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cimerikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

*

13. Juli 1994

27

t

PRÄSIDENTENBESUCH

"BERLIN IST FREI"
Rede Präsident Clintons vordem Brandenburger
Tor
CLINTON BETRACHTET HANDEL ALS DIE
NATIONEN EINENDE KRAFT
Zukünftige Aufgabe ist Einbindung Mittel- und
Osteuropas

G-7

SCHAFFUNG
VON
ARBEITSPLATZEN
PRIORITÄT BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Rede von Präsident Clinton

EINWANDERUNG

GEBT UNS EURE BESTEN
von Stephen Moore

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�PRASIDENTENBESUCH
13. Juli 1994
ii

BERLIN IST FREI"

Rede Präsident Clintons vor dem Brandenburger Tor
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Juli 1994 von Präsident Clinton im Rahmen seines Staatsbesuchs
in der Bundesrepublik Deutschland vor dem Brandenburger Tor gehaltene Rede im Wortlaut.
Bürger des freien Berlin,
Bürger des vereinten Deutschland,
Herr Bundeskanzler,
Herr Regierender Bürgermeister,
Berliner in der ganzen Welt!
Ich danke Ihnen für die Begrüßung in Ihrer faszinierenden Stadt.
Wir stehen gemeinsam dort, wo das Herz Europas
gespalten wurde - und wir feiern die Einheit.
Wir stehen dort, wo rohe Betonmauern Mutter und
Kind trennten - und wir kommen als eine Familie
zusammen.
Wir stehen dort, wo diejenigen, die ein neues Leben
anstrebten, den Tod fanden - und wir sind von tiefer
Freude über die Erneuerung erfüllt.
Bürger Berlins! Sie haben Ihren langen Kampf
gewonnen. Sie haben bewiesen, daß keine Mauer
auf ewig die gewaltige Kraft der Freiheit einsperren
kann.
Und innerhalb weniger Jahre wird ein amerikanischer Präsident ein Berlin besuchen, das erneut Sitz
Ihrer Regierung ist. Ich verspreche Ihnen heute:
Eine neue amerikanische Botschaft wird in Berlin
stehen.
Vor einem halben Jahrhundert wurde Berlin geteilt,
vor 33 Jahren die Mauer errichtet. In dieser Zeit
lebte die eine Hälfte dieser Stadt eingeschlossen, die
andere Hälfte versklavt. Eine Kraft jedoch hatte
Bestand: Ihr Mut.
Ihr Mut hat sich auf vielerlei Weise gezeigt. Als der
kühne Mut des 17. Juni 1953, als die im Osten
Gefangenen Steine gegen die Panzer der Tyrannei
warfen. Als der stille Mut, mit dem Kinder über die
Mauer gehoben wurden, damit ihre Großeltern auf

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der anderen Seite die zu sehen vermochten, die sie
liebten, aber nicht berühren konnten. Als der innere
Mut, nach den Gedanken zu greifen, die frei machen.
Und als die Zivilcourage vor 5 Jahren, die in den
unerschrockenen Herzen und von Kerzen erleuchteten Straßen Leipzigs begann. Mit ihr verwandelten
Sie Ihren Traum von einem besseren Leben in den
Meißel der Freiheit.
Jetzt müssen Sie, die den Mut hatten, durchzuhalten,
Widerstand zu leisten, die Mauer niederzureißen,
eine neue Zivilcourage finden - den Mut zum Aufbau.
Die Berliner Mauer ist gefallen. Unsere Generation
muß nun entscheiden: Was werden wir an ihrer
Stelle aufbauen?
Heute, da wir hier stehen, können wir die Antwort
sehen. Ein Europa, in dem alle Nationen unabhängig
und demokratisch sind. In dem freie Märkte und
Wohlstand grenzüberschreitend sind. In dem unsere
Sicherheit auf dem Aufbau von Brücken, nicht von
Mauern beruht. In dem all unsere Bürger so weit zu
gehen vermögen, wie es ihnen ihre gottgegebenen
Fähigkeiten erlauben, und ihre Kinder in Frieden und
Hoffnung aufwachsen lassen können.
Die Arbeit an der Freiheit ist nicht leicht. Sie erfordert Disziplin, Verantwortung und einen Glauben, der
stark genug ist, um Fehlschläge und Kritik zu überwinden. Und sie erfordert Wachsamkeit. Hier in
Deutschland, in den Vereinigten Staaten und auf der
ganzen Welt müssen wir denjenigen entgegentreten,
die uns mit flammenden Reden über Rasse, Volk
oder Religion spalten wollen.
Ich rufe besonders die Jugend dieser Nation auf:
Glauben Sie daran, daß Sie in Frieden mit denen
leben können, die anders sind als Sie! Glauben Sie
an Ihre Zukunft! Glauben Sie daran, daß Ihr Handeln
von Bedeutung ist! Fassen Sie den Mut zum Aufbau
- dann werden Sie erfolgreich sein!

Seite 1

�Sie haben Grund, daran zu glauben. Die Zukunft
nimmt bereits Gestalt an in der zunehmenden Zahl
derer, die gemeinsam die Sprache der Demokratie
sprechen, in der wachsenden Wirtschaft Westeuropas, der Vereinigten Staaten und unserer Partner.
Im Fortschritt der Wirtschaftsreform, der Demokratie
und der Freiheit in Ländern, die nicht frei waren. In
der NATO-Partnerschaft für den Frieden, in der 21
Nationen militärisch zusammenarbeiten und sich zur
gegenseitigen Achtung ihrer Grenzen verpflichtet
haben.
Ihnen allen, die Sie nach dieser Zukunft streben,
sage ich: Im Namen der Piloten, die durch ihre
Luftbrücke Berlin retteten, im Namen der Wachen
am Checkpoint Charlie, die den feindlichen Panzern
gegenüberstanden, im Namen der amerikanischen
Truppen, die weiterhin in Europa die Zukunft der

Freiheit sichern werden und im Namen der amerikanischen Präsidenten, die hierher nach Berlin gekommen sind: "Amerika steht an Ihrer Seite - jetzt und
für immer!"
Mein Freund, der Bundeskanzler, und ich taten vor
wenigen Augenblicken, was meinen Vorgängern
verwehrt war - wir schritten durch das Brandenburger
Tor. Seit 200 Jahren ist dieses Tor ein Symbol
seiner Zeit. Es gab Zeiten, da es ein Monument der
Eroberung und ein Turm der Tyrannei war. Doch Sie
- die mutigen Bürger Berlins - haben heute aus dem
Brandenburger Tor wieder das gemacht, was seine
Erbauer im Sinn hatten: ein Tor. Nun können wir
gemeinsam durch dieses Tor gehen, unserem
Schicksal entgegen, einem Europa, das geeint ist.
Geeint im Frieden, geeint in der Freiheit, geeint im
Fortschritt - zum ersten Mal in der Geschichte.
Nichts darf uns aufhalten. Alles ist möglich. Berlin ist
frei.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�PRASIDENTENBESUCH
13. Juli 1994

CLINTON BETRACHTET HANDEL ALS
DIE NATIONEN EINENDE KRAFT
Zukünftige Aufgabe ist Einbindung Mittel- und Osteuropas
BONN - (AD) - Die Vereinigten Staaten und
Deutschland sind sich bewußt, daß im Hinblick auf
das bevorstehende Jahrhundert "Handel ebenso wie
Streitkräfte in zunehmendem Maße die Bande
zwischen Nationen definieren", erklärte Präsident
Clinton am 11. Juli 1994 bei seinem Besuch in der
Bundesrepublik Deutschland.
Im Sommer des Jahres, in dem die russischen und
westlichen Truppen Berlin verlassen werden, wo sie
seit 1945 stationiert sind, äußerte der Präsident auf
einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Helmut
Kohl, die gemeinsamen Herausforderungen hätten in
der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Nationen
erfolgreich geeint. Jetzt bestehe die Aufgabe in der
Integration der Nationen Mittel- und Osteuropas Teilen der ehemaligen Sowjetunion und des früheren
Warschauer Pakts - in ein Europa, das durch soziale, politische und wirtschaftliche Institutionen geeint
ist.
Präsident Clinton zufolge weiß der Westen aufgrund
seiner Erfahrung bei der Integration "halb Europas"
durch die NATO und "andere Institutionen, die nach
dem Zweiten Weltkrieg für Stabilität sorgten", wie er
vorzugehen hat. Im Mittelpunkt seiner Gespräche
mit Bundeskanzler Kohl stand dem Präsidenten
zufolge die Integration der anderen Hälfte Europas.
Da "amerikanische und russische Streitkräfte in
Kürze Stützpunkte in Deutschland verlassen würden,
auf denen sie seit 1945 stationiert sind", hätte er mit
dem Bundeskanzler erörtert, "wie wichtig die Ausweitung gemeinsamer Militärübungen mit unseren
Verbündeten im Rahmen der Partnerschaft für den
Frieden ist. Ferner sind wir uns bewußt, daß kurz
vor dem Beginn des 21. Jahrhunderts Handel
ebenso wie Streitkräfte in zunehmendem Maße die
Bande zwischen Nationen definieren."
In der Zeit nach dem Kalten Krieg sei es erforderlich,
so der Präsident, daß die neuen, Ost und West
verbindenden Institutionen, beispielsweise die Part-

AMERIKA DIENST 27

nerschaft für den Frieden, die neue Welthandelsorganisation und die Europäische Union, auf breiterer
Basis aufgebaut werden, um "noch mehr Stabilität" zu
gewährleisten.
Deutschland und die Vereinigten Staaten werden
Präsident Clinton zufolge "der anderen Hälfte Europas" im Bereich der Sicherheit, bei Wirtschaftsreformen und Investitionsanreizen beistehen und "deren
Anspruch auf einen Platz am Tisch freier, befreundeter und gleichgesinnter Nationen geltend machen".
Clinton und Kohl vermieden beide direkte Kommentare zu der anstehenden Entscheidung des Bundesgerichtshofs darüber, ob eine Teilnahme deutscher
Streitkräfte an friedenssichernden Operationen der
Vereinten Nationen dem Grundgesetz entspricht. Der
amerikanische Präsident erklärte jedoch, er habe
"großes Vertrauen in die umfassenden Ziele und den
Kurs" der deutschen Regierung und die "Unterstützung Deutschlands für ein geeintes Europa, in dem
Deutschland ein gleichberechtigter Partner ist". Er
fügte hinzu: "Alles, was getan werden kann, um
Deutschland in seiner verantwortungsvollen Rolle als
führende Nation zu unterstützen, ist als positiv zu
erachten."
Der Präsident teilte einem Fragesteller mit, die
Beileidsbekundung aus Anlaß des Todes von Kim II
Sung sei "kurz, sachlich und angemessen" gewesen
und wies von Bob Dole, dem Fraktionsvorsitzenden
der Republikanischen Partei im Senat, geäußerte
Kritik zurück. Die bei Aufnahme der hochrangigen
Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und
Nordkorea in Genf abgegebene Erklärung sei "eindeutig im Interesse der Vereinigten Staaten gewesen.
Es ist eine Tatsache, daß wir nach jahrelanger
Isolation und starken Spannungen aufgrund nuklearer
Fragen an dem Tag, an dem Kim II Sung starb,
erneut Gespräche mit den Nordkoreanern aufnahmen."

Seite 1

�Clinton äußerte, die Verschiebung der Genfer Gespräche sei kein Rückschlag, denn es bestehe die
Möglichkeit, die Einfrierung von Pjöngjangs Nuklearprogramm zu überwachen. "Wir wissen, ob sie ihr
Wort halten oder nicht ... Da sie eigenen Angaben
zufolge die Gespräche fortsetzen wollen, bin ich
zuversichtlich." Clinton verlieh seiner Hoffnung
Ausdruck, ein Gipfel zwischen Nord- und Südkorea
werde "so bald wie angemessen" abgehalten; die
Auswahl des Zeitpunkts überließ er jedoch Pjöngjang und Seoul.
Im Hinblick auf Bosnien drängten beide Regierungschefs auf die Annahme der Landkarte für die Aufteilung Bosniens, die von der aus fünf Nationen
bestehenden Kontaktgruppe entworfen wurde. Dem
Präsidenten zufolge muß dem Frieden eine Chance
gegeben werden. "Wir sollten gemeinsam mit
unseren Verbündeten in Europa an der Lösung
dieses Problems arbeiten, und wir stehen kurz
davor."
Ein hochrangiger Regierungsvertreter teilte vor
Journalisten mit, der Präsident habe sich bei seinen
Geprächen mit Kohl und Bundespräsident Herzog
auf die europäische Integration und Osteuropafragen
konzentriert. Insbesondere Herzog befragte den
Präsidenten zu seiner Reise nach Lettland und
Polen, was zeigt, welche Bedeutung Bonn trotz der
historischen Schwierigkeiten der Aufrechterhaltung
guter Beziehungen zu Warschau beimißt.
Bei einem Treffen mit Bundeskanzler Kohl - das nur
eines von mehreren im Verlauf von zwei Tagen war,
einschließlich eines Abendessens im Privathaus des
Bundeskanzlers - sprachen die beiden Politiker 45
Minuten lang unter vier Augen, bevor sie ihre Berater hinzuzogen. In ihren Gesprächen ging es einem
Regierungsvertreter zufolge um die wirtschaftliche
Situation in Europa. Kohl und Clinton stimmten
überein, "daß sich die Lage in Europa verbessert hat
und sich Trends umkehren". Sie erörterten die
Auswirkungen der deutschen Vereinigung, und der
Bundeskanzler wies auf die mit dieser Erfahrung
einhergehenden Schwierigkeiten hin. Auch in diesem
Bereich gehe es wieder bergauf.
Ferner wurden der Abzug der russischen Streitkräfte
aus den baltischen Staaten angesprochen und die in
Neapel erzielten Fortschritte anerkannt, wo Clinton
neue Ideen des estnischen Präsidenten Lennart Meri
an den russischen Präsidenten Jelzin übermittelte.

Einige Fragen seien noch nicht gelöst, und somit
steht in Zweifel, ob die Russen ihrer Verpflichtung
nachkommen werden, ihre Truppen bis zum 31.
August abzuziehen. Clinton erhielt in Neapel von
Jelzin das persönliche Versprechen, mit Meri über die
Rechte pensionierter russischer Offiziere sowie die
Beseitigung nuklearer Altlasten auf einem sowjetischen Ausbildungsstützpunkt zu sprechen.
Bundeskanzler Kohl betonte Präsident Clinton gegenüberdie Entschlossenheit der Bonner Regierung, "die
(neuen) Demokratien in die Europäische Union zu
bringen". Clinton äußerte, er sei sich der Deutschland konfrontierenden Schwierigkeiten durchaus
bewußt.
Die Staatsmänner sprachen die Partnerschaft für den
Frieden und die zukünftige Erweiterung der NATO an
und einigten sich auf "zunehmend enge Kontakte,
während sich die Partnerschaft entwickelt und wir der
endgültigen Erweiterung der NATO entgegensehen".
Anschließend traf der Präsident einzeln mit SPDKanzlerkandidat Rudolf Scharping sowie dem FDPVorsitzenden und Außenminister Klaus Kinkel zusammen.
Auf dem Weg nach Bonn sprach der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Mark Gearan, an
Bord des Flugzeugs des Präsidenten, Air Force One,
die Reaktion des Präsidenten auf Kritik an seiner
Beileidsbekundung für das nordkoreanische Volk aus
Anlaß des Todes von Kim II Sung an. Gearan wies
auf die von beiden Nationen geleistete Arbeit hin, die
zu einem Einfrieren der wichtigsten Elemente von
Pjöngjangs Nuklearprogramm geführt hatte, sowie auf
die Einigung auf hochrangige Gespräche in Genf und
die Anberaumung eines Gipfels zwischen nord- und
südkoreanischen Politikern für Ende dieses Monats.
Ein hochrangiger Regierungsvertreter teilte einer
Gruppe von Reportern an Bord der Air Force One
mit, der amerikanischen Delegation in Genf sei
offiziell mitgeteilt worden, Nordkorea wolle die Gespräche nach der Beerdigung Kims wiederaufnehmen.
Der Regierungsvertreter zog daraus die
Schlußfolgerung, Pjöngjang habe die politische
Entscheidung getroffen, seine vorherige Politik
fortzusetzen. Ihm zufolge hat der Präsident noch
nicht entschieden, ob er an der im Dezember in
Budapest anberaumten KSZE-Gipfelkonferenz der
Regierungschefs teilnehmen wird.

*

Seite 2

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AMERIKA DIENST 27

�G-7
13. Juli 1994

SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN PRIORITÄT
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Rede von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht Präsident Clintons ist die Schaffung von Arbeitsplätzen bei dem
bevorstehenden Gipfel der sieben führenden Industrienationen (G-7) die wichtigste Frage.
Vor der Abreise zu dem vom 8. bis 10. Juli 1994 anberaumten Weltwirtschaftsgipfel in Neapel nannte Präsident
Clinton weitere anzusprechende Themen:
Die Notwendigkeit einer neuen globalen Hochtechnologie-Informationsinfrastruktur,
die explosiven Themen Weltbevölkerung .und Umweltkrise,
fortgesetzte Bestrebungen zur Unterstützung Rußlands und der anderen neuen Demokratien beim
Übergang von Kommando- zu freien Marktwirtschaften.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Mein Dank gilt Minister Brown, Botschafter Kantor,
Minister Reich, dem Stellvertretenden Außenminister
Talbott, dem nationalen Sicherheitsberater Lake,
dem nationalen Wirtschaftsberater Bob Rubin,
meinem Sonderberater für öffentliche Angelegenheiten Alexis Herman und vielen anderen, die harte
Arbeit geleistet haben, um diese bevorstehende
Reise zu einem Erfolg werden zu lassen.
Ferner möchte ich die heute anwesenden Mitglieder
des diplomatischen Corps würdigen, sowie die
Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der
Regierung und akademischen Welt - viele Gesichter,
die im nationalen Interesse die Förderung unserer
internationalen Wirtschaftspolitik anstreben.
Es ist angemessen, daß wir uns kurz vor meiner
Abreise zum G-7-Gipfel sowie meinen Besuchen in
Lettland, Polen und Deutschland hier versammeln,
denn vor einem Jahr unterzeichnete ich an diesem
Ort das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(NAFTA). Angesichts der Umstände, unter denen es
debattiert wurde, war das NAFTA mehr als eine
Handelsvereinbarung - es war ein entscheidender
Moment in der modernen Geschichte. Seine Ratifi-

AMERIKA DIENST 27

zierung erfolgte erst nach einer Grundsatzdebatte von
großer Tragweite über die Frage, wie die Vereinigten
Staaten das Zeitalter nach dem Kalten Krieg beginnen sollten.
Sollten wir uns zurückziehen, abwenden und schließlich ein - meiner Ansicht nach - langsames und
stetiges Absinken unseres Lebensstandards hinnehmen oder würden wir statt dessen einen anderen
Weg einschlagen? Würden wir dort, wo die alten
Mauern gefallen waren, neue Mauern bauen oder
begeistert die Herausforderungen einer neuen, im
schnellen Wandel begriffenen Wirtschaft begrüßen?
Unsere Abstimmung über das NAFTA war eine
Antwort auf diese Frage. Wir beschlossen, uns der
Welt zu öffnen. Jetzt ist es an uns, die Welt zu
gestalten, in der wir leben möchten.
Dieser Zeitpunkt in der Geschichte erfordert, daß wir
die rasende, sogar verwirrende Geschwindigkeit des
wirtschaftlichen Wandels meistern und sicherstellen,
daß unser Volk über das Selbstvertrauen und die
Fähigkeiten verfügt, die Früchte einer wachsenden
Weltwirtschaft zu ernten. Das ist das Ziel meiner

Seite 1

�Präsidentschaft.
Und meine heute beginnende
Mission in Europa ist einfach: Arbeitsplätze und eine
Welt des Wohlstands zu schaffen.
Wir befinden uns inmitten einer seltenen Zeit der
Chancen. Wenn unser Volk das Vertrauen, die
Vision und die Klugheit an den Tag legt, diese
Chancen zu ergreifen, können wir eine Zeit der
Erneuerung für Amerika und die übrige Welt gestalten.
Beim G-7-Treffen in Neapel und meinen Besuchen
in Lettland, Polen und Deutschland werden wir nach
Möglichkeiten suchen, Arbeitsplätze zu schaffen und
unsere Arbeitnehmer besser auf sie vorzubereiten,
die Infrastruktur für eine neue Weltwirtschaft zu
schaffen, alle Nationen der Welt einer umweltverträglichen Entwicklung zu verpflichten sowie die
wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische
Integration der neuen Demokratien in die Familie
freier Nationen fortsetzen.
Selbst während wir uns hier treffen und Ansprachen
halten, sind mächtige Kräfte am Werk, die die Welt
erschüttern und umgestalten. Das ist die zentrale
Tatsache unserer Zeit. Es ist an uns, diese Kräfte
zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren,
so daß jeder Mann und jede Frau innerhalb unserer
Reichweite, jeder Junge und jedes Mädchen seine
gottgegebenen Fähigkeiten voll entfalten kann.
Eine globale Wirtschaft, ständige Erneuerung,
sofortige Kommunikation durchziehen unsere Welt
wie ein neuer Fluß und stellen für alle an seinem
Ufer Lebenden gleichzeitig eine Quelle der Kraft und
der Störung dar. Der Kalte Krieg hat eindeutig in
Mittel- und Osteuropa zu einer neuen Geburt der
Freiheit geführt.
Und diese beinhaltet enorme
Chancen.
Die Bürgerkämpfen gegen wechselnde Strömungen,
werden aus ihrer Verankerung losgerissen - und
sehen sich stagnierenden Einkommen, verschlechterten Aussichten auf einen Arbeitsplatz und sozialen
Problemen schwindelerregenden Ausmaßes gegenüber. Andauernde Arbeitslosigkeit ist besonders in
Europa weit verbreitet. Und hier in den Vereinigten
Staaten stagnieren unsere Einkommen noch weitgehend, obwohl wir ein Wirtschaftswachstum zu
verzeichnen haben.
In den Vereinigten Staaten bereiten wir uns auf
diese neue Welt vor, indem wir unseren Haushalt in
Ordnung bringen, unser Defizit drastisch reduzieren
und uns energisch um verbesserten Zugang zu
ausländischen Märkten bemühen.
Wir helfen
unserer arbeitenden Bevölkerung, sich an die
Weltwirtschaft anzupassen und zu prosperieren,

Seite 2

indem wir ein Erziehungssystem von Weltklasse
schaffen, ein besseres System für den Übergang von
der Schule ins Arbeitsleben für die jungen Leute, die
nicht aufs College gehen wollen, größereChancen für
die Collegebesucher und schließlich ein System
lebenslangen Lernens und der Wiederbeschäftigung
für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Und wir müssen auch auf die Bereitstellung einer
Gesundheitsfürsorge für sie hinarbeiten.
Vom ersten Vorschultag bis zum letzten Tag vor der
Pensionierung wird jeder Amerikaner lernen müssen.
Und diese Lektion muß jedem Amerikaner gelehrt
werden - vom ersten Vorschultag über den ersten
Arbeitstag bis zum letzten Tag vor der Pensionierung.
Lebenslanges Lernen ist keine Option. Somit sind
wir verantwortlich dafür, jeden Amerikaner so vorzubereiten, daß er ungeachtet der jeweiligen Wirtschaftslage das Beste aus allem machen kann.
Selbst während wir die Saat der Erneuerung säen,
müssen wir erkennen, daß die Ereignisse auf der
Welt einen Einfluß auf uns zu Hause haben.
Wir benötigen weltweites Wirtschaftswachstum, denn
wenn die Weltmärkte wachsen, schnellen unsere
Exporte in die Höhe, was höherbezahlte Arbeitsplätze
in Amerika bedeutet. Wenn die Arbeitnehmer in
anderen Staaten den Protektionismus befürworten,
bedeutet das einen Wettlauf, bei dem wir alle verlieren werden. Wenn die Nationen Mittel- und
Osteuropas in Chaos oder Autoritarismus zurückfallen, werden legitime Sicherheitserfordernisse einen
noch größeren Teil unseres künftigen Etats beanspruchen.
Unsere Herausforderung ist die Herausforderung aller
entwickelten Nationen. Wir können nur wirksam
handeln, wenn wir gemeinsam vorgehen. Wir begannen damit vor einem Jahr in Tokio beim ersten
G-7-Gipfel meiner Präsidentschaft. Jahrelang unternahm die Gruppe der Sieben weniger, als in ihrer
Macht stand, im vergangenen Jahr jedoch lösten wir
ein Jahrzehnt des Dahintreibens durch eine wirkliche
Verpflichtung zum Handeln ab. Wir brachten die seit
Jahren festgefahrenen Welthandelsgespräche zu
einem Abschluß. Und mit unserer Hilfe kommt die
einst lahmgelegte russische Wirtschaft wieder auf die
Füße. Wir haben alle gezeigt, daß durch die Stück
für Stück und Jahr um Jahr bei diesen G-7-Gipfeln
getroffenen Entscheidungen wirklich etwas bewirkt
werden kann.
Ein Jahrzehnt lang hat unser außer Kontrolle geratenes Haushaltsdefizit uns der Fähigkeit beraubt,
unsere Partner zum Handeln zu drängen. Vielmehr
haben uns jedes Jahr bei diesen Zusammenkünften
unsere Freunde und Verbündeten zum Abbau des
Defizits gedrängt und behauptet, sie könnten unseren

AMERIKA DIENST 27

�Vorschlägen zur Förderung des weltweiten Wirtschaftswachstums kein Gehör schenken. Jetzt
haben wir nicht länger das größte Defizit innerhalb
der G-7, sondern eines der geringsten.
Durch den umfassendsten Abbau des Haushaltsdefizits in unserer Geschichte, einschließlich einer
Ausgabenkürzung in Höhe von 255 Milliarden Dollar,
verfügen wir jetzt über das Ansehen und die Glaubwürdigkeit, zu sprechen und gehört zu werden. Wir
stehen kurz vor der Verabschiedung eines neuen
Haushalts, der - das darf ich vielleicht hinzufügen neue Ausgabenkürzungen enthält, einschließlich
einer ersten Reduzierung der gesamten inländischen
Ausgaben zur freien Verfügung in 25 Jahren, durch
die wir erstmals seit der Amtszeit Harry Trumans als
Präsident der Vereinigten Staaten einen dreijährigen
Defizitabbau in Folge haben.
Jetzt müssen wir diese neugewonnene Stärke dazu
einsetzen, den Bürgern unserer Nation und aller
anderen Nationen das erforderliche Selbstvertrauen
zu geben, um in unsicheren Zeiten prosperieren zu
können. Wir müssen vom Krisenmanagement zur
Wohlstandsplanung übergehen. Mit anderen Worten
müssen wir die Grundlage für die Wirtschaft des 21.
Jahrhunderts legen, in der Wandel an der Tagesordnung ist und die entscheidende Frage lauten wird,
ob der Wandel unser Freund oder unser Feind ist.
Unsere erste Aufgabe ist die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Entwicklung einer hochqualifizierten Arbeitnehmerschaft zu ihrer Besetzung. Das
scheint auf der Hand zu liegen, aber sehr viele
entwickelte Volkswirtschaften der Welt hatten seit
mehreren Jahren keinen Erfolg bei der Schaffung
von Arbeitsplätzen. In Tokio einigten wir uns auf
eine gemeinsame Strategie zur Konjunkturförderung,
und das Wachstum in den G-7-Staaten beträgt im
Vergleich zum Vorjahr heute das Zweieinhalbfache.
Die Vereinigten Staaten haben diese Konjunkturförderung angetrieben. Da 40 Prozent der Jahreseinnahmen der G-7 auf Amerika entfallen, haben wir
drei Viertel des Wachstums und nahezu 100 Prozent
der neuen Arbeitsplätze geschaffen. Unsere Exporte
nehmen schneller zu als die jeder anderen G-7-Nation. Wir werden alles in unserer Macht Stehende
tun, um diese Bilanz durch die Erweiterung des
Handels weiter zu verbessern.
Als wir im letzten Jahr die siebenjährige Pattsituation
beendeten und den Weg zur Unterzeichnung des
größten je in der Uruguay-Runde des GATT abgeschlossenen Handelspakts ebneten, wußten wir, daß
wir auf dem richtigen Weg waren. Jetzt müssen wir
eine Führungsrolle bei seiner Unterzeichnung übernehmen.

AMERIKA DIENST 27

Diese Handelsabkommen sind gut für unser Land. Ich
möchte nur einen Punkt erwähnen, der während der
Debatte von besonderem Belang war. In diesem
Jahr exportieren wir fünfmal mehr Autos nach Mexiko
als vor einem Jahr.
Wenn Sie die Leistungen des NAFTA mit dem
Potential des GATT vergleichen, erhalten Sie ein
Gefühl für die Bedeutung der Ratifizierung hier in den
Vereinigten Staaten und den anderen Ländern.
GATT bedeutet eine Steuersenkung in den nächsten
Jahrzehnten in Höhe von 744 Milliarden Dollar für die
Industrienationen und eine halbe Million neuer
amerikanischer Arbeitsplätze. Der Kongreß muß das
Abkommen in diesem Jahr verabschieden. Und alle
G-7-Nationen müssen guten Glaubens auf seine
Umsetzung hinarbeiten.
Wir wissen jedoch auch, daß wir noch mehr tun
müssen. Bei der Arbeitsplatzkonferenz im März in
Detroit nahmen zum ersten Mal in der Geschichte die
Finanz- und Arbeitsminister dieser Länder ernsthafte
Gespräche über das wirtschaftliche Wohlergehen der
Arbeitnehmer auf. In allen Industrienationen fordert
der neue Konkurrenzdruck durch sich rasch entwikkelnde Nationen höhere Qualifikationen der Erwerbsbevölkerung bei gleichzeitigem Druck auf die Löhne
dieser Arbeitnehmer.
Wir müssen voneinander lernen. Wir können viel von
dem deutschen System für Auszubildende und dem
Gesundheitswesen lernen, von dem französischen
System der Kinderbetreuung, von der Art und Weise,
in der die Norditaliener bei Forschung und Entwicklung sowie der Vermarktung für mittelständischen
Unternehmen zusammenarbeiten. Von jeder Nation
in der G-7 müssen wir etwas lernen. Jede Nation
spricht diese Qualifikationen an.
Ich habe mit den Japanern darüber gesprochen. Ich
habe mit den Briten darüber gesprochen. Ich habe
mit den Kanadiern darüber gesprochen. Ich war
beeindruckt als ich sah, daß der britische Premierminister eine kleine Plastikkarte bei sich trug, auf der
die Ziele für das britische Bildungswesen bis zum
Jahr 2000 standen. Es klang ziemlich ähnlich wie die
Gesetzesvorlage, die ich vor nur wenigen Wochen
unterzeichnet habe.
Wir wissen, daß wir voneinander lernen können. Wir
wissen, daß die Vereinigten Staaten wegen ihrer
anpassungsfähigen Arbeitnehmer mehr Arbeitsplätze
schaffen konnten. Aber wir wissen auch, daß jede
Nation härter arbeiten muß, um noch mehr Arbeitsplätze hervorzubringen und die Einkommen zu
erhöhen.

Seite 3

�In Neapel werden wir mit dieser gemeinsamen
Tagesordnung auf Fortschritte drängen. Und ich
möchte sagen, daß meines Wissens keine Gruppe
moderner Nationen im gesamten Verlauf der
menschlichen Geschichte je versucht hat, gemeinsam an diesen Problemen zu arbeiten - den Problemen des Durchschnittsbürgers, die hinter den
komplexen Statistiken liegen, die wir jeden Tag in
den Zeitungen lesen.
Unser zweites Ziel in Neapel wird der Aufbau einer
neuen Infrastruktur für diese neue Volkswirtschaft
sein. Im 21. Jahrhundert muß es ein Netzwerk
geben, um die Ideen, Informationen und Investitionen der neuen Volkswirtschaft weiterzuleiten. Dies
erfordert neue Technologien und zweifelsohne den
Aufbau des Superinformationsnetzes, von dem
Vizepräsident Gore stets gesprochen hat.
Wir müssen diese Infrastruktur schaffen und sie zur
Verbesserung der Produktivität nutzen, damit wir
generelles Wachstum im Rahmen der Ressourcen
unseres Planeten erweitern können. Wir werden
diese Pläne in Neapel unterbreiten.
Drittens werden wir die explosiven Themen Weltbevölkerung und Umweltkrise erörtern. In den kommenden Jahren werden Wohlstand und Sicherheit
mehr als je zuvor von Fortschritten beim Umweltschutz und umweltverträglicher Entwicklung abhängen. Wir müssen das Bevölkerungswachstum
stabilisieren, weil Armut sowohl die Ursache als auch
die Wirkung der Bevölkerungsexplosion ist. Ansonsten sehen wir uns mit einer immer größeren Verknappung von Nahrungsmitteln zur Ernährung
künftiger Generationen konfrontiert, einer Verschmutzung der Umwelt, die sie benötigen, um in Frieden
zu leben, statt ihr Lager abzubrechen und nationale
Grenzen zu überschreiten, und einer Einschränkung
der Fähigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen für
die Menschen des 21. Jahrhunderts.
Viertens werden wir weiterhin mit Rußland und den
anderen neuen Demokratien bei dem schwierigen
Übergang von Kommando- zu freien Marktwirtschaften, von repressiven Regimen zu offenen Gesellschaften zusammenarbeiten. Bei Gipfel von Tokio
befand Rußland sich in einer ernsthaften wirtschaftlichen Notlage. Wir haben die internationale Staatengemeinschaft zur Bereitstellung von Nothilfe für
die Reformen aufgerufen. 26 Milliarden Dollar der
zugesagten 43 Milliarden wurden bereits zugewiesen. Die russische Regierung verdient enormes Lob
dafür, daß sie den Weg der Reformen weiterverfolgt
hat, insbesondere in den vergangenen Monaten.
Und langsam aber sicher funktionieren die Reformen.

Seite 4

Heute macht das russische Haushaltsdefizit einen
kleineren Prozentsatz der Einnahmen aus als das
Defizit einiger anderer europäischer Länder. Die
monatliche Inflationsrate Rußlands ist auf einstellige
Zahlen gesunken. Und die Hälfte der russischen
Arbeitnehmer ist jetzt im Privatsektor beschäftigt.
Das Leben in Rußland ist immer noch schwierig, aber
die Menschen haben jetzt eine greifbare Hoffnung.
In Neapel wird Präsident Jelzin zum ersten Mal als
gleichwertiger Partner gemeinsam mit uns an der
Erörterung politischer Themen teilnehmen.
Die G-7 wird darauf hinarbeiten, die Volkswirtschaften
Mittel- und Osteuropas mit Handel und langfristigen
Reformen vollständig in die Weltwirtschaft zu integrieren. Wir wollen, daß diese Nationen auf dem Kurs
von Wirtschaftsreformen und Demokratie bleiben,
denn dies ist der einzig richtige Weg zu Wohlstand
und Frieden. Die Aussicht auf Erneuerung wird
jedoch nur bestehen bleiben, wenn Europa ungeteilt
ist und die jungen Demokratien vollständig in die
Sicherheit und Gesellschaft dieses Kontinents integriert sind. Aus diesem Grund haben wir so hart an
der Schaffung der Partnerschaft für den Frieden im
Rahmen der NATO gearbeitet, um friedliche, der
Respektierung der Grenzen des anderen verpflichtete
Nationen von Vancouver bis Wladiwostok zu verbinden. Sie müssen überzeugt sein, daß diese
schwierige Reise es wert ist.
Aus diesem Grund habe ich die große Ehre, bei
meinem Besuch in Riga als erster amerikanischer
Präsident unabhängigen baltischen Boden zu betreten. Ich werde Warschau besuchen, wo ein freies
Volk wieder zu seinem Recht kommt, wo die polnische Wirtschaft jetzt schnellerwächst als jede andere
Volkswirtschaft in Europa, ein Land, das bestrebt ist,
ein gleichwertiger Partner bei unseren Erwägungen
für die Zukunft zu sein.
Ich werde die Reise in Berlin beenden, der Stadt, in
die unsere Präsidenten seit 50 Jahren Wallfahrten
unternehmen, um unser Engagement für die Freiheit
zu verkündigen. Es wird ein Privileg sein, Sie alle als
erster Präsident zu repräsentieren, der diese Stadt
seit jenem glorreichen Tag besucht, an dem sich die
Deutschen vereinigten, um die Berliner Mauer zu
stürzen. Dort werde ich Zeuge eines stolzen Kapitels
unserer eigenen Geschichte, während die letzte
amerikanische Brigade von Berlin nach Hause
abgezogen wird.
Während die letzten Soldaten aus dem Kampf für die
Freiheit zurückkehren, müssen wir uns erneut die
schwerwiegenden Konsequenzen der Tatsache vor
Augen halten, daß Amerika sich nach dem Ersten
Weltkrieg aus der Welt zurückgezogen hat. Diese
Truppen werden Deutschland und Europa verlassen,

AMERIKA DIENST 27

�weil ihre Mission beendet ist, aber ungefähr 100.000
Soldaten werden stationiert bleiben und im Rahmen
der NATO an der Förderung des Friedens und für
den Schutz des Kontinents arbeiten. Und wir
werden durch unser Engagement für Handel und
politische Integration hier vertreten sein.
Vor einem Monat, als ich unsere Nation in Europa
repräsentierte, war es nur eine Reise in die Vergangenheit zu Ehren der Generation, die im Zweiten
Weltkrieg die Freiheit der Welt rettete. Heute abend
kehre ich in einer anderen Mission nach Europa
zurück - um gemeinsam mit anderen an der Erneuerung der Welt zu arbeiten, die uns die Generation
des Zweiten Weltkriegs hinterlassen hat.
Wir sollten uns vor Augen halten, daß große Unsicherheit die Zukunft verdunkelte, als der Zweite
Weltkrieg gewonnen wurde. Europa und Japan
lagen in Schutt und Asche. Die Völker waren
erschöpft. Die Menschen wußten nicht, was sie
erwarten sollten oder was geschehen würde. Aber
aufgrund der Vision der Menschen, die hier in den
Vereinigten Staaten und bei den anderen Verbündeten unsere Vorfahren waren, wurden neue Institutionen gegründet, der nach dem Ersten Weltkrieg
eingeschlagene Weg wurde aufgegeben und statt
dessen sich der Welt mit Optimismus, Hoffnung und
der Entschlossenheit geöffnet, ihr Funktionieren zu

*

AMERIKA DIENST 27

gewährleisten - nicht nur für die Amerikaner, sondern
auch für unsere Freunde und Verbündeten und in der
Tat auch für unsere ehemaligen Gegner. Es ist
dieser Geist, diese Idee, die uns heute beflügeln
muß.
Seit dem letzten Treffen der G-7 hatten wir in den
Vereinigten Staaten ein gutes Jahr, aber wir sind
noch weit von unserem Ziel entfernt. Wir bewegen
uns einfach auf dem Weg, der uns leiten wird. Und
ich möchte, daß Sie alle wissen, solange ich Präsident bin, werde ich mich weiterhin für diese Dinge
einsetzen - eine integrierte und starke Sicherheitspartnerschaft in Europa, die richtige Art von politischer Partnerschaft und die kontinuierliche Erweiterung unserer Wirtschaftsgrenzen. Ich hoffe, Sie
werden diese Richtung auch in Zukunft unterstützen.
Denken Sie an die Welt, in der die Kinder dieses
Landes in 20, 30, 40 Jahren leben sollen. Es liegt in
unserer Macht, sie zu schaffen, aber wir müssen
heute die richtigen Entscheidungen treffen. Diese
Reise ist ein wichtiger Teil dieser Entscheidungsfindung. Ich hoffe, daß Sie mir alles Gute wünschen
und - noch wichtiger - diese Bestrebungen hier zu
Hause und - wenn Sie können - auf der ganzen Welt
unterstützen.
Ich danke Ihnen und Gott schütze Sie.

* * *

*

Seite 5

�EINWANDERUNG
13. Juli 1994

GEBT UNS EURE BESTEN
von Stephen Moore
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die Auswirkungen der Einwanderung
in die Vereinigten Staaten auf das amerikanische Arbeitsleben. Der Verfasser umreißt die Vorteile der
Einwanderung für die Arbeitswelt und die amerikanische Wirtschaft und vertritt die Ansicht, die Wettbewerbsvorteile der Vereinigten Staaten seien eng mit der fortgesetzten Anziehungskraft des Landes auf hochbegabte
Arbeitnehmer aus anderen Staaten verbunden.
Stephen Moore schreibt Artikel für Insight.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Insight, Stephen Moore, 22. November
1993.

Bei vielen Amerikanern beschwört das Wort "Einwanderung" sofort das Bild armer Mexikaner herauf,
die bei San Diego (Kalifornien) illegal über die
Grenze kommen, um Arbeit zu Niedriglöhnen zu
finden und vielleicht staatliche Sozialleistungen zu
erhalten. Jüngste Meinungsumfragen bestätigen,
daß die Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit
gegenüber der Einwanderung äußerst negativ ist.
Die aus Mittelamerika stammenden Einwanderer
stehen in dem Ruf, Sozialleistungen des Staates zu
mißbrauchen und sich hartnäckig zu weigern,
Englisch zu lernen. Haitianer werden für AIDSÜberträger gehalten, russische Juden für Mafiosi und
Asiaten für internationale Terroristen. Die Medien
bekräftigen diese Klischees, indem sie die Öffentlichkeit mit negativen Beschreibungen von Einwanderern bombardieren.
Die Vorstellung von Einwanderern als müden,
armen, zusammengedrängten Massen ist ebenso
dauerhaft in den Köpfen der Öffentlichkeit verhaftet
wie die unwiderruflich in den Sockel der amerikanischen Freiheitsstatue eingravierten Worte. Das
Gedicht von Emma Lazarus beschreibt jedoch nicht
die Hunderttausenden von Menschen, die sich im
Amerika der neunziger Jahre ein neues Leben
aufbauen. Es wäre angemessener, wenn die Worte
auf dem Sockel der Statue lauteten: "Gebt uns Eure
Besten, Eure Intelligentesten, Energischsten und
Talentiertesten!" Warum? Weil das im wesentlichen
die Menschen beschreibt, die jedes Jahr in die
Vereinigten Staaten einwandern.

AMERIKA DIENST 27

Es könnte der Mühe wert sein herauszufinden, wer
diese Neuankömmlinge sind und welche Auswirkungen sie auf das Leben der alteingesessenen Amerikaner haben.
Wer der Ansicht ist, die Einwanderer seien eine
Belastung für die amerikanische Wirtschaft, war noch
nie im Silicon Valley in Kalifornien. Dort und in
anderen Hochtechnologie-Korridoren stellen die
Einwanderer den Lebensnerv der prosperierendsten
Industrien der Nation dar. Auf praktisch jedem
Gebiet, in dem die Vereinigten Staaten in den achtziger Jahren ihre globale Führungsrolle behaupteten beispielsweise bei Computerdesign und -Software,
der pharmazeutischen Industrie, Biotechnologie,
Elektronik, Supraleitern, Robotern und der Luftfahrtindustrie - arbeiten Einwanderer. In vielerlei Hinsicht
sind diese in starkem Wachstum begriffenen Industrien die moderne Version des amerikanischen
Schmelztiegels in Aktion.
Denken Sie an Intel. Mit Gewinnen von 1,1 Milliarden Dollar im Jahr 1992 ist es eines der am schnellsten wachsenden und produktivsten Unternehmen
der Vereinigten Staaten, in dem Zehntausende
amerikanischer Arbeitnehmer beschäftigt sind. Es
entwickelt ständig bahnbrechende Spitzentechnologien, die die Computerindustrie des 21. Jahrhunderts
definieren werden.
Und all das geschieht großenteils mit dem Talent der
neuesten Einwanderer. Drei Mitglieder des oberen
Management von Intel, darunter der aus Ungarn
stammende geschäftsführende Direktor Andrew S.

Seite 1

�Grove, sind Einwanderer. Einige seiner erfolgreichsten und revolutionärsten Computertechnologien
wurden von Einwanderern entworfen, beispielsweise
der von einem Japaner erfundene Mikroprozessor
8080 (ein mit mehr Kapazität ausgestatteter Computerchip) und der von einem Italiener erfundene fast
leistungslos gesteuerte Transistor auf PolySilikonbasis (FET - die grundlegende Speichereinheit eines
modernen Computerchips). Dick Ward, Manager
des Arbeitnehmer-Informationssystems bei Intel,
erklärt: "Unser gesamtes Unternehmen basiert auf
der Erfindung der nächsten Generation von Computertechnologie. Und hier bei Intel stammt ein Großteil dieser Intellienz von den Einwanderern."
Oder betrachten Sie sich DuPont-Merck Pharmaceutical Co., ein Pharmaunternehmen mit Sitz in Wilmington (Delaware) und einem Umsatz von 800
Millionen Dollar, in dem eigenen Berichten zufolge
viele der vielversprechendsten Produktinnovationen
auf Einwanderer zurückgehen.
Beispielsweise
Losartan, ein blutdrucksenkendes Medikament,
wurde von einem Wissenschaftlerteam entwickelt,
dem zwei Chinesen und ein Litauer angehörten.
Joseph Mollica, der geschäftsführende Direktor von
DuPont-Merck stellt fest, die Kombination so unterschiedlicher Talente führe dazu, "daß man die
Probleme und Chancen aus einem etwas anderen
Blickwinkel sieht".
Intel und DuPont-Merck sind nicht die einzigen
Unternehmen, die auf Einwanderer zurückgreifen.
Robert Kelley Jr., Präsident von SO/CAL/TEN, einer
Vereinigung von nahezu 200 Hochtechnologieunternehmen in Kalifornien, vertritt die Ansicht: "Ohne
den Zustrom der Asiaten in den achtziger Jahren
hätte nicht die unternehmerische Explosion stattgefunden, die wir in Kalifornien beobachten konnten." David N.K. Wang, Abteilungsleiter für weltweite
Geschäftsoperationen bei Applied Materials Inc.,
einem Computertechnologieunternehmen in Kalifornien, fügt hinzu, aufgrund der Einwanderung "ist
Silicon Valley eines der internationalsten Geschäftszentren der Welt".
Wenn man die Einwanderer abzieht, beraubt man
diese Zentren der Talente, auf deren Grundlage sie
operieren. Amerikas internationale Wettbewerbsfähigkeit könnte leiden, wenn keine Einwanderer
mehr ins Land kämen.
Neue Forschungsstudien haben den Beitrag der
Einwanderer zur amerikanischen Industrie quantitativ
erfaßt. Der angesehene nationale Forschungsrat
berichtete 1988, "ein großer Teil des technologischen Outputs der Vereinigten Staaten hängt von
ausländischem Talent ab, und diese Abhängigkeit
wächst". Der Bericht stellt fest, daß mehr als die

Seite 2

Hälfte aller an amerikanischen Universitäten promovierenden Forscher und jeder dritte in den Vereinigten Staaten arbeitende Ingenieur zugewandert ist und
betont: "Es ist offensichtlich,... daß diese außerhalb
der Vereinigten Staaten geborenen Ingenieure unsere
Kultur bereichern und substantielle Beiträge zum
wirtschaftlichen Wohlergehen und der Konkurrenzfähigkeit der Vereinigten Staaten leisten."
Der Wettbewerbsvorteil der Vereinigten Staaten ist
eng mit der fortgesetzten Fähigkeit des Landes
verbunden, hochbegabte Arbeitnehmer aus anderen
Ländern anzuziehen und zu behalten. Eine Studie
der nationalen Stiftung für Wissenschaft aus dem
Jahr 1990 besagt: "Äußerst signifikante, positive
Aspekte werden durch die Präsenz von im Ausland
geborenen Ingenieuren in unserer Gesellschaft
vermittelt."
Beispielsweise wurde die Supraleitfähigkeit, eine
Technologie, die im kommenden Jahrhundert zu
Hunderten neuer, entscheidender kommerzieller
Anwendungen führen wird, von Paul C.W. Chu,
einem Physiker an der University of Houston (Texas)
entdeckt. Er ist gebürtiger Chinese und wanderte
1972 in die Vereinigten Staaten ein. Sein brillianter
Verstand und seine Erfindungsgabe machen ihn zu
einem der aussichtsreichsten Kandidaten für den
Nobelpreis. Sollte ihm dieser verliehen werden, wird
Chu der langen Liste von Nobelpreisträgern angehören, die in die Vereinigten Staaten einwanderten. Im
20. Jahrhundert waren zwischen 20 und 50 Prozent
der Nobelpreisträger - abhängig vom jeweiligen
Wissenschaftszweig - Einwanderer. Heute leben
mehr russische Nobelpreisträger in den Vereinigten
Staaten als in Rußland.
Meinungsumfragen belegen beständig die Befürchtung, Einwanderer würden den amerikanischen
Arbeitnehmern ihren Arbeitsplatz wegnehmen. Diese
Angst ist verständlich, aber unbegründet. Die Einwanderer besetzen nicht nur Arbeitsplätze, sondern
schaffen diese auch. Ein Weg dazu sind Unternehmensgründungen. Heute sind viele Einwanderer,
selbst die mit relativ niedrigen Qualifikationen, als
Unternehmer tätig.
Nehmen Sie beispielsweise die Koreaner.
Den
Soziologen Alendro Portes und Rüben Rumbaut
zufolge gibt es "in Los Angeles dreimal soviel beruflich selbständige Koreaner wie unter der Gesamtbevölkerung. Lebensmittelgeschäfte, Restaurants,
Tankstellen, Spirituosenläden und Immobilienbüros
sind typisch koreanische Unternehmen."
Auch die Kubaner sind erfinderisch bei der Eröffnung
neuer Geschäfte. Die Anzahl kubanischer Unternehmen in Miami (Florida) hat sich von 919 im Jahr

AMERIKA DIENST 27

�1967 auf 8.000 im Jahr 1976 und 28.000 im Jahr
1990 erhöht.
Auf dem Jefferson Boulevard in Dallas (Texas) sind
über 800 Geschäfte angesiedelt, von denen drei
Viertel hispanischen Einwanderern der ersten oder
zweiten Generation gehören. Noch vor zehn Jahren,
vor dem Zustrom der Mexikaner und anderen Einwanderer aus Mittelamerika war die Nachbarschaft
im Verfall begriffen, und viele leere Läden hatten
Schilder "zu verkaufen" im Schaufenster. Heute ist
es eine blühende ethnische Nachbarschaft.

Überraschenderweise sind selbst die illegalen Einwanderer nicht die ärmsten und am wenigsten
qualifizierten aus ihrem Heimatland. Statistiken über
illegale Einwanderer aus Mexiko zeigen, daß nur rund
fünf Prozent in Mexiko arbeitslos waren, wohingegen
die durchschnittliche Arbeitslosenquote in diesem
Land ungefähr dreimal höher war, und ein relativ
hoher Prozentsatz dieser Einwanderer in Mexiko als
Angestellte tätig gewesen waren. Darüber hinaus
ergab sich in diesen Studien, daß etwa zehn Prozent
der illegalen Einwanderer aus Mexiko Analphabeten
sind, in Mexiko selbst jedoch 22 Prozent.

Es überrascht nicht allzusehr, daß Einwanderer sehr
viel eher als der Durchschnittsamerikaner das
unternehmerische Risiko eingehen.
Schließlich
erfordern die Entwurzelung, der Aufbruch in eine

Der vielleicht größte Aktivposten der Einwanderer
sind ihre Kinder, die in den Vereinigten Staaten im
allgemeinen bemerkenswert erfolgreich sind. Vor
kurzem berichtete Boston, daß unglaublicherweise 13
von insgesamt 17 Absolventen der weiterführenden
Schulen der Stadt im Ausland geboren waren - in
China, Vietnam, Portugal, El Salvador, Frankreich,
Italien, Jamaica und der ehemaligen Tschechoslowakei. Viele sprachen bei ihrer Ankunft kein Wort
Englisch. Öffentliche High Schools in Washington,
Chicago und Los Angeles verweisen ebenfalls auf die
bemerkenswert überproportionale Zahl von Eingewanderten unter den Spitzenschülern. Entsprechend
berichtet Westinghouse, daß in den vergangenen 12
Jahren ungefähr ein Drittel der Gewinner der renommierten nationalen wissenschaftlichen Talentsuche
Asiaten waren. Aus dieser Gruppe könnte der

fremde Kultur und der Erfolg mehr als das normale

nächste Albert Einstein Amerikas hervorgehen, der

Maß an Mut, Ehrgeiz, Eigeninitiative und selbst
Tapferkeit. In der Tat ist es zum Teil der Selbstauswahlprozeß, der Einwanderer so besonders bevorzugt macht. Einwanderer sind nicht nur Menschen sie sind eine besondere Gruppe von Menschen.
Durch ihre Einreise vermitteln sie dem Rest von uns
produktive Energien.

selbst ein Einwanderer war.

Natürlich werden nur wenige Geschäfte von Einwanderern zu Unternehmen wie Intel. In der Tat
scheitern die meisten völlig. Wie die Mehrzahl der
neuen Unternehmen in Amerika sind die der Einwanderer vorwiegend klein und nicht unbedingt
profitabel. In dem Unternehmen eines Einwanderers
sind durchschnittlich zwei bis vier Angestellte beschäftigt und der Jahresumsatz beträgt ungefähr
200.000 Dollar. Solche mittelständischen Unternehmen sind jedoch eine maßgebliche Quelle für
Arbeitsplätze, wie Präsident Clinton immer wieder zu
Recht betont.

Das ist nicht nur Romantizismus, sondern tatsächlich
gut fundiert. Zahllose Studien haben belegt, daß
Einwanderer in die Vereinigten Staaten für gewöhnlich höher qualifiziert, besser ausgebildet und wohlhabender sind als der Durchschnittsbürger ihres
Heimatlandes.
Thomas Sowell, Wirtschaftswissenschaftler und
Senior Fellow an der Hoover Institution in Stanford
(Kalifornien) berichtet in seiner Seminarstudie über
Einwanderung, Ethnic America, daß schwarze
Einwanderer aus den West Indies über sehr viel
höhere Qualifikationen verfügen als ihre Landsleute
zu Hause. Er gelangt ferner zu der Schlußfolgerung,
daß die Einkommen dieser Einwanderer höher sind
als die von angestammten Bewohnern der West
Indies, schwarzen Amerikanern und gebürtigen
Amerikanern weißer Hautfarbe.

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Ein verdeckter Preis für die Einschränkung der
Einwanderung ist der Verlust der talentierten und
motivierten Kinder von Einwanderern.
Im letzten Jahrhundert haben die Vereinigten Staaten
rund 50 Millionen Einwanderer aufgenommen. Dies
war eine der größten Migrationen in der Weltgeschichte. Trotz dieses Zustroms von Menschen nein, wegen dieses Zustroms - wurden die Vereinigten Staaten Mitte des 20. Jahrhunderts die
wohlhabendste Nation der Welt. Die Reallöhne in
Amerika haben sich in diesem Zeitraum mehr als
verachtfacht. Die amerikanische Wirtschaft beschäftigte im Jahr 1900 weniger als 40 Millionen Menschen, heute sind es nahezu 120 Millionen. Der
amerikanische Arbeitsmarkt hatte in den achtziger
Jahren nicht das geringste Problem zu expandieren
und die acht Millionen legalen Einwanderer aufzunehmen.
18 Millionen Arbeitsplätze wurden
geschaffen.
Aber was ist mit diesen erschreckenden Schlagzeilen? "Einwanderung führt zum Bankrott der Nation."
"Einwanderer verdrängen amerikanische Arbeitneh-

Seite 3

�mer." "Amerikanisches Sozialwesen verlockt Ausländer."
Hier sind die Fakten. Eine 1990 durchgeführte
Umfrage ergab, daß rund sechs Prozent der gebürtigen Amerikaner im Vergleich zu sieben Prozent der
im Ausland geborenen auf öffentliche Unterstützung
angewiesen sind und weniger als fünf Prozent der
illegalen Einwanderer Sozialhilfe erhalten. Da die
Einwanderer für gewöhnlich in die Vereinigten Staaten kommen, wenn sie jung sind und arbeiten,
zahlen sie dem Wirtschaftswissenschaftler Julian
Simon von der University of Maryland zufolge im
Laufe ihres Lebens durchschnittlich rund 20.000
Dollar mehr an Steuern als sie an Dienstleistungen
in Anspruch nehmen. Angesichts von einer Million
Einwanderern pro Jahr erhält der Staat ungefähr 20
Milliarden Dollar. Statt einer finanziellen Last sind
Einwanderer vielmehr ein riesiger Profit.
Einwanderer schädigen auch nicht den amerikanischen Arbeitsmarkt. Eine vom Arbeitsministerium
1989 durchgeführte umfassende Studie gelangte zu

folgendem Schluß: "Weder amerikanische Arbeitnehmer noch die meisten einer Minorität angehörigen
Arbeitnehmer scheinen durch Einwanderung negativ
betroffen zu sein - insbesondere während der Perioden wirtschaftlicher Expansion." In den achtziger
Jahren verzeichneten die führenden, Einwanderer
aufnehmenden Bundesstaaten - darunter Kalifornien,
Florida, Massachusetts und Texas - der Alexis de
Tocqueville Institution in Arlington (Virginia) zufolge
Arbeitslosenzahlen, die zwei Prozentpunkte unter
dem amerikanischen Durchschnitt lagen.
Kurz vor seinem Tod schrieb Winston Churchill: "Die
Imperien der Zukunft sind die Imperien des Geistes."
Amerika ist mit einer der größten Chancen in der
Weltgeschichte konfrontiert, diese Imperien aufzubauen, indem hochqualifizierte, gut ausgebildete
und von Unternehmergeist beseelte Menschen aus
der ganzen Welt angezogen werden. Mit der Verfolgung einer liberalen und strategischen Einwanderungspolitik können die Vereinigten Staaten sicherstellen, daß das 21. Jahrhundert ebenso wie das 20.
das Amerikanische Jahrhundert wird.

* * * * *

Seite 4

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