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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

17. November 1994

45

BOSNIEN

USA FORDERN AUFHEBUNG DES WAFFENEMBARGOS GEGEN BOSNIEN
Rede von Botschafterin Albright

KONGRESSWAHLEN

CLINTON SAGT ZUSAMMENARBEIT MIT
NEUEM KONGRESS ZU
Erklärung des Präsidenten bei Pressekonferenz

FRUSTRATION DER WÄHLER WAR
SCHLÜSSELFAKTOR BEI WAHLERGEBNIS
Analyse der Wahlen zum amerikanischen Kongreß

PLANE DER REPUBLIKANER
Zusammenarbeit erforderlich

i

KRIEGSVERBRECHEN

USA UNTERSTUTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL FÜR RUANDA
Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat

DROGEN

US*A WARNEN VOR WACHSENDEM
DROGENPROBLEM
Rede von Abteilungsleiter Gelbard

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN
17. November 1994

USA FORDERN AUFHEBUNG DES WAFFENEMBARGOS
GEGEN BOSNIEN
Rede von Botschafterin Albright
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Die größte Gefahr in Bosnien" besteht darin, "daß wir die bosnischen Serben
diktieren lassen, was wir tun und was wir nicht tun können", erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 9. November 1994 vordem UN-Sicherheitsrat.
In einer Rede zum Abschluß einer zweitägigen Debatte über die Aufhebung des von den Vereinten Nationen
gegen die bosnische Regierung verhängten Waffenembargos äußerte Albright, wenn sich der Sicherheitsrat
den Drohungen der bosnischen Serben beuge, "werden wir die Glaubwürdigkeit der Kontaktgruppe
unterminieren, Zynismus unter den Kriegsparteien in Bosnien säen, die einer Einigung zugestimmt haben, und
weiteren Übergriffen der bosnischen Serben grünes Licht geben".
Die Vereinigten Staaten unterstützen einen Resolutionsentwurf im Rat, der das Waffenembargo gegen die
muslimische Regierung Bosniens in einem halben Jahr aufheben würde, falls die bosnischen Serben nicht den
Friedensplan der Kontaktgruppe akzeptieren. Mehr als vierzig Staaten sprachen sich im Sicherheitsrat für die
Annahme der Resolution, acht Ratsmitglieder - Frankreich, Rußland, Großbritannien, die Tschechische
Republik, Neuseeland, China, Brasilien und Spanien - dagegen aus. (Zur Annahme einer Resolution im Rat
sind neun Stimmen ohne Veto erforderlich.)

Die Gegner der Resolution befürchten, eine Aufhebung des Embargos würde zu einer Eskalation des Krieges
führen und Tausende nach Bosnien entsandte Blauhelme Angriffen durch die bosnischen Serben aussetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Bei dieser Debatte wurde deutlich, daß es für die
Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien
breite und tiefempfundene Unterstützung gibt.
Es trifft auch zu, daß Vertreter mehrerer an der
UNO-Schutztruppe UNPROFOR beteiligter Nationen
darauf hingewiesen haben, eine Aufhebung des
Embargos würde die Vereinten Nationen und diejenigen, denen das Schicksal der Menschen in Bosnien
am Herzen liegt, mit einigen schwierigen, praktischen Fragen konfrontieren.
Es ist kein Geheimnis, daß meine Regierung der
Auffassung ist, zur Beendigung des Krieges seien
entschlossene neue Aktionen erforderlich. Im Juli
legte die Kontaktgruppe einen Vorschlag für eine
Neuverteilung des Gebietes vor, der vom Sicherheitsrat unterstützt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war
die Kontaktgruppe der Ansicht, wenn eine Partei
dem Plan nicht zustimmte, müßte sie einen hohen

AMERIKA DIENST 45

Preis für ihre Weigerung zahlen. Seitdem haben die
bosnische Regierung und die bosnischen Kroaten
den Plan akzeptiert. Nur die bosnischen Serben
lehnen ihn weiterhin ab.
Meine Regierung hat eine Resolution unterbreitet das Hauptthema der heutigen Debatte - welche die
Vorstellungen der Kontaktgruppe in die Tat umsetzen
würde. Demnach soll das derzeit gegen die bosnische Regierung verhängte Waffenembargo in einem
halben Jahr aufgehoben werden, falls die bosnischen
Serben nicht bis dahin einer Lösung zugestimmt
haben.
Die von meiner Regierung vorgelegte Resolution
enthält sowohl grundsätzliche als auch pragmatische
Fragen, wobei die grundsätzlichen Fragen leichter zu
beantworten sind.

Seite 1

�Schließlich gibt es in rechtlicher oder gesetzlicher
Hinsicht keine Grundlage dafür, der bosnischen
Regierung das Recht auf Selbstverteidigung vorzuenthalten. Bosnien hat nicht seine Nachbarn
angegriffen, den internationalen Terrorismus unterstützt oder sonst seine Verpflichtungen als souveräner Staat verletzt. Zudem sind die führenden Politiker Bosniens dem Prinzip des ethnischen Pluralismus verpflichtet. Ich bezweifele, daß die Mitglieder
dieses Rates jetzt die Verhängung eines Waffenembargos gegen Bosnien in Erwägung ziehen würden,
wenn es nicht vor drei Jahren gegen das ehemalige
Jugoslawien verhängt worden wäre.
Und wie lauten die pragmatischen Fragen?
Was geschieht, wenn das Embargo aufgehoben wird
und die bosnischen Serben Vergeltung an den UNFriedenstruppen üben oder Präventivschläge durchführen?
Was geschieht, wenn die Angst mancher Länder vor
Vergeltung zum Abzug ihrer zur UNPROFOR
entsandten Truppen führt?
Was geschieht, wenn ein plötzlicher Anstieg von
Gewalt die humanitären Hilfslieferungen gefährdet,
von denen die Bosnier aller Nationalitäten abhängen?
Was geschieht, wenn die Regierung von Serbien/
Montenegro erneut dem Krieg beitritt?
Das sind in der Tat schwierige Fragen. Sie basieren
auf begründeter Angst vor dem Verhalten der
bosnischen Serben: Sie reflektieren den Wunsch
aller Mitgliedstaaten sicherzustellen, daß den UNOFriedenstruppen nichts geschieht und sie ihre
Aufgabe erfüllen können. Meine Regierung erkennt
die von der UNPROFOR geleistete humanitäre
Arbeit ebenso an wie die anderen Mitgliedstaaten,
die ihrer Würdigung bereits Ausdruck verliehen
haben. Humanitäre Ziele können jedoch langfristig
nur dann erreicht werden, wenn die bosnischen
Serben den von ihnen verschmähten gerechten und
ehrenhaften Frieden akzeptieren.
Aber eine Politik auf der Grundlage von Angst hat
keine Zukunft. Kluges Verhalten darf nicht zu
Lähmung führen. Wir haben nach dem Massaker
auf dem Marktplatz und dem Angriff auf Gorazde
gesehen, daß die bosnischen Serben nur dann
zurückweichen, wenn der Rat mit mehr als nur mit
Worten vortritt.
Die wirkliche uns vorliegende Frage lautet also, ob
dieser Rat endlich seinen Worten Taten folgen läßt.
Nur durch mutige Aktionen kann der für eine Beendi-

Seite 2

gung des Krieges erforderliche Druck ausgeübt
werden. Ich möchte meine Kollegen in diesem Rat
daran erinnern, daß wir immer dann unsere schönsten Momente und größten Erfolge erlebt haben,
wenn wir die für mutige Aktionen erforderliche Einheit
und Entschlossenheit an den Tag gelegt haben.
Mit anderen Worten besteht die größte Gefahr in
Bosnien darin, daß wir die bosnischen Serben
diktieren lassen, was wir tun und was wir nicht tun
können. Wenn wir uns ihren Drohungen beugen,
werden wir die Glaubwürdigkeit der Kontaktgruppe
unterminieren, Zynismus unter den Kriegsparteien in
Bosnien säen, die einer Einigung zugestimmt haben,
und weiteren Übergriffen der bosnischen Serben
grünes Licht geben. Dadurch wird das Risiko für die
UNO-Friedenstruppen in Bosnien nicht vermindert.
Nachgiebigkeit wird die Arbeit der Angehörigen
humanitärer Hilfsdienste nicht erleichtern und nicht zu
einem früheren Ende des Krieges führen. Vielmehr
ist dies eine Einladung zu vermehrten und intensiveren Kriegshandlungen auf einem immer größer
werdenden Schlachtfeld.
Gemäß der von uns vorgelegten Resolution würden
Waffen auf legalem Wege erst in einem halben Jahr
nach Bosnien gelangen. Während dieser Zeit könnten wir durch strengere Sanktionen die Fähigkeiten
der bosnischen Serben zur Kriegsführung beschränken, ihren Aktionsradius durch rigorose Druchsetzung
von Schutzzonen und Sperrzonen eingrenzen, ihre
Erfolgsaussichten durch eine Konsolidierung der
Konföderation zwischen der Regierung und den
Kroaten vermindern und durch Einigkeit innerhalb des
Rates ihre diplomatischen Optionen verringern. Die
Aussicht auf eine Aufhebung des Embargos bei
fortgesetzt ablehnender Haltung der bosnischen
Serben wird diesen außerdem einen guten Grund
geben, den Vorschlägen der Kontaktgruppe für eine
Gebietsneuverteilung zuzustimmen.
Wir sollten eines nicht vergessen: Als wir mutig
handelten - wie im Fall des Ultimatums von Sarajevo
- haben die bosnischen Serben erst gedroht, sich
aber am Ende gefügt. Das sollte uns eine Lehre
sein.
Einige vertreten die Ansicht, eine Aufhebung des
Waffenembargos würde es den Vereinten Nationen
unmöglich machen, in Bosnien unparteiisch zu
bleiben. Aber was bedeutet Unparteilichkeit im Falle
Bosniens? Die Mitarbeiter der Vereinten Nationen
sollten natürlich bedürftigen Zivilisten ungeachtet ihrer
ethnischen Zugehörigkeit humanitäre Hilfe zukommen
lassen. Die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
sollten natürlich gerecht durchgesetzt werden. Die
UNO-Blauhelme sollten natürlich nur innerhalb ihres
Aufgabenbereichs tätig werden. Aber Unparteilichkeit

AMERIKA DIENST 45

�erfordert nicht, daß der Sicherheitsrat diejenigen
gerecht behandelt, die andere nicht gerecht behandeln.
Andere verurteilen Bosnien aufgrund seiner jüngsten
Angriffe auf die bosnischen Serben in Zentral- und
Westbosnien. Meine Regierung bedauert jegliche
Fortsetzung der Kämpfe. Aber wir dürfen nicht
Angriffe, die zur Rückgewinnung der durch Aggression eroberten Gebiete durchgeführt wurden, mit
Aggression verwechseln. Wir dürfen nicht die Handlungen einer erklärtermaßen friedensuchenden
Regierung mit denen einer Gruppe verwechseln, die
in ihren kriegerischen Bestrebungen nicht nachläßt.
Die bosnische Regierung hat diesen Krieg nicht
begonnen und ist bereit, ihn zu beenden. Die bosnischen Serben haben diesen Krieg angezettelt und
sind entschlossen, ihn zu verlängern. Diese Unterschiede sind von Bedeutung und sollten sich in den
Aktionen und der Haltung dieses Rates niederschlagen.
Die bosnischen Serben haben die Option, sicher und
in Frieden mit ihren Landsleuten zu leben. Trotz der
Bitterkeit dieses Krieges wären viele Dinge möglich,
wenn die Waffen beiseite gelegt und die Energien
auf die harte Arbeit des Wiederaufbaus konzentriert
würden. In der heutigen Zeit kann kein Volk in
bitterer Isolation ein angenehmes und annehmbares
Leben führen. Die bosnischen Serben haben guten
Grund, den Frieden zu akzeptieren, aber ihre Führer
haben sich geweigert. Das wird sich nicht ändern,
wenn sich unser Ansatz nicht ändert.

automatischen Aufhebung des Waffenembargos
gehört. Sie haben uns schwierige Fragen gestellt,
von denen ich einige hoffentlich in meiner Ansprache
beantwortet habe.
Ich habe jedoch selbst einige schwierige Fragen an
den Rat, die im Zusammenhang mit dieser Resolution
beantwortet werden müssen.
Wie lange wird sich die internationale Staatengemeinschaft vormachen, daß Pales entschlossenes
"Nein" durch diplomatische Bastelei zu einem "Ja"
wird?
Wie lange kann die Kontaktgruppe noch zulassen,
daß die bosnischen Serben den vorgeschlagenen
gerechten und ehrenhaften Frieden ablehnen?
Wie lange können wir noch zusehen, wie die
Streitkräfte der Vereinten Nationen - trotz all ihrer
guten und hehren humanitären Bestrebungen und
Errungenschaften - von den Feinden des Friedens
zum Schutz für die durch den Krieg gemachten
Profite benutzt oder als Grund dafür angeführt
werden, daß die bosnischen Serben keinen hohen
Preis für die Verletzung der Sperrzonen zahlen
müssen?
Wie lange werden wir uns hier noch treffen und
zulassen, daß die grundsätzlichen und eloquenten
Forderungen des Vertreters von Bosnien-Herzegowina nach dem Recht seines Volkes auf Selbstverteidigung auf taube Ohren stoßen?

Alle unsere Optionen in Bosnien enthalten ein
Risiko. Wir haben nur die Wahl zwischen unvollkommenen Lösungen. Wir können den Forderungen
der bosnischen Serben entsprechen und somit die
direkten Gefahren möglichst gering halten. Oder wir
können stärkeren Druck zur Beendigung dieses
Krieges ausüben.

Und schließlich muß ich die anderen Mitglieder
des Sicherheitsrates noch fragen, wann wir die
Entscheidung über unsere wirklichen Zielsetzungen fällen. Warten wir auf Karadzic, warten wir
auf Godot, oder warten wir auf irgendeine andere
magische Kraft, damit sie die Verantwortung
übernimmt, die nur diesem Rat zukommt?

Meine Regierung ist der Überzeugung, daß dieser
Rat eine entschlossene Linie verfolgen sollte. Diese
Debatte und das Votum der Generalversammlung
von letzter Woche beweisen, daß eine große Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten die Aufhebung des
Waffenembargos gegen Bosnien befürwortet. Auch
von den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates
haben wir große Einwände gegen das Konzept einer

Abschließend möchte ich das Problem so einfach wie
möglich formulieren. Nach 30 Monaten Krieg müssen
wir die bosnischen Serben dazu zwingen, sich für
eine Lösung zu entscheiden, mit der sie leben
können, oder für Konsequenzen, mit denen sie nicht
leben können. Das ist jetzt der Prüfstein für den Rat.
Das ist die Verantwortung, die wir gemeinsam
übernehmen müssen.

*

AMERIKA DIENST 45

*

Seite 3

�KONG R E S S W A H LEN
17. November 1994

CLINTON SAGT ZUSAMMENARBEIT
MIT NEUEM KONGRESS ZU
Erklärung des Präsidenten bei Pressekonferenz
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton führte die großen Stimmenverluste der Demokraten bei den jüngsten
Wahlen zum amerikanischen Kongreß auf das Unvermögen seiner Partei zurück, den Wandel schnell und
weitgehend genug durchzusetzen und sagte zu, er werde mit der neuen Mehrheit der Republikaner im Kongreß
zusammenarbeiten, um die in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit begonnene Arbeit fortzusetzen.
Der Präsident teilte am 9. November 1994 bei einer Pressekonferenz im Anschluß an die Bekanntmachung
der Wahlergebnisse mit, er habe bei der Umstrukturierung der Regierung "einen guten Anfang" gemacht, indem
er das Haushaltsdefizit gesenkt, fünf Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen, den Regierungsapparat
verkleinert, das Bildungswesen reformiert, den Handel erweitert und die Kriminalität bekämpft habe. Da die
Demokraten bisher im Kongreß die Mehrheit hatten, seien sie auch zur Rechenschaft gezogen worden. Jetzt
hätten die Republikaner im Kongreß größere Verantwortung und er werde mit ihnen zusammenarbeiten, so
der Präsident.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten bei der Pressekonferenz im Wortlaut.
Meine Damen und Herren, gestern nacht und heute
morgen habe ich mit Republikanern und Demokraten
gleichermaßen gesprochen, den Siegern gratuliert
und die Verlierer getröstet. Ferner habe ich mich mit
den Mehrheitsführern des nächsten Kongresses,
Senator Dole und dem Kongreßabgeordneten
Gingrich, in Verbindung gesetzt, um ihnen nach
diesem harten Wahlkampf mitzuteilen, daß wir zur
Zusammenarbeit bereit sind, damit dem amerikanischen Volk auf überparteiliche Weise gedient wird.

der Fortsetzung der von uns begonnenen Arbeit
verpflichtet. Bei dieser Arbeit gab es in Washington
jedoch zu viele politische Überlegungen, zu viele
parteipolitische Konflikte, zu wenige Reformen im
Kongreß und im politischen Prozeß. Und obwohl wir
Fortschritte erzielten, hatten nicht genug Menschen
das Gefühl, sie seien wohlhabender und sicherer
oder wir würden ihrem Wunsch nach grundlegendem
Wandel der Rolle der Regierung in ihrem Leben
entsprechen.

Das amerikanische Volk hat uns hierher entsandt,
um den Amerikanischen Traum Wiederaufleben zu
lassen und die Arbeitsweise Washingtons zu verändern, damit unser Land wieder im Dienst des
einfachen Bürgers steht. Wir haben einen guten
Anfang gemacht, indem wir das Haushaltsdefizit
abbauten, den Regierungsapparat verkleinerten und
die Regierung derart umgestalteten, daß wir mit
weniger Mitteln mehr erreichen können. Wir haben
unsere Investitionen in Bildung und Handel erhöht
und im Bereich der Wirtschaft über fünf Millionen
Arbeitsplätze geschaffen.

Da die Demokraten sowohl das Weiße Haus als auch
den Kongreß unter sich hatten, wurden wir gestern
zur Rechenschaft gezogen. Ich übernehme meinen
Teil der Verantwortung für das Wahlergebnis.

Im Kampf gegen die schreckliche Geißel von Verbrechen und Gewalt in diesem Land haben wir
ernsthafte erste Schritte unternommen. Ich bleibe

AMERIKA DIENST 45

Wenn die Republikaner im Repräsentantenhaus und
im Senat die Führung übernehmen, werden sie auch
größere Verantwortung dafür tragen, im Interesse des
amerikanischen Volkes zu handeln. Ich wende mich
heute an sie und bitte sie, zusammen mit mir an der
öffentlichen Debatte darüber teilzunehmen, welche
Fortschritte im Interesse der nächsten Generation von
Amerikanern unternommen werden müssen.
Demokraten und Republikaner haben schon oft
zusammengearbeitet, wenn das eindeutig im nationa-

Seite 1

�len Interesse lag. Beispielsweise haben sie häufig
internationale Angelegenheiten über die Politik
gestellt. Ich fordere die Republikaner dazu auf, mit
der Annahme des GATT-Abkommens in diesem Jahr
ebenso zu handeln. Davon hängt unser Wohlstand
ab, und wir können keine Kompromisse eingehen,
wenn unser nationales Interesse und das Wohlergehen der Amerikaner auf dem Spiel stehen.
Gestern haben sich die Wähler nicht nur für tiefgreifenden Wandel ausgesprochen, sondern verlangt, daß der Kongreß in einer neuen Zusammensetzung beider Parteien im Interesse des amerikanischen Volkes enger mit dem Präsidenten zusammenarbeitet. Ich hoffe, daß wir das beim GATT tun
können und damit den Weg für weitere Zusammenarbeit bei der Reform des Sozialsystems und der
Gesundheitsfürsorge, weiteren Investitionen in die
Bildungsmöglichkeiten unserer Bürger sowie fortgesetzte wirtschaftliche Stärke ebnen.
Wir müssen auch etwas unternehmen, um das
Vertrauen unserer Bürger in die politischen Institutionen wiederherzustellen und sollten im Bereich
unserer Außenpolitik traditionsgemäß unter Überwindung parteipolitischer Trennungen zusammenarbeiten.
An die Adresse derjenigen gerichtet, die für Fortschritte plädieren, möchte ich nochmals sagen, daß
ich alles in meiner Macht Stehende unternehmen
werde, um den Führern und Mitgliedern dieses
neuen Kongresses entgegenzukommen. Es muß
möglich sein, eine effektivere, besser funktionierende
Institution zu schaffen. Es muß uns möglich sein,
unserem Volk eine kleinere, effektivere Regierung zu
bieten, die unsere Interessen und Werte gleichermaßen widerspiegelt.

*

Seite 2

*

Denjenigen, die diese Wahlen dazu benutzen möchten, um uns zurückzuwerfen, sage ich folgendes: Ich
werde alles tun um zu verhindern, daß irgend jemand
unsere wirtschaftliche Erholung gefährdet, indem er
uns zu einer Politik zurückführt, die schon einmal
gescheitert ist. Ich werde mich weiterhin für das
einsetzen, was Amerika stark macht - starke Familien, verbesserte Bildung und Ausbildung, sicherere
Straßen, besser bezahlte Arbeitsplätze, eine wohlhabendere und friedlichere Welt.
Für unsere Kinder und unsere Zukunft steht viel
zuviel auf dem Spiel, als daß wir anders handeln
könnten.
Seit gestern hat sich natürlich vieles
geändert. Der Grund, warum ich hierher entsandt
wurde und die Delegierten des Kongresses hierher
entsandt werden, hat sich jedoch nicht geändert: Zur
Wiederherstellung des Amerikanischen Traums und
Gewährleistung, daß dieses Land, diese Regierung,
diese Stadt sich für die Interessen unserer Bürger
einsetzen. Das amerikanische Volk erwartet das von
uns.
Gestern hat das Volk deutlich gemacht, daß es mit
den von uns erzielten Fortschritten nicht zufrieden ist.
Das Volk sagte, die Demokraten hätten im Weißen
Haus und im Kongreß die Kontrolle innegehabt. Es
forderte einen Wandel und führte ihn herbei. Aber es
strebt immer noch dasselbe Ziel an. Am heutigen
Tag verpflichte ich mich zur Zusammenarbeit mit
allen Mitgliedern des Kongresses, insbesondere mit
der Republikanischen Führung, zur Erreichung dieses
Ziels. Wenn die Republikanische Führung mit mir
zusammenarbeitet - und das hat sie heute zugesagt können wir im Interesse dieses Landes große Fortschritte erzielen. Wir sollten optimistisch sein und
diesen Optimismus Realität werden lassen.

*

*

AMERIKA DIENST 45

w

•

�KONGRESSWAHLEN
17. November 1994

FRUSTRATION DER WAHLER WAR
SCHLÜSSELFAKTOR BEI WAHLERGEBNIS
Analyse der Wahlen zum amerikanischen Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der Sieg der Republikaner
bei den Wahlen zum amerikanischen Kongreß am 8.
November 1994 war viel größer als erwartet und
demonstrierte das Ausmaß der Unzufriedenheit der
Wähler mit "politics as usual", erklärten Analysten
der Wahlen von allen Seiten des politischen Spektrums.
"Wir hätten nicht einmal von den Zahlen zu träumen
gewagt, die wir erreicht haben", äußerte der republikanische Meinungsforscher Neil Newhouse, Teilnehmer eines am 9. November von der American
Association of Political Consultants organisierten
Seminars zur Analyse der Wahlergebnisse.
Der Sieg der Republikaner erreichte auf allen
Ebenen der Politik ein "unglaubliches Ausmaß" vom amerikanischen Kongreß, wo die Republikaner
im Senat und im Repräsentantenhaus gleichermaßen die Mehrheit erzielten, über die Parlamente der
Bundesstaaten bis zur kommunalen Ebene, so
Newhouse, und dadurch erhielten die Republikaner
eine politische Basis, von der sie bei zukünftigen
Wahlen operieren können.
"Hier handelt es sich um eine Flutwelle, die nur einoder zweimal in einem Jahrhundert zu beobachten
ist", erklärte Charles Cook, Redakteur des Cook
Political Report und Leiter einer Vereinigung der
Demokraten für politische Analysen. "Das Ausmaß
und die Stärke der Ereignisse waren atemberaubend", fügte er hinzu.
Cook führte die Ergebnisse auf die Unzufriedenheit
der Wähler mit der regierenden Partei zurück. Die
Wähler seien "sauer" gewesen. 1992 hatten sie
einen von den Demokraten kontrollierten Kongreß
gewählt, um Probleme zu lösen, aber allzu viele
Probleme blieben ungelöst, und somit wurden die
Demokraten bei diesen Wahlen der Macht enthoben,
so Cook.

AMERIKA DIENST 45

Im Vergleich dazu wurde kein einziger republikanischer Amtsinhaber im Repräsentantenhaus, Senat
oder bei den Gouverneurswahlen besiegt.
"Die Wähler halten die Demokraten für zu liberal",
äußerte Geoffrey Garin, Meinungsforscher aus dem
Lager der Demokraten. Nachdem im Herbst 1993
das Gesetz über den Abbau des Haushaltsdefizits
angenommen wurde, "verloren wir den Sinn für
unsere wichtigste Botschaft... Unser größtes Problem
war nicht ein zu starker Linksruck, sondern daß es
uns nicht gelang, einen eindeutigen Grund dafür zu
formulieren, warum die Wähler 1994 weiterhin für die
Demokraten stimmen sollten". Garin betonte jedoch,
Präsident Clinton habe bei der Entscheidung der
meisten Bürger "keine wichtige Rolle gespielt", und
die Wahlergebnisse stellten im allgemeinen "keine
Ablehnung des Präsidenten" dar.
Edward Rollins, ein bekannter Stratege der Republikaner, stimmt nicht mit dieser Einschätzung überein.
Clinton habe für das Wahlergebnis "eine äußerst
wichtige Rolle gespielt". "Das Beste für den Präsidenten war, daß er nicht selbst zur Wahl stand."
Mit Blick auf die Zukunft erklärte Rollins, die Republikaner müßten mit dem von den Demokraten kontrollierten Weißen Haus zusammenarbeiten, damit die
Öffentlichkeit Fortschritte sehe. Andernfalls bekämen
die Republikaner dieselben Schwierigkeiten wie die
Demokraten bei diesen Wahlen.
Republikaner und Demokraten gleichermaßen müßten parteipolitische Grenzen überwinden, erklärte er.
Senator Bob Dole, der zukünftige Mehrheitsführer im
Senat, und der Abgeordnete Newt Gingrich, der
Speaker des Repräsentantenhauses wird, müssen
Rollins zufolge Staatsmänner anstelle von Sprachrohren der Opposition werden.
AI From, Präsident des Democratic Leadership
Council, einer 1985 als Forum für Demokraten der
Mitte gebildeten Gruppe, sprach von tiefempfundener

Seite 1

�Frustration der amerikanischen Bürger über die
Politik.
Ihm zufolge stellen die Wahlergebnisse den Abschluß der Politik des New Deal und des Liberalismus alten Stils dar, wogegen die Politik der Zukunft
Gemäßigte beider Parteien bei einer neuen Tagesordnung vereint. Clinton sei ebenso wie jeder
andere Bürger des Landes in der Lage, diese
Tagesordnung zu artikulieren und entsprechend zu
regieren, erläuterte From.
Gary Nordlinger, Wahlkampfstratege der Demokraten, stimmt mit der Ansicht überein, die Wahlergebnisse reflektierten die Frustration der Wähler über
die Regierung. Die Republiker hätten mit Hilfe einer
Koalition fundamentalistischer christlicher Gruppen
eine gut durchdachte Wahlkampfstrategie verfolgt.
Zudem hätten die Republiker Vorteile aus der 1992
erfolgten Neuaufteilung der Wahlkreise für Abgeordnetensitze im Kongreß gezogen.
Wayne LaPierre, Präsident der Vereinigung der
amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle
Association), erklärte, unter den Wählern herrsche
das Gefühl, die in der Verfassung verankerten
Freiheiten würden ausgehöhlt, insbesondere beim
Thema Waffen. Die Wähler seien der Ansicht, die
Bundesregierung schmälere die verfassungsmäßigen
Rechte des einzelnen - wie das Recht, Waffen zu
tragen.
Ralph Reed, dem geschäftsführenden Direktor der
Christian Coalition zufolge war ein wichtiges Kriterium der Kongreßwahlen 1994 die große Wahlbeteiligung weißer Evangelisten. 30 bis 33 Prozent der
Evangelisten, die ihre Stimme abgegeben hatten,
bezeichneten sich selbst als "wiedergeborene"
Christen, so Reed. Ein Drittel aller Wähler seien
regelmäßige Kirchgänger und eher konservativ
eingestellt.
Die Demokratische Partei habe "diese Wählergruppe
völlig falsch eingeschätzt", erläuterte Reed. Sie

*

Seite 2

habe versucht, "diese Wähler als nebensächlich und
stereotyp einzustufen", was sich als nachteilig erwiesen habe.
Reed prognostizierte, Themen wie die Familie, ein
ausgewogener Haushalt und die Reform des Sozialwesens würden wichtige Punkte auf der Tagesordnung des neuen Kongresses.
Die Republikaner haben eine Tagesordnung und
wissen, was sie wollen, stellte William Pascoe,
juristischer Direktor der American Conservative
Union, einer konservativen Denkfabrik, fest. Die
Probleme würden vom liberalen Flügel der Republikanischen Partei im Kongreß kommen, dessen
Mitglieder jetzt den Vorsitz über eine Reihe wichtiger
Ausschüsse führen werden, argumentierte Pascoe.
"Wenn sie sich mit dem Weißen Haus einigen, wird
dies ernsthafte Probleme für die konservative Tagesordnung verursachen." Die Republikaner müßten
sich vor Augen führen, so Pascoe, daß das Land
Konservatismus will.
Moe Biller, Vorsitzender der amerikanischen Postgewerkschaft, stimmte zu, daß den Liberalen Kämpfe
bevorstünden. Die Wahlergebnisse seien ein "Rückschlag in der politischen Geschichte der Vereinigten
Staaten" gewesen, führte er aus, "aber die Welt wird
nicht zusammenbrechen". Clinton habe zahlreiche
wichtige positive Veränderungen in den Vereinigten
Staaten herbeigeführt, aber die Wähler verstünden
die Veränderungen nicht.
"Die Geschichte lehrt uns", erläuterte Biller, "daß die
Demokraten Erfolg haben, wenn sie für ihre Überzeugungen kämpfen, aber verlieren, wenn sie vor den
liberalen Prinzipien davonlaufen und sich verstecken."
"Wir sind vielleicht an einem Tiefpunkt meines
Lebens angelangt, aber es besteht Hoffnung." Die
Republikaner, führte Biller aus, "werden jetzt vom
amerikanischen Volk für das zur Rechenschaft
gezogen, was in den nächsten beiden Jahren geschieht".

*

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�KONGRESSWAHLEN
17. November 1994

PLÄNE DER REPUBLIKANER
Zusammenarbeit erforderlich
WASHINGTON - (AD) - Die Republikaner, die
während der im Januar beginnenden 104. Sitzungsperiode die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses haben, erklärten in einer Reihe von Interviews in Fernseh-Talk-Shows am Wochenende, daß
sie trotz Meinungsverschiedenheiten zur Erlangung
ihrer Ziele zusammenarbeiten müßten.

Stelle der Tagesordnung" des Senats, fügte jedoch
hinzu, er würde dies erst in einigen Jahren vorschlagen. Auf die Frage, ob ein ausgeglichener Haushalt
in diesem Jahr möglich wäre, antwortete er: "Ja,
aber dies würde so traumatische, dramatische
Auswirkungen haben, daß ein solches Vorgehen
unklug wäre."

Senator Robert Dole, der neue Mehrheitsführer der
Republikaner im Senat, stellte fest: "Es muß eine
Partnerschaft sein, wenn wir irgend etwas erreichen
wollen."

Zur Frage der Steuersenkungen erläuterte Gingrich,
er befürworte Anhörungen im Kongreß über Einkommensteueränderungen, "aber in der ersten Phase
sollte man versuchen, eine Expandierung der Wirtschaft herbeizuführen, Arbeitsplätze zu schaffen und
einen Kinderfreibetrag von 500 Dollar einzuführen".

Der Kongreßabgeordnete Newt Gingrich, neuer
Speaker des Repräsentantenhauses, führte aus, er
erwarte "gute Zusammenarbeit" mit Dole, "aber man
kann den Senat und das Repräsentantenhaus nicht
im Gleichschritt leiten".
Gingrich betonte, daß die Tagesordnung des Repräsentantenhauses aus dem vor der Wahl unterzeichneten "Vertrag mit Amerika" (Contract with
America) bestehen werde, in dem die Republikaner
sich zu einer Reform des Kongresses, Steuersenkungen und einer Kürzung der staatlichen Ausgaben
verpflichten.
Dole erklärte, die Tagesordnung des Senats konzentriere sich auf die Führungsrolle "und unterscheidet
sich nicht wesentlich von dem 'Vertrag mit Amerika'".
Der Senat, so Dole, "muß koordinieren, was das
Repräsentantenhaus als erstes vorbringen wird und
was wir als erstes vorbringen werden... Jede
Kammer muß ihre Prioritäten setzen."
Dole zufolge gelten "die vordringlichsten Aufgaben
dem Kongreß, sei es die Verringerung des Mitarbeiterstabs, die Reform des Berufsethos, des
Lobbying oder der Abstimmung über die Dauer der
Amtszeit, damit die Amerikaner wissen, daß wir über
Belange abstimmen, die ihnen Anlaß zur Sorge
bereiten".
Im Hinblick auf die Forderung des Vertrags nach
einem ausgeglichenen Etat im Haushaltsjahr 1996
stellte Dole fest: "Dieser Punkt steht an oberster

AMERIKA DIENST 45

Zu außenpolitischen Themen äußerte Gingrich, es sei
wichtig, "die Ressourcen auf die Raketenabwehr zu
verlagern" und die gesamte Auslandshilfe zu überprüfen, "insbesondere die vornehmlich zwischenstaatlichen Elemente, die abgeschafft werden sollten".
Gingrich zufolge ist Haiti "eine Zeitbombe, die jede
Minute explodieren kann", und die Vereinigten
Staaten sollten ihre Truppen "so schnell wie möglich"
aus dem Land abziehen.
Dole fügte hinzu: "Wir sollten die Truppen bis
Thanksgiving aus Haiti abziehen. Wir müssen nicht
herumsitzen, während dort die Wahlen verschoben
werden... Wir sollten Haiti verlassen, bevor es
Blutvergießen gibt."
Der Mehrheitsführer im Senat ergänzte: "Die Vereinigten Staaten sollten prüfen, ob sie in Nordkorea
ein gutes Abkommen abgeschlossen haben. Was
Bosnien anbetrifft, so üben wir endlich etwas Druck
auf unsere Verbündeten aus, meines Erachtens
sollten wir jedoch das Waffenembargo aufheben und
den Bosniern gemäß Artikel 51 der Charta der
Vereinten Nationen eine Chance zur Selbstverteidigung geben."
Obwohl die Republikaner gerade die Kontrolle über
beide Kammern des amerikanischen Kongresses
errungen haben, ist ihre langfristige Zukunft aus der

Seite 1

�Sicht zweier renommierter Beobachter der Kongreßwahlen weiterhin unsicher.
Die kurzfristigen Aussichten sind "dynamisch", so
Thomas Mann von der Brookings Institution, da die
Republikaner Anzeichen einer mutigen Führung im
Repräsentantenhaus erkennen lassen.
Norman Omstein vom American Enterprise Institute
verweist jedoch darauf, daß die Strategie der Republikaner noch nicht bekannt sei - ob sie bei Gesetzesfragen aktiv vorgehen oder nur reagieren.
Und, so fügte er hinzu, jegliche Uneinigkeit innerhalb
der republikanischen Reihen könnte dazu führen,
daß die Demokraten bei den nächsten Wahlen die
Kontrolle wiedererlangen.
Die beiden Wissenschaftler nahmen an einem vom
Congresslonal Quartely am 10. November 1994
veranstalteten eintägigen Seminar über die Perspektiven nach den Kongreßwahlen teil. Ihnen
zufolge gab es zahlreiche Faktoren, die bei dem
entschiedenen Wahlsieg der Republikaner eine Rolle
spielten.
Mann erklärte, dazu zähle eine Feindseligkeit der
amerikanischen Wähler gegenüber den Demokraten
als Regierungspartei, eine Neuaufteilung der Wahlkreise im Süden zugunsten der Republikaner und
* *

Seite 2

die Bestrebungen der Republikaner, in vielen Wahlkreisen für die Abgeordneten zum Repräsentantenhaus starke Kandidaten aufzustellen.
Ornstein fügte hinzu, die Wähler seien unzufrieden
mit dem Weißen Haus unter Clintons Führung, weil er
sich frühzeitig auf Themen wie die Homosexuellen im
Militär konzentriert habe.
Die vom Congresslonal Quarterly erstellten statistischen Daten zur Wahl am 8. November 1994 ergaben, daß die Anzahl der Frauen im Repräsentantenhaus von 48 auf 49 und im Senat von sieben auf acht
angestiegen ist. Die Schwarzen errangen einen
zusätzlichen Sitz im Repräsentantenhaus, wodurch
sich die Zahl ihrer Sitze auf 40 erhöhte.
Congressional Quartely stellte ferner fest, während
die Republikaner den ihnen lange verweigerten
Triumph feierten, hätten Präsident Clinton und seine
Mitarbeiter darum gekämpft, "seine Beziehungen zu
einem erneuerten Kongreß und einer entfremdeten
Wählerschaft neu zu gestalten".
Dem Wahlbeobachter Mann zufolge sind die Wahlergebnisse "eine Bekräftigung der Tatsache, daß
Wahlen in den Vereinigten Staaten immer noch
funktionieren".

*

*

AMERIKA DIENST 45

,
•

�KRIEGSVERBRECHEN
17. November 1994

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
FÜR RUANDA
Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß das vom UN-Sicherheitsrat am 8.
November 1994 eingerichtete Kriegsverbrechertribunal für Ruanda Gerechtigkeit und nationale Versöhnung
für die ruandische Bevölkerung fördern kann, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 8. November vor dem UN-Sicherheitsrat.
Ebenso wie im ehemaligen Jugoslawien bestehe in Ruanda die Notwendigkeit, Harmonie zwischen
verschiedenen ethnischen Gruppen der Bevölkerung zu schaffen, indem die für solch abscheuliche Verbrechen
Verantwortlichen ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung zur Verantwortung gezogen werden.
Der Sicherheitsrat nahm mit 13 zu einer Stimme und der Enthaltung Chinas eine Resolution über die
Einrichtung eines internationalen Kriegsverbrechertribunals für Ruanda sowie ein begleitendes Statut mit
Richtlinien für die Arbeit des Tribunals an. Ruanda stimmte gegen diese Resolution und machte unter anderem
den Einwand geltend, das Statut sehe keine Todesstrafe vor.
Das Tribunal wird Einzelpersonen, einschließlich hoher Regierungsmitglieder, vor Gericht bringen, die des
Genozids und anderer Verletzungen internationaler humanitärer Gesetze seit dem 1. Januar 1994 verdächtigt
werden.

Im Frühjahr fand in Ruanda ein Völkermord statt.
Außerdem wurde der Staat auch von anderen
schwerwiegenden Verletzungen des Völkerrechts
heimgesucht. Der Sicherheitsrat hat sich während
des Großteils dieses Jahres mit diesen entsetzlichen
Geschehnissen befaßt. Der Rat selbst war auch
nicht vor Kritik gefeit. Der heutige Tag ist jedoch
das Ergebnis monatelanger, äußerst harter und
ausdauernder Arbeit unserer Regierungen, des
Sekretariats, der Expertenkommission und dieses
Rates zur Schaffung eines Ad-hoc-Tribunals für die
Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Kriegsverbrechen in Ruanda sowie durch ruandische
Bürger in den Nachbarstaaten Ruandas verübter
Verbrechen.
Wir bedauern, daß die ruandische Regierung gegen
diese Resolution gestimmt hat. Wie bereits von
anderen Mitgliedern des Rates ausgeführt, haben
die Förderer des Tribunals hart daran gearbeitet,
eine Reihe ruandischer Belange einzubeziehen; wir

AMERIKA DIENST 45

waren dazu jedoch nicht bei allen Punkten in der
Lage. Obwohl wir die Besorgnis Ruandas bei verschiedenen wichtigen Angelegenheiten verstehen und bei der Todesstrafe könnten wir sogar einer
Meinung sein - war es einfach nicht möglich, diesen
Sorgen Rechnung zu tragen und gleichzeitig im
Sicherheitsrat breite Unterstützung zu finden. Aus
diesem Grund hält meine Regierung es für den
richtigen Ansatz, das Tribunal einzurichten, wie es
diese Tragödie erfordert, anstatt auf eine Einigung zu
warten, die niemals erzielt wird.
Wir fordern die ruandische Regierung trotzdem dazu
auf, Ihre Verpflichtung zur umfassenden Zusammenarbeit mit dem internationalen Tribunal einzuhalten
und die erforderlichen Ermittlungen vorzunehmen,
damit diejenigen strafrechtlich verfolgt werden, die
unaussprechlicher Akte des Völkermords und anderer
Greueltaten schuldig sind. Wir wissen die Bestrebungen des Rechtsberaters der Vereinten Nationen,
Hans Corell, zu würdigen, mit der ruandischen
Regierung in Kigali über diese Resolution und die

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�Satzung für das Tribunal zu beraten. In den vergangenen Monaten hat dieser Rat sich mit Entschiedenheit für eine möglichst baldige Einrichtung des
Tribunals eingesetzt.
Der Staatsanwalt wird eng mit der Regierung Ruandas zusammenarbeiten müssen, um in diesem
Land eine Präsenz zu errichten und seine Ermittlungs- und Strafverfolgungstätigkeit frei ausüben zu
können. Meine Regierung unterstützt uneingeschränkt die Einrichtung eines Büros des Tribunals
in Kigali sowie die Bewältigung eines Großteils der
Arbeit des Tribunals in Ruanda. Ferner sehen wir
Konsultationen über den offiziellen Sitz des Tribunals
erwartungsvoll entgegen. Das Tribunal muß effizient, sicher und gemäß der allgemeinen Entwicklung internationaler humanitärer Gesetze operieren.
Wir sind gespannt auf die Meinung des Generalsekretärs und des Staatsanwalts.

der Arbeit des Tribunals. Wir möchten jedoch
betonen, daß wir angesichts der wachsenden haushaltspolitischen Erfordernisse des internationalen
Tribunals für das ehemalige Jugoslawien die Aufgabe
haben, beide Ad-hoc-Tribunale mit soviel Geldmitteln
zu versorgen, daß sie ihre Aufgabe erfüllen können.
Das Rechtssystem Ruandas muß ebenfalls wiederaufgebaut werden, um die enorme tägliche Aufgabe
des Strafvollzugs sowie der strafrechtlichen Verfolgung der vielen Verdächtigen zu bewältigen, mit
der sich das Tribunal nicht befassen kann. Meine
Regierung ist bereit, Ruanda bei dieser wichtigen
Aufgabe beizustehen, und wir fordern andere Regierungen dazu auf, ebenso zu handeln.

Als oberster Vertreter der Anklage wird Richter
Goldstone bei diesem Unternehmen dieselbe Integrität und dieselben Fähigkeiten einsetzen wie schon
beim internationalen Tribunal für das ehemalige
Jugoslawien. Wir wollen Richter Goldstones Arbeit
in jeglicher Hinsicht erleichtern. Und wir sehen der
Wahl eines stellvertretenden Staatsanwalts für
Ruanda erwartungsvoll entgegen, der große Verantwortung für die Ermittlungen und strafrechtliche
Verfolgung tragen wird.

Die Ermittlungen im Fall von Genozid sind in der Tat
eine äußerst grausame Arbeit. Wir sind jedoch dafür
verantwortlich sicherzustellen, daß das internationale
Tribunal für Ruanda dieses Ziel erreichen kann, das
auch von diesem Rat zunehmend erkannt wird: Den
einzelnen für seine Verletzungen internationaler
humanitärer Gesetze zur Rechenschaft zu ziehen.
Ebenso wie im ehemaligen Jugoslawien besteht in
Ruanda die Notwendigkeit, Harmonie zwischen
verschiedenen ethnischen Gruppen der Bevölkerung
zu schaffen, indem die für solch abscheuliche Verbrechen Verantwortlichen ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung zur Verantwortung gezogen
werden.

Die Einrichtung eines internationalen Tribunals für
Ruanda ist erst der Anfang. Eine wichtige Herausforderung für uns ist die angemessene Finanzierung
des Tribunals. Wir bitten alle Mitgliedstaaten um
freiwillige Beiträge. Noch wichtiger ist die Bereitstellung ausreichender Fonds durch die Vereinten
Nationen für diese ersten, entscheidenden Monate

Abschließend möchte ich der Hoffnung meiner
Regierung Ausdruck verleihen, daß der von uns
heute unternommene Schritt zu Gerechtigkeit und
nationaler Versöhnung führt, damit das ruandische
Volk nicht in den Erinnerungen an den Wahnsinn und
die Barbarei gefangen bleibt, die es gerade durchlebt
hat.

*

Seite 2

*

* *

AMERIKA DIENST 45

�DROGEN
17. November 1994

USA WARNEN VOR WACHSENDEM DROGENPROBLEM
Rede von Abteilungsleiter Gelbard
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten warnten am 2. November 1994, die Welt befinde sich
"am Vorabend einer Heroinkatastrophe". Vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung erklärte der
Abteilungsleiter im US-Außenministerium für internationale Suchtstoffangelegenheiten, Robert Gelbard, die
Vereinigten Staaten hätten die Befürchtung, es mangele an internationaler Aufmerksamkeit für die einzigartigen
Probleme im Zusammenhang mit Heroin.
"Der Umfang und die Komplexität des internationalen Heroinhandels könnten möglicherweise die Ressourcen
der internationalen Drogenbekämpfung übersteigen, wenn diese nicht gezielt eingesetzt und sorgfältig
koordiniert werden", erklärte er.
Gelbard legte die Politik der Vereinigten Staaten zur Bekämpfung des illegalen Drogenhandels dar und
äußerte, zwar sei eine Kontrolle der Nachfrage zwingend geboten, aber ebenso wichtig sei der Kampf gegen
den Anbau von Drogenpflanzen und die Herstellung von Suchtstoffen. Bestrebungen zur Beschlagnahmung
der Rauschmittel an der Quelle müssten Hand in Hand mit Alternativen zu von der Drogenherstellung
abhängigen Volkswirtschaften gehen.
Ferner skizzierte Gelbard die amerikanische Strategie im Kampf gegen die Kokainproduzenten und -händler
und warnte, die Vereinigten Staaten würden ihre Hilfe sowie Kredite multinationaler Entwicklungsbanken an
die Länder einstellen, die nicht in vollem Umfang an den Bestrebungen zur Bekämpfung des Drogenhandels
teilnehmen.

Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Seit der ersten
Zusammenkunft dieser Art bei den Vereinten Nationen haben wir bei der Bekämpfung des Drogenhandels einen langen Weg zurückgelegt. Noch vor
zehn Jahren hätten uns in diesem Saal die Ohren
geklungen angesichts der stereotypen Debatte
zwischen Produzenten- und Konsumentenländern
von Drogen, wer für die Drogenkrise der Welt
verantwortlich ist. Diese Debatte ist glücklicherweise
beendet. Wir alle tragen unseren Teil der Verantwortung für das Problem, wir alle leiden unter den
Konsequenzen, und wir alle müssen gemeinsam an
einer Lösung arbeiten.
Größere Kooperation und Konsens finden in den von
der Generalversammlung erzielten Fortschritten
ihren Niederschlag. In den letzten fünf Jahren
wurden das Internationale Drogenkontrollprogramm
der Vereinten Nationen (United Nations Drug Control
Program - UNDCP) ins Leben gerufen und ein
umfassender Aktionsplan ausgearbeitet.
(Wir
beglückwünschen Generaldirektor Giacomelli zu den
von ihm erzielten Fortschritten und danken ihm für
seine heute abgegebene wichtige Erklärung.) In

AMERIKA DIENST 45

jüngster Zeit hat auf Initiative der mexikanischen
Delegation eine Gruppe von Delegationen, einschließlich meiner eigenen, gemeinsam an einem
konsensfähigen umfassenden Text über das Drogenproblem gearbeitet. Wir zollen den anderen Förderern dieses Unternehmens große Anerkennung für
ihre konstruktive Arbeit.
Die Vereinigten Staaten sind sich bewußt, daß wir als
Nation verpflichtet sind, unser ernstes Problem des
Drogenmißbrauchs gezielt anzugehen. Obwohl der
gelegentliche Konsum illegaler Drogen in den Vereinigten Staaten seit Mitte der achtziger Jahre
gesunken ist, haben sich die von harten Drogen
Abhängigen dem Wandel widersetzt.
Infolgedessen befaßt sich die Drogenkontrollstrategie
der Vereinigten Staaten mit den Problemen des
Drogenkonsums in unserem Land und konzentriert
sich auf die Therapie und Rehabilitation von Drogenabhängigen, insbesondere von Konsumenten harter
Drogen. Wir haben Fortschritte dabei erzielt, unsere
jungen Menschen davon zu überzeugen, nicht mit
dem Konsum von Drogen zu beginnen, und wir

Seite 1

�verstärken unsere Drogenpräventionsprogramme,
um diesen Prozeß fortzusetzen.
Eine Kontrolle der Nachfrage ist unumgänglich, aber
eine Kontrolle des Anbaus von Drogenpflanzen und
der Produktion von Suchtstoffen ist ebenfalls erforderlich. Bestrebungen zur Beschlagnahmung von
Drogen an der Quelle müssen mit Entwicklungshilfe
kombiniert werden, damit den vom Drogenanbau
abhängigen Volkswirtschaften ökonomische Alternativen geboten werden können.
Der internationale Kokainhandel, der für die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern die direkteste Gefahr darstellt, ist
äußerst unberechenbar. Die großen internationalen
Drogensyndikate setzen sich aus geschickten,
skrupellosen Geschäftsleuten zusammen.
Sie
erweitern ihre Operationen und Märkte insbesondere
auf Regionen mit schwacher politischer Kontrolle.
Zu ihrer Bekämpfung benötigen wir verstärkte
internationale Zusammenarbeit.
Im Kampf gegen den Kokainhandel wurden bereits
beträchtliche lobenswerte Fortschritte gemacht:
Abnahme der Anbaus von Kokapflanzen in
verschiedenen Gebieten Südamerikas, obwohl
wir nicht vergessen dürfen, daß er sich in anderen Regionen weiter verbreitet.
Die mutige und kostenaufwendige Zerschlagung
des Medellin-Kartells in Kolumbien, der vielleicht
gefährlichsten Verbrecherorganisation des vergangenen Jahrzehnts.
Eine Intensivierung der Ermittlungen in vielen
Ländern, die stärkeren Druck auf Drogenbarone
und Geldwäscher ausüben.
Einleitende Schritte zur Reorganisation von
Rechtsinstitutionen und Erarbeitung von Gesetzen zur gezielten Bekämpfung von Drogenhändlerringen.

Meine Regierung möchte auf dem aufbauen, was
sich in der Vergangenheit als funktionierender Ansatz
erwiesen hat. Unsere Strategie im Kampf gegen
Kokain konzentriert sich auf vier Elemente:
Erstens. Angriff auf den Kern des Handels, indem
der Schwerpunkt von den Transitländern zu den
Produzentenländern verlagert wird. Wir wollen
unsere Ressourcen dort konzentrieren, wo der
Handel begrenzter und möglicherweise ungeschützter ist.
Zweitens. Konzentration auf die Drogenbarone
und ihre Organisationen. Wir können den Drogenhandel nur zerschlagen, wenn wir die Händlerorganisationen und ihre Führer vernichten. Diese
Drogenbarone - die mit Hilfe von Korruption und
Einschüchterung überleben - stellen für die Regierungen auf der ganzen Welt eine reale und
ernsthafte Bedrohung dar.
Drittens. Stärkung der nationalen Institutionen zur
Bekämpfung des Drogenhandels. Wir alle müssen einen größeren Anteil der Last internationaler
Drogenkontrolle übernehmen.
Reformen des
Rechtswesens sind ein wichtiger Bestandteil
dieser Bestrebung.
Viertens. Streben nach engerer internationaler
Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten
Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten und anderer multilateraler Foren, unter besonderer Berücksichtigung von Institutionen der
Gesetzgebung, Justiz und strafrechtlichen Verfolgung sowie tragfähige Entwicklungshilfe für
Produzentenländer, die sich für eine Abschaffung
des Drogenanbaus einsetzen.
Diese vier Elemente richten sich gegen die Macht
und Stärke des Kokainhandels. Gestützt auf Milliarden Dollar an Gewinnen aus dem letzten Jahrzehnt
haben die führenden Drogenhändler sich auf viele
unserer gegen sie gerichteten Bestrebungen eingestellt - mit einer Ausnahme: dem Verlust ihrer
Freiheit und ihres Wohlstands.

Abnahme der Nachfrage nach Kokain durch
Gelegenheitskonsumenten.
Diese Errungenschaften erhöhen das Risiko der
Händlerorganisationen, aber wir haben noch nicht
gewonnen. Der Drogenhandel wirft weiterhin enorme Profite ab, und die größten Syndikate sind nach
wie vor nicht eingeschüchtert. In vielen Teilen der
Welt weitet sich der Konsum von Kokain aus, und
die Zahl der von harten Drogen Abhängigen in den
Vereinigten Staaten hat nicht abgenommen.

Seite 2

Diese Bedrohung

scheinen sie immer noch zu fürchten.
Das ist unsere heutige Sicht der Maßnahmen zur
Bekämpfung des Kokainhandels. Meine Delegation
ist besorgt darüber, daß die internationale Aufmerksamkeit gegenüber den einzigartigen Herausforderungen des Heroinproblems abnimmt. Mehrere Statistiken deuten darauf hin, daß wir am Vorabend einer
Heroinkatastrophe stehen:
Erstes: Das Ausmaß der Produktion. Jüngsten
Schätzungen zufolge beläuft sich die weltweite
illegale Opiumproduktion auf ungefähr 3.700 Tonnen

AMERIKA DIENST 45

�- doppelt soviel wie den Schätzungen von 1986
zufolge. Das reicht aus, um 370 Tonnen reines
Heroin herzustellen.
Zweitens: Der Umfang der Produktion. Der Anbau
der Kokapflanze konzentriert sich auf eine Region
der Welt. Illegaler Opiumanbau findet auf jedem
Kontinent der Erde mit Ausnahme der Antarktis statt
und weitet sich aus. Die Ernte des führenden
Opiumherstellers von 2.575 Tonnen machte 1993
etwa 70 Prozent der weltweiten Produktion aus aber mindestens 10 weitere Länder sind bedeutende
Hersteller.
Manche dieser Produzentenländer
beteiligen sich erst seit einigen Jahren am Handel.
Drittens: Das Problem des Zugangs zur Opium- und
Heroinherstellung in entlegenden Teilen der Welt. In
Südost- und Südwestasien wird das Opium von
Stämmen oder ethnischen Gruppen produziert, die
halbautonomen, gut bewaffneten und gewalttätigen
Kriegsherren und großenteils nicht der Kontrolle
durch die Kommunalregierung unterstehen.
Viertens: Die schnell ansteigende Nachfrage nach
Heroin, die den Produktionsanreiz erhöht. Die
Drogenkonsumenten in den Produzentenländern
wechseln von Opium zu Heroin. Die Abhängigkeit
von Heroin verbreitet sich in den Transitländern und
bereitet in einigen anderen Gebieten weiterhin den
größten Anlaß zur Sorge. Wir sehen Anzeichen für
steigenden Heroinkonsum in den Ländern, in denen
bisher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung heroinabhängig war.
Schließlich ist noch die Ausbreitung des zunehmend
komplexen Händlernetzes zu nennen, das praktisch
jeden Kontinent umspannt. Für neue Organisationen
eröffnen sich ne'ue Chancen. Einst an der Peripherie des Handels befindliche Länder spielen jetzt bei
Handel und Verteilung eine wichtige Rolle.
Der Umfang und die Komplexität des internationalen
Heroinhandels können möglicherweise die Ressourcen der internationalen Drogenbekämpfung übersteigen, wenn diese nicht gezielt eingesetzt und
sorgfältig koordiniert werden.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für den
größtmöglichen Einsatz multilateraler Organisationen, insbesondere des UNDCP, bei der Bekämpfung
des Heroinhandels. Die Vereinten Nationen spielen
nicht nur dabei eine Rolle, die internationale Aufmerksamkeit verstärkt auf dieses Problem zu lenken,
sondern auch bei der Koordination und Durchführung globaler, regionaler und länderspezifischer
Bestrebungen zur Verringerung der Produktion und
Weitergabe von Heroin.
Multilaterale Gruppen
spielen eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung von

AMERIKA DIENST 45

Richtlinien zur Kontrolle des Handels mit Chemikalien, die zur Gewinnung von Heroin und anderen
Drogen verwendet werden. Diese Gruppen müssen
ebenfalls im Mittelpunkt der internationalen Koordination zur Bekämpfung von Geldwäsche stehen.
Unsere bilateralen Programme zielen darauf ab,
Institutionen zur Bekämpfung des Drogenhandels in
den wichtigsten Produzenten- und Transitländern zu
stärken, die sich für eine Kontrolle des Drogenhandels einsetzen. Unsere internationalen Programme
müssen alle auf nationaler Entschlossenheit basieren.
Wir müssen auf klaren Ergebnissen bestehen. Ich
möchte ganz offen sein. Wenn der Präsident der
Vereinigten Staaten entscheidet, daß ein wichtiges
Produzenten- oder Transitland nicht umfassend mit
uns zusammengearbeitet oder selbst angemessene
Schritte zur Kontrolle des Drogenhandels unternommen hat, werden wir unsere materielle Hilfe
kürzen und gegen die Gewährung von Darlehen
durch multilaterale Entwicklungsbanken stimmen.
Das gebietet das Gesetz, aber auch der gesunde
Menschenverstand.
Anfang dieses Jahres traf
Präsident Clinton in dieser Hinsicht die schwierigsten
Entscheidungen. Es gibt keinen Grund zu erwarten,
daß er im nächsten Jahr weniger engagiert ist.
Die Kontrolle des Anbaus bleibt ein entscheidendes
Element jeder wirksamen Strategie. Sie erfordert
großes Engagement einer Reihe von Produzentenländern in dieser Hemisphäre und in Thailand. Das
Vorgehen in diesen Ländern zeigt, daß eine Abschaffung des Anbaus von Drogenpflanzen funktionieren kann, es unterstreicht aber auch, welche für
langfristigen Erfolg erforderlichen Bedingungen
derzeit in allzu vielen entlegenen und unzugänglichen
Anbaugebieten nicht gegeben sind: Zugang der
Regierung zu der Region, Verpflichtung zu Erntekontrollen, Verfügbarkeit wirtschaftlicher Alternativen.
Ermutigend ist, daß die zentralasiatischen Staaten
jetzt erste Reaktionen auf die problematische Ausweitung des Drogenhandels in der Region zeigen.
Wir hoffen auf eine schnelle und starke Reaktion, um
diese Region vor der weiteren Ausbeutung durch
Verbrechersyndikate zu schützen, die neue Transitwege, eine Ausweitung des Anbaus und neue Märkte
anstreben.
Die neue Regierung Südafrikas sieht sich riesigen
Herausforderungen gegenüber, von denen eine
bedauerlicherweise der internationale Drogenhandel
ist. Wir teilen die Sorge Südafrikas, da wir wissen,
wie internationale Händlerringe oftmals eine Ausweitung ihrer Märkte und Transportoperationen in im
Umbruch befindliche Länder anstreben. Wir unterstützen die Bestrebungen in Südafrika, den Drogenhändlern zuvorzukommen.

Seite 3

�Herr Vorsitzender, wir sind alle mit finanziellen
Engpässen konfrontiert. Aus diesem Grund müssen
wir unsere Bestrebungen und Ressourcen koordinieren. Um Engagement in Taten umzusetzen,
müssen wir auf internationaler und nationaler Ebene
gleichermaßen Ressourcen mobilisieren. Im vergangenen Jahr unterstützte meine Regierung intensivierte Bestrebungen, um durch den systemumspannenden Aktionsplan die gesamte UNO in die Bekämpfung des Drogenhandels einzubinden, insbesondere die für Entwicklung zuständigen Unterorganisationen.
Wir sind uns bewußt, daß schon viel unternommen
wurde und möchten darauf aufbauen. Im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen
(United Nations Economic and Social Council ECOSOC) wurde die Verbindung zwischen einer
Förderung globaler, wirtschaftlicher und sozialer
Entwicklung und der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels unterstrichen.
Die Idee, der Drogenhandel sei eine schwere Belastung für die Wirtschaft und Lebensfähigkeit eines
Landes kann unpopulär und unkonventional erscheinen. Die Drogenherstellung verlagert sich, gefördert
durch den Mangel an ökonomischen Alternativen,
jedoch zunehmend in einige der ärmsten, am wenigsten entwickelten und entlegendsten Teile der Welt.
Und mit zunehmendem Anstieg der Drogenherstellung in diesen Gebieten fassen auch die problematischen Begleiterscheinungen Drogenmißbrauch,
Kriminalität und Gewalt Fuß und breiten sich aus.
Die sozialen Konsequenzen des Drogenhandels und
-mißbrauchs unterminieren die vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (United Nations
Development Program - UNDP), der Ernährungsund Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen (Food and Agriculture Organization of the
United Nations - FAO), der Weltbank sowie weiteren
Organisationen geförderten und finanzierten Entwicklungsprogramme.
Der ECOSOC unterstrich die Pflicht jedes Mitglieds
der internationalen Staatengemeinschaft zu gewährleisten, daß Ziele im Bereich der Entwicklung und
der Drogenbekämpfung gleichermaßen gefördert
werden. Meine Regierung hat damit begonnen,
multilaterale Entwicklungsbanken in ernsthafte
Initiativen zur Bekämpfung des Drogenhandels

*

Seite 4

*

einzubinden. Als großenteils unerschlossene Ressource können diese Organisationen eine wertvolle
Rolle bei der Unterstützung tragfähiger Entwicklungsprogramme spielen, die Einkommens- und
Beschäftigungsalternativen zur Drogenherstellung
bieten. Diese Initiativen können jedoch nur dann zu
einer Verminderung der Gefahr durch Suchtstoffe
führen, wenn sie von glaubwürdigen Maßnahmen im
Bereich der Strafverfolgung begleitet werden.
Die Weltbank und andere Geberinstitutionen zeigen
zunehmende Bereitschaft zur Unterstützung der
Drogenbekämpfung. Es ist an der Zeit, daß die
Mitgliedstaaten diese Programme fördern und auf
bilateraler Ebene und im Rahmen der leitenden
Behörden solche Hilfe erbitten. Wir ermutigen die
wichtigsten Länder, die Opium herstellen und Kokapflanzen anbauen, Vorschläge zur Nutzung dieser
Hilfe zu unterbreiten.

1

,

Schließlich möchte meine Regierung auf ein Anliegen
hinweisen, das vom geschäftsführenden Direktor des
UNDCP, Giacomelli, formuliert wurde. Die Mitgliedstaaten fordern die Vereinten Nationen zur Übernahme einer größeren Rolle auf und stellen gleichzeitig weniger Mittel zur Verfügung. Wir können nicht
eine relativ kleine Anzahl von Regierungen bitten, für
ein weltweites Problem zu zahlen. Das UNDCP sieht
sich 1995 mit einem Haushaltsdefizit konfrontiert. Wir
fordern die Mitgliedstaaten dringend auf, eine Erhöhung ihrer freiwilligen Beiträge für das UNDCP in
Erwägung zu ziehen.
Herr Vorsitzender, es gibt keine einfache Lösung für
das weltweite Drogenproblem. Meine Regierung ist
der festen Überzeugung, daß die Vereinten Nationen
nicht bloß eine Einrichtung zur Friedensschaffung und
-Sicherung sind. Sie sind ein Forum für die Konfrontation mit den Feinden der Demokratie. Wenn wir
diesen Ort heute verlassen, sollten wir fest dazu
entschlossen sein, den internationalen Drogenhandel
und -mißbrauch zu verurteilen. Dieser Entschlossenheit sollten in den führenden Gremien der UNOProgramme und den multilateralen Entwicklungsbanken, zur Unterstützung des UNDCP sowie unserer
Innenpolitik Taten folgen. Es steht für uns zuviel auf
dem Spiel, als daß wir es uns leisten könnten, uns
von diesen wichtigen internationalen Bestrebungen
zur Bekämpfung von Drogenhandel und -mißbrauch
zurückzuziehen.

*

*

AMERIKA DIENST 45

,

t

�WIRTSCHAFT
17. November 1994

Korrektur
Dem aufmerksamen Leser dürfte bei der Lektüre des Artikels von Finanzminister Lloyd Bentsen "Warum das
Haushaltsdefizit? Der finanzielle 'Kater' aus den achtziger Jahren" in der Ausgabe 44 des Amerika Dienst
klargewesen sein, daß es sich bei den Angaben von Billiarden Dollar um Billionen und bei den Billionen um
Milliarden Dollar handelt.

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

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              <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kongresswahlen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton sagt Zusammenarbeit mit neuem Kongress zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten bei Pressekonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frustration der Wähler war Schlüsselfaktor bei Wahlergebnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Analyse der Wahlen zum amerikanischen Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pläne der Republikaner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenarbeit erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützt Kriegsverbrechertribunal für Ruanda&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA warnen vor wachsendem Drogenproblem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Gelbard&lt;/em&gt;</text>
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