<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2356" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2356?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:08:02+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2367">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0a705fb6aac3dbb2092396d2c9c30290.pdf</src>
      <authentication>3a406e95836a6dae1ac2ca979092658d</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12120">
                  <text>^jy^

cimcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

24

WIRTSCHAFT

22. Juni 1994

FLUCHT VOR DER GLOBALEN AUSBEUTUNG
von Robert B. Reich

G-7 ÜBERPRÜFEN HILFSPAKET FÜR
RUSSLAND
Hintergrundinformation für Wirtschaftsgipfel in
Neapel

USA-OSTASIEN

NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE USA
IM PAZIFISCHEN RAUM
Rede von Abteilungsleiter Charles Freeman

USIA

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
UND
ZEITALTER DER DEMOKRATIE
von Penn Kemble

AIDS

FRAUEN UND AIDS
von Jennifer Sutton

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

DAS

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�WlRTSCHAFT
22. Juni 1994

Flucht vor der globalen Ausbeutung
von Robert B. Reich
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist der amerikanische Arbeitsminister. Der nachfolgende Artikel wurde
in leicht gekürzter Version am 22. Juni 1994 im Handelsblatt veröffentlicht.

In welchem Maße sollten die Arbeitsnormen eines
Landes von einem anderen Land überprüft und
beurteilt werden? Diese Frage hat plötzlich erheblich an Dringlichkeit gewonnen. Bei dem jüngsten
Treffen in Marrakesch einigten sich 124 Nationen auf
weitere Schritte zur Öffnung des Handels und die
Gründung einer neuen Welthandelsorganisation.
Eine von den Vereinigten Staaten und Frankreich
angeführte Koalition formulierte ein Abkommen zur
Prüfung der Rolle, die Arbeitsnormen bei der Aufgabenstellung der Welthandelsorganisation spielen
sollten.
Wir haben ehrgeizige Bestrebungen zur Definition
unserer Position zu internationalen Arbeitsnormen in
die Wege geleitet und wollen feststellen, wie sie am
besten gefördert werden können. Die Debatte leidet
jedoch allzuhäufig unter intellektueller Engstirnigkeit.
Ein Extrem ist das Argument, wir sollten uns nicht
darum kümmern, wie ausländische Waren und
Dienstleistungen produziert werden, solange das
Land den globalen Kodex für Dumping, Subventionen und andere Handelsregeln einhält. Das andere
Extrem ist der Vorschlag, wir sollten nur mit uns
ähnlichen Ländern mit den gleichen Arbeitsgesetzen,
Löhnen und Gehältern, Sozialleistungen und politischen Institutionen Handel treiben.
In der Woche vor dem Abkommen von Marrakesch
kam der Londoner Economist - in einer Ausgabe, auf
deren Titelseite ein kleines asiatisches Kind beim
Steineschleppen abgebildet war - dem ersten Extrem
sehr nahe. Die Redakteure des Economist räumten
zwar ein, "Sklaverei... ist schlecht", argumentierten
jedoch, internationale Aktionen zur Eindämmung von
Mißbrauch seien unpraktisch und "die Kosten ...
übersteigen den möglichen Nutzen". Dem Economist zufolge könnte eine Handelsregel über Kinderarbeit einige diese Regel verletzende Nationen aus
der Welthandelsorganisation ausschließen, und
dieser Regel zustimmende Mitglieder, die sie dann
nicht durchsetzen können, wären ein leichtes "Opfer"

AMERIKA DIENST 24

für Sanktionen "jeder Art von Protektionisten reicher
Länder". Mit anderen Worten, gegen dieses Kind mit
den Steinen kann nichts tun.
Ungeachtet eines solchen Laisser-faire-Dogmatismus
müssen wir uns vor unehrlichen Versuchen zur
Einführung engstirniger Tagesordnungen in die
Debatte unter dem Deckmantel hehrer Argumente
hüten. Protektionisten haben eine bemerkenswerte
Bereitschaft an den Tag gelegt, unter jedem vielversprechenden Banner zu marschieren, von nationaler
Verteidigung bis zur Bürde ausländischer Arbeitnehmer - je nach der Richtung der vorherrschenden
politischen Strömung.
Welche Grundlagen gibt es neben Dogmatismus und
Unehrlichkeit für die Definition unserer legitimen
nationalen Interessen?
Mindestens drei wurden
genannt, von denen meines Erachtens einige überzeugender als andere sind:
Nationale Sicherheit. Die Grundprämisse lautet,
daß einige ihre Bürger ausbeutende Staaten früher
oder später den globalen Frieden gefährden werden.
Internationale Arbeitskodizes würden diese weltweit
Geächteten isolieren und ihnen den Handel verweigern, der ihre Volkswirtschaften stärken und die
Position ihrer Herrscher festigen würde.
Unterdrückung im Inland ist jedoch kein genauer
Index für externe Aggressivität, und Wirtschaftssanktionen hatten einen durchaus gemischten Effekt,
Veränderungen bei aufsässigen Regimen zu erzwingen.
Wirtschaftliche Vorteile. Diesem Argument zufolge
müssen Länder mit hohen Arbeitsnormen die Löhne
senken, um mit Produzenten in Nationen mit niedrigen Normen konkurrieren zu können. Aus diesem
Grund wäre es der beste Weg für unter Druck
stehende schlechtbezahlte Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten, die fixen Kosten des Produk-

Seite 1

�stehende schlechtbezahlte Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten, die fixen Kosten des Produktionsfaktors Arbeit durch die Einführung internationaler Arbeitsnormen dem Konkurrenzdruck zu entziehen.
Diese Argumentationsweise verleitet jedoch leicht zu
dem Ruf, die Volkswirtschaften der fortschrittlichen
Länder gegen die billigen Arbeitskräfte im Ausland
abzuschotten. Darüber hinaus ist technologischer
Wandel ein sehr viel größerer Faktor beim Verlust
hochbezahlter Arbeitsplätze für ungelernte amerikanische Arbeitnehmer als der Wettbewerb mit Ländern der Dritten Welt.
Humanitäre Belange. Die moralische Sorge
ausgebeutete Arbeiter in Entwicklungsländern
zweifelsohne gerechtfertigt.
Aber wie groß
unsere Verantwortung? Wie können wir ihr
besten gerecht werden?

um
ist
ist
am

Einige Arbeitspraktiken schließen einfach bestimmte
Länder aus der Gemeinschaft zivilisierter Nationen
aus. Eine vereinbarte Liste von "grundlegenden"
Arbeitsnormen wird sicherlich von Gefangenen,
Sklavenarbeitern oder sehr jungen Kindern hergestellte Waren verbieten. Armut ist darüber hinaus
keine triftige Entschuldigung für die repressive
Einschränkung der Versammlungs- und Koalitionsfreiheit.
Über die kurze Liste mit grundlegenden Arbeitsnormen hinaus müssen die Urteile nuancierter
werden. Wie sollen wir - wenn überhaupt - auf
Entwicklungsländer reagieren, die 14jährige ohne
Einschränkung oder besonderen Schutz arbeiten
lassen, oder in denen der Lohn einen Bruchteil des
Durchschnittslohns in den Industrieländern beträgt
oder wo es um Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz schlechter bestellt ist als amerikanische oder
europäische Gesetze jemals zulassen würden?
Die Entwicklungsländer argumentieren zu Recht, daß
sie reicher werden müssen, um sich amerikanische
oder europäische Arbeitsnormen leisten zu können und zu diesem Zweck Handel treiben müssen.
Diese Beobachtung ist jedoch eine implizite Anerkennung der Tatsache, daß Normen nicht statisch
sein sollten, die Fähigkeit eines Landes zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen sich mit zunehmendem Entwicklungsgrad erhöht und internationale
Erwartungen ebenfalls steigen könnten.
Obwohl es weder fair noch realistisch ist darauf zu
bestehen, daß Entwicklungsländer dieselben Arbeitsnormen wie wohlhabendere Länder haben, kann
man davon ausgehen, daß sich die Arbeitsnormen
im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung verbessern.

Seite 2

Diese Erwartung spiegelt sowohl moralische Bedenken als auch die Tatsache wider, daß wir ein wirtschaftliches Interesse an umfassendem Wohlstand im
Ausland haben. Das Entstehen von Volkswirtschaften mit einer breiten Mittelschicht in den Entwicklungsländern bekräftigt nicht nur unsere Werte,
sondern ist auch gut für die Wirtschaft dieser und
unserer Staaten. Solche Volkswirtschaften bieten
einen Absatzmarkt für die Produkte hochentwickelter
Wirtschaften sowie eine interne, stabile Nachfragequelle für ihre eigenen Produkte. Despotie und
Oligarchie sind unzuverlässige Kunden.
Freier Handel ist ein Mittel, kein Zweck. Das Ziel ist
ein höherer Lebensstandard weltweit. Der Grund zur
Öffnung des Handels ist sein offensichtlicher Beitrag
zur Verbesserung des Lebens der Menschen. Wenn
jedoch ein Land eine Politik verfolgt, die auf die
Einfrierung des Lebensstandards auf niedrigem
Niveau abzielt, wird das Versprechen offenen Handels verkehrt und seiner logischen Grundlage beraubt.
Wenn die Industriestaaten zu Recht erwarten können,
daß Wachstum in der Dritten Welt mit verbesserten
Arbeitsbedingungen einhergeht - wie können diese
Erwartungen dann in Worte gefaßt werden? Ich
möchte einen aus zwei Teilen bestehenden Test
vorschlagen. Der erste Teil betrifft demokratische
Institutionen, der zweite Trends.
Arbeitsbedingungen werden von wirtschaftlichen,
kulturellen und politischen Faktoren bestimmt, deren
Auswirkungen schwer auseinanderzuhalten sind. Die
Existenz demokratischer Institutionen erhöht jedoch
die Wahrscheinlichkeit, daß niedrige Löhne und
schlechte Arbeitsbedingungen durch unglückselige,
jedoch legitime wirtschaftliche Einschränkungen
verursacht werden. Je weniger demokratisch ein
Land ist, desto mehr Anlaß besteht zu Mißtrauen,
daß Arbeitsnormen unterdrückt werden, um engstirnigen kommerziellen Interessen oder einem
fehlgeleiteten merkantilistischen Impuls von seifen der
Eliten zu dienen.
Was geschieht jedoch mit Entwicklungsländern, deren
demokratische Institutionen schwach oder nicht
existent sind? Diesen Ländern bieten Trends bei den
Arbeitsnormen und wirtschaftliche Ungleichheit eine
zweite Art von Meßlatte. Das Leben schlecht bezahlter Arbeitnehmer sollte sich verbessern, nicht verschlechtern, wenn Handel und Investitionen das
Volkseinkommen erhöhen. Wenn ein Land keine
demokratischen Institutionen vorweisen kann und
seine Bürger nicht in den Genuß der Vorteile des
Wachstums bringt, könnten andere Staaten mit Recht
zu der Schlußfolgerung gelangen, daß niedrige
Arbeitsnormen nicht auf Armut an sich zurückzufüh-

AMERIKA DIENST 24

�Mit anderen Worten: Internationale Maßnahmen
sind dort berechtigt, wo eine zivilisierte Wirtschaft
definierende grundlegende Arbeitsnormen verletzt
werden, trotz Wirtschaftswachstums niedrige Arbeitsnormen fortbestehen oder die Schwäche demokratischer Institutionen Grund zu der Annahme gibt, daß
der Lebensstandard durch die Politik, nicht durch die
Armut unterdrückt wird. Dieser vorläufige Rahmen
befaßt sich nur mit der Diagnose, nicht mit der
Behandlung. Welche Antwort sollte die internationale Staatengemeinschaft auf Maßnahmen geben, die
eine Verletzung der von ihr formulierten Normen
darstellen?
Es ist eindeutig vorzuziehen, wenn Maßnahmen
multilateral genehmigt und durchgeführt werden, um
die Expertise globaler Organisationen auszunutzen.
Das würde auch in jedem Land zur Trennung der
Arbeitsnormen betreffenden Fragen von engstirnigen
Motiven beitragen und die Chancen auf den Erfolg
einer Intervention erhöhen. Erforderlich ist auch
eine Vielzahl von Antworten auf Mißbrauch. Hierzu
können allgemeine Handelssanktionen, spezielle
Einschränkungen für bestimmte Sektoren, der
Verlust des Präferenzstatus, die Verweigerung des
Anspruchs auf internationale Kredit- und Darlehensprogramme, Vorschriften zum Aufdecken von Miß-

*

AMERIKA DIENST 24

brauch sowie technische Hilfe zur Förderung von
Verbesserungen gehören.
Das letzte Prinzip, das den beiden anderen Auftrieb
verleiht, ist Pragmatismus. Internationale Maßnahmen, die keine Auswirkungen auf die Normen verletzenden Nationen haben, sind bestenfalls Zeitverschwendung. Eingehende Untersuchung und Analyse muß den Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Verbesserung von Arbeitsnormen vorausgehen. Und wir müssen daran denken, daß Handel selbst - durch die Öffnung einer
Volkswirtschaft für externe Einflüsse sowie die
Förderung eines umfassenderen Interessenspektrums
- bisweilen den Katalysator für progressiven Wandel
darstellen kann.
Wir alle sind zunehmend durch ein weltweites Netz
von Wirtschaft und Kultur verbunden. Durch dieses
Weltdorf läuft das kleine, mit Steinen beladene Kind.
Mit jedem Jahr wird es schwieriger, es zu ignorieren.
Die Definition unserer Verpflichtungen gegenüber
ausländischen Arbeitnehmern ist eine komplexe
Angelegenheit, die uns bis zum Ende des Jahrhunderts und vielleicht sogar darüber hinaus beschäftigen wird. Das ist noch ein Grund mehr, daran zu
arbeiten.

* * *

*

Seite 3

�Wl R T S C H A F T
22. Juni 1994

G-7 ÜBERPRÜFEN HILFSPAKET FÜR RUSSLAND
Hintergrundinformation für Wirtschaftsgipfel in Neapel
WASHINGTON - (AD) - Wenn die Staats- und
Regierungschefs der führenden Industrienationen im
nächsten Monat in Neapel zum jährlichen Weltwirtschaftsgipfel zusammenkommen, steht an oberer
Stelle ihrer Tagesordnung eine Überprüfung der
Volkswirtschaften der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und des Beitrags der wohlhabenden Länder zur Stützung der stagnierenden Wirtschaftsleistung Rußlands.
Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der
Sieben (G-7) - Vereinigte Staaten, Frankreich,
Deutschland, Japan, Großbritannien, Italien und
Kanada - werden voraussichtlich eine Reihe von
Optionen erörtern, die von zusätzlicher bilateraler
Hilfe bis zu erweiterten Darlehen des Internationalen
Währungsfonds (IWF) zum weiteren Schuldenabbau
reichen.
Der Pariser Club der Gläubigernationen, der von Fall
zu Fall zusammentritt, um einen gemeinsamen
Ansatz zur Umschuldung der offiziellen Anleihen zu
erarbeiten, vereinbarte Anfang Juni eine Umschuldung der russischen Kredite in Höhe von über 7
Milliarden Dollar.
Die Kreditprobleme Rußlands werden jedoch erwartungsgemäß in diesem Jahr nicht abgebaut, und
Verhandlungen über eine mehrjährige Umschuldung
werden amerikanischen Quellen zufolge wahrscheinlich gegen Ende dieses Jahres aufgenommen. Das
gesamte Umschuldungspaket wird voraussichtlich an
ein Wirtschaftsprogramm gebunden, das Rußland in
den kommenden Monaten mit dem IWF ausarbeiten
wird.
Im Rahmen des IWF-Programms könnten Rußland
auch neue IWF-Kredite gewährt werden.
Die Verschuldung Rußlands beläuft sich zur Zeit auf
über 83 Milliarden Dollar, von denen 42 Milliarden
offiziellen bilateralen Gläubigern geschuldet werden,
davon 37,5 Milliarden Dollar den Mitgliedstaaten des
Pariser Clubs. Multilateralen Gläubigern wie dem
IWF und der Weltbank werden über 3 Milliarden
Dollar geschuldet.

AMERIKA DIENST 24

Am 4. Juni 1994 schuldete der Pariser Club 7,2
Milliarden Dollar der offiziellen russischen Kredite um.
Rund 1 Milliarde Dollar werden den Vereinigten
Staaten geschuldet. Der Umschuldungsplan umfaßt:
100 Prozent der 2,49 Milliarden Dollar betragenden geschuldeten Hauptsumme und Zinsen, die
vor dem 1. Januar 1991 vertraglich vereinbart
wurden und in diesem Jahr fällig werden. Dieser
Kredit kann über einen Zeitraum von 15 Jahren
(bis März 2010) zurückgezahlt werden, und vor
September 1997 sind keine Zahlungen erforderlich. Von dieser Gesamtsumme werden ungefähr
75 Millionen Dollar den Vereinigten Staaten
geschuldet.
100 Prozent der 4,13 Milliarden Dollar betragenden geschuldeten Hauptsumme und Zinsen, die im Jahr 1991 vertraglich vereinbart
wurden und in diesem Jahr fällig werden.
Dieser Kredit kann über einen Zeitraum von 10
Jahren (bis März 2005) zurückgezahlt werden,
und vor September 1997 sind keine Zahlungen
erforderlich. Von dieser Gesamtsumme werden den Vereinigten Staaten ungefähr 874
Millionen Dollar geschuldet.
60 Prozent der 700 Millionen in den Jahren 1993
und 1994 für die 1993 erfolgte Umschuldung
anfallenden Zinsen. Die 420 Millionen Dollar an
umgeschuldeten Zinsen werden in 10 gleich
hohen, halbjährlichen, Anfang September 1997
beginnenden Beträgen zurückgezahlt. Von dieser
Gesamtsumme werden den Vereinigten Staaten
ungefähr 20 Millionen Dollar geschuldet.
40 Prozent der im Laufe des Jahres 1994 anfallenden Zinsen in Höhe von 200 Millionen Dollar
für die 1994 durchgeführte Umschuldung. Die 80
Millionen Dollar an umgeschuldeten Zinsen werden in 10 gleich hohen, halbjährlichen, Anfang
September 1997 beginnenden Beträgen zurückgezahlt. Von dieser Gesamtsumme werden den
Vereinigten Staaten ungefähr 15 Millionen Dollar
geschuldet.

Seite 1

�100 Prozent der 80 Millionen Dollar betragenden
Hauptsumme und Zinsen, die an vor dem 4.
Januar 1992 vereinbarten Krediten mit kurzer
Laufzeit geschuldet werden. Dieser Betrag, der
keine Schulden bei den Vereinigten Staaten
beinhaltet, wird in gleich hohen, halbjährlichen,
Anfang September 1997 beginnenden Beträgen
zurückgezahlt.
Im Rahmen des Plans muß Rußland dem Pariser
Club 3,04 Milliarden Dollar zurückzahlen, einschließlich 100 Prozent der 2,64 Milliarden Dollar betragenden Hauptsumme und Zinsen aus nach dem 1.
Januar 1992 eingegangenen Verträgen, 40 Prozent
(280 Millionen Dollar) der Zinsen für die Umschuldung von 1993 und 60 Prozent (120 Millionen) der
Zinsen für die Umschuldung von 1994.
Bei der Bekanntgabe dieser Umschuldung erklärten
die offiziellen Gläubiger, der Schuldenabbau werde
voraussichtlich durch Finanzierungsgesellschaften zu
vergleichbaren Bedingungen wie den im Pariser
Club vereinbarten vorgenommen.
Finanzierungsgesellschaften werden ungefähr 38
Milliarden Dollar geschuldet, von denen rund 28
Milliarden Dollar Kredite mit mittel- und kurzfristiger
Laufzeit sind, 6 Milliarden Dollar Kredite mit kurzfristiger Laufzeit wie Handelskredite, und nahezu 4
Milliarden Dollar sind Außenstände bei Lieferanten
sowie verspätete Zinszahlungen.
Der sogenannte "Londoner Club" von Finanzierungsgesellschaften ist damit befaßt, eine Umschuldung
der Zahlungen an den Privatsektor auszuhandeln.
Abgesehen von der Verschuldung werden die
Staats- und Regierungschefs der G-7 das vor dem
letzten Weltwirtschaftsgipfel in Tokio vereinbarte
multilaterale Unterstützungsprogramm für Rußland
überprüfen. Dieses Programm konzentrierte sich auf
die Förderung von Strukturreformen und soll dem
Land den Weg zu soliden makroökonomischen
Maßnahmen ebnen.
Von den 43,4 Milliarden Dollar Unterstützungszahlungen an Rußland im Rahmen dieses Programms wurden ungefähr 30 Milliarden Dollar
bereitgestellt. Der volle Betrag wurde nicht gewährt,
weil Rußland noch nicht entsprechende Fortschritte
bei der Durchführung des Wirtschaftsprogramms
erzielt hat.
Das Programm beinhaltet:
14,2 Milliarden Dollar, von denen 10,6 Milliarden
Dollar genehmigt wurden, um Rußland bei der
Privatisierung der Industrie, dem Aufbau von

Seite 2

Marktinstitutionen und der Infrastruktur sowie der
Entwicklung des Energie- und Landwirtschaftssektors behilflich zu sein. Die Weltbank hat der
Bereitstellung von Krediten in Höhe von bis zu 3,4
Milliarden Dollar zugestimmt, von denen 2,3
Milliarden Dollar voraussichtlich bis zum Gipfeltreffen in Neapel genehmigt werden. Die G-7Länder haben ferner die Zuweisung von 10
Milliarden Dollar für Exportkredite vereinbart.
Über 5 Milliarden Dollar dieser Hilfsleistungen
wurden 1993 gewährt, und für 1994 wird eine
ähnliche Summe erwartet.
4,1 Milliarden Dollar als Anschubfinanzierung für
den Stabilisierungsfonds. Dieser Betrag beinhaltet
3 Milliarden Dollar, die Rußland vom IWF im
Rahmen der Systemumgestaltungsfazilität (Systemic Transformation Facility - STF) im Juni 1993
und April 1994 erhalten hat sowie 1,1 Milliarden
Dollar von der Weltbank. Von dieser Summe
wurde die Hälfte bereits ausgezahlt, und ein
zweiter Kredit in Höhe von 600 Millionen Dollar
wird voraussichtlich im Juli genehmigt.
10,1 Milliarden Dollar als Stabilisierungsfonds.
Diese Mittel wurden bisher nicht verlängert. Sie
umfassen einen Sonderkredit des IWF in Höhe
von 4,1 Milliarden Dollar, der Anfang Herbst
ausgezahlt werden soll - wenn Rußland das im
Rahmen des STF-Programms vereinbarte Wirtschaftsprogramm erfolgreich umsetzt. Die G-7
einigten sich darüber hinaus auf die Einrichtung
eines 6 Milliarden Dollar betragenden WährungsStabilisierungsfonds zur Unterstützung des Rubel
sobald Rußland ein rigoroses Sonderprogramm
verwirklicht und mehrere Monate durchgeführt hat.
15 Milliarden Dollar der im April 1993 vereinbarten
Umschuldung.
Darüber hinaus haben sich die Länder der G-7, die
Weltbank, die Internationale Finanzgesellschaft und
die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung auf die Gründung eines Speziellen Privatisierungs- und Umstrukturierungsprogramms (Special
Privatization and Restructuring Programm - SPRP)
geeinigt, um bei der Umstrukturierung von Großunternehmen behilflich zu sein. Das SPRP wird ungefähr
3 Milliarden Dollar an Grundkapital, Anleihen und
Unterstützung der Exportkreditbehörde für die Unternehmensumstrukturierung zur Verfügung stellen. Im
Rahmen dieses Programms wird ein Netz von bis zu
zehn regionalen Gemeinschaftsfonds gegründet, um
Investitionen in russische Firmen zu tätigen. Die
Vereinigten Staaten haben unter dem SPRP 100
Millionen Dollar an Darlehen und 250 Millionen Dollar
als Unterstützung der Exportkreditbehörde beigesteuert.

AMERIKA DIENST 24

�U S A - O S T A S I EN
22. Juni 1994

NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE USA
IM PAZIFISCHEN RAUM
Rede von Abteilungsleiter Charles Freeman
WASHINGTON - (AD) - Nachdem die Sowjetunion im asiatisch-pazifischen Raum nicht länger eine Gefahr für
die Vereinigten Staaten darstellt, sehen diese sich in Nordkorea einer äußerst schwierigen militärischen
Bedrohung sowie komplexen wiederauftretenden und neuen Herausforderungen gegenüber, erklärte der
Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium Charles Freeman.
Vor dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses äußerte Freeman am 15. Juni
1994: "Viele dieser Herausforderungen sind auf den bevorstehenden Übergang in den wichtigsten
ostasiatischen Staaten zurückzuführen - dessen Ergebnis großenteils die Natur des zukünftigen ostasiatischen
Sicherheitsumfelds bestimmen wird."
"Wir sehen uns auch mit der Herausforderung einer Modernisierung der amerikanisch-japanischen
Beziehungen konfrontiert - dem Eckpfeiler unserer Sicherheitsposition in Ostasien und im Pazifik. Die
Interessen sind so gelagert, daß wir eine Strategie der Stärkung bilateraler Beziehungen und der Ermutigung
multilateraler Abkommen verfolgen müssen, während wir in die erforderlichen Ressourcen zur Aufrechterhaltung unserer vitalen Interessen investieren und unsere unerschütterliche Entschlossenheit zum Ausdruck
bringen."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Abteilungsleiter Freeman.

Wie bereits von anderen erwähnt, sind Ostasien und
der pazifische Raum von enormer wirtschaftlicher
Bedeutung für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten. Ostasien ist auch von immenser
strategischer Bedeutung.
In dieser Region ist
weiterhin eine riesige Militärmacht konzentriert,
darunter viele der größten Armeen der Welt. Fünf
unserer Bündnispartner sind in diesem Gebiet
angesiedelt.
100.000 amerikanische Soldaten
fördern dort unsere lebenswichtigen nationalen
Interessen und vertraglichen Verpflichtungen.
Die Bündnisse mit ostasiatischen Ländern sind für
den Erfolg der amerikanischen Strategie in der Zeit
nach dem Kalten Krieg von entscheidender Bedeutung. Der wachsende Einfluß und die Stärke unserer Freunde und Verbündeten werden ihnen die
Übernahme größerer Verantwortung zum Zwecke
gemeinsamer Sicherheitsziele ermöglichen und die
regionale Sicherheit fördern. Wir haben ein Interesse an der Beibehaltung der Bündnisstruktur als
Grundlage regionaler Stabilität und Kanal für amerikanischen Einfluß. Der Aufbau reiferer Sicherheits-

AMERIKA DIENST 24

beziehungen mit unseren asiatischen Verbündeten
und Freunden fördert langfristige Interessen. Wir
sehen neuen Gelegenheiten zur Erörterung politischer, wirtschaftlicher, umweltpolitischer, sozialer und
sicherheitspolitischer Angelegenheiten im Rahmen
neuer regionaler Sicherheitsarrangements erwartungsvoll entgegen.
Gleichzeitig müssen wir uns vor Augen halten, daß
die Vereinigten Staaten in der Region eine einzigartige Rolle zu spielen haben. Seit dem Zweiten
Weltkrieg hat unser Land als Förderer des regionalen
Gleichgewichts gedient. Unbelastet von historischen
Rivalitäten oder traditionellen Feindschaften können
die Vereinigten Staaten gleichzeitig mit Japan,
Rußland, China, Korea und allen Staaten Südostasiens ausgezeichnete Beziehungen pflegen. Keine
andere Macht kann diese Rolle übernehmen, und wir
können sie nicht vernachlässigen. Während sich
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das
Kräftegleichgewicht wieder einstellt, wird die Haltung
der Vereinigten Staaten gegenüber Fragen ostasiatischer Sicherheit großenteils darüber entscheiden, ob

Seite 1

�den Herausforderungen an die regionale Sicherheit
erfolgreich begegnet wird.
Der Bitte des Ausschusses entsprechend möchte ich
auf die heutigen sicherheitspolitischen Herausforderungen in Asien zu sprechen kommen.
Vereitelung des nordkoreanischen Strebens nach
Atomwaffen:
Die potentielle Entwicklung von
Atomwaffen durch Nordkorea ist die unmittelbarste
Sicherheitsbedrohung in Asien. Kim Il-Sungs hartnäckiger Widerstand gegen umfassende Inspektionen und die von ihm angekündigte Politik, Maßnahmen der UNO zur Durchsetzung von Inspektionen
als Kriegshandlung anzusehen, verleiht dieser Frage
überragende Bedeutung für unsere Sicherheitsinteressen in Asien und weltweit. Wie dieser Ausschuß
weiß, arbeiten wir unter anderem eng mit Südkorea,
Japan, China und Rußland zusammen, um dieses
Problem auf dem Wege der Diplomatie zu lösen.
Wir erörtern mit Südkorea, Japan und den vier
anderen Ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats eine Sanktionsresolution und erwarten, daß sie
schnell angenommen wird. Wir haben keine andere
Wahl, als Sanktionen zu verhängen, da Nordkorea
sich nicht an die Vorschriften der IAEO hält.
Verhinderung von Weiterverbreitung: Wir sind
äußerst besorgt über die Möglichkeit wirtschaftlich
und technologisch fortgeschrittener Länder, sich am
Transfer von Waffen und Technologie an Regimes
im Nahen Osten und Südasien zu beteiligen. Wir
streben eine Begrenzung der Gefahren an, die eine
derartige Weiterverbreitung für den Frieden in dieser
wichtigen Region darstellen würde. Neben der
unmittelbaren Sicherheitsbedrohung schafft das
Potential Nordkoreas zur Entwicklung von Atomwaffen die Möglichkeit einer noch größeren und weiterreichenden Bedrohung - daß andere regionale
Mächte zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen getrieben werden, was die Gefahr einer
Auflösung des gesamten weltweiten Nichtverbreitungsrahmens darstellt.
Die Begegnung der konventionellen Bedrohung
durch Nordkorea: Die konventionelle Bedrohung
Südkoreas durch Nordkorea - mit einer zunehmend
gutgerüsteten, äußerst mobilen, eine Million starken
Armee, von der zwei Drittel nahe der entmilitarisierten Zone stationiert sind - bleibt eine weitere Quelle
regionaler Instabilität. Angesichts der Unsicherheiten
aufgrund des derzeitigen politischen Übergangs in
Pjöngjang müssen die Vereinigten Staaten und
Südkorea auf alles, vom internen Zusammenbruch
bis zu verzweifelter Aggression, vorbereitet sein Spannungen, die nicht nur die Zukunft der koreanischen Halbinsel, sondern die Sicherheit der gesamten Region beeinflussen würden. Unsere Fähigkeit

Seite 2

zur Einflußnahme auf die Entwicklungen in Nordkorea
ist begrenzt. Wir können jedoch durch die Verhinderung aggressiver Optionen für die nordkoreanische
Führung durch unsere militärische Unterstützung
Südkoreas sowie die Zusammenarbeit mit anderen
wichtigen regionalen Partnern in kritischen Punkten
Einfluß auf Korea ausüben.
Eine substantielle
Militärpräsenz auf der nordkoreanischen Halbinsel
bleibt essentielle Vorbedingung für die Übernahme
dieser Rollen.
Stärkung der amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen:
Keine unserer bilateralen
Sicherheitsbeziehungen ist wichtiger als die zu
Japan. Unser Bündnis mit Japan ist sowohl für
unsere pazifische Sicherheitspolitik als auch unsere
globalen strategischen Ziele von grundlegender
Bedeutung. Von unseren dortigen Stützpunkten aus
können wir Konflikte abschrecken, den amerikanischen Einfluß bewahren und vornestationierte Streitkräfte zur schnellen Reaktion auf Krisen postieren.
Die amerikanischen Sicherheitsgarantien für Japan
haben eine angemessene Aufgabenteilung ermöglicht, wobei Japan zur Aufrechterhaltung regionaler
Stabilität auf die Vereinigten Staaten blickt, während
sich das Land auf die Verteidigung seines eigenen
Territoriums konzentriert und ausgezeichnete Stützpunkteinrichtungen sowie als Gastland großzügige
Unterstützung bei der Förderung gemeinsamer
Sicherheitsinteressen gewährt. Die Präsenz amerikanischer Truppen gestattet Tokio die Aufrechterhaltung
der drei Prinzipien: Keine Atomwaffen, keine Streitkräfte zur Machterhaltung, keine Waffenexporte.
Japans starke Unterstützung der Nichtverbreitungspolitik reflektiert seine entschiedene Verpflichtung, auf
Waffenexporte und Atomwaffen zu verzichten.
In den vergangenen Jahren waren die Beziehungen
insgesamt aufgrund der Handelsungleichgewichte
und einer Anzahl bilateraler Wirtschaftsfragen beträchtlichen Belastungen unterworfen. Fortschritte im
wirtschaftlichen und technologischen Bereich sind für
die langfristige Gesundheit der bilateralen Beziehungen von entscheidender Bedeutung. Alle drei Säulen
des Bündnisses - Sicherheit, Politik und Wirtschaft müssen stark und ausgewogen sein. Die Beilegung
unserer derzeitigen ökonomischen Differenzen ist für
unsere Wirtschaftsbeziehungen und die Weltwirtschaft
von Bedeutung. Gesunde wirtschaftliche Bande
stärken die anderen Säulen des Bündnisses.
Die Integration Chinas als verantwortliche Weltmacht: China ist zur vorherrschenden regionalen
Militärmacht geworden und wird auf wirtschaftlichem
Gebiet bald einen ähnlichen Status erreichen. Die
militärische Aufrüstung des Landes, insbesondere die
Bereitstellung zusätzlicher Gelder für Marine und
Luftwaffe, hat in Nordost- und Südostasien Anlaß zu
der Sorge gegeben, China entwickele neue Fähigkei-

AMERIKA DIENST 24

�ten, die eine potentielle Bedrohung seiner Nachbarn
darstellten. Andererseits hat sich die derzeitige
chinesische Führung um den Aufbau guter Beziehungen zu seinen Nachbarn und zum Westen
bemüht. Die Modernisierung der Wirtschaft ist in
naher Zukunft das Hauptziel Chinas, der Übergang
zu einer Führung nach Deng läßt den zukünftigen
strategischen Kurs des Landes jedoch im unklaren.
Für die Vereinigten Staaten und eine Anzahl interessierter Länder besteht die große Herausforderung
in der Förderung einer verantwortlichen Integration
Chinas in die asiatisch-pazifische Gemeinschaft.
Diese Bestrebungen werden ein entscheidender
Faktor dafür sein, wie China letztlich - und unausweichlich - seine Rolle als Weltmacht definiert.
Unsere größte Chance, beim Entstehen dieser
Weltmacht einen positiven Einfluß auszuüben, liegt
in der Ermutigung von sich in China bereits abzeichnenden Trends, beispielsweise der Bewegung
zu einer Marktwirtschaft sowie größerer Beteiligung
am internationalen Wirtschaftssystem. Kontakte zu
China an allen Fronten, einschließlich des Militärs,
bieten die beste Chance zur Erreichung dieses Ziels.
Ein China mit Interesse am Weltwirtschaftssystem
wird sich wahrscheinlich weniger aggressiv und
unberechenbar verhalten als ein China, das sich von
der Weltgemeinschaft isoliert fühlt.
Vertiefung unserer Beziehungen zum ASEAN:
Die Entwicklung des Verbands Südostasiatischer
Nationen (ASEAN) zu einem zunehmend einflußreichen regionalen Akteur ist eine wichtige positive
Entwicklung. Die 320 Millionen zählende Bevölkerung des ASEAN ist nahezu doppelt so groß wie die
von Japan und Korea zusammengenommen.
Südostasien ist eine Region mit wachsender wirtschaftlicher Stärke, und bis Ende des Jahrhunderts
werden die ASEAN-Volkswirtschaften gemeinsam
voraussichtlich einen Umsatz von 800 Milliarden
Dollar erzielen - 100 Milliarden mehr als China. Die
Vereinigten Staaten teilen das Interesse der ASEANLänder zu verhindern, daß Südostasien ein Gebiet
für strategischen Wettbewerb zwischen den Regionalmächten wird.
Wir versuchen, unser Netz von Zugangsarrangements anstelle von ständigen Stützpunkten in ganz
Südostasien zu erweitern. Derartige Abkommen
werden bilaterale Ausbildung, Manöver und die
Interoperabilität verbessern und damit unsere
Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Verbündeten und
Freunden erweitern.
Verbesserung der Stabilität in Kambodscha: Mit
internationaler Unterstützung und starker Beteiligung
von König Sihanouk am Friedensprozeß ermöglichten die Vereinten Nationen die Wahl einer Regierung

AMERIKA DIENST 24

in Kambodscha. Seit der Gründung der Regierung
hat Kambodscha beachtliche Fortschritte bei der
Einrichtung von Regierungsinstitutionen, Förderung
der Respektierung von Menschenrechten und Einführung einer marktorientierten Volkswirtschaft erzielt.
Trotz dieser Erfolge sieht sich Kambodscha immer
noch mit ernsthaften Herausforderungen beim Wiederaufbau, der Entwicklung und im Sicherheitsbereich
konfrontiert, nicht zuletzt mit den aufrührerischen
Roten Khmer. Die andauernde Unterstützung der
internationalen Staatengemeinschaft einschließlich
der Vereinigten Staaten ist unabdingbar für das
Überleben dieser aufstrebenden Demokratie. Die
Vereinigten Staaten verpflichten sich weiterhin zur
Bereitstellung von Wiederaufbau- und Rehabilitationshilfe sowie humanitärer Hilfslieferungen für das
kambodschanische Militär, darunter IMET, das die
Entstehung eines Berufsheeres fördert, das die
Entwicklung grundlegender demokratischer Institutionen unterstützen, die nationale Verteidigung bereitstellen sowie den nationalen Wiederaufbau und die
Entwicklung fördern wird.
Behandlung der Ansprüche auf die Spratly-Inseln:
In vielen Teilen der Region gibt es strittige Gebietsansprüche, aber der Streit um die unterirdischen
Ölreserven in der Umgebung der Spratly-Inseln ist
kurz- bis mittelfristig eine potentielle Quelle regionaler
Konflikte, die viele Nationen der Region einbeziehen
und das Befahren entscheidender Schiffahrtswege im
Südchinesischen Meer gefährden könnten. Regionale Bestrebungen zum Abbau der Spannungen auf
den Spratlys wie die von Indonesien veranstalteten
"Workshops", die die Kontrahenten zur Konzentration
auf Gebiete der Kooperation zusammenbringen,
verweisen auf den Wert multilateraler Ansätze zu
regionalen Sicherheitsfragen, die nützliche Ergänzungen des traditionellen Netzes bilateraler Bündnisse
sind.
Bekräftigung der kontinuierlichen Bedeutung der
Vornestationierung amerikanischer Streitkräfte:
Die Präsenz vornestationierter amerikanischer
Streitkräfte in der Region ist eine deutliche Demonstration des amerikanischen Engagements, bietet
Abschreckung und psychologische Unterstützung und
dient als Grundlage für regionale Stabilität und
Sicherheit.
Die asiatischen Staats- und Regierungschefs wurden
durch die Reden des Präsidenten in Tokio und Seoul
sowie die Ankündigung der Ergebnisse der grundlegenden Umstrukturierung durch den damaligen
Verteidigungsminister Aspin bestärkt. Aus asiatischer
Sicht waren besonders bemerkenswerte Aspekte der
Umstrukturierung die Konzentration auf rasche
Dislozierung; Modernisierungsinitiativen, die Verbesserungen unserer Luft- und Seetransportfähigkeit

Seite 3

�beinhalten sowie voreingelagertes Gerät, das die
raschere Dislozierung unserer Streitkräfte bei einer
Krise sicherstellt; nachdrückliche Verbesserungen
unserer Fähigkeit zur Lokalisierung und Zerstörung
gegnerischer militärischer Einrichtungen verleihen
diesen Streitkräften größere Effektivität, und fähigere
Überwachungsplattformen des Gefechtsfelds sowie
moderne Munition machen insbesondere unsere am
ersten eintreffenden Streitkräfte schlagkräftiger.
Militärisches Engagement in der Region hängt auch
von anderen Formen der Zusammenarbeit bei der
Verteidigung ab: Personalaustausch, Austausch von
nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, Besuchen auf
hochrangiger Ebene, Konferenzen, bilateralem
politischem Dialog, IMET, Voreinlagerung von Gerät,
gemeinsamen Manövern und Kontakten unter den
Militärs. Diese Mechanismen gestatten uns die
Demonstration unseres Interesses an der Region,
und in dem Maße, in dem wir sie zur Erweiterung
und Stärkung unserer bilateralen Verteidigungsbeziehungen nutzen können, werden wir die Grundlage des regionalen Sicherheitssystems festigen. In
diesem Zusammenhang möchte ich auf die Ablehnung der Sprachregelung in der Version der Gesetzesvorlage zu ausländischen Operationen des
Repräsentantenhauses durch die Administration
verweisen, die versucht, Indonesien die Ausbildungsbeschaffung zu verbieten.
Anerkennung der Vorteile von Bündnissen: Das
Bündnis zwischen Australien, Neuseeland und den
Vereinigten Staaten (ANZUS) ist weiterhin eine
wichtige Komponente unserer Sicherheitsarchitektur
im Pazifik, obwohl Sicherheitsgarantien für Neuseeland zur Zeit aufgrund der Nichteinhaltung der
Bündnisverpflichtungen durch Neuseeland aufgehoben sind. Australien, mit dem wir eine breitgefächerte nachrichtendienstliche und strategische Partnerschaft unterhalten, ist ein wichtiger Bestandteil
unserer Vornepräsenz in der Region. Unser Ziel ist
die Stärkung dieser Partnerschaft und der Abbau
von Hindernissen gegen die erneute Integration
Neuseelands als vollwertiger Partner in das ANZUS.
Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in ganz
Ostasien gibt es große Übereinstimmung, daß
unsere Bündnisse und andere bilaterale Verteidigungsbeziehungen das Kernstück der bestehenden
Sicherheitsstruktur sind und bleiben müssen. Es gibt
jedoch auch zunehmende Anerkennung des Werts
von multilateralen Sicherheitsinitiativen als ergänzende zweite Stufe eines sich abzeichnenden regionalen Sicherheitsumfelds.
Nutzung der Chancen multilateraler Sicherheitsdebatten: Unsere aktive Beteiligung an multilateralen Sicherheitsdialogen - sowohl offiziell, wie die

Seite 4

ASEAN-Ministerkonferenz, als auch inoffiziell wie bei
verschiedenen, aus Wissenschaftlern und Regierungsvertretern zusammengesetzten Konferenzen können zur Bekräftigung unserer regionalen Rolle
beitragen sowie bestehende und sich abzeichnende
Sicherheitsprobleme ansprechen, die auf bilateraler
Ebene nicht so leicht behandelt werden können.
In Nordostasien müssen wir uns bewußt machen,
daß zwar unsere bilateralen Sicherheitsbündnisse mit
Japan und Korea weiterhin den Grundpfeiler unserer
Sicherheit bilden, es jedoch auch Chancen für einen
multilateralen Sicherheitsdialog auf staatlicher und
nichtoffizieller Ebene gibt. Unter den sechs führenden nordostasiatischen Mitspielern (Republik Korea,
Demokratische Volksrepublik Korea, Vereinigte
Staaten, Japan, China und Rußland) macht sich
zunehmend die Erkenntnis breit, daß ihre gegenseitige Sicherheit durch einen regionalen Dialog
sowie größere Transparenz bei Waffenverkäufen und
der Verteidigungsplanung verbessert werden kann.
Gleichzeitig sollte man sich vor Augen führen, daß
die Region nicht für weitere tiefgreifende Maßnahmen
wie die Gründung eines regionalen Sicherheitsbündnisses oder die Verabschiedung regionaler Rüstungskontrollabkommen bereit ist.
Das Ausmaß der
Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, der sich
abzeichnende politische Übergang in Japan, die
Belastungen der amerikanisch-chinesischen Beziehungen wegen der M-11-Sanktionen, CTB, Menschenrechten und Yin He sowie das Fehlen politischer Stabilität in Rußland verringern alle die Aussichten auf einen kurzfristigen größeren Durchbruch
bei der nordostasiatischen regionalen Sicherheit.
Schlußbemerkung
Obwohl wir nicht mehr mit der hegemonischen
sowjetischen Bedrohung in Asien und im Pazifik
konfrontiert sind, sehen wir uns noch immer mit einer
der forderndsten militärischen Bedrohungen in Korea
und einem komplexen Gefüge erneut auftretender
und neuer Herausforderungen gegenüber. Viele
dieser Herausforderungen leiten sich aus der bevorstehenden Umgestaltung entscheidender ostasiatischer Länder ab - deren Resultat in hohem Maße die
Natur des künftigen ostasiatischen Sicherheitsumfelds
bestimmen wird. Wir sehen uns auch mit der Herausforderung einer Modernisierung der amerikanischjapanischen Beziehungen konfrontiert - dem Eckpfeiler unserer Sicherheitsposition in Ostasien und im
Pazifik. Die Interessen sind so gelagert, daß wir eine
Strategie der Stärkung bilateraler Beziehungen und
der Ermutigung multilateraler Abkommen verfolgen
müssen, während wir in die erforderlichen Ressourcen zur Aufrechterhaltung unserer vitalen Interessen
investieren und unsere unerschütterliche Entschlossenheit zum Ausdruck bringen.

AMERIKA DIENST 24

�USIA
22. Juni 1994

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT UND DAS ZEITALTER
DER DEMOKRATIE
von Penn Kemble
Der Verfasser des nachfolgenden Artikels, Penn Kemble, ist Stellvertretender Direktor des US-Informationsamts
(United States Information Agency - USIA). Der Artikel basiert auf einer Rede, die Kemble am 8. Juni 1994
bei der vom Center for Strategie and International Studies geförderten Konferenz über Öffentlichkeitsarbeit in
der Bundeshauptstadt Washington hielt.

Jede Diskussion über die Rolle der Öffentlichkeitsarbeit in unserer Außenpolitik muß von einigen
strategischen Prämissen ausgehen: Was geschieht
in der Welt nach dem Kalten Krieg und was sollten
die Vereinigten Staaten zur Förderung ihrer Werte
und Interessen unternehmen?
Heute beklagen sich viele darüber, die Probleme in
der Welt nach dem Kalten Krieg seien so neu und
kompliziert, daß die größte uns

konfrontierende

Gefahr der Impuls zu ihrer Vereinfachung darstelle.
Diese Warnung wurde vielleicht am beredtsten vor
einigen Monaten von dem renommierten George
Kennan formuliert, der den Council on Foreign
Relations vor dem Streben nach einem alles umfassenden Weltbild warnte, das die nach dem
Zusammenbruch der großen Strukturen des OstWest-Konflikts hinterlassene Leere füllen könnte.
Die Warnung Botschafter Kennans fand weithin ein
Echo: Anscheinend ist im heutigen, postmodernen
intellektuellen Umfeld nichts so sehr aus der Mode
gekommen wie Einfachheit und Klarheit. Daher ist
es mir gewissermaßen peinlich zuzugeben, daß die
von mir zugunsten der Öffentlichkeitsarbeit angeführten Argumente, die mir überzeugend scheinen, auf
Prämissen über Amerikas Stellung in der Welt
beruhen, die einfach und direkt sind.
Manche halten den Zusammenbruch des Kommunismus für etwas, das völlig unerwartet geschah - wie
die wundersame Zerschlagung der heidnischen
Armee in einer Bibelgeschichte. Über einen solchen
Eindruck sollte man nicht zu schnell spotten. Es
scheinen jedoch auch unbestreitbar irdischere Kräfte
am Werk gewesen zu sein. Diese könnten folgendermaßen zusammengefaßt werden: Die Ereignisse

AMERIKA DIENST 24

von 1989 und danach wurden durch eine internationale soziale und kulturelle Bewegung zu Demokratie
und Selbstbestimmung ausgelöst, die sowohl die
traditionellen autoritären Gesellschaften der entwikkelten Welt, als auch viele unter kommunistischer
Herrschaft befindliche Gesellschaften erfaßte.
Professor Samuel Huntington bezeichnete dies als
die "dritte Welle" einer weltweiten demokratischen
Revolution, die vor zwei Jahrhunderten begann.
Die Welt nach dem Kalten Krieg wird immer noch von
den Wogen dieser großen demokratischen Welle
geformt, die auf neue Hindernisse stößt, Reaktionen
hervorruft und in neue Domänen einbricht. Die
Vereinigten Staaten sind - mit Absicht und durch ihr
unbewußtes Beispiel - in vielerlei Hinsicht der kulturelle und politische Erzeuger dieser Demokratiewelle.
Wir haben ein starkes Eigeninteresse an ihrer Konsolidierung auf möglichst hoher Ebene.
Einige meiner Kollegen - das weiß ich aus im USInformationsamt geführten Diskussionen - halten die
oben beschriebene Weltsicht für Sehnsucht nach den
geopolitischen Gegebenheiten des Kalten Krieges:
Die bunten Landkarten freier und unfreier Länder, die
strategischen Höhen und Schwachstellen, die
Schlachten um Herz und Verstand. Die Kritiker
bringen einige Argumente an. Ihre Neigung zur
Komplexität und Verweigerung klarer Auswahl kann
auch eine Entschuldigung für Schüchternheit und
Passivität sein. Die Idee kann besänftigend und
beruhigend sein, unsere Probleme seien so neu und
verschiedenartig, daß wir sie nicht wirklich verstehen
können oder alles bis nach weiteren Untersuchungen
hinausschieben.

Seite 1

�Wenn wir jedoch zulassen, daß die internationale
Angelegenheiten definierende Herausforderung die
Aussicht auf diese weltweite Demokratiebewegung
ist, haben wir eine gute Grundlage für die Einschätzung der Wirksamkeit und zukünftigen Strategie
unserer Öffentlichkeitsarbeit.
Nachfolgend kurz
einige bei der Diskussion anzustellende Überlegungen:
1. In einer zunehmend demokratischen Welt, in der
die Kommunikationskultur der Demokratie sich auch
auf viele nichtdemokratische Gesellschaften ausgeweitet hat, muß praktisch jede wirksame Diplomatie
eine "öffentliche" Dimension haben. Die Zeiten sind
vorbei, in denen die angeblichen Nachfolger Talleyrands und Metternichs in Wagenkolonnen herumfahren, in gobelingeschmückten Sälen Demarchen
austauschen und Presse und Öffentlichkeit ausschließen konnten, bis die Zeit zur Ankündigung
einer Übereinkunft in der Öffentlichkeit gekommen
war oder ihre Hilfe bei der Beseitigung von Fehlern
nötig war. Die Diplomatie von heute muß zunächst
ein öffentliches Fundament legen und auf allen
Stufen die Unterstützung der Öffentlichkeit genießen.
Dennoch wird von einigen die öffentliche Komponente der Diplomatie als eine Art Hilfsfunktion oder
nachträgliche Überlegung angesehen. Schon vor
langer Zeit lernte ich die Maxime: "Wenn wir bei der
Bruchlandung dabei sein sollen, müssen wir auch
beim Abheben dabei sein." Erst kürzlich fand ich zum passenden Zeitpunkt - heraus, daß diese
Bemerkung erstmals vom ehemaligen USIA-Direktor
Edward R. Murrow gemacht wurde.
Zu Beginn dieser Konferenz gab Botschafter Gerald
Solomon ein gutes Beispiel dafür, warum strategische Öffentlichkeitsarbeit ein fester Bestandteil jeder
diplomatischen Initiative sein sollte. Unsere Schwierigkeiten mit Nordkorea wegen der Weiterverbreitung
mögen manchen in Asien und sogar hier zusammenhanglos, ominös und daher suspekt erscheinen. Wir
müssen hier und im Ausland größere Gruppen von
Meinungsbildnern mit dieser Angelegenheit betrauen, wenn wir wirksam handeln wollen.
2. Ein weiteres Gebiet, auf dem die Anerkennung
der Bedeutung weltweiter Demokratiebewegungen
von Nutzen sein könnte, ist unsere Neueinschätzung
der Rolle von Auslandshilfe. Die ältere, Entwicklung
in den Mittelpunkt rückende Denkweise ging allzuoft
von der Annahme aus, wir in den Vereinigten
Staaten hätten die Lösungen für die Probleme,
könnten unsere Angebote in Kisten verpacken und
in die unterentwickelte Welt verschicken. Diese
Mentalität führte zu einer "Geber"- und einer entsprechenden "Nehmer"-Kultur.

Seite 2

Es gibt Umstände, unter denen Katastrophen oder
menschliches Leiden die herkömmliche Art von
Auslandshilfe erforderlich machen. Seit langem ist
jedoch offenkundig, daß Fortschritte am effektivsten
erzielt werden, wenn die Menschen die Mittel zur
Lenkung ihrer eigenen Entwicklung beschaffen. Die
Bewegung zu Demokratie und zu freiem Unternehmertum hat den Weg zu rascherer und menschlicherer Entwicklung geebnet, als die meisten Anhänger der Auslandshilfe je für möglich hielten. Die von
uns für diese Bewegung bereitgestellte Unterstützung
ist jedoch nicht eine von Gebern an Nehmer, sondern
vielmehr Solidarität mit mehr Kollegialität und Gleichberechtigung. Statt Dämme zu bauen und Brunnen
für Menschen zu bohren, helfen wir ihnen beim
Aufbau der Institutionen und Kulturen, mit denen sie
diese Dinge selbst leisten können.
3. Eine weitere Stärke leitet sich daraus ab, daß wir
uns selbst als Teilnehmer an einer internationalen
demokratischen Entwicklung sehen, und dies besitzt
sicherlich größere Anziehungskraft für unsere Bürger
als sich selbst als Weltpolizisten oder Sozialarbeiter
zu betrachten. Die Amerikaner sind nicht in der
klassischen isolationistischen Stimmung wie in den
zwanziger Jahren - sie wollen in der Welt engagiert
sein. Die Idee, zur Verankerung der Demokratie in
anderen Ländern beizutragen, hat moralische Anziehungskraft, und - falls dies als zu hochherzig angesehen wird - muß man auch einem äußerst wichtigen
amerikanischen Wirtschaftsinteresse gerecht werden,
indem man auf neueröffnete Märkte geht. Zum
Aufgabengebiet von USIA gehört es nicht, Öffentlichkeitsarbeit unter der amerikanischen Bevölkerung zu
leisten, aber wir können und sollten das amerikanische Volk in die Vermittlung der amerikanischen
Interessen und Werte an andere einbeziehen.
Öffentlichkeitsarbeit in diesem demokratischen
Zeitalter ist das Bestreben zur Förderung der Interessen der Vereinigten Staaten durch Einflußnahme
auf die öffentliche Meinung im Ausland. Es gibt drei
Wege, mit denen wir bei USIA dies tun können:
Bildungsaustausch, Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie die Arbeit unserer Vertreter für öffentliche
Angelegenheiten, Information und Kultur auf ihren
Posten im Ausland.
Der am wenigsten verstandene, aber wertvollste
dieser drei Aspekte ist die Arbeit der USIA-Vertreter
vor Ort im Ausland. Sie sind die Kämpfer für unsere
Außenpolitik. Sie beobachten genau, wie die ausländische Öffentlichkeit auf Themenkomplexe reagiert. Sie engagieren die Presse, Dozenten und
Meinungsbildner. Sie sind uns bei der Gestaltung
unserer Austauschprogramme, Sendungen und
unserer Meinungsforschung behilflich. Heute sind sie
einer Wache vergleichbar, die die interessanteren

AMERIKA DIENST 24

�Aspekte der Welt von heute verfolgt: Die Rebellion
gegen Globalismus. Wie der französische Schriftsteller Regis Debray kürzlich in The New Crlterion
erläuterte: "... der freiere Informationsfluß erzeugt
kulturelles Selbstbewußtsein. Unser Weltdorf ist
gleichermaßen globaler und chauvinistischer. Das
eine bedingt das andere. Aus diesem Grund erleben wir ein Zeitalter des Nationalismus, Separatismus, Irredentismus und des Stammeswesens...
Auferzwungener Globalismus löst vorsätzlichen
Partikularismus aus...".
Unsere Austauschprogramme sind weitverbreitet,
obwohl wir besorgt sind, daß falsche Volkswirtschaften und der Druck auf kurzfristige Ergebnisse bei
allen außenpolitischen Aktivitäten sie schwächen
könnten. Die durch Austauschprogramme gesammelten Erfahrungen haben sich als unser kosteneffektivstes Mittel erwiesen, um potentielle Führungskräfte von einer unvoreingenommenen und sogar
positiven Sichtweise der Vereinigten Staaten zu
überzeugen. Bedenken Sie, daß sowohl F.W. de
Klerk als auch Thabo Mbecki, ehemaliger Präsident
und Stellvertretender ANC-Präsident von Südafrika,
bei Austauschprogrammen in den Vereinigten
Staaten formale Ausbildung erhielten. Oder die
bemerkenswerte Anzahl hochrangiger Vertreter in
der Regierung Salinas in Mexiko, die ihre Modernisierungsideen für die Volkswirtschaft während ihres
Studienaufenthalts in den Vereinigten Staaten
entwickelten.

Wir haben in jüngster Zeit auch gelernt, wie wichtig
Rundfunk- und Fernsehsendungen im Ausland für die
Menschen sind, die um die Bekräftigung der Demokratie in ihren Ländern kämpfen. In Krisen - wie bei
dem Putschversuch in Rußland - waren unsere
Sendungen eine entscheidende Informationsquelle für
die im russischen Weißen Haus belagerten Demokraten. Unsere Sender sind noch immer ein Bezugspunkt für die neuen unabhängigen Medien in Osteuropa oder Südafrika. Wir erhalten endlich Anerkennung für die beeindruckende Zuhörerschaft von
Radio Marti in Kuba und den Wert von Sendungen in
China. Wir leisten bemerkenswerte Ausbildungsarbeit für Rundfunk- und Fernsehleute aus den
Entwicklungsländern und der postkommunistischen
Welt.
Ein demokratisches Zeitalter produziert großen
Hunger nach Informationen, und neue Technologien
sind auf dem Vormarsch, dank deren die Sendungen
zu noch geringeren Kosten umfassender werden.
Interaktive, digitale, direkte Bild- und Tonsendungen
und die Entwicklung des multimedialen Internet sind
äußerst vielversprechend für unsere Sendungen und
Kabelfernsehübertragungen bei USIA.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Öffentlichkeitsarbeit ein Aspekt unserer Bestrebungen bei
auswärtigen Angelegenheiten zu sein scheint, der mit
einem klaren Auftrag und einer im wesentlichen
soliden Struktur das Zeitalter nach dem Kalten Krieg
beginnt. Unsere Aufgabe ist zu ermöglichen, daß
man an das 21. Jahrhundert als Demokratisches
Jahrhundert denken kann, so wie einige das 20.
Jahrhundert einmal als Amerikanisches Jahrhundert
bezeichnet haben.

*

AMERIKA DIENST 24

*

Seite 3

�AIDS
22. Juni 1994

FRAUEN UND AIDS
von Jennifer Sutton
WASHINGTON - (AD) - Zu einer Zeit, in der jeder achte AIDS-Patient weiblichen Geschlechts ist - eine
beträchtliche Erhöhung im Vergleich zum vergangenen Jahrhundert - konzentrieren sich mehrere Gruppen von
Forschern in den Vereinigten Staaten insbesondere auf die Auswirkungen der Pandemie auf Frauen und die
nur ihnen zugänglichen Präventionsmöglichkeiten.
Die Verfasserin des nachfolgenden Artikels ist Redaktionsassistentin von Brown Alumni Monthly.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Brown Alumni Monthly.

1986 wurde Donna Keegan clean. Sie überwand
ihre Alkoholabhängigkeit, die in ihrer Teenagerzeit
begonnen hatte sowie einen zwölf Jahre währenden
Drogenkonsum, der ihre Welt ins Wanken brachte,
als sie zwischen 20 und 30 war. Die Zeit nach
ihrem 30. Lebensjahr würde - so hoffte sie - glücklicher verlaufen.
Die jetzt 38jährige Keegan hat zu Frieden und
Selbstvertrauen gefunden.
Sie hat eine enge
Beziehung zu ihrer 15jährigen Tochter, und vor zwei
Jahren verliebte sie sich und heiratete erstmals. Die
große kräftige Frau mit den rosigen Wangen, der
modischen blonden Frisur und dem entschiedenen,
selbstbewußten Auftreten sieht aus wie das blühende Leben. Sie spricht schnell und ihre blauen
Augen sprühen, als sie ihre Lebensgeschichte
erzählt.
Eines der jüngsten Kapitel handelt von Keegans
Kampf um angemessene Gesundheitsfürsorge
angesichts einer entsetzlichen Krankheit. Nachdem
sie sich einer Entgiftungskur unterzogen, ihr Leben
wieder in die Hand genommen, erneut die Schule
besucht und einen neuen Arbeitsplatz gefunden
hatte, bekam Keegan eine hartnäckige Pilzinfektion.
Medikamente zur Pilzbekämpfung halfen eine
Zeitlang, aber sobald Keegan eine der vielen verschriebenen Behandlungen beendet hatte, bekam
sie die Infektion erneut. Im Verlauf der nächsten
Jahre litt sie unter weiteren chronischen Krankheiten,
einschließlich einer Nebenhöhleninfektion, Soor (eine
orale Pilzinfektion bei Neugeborenen), Hautausschlägen, Neuropathie (ein Nervenleiden an Händen
und Füßen) sowie Gelenkentzündungen. Ende 1988
wies ein Abstrich auf eine Cervixdysplasie hin, die

AMERIKA DIENST 24

sich innerhalb von fünf Monaten zu Krebs entwickelte
und eine operative Entfernung der Gebärmutter
erforderlich machte.
Obwohl bekannt war, daß Keegan früher drogenabhängig war und ungeschützten Geschlechtsverkehr
hatte, testeten die Ärzte ihres Gesundheitsamtes sie
nicht auf das Immunschwächevirus HIV (Human
Immunodeficiency Virus), das AIDS verursacht. Sie
untersuchten Keegan mehrmals - mit negativem
Ergebnis - wegen Verdacht auf Lupus und behandelten wiederholt ihre Pilzerkrankungen, ohne nach der
Ursache zu forschen. Als Keegan die naheliegende
Frage stellte, warum sie ständig krank sei, versicherten sie ihr, daß es nichts Gravierendes sei.
"Ich war ständig in Arztpraxen, aber die Ärzte hatten
keine Ahnung davon, daß mein Leiden Warnzeichen
einer HIV-Infektion war", erklärte Keegan. "Sie
behandelten mich wie Abschaum. Immer wenn ich
eine Frage stellte, die sie nicht beantworten konnten,
wurden sie sehr distanziert. Schließlich entwickelte
ich eine Abscheu gegen Arztbesuche, denn nach
jedem Besuch fühlte ich mich schlechter als vorher,
wie ein schlechter Patient."
Schließlich vermutete Keegan selbst die richtige
Diagnose. Im Herbst 1990 ging sie in Boston zu
einer Einrichtung für anonyme AIDS-Tests, und das
Ergebnis war in großer roter Schrift auf ein Blatt
Papier gestempelt: positiv.
Da Keegan während ihrer Alkohol- und Drogenabhängigkeit so viele Risiken eingegangen war,
wußte sie nicht, wann und wie das Virus in ihren
Körper gelangt war. Es können unsaubere Spritzen

Seite 1

�oder ungeschützter Geschlechtsverkehr gewesen
sein oder Bluttransfusionen während ihrer zahlreichen Operationen, bevor die medizinischen Einrichtungen Mitte der achtziger Jahre die Kontrolle
der Blutkonserven begannen.
Ungeachtet dessen, wie Keegan sich HlV-infizierte,
ist sie der Ansicht, daß es mindestens vier Jahre
unentdeckt in ihrem Körper schlummerte. Unglücklicherweise ist ihre Erfahrung typisch für HIV-Trägerinnen. Das Virus hat auf Frauen andere Auswirkungen als auf Männer und manifestiert sich oft in
gynäkologischen Erkrankungen. Obwohl Keegan ein
Schulbeispiel war - chronische Pilzinfektionen, Soor,
Gebärmutterhalskrebs - wird das Lehrbuch erst jetzt
geschrieben. Es wird noch relativ wenig Forschung
über die Auswirkungen von AIDS auf Frauen betrieben, wenn man diese mit der Forschung an Homosexuellen und intravenös Drogen spritzenden Männern vergleicht, und nur wenige Ärzte sind in der
Lage, bei Frauen die ersten Symptome zu erkennen.
Erst im Januar 1993 setzten die Zentren für Seuchenkontrolle und -Verhütung (Centers for Disease
Control and Prevention - CDC) invasiven Gebärmutterhalskrebs auf die offizielle Liste der US-Regierung
von AIDS-typischen Krankheiten.
Nach erfolgter Diagnose hätte Keegan vielleicht
erwarten können, daß sich ihre Behandlung verbessern würde. Als sie jedoch auf ihrem Gesundheitsamt eine Überweisung zur psychologischen Behandlung anforderte, fragte ihr Arzt sie, warum sie meine,
eine Beratung zu benötigen. Als sie sich entschloß,
den Arzt zu wechseln, warnte ihr neuer Arzt sie, er
"wolle nicht als der AIDS-Doktor bekannt werden".
Aus Sorge über die mangelnde Sensibilität der
Gesundheitsbehörde brachten ein Priester und der
ihre AIDS-Beratungsgruppe leitende Sozialarbeiter
sie in Kontakt mit Dr. Charles Carpenter, einem
Professor für Medizin an der Brown University in
Providence (Rhode Island). "Ich hatte schreckliche
Angst", erinnert sich Keegan. "Dies war mein dritter
Arzt, und sollte es dieses Mal nicht klappen, würde
ich mich wirklich wie ein schlechter Patient fühlen."
Im Dezember 1990 ging Keegan zu Carpenter. "Ich
versuchte ihm zu erklären, wie ich mich fühlte und
was geschehen war. Und er hörte mir geduldig zu."
"In den meisten Landesteilen entdecken die Frauen
erst in einem späteren Stadium der Krankheit, daß
sie HIV-positiv sind", erklärt Carpenter in seinem
Büro im Miriam Hospital von Providence, wo er
Chefarzt ist. "Dann kann ihnen meistens schon nicht
mehr viel geholfen werden."

Seite 2

Carpenter ist ein über 1,80 Meter großer, eckiger
Mann im weißen Arztkittel. Seine Stimme macht ihn
weicher: leise und tief mit der Spur eines Südstaatenakzents. Carpenter, der vor der Entdeckung des
HI-Virus Anfang der achtziger Jahre ein renommierter
Fachmann für Cholera-Erkrankungen war, kam 1986
von der Case Western Reserve University in Cleveland (Ohio) nach Brown. Davor war er an der Johns
Hopkins University in Baltimore (Maryland) tätig.
Jetzt teilt er seine Zeit auf zwischen seinen Patienten
in der AIDS-Klinik des Miriam Hospital, Vortragsreisen
im ganzen Land, oft in die Bundeshauptstadt Washington, wo er Vorsitzender des Beratungskomitees für
das AIDS-Programm des Nationalen Gesundheitsdienstes (National Institutes of Health - NIS) der
Vereinigten Staaten ist, und der Überwachung von
HIV-Forschungsprojekten im Rahmen des AIDSProgramms der Brown University (Brown University
AIDS Program - BRUNAP), zu dessen Direktorium er
gehört.
BRUNAP wurde von Dr. Kenneth Mayer, einem
außerordentlichen Professor für Medizin, ins Leben
gerufen. Der für ansteckende Krankheiten im Memorial Hospital im nahegelegenen Pawtucket verantwortliche Arzt, der auch Vorstandsmitglied der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung ist, begann seine
medizinische Karriere in Boston gerade zu dem
Zeitpunkt, als das HI-Virus homosexuelle Männer
befiel. Mayer kam 1983 an die Brown University und
gründete 1988 das AIDS-Programm, um die medizinische Fakultät, die sich auf dem Campus mit HIV und
AIDS befaßte, mit den acht der Brown University
angehörenden Krankenhäusern zu verbinden. Dieser
interdisziplinäre Ansatz ermöglichte dem Programm
eine Kombination des Fachwissens von Forschern,
Psychiatern, Gynäkologen, Kinderärzten, Internisten
und anderen. "AIDS ist ein perfektes Beispiel dafür,
wie Brown am besten arbeitet", erklärt Mayer. "Alle
werden einbezogen. Das Ganze ist stärker als die
Summe der Einzelteile."
BRUNAP ist eine von landesweit etwa einer Handvoll
Forschungsgruppen, die sich mit HlV-infizierten und
an AIDS erkrankten Frauen befassen. Von den unter
der Schirmherrschaft von BRUNAP durchgeführten
gemeinsamen Programmen ist das derzeit größte die
epidemiologische Forschungsstudie zu HIV (HIV
Epidemiology Research Study - HERS), eine Untersuchung des natürlichen Verlaufs von HIV-Infektionen
und AIDS bei mehreren hundert Frauen in Rhode
Island und dem Südosten von Massachusetts. Die
von den Zentren für Seuchenbekämpfung und -Verhütung sowie dem Nationalen Gesundheitsdienst
finanzierte Forschung an der Brown University und
drei anderen Forschungszentren führte zur ersten
Studie ihrer Art, die sich ausschließlich mit Frauen
befaßt.

AMERIKA DIENST 24

�Für Donna Keegan ist solche Forschung längst
überfällig. Während der ersten Jahre, in denen sich
die Epidemie in den Vereinigten Staaten ausbreitete,
war das Verhältnis zwischen an AIDS erkrankten
Männern und Frauen 20 zu 1. Inzwischen beträgt
es 7 zu 1, und in den armen Stadtteilen, im ländlichen Süden und unter Teenagern beträgt es fast 1
zu 1. Dokumenten des amerikanischen Gesundheitsministeriums zufolge kam vor 1987 eine an
AIDS erkrankte Frau auf neun Männer, 1992 war
das Verhältnis 1 zu 3.
Viele dieser Frauen stecken sich durch den Drogenkonsum mit dem HI-Virus an, aber immer mehr
werden von ihren männlichen Sexualpartnern Ehemännern, Freunden, Freiern angesteckt, die sich
Drogen injizierten oder es noch tun. Die Statistiken
sind erschreckend. Vor 1988 waren 22 Prozent der
AIDS-Infektionen unter von den Ärzten der Brown
University überwachten Frauen in Rhode Island und
dem südöstlichen Massachusetts auf heterosexuelle
Übertragung zurückzuführen; seit 1991 sind es 75
Prozent. Mayer prognostiziert, daß die Mehrheit
aller neuen örtlichen Fälle von HIV-Infektionen im
kommenden Jahr auf sexuelle Aktivitäten zwischen
Männern und Frauen zurückzuführen sein wird. Man
kann nicht genau sagen, wieviele Frauen in der
Region mit dem HI-Virus infiziert sind, Carpenter
schätzt jedoch, daß die Ärzte der Brown University
neunzig Prozent behandeln. Die meisten von ihnen
sind arm.

Da die Bevölkerung von Rhode Island überwiegend
aus Weißen besteht, behandeln die Ärzte der Brown
University einen kleineren Anteil von Minderheiten
angehörenden Frauen als die meisten städtischen
Kliniken und Krankenhäuser, wo drei Viertel der
Patienten Minderheiten, vorwiegend aus Afrika und
Lateinamerika, angehören. Die Angehörigen von
Minderheiten im Südosten von Neuengland infizieren
sich zu einem überdurchschnittlich hohen Prozentsatz mit dem Virus: Sie machen ein Zehntel der
Bevölkerung aus, jedoch ein Drittel der HlV-Infizierten.
HlV-infizierte Frauen haben nicht unbedingt häufig
wechselnden Geschlechtsverkehr. Die Patienten
Carpenters, die sich das Virus durch heterosexuellen
Geschlechtsverkehrzuzogen, "rangieren von Universitätsprofessorinnen und Geschäftsfrauen bis zu
sozialhilfeabhängigen Frauen", erklärt er.
"Sie
hatten einfach zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit eine Beziehung zu einem HlV-infizierten Mann."
Die an der HERS-Studie teilnehmenden Frauen, die
sich das Virus durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr zuzogen, hatten in den vergangenen zehn
Jahren im Durchschnitt zwei Sexualpartner.

AMERIKA DIENST 24

Angesichts eines solch gemäßigten Sexuallebens
wissen mit dem HI-Virus infizierte Frauen oftmals
nicht, daß sie gefährdet waren und sehen daher
keinen Grund, einen Test zu machen. Einige mögen
sich der gefährlichen Gewohnheiten ihres Partners
bewußt gewesen sein, aber die Angst vor HIV und
seiner Auswirkungen auf die Familie hielten sie davon
ab, sich einem Test zu unterziehen. Oder sie verließen sich, wie Donna Keegan, auf Ärzte, die so
wenig über die Auswirkungen des Virus auf Frauen
wissen, daß sie keine frühzeitige Diagnose stellen
können.
Beckenentzündungen und wiederkehrende Scheideninfektionen sind mögliche Symptome von HIV, und
die BRUNAP-Gynäkologin Susan Cu-Uvin vom
Miriam Hospital fand heraus, daß bei HlV-infizierten
Frauen die Wahrscheinlichkeit abnormer Abstriche die ein Hinweis auf Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium sein können - dreimal so groß ist wie bei
ihren Geschlechtsgenossinnen, die nicht Virusträgerin
sind. Als AIDS und HIV erstmals von den Zentren für
Seuchenbekämpfung definiert wurden, war die
Krankheit erst bei wenigen Frauen ausgebrochen,
und die offizielle Angabe von Symptomen basierte
auf dem männlichen Immunsystem.
Bevor die
Zentren für Seuchenbekämpfung im Januar 1993 ihre
Definition auf den neuesten Stand brachten, wurde
ein unter dem Kaposi-Sarkom leidender homosexueller Mann als AIDS-Infizierter verzeichnet, eine Frau
wie Donna Keegan, die unter Gebärmutterhalskrebs
und jahrelangen Unterleibserkrankungen litt jedoch
nicht.
Die Epidemiologin Sally Zierler, außerordentliche
Professorin an der medizinischen Fakultät der Brown
University, stellt fest:
"Alle Fragen über die von
Frauen gemachten Erfahrungen mit dem HI-Virus
werden vor dem Hintergrund der männlichen Erfahrung gestellt. Dies setzt voraus, daß es nichts
außerhalb der Erfahrungswelt des Mannes gibt, was
einfach nicht stimmt." Zierler, die auch dem Direktorium des AIDS-Programms der Brown University
angehört, meint nicht nur die medizinischen Symptome. Es gibt eine Welt sozialen Drucks, der
Frauen für das Virus und seine Nachwirkungen
besonders anfälllig macht, von denen Männer - falls
überhaupt - nur selten betroffen sind.
Die meisten Kulturen gestehen Männern mehr
sexuelle Freiheiten zu als Frauen. Wenn ein Junge
als Teenager mit mehreren Partnern Geschlechtsverkehr hat, wird er für einen Macho gehalten, während
ein Mädchen wahrscheinlich als Nutte gebrandmarkt
würde. Von Frauen wird erwartet, daß sie sich "gut"
benehmen, ihre Sexualität verstecken. Aber selbst
eine monogame Frau ist nicht sicher vor dem HIVirus. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, sich

Seite 3

�durch heterosexuellen Kontakt mit dem Virus zu
infizieren, dreimal so hoch wie bei Männern, aber
Frauen müssen sich zur Verhütung einer Anstekkung auf Kondome verlassen - und auf die Bereitschaft des Partners zu ihrer Benutzung. Wenn der
Mann eine heterosexuelle Beziehung dominiert,
fürchtet die Frau vielleicht, daß er Gewalt anwendet
oder sie verläßt, wenn sie auch nur den Vorschlag
zum Schutz vor dem HI-Virus macht. Das gilt
insbesondere für Frauen, die mißbraucht wurden.
"Einer Frau zu sagen, sie solle auf der Verwendung
eines Präservativs bestehen, ist im besten Fall
sinnlos, bisweilen jedoch auch gefährlich", so Zierler.
"Man versteht nicht, was für eine harte Probe das für
sie ist. Es dreht sich alles um die Machtfrage.
Wenn sie sagt, sie wünsche die Verwendung eines
Kondoms, läßt das die Schlußfolgerung zu, sie
ergreife die Kontrolle, was sie eigentlich nicht tun
sollte. Sie legt damit dem Mann eine Beschränkung
auf und äußert sich zu seinem Verhalten. Wenn
man das so interpretiert, daß sie die Entscheidungen
trifft, verletzt sie die Spielregeln."
Die Forscher an der Brown University und im ganzen Land sind der einhelligen Ansicht, daß Frauen
neben Kondomen andere Optionen benötigen. Bei
der internationalen AIDS-Konferenz, die im Sommer
1993 in Berlin stattfand, gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, die Suche nach einer
von Frauen kontrollierten Methode zur Eindämmung
des HI-Virus stehe an oberster Stelle ihrer Prioritätenliste.
Leider sind einige Frauen der Ansicht, ihr Leben sei
es nicht wert, gerettet zu werden. Viele HlV-infizierte Frauen mußten mit verbaler, körperlicher und
sexueller Mißhandlung leben, mit instabilen Beziehungen, Drogen, Alkohol und bisweilen Prostitution.
"Ihr Selbstwertgefühl ist gleich Null", stellt Dr. Robert
Boland fest, der Lehrbeauftragter für Psychiatrie ist
und im Miriam Hospital HlV-Infizierte und AIDSPatienten berät. "Sie hatten sehr viel Pech in ihrem
Leben, und HIV ist nur ein weiteres Übel, mit dem
sie fertigwerden müssen."

In einer 1991 veröffentlichten Studie kam Zierler zu
dem Schluß, Frauen, die in ihrer Kindheit mißbraucht
wurden, neigten eher dazu, sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und Drogenkonsum der
Gefahr einer HIV-Infektion auszusetzen als Frauen,
die nie mißbraucht wurden. Sie "entfernen" sich von
ihren Körpern, um mit dem Mißbrauch umgehen zu
können, so Zierler, und es ist für sie schmerzlich zu
lernen, daß ihr Körper Pflege und Aufmerksamkeit
benötigt. Unter Mißbrauch leidende Frauen werden
auch von der Gesellschaft dazu gebracht zu denken,
alles sei ihre eigene Schuld - einschließlich des

Seite 4

Virus. Boland erklärt: "Homosexuelle Männer haben
generell die Einstellung: 'Warum gerade ich? Womit
habe ich das verdient?' Sie ärgern sich. Frauen
wiederum haben allzuoft das Gefühl, sie hätten das
verdient. Ihnen wurde beigebracht, sie seien schlecht
und hätten den Tod verdient."
Frauen haben jedoch Kinder, für die gesorgt werden
muß. Mehr als 90 Prozent der Patientinnen, um die
sich die Ärzte der Brown University kümmern, haben
Kinder, von denen die meisten nicht mit dem Virus
infiziert sind. Diese Mutterpflichten schaffen einen
enormen Unterschied zwischen Männern und Frauen
beim Umgang mit HIV: "Das Leben der Frauen kreist
um ihre Kinder, bei Männern ist das nicht der Fall",
so Theresa Fiore, Krankenschwester im Miriam
Hospital, die in der AIDS-Klinik arbeitet. "Wenn eine
Mutter niemanden findet, der auf ihre Kinder aufpaßt,
oder sie sich keinen Babysitter leisten kann, wird sie
nicht in eine Klinik oder Beratungsgruppe gehen."
Carpenter stimmt zu, daß dies das größte Hindernis
bei der Versorgung HlV-infizierter Frauen in den
Vereinigten Staaten sei. "Die Sorge um die Kinder
hat Vorrang vor der Sorge um die eigene Person."
Da BRUNAP HIV-positive Frauen als Familieneinheit,
nicht als Einzelpatient behandelt, bemühen sich Ärzte
und Krankenschwestern, Informationen über Kinderbetreuung, Kinderärzte, kostenlose Beförderung und
Sozialdienste zu erhalten. Dr. Peter Smith, medizinischer Lehrbeauftragter und Direktor des Zentrums für
Hämatologie sowie des AIDS-Programms für Kinder
im Rhode Island Hospital, behandelt HlV-infizierte
Mütter und Kinder. Mitte der achtziger Jahre war er
Mitbegründer des FACTS House (Familiy AIDS
Center for Treatment and Support), das kurzfristige
Unterbringung, Kinderbetreuung und medizinische
Versorgung anbietet. Dr. Kevin Vigilante, Lehrbeauftragter an der medizinischen Fakultät und Arzt am
Miriam Hospital, erhielt kürzlich Gelder für die Inbetriebnahme einer ambulanten Klinik in Providence, die
sich um HIV-negative, gerade aus dem Gefängnis
entlassene Frauen kümmern soll. Die kostenlose
medizinische Versorgung der Frauen und ihrer Kinder
sowie soziale Leistungen werden sie von Drogen und
Prostitution und damit letztlich von HIV fernhalten,
hofft er.
Wenn sich eine Frau jedoch mit dem Virus infiziert,
was geschieht dann mit ihren Kindern? Als Donna
Keegan entdeckte, daß sie Virusträgerin ist, galt ihr
erster Gedanke ihrem Kind, nicht der eigenen Person. "Mir schoß sofort durch den Kopf, 'Oh Gott, ich
werde nicht erleben, wie meine Tochter ihr Abitur
macht'", erinnert sie sich. "Erst danach dachte ich,
'Oh Gott, ich werde sterben'".

AMERIKA DIENST 24

�"Meines Erachtens gehen Frauen damit um wie mit
Brustkrebs", meint Carpenter. "Wenn eine Frau, die
Kinder hat, Brustkrebs bekommt, macht sie alle
möglichen Therapien mit, um ihre Kinder durchs
College zu bringen."
Manche Frauen leben jedoch nicht mehr so lange.
In einem 1992 verfaßten Artikel für Scientific
American bezeichneten Carpenter und Mayer AIDS
als "Großmutter-Krankheit", weil in Afrika die an
AIDS sterbenden Frauen oft darauf angewiesen
sind, daß ihre Mütter die Waisen aufziehen. In den
Vereinigten Staaten sind die Großmütter oft nicht
verfügbar, da weniger Großfamilien eng zusammen
wohnen und viele Familien ein HlV-infiziertes oder
an AIDS erkranktes Mitglied ausgrenzen. Marianne
(Name geändert), eine Patientin von Dr. Carpeter,
die sich vor acht Jahren mit dem HI-Virus infizierte,
erzählt, ihre Mutter hätte sie die Treppe hinuntergestoßen und enterbt, als sie ihr von ihrer HIV-Infektion
erzählte. Mariannes Tochter ist 20 Jahre alt, hat ein
Baby und ist unabhängig, ihr 15jähriger Sohn geht
jedoch noch zur Schule und hat keine anderen
Verwandten, die sich um ihn kümmern könnten.
Marianne weiß nicht, was aus ihm werden soll, wenn
sie stirbt. "In diesem Alter ist es für ein Kind so
wichtig, eine Mutter zu haben", äußert sie. "Ich wäre
gerne sicher, daß sich jemand um ihn kümmert, aber
das kann nicht ich sein."

Frauen könnten sich ihrer Krankheit verweigern. Eine
Schwangerschaft könnte ihren Optimismus widerspiegeln. HIV oder nicht HIV - Kinder spielen bisweilen eine Rolle dabei, eine Beziehung realer zu
gestalten, und HlV-Infizierte haben das gleiche
Bedürfnis wie jeder andere Mensch, sich auf der Welt
nicht alleine zu fühlen. Zweifelsohne wollen wir den
von uns behandelten Menschen nicht ihre Menschlichkeit nehmen, wir wollen lediglich, daß sie sich der
Implikationen bewußt sind."
Bis vor kurzem nahm eine Schwangerschaft einer
Frau die Berechtigung auf viele Behandlungen mit
AIDS-Medikamenten und anderen Arzneimitteln,
vorwiegend weil die Pharmahersteller sich vor einen
Prozeß fürchteten, falls ihr Produkt Geburtsfehler
verursachen sollte. Obwohl die Ärzte der Brown
University diese Ansicht verstehen, stellen sie sicher,
daß ihre medikamentöse Behandlung allen offensteht.
"Frauen sollten nicht wegen ihrer Schwangerschaft
bestraft werden", insistiert Cu-Uvin.

Trotz der Tatsache, daß viele HlV-infizierte Frauen

"Unsere oberste Pflicht als Mediziner besteht darin,
das Leben der Frau zu schützen, und sie hat das
Recht auf die Entscheidung, ob sie Medikamente
gegen das HI-Virus nehmen will. Unsere Verantwortung besteht darin, ihr möglichst viel Information zur
Verfügung zu stellen, damit sie auf dieser Grundlage
eine bewußte Entscheidung treffen kann. Darum
geht es uns. Den Pharmaunternehmen geht es nur
um den Schutz ihrer eigenen Interessen", so Mayer.

ihre Kinder nicht mehr aufwachsen sehen, möchten
einige gerne schwanger werden. Ein Viertel der von
den BRUNAP-Ärzten behandelten Patientinnen
gaben an, sie würden eine Schwangerschaft auf sich
nehmen, selbst auf die Gefahr hin, daß ihr Baby
HIV-positiv auf die Welt kommen würde. "Das
überrascht mich nicht, denn wir alle wissen, daß der
Wunsch nach Kindern, nach Familie groß ist", so
Mayer. "Es unterstreicht jedoch, warum es für uns
so schwierig sein wird, diese Epidemie unter Kontrolle zu bringen." Die Statistiken variieren, es
kommen jedoch zwischen einem Sechstel und einem
Drittel aller Babys HIV-positiver Mütter infiziert auf
die Welt. Dr. Gail Skowron, medizinischer Lehrbeauftragter und Experte für ansteckende Krankheiten am Roger Williams Medical Center in Providence
erforscht, warum das Virus von einigen Müttern an
ihre Babys weitergegeben wird und von anderen
nicht, und zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft oder Geburt die Weitergabe erfolgt. "Wir
haben es noch nicht herausgefunden, und ich weiß
nicht, ob wir die Antwort bald haben werden", warnt
sie.

Diese Art von engstirnigem Denken will Donna
Keegan verändern. Sie hat ihre tödliche Krankheit
zum Anlaß genommen, einen Kreuzzug gegen
Ignoranz und Diskriminierung zu führen und wandelte
ihr Elend in Aktivität um. Ihr Terminkalender strotzt
von Zusammenkünften und Verpflichtungen. Sie
besucht High Schools und hält Vorträge über das HIVirus, manchmal alleine, bisweilen in Begleitung von
am BRUNAP teilnehmenden Medizinstudenten.
Ferner vertritt sie die Stadt Massachusetts bei einem
AIDS-Beratungsausschuß des Gesundheitsministeriums und ist im Vorstand der gemeinnützigen AIDSAntidiskriminierungs-Initiative von Massachusetts. Im
Sommer reiste sie nach Washington, wo sie mit
Carpenter an einer Konferenz des nationalen Gesundheitsdienstes teilnahm und gegenüber den
Pharmaforschern die Einstellung des Konsumenten
vertrat. "In Wirklichkeit ist es selbstsüchtig", äußert
sie. "Die Menschen behaupten, es sei so toll, daß
wir das alles unternehmen. Meines Erachtens ist es
eine Art Selbstschutz. Ich weigere mich, mich wegen
etwas zu schämen, um das ich nicht gebeten habe."

Einigen Frauen scheint jedoch die Sache das Risiko
wert zu sein. "Ein Kind zu bekommen, kann etwas
sehr Lebensbejahendes sein", so Mayer. "Die

Keegan ist sich bewußt, daß sie zu denen gehört, die
Glück haben. Ihre Gesundheit ist noch stabil. Sie
nimmt Medikamente gegen das Virus, obwohl sie

AMERIKA DIENST 24

Seite 5

�nicht weiß welche, da sie Teil eines Forschungsprojekts sind. Sie kann mit den gelegentlichen
Kopfschmerzen, Hautausschlägen und Darmproblemen umgehen und bezeichnet sie als "nichts Gravierendes". Und sie spricht mit ihrer Tochter über die
Zukunft. "Während der ersten sechs Monate wollte

sie nicht über meine HIV-Infektion sprechen und mir
nicht einmal zuhören, wenn ich darüber redete", so
Keegan. "Wir sprechen jetzt über bizarre Dinge, etwa
wo ich beerdigt werde und was ich dabei tragen soll.
Es ist unheimlich und schmerzlich, aber es ist gesund. Es ist die Realität."

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 24

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12115">
              <text>22.06.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12116">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12117">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12118">
              <text>Amerikadienst 22.06.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12119">
              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Flucht vor der globalen Ausbeutung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert B. Reich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;G-7 überprüfen Hilfspaket für Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation für Wirtschaftsgipfel in Neapel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Ostasien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Neue Herausforderungen für die USA im pazifischen Raum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Charles Freeman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Öffentlichkeitsarbeit und das Zeitalter der Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Penn Kemble&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauen und AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jennifer Sutton&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
