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1

^ *

VON

1

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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

47

GATT

MILITÄR

30. November 1994

CLINTON: GATT-ABKOMMEN WIRD
WELTWEITE FÜHRUNGSROLLE DER USA
STÄRKEN
Ansprache des Präsidenten

DIPLOMATIE UND GEWALT IM

21. JAHRHUNDERT
von General Shalikashvili

HANDEL

TECHNOLOGIE UND HANDEL
ERGÄNZUNG STATT ERSATZ
von Jay Stowsky

KULTUR

AFROAMERIKANISCHE KUNSTLER IM
SMITHSONIAN MUSEUM
Größte Ausstellung seit fünf Jahren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax:0228-334102

�GATT
30. November 1994

CLINTON: GATT-AB KOMMEN WIRD WELTWEITE
FÜHRUNGSROLLE DER USA STÄRKEN
Ansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton sieht das Handelsabkommen der Uruguay-Runde als Teil des
Prozesses einer globalen Handelsliberalisierung, der die Führungsrolle der Vereinigten Staaten in den
kommenden Jahrzehnten stärken wird.
Mit der am 28. November 1994 im Weißen Haus gehaltenen nachfolgend veröffentlichten Ansprache Präsident
Clintons vor früheren und derzeitigen Mitgliedern der Administrationen von Demokraten und Republikanern
wurden die letzten Versuche eingeleitet, die Unterstützung des Kongresses für das Handelsabkommen zu
gewinnen. Die Abstimmung im Repräsentantenhaus ist für den 29. November und im Senat für den 1.
Dezember 1994 anberaumt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache des Präsidenten.

Verehrte Gäste. Durch Ihre Anwesenheit stellen Sie
unter Beweis, daß dieses GATT-Abkommen nicht
nur Handelsschranken niederreißt, sondern auch
Differenzen zwischen Parteien, Philosophien und
Ideologien ausräumt. Ich danke Ihnen allen.
Zweifelsohne haben wir heute demonstriert, daß es
keinen parteipolitischen Eigentümerstolz auf das
GATT-Abkommen gibt. Es ist weder ein republikanisches noch ein demokratisches Abkommen, sondern
ein amerikanisches, das allen Amerikanern in jeder
Region unseres Landes dienen soll.
Jim Baker hat äußerst eloquent ausgeführt, daß
dieses Abkommen einer weitere historische Entscheidung für die Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert darstellt. Als wir uns nach dem Ersten
Weltkrieg unserer Führungsrolle und unserer Verantwortung entzogen, zahlte die Welt einen hohen
Preis. Als wir wie nach dem Zweiten Weltkrieg
versuchten, eine Führungsrolle zu übernehmen, hat
dies nicht nur der Welt, sondern auch den Menschen
in den Vereinigten Staaten geholfen. Die Mittelschicht hat sich in beispielloser Weise vergrößert,
und die Arbeitnehmerfamilien in unserem Land
lernten in den Jahren Wohlstand kennen, in denen
wir ein System zu errichten versuchten, das nach
dem Zweiten Weltkrieg Frieden und Sicherheit
erhalten sowie Wohlstand fördern würde.
Wir haben hier im Inland alles in unserer Macht
Stehende getan, um die uns konfrontierenden

AMERIKA DIENST 47

schwierigen und erschreckenden wirtschaftlichen
Herausforderungen zu bewältigen, das Defizit abzubauen, den Regierungsapparat abzuspecken und
gleichzeitig unsere Investitionen in Ausbildung,
Technologie und Rüstungskonversion zu erhöhen.
Wir wissen jedoch, daß wir ohne die Fähigkeit zur
Erweiterung des Handels und zur Schaffung von
mehr wirtschaftlichen Chancen erstens nicht in der
Lage sind, unserer globalen Verantwortung, und
zweitens unserer Verantwortung gegenüber dem
amerikanischen Volk gerecht zu werden.
Ich möchte gerne ein drittes Argument vorbringen,
das mir sehr am Herzen liegt. Es wurde gegen
dieses Abkommen und gegen das NAFTA geäußert.
Jim Miller hat das Argument gekonnt widerlegt, das
GATT sei ein "budget buster" (Haushaltsbelastung
aufgrund kurzfristiger Verluste an Steuereinnahmen.
Anm. d. Red.) und würde in gewisser Weise unsere
Souveränität einschränken. Es gibt jedoch noch eine
andere Argumentation gegen dieses Handelsabkommen, die heute nicht erwähnt wurde, dieser ganzen
Debatte jedoch zugrunde liegt. Sie war in dem
Artikel enthalten, den ein mir für gewöhnlich wohlgesonnener Journalist geschrieben hat. Dort stand
zu lesen, schon wieder hat er eine dieser verrückten,
zum Scheitern verurteilten Wirtschaftsideen mit
seinem Einsatz für das GATT-Abkommen, das nur
ein weiteres Rezept für den Niedergang der einkommensschwachen Amerikaner ist, was der Grund für
die Schwierigkeiten ist, in denen sich die Demokrati-

Seite 1

�sehe Partei heute befindet - Dinge zu tun, die
schlicht und einfach die Arbeiter umbringen.
Das Argument ist falsch. Aber es ist wirklich die
unterschwellige Opposition gegen das GATT. Es
wird argumentiert, da wir in einer Weltwirtschaft
leben und es an anderen Orten Menschen gibt, die
für Löhne arbeiten, die unter unserem Existenzminimum liegen, würde eine Öffnung unserer Märkte
dazu führen, daß sie unsere Arbeitnehmer ersetzen
und den besorgniserregendsten Trend im modernen
amerikanischen Leben verschlimmern: Die Löhne
männlicher Arbeitnehmer ohne Collegeabschluß in
den Vereinigten Staaten sind in den letzten 10
Jahren inflationsbereinigt um 12 Prozent gesunken.
Dieses Argument hat eine große oberflächliche
Anziehungskraft. Warum ist es falsch? Wenn wir
nichts unternehmen, werden aufgrund ausländischer
Konkurrenz Entlassungen erforderlich. Wenn wir
jedoch handeln und eine Führungsrolle übernehmen,
erschließen wir andere Märkte für unsere Produkte.
In den letzten Jahren hat unsere Nation eine schwierige Zeit erlebt, um ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Jetzt können wir
überall verkaufen und konkurrenzfähig sein.
In unseren Diskussionen über das NAFTA wurde
dasselbe Argument angeführt. Was ist geschehen?
In diesem Jahr wurden 100.000 neue Arbeitsplätze
geschaffen. Die Exporte amerikanischer Autos nach
Mexiko stiegen um 500 Prozent an. Worüber hört
man in Detroit derzeit die lautesten Klagen? Die
Arbeitnehmer müssen zuviele Überstunden machen.
Wenn man sich an die Situation vor zehn Jahren
erinnert, könnte man das als ein "elitäres" Problem
bezeichnen.
Das ist also das Problem, mit dem wir uns in Amerika konfrontiert sehen. Und der Unmut derjenigen,
die immer härter arbeiten und immer weniger dafür
bekommen, die das Gefühl haben, sie hätten sich an
die Spielregeln gehalten und seien betrogen worden
- dieser Unmut wird in einer Wahl nach der anderen
auf unterschiedliche und unberechenbare Weise
demonstriert, wie 1992 und 1994. Es liegt jedoch in
unserer Verantwortung, das zu tun, was für diese
Menschen langfristig das Beste ist. Das ist unsere
Aufgabe. Und der einzige Weg hierzu ist die Erschließung weiterer Märkte für amerikanische
Produkte und Dienstleistungen sowie die Öffnung
unserer Märkte für andere.
Wir müssen das Niveau lebenslanger Aus- und
Weiterbildung für die arbeitende Bevölkerung Amerikas verbessern. Wir müssen einige der ernsten,

speziellen Probleme der amerikanischen Wirtschaft
angehen. Aber letztlich werden der Privatsektor
dieses Landes und die Arbeitnehmer dieses Landes
ihre Arbeit tun, wenn sie zumindest teilweise Zugang
zu den Gebieten der Welt mit den höchsten Wachstumsraten haben. Und was sind die Wachstumsgebiete der Welt? Nicht die reichen Industrieländer,
sondern Lateinamerika, Asien und andere Regionen.
Das GATT, das NAFTA, unsere gemeinsamen
Bestrebungen mit den Ländern des asiatisch-pazifischen Raums und die für den Gipfel amerikanischer
Staaten gesetzten Ziele führen dazu, daß Amerika
weiterhin eine Führungsrolle in der Welt einnimmt, die
uns eine Fortsetzung der Dinge gestattet, die am
Ende des Kalten Krieges geboten waren: Fortgesetztes Engagment, fortgesetzte Führungsolle, Einsatz für
eine friedlichere, sicherere und wohlhabendere Welt
und gleichzeitig Umgang mit den schrecklichen,
nagenden Schwierigkeiten, denen sich heute Millionen amerikanischer Familien gegenübersehen.
Es gibt keine andere Möglichkeit zur Bewältigung
dieser Situation. Es gibt keine einfache Lösung, kein
Motto, um die Probleme zu vertreiben. Ein solcher
Ansatz wird die unterschwellige Angst von Abermillionen von Amerikanern und, so könnte ich hinzufügen,
Millionen Europäern, Millionen Japanern und Menschen in modernen Volkswirtschaften weltweit mildern
und gleichzeitig die Welt zu einem besseren Ort und
die Zukunft für unsere Kinder sicherer machen. Wir
müssen jetzt handeln. Wir können nicht bis zum
nächsten Jahr warten. Wir wollen das Ganze nicht
überladen wie einen Weihnachtsbaum und Gefahr
laufen, alles zu verlieren.
Wenn ich im vergangenen halben Jahr mit einem
Staatsmann sprach, habe ich mir jedesmal dieselbe
Frage gestellt: Wann werden die Vereinigten Staaten
beim GATT handeln? Die übrige Welt schaut auf
uns.
Wir haben die große Chance, das durchschnittliche
Einkommen der Familien in diesem Land in den
kommenden Jahren um 1.700 Dollar zu erhöhen,
Hunderttausende hochbezahlter Arbeitsplätze zu
schaffen, die größte weltweite Steuersenkung in der
Geschichte herbeizuführen und unseren beiden
Verantwortungsbereichen gerecht zu werden unserer Verantwortung, in der Welt Führung und
Engagement zu zeigen sowie unserer Verantwortung,
den Menschen in unserem Land zu helfen.
Wir müssen Fortschritte machen und jetzt handeln.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 47

�MILITÄR
30. November 1994

DIPLOMATIE UND GEWALT IM 21. JAHRHUNDERT
von General Shalikashvili
Der nachfolgende Artikel basiert auf einer im Institut für diplomatische Studien der Georgetown University
gehaltenen Vorlesung. John Shalikashvili ist Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs.

WASHINGTON - (AD) - Für das Thema "Diplomatie
und Gewalt" hätte man wohl keinen angemesseneren Zeitpunkt wählen können. Wir sind Zeuge eines
wiederauflebenden Interesses an diesen beiden
grundlegenden Elementen amerikanischer Macht.
Das sollte uns jedoch nicht überraschen, denn in
den letzten Jahren sind wir zu der Erkenntnis
gelangt, daß die Welt sich tatsächlich so tiefgreifend
verändert hat, daß wir jetzt das Verhältnis zwischen
amerikanischer Diplomatie und Gewalt neu überdenken müssen. Meines Erachtens sind wir mit zwei
Herausforderungen konfrontiert, mit zwei Fragen, die
wir angehen müssen:
Erstens müssen wir das Verhältnis zwischen Diplomatie und Gewalt in der Zeit nach dem Kalten Krieg
neu definieren, diese beiden Elemente unserer
nationalen Macht zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels führen, einsetzen und im Gleichgewicht
halten, insbesondere an der Schwelle zum 21.
Jahrhundert.
Zweitens müssen wir den Umgang mit einer wachsenden Zahl von sogenannten "nichtkriegerischen
Operationen" erlernen - dem Somalia, Ruanda, Haiti
und Bosnien von heute und morgen, denn ich bin
der Ansicht, daß wir auch im kommenden Jahrhundert mit dieser Art von nichtkriegerischen Operationen konfrontiert werden.

und die bipolare Struktur, an die wir uns schon lange
gewöhnt hatten, vor unseren Augen zerfiel.
Jetzt, drei bis vier Jahre später, nach dem Golfkrieg,
den Ereignissen in Somalia, Ruanda, Jugoslawien,
den jüngsten Schwierigkeiten in Nordkorea, Haiti ...
sind wir zu der Erkenntnis gelangt, daß unsere
weltweite Führungsrolle etwas sehr Wertvolles
darstellt. Wir haben auch gelernt, daß eine Beibehaltung unserer Führungsrolle wahrscheinlich nicht
möglich ist, wenn wir nicht zum Einsatz einer unserer
beiden großen Stärken bereit sind - militärischer
Gewalt.
Wenn wir im nächsten Jahrhundert das Richtige tun
wollen - und das werden wir - müssen wir meiner
Ansicht nach bei dieser Partnerschaft zwischen
Diplomatie und Gewalt das richtige Gleichgewicht
finden.
Es ist nichts Neues, daß Diplomatie und Gewalt in
erster Linie in einer neuen Art von globalem Umfeld
und weltweiter Struktur eingesetzt werden. Wir sind
jetzt fester Bestandteil einer multipolaren Welt, und
verglichen mit gestern sind die Gegebenheiten viel
komplexer und flexibler, sie bewegen und verändern
sich schneller als in den letzten Jahrzehnten üblich.

Angesichts der Probleme und Entscheidungen, mit
denen wir uns in den vergangenen Jahren konfrontiert sahen, scheinen die Probleme der sechziger, siebziger und selbst der achtziger Jahre nicht
sehr dramatisch gewesen zu sein. Als die Eindämmung zu einer Strategie heranreifte, blieb
einfach immer weniger Raum für Uneinigkeit zwischen Diplomaten und Soldaten.

Amerika hat immer noch einzigartige Macht und
Überzeugungskraft in der Welt. Wir sind die reichste
Nation, obwohl unsere Position gemessen an unserem Anteil an der Weltproduktion seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs beträchtlich schwächer geworden
ist. Wir haben immer noch die besten und mächtigsten Streitkräfte der Welt, aber um diese Macht ins
Ausland zu projizieren, greifen wir auf die Stützpunkte
anderer Nationen, auf Überflugrechte, Kostenteilung
und sehr häufig auf unsere Koalitionspartner zurück.

Dann fanden jedoch die großen Ereignisse Ende der
achtziger und Anfang der neunziger Jahre statt, als
plötzlich unsere kolossale Bedrohung verschwand

Es ist jedoch die Kombination dieser zwei Faktoren unserer Wirtschaftsmacht und unserer Militärmacht die uns weltweit einen solchen diplomatischen Einfluß

AMERIKA DIENST 47

Seite 1

�verleiht. Sie macht den amerikanischen Diplomaten
zum Primus inter pares.
Noch wichtiger ist vielleicht, daß es im kommenden
Jahrhundert wahrscheinlich mehr, nicht weniger
Multipolarität geben wird. China wird reicher und
mächtiger, die Russen erholen sich vom Verlust
ihres Imperiums, Deutschland von den Kosten der
Vereinigung, Tokio findet eine neue Rolle in Asien
und der Welt - und das verringert unseren Spielraum
für unilaterale Einflußnahme und unabhängiges
Handeln. Unsere Stärke wird nicht abnehmen - ich
bin äußerst optimistisch über unsere Aussichten im
nächsten Jahrhundert, aber auch optimistisch
hinsichtlich der Zukunftsaussichten anderer.
Daher besteht meines Erachtens für uns eine
wirkliche Notwendigkeit, den Rahmen für diese
multipolare Welt zu gestalten.
In der Vergangenheit hätte dies vielleicht bedeutet,
ein Gleichgewicht zwischen konkurrierenden Mächten zu finden - also die traditionelle europäische
Sicherheitslösung. Die Welt von heute ist jedoch
nicht so einfach. Es gibt Atomwaffen, die das
Mächtegleichgewicht auf eigenartige Weise verändern. Wie sonst könnte die Sowjetunion mit ihrer
derart rückständigen und verarmten Volkswirtschaft
als so mächtiger Gegner betrachtet werden?
Ferner ist es einleuchtend, daß es bei Vorhandensein eines Mächtegleichgewichts eine Nemesis gibt,
gegen die das Gleichgewicht gehalten wird. Mit
wem wollen Sie heute Ihre Macht im Gleichgewicht
halten? Und ist dies eine optimale Lösung, wenn
die Chance besteht, statt dessen allen Großmächten
kooperative globale Rollen zuzuweisen?
Das ist die erste große, uns konfrontierende Herausforderung. Wie definieren wir dieses neue Verhältnis
zwischen Diplomatie und Gewalt in diesem veränderten Zeitalter? Und wie leiten, nutzen und
gewichten wir diese beiden Elemente unserer
nationalen Macht, damit sie einem gemeinsamen
Ziel dienen?
Es besteht jedoch schon im gesamten Verlauf der
neunziger Jahre eine zweite Herausforderung, die
man von der ersten nicht trennen kann. Diese
Herausforderung ist die wachsende Zahl von Operationen, die wir beim Militär als "nichtkriegerische
Operationen" bezeichnen. Hierbei handelt es sich
um die von mir bereits erwähnten Missionen in
Somalia, Bosnien, Ruanda und Haiti. Sie reichen
von der Friedenssicherung über die Durchsetzung
des Friedens und humanitäre Operationen bis zu
den Bestrebungen im Kampf gegen den Drogenhandel, die wir in Lateinamerika und anderen Regionen

Seite 2

unternehmen. Sie finden in diesem Niemandsland
zwischen Krieg und Frieden statt, in dem die Grenze
zwischen Diplomatie und Gewalt eindeutig verwischt
ist.
Wir haben solche Operationen - wenn auch nur
selten - während des kalten Krieges durchgeführt,
und offen gesagt, haben wir das nicht immer gut
gemacht. Folglich haben wir keine erprobte Schablone, die wir jedesmal, wenn wir uns zu einer dieser
Operationen verpflichten, anlegen können. Und
meines Erachtens werden diese Operationen noch
viel komplexer, wenn die Vereinten Nationen oder die
Streitkräfte von Koalitionspartnern einbezogen sind,
denn in einem solchen Fall wird die Arbeit des
Soldaten und des Diplomaten wesentlich schwieriger.
Jeder von Ihnen, der an einer dieser Operationen
unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen
oder in einer Koalition beteiligt war, wird hoffentlich
mit mir darin übereinstimmen, daß man in einem
solchen Fall viel weniger Spielraum hat als bei
unilateralen Operationen, denn jegliche Unklarheit bei
unseren diplomatischen und militärischen Strategien
führt bei unseren Partnern schnell zur Verwirrung.
Und wenn wir wie häufig die Bestrebungen anführen,
ist dies um so bedauerlicher und gefährlicher.
Andererseits bin ich der Ansicht, daß unsere Leistungen im Verlauf des letzten Jahres besser geworden
sind. Wenn man sich Ruanda oder unser bisheriges
Vorgehen in Haiti oder in etwas anderer Weise in
Nordkorea betrachtet, kann man den Schluß ziehen,
daß das Wechselspiel zwischen Diplomatie und
Gewalt tatsächlich ziemlich gut klappte. Wir haben
also einige Lektionen gelernt, die wir in Zukunft
anwenden können. Ich kann mich an eine Zeit
erinnern, als das Militär die Diplomaten für Vertreter
der Elite in Nadelstreifen hielt, die mehr Wert auf
elegante Formulierungen als auf Taten legten.
Diese Ernüchterung war beiderseitig. Die Diplomaten
ihrerseits hielten die Angehörigen des Militärs für
Männer, die eine Schwarzweißsicht der Welt hatten
und Aktionen um der Aktionen willen befürworteten.
Wir fühlten uns in Gegenwart der Vertreter des
jeweils anderen Lagers äußerst unwohl, und beide
Institutionen bemühten sich sorgfältig um die Vermeidung von Kontakten. Wenn wir zusammentrafen,
redeten wir oft aneinander vorbei.
Die Zeiten, in denen diese Gefühle vorherrschten,
sind jedoch schon lange vorbei, vielleicht weil der
Druck des Kalten Krieges uns zu ständiger Interaktion
zwang. Um wirklich würdigen zu können, wie weit wir
gekommen sind, müssen Sie nur - wie ich kürzlich einen Tag mit Botschafterin Albright oder Botschafter
Redman verbringen und ins zerschossene Sarajevo

AMERIKA DIENST 47

�fliegen. An diesem Tag tauschten die beiden ihre
Nadelstreifen gegen kugelsichere Westen und
Blechgeschirr. Und anstatt in blitzenden Limousinen
umherzufahren, verbrachten die beiden einen Tag in
französischen Panzerkampfwagen, umgeben von
zähen und aufmerksamen jungen Wächtern.
Statt zu Besprechungen zu gehen und Nettigkeiten
auszutauschen, begaben sich beide an den Schauplatz der jüngsten Greueltaten in dieser Stadt und
prüften, wie wir die Menschen in Sarajevo ein weiteres Jahr ernähren könnten.

i

Und ich habe dasselbe Verständnis für die Risiken
in Ruanda, Somalia und auch in Haiti beobachtet,
Meines Erachtens geht es um folgendes: Bei diesen
Operationen ist es aufgrund ihrer Komplexität sowie
der Mischung von Diplomatie und Gewalt besonders
wichtig, daß unsere Diplomaten und Soldaten in
völligem Einklang operieren.
Aber es bestehen immer noch echte Differenzen
zwischen unseren Institutionen, und wir alle müssen
uns dieser Meinungsverschiedenheiten bewußt sein,
weil sie in Krisenzeiten am deutlichsten zutage
treten. Und das ist sicherlich nicht der geeignete
Zeitpunkt für Erkenntnisse.
Das Militär fühlt sich natürlich am wohlsten, wenn die
Ziele klar und präzise sind. Institutionell ist das
Militär eher auf Lösungen ausgerichtet.
Wenn
Gewalt eingesetzt wird, haben wir eine starke
Präferenz, daß dieser Einsatz von Gewalt zu dem
von uns als Sieg bezeichneten Zustand führt. Wenn
wir kämpfen, ist unser erstes Mittel die Anwendung
überwältigender Gewalt, um eine sehr rasche und
sehr entschiedene Beendigung herbeizuführen. Dies
geschieht zum Teil, weil wir glauben, daß Menschenleben auf dem Spiel stehen, aber auch, weil Rationalität durch Emotionen und Unberechenbarkeit
ersetzt wird, wenn Diplomatie erst einmal der Gewalt
gewichen ist.

,

1

Andererseits ist Diplomatie - wie der ehemalige
Außenminister Henry Kissinger bemerkte - sehr
häufig die Kunst, das Unlösbare zu bewältigen. Der
Diplomat operiert also inmitten eines Milieus der
Rationalität, einer Welt halbherziger Maßnahmen,
der Kompromisse und der Art komplexer Arrangements, die wir als "friedliche Beziehungen" bezeichnen. Ein erfahrener Diplomat ist ein Experte,
genau die Trennlinie zu ziehen, mit der beide Seiten
am wenigsten unzufrieden sind. Wenn Gewalt
eingesetzt wird, mag ein Diplomat zu Recht fragen,
ob es nicht möglich ist, genau das richtige Ausmaß
von Gewalt einzusetzen, um den spezifischen Zweck
zu erfüllen. Traditionell war dies die große Kluft
zwischen der Sichtweise der Diplomaten und des

AMERIKA DIENST 47

Militärs. Einer versucht, nur soviel Gewalt einzusetzen, um eine Verhandlungslösung herbeizuführen,
der andere - das Militär - versucht, soviel Gewalt
einzusetzen, daß der andere nachgibt.
Aber bei "nichtkriegerischen Operationen" wird diese
unterschiedliche Sichtweise leicht verzerrt und auf
den Kopf gestellt. Fast immer geht es bei dieser Art
von Operationen nicht um vitale Interessen. Und weil
unsere Interessen bei solchen Operationen begrenzt
sind, gilt dies auch für die Mittel, die wir zur Erlangung unseres Ziels einzusetzen bereit sind. Es gibt
also einen unterschwelligen Kampf um das richtige
Gleichgewicht.
Es gibt auch einen Kampf um den richtigen Weg für
den Einsatz von Gewalt, weil bei diesen nichtkriegerischen Operationen die Lager nicht gegnerische
Staaten sind, sondern kriegführende Parteien, Stämme oder ethnische Gruppen, und die Auswirkungen
von Diplomatie oder Gewalt nicht leicht kalkulierbar,
rational oder vorhersehbar sind.
Im Kalten Krieg waren wir der begrenzten Operationen müde, weil immer das Risiko bestand, daß ein
begrenzter Konflikt außer Kontrolle geraten und zu
einer Konfrontation zwischen Supermächten eskalieren könnte. Aber nun, da der Kalte Krieg beendet ist,
besteht unsere Hauptsorge bei diesen begrenzten
Operationen darin, daß die Operation zu Risiken und
Kosten eskalieren könnte, die das Maß unserer
begrenzteren Interessen überschreiten, und wir sind
uns auch bewußt, daß unsere Interessen größer
werden, sobald es Verluste amerikanischer Menschenleben gegeben hat. Daher müssen wir uns
zwangsläufig fragen, wieviele Opfer an Menschenleben können wir bei dieser speziellen Operation
ertragen?
Es geht hier nicht um eine Zögerlichkeit, amerikanische Streitkräfte für den richtigen Zweck oder in der
richtigen Weise einzusetzen. Es geht um die Frage,
für welche Interessen wir Gewalt einsetzen. Und
dann darum, wie wir unsere Risiken abwägen und die
Gewalt in geeigneter und effektiver Weise zum
Schutz dieser speziellen Interessen einsetzen. Sowie
um die Frage, ob wir uns mit weniger als einem
eindeutigen Ergebnis zufriedengeben sollten, wenn
erst einmal das Prestige der Vereinigten Staaten und
amerikanische Menschenleben auf dem Spiel stehen.
In bezug auf Bosnien hat es beispielsweise die
ständige Debatte über den Einsatz amerikanischer
Luftstreitkräfte gegeben, um die bosnischen Serben
zur Beendigung der Kämpfe zu bewegen. Ich bin
nicht so sicher, daß der Einsatz von Luftstreitkräften
allein irgendwo auf der Welt ausreicht, um eine
entschlossene Nation oder entschlossene Menschen

Seite 3

�von irgend etwas Bestimmtem zu überzeugen, aber
ich weiß mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, daß Bosnien nicht der Ort ist, dies zu probieren. Wenn man sich einmal für diesen Weg entschieden hat, löst man eine Kette von Ereignissen
aus, bei denen man nicht als einziger Entscheidungen trifft. Und wenn erst einmal das Prestige der
Vereinigten Staaten und amerikanische Menschenleben auf dem Spiel stehen, müssen wir uns stets
fragen, ob wir bereit sind, diesen Weg weiterzugehen. Ich sage nicht, daß wir Luftstreitkräfte nicht zur
Durchsetzung der UN-Schutzzonen in Bosnien oder
zum Schutz der UN-Friedenstruppen vor einem
Angriff in diesem Land einsetzen können. Bei dieser
begrenzten Aufgabe haben Luftstreitkräfte eine legitime Rolle, aber man muß sich bewußt sein, was
noch drohen kann, bevor man diese Mission erweitert.
In Ruanda wurde vorgeschlagen, wir müßten unsere
humanitären Hilfslieferungen aufstocken und zwischen den kriegführenden Parteien intervenieren.
Dies wäre ein großer Schritt über die Bereitstellung
von sauberem Wasser, Medikamenten und Nahrungsmitteln hinaus gewesen. Unser Risiko wäre
sehr viel höher gewesen und unsere Streitkräfte
hätten in einer tiefgreifenden und heftigen Auseinandersetzung untergehen können.
In Haiti, wo unsere Streitkräfte heute stationiert sind,
forderten einige von uns den Einsatz von Gewalt,
um mehr zu tun und beispielsweise die Funktionen
der Zivilpolizei zu übernehmen. Wir müssen wiederum sorgfältig prüfen, was wir und was die Haitianer
selbst zum Aufbau ihrer Nation leisten müssen.
Ich sage nicht, daß wir müßig zusehen sollen, wie
die Haitianer geprügelt und ermordet werden. Lange
bevor wir in Haiti landeten, bestand unsere Aufgabe
in der Verhinderung solcher Taten. Aber es ist eine
gefährliche Gratwanderung zwischen Maßnahmen
zur Verhinderung solcher Taten und der Übernahme
von Polizeifunktionen für eine gesamte Nation.
Verteidigungsminister Perry hat vor kurzem eine
meines Erachtens äußerst vernünftige Formel für
solche Entscheidungen vorgeschlagen. Es gibt
immer noch für die Sicherheit unserer Nation lebenswichtige Interessen. Wenn der irakische Revolutionsführer Saddam Hussein morgen angreifen
würde, würden wir keinen Moment warten, zögern
oder debattieren, eine überwältigende Streitmacht
zur Verteidigung der Region zu entsenden und einen
entschiedenen Sieg zu erringen. Wir würden sofort
Streitkräfte dislozieren und gegebenenfalls solange
kämpfen, bis die Arbeit vollbracht ist. Dies haben
wir vor kurzem getan. Und weil wir dies getan
haben, mußten wir nicht kämpfen.

Seite 4

Wir haben allerdings auch nichtvitale Interessen. Wir
haben wichtige Interessen, die klar, jedoch nicht vital
sind. In diesen Fällen sind wir zum Einsatz unserer
Militärmacht primär aus zwingenden Gründen zur
Unterstützung unserer Diplomatie bereit. Aber weil
unsere Interessen begrenzt sind, gilt dies auch für die
von uns zum Einsatz vorgesehenen Mittel. Haiti ist
ein gutes Beispiel. Hier waren wir zum begrenzten
Einsatz von Streitkräften zur Unterstützung der
Diplomatie bereit, und wäre die Diplomatie gescheitert, hätten wir Gewalt eingesetzt. Glücklicherweise
war dies nicht nötig.
Und schließlich gibt es Fälle, in denen unsere Interessen vielleicht nicht so stark sind, aber unsere
humanitären Motive ins Spiel kommen könnten.
Hierfür ist Ruanda ein gutes Beispiel. In diesem
Land war die Not so groß und die Aktionen einer
Konfliktpartei waren moralisch so verwerflich, daß wir
uns als Amerikaner nicht einfach abwenden konnten.

&gt;

Aber selbst angesichts dieser Gleichung müssen wir
meiner Ansicht nach noch etwas anderes begreifen,
wenn wir das richtige Gleichgewicht zwischen unseren Risiken und Interessen bewahren wollen. Es wird
immer die Versuchung bestehen, die Mission ein
wenig in die eine Richtung zu verlagern, oder ein
bißchen mehr Gewalt für den einen oder anderen
Zweck einzusetzen. Meines Erachtens ist der einzige
Schutz vor diesen Versuchungen - diesen der
Mission inhärenten Versuchungen - ein sehr klares
Verständnis dessen, was wir erreichen wollen, bevor
wir Streitkräfte entsenden, und dann müssen wir alle
das als Standhaftigkeit bezeichnete Prinzip einhalten,
oder wie wir im Militär sagen: "Behalten Sie stets
das Ziel im Auge".
Meiner Ansicht nach ist es dieses Prinzip, das bisher
in Ruanda Erfolg hatte und heute in Haiti erfolgreich
ist und in beiden Fällen zu einer reibungslosen
Partnerschaft zwischen Diplomaten und unserem
Militär geführt hat.
Ich bin jedoch nicht so optimistisch zu glauben, daß
wir alles gelernt haben, was wir zur Bewältigung
dieser Probleme unter zukünftigen Umständen lernen
müssen, aber wir haben meines Erachtens einige der
besten Köpfe, die an den echten Schwierigkeiten und
Problemen arbeiten, die typisch für diese nichtkriegerischen Operationen sind. Meiner Meinung nach ist
es auch sehr wichtig, daß unsere besten Köpfe
weiterhin prüfen, wie wir das Gleichgewicht zwischen
Diplomatie und Gewalt sowie ihren Zielsetzungen
herstellen können, um die richtigen Arrangements für
die Herausforderungen und Bedürfnisse des nächsten
Jahrhunderts zu treffen.

AMERIKA DIENST 47

„

I

�HANDEL
30. November 1994

TECHNOLOGIE UND HANDEL • ERGÄNZUNG
STATT ERSATZ
von Jay Stowsky
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Jay Stowsky, der dem Rat der
Wirtschaftsberater angehört. Stowsky betont darin die besondere Bedeutung von Technologie für fortgesetztes
Wachstum in den Industrieländern und verweist darauf, daß amerikanische Unternehmen aus den von
ausländischen Unternehmen entwickelten technologischen Innovationen lernen können.
Der Artikel erschien erstmals in Business America, August 1994.

In einer eng vernetzten Weltwirtschaft sind neue
Technologien grenzüberschreitend. Geschwindigkeit
und Ausmaß der Verbreitung von technologischem
Know-how über nationale Grenzen hinweg hängen
jedoch entscheidend vom Wesen der technologischen Fähigkeiten vor Ort ab. Eine auf den Zugang
zu ausländischen Märkten und Technologien abzielende Handelspolitik wird sich ohne eine sie
ergänzende Innenpolitik zur Aufrechterhaltung
technologischen Könnens im Land als unwirksam
erweisen.
Technologie ist insbesondere in Ländern mit einem
hohen Lohnniveau, wie den Vereinigten Staaten, von
Bedeutung. In immer mehr Bereichen unserer
Wirtschaft hat die Wettbewerbsfähigkeit einen
globalen Charakter angenommen. Wenn jedoch
überall dieselbe Technologie angewandt wird, haben
amerikanische Unternehmen Schwierigkeiten mit der
Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Nur wenn Sie
an vorderster Front der technolgischen Entwicklung
bleiben, können amerikanische Arbeitnehmer steigende Einkommen und fortgesetzes Wirtschaftswachstum in ihrem Land genießen.
Ein Anstieg der Exporttätigkeit heizt die wirtschaftliche Expansion im Inland an, und eine Erhöhung der
Exporte von Spitzentechnologieprodukten schafft
mehr wirtschaftliche Dynamik. Die Herstellung und
der Verkauf von Hochtechnologieprodukten bringen
für die Binnenwirtschaft überdurchschnittliche Vorteile mit sich, indem die Produktivität erhöht, die
Fähigkeiten der Arbeitnehmer verbessert und die
Beschäftigungsmöglichkeiten in Form sicherer,
hochbezahlter Arbeitsplätze vergrößert werden. Die

AMERIKA DIENST 47

Fähigkeit amerikanischer Bürger, Nutzen aus der
Herstellung und dem Verkauf von Spitzentechnologieprodukten im Ausland zu ziehen, hängt von der
Aufrechterhaltung eines offenen und international
zugänglichen Angebots neuer Produkte und Produktionstechniken ab.
Wie im Wirtschaftsbericht des Präsidenten von 1994
dargelegt, ist die Betonung einer Erweiterung des
Handels durch die Clinton-Administration von zwei
einfachen Fakten geleitet. Erstens leben die Amerikaner in einer zunehmend integrierten Weltwirtschaft
und müssen sich daher immer mehr nach außen
öffnen, um führend zu bleiben. Es besteht einfach
nicht die Möglichkeit, die Grenzen der Vereinigten
Staaten zu schließen und zu den Tagen der Isolation
in den fünfziger und sechziger Jahren zurückzukehren. Ein derartiger Versuch wäre zwecklos und nicht
nur zum Scheitern verurteilt, sondern würde auch
noch zu einer Senkung des Lebensstandards führen.
Zweitens liegen die Löhne in der Exportindustrie im
Vergleich zur gesamten Volkswirtschaft ungefähr 22
Prozent über dem Durchschnitt. Wir können die
mächtige Antriebskraft internationalen Wettbewerbs
durch Handel in unseren Dienst stellen, um Amerika
in der technolgischen Hierarchie nach oben zu
befördern und die Arbeitsplätze der Zukunft mit
amerikanischen Arbeitnehmern zu besetzen. Vor
dem Wind des Wettbewerbs abgeschirmte Unternehmen und Industriezweige neigen zur Stagnation.
Unternehmen und Industriezweige, die mit Hilfe einer
starken Innenpolitik auf dem Weltmarkt äußerst
konkurrenzfähig sind, können die schlechtbezahlten,
wenig Qualifikationen erfordernden Arbeitsplätze, die

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�unweigerlich in ärmere Länder verlagert würden,
gegen besser bezahlte, höhere Qualifikationen
erfordernde Arbeitsplätze hier in den Vereinigten
Staaten eintauschen.
Dieses Resultat wird jedoch selbst in einer offenen
Weltwirtschaft nicht in kurzer Zeit automatisch erzielt.
Um für den amerikanischen Arbeitnehmer die
größten Vorteile zu gewinnen, muß eine auf den
Marktzugang abzielende Politik von einer fortschrittlichen Ausbildungs- und Technologiepolitik im Inland
ergänzt werden. Die Beschäftigten verspüren den
Anreiz zum Erwerb technologischer Fähigkeiten,
wenn ihnen klar ist, daß sie eindeutig Nutzen aus
diesem Prozeß ziehen. Diese Vorteile variieren
jedoch abhängig von der Einstellung der Unternehmen gegenüber ihren Arbeitnehmern und der
Technologie am Arbeitsplatz.
Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens. Amerikanische
Unternehmen stellen sich der Herausforderung,
setzen neue Technologien zur Integration ihrer
Aktivitäten ein und verbessern die Qualifikationen
ihrer Beschäftigten. Jüngste Forschungsergebnisse
deuten darauf hin, daß diese Strategie, Arbeitnehmern mehr Rechte zu geben, mit der Zeit zu Produktivitätssteigerungen und größerer Wettbewerbsfähigkeit führt. Diese Möglichkeit stellt den Weg zu
mehr Wachstum, Beschäftigung sowie höheren
Löhnen und Gehältern dar.
Die Unternehmen könnten statt dessen auch neue
Technologien einführen, jedoch nicht die notwendigen Schritte zur Verbesserung der Fähigkeiten ihrer
Beschäftigten ergreifen. Um wettbewerbsfähig zu
bleiben, wären sie dann stark von Maschinen
abhängig, die Arbeitnehmer ersetzen können oder
zu deren Bedienung keine besonderen Qualifikationen erforderlich sind. Für die Arbeitnehmer könnte
dieser Weg niedrigere Löhne bedeuten.
Eine letzte Möglichkeit wäre, daß die Unternehmen
die neuen Technologien überhaupt nicht nutzen.
Das ist der Weg zum wirtschaftlichen Niedergang,
und die Unternehmen sähen sich schließlich im Inund Ausland mit Konkurrenten konfrontiert, die über
eine bessere Technologie und billigere Arbeitskräfte
verfügen. Mit anderen Worten: Damit die amerikanischen Arbeitnehmer die gesamten Vorteile eines
erhöhten Handels mit Technologieerzeugnissen
genießen können, müssen innenpolitische Maßnahmen es amerikanischen Unternehmen möglich und
wünschenswert erscheinen lassen, den Arbeitnehmern mehr Rechte zu geben.
Gleichzeitig müssen die Amerikaner sich auf den
Märkten im In- und Ausland ebenso wie ihre ausländischen Kollegen eingehend darauf vorbereiten,

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aus der derzeitigen Verbreitung globaler Technologie
Vorteile zu gewinnen.
Einfach ausgedrückt: Amerikanische Firmen können
aus den von ausländischen Firmen entwickelten
technologischen Innovationen lernen. Gemeinschaftliches Vorgehen und technologische Verbindungen zu
ausländischen Unternehmen können die Innovationskosten verringern und die technologischen Fähigkeiten beteiligter amerikanischer Firmen zum Nutzen der
amerikanischen Volkswirtschaft verbessern. Es wäre
nicht nur müßig, einen Versuch zur Beendigung
dieses Ausbreitungsprozesses zu unternehmen,
sondern würde auch unseren eigenen Interessen
zuwiderlaufen.
Die amerikanischen Interessen werden durch kontinuierliche Unterstützung der Erforschung, Entwicklung und Erweiterung von Produktionsprozessen im
Inland weiter gefördert. Diese inländischen Bestrebungen können amerikanischen Firmen und Arbeitnehmern die Fähigkeit vermitteln, die im In- und
Ausland entwickelten Technologien und besten
Praktiken rasch aufzunehmen. Sie sind eine unerläßliche Ergänzung von Maßnahmen, die auf die
Verbesserung des Zugangs zu ausländischen Märkten für amerikanische Produkte und den Zugang
amerikanischer Firmen zu von ausländischen Regierungen unterstützten
Forschungsbestrebungen
abzielen.
Dies trifft zu, weil Wirtschaftswachstum sich nicht
einfach automatisch aus der Entwicklung neuer Ideen
ergibt. Wachstum findet statt, weil diese neuen Ideen
in neue Unternehmensprozesse und neue Produkte
einbezogen werden. Die Fähigkeit, neue Ideen in
bessere Geschäftstätigkeit und bessere Produkte
umzusetzen, hängt von einer Vielzahl von Faktoren
ab, insbesondere der Arbeitsorganisation und Qualität
der Arbeitnehmer. Effektiver Einsatz neuer Technologien hängt von der erfolgreichen Organisation und
Nutzung der Qualifikationen der Arbeitnehmer ab sowohl im Büro als auch in der Fabrik.
Technologische Maßnahmen im Inland bieten der
amerikanischen Volkswirtschaft auch entscheidende
Handelsvorteile. Da sich die Ausbreitung von Technologie erstens nicht unverzüglich vollzieht, sind die
Innovatoren und diejenigen in dem Betrieb, in dem
die Innovation stattfindet, in der Lage, aus ihrem
zwischenzeitlichen Monopol bei der Innovation
kurzfristig wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Dies ist
teilweise darauf zurückzuführen, daß einige Fortschritte des technischen Know-how grundsätzlich
beim Menschen zu suchen sind. Das heißt, sie
hängen von dem beim Entwicklungs- und Herstellungsprozeß der neuen Technologie gewonnenen
Verständnis ab. Ein solches "Verständnis" kann

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�weder vollständig in Produkte oder Teile von Herstellungsgerät umgesetzt, noch wirksam in Blaupausen oder wissenschaftlichen Zeitschriften vermittelt
werden. Diese Art von Wissen kann jedoch die
Grundlage für bedeutende Vorteile desjenigen
bilden, der den ersten Schritt unternimmt, und wird
in sich rasch entwickelnden globalen Technologiemärkten mit immer kürzeren Produktionszyklen
dauerhafte Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit haben.
Solange ausländische Hersteller das gesamte Spektrum ihrer fortschrittlichsten Aktivitäten in die Vereinigten Staaten verlagern - und solange ihre heimischen Märkte offen und konkurrenzfähig sind - sollte
die Tatsache keine Rolle spielen, daß das Unternehmen in ausländischem Besitz ist. Die Verbreitung des Know-how vor Ort ist die Folge enger und
kontinuierlicher Interaktion im Netzwerk von Forschern, Herstellern und Kunden sowie ihrer Lieferanten von Einzelteilen und Gerät. Die Tatsache, daß
von der amerikanischen Regierung unterstützte
Forschungs- und Entwicklungsprogramme diese
Interaktionen und die damit einhergehende Ausbreitung des Know-how in den Vereinigten Staaten
- nicht dort, wo die Akteure selbst aus- oder inländisch sind - wahrscheinlicher machen, ist unabdingbar für die Gewährleistung, daß die amerikanische
Volkswirtschaft den Löwenanteil des wirtschaftlichen
Ertrags für die technologischen Investitionen des
amerikanischen Steuerzahlers erhält.

Diese Fortschritte bei der Entwicklung des technologischen Know-how vor Ort bieten der Binnenwirtschaft wichtige Vorteile, die Versuche zum Schutz
geistigen Eigentums nicht gewährleisten können.
Dennoch muß ein offener und zugänglicher Markt für
Technologie auch durch sehr viel stärkeren Schutz
einer Reihe von Rechten auf geistiges Eigentum,
einschließlich Patenten, Urheberrechten, Warenzeichen und Handelsgeheimnissen untermauert werden.
Die vor kurzem abgeschlossene Uruguay-Runde des
GATT spricht viele dieser Probleme zum ersten Mal
an, und da die Vereinigten Staaten das Heimatland
so vieler kommerzieller Innovationen aus- und
inländischer Firmen sind, werden wir von dem
Abkommen in hohem Maße profitieren.
Die Handels- und Technologiepolitik der Nation kann
daher in einer Art und Weise koordiniert werden, die
sowohl kurzfristig das nationale wirtschaftliche Wohlergehen als auch langfristig ein offeneres internationales Handelssystem unterstützt. Die Handelsgesetze des Landes müssen auf die Erweiterung von
Exportchancen für amerikanische Hersteller von
Hochtechnologieprodukten ausgerichtet werden, aber
die Handelsgesetze können keinen Ersatz für innenpolitische Initiativen darstellen.
Die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Hochtechnologieindustrien hängt von den Entscheidungen
ab, die Amerikaner im Inland über Forschung und
Entwicklung, Bildung und Ausbildung sowie ihre
Bereitschaft treffen, heute zu investieren, um morgen
dauerhafte Chancen für technologische Innovation
und Wirtschaftswachstum sicherzustellen.

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�KULTUR
30. November 1994

AFROAMERIKANISCHE KÜNSTLER IM
SMITHSONIAN MUSEUM
Größte Ausstellung seit fünf Jahren
WASHINGTON - (AD) - Afroamerikanische Künstler
haben nahezu 200 Jahre benötigt, um einen Platz in
der amerikanischen Kunstwelt zu erobern.
Dank einer bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden spektakulären Retrospektive von Werken
schwarzer Künstler, die jetzt in der Bundeshauptstadt Washington zu sehen ist, wird diese Situation
jedoch behoben.
Die Ausstellung Free Within Ourselves: AfricanAmerican Art from the Museum's Collection zeigt
188 Werke von 94 Künstlern, die sich im Besitz des
National Museum of American Art der Smithsonian
Institution befinden.
Zweifelsohne öffnet diese
farbenprächtige, Denkanstöße vermittelnde Ausstellung - die größte des Museums seit fünf Jahren die Augen und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
"Der Umfang der Arbeiten wird sicherlich viele
Besucher überraschen", prognostizierte die Museumsdirektorin Elizabeth Broun. "Wir sind stolz,
daß eine Ausstellung dieses Ausmaßes ausschließlich aus der ständigen Sammlung des Museums
zusammengestellt werden konnte, das erst seit 1966
die ersten Werke afroamerikanischer Künstler zu
sammeln begann."
Die Kuratorin für Malerei und Bildhauerei, Lynda
Hartigan, suchte die Werke aus und erklärte in
einem Interview, die Ausstellung zeige Arbeiten
professioneller und autodidaktischer Künstler in allen
Stilrichtungen. Die Exponate reichen von frühen
Landschaften und Skulpturen von Robert Scott
Duncanson, Joshua Johnson und Edmonia Lewis bis
zu so international anerkannten Modernen wie Sam
Gilliam, Elizabeth Catlett und Jacob Lawrence. Zu
den Werken zählen Gemälde von durch die Harlemer Renaissance der zwanziger Jahre inspirierten
oder durch die darauffolgenden staatlichen Kunstprogramme geförderten Künstlern wie Augusta
Savage, Palmer Hayden und Beauford Delaney.
Umfangreich dargestellt sind Arbeiten auf Papier und
Gemälde anerkannter Meister wie Edward Mitchell

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Bannister, Henry Ossawa Tanner und William H.
Johnson, deren Werke viele Stilrichtungen umfassen.
Zu den ausgestellten Autodidakten gehören Bill
Traylor, William Edmonston, Sister Gertrude Morgan
und Thornton Dial, Sr., dessen Gemälde Top of the
Line sowohl folkloristischer als auch zeitgenössischer
Kunst zugeschrieben werden kann.
Abgerundet wird die Ausstellung durch 141 jüngst
erworbene Gemälde und Skulpturen aus der Zeit
nach 1950 sowie der Fotographie des 20. Jahrhunderts. Darunter sind Gemälde von Norman Lewis
und Hughie Lee-Smith, Skulpturen von Melvin Edwards und John Scott sowie Fotographien von James
Van Der Zee, Roy DeCarava und Roland Freeman.
Das Museum hat die Fotographie-Sammlung im Jahr
1990 begonnen.

Hartigan wählte den Großteil der Stücke aus bereits
in der ständigen Sammlung des Museums befindlichen Werken aus, die jetzt 2.000 Arbeiten von 140
afroamerikanischen Künstlern umfaßt. Die Sammlung des Museums, so Hartigan, ist bei weitem die
größte und beste derzeit in den Vereinigten Staaten
verfügbare Zusammenstellung von Werken schwarzer
Künstler.
"Das Musuem hat seine Sammlung seit Mitte der
sechziger Jahre mit Hilfe zahlreicher Kuratoren
aufgebaut", stellte Hartigan fest und fügte hinzu, sie
und die anderen hätten ungefähr fünf Monate an
dieser Ausstellung gearbeitet. Als Spezialistin in
afroamerikanischer Kunst hat sie auch an der kleineren Wanderausstellung des Museums von Free
Within Ourselves mitgewirkt, die als Ausgangspunkt
für diese Ausstellung diente. Sie war ferner maßgeblich an der Zusammenstellung eines Buches Free
Within Ourselves beteiligt sowie an der Herstellung
eines Videos über das Leben und Werk der Künstler
Leroy Almon, Sr., Frederick Brown, Lois Mailou
Jones, Keith Morrison und Sam Gilliam.
Von der geplanten Wanderausstellung mit 55 Werken
von 31 Künstlern nahm diese Ausstellung rasch an
Umfang zu. Die Museumsvertreter erkannten Harti-

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�gan zufolge, daß die Ausstellung ein ausgezeichnetes Instrument sein würde, um die Aufmerksamkeit
auf "Umfang und Tiefe" der Sammlung des Museums "als wissenschaftliche und öffentliche Ressource" zu lenken. Zweitens wollten die Museumsvertreter die Sammlung für Amerikaner "zugänglicher
und bekannter" machen und den bemerkenswerten
Leistungen der von der Nation lange vernachlässigten afroamerikanischen Künstler den ihnen gebührenden Platz einräumen.
"Wie befinden uns auch in einer Zeit", so Hartigan,
"in der immer mehr Menschen versuchen, die
Künstler individuell zu erforschen oder herauszufinden, welchen Beitrag sie insgesamt zur amerikanischen Kunst leisten."
Hartigan zufolge haben afroamerikanische Künstler
der Gegenwart und Vergangenheit aufgrund von
Rassendiskriminierung "einen langen Kampf um
Anerkennung" geführt. Da jedoch in Amerika so
viele Künstler tätig seien, bekomme unabhängig von
seinem Ausdrucksmittel oder Hintergrund "nicht jeder
Aufmerksamkeit. Das ist Teil des Problems."
Auf die Bitte, afroamerikanische Kunst zu definieren,
räumte sie ein, das sei schwierig, wenn nicht sogar
unmöglich.
"Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt afroamerikanische
Kunst beschreiben sollte, müßte ich sagen, daß es
sich um einen äußerst komplexen Teil des Museumsbestandes handelt", so Hartigan. "Dies ist
teilweise auf die unglaubliche Vielfalt der Werke
zurückzuführen, die von Afroamerikanern über
verschiedene Zeiträume hinweg - und mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln - angefertigt wurden.
Die Schönheit der Werke besteht zum Teil darin,
daß man sie nicht genau definieren und einfach fünf
typische Merkmale nennen kann."
Die Ausstellung enthält Kunstwerke wie beispielsweise Melvin Edwards Skulptur Tambo aus
Schweißstahl, die im Zusammenhang mit dem
Vorsitzenden des afrikanischen Nationalkongresses,
Oliver Tambo, stehende Materialien, Ideen und
Kulturen vereinigt. Femer gehören ihr aus dem 19.
Jahrhundert stammende Gemälde von Robert Scott
Duncanson an, deren Schwerpunkt die Schönheit
amerikanischer und europäischer Landschaften ist.
Betye Saars Assemblage Wishing for Winter von
1989 basiert Hartigan zufolge auf dem Fenstermotiv,
das Saar als eine der innovativsten Ausdrucksformen gefundener Materialien erforschte. Saar "ist
sich sehr stark ihrer Identität als Afroamerikanerin
bewußt. Sie bringt jedoch in bezug auf Spiritualität,
Mystik und Naturgewalten Kulturen aus aller Welt

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zusammen, die nicht unbedingt etwas mit ihrer
afroamerikanischen Herkunft zu tun haben."
Das vom Ku-Klux-Klan inspirierte abstrakte expressionistische Gemälde Evenlng Rendezvous von
Norman Lewis illustriert den poetischen Appell und
das soziale Bewußtsein des Künstlers.
Palmer
Haydens The Janitor Who Palms wurde 1969 von
dem Künstler als "Protestgemälde" bezeichnet.
Quelle für das Werk war Cloyd Boykin, ein älterer
schwarzer Maler, der seinen Lebensunterhalt als
Hausmeister verdiente.
Das Bild, das bei den
Ausstellungsbesuchern großen Anklang findet, enthält
jedoch zweifellos eine universelle Aussage.
Hartigan zufolge hat die Ausstellung, deren Titel von
einem Essay des Dichters Langston Hughes aus dem
Jahr 1926 abgeleitet ist, das Ziel, den Umfang und
die Vielfalt afroamerikanischer Kunst zu demonstrieren, indem sie als eine Art "Zeitenfolge" untersucht wird. Tatsächlich gewährt ein Gang durch die
Ausstellung dem Besucher einen wunderbaren
Einblick in die Vergangenheit, Gegenwart und möglicherweise die Zukunft Amerikas - aus der Sicht- und
Denkweise schwarzer Künstler.
"Der Besuch der Ausstellung beginnt im Jahr 1805
und mit Künstlern wie Henry Tanner (geb. 1859), die
schwarzen Künstlern den Weg ins nächste Jahrhundert bahnen", so Hartigan. "Werke aus der Harlemer
Renaissance beschreiben das erste volle Erwachen
kulturellen Stolzes und die Erforschung von Kulturen
durch die Afroamerikaner. Ein anderer Teil der
Ausstellung beschäftigt sich mit künstlerischen
Tätigkeiten von den dreißiger bis in die fünfziger
Jahre mit Schwerpunkt auf amerikanischen Künstlern
in Amerika, die sich mit dem Modernismus und dem
Stil des sozialen Realismus befassen - ihre Arbeiten
spiegeln ihre Reaktionen auf die Wirtschaftskrise und
ihre Einbeziehung in die Dienststelle zur Untersuchung von Arbeitsbedingungen (Works Progress
Administration - WPA) wider.
"Danach kommen wir zu den Gemälden, Skulpturen
und Werken auf Papier aus der Zeit der sechziger bis
in die neunziger Jahre dieses Jahrhunderts von
Künstlern, die sich mit zeitgenössischen oder modernen Ideen wie dem abstrakten Expressionismus
befassen, mit der Verwendung gefundener Objekte,
modernen Drucktechniken und ähnlichem.
Ein
anderer Bereich der Ausstellung ist autodidaktischen
afroamerikanischen Künstlern aus der Zeit der
dreißiger bis in die fünfziger Jahre gewidmet, ein
weiterer Bereich Fotographen des 20. Jahrhunderts."
Die Ausstellung repräsentiert laut Hartigan eine
Vielzahl von Interessen und Belangen afroamerikanischer Künstler: Spiritualität, soziale Fragen, Vor-

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�Stellungen von Abstammung und Identität sowie den
improvisatorischen Einsatz von Materialien und
Techniken.
Free Within Ourselves wurde von der Columbia
First Bank in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungssonderfonds der Smithsonian Institution ermöglicht.
Die Ausstellung ist bis zum 26. Februar 1995 zu
besichtigen.

Das National Museum of American Art ist die älteste
staatliche Kunstsammlung der Vereinigten Staaten.
Sie reicht bis ins Jahr 1830 zurück. Ihre Aufgabe ist
die Darstellung des "gesamten Spektrums" künstlerischen Ausdrucks der Nation. Darunter fallen alle
Medien: Malerei, Bildhauerei, Werke auf Papier Drucke, Zeichnungen und Fotographien von
ausgebildeten und autodidaktischen Künstlern. Die
Ausstellung enthält insgesamt 45.000 Objekte bekannter "und nicht so bekannter Künstler", äußerte
Hartigan.

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