<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2374" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2374?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:32:05+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2385">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0f7598226f0ba1f3f166b1b2692d6919.pdf</src>
      <authentication>40f57cf9e17bd29ad6b4237e106d99d3</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12228">
                  <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^r,oN ^

Z12462 C

12. Oktober 1994

40

AUSSENPOLITIK

DIE EREIGNISSE IN IRAK UND HAITI
Fernsehansprache des Präsidenten

NATO

DIE BEDEUTUNG DER NATO
Ansprache von Verteidigungsminister Perry

USA-SUDAFRIKA

GROSSES INTERESSE DER AMERIKANER
AN SÜDAFRIKAS KAMPF
Besuch von Präsident Nelson Mandela
in den USA

ARBEITSWELT

EIN NEUER SOZIALPAKT - DIE ROLLE
DER UNTERNEHMEN
Rede von Arbeitsminister Reich

WIRTSCHAFT

UNSERE WIRTSCHAFT BRAUCHT
WELTWEITE AUFMERKSAMKEIT
von Botschafterin Pamela Harriman

DEUTSCH-AMERIKANISCHER TAG

DEUTSCH-AMERIKANISCHER TAG 1994
Proklamation des Präsidenten

LITERATUR

EDITH WHARTON STEHT FÜR DEN REICHTUM
DER AMERIKANISCHEN LITERATUR
Die Autorin von "Zeit der Unschuld"

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
12. Oktober 1994

DIE EREIGNISSE IN IRAK UND HAITI
Fernsehansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Am 10. Oktober 1994 hielt Präsident Bill Clinton angesichts der Ereignisse an der
irakisch-kuwaitischen Grenze und in Haiti eine Fernsehansprache, die wir nachfolgend im Wortlaut
veröffentlichen.

Heute abend möchte ich mit Ihnen erörtern, was wir
zur Erhaltung der Stabilität am Persischen Golf
angesichts der provokativen Aktionen Saddam
Husseins unternehmen. Zunächst möchte ich jedoch
ganz kurz berichten, was heute in Haiti geschah.
Vor drei Wochen trafen unsere Truppen in Haiti ein,
um die Verpflichtung Amerikas und der internationalen Staatengemeinschaft zur Wiedereinsetzung der
demokratisch gewählten Regierung bis zum 15.
Oktober 1994 zu erfüllen. Heute sind Generalleutnant Cedras und Brigadegeneral Biamby zurückgetreten. Sie haben zugesagt, Haiti in Kürze zu
verlassen. Ich freue mich bekanntgeben zu können,
daß Präsident Aristide am kommenden Samstag,
den 15. Oktober wieder sein rechtmäßiges Amt
übernehmen wird.
Ich möchte nochmals sagen, wie stolz ich auf das
bin, was unsere Männer und Frauen in Uniform in
Haiti geleistet haben und wie gut sie ihrer schwierigen Aufgabe gerecht geworden sind. In nur drei
Wochen ist die Gewaltanwendung reduziert worden,
das Parlament tagt wieder, die Flüchtlinge kehren
aus Guantanamo zurück, und jetzt verlassen die
Militärmachthaber das Land.
Ich möchte jedoch auch zur Vorsicht gemahnen: Die
in Haiti zu leistende Arbeit ist weiterhin schwierig
und gefährlich. Wir haben noch viel zu tun, aber
unsere Truppen erfüllen das Versprechen der
Vereinigten Staaten zur Wiederherstellung der
Demokratie. Sie leisten außerordentlich gute Arbeit,
zeigen Festigkeit und Fairneß, und alle Amerikaner
sind stolz auf sie.
Die Stärke der amerikanischen Außenpolitik beruht
auf der Standhaftigkeit bei der Erfüllung unserer

AMERIKA DIENST 40

Verpflichtungen. Die Vereinigten Staaten und die
internationale Staatengemeinschaft haben ihr Wort
gegeben, daß Irak die Grenzen seiner Nachbarn
respektieren muß. Und heute sind - ebenso wie in
Haiti - die amerikanischen Streitkräfte gemeinsam mit
ihren Verbündeten die Garanten dieses Versprechens, die Macht hinter der Diplomatie.
Vor dreieinhalb Jahren kämpften die Männer und
Frauen unserer Streitkräfte unter der starken Führung
von Präsident Bush, General Powell und General
Schwarzkopf, um den Irak aus Kuwait zu vertreiben
und unsere Interessen in dieser wichtigen Region zu
verteidigen. Heute bleiben wir der Verteidigung der
Unversehrtheit dieser Region sowie dem Schutz der
Stabilität am Golf verpflichtet.
Saddam Hussein hat der Welt bereits vorher mit
seinen aggressiven Aktionen und Massenvernichtungswaffen gezeigt, daß man ihm nicht trauen kann.
Die irakischen Truppenbewegungen und Androhungen der letzten Tage sind hierfür ein weiteres Beispiel. 1990 hat Saddam Hussein eine Streitmacht an
der Grenze zu Kuwait zusammengezogen und ist
dann in das Land eingefallen. Vergangene Woche
stellte er an dieser Grenze erneut eine Streitmacht
auf. In Anbetracht der Ereignisse von 1990 erfordert
diese Provokation eine starke Antwort von Seiten der
Vereinigten Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft.
Am Wochenende ordnete ich die Entsendung des
Einsatzverbands mit dem Flugzeugträger George
Washington, mit Marschflugkörpern ausgerüsteter
Schiffe, einer Expeditionsbrigade des Marinekorps
und eines mechanisierten Heeresverbands an den
Golf an. Heute habe ich die zusätzliche Entsendung
von über 350 Flugzeugen der Luftwaffe in die Region

Seite 1

�verfügt. Wir werden Saddam Hussein nicht erlauben, sich über den Willen der Vereinigten Staaten
und der internationalen Staatengemeinschaft hinwegzusetzen.
Der Irak kündigte heute einen Rückzug seiner Truppen von der kuwaitischen Grenze an. Wir sind
jedoch an Fakten interessiert, nicht an Verprechungen - an Taten, nicht an Worten. Und wir haben
noch kein Anzeichen für einen tatsächlichen Rückzug der irakischen Truppen gesehen. Wir werden
genau darauf achten, daß das geschieht.
Unsere Politik ist eindeutig: Wir werden Irak nicht
gestatten, seine Nachbarn zu bedrohen oder die
Vereinten Nationen einzuschüchtern, die sicherstellen, daß der Irak nie wieder in den Besitz von
Massenvernichtungswaffen gelangen kann. Zudem
werden die Sanktionen aufrechterhalten, bis der Irak
sich an alle relevanten UN-Resolutionen hält. Die
Antwort auf die Probleme des Irak mit den Sanktionen lautet: Umfassende Befolgung, nicht rücksichtslose Provokation.
Ich bin sehr stolz auf unsere Streitkräfte, die heute
das Rückgrat unseres Engagements für die Freiheit
Kuwaits und die Sicherheit am Golf darstellen. Ich
bin auch stolz auf die Planer und die Kommandeure,
denen es gelingt, sie so schnell und in solcher
Stärke dorthin zu schicken. Sie alle sind der Beweis
dafür, daß wir die Bereitschaft und Stärke der besten
Streitkräfte der Welt aufrechterhalten und das auch
in Zukunft tun müssen.

Das schulden wir den Männern und Frauen in Amerika, die heute ihr Leben aufs Spiel setzen, um die
Welt zu einem sichereren Ort zu machen; und das
schulden wir auch ihren stolzen Familien. Sie
gewährleisten unsere Sicherheit, während wir uns für
eine Welt der Demokratie und des Wohlstands nach
dem Kalten Krieg einsetzen.
Während der vergangenen beiden Wochen kamen
zwei Verfechter der Demokratie in der Zeit nach dem
Kalten Krieg in die Vereinigten Staaten. Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela kam, um uns
für unsere Unterstützung bei der bemerkenswerten
demokratischen Revolution Südafrikas zu danken und
eine zukünftige Partnerschaft anzustreben. Der
russische Präsident Boris Jelzin wollte die Partnerschaft zwischen unseren beiden Nationen fördern, die
so gut durch die Tatsache belegt wird, daß jetzt
russische und amerikanische Raketen nicht länger
auf das jeweils andere Volk gerichtet sind und wir an
einerweiteren Verringerung der nuklearen Bedrohung
arbeiten.
Mit anderen Worten: Wir machen Fortschritte beim
Aufbau einer Welt mit mehr Sicherheit, Frieden und
Demokratie. Unsere Arbeit ist jedoch noch nicht
beendet. Vor uns liegen Schwierigkeiten und Gefahren, wie wir in Irak und Haiti sehen. Wir können
jedoch diese Herausforderungen meistern und unsere
Verpflichtungen einhalten. Unsere Ziele sind klar,
unsere Truppen stark, unsere Sache gerecht. Ich
danke Ihnen. Gott segne Amerika.

*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 40

�NATO
12. Oktober 1994

DIE BEDEUTUNG DER NATO
Ansprache von Verteidigungsminister Perry
GARMISCH-PARTENKIRCHEN - (AD) - Am 2. Oktober 1994 sprach US-Verteidigungsminister William Perry
im G.C. Marshall Center über die NATO und die Partnerschaft für den Frieden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und eine Freude, heute hier im
Marshall Center zu sein. Sie alle sind sich der
äußerst dramatischen und wichtigen Rolle bewußt,
die General George Marshall in Europa nach dem
Zweiten Weltkrieg spielte. Der Marshallplan wurde
nach ihm benannt. Vielleicht wissen Sie nicht, daß
er auch der dritte Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten war. Sollten Sie einmal in mein
Büro kommen, werden Sie an exponierter Stelle ein
großes Porträt von George Marshall sehen, denn als
19. Verteidigungsminister betrachte ich ihn als ein
Modell, dem ich nacheifern sollte.
Im vergangenen Monat nahm ich an den Feierlichkeiten aus Anlaß des Abzugs der alliierten Streitkräfte aus Berlin teil. Nach meiner Ankunft in Berlin
besuchte ich als erstes die Clay-Kasernen, in denen
die amerikanische Brigade stationiert war, und erhielt
dort die letzte amerikanische Flagge, die über dieser
Kaserne in Berlin gehißt worden war. Sie hat für
mich großen gefühlsmäßigen Wert und Bedeutung.
Ich werde im Pentagon einen besonderen Schaukasten zu Ehren dieses Banners und dessen, wofür es
stand, aufstellen. Ich hielt eine Rede vor den
versammelten Amerikanern und Deutschen und
sprach anschließend einzeln mit ihnen. Es überraschte mich zu sehen, daß viele Deutsche unter
den Zuschauern tatsächlich Tränen in den Augen
hatten. Mir kam der Gedanke, daß dies wohl das
erste Mal in der Geschichte war, daß eine Besatzungsmacht ein Land verläßt und die Bevölkerung
dieses Landes deswegen Tränen vergießt. Und das
sagt meines Erachtens wohl genug über das Verhalten der Streitkräfte in Deutschland im allgemeinen
und in Berlin im besonderen aus. Und es sagt auch
alles über die Hingabe des deutschen Volkes an

AMERIKA DIENST 40

Fortschritte in der neuen demokratischen Welt, in der
wir leben.
Während dieser Feierlichkeiten in Berlin fand gleichzeitig Tausende von Kilometern entfernt im Osten ein
anderes Ereignis statt. Die dritte amerikanische
Infanteriedivision und die 27. motorisierte russische
Schützenbrigade hielten gemeinsame Friedenssicherungsmanöver im russischen Trotskya ab.
Diese beiden, gleichzeitig stattfindenden Ereignisse
zeigen uns, wie sehr sich das europäische Sicherheitsumfeld als Ergebnis der Beendigung des Kalten
Krieges verändert hat. Die Alliierten, die jahrzehntelang Wache für die Freiheit gestanden hatten, werden
in Berlin nicht länger benötigt. Vielmehr befanden
sich die amerikanischen Truppen in Rußland und
führten gemeinsam mit den ehemals gegnerischen
russischen Truppen Übungen zur Friedenssicherung
durch. Es gibt wohl kaum ein aussagekräftigeres
Symbol für den tiefgreifenden Wandel der Welt
während der letzten Jahre. Das andere - ebenso
mächtige - Symbol sehe ich heute vor mir. Hier im
Marshall Center kommen die Truppen aller Nationen
des ehemaligen Warschauer Pakts zusammen,
während früher Analytiker und Wissenschaftler
untersuchten, wie wir mit der Bedrohung durch ihre
Streitkräfte umgehen sollten.
Der bekannte englische Schriftsteller Samuel Johnson schrieb einst, Wandel sei unbequem, selbst wenn
er zum Besseren führe. Zweifellos sind diese Übungen beispielhaft für die derzeitigen Ereignisse in
Rußland. Was im Marshall Center geschieht und in
Berlin geschah ist Wandel zum Besseren. Aber wir
alle haben einige der Unbequemlichkeiten gespürt,
die mit diesem Wandel einhergehen. Er hat uns zur

Seite 1

�Modifizierung der Institutionen und Verfahren gezwungen, die während der vergangenen vier Jahrzehnte die sicherheitspolitische Verankerung des
Westens darstellten. Der wichtigste Anker ist die
transatlantische Beziehung zwischen Amerika und
unseren Verbündeten in Europa. Heute möchte ich
über dieses Verhältnis und darüber sprechen, was
wir alle unternehmen müssen, um es an die neuen
Erfordernisse der heutigen Welt anzupassen.
Wir sehen uns jetzt einem neuen Zeitalter mit neuen
Gefahren gegenüber. Die Gefahren unterscheiden
sich von denen des Kalten Krieges, sind aber immer
noch sehr real: Regionale Konflikte, ethnische und
religiöse Unruhen oder die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen, um nur einige zu nennen. Während wir mit diesen Gefahren umgehen,
haben wir gleichzeitig die Aufgabe, den Frieden
zwischen Ost und West zu konsolidieren. Unsere
größte Hoffnung gilt einem zukünftigen Europa, in
dem keine Nation ihre Nachbarn bedroht - in dem es
keinen gemeinsamen Feind gibt.
Wir streben ein transatlantisches Sicherheitssystem
an, das die Vereinigten Staaten, Kanada und ganz
Europa umfaßt. Es muß in gemeinsamen Verpflichtungen zu Demokratie und freier Wirtschaft
wurzeln, in allseitiger Respektierung der Menschenrechte. Und es muß in der Unabhängigkeit der
Nationen in diesem System und der Sicherheit von
Grenzen wurzeln. Die NATO spielt eine entscheidende Rolle bei der Erreichung dieser Vision.
Angefangen mit der Gründung des Nordatlantischen
Kooperationsrats (NAKR) hat das Bündnis konzertierte Bestrebungen unternommen, um seine ehemaligen Gegner im früheren Warschauer Pakt - einschließlich vieler Ihrer Nationen - einzubeziehen.
Das hilft nicht nur Ihren Ländern, sondern liegt
eindeutig auch in unserem Interesse. Ein durch das
Engagement für Demokratie und freie Wirtschaft
geeintes Europa wird nicht nur sicherer sein, sondern auch von der Notwendigkeit befreit, große,
kostenaufwendige stehende Heere und Streitkräfte
aufrechtzuerhalten. Die NATO ist eine der wichtigsten Institutionen für diesen Zusammenschluß Ostund Westeuropas. Das ist eine bemerkenswerte
Demonstration, wie sich die NATO an diese neue
Ära anpaßt. Die Ironie der Rolle der NATO bei
diesem Unterfangen ist sichtbar. Schließlich wurde
das Bündnis ursprünglich ins Leben gerufen, um die
Probleme eines geteilten Europa zu bewältigen.
Jetzt gehört es jedoch zu den aktivsten Institutionen,
die diese Spaltung zu überwinden trachten und den
Zusammenschluß West- und Osteuropas anstreben.
Das wichtigste NATO-Programm zur Erreichung
dieses Ziels ist die Partnerschaft für den Frieden,

Seite 2

über die Sie alle Bescheid wissen. Im Mai nahm ich
an einem Ministertreffen der NATO in Belgien teil. Zu
dieser Zusammenkunft luden wir die Verteidigungsminister der neuen Mitglieder der Partnerschaft für
den Frieden ein. Die Verteidigungsminister der
NATO-Staaten und der Länder Osteuropas besuchten
gemeinsam das Hauptquartier von SHAPE bei Mons
in Belgien. Dort fand eine Feierstunde statt und wir
schufen die sogenannte Partnerschaftskoordinierungszelle.
Es war eine der beeindruckendsten Feierstunden, an
denen ich jemals teilnahm. General Joulwan und ich
standen dort, und er hatte angeordnet, die Flaggen
aller Teilnehmerstaaten zu hissen. Sie waren alphabetisch angeordnet - 35 Fahnen - der 16 NATOStaaten und zum damaligen Zeitpunkt 19 Mitglieder
der Partnerschaft für den Frieden - von Albanien auf
der linken Seite über alle anderen Nationen bis zu
den Vereinigten Staaten von Amerika auf der rechten
Seite. Während wir dort standen und sahen, wie eine
Flagge nach der anderen gehißt wurde, wurde uns
bewußt, daß wir etwas wahrhaft Neues und ganz
anderes in Gang brachten, das das Potential für
tiefgreifenden Wandel hat.
Die Partnerschaft für den Frieden ist extra darauf
angelegt, neue Trennlinien in Europa zu vermeiden,
die alte Feindseligkeiten ersetzen könnten. Seit
damals sind drei weitere Nationen beigetreten, die
bedeutendste davon ist Rußland. Diese Partner
werden dann die Chance zur Entwicklung einer
gewohnheitsmäßigen Zusammenarbeit erhalten, die
das Herz eines wirkungsvollen Bündnisses bildet. Sie
werden an der Ausbildung der alliierten Streitkräfte
für militärische Aktivitäten wie Friedenssicherung,
Katastrophenhilfe, Such- und Rettungsoperationen
teilnehmen können. Die Partner haben die Gelegenheit, sich die standardisierte Vorgehensweise und
routinemäßigen Konsultationen der NATO zu eigen
zu machen. Mit der Zeit werden die Partner Streitkräfte entwickeln, die zur besseren Zusammenarbeit
mit denen der NATO in der Lage sind. Dadurch wird
ein umfassendes, stabiles und friedliches europäisches Sicherheitssystem geschaffen, das die alten
Spaltungen und Animositäten aus der Zeit des Kalten
Krieges ersetzt.
Wir wollen, daß ein freies, demokratisches Rußland
seinen Platz in diesem neuen Sicherheitssystem
einnimmt. Unseres Erachtens basiert dieses Sicherheitssystem am besten auf praktischer Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland, nicht
auf dem Ausschluß Rußlands. Unsere Beziehungen
zu Rußland tragen der Bedeutung Rußlands für die
Zukunft Europas Rechnung, ohne dem Land jedoch
irgendwelche Sonderrechte gegenüber seinen Nachbarn einzuräumen.

AMERIKA DIENST 40

�Die Vision eines durch das Engagement für Demokratie und Marktwirtschaft geeinten Europas kann
nicht durch den Ausschluß irgendeines Landes
erzielt werden, insbesondere nicht durch den Ausschluß Rußlands. Während die Partnerschaft für
den Frieden diese Vorteile schafft, stellt sie gleichzeitig ein Medium für eine endgültige NATO-Mitgliedschaft dar. Die NATO-Mitgliedstaaten haben deutlich gemacht, daß sie eine Erweiterung der NATO im
Rahmen eines evolutionären Prozesses begrüßen,
der den sicherheitspolitischen Entwicklungen in
Europa umfassend Rechnung trägt. Die Partnerschaft wird dazu beitragen, die Nationen auf einen
möglichen Beitritt zur NATO vorzubereiten, wenn sie
die Chancen wahrnehmen und den Weg von Demokratie, friedlichen Beziehungen zu ihren Nachbarn
und Wirtschaftsreformen gehen. Diese Partnerschaft
hat bereits wichtige Fortschritte gemacht. Vor zwei
Tagen kehrte ich vom Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Sevilla zurück. Diese Zusammenkunft war ein Nachfolgetreffen der vor einem Jahr
abgehaltenen Zusammenkunft in Travemünde, bei
der die Partnerschaft für den Frieden ins Leben
gerufen wurde. Innerhalb dieses einen Jahres
haben wir uns von dem Konzept über die Schaffung
einer Partnerschaftskoordinierungszelle in Mons, die
Einrichtung einer 23 Mitglieder umfassenden Partnerschaft für den Frieden bis zum Beginn eines
robusten Ausbildungs- und Übungsprogramms
entwickelt.
Wenn die NATO der neuen Welt wirklich angepaßt
ist und die Partnerschaft ihr volles Potential erreichen soll, müssen wir mit lange unterdrückten ethnischen und religiösen Konflikten umgehen können.
Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen der
NATO, zu bestimmen, welche Rolle für diese Art von
Konflikt angemessen ist. Bei dem Ministertreffen der
NATO, von dem ich gerade zurückgekehrt bin, war
das der Hauptdiskussionspunkt: Welche Rolle sollte
die NATO spielen, um in Bosnien Frieden zu schaffen?
Viele Beobachter haben argumentiert, Bosnien
demonstriere das Scheitern der NATO, da es dieser
noch nicht gelungen sei, dort einen Friedensplan
umzusetzen. Ich bin der Ansicht, daß Bosnien ein
Symbol für das Problem und das Potential der
NATO gleichermaßen darstellt. Es zeigt, daß die
NATO bei angemessenem Einsatz auf ethnische
Gewalt reagieren kann. In Bosnien machen wir
große Anstrengungen, die Kombattanten zur Beendigung der Feindseligkeiten zur bringen und dann
einen tragfähigen Friedensvertrag zu erzielen.
Während dieser Prozeß noch im Gange ist, kommt
der NATO eine einzigartig wichtige Rolle zu: An
erster Stelle eine beträchtliche Reduzierung der
Gewalt und zweitens eine Milderung des Leidens,

AMERIKA DIENST 40

während der Krieg andauert.
Ich möchte kurz
darlegen, was die NATO in Bosnien unternimmt und
warum ich es für bedeutsam und alles in allem
genommen ziemlich positiv erachte.
Wir bedienen uns vor allem des militärischen Arms
der NATO, insbesondere der Luftmacht, um in
Bosnien eine Politik zur Verhinderung von Luftangriffen durchzusetzen. Viele von uns haben vergessen,
daß vor über einem Jahr serbische Flugzeuge Städte
in Bosnien bombardierten. Damals errichtete die
NATO eine Flugverbotszone und setzte sie auch
durch. Seitdem - seit mehr als über einem Jahr nun gab es nur einen Versuch zur Bombardierung einer
bosnischen Stadt. In diesem Fall stiegen sechs
Flugzeuge auf und begannen tatsächlich mit der
Bombardierung.
NATO-Flugzeuge fingen diese
sechs ab, schössen drei ab, und seitdem gab es
keine Wiederholung dieses Bombardierungsversuchs.
Wir haben das auch auf Artilleriebeschuß in Sarajevo
und Gorazde ausgeweitet und der massiven Bombardierung Sarajevos wirksam Einhalt geboten. Vor
diesem Zeitpunkt waren infolge der Bombardierung
dieser Stadt nahezu 10.000 Zivilisten getötet worden.
Seit letztem Februar wurde dem durch die Androhung
von Luftangriffen der NATO Einhalt geboten. Neben
diesem militärischen Einsatz der NATO zu Abschrekkungszwecken leisteten wir durch eine massive
Luftbrücke und den Abwurf humanitärer Hilfsgüter
den Menschen in Bosnien humanitäre Hilfe. Zusammengenommen demonstrieren all diese Programme meines Erachtens deutlich, daß durch die Intervention der NATO in den letzten ein oder zwei Jahren
in Bosnien Zehntausende, vielleicht sogar Hunderttausende von Menschenleben gerettet wurden.
Durch die Partnerschaft für den Frieden, ihre Bestrebungen in Bosnien und andere Initiativen hat die
NATO gezeigt, daß sie für die heutige Welt von
Belang ist. Die Herausforderung für all unsere
Länder - Ihres und unseres gleichermaßen - besteht
darin, Weitblick, Führung und Flexibilität zu zeigen,
die für die Lösung der heutigen Probleme - regionale
und ethnische Konflikte, Friedenssicherung und
humanitäre Krisen - erforderlich sind. Sie hier in
diesem Raum sind die Generation derjenigen, die
ihren Verteidigungsapparat umwandeln. Sie unterstellen ihn ziviler Kontrolle. Das ist Ihre Aufgabe.
Mein Kollege Malcolm Rifkind, der Verteidigungsminister Großbritanniens, äußerte kürzlich bei einem
Treffen, die Obersten und Oberstleutnants der mittelund osteuropäischen Länder seien die Zukunft des
heutigen Europa. Was sie tun und wie sie das Militär
in ihren Ländern entwickeln, entscheidet großenteils,
wie sich ihre Demokratien entwickeln und wie die
zukünftige Sicherheitslage Europas aussieht. Ihre
Studien hier im Marshall Center sind Teil der um-

Seite 3

�fassenden Bestrebungen zum Aufbau von Beziehungen zwischen Nationen, die uns das gestatten. Ihr
Verständnis des demokratischen Prozesses und der
Rolle des Militärs darin wird Europa neue Werte
geben.
Ich möchte meine Ansprache mit einem bevorzugten
Zitat des britischen Romanschriftstellers Graham
Greene beenden. Er schrieb: "Es kommt immer ein

Zeitpunkt, an dem sich die Tür öffnet und die Zukunft
hereinläßt." Das Ende des Kalten Krieges ist ein
solcher Zeitpunkt. Er öffnete eine Tür. Davor steht
die Zukunft und wartet auf Einlaß. Durch unser
Handeln können wir diese Zukunft kontrollieren.
Durch Ihre Aktivitäten hier im Marshall Center und Ihr
Handeln nach der Rückkehr in Ihr Land haben Sie
die Chance zur Gestaltung dieser Zukunft, damit
diese Welt für Ihre und meine Kinder sicherer wird.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 40

�USA-SUDAFRIKA
12. Oktober 1994

GROSSES INTERESSE DER AMERIKANER
AN SÜDAFRIKAS KAMPF
Besuch von Präsident Nelson Mandela in den USA
Die Mitglieder von Präsident Clintons Kabinett haben
einem hochrangigen amerikanischen Regierungsvertreter zufolge großes Interesse an dem Besuch des
südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela in
den Vereinigten Staaten, weil viele ihr Leben lang
ein Gefühl der Beteiligung am Kampf Südafrikas zur
Abschaffung der Apartheit hatten.
Der Regierungsvertreter wies am 5. Oktober 1994 im
Weißen Haus vor Journalisten darauf hin, viele
Amerikaner hätten dieses Gefühl aufgrund ihrer
eigenen jahrelangen Bestrebungen, den Südafrikanern bei der Schaffung einer nichtrassischen Demokratie zu helfen - eine Hoffnung, die sich mit der
Amtseinführung Präsident Mandelas im vergangenen
Mai erfüllte.
Vom Präsidenten angefangen waren amerikanische
Helfer an dem Kampf für Gerechtigkeit im eigenen
Land und in Südafrika beteiligt. Clinton weist oftmals
darauf hin, er sei zum Eintritt in die Politik bewegt
worden, weil er diese als eine Möglichkeit betrachte,
den Mißstand der Rassentrennung wiedergutzumachen, dessen Zeuge er bereits als kleiner Junge in
Arkansas war.
"Die Aufregung der letzten Tage", erklärte der
hochrangige Regierungsvertreter, "steht in Zusammenhang mit dem umfassenden Gefühl der persönlichen Betroffenheit, das wir angesichts der Ereignisse
in Südafrika verspüren".
Alle amerikanischen Studenten, die gegen Investitionen ihrer Universitäten in Südafrika protestierten,
Aktionäre, die sich gegen das Engagement ihrer
Aktiengesellschaften in Südafrika wandten, die
Verwalter von Rentenfonds, die sich gegen Investitionen in Südafrika entschieden, die Kongreßabgeordneten, die sich vor der Südafrikanischen Botschaft verhaften ließen, die Afroamerikaner, die ihre
Sonntagsmesse regelmäßig mit einem Gebet für die
Befreiung Nelson Mandels beendeten - all diese

AMERIKA DIENST 40

Menschen fühlen sich dem Regierungsvertreter
zufolge in dieser Angelegenheit als Beteiligte.
Dieses Gefühl wolle die Clinton-Administration
fördern, fügte er hinzu, "da das Gefühl der Betroffenheit Einbeziehung und Engagement sowie Ehrfurcht
angesichts des Wandels in Südafrika bedeutet".
Er teilte vor Journalisten mit, die Reise Präsident
Mandelas hätte ein neues "Medium" der Beziehungen
hervorgebracht:
Die amerikanisch-südafrikanisch
binationale Kommission unter dem Vorsitz von
Vizepräsident Gore und dem Stellvertretenden
Präsidenten Thabo Mbeki. "Sie wird für die beiden
Regierungen einen Mechanismus zur Definition der
effektivsten Nutzung der verfügbaren Ressourcen
bereitstellen."
Der Regierungsvertreter wies darauf hin, Präsident
Clinton habe in der Überzeugung, frühzeitig bereitgestelltes Geld vermehre sich schnell und werde zur
Erhöhung der Fonds beitragen, die Vereinigten
Staaten im vergangenen Frühjahr zur Bereitstellung
eines Hilfspakets in Höhe von 600 Millionen Dollar
verpflichtet, das über einen Zeitraum von drei Jahren
läuft. Clinton wies bereits bei seiner am 5. Oktober
abgehaltenen Pressekonferenz mit Mandela darauf
hin, Washington habe schon 220 Millionen Dollar
geschickt.
Ferner einigten sich Clinton und Mandela auf die
Bildung eines Unternehmensentwicklungsfonds für
das südliche Afrika, um kleinen und mittelständischen
Unternehmen in Südafrika und 10 weiteren Nationen
im südlichen Afrika eine Starthilfe zu geben.
Andrew Young, ehemaliger Bürgermeister von Atlanta
und früherer ständiger Vertreter der Vereinigten
Staaten bei den Vereinten Nationen, wird zusätzliches Kapital bereitstellen, das auf von dem Fonds
bereitgestellten staatlichen Darlehenssicherheiten und
Vorschüssen basiert.
Die Vereinigten Staaten

Seite 1

�werden über einen Zeitraum von fünf Jahren 100
Millionen Dollar zu dem Fonds beisteuern - zusätzlich zu den im letzten Frühjahr bereits zugesagten
600 Millionen Dollar.
Dem Regierungsvertreter zufolge legte Präsident
Clinton so großen Wert auf frühzeitiges Engagement,
um andere Geber zu inspirieren, was auch gelang.
"Es ist eine Sache, Versprechungen zu machen und
Verpflichtungen einzugehen und eine ganz andere,
sie auch einzuhalten. Wir haben das auf eine Art
und Weise getan, die Wohnungsbau, Elektrizitätsversorgung und Privatinvestitionen unterstützt - allesamt
eine beträchtliche zusätzliche Hilfe des Privatsektors
von Ländern aus der ganzen Welt sowie anderen,
durch das Engagement der Vereinigten Staaten
beeindruckten Regierungen.
"Wir alle sind uns bewußt, daß das Geld wichtig ist",
erklärte der Regierungsvertreter. "Und die frühe
Ankündigung der Finanzhilfe durch den Präsidenten

* *

Seite 2

motivierte zu vielen Beiträgen. Die Menschen in
Südafrika verstehen aber, daß einer unserer wichtigsten Beiträge im wirksamsten Einsatz dieses Geldes
besteht - zur Erreichung von Zielen bei Wiederaufbau
und Entwicklung, die sie sich gesetzt haben."
Als Beispiel führte der Regierungsvertreter das
Arbeitsfrühstück mit Energieministerin Hazel O'Leary
und der südafrikanischen Delegation an, bei dem es
um die Elektrizitätsversorgung ländlicher Gebiete
ging. Es sei wichtig zu lernen, hierzu nicht nur
öffentliche Gelder, sondern auch private Fonds
einzusetzen, wodurch der Umfang des Projekts
beträchtlich erhöht werden könne. Die Vereinigten
Staaten hätten bei Projekten zur Elektrizitätsversorgung ländlicher Gebiete sehr viel Erfahrung und
Know-how und könnten mit den nach Südafrika
entsandten 50 Millionen Dollar Startkapital strukturelle
Hilfe leisten, die Privatinvestoren anzieht und privaten
Unternehmern gestattet, ins Land zu kommen und
Geschäfte zu machen.

* *

*

AMERIKA DIENST 40

�ARB E I T S W E L T
12. Oktober 1994

EIN NEUER SOZIALPAKT - DIE ROLLE
DER UNTERNEHMEN
Rede von Arbeitsminister Reich
WASHINGTON - (AD) - Arbeitsminister Robert Reich hat die amerikanischen Unternehmen dazu aufgefordert,
freiwillig die Investitionen in verbesserte Weiterqualifizierung von Arbeitnehmern zu erhöhen, um der
"besorgten" Mittelschicht des Landes zu helfen, die in den letzten Jahren eine Verschlechterung ihres
Lebensstandards erlebte.
Reich äußerte diese Forderung am 27. September 1994 in einer in Dallas, Texas gehaltenen Rede vor der
National Alliance of Business.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Arbeitsministers in wesentlichen
Auszügen.

Vor nicht allzulanger Zeit machten wir uns alle
Sorgen über die Wiederherstellung der "Wettbewerbsfähigkeit" der Vereinigten Staaten. Die amerikanische Industrie schien kurzsichtig, langsam und
träge und die amerikanische Volkswirtschaft in einem
unerbittlichen Niedergang begriffen. Europa und
Japan - deren frühere Ineffizienz durch den Zweiten
Weltkrieg beendet wurde - drohten uns zu überholen.
Heute möchte ich Ihnen etwas vorlesen, das vor
zweieinhalb Wochen in den Dallas Morning News
erschien: "Die Vereinigten Staaten stehen an der
Spitze der Liste der konkurrenzfähigsten Volkswirtschaften der Welt und verdrängen damit Japan."
Quelle ist das World Economic Forum, eine anerkannte schweizerische Vereinigung, die jedes Jahr
eine Übersicht über die Wirtschaftsleistung der
Industrienationen erstellt.
Wie kommt das? Waren die Experten damals
verrückt? Sind sie es jetzt? Hat sich in nur wenigen
Jahren alles vollkommen verändert?
Zunächst einmal genießen die Vereinigten Staaten
eine wirtschaftliche Erholung, während andere
moderne Volkswirtschaften sich im Kampf gegen die
Rezession befinden. Neben den vorübergehenden
konjunkturellen Bewegungen ist jedoch der grundlegende Erfolg der amerikanischen Wirtschaft bei ihrer

AMERIKA DIENST 40

eigenen Umstrukturierung und den Investitionen in
neue Ausrüstung zu sehen, mit dem Ergebnis, daß
das Produktivitätswachstum seit 1990 jährlich im
Durchschnitt gesunde zwei Prozent beträgt. Allein
die Produktivität in den Fabriken ist im vergangenen
Jahr auf über fünf Prozent emporgeschnellt.
Aber sind wir wirklich konkurrenzfähig? Was verstehen wir überhaupt unter "Wettbewerbsfähigkeit"?
Nur selten ist ein in der Öffentlichkeit verwendeter
Begriff so direkt von der Unklarheit zur Bedeutungslosigkeit übergegangen, ohne daß dazwischen ein
Zusammenhang bestand. Natürlich sollte der oberste
Maßstab für Wettbewerbsfähigkeit der Lebensstandard der Amerikaner sein. Und nicht nur des amerikanischen Durchschnittsbürgers: Durchschnittswerte
enthüllen nicht immer die aufschlußreichsten Realitäten.
Realität ist, daß die Einkommen der Amerikaner sich
kaum nach oben bewegt haben, und die meisten
Amerikaner befinden sich auf demselben Weg
abwärts wie in den letzten 15 Jahren. Und obwohl in
der amerikanischen Volkswirtschaft über 4 Millionen
neuer Arbeitsplätze geschaffen wurden, sind immer
noch 8 Millionen unserer Bürger arbeitslos und 4
Millionen, die lieber eine Ganzzeitstelle hätten,
arbeiten nur halbtags.

Seite 1

�Die amerikanische Mittelschicht wird durch umfassende Trends, die sich seit Mitte der siebziger
Jahre beschleunigt haben, in drei neue Gruppen
aufgeteilt: Eine vorwiegend in den Innenstädten
gefangene Unterschicht, die zunehmend von den
Wirtschaftszentren isoliert ist, eine Oberschicht
derjenigen, die den Wandel in ihren Dienst stellen
und dazwischen die größte Gruppe, eine Gruppe
besorgter Menschen, die großenteils einen Arbeitsplatz haben, sich aber zu Recht Sorgen um ihre
Stellung und um die Zukunft ihrer Kinder machen.
Während des Großteils dieses Jahrhunderts waren
Amerikaner unterschiedlicher Herkunft und Lage
durch zwei mächtige Kräfte aneinander gebunden.
Eine war die Gefahr sowjetischer Aggression. Die
lauernde Präsenz einer rivalisierenden "Supermacht"
förderte unser Zusammengehörigkeitsgefühl. Die
andere Kraft war die wachsende Wirtschaft. Unser
Gefühl eines gemeinsamen Schicksals wurde durch
die wachsende Sicherheit genährt, daß die Welle
des Wirtschaftswachstums alle Amerikaner erfassen
würde.
Heute haben sich - fast im Gegensatz dazu - diese
einst engen Bande nahezu aufgelöst. Der Kalte
Krieg kam zu einem dramatischen Ende, wie wir auf
CNN sehen konnten. Und jetzt begrüßen wir die
daraus hervorgegangene neu befreite Welt. Die
amerikanische Mittelschicht ist stillschweigend
verschwunden. Wir waren jeden Tag Zeuge, haben
es aber nie wirklich gesehen. Jetzt werden wir mit
den Konsequenzen konfrontiert.
In den nächsten Monaten werde ich darüber sprechen, was die Regierung und der einzelne unternehmen können, um mehr Amerikaner in eine neue
Mittelschicht zu bringen. Heute morgen möchte ich
jedoch die besondere Rolle des Privatsektors
ansprechen. Der Grund ist einmal, daß der Privatsektor die herausragendste Kraft für die Wiederherstellung der amerikanischen Mittelschicht ist, und
daß eine klare Kalkulation unternehmerischer
Interessen eine solche Erneuerung als lebenswichtig
für langfristigen unternehmerischen Erfolg ansehen
muß.
Zunächst möchte ich den Grund für den Zerfall der
Mittelschicht ansprechen. Die Aufsplitterung in die
untere, die obere und die besorgte Gruppe ist auf
die Qualität ihrer Bildung und ihre Fähigkeit und
Möglichkeit zu lebenslangem Lernen zurückzuführen.
Natürlich waren Qualifikationen schon immer relevant für das Einkommen. Aber sie waren nie so
wichtig wie heute.
Einkommen und Leistungen sind jedoch nicht alles.
Allein einen Arbeitsplatz zu bekommen und zu

Seite 2

behalten, hängt in zunehmendem Maße von Qualifikationen ab.
Es ist anscheinend ein Paradoxon der heutigen
Wirtschaftsnachrichten, daß auf den Finanzmärkten
die Arbeitslosigkeit als zu niedrig für die Eindämmung
der Inflation erachtet wird, obwohl es immer noch 8
Millionen Arbeitslose in Amerika gibt. Ein Teil der
Antwort auf diesen scheinbaren Widerspruch liegt
darin, daß die Märkte für hochqualifizierte Arbeitskräfte in vielen Wirtschaftsbereichen sehr eng werden
und damit Bedingungen schaffen, die Sorgen über
eine Inflation entstehen lassen. Millionen weniger gut
ausgebildeter Arbeitskräfte bleiben jedoch arbeitslos
oder unterbeschäftigt. Diese verschwendete Arbeitskraft wird durch Mauern der Fähigkeit von den
führenden Teilen der Wirtschaft abgegrenzt, wo
Leistungszwänge lauern. Der beste Weg zur Erweiterung wirtschaftlicher Fähigkeiten und Senkung der
Arbeitslosigkeit - eine Voraussetzung für die Kontrolle
der Inflation - ist das Niederreißen dieser Mauern
durch die Vorbereitung unterforderter Arbeitnehmer
auf produktivere Arbeit.
Graphiken und Trendprognosen haben auf dem
Diaprojektor im Konferenzsaal eines Hotels eine
gewisse Harmlosigkeit. Sie sind abstrakt und flüchtig.
Man drückt auf einen Knopf und die Zahlen verschwinden. Wenn sie jedoch in den Gemeinden und
an den Arbeitsplätzen Amerikas Gestalt annehmen,
sind diese Kräfte verhängnisvoll. Halten Sie sich die
physische Trennung vor Augen, die sie bereits
herbeigeführt haben. Die Oberschicht ist in die
Vorstädte der Eliten gezogen - bisweilen in ihre
eigenen abgeschotteten Gemeinden oder Wohngegenden, die von ihren eigenen Sicherheitskräften
überwacht werden. Die Unterschicht findet sich in
einer Umgebung isoliert, die unaussprechlich öde und
oftmals voller Gewalt ist. Und die Gruppe der Besorgten ist ebenfalls gefangen - nicht nur in Häusern
und Apartments, die oft zu klein für die wachsenden
Familien sind, sondern auch von den frenetischen
Bestrebungen, die zum Erhalt ihrer Position erforderlich sind, denn viele Familien benötigen ein doppeltes
oder dreifaches Gehalt zum Erhalt des Lebensstandards, der früher aus einer Lohntüte finanziert werden
konnte.
Mit anderen Worten: Selbst wenn die Welle des
Wirtschaftswachstums in Amerika weiter steigt, wird
sie uns nicht alle tragen. Nur ein kleiner Teil unserer
Bevölkerung hatte Vorteile vom Wirtschaftswachstum
der achtziger Jahre. Die während der achtziger
Jahre begonnenen Umstrukturierungen und Kapitalinvestitionen, die sich in den neunziger Jahren
fortsetzten, haben die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie verbessert nicht jedoch die Aussichten der meisten Amerikaner.

AMERIKA DIENST 40

�Die Zurückgelassenen setzten eine Welle von Ressentiments und Mißtrauen in Bewegung, die die
Regierung, die Unternehmen und andere Institutionen erfaßte, von der sich die Gruppe der besorgten
Menschen betrogen fühlte.
Betrachten Sie sich den erstaunlichen Meinungsumschwung in der Öffentlichkeit. 1975 hatten einer
Umfrage von Gallup zufolge 40 Prozent der Amerikaner Vertrauen zum Kongreß. Heute liegt die Zahl
bei 18 Prozent. 1975 hatte über ein Drittel der
Amerikaner Vertrauen zu den großen Unternehmen,
heutzutage ist es nur noch ein Viertel. Nahezu jede
Institution in diesem Land - staatliche Schulen,
Zeitungen, Fernsehen, Gewerkschaften, selbst
Religionsgemeinschaften - haben in den Augen der
Öffentlichkeit an Ansehen verloren. Nahezu jede
führende Persönlichkeit in unserer Gesellschaft ist zu
einem Blitzableiter für die Frustration der Öffentlichkeit geworden.
Das schafft einen Nährboden für Demagogen und
konspirative Theoretiker, die oftmals in Zeiten der
Angst auftauchen. Menschen in Sorge, um ihre
Zukunft bangende Menschen, klammern sich natürlich an das, was sie haben, und leisten oftmals
Widerstand gegen alles, das eine Bedrohung dafür
darstellt. Menschen, die sich im Stich gelassen
fühlen - von einer Regierung, die ihren Abstieg
zuläßt oder einem Unternehmen, das sie entlassen
hat - reagieren auf Opportunisten, die mit vereinfachenden Erklärungen und obskuren Lösungen
hausieren gehen. Warum fällt es Euch schwer, mit
dem Geld auszukommen? Wir lassen zu viele
Einwanderer ins Land. Warum könnt Ihr kaum Eure
Rechnungen bezahlen? Berufliche Gleichstellung
bevorzugt oft Afro- und Hispanoamerikaner. Warum
ist Euer Arbeitsplatz gefährdet? Unsere Handelspolitik ist nicht protektionistisch genug.
Solche Gefühle sind unabhängig von ideologischen
Trennungen. Konspirative Theoretiker aus dem
linken Lager brüten Geschichten über eine Intrige
unternehmerischer Puppenspieler aus, die im
Welthandel die Fäden ziehen, während die aus dem
rechten Lager Märchen über einen Präsidenten
erzählen, der zum Mord anstiftet. Im Radio übertragene Gesprächsrunden - einst ein spritziger
Beitrag zur freien Meinungsäußerung - haben eine
neue, mißgünstige Schärfe bekommen - Erhöhung
der Zustimmung durch Anstiftung zur Wut. Es
wurden seltsame Allianzen gebildet, um die Vorstellung zurückzuweisen, daß freier Handel eine
wohlhabende Mittelschicht hervorbringen kann.
Denken Sie nur an die noch nicht lange zurückliegenden Debatten über das NAFTA, von denen ich
noch Narben habe.

AMERIKA DIENST 40

Wo also liegt die Lösung? Wir können das Rad der
Geschichte nicht zurückdrehen und zu der sicheren
alten Welt der routinemäßigen Massenproduktion
zurückkehren, die das Amerika nach dem Krieg
beherrschte. Derartige Bestrebungen, beispielsweise
indem ausländische Investitionen und Güter außerhalb unserer Grenzen gehalten werden oder
technologischer Fortschritt behindert wird, würden die
alte Mittelschicht nicht wiederbeleben. Sie würden
nur die Fähigkeit jedes Amerikaners einschränken,
inmitten des Wandels zu prosperieren.
Die wirkliche Lösung besteht darin, alle Amerikaner
am Wirtschaftswachstum zu beteiligen, um sicherzustellen, daß jeder Vorteile aus der neuen Wettbewerbsfähigkeit zieht. Dadurch können wir gemeinsam wachsen - und unsere Fähigkeit zur Schaffung
inflationsfreien Wachstums erhöhen. 12 Millionen
arbeitsloser oder unterbeschäftigter Amerikaner und
Millionen weiterer, deren Löhne stagnieren oder
sinken, können sich nur wundern über das Gerede
von einer überheizten Wirtschaft. Wir können es
besser machen. Diese Wirtschaft wird erst ihre volle
Kapazität erreichen, wenn wir das Potential all
unserer Bürger produktiver einsetzen.
Gemeinsam müssen wir eine neue Mittelschicht
aufbauen, die auf der Kraft der Arbeitnehmer basiert,
Mehrwert zu schaffen, da sie die Fähigkeiten dazu
haben.
Individuen und Familien sollten hier mehr Verantwortung übernehmen. Letztlich müssen sie den neuen
wirtschaftlichen Realitäten ins Auge blicken und
sicherstellen, daß diese Menschen und ihre Kinder
die grundlegenden intellektuellen Werkzeuge besitzen, um zu prosperieren. Auch die Regierung spielt
hier eine Rolle. Sie kann einige der Hindernisse
beseitigen - die Qualität der staatlichen Erziehung
verbessern, Qualifikationsmaßstäbe setzen und den
Übergang von der Schule zum Arbeitsleben und von
einer Stelle zur nächsten reibungsloser gestalten.
So einfallsreich der einzelne auch sein mag und so
effizient eine Regierung auch arbeitet - sie können
nicht im Alleingang eine neue Mittelschicht aufbauen.
Die Unternehmen müssen hierbei eine unerläßliche
Rolle spielen. Um es klar zu sagen: Wenn sich die
Unternehmen nicht am Wiederaufbau der amerikanischen Mittelschicht beteiligen - und den durchschnittlichen Arbeitnehmer besser ausbilden, ihm mehr
Rechte geben und ihn somit produktiver und innovativer arbeiten lassen - kann diese Aufgabe nicht
erfolgreich durchgeführt werden. Ich weiß, was damit
auf dem Spiel steht. Aber ich bin der Ansicht, daß
die Unternehmen letztlich den Antrieb finden, um ihre
zentrale Rolle zu spielen. Für sie gibt es zwei gute
ökonomische Gründe, sich zu beteiligen: Erstens

Seite 3

�sind die Angehörigen der gefährdeten amerikanischen Mittelschicht das wichtigste produktive Kapital.
Zweitens stellen sie für die meisten Unternehmen die
Mehrheit der Kunden dar. Untersuchen wir diese
beiden Gründe nacheinander.
Es ist für Unternehmer nichts Neues, daß eine
ausgebildete Arbeitnehmerschaft eine strategische
Trumpfkarte sein kann. Andere Elemente eines
Unternehmens können von Konkurrenten kopiert
werden - Maschinen, Verfahren, Grundstoffe, Zugang zu billigeren Arbeitskräften auf der ganzen
Welt. Eine ausgebildete, flexible Arbeitnehmerschaft, die auf eine auf dem Markt wichtige Art und
Weise Wert schöpfen kann, kann einen dauerhaften
Wettbewerbsvorteil darstellen.
In ganz Amerika demonstrieren die Unternehmen,
daß Erfolg oftmals davon abhängt, Arbeitnehmer wie
Aktivposten zu behandeln, die entwickelt werden
sollten, anstatt wie Kosten, die reduziert werden
müssen. Sie praktizieren das an Arbeitnehmern an
vorderster Front, die nicht unbedingt vier Jahre aufs
College gegangen sind. Während meiner Reisen
durch die Vereinigten Staaten habe ich das immer
wieder festgestellt: Bei einem Stahlproduzenten in
Cleveland, einem Telefonhersteller in Atlanta, einem
Versicherungsunternehmen in Hartford, einer Revisionsfirma in Chicago, einem Werkzeugmaschinenhersteller in Rochester. Viele der heute hier vertretenen Unternehmen gehören zu den Pionieren der
Gewinnerzielung und Produktivitätserhöhung in der
neuen Wirtschaft. Durch diesen Prozeß haben Sie
dazu beigetragen, die Vorhut dieser neuen Mittelschicht zu schaffen: Techniker mit einer über die
High School hinausgehenden Ausbildung, die jedoch
nicht notwendigerweise einen College-Abschluß
umfaßt.
Lew Platt, der Manager von Hewlett-Packard, erzählte mir kürzlich von HPs Werk mit integrierten Schaltsystemen in San Jose\ Die Renditen waren zu
niedrig, der Ausschuß zu groß, selbst nachdem
Hewlett-Packard modernste Maschinen installiert
hatte. Was war das Problem? HP entdeckte, daß
in San Josö die Arbeitnehmer an vorderster Front,
von denen die Mehrheit keinen College-Abschluß
hatte, viel darüber wußten, was in der Fabrik nicht
funktionierte. Erforderlich waren zusätzliche Ausbildung sowie die Befugnis, ihre Lösungsvorschläge
an Ort und Stelle umzusetzen. HP beschloß, eine
Ausbildungskampagne für die Tausenden von im
Elektrobereich Tätigen bei HP durchzuführen - und
dadurch wurden diese Arbeitnehmer an vorderster
Front zu Technikern. Es funktionierte. Die Qualität
verbesserte sich dramatisch, die Renditen stiegen
sprungartig an und das Werk wurde enorm konkurrenzfähig. Dadurch stellte HP nicht nur seine

Seite 4

Fabrikanlage um, sondern vergrößerte die neue
Mittelschicht um Tausende von Arbeitnehmern.
Mein erster Grund zu Optimismus, daß die Unternehmen ihre Rolle beim Aufbau einer neuen Mittelschicht auf der Grundlage von Qualifikationen spielen, ist die Tatsache, daß Investitionen in die erwerbstätige Bevölkerung aus unternehmerischer Sicht
oftmals sehr sinnvoll sind - und die Unternehmen
erkennen das in zunehmendem Maße.
Mein zweiter Grund betrifft ebenfalls die Arbeitnehmerschaft, wenn auch weniger direkt. Der wichtigste
Absatzmarkt der meisten amerikanischen Unternehmen sind weiterhin die amerikanischen Verbraucher. In den fünfziger und sechziger Jahren war
der amerikanische Binnenmarkt der lebhafteste der
Welt.
Der Verkauf auf einem prosperierenden,
hochentwickelten Inlandsmarkt gab den amerikanischen Unternehmen in einem Industriezweig nach
dem anderen einen weltweiten Wettbewerbsvorteil.
Die Unternehmensgewinne und das Einkommen der
Mittelschicht stiegen zusammen an. Die Massenproduktion brachte die Mittelschicht hervor, die
wiederum die Massenproduktion anheizte. Seit Mitte
der siebziger Jahre - als die Einkommen stagnierten,
die Kluft sich verbreiterte und der amerikanische
Massenproduktionsmarkt zersplitterte - wurde der
amerikanische Binnenmarkt als kommerzielles
Sprungbrett weniger dominant. Eine Neubelebung
der Mittelschicht bedeutet größere Inlandsnachfrage
und ein besseres Testgelände für weltweiten unternehmerischen Erfolg.
Es gibt gute Gründe für die Unternehmen, in Humankapital zu investieren, aber anscheinend noch
nicht genug Grund. Einer neuen Studie des Büros
für Arbeitsstatistik zufolge bieten nicht einmal die
Hälfte aller Unternehmen eine formelle Berufsausbildung an. Weitere neuere Daten zeigen, daß
Unternehmer eher geneigt sind, Ausbildungsinvestitionen in die Arbeitnehmer zu tätigen, die bereits über
eine Ausbildung verfügen. Ein Drittel der jungen
Arbeitnehmer mit College-Abschluß erhalten eine
berufsbezogene Ausbildung. Dasselbe gilt jedoch nur
für ein Sechstel aller Arbeitnehmer mit High SchoolAbschluß und nur ein Zehntel aller High SchoolAbbrecher.
Wenn die Nationen klug sind und Glück haben - wie
es während des Großteils der amerikanischen
Geschichte der Fall war - verknüpft ein stillschweigender Sozialpakt unternehmerischen Erfolg, steigenden Lebensstandard und unternehmensorientierte
Politik. Der Zerfall der Mittelschicht stellt jedoch eine
Gefahr für die Vereinbarung dar, die sich für so viele
amerikanische Bürger und Unternehmen ausgezahlt
hat. Unternehmerischer Erfolg führt nicht länger

AMERIKA DIENST 40

�automatisch zu steigendem Lebensstandard für alle.
Es besteht die Gefahr, daß die Auffassung vertreten
wird, die Interessen der auf internationaler Ebene
operierenden Unternehmen deckten sich nicht mit
denen der amerikanischen Bürger, und höhere
Produktivitätsraten bedeuteten nicht einen höheren
Lebensstandard für den Durchschnittsamerikaner.
Wenn die meisten Amerikaner für weniger Geld
härter arbeiten müssen, und der Amerikanische
Traum in immer weitere Ferne rückt, erscheint die
vielgerühmte Konkurrenzfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft wie ein übler Scherz.
Es ist an der Zeit, den Pakt zwischen Unternehmen,
Regierung und Arbeitnehmerschaft in den Vereinigten Staaten zu erneuern. Es ist an der Zeit, die Verbindungen zwischen den beiden genau festgelegten
nationalen Traditionen freien Unternehmertums und
breit gestreuten Wohlstands der Mittelklasse neu zu
knüpfen.
Die Clinton-Administration engagiert sich dafür, den
Beitrag des Staates zu diesem neuen Pakt zu
leisten. Das Engagement dieser Administration für
den Aufbau einer neuen Mittelschicht hat bereits
Ergebnisse gezeitigt - aber viele entstanden vielleicht
eher aus einer Harmonie zwischen beiden Parteien
anstatt aus parteipolitischen Unstimmigkeiten, die
nicht bemerkt wurden. Politische Konflikte sind ein
viel aufregenderer Zuschauersport.

Qualifikationen der Unternehmer darstellt. Kategorische Forderungen wie diese können endlose juristische Pirouetten nach sich ziehen, die wiederum zu
noch stärkerer Einmischung führen. Ich hoffe, daß
wir gemeinsam eine bessere Möglichkeit finden freiwillige Verpflichtungen zu Investitionen in Arbeitnehmer und ihre Offenlegung; kooperative Abkommen unter Unternehmen einer Branche, die Kosten
der Grundausbildung zu teilen; entsprechende
Abkommen zwischen großen Unternehmen und ihren
kleineren Zulieferern und Kunden; Ausbildung der
Arbeitnehmer als Gegenstand von Tarifverhandlungen; Prämien oder Bescheinigungen für Unternehmen, die substantielle Investitionen in ihre Beschäftigten tätigen; Zusammenarbeit zwischen High Schools
und Unternehmen zur Einstellung von Schulabgängern; steuerliche Anreize zur Ausbildung der Arbeitnehmerschaft. Diese und andere Ansätze - allein
oder in Kombination - könnten sich als effektiver
erweisen als eine einheitliche Forderung. Wenn wir
jedoch keinen höherentwickelten Ansatz entwickeln
können, würden wir sicher besser diese Methode
wählen als das Ziel ganz aufzugeben. Wir sollten
uns mit den Optionen befassen.
Sie in der National Alliance of Business und als
Vertreter des Unternehmertums haben bereits sehr
viel erreicht und sollten darauf stolz sein. Die zentrifugalen Kräfte, die Amerika auseinanderreißen,
fordern jedoch noch mehr Entschlossenheit. Wir
können eine neue Mittelschicht schaffen und eine

Heute begibt sich der Arbeitsminister auf eine Mission. Sie führt mich zu den amerikanischen Unternehmen, und Dallas ist mein erster Halt. Ziel meiner
Mission ist es, die Dringlichkeit auf der anderen
Seite dieses Pakts zu unterstreichen. Im Interesse
von zukünftigem Wohlstand und Stabilität müssen
die amerikanischen Unternehmen sich durch Investitionen in die amerikanischen Arbeitnehmer
revanchieren.
Wie soll das geschehen? Welchen spezifischen
Inhalt sollte dieser Pakt haben? Ich kann nicht die
exakten Bestimmungen prognostizieren. Offensichtlich ist ein Mittel, die amerikanischen Unternehmen
zu Investitionen in die Arbeitnehmerschaft zu verpflichten, die einfache Erfordernis, daß die Firmen
einen kleinen Teil ihrer Gewinne zur Erhöhung der
Qualifikationen aller Angestellten verwenden.
Die Administration fördert eine solche Option nicht
als offiziellen politischen Vorschlag, da wir nicht
davon überzeugt sind, daß sie den besten Weg zur
Erreichung des Ziels erhöhter Investitionen in die

*

AMERIKA DIENST 40

neue Leiter für den Aufstieg der Unterschicht bauen.
Sie und ich wissen, daß das möglich ist. Wir haben
bereits einen Beginn gesehen. Aber ohne die
verdoppelte Energie der amerikanischen Unternehmer - ohne das grundlegende Verständnis, daß keine
Aufgabe für unsere Zukunft wichtiger ist - wird die
robuste Mittelschicht, einst ein wesentliches Qualitätsmerkmal unseres Landes, weiterhin zerfallen.
Während ich mich also auf meine Mission zu den
amerikanischen Unternehmen mache, bitte ich Sie,
sich für die Schaffung eines neuen Pakts einzusetzen
- für Rentabilität, Wohlstand für alle, Abbau wirtschaftlicher Ängste und daraus resultierender sozialer
Spannungen. Nehmen Sie an der Debatte über die
Bestimmungen dieses Pakts und die Rolle der
Unternehmen bei der Entwicklung beruflicher Fähigkeiten teil. Und engagieren Sie sich für die Erneuerung des Amerikanischen Traums, für den Aufbau
einer neuen Mittelschicht, die noch mehr Menschen
erfaßt als die alte und imstande ist, den Herausforderungen der neuen Wirtschaft zu begegnen.

* * *

*

Seite 5

�WlRTSCHAFT
12. Oktober 1994

UNSERE WIRTSCHAFT BRAUCHT
WELTWEITE AUFMERKSAMKEIT
von Botschafterin Pamela Harriman
PARIS - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von der amerikanischen Botschafterin in Frankreich,
Pamela Harriman, verfaßten Artikel über die Rolle der Vereinigten Staaten im Welthandelssystem.

Im kommenden Monat votiert der Kongreß über eine
sehr wichtige Frage, die die Wirtschaft der Vereinigten Staaten und der Welt bis weit in die Zukunft
hinein gestalten wird. Dennoch wurde dieser Angelegenheit - der Annahme der als Uruguay-Runde
bekannten weltweiten Handelsvereinbarung - während dieser bewegten Monate in Washington wenig
Aufmerksamkeit gezollt.
Es bedurfte siebenjähriger Verhandlungen, um die
Runde zu einem Abschluß zu bringen. Während
langer, harter Verhandlungen und insbesondere in
den entscheidenden letzten Wochen vor dem
Abschluß legten wir stark und erfolgreich Nachdruck
auf unsere Interessen. Aus meinem Blickwinkel als
Vertreterin der Vereinigten Staaten in Frankreich einem wichtigen Mitspieler im Welthandelssystem demonstrieren die Schwierigkeiten der vergangenen
Verhandlungsmonate, wie genau diese Vereinbarung
ausgearbeitet werden mußte, damit sie sowohl
unseren Wirtschaftsinteressen als auch den unseren
Handelspartnern und uns gemeinsamen Interessen
dient. Letztlich kamen wir zu einer Übereinkunft,
weil sie sich mit uns auf drei grundlegende Punkte
einigten:
Wachstum des Welthandels ist von essentieller
Bedeutung für die nationale wirtschaftliche Gesundung,
das Handelssystem benötigt Regeln für Bereiche
wie Landwirtschaft, Dienstleistungen und geistiges Eigentum,
die Differenzen im handelspolitischen Bereich
werden - selbst in Freihandelszonen - nicht
verschwinden; vorzugsweise werden eine Reihe

AMERIKA DIENST 40

von Grundsätzen und ein Mechanismus zur
Beilegung von Streitigkeiten geschaffen.
Jedes unter den 128 Nationen ausgehandelte Abkommen beinhaltet Kompromisse. Jede der Parteien
kann in dem Paket Kritikpunkte finden. Die Vorteile
der Uruguay-Runde wiegen sämtliche Probleme
jedoch bei weitem auf. Die Zustimmung des Kongresses ist in zweierlei Hinsicht von entscheidender
Bedeutung: Unsere Volkswirtschaft benötigt sie für
zukünftiges Wachstum und wegen unserer Führungsrolle in der Welt.
Die Vereinbarung stellt ein stärkeres, verläßlicheres
Handelssystem bereit, das den amerikanischen
Stärken Rechnung trägt. Sie verringert die ausländischen Zölle auf Fertigwaren um mehr als ein
Drittel - die größte Zollsenkung der Geschichte. Sie
erhöht in beträchtlichem Ausmaß die Exportmöglichkeiten unserer Landwirte durch die Abschaffung aller
nichttarifären Handelshemmnisse, einschließlich
Quoten, sowie durch beträchtliche Zollsenkungen.
Unternehmen und Arbeitnehmer in den Bereichen
Pharmazie, Unterhaltung, Software und bei anderen
Produkten erhalten neuen Schutz für ihr wertvolles
geistiges Eigentum. Amerikanischen Dienstleistungsexporteuren, beispielsweise auf den Gebieten Rechnungsprüfung, Werbung, Computerdienstleistungen,
Tourismus, Ingenieur- und Bauwesen werden ebenfalls offenere ausländische Märkte garantiert.
Schließlich rationalisiert die Vereinbarung das Verfahren für den Umgang mit Handelsstreitigkeiten und
stellt sicher, daß in allen Ländern die gleichen
Vorschriften gelten - ein den amerikanischen Unterhändlern vom Kongreß vorgegebenes wichtiges
Ziel.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten ließen erst vor kurzem eine
große Rezession hinter sich. Unsere Unternehmen
und ihre Beschäftigten durchliefen einen schmerzhaften Umstrukturierungsprozeß, sind aber jetzt die
effizientesten und wettbewerbsfähigsten der Welt.
Der jüngste Erfolg der amerikanischen Automobilhersteller zeigt, was wir auch in vielen anderen Bereichen unternehmen könnten. Vor Abschluß der
Uruguay-Runde hatten die Konsumenten im Ausland
aufgrund von Handelshemmnissen nicht immer den
gewünschten Zugang zu den qualitativ hochwertigen
und effizient hergestellten amerikanischen Waren
und Dienstleistungen. Jetzt können wir diesen
Zugang sicherstellen. Wir haben von einem offenen
Weltmarkt mit durchsetzbaren Regeln nichts zu
fürchten; ganz im Gegenteil - wir werden dadurch
blühen und gedeihen!
Wie vorherzusehen war, wurde viel über die Möglichkeit gesprochen, die Welthandelsorganisation
(World Trade Organisation - WTO) könnte in einer
Handelsstreitigkeit gegen uns entscheiden. Von
manchen wird behauptet, die Mitgliedschaft in der
WTO schränke unsere Souveränität ein. Das ist ein
lächerliches Argument, das allzuoft gegen internationale Vorstöße vorgebracht wird - vom Völkerbund über den IWF bis zur UNO. Die Entscheidungen der WTO werden Richtlinien für unsere Praktiken festsetzen, nicht jedoch spezifische Aktionen
unsererseits diktieren. Die WTO beeinflußt nicht die
Souveränität der Vereinigten Staaten, ihre eigenen
Gesetze zu erlassen, existierende Gesetze durchzusetzen oder ihre eigenen umweit- und gesundheitspolitischen Maßstäbe zu setzen; nur der Kongreß und der Präsident haben diese Befugnis. Die
Mitgliedschaft in der WTO gestattet uns sicherzustellen, daß unsere Handelspartner sich an vereinbarte
Regeln halten und beendet ihre Möglichkeit, im Falle
von Verletzungen der Regeln ihrerseits bestimmte
Aktionen zu blockieren, wie derzeit allzuoft geschieht.
Noch wichtiger ist die nervenaufreibende Frage, ob
eine Niederlage in diesem Jahr oder eine Verschiebung auf das kommende Jahr - während sich die
übrige Welt weiterentwickelt - den Märkten weltweit
einen Schlag versetzen würde. Negative Auswirkungen wären in der gesamten amerikanischen Volkswirtschaft und tatsächlich weltweit zu spüren.
Ein solches Scheitern oder Zögern würde auch als
Rückzug von unserer historischen Verpflichtung zu
freiem Handel interpretiert. Das derzeitige Welthandelssystem entstand aus den Verträgen über
eine Liberalisierung des Handels, deren Aushandlung die Vereinigten Staaten noch vor dem Zweiten
*

Seite 2

Weltkrieg begannen, als wir uns von dem isolationistischen Disaster des Smoot-Hawley-Zolls erholten.
Seitdem standen wir im Mittelpunkt sämtlicher Handelsgespräche, denn es ist im Interesse unserer
Nation - und dem der Welt - daß wir die Führungsrolle übernehmen.
Das Handelssystem der Vergangenheit war den
Herausforderungen einer expandierenden Weltwirtschaft nicht gewachsen. Im Rahmen der UruguayRunde werden die Sektoren, die die größten Schwierigkeiten verursachten, erstmals realistisch behandelt,
einschließlich der Bereiche Landwirtschaft, Textilien,
Dienstleistungen und Investitionen. Wir sind dazu
verpflichtet, die verbleibenden Herausforderungen zu
bewältigen, darunter Luftfahrt, Finanzdienstleistungen,
Stahl und audiovisuelle Produkte.
Viele dieser Fragen verursachen in Frankreich
besondere Schwierigkeiten. In diesem Land befürchten einige, ihr Wirtschaftssystem verfüge nicht
über die erforderliche Flexibilität, um auf der Ebene
der Gleichberechtigung auf dem entstehenden
Weltmarkt konkurrieren zu können. Frankreich hat
jedoch das Abkommen der Uruguay-Runde akzeptiert. Es wäre bedeutend schwieriger, wenn nicht
sogar unmöglich, bei diesen und anderen wichtigen
Fragen mit den Franzosen - und unseren anderen
Handelspartnern - Fortschritte zu erzielen, wenn der
Kongreß die Vereinbarung ablehnen oder als parteipolitische Angelegenheit behandeln würde. Andere
große Errungenschaften - der Sieg im Zweiten
Weltkrieg, der Wiederaufbau Westeuropas, der
konsequente Kurs im Kalten Krieg, selbst das NAFTA
- wurden durch die Zusammenarbeit von Demokraten
und Republikanern erreicht. Die Geschichte wird ein
hartes Urteil über diejenigen sprechen, die den Platz
unserer Nation in der Weltwirtschaft zum Spielball der
Politik machen.
In Frankreich feierten wir in diesem Sommer den
fünfzigsten Jahrestag der Befreiung, die vor allem
durch den Schweiß und das Blut einer Generation
von Amerikanern gewonnen wurde, die der Überzeugung war, ihr Land müsse auf der internationalen
Bühne eine positive Rolle spielen und den Optimismus hegte, wahrhaft etwas bewirken zu können. Sie
hatten damals recht, und dieselben Grundsätze
gelten noch heute. Die Zukunft der Weltwirtschaft
wird von unseren heutigen Entscheidungen gestaltet.
Unsere Industrie und Landwirtschaft sind die effizientesten der Welt. Wir werden entweder in der Welt
prosperieren, oder zurückfallen. Wir können nicht
'aussteigen'. Jetzt ist die Zeit für eine Entscheidung
gekommen, nicht für Aufschub.

* * * *

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER TAG
12. Oktober 1994

DEUTSCH-AMERIKANISCHER TAG 1994
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation Präsident Clintons zum DeutschAmerikanischen Tag am 6. Oktober 1994.

Vor drei Monaten begrüßten und bekräftigten die
Vereinigten Staaten und Deutschland bei einer
freudigen Feier am Brandenburger Tor mit Stolz das
neue Zeitalter transatlantischer Zusammenarbeit
zwischen unseren beiden Nationen. Gemeinsam
arbeiten unsere beiden Länder an der Förderung
von Demokratie und Marktreform, die den Europäern
sowie ihren amerikanischen Freunden und Verbündeten mehr Wohlstand und Sicherheit versprechen.
Für dieses bedeutende Bündnis gibt es in der
Geschichte einen wichtigen Präzedenzfall. In den
ersten Tagen nach der Unterzeichnung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776
übersetzte ein bekanntes Unternehmen in Philadelphia den Text der Erklärung ins Deutsche und
veröffentlichte ihn. Diese Entscheidung spiegelte die
bedeutende Anzahl deutscher Siedler in Amerika
wider, deren Beteiligung an unserem Kampf für die
Freiheit zum Aufbau unseres demokratischen
Systems beigetragen hat. Die Veröffentlichung der
Unabhängigkeitserklärung in deutscher Sprache
sollte die Kunde von der Unabhängigkeit unter den
mutigen deutschen Siedlern verbreiten, die mit ihren
englischsprachigen Landsleuten - wenn auch nicht
die Sprache - so doch eine beständige Freiheitsliebe
gemein hatten. Die Gründerväter der Unabhängigkeit erkannten die fundamentale Bedeutung der
deutschen Siedler an, und die Deutschen waren
stolz darauf, bei der Geburt der amerikanischen
Demokratie eine zentrale Rolle zu spielen.
Deutsche, die sich bereits in den Kolonien niedergelassen hatten sowie andere, die am Unabhängigkeitskrieg teilnehmen wollten, beispielsweise Baron
von Steuben, leisteten wichtige Hilfe zum amerikani-

schen Sieg. Die übersetzte Fassung der Unabhängigkeitserklärung ist ein dauerhaftes Symbol für echte
deutsch-amerikanische Freundschaft und den außerordentlichen geistigen und materiellen Beitrag der
Deutschen zur Geburt einer das Volk vertretenden
Regierung in den Vereinigten Staaten.
In den
nahezu 220 Jahren seit diesem großen Sieg waren
Generationen von Deutschamerikanern aktive und
wertvolle Teilnehmer am amerikanischen Experiment.
Heute haben mehr Bürger der Vereinigten Staaten
Vorfahren aus Deutschland als aus jeder anderen
Volksgruppe. Aufgrund der Inspiration von zwei
Jahrhunderten gemeinsamer Freiheit helfen Deutschamerikaner im ganzen Land, unsere Nation zu einer
Zukunft zu führen, die ebenso strahlend wie unsere
Vergangenheit ist - eine Zukunft wachsender Verständigung und sicheren Friedens.
Zu Ehren der heutigen Hüter des reichen deutschamerikanischen Erbes hat der Kongreß entsprechend
Gesetz 103-100 den 6. Oktober 1994 zum "DeutschAmerikanischen Tag" erklärt und den Präsidenten
ermächtigt und ersucht, aus Anlaß dieses Tages eine
Proklamation zu erlassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
hiermit den 6. Oktober 1994 zum Deutsch-Amerikanischen Tag - zur Würdigung der zahllosen Beiträge,
die Menschen deutschen Ursprungs zu Freiheit,
Demokratie und Wohlstand unserer Nation geleistet
haben.
Unterzeichnet am 4. Tag des Oktober, im Jahre des
Herrn 1994 und im 219. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * *

AMERIKA DIENST 40

*

Seite 1

�LITERATUR
12. Oktober 1994

EDITH WHARTON STEHT FÜR DEN REICHTUM
DER AMERIKANISCHEN LITERATUR
Die Autorin von "Zeit der Unschuld"
WASHINGTON - (AD) - Zu Beginn des letzten
Viertels des vergangenen Jahrhunderts begann ein
zwölfjähriges Mädchen - im sicheren Schutz ihrer
Familie und deren hoher gesellschaftlicher Stellung als Folge ihres unersättlichen Lesehungers und zur
Erweiterung ihres ziemlich begrenzten Horizonts,
Verse und Geschichten zu schreiben.
Die Welt von Edith Newbold Jones drehte sich um
das anständige, ehrwürdige New York und die
Gesellschaft der Ostküste, die sich aus Kaufleuten,
Juristen und Bankiers zusammensetzte, deren
Wurzeln bis in die Zeit der Siedler zurückgingen.
Die meisten von ihnen hatten kein großes Interesse
an Kultur, insbesondere an Kunst oder Literatur.
Das Schreiben führte tatsächlich zu Spannungen.
Edith (die nach ihrer Heirat unter dem Namen
Wharton schrieb) untersuchte im Lauf ihrer schriftstellerischen Karriere und mit zunehmender Reife in
während vier Jahrzehnten geschriebenen Geschichten diese widerstreitenden Zwänge, sich ihrer
behüteten Welt anzupassen beziehungsweise
dagegen zu rebellieren - was für sie eine ständige
Herausforderung darstellte.
"Ihre tragischen Heldinnen und Helden", so der
Kritiker Edmund Wilson über ihr Oeuvre, "sind
leidenschaftliche oder phantasievolle Persönlichkeiten mit einem Hunger nach emotionalen oder
intellektuellen Erfahrungen, die in einem kleinen,
geschlossenen System gefangen sind und sich
entweder selbst zerstören, indem sie sich gegen ihre
Gefangenschaft auflehnen oder durch Resignation
lebendigen Leibes sterben."
Die Schriftstellerin stellte in ihrer Kollektion kritischer
Essays aus dem Jahr 1925, The Writing of Fiction,
selbst fest, "Drama und Situationen entstehen aus
dem Konflikt zwischen der gesellschaftlichen Ordnung und dem Hunger des einzelnen, und die Kunst,
das Leben in Dichtung oder Prosa darzustellen,

AMERIKA DIENST 40

kann oder muß letztlich nichts anderes sein als die
Loslösung entscheidender Momente aus dem existentiellen Durcheinander."
Von entscheidender Bedeutung sei immer "eine
bestimmte moralische Norm, ein deutliches Bewußtsein für den immerwährenden Kampf zwischen den
konkurrierenden Impulsen des Menschen, wenn die
davon handelnde Literatur Aufmerksamkeit erregen
und im Gedächtnis bleiben soll".
Ediths Vater, George Frederic Jones, der von mehreren Generationen Kaufleuten und Reedern abstammte, die bis zur Ansiedlung der Holländer in NeuAmsterdam (dem späteren New York) zurückverfolgt
werden konnten, und ihre Mutter, deren Vorfahren
während des Unabhängigkeitskrieges an mehreren
großen Feldzügen teilnahmen, beobachteten die
Leidenschaft ihrer Tochter mit Mißtrauen.
Sie hielten ihre schriftstellerische Tätigkeit für exzentrisch und ignorierten sogar die späteren Erfolge ihrer
Tochter. "Das Thema wurde vermieden, als wäre es
eine Art familiärer Schande", erinnert sich Wharton
1934 in ihren Memoiren A Backward Glance. Ediths
erster Verlobter soll Presseberichten zufolge die
Beziehung beendet haben, weil sie eine "ehrgeizige
Autorin" war.
1937 - kurz vor ihrem Tod im Alter von 75 Jahren erinnerte sich Wharton an die Vorurteile und Leere
ihrer Kindheit und beklagte, "was für erbärmliche
Bestimmungen hinter den einheitlichen braunen
Steinfassaden dieser Häuser für die Vorstellungswelt
des Menschen erlassen wurden" und daß dort große
Bibliotheken mit Regalen voller - meist ungelesener Bücher existierten.
Gleichzeitig war die Welt der Literatur hauptsächlich
eine Welt des Mannes. Einige Frauen hatten sich
jedoch eine künstlerische Nische gesucht - die
meisten als Dichterinnen.

Seite 1

�Romanschriftstellerinnen waren jedoch nicht die
Regel. Durch ihre neun Romane und Novellen
sowie mehr als sieben Dutzend Kurzgeschichten
veränderte Wharton ein wenig die Gewichtung. Und
sie wurde zur ersten Frau, der an der Yale University die Ehrendoktorwürde (in Literaturwissenschaften) verliehen wurde, sowie (für The Age of Innocence, obwohl ihrer Ansicht nach Sinclair Lewis für
Babbitt eher den Preis verdient hätte) der Pulitzerpreis für Literatur und die angesehene Goldmedaille
des National Institute of Arts and Letters.
Trotz dieser Triumphe war ihr Leben relativ niederdrückend und mit Angst erfüllt, die sich in ihren
Werken widerspiegelte. Nachdem Edith im Alter von
23 Jahren durch die Heirat mit Edward Robbins
(Teddy) Wharton, einem 10 Jahre älteren bekannten
Bostoner Bankier, der Enge ihres Elternhauses
entkommen war, entdeckte sie schon bald die
Nachteile der neuen Beziehung. Die beiden waren
gute Kameraden, aber Teddy - der gesundheitliche
Probleme hatte - paßte in intellektueller Hinsicht
nicht zu ihr. Sie hatten nur die Liebe zu Reisen ins
Ausland gemeinsam. In den Vereinigten Staaten
lebten sie in New York, Rhode Island und dem
westlichen Massachusetts.
Die Eintönigkeit ihres Lebens und die Last der
Verantwortung für Teddy lösten bei Edith Wharton
eine Reihe von Zusammenbrüchen - zunächst
psychischer, dann physischer Art - aus. Um dagegen anzugehen schrieb Edith zusammen mit
einem Freund ein Buch, The Decoration of Houses, das ihren Wunsch widerspiegelte, die Häuser
von der eher langweiligen Gestaltung zu befreien,
die zur Zeit der Jahrhundertwende die Norm war.
Edmund Wilson bezeichnete sie dem Romanschriftsteller und Kritiker Louis Auchincloss zufolge als
Dichterin der Inneneinrichtung.
Ferner verkaufte sie erstmals einige ihrer Werke an
Zeitschriften und veröffentlichte schließlich ihren
ersten Gesellschaftsroman, The House of Mirth.
Die Flucht in die Schriftstellerei reichte jedoch nicht
aus. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg ließ sich das
Paar schließlich nach fast 30jähriger Ehe scheiden
und Edith zog nach Frankreich, wo ihre Popularität
noch viel größer war als in den Vereinigten Staaten.
Dort verkehrte sie mit Schriftstellern wie Andrö Gide
und Andrö Maurois, Rainer Maria Rilke und Jean
Cocteau sowie dem Bildhauer Auguste Rodin.
Während des Ersten Weltkriegs und danach kümmerte sie sich um arbeitlose Pariser und verwaiste
belgische Flüchtlingskinder und veranlaßte Vereinigungen in den Vereinigten Staaten, Geld für eine
Ambulanzstation, ein Sanatorium für Tuberkulosepa-

Seite 2

tienten sowie Wohnheime zu sammeln, wofür sie von
der französischen und belgischen Regierung geehrt
wurde. Mit Ausnahme ihres kurzen Besuchs in Yale
im Jahr 1923 aus Anlaß der Verleihung der Ehrendoktorwürde blieb sie in Europa und wurde auf einem
Friedhof in Versailles beigesetzt.
Edith Wharton ist großenteils ein Paradoxon. Ihr
Talent ist nicht unbedingt in ihrer literarischen oder
stilistischen Brillianz begründet, sondern in ihrer
Fähigkeit, innerhalb eines klaren Zeitrahmens mit
messerscharfem Verstand bis zum Kern eines
Charakters oder einer Persönlichkeit vorzudringen.
Ungeachtet des eintönigen Hintergrunds, vor dem sie
agieren, sind die Charaktere ihrer schriftstellerischen
Landschaft tragische Figuren. Dem Kritiker Calvin
Winter zufolge leiden sie "unter der Erkenntnis, daß
niemand seinem Umfeld entkommen kann, daß die
ganze Familie und Rasse eines Menschen über
Generationen hinweg unablässig ein Netz von
Gebräuchen und Traditionen geschaffen haben, von
dem sich der einzelne nicht befreien kann".
Whartons Leben weist noch andere interessante
Merkmale auf. Obwohl sie unweigerlich als Abbild
ihres Vorbilds und Mentors Henry James angesehen
wurde, unterschied sie sich stark von ihm. Nach
ihrem Tod wurde sie anfänglich als puritanische
Matrone kritisiert und unterschätzt, die von literarischer Größe träumte. Im Verlauf der letzten Jahre
wurde jedoch ihr Ruf als eines der faszinierendsten,
vielseitigsten und klarsten literarischen Talente dieses
Jahrhunderts wiederhergestellt - unter anderem auch
wegen ihrer Enthüllungen über das Leben der Frau
in der Gesellschaft.
Beweis für diese erneute Popularität ist die Tatsache,
daß in den letzten Monaten zwei auf ihren Werken
basierende Kinofilme - The Age of Innocence (Zeit
der Unschuld) und Ethan Frome - auf den Markt
kamen und weitere Filmadaptationen ihrer Werke im
Gespräch sind.
Besonders interessant ist ihre Verbindung zu Henry
James. Edith war dem älteren Schriftsteller erstmals
in ihrer Teenagerzeit begegnet, als sie mit ihren
Eltern Europa bereiste. Es entwickelte sich eine
Lehrer/Berater - Schüler Beziehung, und sie wurden
enge und ebenbürtige Freunde. Kritiker wie Fred
Lewis Pattee neigen dazu, die beiden der Schule von
Honore de Balzac, Gustave Flaubert und M.H.
Stendahl zuzuordnen. Beide müssen Pattee zufolge
"als Intellektuelle angesehen werden, die sich vorwiegend mit Benehmen, Sitten, Kunst befassen".
In The Writing of Fiction schrieb Wharton auch über
ihr Verhältnis zu James und konzentrierte sich darauf,
was sie von ihm übernommen hatte - vor allem ein

AMERIKA DIENST 40

�Interesse an den Beziehungen zwischen gesellschaftlichen Regeln und der Freiheit des einzelnen,
insbesondere unter wohlhabenden Bürgern und im
Ausland lebenden Amerikanern. Abgesehen von
dieser Verbindung waren ihre Charaktere und ihre
Technik unverwechselbar. Auchincloss stellte fest:
"Im Unterschied zu James müssen ihre Sätze nie
erneut gelesen werden, um reichere und tiefgehendere Enthüllungen zu finden".
Wharton hielt sich während ihrer Laufbahn an den
Prüfstein für schriftstellerischen Erfolg: Sie schrieb
über das, was sie kannte und aus ihrer eigenen,
einzigartigen Perspektive. Es sollte jedoch nicht
vergessen werden, wie stark ihr Oeuvre nicht nur
durch ihre feine Herkunft, sondern auch durch die
Ereignisse ihrer Zeit beeinflußt wurde - der sich
verändernde Charakter der sie umgebenden Welt,
die revolutionären Umbrüche, die ihre gehobene,
kostbare gesellschaftliche Welt gefährdeten und
bedrohten.
In den achtziger und neunziger Jahren des 19.
Jahrhunderts, als Wharton erstmals ihre kreativen
Muskeln spielen ließ und als die Stadt mit nie dagewesenen Einwanderungswellen überspült wurde,
traten Vertreter eines früheren Einflusses, die sogenannten Neureichen des Amerika nach dem Unabhängigkeitskrieg, in Erscheinung und gefährdeten
die jahrhundertealte kulturelle Tradition. In den
Jahren nach der Massenimmigration, als Wharton
über Wohlstand, Privilegien und High Society als
gefährdete Art schrieb, durchlebten die Vereinigten
Staaten den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und den New Deal.
Durch die Neuentdeckung Edith Whartons während
der vergangenen Jahrzehnte wurde die Chronistin
der Sitten zur scharfsinnigen Analytikerin der
Menschheit - von Männern und Frauen gleichermaßen. Newland Archer, der rätselhafte Held in The
Age of Innocence und Ethan Frome in dem gleichnamigen Roman sind beide starke, einfühlsame
Charaktere. Whartons weibliche Figuren demonstrieren dem Kritiker John Lowe zufolge "auf außergewöhnlich zwingende und stark variierende Weise
die Schwierigkeit, als Frau in Amerika ein erfülltes
Leben zu führen". Whartons "geschärfter Sinn für
die eine Autorin konfrontierenden speziellen literarischen und persönlichen Schwierigkeiten ... verliehen
ihren Beschreibungen frustrierter Frauen eine
besondere Eindringlichkeit".
Gleichzeitig war Wharton eine Meisterin in der
Beschreibung von Einzelheiten. Sie malte schimmernde, exquisite Bilder aus Worten und brachte
dem Leser ihre elegante Umwelt nahe.

AMERIKA DIENST 40

Martin Scorseses Filmversion von The Age of
Innocence aus dem Jahr 1993, die jetzt weltweit in
den Kinos gezeigt wird, enthält dem Geist der Autorin
getreu außergewöhnlich viele Einzelheiten und
Farben.
Whartons schriftstellerische Karriere begann etwa in
den neuziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts
und ging über ihren Tod hinaus (zwei ihrer Romane,
Ghosts und The Buccaneers, wurden posthum
veröffentlicht). Während dieser Zeit schrieb sie
abwechselnd größere und kleinere Werke. Nur vier
Romane, The House of Mirth, Ethan Frome, The
Custom of the Country und The Age of Innocence
werden als literarische Meilensteine betrachtet,
obwohl The Buccaneers in den letzten Jahren auf
erneutes Interesse stieß.
Von ihren Kurzgeschichten gehören Roman Fever,
das von zwei in einem ironischen Konflikt miteinander
befindlichen Frauen handelt und The Other Two,
eine Sittenkomödie über einen New Yorker Aristokraten, zu den populärsten und meistgelesenen.
The House of Mirth handelt vom Abstieg einer
jungen Frau in der aristokratischen Gesellschaft trotz
ihres Gefühls persönlicher Verantwortung und des
Einsatzes für die Menschheit. Ethan Frome - für
Wharton ein Neuanfang - ist eine Tragödie über
unerwiderte Liebe und körperliches Gebrechen vor
dem Hintergrund der rauhen Landschaft des ländlichen New England. The Custom of the Country
nimmt eine schlaue und ehrgeizige junge Frau sowie
die Gesellschaft unter die Lupe, der sie entstammt.
The Age of Innocence ist zweifellos das Werk, mit
dem die Autorin in unserem Jahrzehnt - im Vergleich
zu dem szenischen Hintergrund des Buches einhundert Jahre später - am meisten identifiziert wird.
Das in Frankreich geschriebene und 1920 veröffentlichte Buch ist ein sarkastischer Kommentar zu den
gesellschaftlichen Traditionen der Welt, die Wharton
aus ihrer Kindheit Ende des 19. Jahrhunderts kannte.
Das Buch, das sich mit in einer leidenschaftslosen
Welt unerfüllbarer Leidenschaft befaßt, enthüllt gegen
Ende, wie der Sittenkodex einer Generation von der
nachfolgenden abgelehnt wird.
Whartons Talente lagen Mitte dieses Jahrhunderts
mehrere Jahrzehnte lang im verborgenen, ungefähr
von ihrem Tod bis zu den sechziger Jahren. Das ist
jetzt nicht mehr der Fall. Infolge der Eröffnung der
Sammlung ihrer schriftlichen Aufzeichnungen an der
Yale University 1968 und der sieben Jahre später von
R.W.B. Lewis veröffentlichten endgültigen Biographie
kam eine neue Edith Wharton zum Vorschein - nicht
die spießige, prüde, unerreichbare Schriftstellerin, die

Seite 3

�sie zu sein schien, sondern eine bemerkenswerte
Frau mit einem Sinn für Menschlichkeit, Mitgefühl
und Sensibilität - jene Edith Wharton, die heute ein

eindrucksvolles Beispiel für den Reichtum und die
Vielfalt der amerikanischen Literatur darstellt,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 40

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12223">
              <text>12.10.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12224">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12225">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12226">
              <text>Amerikadienst 12.10.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12227">
              <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Ereignisse in Irak und Haiti&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Verteidigungsminister Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Südafrika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Großes Interesse der Amerikaner an Südafrikas Kampf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Besuch von Präsident Nelson Mandela in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Arbeitswelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein neuer Sozialpakt - Die Rolle der Unternehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Arbeitsminister Reich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere Wirtschaft braucht weltweite Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafterin Pamela Harriman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Deutsch-amerikanischer Tag&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanischer Tag 1994&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafterin Pamela Harriman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Literatur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Edith Wharton steht für den Reichtum der amerikanischen Literatur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Autorin von "Zeit der Unschuld"&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
