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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

29. Juni 1994

25

4. JULI

CLINTON: AMERIKANISCHE IDEALE SIND
GLOBALE NORMEN FÜR STAATSBÜRGERSCHAFT
Erklärung des Präsidenten zum
Unabhängigkeitstag

DER GLORREICHE VIERTE:
DIE FEIERN ZU AMERIKAS GEBURTSTAG
von Peggy Robbins

WASHINGTON PLANT
MONUMENTALE
FEIERLICHKEITEN ZUM UNABHÄNGIGKEITSTAG
Paraden, Musik, Feuerwerk und Volksfest in der
Bundeshauptstadt

PORTRAT

CLINTON BENENNT HOLBROOKE
ABTEILUNGSLEITER FÜR EUROPA
Ankündigung des Weißen Hauses

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN

RUSSLAND TRITT DEM NATO-PROGRAMM
PARTNERSCHAFT FÜR DEN FRIEDEN BEI

ZUM

Rede von Außenminister Christopher beim
NATO-Rat

USA-RUSSLAND

AMERIKANISCH-RUSSISCHE
NUKLEARSTRATEGIE UND SICHERHEITSINITIATIVEN
Pressemitteilung des Weißen Hauses

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�G-7

JELZIN "GLEICHBERECHTIGTER TEILNEHMER" BEI EINIGEN G-7-GESPRÄCHEN
Hintergrundinformation zum Weltwirtschaftsgipfel

KULTUR

EIN HERRLICHER LEBENSSTIL
Von Ricardo Sandoval

�4. J U L I
29. Juni 1994

CLINTON: AMERIKANISCHE IDEALE SIND
GLOBALE NORMEN FÜR STAATSBÜRGERSCHAFT
Erklärung des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Die "mächtigen Ideale", für die die Gründerväter Amerikas kämpften, sind Präsident
Clinton zufolge "weltweit zu Normen der Staatsbürgerschaft geworden".
In seiner Erklärung zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli stellte der Präsident fest, "wir verteidigen heute
vehement den einstmals radikalen Gedanken, daß jeder einzelne Rechte besitzt, zu deren Respektierung und
Garantie unsere Regierung verpflichtet ist".
Nachfolgend drucken wir den vom Weißen Haus veröffentlichten Text der Erklärung des Präsidenten.

Während wir den 4. Juli feiern - einen denkwürdigen
und großartigen Tag in der Geschichte unseres
Landes - danken wir für die Freiheiten, für deren
Gewährleistung unsere mutigen Gründerväter
kämpften. Indem sie die amerikanischen Kolonien
als unabhängig und frei erklärten, riskierten diese
tapferen Patrioten all ihr Hab und Gut, um für ihre
Kinder und Kindeskinder eine bessere Zukunft
sicherzustellen. Wir verteidigen heute vehement den
einstmals radikalen Gedanken, daß jeder einzelne
Rechte besitzt, zu deren Respektierung und Garantie
unsere Regierung verpflichtet ist. Die mächtigen
Ideale, für die die Gründerväter Amerikas kämpften,
sind weltweit zu Normen der Staatsbürgerschaft
geworden.

ihres Vermächtnisses dürfen wir nicht weniger tun.
Wenn wir uns ihrer wirklich würdig erweisen wollen,
müssen wir uns der Nutzung unserer wertvollen
Freiheiten mit erneuter Verantwortung widmen. Wir
müssen zusammenarbeiten, um unsere Nachbarschaft wiederaufzubauen sowie unsere zerrütteten
Familien und Gemeinden wieder zusammenzuführen.
Wir müssen auf die Beendigung der Gewalt hinarbeiten, die unsere Gesellschaft heimsucht und
unseren Kindern die Chance geben, in einer sicheren
und sie fördernden Umgebung aufzuwachsen. Am
Geburtstag unserer Nation wollen wir uns erneut
verpflichten, dieselben Entscheidungen zu treffen wie
Thomas Jefferson und seine Landsleute vor so vielen
Jahren - mit hoffnungsvollem Blick auf die Zukunft.

Die Gründer unseres Landes haben sich der Schaffung einer besseren Zukunft verschrieben. Als Erbe

Mit den besten Wünschen für einen wunderschönen
Feiertag.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�4. J U L I
29. Juni 1994

DER GLORREICHE VIERTE:
DIE FEIERN ZU AMERIKAS GEBURTSTAG
von Peggy Robbins
Seit der ersten spontanen Feier im Jahr 1777, dem 1. Jahrestag der nationalen Unabhängigkeit, haben die
Amerikaner den "glorreichen Vierten" gefeiert. Der nachfolgende Artikel erzählt die Geschichte und
Entwicklung der Feierlichkeiten.
Die Autorin schreibt seit mehr als 30 Jahren über das kulturelle und militärische Erbe der Vereinigten Staaten.
Sie lebt in Gulfport (Mississippi). Der Artikel erschien in der Ausgabe vom Juli 1992. Veröffentlichung und
Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The World &amp; I, einer Publikation von The Washington Times
Corporation. Copyright (c) 1992.

"Der 2. Juli 1776 wird der denkwürdigste Tag in der
Geschichte Amerikas sein. Ich glaube, daß er von
nachfolgenden Generationen als der größte Jahrestag gefeiert wird. Er sollte als der Tag der Befreiung
mit feierlichen Akten der Verehrung des Allmächtigen Gottes begangen werden. Er sollte mit Pomp
und Paraden, mit Shows, Spielen und Sportveranstaltungen, Kanonenschüssen, Freudenfeuern und
Illumination von einem Ende des Kontinents bis zum
anderen, von jetzt an auf immerdar gefeiert werden."
Dies schrieb John Adams an seine Frau - am
nächsten Tag, dem 3. Juli. Natürlich hatte er
unrecht.
Die amerikanischen Schüler wurden immer gelehrt,
der 4. Juli 1776 - als der Zweite Kontinentalkongreß
bei seiner Zusammenkunft in Philadelphia (Pennsylvania) die Erklärung der Unabhängigkeit von
England verabschiedete - sei Amerikas Geburtstag.
Das scheint die Angelegenheit zu stark zu vereinfachen, denn nur eine Unterschrift wurde an jenem
Tag unter das Dokument gesetzt - die von John
Hancock, dem Präsidenten des Kongresses. Die
Unabhängigkeitserklärung als vollständiges Dokument war nicht das Werk eines Tages.
Die Tätigkeit des Kongresses bezüglich der Unterzeichnung eines Dokuments über die Unabhängigkeit erstreckte sich vom 7. Juni bis zum 2. August.
Am 7. Juni legte Richard Henry Lee, der Vorsitzende
der Delegation aus Virginia im Kongreß, drei Resolutionen vor. Die erste und wichtigste stellte fest, daß
"diese Vereinigten Kolonien freie und unabhängige
Staaten sind und rechtmäßig sein sollten, von
jeglicher Abhängigkeit von der britischen Krone

AMERIKA DIENST 25

entbunden sind, und alle politischen Verbindungen
zwischen ihnen und dem Staat Großbritannien
vollständig aufgelöst sind und sein sollten". John
Adams aus Massachusetts unterstützte Lees Antrag
unverzüglich. Es folgte eine äußerst lebhafte Debatte, denn viele Delegierte hofften immer noch auf eine
friedliche Versöhnung mit dem Mutterland.
Drei Tage später ernannte der Kongreß ein fünfköpfiges Komitee - Thomas Jefferson, John Adams,
Benjamin Franklin, Roger Sherman und Robert
Livingstone - für den Entwurf einer offiziellen Unabhängigkeitserklärung. Jefferson schrieb ein Dokument, und in den folgenden drei Wochen wurde es
zunächst von den Ausschußmitgliedern und dann
vom Kongreß mit geringfügigen Änderungen überarbeitet. Bevor die Mitglieder bis zur Verabschiedung
der Erklärung gelangten, wurde Lees erste Resolution
am 2. Juli kurz erörtert und angenommen. Das war
der Auslöser für Adams aufgeregten Brief an seine
Frau. Lees Resolution wurde nur als Geleitwort für
die Verabschiedung der Erklärung - am Donnerstag,
dem 4. Juli, genommen - als John Hancock sie "auf
Anweisung und im Namen des Kongresses" unterzeichnete. Die ersten Worte des Dokuments lauteten: "Im Kongreß, 4. Juli 1776".
Die Erklärung war noch nicht ausreichend vorbereitet
- "von einem herausragenden Schreiber auf Pergament gebracht" - um unterzeichnet und ein dauerhaftes Dokument zu werden. Erst am 2. August wurde
eine offizielle Kopie von allen anwesenden Mitgliedern des Kongresses unterschrieben. Die Unterschriften der an diesem Tag Abwesenden wurden
später hinzugefügt, die letzte im Jahr 1781. Im

Seite 1

�Januar 1777 wurden allen Bundesstaaten offizielle
Kopien zugestellt. Ein Unterzeichner - Richard
Stockton aus Princeton (New Jersey) verweigerte
seine Unterschrift, weil die Briten gedroht hatten,
sein schönes Haus niederzubrennen.
Philadelphia wartete nur bis zu dem Montag nach
der Unterschrift von John Hancock vom 4. Juli, um
die Verabschiedung der Erklärung zu feiern. Auf
dem State House Yard (der später Unabhängigkeitsplatz genannt wurde) gab es eine Massenzusammenkunft, und die Erklärung wurde von einer sieben
Jahre zuvor von der amerikanischen philosophischen
Gesellschaft errichteten alten Plattform verlesen.
John Adams, der anwesend war, berichtete: "Ein
dreifaches Hoch stieg zum Himmel. Bataillone
paradierten auf dem Platz und schössen ein feu de
joie ab, trotz des knappen Pulvers. Die Glocken
läuteten den ganzen Tag und fast die ganze Nacht.
Selbst die Glocken der Christ Church bimmelten."
(Der Pfarrer der Christ Church war ein überzeugter
Royalist).
Andere zeitgenössische Berichte der Ereignisse an
diesem 8. Juli in Philadelphia unterscheiden sich
leicht von Adams: "Ich war auf dem alten State
House Yard, als die Unabhängigkeitserklärung
verlesen wurde", schreibt ein Bürger, "und stellte
fest, daß sehr wenige respektable Personen anwesend waren." Und eine Dame, die in einem an dem
Platz gelegenen Haus wohnte, schrieb, "das erste
Publikum der Erklärung war weder sehr zahlreich
noch aus der geachtetsten Schicht zusammengesetzt."
Am nächsten Tag, am 9. Juli, wurde die Erklärung
auf Anweisung von George Washington seinen
Kontinentaltruppen im City Hall Park in New York
vorgelesen. Als sich die Nachricht in den anderen
Städten und in den entfernten Gegenden der Kolonien verbreitete, feierten die loyalen Patrioten.
Der Unabhängigkeitstag nimmt Gestalt an
John Adams mag unrecht gehabt haben, als er
erklärte, der 2. Juli würde für immer als Unabhängigkeitstag gefeiert, aber er hatte sicherlich recht mit
der Vorhersage, daß des Geburtstags der Vereinigten Staaten jedes Jahr "mit Pomp und Paraden"
und einer großen Vielfalt von Feierlichkeiten gedacht
würde.
Am ersten Jahrestag 1777 feierten die Städte und
Orte spontan. Überall gab es Paraden - ziemlich
beeindruckende in Philadelphia, Charleston, South
Carolina und Boston (Massachusetts). Die Straßen
wurden geschmückt, Kanonen abgefeuert, Glocken
geläutet, Freudenfeuer abgebrannt und (aus England

Seite 2

importierte) Feuerwerke erhellten den Nachthimmel.
Die Soldaten der Kolonien in Morristown erhielten an
jenem Tag eine Extraration Rum, und den Berichten
zufolge war eine bevorzugte Aktivität in mehreren
Städten, 13 Toasts auf die 13 Staaten auszubringen oder es zumindest zu versuchen. Die gesetzgebende
Versammlung von Massachusetts forderte die Bürger
auf, "alle Vorbereitungen zu treffen, um auf den
Erfolg der Dreizehn Vereinigten Staaten zu trinken".
In Philadelphia mußte eine in Trenton (New Jersey)
gefangengenommene hessische Band in den Straßen
und bei einem von den Honoratioren besuchten
Essen am frühen Nachmittag spielen. John Adams,
der in jener Nacht durch Philadelphia gewandert war
und in den meisten Fenstern erleuchtete Kerzen
gesehen hatte, schrieb an seine junge Tochter: "Es
war die herrlichste Beleuchtung, die ich je gesehen
hatte ... Ich war erstaunt über die generelle Freude
und Heiterkeit angesichts der Dauer, die der Entwurf
benötigt hatte, und seiner dann so plötzlichen Ausführung, über die Pracht und die Herrlichkeit aller
einzelnen Darbietungen des Tages." Adams erzählte
seiner Tochter nicht, daß einige Patrioten Steine in
die nicht erleuchteten Fenster mehrerer Häuser
geworfen hatten, aber einige seiner Zeitgenossen
hielten die Tatsache fest.
Ein Redakteur aus Philadelphia faßte die Feier
zusammen: "So möge der vierte Juli, dieser glorreiche und für immer denkwürdige Tag, in ganz Amerika
von den Söhnen der Freiheit jeglichen Alters bis ans
Ende aller Zeiten gefeiert werden." Das war der
Ursprung dieses noch immer gültigen Begriffs "der
glorreiche Vierte".
Nach der Revolution und der Verabschiedung der
Verfassung weiteten sich die Feiern zum 4. Juli aus.
Viele entlassene Soldaten gingen nach Westen und
erwarben Land in der Nähe kleiner Ansiedlungen,
und sie kamen am Unabhängigkeitstag zusammen,
um ihren Beitrag zum Kampf um die Freiheit Wiederaufleben zu lassen. Im Jahr 1788 inszenierte Philadelphia, damals die Hauptstadt der neuen Nation, die
längste Parade am Unabhängigkeitstag in der Geschichte Amerikas, über die noch jahrzehntelang
gesprochen wurde. Genannt "die große Bundesprozession" war sie nur ein Teil der Feiern, die
sowohl der Unterzeichnung der Deklaration als auch
der Verabschiedung der Verfassung gedachten.
Im Verlauf der Jahre weiteten sich die Feiern zum
glorreichen Vierten auf jeden Bundesstaat und alle
Territorien aus. Bis zum Jahr 1810 wurden in allen
größeren Städten beeindruckende Feierlichkeiten
organisiert. Der vormittags im Old South Meeting
House abgehaltenen offiziellen Feier in Boston in
jenem Jahr ging eine riesige Militärparade vom

AMERIKA DIENST 25

�Parlamentsgebäude durch die Hauptstraßen der
Stadt voraus. Die Ansprache wurde von Bostons
berühmtem Reverend William Ellery Channing
gehalten. Am Nachmittag wurde eine zweite Parade
von der Bunker Hill Association und den Jungen
Republikanern, gefolgt von einem Abendessen für
600 Personen in Faneuil Hall, veranstaltet. Auf dem
Platz wohnten an diesem Abend über 10.000 Menschen einem herrlichen Feuerwerk bei.
Die Feiern zum glorreichen Vierten gestalteten sich
im ganzen Land in etwa gleich - Paraden, Salutschüsse, Bands, Reden, patriotische Lieder, Ballspiele, Essen und Picknicks sowie Feuerwerke aber von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort erfreute
man sich an ungewöhnlichen Darbietungen. In
ländlichen Gebieten waren Wassermelonen- und
Kuchenwettessen, Sackhüpfen und die Jagd auf
eingefettete Schweine populär. In einigen Städten
fuhren Kinder auf geschmückten Fahrrädern und die
Erwachsenen veranstalteten Fahrradwettrennen. In
manchen Gegenden des Westens waren Rodeos die
große Attraktion. In allen Gemeinden wurde es als
große Ehre angesehen, als Hauptredner des Tages
ausgesucht zu werden. In jedem Jahr ließ Daniel
Webster die Arbeit, mit der er gerade in der Bundeshauptstadt Washington beschäftigt war, Arbeit
sein, und machte sich auf den Weg in seine Heimatstadt Salisbury in New Hampshire, um eine zweistündige Rede zu halten.
Die Stadt Lititz im östlichen Pennsylvania entwickelte
eine besonders schöne Art von Feiern anläßlich des
vierten Juli. Jeden Winter gössen die Einwohner
Tausende von Talgkerzen in Blechformen und hoben
sie bis zum kommenden Juli zur Beleuchtung des
Lititz Spring Park am Abend des Vierten im Anschluß an die Babyparade am Nachmittag auf. Bei
dieser Parade fuhren viele, in patriotische Kostüme
gekleidete Kinder in kleinen geschmückten Festwagen um den Park. Als es dunkel wurde, zündeten
die Jungen die Kerzen an, von denen viele den
Kindern auf den Festwagen gegeben wurden, und
bis tief in die Nacht wurden Lieder gesungen, Reden
gehalten und im Park im Kerzenlicht gespielt.
Am 4. Juli 1826, genau 50 Jahre nach der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung, starben
sowohl Thomas Jefferson, der geistige Vater des
Dokuments, als auch John Adams, der Mann, der so
zuversichtlich war, daß es auf immer gefeiert würde.
(Jefferson starb in seiner Heimatstadt Monticello in
Virginia wenige Stunden vor dem Tod von Adams in
Quincy, Massachusetts).
Adams rief kurz vor
seinem Tode angeblich aus: "Thomas Jefferson
überlebt noch!"). Der Tod dieser überlebenden
Unterzeichner, so ein Einwohner von Boston, machte
die patriotischen Feiern gleichzeitig "zu einer Zeit

AMERIKA DIENST 25

des Trauerns und des Feierns. Es war eine merkwürdige, verwirrende Mischung, die uns den ganzen
Sommer beschäftigte."
Die große Hundertjahrfeier
Während der Ausstellung zur Hundertjahrfeier 1876
in Philadelphia wurde für den glorreichen Vierten eine
riesige Geburtstagsparty veranstaltet. Die Ausstellung selbst, die am 20. Mai eröffnet wurde und sechs
Monate lang gezeigt wurde, hat die Rekordbesucherzahl von nahezu 10 Millionen erzielt. Mit ihren
zahlreichen, auf 188 ha im Fairmont Park verteilten
kulturellen und lehrreichen Exponaten erweiterte sie
den Blickwinkel der Amerikaner in vieler Hinsicht.
Landesweit gab es andere große Feiern am 100.
Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, aber die
meisten waren mehr auf Vergnügen als Bildung
ausgerichtet, und manche hatten einzigartige Aspekte. Eine in einer Gegend von Southern California, wo
alle Häuser und Geschäfte mit Grün dekoriert waren,
veranstaltete Parade war angeblich die längste je
abgehaltene.
Im Umzug liefen Veteranen des
Mexikanischen Kriegs, Angehörige vieler Nationalitäten und Mitglieder jeder Organisation in der
Umgebung mit. Auf geschmückten Festwagen saßen
Mädchen, die Freiheit, Frieden, die Columbia und
Reichtum verkörperten.
In Windsor (Connecticut) nahm die Stadt bei einem
großen öffentlichen Treffen einige Tage vor dem 4.
Juli 1876 dankend das Angebot der Einwohner des
"Rainbow and Poquonock Viertels von Windsor" an,
"auf dem Parkgelände an der Broad Street ein
großes Picknick anläßlich der Hundertjahrfeier zu
veranstalten". Eine öffentliche Einladung wurde an
"alle Einwohner von Windsor ausgesprochen, unabhängig von Hautfarbe, Alter, politischer oder
religiöser Überzeugung". Die gastgebenden Bürger
mieteten Zelte und Tische und arrangierten die
Musik, Glockengeläut, Kanonenschüsse und Feuerwerke. Frauen aus vielen Teilen von Windsor halfen
bei der Vorbereitung der Speisen.
Am 3. Juli berichtete eine Zeitung, jeder in Windsor
werde in dieser Nacht für gutes Wetter beten. Am
nächsten Morgen, der mit Salutschüssen auf der
Plymouth Meadow und einstündigem Glockengeläut
begann, ging "die Sonne in einem wolkenlosen
Himmel auf". Das Parkgelände an der Broad Street
und alle umliegenden Gebäude wurden mit Fahnen,
Bannern, Blumen und rot-weiß-blauen Bändern
geschmückt. Die einzelnen "Hauptereignisse" des
Tages variierten von "einer großen Kavalkade von
Phantasiegestalten, die alle Charaktere verkörperten,
erschreckende oder andere, die je existierten oder
existiert haben sollen" bis zu einem Zug riesiger

Seite 3

�dekorierter Wagen - einer groß genug für 66 Passagiere - in denen die Bürger, darunter 50 junge
Frauen, als Vertreter des Bundesstaats und der
Kriegsveteranen saßen. Jeder Veranstaltung ging
eine großenteils gesungene Musikeinlage voraus, in
die das Publikum einstimmte.
Nach dem offiziellen Programm wurde in einem
tausend Personen fassenden Zelt ein riesiges Picknick abgehalten, die übrigen Gäste saßen draußen
im Schatten. Nach dem Essen wurden weitere
Reden gehalten und Musik gespielt. Der Tag endete
natürlich mit einem Feuerwerk, das bis spät in die
Nacht dauerte.
Nach 1776 war das Feuerwerk über ein Jahrhundert
lang das wichtigste Ereignis der Feiern zum glorreichen Vierten. Erst allmählich wurde man sich bewußt, wie viele im Umgang mit Feuerwerkskörpern
unerfahrene Menschen getötet oder verletzt und wie
viele Brände ausgelöst wurden. Der Ruf nach
"einem sicheren und vernünftigen Vierten" erhielt
jedoch nicht viel Beachtung, bis die Chicago Tribüne Statistiken erstellte und eine sicherere Art des
Feierns forderte. Es dauerte einige Jahre, bis die

Seite 4

Kampagne Wirkung zeitigte, aber sie hatte Erfolg.
Die Todesfälle aufgrund von Feuerwerkskörpern
nahmen von 466 im Jahr 1903 auf 215 im Jahr 1909
ab. In gleichen Zeitraum wurden jedoch fast 5.000
Personen durch Feuerwerkskörper verletzt - die
Mehrzahl durch riesige Kracher. Springfield in
Massachusetts verbot 1903 den Verkauf von Feuerwerkskörpern völlig, mit der Folge, daß es am Vierten
keinerlei Todesfälle, Verletzte und Feuer gab. Viele
Bundesstaaten und die meisten Gemeinden verboten
im Laufe der Zeit den freien Verkauf von Feuerwerkskörpem und ersetzten ihn durch ein von Organisationen vor Ort und erfahrenen Personen gehandhabtes
geplantes Angebot.
Einige altmodische Bürger beschwerten sich und
sagten, sie sehnten sich nach dem "alten, ungehemmten, 24stündigen Lärm und Feuerwerk" zurück,
aber niemand schenkte ihnen Beachtung. Dank der
Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung hatten
die Amerikaner das Recht zur Beschwerde, und ihre
Mitbürger das Recht, diese Beschwerden zu ignorieren, wenn sie dies als richtig erachteten. Herzlichen
Glückwunsch zum Geburtstag, Amerika!

AMERIKA DIENST 25

�4. J U L I
29. Juni 1994

WASHINGTON PLANT MONUMENTALE FEIERLICHKEITEN ZUM UNABHÄNGIGKEITSTAG
Paraden, Musik, Feuerwerk und Volksfest in der Bundeshauptstadt
WASHINGTON - (AD) - Am 4. Juli jedes Jahres
feiern die Amerikaner auf verschiedene Art und
Weise die Erklärung der Unabhängigkeit Amerikas
von Großbritannien vor über 200 Jahren.
Am 4. Juli 1776 unterzeichnete John Hancock, einer
der Gründerväter der Nation, im Namen des Kongresses der Vereinigten Staaten in Philadelphia die
Unabhängigkeitserklärung.
Zu den landesweiten Feierlichkeiten aus Anlaß des
4. Juli gehören im allgemeinen Paraden, Salutschüsse, Konzerte, Ansprachen, patriotische Lieder,
Ballspiele, Abendessen, Picknicks und Feuerwerk.
In Washington wird der Unabhängigkeitstag jedoch wie es der Hauptstadt gebührt - auf monumentale
Weise gefeiert.
Zunächst findet die Constitution Avenue entlang die
traditionelle Parade statt. In diesem Jahr wird zum
zweiten Mal hintereinander ein "American Roots 4th
of July"-Konzert am Fuß des Washington Monument
stattfinden, das am frühen Nachmittag beginnt und
bis Anbruch der Dunkelheit andauert.
Auf dem Konzert tritt die Bluessängerin Etta James
mit ihrer achtköpfigen Band auf. Ferner nehmen
Gruppen teil, die New Orleans Jazz, schnellen
Bluegrass, alte Country-music, beliebten irischen
Step-Tanz, pulsierende Cajun-Twosteps und Walzer,
patriotische Rhythmen, heiße puertoricanische
Gitarren- und kolumbianische Akkordeonmusik,
weichen Country-Blues, mitreißendes amerikanisches Schlagzeug und Songs spielen.

kulisse diverser musikalischer Klassiker der Vereinigten Staaten begleitet. Sie reichen von Aaron
Coplands "Fanfare for the Common Man", das vom
St. Louis Symphony aufgeführt wird, bis zu Ray
Charles' ergreifender Version von "America the
Beautiful". Ferner spielen Los Lobos, Chick Berry,
New Orleans Jazz "und ein paar Überraschungsbands", so Spitzer.
Auf der National Mall - der langen Parkfläche zwischen dem Washington Monument und dem Kapitol findet an diesem Tag zur gleichen Zeit das Festival of
American Folklife statt. Seit 1967 wurde es fast an
jedem 4. Juli abgehalten, und seitdem haben Tausende von Musikern, Tänzern, Kunsthandwerkern,
Geschichtenerzählern, Köchen und anderen Vertretern traditioneller Kultur daran teilgenommen.
"Sie sangen und woben, kochten und tanzten,
spannen und stickten einen Teppich kultureller Vielfalt
und demonstrierten gekonnt ihren unschätzbaren
Wert", äußerte Richard Kurin, Direktor des Zentrums
für Folkloristik und Kulturstudien der Smithsonian
Institution.
Ziel dieses Festivals ist es, den Reichtum und die
Vielfalt folkloristischer Kultur in den Vereinigten
Staaten und auf der ganzen Welt zu erhalten und zu
feiern", erklärt er. "Die Aufführungen und Demonstrationen haben Millionen Menschen eine größere
Welt vor Augen geführt. Und der Erfolg der Veranstaltungen hat die Aktionen, Maßnahmen und
Gesetze ermutigt, die das Recht der Menschen auf
Kultur fördern."

"Meiner Ansicht nach ist es am Unabhängigkeitstag
am patriotischsten, wenn man die Vielfalt unseres
Volkes demonstriert", so Folklorist Nick Spitzer, der
künstlerische Direktor des Konzerts.

Dieses Jahr sind auf dem Festival wieder die ehemaligen Teilnehmer aus den gesamten Vereinigten
Staaten vertreten, denen von der National Endowment for the Arts der National Heritage Fellowship Award verliehen wurde.

Nach Anbruch der Dunkelheit findet ein Feuerwerk
statt. Diese großartige Show wird der Nation im
Fernsehen live übertragen. In diesem Jahr wird das
Feuerwerk von der von Spitzer ausgewählten Klang-

Diese geschickten Kunsthandwerker repräsentieren
eine Vielfalt von Traditionen, einschließlich indianischer Musik für Zupfinstrumente, Piedmont-Blues,
Mariachi und Conjunto-Musik, hawaiischem Hula,

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�Stücken für Fidel aus Cape Breton, irisch-amerikanischer Flötenmusik, Tänzen und Musik aus Süditalien
sowie Cajun-Musik, Töpferarbeiten der Pueblo
Indianer und der Südstaaten, Leder- und Textilarbeiten, Blumenbinderei, Masken- und Korbherstellung.
In diesem Jahr werden die Bahamas, ein der Küste
Floridas vorgelagerter aus 700 Inseln bestehender
Staat, auf dem Folkfestival vorgestellt.
Diese einzigartige Kultur - die im Laufe der vergangenen 500 Jahre aus den Erfahrungen von
Afrikanern, loyalen Briten, Seminolen, Kreolen und
anderen geschaffen wurde, wird durch vielfältige
Präsentationen vorgestellt, einschließlich Bootsbau,
Korbherstellung, Buschmedizin, Geschichtererzählung, Holzschnitzerei, traditionellem Gerichten der
Landbewohner der Südstaaten, Kinderspielen,
Junkanoo-Musik und -Kunsthandwerk, religiöser
Musik, Goombay-Musik und traditionellen Tänzen.
1994 wird auf dem Festival auch gezeigt, wie die
Kultur der Einheimischen zu den wirtschaftlichen und

* *

Seite 2

sozialen Entwicklungsprogrammen in Lateinamerika
und der Karibik beitragen kann. Das Programm wird
von der Interamerikanischen Stiftung aus Anlaß des
25. Jahrestages ihrer Entwicklungsarbeit an der Basis
gefördert.
Teilnehmer aus neun Ländern - Chile, Ecuador,
Bolivien, Peru, Brasilien, Haiti, Panama, Guatemala
und Mexiko - demonstrieren, wie sie die kulturellen
Ressourcen ihrer Einwohner zum Nutzen ihrer
Gemeinden einsetzen.
Ferner wird auf den diesjährigen Feiern die Vielfalt
und Lebensfähigkeit der thailändischen Kultur unter
Beweis gestellt. Es sollen Weber, Instrumentenbauer, Schmuckhersteller, Töpfer und Kalligraphen
teilnehmen. Maler von Wandgemälden werden eine
Messe im Tempel darstellen, und es wird eine
Vielzahl von Künstlern vertreten sein, einschließlich
Puppenspielern und Sängern. Auch die Traditionen
und Künste des Hofes werden wiedergegeben, unter
anderem von maskierten Hoftänzern und -musikern,
Blumenkünstlern, Stickern und Parfumherstellern.

*

*

AMERIKA DIENST 25

�PORTRAT
29. Juni 1994

CLINTON ERNENNT HOLBROOKE ZUM
ABTEILUNGSLEITER FÜR EUROPA
Ankündigung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat Richard Holbrooke, zur Zeit Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, zum Abteilungsleiter für europäische und kanadische
Angelegenheiten im US-Außenministerium ernannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 24. Juni 1994 vom Pressebüro freigegebene Ankündigung des Weißen
Hauses.

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt, den
New Yorker Richard Holbrooke zum Abteilungsleiter
für europäische und kanadische Angelegenheiten im
US-Außenministerium zu nominieren. Holbrooke ist
zur Zeit Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland.
Holbrooke wurde 1941 in New York geboren. Er
besuchte die Brown University in Providence (Rhode
Island), an der er 1962 sein Examen ablegte. In
demselben Jahr trat er in den Auswärtigen Dienst
ein und wurde zunächst nach Vietnam entsandt.
Danach hatte er Positionen in Frankreich, im Außenministerium und in Marokko inne.
Holbrooke war 1966 und 1967 im Stab des persönlichen Referenten des Präsidenten für Vietnam tätig
und von 1968 bis 1969 Mitglied der Delegation bei

den Pariser Vietnam-Gesprächen. Von 1970 bis
1972 war er Direktor des Peace Corps in Marokko.
Von 1970-1972 arbeitete Holbrooke als geschäftsführender Redakteur der Zeitschrift Foreign Policy
und war von 1973-1976 Publikationsdirektor der
Carnegie Endowment for International Peace. 1977
trat er als Abteilungsleiter für ostasiatische und
pazifische Angelegenheiten im Außenministerium
wieder in den Regierungsdienst ein. Von 1981 bis
1985 war Holbrooke Direktor der in Washington
ansässigen Beratungsfirma
Public Strategies.
Anschließend war er bis zu seiner Ernennung als
Botschafter für Deutschland im Jahr 1993 Geschäftsführer von Lehman Brothers in New York.
Holbrooke hat zwei Söhne, David und Anthony.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�PARTNERSCHAFT

FÜR

FRIEDEN
29. Juni 1994

RUSSLAND TRITT DEM NATO-PROGRAMM
PARTNERSCHAFT FÜR DEN FRIEDEN BEI
Rede von Außenminister Christopher beim NATO-Rat
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher begrüßte den Beitritt Rußlands zum NATO-Programm
Partnerschaft für den Frieden am 22. Juni 1994 als "einen wichtigen Schritt zur Vertiefung der Bande der
Zusammenarbeit, die den Frieden eines umfassenderen Europas sichern".
Die Maßnahme sei Ausdruck der bemerkenswerten Umgestaltung Europas in der Zeit nach dem Kalten Krieg,
erklärte der Außenminister und fügte hinzu: "Wir können das von uns angestrebte Europa nicht aufbauen ohne
ein starkes NATO-Bündnis. Wir können es nicht ohne ein demokratisches Rußland aufbauen."
Christopher und sein russischer Amtskollege Andreij Kosyrew nahmen an der Beitrittszeremonie im NATOHauptquartier in Brüssel teil. Mit Rußland sind inzwischen 21 Länder der von Präsident Clinton vorgeschlagenen und beim Gipfeltreffen der NATO-Staats- und Regierungschefs im Januar verabschiedeten
Partnerschaft für den Frieden beigetreten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom State Department in Washington freigegebenen Redetext des
Außenministers.

Herr Stellvertretender Generalsekretär, es ist mir
eine große Freude, gemeinsam mit unseren Kollegen bei der NATO und Außenminister Kosyrew an
diesem historischen Ereignis teilnehmen und Rußland als neuestes Mitglied der Partnerschaft für den
Frieden begrüßen zu können.
Unsere heutige Zusammenkunft ist Ausdruck der
bemerkenswerten Umgestaltung Europas in derzeit
nach dem Kalten Krieg. Wer hätte sich noch vor
wenigen Jahren vorstellen können, daß nach 40
Jahren bitterer Konfrontation über den Eisernen
Vorhang hinweg ein neues demokratisches Rußland
und dieses Bündnis gemeinsam eine Partnerschaft
der Zusammenarbeit eingehen würden. Die historische Chance zum Aufbau eines ungeteilten, friedlichen und demokratischen Europas ist in greifbare
Nähe gerückt. Dies ist der Traum, der dieses
Bündnis und mein Land seit über vier Jahrzehnten
beflügelt hat. Das ist die Vision, die Präsident
Clinton mit dem Vorschlag der Partnerschaft für den
Frieden umriß. Und das ist das Ziel, zu dessen
Erlangung die Vereinigten Staaten sich uneingeschränkt verpflichten.
Heute unternehmen wir mit dem Beitritt Rußlands
einen wichtigen Schritt zur Vertiefung der Bande der
Zusammenarbeit, die den Frieden eines umfassen-

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deren Europas sichern. Als ein Bündnis beziehen wir
die russische Regierung und ihr Militär beim Aufbau
eines neuen, konstruktiveren Verhältnisses ein.
Ebenso wichtig ist jedoch, daß wir dem russischen
Volk die Hand der Freundschaft reichen, wie das
Bündnis es mit anderen europäischen Nachbarn
getan hat.
Rußland ist und bleibt ein Land von enormer Bedeutung für das übrige Europa und die Welt. Die Bestrebungen dieses Landes zum Aufbau demokratischer
Institutionen und einer Marktwirtschaft haben tiefgreifende Auswirkungen auf die europäische Sicherheit. Umfassende und konstruktive Beziehungen
zwischen der NATO und Rußland werden den
Interessen des Bündnisses dienen. Sie werden
Rußlands Interessen dienen. Und sie werden den
Interessen aller Nationen Europas dienen - insbesondere denen, die erst vor kurzem ihre Freiheit von der
kommunistischen Herrschaft erlangten.
Die Partnerschaft für den Frieden ist von zentraler
Bedeutung für die Beziehungen der NATO zu Rußland. Wir sehen ferner einem konstruktiven Dialog
und der Zusammenarbeit erwartungsvoll entgegen,
um die Partnerschaft in Bereichen zu ergänzen, in
denen Rußland einen einzigartigen und wichtigen
Beitrag zu leisten hat. Gleichzeitig wird Präsident

Seite 1

�Clinton weiterhin eng mit Präsident Jelzin beim
Aufbau starker und kooperativer russisch-amerikanischer Beziehungen im Interesse unserer beiden
Völker und der Welt zusammenarbeiten.
Andere europäische Staaten haben vielleicht auch
Interessen oder Fähigkeiten, die "16 plus 1 "-Konsultationen außerhalb der Partnerschaft wert sind.
Wir sollten diese Möglichkeiten in Betracht ziehen.
Die Förderung von Sicherheit und Stabilität in Mittelund Osteuropa durch die NATO wird ebenfalls für
alle europäischen Nationen - einschließlich Rußland
- von Nutzen sein.
Rußlands Beitritt zur Partnerschaft für den Frieden
spiegelt die Politik der Erweiterung der Institutionen
nach Osten wider, die dem Westen die Erlangung
von beispielloser Sicherheit und Wohlstand gestattet
haben. Vor zwei Wochen hat Rußland in Paris ein
Kooperationsabkommen mit der OECD unterzeichnet. In zwei Tagen wird Präsident Jelzin in Korfu ein
Abkommen mit der EU unterzeichnen, das die
europäischen Märkte für viele russische Produkte
öffnet. Und die G-7 wird im nächsten Monat in
Neapel Präsident Jelzin zu umfassenden politischen
Konsultationen willkommen heißen.
Mit der Erweiterung der Sicherheit nach dem Kalten
Krieg und der Wirtschaftsinstitutionen können wir zu'
der Gewährleistung beitragen, daß Krieg, Armut und
Unterdrückung nie wieder diesen Kontinent heimsuchen. Wir verpflichten uns, auf ein integriertes
Europa hinzuarbeiten, in dem souveräne und un-

abhängige Staaten ihre Nachbarn nicht fürchten
müssen.
Heute unternehmen wir einen weiteren entscheidenden Schritt zur Aufhebung der historischen Teilungen
Europas. Wir bauen eine Sicherheitspartnerschaft
auf, die das Potential zur Einbeziehung aller Nationen
des Kontinents besitzt. Mit Rußland sind inzwischen
21 Staaten der Partnerschaft für den Frieden beigetreten. Einige haben bereits enge Konsultationen
mit der NATO über die Erarbeitung individueller
Partnerschaftsprogramme geführt, die auf ihre
einzigartigen Fähigkeiten und Interessen zugeschnitten sind. Bis zum Herbst werden gemeinsame
Manöver beginnen, und Polen wird das erste Manöver auf dem Boden eines Partnerlandes abhalten.
Auf diese Art und Weise wird die Partnerschaft die
gewohnheitsmäßige Kooperation aufbauen, die der
Lebensnerv des Bündnisses ist. Sie kann so den
Weg für die mögliche Erweiterung der NATO ebnen.
Wir können das von uns angestrebte Europa nicht
aufbauen ohne ein starkes NATO-Bündnis. Wir
können es nicht ohne ein demokratisches Rußland
aufbauen. Wir können es nicht ohne die Nationen
Mittel- und Osteuropas aufbauen. Die "bestmögliche
Zukunft für Europa", die Präsident Clinton beim
Gipfeltreffen im Januar beschworen hat, hängt von
der Zusammenarbeit all unserer Nationen bei der
Verfolgung gemeinsamer Sicherheitsinteressen und
demokratischer Ideale ab. Dies ist der Zweck der
Partnerschaft, und der Geist, in dem wir Rußland
heute als Partner willkommen heißen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
29. Juni 1994

AMERIKANISCH-RUSSISCHE NUKLEARSTRATEGIE
UND SICHERHEITSINITIATIVEN
Pressemitteilung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressemitteilung des Büros des Vizepräsidenten
im Weißen Haus vom 23. Juni 1994 zur gemeinsamen amerikanisch-russischen Kommission über
wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit, genannt "amerikanisch-russische Nuklearstrategie und
Sicherheitsinitiativen".

Die Vereinigten Staaten und Rußland arbeiten
gemeinsam an der Entwicklung mehrerer Initiativen
zu Nuklearfragen und Sicherheit. Mit Hilfe dieser
Initiativen wollen die Vereinigten Staaten und Rußland das Risiko einer Weiterverbreitung von Atomwaffen reduzieren, das derzeitige Abrüstungsverfahren fördern und das Vertrauen in beide Entwicklungen erhöhen. Diese Initiativen stehen unter der
Schirmherrschaft der gemeinsamen Kommission für
wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit,
deren Vorsitz Vizepräsident AI Gore und Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin innehaben. Die
Kommission verfolgt vier umfassende Ziele:
1. Sicherung von Nuklearmaterial vor Diebstahl
oder Umleitung
Lagerstätten für spaltbares Material. Durch das
Programm für den Verkauf und sicheren Abbau
atomarer und anderer Massenvernichtungswaffen
(SSD oder Nunn-Lugar-Programm) wurden 90
Millionen Dollar an Hilfe für Rußland zum Aufbau
einer sicheren Lagerungseinrichtung für aus Atomwaffen entnommenes überschüssiges Plutonium und
hochangereichertes Uran bereitgestellt. Russische
Regierungsvertreter haben das Fehlen einer solchen
Einrichtung als Hindernis bei der beschleunigten
Zerlegung von Atomwaffen identifiziert. Rußland
wird diesen Sommer mit den Ausschachtungsarbeiten für eine Lagerstätte nahe Tschelyabinsk beginnen. Die erste Tranche amerikanischer Ausrüstungsgegenstände wird im August geliefert. Während des Besuchs von Ministerpräsident Tschernomyrdin in Washington vom 21. bis 23. Juni einigten
er und Vizepräsident AI Gore sich auf die Bereitstellung zusätzlicher amerikanischer Mittel für den
Aufbau dieses Projekts.

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Abkommen über den Kauf von hochangereichertem Uran. Bei dem Gipfel der Präsidenten Clinton
und Jelzin im Januar dieses Jahres unterzeichneten
die amerikanische Aufbereitungsgesellschaft (U.S.
Enrichment Corporation - USEC) und das russische
Atomenergieministerium einen Vertrag, unter dem
USEC niedrig angereicherte Reaktorbrennstoffe kauft,
die aus von zerlegten Waffen gewonnenem hochangereichertem Uran stammen. Im Rahmen dieses
Abkommens werden nukleare Materialien einer
sicheren Verwendung zugeführt, indem sie in nichtwaffenfähige Form gebracht werden. Dieses Programm spielte eine Schlüsselrolle bei der Ermutigung
der Ukraine, ihre Nuklearwaffen zur Zerlegung nach
Rußland zu verlagern. Unter dem im Januar unterzeichneten trilateralen Abkommen transportiert die
Ukraine ihre Gefechtsköpfe zur Zerlegung nach
Rußland und erhält im Gegenzug niedrig angereichertes Uran als Brennstoff für seine Reaktoren. Seit
dem 23. Juni wurden im Rahmen des trilateralen
Abkommens 240 Gefechtsköpfe vorzeitig aus der
Ukraine nach Rußland verlagert.
Materialkontrolle, Überwachung und physischer
Schutz. Die Vereinigten Staaten haben die Bereitstellung von 30 Millionen Dollar an SSD-Mitteln für
Verbesserungen bei der Sicherheit und Überwachung
von Nuklearmaterialien in Rußland angeboten. Das
vorgeschlagene Programm umfaßt 10 Millionen Dollar
für beschleunigte umfassende Anstrengungen,
Rußland bei der Suche nach den dringendsten
Schwachpunkten und ihrer Beseitigung in den Bereichen Sicherheit und Überwachung seiner Nuklearreaktoren beizustehen. Ferner ermutigen die Vereinigten Staaten durch die Bereitstellung von 2
Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1994 sowie weiteren Geldern für das Finanzjahr 1995 ihre nationalen

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�Labors zur Zusammenarbeit mit anderen Labors in
diesem Gebiet.
Geringere Anreicherung für Forschungszwecke
und Testreaktoren. Das Argonne National Laboratory und das russische Institut ENTEK arbeiten
gemeinsam an der Entwicklung eines nichtwaffenfähigen Brennstoffs aus niedrig angereichertem Uran,
um das hochangereicherte Uran als Kernbrennstoff
in den sowjetischen Forschungsreaktoren zu ersetzen. Die amerikanisch-russischen Gespräche über
die Möglichkeiten zur Erweiterung und Beschleunigung dieses Konversionsprogramms wurden im Mai
aufgenommen. Im Herbst wird ein Expertentreffen
abgehalten.
2. Aufbau von Vertrauen durch Offenheit
Abkommen über Transparenz beim Erwerb von
hochangereichertem Uran. Die Vereinigten Staaten und Rußland einigten sich Anfang 1994 auf ein
Protokoll über Transparenz zum Abkommen über
den Kauf von hochangereichertem Uran, das sicherstellen soll, daß von den Vereinigten Staaten gekauftes niedrig angereichertes Uran aus hochangereichertem Uran gewonnen wird, das wiederum aus
zerlegten Waffen stammt, und dieses niedrig angereicherte Uran nur für friedliche Zwecke benutzt wird.
Gegenseitige Inspektionen von aus Waffen
entnommenem Plutonium und hochangereichertem Uran. Im März erzielten die Vereinigten Staaten und Rußland ein Abkommen über gegenseitige
Besuche von Lagerstätten für Plutonium-Waffenkomponenten aus zerlegten Nuklearwaffen. Diese bis
Ende des Jahres vorzunehmenden Inspektionen
sollen Vertrauen aufbauen, daß die Zerlegung im
Einklang mit den öffentlichen Erklärungen stattfindet
und überschüssiges spaltbares Material nicht in
Nuklearwaffen wiederaufbereitet wird.
Transparenz der Lagerstätten. Die Vereinigten
Staaten haben ein Transparenzregime für die in
Rußland zu errichtende Lagerstätte für spaltbares
Material vorgeschlagen um sicherzustellen, daß das
Material - wie vom Nunn-Lugar-Gesetz gefordert aus Waffen entnommen wurde und nicht in Waffen
wiederverwendet wird. Dieses Regime wird derzeit
mit der russischen Seite erörtert.
lAEO-Sicherheitsvorschriften für überschüssiges
Material und alle zivilen Einrichtungen. Die
russisch-amerikanischen Gespräche über die Verhängung von Schutzbestimmungen für überschüssiges spaltbares Material und alle zivilen Einrichtungen wurden im Mai aufgenommen. Beim amerikanisch-russischen Präsidententreffen im Januar
verpflichteten sich beide Seiten, die Unterstellung

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von spaltbarem Material unter lAEO-Sicherheitsvorschriften in Erwägung zu ziehen. Die Vereinigten
Staaten haben seit langem angeordnet, daß alle nicht
direkt mit Aktivitäten von nationaler militärischer
Bedeutung in Zusammenhang stehenden amerikanischen Einrichtungen für Sicherheitsbestimmungen der
IAEO in Frage kommen. Die beim Gipfeltreffen im
Januar abgegebene Erklärung verpflichtet Rußland,
dasselbe Vorgehen in Betracht zu ziehen.
Vorschlag zur Deklaration von spaltbarem Material. Amerikanisch-russische Gespräche über ihre
gleichlautenden Vorschläge zum Austausch umfangreicher Informationen über die Größenordnung
und den Standort ihrer Bestände an hochangereichertem Uran und Plutonium für militärische und
zivile Zwecke wurden Ende Mai in die Wege geleitet.
Die Vereinigten Staaten gaben einseitig im Dezember
1993 eine öffentliche Erklärung der bisherigen
Produktion von waffenfähigem Plutonium ab.
3. Beendigung einer weiteren Anhäufung von
überschüssigen Beständen
Schließung von Plutonium produzierenden Reaktoren und Beendigung der bilateralen Produktion
von waffenfähigem Plutonium. Im Dezember 1993
vereinbarten Vizepräsident AI Gore und der russische
Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin, daß Rußland die Herstellung von Plutonium für Waffen
beenden und die letzten drei Plutonium für militärische Zwecke produzierenden Reaktoren des Landes
schließen würde, sobald alternative Quellen für die
von ihnen erzeugte Wärme und Elektrizität zur
Verfügung stehen. Der russische Präsident Jelzin
sagte die Schließung der Reaktoren bis zum Jahr
2000 zu. Das die Zusage offiziell verankernde
zwischenstaatliche Abkommen wurde am 23. Juni
unterschrieben. Das in der Zwischenzeit von diesen
Reaktoren hergestellte Plutonium wird einem Überwachungsregime unterstellt, das in den nächsten
sechs Monaten ausgearbeitet werden soll.
Globale Beendigung der Produktion von spaltbarem Material für Nuklearsprengkörper. Präsident Clinton hat den unverzüglichen Abschluß eines
globalen, verifizierbaren und nichtdiskriminierenden
Abkommens zur Beendigung der Produktion von
spaltbarem Material für Nuklearsprengkörper gefordert. Dieses Ziel wurde vom russischen Präsidenten
Jelzin und der UN-Generalversammlung unterstützt.
Die Verhandlungen sollen in diesem Sommer aufgenommen werden.
4. Festsetzung der langfristigen Verwendung von
Plutonium

AMERIKA DIENST 25

�Amerikanisch-russische Arbeitsgruppe für die
Verwendung und Sammlung von spaltbarem
Material. Eine amerikanisch-russische Arbeitsgruppe für die Verwendung und Sammlung von
spaltbarem Material wurde Ende Mai mit der Zustimmung zu einem Mandat ins Leben gefjfen, die
Verwendung von Plutonium und Bestrebungen zur

Sicherstellung in Erwägung zu ziehen, daß das
Plutonium nicht eine Bedrohung für die Umwelt oder
die Weiterverbreitung darstellt. Beide Seiten vereinbarten, daß das Thema der weiteren Anhäufung
überschüssiger Bestände von hochangreichertem
Uran und für zivile Zwecke verwendetem Plutonium
weiterer Erörterung bedarf.

* * * * *

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�G-7
29. Juni 1994

JELZIN "GLEICHBERECHTIGTER TEILNEHMER"
BEI EINIGEN G-7-GESPRÄCHEN
Hintergrundinformation zum Weltwirtschaftsgipfel
WASHINGTON - (AD) - Der russische Präsident
Jelzin wird bei einigen Gesprächen des Weltwirtschaftsgipfels in Neapel ein "selbständiger und
gleichberechtigter Teilnehmer" sein, äußerte ein
hochrangiger Regierungsvertreter am 20. Juni 1994.
Darüber hinaus wird beim diesjährigen Wirtschaftsgipfel zum ersten Mal eine gemeinsame Erklärung
der vereinbarten Position Rußlands und der G-7
veröffentlicht, fügte der Beamte hinzu. "Dies ist eine
bemerkenswerte symbolische und inhaltliche Veränderung. Das bedeutet, daß Rußland politisch
mehr in die Arbeit der G-7 integriert ist, wie es der
Fall sein sollte."
Das neue Arrangement "ist keine Vollmitgliedschaft".

Meines Erachtens sind beide Seiten mit dem Arrangement zufrieden", erklärte der Regierungsvertreter.
Präsident Clinton wird vom 8. bis 10. Juli 1994 im
Rahmen einer Europareise am Gipfel teilnehmen,
die ihn nach Riga, Warschau, Bonn und Berlin führt.
In Neapel wird Clinton am 10. Juli mit Jelzin bilaterale Gespräche führen. Es wird erwartet, daß die
beiden Präsidenten den Termin für ihr Washingtoner
Gipfeltreffen bekanntgeben - eine dreitägige Zusammenkunft, die voraussichtlich in diesem Herbst
stattfinden wird.

chen der G-7 über politische und wirtschaftliche
Themen sein wird", erläuterte der Beamte.
Der Regierungsvertreter erinnerte die Journalisten an
frühere Gipfeltreffen, bei denen Jelzin und sein
Vorgänger, Michail Gorbatschow, "in vieler Hinsicht
der Grund des einberufenen Gipfels waren, befragt
wurden, Präsentationen über die Wirtschaftsreformen
gemacht wurden und wir Erklärungen über unsere
Sichtweise der Wirtschaftsreformen abgaben. In
diesem Jahr wird zum ersten Mal eine gemeinsame
Erklärung vom den Vorsitz des Gipfels innehabenden
italienischen Ministerpräsidenten veröffentlicht, in der
Rußland und die G-7 im wesentlichen zu einer Reihe
internationaler wirtschaftlicher und politischer Themen
eine Sprache sprechen."
Auf eine Frage antwortete der Beamte, die Vollmitgliedschaft Rußlands in der G-7 - die Schaffung einer
G-8, wie von einigen britischen Regierungsvertretern
vorgeschlagen - "steht nicht unmittelbar bevor. Wir
sind zufrieden mit dem derzeitigen Arrangement - und
ich glaube, aufgrund der in dieser Woche geführten
Gespräche sind auch die Russen zufrieden."

Obwohl russische Politiker in der Vergangenheit mit
Vertretern der sieben demokratischen Industrienationen beim jährlichen Wirtschaftsgipfel zusammengekommen sind, ist das Treffen in Neapel das erste,
bei dem der russische Präsident direkt in die Gespräche mit den Staats- und Regierungschefs von
Kanada, Japan, den Vereinigten Staaten, Italien,
Großbritannien, Frankreich und Deutschland einbezogen wird.

Dem Regierungsbeamten zufolge sind die Beziehungen zwischen Washington und Moskau "sehr solide",
und er bezeichnete dies als "eine hoffnungsvolle Zeit"
in den bilateralen Beziehungen. Er erinnerte an die
entschieden düsterere Situation vom vergangenen
Januar, deren erneutes Auftreten die Regierungsvertreter und Wissenschaftler gleichermaßen für die
Fortsetzung der politischen und wirtschaftlichen
Reformen in Rußland fürchten. Sechs Monate später
stehe die russische Volkswirtschaft sehr viel besser
da, mit einer Sparpolitik der Regierung und einer
allmählich kontrollierten Inflation. Der Erfolg Moskaus, fügte er hinzu, "hat viele erstaunt".

"Neu in diesem Jahr ist, daß Präsident Jelzin beginnend mit dem Abendessen am Samstag (9. Juli) und
im gesamten Verlauf des Sonntags ein selbständiger
und gleichberechtigter Teilnehmer an den Gesprä-

Bei ihrem bilateralen Treffen werden Jelzin und
Clinton voraussichtlich "eine Bilanz der bilateralen
Beziehungen" zwischen Washington und Moskau
ziehen, wobei Clinton "unsere äußerst starke Unter-

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Seite 1

�Stützung" für Kredite der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds an Rußland bekräftigen
wird. "Darüber hinaus möchte er von Jelzin eine
Idee über den künftigen Kurs der russischen Reformen, deren Tempo und die von Jelzin in diesem
Zusammenhang gesetzten Prioritäten sowie die im
Wege liegenden Hindernisse erhalten".
Die beiden Präsidenten werden dem Beamten
zufolge Sicherheitsfragen erörtern, einschließlich der
Wege, um die Partnerschaft für den Frieden "Präsident Clintons Wunsch entsprechend zu einem
Instrument der europäischen Einheit im 21. Jahrhundert zu machen, das zur Verhinderung der Spaltung
in zwei Blöcke beiträgt".
Clinton wird die Bedeutung unterstreichen, die er
dem trilateralen Abkommen mit der Ukraine und
Rußland bei der Wiederaufbereitung und dem
Verkauf von aus den Nuklearwaffen der ehemaligen
Sowjetunion entnommenem hochangereichertem
Uran in den Vereinigten Staaten beimißt.
"Meines Erachtens werden sie über außenpolitische
Zusammenarbeit sprechen", stellte er fest, "einschließlich Nordkorea und Bosnien, die Beziehungen
zwischen Rußland und der Ukraine sowie unsere
andauernde große Hoffnung, daß bis zum Ende
dieses Sommers alle russischen Truppen aus
Estland und Lettland abgezogen sein werden."
Dem Plan zufolge sollen bis zum 31. August zum
ersten Mal seit 1945 alle russischen Truppen aus
Mittel- und Osteuropa abgezogen sein, "was eine
ziemlich bemerkenswerte historische Entwicklung
ist".
Der Regierungsvertreter sah keine politischen
Probleme für Jelzin in Clintons Entscheidung, am 6.
Juli in Riga mit den Präsidenten der baltischen
Staaten zusammenzukommen.
Er erinnerte daran, daß seit 1940 alle demokratischen und republikanischen Administrationen gleichermaßen "sich dafür entschieden haben, die
sowjetische Herrschaft im Baltikum nicht anzuerkennen. Es gab immer eine Fußnote - wir erklärten, wir
erkennen die Grenzen der Sowjetunion an, aber wir
haben nie die sowjetische Herrschaft (in Lettland,
Litauen und Estland) anerkannt. Nun da diese
Länder unabhängig sind, sollte ein amerikanischer
Präsident sie besuchen. Schon dieser Grund allein
ist wichtig."
Dem Beamten zufolge werde Clintons Treffen nicht
zu einem Problem für Jelzin unter den über die
Freigabe der baltischen Staaten unzufriedenen

Seite 2

russischen Nationalisten, "vor allem, weil Präsident
Clinton stets versucht hat, beiden Seiten bei der
Ausarbeitung des Abzugsprozesses behilflich zu sein.
Wir haben eindeutig klargestellt, daß die russischen
Truppen nicht dort sein sollten, wenn sie nicht
erwünscht sind. Andererseits haben wir ein Interesse
an den Menschen- und Bürgerrechten der russischen
Minderheiten in diesen Ländern, und der Präsident
hat seinen Einfluß geltend gemacht, um eine Verbesserung der Situation herbeizuführen", bis hin zum
Einsatz von Beobachtern der Helsinki Watch in
Estland und Lettland. "Ich glaube, die Russen wissen
das zu schätzen."
Nach den Aussagen des Beamten würden die
Russen Clinton "als einen äußerst effektiven Vermittler hinter den Kulissen" akzeptieren. Ich denke nicht,
daß das ein Problem für Jelzin verursachen wird."
Während sich die beiden Seiten auf einen geschäftigen Monat der Diplomatie vorbereiten, angefangen
von Außenminister Christophers Treffen mit seinem
russischen Amtskollegen Andrej Kosyrew in dieser
Woche in Brüssel, werden die bilateralen Geschäfte
in Washington auf einem anderen Gleis fortgesetzt,
wo Vizepräsident Gore Gastgeber des russischen
Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin und einer
dreitägigen Zusammenkunft der gemeinsamen
Technologiekommission ist. Tschernomyrdin wird
Clinton am 23. Juni treffen.
Die beiden Politiker leiten einen Prozeß, der amerikanische Regierungsvertreter und ihre russischen
Amtskollegen bei der Umsetzung von Abkommen
zusammenbringt, die das gesamte Spektrum von
Umweltproblemen bis zu Reisen ins Weltall umfassen. Einem hochrangigen Regierungsvertreter
zufolge wird die Gore-Tschernomyrdin-Kommission
zur Ankurbelung der Geschäftstätigkeit Methoden zur
Verbesserung des Zugangs zu russischen und
amerikanischen Märkten sowie Wege zur Stabilisierung der Geschäftsbeziehungen erörtern. Führende
Investoren benötigen Richtlinien bevor sie Mittel in
eine Gesellschaft investieren, in der das Vertragsrecht nicht so klar definiert ist, erläuterte der Beamte.
Das Komitee für Energiepolitik arbeitet an der Sicherheit der alten Nuklearreaktoren in Rußland sowie
der Beschleunigung der Wiederaufbereitung von
waffenfähigem Uran aus Nuklearanlagen der ehemaligen Sowjetunion. Andere Ausschüsse befassen sich
mit der Arbeit an einer gemeinsamen Weltraumstation, der Konversion der russischen Rüstungsindustrie für zivile Zwecke und Methoden zur Messung der Effektivität von Umweltprojekten zur Verbesserung der Luft- und Wasserqualität.

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�KULTUR
29.Juni 1994

EIN HERRLICHER LEBENSSTIL
von Ricardo Sandoval
Die ethnische Vielfalt des Lebens in den Vereinigten Staaten verleiht der amerikanischen Kultur Farbe und
Substanz, so der Verfasser des nachfolgenden Artikels, der darauf hinweist, daß diese Vielfalt in keinem
Bereich deutlicher wird als bei den amerikanischen Speisen.
Ricardo Sandoval ist Mitarbeiter des San Francisco Examiner.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Modern Maturity. Copyright (c) 1992
American Association of Retired Persons.

Es ist nahezu unmöglich, einen Aspekt der amerikanischen Kultur zu finden, der nicht von der alles
durchdringenden ethnischen Vielfalt unserer Nation
zeugt. Was ist mit Bluejeans? Dieser unersetzliche
Bestandteil der amerikanischen Garderobe wurde
von dem deutschen Einwanderer Levi Strauß erfunden. Gibt es etwas Amerikanischeres als Jazz?
Seine vielfältigen Wurzeln vermischen afrikanische,
europäische und amerikanische Einflüsse.

Dann ist da noch die amerikanische Sprache. Ein
typischeres Beispiel findet man wohl nicht. Vielleicht
stellt sie das dynamischste Element der Vereinigten
Staaten dar. Es ist praktisch unmöglich, ständig auf
dem laufenden mit ihren regionalen Nuancen und
ethnischen Einflüssen zu sein. Rechnet man die
Hunderte von Modewörtern hinzu, die jeden Tag
erfunden werden und wieder in Vergessenheit
geraten, erhält man eine Ahnung ihrer Vielschichtigkeit.
Amerikas zahlreiche und vielfältige ethnische Wurzeln verleihen der Mode, Sprache, Musik und
zahllosen anderen Aspekten der nationalen Kultur
Substanz und Farbe - und insbesondere der amerikanischen Küche. Die Identität der in die Vereinigten Staaten Eingewanderten war eng verknüpft mit
Tischen, die mit den Lieblingsgerichten der ehemaligen Heimat überladen waren: Deutscher Sauerkrauteintopf, italienische Gnocchi di patate (Kartoffelklöße), jüdische Nockerl (Eierknödel), polnische
Kielbasa w Sosie Pomidorowym (Wurst mit Tomatensauce), griechische Dolmadakia Yialandji (gefüllte
Weinblätter).

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Die Hauptzutaten dieser Gerichte sowie Tausender
anderer beliebter internationaler Speisen sind jetzt
zum dauerhaften Bestandteil des Sortiments amerikanischer Supermärkte geworden. Benötigen Sie
noch mehr Beispiele? Man braucht nur das amerikanische Fast Food mit seiner verrückten Kombination mexikanischer Pizza, Teriyaki-Hamburgern, nach
Cajun-Art gewürzten Pommes Frites und chinesischem Hühnersalat anzuschauen.
"Man kann nicht von nur einer amerikanischen
kulinarischen Tradition sprechen", so Nancy Harmon
Jenkins aus Maine, die die ethnische Herkunft von
Gerichten erforscht und für die The New York Times
sowie die Zeitschrift Food and Wine schreibt.
"Unsere Eßgewohnheiten stammen aus allen Teilen
der Welt. Mit der Zeit wurden sie miteinander vermischt."
Viele dieser Traditionen hatten schon eine abwechslungsreiche Geschichte, bevor sie nach Amerika
kamen. Der einfache mexikanische Taco beispielsweise - ursprünglich eine Maistortilla - wurde durch
spanische und amerikanische Einflüsse verändert.
Seine amerikanische Version umfaßt fritierte Tortilla,
gefüllt mit Rindfleisch sowie mehreren kleinen Beilagen in Form von Käse, Creme fraiche, nicht zu
scharfer Soße, Salat und Tomate.
Einige der am stärksten verwurzelten traditionellen
amerikanischen Gerichte wie pumpkin pie (Kürbiskuchen) und Popcorn sind frühe Produkte des Einfallsreichtums der Europäer und der amerikanischen
Ureinwohner. Pie wurde von den ersten englischen
Siedlern eingeführt und mit Hilfe der amerikanischen
Ureinwohner abgewandelt, welche die Siedler mit

Seite 1

�dem Kürbis und Kürbisgemüse bekanntmachten; die
Siedler verliehen der gekochten breiigen Masse mit
Süßstoffen und asiatischen Gewürzen wie Zimt und
Muskat mehr Geschmack. Die Hausfrauen in den
Kolonien servierten Popcorn mit Zucker und Sahne
zum Frühstück, nachdem die Indianer sie mit der
vielseitigen Verwendbarkeit des vorherrschenden
Getreides der Neuen Welt bekannt gemacht hatten.
Nahrungsmittelhistoriker spüren die Ursprünge der
anscheinend amerikanischsten Gerichte in anderen
Ländern auf. Erdnüsse kommen aus Südamerika.
Die ersten Apfelsinen wurden in Asien gepflückt, von
arabischen Händlern nach Afrika und in den Nahen
Osten und von Reisenden aus den Mittelmeerländern dann in die Neue Welt gebracht. Kartoffeln aus
den Andenstaaten wurden von heimatliebenden
Forschungsreisenden mit nach Europa genommen,
fanden überall Anklang und wurden dann von
Einwanderern aus Irland und Mitteleuropa als eines
der Hauptnahrungsmittel in die Neue Welt gebracht.
Von allen Bestandteilen des amerikanischen Speiseplans nimmt Mais hinter Weizen den zweiten Platz
auf der Liste der überall angebauten und konsumierten Lebensmittel ein. Er kann über Jahrtausende
nach Mexiko zurückverfolgt werden. Als die europä*

Seite 2

*

ischen Forschungsreisenden ihn mit nach Hause
nahmen, wurde diese Getreidesorte in der gesamten
westlichen Hemisphäre eines der wichtigen Produkte.
Die Liste der beliebten amerikanischen Gerichte, die
aus anderen Kulturen stammen, wird immer länger.
"Die derzeitige Gesundheitswelle hat bei mehr
Amerikanern das Interesse an asiatischen Speisen
geweckt", so Jenkins. "Die Menschen wenden sich
wieder den Grundnahrungsmitteln zu, unverarbeiteten
Produkten und einfachen Gerichten, die früher von
Bauern gegessen und als "Armenkost" bezeichnet
wurden. "Brauner Reis beispielsweise ist die gesündere und zunehmend beliebte Alternative zu der
gebleichten Variante. Magereres Fleisch (Truthahn,
Hühnchen und Fisch) treten an die Stelle des gut
durchwachsenen Rindfleisches.
"Über zahllose Generationen haben Angehörige
verschiedener Länder mit einer begrenzten Zahl
einheimischer Zutaten wunderbare Gerichte gekocht",
so Michael Batterberry, Mitbegründer und Redakteur
der Zeitschrift Food Arts. "Jetzt kann man beim
Kochen zwischen unendlich vielen verschiedenen
Zutaten wählen. Die Idee der internationalen Küche
wird endlich zur Regel."

*

*

AMERIKA DIENST 25

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              <text>Amerikadienst 29.06.1994</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. 4.Juli&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: amerikanische Ideale sind globale Normen für Staatsbürgerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der glorreiche Vierte: die Feiern zu Amerikas Geburtstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Peggy Robbins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington plant monumentale Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Paraden, Musik, Feuerwerk und Volksfest in der Bundeshauptstadt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton benennt Holbrooke zum Abteilungsleiter für Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ankündigung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Partnerschaft für Frieden&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Russland tritt dem NATO-Programm Partnerschaft für den Frieden bei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher beim NATO-Rat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-russische Nuklearstrategie und Sicherheitsinitiativen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressemitteilung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jelzin "gleichberechtigter Teilnehmer" bei einigen G-7-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation zum Weltwirtschaftsgipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Kultur&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ein herrlicher Lebensstil &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ricardo Sandoval&lt;/em&gt;</text>
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