, unter
anderem dabei, den nordkoreanischen Handel mit
Mittelstreckenraketen zu beenden.
Besonders
besorgt sind wir über die fortgesetzte Lieferung von
Raketen und ihren Trägersystemen durch Nordkorea
an den Iran und Syrien. Wir haben deutlich gemacht,
daß die Vereinigten Staaten erst dann zur Erweiterung diplomatischer Beziehungen bereit sind, wenn
dieser Handel eingestellt wird. Ferner müssen wir
uns mit der Bedrohung Südkoreas durch Nordkorea
mit konventionellen Waffen befassen.
Die Verhinderung des Schmuggels von Nuklearmaterial hat hohe Priorität, da die Menge überschüssigen
spaltbaren Materials durch den Abbau strategischer
Nuklearwaffen dramatisch ansteigt. Die Gewährleistung eines gesicherten Nachweises für diese
Nuklearmaterialien und ihre sichere Lagerung stellen
im Bereich der Rüstungskontrolle eine hohe Priorität
dar.
Eine gemeinsame amerikanisch-russische Arbeitsgruppe wird Anfang 1995 Gespräche darüber aufnehmen, wie der Abbau nuklearer Gefechtsköpfe
irreversibel gestaltet werden kann. Wir streben einen
Austausch von Informationen über Atomwaffenarsenale, Lagerstätten für spaltbare Materialien sowie
deren Sicherheitseinrichtungen an. Wir werden
die gegenseitigen Inspektionen von Plutoniumlagerstätten als Teil unseres Abkommens über eine
Einstellung der Plutoniumherstellung für Atomwaffen
fortsetzen.
In Südasien werden wir mit der vielleicht ernsthaftesten Herausforderung konfrontiert. Indien und Pakistan könnten beide innerhalb kurzer Zeit eine kleine
Anzahl von Atomwaffen bauen. Jedes Land kauft
oder entwickelt Raketen, die Massenvernichtungswaffen in die Ballungszentren des jeweils anderen
Landes tragen können. Nachdem bereits drei Kriege
geführt wurden, könnte jeder künftige Konflikt schnell
zu einem Atomkrieg eskalieren.
Wir verfolgen einen schrittweisen Ansatz zur Begrenzung, Reduzierung und letztlichen Zerlegung der
Massenvernichtungswaffen und Trägersysteme für
ballistische Raketen in Südasien. Das beinhaltet

Seite 5

�ballistische Raketen in Südasien. Das beinhaltet
folgende Forderungen an die beiden Länder:
1. Verzicht auf Ersteinsatz ballistischer Raketen.
2. Verzicht auf die Herstellung spaltbaren Materials
für Atomwaffen als Schritt zu einer internationalen
Konvention über das Verbot spaltbaren Materials
und 3. Verzicht auf Atomtests vor Abschluß eines
Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot. Wir
haben auf regionaler Ebene den Vorschlag für ein
multilaterales Verfahren unterbreitet, um konventionelle und nichtkonventionelle regionale Sicherheitsfragen anzugehen. Auf globaler Ebene sprechen wir
mit beiden Ländern im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz, um ihre Unterstützung für einen
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot und
eine Beendigung der Herstellung von spaltbarem
Material zu erwirken.

*

Seite 6

VI. Schlußbemerkung
Die Vereinigten Staaten erachten Nichtverbreitung als
den Schlüssel für Sicherheit in der Welt nach dem
Kalten Krieg. Wir können jedoch nicht im Alleingang
Erfolg haben. Wir legen weiterhin Wert auf einen
multilateralen Ansatz, insbesondere bei dem Bestreben, Rußland und China zu einer verantwortungsbewußten Nichtverbreitungspolitik zu veranlassen.
Dieses Bestreben ergänzt die Arbeit anderer Mitglieder des Bündnisses, erfordert von den Vereinigten
Staaten jedoch eine Führungsrolle, die wir bereits
übernommen haben und in Zukunft fortsetzen werden.

* * *

*

AMERIKA DIENST 50

�NATO
21. Dezember 1994

DIE DEMOKRATISCHE KONTROLLE
DER STREITKRÄFTE
von Charlie Rose
Der Verfasser war Leiter der Delegation des Repräsentantenhauses bei der Nordatlantischen Versammlung.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Oktoberausgabe von NATO-Brief. Veröffentlichung und
Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von NATO-Brief, Nr. 5, Oktober 1994.

Ende August 1994 nahmen 55 Parlamentarier und
Mitarbeiter von Verteidigungs- und Sicherheitsausschüssen 14 mittel- und osteuropäischer Parlamente
an einem zehntägigen Lehrgang über die Verteidigung in Demokratien teil, der gemeinsam von der
Nordatlantischen Versammlung und dem MarshallZentrum für Sicherheitsstudien organisiert wurde.
Der Lehrgang diente in erster Linie dazu, solche
Informationen, Sachkenntnisse und Erfahrungen auf
den Gebieten Organisation, Verwaltung und Grundsätze der Verteidigung auszutauschen, die dazu
beitragen könnten, die Beteiligung der Parlamente
an der Entwicklung und Durchführung der jeweiligen
nationalen Verteidigungspolitik sowie den parlamentarischen Einfluß auf diese Prozesse durchzusetzen.
Der Lehrgang ergab sich als logische Folge aus dem
von der Versammlung beschlossenen Programm der
Zusammenarbeit mit den Parlamenten Mittel- und
Osteuropas, das als Rose-Roth-Initiative bezeichnet
wird. Er erweiterte zudem die Arbeit des MarshallZentrums mit den Regierungen und der jeweiligen
militärischen Führung mittel- und osteuropäischer
Staaten um eine wichtige parlamentarische Dimension.
Beide Projekte stellen auf ihre Weise einen wesentlichen Beitrag zur NATO-Initiative der Partnerschaft
für den Frieden (Partnership for Peace - PFP) dar.
Bei der Entwicklung engerer Beziehungen zwischen
der NATO und ihren Kooperationspartnern wird die
PFP eine stärkere Zusammenarbeit in verteidigungsrelevanten Bereichen betonen und dabei zu verstärkter Konvergenz und Kompatibilität führen sowie
in bezug auf einige Staaten die Voraussetzungen für
eine spätere Mitgliedschaft schaffen. Unter den
Zielen des PFP-Rahmendokumentes sind folgende
von besonderer Bedeutung: Förderung der Trans-

AMERIKA DIENST 50

parenz bei nationalen Verfahren der Verteidigungsplanung und der Aufstellung des Verteidigungsetats
sowie dauerhafte demokratische Kontrolle der Streitkräfte. Der Lehrgang würdigte die Rolle, die Parlamentarier bei der Erreichung dieser Ziele und insbesondere bei der Gewährleistung einer demokratischen Kontrolle der Streitkräfte spielen können und
spielen sollten.
Unter dem Ausdruck "demokratische Kontrolle des

Militärs" wird allgemein die Unterordnung der Streitkräfte unter demokratisch gewählte politische Gremien verstanden; er bedeutet, daß alle Beschlüsse
bezüglich der Landesverteidigung von denjenigen zu
fassen sind, denen durch Wahlen die Verantwortung
für die Angelegenheiten des jeweiligen Landes
übertragen wurde.
Obwohl allgemeines Einverständnis bezüglich der Bedeutung dieses Ausdruckes
herrscht, ist man sich jedoch kaum darin einig, wie
dieses Ziel erreicht werden sollte, welche Strukturen
und Verfahren erforderlich sind und - was für diesen
Beitrag am wichtigsten ist - welche Rolle von den
Parlamenten gespielt werden sollte.
Warum das Primat der Politik?
In den meisten westlichen Staaten ist das Prinzip der
demokratischen Kontrolle der Streitkräfte so fest
verankert, daß die Gründe für seine Bedeutung
häufig übersehen oder als selbstverständlich betrachtet werden. Der wichtigste Grund ergibt sich aus den
wesentlichen Merkmalen von Streitkräften, durch die
sie in jeder Gesellschaft zu einer Bedrohung werden
können. Die besonderen Umstände, die in den
meisten mittel- und osteuropäischen Staaten infolge
ihrer kommunistischen Vergangenheit vorherrschen
und die Kontrolle und Leitung der Streitkräfte beeinflussen, lassen verstehen, warum dieses Problem in

Seite 1

�der PFP besondere Bedeutung erlangt hat. Streitkräfte werden zum Schutz der Gesellschaft ihres
Staates aufgebaut; ihre Aufgabe besteht darin, der
Bevölkerung, aus der sie sich rekrutieren, zu dienen
und diese zu verteidigen. Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, müssen sie jedoch in unserer
Gesellschaft eine besondere Stellung einnehmen,
vor allem als diejenigen, die sich in erster Linie im
Besitz von Waffen und sonstigen Rüstungsgütem
befinden. Ferner stellt das Militär in jedem Land
eine straff organisierte, disziplinierte Gruppe dar, die
durch Traditionen, Sitten und Arbeitsgewohnheiten
zusammengehalten wird. Hauptsächlich wird sie
jedoch dadurch zusammengehalten, daß ihre Mitglieder zusammenarbeiten und sich in Krisenzeiten
und Konflikten aufeinander verlassen können müssen, was zu einer gegenseitigen Abhängigkeit führt,
die buchstäblich über Leben und Tod entscheiden
kann. Eine derartige Abhängigkeit schafft starke
Bande und Loyalitätsgefühle und erfordert einen
Grad von Zusammenhalt und Geschlossenheit, den
nur wenige andere Berufsgruppen für sich beanspruchen können. Diese Eigenschaften - Disziplin,
unbedingter Einsatz und Loyalität - kennzeichnen
das Militär und unterscheiden es in mancher Hinsicht
von der übrigen Gesellschaft.
Die Grundhaltung oder der Stil des Militärs kann
diese Unterschiedlichkeit noch verstärken. Der
organisierte, vorhersehbare Ablauf des Lebens im
Militär führt häufig zu einem einfach strukturierten
Weltbild, das im Widerspruch zu der komplexeren
und vergleichsweise offenbar häufig undurchsichtigen Welt der Politik steht. Theoretisch sollte es eine
klare Trennung zwischen dem politischen und dem
militärischen Zuständigkeitsbereich geben. In der
Praxis sind die Grenzen jedoch oft fließend, und die
beiden Welten überschneiden sich unweigerlich.
Grauzonen der Zuständigkeit können zu Spannungen führen, insbesondere in Krisen und Konflikten,
wenn politische und militärische Ziele möglicherweise voneinander abweichen, z. B. bei der Festlegung
der Einsatzrichtlinien. Unter den sich verändernden
Bedingungen der heutigen Zeit könnte sich dieses
Ineinandergreifen der Aufgaben in dem Maße
verstärken, wie neue Missionen, z. B. friedenssichernde Operationen, vom Militär eine politischere
Rolle verlangen und die Tendenz zu einem höheren
Bildungsstand im Militär ein stärkeres politisches
Bewußtsein fördert.
Es gibt eine Vielzahl von Umständen, unter denen
die Eigenheiten des Militärs besondere Bedeutung
erlangen können. Unter Bedingungen innerstaatlicher Instabilität und innenpolitischer Auseinandersetzungen oder Unruhen kann das Militär ein Element
der relativen Stabilität und eine Quelle der Ordnung
darstellen. Die Geschichte ist voll von Beispielen für

Seite 2

Fälle, in denen das Militär die Macht übernommen
oder die wichtigsten Posten besetzt oder aber gedroht hat, sich gegen die jeweilige Regierung aufzulehnen. Die meisten westlichen Länder haben in
ihrer Geschichte irgendwann einmal als "Unruhestifter" auftretende General gehabt; Beispiele sind die
Curragh-Meuterei der britischen Armee, die Revolte
der französischen Generale in Algerien, die Interventionen des griechischen und des türkischen
Militärs oder auch die Dominanz des Militärs in
Spanien und Portugal während der Diktatur.
Unter diesen Umständen ist die Loyalität der Streitkräfte von entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich
wird davon ausgegangen, daß die Streitkräfte der
jeweiligen demokratisch gewählten Regierung Loyalität bezeigen. Verfassungsregelungen lassen jedoch
manchmal einen gefährlichen Grad an Unklarheit
erkennen. In jedem System besteht die Möglichkeit,
daß sich das Militär als Einrichtung begreift, die für
eine höhere Autorität - für die Nation oder die Verfassung - und nicht für eine auf begrenzte Zeit
gewählte politische Autorität steht, und daß es dann
versucht ist, seine besondere Sicht des nationalen
Interesses durchzusetzen. Im Laufe der Zeit sind
solche Ansichten schon von einer Vielzahl führender
Militärs geäußert worden. Die Bemerkungen von
General MacArthur zu dieser Frage sind bekannt; vor
kurzem brachte, was noch beunruhigender ist, der
Kommandeur der 14. Armee Rußlands im Gebiet
östlich des Dnjestr, General Lebed, ähnliche Vorstellungen zum Ausdruck. Solche Ansichten sind
natürlich mit einer Demokratie unvereinbar.
Heute hat keine der westlichen Demokratien in
diesem Bereich ernste Probleme, denn die jeweiligen
Aufgaben des Militärs und der Zivilisten sind fest
verankert und werden voll und ganz akzeptiert.
Unsere demokratischen Strukturen sind robust genug,
um ein gelegentliches Aufbegehren hochrangiger
Offiziere aufzufangen, die mit ihren politischen Herren
unzufrieden sind. Die Bedeutung einer demokratischen Kontrolle liegt heutzutage darin, daß zu
gewährleisten ist, daß den Streitkräften und ihren
Erfordernissen in unserer Prioritätenliste der ihnen
gebührende Platz zukommt, daß sie keinen zu hohen
Anteil des Staatshaushalts beanspruchen und auch
die politische Entwicklung nicht über Gebühr beeinflussen.
Die Staaten Mittel- und Osteuropas befinden sich in
einer anderen Lage. Die Erblast der zivil-militärischen Beziehungen aus der Zeit der kommunistischen Herrschaft hat die Entwicklung von Strukturen,
Verfahren und vor allem von Ansichten verhindert, die
für eine wirksame demokratische Kontrolle aller
Aspekte des Streitkräftebereichs erforderlich sind.

AMERIKA DIENST 50

�Während der Herrschaft des Kommunismus gab es
durchaus eine Kontrolle des Militärs durch die Politik,
aber sie hatte eine besondere Form angenommen.
Die vorherrschende Rolle der kommunistischen
Partei und die Identifizierung der Partei mit den
Streitkräften nahm dem Begriff jeden demokratischen
Inhalt. Zudem verfügte das Militär über ein Machtund Informationsmonopol im Bereich der Verteidigungspolitik, ein Monopol, das meistens jede öffentliche Diskussion im Keim erstickte. Die Verteidigungspolitik konnte praktisch nicht in Frage gestellt
werden. Dies bedeutet, daß in diesen Staaten die
Art des Sicherheitsumfelds, die in westlichen Staaten
vorherrscht, genauso fehlt, wie erfahrene Zivilisten
für die Arbeit mit dem Militär fehlen, und daß das
Militär mit dem Begriff einer zivilen Kontrolle nicht
vertraut ist und ihm gleichgültig gegenübersteht.
Wir müssen bestrebt sein, sicherzustellen, daß das
Militär fest in der Gesellschaft verankert bleibt, und
zwar als Teil der Gesellschaft insgesamt und nicht
getrennt von ihr, daß es der Nation dient und keine
Vormachtstellung einnimmt und daß die Streitkräfte
auf der Grundlage entsprechender Verfassungsbestimmungen nur auf ausdrücklichen und direkten
Befehl der demokratisch gewählten Staatsführung
eingesetzt werden und Gewalt anwenden können.
Es gibt kein allgemeingültiges System, um diese
Ziele zu erreichen und zu gewährleisten, daß die
Streitkräfte den ihnen zustehenden Platz in der
Gesellschaft erhalten. Je nach der Geschichte, der
Kultur und den Verfassungsregelungen der einzelnen Länder können sich die Formen der politischen
Kontrolle in hohem Maße voneinander unterscheiden.
In den meisten Ländern wird die demokratische
politische Kontrolle durch das Zusammenspiel von
Prozessen, Strukturen und Überzeugungen gesichert. Obwohl es kein allgemeingültiges System
gibt, lassen sich mehrere grundlegende Elemente
anführen: Ein klarer rechtlicher und verfassungsmäßiger Rahmen, die Rechenschaftspflicht des
Militärs gegenüber der jeweiligen Regierung, die
durch einen zivilen Verteidigungsminister gewährleistet wird, sachkundige Zivilisten, die mit dem
Militär bei der Festlegung der Verteidigungserfordernisse und der Vereinbarung der Verteidigungspolitik
und des Verteidigungsetats zusammenarbeiten, die
klare Trennung zwischen dem zivilen und dem
militärischen Zuständigkeitsbereich, die wirksame
Beaufsichtigung und Überprüfung durch das Parlament.

Zu häufig wird unter dem Ausdruck "politische Kontrolle" die Kontrolle durch Regierungsbeamte im
Namen der Exekutive verstanden. Soll eine politische Kontrolle jedoch wirklich demokratisch sein, so
muß das Parlament eine wesentliche Rolle spielen.
Welcher Art diese Rolle ist und wie umfassend sie ist,
unterscheidet sich von Parlament zu Parlament.
Allgemein gesagt lassen sich die parlamentarischen
Aufgaben vier Oberbegriffen zuordnen: Rechenschaftspflicht, Einfluß, Transparenz und Bindeglied
zur Gesellschaft insgesamt.
Im Hinblick auf die Verteidigungspolitik können die
Parlamente von der Regierung insofern Rechenschaft
verlangen, als sie den nötigen Ausgaben zustimmen
müssen. Der Verteidigungshaushalt bietet die beste
Übersicht über die Forderungen der Militärs und stellt
gleichzeitig den Beitrag dar, der vom Steuerzahler
verlangt wird, d. h. von den Wählern insgesamt,
denen gegenüber die Parlamentarier am unmittelbarsten verantwortlich sind. Bei der Vorlage des Verteidigungsetats muß jede Regierung die geplanten
Ausgaben rechtfertigen und begründen.
Abgesehen von dieser allgemeinen Rolle beeinflussen jedoch manche Parlamente mit Hilfe von
Ausschüssen und Anhörungen auch direkt die
verteidigungspolitische Beschlußfassung und die
Aufstellung des Verteidigungsetats. Sie setzen den
Prozeß in Gang, anstatt lediglich das Endprodukt zu
bestätigen. Das beste Beispiel hierfür ist der Kongreß der Vereinigten Staaten, der durch seine genaue und äußerst eingehende Prüfung des amerikanischen Verteidigungsetats dessen endgültige Gestalt
erheblich beeinflußt. Manche europäischen Parlamente wie der Bundestag und sein Haushaltsausschuß haben ebenfalls einen unmittelbaren Einfluß
auf Beschlüsse, noch bevor sie gefaßt werden.
Andere Parlamente wie das britische Unterhaus
spielen eine weniger entscheidende Rolle und
reagieren eher auf bereits gefaßte Beschlüsse.
Selbst wenn das Parlament die Beschlußfassung
nicht direkt beeinflußt, kann es jedoch indirekt durch
seine Berichte Einfluß ausüben. Bei der Verteidigungsplanung handelt es sich schließlich um einen
Prozeß, in dessen Verlauf die Vorstellungen der
Parlamentarier auf vielerlei Weise in das Denken der
Exekutive Eingang finden können.
Eine dritte Aufgabe für die Parlamente besteht darin,
für mehr Transparenz zu sorgen; durch ihre Debatten, Anhörungen und Berichte können die Gesetzgeber die Verteidigung transparenter machen und das
öffentliche Bewußtsein schärfen.

Die Rolle der Parlamente
Schließlich spielen Parlamente auf dem eher allgemeinen Gebiet der zivil-militärischen Beziehungen
eine wichtige Rolle, da sie als Bindeglied zwischen

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�dem Militär und der Gesellschaft dienen, der gegenüber sie verantwortlich sind. Parlamentarier sind
insbesondere in Ländern mit allgemeiner Wehrpflicht
durch besondere Beziehungen mit den Streitkräften
verbunden und setzen sich häufig dafür ein, innerhalb der Streitkräfte angemessene Lebens- und
Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.
Darüber
hinaus ergeben sich auch andere Berührungspunkte,
wie z. B. durch die Ansiedlung von Militärstützpunkten, militärischen Einrichtungen oder Rüstungsbetrieben in den verschiedenen Wahlkreisen.
Ferner haben Parlamentarier die Aufgabe, der
Öffentlichkeit die Notwendigkeit von Verteidigungsanstrengungen und -ausgaben zu erläutern sowie
den Streitkräften das Verständnis und die Unterstützung der Öffentlichkeit zu sichern. In den
meisten Ländern wird das Militär von der Bevölkerung unterstützt, aber diese Unterstützung geht nicht
immer so weit, daß die Bürger bereit sind, die
erforderlichen Mittel bereitzustellen. Diese Aufgabe
ist so wichtig wie eh und je. In allen NATO-Staaten
sinken die Verteidigungsausgaben. Obwohl sich aus
dem neuen Sicherheitsumfeld ein ganz neues
Spektrum von Gefahren ergibt, droht dieses neue
Umfeld jedoch ebenso hohe Ansprüche an die
militärischen Potentiale zu stellen wie die alte
Ordnung; man denke nur an den gestiegenen Bedarf
an Kapazitäten für den Bereich friedenserhaltender
und humanitärer Maßnahmen unter der Ägide der
Vereinten Nationen. Diese neuen Aufgaben führen
zu einer weiteren Funktion der Parlamente. Parlamentarier müssen nicht nur überzeugen, sondern
auch zuhören können.
Die Unterstützung der
Öffentlichkeit für neue Aufgaben, die mit der Gefahr
eines Verlustes an Menschenleben in weit entfernten
Gebieten verbunden sind, ist in allen unseren
Staaten nach wie vor mit einem großen Fragezeichen versehen.
Zwischen den Aufgaben der einzelnen Parlamente
im Verteidigungsbereich und dem Grad ihres Einflusses bestehen große Unterschiede.
Jedes
Parlament hat entsprechend den Gegebenheiten in
seinem Land seine eigene Strategie entwickelt. Die
Rolle des Kongresses der Vereinigten Staaten ist
beispielsweise die Folge der besonderen amerikanischen Bedingungen, insbesondere der Verfassung
und der Gewaltenteilung. Die jeweiligen Erfahrungen und Methoden können nutzbringend verglichen
werden, aber da sie häufig landesspezifisch sind,
lassen sie sich nicht problemlos auf andere Staaten
übertragen. Bei den Bemühungen um eine Beeinflussung der Verteidigungspolitik muß jedes Parlament seinen eigenen Weg finden.
Wie auch immer die Beteiligung aussieht und
welchen Grad sie erreicht hat, die Effektivität der

Seite 4

Parlamente ist davon abhängig, daß die Parlamentarier gut informiert und sachkundig sind. Der Verteidigungsbereich unterscheidet sich jedoch von
anderen Domänen der Regierungsverantwortung auf
eine Weise, die den Erwerb der erforderlichen
Kompetenz problematisch macht. Bei Verteidigungsfragen lassen sich sowohl Geheimhaltung als auch
Exklusivität leicht rechtfertigen. Die Bereitstellung
ausreichender Informationen ist häufig aus Gründen
der nationalen Sicherheit eingeschränkt worden.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wird dieser
Faktor ein weniger großes Hindernis darstellen, aber
aufgrund der gebotenen Vertraulichkeit wird nach wie
vor die Tendenz bestehen, die Versorgung mit
wesentlichen Informationen auf einige wenige Zuständige zu begrenzen.
Ein bedeutenderes Hindernis für eine wirksame
Beteiligung der Parlamente besteht im Wesen der
Verteidigung selbst: Sie unterscheidet sich von
anderen Bereichen der Regierungsarbeit, weil das
Militär durch eine starke Gruppenidentität gekennzeichnet ist und seine Aufgabe darin besteht, sich auf
Konflikte und die Möglichkeit eines Verlustes an
Menschenleben vorzubereiten. Dadurch wird es zu
einer heiklen Frage, ob sich Personen, die nicht den
Streitkräften angehören, mit Verteidigungsfragen
befassen sollen. Manch einer tendiert zu der Ansicht,
daß militärische Angelegenheiten auch am besten
den Militärs überlassen werden sollten. Sicherlich
gehört ein Großteil dieser militärischen Aufgaben zu
Recht in die Domäne der militärischen Fachleute, die
ihr Leben damit verbringen, die Kriegführung zu
untersuchen und zu vervollkommnen. Ab einem
gewissen Stadium müssen diese militärischen Aktivitäten jedoch von der politischen Führung überprüft
werden, d. h. von den Vertretern der Wähler, in deren
Namen sie durchgeführt und mit deren Mitteln sie
bezahlt werden. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, daß die militärischen Erfordernisse fest in einem politischen Rahmen verankert
sind und die politischen Ziele und Schwerpunkte
eines Landes widerspiegeln.
Die parlamentarische Beteiligung an der Organisation
und Kontrolle der Streitkräfte erfordert, daß diese
Besonderheiten anerkannt werden, aber sie verlangt
vor allem ein gewisses Verständnis für militärische
Angelegenheiten, wenn nicht sogar eine direkte
fachliche Kompetenz. Wenn das Militär das Primat
der Politik anerkennt, dann kann es auch berechtigterweise annehmen, daß die Politiker ihre Verantwortung ernst nehmen.
Der Erwerb fachlicher Kompetenz und die Entwicklung von Verständnis erfordern jedoch Zeit und
Engagement. Der zivile und der militärische Fachmann verfügen über beides; dies gilt aber nicht

AMERIKA DIENST 50

�unbedingt für Parlamentarier, die sich mit vielen
Problemen gleichzeitig befassen müssen. Es ist
also kein Zufall, daß der Lehrgang des MarshallZentrums für staatliche und militärische Bedienstete
fünf Monate dauert, während für Parlamentarier ein
zehntägiger Sommerkurs abgehalten wurde.
Angesichts dieser Sachzwänge und der Einschränkungen, die sich aus dem Wesen der parlamentarischen Arbeit selbst ergeben, läßt sich eine wirksame
Beteiligung der Parlamente an Verteidigungsfragen
am besten durch eine unterstützende Infrastruktur
erreichen. Eine derartige Infrastruktur sollte folgendes umfassen: Qualifiziertes Personal, das in bezug
auf Regierungsvorlagen eine verläßliche und sachkundige Beratung sicherstellen kann, Forschungsabteilungen und unabhängige Forschungsinstitute für
eine eingehende und objektive Erforschung und
Analyse der jeweiligen Fragen sowie gründlich
recherchierende Medien.
Die parlamentarische
Arbeit im Verteidigungsbereich sollte einen wichtigen
Teil eines allgemeinen Sicherheitsumfelds bilden, in
dem der Sicherheitsbereich demokratisiert wird. Das
bedeutet, daß Sicherheitsfragen ungehindert öffentlich erörtert werden können und nicht mehr die
ausschließliche Domäne einiger weniger darstellen.
Interparlamentarische Organisationen sind ein wichtiges Element einer derartigen unterstützenden Infrastruktur. Die Nordatlantische Versammlung spielt
als interparlamentarischer Arm der NATO seit
langem eine wichtige Rolle, wenn es darum geht,
den Gesetzgebern in ihren jeweiligen nationalen
Parlamenten zu mehr Wirksamkeit bei der Beeinflussung der nationalen Verteidigungspolitik zu
verhelfen. Die Nordatlantische Versammlung ist seit
jeher ein transatlantisches Forum für den Dialog
zwischen Parlamentariern und dient dem Austausch
von Kenntnissen, Informationen und Erfahrungen.
Seit 1989 erstreckt sich diese Aufgabe auch auf die
Staaten Mittel- und Osteuropas. Der Status eines
assoziierten Mitglieds ermöglicht 14 Parlamenten
eine uneingeschränkte Beteiligung an der Arbeit der
Versammlung. Hinzu kommt ein Programm von

*

AMERIKA DIENST 50

*

Fachseminaren über Fragen von besonderem thematischem oder regionalem Interesse sowie ein Ausbildungsprogramm für Parlamentsmitarbeiter.
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, unser Bekenntnis zu dem derzeitigen Demokratisierungsprozeß in
den mittel- und osteuropäuschen Staaten und zu ihrer
künftigen Eingliederung in die westliche Staatengemeinschaft unter Beweis zu stellen; ferner sollen sie
auf praktischer Ebene durch die Weitergabe sowohl
unserer positiven als auch unserer negativen Erfahrungen als Gesetzgeber den Demokratisierungsprozeß stärken.
Die letzte Voraussetzung für die Effektivität der
Parlamente besteht in der Zusammenarbeit mit der
Exekutive. Die wenigsten Regierungen schätzen die
Überprüfung und Beaufsichtigung durch das Parlament, denn allzu häufig wird dies als störend empfunden. Die parlamentarische Kontrolle kann daher
zu einer gewissen Spannung zwischen der Legislative und der Exekutive führen. Es gilt jedoch sicherzustellen, daß diese Spannung so kreativ wie möglich
ist. Ein erfolgreiches Zusammenspiel zwischen den
drei Elementen der zivilen Kontrolle - den Zivilisten,
den militärischen Fachleuten und den Parlamentariern - ist davon abhängig, daß die verschiedenen
Gruppen die fachliche Kompetenz der jeweils anderen respektieren.
Die demokratische politische Kontrolle der Streitkräfte
ist daher mehr als eine bloße Festlegung von Gesetzen und Verfahrensweisen; sie ist ein Prozeß, an
dem die Parlamentarier wesentlich beteiligt sind. Das
PFP-Programm und seine zahlreichen Aktivitäten
werden auf der Regierungsebene die nötigen Voraussetzungen für eine Annäherung der Staaten in
diesem entscheidenden Bereich schaffen.
Die
Nordatlantische Versammlung wird ihrerseits weiterhin ihren Teil dazu beitragen, daß die Parlamentarier
sich aktiv und konstruktiv an der Erarbeitung der
Verteidigungspolitik beteiligen und sicherstellen
können, daß die politische Kontrolle auch auf wirklich
demokratische Weise erfolgt.

*

*

Seite 5

�MENSCHENRECHTE
21. Dezember 1994

UNO-GREMIUM MISSBILLIGT
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
Verabschiedung von Resolutionen
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der dritte Ausschuß
der UN-Generalversammlung verurteilte am 13.
Dezember 1994 ausdrücklich den Irak für seine
"massiven Menschenrechtsverletzungen gravierendster Art" mit Massenexekutionen, politischen Attentaten in der kurdischen und schiitischen Region,
systematischer Folter sowie Dekreten, in denen
grausame und ungewöhnliche Strafen vorgeschrieben werden.
Der Ausschuß, der sich mit sozialen, humanitären
und kulturellen Themen befaßt, verabschiedete mit
überwältigender Mehrheit die scharf formulierte
Resolution nach Prüfung eines Berichts des Sonderberichterstatters der UN-Menschenrechtskommission, Max van der Stoel, der den Irak seit mehreren
Jahren nicht besuchen durfte.
Der Ausschuß billigte diese und andere Maßnahmen
am 13. und 14. Dezember, darunter Resolutionen
über Menschenrechtspraktiken in Irak, Sudan und
Birma.
Die Abstimmung über die Irak-Resolution erfolgte mit
105 zu 3 Stimmen bei 45 Enthaltungen. Die einzigen Länder, die gemeinsam mit dem Irak gegen
die Maßnahme entschieden, waren Libyen und der
Sudan.
Der Sudan unterliegt aufgrund seiner
Menschenrechtsbilanz selbst internationaler Prüfung.
Die Abstimmung des Ausschusses, zu dem Vertreter
aller UN-Mitgliedstaaten gehören, ist im allgemeinen
ein Indikator für die Abstimmung über die Resolution
im Plenum der Generalversammlung, die für nächste
Woche anberaumt ist.
Die Resolution mißbilligte ferner die Weigerung von
Bagdad zur Zusammenarbeit mit dem UN-Sicherheitsrat beim Verkauf von Öl im Wert von 1,6
Milliarden Dollar als Bezahlung für die dringend
benötigte humanitäre Hilfe, wodurch der irakischen
Bevölkerung angemessene Nahrungsmittel- und
medizinische Versorgung verwehrt wird. Die Resolution brachte "besondere Bestürzung" über die
repressiven Praktiken der Regierung gegen die
Kurden zum Ausdruck, die Auswirkungen auf das

AMERIKA DIENST 50

Leben der gesamten irakischen Bevölkerung haben,
und forderte die Regierung zur unverzüglichen
Beendigung der Austrocknung der Marschen im
Süden sowie ihrer militärischen Aktivitäten gegen die
in den Marschen lebenden Araber auf.
In seinem Bericht stellte van der Stoel fest, die
Menschenrechtssituation im Irak habe sich im vergangenen Jahr verschlechtert, als das Regime in
Bagdad Folter, Terror sowie die Verweigerung von
Nahrungsmitteln und Gesundheitsfürsorge zur Kontrolle des Volkes einsetzte. Van der Stoel verwies
auch auf ein neues Dekret, unter dem Dieben die
Amputation ihrer Ohren und Füße angedroht und ein
"x" auf ihre Stirn gebrandmarkt wird. Dem Sonderberichterstatter zufolge betreffen diese Dekrete auch
große Teile der Bevölkerung und sind durch die
Gerichtsbarkeit der Republik Irak anwendbar. "Damit
stellen sie eine Form der Folter dar."
Van der Stoel erklärte, "Agenten des Irak zugeschriebene politische Attentate charakterisieren die Menschenrechtssituation im Irak", und durch diese Form
des Terrors unterdrücke die Regierung die Opposition.
"Jedes Zeichen von Opposition - selbst das kleinste
Anzeichen, daß eine Person nicht vollständig mit der
Regierung übereinstimmt - kann zu Folter, Inhaftierung oder sogar zum Verlust des Lebens führen", so
van der Stoel.
In einer getrennten Resolution forderte der Ausschuß
ferner die kubanische Regierung zur Einhaltung
internationaler Menschenrechtsnormen und zur
Beendigung der Bestrafung von politischen Gegnern
auf.
Die Resolution, die an Havanna appelliert, den
Besuch des Sonderberichterstatters in Kuba zu
gestatten, wurde mit 62 zu 22 Stimmen bei 64
Enthaltungen verabschiedet. Die meisten lateinamerikanischen Staaten mit Ausnahme von Argentinien enthielten sich der Stimme, aber Rußland und
die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, die

Seite 1

�während des Kalten Krieges enge Beziehungen zu
Kuba unterhielten, stimmten zugunsten der Resolution.
Die Resolution "bedauert ausdrücklich die zahlreichen unbestrittenen Berichte über Verletzungen von
Grundrechten und -freiheiten", die im Dokument des
Sonderberichterstatters Carl-Johan Groth enthalten
sind, der das Land nicht besuchen durfte. Die
Resolution fordert die Regierung darüber hinaus auf,
mit Groth zusammenzuarbeiten sowie ihm uneingeschränkten und freien Zugang zu Regierungsvertretern und Bürgern in ganz Kuba zu gestatten.
In seinem Bericht machte Groth politische Unterdrückung und die Wirtschaftspraktiken der Regierung
für die Probleme Kubas mit der Feststellung verantwortlich, die zugrundeliegenden Ursachen seien
vornehmlich institutioneller und innenpolitischer
Natur.
"Die gängige politische Repression verhindert die
Suche nach Lösungen der Probleme einer Gesellschaft in einer ernsthaften Krise und verursacht
gleichzeitig tragische Situationen beim einzelnen und
der gesamten Bevölkerung", erläuterte der Sonderberichterstatter in seinem 22seitigen Dokument. Er
führte gravierende Probleme und Verletzungen von
Menschenrechtsnormen bei Rede- und Koalitionsfreiheit auf, dem Recht zur Gründung und dem
Beitritt zu Gewerkschaften, Pressefreiheit, dem
Recht auf Aus- und Einreise, Haftbedingungen sowie
dem Genuß wirtschaftlicher, sozialer und kultureller
Rechte.
Obwohl wirtschaftliche Unzulänglichkeiten nicht
zwangsläufig Menschenrechtsverletzungen darstellen, sind diese Mängel Groth zufolge "ein Hindernis für jede Art von Reformen, die Menschenrechtsverletzungen beseitigen oder zumindest mildem
sollen".
Der Ausschuß brachte auch seine "tiefe Besorgnis
über die ernsthaften und andauernden Menschenrechtsverletzungen im Sudan zum Ausdruck, darunter Massenexekutionen, Inhaftierungen ohne
ordentliches Gerichtsverfahren, Zwangsumsiedlungen, Folter und Zwangsarbeit".
Bei der Annahme der Resolution mit 93 zu 13
Stimmen bei 47 Enthaltungen forderte der Ausschuß
die Regierung des Sudan zur unverzüglichen Einstellung aller Luftangriffe auf zivile Ziele im südlichen
Sudan auf. Der Ausschuß appellierte ferner an die
Regierung und die anderen kriegführenden Parteien,
einem sofortigen Waffenstillstand zuzustimmen, ihre
Anstrengungen zu einer Beilegung der Streitigkeiten
zu verdoppeln und humanitären Organisationen die

Seite 2

Lieferung der dringend benötigten Hilfe für die
Zivilbevölkerung zu gestatten.
Die Resolution gründete sich auf das letzten Monat
von Sonderberichterstatter Gaspar Biro vorgelegte
Dokument, in dem Biro besondere Aufmerksamkeit
auf willkürliche Luftangriffe der Regierung auf die
Zivilbevölkerung, den Einsatz von Kindern als Soldaten durch alle Parteien, die andauernde Einmischung aller Parteien in die Verteilung humanitärer
Hilfslieferungen und den zunehmenden Einsatz von
Landminen lenkte.
Biro stellte fest, alle von den Sicherheitskräften der
Regierung Verhafteten riskierten "schlechte Behandlung" und die geheime Inhaftierung in als "Geisterhäusern" bezeichneten Zentren. Er erwähnte den
Fall von Vater Aliaba James Surer, einem in Khartum
lebenden Politiker, der offensichtlich im Mai verhaftet,
geprügelt und gefoltert wurde, weil er 1993 mit Biro
gesprochen hatte.
Obwohl Biro die Volksbefreiungsarmee des Sudan
(SPLA) für die Plünderung der Hilfslieferungen
verantwortlich machte, ging er besonders hart mit der
Regierung ins Gericht und beschuldigte sie einer
willkürlichen Politik, Mitarbeitern von Hilfsorganisationen den Zugang zu bestimmten Gebieten zu verweigern, insbesondere Fluggenehmigungen in Zonen,
in denen von ernsthaften Menschenrechtsverletzungen der Regierung berichtet wird, oder Zonen wie die
Nubaberge, die von der SPLA kontrolliert werden.
"Frauen und Kinder sind weiterhin die verletzlichsten
Gruppen, die mutwillig von Agenten zum Ziel gemacht werden, die für die Regierung des Sudan und
in ihrem Namen handeln", äußerte Biro, der auch die
Aufmerksamkeit auf die Studenten lenkte, die "zunehmend Opfer der Unterdrückung durch die Sicherheitsund Polizeikräfte werden".
In der einstimmig angenommenen Resolution zu
Birma mißbilligte der Ausschuß die andauernden
Menschenrechtsverletzungen in diesem Land und
forderte Rangun zur unverzüglichen und bedingungslosen Freilassung der Nobelpreisträgerin Aung San
Suu Kyi auf.
Die Resolution appelliert an Birma, die Menschenrechte einzuhalten und Zwangsarbeit, Folter, Mißbrauch von Frauen, Verschleppung und Massenexekutionen zu beenden. Die Vereinten Nationen
und Menschenrechtsgruppen haben über Zwangsarbeit bei Bahnarbeiten und Bauprojekten ohne
Bezahlung, Nahrungsmittel oder medizinische Versorgung berichtet. Das Militär wurde der Vergewaltigung von Frauen beschuldigt und es gab Berichte,

AMERIKA DIENST 50

�daß die Zahl von zur Prostitution nach Thailand
verkauften Frauen zunimmt.
Die verglichen mit den Resolutionen vorheriger

Jahre gemäßigter formulierte Resolution begrüßt die
jüngsten Treffen zwischen der Regierung und Aung
San Suu Kyi sowie die Gespräche der Regierung mit
Generalsekretär Boutros-Ghali.

* * * * *

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�AIDS
21. Dezember 1994

NEUES UN-PROGRAMM ZUR BEKÄMPFUNG
DER EPIDEMIE
Versuchsreihen für Impfstoff
GENF - (AD) - Der Direktor des neuen gemeinsamen AIDS-Programms der Vereinten Nationen
erklärte bei einer Pressekonferenz am 16. Dezember
1994, er beabsichtige einen vielschichtigen Ansatz
zur Bekämpfung der Epidemie, der Entwicklung und
Menschenrechte fördert sowie sich auf die Auswirkungen der Krankheit für den einzelnen, die
Gemeinden und Gesundheitsämter konzentriert.
"Bereits vor fünf oder zehn Jahren wurde klar, daß
diese Krankheit alle Schichten und alle Aspekte der
Gesellschaft und des menschlichen Lebens betrifft",
stellte Dr. Peter Piot fest. "Bei der Vorbeugung
gegen AIDS und der Kontrolle der Epidemie gibt es
kein Patentrezept oder nur einen allgemeingültigen
Ansatz."
"Die Herausforderung" des neuen behördenübergreifenden Programms bestehe darin, "das richtige
Gleichgewicht zu finden", so Piot.

"Wir betreten mit der Zusammenführung der sechs
Behörden in dieser Art Neuland, aber ich bin zuversichtlich, daß wir es aufgrund der Natur des Problems
schaffen, das Behörden ebenso verbinden kann wie
es Menschen verbindet".
In vieler Hinsicht wird das gemeinsame Programm
"eine Art Testfall oder Experiment" für die behördenübergreifende Zusammenarbeit der Vereinten Nationen bei anderen globalen Themen", fügte Piot hinzu.
Seit 1987 wurden die internationalen Bestrebungen
zur Bekämpfung der AIDS-Epidemie vom Globalen
AIDS-Programm der WHO (Global Program on AIDS
- GPA) koordiniert. Das WHO-Programm wird seine
Arbeit unter der Leitung von Dr. Michael Merson bis
Ende 1995 fortsetzen, wenn einige seiner Komponenten Piot zufolge von dem neuen behördenübergreifenden Programm übernommen werden.
Sitz des Programms wird Genf sein.

Das Programm der Vereinten Nationen kombiniert
die Maßnahmen zur AIDS-Bekämpfung sechs
unterschiedlicher Programme: Des Kinderhilfswerks
der Vereinten Nationen (UNICEF), des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), der
Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur (UNESCO), des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNPF), der
Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation
(WHO).
Am 12. Dezember 1994 ernannte UN-Generalsekretär Boutros-Ghali Piot, einen 45jährigen belgischen
Arzt, der seit über einem Jahrzehnt auf dem Gebiet
der AIDS-Forschung und -Bekämpfung tätig ist, zum
Leiter des neuen Programms. Das Ziel der gemeinsamen Bestrebungen, erläuterte Boutros-Ghali, sei
die "Harmonisierung unserer Bemühungen, Koordinierung unserer Aktionen und Verringerung von
Duplizität".
Piot stellte fest, er gebe sich "keinen Illusionen
bezüglich der bevorstehenden Herausforderungen
hin".

AMERIKA DIENST 50

Am Anfang versuchte die internationale Staatengemeinschaft, AIDS als reines Gesundheitsproblem zu
bewältigen, erklärte Piot, aber "im Lauf der Jahre
haben wir gesehen, daß das nicht genug ist".
Das neue Programm wird sich auch eingehender mit
den Auswirkungen der Krankheit auf den einzelnen,
die Gemeinden und Gesundheitsämter befassen, so
Piot.
Die WHO wird medizinisches und technisches Fachwissen für das Programm zur Verfügung stellen und
die Anfang dieses Jahres unterbreiteten Pläne für
Versuchsreihen mit Impfstoffen in die Praxis umsetzen.
Die WHO erteilte ihre Zustimmung zu umfassenden
Versuchsreihen mit gentechnisch manipulierten
Impfstoffen bei einem Treffen vom 13.-14. Oktober
1994. Der WHO zufolge erwiesen sich die Impfstoffe
bei kleinen Versuchsreihen am Menschen als sicher
und haben erwiesenermaßen Schimpansen vor der

Seite 1

�Infektion mit den humanen Immunschwächeviren
(HIV) geschützt, die AIDS verursachen.
Die Vorbereitungen für die großangelegten Versuchsreihen mit zwei Impfstoffen sind jetzt im
Gange, so Piot, aber die tatsächlichen Versuchsreihen werden wegen der Pilotstudien und der noch
zu leistenden Vorbereitungsarbeit erst in zwei Jahren
beginnen.
*

Seite 2

*

Zwei Länder - Thailand und Brasilien - haben ihr
Interesse für eine Teilnahme an den Versuchsreihen
zum Ausdruck gebracht, und es wurde ein Gesamtplan entworfen. Der genaue Umfang der umfassenden Testreihen wurde noch nicht festgelegt, könnte
sich aber auf 3.000 bis 20.000 Menschen erstrecken,
äußerte Piot.

*

*

AMERIKA DIENST 50

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12289">
              <text>21.12.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12290">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12291">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12292">
              <text>Amerikadienst 21.12.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12293">
              <text>&lt;strong&gt;1. Innenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton schlägt Steuersenkungen für Mittelschicht vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten an die Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Nichtverbreitungspolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Lynn Davis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die demokratische Kontrolle der Streitkräfte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Charlie Rose&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;UNO-Gremium missbilligt Menschenrechtsverletzungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verabschiedung von Resolutionen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues UN-Programm zur Bekämpfung der Epidemie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Versuchsreihen für Impfstoff&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
