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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

31. August 1994

34

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

KONGRESS NIMMT GESETZ ZUR
VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AN
Verbot bestimmer Typen von Schußwaffen

BEVÖLKERUNG

GORE: MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG
DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS DER
LÄNDER
Reaktion auf Kritik des Vatikans

FAST ALLE LÄNDER SEHEN NOTWENDIGKEIT
ZUR EINDÄMMUNG DES
BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
Erklärung des Vizepräsidenten

NGOs KOMMT ENTSCHEIDENDE ROLLE BEI
KAIROER KONFERENZ ZU
Mehr Entscheidungsbefugnis für Frauen

VIEL ÜBEREINSTIMMUNG ZU
BEVÖLKERUNGSPOLITIK
Auszüge aus Pressekonferenz
mit USAID-Vertretern

UMWELT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

NÄCHSTE SCHRITTE BEI GLOBALER
KLIMAVERÄNDERUNG - DIE SICHT DER
VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Timothy Wirth

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
31. August 1994

KONGRESS NIMMT GESETZ ZUR
VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AN
Verbot bestimmter Typen von Schußwaffen
WASHINGTON - (AD) - Nach den härtesten Kontroversen seit Jahren nahm der Senat ein umfassendes
Gesetz zur Verbrechensbekämpfung an, das den
Verkauf und Besitz von 19 verschiedenen Schußwaffenarten verbietet. Der Gesetzentwurf wird durch die
Unterschrift Präsident Clintons Gesetzeskraft erlangen.
Die am 25. August angenommene Kompromißlösung
sieht 30,2 Milliarden Dollar für Initiativen zur Verbrechensbekämpfung vor, einschließlich 23,3 Milliarden für die Strafverfolgung und Unterstützung
staatlicher Gefängnisse sowie 6,9 Milliarden für
Programme zur Vorbeugung von Verbrechen. Die
Gesetzesvorlage umfaßt strenge Meldevorschriften
für verurteilte Sexualtäter und informiert die Gemeinde, in der sie sich nach ihrer Freilassung
niederlassen.
Dem Gesetzesvorschlag zufolge soll gegen Straftäter, die drei Schwerverbrechen begangen haben,
eine lebenslange Gefängnisstrafe verhängt werden,
60 Straftaten können zur Verhängung der Todesstrafe führen und die nationale sowie bundesstaatliche Polizei erhält Finanzmittel, um 100.000 zusätzliche Streifenbeamte einzustellen.
Der Annahme des Gesetzentwurfs, der den Kern der
innenpolitischen Tagesordnung der Clinton-Administration darstellt, gingen ernsthafte Debatten voraus.
Anfang August scheiterte der Entwurf beinahe
aufgrund eines verfahrensrechtlichen Schrittes im
Repräsentantenhaus, anschließend wegen ähnlicher
Aktionen im Senat. Nur die Überzeugungsarbeit des
Präsidenten und führender Kongreßabgeordneter
führten zur Verabschiedung des Entwurfs.
Der mit 61 zu 38 Stimmen angenommene Gesetzesvorschlag sieht Gelder für eine Vielzahl von Strategien zur Verbrechensbekämpfung im Laufe der
nächsten sechs Jahre vor. Die Finanzmittel gehen
in einen Fonds für die Bekämpfung schwerer Ver-

AMERIKA DIENST 34

brechen und stammen aus der Abschaffung von
272.000 Arbeitsplätzen im Bereich der Bundesregierung.
Über einen Zeitraum von 10 Jahren sind Herstellung
und Besitz von 19 spezifischen Waffenarten verboten.
Ungefähr 650 bereits in privatem Besitz befindliche
Typen von Sportgewehren und halbautomatischen
Waffen sind von diesem Verbot ausgenommen.
Ferner fallen Munition und Halterung für solche
Waffen unter das Verbot. Die Regierung muß jedoch
nachweisen, daß sie nach Inkrafttreten des Gesetzes
erworben wurden.
Die halbautomatische Waffen betreffenden Bestimmungen des Gesetzes führten zu heftigem Widerstand unter Waffenherstellern und privaten Vereinigungen von Waffenbesitzern. Sie waren verantwortlich für Druck von Seiten der Wählerschaft,
Auseinandersetzungen unter den Gesetzgebern und
Verzögerungen bei der Annahme des Gesetzes.
Die Gesetzesvorlage sieht 13,5 Milliarden Dollar für
den Gesetzesvollzug vor, 10,8 Milliarden davon für
die Bundesstaaten und Gemeinden. Von dieser
Summe sind 8,8 Milliarden Dollar für die Einstellung
von 100.000 zusätzlichen Polizisten vorgesehen,
wodurch deren Zahl um 20 Prozent erhöht wird.
Von den für die Gefängnisse vorgesehenen 9,9
Milliarden Dollar gehen 2 Milliarden an die Gefängnisse der Bundesregierung und 7,9 Milliarden Dollar
an die der Bundesstaaten. Die Hälfte der für die
Bundesstaaten vorgesehenen Gelder werden denjenigen zugewiesen, die strenge Gesetze für "wirkliche
Verurteilungen" verabschieden, durch die Wiederholungstäter gezwungen werden, mindestens 85 Prozent ihrer Strafe zu verbüßen.
Zur Bekämpfung von Jugendkriminalität sieht das
Gesetz Zweckzuweisungen in Höhe von 380 Millionen Dollar zur Bekämpfung von Verbrechen durch die

Seite 1

�I
Gemeinden vor, die existierende Programme zur
Verbrechensbekämpfung ersetzen. Die Gemeinden
können die Gelder für eine Vielzahl von Aktivitäten
verwenden. Die Finanzmittel werden auf der Grundlage der Verbrechensrate jedes Bundesstaates
vergeben.
Personen, die wegen Kindesmißbrauch verurteilt
wurden sowie Sexualverbrecher müssen während
ihrer Bewährungszeit ihre Anschrift bei den Stafverfolgungsbehörden ihres Bundesstaates hinterlegen.
Aus dem Gefängnis entlassene Wiederholungssexualtäter, die unter einer geistigen Behinderung
leiden, welche eine Wiederholung der Tat wahrscheinlich macht, müssen lebenslang ihre Anschrift
hinterlassen und ihre Meldung jedes Vierteljahr auf
den neuesten Stand bringen. Die bundesstaatliche
Polizei darf die örtlichen Behörden über die Anwesenheit solcher Straftäter informieren.
Das Gesetz gestattet die Verwendung von Beweismitteln früherer sexueller Straftaten bei staatlichen
Verfahren gegen Sexualverbrecher. Diese Bestimmung tritt 10 Monate nach Erlaß des Gesetzes in
Kraft.
Bei Vergewaltigungsprozessen ist auf Ersuchen des
Opfers eine Untersuchung des Angeklagten auf das
HI-Virus erforderlich. Die Testergebnisse werden
nur dem Opfer, dem Angeklagten und anderen, vom
Gericht dazu berechtigten Personen mitgeteilt. Das
Opfer darf den Befund nur Ärzten, Rechtsanwälten,
Familienmitgliedern und Sexualpartnern mitteilen.
Die Gesetzesvorlage stellt eine Novellierung der
kürzlich erlassenen Bestimmungen über vorgeschriebene Gefängnisstrafen für Drogentäter dar. Personen, die wegen des Besitzes von Drogen eine
solche Strafe verbüßen, können nach zwei Jahren
entlassen werden. Diese Sonderbestimmung gilt nur
für Straftäter, die eine Bescheinigung des Staatsanwalts besitzen, vom Gericht ausersehen wurden
und bestimmte Kriterien erfüllen, darunter den
Schluß, eine lange Gefängnisstrafe würde einen

mung gezeigtes unerschütterliches Engagement für
die öffentliche Sicherheit", erklärte Cheryl Brolin,
Sprecherin von Handgun Control Incorporated, einer
führenden Organisation zur Förderung von Schußwaffenkontrolle, in einem Interview.
"Das amerikanische Volk wird die Ergebnisse dieses
Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung sehen, wenn
es weniger Schußwaffen auf den Straßen gibt", stellte
Brolin fest. "Die im Kongreß geführte Schlacht zeigte
das wahre Gesicht der Vereinigung der amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle Association NRA)", fügte sie hinzu. Die mächtige NRA, die sich
einer Kontrolle von Schußwaffen widersetzt, hatte
eine entschiedene Lobby gegen das Schußwaffenverbot gebildet. Brolin bezeichnete den Mißerfolg dieser
Organisation beim Gesetz zur Verbrechensbekämpfung sowie eine frühere Niederlage im Zusammenhang mit der versuchten Niederschlagung des
sogenannten Brady-Gesetzes, das Informationen
über den Käufer sowie eine Wartezeit vor dem Kauf
von Schußwaffen fordert, als "den Anfang vom Ende
der Machtausübung der NRA im Kapitol".
Die NRA hat bisher noch keine Stellungnahme
abgegeben, jedoch oftmals darauf hingewiesen, daß
eine Schußwaffenkontrolle nur gesetzestreuen
Bürgern den Zugang zu Waffen verwehrt, die ihrem
Schutz dienen, während Kriminelle immer noch in
ihren Besitz gelangen könnten.
Auf die Frage nach den nächsten Schritten für
stärkere Schußwaffenkontrolle in den Vereinigten
Staaten antwortete Brolin, ihre Organisation, Handgun Control Incorporated, werde sich jetzt für ein
allgemein "Brady M" genanntes neues Gesetz einsetzen. "Dadurch sollen die Produktion und der
Verkauf von Waffen in diesem Land gründlich überprüft und Lizenzen, Registrierung, Kontrolle von
Waffentransfers sowie eine Sicherheitsausbildung
vorgeschrieben werden", äußerte sie. "Es ist ein
Gesetz über Pflichten."

Die Annahme des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung durch den Senat wurde von den Organisationen in den Vereinigten Staaten begrüßt, die
eine stärkere Kontrolle von Schußwaffen fordern.
Das Gesetzeswerk wird voraussichtlich von Staaten
in Europa und andernorts eingehend geprüft, die
ebenfalls mit einen Anstieg der Kriminalität, insbesondere von Schwerverbrechen, konfrontiert sind.

Im Hinblick auf die Verwässerung von Brady I, einem
Kompromiß zur Erzielung des Schußwaffenverbots,
stellte Brolin fest: "Das ist nicht wirklich ein fataler
Fehler." Durch diesen Kompromiß soll den ursprünglichen Käufern von Schußwaffen die Möglichkeit
gegeben werden, ihre eigenen Waffen ohne weitere
Nachfragen aus dem Pfandhaus zurückzukaufen.
"Die Pfandhäuser werden jedoch bei neuen Waffenkäufern Nachforschungen anstellen müssen", so
Brolin. Ihre Organisation werde jedoch versuchen,
diese Gesetzeslücke in Zukunft zu schließen.

"Wir begrüßen die Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage außerordentlich und danken Präsident
Clinton für sein bei der Unterstützung dieser Bestim-

Handgun Control Incorporated ist nicht die einzige
Organisation in den Vereinigten Staaten, die sich für
stärkere Schußwaffenkontrolle einsetzt. Andere

Justizirrtum darstellen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�Gruppen auf kommunaler und nationaler Ebene
beteiligen sich an diesen Bestrebungen, ebenso wie
die Administration und einzelne Gesetzgeber.

Ansicht, bei einer umfassenden Gesetzgebung zur
Eindämmung der Weiterverbreitung von Waffen sei
ein völliges Verbot nicht notwendig.

Einer der radikalsten Vorschläge stammt von Senator John Chafee (Republikaner aus Rhode Island),
der einen Gesetzentwurf über das Verbot des
Besitzes sämtlicher Handfeuerwaffen vorlegte.
Chafee, einer der gemäßigten Republikaner, die für
das von Clinton unterstützte Gesetz stimmten, hält
derzeit ein umfassendes Verbot für die Bekämpfung
von Schwerverbrechen für erforderlich.

Da es neben den Befürwortern eines vollständigen
Verbots von Schußwaffen Anhänger eines stufenweisen Ansatzes gibt sowie diejenigen, die jegliche
Schußwaffenkontrolle ablehnen, wird die Debatte
über das ob und wie einer Waffenkontrolle wahrscheinlich fortgesetzt. Die Annahme eines Gesetzes
über das Verbot von halbautomatischen Waffen wäre
ein weiterer Meilenstein. Befürworter und Gegner
einer Schußwaffenkontrolle sind sich einig, daß dies
nicht ihre letzte Auseinandersetzung sein wird.

Brolin zufolge vertritt ihre Organisation jedoch die

*

AMERIKA DIENST 34

* * * *

Seite 3

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

GORE: MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG
DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
ENTSCHEIDUNG DER LÄNDER
Reaktion auf Kritik des Vatikans
WASHINGTON - (AD) - Als direkte Antwort an den
Vatikan unterstrich Vizepräsident Gore bei einer
Pressekonferenz wiederholt, daß die Vereinigten
Staaten ihre Ansichten zu Schwangerschaftsabbruch
und Empfängnisverhütung nicht den jeweiligen
Ländern der Welt aufzwingen wollen.
Bei einer Rede vor dem National Press Club am 25.
August 1994 stellte Gore fest, die amerikanische
Delegation bei der Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung strebe die Einbeziehung einer Sprachregelung in ihr Abschlußdokument an, die eindeutig
klarstellt, daß jedes Land das Recht auf eigene
Entscheidung über die Methoden zur Eindämmung
des Bevölkerungswachstums hat. "Ich wiederhole:
Wir haben diese Sprachregelung bereits vorher
unterstützt. Wir haben darauf gedrängt, daß sie
einbezogen wird, wir werden dies auch weiterhin tun
und erwarten, daß sie einbezogen wird."
Bei der Pressekonferenz im Anschluß an den
Vortrag antwortete der Vizepräsident auf die Frage,
ob eine Frau das Grundrecht auf Schwangerschaftsabbruch oder Empfängnisverhütung habe: "Wir
versuchen nicht, internationale Rechte in diesem
Dokument zu verankern."
Die 12 Nationen umfassende Europäische Union, zu
deren Mitgliedern das liberale Dänemark und das
eher konservative katholische Irland zählen, hat eine
Sprachregelung erarbeitet, die sie bei der vom 5. 13. September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz vorzulegen beabsichtigt. Dieser Sprachregelung zufolge werden keine neuen internationalen
Rechte geschaffen und die Entscheidung über
Maßnahmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums liegt bei den jeweiligen Ländern.
Amerikanische Regierungsvertreter haben ihre
Unterstützung dieser Sprachregelung zugesagt. Sie

AMERIKA DIENST 34

stellten ferner fest, der Vatikan habe keine Unterstützung signalisiert.
Das Büro des Vizepräsidenten hatte den National
Press Club einige Tage zuvor angerufen und um die
Einberufung der Pressekonferenz als Reaktion auf
die Äußerungen des Vatikans und einiger muslimischer Theologen in den vergangenen Wochen
gebeten, daß die Kairoer Konferenz Schwangerschaftsabbruch und Promiskuität Vorschub leisten
und die Familie untergraben werde.
Der Vizepräsident appellierte an den Vatikan und
andere Kritiker, nach Mitteln und Wegen zur Beilegung der Differenzen zu suchen, damit die internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung mit Maßnahmen und Programmen zur Stabilisierung der Weltbevölkerung zu einem erfolgreichen
Abschluß geführt werden könne.
Gore verwies darauf, daß Papst Johannes Paul II.,
das Oberhaupt des Vatikans und der römisch-katholischen Kirche, und die Clinton-Administration ein
breites Spektrum von Programmen unterstützen, die
zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums
beitragen würden, einschließlich natürlicher Geburtenkontrolle, besserer Ausbildung für Mädchen, Verringerung der Kindersterblichkeit und Beendigung der
Armut in den Entwicklungsländern.
"Unseres Erachtens maximiert unser Ansatz die
Bandbreite des möglichen Konsenses und verringert
die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten auf ein
erträgliches Maß", führte der Vizepräsident aus.
Gore sprach mit sorgfältig gewählten Worten über
Schwangerschaftsabbruch und Empfängnisverhütung.
"Wir verabscheuen und verurteilen einen unfreiwilligen Schwangerschaftsabbruch", stellte er fest.

Seite 1

�Ziel der amerikanischen Politik sei es, Schwangerschaftsabbruch "sicher, legal und selten zu machen".
Amerikanische Frauen hätten den amerikanischen
Gesetzen zufolge das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch, aber die Administration sehe
Schwangerschaftsabbruch nicht als Maßnahme zur
Geburtenkontrolle.
Im Rahmen der amerikanischen Gesetze seien
empfängnisverhütende Mittel zulässig, und viele
Männer und Frauen verwendeten sie zur Familienplanung, so Gore. Schwangerschaftsabbruch sei in
Ländern wie Rußland zum Mittel der Geburtenkontrolle geworden, weil empfängnisverhütende Mittel
kaum zur Verfügung stünden. Russische Frauen
hätten durchschnittlich sieben Abtreibungen in ihrem
Leben, um die Geburt eines ungewollten Kindes zu
verhindern.
Gore räumte ein, daß die katholische Kirche der
Verwendung künstlicher Mittel zur Familienplanung
nicht zustimme, fügte jedoch hinzu, zwischen der
römisch-katholischen Kirche und der Clinton-Admini-

stration bestehe ein hohes Maß an Übereinstimmung
über zahlreiche andere Maßnahmen zur Eindämmung
des Bevölkerungswachstums.
Vizepräsident Gore zufolge wird die Kairoer Konferenz ein "Meilenstein" sein, weil sie Bevölkerungsund Entwicklungsbelange verbindet.
Vor kurzem belief sich die Bevölkerung der Welt noch
auf 2 Milliarden Menschen, heute zählt sie nahezu 6
Milliarden und könnte binnen einer Generation 9
Milliarden erreichen, äußerte Gore.
Dieser enorme und rasche Anstieg habe zur Zerstörung der Umwelt und menschlichem Leiden auf
der ganzen Welt beigetragen. Die Entwicklungsländer könnten keinen ausreichenden Lebensstandard erreichen, bis sich ihre Bevölkerung stabilisiert
und sie wirtschaftlich schneller wachsen.
"Die untrennbare Verbindung" zwischen Bevölkerung
und Entwicklung "ist entscheidend", stellte der Vizepräsident fest.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

FAST ALLE LÄNDER SEHEN
NOTWENDIGKEIT ZUR EINDÄMMUNG
DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
Erklärung des Vizepräsidenten
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Vizepräsidenten AI Gore zufolge ist sich nahezu jedes Land,
einschließlich des Vatikans, bewußt, daß die Stabilisierung der Weltbevölkerung ein legitimes Ziel darstellt.
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß auf der vom 5 . - 1 3 . September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz
über Bevölkerung und Entwicklung deutlich gemacht wird, daß jedes Land das Recht auf eigene Methoden auf freiwilliger Basis - zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums hat.
Vizepräsident Gore wird bei der Kairoer Konferenz, an der Vertreter aus 180 Ländern teilnehmen, die
amerikanische Delegation leiten. Nachfolgend veröffentlichen wir die von AI Gore bei einer Pressekonferenz
am 25. August 1994 abgegebene Eingangserklärung im Wortlaut.

Heute möchte ich über Bevölkerung, umweltverträgliche Entwicklung und die Herausforderung
sprechen, sich auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten.
Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die internationale Staatengemeinschaft von vielen Spaltungen der Vergangenheit befreit, und die Nationen
nähern sich - in wirtschaftlicher, ökologischer und
politischer Hinsicht - aneinander an. In dieser
Übergangszeit haben die Vereinigten Staaten und
alle anderen Nationen die Chance und Verantwortung, sich mit lange vernachlässigten, zukunftsweisenden Belangen zu befassen, die darüber
entscheiden, welche Welt wir unseren Kindern und
Enkeln hinterlassen.
Um diesen Übergang erfolgreich gestalten zu
können, müssen wir zunächst die entscheidend
veränderte Natur der Beziehung zwischen der
menschlichen Zivilisation und dem Ökosystem Erde
akzeptieren und verstehen. Diese Beziehung wurde
durch drei Faktoren radikal gewandelt - einem
philosophischen und zwei physischen. Der philosophische Wandel steht in Zusammenhang mit unserer
Haltung gegenüber der Erde und unserer eigenen
Zukunft, insbesondere mit unserer Gewohnheit, die
Verantwortung für die langfristigen Konsequenzen

AMERIKA DIENST 34

unseres Handelns und Verhaltens zu leugnen. Ich
habe bei anderer Gelegenheit ausführlich darüber
gesprochen und möchte hier nicht ins Detail gehen.
Die beiden anderen Faktoren sind physischer Natur,
obwohl beide sich gemessen an geologischen
Zeitverhältnissen in nur einer Millisekunde ereigneten
und beide in diesem Jahrhundert einzigartig sind.
Der erste Faktor, auf den ich heute ebenfalls nicht
eingehen möchte, ist die dramatische und einzigartige
Revolution in Wissenschaft und Technologie, die sich
immer noch beschleunigt, unsere Lebensqualität
verbessert, uns aber auch die Macht zur Veränderung der lebenserhaltenden Systeme gibt, auf denen
unsere Gesellschaften, Volkswirtschaften und unser
Leben basieren. Der zweite Faktor ist natürlich das
schnelle Bevölkerungswachstum, ein Thema, das ich
heute im Zusammenhang mit umweltverträglicher
Wirtschaftsentwicklung ansprechen werde.
Beunruhigend sind nicht so sehr die empirischen
Daten, sondern die vorauszusehenden Konsequenzen eines solch schnellen Bevölkerungswachstums
für die Zukunft, was alle Amerikaner und alle Nationen mit einem Gefühl der Dringlichkeit erfüllt sowie
der Entschlossenheit, sich mit diesen beispiellosen
Entwicklungen zu befassen. Ich möchte hier nur
einige anführen:

Seite 1

�Im Bereich der Umwelt trägt rasches Bevölkerungswachstum natürlich oftmals zur Zerstörung natürlicher Ressourcen bei. Es ist aber wichtig hinzuzufügen, daß dies auch für das Konsumverhalten der
stabileren und wohlhabenderen Industrieländer gilt.
In wirtschaftlicher Hinsicht führt das Bevölkerungswachstum oft zu einer stärkeren Beschäftigung mit
den Herausforderungen dauerhaft niedriger Löhne,
Armut und wirtschaftlichem Gefälle. Obwohl unter
bestimmten Umständen schnelles Bevölkerungswachstum eine bestehende Nachfrage nach Arbeitskräften decken und somit zu einem positiven Faktor
werden kann, führt es in der Welt, in der wir leben,
fast ausschließlich zur Vergrößerung des Problems
von Niedriglöhnen und Armut.
Bevölkerungstrends fordern auch die Fähigkeit von
Gesellschaften, Volkswirtschaften und Regierungen,
die erforderlichen Investitionen in Humankapital und
Infrastruktur zu tätigen.
Auf der Ebene der Familie haben die demographischen Trends dazu geführt, daß Investitionen in
Kinder gering und ungerecht getätigt werden, insbesondere zum Nachteil der Mädchen.
Auf der Ebene des einzelnen stehen Bevölkerungswachstum und eine hohe Fruchtbarkeitsrate in
engem Zusammenhang mit mangelnder Gesundheitsfürsorge und schlechtem Befinden von mehreren Millionen Frauen, Kleinkindern und Kindern.
Der Bevölkerungsdruck enttäuscht oft die Hoffnung
auf Stabilität auf nationaler und internationaler
Ebene. Denken Sie beispielsweise an das Problem
der 20 Millionen Flüchtlinge, mit dem die Welt
fertigzuwerden versucht. Die Zunahme grenzüberschreitender Wanderbewegungen wird teilweise
durch das umweltschädigende Bevölkerungswachstum herbeigeführt.
Man kann nicht sagen, daß schnelles Bevölkerungswachstum an sich ein Grund für Instabilität in einer
Gesellschaft darstellt. Man sollte jedoch feststellen,

daß Ruanda im vergangenen Jahr in Afrika das
Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte war. Und
es ist auch nicht unwichtig, daß Somalia die schnellste Wachstumsrate der Bevölkerung in ganz Afrika
verzeichnete. Obwohl es keine direkte Beziehung
zwischen Ursache und Wirkung gibt, sagt der
gesunde Menschenverstand, daß schnelles, umweltschädigendes Bevölkerungswachstum es den
Gesellschaften und Nationen erschwert, mit den
politischen, wirtschaftlichen und anderen Problemen
umzugehen, denen sich alle Nationen gegenübersehen.

Seite 2

Die Auswirkungen müssen auf globaler, aber auch
auf kommunaler und nationaler Ebene angegangen
werden. Beispielsweise wurde in jüngster Zeit viel
über die Probleme Afrikas in Ländern wie Nigeria
geschrieben. Die nigerianische Bevölkerung hat sich
in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht. Die
Probleme einer Gesellschaft wie der Nigerias haben
eine Vielzahl von Ursachen. Wenn sich jedoch die
Bevölkerung innerhalb von 40 Jahren verdreifacht,
wird die Lösung dieser Probleme für jede Gesellschaft bedeutend schwieriger. Nigeria - um noch
einmal dieses Beispiel anzuführen - befindet sich auf
dem besten Weg zu einer erneuten Verdreifachung
seiner Bevölkerung im Verlauf der nächsten 40 Jahre.
In 40 Jahren werden in diesem Land mehr Menschen
leben als in den fünfziger Jahren auf dem gesamten
afrikanischen Kontinent. Um ein weiteres Beispiel zu
nennen: Afghanistan ist das Land mit der schnellsten
Wachstumsrate der Welt und es sieht so aus, als
würde sich seine Bevölkerung in nur zehn Jahren
verdoppeln.
Diese Ausschnitte aus einer zunehmend komplexen
Welt führen uns eine Notwendigkeit vor Augen, die
meines Erachtens im Mittelpunkt der internationalen
Zusammenarbeit in der Zeit nach dem Kalten Krieg
stehen sollte: Die Verwirklichung der Vision umweltverträglicher Entwicklung. Mit Mut, Überzeugung,
Konsens und gemeinsamen Strategien können wir
zweifellos den großen Herausforderungen gerecht
werden, die Weltbevölkerung zu stabilisieren und
umweltverträgliche Entwicklung herbeizuführen.
Erwiesenermaßen fällt es schwer, diese Herausforderungen zu akzeptieren, und nichts ist schwieriger
für den einzelnen und die Gesellschaft als eine
Veränderung der Denkweise. Und die vor uns
liegenden Fragen erfordern vor allem ein neues
Denken über unsere Welt und unser Verhältnis zu ihr.
Von den verschiedenen Faktoren, die diese neue
Situation herbeigeführt haben, bereitet keiner größere
Schwierigkeiten als das schnelle Bevölkerungswachstum. Es bewegt unsere Gedanken und steht auf
unserer Tagesordnung als die dritte große Weltbevölkerungskonferenz dieses Jahrhunderts, die im
kommenden Monat anberaumt ist. Vor zehn Jahren
fungierte die amerikanische Delegation bei der
zweiten Weltbevölkerungskonferenz in Mexico City
als unbeteiligter Zuschauer, was nicht nur für die
lange Geschichte der Vereinigten Staaten als Führungsmacht, sondern auch für Fortschritt und
Schwung der internationalen bevölkerungspolitischen
Bestrebungen während der achtziger Jahre ein
Rückschlag war.
Zehn Jahre später ist der Wandel gekommen; die
Vereinigten Staaten sind wieder aktiv, und Präsident
Clinton hat die amerikanische Führungsrolle bei den

AMERIKA DIENST 34

�entscheidenden Herausforderungen Bevölkerung
und umweltverträgliche Entwicklung wiederhergestellt. Die Kairoer oder internationale Konferenz
über Bevölkerung und Entwicklung, so der offizielle
Name - und ich möchte bei dieser Gelegenheit jedes
Mitglied der Presse vor der Abkürzung Bevölkerungskonferenz warnen - ist eine Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung, und die untrennbare
Verbindung ist entscheidend für die Fähigkeit der
Welt, einen Konsens für die gemeinsame Bewältigung dieser beiden Herausforderungen zu bilden.
Diese Konferenz soll die interdependente Natur der
Welt unterstreichen sowie die Notwendigkeit einer
Zusammenarbeit aller Nationen, um die Weltbevölkerung merklich zu stabilisieren, Wirtschaft, Umwelt
und Entwicklung zu integrieren, dauerhafte Werte für
die Familie sowie die Verantwortung des einzelnen
und der Gemeinschaft zu bekräftigen und weltweiter
Bildung, Gesundheitsfürsorge und vermehrter Entscheidungsbefugnis für Frauen und alle Menschen
Priorität einzuräumen.
In der Presse wurde vielleicht nicht darüber berichtet, aber die Vorbereitungen für die Kairoer Konferenz waren von einem bemerkenswerten Konsens
über umfassende Strategien zur Realisierung dieser
Ziele gekennzeichnet. Während früher von einigen
behauptet wurde, Bevölkerungswachstum stelle kein
Problem dar, besteht jetzt tatsächlich Einigkeit über

unvollständigen Aktionsplan, an dessen Vollendung
die Staaten in Kairo arbeiten werden. Ich möchte
über die Annäherung an einen Konsens im Entwurf
für das Kairoer Dokument zu Frauen, Kindern, der
Umwelt und anderem sprechen. Dieser dramatische
Fortschritt darf nicht von einer Frage überschattet
werden, die in tiefgreifenden moralischen, philosophischen und religiösen Unterschieden wurzelt - ich
meine natürlich den Schwangerschaftsabbruch.
In diesem Bereich erscheint umfassender Konsens
unwahrscheinlicher als auf jedem anderen Gebiet,
selbst unter Männern und Frauen, die mit Offenheit
und gutem Willen diese Frage erörtern. Wichtig ist,
daß die teilweise Übereinstimmung, die in greifbarer
Nähe liegen könnte, nicht von Mißverständnissen
vereitelt wird. Ich möchte mich klar ausdrücken und
sicherstellen, daß die Ansichten dieser Administration
eindeutig sind. Mein Freund Michael Novak zitierte
kürzlich John Courtney Murray, der feststellt, "nichts
ist schwieriger, als Uneinigkeit zu erzielen". Oftmals
ist Uneinigkeit in unpräziser Form gegenwärtig und
erscheint viel größer und furchteinflößender, als sie
wirklich ist.
Praktisch jeder Mensch in jedem Teil der Welt
möchte Schwangerschaftsabbruch zu einem seltenen
Vorkommnis machen. Das ist das Ziel der Vereinigten Staaten, von Frauengruppen, Umweltschützern, der katholischen Kirche und Vertretern aller

die Notwendigkeit, daß alle Nationen Bevölkerung

großen Religionen.

und umweltverträgliche Entwicklung als Priorität
betrachten. Und die katholische Kirche, auf die ich
gleich zu sprechen komme, bezeichnet die Stabilisierung der Weltbevölkerung als legitimes Ziel.

mit dieser Frage Befaßten, obwohl viele von uns
dieses Ziel auf unterschiedliche Art und Weise
verfolgen. Beispielsweise bin ich der Ansicht, wenn
weniger Frauen einen Schwangerschaftsabbruch für
nötig halten, wird er auch seltener vorgenommen.
Und wenn Frauen ihn selten für notwendig halten,
wird er auch seltener. Dafür setzt sich unsere
Administration ein. Aber die heutige Situation sieht
anders aus. Schwangerschaftsabbruch ist nicht
selten. Weltweit werden jährlich über 25 Millionen
Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Und in
manchen Teilen der Welt ist es für eine Frau nicht
ungewöhnlich, im Laufe ihres Lebens sieben oder
acht Abtreibungen zu haben.

Während früher diese Diskussion an der Nord-SüdGrenze scheiterte, besteht jetzt Einigkeit darüber,
daß Zusammenarbeit im Interesse aller Staaten des Nordens und des Südens - liegt. Während
früher Uneinigkeit darüber bestand, ob Familienplanung oder wirtschaftlicher Fortschritt eine Vorbedingung für Fortschritte auf diesen Gebieten sei,
wird jetzt allgemein anerkannt, daß beide an sich
bedeutend sind, jedoch am besten gleichzeitig
verfolgt werden sollten. Während man sich früher
engstirnig auf nur einen Aspekt einer globalen
Strategie konzentrierte, umfaßt das gemeinsame Ziel
jetzt Bestrebungen, die Bildung, Gesundheit, mehr
Entscheidungsfreiheit für Frauen und wirtschaftlichen
Fortschritt mit dem Traum eines besseren Lebens
für alle Menschen verbinden.
Man hat also zweifelsohne viel gelernt, seit vor 30
Jahren durch die Arbeit von John D. Rockefeiler III.
und anderen ernsthafte Besorgnis über das schnelle
Bevölkerungswachstum entstand. Diese Lektionen
charakterisieren den vielversprechenden, aber

AMERIKA DIENST 34

Es ist tatsächlich das Ziel aller

Es gibt tatsächlich Länder, beispielsweise Rußland,
in denen empfängnisverhütende Mittel nicht leicht und
überall zur Verfügung stehen und Frauen im Laufe
ihres Lebens durchschnittlich sieben oder acht
Abtreibungen vornehmen lassen. Aus einer Vielzahl
von Gründen sterben jedes Jahr weltweit 200.000
Frauen an medizinisch riskanten Schwangerschaftsabbrüchen. Wir können diese Tatsachen nicht unter
den Teppich kehren oder vortäuschen, sie existierten
nicht - und das versucht auch niemand.

Seite 3

�Eine der Fragen, die sich die Konferenzteilnehmer in
Kairo und alle Bürger der Welt stellen, lautet, was
wir dagegen unternehmen. Wie können wir Schwangerschaftsabbrüche seltener machen? Nach Ansicht
unserer Administration ist es wünschenswert, in den
Bereichen Gesundheit und reproduktive Gesundheit
möglichst viele Optionen anzubieten. Wir sind uns
jedoch bewußt, daß die Ansichten über einen
Schwangerschaftsabbruch unter Nationen ebenso
unterschiedlich sind wie unter Einzelpersonen.
Heute haben 173 Nationen Gesetze über die Umstände, unter denen ein Schwangerschaftsabbruch
vorgenommen werden darf und unter denen er
eingeschränkt ist.
Unseres Erachtens sollte die Entscheidung darüber,
unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch akzeptabel ist, im Entscheidungsbereich
jeder einzelnen Regierung im Rahmen ihrer Gesetze
und nationalen Gegebenheiten liegen. Aus diesem
Grund haben wir während der Verhandlungen eine
Sprachregelung und deren Einbeziehung unterstützt,
die dieses Prinzip für alle in Kairo abgegebenen
Empfehlungen klarstellt. Und wir erwarten in Kairo,
daß dieses Prinzip im Abschlußdokument bekräftigt
wird und werden darauf drängen. Ich wiederhole:
Wir haben diese Sprachregelung bereits vorher
unterstützt. Wir haben darauf gedrängt, daß sie
einbezogen wird, wir werden dies auch weiterhin tun
und erwarten, daß sie einbezogen wird.
Die Respektierung nationaler Souveränität bei dieser
Frage impliziert keine Neutralität. Wir sind der
Meinung, daß Schwangerschaftsabbrüche seltener
werden sollten. Sie sind keine Methode, mit der die
Nationen das Bevölkerungswachstum reduzieren
können oder sollten. Wir sind kein Befürworter von
Schwangerschaftsabbrüchen. Wir verabscheuen
und verurteilen einen unfreiwilligen Schwangerschaftsabbruch, ungeachtet dessen, ob der Zwang
dazu physischer, wirtschaftlicher, psychologischer,
politischer oder anderer Natur ist.
Es wurde behauptet, die Vereinigten Staaten hätten
im Zusammenhang mit der Bereitstellung von
Entwicklungshilfe über Gebühr ihren Einfluß gegenüber Nationen geltend gemacht, die nicht unsere
Bevölkerungspolitik und -programme unterstützen.
Das ist eindeutig und absolut falsch. Wir wissen,
daß einige diesbezügliche Behauptungen aufgestellt
wurden. Wir respektieren die Tatsache, daß Menschen guten Willens die Wahrheit mißverstehen
können und haben um spezifische Information
gebeten. Kein vernünftiger Mensch würde ein
solches Verhalten unterstützen. Ich möchte folgendes sagen: Sollten Beweise für die Unterstützung
eines solchen Verhaltens bei den Vorbereitungen für

Seite 4

die Kairoer Konferenz, in Kairo oder danach auftauchen, werden wir sofort und entschieden Disziplinarmaßnahmen ergreifen. Diese Anschuldigungen
sind ungeheuerlich. Sollten sie sich als wahr erweisen, würden wir die Regierung sofort umgestalten.
Wir halten einen Schwangerschaftsabbruch nicht für
eine Methode der Familienplanung. Er sollte auch
nicht als solche gesehen werden, obwohl er in
Ländern, in denen nicht ausreichend empfängnisverhütende Mittel vorhanden sind, tragischerweise
allzuoft aus diesem Grund vorgenommen wird. Und
wir betrachten einen Schwangerschaftsabbruch
zweifelsohne nicht als moralisches Äquivalent zur
Empfängnisverhütung. Alle Diskussionsteilnehmer
räumten ein, daß der Entscheidung für eine Option
eine bestimmte moralische Einstellung zugrundeliegt.
Ich möchte mit deutlich ausdrücken: Unsere Administration ist der Ansicht, daß die Verfassung der
Vereinigten Staaten jeder innerhalb unserer Grenzen
lebenden Frau mit wenigen und bestimmten Ausnahmen das Recht auf eine Entscheidung zusichert.
Wir sind diesem Prinzip unverändert verpflichtet. Wir
wollen jedoch direkt einem Mißverständnis vorbeugen. Die Vereinigten Staaten streben kein internationales Recht auf Schwangerschaftsabbruch an
und werden das auch in Zukunft nicht tun.
Die gerade von mir dargelegten Grundsätze repräsentieren die seit langer Zeit bestehende Position der
Administration und der Vereinigten Staaten in dieser
Frage. In seiner im Juni gehaltenen Grundsatzrede
vor der National Academy of Sciences erklärte der
Präsident:
"Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Im Gegensatz
zu manchen Behauptungen sind wir keine Befürworter eines Schwangerschaftsabbruchs als Methode der
Familienplanung. Wir respektieren jedoch die vielfältigen nationalen Gesetze mit Ausnahme jeglicher
Zwangsausübung. Unsere Politik in den Vereinigten
Staaten vertritt die freie Wahl des einzelnen, nicht
das Diktat der Öffentlichkeit. Ich habe bereits vielfach
darauf hingewiesen, daß Schwangerschaftsabbrüche
sicher, legal und selten sein sollten. In anderen
Ländern, wo es Schwangerschaftsabbrüche gibt, ist
Sicherheit unseres Erachtens ein wichtiger Punkt.
Wenn man sich die Sterblichkeitsziffern anschaut,
muß man sich dieses Problems annehmen. Ferner
sind wir der Ansicht, daß die Versorgung der Frauen
mit Verhütungsmitteln mehr als alles andere zur
Reduzierung von Schwangerschaftsabbrüchen
beitragen wird."
Seit er diese Rede hielt, bevor er diese Rede hielt,
aber vor allem viele Male nachdem er diese Rede
gehalten hatte, hat der Präsident anderen und mir

AMERIKA DIENST 34

�gegenüber bei mehreren Gelegenheiten bekräftigt,
daß ein Schwangerschaftsabbruch, wenn er vorgenommen wird, sicher sein sollte. Jede Nation
sollte das festlegen. Wir lehnen Zwang ab. Wir
verabscheuen Zwang.
Und wir sollten andere
Maßnahmen zur Reduzierung der Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen ergreifen.
Ich wiederhole, wir wollen alles in unserer Macht
Stehende zur Verringerung von Abtreibungen
weltweit tun. Aus unserer Sicht ist der effektivste
Weg zur Reduzierung von Bevölkerungswachstum
und Abtreibungen eine umfassende globale Strategie, die Informationen über Familienplanung und
Möglichkeiten leicht zugänglich macht, umweltverträgliche Wirtschaftsentwicklung fördert, Kindersterblichkeit und Analphabetentum verringert, die Gesundheit der Frauen verbessert, Familien stärkt und
sich auf Ausbildung und vermehrte Entscheidungsbefugnis der Frau konzentriert. Zu dieser Schlußfolgerung sind wir aufgrund schmerzlicher Erfahrungen
gelangt.
Im Verlauf der letzten Generation haben wir gelernt,
daß Familienplanung allein selten erfolgreich ist und
wirtschaftliche Entwicklung allein nicht automatisch
das Bevölkerungswachstum verringert.
Meiner Ansicht nach ist der wahre Hintergrund des
Vorbereitungsprozesses und der Konferenz selbst
das Ausmaß, in dem ein neuer weltweiter Konsens
um diese modernere, holistischere, umfassendere
Sichtweise Gestalt angenommen hat: Das Mittel, mit
dem die Welt den Bevölkerungszuwachs stabilisieren
kann, ist eine vielschichtige Strategie, die unter
bestimmten Umständen verfügbare Empfängnisverhütung unter Berücksichtigung der Kultur, in der
sie zur Verfügung gestellt wird, einbezieht, die
Betonung auf die Ausbildung und vermehrte Entscheidungsbefugnis für Frauen legt, damit sie an
Entscheidungen über die Größe der Familie sowie
umweltverträgliche und gerechte wirtschaftliche
Entwicklung teilnehmen können, die historisch mit
der demographischen Umgestaltung und der Stabilisierung des Bevölkerungswachstums einhergehen,
mit Betonung auf Verbesserung der Gesundheit von
Kindern und der Bekämpfung der Kindersterblichkeit
für die Entscheidung der Eltern über die Größe ihrer
Familie, denn wenn die Kinder überleben, ist der
Wunsch nach einer sehr viel größeren Familie
erheblich geringer.
Ich möchte Ihnen aus einem Brief vorlesen, den
Papst Johannes Paul II. im Frühjahr an Dr. Nafis
Sadik, den Generalsekretär der Kairoer Konferenz
geschrieben hat.

AMERIKA DIENST 34

"Es besteht weitgehende Übereinstimmung, daß
Bevölkerungspolitik nur Teil einer umfassenden
Entwicklungsstrategie ist. Entsprechend ist es von
Bedeutung, daß jede Diskussion über Bevölkerungspolitik die tatsächliche und prognostizierte
Entwicklung von Nationen und Regionen im Auge
behalten sollte. Gleichzeitig ist es unmöglich, das
Wesen dessen unberücksichtigt zu lassen, was
man unter dem Begriff "Entwicklung" versteht.
Jede dieses Namens werte Entwicklung muß
integral sein - das heißt, sie muß auf das Wahre
und Gute jeder Person sowie die ganze Person
ausgerichtet sein. Echte Entwicklung kann nicht
in der einfachen Anhäufung von Wohlstand und
der besseren Verfügbarkeit von Waren und
Dienstleistungen bestehen, sondern muß unter
wirklicher Berücksichtigung der sozialen, kulturellen und geistigen Dimensionen des menschlichen
Wesens verfolgt werden. Entwicklungsprogramme
müssen auf Gerechtigkeit und Gleichheit aufbauen
und den Menschen ein Leben in Würde, Harmonie
und Frieden gestatten. Sie müssen das kulturelle
Erbe von Menschen und Nationen respektieren
sowie die sozialen Qualitäten und Tugenden, die
die von Gott gegebene Würde jeder einzelnen
Person widerspiegeln und den göttlichen Plan, der
alle Menschen zur Einheit auffordert. Am wichtigsten ist, daß alle Männer und Frauen aktive Mittler
ihrer eigenen Entwicklung sein müssen. Denn
Männer und Frauen als bloße Objekte in einem
Schema oder Plan zu behandeln, würde bedeuten, diese Fähigkeit zu Freiheit und Verantwortung
zu ersticken, die für das Gute des Menschen
grundlegend ist."
Wie wichtig ist es doch, daß die Welt diese Perspektive vernimmt. Und wie wichtig ist es, daß die
Welt hört, was die großen Weltreligionen über all die
uns konfrontierenden Themen zu sagen haben.
Die katholische Kirche hat ebenso wie andere christliche und nichtchristliche Religionen eine Mission, die
sich manchmal von der politischer Institutionen
unterscheiden muß. Die Kirchenvertreter versuchen,
eine moralisch strenge Haltung im Hinblick auf
materielle Güterund sozioökonomische Beziehungen
zu ermutigen. Der politischen Führung kommt die
Verantwortung zu, sorgfältig auf das zu hören, was
die Religionen zu sagen haben - selbst wenn sie es
nicht immer würdigen kann. Dieser Dialog ist äußerst
wichtig. Wir wollen Kairo zu einem Dialog statt einer
von vorneherein geplanten Konfrontation machen insbesondere, da bezüglich des Dokumentsentwurfs
so große Übereinstimmung besteht.
Wir teilen auch die Meinung von Papst Johannes
Paul II., daß diese Themen die wichtigsten des 21.
Jahrhunderts sind und die Zukunft der Menschheit

Seite 5

�bestimmen. Ich habe in der Vergangenheit bereits
das Argument vorgebracht, daß trotz bestehender
Meinungsverschiedenheiten der umfassende Charakter und die Stärke der Übereinstimmung zu einem
natürlichen Bündnis zwischen den in der Regierung
Tätigen unter uns führt, die der Auffassung sind, daß
wir einerseits das Bevölkerungswachstum stabilisieren, die Umwelt schützen, umweltverträgliche Entwicklung fördern und eine für unsere Kinder und
Enkelkinder lebenswerte Zukunft schaffen müssen,
und die katholische Kirche andererseits trotz ihres
allseits bekannten Widerstands gegen Empfängnisverhütung historisch gesehen einer der stärksten
und effektivsten Befürworter der ganzen Welt von Alphabetisierungs- und Bildungsprogrammen, von
Maßnahmen zur drastischen Reduzierung der
Kindersterblichkeit und anderer Schritte ist, die in der
Tat entscheidend für die Stabilisierung des Bevölkerungszuwachses und die Erarbeitung eines Musters
für umweltverträgliche Entwicklung sind.
Es geht darum, eine humane und umfassende
Strategie auf der Grundlage universellen menschlichen Strebens zu entwerfen. Als Teil dieser umfassenden Strategie ist ein Ziel in Kairo und darüber
hinaus die Stärkung der Fähigkeit prospektiv denkender Eltern, zu entscheiden, wieviele Kinder und
zu welchem Zeitpunkt sie haben wollen. Jedes Land
hat die Verantwortung, über die geeigneten Möglichkeiten zu entscheiden, die zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften, Gewährleistung geistiger
Gesundheit und Verringerung von Schwangerschaftsabbrüchen erforderlich sind. Jedes Land
sollte darauf hinarbeiten, die von ihm gewählten
Möglichkeiten für alle seine Bürger verfügbar zu
machen. Und in den Fällen, in denen eine Nation
sich für legalen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, sollte dieser medizinisch sicher sein.
Wenn wir die Lebenserwartung verlängern und die
Kindersterblichkeit verringern können, wenn wir das
Leben der Menschen durch Ausbildung und wirtschaftliche Chancen verbessern können, wenn wir
ihre Wünsche und ihren Horizont erweitern können,
dann können wir die Bevölkerungswachstum nährenden Kräfte abbauen. Wir erkennen jetzt, daß
Familienplanung, gerechte und umweltverträgliche
Entwicklung, vermehrte Entscheidungsbefugnis für
alle Bürger nicht konkurrierende Strategien, sondern
vielmehr entscheidende und sich gegenseitig verstärkende Elemente des umfassenden Ansatzes
sind, den unsere globale Zukunft fordert.
Dies ist der Rahmen, der uns beim Sondieren von
gemeinsamem Terrain in Kairo leitet. Wir können
uns nicht vorstellen, daß wir die Abtreibungsdiskussion je ad acta legen - die Meinungsverschiedenheiten sind zu tiefgreifend. Unseres Erachtens maxi-

Seite 6

miert unser Ansatz die Bandbreite des möglichen
Konsenses und verringert die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten auf ein erträgliches Maß.
Schließlich hat man sich bereits auf über 90 Prozent
der Sprachregelungen des Kairoer Dokuments
geeinigt - das ist weit mehr als bei vorherigen internationalen Konferenzen. Und viele der verbleibenden
Differenzen können mit harter Arbeit, respektvollem
Dialog und vernünftig begründeter Annäherung
beigelegt werden, die wir heute fordern.
Wir dürfen und sollten im Verlauf dieses Unternehmens nicht zu Gegnern werden. Wir müssen vielmehr Kollegen und Freunde bei diesem historischen
Unterfangen sein, eine Politik zu entwerfen, mit der
die Würde und der Wert jedes menschlichen Wesens
auf der Erde bekräftigt wird und einer Politik, die die
Bedeutung der Familie untermauert.
Unseres Erachtens ist die Familie die Keimzelle eines
verantwortungsbewußten Lebens in der Gesellschaft.
Wenn Sie beispielsweise eine umweltbewußte
Gesellschaft haben wollen, müssen Sie die Familie
stärken. Die Regierungen haben die Pflicht zur
Gewährleistung von politischer Freiheit zur Gründung
einer Familie und der Erziehung der Kinder im
Einklang mit der religiösen Überzeugung dieser
Familie. Alle Regierungen müssen die Stabilität der
Ehe und die Institution Familie sowie die Gesundheit
der Familie schützen. Die Betonung der Familie ist
unserer Ansicht nach entscheidend, weil Themen wie
die Gesundheit von Frauen und ihre Ausbildung in
vielen Ländern durch das Prisma der Familie in
Angriff genommen werden müssen.
In diesem Zusammenhang ist die Kairoer Konferenz
daher bemerkenswert für ihre Bestrebungen, eine
globale Tagesordnung der Hoffnung, Chancen und
Fortschritte zu definieren. Ungeachtet der nicht
vollständigen Übereinstimmung zu allen Themen ist
dies - bei weitem - das beste je erarbeitete Dokument
zu Bevölkerungsfragen. Und ich möchte hinzufügen,
daß diese Bestrebungen - und auch die Vereinigten
Staaten - in hohem Maße von dem Talent, der
Kreativität und sorgfältigen Anleitung von Tim Wirth,
unserem Staatssekretär im Außenministerium für
globale Angelegenheiten, profitiert haben. Dank Tims
Arbeit und der anderer wird diese Konferenz einen
historischen Schulterschluß zwischen der Notwendigkeit zur Integration wirtschaftlicher und umweltpolitischer Maßnahmen auf globaler Ebene und der
Anerkennung der Beziehung zwischen umweltverträglicher Entwicklung und Bevölkerungsstabilität
vornehmen.
Ich möchte auch im voraus Präsident Mubarak
danken, der als Gastgeber einen unschätzbaren

AMERIKA DIENST 34

�Beitrag zu dem erwartungsgemäß erfolgreichen
Ausgang der Konferenz in Kairo geleistet hat.
Ebenso wie der Erdgipfel in Rio erkennt diese
Konferenz die Bedeutung der Einbeziehung der
Bürger und nichtstaatlicher Organisationen an,
analysiert ihre Rolle und ihren Beitrag zum internationalen Dialog. Diese Konferenz geht für ihre
beispiellose Einbeziehung der Bürger - insbesondere
der Frauen, deren Beitrag historisch und außergewöhnlich war - in die Annalen der Geschichte ein.

Die Kairoer Konferenz trägt ferner der Tatsache
Rechnung, daß dies nicht nur Belange der armen
Länder sind. Sie betreffen auch die Bürger von
Industrienationen und beziehen sie ein. Wir sind

*

AMERIKA DIENST 34

*

unseren Nachbarn durch Sorge und Mitgefühl verbunden. Rasches Bevölkerungswachstum ist eng mit
Armut, Ungerechtigkeit und menschlichem Leid
verbunden. Die Amerikaner stehen diesen Problemen nicht indifferent gegenüber.
Wir sind uns bewußt, daß die Herausforderungen
groß sind, und aus diesem Grund ist unser Engagement so tiefgreifend. Die Integration von Bevölkerung, Umwelt und Entwicklung ist ein Gebot für
Frieden und nationale Sicherheit, für menschliche
Gesundheit und menschliches Wohlergehen und für
die Qualität des Lebens auf Erden. Die ClintonAdministration ist entschlossen, diese Erfordernisse
zu erfüllen. Und bei der Bevölkerungs- und Entwicklungsproblematik sind wir entschlossen, eine Führungsrolle zu übernehmen.

* *

Seite 7

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

NGOs KOMMT ENTSCHEIDENDE ROLLE
BEI KAIROER KONFERENZ ZU
Mehr Entscheidungsbefugnis für Frauen
WASHINGTON - (AD) - Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) werden sowohl bei der Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung als auch
bei den Folgetreffen eine entscheidende Rolle
spielen, erklärte eine hochrangige Vertreterin des
Amts für internationale Entwicklung (U.S. Agencyfor
International Development - USAID).
"Wir legen besondere Betonung auf die Zusammenarbeit mit NGOs hier sowie den in Afrika und anderen Ländern tätigen, nicht nur, weil sie wichtige
Dienstleistungen bereitstellen, sondern weil sie
darüber hinaus Schlüsselelemente in den bürgerlichen Gesellschaften dieser Länder sind", stellte die
Stellvertretende Leiterin von USAID, Carol Lancaster, am 25. August 1994 in einer Fernsehsendung des US-Informationsamts (U.S. Information
Agency - USIA) fest.
Voraussichtlich werden Delegationen aus 180
Ländern an der von den Vereinten Nationen veranstalteten Konferenz teilnehmen, die vom 5 . - 1 3 .
September 1994 in Kairo stattfindet.
Lancaster brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, daß
die Kairoer Konferenz die Themen Familienplanung,
reproduktive Gesundheit, Ausbildung von Mädchen
und Bekämpfung der Kindersterblichkeit "gleichberechtigt auf die internationale Tagesordnung" setzen
und die Aktivitäten der NGOs ermutigen wird, diese
Themen auf der Tagesordnung der jeweiligen
Länder weiterzuverfolgen.
Lancaster ist der Überzeugung, die Aussichten für
zusätzliche Unterstützung der Geberländer zu
Planungsaktivitäten in den Bereichen Bevölkerungsund Familienplanung seien gut, unterstrich jedoch,
daß die Entwicklungsländer ihren Beitrag dazu
leisten müssen, indem sie den Programmen gegenüber aufgeschlossen sind.
An der Fernsehsendung nahm gemeinsam mit
Lancaster auch Belkis Giorgis teil, eine bei einer
nichtstaatlichen Organisation - dem Zentrum für

AMERIKA DIENST 34

Entwicklung und Bevölkerungsbelange
Spezialistin für Auswertung.

- tätige

Giorgis stellte fest, in einigen Teilen Afrikas sei der
Sozialisierungsprozeß zusammengebrochen und die
Familie übernehme nicht länger die traditionelle Rolle,
die Jugendlichen auf das Erwachsensein vorzubereiten. Infolgedessen sei ein dramatischer Anstieg an
ungewollten Schwangerschaften zu beobachten,
insbesondere unter den Heranwachsenden.
Giorgis zufolge lautet die Schlüsselfrage nicht, welche
Länder die meiste Unterstützung bei Bevölkerungsproblemen erhalten, sondern, wie Frauen größere
Entscheidungsbefugnis und die Fähigkeit verliehen
werden kann, anhand von Informationen über die
Anzahl und den zeitlichen Abstand zwischen ihren
Kindern zu entscheiden.
Giorgis erklärte, die NGOs könnten eine wichtige
Rolle bei der Veränderung der derzeitigen kulturellen
Perspektive der Eltern spielen, die glauben, die
Bereitstellung von Informationen über reproduktive
Gesundheit für Jugendliche ermutige sie, sexuell aktiv
zu sein. Genau das Gegenteil treffe zu angesichts
der hohen Zahl von Jugendlichen, die in Afrika und
anderen Ländern ungeschützten Geschlechtsverkehr
ausüben.
Sie verwies darauf, daß über 50 Prozent der Bevölkerung In den meisten Länder Afrikas südlich der
Sahara unter 15 Jahre alt sind.
Kontroversen im Vorfeld der Konferenz über die
Themen Schwangerschaftsabbruch und produktive
Gesundheitsfürsorge für Erwachsene würden von
einigen übertrieben, so Lancaster.
"Unsere Position ist ganz klar. Unseres Erachtens
sollte Schwangerschaftsabbruch sicher, legal und
selten und kein Mittel der Familienplanung sein. Wir
sollten Leistungen zur Familienplanung unterstützen,
die tatsächlich die Notwendigkeit einer Abtreibung
verhindern."

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten vertreten jedoch die Position, erläuterte Lancaster, daß die Gesundheitsprobleme der Frauen mit verpfuschten Abtreibungen
angesprochen werden müssen.
"Stümperhafte Abtreibungen, an denen pro Jahr
50.000 Frauen sterben, sind ein Zeichen, daß der

gesamte Bereich der Familienplanung verbessert
werden muß", betonte Lancaster.
Lancaster prognostiziert, daß "ein außerordentlich
hohes Maß an Konsens" unter der Mehrzahl der in
Kairo vertretenen Länder sowie unter der christlichen
und muslimischen Gemeinde erzielt werden.

* * * *

*

.

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

VIEL ÜBEREINSTIMMUNG ZU BEVÖLKERUNGSPOLITIK
Auszüge aus Pressekonferenz mit USAID-Vertretern
WASHINGTON - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge haben die meisten Industrie- und
Entwicklungsländer die Notwendigkeit einer Stabilisierung ihrer Bevölkerung erkannt, damit ihre Volkswirtschaften wachsen können.
Sally Shelton, Stellvertretende Leiterin für globale Programme sowie Unterstützung und Forschung vor Ort beim
Amt für internationale Entwicklung (U.S. Agency for International Development - USAID) räumte am 19. August
1994 bei einer Pressekonferenz ein, der Vatikan sowie einige römisch-katholische und muslimische Länder
widersetzten sich dem Beschluß von Maßnahmen zur Stabilisierung der Bevölkerung auf der vom 5. bis 13.
September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung.
Sie sprach die Hoffnung aus, daß die Delegierten aus über 100 Ländern die Differenzen beilegen, da ein
hohes, umweltschädigendes Bevölkerungsniveau zu Bürgerkriegen, Massenarbeitslosigkeit, Armut,
Umweltverschmutzung und Gesundheitsschäden führen könne.
Nils Daulaire, hochrangiger politischer Berater für Bevölkerungs- und Gesundheitsfragen bei USAID erklärte,
im Vorfeld der Kairoer Konferenz bestünde mehr Einigkeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern als je
zuvor bei solch umfassenden internationalen Verhandlungen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die bei der Pressekonferenz abgegebenen Eingangserklärungen von
Botschafterin Shelton und Dr. Daulaire.

Shelton: Die amerikanische Regierung ist der
Ansicht, daß sich die Bevölkerung als eine der
entscheidendsten Entwicklungsfragen abzeichnet,
mit denen die Welt in diesem Jahrzehnt und vielleicht in diesem Jahrhundert konfrontiert wird.
Unseres Erachtens erweist sich Erfolg oder Scheitern nationaler Entwicklung als Schlüsselfrage der
Zeit nach dem Kalten Krieg.
Bei der Kairoer Konferenz werden Vertreter staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen aus der
ganzen Welt zusammenkommen, was in diesem
Ausmaß eine einzigartige politische Maßnahme
darstellt. Die in den Bereichen Bevölkerung, reproduktive Gesundheit und Familienplanung als
Vorbereitung der Kairoer Konferenz geleistete Arbeit
ist enorm. USAID hat sich in den vergangenen 30
Jahren mit diesen Fragen beschäftigt, und wir freuen
uns auf die Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer
Regierungen aus der ganzen Welt, um in Kairo

AMERIKA DIENST 34

einen Konsens zu erzielen und ein entsprechendes
Dokument auszuarbeiten.
Ich möchte noch betonen, daß das Thema dieser
Konferenz Bevölkerung und Entwicklung ist. Man hat
sich häufig auf die Bevölkerungsaspekte konzentriert
und meines Erachtens der Entwicklung nicht genug
Aufmerksamkeit gezollt.
Viele von uns haben sich in den letzten Wochen mit
den tragischen Ereignissen in Ruanda, Somalia und
Haiti befaßt. Diese Geschehnisse bilden den Hintergrund der Kairoer Konferenz, denn diesen Tragödien
ist gemeinsam, daß umweltschädigendes Bevölkerungswachstum zu Konflikten innerhalb eines Landes
führt. Ferner sehen viele von uns Bevölkerungsfragen in einem größeren Kontext. Die Bevölkerung
beeinflußt die Fähigkeit der Regierungen, den Erwartungen ihrer Bürger gerecht zu werden. Sie beeinflußt entscheidend die Beschäftigungspolitik einer
Regierung und einer Gesellschaft. Sie ist ein wesent-

Seite 1

�licher Faktor für die Armut. Sie hat Auswirkungen
auf die Umwelt, die Verwaltung von Rohstoffen, die
Verschmutzung von Wasser und Luft. Sie steht in
engem Zusammenhang mit der Kindersterblichkiet.
Sie ist ein zentraler Faktor dabei, Frauen mehr
Entscheidungsgewalt zu geben.
Unserer Ansicht nach sind die auf der Tagesordnung
der Kairoer Konferenz stehenden Fragen für die
ganze Welt von Belang. Vor einigen Tagen kam ich
von einer Reise nach Indien und Indonesien zurück.
Während meiner ausführlichen Diskussionen in
diesen beiden Länderrn war ich betroffen von der
Allgemeingültigkeit der Anliegen, die meine Regierung in Kairo vorbringen wird. Die von Männern und
Frauen auf der ganzen Welt vorgetragene Forderung
nach Zugang zu Familienplanung sowie mehr
Lebensqualität im Hinblick auf Wirtschaftslage und
Umwelt ist überwältigend und reicht von der Basis
bis hinauf in alle Gesellschaftsschichten.
Ich möchte hier auch darauf hinweisen, daß sich die
Kairoer Konferenz mit einer Reihe über Bevölkerung
und Familienplanung hinausgehender Fragen
befassen wird: Der Stärkung der Familie, den
Bedürfnissen von Wanderarbeitern und Flüchtlingen,
reproduktiver Gesundheitsfürsorge für Frauen und
mit einer Frage, die meiner Meinung nach den
wichtigsten Tagesordnungspunkt darstellt - vermehrte Entscheidungsbefugnis für Frauen. Meines
Erachtens ist es wirklich interessant zu beobachten,
wie sich in den letzten Monaten der Schwerpunkt
der Kairoer Konferenz von einer nahezu ausschließlichen Konzentration auf Familienplanung zu den viel
umfassenderen Fragen der vermehrten Entscheidungsgewalt für Frauen verlagerte, die durch diese
Erweiterung mit der Stärkung von Demokratien in
Zusammenhang stehen.
Für uns im Amt für internationale Entwicklung ist von
großer Bedeutung, der Rolle der Frau bei allen
Aspekten unserer Entwicklungsprogramme größere
Priorität einzuräumen. Aus diesem Grund ist es
unserer Überzeugung nach angemessen, daß der
Kairoer Konferenz im Herbst 1995 in Beijing eine
Konferenz über den Status der Frau folgt. Das ist
natürlich Teil einer kontinuierlichen Entwicklung. Auf
der Kairoer Konferenz soll der vor 20 Jahren zwischen den Regierungen erzielte Konsens bekräftigt
werden, daß alle Paare und Einzelpersonen in der
Lage sein sollten, frei und in eigener Verantwortung
über die Zahl ihrer Kinder und den Abstand zwischen den Geburten zu entscheiden. Ferner möchte
ich Betonung auf die Idee der Verantwortlichkeit
legen, auf die im Text der Konferenz besonderer
Wert gelegt wird. Es geht also nicht nur um die
Rechte aller Bürger, sondern auch um Pflichten.

Seite 2

Wir bei USALD haben - wie bereits erwähnt - seit
mehr als 30 Jahren anderen Ländern bei der Entwicklung von Familienplanungsprogrammen geholfen,
ihren Familien mehr Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung geboten und dazu beigetragen, daß die
Nationen ihre Programme im Bereich der reproduktiven Gesundheit verbessern können. Verschiedene
Länder - Thailand, Indonesien, Kolumbien, Mexiko haben derartige Programme mit solchem Erfolg
entwickelt, daß sie jetzt praktisch unabhängig sind.
Ich war über eine einfache Tatsache erstaunt. Vor
einer Generation verfolgten nur wenige Länder eine
Bevölkerungspolitik, heute sind es mehr als 100
Staaten. Die meisten, aber nicht alle Länder der Welt
haben jetzt Maßnahmen verabschiedet, die eine
Stabilisierung der Bevölkerung als nationales Ziel
definiert. Daher sind wir der Auffassung, daß die
meisten Länder in Kairo einen beachtlichen Konsens
erzielen können. Wir hoffen, daß die nicht uneingeschränkt zustimmenden in der Lage sein werden.einige der verbleibenden Differenzen auf Verhandlungsbasis beizulegen, damit wir einen umfassenden
Konsens erreichen können.
Es bestehen noch Bedürfnisse beträchtlichen Ausmaßes, die nicht gedeckt sind. Unseren Schätzungen zufolge wünschen noch ungefähr 120 Millionen
Männer und Frauen weltweit, auch in den Vereinigten
Staaten, Zugang zu Empfängnisverhütung. Obwohl
wir schon viel unternommen haben, um den Männern
und Frauen bei der Bestimmung der Zahl ihrer Kinder
zu helfen, bleibt immer noch sehr viel zu tun.
Mit diesen kurzen Anmerkungen möchte ich meine
Ausführungen beenden und meinen Kollegen, Dr. Nils
Daulaire, vorstellen - einen Arzt mit langjähriger
Erfahrung in den Bereichen Gesundheitsfürsorge und
Familienplanung.
Daulaire: Vielen Dank, Frau Botschafterin. Besonders interessant für viele von uns im Bereich der
internationalen Entwicklung und der Gesundheit ist
die Tatsache, daß das Ergebnis von Kairo nicht nur
ein Dokument, nicht nur die Formulierung bestimmter
Prinzipien und Maßnahmen ist, sondern ein konkretes
Aktionsprogramm. Und ich möchte die Tatsache
unterstreichen, daß wir hier über Aktionen sprechen.
Im gesamten Spektrum von Bevölkerung und Gesundheit hat in den vergangenen 20 Jahren seit der
ersten Konferenz - der internationalen Bevölkerungskonferenz von Bukarest im Jahr 1974 - ein langer
und manchmal schwieriger Evolutionsprozeß stattgefunden.
Meines Erachtens sollte man sich im Kontext der
Besorgnis, die viele von Ihnen über die noch ausstehenden, bei den Erörterungen der Vorkonferenz

AMERIKA DIENST 34

�nicht gelösten Fragen vernommen haben, vor Augen
führen, wie weit wir gekommen sind und wieviel
Konsens hier besteht.
Die erste internationale
Bevölkerungskonferenz 1974 in Bukarest war von
einem enormen Gefälle zwischen Nord und Süd
gekennzeichnet. Zu jener Zeit hatte ein Großteil der
in Bukarest vertretenen Länder des Südens das
Gefühl, das Thema Bevölkerung sei zweitrangig oder vielleicht nicht nur zweitrangig, sondern sogar
unwichtig und eine Angelegenheit, die für den Westen von Bedeutung, aber im Kontext der nationalen
Entwicklung wirklich unerheblich war. 1974 war man
in dieser Frage völlig geteilter Meinung, und wie
Botschafterin Shelton festgestellt hat, bestehen diese
Meinungsverschiedenheiten nicht mehr. Im Vorfeld
von Kairo und bei den bereits geführten Verhandlungen zeichnete sich ein eindeutiger und breiter Konsens aus jedem Teil des Globus und seitens aller
betroffenen Parteien ab, daß rasches und umweltschädliches Bevölkerungswachstum ein entscheidendes Thema im Bereich der Entwicklung ist, und das
ist ein enormer Fortschritt.
Es hat 20 Jahre gedauert, sollte deswegen aber
nicht bagatellisiert werden.
Bei der Bevölkerungskonferenz in Mexiko 1984
wurden erneut große Fortschritte erzielt. Zu dieser
Zeit waren viele der Länder des Südens zu der
Schlußfolgerung gelangt, daß die Bevölkerungsfrage
in der Tat von großer Bedeutung ist. Und in mancherlei Hinsicht wendete sich das Blatt zwischen
1974 und 1984. Die Vereinigten Staaten kamen zu
der Konferenz von Mexiko mit einer äußerst aussagekräftigen politischen Tagesordnung, die in
gewisser Weise die Position von 1974 revidierte,
derzufolge Bevölkerung ein zweitrangiges Thema
verglichen mit Wirtschaftswachstum und Entwicklung
sei, und damals gab es auch eine gewisse Konfrontation zwischen Norden und Süden oder den
Vereinigten Staaten und den Entwicklungsländern.
Beeindruckend ist auch hier wiederum, daß die
Differenzen jetzt beigelegt sind und es zwischen
dem Norden und dem Süden, zwischen den Ländern
der G-77, der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten über Bevölkerung und Entwicklung
keine maßgeblichen Meinungsverschiedenheiten
mehr gibt, und das ist außerordentlich erfreulich.
Dies ermöglicht ein Aktionsprogramm zum jetzigen
Zeitpunkt.
Zum Ergebnis von Kairo und zu dem im April in New
York erarbeiteten Dokumentsentwurf haben wir
bereits nahezu 90 Prozent Übereinstimmung über
die Punkte des Dokuments erzielt. Es ist sehr
ungewöhnlich, zu einer internationalen Konferenz mit
einem Dokument zu gehen, in dem 90 Prozent der

AMERIKA DIENST 34

Sprachregelungen nicht mehr eingeklammert sind.
Ich möchte also nochmals betonen, wie weit die
Dinge vorangekommen sind.
Wir haben einen klaren Konsens unter der großen
Mehrheit der Länder der Welt, daß dies ein enormer
Themenkomplex ist, der auf humane Weise angesprochen werden kann, wobei man sich nicht so sehr
auf die Frage der Kontrolle konzentriert, oder den
Menschen sagt, was zu tun ist, sondern vielmehr sie
- wie Botschafterin Shelton es formuliert hat - in die
Lage versetzt, das zu tun, was sie als ihr Eigeninteresse erkannt haben. Das ist der entscheidende
Punkt, der für mich außerordentlich aufregend war.
Ich war über 20 Jahre lang in Dörfern und Vierteln
der Dritten Welt tätig und habe Programme gesehen,
die von oben aufoktroyiert wurden, bei denen die
Regierungen sagten, Ihr müßt das tun, oder die
internationalen Geber sagten, Ihr müßt jenes tun. Sie
alle erfüllten nicht den Bedarf der Menschen. Sie
waren in gewisser Weise unverständlich. Sie erfaßten nicht, was die Menschen wollten, und infolgedessen gab es sehr häufig Diskrepanzen.
Im vergangenen Jahrzehnt konnten wir eine Annäherung der Vorstellungen bezüglich dessen beobachten,
was die Menschen wollen und benötigen - die von
Botschafterin Shelton angeführten 120 Millionen
Paare auf der Welt - die jetzt Empfängnisverhütung
nur anwenden würden, wenn sie ihnen zur Verfügung
stünde, und die schätzungsweise 180 Millionen
weiteren Paare, die wahrscheinlich ebenfalls verhüten
würden, wenn sie sehen, wie ihre Freunde und
Nachbarn dies tun. Es gibt einen enormen Bedarf
und eine enorme Nachfrage auf der ganzen Welt,
und wir sind zum jetzigen Zeitpunkt in der Position,
diese Situation zu beheben.
Es wurde über einige der geäußerten Bedenken
gesprochen, die Vereinigten Staaten und der Westen
exportierten gewisse Werte und Ansätze, und meines
Erachtens muß man sich ganz klar vor Augen führen,
daß dies weder die Absicht noch die Sprachregelung
des Dokumentsentwurfs für Kairo ist. Ich möchte Sie
alle ermutigen, das Dokument zu lesen - es ist sehr
lang - und zwar Zeile für Zeile, weil es in der Tat ein
Dokument für die Familie ist, ein Dokument, das die
Bande der Gemeinde stärkt sowie den Bedarf und die
Rechte von Einzelpersonen und Paaren anerkennt.
Es ist ein Dokument mit im Konsens erzielten Sprachregelungen, das jetzt von der Europäischen Union
erarbeitet wurde und beide Seiten des Spektrums
repräsentiert, von den eher konservativen Ansichten
Irlands bis zu den progressiveren Hollands und
Dänemarks.
In der vorgeschlagenen Sprachregelung sind neue
Formulierungen enthalten, die von den Vereinigten

Seite 3

�Staaten mit großem Enthusiasmus unterstützt werden, denen zufolge zum Thema reproduktive Gesundheit und reproduktive Rechte eindeutig klargestellt wird, daß die Formulierung und Umsetzung
bevölkerungspolitischer Maßnahmen, einschließlich
derjenigen im Zusammenhang mit reproduktiver
Gesundheit, das souveräne Recht jeder Nation im
Einklang mit nationalen Gesetzen und den internationalen Menschenrechtsnormen sind. Als Ergebnis von Kairo erwarten wir die Fähigkeit jedes
Landes und der Menschen jedes Landes, ihre
eigenen Entscheidungen zu treffen und sich nicht
bestimmte Werte von außen aufoktroyieren zu
lassen, sei es von den Vereinigten Staaten oder
irgendeiner anderen Organisation mit einem bestimmten Standpunkt. Sie müssen in der Lage sein,
ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, und wir
werden dann da sein, um diese Entscheidungen zu
unterstützen.

Das Amt für internationale Entwicklung ist der weltweit größte Geldgeber in den Bereichen Gesundheit
und Familienplanungsprogramme. Wir haben im
Zusammenhang mit reproduktiver Gesundheit eine
wichtige neue Initiative in die Wege geleitet, um diese
zu ergänzen, um den Menschen die Möglichkeiten
zur Verfügung zu stellen, die sie wirklich wollen, und
die ihnen kleinere und gesündere Familien ermöglichen und sie dazu ermutigen.
Von unserem Standpunkt und dem des Amts für
internationale Entwicklung aus ist dies eine enorme
Chance für Fortschritte in kühner und aufregender
Weise, und wir sehen ihnen erwartungsvoll entgegen.
Ich danke Ihnen.

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�UMWELT
31. August 1994

NÄCHSTE SCHRITTE BEI GLOBALER
KLIMAVERÄNDERUNG • DIE SICHT DER
VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Timothy Wirth
WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld der vom 5. bis 13. September 1994 anberaumten Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung hielt der Staatssekretär für globale Angelegenheiten im Außenministerium,
Timothy Wirth, am 3. August 1994 eine Rede vor Regierungsvertretern und Fachleuten nichtstaatlicher
Organisationen. Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge.

Ich freue mich, daß Sie so zahlreich erschienen sind.
Es ist mir eine Freude, Sie hier im Außenministerium
begrüßen zu dürfen.
Wie Sie wissen, befinden wir uns an einem entscheidenden Wendepunkt in den internationalen
Diskussionen über Klimaveränderungen. Dieser vor
zwei Jahren in Rio unterzeichnete historische
Vertrag ist in Kraft getreten, und die erste Konferenz
der Parteien steht unmittelbar bevor. Erste nationale
Pläne sind in zwei Monaten fällig, in denen Strategien für die Verringerung der Treibhausgasemissionen dargelegt werden sollen. Dies sind maßgebliche und wichtige Schritte. Dennoch ist offensichtlich, daß wir uns auf der internationalen Bühne
einem neuen Ausgangspunkt nähern. Wir wissen,
daß die harte Arbeit vor - nicht hinter - uns liegt.
Im umfassenderen Kontext ist dies ein bemerkenswerter Augenblick in der Geschichte, denn die
Nationen beginnen die Chancen und Pflichten zu
begreifen, die ihnen bei der Erforschung der die Welt
immer komplexer machenden aktuellen Krise bis zu
den zugrundeliegenden Ursachen zukommt, sowie
bei der Neudefinition der Prioritäten für langfristige
nationale Sicherheit und globale Stabilität. Angesichts der demographischen, wirtschaftlichen und
technologischen Prognosen für die Entwicklungsländer könnte das Morgen eine Katastrophe werden.
Wir müssen den Kurs ändern.
Die Clinton-Gore-Administration hat sich verpflichtet
unter Beweis zu stellen, wie der öffentliche und der
Privatsektor zusammenarbeiten können, um die

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Versprechungen und Notwendigkeit umweltverträglicher Entwicklung zu realisieren.
Auf internationaler Ebene und innenpolitisch gleichermaßen vertritt die Administration die Auffassung und kämpft um die Beweisführung - daß wir die
doppelte Dividende umweltverträglicher Entwicklung
zum Tragen bringen können: Fortschritte zu einem
Gleichgewicht zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum. Dies ist nirgends offenkundiger als
beim Problem der globalen Klimaveränderungen.
Als oberstes Ziel hat der Präsident die Vereinigten
Staaten zum Ziel der globalen Klimakonvention
verpflichtet - dem Abbau der Treibhausgasemissionen
bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990. Und
wir haben einen flexiblen und wirtschaftlich profitablen
Plan zur Erlangung dieses Ziels erarbeitet. Wir
haben eine Vorreiterrolle bei Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und Privatsektor sowie mit
der internationalen Staatengemeinschaft gespielt - die
am besten durch unsere zukunftsweisende Position
und Rolle bei der gemeinsamen Umsetzung unter
Beweis gestellt wird.
Es wurde eine parallele Tagesordnung zur Förderung
der Entwicklung und Verbreitung von Umwelttechnologie aufgestellt. Unter Einbeziehung des Energie-,
Wirtschafts- und Außenministeriums, des Umweltschutzamts, des Amts für internationale Entwicklung
sowie unserer Exportförderungsbehörden bauen
diese Bestrebungen auf den bereits von uns für die
Förderung von Umwelttechnologie ausgegebenen 4
Milliarden Dollar auf. Die Clinton-Administration hat

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�einen strategischen Rahmen für Umweltexporte und
eine Technologieinitiative zur Schaffung zukunftsträchtiger Umweltsysteme entwickelt.
Jetzt richten wir unseren Blick auf die Zukunft. Das
für August anberaumte Treffen des zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees wird erneut eine fruchtbare Diskussion über die "Angemessenheit" der
unter der Rahmenkonvention über Klimaveränderungen eingegangenen Verpflichtungen führen und
weitere Schlüsselfragen erörtern, einschließlich
gemeinsamer Umsetzung sowie Überprüfung nationaler Kommunikationssysteme und Prioritäten der
Finanzmechanismen der Konvention.
Wir haben bereits von immer mehr Regierungen die
Forderung vernommen, daß in Berlin ein offizielles
Verfahren zur Prüfung der nächsten Schritte eingeleitet werden soll, Treibhausgase zu reduzieren und manche haben schwierige spezifische Fragen in
die Debatte eingebracht.
Wir haben mit Interesse zugehört und bereiten uns
auf die Teilnahme vor. Diese Administration will
dazu beitragen, den internationalen Prozeß voranzubringen, um der Bedrohung durch eine beträchtliche Erhöhung der Treibhausgaskonzentrationen zu
begegnen.
Um diese Führungsrolle übernehmen zu können,
müssen wir mit Ihnen und anderen darüber beraten,
wo wir stehen und in welche Richtung wir gehen
sollten - und darum geht es bei der heutigen Sitzung. Aus unserer Sicht erscheinen vier Prioritäten
am vielversprechendsten.
Die Klimakonvention in ihrer jetzigen Form enthält
ein Ziel zur Erreichung des übergeordneten Ziels der
Konvention - die Verhinderung gefährlicher Eingriffe
in die natürlichen klimatischen Prozesse der Erde.
Dieses im Vorfeld der Konferenz von Rio beschlossene Ziel sollte unsere nationalen Bestrebungen für
die Zeit vor dem Jahr 2000, jedoch nicht darüber
hinaus leiten. Die Administration erklärte, die
derzeitigen, unter der Konvention eingegangenen
Verpflichtungen befaßten sich nicht ausreichend mit
den nach dem Jahr 2000 zu ergreifenden Maßnahmen. Mit anderen Worten: Es handelt sich hier um
eine langfristige Herausforderung, die langfristige
Lösungen erfordert. Wir erachten dies als oberste
Priorität für die Zukunft und müssen uns ein Ziel
setzen, das unsere Bestrebungen in der ersten Zeit
nach der Jahrhundertwende leiten kann.
Der Ansatz der Vereinigten Staaten, im Rahmen der
Konvention die nächsten Schritte zu unternehmen,
sollte wie stets in unserer Verpflichtung zu umfassenden, flexiblen, umweltfreundlichen, vorteilhaf-

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ten, gerechten, pragmatischen und innovativen
Bestrebungen liegen.
Vor dem Hintergrund der während der bewegten
Aushandlung des Vertrags und danach gelernten
Lektionen werden wir uns verstärkt darum bemühen
müssen sicherzustellen, daß die Nationen ihren
Worten Taten folgen lassen. Neben den Vereinigten
Staaten haben nur wenige Nationen klare, substantielle Vorschläge zur Reduzierung von Emissionen
vorgelegt, die sie zur Erreichung der ersten Ziele der
Konvention befähigen. Wir müssen eindeutig klarstellen: Gute Absichten und hochfliegende Worte
bringen uns nicht dem Ziel näher, den mit einem
Abbau der Emissionen einhergehenden, äußerst
bedeutenden Herausforderungen zu begegnen. Der
Vertrag fordert und erwartet Aktionen.
Wenn wir die nächsten Schritte unternehmen, ist es
daher geboten, eine zweite Priorität zu setzen - die
Chancen für gemeinsame Aktionen zur prüfen, die
zur Erlangung jedes neuen Ziels in der Zeit nach dem
Jahr 2000 ergriffen werden können. Ich vermute,
daß die Konvention bei diesen Themen nicht länger
Stillschweigen bewahren kann, obwohl die amerikanische Position weiterhin lautet, daß wir einen großen
Teil nationaler Flexibilität bewahren müssen, um
verläßliche, verifizierbare, nationale Bestrebungen
zum Abbau von Emissionen verfolgen zu können.
Unserer Ansicht nach könnten zur Erreichung des
Ziels verschiedene gemeinsame Aktionen verfolgt
werden. Gemeinsame Aktionen könnten die Form
vereinbarter Verfahren zur Prüfung von Möglichkeiten
der Reduzierung von Emissionen unter gegebenen
nationalen Umständen annehmen, wobei lediglich
gefordert würde, daß diese Chancen erwogen werden
und darüber berichtet wird. Als Beispiel für ein
solches Verfahren möchte ich eine im Gesetz über
Energiepolitik von 1992 enthaltene Bestimmung
anführen. Sie fordert von den Bundesstaaten eine
Projektstudie über die Nutzung integrierter Ressourcenplanung. Die Bestimmung legte keine Methode
für die integrierte Ressourcenplanung fest, sondern
wies die Bundesstaaten an, dieses Mittel zu erwägen
und darüber zu berichten, ob und warum es unter
den gegebenen Umständen angemessen erscheint
oder nicht.
Ferner könnten wir breitgefächerte und spezifische
Technologieinitiativen prüfen, einschließlich Anreizen
oder abschreckenden Faktoren, Technologien mit
geringeren Emissionen auf den Markt zu bringen,
Technologien mit höheren Emissionen vom Markt zu
verdrängen oder bestehende Interventionen zu
reduzieren, die diesen Zielen zuwiderlaufen. Im
Hinblick auf zukünftige Emissionen ist es klar, daß
alle Nationen neue Technologien einsetzen müssen,

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�die zur Erlangung wirtschaftlicher und emissionspolitischer Ziele befähigen. Technologie ist ein
vielversprechender Faktor für internationale Zusammenarbeit.
Andererseits ist es vielleicht möglich, daß die Nationen sich im Rahmen dieser Konvention oder in
anderer Weise auf eine Reihe von Maßnahmen
einigen, die den Ländern beim Abbau von Emissionen behilflich sind. Hierzu möchte ich ebenfalls ein
Beispiel aus dem Gesetz über Energiepolitik anführen. Mit Blick auf die immer länger werdende Liste
von Staaten, die Normen für Lampen, Motoren und
Duschköpfe festsetzen, arbeiteten wir gemeinsam
mit der Industrie ein Abkommen über Mindestnormen für die Leistungsfähigkeit dieser Produkte aus.
Es wird schwierig, aber vernünftig sein, ein Abkommen über internationale Normen zu schließen, an
denen sich die Hersteller während des Produktionsprozesses orientieren können. In diesem Sinne
bedeuten "vereinbarte Maßnahmen" nicht "harmonisierte" Maßnahmen.
Es ist meine Überzeugung, daß wir all diese Initiativen - Abkommen über Prozesse und Maßnahmen zum Abbau von Emissionen - verfolgen und
gleichzeitig als Priorität ein neues Ziel zur Kontrolle
der Emissionen in den ersten Jahren nach der
Jahrhundertwende anstreben sollten. Dieser Ansatz
wird uns die erforderliche Zielsetzung und Sicherheit
verleihen, daß die Nationen angemessen auf die
Herausforderung des Schutzes der Integrität des
globalen Klimasystems reagieren.
Die dritte Herausforderung zur Stärkung des Klimavertrags betrifft Sie alle. Obwohl Experten aus dem
öffentlichen und privaten Sektor an den Sitzungen
des zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees
teilgenommen haben, war ihre Rolle bisher auf die
von Sitzungsbeobachtern beschränkt, die gelegentlich Erklärungen abgaben und auf den Fluren der
internationalen Konferenzsäle Kontakte zu Regierungsvertretern knüpften (das Klima, in dem Sie, die
Kämpfer gegen den Treibhauseffekt, sich am wohlsten fühlen).
Je mehr wir über umweltverträgliche Entwicklung
erfahren, desto klarer wird uns, daß der Prozeß viel
Klugheit erfordert. Meines Erachtens ist es an der
Zeit, Experten aus dem öffentlichen und privaten
Sektor stärker in die mit dem Vertrag einhergehenden Verfahren einzubinden und sie zur aktiven
Teilnahme zu gewinnen. Unter dem Montrealer
Protokoll beispielsweise haben Gremien technischer
Berater, denen auch Experten aus dem öffentlichen
und privaten Sektor angehören, eine entscheidende
Rolle beim Ausmachen von Optionen und der

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Auswahl von Alternativen für die verringerte Nutzung
die Ozonschicht zerstörender Chemikalien gespielt.
Schließlich sind wir der Ansicht, daß die Stärkung der
Konvention eine vierte Priorität darstellen sollte.
Kontinuierliche Arbeit in diesem Bereich sollte in
Abstimmung mit den nächsten Schritten erfolgen, da
weitere Fortschritte von wesentlicher Bedeutung beim
Aufbau von Vertrauen sind, daß die Parteien ihren
Verpflichtungen nachkommen, die Integrität nationaler
Pläne sicherzustellen, den Abbau von Emissionen
durch gemeinsame Durchführung kostengünstig zu
gestalten und den Parteien zum besseren Verständnis der Pläne anderer sowie der Ergebnisse und
Effektivität nationaler Aktionen zu verhelfen, was zu
besserer Planung führt.
Diese vier Prioritäten stellen zusammengenommen
eine schwierige Auswahl künftiger Aktionen dar. Sie
sind keine vollständige Definition der künftigen
Tagesordnung, denn wir benötigen beispielsweise
auch neue Strategien um sicherzustellen, daß die
Nationen alles in ihrer Macht Stehende zum Abbau
von Emissionen unternehmen. Obwohl die Industriestaaten hierbei die Führungsrolle übernehmen
müssen, ist es für uns nicht zu früh, uns Gedanken
darüber zu machen, wie wir andere noch stärker
einbeziehen können. Wir sollten überlegen, wie wir
zusätzlich zu den in Anhang A aufgeführten weitere
Länder identifizieren können, die eine führende Rolle
zu spielen in der Lage wären.
Zweifellos sind auch noch andere Fragen zu klären,
und wir begrüßen Anregungen Ihrerseits zu diesen
Ideen, zusätzlichen Prioritäten und zukünftigen Zielen
der amerikanischen und internationalen Bestrebungen
im Rahmen der Konvention.
Abschließend möchte ich noch auf Berlin zu sprechen
kommen und die Bedeutung der für den kommenden
Monat in Kairo anberaumten internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung für Berlin
hervorheben. Ungeachtet dessen, was wir im Rahmen der Klimakonvention unternehmen, wird die
Reduzierung von Treibhausgasen und die Förderung
umweltverträglicher Entwicklung bedeutend schwieriger sein, wenn wir keine umfassenden Strategien zur
Bekämpfung des rapiden Bevölkerungswachstums
entwickeln. Bevölkerung ist von zentraler Bedeutung
für sämtliche Entwicklungen, und jeder hier Anwesende sollte sich dieser Herausforderung widmen. Es
wird immer deutlicher, daß Erfolg in Kairo ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg nach Berlin und darüber hinaus ist.
Ich möchte nochmals wiederholen, wie bedeutend es
für uns ist, uns gemeinsam auf die unvermeidlichen,
unter dem Klimavertrag zu unternehmenden nächsten

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�Schritte vorzubereiten. Praktisch alle Nationen sind
sich darin einig, daß die derzeitigen Bestrebungen
zur Bewältigung der bevorstehenden Aufgabe nicht
ausreichend sind. Man würde einen großen Fehler
machen, seine Hoffnungen auf die verbleibenden
Unsicherheiten bei der Erforschung des weltweiten
Klimas zu setzen. Die verbleibenden Unsicherheiten
rechtfertigen keine Gleichgültigkeit. Die grundlegende Forschung besagt eindeutig, daß der fortgesetzte
Anstieg von Treibhausgasen einen Klimawandel
herbeiführen wird, der beträchtliche Auswirkungen
auf unseren Planeten haben wird. Wir können uns
keine Untätigkeit leisten. Ebenso sicher, wie ich hier

stehe, wird die internationale Staatengemeinschaft in
nicht allzu ferner Zukunft härtere Maßnahmen zum
Abbau von Emissionen im 21. Jahrhundert ergreifen.
Diese Administration wird dem öffentlichen und
privaten Sektor weiterhin enorme Chancen bieten,
gemeinsam mit uns der Wirtschaft und der Umwelt
förderliche Strategien zum Abbau von Treibhausgasen und zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung zu entwerfen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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