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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

28. September 1994

38

AUSSENPOLITIK

AUFRUF ZU WELTWEITER ZUSAMMENARBEIT
Rede Präsident Clintons vor der
UN-Generalversammlung

USA-EUROPA

URSACHEN FÜR KONFLIKTE NACH DEM
KALTEN KRIEG
Rede von Abteilungsleiter Holbrooke

DIE HERAUSFORDERUNG DER GESCHICHTE
Rede von John Kornblum

USA-DEUTSCHLAND

REDMAN: IN DEUTSCHLAND HABEN WIR
EINEN VERLÄSSLICHEN PARTNER
Anhörung vor Senatsausschuß

NICHTVERBREITUNG

CTB-VERTRAG "UNABDINGBAR" ZUR
EINDÄMMUNG DER NUKLEAREN
WEITERVERBREITUNG
Erklärung des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-334102

�AUSSENPOLITIK
28. September 1994

AUFRUF ZU WELTWEITER ZUSAMMENARBEIT
Rede Präsident Clintons vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - In einer am 26. September 1994 vor der 49. UN-Generalversammlung
gehaltenen Rede machte Präsident Clinton den Vorschlag für einen ersten Schritt zur endgültigen Beseitigung
einer tödlichen globalen Bedrohung - den weltweit 85 Millionen gegen lebende Ziele gerichteten Landminen.
Clinton forderte seine Zuhörer auf, "gemeinsam mit uns ein Abkommen zur Reduzierung der Anzahl und
Verfügbarkeit dieser Minen abzuschließen".
Das Ende des Kalten Krieges und die Explosion von Technologie, Handel und Wirtschaft hätten ein "Zeitalter
der Hoffnung" eingeleitet, aber in dieser neuen Welt sähen sich die Länder "mit einem Kampf zwischen Freiheit
und Tyrannei" konfrontiert.
Der Präsident gab ferner bekannt, die Vereinigten Staaten würden im Geiste von Versöhnung und
Wiederaufbau alle unilateralen Sanktionen gegen Haiti aussetzen mit Ausnahme derjenigen, die die
Militärmachthaber und ihre direkten Anhänger betreffen.
Er stellte fest, die Situation in Bosnien habe sich verbessert, in dem Gebiet um Sarajevo jedoch in den letzten
Wochen beträchtlich verschlimmert. Zur Rettung Sarajevos sei eine neue Entschlossenheit der Vereinten
Nationen zur Durchsetzung ihrer Resolutionen erforderlich. Die NATO sei zum Handeln bereit.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Präsident Clintons vor der UN-Generalversammlung im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, meine Damen
und Herren Abgeordneten. Zunächst möchte ich
Ihnen, Herr Präsident, meine Glückwünsche zu ihrer
Wahl als Präsident der 49. Generalversammlung
aussprechen. Das amerikanische Volk sieht einer
Zusammenarbeit mit Ihnen bei der Begehung des
50. Jahrestages der Gründung der Vereinten Nationen erwartungsvoll entgegen.
Wir treffen heute in einer Zeit großer Hoffnungen
und großer Veränderungen zusammen. Das Ende
des Kalten Krieges, die Explosion in den Bereichen
Technologie, Handel und Wirtschaft haben den
Menschen auf der ganzen Welt eine neue Chance
gegeben, ihre Träume zu verwirklichen und ihr von
Gott gegebenes Talent zu entfalten. Dies ist ein
Zeitalter der Hoffnung.
In dieser neuen Welt sehen wir uns jedoch einem
Wettstreit gegenüber, der so alt ist wie die Geschichte selbst - einem Kampf zwischen Freiheit und

AMERIKA DIENST 38

Tyrannei, zwischen Toleranz und Bigotterie, zwischen
Wissen und Unkenntnis, zwischen Offenheit und
Isolation. Es ist ein Kampf zwischen denen, die freie,
von Gesetzen regierte Gesellschaften aufbauen
wollen und denjenigen, die ihren Willen mit Gewalt
durchsetzen möchten. Der heute von uns geführte
Kampf in einer Welt, die stärker als jemals zuvor von
Spitzentechnologie bestimmt ist, sich schneller als je
zuvor verändert und chaotischer und vielfältiger als je
zuvor ist, ist der jahrhundertealte Kampf zwischen
Hoffnung und Angst.
Dreimal in diesem Jahrhundert - von den Schützengräben an der Somme über die japanische Insel Iwo
Jima zur gefallenen Berliner Mauer trugen die Kräfte
der Hoffnung den Sieg davon. Die Sieger des Ersten
Weltkriegs vergeudeten jedoch ihren Triumph als sie
sich zurückzogen, eine weltweite Depression herbeiführten und dann den Aufstieg des Faschismus mit
der Folge eines erneuten Weltkriegs zuließen.

Seite 1

�I

Nach dem Zweiten Weltkrieg beherzigten die Alliierten die Lektionen der Geschichte. Angesichts einer
neuen totalitären Gefahr und der atomaren Bedrohung kehrten die großen Nationen der Herausforderung des Augenblicks nicht den Rücken zu. Vielmehr beschlossen sie, andere einzubeziehen, den
Wiederaufbau voranzutreiben und eine Führungsrolle
zu übernehmen. Sie entschieden sich für die
Gründung der Vereinten Nationen und hinterließen
uns eine stärkere, sicherere und freiere Welt.
Unsere Generation hat eine schwierige Aufgabe:
Der Kalte Krieg ist vorüber, wir müssen den Frieden
sichern. Uns fällt die Aufgabe zu, die nach dem
Ersten Weltkrieg gezeigte Selbstgefälligkeit zu
vermeiden, ohne daß - wie nach dem Zweiten
Weltkrieg - ein Antrieb in Form einer direkten Bedrohung unserer Sicherheit gegeben wäre. Wir
müssen dafür sorgen, daß diejenigen, die kämpften
und den Mut zur Beendigung des Kalten Krieges
zeigten - die freiheitsliebenden Menschen im Osten
und Westen - sich nicht umsonst eingesetzt haben.
Unsere geheiligte Aufgabe besteht darin, eine neue
Welt für unsere Kinder zu schaffen - mit mehr
Demokratie, mehr Wohlstand und größerer Freiheit
vor überholtem Haß und modernen Massenvernichtungsmitteln. Schließlich sind die Mauern, die
selbst in dieser Kammer die Nationen spalteten,
gefallen. Mehr Nationen als jemals zuvor haben
sich für die Demokratie entschieden, mehr für freie
Märkte und wirtschaftliche Gerechtigkeit, für die
Werte Toleranz, Freiheit und bürgerliche Gesellschaft, die es uns gestatten, das Beste aus unserem
Leben zu machen.
Aber obwohl die Ideale der Demokratie und freien
Marktwirtschaft Auftrieb erhalten haben, ist das nicht
alles. Schreckliche Beispiele für Chaos, Unterdrückung und Tyrannei sind ebenfalls ein Charakteristikum unserer Zeit. Das 20. Jahrhundert hat
bewiesen, daß die Kräfte der Freiheit und Demokratie auch angesichts großer Widrigkeiten Bestand
haben. Es ist unsere Pflicht sicherzustellen, daß
diese Kräfte im 21. Jahrhundert den Sieg davontragen.
Die uns konfrontierenden Gefahren sind nicht so
stark, aber viel diffuser als während des Kalten
Krieges. Sie sind jedoch immer noch furchterregend: Ethnische Konflikte, die Millionen Menschen
aus ihrer Heimat vertreiben; Despoten mit dem
Willen zur Unterdrückung ihrer eigenen Völker oder
Eroberung ihrer Nachbarländer; die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen; im Besitz
tödlicher Waffen befindliche Terroristen; Verbrechersyndikate, die diese Waffen oder Drogen verkaufen
oder die Institutionen schwacher Demokratien infil-

Seite 2

trieren; eine Weltwirtschaft mit großen Versprechungen aber auch tiefsitzender Unsicherheit und vielerorts verringerten Chancen; Krankheiten wie AIDS, die
Nationen zu dezimieren drohen; die kombinierten
Gefahren Bevölkerungsexplosion und wirtschaftlicher
Niedergang, die die internationale Staatengemeinschaft bei der Kairoer Konferenz zu einem bemerkenswerten Konsens führten; globale und lokale
Gefahren für die Umwelt, die erfordern, daß umweltverträgliche Entwicklung Bestandteil des Lebens der
Menschen auf der ganzen Welt wird und schließlich in vielen unserer Länder - starker Drogenmißbrauch,
eine hohe Verbrechensrate und der Zusammenbruch
von Familien mit seinen schrecklichen Folgen. Das
sind die uns heute konfrontierenden Gefahren.
Wir müssen uns diesen Bedrohungen unserer Zukunft stellen. Glücklicherweise bietet das Ende des
Kalten Krieges uns die Möglichkeit, sie gemeinsam
anzugehen.
Im Rahmen unserer Bestrebungen
werden verschiedene Nationen sich in verschiedenen
Situationen vielleicht unterschiedlich verhalten. Ihre
Beweggründe müssen jedoch im Einklang mit der
Freiheit stehen und ihre Vorgehensweise dem
Völkerrecht entsprechen.
Jede Nation wird ihre besonderen Stärken - wirtschaftliche, politische oder militärische - in unsere
gemeinsame Aufgabe einbringen. Natürlich besteht
die oberste Pflicht jedes Mitgliedstaates der Vereinten
Nationen gegenüber seinen eigenen Bürgern, deren
Sicherheit, Wohlergehen und Interessen. Als Präsident der Vereinigten Staaten habe ich als erstes eine
Verpflichtung gegenüber den Bürgern meines Landes. Wenn unsere nationalen Sicherheitsinteressen
bedroht sind, werden wir wenn möglich gemeinsam
mit anderen, wenn nötig im Alleingang handeln. Wir
werden wenn möglich Diplomatie, wenn nötig Gewalt
einsetzen.
Die Vereinigten Staaten sind sich auch ihrer besonderen Verantwortung bei diesen gemeinsamen
Bestrebungen bewußt - eine Verantwortung, die mit
großer Macht sowie unserer langen Geschichte von
Demokratie und Freiheit einhergeht.

Wir möchten

dieser Verantwortung in Zusammenarbeit mit anderen
Ländern entsprechen. Zusammenarbeit erhöht die
Wirkung und Rechtmäßigkeit jeder unserer Aktionen,
und eine Verteilung der Lasten verringert die Belastung für den einzelnen. Wir wollen nicht der Weltpolizist sein, werden jedoch alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um bürgerlichen Gesellschaften bei der Befreiung von Unterdrückung
beizustehen, gefährdete Demokratien zu unterstützen
und weitere freie Märkte zu schaffen - und natürlich
die uns alle bedrohenden zerstörerischen Kräfte
einzudämmen.

AMERIKA DIENST 38

�In jedem Teil der Welt - von Südafrika über Asien,
Mittel- und Osteuropa, den Nahen Osten und Lateinamerika und jetzt bis zu einer kleinen Karibikinsel streben die Bürger danach, ihre eigene Zukunft
aufzubauen. Es ist die große Chance unserer
Generation, uns für ihre Sache einzusetzen - und
das müssen wir gemeinsam tun.
Eine Koalition für die Demokratie ist auch für Amerika von Vorteil. Denn Demokratien sind stabiler und
weniger geneigt, Krieg zu führen. Sie stärken eine
bürgerliche Gesellschaft. Sie können den Menschen
wirtschaftliche und politische Chancen bieten, in ihrer
Heimat eine Zukunft aufzubauen, anstatt aus ihr zu
fliehen.
Unsere Bestrebungen zum Aufbau von mehr Demokratien werden uns alle sicherer, wohlhabender und
erfolgreicher machen, während wir versuchen,
dieses Zeitalter tiefgreifenden Wandels zu unserem
Freund anstatt zu unserem Feind zu machen.
In unserem Land gibt es wie in allen Ihren Ländern
viele Menschen, die sich verständlicherweise gegen
solche Bestrebungen sträuben, denn oftmals ist die
Entfernung zu diesen Völkern groß und ihre Kultur
sehr verschieden. Es gibt guten Grund für die von
diesen Menschen gezeigte Vorsicht. Oftmals sind
die Aussichten auf Erfolg oder die möglichen Kosten
nicht abzusehen. Und natürlich steckt in jeder
gemeinsamen Bestrebung auch die Möglichkeit ihres
Scheiterns oder des Verlusts kostbarer Menschenleben. Und trotzdem hat unser Volk - wie wir bei der
bemerkenswerten internationalen Reaktion auf die
schreckliche Krise in Ruanda gesehen haben - den
aufrichtigen Wunsch, seinen Nachbarn auf der
ganzen Welt zu helfen und einen Beitrag zu unserer
gemeinsamen Sache zu leisten.
Wir haben auch gesehen, daß Fortschritte gemacht
werden können. Das Problem lautet, darüber zu
entscheiden, wann wir reagieren und wie wir unser
Widerstreben überwinden. Das ist nie leicht, und es
gibt kein einfaches Rezept. Wir alle treffen diese
Entscheidungen, teilweise aufgrund der Entfernung
des Problems von unseren Küsten, aufgrund der
Interessen unserer Nation, der Erfolgschancen, der
erforderlichen Kosten oder der Gefahr für unsere
eigenen Bürger bei diesem Unterfangen. Es bleiben
jedoch schwierige Fragen bestehen, die nicht nach
einem einfachen Schema beantwortet werden
können.
Wir sollten jedoch zuversichtlich sein, daß diese
Bestrebungen zum Erfolg führen können, seien es
Bestrebungen zur Rettung von Menschenleben
angesichts einer entsetzlichen Tragödie wie in
Ruanda oder zur Vermeidung einer Tragödie wie am

AMERIKA DIENST 38

Hörn von Afrika oder zur Förderung von Entwicklungen, die buchstäblich die Zukunft von Millionen
Menschen verändern. Die Geschichte ist auf unserer
Seite.
Wir sollten hierbei Zuversicht zeigen. Denken Sie an
den Vormarsch der Freiheit allein im vergangenen
Jahr. Wer hätte noch vor einem Jahrzehnt gewagt,
die erstaunlichen Veränderungen in Südafrika, im
Nahen Osten, in Irland vorauszusagen, den bemerkenswerten Triumph von Demokratie und Mehrheitsentscheidungen, die Erfüllung von Nelson Mandelas
Lebenszweck, die mutigen Bestrebungen Israels und
seiner arabischen Nachbarn zum Aufbau von Brükken des Friedens zwischen ihren Völkern, das
ernsthafte Streben der Menschen Nordirlands,
Großbritanniens und Irlands nach der Beendigung
jahrhundertealter Spaltung und jahrzehntelangen
Terrors. In jedem Fall ist es das Verdienst der
führenden Persönlichkeiten dieser Nationen und ihrer
couragierten Völker. Aber in jedem Fall genossen die
Vereinigten Staaten und andere Nationen das Privileg, in dieser Sache Beistand leisten zu können.
Die wachsende Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation
sollte für uns alle ebenfalls Anlaß zu großer Zuversicht sein. Diese Partnerschaft wurzelt in der Demokratie, diese Partnerschaft funktioniert, diese Partnerschaft basiert nicht auf vollständiger Übereinstimmung, sondern auf echtem gegenseitigem Respekt.
Nach vielen Jahren atomaren Schreckens unternehmen unsere beiden Nationen dramatische Schritte
zur Lockerung der Spannungen auf der ganzen Welt.
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind Mittel- und
Osteuropa nicht von ausländischen Truppen besetzt,
die baltischen Staaten sind frei, russische und
amerikanische Raketen sind nicht länger gegen das
jeweils andere Volk gerichtet. Drei der vier im Besitz
von Atomwaffen befindlichen Mitgliedstaaten der
ehemaligen Sowjetunion haben sich auf einen Abzug
aller Atomwaffen von ihrem Gebiet geeinigt. Und wir
arbeiten an Abkommen zur Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für Nuklearexplosionen, zum
offenen und irreversiblen Abbau nuklearer Gefechtsköpfe und zur weiteren Verringerung unserer Atomwaffen in Trägersystemen.
Die Vereinigten Staaten und Rußland sind sich ferner
bewußt, daß wir bei der Kontrolle der wachsenden
Bedrohung durch Terroristen zusammenarbeiten
müssen, die Nuklearmaterial schmuggeln.
Um
Nuklearmaterial am Produktionsort in sichere Verwahrung zu nehmen, haben wir uns mit Rußland auf
eine Einstellung der Plutoniumproduktion bis zum
Jahr 2000 geeinigt, auf den Bau einer Lagerstätte für
spaltbares Material, den Aufkauf von Vorräten waffen-

Seite 3

�fähiger Brennstoffe sowie die Bekämpfung von
Verbrechern, die Materialien für Nuklearexplosionen
schmuggeln wollen.
Unsere beiden Nationen und Deutschland haben
ihre Zusammenarbeit verstärkt und beteiligen sich an
gemeinsamen Ausbildungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus. Wir werden in Kürze unter
Führung des FBI in Europa eine Akademie für die
Ausbildung von Polizeibeamten einrichten, in der
Polizisten die wirksamere Bekämpfung des Handels
mit atomwaffenfähigem Material, des Drogenhandels,
des organisierten Verbrechens und der Geldwäsche
erlernen.
Fördern werden die Vereinigten Staaten ferner eine
umfassende Tagesordnung zur Nichtverbreitung,
eine globale Konvention zur Einstellung der Produktion spaltbaren Materials, Bestrebungen zur Eindämmung der nuklearen Ambitionen Nordkoreas,
transparente Verfahren zum Abbau nuklearer Gefechtsköpfe sowie unsere Arbeit an einem Verbot
von Atomversuchen und der Ausweitung des Nichtverbreitungsvertrags.
Heute schlage ich einen ersten Schritt zur endgültigen Beseitigung einer weniger sichtbaren, aber
dennoch tödlichen Bedrohung vor: der weltweit 85
Millionen gegen lebende Ziele gerichteten Landminen - eine für je 50 Menschen auf der Erde. Ich rufe
alle Nationen dazu auf, gemeinsam mit uns ein
Abkommen zur Reduzierung der Anzahl und Verfügbarkeit dieser Minen abzuschließen. Die Befreiung
der Welt von diesen versteckten Waffen wird helfen,
in den kommenden Jahren das Leben Zehntausender von Männern, Frauen und unschuldigen Kindern
zu retten.
Die von uns im letzten Jahr erzielten Fortschritte
geben auch Anlaß zur Zuversicht, daß wir in den
Jahren nach dem Kalten Krieg internationale Institutionen anpassen und schaffen können, die
weltweit die Sicherheit erhöhen und Wirtschaftswachstum fördern.
Seit ich hier im vergangenen Jahr eine Rede hielt,
sind 22 Nationen der Partnerschaft für den Frieden
beigetreten. Es wurden erste gemeinsame Manöver
veranstaltet, die Europa die Chance geben, ein
geeinterer Kontinent zu werden, auf dem demokratische Nationen in sicheren Grenzen leben. In Asien
werden die Gespräche über Sicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu mehr Stabilität
führen. Indem die Ängste der Nationen bezüglich
ihrer Grenzen abgebaut und sie in die Lage versetzt
werden, weniger Geld für ihre Verteidigung auszugeben, kann unsere Koalition für die Demokratie den
Nationen zu einem Übergang verhelfen - und damit

Seite 4

zu der Chance, ihren Bürgern neue Freiheiten und
Möglichkeiten zu bieten.
Es ist an der Zeit, erneut über die Struktur dieser
Weltwirtschaft nachzudenken - Nationen trennende
Mauern niederzureißen, anstatt sich hinter ihnen zu
verstecken.
Auf dem diesjährigen Treffen der G-7 in Neapel
haben wir uns dieser Erneuerung verschrieben, der
erneuten Überprüfung der Wirtschaftsinstitutionen, die
uns in der Vergangenheit so gute Dienste geleistet
haben. Im Interesse gemeinsamen Wohlstands sind
die Vereinigten Staaten ein aktiverer Förderer offener
Märkte. Obwohl das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) noch in seinen Kinderschuhen
steckt, hat es den Handel zwischen den Vereinigten
Staaten und Mexiko bereits dramatisch erhöht und
allein in den Vereinigten Staaten schätzungsweise
200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Es bietet
den Nationen auf dem gesamten amerikanischen
Kontinent ein Modell, auf dem wir hoffentlich aufbauen können.
Diese Woche werde ich dem Kongreß ein Gesetzeswerk zur Umsetzung des GATT vorlegen, der größten
Handelsvereinbarung der Geschichte. Das GATT
und sein Nachfolger, die Welthandelsorganisation
WTO, bergen für uns alle das Versprechen gesteigerter Exporte, höherer Löhne und eines verbesserten
Lebensstandards. In den kommenden Monaten und
Jahren werden wir uns für die Erhöhung der Reichweite offener Märkte einsetzen, angefangen mit dem
Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und dem Gipfel der amerikanischen
Staaten Ende dieses Jahres.
Hier bei den Vereinten Nationen müssen wir einen
konkreten Plan zur Bewältigung der Herausforderungen der kommenden 50 Jahre erarbeiten, während
wir das 50jährige Bestehen der UNO feiern. Meines
Erachtens sollten wir den nächstes Jahr anstehenden
50. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen
nicht nur zu einem Jahr der Feierlichkeiten, sondern
auch zu einem Jahr der Erneuerung erklären. Wir
bitten den Generalsekretär um die Bildung einer
Arbeitsgruppe, damit wir bei unserer Sitzung im
kommenden Jahr über einen konkreten Aktionsplan
zur erneuten Belebung der Pflichten der Vereinten
Nationen verfügen, um die vor uns liegenden wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen
Herausforderungen angehen zu können - Pflichten,
die wir alle bereitwillig erfüllen müssen.
Unsere Ziele sollten auch einsatzbereite, effiziente
und fähige UN-Friedenstruppen umfassen. Ich freue
mich berichten zu können, daß die Vereinigten
Staaten - wie von mir im letzten Jahr zugesagt und

AMERIKA DIENST 38

�dank der Unterstützung durch den amerikanischen
Kongreß - 1,2 Milliarden Dollar für diese entscheidende Aufgabe zur Verfügung gestellt haben.
Wir müssen uns ferner verpflichten, die Reform der
Vereinten Nationen voranzutreiben, damit wir mit
weniger Mitteln mehr erreichen. Und wir müssen
unsere Fähigkeit verbessern, schnell auf dringende
Erfordernisse zu reagieren. Es ist für die Mitglieder
der Generalversammlung an der Zeit, ernsthaft den
von Präsident Menem unterbreiteten Vorschlag zur
Schaffung einer schnellen zivilen Reaktionsfähigkeit
auf humanitäre Krisen zu prüfen.
Nicht aus den Augen verlieren dürfen wir die besondere Rolle, die Entwicklung und Demokratie bei der
Verhütung von Konflikten spielen können, nachdem
der Frieden einmal geschaffen wurde.
Die Vereinten Nationen befanden sich noch nie in
einer besseren Position, die demokratischen Ziele
unserer Gründerväter zu erreichen. Das Ende des
Kalten Krieges hat uns von Jahrzehnten lähmender
Teilungen befreit, und wir alle wissen, daß multilaterale Zusammenarbeit angesichts der neuen Bedrohungen nicht nur notwendig ist, sondern auch
zum Erfolg führen kann.
Die von uns in Haiti gemeinsam unternommenen
Bestrebungen sind ein vorzügliches Beispiel. Unter

Einklang damit beabsichtige ich, zügig im Rahmen
der Resolutionen 917 und 940 des Sicherheitsrats
vorzugehen, damit wir Gesundheitsfürsorge, Wasserund Elektrizitätsversorgung wiederherstellen und
Material für humanitäre Bestrebungen, das Kommunikationswesen, Landwirtschaft und Erziehung
bereitstellen können.
Ferner gebe ich heute bekannt, daß die Vereinigten
Staaten alle unilateralen Sanktionen gegen Haiti
aussetzen werden, mit Ausnahme der die Militärmachthaber und ihre Anhänger betreffenden. Dazu
zählen der Linienverkehr, nachdem Luftunterstützung
verfügbar wurde, Finanztransaktionen und Reisebeschränkungen. Ich fordere alle anderen Nationen
dringend dazu auf, ebenso zu handeln.
In Haiti haben die Vereinigten Staaten demonstriert,
daß sie eine multinationale Streitmacht führen würden, wenn unsere Interessen offensichtlich, die
Sache richtig, die Mission durchführbar und die
Unterstützung der Nationen der Welt gewiß ist. Die
Haitianer werden jedoch Energie und Geduld an den
Tag legen müssen, um den Weg der Freiheit zu
gehen. Sie müssen das für sich selbst tun. Jede
neu entstehende demokratische Nation steht auf
tönernen Füßen, aber der Tag wird kommen, an dem
die auf Haiti lebenden Menschen ihr Streben nach
Freiheit erfüllt sehen und sie erneut tatsächliche
wirtschaftliche Fortschritte machen.

der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen geben

amerikanische Streitkräfte, jetzt unterstützt von einer
wachsenden internationalen Koalition aus mehr als
zwei Dutzend Nationen, den Menschen in Haiti ihre
Chance auf Freiheit.
Kreative Diplomatie, der
Einfluß wirtschaftlicher Macht, glaubwürdige militärische Drohung - sie alle haben die derzeitigen
Chancen herbeigeführt.
Die unentbehrliche zivile Ordnung wird wiederhergestellt. Menschenrechtsverletzungen wird Einhalt
geboten. Am heutigen Tag kehren bereits die ersten
Flüchtlinge zurück. Die Militärmachthaber werden
abtreten, eine demokratische Regierung wird wiederhergestellt. Präsident Aristide wird zurückkehren.
Die multilaterale Mission wird ihre Verantwortung an
eine Mission der Vereinten Nationen übergeben, die
1995 in Haiti bleibt, bis ein neuer Präsident gewählt
worden ist. Während dieses Zeitraums werden
durch multilaterale Entwicklungsbemühungen über
eine Milliarde Dollar zu Verfügung gestellt, um den
Haitianern beim Wiederaufbau ihres Landes zu
helfen.
Im Geiste der Versöhnung und des Wiederaufbaus
forderte Präsident Aristide gestern die sofortige
Lockerung der Sanktionen, damit die Wiederaufbauarbeit unverzüglich aufgenommen werden kann. Im

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Die Aktionen der Vereinten Nationen in Bosnien
bezeugen ebenso wie die in Haiti, daß Fortschritte
gemacht werden können, wenn eine Koalition ihre
Diplomatie mit militärischer Macht untermauert. Die
NATO hat seit unserer Zusammenkunft im vergangenen Jahr überhaupt zum ersten Mal außerhalb des
Territoriums ihrer Mitgliedstaaten eine militärische
Aktion durchgeführt. Die Drohung mit der Luftmacht
der NATO hat zur Errichtung der Sperrzone um
Sarajevo geführt und zur Beendigung der Frühjahrsoffensive der bosnischen Serben gegen Gorazde
beigetragen. Das von der NATO im Februar gestellte
Ultimatum unterstützte unsere Vermittlungsbemühungen, die zur Beendigung des Krieges zwischen der
bosnischen Regierung und den bosnischen Kroaten
beitrugen und eine Föderation zwischen diesen
beiden Gemeinschaften bildeten.
Die Situation in Bosnien hat sich bis zu diesem Grad
verbessert. In den letzten Wochen hat sich die
Situation um Sarajevo jedoch beträchtlich verschlechtert, und die Stadt ist wieder in Gefahr,
eingekesselt zu werden. Jetzt ist eine erneute
Entschlossenheit der Vereinten Nationen zur Durchsetzung ihrer Resolutionen erforderlich, um Sarajevo
zu retten. Die NATO ist zum Handeln bereit.

Seite 5

�Die Situation in Bosnien erinnert uns erneut an die
größte Ironie in diesem auslaufenden Jahrhundert:
Dieses so von Hoffnung und Chancen erfüllte
Jahrhundert war auch ein Zeitalter tiefgehender
Zerstörung und Verzweiflung.
Wir müssen an die Millionen von Menschen denken,
die während der beiden Weltkriege ihr Leben gaben
und an den ein halbes Jahrhundert währenden
Kampf der Männer und Frauen in Ost und West, die
sich schließlich im Namen den Freiheit behaupteten.
Wir müssen aber auch an unsere Kinder denken und
die Welt, die wir ihnen im 21. Jahrhundert hinterlassen.
*

Seite 6

Die Geschichte hat uns eine sehr seltene Gelegenheit beschert - die Chance, auf dem großartigsten
Vermächtnis dieses Jahrhunderts aufzubauen, ohne
seine dunklen Kapitel noch einmal zu durchleben.
Und wir haben demonstriert, daß wir das uralte
Streben der Menschheit nach Freiheit fortsetzen
können: den Aufbau einer Welt, in der die Demokratie keine Grenzen kennt, die Nationen aber wissen,
daß ihre Grenzen immer sicher sind, einer Welt, die
allen Menschen die Chance zur Entfaltung und zur
Verwirklichung ihrer Träume bietet.

* * * *

AMERIKA DIENST 38

�USA-EU ROPA
28. September 1994

URSACHEN FÜR KONFLIKTE
NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von Abteilungsleiter Holbrooke
WASHINGTON - (AD) - Der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im
Außenministerium, Richard C. Holbrooke, stellte in einer Rede vor dem Unterausschuß für Europa und den
Nahen Osten des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 20. September 1994 fest: "Die
Berliner Mauer ist gefallen, aber unsichtbare Mauern bestehen weiter - Mauern der Ignoranz, Intoleranz und
des Neides."
In seinen Ausführungen über die Entwicklungen in Europa äußerte Holbrooke: "Fortschritte für den von uns
angestrebten dauerhaften Frieden werden nur erzielt, wenn wir die Ursachen der Konflikte in Angriff nehmen",
insbesondere in Zentraleuropa. Nachdem diese Länder die Übel des Faschismus und Kommunismus, des
heißen und Kalten Krieges erduldet haben, seien sie frei, so Holbrooke, "doch sie benötigen unsere Hilfe".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Abteilungsleiter Holbrooke.

Es ist mir eine Ehre, heute vor Ihnen sprechen zu
dürfen. Ich danke Ihnen für die Gelegenheit darzulegen, wie diese Administration die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten in einem Europa
fördert, in dem sich tiefgreifende Veränderungen
vollziehen.
Am 8. September 1994 - einem meiner letzten Tage
als amerikanischer Botschafter in Deutschland verließen die amerikanischen Truppen Berlin in
einem Triumphzug, nachdem sie über 49 Jahre lang
die Freiheit und Sicherheit dieser Stadt erfolgreich
verteidigt hatten.
Der Abzug der Truppen war vielleicht die letzte
symbolische Erinnerung an das Ende des Kalten
Krieges. Er bedeutet jedoch nicht das Ende unseres
aktiven Engagements in Europa.
Der Fall der Berliner Mauer, der Zusammenbruch
des sowjetischen Imperiums und das Entstehen
neuer Demokratien bieten den Vereinigten Staaten
eine beispiellose Chance, einen Beitrag zu einem
freien und ungeteilten Europa zu leisten. Das Ende
des Kalten Krieges hat die Europäer und Amerikaner
von der Notwendigkeit der ausschließlichen Konzentration auf eine gemeinsame Bedrohung von außen
befreit. Wir sind jetzt frei, über das Gleichgewicht
des Schreckens des Kalten Krieges hinauszugehen,
um einen dauerhafteren Frieden und Sicherheit
aufzubauen, die auf der Stärke unserer Gesellschaf-

AMERIKA DIENST 38

ten und Institutionen gründen. Wir können jetzt
nachhaltiger andere gemeinsame Ziele verfolgen Förderung von Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit
im Inland, Menschenrechten, Freiheit und Marktreformen im Ausland.
Gemeinsam können wir unsere ehemaligen Gegner
zu beständigen Partnern machen. Wir können ein
Europa aufbauen, das in Demokratie vereinigt ist; ein
Europa, dessen Sicherheit auf dem Bau von Brücken,
nicht Mauern, basiert; ein Europa, das als unser
globaler Partner bei gemeinsamen Bestrebungen zur
Erweiterung von Frieden und Wohlstand dienen kann.
Aber wenn wir diese historische Chance ergreifen
wollen, ist es unerläßlich, daß wir auch die vor uns
liegenden Herausforderungen verstehen und bewältigen. Anstelle des Wettkampfs zwischen Totalitarismus und Demokratie im Europa des Kalten Krieges
ist eine andere Form des Wettstreits getreten zwischen den Kräften der Integration, Toleranz und
Einbeziehung und denen der Zersplitterung, Intoleranz und Ausgrenzung.
In dem Maße, in dem wir uns von der gefährlichsten
Konfrontation in der Geschichte der Menschheit
entfernt haben, werden wir Zeuge des schlimmsten
Ausbruchs von Gewalt und Blutvergießen in Europa
seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Seite 1

�Die Berliner Mauer ist gefallen, aber unsichtbare
Mauern bestehen weiter - Mauern der Ignoranz,
Intoleranz und des Neides. Heute entstehen die
Sicherheitsherausforderungen für Europa ebensosehr durch Ungerechtigkeit, wirtschaftliche Bedürfnisse und ethnischen Haß wie durch militärische
Aggression. Fortschritte für den von uns angestrebten dauerhaften Frieden werden nur erzielt, wenn wir
die Ursachen der Konflikte in Angriff nehmen, die
sich durch Mauern und Waffen manifestieren.
Dies ist eine enorme Herausforderung, insbesondere
für die riesigen und jahrtausendealten Gebiete in
Zentraleuropa. Sie haben entsetzlich unter den
Übeln des Faschismus und Kommunismus, des
heißen und Kalten Krieges gelitten. Heute sind sie
frei - doch sie benötigen unsere Hilfe.
Einige stellen die Frage, warum es uns etwas
angeht, was in diesen anscheinend so weit entfernten Regionen geschieht. Es wird das Argument
vorgebracht, nun, da die Tyrannei abgeschafft sei,
seien unsere Ziele in Europa erreicht und wir könnten uns abwenden.
Diese Administration teilt diese Sichtweise nicht.
Ohne Demokratie, Stabilität und freie Marktwirtschaften sind die Gebiete Mittel- und Ostmitteleuropas weiterhin anfällig für viele der althergebrachten Probleme - ethnische Konflikte, Gebietsstreitigkeiten, falschen Nationalismus, rassische
Vorurteile und institutionell verankerte Korruption.
Wenn eines dieser Übel triumphiert - wie es bereits
in Teilen des Balkans der Fall ist - besteht erneut ein
Risiko für die Stabilität Europas. Wenn diese Übel
triumphieren, könnte die Tragödie in Bosnien ein
häßlicher Vorläufer einer neuen Ära europäischer
Unsicherheit sein, gekennzeichnet durch virulente
ethnische und nationalistische Animositäten, Massenmigration, Fremdenfeindlichkeit und wirtschaftliche Unsicherheit.
Dreimal in diesem Jahrhundert mußte Europa
erleben, was solche Instabilität kostet - und jedes
Mal wurden die Vereinigten Staaten benötigt, um
das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Der mörderische Konflikt im ehemaligen Jugoslawien
führt uns vor Augen, daß Streitkräfte in der heutigen
Welt nach wie vor relevant sind. Er enthüllt auch die
Schwierigkeiten des Einsatzes von Streitkräften bei
Konflikten in einem Staat und zwischen Staaten.
Und er lehrt uns, daß frühzeitiges Handeln das beste
Mittel zur Verhinderung von Konflikten ist, die wir
später vielleicht nicht mehr kontrollieren können.

Blutvergießens auf dem Balkan herbeizuführen, die
Ausweitung der Kämpfe zu einem größeren Konflikt
zu verhindern, der sowohl unsere Verbündeten als
auch die Stabilität der neuen demokratischen Staaten
bedrohen könnte, und um den destabilisierenden
Flüchtlingsstrom einzudämmen.
Während wir auf die Lösung dieser Tragödie und die
Milderung des Leidens seiner Opfer hinarbeiten,
müssen wir auch unsere Sicherheitsinstitutionen
verändern, damit sie derartige Konflikte besser
bewältigen und die europäische Integration fördern
können. Viele Institutionen werden eine Rolle spielen, darunter die Europäische Union, die Westeuropäische Union, der Europarat, die KSZE und die
Vereinten Nationen. Aber die NATO - das erfolgreichste politisch-militärische Bündnis der Geschichte
- ist von zentraler Bedeutung.
100.000 amerikanische Soldaten werden in Europa
stationiert bleiben. Wie Vizepräsident Gore vor
kurzem feststellte, sind sie ein Zeichen unseres
Engagements für die NATO, sie sind das Symbol für
unsere Entschlossenheit zur Unterstützung von
Frieden und Freiheit auf diesem Kontinent. Diese
Truppen bilden eine solide Basis für die Beteiligung
der Vereinigten Staaten an multinationaler Ausbildung
und bewahren unsere Fähigkeit zur Abschreckung
von und Reaktion auf größere Bedrohungen in
Europa sowie gegebenenfalls zur Unterstützung von
NATO-Operationen "out of area".
Unser Engagement für die Sicherheit Europas bleibt
unerschütterlich. Das Ende des Kalten Krieges
bedeutet jedoch, daß wir die Bedeutung der europäischen Sicherheit an sich überdenken müssen.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten arbeiten wir an
der Umgestaltung der NATO, damit sie den neuen
Sicherheitsherausforderungen Europas gerecht
werden kann.
Unser Ansatz zur europäischen Sicherheit gründet
sich auf Kooperation und Einbeziehung. Sowohl der
Nordatlantische Kooperationsrat (NAKR) als auch die
Initiative Partnerschaft für den Frieden sind einbeziehende Sicherheitsarrangements der Zeit nach
dem Kalten Krieg, die gewohnheitsmäßige Kooperation und die demokratische Verwaltung der Sicherheit
aufbauen. Beide leisten einen Beitrag zu unserer
Strategie der europäischen Integration durch die
Erweiterung unserer Sicherheitszusammenarbeit auf
22 Länder, die zur Zeit nicht Mitglieder des Bündnisses sind. In der vergangenen Woche wurden in
Polen die ersten multilateralen Manöver im Rahmen
der Partnerschaft für den Frieden erfolgreich abgehalten.

Wir engagieren uns insbesondere in der Kontaktgruppe aktiv mit unseren Partnern, um ein Ende des

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AMERIKA DIENST 38

�Aufbauend auf der Partnerschaft für den Frieden und
dem NAKR haben mehrere Länder bereits ihren
Wunsch zum Ausdruck gebracht, Vollmitglieder des
Bündnisses zu werden. Wie Präsident Clinton im
Sommer in Warschau erklärt hat, ist die Aufnahme
neuer Mitglieder in die NATO eine Frage des Wann
und Wie, nicht des Ob. Vizepräsident Gore hat
diesen Ansatz am 10. September bekräftigt und
angedeutet, daß wir die Gespräche über diese
wichtige Frage im Herbst aufnehmen werden.
Ein essentielles Ziel der Partnerschaft für den Frieden, des NAKR und nicht zuletzt einer erweiterten
NATO ist die Stabilität in Zentraleuropa. Die Erweiterung der NATO wird - wenn sie erfolgt - die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region fördern. Wir
müssen die Gewohnheiten militärischer Zusammenarbeit, ziviler Kontrolle des Militärs und der Transparenz der Verteidigungshaushalte, wie wir sie in der
NATO kennen, erweitern - nicht weil wir eine neue
Bedrohung von einem Land oder einer Kombination
von Ländern ausmachen, sondern weil die Ausdehnung des Einflußbereichs der NATO die Erweiterung eines Rahmens bedeutet, der zur Konsolidierung der Demokratie und Förderung größerer Einheit
auf dem gesamten europäischen Kontinent beitragen
kann. Von einer Erweiterung der NATO werden
sogar die Länder profitieren, die nicht als erste
Gruppe beitreten werden, weil eine erweiterte
NATO-Mitgliedschaft die Sicherheit für alle europäischen Nationen verbessern wird.
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) ist zu einem wichtigen Bestandteil
der europäischen Sicherheit geworden, indem sie
sich den Prinzipien verschrieben hat, die die Beziehungen zwischen Regierungen sowie zwischen
Regierungen und ihren Bürgern regeln sollten. Sie
spielt eine wichtige und innovative Rolle bei Konfliktverhütung und demokratischer Entwicklung. Die
Aufrechterhaltung der an Werten orientierten Grundlage der KSZE wird bei der Bewahrung ihrer Sonderrolle von Bedeutung sein. Die Folgekonferenz und
das Gipfeltreffen in Budapest im Dezember sollten
der Arbeit der KSZE neuen politischen Auftrieb
verleihen. Gleichzeitig sollte die KSZE nicht eine
Koordinierungsfunktion für andere Gremien - wie die
NATO - übernehmen, die sich bewährt haben.
Wie ich in meiner Anhörung vor dem Senat im
vergangenen Monat erklärt habe, beabsichtige ich,
den Ländern Zentraleuropas höchste Priorität einzuräumen, damit sie sich der Demokratie erfreuen
können, die ihnen so lange verwehrt war. Der Erfolg
dieser demokratischen und marktwirtschaftlichen
Reformen bewirkt mehr Sicherheit für uns alle. Sie
sind die beste Antwort auf den aggressiven Nationalismus und ethnischen Haß, der durch das Ende des

AMERIKA DIENST 38

Kalten Krieges freigesetzt wurde. Zur Unterstützung
dieses Ansatzes nehmen wir als ersten Schritt
organisatorische Veränderungen im Büro für europäische Angelegenheiten vor. Die erste Tat ist
sowohl einfach als auch grundlegend: Ab dieser
Woche schaffen wir die Bezeichnung "Osteuropa" für
den betreffenden Teil des Büros ab. Dieses Vermächtnis aus der Zeit der künstlichen Trennung
Europas nach 1945 hat im Europa nach dem Kalten
Krieg keinen Platz mehr, und wir werden jetzt als
Organisationstitel dieselben Namen wie die Länder
Zentraleuropas wählen.
Das Büro für europäische und kanadische Angelegenheiten wird auch eng mit Jim Collins und seinen
Kollegen im Büro für die neuen unabhängigen
Staaten zusammenarbeiten sowie mit dem Stellvertretenden Außenminister Stöbe Talbott, um sicherzustellen, daß wir Brücken über das gesamte freie und
ungeteilte Europa schlagen.
Unseren Beziehungen zu Europa kommt weiterhin
eine entscheidende strategische Komponente zu. Sie
ruhen jedoch auch in gleichem Maße auf anderen
Pfeilern - insbesondere Wirtschaft und Handel,
Wissenschaft und Kultur sowie familiären Banden.
Um die Bedeutung unserer Beziehungen zu Universitäten, Unternehmen, nichtstaatlichen Organisationen
und Parlamenten bei unserem neuen Ansatz zu
Europa zu unterstreichen, beabsichtige ich eine
Umstrukturierung unseres Büros für Öffentlichkeitsarbeit.
Damit reagieren wir auf Außenminister
Christophers Forderung nach einem "Amerikabüro"
im Außenministerium, indem wir systematisch Arbeitsbeziehungen zu den zahlreichen Personen und
Organisationen im Privatsektor herstellen, die bereits
das Rückgrat unserer Verbindungen zu Europa
darstellen. Unsere geographischen Büros werden
ermutigt, die Talente der Experten von nichtstaatlichen Organisationen besser zu nutzen.
Ein wichtiger Pfeiler unserer Strategie für Europa ist
die Wirtschaft. Offene und prosperierende Volkswirtschaften in Europa bedeuten mehr Arbeitsplätze für
Amerikaner im Inland und Investitionschancen im
Ausland. Aus diesem Grund unterstützen wir den in
der Europäischen Union (EU) verankerten Integrationsprozeß uneingeschränkt und streben eine
Vertiefung unserer Partnerschaft mit der EU an.
Darüber hinaus engagieren wir uns für intensiveren
bilateralen Handel mit den Nichtmitgliedstaaten der
EU und Investitionen in diesen Ländern. Wir arbeiten
mit unseren westeuropäischen Partnern auf die
Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung
langfristigen Wachstums hin, indem wir auf die
Ergebnisse der Arbeitsplatzkonferenz von Detroit und
das Gipfeltreffen der G-7 in Neapel aufbauen.

Seite 3

�Diese Administration unterstützt ferner tatkräftig die
Marktreformen in den neuen Demokratien Europas.
Letztlich wird der Erfolg der Marktreformen in diesen
Ländern mehr von Handel als von Wirtschaftshilfe
abhängen. Eine unserer Prioritäten ist daher der
Abbau von Handelshemmnissen in den ehemals
kommunistischen Staaten.
Natürlich ist Europa nicht der einzige wichtige Teil
der Welt für die Vereinigten Staaten, aber wir teilen
auch regionale und globale Interessen, die für die
nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und das
Wohlergehen der Amerikaner von zentraler Bedeutung sind. Ob das Problem regionale Instabilität,
ethnische Konflikte, nukleare Weiterverbreitung, die
Zukunft der demokratischen Marktreformen in den
ehemals kommunistischen Staaten, Umweltverschmutzung oder rasches Bevölkerungswachstums
ist - es gibt wahrscheinlich keine Region in der Welt,
die unsere regionalen und globalen Interessen in
dem Maße teilt wie Europa. Die Nationen Europas
besitzen auch die Mittel, zahlreiche dieser globalen
Probleme in Angriff zu nehmen. Darüber hinaus ist
die Unterstützung unserer europäischen Partner
entscheidend für die Förderung eines offenen Handels- und Investitionssystems, das wiederum unerläßlich für Weltwirtschaftswachstum und Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten ist. Wie haben ein
reiches gemeinsames Erbe an Menschen, Ideen und
Kultur.
Präsident Clinton hat eindeutig klargestellt, wo die
Zukunft Europas aus der Sicht der Vereinigten
Staaten liegen sollte. Seine Definition der europäischen Sicherheit gründet sich auf den festen Glauben an die Leistungen der vergangenen 50 Jahre.
Einheit und Demokratie sind die Schlüsselbegriffe im
amerikanischen Vokabular. Wir erarbeiten eine

*

Seite 4

neue Definition der Sicherheit, in der gesunde Gesellschaften entscheidender für die Chancen des Friedens sind als der Umfang ihrer Verteidigungsapparate.
Die Vereinigten Staaten werden aus einem einfachen
Grund ein aktiver Beteiligter an europäischen Angelegenheiten sein - unser Eigeninteresse erfordert es.
Erfolg bei der Umsetzung einer gemeinsamen Tagesordnung mit gleichgesinnten Staaten ist der beste
Weg zum Schutz der Sicherheit und des Wohlstands
der Vereinigten Staaten. Der Erfolg unserer eigenen
innenpolitischen Tagesordnung erfordert die aktive
Verfolgung unserer Tagesordnungen im In- und
Ausland. Wenn die Vereinigten Staaten und ihre
europäischen Partner sich nicht nach außen wenden,
nicht weiterhin gemeinsam Handel treiben, in dem
jeweils anderen Land investieren und gemeinsam an
der Beseitigung neuer Hindemisse für Frieden und
Wohlstand arbeiten, werden unsere jeweiligen
Bestrebungen zur innenpolitischen Erneuerung nicht
von Erfolg gekrönt sein.
Während wir diesen Kurs verfolgen, sehe ich der
engen Zusammenarbeit mit den Mitgliedern dieses
Ausschusses und dem Kongreß erwartungsvoll
entgegen. Die Förderung unserer nationalen Interessen in Europa erfordert kontinuierliches amerikanisches Engagement, das von der breiten, überparteilichen Unterstützung des amerikanischen Volkes und
ihrer Vertreter im Kongreß getragen ist. Ich möchte
hinzufügen, wie stolz ich darauf bin, wieder im
Außenministerium tätig zu sein und mit den ausgezeichneten Mitarbeitern des Auswärtigen Dienstes
zusammenzuarbeiten, die sich die Förderung der
Interessen unseres Landes in Europa zur Aufgabe
gemacht haben. Ich danke Ihnen nochmals für die
Gelegenheit, heute vor Ihnen sprechen zu dürfen.

* * * *

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\
*

�USA-EUROPA
28. September 1994

DIE HERAUSFORDERUNG DER GESCHICHTE
Rede von John Kornblum
KNOKKE-HEIST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Stellvertretenden Abteilungsleiter für
europäische und kanadische Angelegenheiten, John Kornblum, bei der 10. Jahreskonferenz der Amerikanischen Botschaft über strategische Studien am 16. September 1994 gehaltene Rede.

Wenn wir uns die transatlantische Welt der neunziger Jahre betrachten, sind wir häufig von dem
tiefgreifenden Wandel überwältigt. Überall neue
Probleme, neue Konflikte und neue Chancen. Es ist
zur Gewohnheit geworden, die Notwendigkeit für
radikal veränderte Strategien zur Bewältigung
nahezu revolutionärer Entwicklungen zu erörtern.

wenn man sich nur auf genügend Streitkräfte und
genügend Verhaltensregeln einigt, könnten diese
Konflikte beendet werden. Wir haben das in den
zwanziger Jahren mit einer Reihe von Verträgen und
Erklärungen getan, die sich mit demselben Problem
befassen sollten. Wir kennen das Ergebnis dieser
Bestrebungen, Krieg als unrechtmäßig zu erklären.

Ein genauerer Blick enthüllt eine weitere wichtige
Tatsache. So neu die uns konfrontierenden Herausforderungen auch sein mögen, in vielen Fällen
entstehen sie durch eine Wiedergeburt der Geschichte. Statt radikal neu entworfener Verhaltensmuster in Europa scheint die durch den Kalten Krieg
bewirkte künstliche Stabilität viele der Trennlinien
eingefroren zu haben, die zu den vergangenen 80
Jahren der Konflikte geführt haben.

Dann gibt es die Rolle der Ost-West-Konfrontation an
sich. Wir fangen jetzt an zu erkennen, daß das durch
diese Konfrontation erzeugte Gefühl der Bedrohung
Zusammenhalt hervorbrachte, nicht nur für internationale Unternehmungen, sondern auch für die
politische Dynamik im Inland. Eine Versammlung von
Wissenschaftlern gelangte beispielsweise kürzlich zu
der Schlußfolgerung, daß die amerikanische Präsidentschaft in hohem Maße - negativ - durch diesen
Mangel an Dringlichkeit beeinflußt wurde. Politische
Botschaften müssen anders auf dieses neue Zeitalter
zugeschnitten werden.

Wenn wir die Zukunft der transatlantischen Beziehungen am Ende dieses Jahrhunderts erörtern,
müssen wir daher sowohl zurück als auch nach
vorne blicken. An der Schwelle zu dem neuen
Jahrtausend existieren neue Realitäten.
Viele
historische Muster sind jedoch noch gültig. In den
kommenden Jahren besteht eine der größten Herausforderungen für Politiker darin, das richtige
Gleichgewicht zwischen Altem und Neuem zu finden.
i

Ich möchte ein Beispiel anführen: Ethnische Konflikte erschüttern mehrere Teile Europas. In vielen
Fällen entstehen die Konflikte aus jahrhundertealten,
nie gelösten Streitigkeiten. Das Ende des von der
Sowjetunion ausgeübten Drucks deckte Spannungen
auf, die längst behoben schienen. Es ist wichtig,
Schritte zur schnellstmöglichen Überwindung dieser
Differenzen zu unternehmen.
Aber was tun wir? Es herrscht große Verwirrung
zwischen Lösungen der Vergangenheit und Hoffnungen für die Zukunft. Viele scheinen zu glauben,

AMERIKA DIENST 38

Die Lektionen der Geschichte scheinen eindeutig.
Europa ist immer noch belastet von innenpolitischen
ethnischen und kulturellen Konflikten, die die demokratische Zukunft vieler Teile des Kontinents bedrohen. Aber die Erkenntnisse des neuen Zeitalters
sollten ebenso klar sein. Alte Appelle zu Solidarität
oder die Notwendigkeit neuer Strukturen zur Bewältigung der Herausforderungen werden nicht funktionieren.
Statt dessen benötigen wir eine umfassende Strategie, die eine Verbindung zwischen Sicherheitsherausforderungen und den praktischen Erfordernissen von
Gesellschaften herstellt. Militärische Sicherheit muß
einhergehen mit Bestrebungen zur Inangriffnahme
der Ursachen von Konflikten. Dazu zählen die
Respektierung der Menschenrechte, Bemühungen zur
politischen und sozialen Entwicklung der neuen
demokratischen Staaten und Fortschritte zu einem

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�System freier Marktwirtschaft. Vor allem müssen die
Mittel und Methoden des Strebens nach Sicherheit
an die heutigen Zeiten angepaßt werden.
Dies erfordert auch konzertierte Anstrengungen zur
Anpassung unserer Institutionen an neue Aufgaben.
Innovationen wie die Partnerschaft für den Frieden
oder die Programme für demokratische Entwicklung
der KSZE und des Europarats oder die Arbeit der
zahlreichen nichtstaatlichen Organisationen sind
heute ebenso Bestandteil unserer Sicherheitspolitik
wie die nukleare Planung der NATO in der Vergangenheit.
Mit anderen Worten - wir müssen eifrig an einer
neuen Definition der Sicherheit arbeiten, die die
Fortschritte der vergangenen 50 Jahre beinhaltet,
aber nicht bei traditionellen Lösungen haltmacht.
Dabei müssen wir über die während des Kalten
Krieges erarbeiteten institutionellen und geographischen Definitionen hinausgehen. Wir müssen uns
an neue Realitäten anpassen und gleichzeitig die
historischen Wurzeln unserer Ziele und unseres
Verhaltens verstehen.
Seit ihrer Amtsübernahme war dies das Ziel der
Clinton-Administration. Die drei Bezugspunkte des
Präsidenten für die amerikanische Außenpolitik
militärische Stärke,
wirtschaftliche Stärke,
Menschenrechte
sind in der Tat eine völlig neue Definition der Sicherheitspolitik, die die scharfen militärischen und
politischen Spaltungen der Zeit des Kalten Krieges
aufheben.
Statt unsere Sicherheit unter dem Aspekt der Bedrohung und der Reaktion darauf zu sehen, schlägt
Präsident Clinton eine Tagesordnung für den Frieden vor, die Macht und Einfluß der Vereinigten
Staaten beim Streben nach mehreren miteinander

Mit der Festsetzung vereinbarter Verhaltensnormen
im Bereich der Menschenrechte wurde die Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eine
ebenso gefährliche Bedrohung für das kommunistische System wie die gesamten Streitkräfte der
NATO-Partner.
Unser unblutiger Sieg über den
sowjetischen Totalitarismus sollte nicht nur Grund
zum Feiern sein. Er kann uns auch die Richtung bei
unseren Bestrebungen zur Bewältigung der Herausforderungen der Welt nach dem Kalten Krieg weisen.
Wenn neue Konflikte eher interne denn externe
Ursachen haben, müssen wir unsere Mittel zur
Bewältigung solcher Herausforderungen entsprechend anpassen. Außer wenn wir zu einer dauerhaften militärischen Besetzung bereit sind, wird
Militärmacht allein weder die Probleme im ehemaligen Jugoslawien noch in Berg-Karabach lösen. Und
wenn wir nicht neue Methoden für den Aufbau einer
Gesellschaft und zur Konfliktvermeidung erlernen,
werden alle Erklärungen der Welt nur wenig Wirkung
zeigen.
Von besonderer Bedeutung in dieser neuen Ära ist
die Auffassung von Macht und ihrer Ausübung. Das
sowjetische System ist von innen heraus zerfallen,
zum Teil deswegen, weil es selbst für einen durch
und durch totalitären Staat unmöglich ist, die Gedanken und das Verhalten seiner Bürger zu kontrollieren.
In dem neuen Zeitalter werden Macht und Einfluß in
zunehmendem Maße von der internen Dynamik einer
Gesellschaft anstatt von ihrer Au ßenpolitik abhängen.
Halten Sie sich den zunehmenden Einfluß der
ostasiatischen Staaten vor Augen, die allesamt die
traditionellen Aspekte militärischer Machtpolitik
vermeiden. Probleme wie Migration oder organisiertes Verbrechen können selbst Großmächte in die
Knie zwingen.
Für die transatlantischen Beziehungen haben diese
Entwicklungen mehrere Auswirkungen:
Erstens. Wir müssen uns bewußt werden, was in

verbundenen Zielen zu nutzen versucht.

unseren Beziehungen eine Konstante darstellt und

Diese Ziele sollen über die sterile Ost-West-Teilung
hinausgehen, die wir aus dem Kalten Krieg geerbt
haben. Sie überbrücken auch den Unterschied
zwischen innenpolitischem und außenpolitischem
Verhalten.

was wir verändern müssen. Die drei Bezugspunkte
Präsident Clintons stellen eine Bestrebung zur klaren
Definition der Konstanten dar. Unser Glaube an die
dynamische Rolle der NATO in Europa - in Gesamteuropa - ist ein Beispiel für das Verschmelzen einer
traditionellen Struktur mit neuen Herausforderungen.

Eine der wesentlichen Leistungen des Westens in
den späteren Jahren des Kalten Krieges war die
Feststellung der Tatsache, daß das innenpolitische
Verhalten eines Landes ebenso wichtig für die
internationale Sicherheit ist wie seine außenpolitischen Maßnahmen.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Auffassung, daß die Sicherheit aller am besten durch die
Kombination einer amerikanischen Sicherheitsverpflichtung im Rahmen der NATO mit einer soliden
Grundlage von Zusammenarbeit und Integration in
ganz Europa garantiert werden kann. Diese Struktu-

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AMERIKA DIENST 38

�ren müssen offen sein und alle einbeziehen. Die
Ablehnung neuer Grenzen in Europa bedeutet
jedoch nicht, daß jede Struktur jeden einbeziehen
muß. Innovative Methoden wie Freihandelszonen
oder die Partnerschaft für den Frieden können
dasselbe leisten.
Zweitens. Wir dürfen nicht an den alten Definitionen
unserer Politik festhalten.
Die grundlegendste
Neudefinition muß die von Europa selbst sein.
Präsident Clinton erntete einiges Stirnrunzeln, als er
Anfang des Jahres in seiner in Brüssel gehaltenen
Rede die Einigung ganz Europas als grundlegenden
Aspekt des Friedens forderte. Einige waren der
Ansicht, diese Definition bedeute, die Vereinigten
Staaten gäben ihre Unterstützung einer engeren
Integration der bestehenden Europäischen Union
auf.
Das entspricht jedoch absolut nicht der Wahrheit.
Unsere Unterstützung für die Ziele der Europäischen
Union braucht nicht wiederholt zu werden. Die alte
Definition des Westens von "Europa" als dem
Europa der NATO oder der Europäischen Union ist
jedoch nicht mehr gültig. Wenn wir in Europa
wirklichen Frieden wollen, müssen wir jeden, der für
die europäische Sicherheit eine Rolle spielt, in
unsere Zusammenarbeit einbeziehen. Das bedeutet
nicht, derzeitige Bestrebungen aufzugeben, stellt
jedoch offensichtlich eine Einbeziehung der Nationen
Mitteleuropas dar - und bezieht Rußland ein.
Die Definitionen von Europa, die unsere westlichen
Institutionen mit dem Europa der Zukunft auf die
gleiche Stufe stellen, sind völlig sinnlos.
Drittens. Die Nationen Europas werden schnell auf
andere Art und Weise mit der Rückkehr der Geschichte konfrontiert. Der mit dem Kalten Krieg
einhergehende Schutz vor Verantwortung - auf
lokaler und globaler Ebene - besteht nicht mehr.
Europa wird nicht nur mit dem Wandel konfrontiert,
sondern wird auch mehr Verantwortung für den
Umgang damit übernehmen müssen. Wenn manche
Europäer sich über das ärgerten, was sie für amerikanische Vormachtstellung hielten, sollten sie sich
jetzt nicht beklagen, wenn wir nicht länger automatisch Lösungen bereitstellen.
Viertens. Wir müssen das vorherrschende Gleichgewicht der Sicherheit verstehen. In Akademiker- und
Journalistenkreisen wurde in den letzten Monaten
viel über die verschiedenen Herausforderungen an
unsere Sicherheit geschrieben. Viele dieser Argumente beruhen weiterhin auf sicherheitspolitischen
Faktoren, die nicht länger gültig sind.

AMERIKA DIENST 38

Warum machen wir uns beispielsweise weiterhin so
viele Sorgen über die zukünftige Orientierung
Deutschlands? Der Grund liegt zum Teil in der
dramatischen Geschichte Deutschlands in diesem
Jahrhundert.
Ein anderer Grund ist jedoch die Tatsache, daß wir
immer noch mit den Konzepten der Vergangenheit
operieren.
Deutschland muß fest in Europa verankert sein.
Wenn aber nicht in Europa, wo sonst? Dieser Satz
bedeutet in Wirklichkeit, daß Deutschland ermutigt
werden sollte, mit seinen Partnern zusammenzuarbeiten, anstatt sie zu dominieren. Aber gibt es
irgendeinen Hinweis darauf, daß Deutschland nicht
die Absicht zur Zusammenarbeit hat?
Deutschland darf nicht zwischen seiner europäischen
und atlantischen Zugehörigkeit hin und her gerissen
sein. Diese Behauptung deutet jedoch auf einen
Widerspruch zwischen diesen beiden Elementen hin.
Eine der Lektionen der Geschichte ist die, daß die
atlantische und europäische Welt immer identischer
werden. Amerika ist ein Teil Europas, und Europa
wird zunehmend ein integraler Bestandteil der amerikanischen Realität. Hier besteht für keine atlantische
Nation ein Widerspruch.
Kroatien
Am erstaunlichsten waren die gegen Deutschland
erhobenen Beschuldigungen, als dieses Land sich für
die Anerkennung eines unabhängigen Kroatien
einsetzte. Wir können uns über die Substanz einer
Frage uneinig sein, aber aus der Vergangenheit
übernommenes Streben nach Vorherrschaft zu
vermuten demonstriert, wie sehr diese alten Dämonen noch am Leben sind.
Deutschland darf nicht den Versuchungen der Machtpolitik in Mittel- und Osteuropa erliegen. Was sind
das jedoch für Versuchungen? Das heutige Deutschland ist nicht nur demokratisch, sondern zum ersten
Mal in seiner Geschichte von demokratischen Partnern umgeben, die ihm kein Gefühl der Bedrohung
vermitteln.
Ähnliche Argumente werden oft angeführt, um eine
dynamische Entwicklung der NATO zu verhindern.
Einige fürchten, wenn die derzeitige Machtstruktur
verändert werde, könnte die alte Instabilität wieder in
West- und Mitteleuropa Einzug halten. Es scheint,
als würde die NATO mit denselben überholten
Kriterien beurteilt, die oft auf Deutschland angewandt
werden. Die Situation der NATO hat sich - ebenso
wie die Deutschlands - grundlegend geändert. Die
Betrachtung der NATO vor dem Hintergrund traditio-

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�neller Politik ist ebenso falsch und schädigend wie
die Anwendung dieser Kriterien auf Deutschland.
Dies führt mich zu meinem fünften Punkt. Die
Institutionen müssen angepaßt werden, wenn sie
überleben sollen. Weder die NATO noch die EU
können in den Mustern des Kalten Krieges gefangen
werden, die sich auf die alte Definition des Westens
bezogen.
Die in diesem Jahrhundert geführten Kriege waren
Folge von Spannungen im Herzen des Kontinents.
Wie ich bereits vorher gesagt habe, erfordert der
Umgang mit der Gefahr eines Wiederauflebens
dieser Spannungen eher kreative als statische
Ansätze. Zweifellos sollte es im Interesse jeden
Landes, einschließlich Rußlands, liegen, sich unserer
westlichen Institutionen zu bedienen, um die Angst
vor Instabilität in Mitteleuropa zu beseitigen.
Eine Rolle der NATO und der EU in Mitteleuropa
stellt folglich keine Bedrohung für den Frieden oder
die Interessen Rußlands dar, sondern fördert diese.
Aber - und das ist mein sechster Punkt - wenn
unsere Institutionen ihre Rolle ausbauen sollen,
dürfen die Hauptakteure in Europa sie nicht als auf
bestimmte Länder beschränkt betrachten.
Die
Erweiterung der Mitgliedschaft der NATO und der
EU wird nicht über Nacht geschehen. Und es ist
nicht möglich vorherzusagen, wer beitreten wird und
wann.
Wie Vizepräsident Gore jedoch kürzlich in einer nach
Berlin übertragenen Rede erklärte, wird die Erörterung dieser Möglichkeit bald beginnen. Es ist von
Bedeutung, daß diese Diskussion von einer Verständigung darüber begleitet wird, wie alle interessierten Parteien in den Prozeß der Erarbeitung
einer neuen Definition von Sicherheit in Europa
eingeschlossen werden können.
Die Erweiterung der bestehenden Institutionen ist
kompliziert. Während der Fortsetzung der Gespräche ist es von Bedeutung, alle uns zur Verfügung
stehenden Mittel einzusetzen - den Nordatlantischen
Kooperationsrat (NAKR), die Partnerschaft für den
Frieden, die KSZE und unsere bilateralen Beziehungen, um ein Konzept eines gemeinsamen Sicherheitsraums in Europa zu definieren. Wir müssen in
ganz Europa einen Gemeinschaftssinn entwickeln,
wie es im Westen nach den Römischen Verträgen
geschehen ist.

*

Seite 4

*

Eine solche Gemeinschaft darf nicht innerhalb der
Grenzen einer einzigen Organisation gesehen werden. Sie muß nicht auf einem Vertrag basieren oder
eine formale Organisation haben. Vielmehr sollte sie
ein wachsendes Gefühl unter allen relevanten Staaten repräsentieren, daß wir gemeinsame Ziele und
Methoden haben, um einen dauerhaften und gerechten Frieden in Europa zu sichern.
Ich möchte betonen, daß dieses Ziel eines gemeinsamen Sicherheitsraums über die Lage Europas
hinausgeht, so wichtig diese auch sein mag. In einer
mit neuen Problemen behafteten Welt - Problemen im
Bereich der Umwelt und der grundlegenden Menschenrechte - ist es wichtig, daß die wohlhabenden
Kontinente Europa und Nordamerika ein gemeinsames Versprechen für Engagement eingehen und
gemeinsame Anliegen haben.
Beide Kontinente unternehmen bereits sehr viel.
Aber solange Europa von Konflikten belastet wird
oder - wie Präsident Clinton es formulierte - solange
Amerika seine eigenen Sozialinstitutionen nicht
erneuert hat, werden wir weder die Energie noch die
Ressourcen für erweiterte Aufgaben haben.
Somit wird - wie in der Vergangenheit - die Sicherheit
Europas ein Indikator für das Gefühl der Sicherheit
auf der ganzen Welt. Die Aufgabe des Wiederaufbaus nach dem Kalten Krieg ist ebenso groß wie die
nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Vereinigten Staaten werden sich aus einem
einfachen Grund weiterhin für diese Aufgabe einsetzen: Es liegt in unserem Interesse. Die Energie
für die Entwicklung eines neuen Europa muß jedoch
aus Europa selbst stammen. Ressourcen, Ideen und
Engagement sollten aus den direkt betroffenen
Ländern kommen.
Aus diesem Grund werden wir uns weiterhin für eine
möglichst umfassende Definition unserer gemeinsamen Sicherheit einsetzen. Sicherheit muß jetzt als
die Aufgabe von Gesellschaften betrachtet werden.
Die Völker Litauens, der Slowakischen Republik und
Rumäniens beispielsweise tragen eine ebensolche
Verantwortung für den Erfolg unserer Mission wie die
Vereinigten Staaten oder Deutschland.
Es gibt guten Grund zu Optimismus, daß wir Erfolg
haben werden. Unsere Arbeit wird beschleunigt,
wenn wir die Rolle des Alten und des Neuen verstehen. Die Herausforderungen der Geschichte sind
heute ebenso wichtig wie zu jedem anderen Zeitpunkt
in diesem Jahrhundert.

*

*

AMERIKA DIENST 38

�USA-DEUTSCHLAND
28. September 1994

REDMAN: IN DEUTSCHLAND HABEN WIR
EINEN VERLÄSSLICHEN PARTNER
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Clinton zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland
nominierte Charles E. Redman erklärte am 21. September 1994 in seiner Anhörung vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Senats: "In Deutschland haben wir einen verläßlichen Partner, dessen Wirtschaftsmacht und
geographische Lage im Herzen Zentraleuropas das Land zu einem unerläßlichen Mitspieler bei diesem
historischen Unternehmen macht."
Redman fügte hinzu: "Eine starke deutsch-amerikanische Partnerschaft wird für die erfolgreiche Integration
der Nationen des ehemaligen Warschauer Pakts in die wirtschaftlichen und politischen Strukturen des Westens
von entscheidender Bedeutung sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung von Botschafter Redman vor dem Senatsausschuß.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
es ist ein Privileg, heute als designierter Botschafter
der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik
Deutschland vor Ihnen sprechen zu dürfen. Diese
Ernennung durch Präsident Clinton ist eine große
Ehre, ganz besonders für einen Karrierediplomaten.
Ich bin mir vollkommen der Verantwortung bewußt,
die den so entscheidenden Beziehungen zwischen
Amerika und Deutschland zukommt, und im Falle
meiner Bestätigung werde ich alles in meiner Macht
Stehende tun, um das Vertrauen zu erfüllen, das der
Präsident mit dieser Ernennung in mich gesetzt hat.
Während meiner zwanzigjährigen Tätigkeit im
Auswärtigen Dienst habe ich gelernt, daß häufige
und offene Konsultationen mit dem Kongreß durch
nichts ersetzt werden können. Diese Kontakte
waren während meiner jüngsten Aufgabe als Gesandter für das ehemalige Jugoslawien unschätzbar,
und ich sehe der erneuten Zusammenarbeit mit
Ihnen in meiner neuen Funktion im Falle meiner
Bestätigung erwartungsvoll entgegen.
Herr Vorsitzender, die ausgezeichneten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland sind einer der entscheidenden Faktoren, die in der letzten Hälfte
dieses Jahrhunderts Freiheit und Wohlstand in
Westeuropa herbeigeführt und garantiert haben. Der
Kalte Krieg ist vorüber, und wir befinden uns jetzt im
Prozeß der Anpassung unserer Partnerschaft an die

AMERIKA DIENST 38

Herausforderungen des sich abzeichnenden neuen
Europas.
In Deutschland haben wir einen verläßlichen Partner,
dessen Wirtschaftsmacht und geographische Lage im
Herzen Zentraleuropas das Land zu einem unerläßlichen Mitspieler bei diesem historischen Unternehmen
macht. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die
Bundesrepublik aus den Ruinen der Tyrannei und
Niederlage erhoben, um sich demokratischen Werten
zu verpflichten, wirtschaftlich zu prosperieren und
eine Schlüsselrolle in den entscheidenden Institutionen Europas zu übernehmen - NATO, KSZE und der
Europäischen Union. Für Deutschland war es eine
radikale Umgestaltung, die das Land in nahezu
einzigartiger Weise dafür qualifiziert, sie anderen zu
vermitteln, die ebensolchen Wohlstand, diese Freiheit
und Stabilität anstreben. Eine starke deutsch-amerikanische Partnerschaft wird für die erfolgreiche
Integration der Nationen des ehemaligen Warschauer
Pakts in die wirtschaftlichen und politischen Strukturen des Westens von entscheidender Bedeutung
sein.
Herr Vorsitzender, während dieser Zeit des Übergangs für Europa und Deutschland müssen wir auf
den Leistungen der Vergangenheit aufbauen, während wir gleichzeitig auf die neuen Realitäten reagieren. Das erfordert Phantasie und Flexibilität. Am
wichtigsten ist jedoch vielleicht, daß wir Deutschland
unseres andauernden Engagements für die Sicherheit
Europas und die strategische Partnerschaft mit

Seite 1

�unseren europäischen Verbündeten versichern
müssen, selbst wenn wir den Umfang unserer
militärischen Präsenz auf ein der veränderten
europäischen Sicherheitssituation angemessenes
Niveau verringern. Dennoch wird eine beträchtliche
Zahl amerikanischer Soldaten als greifbarer Beweis
unserer Entschlossenheit zur Unterstützung von
Frieden und Freiheit durch das transatlantische
Bündnis in Europa - die Mehrzahl in Deutschland stationiert bleiben. Nachdem ich im NATO-Hauptquartier in Brüssel und als ehemaliger Direktor des
Büros im Außenministerium tätig war, das sich mit
der NATO und europäischer Sicherheit befaßt, hoffe
ich, meine Erfahrung in diesen entscheidenden
Aspekt der deutsch-amerikanischen Beziehungen
einbringen und ihm Glaubwürdigkeit verleihen zu
können.

Die Sicherheitsdimension ist jedoch nur ein Aspekt
des vielschichtigen Geflechts der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Im Falle meiner Bestätigung
als Botschafter werde ich meine Energien und die
Ressourcen der Botschaft der Erweiterung der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland widmen sowie neue Wege
zur Förderung persönlicher Kontakte und der Vertiefung des Verständnisses zwischen unseren beiden
Nationen sondieren. Auch hier können wir auf eine
starke Grundlage bisheriger Erfahrungen aufbauen,
aber das sich wandelnde internationale Umfeld
fordert kontinuierliche Innovationen.
Zweifelsohne bietet diese Position viele Herausforderungen und Chancen. Ich hoffe, sie mit Ihrer
Zustimmung und Unterstützung antreten zu können.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 38

�NICHTVERBREITUNG
28. September 1994

CTB-VERTRAG "UNABDINGBAR" ZUR EINDÄMMUNG
DER NUKLEAREN WEITERVERBREITUNG
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Ein Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty CTB) "ist unabdingbar für unsere Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Weiterentwicklung
von Nuklearwaffen sowie zur Gewährleistung einer Welt mit mehr Sicherheit und Frieden", stellte die
Pressesprecherin des Weißen Hauses, Dee Dee Myers, in einer schriftlichen Erklärung am 22. September
1994 fest.
Myers fügte hinzu: Die Genfer Abrüstungskonferenz "hat mit Tatkraft auf den Appell ... reagiert, den CTBVertrag zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Erklärung.

Bei einem gestern im Weißen Haus veranstalteten
Informationsgespräch für hochrangige Regierungsvertreter berichtete Botschafter Stephen Ledogar,
der Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über ein umfassendes Atomtestverbot,
von den vor kurzem bei der Genfer Abrüstungskonferenz erzielten Fortschritten. Die Konferenz hat mit
Tatkraft auf den Appell der Vereinigten Staaten und
anderer Nationen reagiert, den CTB-Vertrag zum
frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen.
Die Administration ist sich bewußt, daß die Gefahren
der nuklearen Weiterverbreitung auch nach dem
Ende des Kalten Krieges eine große Bedrohung für
unsere Nation sowie unsere Freunde und Verbündeten auf der Welt darstellen. Ein CTB-Vertrag ist
unabdingbar für unsere Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Weiterentwicklung
von Nuklearwaffen sowie zur Gewährleistung einer
Welt mit mehr Sicherheit und Frieden. Botschafter
Ledogar lobte den Vorsitzenden des Verhandlungsauschusses, Botschafter Miguel Marin Bosch aus
Mexiko, und seine Kollegen für ihre harte Arbeit.

Die Administration vertritt die Auffassung, es sei an
der Zeit für eine Beschleunigung dieser entscheidenden Verhandlungen und ist erfreut, daß der Ad-hocAusschuß für ein Atomtestverbot auf Drängen der
Administration und anderer die Entscheidung zur
Wiederaufnahme dieser wichtigen Arbeit gegen Ende
des Jahres getroffen hat.
Die Administration fordert alle an diesen entscheidenden Verhandlungen beteiligten Nationen auf, ihre
Anstrengungen zu verdoppeln und die erforderlichen
Ressourcen zum Abschluß eines CTB-Vertrags
bereitzustellen. Sie fordert darüber hinaus China auf,
gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen
Ländern das derzeitige Moratorium für Atomexplosionen einzuhalten, um die Verhandlungen zu erleichtern.
Im nächsten Jahr blicken wir auf ein 50jähriges
Atomzeitalter zurück, das mit dem ersten Atomtest in
Alamagordo in New Mexico begann. Es sollte auch
das Ende aller Atomtests für alle Zeiten sein.

* * * * *

AMERIKA DIENST 38

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              <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufruf zu weltweiter Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Clintons vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ursachen für Konflikte nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung der Geschichte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Redman: in Deutschland haben wir einen verlässlichen Partner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsauschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CTB-Vertrag "unabdingbar" zur Eindämmung der nuklearen Weiterverbreitung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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