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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

9. November 1994

44

AUSSENPOLITIK

DYNAMIK FÜR FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
MUSS BEWAHRT WERDEN
Rede von Außenminister Christopher

ZWEI HERAUSFORDERUNGEN NACH DEM
KALTEN KRIEG: NORDKOREA UND
SADDAM HUSSEIN
Eine Analyse von CIA-Direktor Woolsey

IRAK

BAGDAD IGNORIERT DIE NOT DER
IRAKISCHEN BEVÖLKERUNG
Ablehnung des Vorschlags der UNO

WIRTSCHAFT

WARUM DAS HAUSHALTSDEFIZIT?
DER FINANZIELLE 'KATER'
AUS DEN ACHTZIGER JAHREN
von Finanzminister Lloyd Bentsen

PORTRAT

CHARLES E. REDMAN
Porträt des neuen US-Botschafters in Bonn
J.D. BINDENAGEL
Gesandter der Bonner US-Botschaft

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
9. November 1994

DYNAMIK FÜR FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
MUSS BEWAHRT WERDEN
Rede von Außenminister Christopher
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor Studenten und Fakultätsmitgliedern der Georgetown University stellte
Außenminister Warren Christopher am 24. Oktober 1994 fest, der arabisch-israelische Konflikte nähere sich
seinem Ende, wobei die amerikanische Führung eine entscheidende Rolle gespielt habe. Gleichzeitig, warnte
der Außenminister, dürfe man den Feinden des Friedens - den Terrororganisationen Hamas und Hisbollah
sowie verbrecherischen Staaten wie Iran und Irak - nicht erlauben, die Aussichten für den Frieden zunichte zu
machen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher.

Vater O'Donovan, meine Damen und Herren.
Herr Dekan, ich danke Ihnen für die einleitenden
Worte. Es ist mir eine große Ehre, mit einem meiner
verehrten Vorgänger hier sein zu dürfen, einem
Mann, unter dem ich die Ehre hatte, Stellvertretender Außenminister zu sein - Ed Muskie.
Wenige Institutionen haben mehr für die Ausbildung
und Bewährung derjenigen getan, die später außenpolitische Verantwortung getragen haben, als
Georgetown. Da wäre natürlich vor allem Präsident
Clinton zu nennen. Nur in Amerika kann man von
dem hohen Amt eines studentischen Vorsitzenden
des Prüfungsausschusses für Nahrungsmittel von
Georgetown zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte
werden. Auch Professor Madeleine Albright, unsere
ausgezeichnete UN-Botschafterin, hat in Georgetown
studiert. Georgetown hat den Intellekt zahlloser
vergangener und gegenwärtiger Botschafter und
anderer Diplomaten geschult und wird dies auch in
Zukunft tun.
Seit die grausamen Spaltungen des Kalten Krieges
verschwunden sind, hat sich viel auf der Welt
verändert. Die amerikanische Außenpolitik muß sich
nicht länger auf die Eindämmung der Sowjetunion
konzentrieren. Die Vereinigten Staaten haben eine
neue Chance zum Aufbau einer sichereren und
integrierteren Welt mit offenen Gesellschaften und
offenen Märkten.
Einiges verändert sich jedoch nicht. Vor vier Jahrzehnten hielt Präsident Truman in seinem letzten

AMERIKA DIENST 44

Bericht zur Lage der Nation den unveränderten
Charakter unserer nationalen Zielsetzung fest:
"Umstände ändern sich, und aktuelle Fragen nehmen
häufig unterschiedliche Formen an und werden Jahr
um Jahr komplizierter. Die großen Themen dahinter
lauten jedoch nach wie vor gleich: Wohlstand,
Sozialwesen, Menschenrechte, effektive Demokratie
und vor allem Frieden."
Die außergewöhnlichen Ereignisse der vergangenen
Wochen erinnern uns erneut daran, daß die dauerhaften Interessen unserer Nation unverändert sind.
Dasselbe trifft auf unsere Verpflichtung zu, diese
Interessen durch kontinuierliche und stetige Diplomatie zu verfolgen, gegebenenfalls unterstützt von der
Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt. Diese Art von
Diplomatie strebt keine unmittelbaren Ergebnisse auf
Kosten langfristiger Ziele an. Wie wir in diesem
bemerkenswerten Herbst beobachten konnten,
kommt der Gewinn mit der Zeit.
In Haiti war die triumphale Rückkehr von Präsident
Aristide der Höhepunkt des dreijährigen Engagements zur Wiederherstellung einer demokratischen
Regierung. Als jedes Mittel für eine friedliche Lösung
erschöpft war, mobilisierten wir das Militär. Dank
unserer Bereitschaft, unser Engagement mit dem
Einsatz von Gewalt zu untermauern, konnten wir
unsere anfänglichen Ziele mit einem Maximum an
Geschwindigkeit und einem Minimum an Blutvergießen erreichen. Die Anführer des Putsches haben
das Land verlassen. Die rechtmäßige Regierung ist
wiedereingesetzt. Die Flüchtlinge kehren zurück. Wir
haben Möchtegern-Putschisten eine eindeutige

Seite 1

�Botschaft gesandt: Die Demokratie, der Schlüssel
zu Stabilität auf beiden amerikanischen Kontinenten,
kann nicht ohne Strafe gestürzt und den Menschen
nicht gestohlen werden. Ebenso wie andernorts
dürfen wir auch im Falle Haitis nicht selbstzufrieden
sein. Aber wir haben große Fortschritte erzielt.
Unsere entschlossene Diplomatie bei der nordkoreanischen Nuklearfrage hat zu einem Rahmenabkommen geführt, das die seit langem bestehenden
amerikanischen Zielsetzungen voranbringt. Wenn es
umgesetzt ist, wird es Nordostasien vom Gespenst
des nuklearen Rüstungswettlaufs befreien. Während
der 16monatigen Verhandlungen führten wir häufige
Konsultationen mit Südkorea, Japan und der Internationalen Atomenergie-Organisation. Wir haben mit
China, Rußland und anderen Mitgliedern des UNSicherheitsrats zusammengearbeitet und die Androhung von Wirtschaftssanktionen in die Realität
umgesetzt. Die Folge: Ein breit unterstütztes,
verifizierbares Abkommen, das Frieden und Stabilität
in einen Region bewahrt, die für uns von vitalem
Interesse ist.
Die jüngsten Leistungen in Haiti und bei der nordkoreanischen Nuklearfrage waren das direkte Ergebnis
der kontinuierlichen Führungsrolle, Koalitionsbildung
und der vom Einsatz von Gewalt unterstützten
Diplomatie der Vereinigten Staaten. Dieselbe
Zielsetzung und dasselbe Engagement waren das
Merkmal der Politik dieser Administration gegenüber
dem Nahen Osten. Heute möchte ich mich auf die
dramatischen Veränderungen konzentrieren, die sich
in dieser entscheidenden Region vollziehen. Der
arabisch-israelische Konflikt nähert sich seinem
Ende, wobei die amerikanische Führung eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Am morgen nach seiner Wahl vor fast zwei Jahren
bekräftige Präsident Clinton die dauerhaften Interessen der Vereinigten Staaten im Nahen Osten. Er
gelobte, den arabisch-israelischen Friedensprozeß
zu einer seiner obersten Prioritäten zu machen. Und
er setzte eine umfassende Strategie zur Beschleunigung der Fortschritte in die Praxis um.
Diplomatisch haben die Vereinigten Staaten zur
Belebung und Fortsetzung der in Madrid in die Wege
geleiteten Verhandlungen auf der Grundlage der
Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats
beigetragen. Wirtschaftlich haben wir die internationale Unterstützung für die Grundsatzerklärung
zwischen Israel und der PLO gewonnen, die amerikanisch-israelische-jordanische Wirtschaftskommission gegründet und auf eine Beendigung des arabischen Boykotts gedrängt. Strategisch haben wir
unsere sicherheitspolitischen Verbindungen zu Israel
und unseren wichtigsten arabischen Freunden

gestärkt und ein Bollwerk gegen eine Aggression der
verbrecherischen Regime der Region errichtet,
insbesondere gegen Irak und Iran.
Heute zeitigt diese Strategie historische Ergebnisse.
In 24 Stunden wird der Präsident eine Reise antreten,
die jedes Element dieses Ansatzes verstärken wird.
Erstens wird der Präsident zur Förderung des Friedensprozesses der Unterzeichnung eines uneingeschränkten Friedensvertrags zwischen Israel und
Jordanien als zweitem arabischem Staat beiwohnen.
In Damaskus wird Präsident Clinton versuchen, auf
diese Dynamik durch das Drängen auf Fortschritte
bei den Verhandlungen zwischen Israel und Syrien
aufzubauen. Zweitens wird der Präsident im Vorfeld
der Wirtschaftskonferenz von Casablanca Gespräche
mit Israel, Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien
führen. Bei dieser Konferenz werden 900 führende
Unternehmer aus Israel, den arabischen Staaten und
der ganzen Welt die durch die Umgestaltung des
Nahen Ostens und Nordafrikas geschaffenen Möglichkeiten sondieren. In Kuwait wird Präsident Clinton
schließlich den amerikanischen Soldaten einen
Besuch abstatten - einem Teil der vor zwei Wochen
zur Abwehr von Saddam Husseins Bedrohung seiner
Nachbarn entsandten Streitmacht.

»
k

Während seiner Reise wird der Präsident eine
unmißverständliche Botschaft übermitteln:
Die
Vereinigten Staaten werden alles in ihrer Macht
Stehende tun, um den Aufbau einer neuen Zukunft im
Nahen Osten zu fördern. Wir können den Terrororganisationen Hamas und Hisbollah sowie verbrecherischen Staaten wie Iran und Irak nicht erlauben, die Aussichten für den Frieden zunichte zu
machen. Seite an Seite mit Israel und ihren arabischen Partnern werden die Vereinigten Staaten den
Kurs steuern um sicherzustellen, daß die Kräfte der
Zukunft über die Kräfte der Vergangenheit triumphieren.
Bei der Unterzeichnungszeremonie werden auch
Jordanien und Israel eine Botschaft übermitteln.
König Hussein und Ministerpräsident Rabin haben
sich zum Aufbau eines "kooperativen" Friedens
verpflichtet. Diese beiden mutigen Politiker sind
entschlossen, ihre Grenze zu einem Tor statt einer
Barriere zu machen. In israelischen Zeitungen sieht
man bereits Anzeigen für Rundfahrten zu den großen
historischen Stätten Jordaniens in Petra und Jerash.
Dank der Arbeit der trilateralen amerikanisch-jordanisch-israelischen Koalition
wurden Pläne zur
Entwicklung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte, zur
gemeinsamen Nutzung der Wasservorkommen und
zur Erschließung des Jordantales unterbreitet. Dank
dieser Projekte werden menschliche Kontakte geknüpft und gemeinsame Interessen vereint. Sie
werden einen dauerhaften Frieden konsolidieren.

AMERIKA DIENST 44

r

�Im vergangenen Jahr hat der Nahe Osten eine
tiefgreifende Umgestaltung begonnen, die meines
Erachtens grundlegend ist. Die Veränderungen
vollzogen sich so rasch und waren so konstant, daß
wir heute vor zwei Jahren scheinbar undenkbare
Entwicklungen als selbstverständlich hinnehmen.
Die Grundsatzerklärung zwischen Israel und der
PLO gewährt über 800.000 Palästinensern in Gaza
und Jericho die Selbstbestimmung. Es wurde ein
Abkommen erzielt, das dem Westjordanland frühzeitig neue Befugnisse verleiht, und für die palästinensischen Wahlen wurden Verhandlungen aufgenommen. Natürlich gibt es noch große Schwierigkeiten.
Aber Yitzhak Rabin, Schimon Peres und Yasser
Arafat sind entschlossen, den Frieden Realität
werden zu lassen.
Wirtschaftliche Entwicklung ist unabdingbar für den
Erfolg der Palästinenser. Die Palästinenser brauchen Beweise, daß der Frieden ihr Leben verbessern wird. Aus diesem Grund haben die Vereinigten
Staaten die Gemeinschaft der Geberländer zur
Unterstützung der palästinensischen Selbstbestimmung mobilisiert. Aus diesem Grund haben wir eng
mit dem PLO-Vorsitzenden Arafat zusammengearbeitet, damit die Projekte beginnen können. Es muß
jedoch noch mehr getan werden, um die Hilfe zu
erleichtern und ihre Wirkung zu maximieren.
Wenn der größte Bedarf der Palästinenser wirtschaftliche Entwicklung ist, so ist die größte sie
konfrontierende Bedrohung die Terrororganisation
Hamas. So sicher wie das Massaker der letzten
Woche gegen die Israelis gerichtet war, sollte es
auch die Hoffnungen der Palästinenser zerschlagen.
Wenn Frieden nur weitere Terroranschläge hervorbringt, kann der Aussöhnungsprozeß nicht aufrechterhalten werden. Mehr als alle anderen werden die
Palästinenser leiden. Es ist unabdingbar, daß Arafat
seiner Verantwortung gerecht wird, den Terror in den
seiner Kontrolle unterstehenden Gebieten auszumerzen. Denselben Mut, den er beim Friedensschluß
an den Tag legte, muß er nun beim Kampf gegen
die Feinde des Friedens zeigen.
Auch die israelisch-syrische Verhandlungsschiene
hat sich im vergangenen Jahr entscheidend verändert. Zum ersten Mal haben diese einst bitteren
Feinde ernsthafte Verhandlungen zur Beendigung
ihres Konflikts aufgenommen. Ich habe unzählige
Stunden in intensiven Gesprächen mit Präsident
Assad und Ministerpräsident Rabin verbracht. Beide
Männer wollen das zentrale Thema einer Lösung
unbedingt ansprechen. Es ist uns gelungen, die
Meinungsverschiedenheiten zu verringern, aber es
bleiben noch wichtige Probleme bestehen.

AMERIKA DIENST 44

Meines Erachtens kommt die Zeit rasch näher, in der
wir schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Wenn diese Gespräche Erfolg haben, wenn sie den
"Frieden der Mutigen" hervorbringen sollen, von dem
Präsident Assad spricht, dann muß das Tempo der
derzeitigen Verhandlungen einem mutigeren Ansatz
Platz machen.
Wir sind uns über die damit einhergehenden Risiken
und Kosten im klaren. Für Syrien bedeutet der
Frieden, Jahrzehnte des Mißtrauens zu überwinden
und die auf Konfrontation ausgerichtete Politik zu
beenden. In dem Umfeld eines echten und umfassenden Friedens, in dem es keinen Platz für
Terroristen an Israels Grenzen gibt, blicken wir auch
auf den Tag, an dem sich die Beziehungen zwischen
Syrien und den Vereinigten Staaten verbessern
werden. Für Israel bedeutet der Frieden mit Syrien
schwierige Entscheidungen. Aber die Realität des
Friedens wird unmißverständlich sein: Das Ende des
arabisch-israelischen Konflikts, das Ende der Bedrohung durch einen Krieg und Israels uneingeschränkte Integration in das politische und wirtschaftliche Leben des Nahen Ostens.
Es gibt harte Proben für den Frieden zwischen Israel
und Syrien. Erstens muß es ein echter Frieden sein,
der eine aktive Verpflichtung zur Versöhnung widerspiegelt. Es ist von Bedeutung, daß Präsident Assad
gesagt hat, Syrien habe eine strategische Entscheidung für den Frieden mit Israel getroffen und sei
bereit, seine objektiven Erfordernisse zu erfüllen. Die
Anforderungen eines echten Friedens sind für alle
klar: Ein vereinbarter Rückzug, volle diplomatische
Beziehungen, Grenzen, die den Transfer von Menschen und Waren erleichtern und die Verpflichtung,
sich gegenseitig nie wieder zu bedrohen.
Zweitens muß der Frieden zwischen Israel und Syrien
Sicherheit für beide Seiten bieten. Nach Jahrzehnten
der Feindschaft muß jede Seite den Sicherheitsbelangen der anderen Seite gegenüber aufgeschlossen sein. Falls erforderlich, sind die Vereinigten
Staaten in geeigneter Form zur Beteiligung an den
zwischen den Parteien ausgehandelten Sicherheitsarrangements bereit.
Ich möchte folgenden Punkt unmißverständlich
klarstellen:
Das strategische Engagement der
Vereinigten Staaten für Israel ist unerschütterlich.
Wir wollen Israels qualitativen militärischen Vorteil
und seine Fähigkeit zur Selbstverteidigung aufrechterhalten. Wie Präsident Clinton versprochen hat,
werden die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende tun, um die von Israel für den Frieden
einzugehenden Risiken so gering wie möglich zu
halten.

Seite 3

�Schließlich muß der Frieden zwischen Israel und
Syrien den Weg zu einem umfassenden Frieden
ebnen. Ein israelisch-syrisches Abkommen wird
zwangsläufig den Kreis der arabischen Staaten
erweitern, die Frieden mit Israel schließen. Und es
wird das Vertrauen aller stärken, daß der Frieden
dauerhaft sein wird. Aus diesem Grund erachten wir
ein Abkommen zwischen Israel und Syrien als
Schlüssel zu einem umfassenden Frieden. Unsere
Vision ist einfach: Einerseits ein sicheres Israel, das
in Frieden mit allen arabischen und islamischen
Staaten guten Willens lebt, andererseits eine arabische Welt, die ihre Ressourcen der Wirtschaftsentwicklung und den Bedürfnisse ihres Volkes
zukommen lassen kann.

Die Neudefinierung des Nahen Ostens von einer
Zone kontinuierlicher Konflikte zu einer, die Versöhnung verbreitet, ist die Chance, die wir ergreifen
müssen. Und diese Chance müssen wir vor den
Feinden des Friedens schützen. Die jüngste Welle
des Terrors gegen Israel wurde von verzweifelten
Kräften ausgelöst, die wissen, daß ihr Extremismus
in einer Region auf dem Weg zum Frieden keine
Zukunft hat. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, ein
Nachhutgefecht der Gewalt zu kämpfen, das darauf
ausgerichtet ist, den Nahen Osten erneut in eine
tragische Vergangenheit der Angst und des Konflikts
zu stürzen.

Wir machen dramatische Fortschritte zu einem
umfassenden Frieden. Mit amerikanischer Förderung haben Marokko und Tunesien im vergangenen
Monat offiziell Kontakte zu Israel aufgenommen.
Und bei einem Gespräch mit mir bei den Vereinten
Nationen haben Saudi-Arabien und die anderen
Staaten des Golfkooperationsrats ein Ende des
sekundären und tertiären Boykotts von Firmen
bekanntgegeben, die mit Israel handeln. Dies
eröffnet sowohl für Israel als auch für die amerikanischen Unternehmer enorme Handels- und Investitionschancen. Wir hoffen, den ganzen Boykott
schon sehr bald in die Geschichtsbücher verbannt
zu sehen.

Die internationale Staatengemeinschaft muß den
Terror der Hamas, Hisbollah und anderer Extremisten
ablehnen. Die scharfe Verurteilung des Terrors,
insbesondere seitens der arabischen Nachbarn
Israels, ist ein unerläßlicher Ausgangspunkt. Aber
Verurteilung ist nicht genug. Eine echte Strafe muß
verhängt werden. Wir müssen gemeinsam alle
ausländischen Finanzquellen für Terroranschläge sowohl öffentliche als auch private - unterbinden. Im
Ausland angesiedelte Frontorganisationen, die mit
Terrorismus in Verbindung stehen, müssen zerschlagen werden.
Und die Organisatoren und
Ausführenden von Terroranschlägen müssen bestraft
werden.

In der nächsten Woche werden in Casablanca die
Fortschritte im Nahen Osten zu einer neuen Zukunft
einen Sprung nach vorne machen, wenn der marokkanische König Hassan die Gipfelkonferenz über
den Nahen Osten und Nordafrika einberuft. Ebenso
wie Madrid das Tabu politischer Kontakte zwischen
Israel und den Arabern gebrochen hat, wird Casablanca das Tabu über die Zusammenarbeit im
Privatsektor brechen.

Das ist der Kurs, von dem wir die Regierungen im
Nahen Osten und weltweit überzeugen wollen. Und
das ist der Kurs, den wir verfolgen werden. Wir
werden alles in unserer Macht Stehende tun - und
gegebenenfalls rechtliche Unterstützung suchen - um
sicherzustellen, daß die Hamas und andere Terroristen keine Unterstützung aus den Vereinigten Staaten erhalten.

Unsere Botschaft wird unmißverständlich sein: Der
Nahe Osten ist für Unternehmen offen. Durch
Investitionen, Handel und Gemeinschaftsunternehmen kann die Privatwirtschaft Bande knüpfen, die
den Frieden zwischen Regierungen in einen Frieden
zwischen Menschen umwandeln. Nur ein pulsierender Privatsektor kann das Wachstum herbeiführen
und die Integration vornehmen, die zur Untermauerung eines dauerhaften Friedens erforderlich sind.
Ich freue mich, daß amerikanische Unternehmen in
Casablanca vertreten und bereit sein werden, die
enormen neuen Möglichkeiten zu nutzen. Auch die
Regierungen müssen ihren Beitrag leisten. Sie
müssen Wirtschaftsbarrieren abbauen und die
Infrastruktur aufbauen, die den Nahen Osten auf den
Land- und Luftweg sowie per Fax und Mikrochip
verbindet.

Seite 4

Wir werden ihren Erfolg nicht zulassen.

Natürlich können radikale Gruppen ihre Greueltaten
nicht fortsetzen ohne die Unterstützung reaktionärer
Staaten. Iran und Irak sind nach wie vor die gefährlichsten Akteure der Region. Mit ihrer Politik der
doppelten Eindämmung führen die Vereinigten
Staaten die Welt bei der Bekämpfung der Bedrohung
an, die diese beiden Länder darstellen.
Iran ist der bedeutendste staatliche Förderer von
Terrorismus und der vehementeste Gegner des
Friedens im Nahen Osten. Die internationale Staatengemeinschaft war viel zu tolerant gegenüber dem
verachtenswerten Verhalten des Iran. Waffenverkäufe und wirtschaftliche Präferenzbehandlung, die
dem Iran die Umleitung seiner Ressourcen für
terroristische Zwecke erleichtern, sollten verboten
werden. Es gibt erdrückende Beweise: Der Iran hat
die Absicht, Terror und Extremismus im Nahen Osten

AMERIKA DIENST 44

�und darüber hinaus zu verbreiten. Nur konzertierte
internationale Bestrebungen können das Land
aufhalten.
In jüngster Zeit hat der verbrecherische Staat Irak
unsere Entschlossenheit auf die Probe gestellt, und
wir haben den Test bestanden. In einem in erschreckender Weise dem vor der Invasion Kuwaits
im Jahr 1990 gleichenden Szenario bewegte Saddam Hussein Truppen an die kuwaitische Grenze.
Binnen Stunden dislozierte Präsident Clinton amerikanische Streitkräfte nach Kuwait. Saddam hat die
Botschaft erhalten, abrupt haltgemacht und die
Truppen zurückgezogen.
Unter amerikanischer Führung verabschiedete der
UN-Sicherheitsrat einstimmig eine Resolution mit der
Forderung, daß Saddam Hussein seine in den
Süden verlegten Truppen abzieht. Dadurch wurden
zukünftige Aktionen Saddam Husseins zur Verstärkung seiner dort stationierten Streitkräfte verhindert. Und Saddam Hussein wurde gewarnt, nie
wieder seine Nachbarn oder UN-Operation im Irak
zu bedrohen.
Saddam hat sich als Wiederholungstäter erwiesen,
dem weder international noch in der arabischen Welt
getraut wird. Wir haben ihn wissen lassen, daß
jeder Wiederholung seiner jüngsten Bedrohungen
mit allen erforderlichen Mitteln begegnet wird,
einschließlich militärischer Macht.
Das irakische Volk sollte verstehen, daß allein
Saddam Husseins brutales Regime für sein Leiden
verantwortlich ist. Saddam hat weiterhin die Ressourcen des Irak für militärische Unternehmen
verschwendet.
Er hat sich geweigert, die UNResolutionen zu nutzen, die eine Erfüllung der
humanitären Bedürfnisse gestattet hätten. Saddam

*

AMERIKA DIENST 44

Hussein wird die Vereinten Nationen nicht dahingehend einschüchtern, die Sanktionen aufzuheben. Er
weiß, daß die Sanktionen nur gelockert werden
können, wenn der Irak alle entsprechende Resolutionen des UN-Sicherheitsrats vollständig einhält. Aber
das ist der einzige Ansatz, den er nicht versucht hat.
Saddam Husseins kontinuierliche Aggression und die
jüngste Terrorkampagne der Hamas unterstreichen
die Tatsache, daß die Kräfte des Hasses und Extremismus im Nahen Osten immer noch am Werk
sind. Wir werden jedoch nicht zulassen, daß ihre
Gewalt uns für den sich in der Region abzeichnenden
Lauf der Geschichte blind macht.
Erstaunliche
Veränderungen vollziehen sich. Während sich dieses
Jahrhundert seinem Ende zuneigt, stehen Araber und
Israelis an der Schwelle zu einer neuen Zukunft einer Zukunft der Hoffnung und des Friedens, nicht
der Verzweiflung und des Krieges.
Die Führungsrolle, Macht und Diplomatie der Vereinigten Staaten war über Administrationen beider
Parteien unerläßlich, um uns zu diesem vielversprechenden Augenblick zu bringen. Wenn die
Vereinigten Staaten nichts unternommen hätten,
könnten die irakischen Streitkräfte wieder in Kuwait
sein, Nordkorea würde den Bau von Nuklearwaffen
fortsetzen und die Haitianer würden immer noch unter
den Militärdiktatoren leiden. Unsere jüngsten Leistungen führen uns vor Augen, daß nur die Vereinigten
Staaten die strategische Vision und die globalen
Fähigkeiten zu einer Führungsrolle haben.
Und die amerikanische Führungsrolle ist mehr denn
je entscheidend um sicherzustellen, daß das Versprechen des Friedens Realität wird. Wir können und wollen - nicht zulassen, daß die Kräfte der
Vergangenheit diese historische Chance zerstören.
Die Dynamik für den Frieden muß bewahrt werden.

* * *

*

Seite 5

�AUSSENPOLITIK
9. November 1994

ZWEI HERAUSFORDERUNGEN NACH DEM KALTEN
KRIEG: NORDKOREA UND SADDAM HUSSEIN
Eine Analyse von CIA-Direktor Woolsey
PITTSBURGH - (AD) - In einer Rede vor dem World Affairs Council von Pittsburgh umriß der Direktor des
amerikanischen Nachrichtendienstes CIA, James Woolsey, die Dimensionen der zwei "großen Herausforderungen", mit denen sich die Welt in der Zeit nach dem Kalten Krieg konfrontiert sieht: Nordkorea und das
Nuklearprogramm des Landes, das Nuklearprogramm des Irak und Saddam Husseins militärische Manöver.
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus Woolseys Analyse.

Das von den Vereinigten Staaten und Nordkorea am
21. Oktober 1994 unterzeichnete Abkommen beseitigt das Problem des nordkoreanischen Nuklearprogramms nicht sofort. Es bietet jedoch einen
Rahmen, um mit der Zeit eine Lösung dieses Problems herbeizuführen, und der Nachrichtendienst hat
eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Verhandlungen gespielt.
Unsere Analyse Nordkoreas ist nicht auf das Nuklearprogramm des Landes begrenzt, sondern umfaßt
auch sein politisches, wirtschaftliches und militärisches Vorgehen. Nordkorea steht für ideologische
Starre, wirtschaftlichen Zerfall und militärische
Macht, wobei alle drei Faktoren in keinem Verhältnis
zu legitimen Sicherheitserfordernissen stehen.
Als Kim II Sung - das einzige Staatsoberhaupt, das
Korea je hatte - am 8. Juli einem Herzinfarkt erlag,
wurde sein Sohn, Kim Chong II, sein Nachfolger,
obwohl er noch nicht offiziell zum Präsidenten oder
Vorsitzenden der Koreanischen Arbeiterpartei
ernannt worden ist. Kim Chong hat seine Absicht
bekundet, den Sozialismus zu erhalten und nach
dem Tod seines Vaters verschärfte Indoktrination
angeordnet. Darüber hinaus ist Kim Chong II bisher
wenig geneigt, die sich verschlechternde Volkswirtschaft in Angriff zu nehmen oder die Verteidigungsausgaben drastisch zu senken, die nahezu 25
Prozent des nordkoreanischen Bruttosozialprodukts
(BSP) verschlingen.
Die nordkoreanische Volkswirtschaft steht in der Tat
kurz vor dem Zusammenbruch. Das BSP ist seit
1989 um nahezu 15 Prozent geschrumpft. Der
Handel mit Rußland - seit jeher Nordkoreas wichtigster Handelspartner - ist russischen Statistiken

AMERIKA DIENST 44

zufolge zwischen 1989 und 1992 um fast 90 Prozent
gesunken, und der Handel mit China ging allein in
der ersten Hälfte dieses Jahres um 24 Prozent
zurück.
Nordkorea ist fest entschlossen, sich nicht vom
Süden einverleiben zu lassen, wie Ostdeutschland
von der Bundesrepublik Deutschland übernommen
wurde. Tatsächlich wurde in öffentlichen Erklärungen
Nordkoreas seit 1988 stets 1995 - oder spätestens
das Ende des Jahrzehnts - als Nordkoreas Termin für
die Vereinigung genannt, allerdings zu den Bedingungen Nordkoreas. Die Position des Landes wird durch
die großzügigen Ausgaben für die nordkoreanischen
Streitkräfte widergespiegelt. Seit Anfang der achtziger Jahre hat Nordkorea enorme Ressourcen zur
Erhöhung von Umfang, Feuerkraft und Mobilität
seines Militärs aufgewandt. Die 947.000 Soldaten
starke Armee des Nordens - verglichen mit 600.000
im Jahr 1980 - ist die viertgrößte der Welt. Zwei
Drittel der Bodentruppen sind 60 Meilen von der
entmilitarisierten Zone entfernt stationiert. Ich möchte
damit nicht andeuten, daß Nordkorea zwangsläufig in
diesem oder dem kommenden Jahr einen Krieg
gegen Südkorea beginnen will, aber angesichts von
Umfang, Zusammensetzung und Stationierung der
nordkoreanischen Streitkräfte müssen wir die Rhetorik des Landes ernstnehmen.
Unsere Besorgnis erstreckt sich nicht nur auf die
Stationierung des nordkoreanischen Militärs auf der
Halbinsel, sondern auch auf die Dislozierung der
ballistischen Raketen. Eine Rakete mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern wurde im vergangenen
Jahr flugerprobt und kann - sobald sie entwickelt und
stationiert ist - mit nuklearen, chemischen oder
biologischen Gefechtsköpfen bestückt werden. Die

Seite 1

�Nordkoreaner entwickeln zwei zusätzliche Raketen
mit einer sehr viel größeren Reichweite als 1.000
Kilometer.
Diese Raketen wurden noch nicht
erprobt, aber mit ihrer längeren Reichweite könnten
sie eine Gefahr für ganz Nordostasien, Südostasien,
einen Großteil des Pazifiks und sogar den größten
Teil Rußlands darstellen. Das nordkoreanische
Raketenprogramm ist an sich kein eindeutiger
Beweis, daß Nordkorea eine ICBM-Fähigkeit entwikkeln will. Aber wenn jemand ein Programm zur
Entwicklung einer solchen Fähigkeit entwerfen
würde, wäre die Produktion und Erprobung mehrerer
Mittelstreckenraketen ein entscheidender Schritt.
Saddams Ziele sind klar.
Erstens will Saddam seine Macht über den gesamten Irak wiederherstellen. Er möchte die Befugnis
der Vereinten Nationen sowie die Inspektionen in
seinem Land und die gegen den Irak verhängten
Sanktionen untergraben, die Flugverbotszone
abschaffen und die Opposition gegen seine Herrschaft aus dem Norden und Süden schwächen. Im
Norden setzt sein Regime die Wirtschaftsblockade
gegen die kurdisch kontrollierten Gebiete fort.
Darüber hinaus schüchtern seine Streitkräfte die
Mitarbeiter der UN und privater Hilfsorganisationen
weiterhin ein und greifen sie an. Irakische Agenten
wurden zur Sammlung von nachrichtendienstlichen
Erkenntnissen und Durchführung von Operationen
gegen die Mitarbeiter der Organisationen und
Koalitionstruppen in den Nordirak eingeschleust. Im
Süden werden die Schia nach wie vor von der
Regierung unterdrückt. Im Rahmen dieser Bestrebungen hat das Regime riesige - aus dem All
deutlich sichtbare - Kanäle gebaut, um die großen
Marschen von Euphrat und Tigris trockenzulegen.
Zehntausende in diesen Marschen lebende Araber
wurden aus ihren Häusern vertrieben und Hunderte
Dörfer und Städte zerstört, ganz zu schweigen von
der ökologischen Katastrophe, die damit für ein über
ein Jahrtausend lang unberührtes Ökosystem
ausgelöst wurde.
Zweitens will Saddam Hussein seine Streitkräfte
ebenso wiederaufbauen wie seine Fähigkeit zur
Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Der
Irak ist im Besitz von über 2.000 Panzern und 300
Kampfflugzeugen - der größten Streitmacht in der
Golfregion. Darüber hinaus verfügt der Irak über die
größte Anzahl wissenschaftlicher und technischer
Fachleute in der arabischen Welt - allein 7.000
Atomwissenschaftler und Ingenieure. Die Sanktionen haben ihren Spielraum zur Entwicklung solcher
Waffenfähigkeiten eingeschränkt. Aber selbst angesichts dieser Restriktionen und selbst wenn Saddam
*

Seite 2

Hussein Resolution 715 des UN-Sicherheitsrats über
die ständige Überwachung seiner Programme für
Massenvernichtungswaffen annimmt, hält sein
Regime immer noch SCUD-Raketen, chemische
Munition und das gesamte Programm zur biologischen Kriegführung versteckt.
Saddam Husseins drittes Ziel besteht darin, den Irak
zur beherrschenden Macht in der Region zu machen.
Seine Aktionen und Aussagen nach der von ihm
1991 erlittenen verheerenden Niederlage belegen
eindeutig, daß er alles andere als ein reumütiger
Sünder ist. Vor dem letzten Zwischenfall war es an
der irakisch-kuwaitischen Grenze nicht immer ruhig.
Saddams Streitkräfte haben die dort stationierten UNBeobachter weiterhin schikaniert. Er hat die Anerkennung der Grenzen und der Souveränität Kuwaits
in Aussicht gestellt, aber im Gegenzug verlangt, daß
die Vereinten Nationen einen endgültigen Zeitplan für
die Aufhebung der Sanktionen festsetzen.
Wäre Saddam Hussein bereit gewesen, die Bedürfnisse seines Volkes vor seine persönlichen Ambitionen zu stellen, stünden ihm friedliche Mittel zur
Verfügung. Die Vereinten Nationen boten dem Irak
vorübergehende Erleichterung an, als sie 1991 den
Verkauf einer begrenzten Menge von Öl durch den
Irak zuließen, damit das Land den Kauf von humanitären Hilfsgütern im Wert von fast einer Milliarde
Dollar finanzieren konnte. Die Vereinten Nationen
haben ferner zugestimmt, daß in den türkischen
Pipelines irakisches Öl fließt, was zusätzliche 320
Millionen Dollar an Öleinnahmen bedeutet hätte.
Saddam wollte jedoch nichts davon haben. Er lehnte
beide Angebote ab, weil er entscheiden will, wie das
Geld ausgegeben wird und an wen die Waren
geliefert werden. Statt dessen hat Saddam Hussein
ein umfangreiches Programm zum Bau Dutzender
neuer Paläste für sich im Irak in die Wege geleitet.
Für ihn gab es nur eine Vorgehensweise, dieselbe,
von der sein Verhalten in der Vergangenheit bestimmt war: Kriegerische Rhetorik gekoppelt mit
militärischer Einschüchterung - oder Schlimmeres.
Und so wurden zwei Eliteeinheiten der Republikanischen Garde südwärts an die kuwaitische Grenze
entsandt.
Saddam Hussein hat erklärt, dieses
militärische Manöver sei eine Routineübung. Unsinn.
Die Dislozierung der irakischen Streitkräfte an die
kuwaitische Grenze war die größte Bewegung des
irakischen Militärs seit der Operation Wüstensturm.
Diese Streitkräfte wurden in gleicher Weise wie bei
der Dislozierung vor der irakischen Invasion in Kuwait
im Jahr 1990 verlegt. Sie waren mit Munition ausgerüstet und hatten logistische Unterstützung - es
handelte sich also keinesfalls um ein Manöver.

* * *

*

AMERIKA DIENST 44

�IRAK
9. November 1994

BAGDAD IGNORIERT DIE NOT DER
IRAKISCHEN BEVÖLKERUNG
Ablehnung des Vorschlags der UNO
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Erst am 17. Oktober
1994 wiederholte der Präsident des UN-Sicherheitsrats das Angebot, das Leiden des irakischen Volkes
zu mildern - ein Angebot, das Bagdad weiterhin
ablehnt.
"Die Not der irakischen Bevölkerung ist real, und der
Sicherheitsrat steht dem keineswegs gleichgültig
gegenüber, obwohl das beim irakischen Regime der
Fall ist", teilte der Präsident des UN-Sicherheitsrats,
der britische Botschafter David Hannay, dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten des Irak, Tariq
Aziz, während einer Debatte des Rates mit. "Wir
haben nicht mit dem irakischen Volk, sondern mit
seinen Herrschern Streit, deren Vermächtnis von
Aggression, Niederlage und Unterdrückung einen
schrecklichen Tribut fordern."
"Drei Jahre lang", so Hannay, "haben die Mitglieder
des Sicherheitsrats nach Mitteln und Wegen gesucht, damit durch irakische Ölexporte Nachschub
an Medikamenten und Nahrungsmitteln für diejenigen finanziert werden kann, die ihrer am meisten
bedürfen. Jeder dieser Versuche wurde vom Irak
durchkreuzt...
Heute mache ich dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten des Irak folgendes Angebot: Wenn Sie
die Bestimmungen der Resolutionen 706 und 712
annehmen, wird der Rat sie noch diese Woche
aktualisieren und ihnen neue Wirkung verleihen.
Sollten Sie hierzu jedoch nicht bereit sein, können
Sie nicht länger die Behauptung aufrechterhalten,
das Leiden des irakischen Volkes könne irgend
jemand anderem zur Last gelegt werden als der
Regierung, der Sie angehören."
Das Angebot über den Tausch von Nahrungsmitteln
gegen Erdöl wurde Ende Oktober vom Irak noch
immer abgelehnt. Der seit langer Zeit bestehende
Vorschlag ist das Ergebnis der Sorge des Rates
angesichts der wachsenden Not der Iraker. Er

AMERIKA DIENST 44

wurde 1991 in den Resolutionen 706 und 712 schriftlich dargelegt. Nach sporadischen Verhandlungen
zwischen Vertretern der Vereinten Nationen und des
Irak teilte der Irak der UNO im September 1993 mit,
er sei nicht länger an einer Fortsetzung der Gespräche über den Abschluß von Vereinbarungen zum
Verkauf von Erdöl interessiert.
Der Plan hätte dem Irak den einmaligen Verkauf von
Erdöl im Wert von 1,6 Milliarden Dollar über einen
Zeitraum von einem halben Jahr gestattet, damit das
Land für den Nachschub an dringend benötigten
humanitären Hilfsmitteln und für andere Kriegsschulden zahlen kann. Der Verkauf sollte auf jeder Stufe,
angefangen beim Vertragsabschluß über den Transport, die Erdölumschlagplätze bis zum Kauf und der
Verteilung der Hilfsmittel von den Vereinten Nationen
überwacht werden um sicherzustellen, daß die
Lebensmittel und Medikamente die bedürftigen Iraker
erreichen.
Die vom UN-Sicherheitsrat wenige Tage nach der
Invasion Kuwaits gegen den Irak verhängten strengen
Wirtschaftssanktionen gestatteten dem Irak zu jedem
Zeitpunkt die Einfuhr von Nahrungsmitteln und
Medikamenten. Ferner führen die Vereinten Nationen
seit mehreren Jahren ein behördenübergreifendes
humanitäres Kooperationsprogramm für den Irak im
Wert von 288,5 Millionen Dollar jährlich durch, das
noch bis zum März 1995 fortgesetzt werden soll.
Das Programm erhielt bisher nur etwa 25 Prozent der
benötigten Gelder. Kürzlich fand in Genf ein Treffen
der Geberländer statt, bei dem über die Arbeit
berichtet und um Beiträge gebeten wurde.
Von April bis September 1994 verteilten die UNOrganisationen Versorgungsgüter im Wert von 40,6
Millionen Dollar, die Hälfte davon Nahrungsmittel.
Ferner dienten 23 Prozent der Hilfsleistungen der
öffentlichen Gesundheit, 10 Prozent der Trinkwasserversorgung und hygienischen Zwecken, der Rest war
für Landwirtschaft, Bildung und Ausbildung sowie

Seite 1

�Unterbringung vorgesehen. Außerdem bieten die
Vereinten Nationen Schutz für die Konvois und
Angehörigen humanitärer Hilfsdienste in den nördlichen kurdischen Provinzen. Mehr als 40 internationale nichtstaatliche Organisationen sind ebenfalls im
Land tätig und haben im ersten Halbjahr 1994 über
17 Millionen Dollar aufgewandt.
Im Zwischenbericht des UNO-Programms wird
darauf hingewiesen, die vorherrschende Situation im
Irak erfordere "weitere humanitäre Maßnahmen. Im
vergangenen halben Jahr hat sich die Lage im
Bereich der Wirtschaft und der öffentlichen Gesundheit weiter verschlechtert... Sowohl das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) als auch die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) stimmen darin
überein, daß die öffentliche Gesundheit in allen
Teilen des Irak drastisch beeinträchtigt ist. Im Land
besteht ein entscheidender Mangel an lebensrettenden Medikamenten. Das Auftreten von Malaria und
durch Wasser übertragenen Krankheiten häuft sich
beträchtlich."

Kurden Lebensmittel und Gesundheitsfürsorge
vorzuenthalten und für die dem Militär und der Elite
der Baath Partei gewährte Vorzugsbehandlung.
"Das offensichtliche Ungleichgewicht zwischen den
Ausgaben für militärische Zwecke und den für Gesundheitsfürsorge, Bildung und Ausbildung vorgesehenen Ressourcen illustriert eindeutig die von der
irakischen Regierung gesetzten Prioritäten", so van
der Stoel.
1990 gab der Irak 511 Prozent mehr für militärische
Zwecke als für soziale Belange aus. Dem Bericht
des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen
(UNDP) über die menschliche Entwicklung zufolge
waren im Jahr 1987 630 Prozent mehr Menschen im
militärischen als im Bildungssektor beschäftigt. Diese
beiden Prozentzahlen zum Verhältnis militärischer
und sozialer Aufwendungen sind weltweit die höchsten.

Während Vertreter des UNO-Programms keine
Schuldzuweisungen vornehmen, macht der Sonderberichterstatter der UN-Menschenrechtskommission
für den Irak die irakische Regierung für die alarmierende humanitäre Situation verantwortlich.

In dem UNDP-Bericht wird ferner festgestellt, daß die
Ausgaben des Irak für öffentliche Gesundheit von
einem Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP) im
Jahr 1960 auf 0,8 Prozent im Jahr 1987 sanken,
während die militärischen Ausgaben von 8,7 Prozent
des BSP 1960 auf 23 Prozent im Jahr 1989 anstiegen.

In seinem Anfang des Jahres der Kommission
vorgelegten Bericht erklärte Max van der Stoel, die
"beunruhigenden" Statistiken "demonstrieren eindeutig den Unwillen der irakischen Regierung, ihren
Verpflichtungen im Hinblick auf die wirtschaftlichen
Rechte ihrer Bevölkerung nachzukommen".

"Mit anderen Worten", so van der Stoel, "zieht der
Irak, insbesondere unter dem sogenannten 'sozialistischen' Programm der herrschenden Elite Waffen der
Nahrungsmittelversorgung und Gesundheitsfürsorge
vor. Angesichts der gegenwärtigen Lage ... wird
diese Präferenz noch stärker."

Van der Stoel stellte fest, die Sanktionen "hatten
zweifelsohne nachteilige Auswirkungen auf das
allgemeine Wohlergehen", äußerte aber auch, "es ist
ebenso klar, daß die irakische Regierung für das
derzeitige Leiden verantwortlich ist, da allein die
Regierung die erforderlichen Schritte unternehmen
kann, um alle für eine Aufhebung der Sanktionen
nötigen Bedingungen zu erfüllen".

Im Norden des Landes hat das interne Embargo
Bagdads zu einer vollständigen Abhängigkeit der
Kurden von den Vereinten Nationen bei ihren kleinen
Rationen von Medikamenten, Nahrungsmitteln und
Heizöl geführt.
Die Lage wurde noch dadurch
verschlimmert, daß die Regierung Dörfer und Ackerland bombardierte und dadurch das Anpflanzen von
Getreide vereitelte oder die Ernte zerstörte.

"Ferner ist die irakische Regierung zur Vereinfachung der Verteilung von humanitären Hilfsgütern
durch Zusammenarbeit gemäß Resolution 688 des
Sicherheitsrats in der Lage", in der die Bedingungen
für den Waffenstillstand dargelegt sind, sowie durch
Nutzung der Vorteile des Verkaufs von Erdöl gegen
Nahrungsmittel.

Zusätzlich zu der rüden Behandlung der kurdischen
Landwirte verhindert das irakische Regime auch, daß
die vertriebenen irakischen Landwirte im Süden mehr
als 71 Millionen irakische Dinare für ihr Land erhalten.

Der Menschenrechtsberichterstatter machte die
irakische Regierung für die ungerechte Verteilung
von Nahrungsmitteln verantwortlich sowie für die
"diskriminierende" Politik, der schiitischen Bevölkerung in den südlichen Sumpfgebieten und den

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Kuwait stimmte einem Plan der Vereinten Nationen
zur Entschädigung irakischer Bürger zu, die nach der
offiziellen Demarkation der Grenzlinie auf der kuwaitischen Seite der Grenze in den Gebieten um Umm
Quasr und Al-Abdaly endeten. Die irakischen Bürger,
die nach Abschluß der Ernte im Februar 1994 nicht
in Kuwait bleiben durften, sollten aufgrund der

AMERIKA DIENST 44

�Veranlagung eines von den Vereinten Nationen
ausgewählten neutralen Gremiums für ihren Privatbesitz und ihr Vermögen eine Entschädigung erhalten.
Das Geld sollte an den einzelnen, nicht an die
Regierung gezahlt werden. Der Irak erlaubte seinen
Bürgern jedoch nicht, dieses Geld anzunehmen,
weshalb es einem von der UNO für die Landwirte
vorgesehenen Treuhandfonds zufloß.

*

AMERIKA DIENST 44

Der Sicherheitsrat überprüft alle zwei Monate, ob der
Irak die von den Vereinten Nationen für einen Waffenstillstand festgesetzten Bedingungen einhält, um
eine Entscheidung über die eventuelle Aufhebung der
Sanktionen treffen zu können. Mehr als drei Jahre
nach Festsetzung der Waffenstillstandsbedingungen
finden jedoch nur äußerst langsame Fortschritte statt,
die immer wieder von Rückschlägen begleitet werden.

* * * *

Seite 3

�WIRTSCHAFT
9. November 1994

WARUM DAS HAUSHALTSDEFIZIT? DER FINANZIELLE
'KATER' AUS DEN ACHTZIGER JAHREN
von Finanzminister Lloyd Bentsen
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Finanzminister Lloyd Bentsen, der erstmals in The Wall Street
Journal erschien. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Wall Street
Journal, (c) 1994 Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Von manchen wird behauptet, das fortbestehende
Haushaltsdefizit beweise, daß die Regierung immer
einen unkontrollierten Appetit hat: Irgend etwas in
Washington - vielleicht das Trinkwasser - zwinge den
Kongreß und den Präsidenten immer wieder, die
staatlichen Ausgaben über Gebühr zu erhöhen.
Wenn ich aber untersuche, woher das Defizit
stammt, sehe ich, daß solche Behauptungen nicht
der Wahrheit entsprechen.
Unser derzeitiges Haushaltsdefizit ist eine Spätfolge
der übermäßigen Staatsverschuldung der achtziger
Jahre. Wenn wir seit 1981 einen ausgeglichenen
Haushalt gehabt hätten, gäbe es jetzt kein Defizit.
Betrachten wir uns beispielsweise unsere Planung
für das laufende Haushaltsjahr. Im Rechnungsjahr
1995 wird die Bundesregierung schätzungsweise
1,345 Billiarden Dollar - oder 19 Prozent des nationalen Einkommens - in Form von Steuern einnehmen. Sie wird insgesamt 1,297 Billiarden Dollar oder 18 Prozent des nationalen Einkommens ausgeben. Die Bundesregierung nimmt also 57
Billionen Dollar mehr ein, als sie für alle Programme
ausgibt - von sozialer Sicherheit und Medicare bis
zum FBI, von der Arbeitslosenunterstützung bis zur
Air Force.
Warum haben wir dann ein Haushaltsdefizit?
Warum verzeichnen wir nicht einen Überschuß von
57 Billionen Dollar? Weil substantielle Programme
nicht das einzige sind, wofür das Finanzministerium
zahlen muß. Wir müssen außerdem für die anstehenden Zinsen der Staatsverschuldung aufkommen.

AMERIKA DIENST 44

Nach Präsident Carters letztem Haushalt, dem
Rechnungsjahr 1981, belief sich die gesamte Staatsverschuldung auf 785 Billionen Dollar. Dies sind
noch ausstehende Forderungen - jedes Mal, wenn wir
für eine der Schuldverschreibungen zahlten, die vom
Ende des Rechnungsjahres 1981 noch ausstanden,
haben wir dieses Geld durch erneute Kreditaufnahme
aufgebracht. Im Haushaltsjahr 1995 werden wir 51
Billionen Dollar an Zinsen für diesen Teil unserer
Staatsverschuldung aufbringen, der noch aus den
Etats der achtziger Jahre stammt.
Wenn die vor 1981 gemachten Schulden unsere
einzigen Staatsschulden gewesen wären - und wenn
wir in den achtziger Jahren einen ausgeglichenen
Haushalt gehabt hätten, wäre das auch der Fall
gewesen - hätten wir immer noch einen Überschuß
zu verzeichnen: Die 57 Billionen Dollar überschüssiger Einnahmen würden ausreichen, um die Zinsen für
die vor 1981 gemachten Schulden zu zahlen - und es
blieben noch 6 Billionen Dollar übrig.
Zusätzlich zu den am Ende des Haushaltsjahrs 1981
ausstehenden Schulden in Höhe von 785 Billionen
Dollar wurden seitdem 2,648 Billiarden neuer Schulden gemacht. Für diese seit 1981 aufgenommenen
Gelder müssen wir im laufenden Haushaltsjahr
Zinsen in Höhe von 174 Billionen Dollar - also mehr
als die Summe unseres gesamten prognostizierten
Haushaltsdefizits von 167 Billionen Dollar - zahlen.
Da die noch aus den achtziger Jahren herrührenden
Zinsen das Haushaltsdefizit dieses Jahres übersteigen, sehe ich mich zu der Äußerung veranlaßt,
daß unser derzeitiges Defizit nicht das Ergebnis eines
der Regierung eigenen und überall verbreiteten
unkontrollierten Appetits ist. Vielmehr ist unser Defizit

Seite 1

�die Folge einer staatlichen Ausgabenpolitik, die seit
Ende des Haushaltsjahres 1981 zu 2,665 Billiarden
Dollar Staatsschulden führte.
In den achtziger Jahren begaben wir uns auf eine
nationale Sauftour - wir senkten im ganzen Land die
Steuern und erhöhten die Verteidigungsausgaben,
ohne für eine langfristige finanzielle Stabilität der
Regierung Sorge zu tragen. Jetzt leiden wir unter
einem nationalen 'Kater' - Schulden in Höhe von
2,665 Billiarden Dollar mit jährlichen Zinszahlungen
von 174 Billionen Dollar und Kopfschmerzen wegen
des diesjährigen Haushaltsdefizits von 167 Billionen
Dollar.
Das waren ein beträchtliches Saufgelage, ein ganz
schöner 'Kater' und - zumindest für den Finanzminister - ziemliche Kopfschmerzen angesichts dieses
Defizits.
Wir befinden uns aber nicht länger auf Sauftour - die
Einnahmen reichen zur Deckung der Ausgaben
vollkommen aus. Wir haben aber immer noch einen
'Kater' und Kopfschmerzen. Was sollten wir gegen
die Kopfschmerzen - das verbleibende Haushaltsdefizit - unternehmen?
Einige Politiker favorisieren die Ansicht, man vertreibe seinen 'Kater' am besten mit einem Schluck
Alkohol - einer weiteren Runde unbegründeter
Steuersenkungen und Erhöhung der Verteidigungsausgaben in der Annahme, was Anfang der achtziger Jahre gut gewesen sei, wäre vielleicht auch
Ende der neunziger Jahre ein gutes Mittel gegen
unseren 'Kater'. Das kann ich jedoch nicht empfehlen. Wenn wir das versuchen würden, hätte ich
schon jetzt Mitleid mit demjenigen, der in zehn
Jahren Finanzminister wäre. Dieser Politiker hätte
dann mit fünfmal so starken Kopfschmerzen aufgrund von Verschuldung und Defizit zu kämpfen wie
ich heute.
Ich würde empfehlen, daß wir ein Aspirin nehmen
und uns an die Arbeit machen. Und genau dazu hat
uns Präsident Clinton in seinem Plan über den
Abbau des Haushaltsdefizits aus dem Jahr 1993
aufgefordert.
*

Seite 2

*

Es geht uns schon viel besser. Vergangene Woche
haben die Direktorin unserer Haushaltsbehörde, Alice
Rivlin, und ich den Schlußbericht unserer beiden
Behörden über das Defizit im Haushaltsjahr 1994 dem Zeitraum vom 1. Oktober 1993 bis zum 30.
September dieses Jahres - vorgelegt. Das Haushaltsdefizit ist auf 203 Billionen gesunken.
Bei der Amtsübernahme Präsident Clintons prognostizierten wir, das Defizit würde - falls die Administration nichts dagegen unternähme - im Haushaltsjahr
1994 302 Billionen Dollar betragen. Es sind außerordentlich gute Neuigkeiten, daß wir - unter der
Führung des Präsidenten bei der Senkung der
Ausgaben, angesichts der positiven Reaktion der
Wirtschaft auf den Plan des Präsidenten und Glück
bei einigen 'technischen' Angelegenheiten in bezug
auf die Ausgaben - ein Haushaltsdefizit für 1994
haben, das nahezu 100 Billionen geringer ist als
befürchtet. Und es sind außerordentlich gute Neuigkeiten, daß wir aufgrund des Programms des Präsidenten zum Abbau des Haushaltsdefizits jetzt für das
laufende Haushaltsjahr ein Defizit von ungefähr 167
Billionen Dollar oder 2,4 Prozent des gesamten
nationalen Einkommens prognostizieren - halb so viel
wie das 92iger Defizit in Höhe von 4,9 Prozent des
Volkseinkommens der Vereinigten Staaten.
In den vergangenen fünf Jahren wurden zwei wesentliche Programme für den Abbau des Haushaltsdefizits
umgesetzt - 1990 unter Präsident Bush, der wirklichen Mut zeigte, als er die langfristige Gesundheit
der amerikanischen Wirtschaft über seine eigene
politische Karriere stellte - und 1993 unter der Führung Präsident Clintons.
Während wir unsere Arbeit erledigen, dürfen wir nie
vergessen, daß der Grund für unsere heutigen
Kopfschmerzen nicht unser derzeitiges Handeln bei
der staatlichen Einnahmen- und Ausgabenpolitik ist,
sondern die Tatsache, daß wir während des vergangenen Jahrzehnts wirklich einen über den Durst
getrunken haben.

*

*

AMERIKA DIENST 44

�PORTRAT
9. November 1994

Charles E. Redman
Porträt des neuen US-Botschafters in Bonn
BONN - (AD) - Charles E. Redman, Karrierediplomat
im höheren Auswärtigen Dienst, wurde am 13.
September 1994 von Präsident Clinton zum Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland nominiert. Am 28. September
1994 wurde er vom Senat bestätigt und am 7.
Oktober 1994 von Außenminister Warren Christopher vereidigt.
Von August 1993 bis zu seiner Ernennung zum
amerikanischen Botschafter in Deutschland war
Redman als Sonderbotschafter für das ehemalige
Jugoslawien tätig. Davor diente er als Außerordentlicher Geschäftsträger im haitianischen Port-auPrince. Von 1989 bis 1992 war Redman Botschafter
der Vereinigten Staaten in Schweden. Vor seiner
Amtszeit in Schweden hatte er von 1985 bis 1989 im
US-Außenministerium das Amt eines Abteilungsleiters für öffentliche Angelegenheiten sowie des
Sprechers inne.

Charles Redman trat im Jahr 1974 in den Auswärtigen Dienst ein und hatte Positionen in der Amerikanischen Botschaft in Paris, im Büro des NATO-Generalsekretärs in Brüssel sowie in der US-Botschaft in
Algier inne. In Washington war er unter anderem im
Lagezentrum des Außenministeriums tätig und leitete
in der Abteilung für europäische und kanadische
Angelegenheiten des Außenministeriums das Büro für
regionale politisch-militärische
Angelegenheiten
(NATO).
Redman wurde am 24. Dezember 1943 in Waukegan
(Illinois) geboren. 1966 erwarb er an der U.S. Air
Force Academy den Titel eines Bachelor of Science
und 1968 an der Harvard University den Magister in
Staatswissenschaft. Von 1966 bis 1974 diente er in
der US-Luftwaffe und hat jetzt den Rang eines Oberst
der Reserve. Er ist mit Eileen geb. Kowal verheiratet
und hat drei Töchter, Melissa (15), Vanessa (13) und
Christina (11).

* * * *

AMERIKA DIENST 44

*

Seite 1

�PORTRAT
9. November 1994

J. D. Bindenagel
Gesandter der Bonner US-Botschaft
BONN - (AD) - J. D. Bindenagel, Karrierediplomat im
höheren Auswärtigen Dienst, trat im August 1994
sein Amt als Gesandter der Amerikanischen Botschaft in Deutschland an.
Vor Übernahme dieser Position war er Direktor der
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten im
US-Außenministerium und in dieser Eigenschaft
verantwortlich für die bilateralen Beziehungen der
Vereinigten Staaten zu Deutschland, Österreich und
der Schweiz.
Bindenagel war in Deutschland dreimal für das USAußenministerium tätig, zuletzt als Gesandter der
Amerikanischen Botschaft in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik in Berlin - zur Zeit
der demokratischen Revolution in Ostdeutschland,
des Falls der Berliner Mauer, der deutschen Wirtschafts- und Währungsunion, freier Wahlen und der
Vereinigung Deutschlands (1989-90).
In Deutschland war Bindenagel darüber hinaus als
Leiter der Abteilung für Innenpolitik in der Bonner
US-Botschaft (1983-86), als Wirtschaftsbeamter in
der Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten
im US-Außenministerium (1980-83) und als amerikanischer Konsul in Bremen (1977-79) tätig. Vor
seinem Eintritt in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten war Bindenagel als Offizier der USArmee in Würzburg stationiert (1972-74).

Als Congressional Fellow des amerikanischen Politologenverbandes war Bindenagel von 1987-88 Mitarbeiter des Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,
der bei der Gründung der Studiengruppe Deutschland
des Kongresses deren Vorsitzender war.
Ferner hatte er in der freien Wirtschaft den vom
Außenministerium geförderten Posten eines Direktors
für internationale Beziehungen zwischen Regierung
und Wirtschaft bei Rockwell International inne (199192). 1991 war Bindenagel Leiter des Referats für
Entwicklungsländer und Handelsorganisationen in der
Abteilung für wirtschaftliche und unternehmerische
Angelegenheiten im US-Außenministerium. Als das
Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Kanada 1988-89 im Kongreß debattiert
wurde, war er als geschäftsführender Direktor für
kanadische Angelegenheiten im Außenministerium
tätig. Davor war Bindenagel leitender Beamter im
Krisenstab des Au ßenministeriums sowie Wirtschaftsbeamter in Seoul.
Bindenagel wurde am 30. Juni 1949 in Huron (South
Dakota) geboren. Er erwarb 1971 an der University
of Illinois (Urbana) den Titel eines Bachelor of Arts
und 1977 an dieser Universität den Magister in
Verwaltungswissenschaften. Er ist mit Jean Bindenagel verheiratet und hat zwei Kinder. J.D. Bindenagel
spricht Deutsch.

* * * *

AMERIKA DIENST 44

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