<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2354" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2354?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-03T23:09:55+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2365">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/baae3f9983fe60492abac5045b532db0.pdf</src>
      <authentication>632b692b04a6c60c7efebc35090f164b</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="12108">
                  <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^r,

D

N ^

Z 12462 C

8. Juni 1994

22

D-DAY

CLINTON RUFT AMERIKANER
ZUM
GEDENKEN AN DIE LEHREN DES ZWEITEN
WELTKRIEGS AUF
Gedenkbotschaft des Präsidenten
CLINTON FORDERT DEN GEIST DER
LANDUNG IN DER NORMANDIE FÜR DIE
HEUTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Präsidenten vor Euröpareise
CLINTON EHRT DIE GEFALLENEN
Ansprache an Bord der USS
Washington

George

AUSSENPOLITIK

DIE AMERIKANISCHE VISION:
EIN
INTEGRIERTES EUROPA VOM ATLANTIK
ÜBER GANZ RUSSLAND
WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher
- Auszüge

USA-CHINA

USA
UNTERSTÜTZEN
WELTWEIT
DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE
Ansprache von Außenminister Christopher

NORDKOREA

USA NEHMEN KONSULTATIONEN ÜBER
SANKTIONEN GEGEN NORDKOREA AUF
Gespräche mit UNO und Verbündeten

BOSNIEN

DER
BOSNIEN-VERTRAG
RETTETE
MENSCHENLEBEN
Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb

SPORT

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL:
ZUSCHAUERSPORTARTEN
UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (II)
von John R. Eidson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 334102

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON RUFT AMERIKANER ZUM GEDENKEN AN
DIE LEHREN DES ZWEITEN WELTKRIEGS AUF
Gedenkbotschaft des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat die Amerikaner dazu aufgerufen, sich angesichts der
bevorstehenden Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie
erneut mit den aus diesem verhängnisvollen Konflikt zu ziehenden Lehren zu befassen und die Werte des
menschlichen Anstands zu bekräftigen.

In einer am 2. Juni 1994 veröffentlichten Gedenkbotschaft erinnerte Präsident Clinton daran, daß diejenigen,
die den Krieg führten und gewannen den Amerikanern das Recht sicherten, "dem Land der Freiheit
anzugehören. Es ist daher angemessen und erforderlich, daß wir ihrer gedenken und ihnen danken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten im Wortlaut.

Vor fünfzig Jahren befand sich diese Nation im
Krieg.
Vor fünfzig Jahren kämpften die Amerikaner Seite an
Seite mit Männern und Frauen aus 32 anderen
Ländern - geeint im Kampf gegen die klar definierten
Kräfte des Bösen und der Tyrannei.
Vor fünfzig Jahren hatten diejenigen, die zurückblieben und den Krieg an der Heimatfront kämpften,
keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit unserer Sache
und zeigten sich der Lage ohne Zögern gewachsen.
Jeder einzelne - von den Vertretern unserer Wirtschaft bis zu unseren Müttern und Schwestern, die
sich über Nacht dem Bataillon der Fabrikarbeiterinnen anschlössen - engagierte sich für eine Welt,
deren Rettung der Mühe wert war, für Werte, die zu
erhalten sich lohnte.
Vor fünfzig Jahren führten und gewannen die Amerikaner diesen Krieg. Und als unsere Männer und
Frauen nach Hause zu denjenigen zurückkehrten,
die diesen Krieg mit ihnen gekämpft hatten, wurden
sie als Helden gefeiert - die nicht um ein Imperium
oder einen Schatz gekämpft hatten, sondern um die
Freiheit und das Gute und gegen das Böse.

AMERIKA DIENST 22

Das Böse waren Hitler und der Blitzkrieg, sein
wahnsinniger Eroberungskrieg. Das Böse waren die
Konzentrationslager und die vorsätzliche Ausrottung
von Millionen Menschen. Das Böse waren die
Angriffe auf Pearl Harbor, die Todesmärsche auf den
Philippinen und die Versklavung wehrloser Nationen.
Das Gute waren der Glaube der freien Welt an den
Geist und die Freiheit des Menschen und das einfache Konzept menschlichen Anstands.
Es gibt eine amerikanische Tradition, die aus dem
Ackerland des Südens, dem offenen Land des
äußersten Westens, den Städten des Ostens und den
Industriegebieten des Mittleren Westens stammt - die
Tradition, sich für menschlichen Anstand einzusetzen.
Genau darum ging es im Zweiten Weltkrieg. Das ist
sein Vermächtnis, und ich hoffe, daß bei dem Gedenken an den 50. Jahrestag der Beendigung dieses
Krieges und an den Sieg sich alle Amerikaner erneut
mit den aus diesem verhängnisvollen Konflikt zu
ziehenden Lehren befassen und die Werte des
menschlichen Anstands bekräftigen.
In den kommenden zwei Jahren werden meine Frau,
Tipper und AI Gore und ich hoffentlich mit Ihnen allen
an den Gedenkfeiern aus Anlaß des 50. Jahrestages
der Beendigung des Zweiten Weltkriegs teilnehmen.
Ich habe den Verteidigungsminister gebeten, die aus

Seite 1

�diesem Anlaß abgehaltenen Veranstaltungen aufeinander abzustimmen und rufe alle Veteranen-, Regierungs-, zivilen, wirtschaftlichen und sozialen Organisationen dazu auf zu demonstrieren, daß eine
dankbare Nation im Gedenken geeint ist.

Diejenigen, die vor uns die Stellung hielten, haben
uns das Recht gesichert, dem Land der Freiheit
anzugehören. Es ist angemessen und erforderlich,
daß wir ihrer gedenken und ihnen danken,

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON FORDERT DEN GEIST DER LANDUNG IN DER
NORMANDIE FÜR DIE HEUTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Präsidenten vor Europareise
WASHINGTON - (AD) - Angesichts der die Vereinigten Staaten im In- und Ausland konfrontierenden neuen
Herausforderungen kommen die Erfolge Präsident Clinton zufolge nicht mit großer Geschwindigkeit. "Wir
müssen unsere Schlachten jedoch zu einem guten Ende bringen."
Vor dem Aufbruch zu seiner achttägigen Europareise, auf der er an den Gedenkfeierlichkeiten aus Anlaß des
50. Jahrestages der Landung in der Normandie teilnimmt, verglich der Präsident die derzeitige Situation mit
der Militäraktion in der Normandie und zitierte die Äußerung Präsident Franklin Roosevelts vom 6. Juni 1944:
"Der Erfolg wird nicht mit großer Geschwindigkeit kommen. Wir werden jedoch wieder und wieder
zurückkehren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die offizielle Version der von Präsident Clinton vor seiner Abreise abgegebenen
Erklärung.

Vielen Dank, Colonel Nechey, für Ihre einleitenden
Worte, Ihre Ausführungen und Ihren heroischen
Einsatz für Ihr Land. General Sullivan, General
Talbott, Herr Stanton.

Ich werde gleich zu der historischen Europareise aus
Anlaß des 50. Jahrestages der Landung der Alliierten
in der Normandie und anderer entscheidender
Schlachten des Zweiten Weltkriegs aufbrechen.

Wir stehen heute im Schatten von Winged Victory,
der Statue zuoberst des Monuments der Ersten
Infanteriedivision, der Big Red 1. Das Motto spricht
für sich: "Kein Auftrag ist zu schwierig, kein Opfer
zu groß, die Schönheit steht an erster Stelle". Die
Nummer Eins ist nicht nur im Namen Ihrer Division
enthalten, sondern demonstriert auch, welches
Vertrauen Ihr Land schon seit langer Zeit in Sie
setzt.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um dem
Verteidigungsministerium und dem Ausschuß für das
Gedenken an den Zweiten Weltkrieg für die bei der
Organisation dieser Feierlichkeiten geleistete harte
Arbeit zu danken. In Europa werden wir der Opfer
der Generation gedenken, die diesen großen Krieg
geführt hat. Sie hat uns zu 50 Jahren der Freiheit
und starken nationalen Souveränität verholten,
Generationen junger Amerikaner hervorgebracht und
uns die Chance gegeben, gemeinsam mit anderen
Ländern den Kalten Krieg zu beenden und das 21.
Jahrhundert vorzubereiten.

Sie standen seit Beginn Ihres Bestehens im Kampf
an erster Stelle: Die ersten in Paris im Ersten
Weltkrieg, die ersten an der Küste der Normandie,
die erste Armeedivision in Vietnam, die ersten, die
bei der Operation Wüstensturm die irakischen
Verteidigungsstellungen durchbrachen.

AMERIKA DIENST 22

Bevor wir abreisen um jener zu gedenken, die im
Zweiten Weltkrieg kämpften und starben, sollten wir
meines Erachtens hier auf amerikanischem Boden
ein Wort über diejenigen sagen, die während des
Krieges zu Hause blieben und ebenfalls Helden sind.

Seite 1

�Sie leisteten einen Beitrag: Die Frauen, die Flugzeuge bauten oder Bandagen rollten, die Landwirte,
die Nahrungsmittel für die Truppen anbauten,
Männer in meinem Bundesstaat und in vielen
anderen, die 16 Stunden in den Kohlenbergwerken
arbeiteten, den Kohlenstaub einatmeten und ihre
Körper schunden, um unsere Produktionsmaschinerie in Gang zu halten, oder die Kinder, die Schrott
und Gummi für die Produktion sammelten. Die
Heimatfront, die Armee der Demokratie, die sich um
ihre Lieben in Übersee sorgte, behielt den Glauben
an die nach dem Krieg zu erntenden Früchte bei,
wodurch die Landung in der Normandie und der
Sieg ermöglicht wurden.
Unter der starken Führung Präsident Roosevelts
weckten diese Menschen das schlummernde Genie
der riesigen amerikanischen Industrie. 1940 besaß
unsere Marine nicht ein Landungsboot. 1944 waren
es mehr als 25.000. 1940 produzierten die Vereinigten Staaten monatlich nicht einmal 500 Flugzeuge. 1941 forderte Franklin D. Roosevelt die Produktion von über 4.000 monatlich an, worauf ihn jeder
füi ein wenig übergeschnappt hielt. Am Tag der
Landung der Alliierten in der Normandie produzierten
die Fabrikarbeiterinnen Amerikas und ihre Kolleginnen andernorts doppelt soviele Flugzeuge, wie
Roosevelt gefordert hatte.
Nach dem Krieg setzte dieselbe Generation ihre
Energie für die Schaffung neuen Wohlstands ein.
Sie baute Schulen und Autobahnen und schuf durch
das Gl-Gesetz, die Wohnungsbauinitiativen und
anderes einen Sinn für das gemeinsame Ziel, der
das Land wieder auf den normalen Weg führte und
zum Entstehen der stärksten Mittelschicht in der
Geschichte des Menschen führte.
Am Tag der Landung der Alliierten in der Normandie
versammelten sich die Amerikaner vor den Radios
und stimmten in Präsident Roosevelts Gebet ein.
"Der Erfolg", äußerte er, "kommt vielleicht nicht mit
großer Geschwindigkeit. Wir werden jedoch wieder

*

Seite 2

*

und wieder zurückkehren. Und wir wissen, daß durch
Deine Gnade und die Rechtmäßigkeit unserer Sache
unsere Söhne triumphieren werden."
Heute werden wir im In- und Ausland mit neuen
Herausforderungen konfrontiert. Wir wissen heute
wie damals, daß der Erfolg sich nicht mit großer
Geschwindigkeit einstellt.
Wir müssen unsere
Schlachten jedoch zu einem guten Ende bringen.
Ebenso wie vor 50 Jahren am Tag der Landung in
der Normandie wird Amerika auch am Montag, den 6.
Juni bei der Arbeit sein. Sie werden an diesem
Montag vielleicht einen Moment in der Arbeit innehalten und jenes Tages vor 50 Jahren gedenken, an
dem die Männer und Frauen Amerikas die Demokratie in Europa retteten und den Lauf der Weltgeschichte veränderten.
Wo immer Sie sich an diesem Tag befinden, werden
Sie hoffentlich etwas Zeit finden, den Feierlichkeiten
zuzuschauen. Ich hoffe, daß Sie sich Gedanken
darüber machen, wie wir das Vermächtnis ehren,
indem wir es fortführen. Das ist die größte Ehrbezeugung überhaupt.
Eines der größten Privilegien, die ich als Präsident
genieße, besteht darin, unser gesamtes Land bei der
Ehrung derjenigen zu vertreten, die den Zweiten
Weltkrieg gewannen. Diese Woche wollen wir alle vom Präsidenten bis zu jedem einzelnen Bürger unser Bestes geben, um einfach Danke zu sagen.
Danke für das von Euch Geleistete. Danke für das
von Euch durch Euer Opfer, Euren Mut und Eure
Entschlossenheit gegebene Beispiel.
Es ist angebracht, daß wir an diesem Ort damit
beginnen - im Schatten dieses großartigen Monuments der Ersten Armeedivision. Wir alle, alle
Amerikaner, sollten diese Woche in Dankbarkeit,
Nachdenklichkeit und mit Entschlossenheit verbringen.
Gott segne Sie alle und Gott schütze Amerika.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON EHRT DIE GEFALLENEN
Ansprache an Bord der USS George Washington
Colleville-sur-Mer - (AD) - In einer feierlichen Zeremonie im Morgengrauen an Bord der USS George
Washington vor der Küste der Normandie ehrte US-Präsident Clinton am 6. Juni 1994 die vor 50 Jahren am
Tag des Einmarsches der Alliierten in der Normandie Gefallenen.
"Wir versammeln uns heute in der Stille kurz nach Sonnenaufgang, um jenes schicksalsschweren Morgens zu
gedenken, des Dreh- und Angelpunktes des Krieges und vielleicht sogar des 20. Jahrhunderts", erklärte der
Präsident.
"Wir sollten jedoch nie vergessen, daß zu diesem Zeitpunkt am 6. Juni 1944 für die an der Invasion Beteiligten
der Sieg alles andere als sicher war... und diese Wasser sind auf ewig durch ihr Opfer geweiht."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank, Herr Rockwell, Herr Minister, Herr
Admiral, Kapitän Sprigg, verehrte Mitglieder des
Kongresses, des Kabinetts, der Streitkräfte, verehrte
Veteranen, Familienangehörige und Freunde. Diese
neue, dem historischen Tag entsprechende Morgendämmerung ruft uns das Morgengrauen vor 50
Jahren ins Gedächtnis, den Anbruch eines neuen
Zeitalters, als sich Tausende von Kriegsschiffen zur
Befreiung Europas versammelten. Von den Kriegsschiffen der Alliierten abgegebene Geschützsalven
trafen auf die Strände der Normandie, während der
Himmel ein helles Grau annahm. Eine Unzahl
junger Männer in Landungsbooten machte sich an
die Eroberung dieser Strände.
Nach mehr als einjähriger hervorragender Planung
General Eisenhowers und seines aus Mitgliedern der
Alliierten bestehenden Stabs und derjenigen, die
sogar schon früher hier waren und nach einer
quälenden, wetterbedingten Verzögerung brach
endlich der D-Day an - heute vor exakt 50 Jahren.
Wir versammeln uns heute in der Stille kurz nach
Sonnenaufgang, um jenes schicksalsschweren
Morgens zu gedenken, des Dreh- und Angelpunktes
des Krieges und vielleicht sogar des 20. Jahrhunderts.
Wir sollten jedoch nie vergessen, daß zu diesem
Zeitpunkt am 6. Juni 1944 für die an der Invasion

AMERIKA DIENST 22

Beteiligten der Sieg alles andere als sicher war. Das
Wetter war bedrohlich, die See aufgewühlt, der Feind

hatte feste Stellung bezogen. Selbst wenn die Pläne
in allen Einzelheiten vorliegen, kann das Chaos der
Schlacht die besten Pläne über den Haufen werfen,
und bei einigen unserer Einheiten liefen die Pläne
schief. General Eisenhower hatte sogar schon eine
Erklärung für den Fall vorbereitet, daß die Operation
scheitern sollte.
Als die Stunde kam, war jeder an der Invasion
Beteiligte gezwungen, sich auf seine Art darauf
vorzubereiten. Wir wissen heute, daß einige Soldaten und Seeleute Briefe an ihre Frauen schrieben,
oder an ihre Kinder, die sie nie in den Armen gehalten hatten. Einige machten Würfelspiele und hofften
auf eine Glückssträhne. Andere versuchten zu lesen,
wieder andere beteten. Ein jüdischer Offizier, Kapitän Irving Gray, bat den Kaplan seines Landungsbootes, ein Gebet zu sprechen: "An den Gott, an
den wir alle glauben, seien wir Protestanten, Katholiken oder Juden, daß unsere Mission gelingen möge
und wir wieder sicher nach Hause zurückkehren."
Als die Nachricht von der Invasion die zu Hause
gebliebenen Amerikaner erreichte, wandten sie sich
an Gott. In einer Schiffswerft in Brooklyn knieten die
Schweißer auf den Decks ihres Freiheitsschiffes
nieder und beteten zusammen das Vater Unser. Die

Seite 1

�Soldaten, die in Utah und auf Omaha Beach landeten, brauchten diese Gebete, denn sie fanden ein
schreckliches Gemetzel vor. Tausende kehrten nie
mehr nach Hause zurück. Denjenigen, die überlebten, halfen ihr Glaube an die Gnade ihres Schöpfers und an ihre eigenen Fähigkeiten, den Tag zu
überstehen. Und auch schierer Mut, Freiheits- und
Vaterlandsliebe.

Flagge. Als er davonschwamm, flatterte unsere
Fahne in der Meeresbrise. Der Untergang der Corry
war keine Niederlage. Heute liegt das Wrack dieses
Schiffes direkt unter uns - ein unsichtbares Monument für diejenigen, die zum Sieg in diesem großen
Krieg beitrugen. Dreizehn Mitglieder der Besatzung
der Corry liegen ebenfalls hier, und diese Wasser
sind auf ewig durch ihr Opfer geweiht.

Eine der bewegendsten Geschichten, die über DDay erzählt werden, und die der Marineminister
bereits angesprochen hat, ist die Geschichte der
USS Corry. Die von Minen zerrissene Corry, die
feindliche Positionen auf der Utah Beach attackierte,
begann zu sinken. Einer blieb jedoch an Bord. Er
erkletterte das Heck, nahm die Flagge ab, schwamm
und kletterte zum Hauptmast. Dort hißte er die

Vor fünfzig Jahren beendete General Eisenhower
seinen Tagesbefehl mit den Worten: "Wir wollen alle
den Allmächtigen Gott um seinen Segen für dieses
großartige und edle Unterfangen anflehen." Zu
Beginn dieses Gedenktages wollen wir ebenfalls den
Segen Gottes erbitten: Für alle, die vor 50 Jahren im
Dienste der Freiheit gefallen sind, und für die Amerikaner, die ihr nobles Werk fortsetzen. Gott segne
sie, und Gott segne Amerika.

* *

Se

'te

2

*

*

AMERIKA DIENST 22

�AUSSENPOLITIK
8. Juni 1994

DIE AMERIKANISCHE VISION: EIN INTEGRIERTES
EUROPA VOM ATLANTIK ÜBER GANZ RUSSLAND
WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Am Vorabend seiner gemeinsamen Europareise mit Präsident Clinton aus Anlaß der
Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Landung in der Normandie erklärte US-Außenminister Christopher:
"Natürlich ist der Beginn der Reise ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein großartiges Gefühl wegen
der Landung in der Normandie. Das wichtigste bei dieser Reise ist für mich jedoch in vielerlei Hinsicht der
Blick in die Zukunft.
In einem WorldNet-Interview mit Teilnehmern aus Bonn, Moskau und Warschau erklärte Außenminister
Christopher am 31. Mai 1994: "Unsere Vision, unser Traum ist der eines integrierten Europas, das sich vom
Atlantik über ganz Rußland erstreckt. Wenn wir das erreichen können, wird die Welt meines Erachtens
sicherer sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus dem per Satellit übertragenen WorldNet-Interview des USInformationsamts (United States Information Service - USIA).

Ansager:

eine

daß nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine

internationale Telekonferenz. Live aus unseren
Studios in der amerikanischen Bundeshauptstadt
Washington meldet sich jetzt Jim Harriott.

WorldNet

präsentiert

Dialog,

Anzahl von Institutionen geschaffen wurden, die für
uns gängige Begriffe geworden sind: Die NATO, das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT, die
Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung OECD. Aufgrund der Spannungen aus
der Zeit des Kalten Krieges waren wir jedoch nie in
der Lage, die Vorteile dieser wichtigen Institutionen
auf Mittel- und Osteuropa auszudehnen. Folglich
haben der Präsident und ich die Vorstellung, daß jetzt
die Zeit gekommen ist, die Vorteile dieser Organisationen auch dem Osten zugute kommen zu lassen.

Harriott: Ich begrüße Sie zu unserer WorldNetSendung Dialog. Es ist uns eine große Ehre,
Außenminister Christopher bei uns willkommen zu
heißen.
Christopher: Guten Morgen, Jim.
Harriott: Wir freuen uns immer, sie hier bei uns zu
Gast zu haben. Gleich werden die europäischen
Teilnehmer aus Deutschland, Rußland und Polen
zugeschaltet.
Herr Außenminister, Sie reisen
morgen nach Europa und werden an mehreren
Ministerkonferenzen teilnehmen. Könnten Sie bitte
kurz einige der Ziele der Administration bei diesen
Treffen umreißen?
Christopher: Ich werde morgen zusammen mit
dem Präsidenten aufbrechen. Natürlich ist der
Beginn der Reise ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein großartiges Gefühl wegen der Landung
in der Normandie. Das wichtigste bei dieser Reise
ist für mich jedoch in vielerlei Hinsicht der Blick in
die Zukunft. Für mich ist die Tatsache interessant,

AMERIKA DIENST 22

Ich werde - soweit ich weiß am 8. Juni - in Paris an
dem Treffen der OECD teilnehmen.
Präsident
Clinton hat sich persönlich dazu verpflichtet, die
Vorteile der OECD den mitteleuropäischen Ländern
wie beispielsweise Ungarn, der Tschechischen
Republik, Polen und der Slowakischen Republik
zugänglich zu machen. Und ich werde bei unseren
Zusammenkünften in Paris darauf drängen. In Paris
soll auch ein bedeutendes Abkommen zwischen der
OECD und Rußland abgeschlossen werden, das
meines Erachtens ein bedeutender Schritt vorwärts
ist, damit Rußland einige der aus einer Mitgliedschaft
in der OECD resultierenden Vorteile genießen kann.

Seite 1

�Anschließend werde ich zu dem NATO-Treffen nach
Istanbul reisen, einer unserer regelmäßigen Zusammenkünfte. Wir werden dort weitere Fortschritte
an unserem Konzept einer Partnerschaft für den
Frieden machen. Es bestärkt uns außerordentlich
zu sehen, daß zum Zeitpunkt dieses Treffens bereits
20 Nationen einen Antrag auf Mitgliedschaft in der
Partnerschaft für den Frieden gestellt haben. Es
handelt sich hier um ein sehr wertvolles Konzept.
Alle Nationen werden an der Partnerschaft für den
Frieden als gleichberechtigte Partner teilhaben.
Keine erhält einen Sonderstatus. Natürlich sehen
wir der Teilnahme Rußlands an der Partnerschaft
erwartungsvoll entgegen. Wir werden im Rahmen
der Partnerschaft für den Frieden sehr wichtige
Beziehungen zu Rußland unterhalten. Gleichzeitig
werden wir jedoch auch außerhalb dieser Partnerschaft Kontakte zu Rußland pflegen, da dieses Land
über einzigartige Eigenschaften verfügt. Dies sind
für unsere Arbeit äußerst bedeutende Zusammenkünfte. Das allgemeine Konzept habe ich bereits
angesprochen - es ist einfach, aber solide und
enthält die Möglichkeit, die von uns nach dem
Zweiten Weltkrieg geschaffenen Institutionen nach
Osten hin zu erweitern. Ich danke Ihnen, Jim.
Harriott: Vielen Dank, Herr Minister. Wir begrüßen
jetzt unseren ersten Teilnehmer aus Bonn, Klaus
Prömpers vom Zweiten Deutschen Fernsehen. Sie
haben das Wort.
Frage: Herr Außenminister, um mit dem ersten Teil
Ihrer Europareise, dem OECD-Treffen in Paris zu
beginnen: Die Europäische Union versucht, Staaten
wie Polen, die Tschechische und die Slowakische
Republik, Ungarn und andere einzubeziehen.
Würden die Vereinigten Staaten Ihrer Ansicht nach
eine Aufnahme dieser Staaten in die Europäische
Union in, sagen wir, fünf oder zehn Jahren begrüßen?
Christopher: Das würden wir. Die Vereinigten
Staaten halten das für einen weiteren Aspekt der
Öffnung der Grenzen nach Osten um sicherzustellen, daß die Nationen Mittel- und Osteuropas in
diese wertvollen Organisationen integriert werden.
Natürlich bleibt die Geschwindigkeit und Methode
dieser Aufnahme der Europäischen Union überlassen. Vom Standpunkt der Vereinigten Staaten
aus handelt es sich hier jedoch um eine äußerst
wünschenswerte Entwicklung.
Frage: Gestatten Sie mir eine Frage zur Konferenz
der NATO-Außenminister in Istanbul? Vergangene
Woche ließ der Ausschuß für Verteidigungsplanung
in Brüssel wissen, daß Herr Gratschow Sonderwünsche hinsichtlich der Teilnahme Rußlands an dem
Programm einer Partnerschaft für den Frieden habe.

Seite 2

Sind Sie der Ansicht, daß Ihr russischer Amtskollege
Kosirew einen genaueren Zeitplan dazu vorlegen
wird, was die Russen als besonderer Partner in dem
Programm wünschen und ob sie als besondere
Supermacht außerhalb bleiben?
Christopher: Ich sehe den Gesprächen mit Andrej
Kosirew über den Beitritt Rußlands zur Partnerschaft
für den Frieden erwartungsvoll entgegen. Ich weiß
nicht genau, wann diese Gespräche stattfinden
sollen, aber wir sprechen bereits seit Monaten über
das allgemeine Konzept. Wenn Rußland der NATO
beitritt - und ich war sehr erfreut über die Äußerung
Verteidigungsminister Gratschows, daß an den Beitritt
keine Bedingungen geknüpft werden sollen - wäre
das Land ein Mitglied wie jedes andere, auf der
Grundlage der Gleichberechtigung.
Natürlich werden wir aufgrund der Größe und Bedeutung Rußlands auch außerhalb der Partnerschaft für
den Frieden weiterhin Beziehungen besonderer Art
zu diesem Land unterhalten. Meines Erachtens sind
die atomaren Fähigkeiten des Landes eindeutig ein
Gebiet, auf dem wir wegen dieser einzigartigen
Befähigung Kontakte zu Rußland pflegen sollten.
Innerhalb der Partnerschaft für den Frieden ist es
meiner Meinung nach jedoch äußerst wichtig, daß
alle Nationen gleichberechtigt sind. Natürlich hat jede
dieser Beziehungen, jedes der Abkommen zwischen
der NATO und den Mitgliedstaaten einen besonderen
Charakter. Sie sind auf das besondere Land zugeschnitten. Im allgemeinen bin ich jedoch sicher, daß
uns die Ausarbeitung einer zufriedenstellenden
Grundlage für die Teilnahme Rußlands an der
Partnerschaft für den Frieden gelingen wird, und wir
werden ferner die Beziehungen aufrechterhalten, die
wir mit dem Land außerhalb der Partnerschaft
pflegen.
Frage: Im Oktober vergangenen Jahres brachten die
Vereinigten Staaten das Programm einer Partnerschaft für den Frieden zur Sprache, und viele Menschen hier in Europa, insbesondere in Deutschland,
hatten den Eindruck, daß dieses Programm darauf
abzielt, die Polen, Tschechen und Slowaken aus der
NATO herauszuhalten. Das Problem könnte für die
Vereinigten Staaten und Rußland gleichermaßen
sein, daß ein Beitritt zur NATO für Polen, die Slowakische Republik, die Baltischen Staaten und andere
ein dringliches Problem darstellt, jedoch nicht dem
Wunsch der Russen entspricht. Ist es jetzt nicht der
Wunsch der Vereinigten Staaten, diesen Ländern
etwas mehr Demokratie und Marktwirtschaft zu
bringen, damit sie - in einigen Jahren - der NATO als
vollwertiges Mitglied beitreten können?
Christopher: Präsident Clinton war meines Erachtens sehr präzise, als er vor nicht allzulanger Zeit

AMERIKA DIENST 22

�äußerte, die Frage, ob Staaten wie Polen NATOMitglied würden, sei beantwortet worden. Die wirkliche Frage ist, wann und wie sie Mitglied werden, ob
sie tatsächlich bereit zu einem Beitritt sind, denn in
dieser Situation ist der Vorteil beiderseitig. Daher ist
meines Erachtens diese zeitliche Abstimmung - die
Möglichkeit einer Teilnahme an der Partnerschaft für
den Frieden - eine ideale Grundlage, auf der diese
Länder ihre Fähigkeit zu einem Beitritt zur Partnerschaft für den Frieden demonstrieren können. Wir
erwarten in Kürze gemeinsame Übungen. Wie Sie
vielleicht bereits wissen, wurde in Mons ein Gebäude
für die Partnerschaft für den Frieden bereitgestellt, in
dem die Länder ihre Beziehungen zur NATO pflegen
können. Wir geben somit sehr aktiv den an der
Partnerschaft teilnehmenden Ländern die Möglichkeit, ihre Fähigkeit zur Vollmitgliedschaft in der
NATO unter Beweis zu stellen.
Ich kann heute keine zeitlichen Prognosen abgeben,
aber um noch einmal auf die Erklärung des Präsidenten zurückzukommen: Es ist nicht eine Frage
ob, sondern nur wann und wie die Länder beitreten.
Frage: Auf dem Brüsseler Gipfel im Januar definierte der Präsident nicht näher seine Äußerung, die
Länder sollten bereit sein. Könnten Sie vielleicht
näher darauf eingehen, was damit gemeint ist.
Beispielsweise Polen - wann ist das Land bereit?
Wenn es 10, 12, 20 oder 100 gemeinsame Übungen
mit Deutschland, Dänemark und anderen abgehalten
hat, oder wenn seine Truppenstruktur jener der
NATO vergleichbar ist oder wenn sein Kommunikationssystem mit unserem in der NATO verglichen
werden kann - oder wann?
Christopher: Meines Erachtens kann in dieser
Situation nicht eine Reihe spezifischer, mathematisch genauer Kriterien angelegt werden. Wichtig ist
sich vor Augen zu halten, daß die NATO eine aus
16 Mitgliedern bestehende Organisation ist, die
ähnliche Zukunftsvorstellungen haben. Die Frage
ist, wann ihrer Ansicht nach Polen für eine Mitgliedschaft bereit ist - denn es muß eine einmütige
Entscheidung sein. Die Frage wird meiner Meinung
nach sein, ob beide Seiten Vorteile genießen, ob
Polen seinen aus einer Mitgliedschaft resultierenden
Pflichten nachkommen kann. Wir sind kein Wohl-

*

AMERIKA DIENST 22

tätigkeitsverein, sondern ein emstzunehmendes
Militärbündnis, das von einem potentiellen Mitglied
Stärke und Engagement verlangt. Aus diesem Grund
ist die Partnerschaft für den Frieden so genial, weil
sie beitrittswilligen Mitgliedern die Chance gibt, den
Mitgliedern zu beweisen, daß sie einen Beitrag
leisten können. Natürlich kann die NATO zu ihnen
sehr viel beitragen. Und ich sehe dem als evolutionäre Entwicklung der kommenden Monate und Jahre
erwartungsvoll entgegen, in denen die NATO-Mitglieder einen solchen Beitritt immer stärker befürworten und Länder wie Polen und andere die Chance zur
Teilnahme an gemeinsamen Übungen und gemeinsamer Planung haben sowie zur Präsenz in Mons, um
das Funktionieren der NATO und die Bedeutung
einer Mitgliedschaft verstehen zu lernen.
Frage: Darf ich noch einmal auf den Beginn Ihrer
Reise zu sprechen kommen. Sie werden mit Präsident Clinton in die Normandie reisen und an den
Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der
Landung in der Normandie teilnehmen. Es war in
den Vereinigten Staaten überall Kritik daran zu hören
- beispielsweise auch von Seiten der Nichte Dwight
D. Eisenhowers - daß Deutschland und Rußland
dabei nicht vertreten sind. Wird der Präsident in
Frankreich in seinen Reden hierauf eine Antwort
geben?
Christopher:
Das muß wohl dem Präsidenten
überlassen bleiben. Ich möchte dem Präsidenten
natürlich nicht zuvorkommen.
Aufgrund meiner
jüngsten Gespräche mit ihm kann ich Ihnen jedoch
zweierlei mitteilen: Der Präsident ist sich durchaus
des großen Beitrags der Russen zum Sieg der
Alliierten im Zweiten Weltkrieg bewußt und mißt
meines Erachtens auch der derzeit von Deutschland
gespielten Rolle eine große Bedeutung zu - dem
Beitrag des Landes zur NATO und seiner Bedeutung
in Europa. Ich bin sicher, daß wir dem in der kommenden Woche oder den kommenden zehn Tagen
Rechnung tragen werden. Wie Sie wissen, sind die
Vereinigten Staaten in Frankreich nicht der Gastgeber. Wir sind ein stolzer Teilnehmer. Ich möchte nur
darauf hinweisen, daß ich persönlich den von Rußland zu den Bestrebungen der Alliierten geleisten
Beitrag würdige sowie die ernormen Anstrengungen
Deutschlands und die Rolle dieses Landes im heutigen Europa.

* * *

*

Seite 3

�USA-CHINA
8. Juni 1994

USA UNTERSTÜTZEN WELTWEIT
DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE
Ansprache von Außenminister Christopher
NEW YORK - (AD) - Mit dem Hinweis darauf, daß sich die Vereinigten Staaten für Demokratie und
Menschenrechte auf der ganzen Welt engagieren, erklärte US-Außenminister Christopher: "Wir zwingen
anderen kein amerikanisches Modell auf. Wir unterstützen den universellen Impuls für die Freiheit."
Christopher hielt am 27. Mai 1994 eine Ansprache vor der Asia Society in New York - einen Tag, nachdem
Präsident Clinton die Meistbegünstigungsklausel für China verlängert hatte - und betonte gleichzeitig das
fortgesetzte amerikanische Engagement für die Verbesserung der Menschenrechtssituation in diesem Land.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede Außenminister Christophers.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Es ist
mir eine Ehre, vor Amerikas herausragender Organisation zu sprechen, die sich dem Aufbau von Beziehungen über den Pazifik hinweg widmet.
Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Aufbau
einer neuen pazifischen Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Freunden.
Unser Engagement in Asien ist von entscheidender
Bedeutung für die Sicherheit und das Wohlergehen
des amerikanischen Volkes sowie unserer Freunde
in der Region.
Während der vergangenen 16 Monate haben wir die
asiatisch-pazifische Region in den Mittelpunkt der
außenpolitischen Tagesordnung der Vereinigten
Staaten gerückt. Und wir haben gegenüber unseren
asiatischen Partnern demonstriert, daß unser Land
seine zentrale Führungsrolle in der asiatisch-pazifischen Region ausüben wird.
Der Präsident hat einer umfassenden Vision Ausdruck verliehen und sie mit bedeutenden Initiativen
untermauert: Veranstaltung des Treffens der führenden Politiker des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) in Seattle im November vergangenen Jahres, Förderung des erstmaligen regionalen Dialogs über Sicherheitsfragen
unter Einbeziehung von Vietnam, Rußland und
China, Einleitung einer Reihe von Rahmengesprächen mit Japan zur Wiederbelebung unserer Wirt-

AMERIKA DIENST 22

schaftsbeziehungen sowie die entschlossene Unterstützung für die Entstehung eines demokratischen
Kambodscha. Ferner haben wir unsere vornestationierte Militärpräsenz aufrechterhalten, die einen
Schlüssel für die strategische Stabilität der Region
und eine Grundlage für ihren fortgesetzten wirtschaftlichen Erfolg darstellt.
Die Schlagzeilen dieser Woche illustrieren auf dramatische Weise unsere Verpflichtung zu einem umfassenden Engagement in Asien und zum Aufbau
einer neuen pazifischen Gemeinschaft. Wir haben
uns mit Japan auf eine Fortsetzung der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen geeinigt. Wir haben
den Vorschlag einer dritten Verhandlungsrunde über
die Nuklearfrage mit Nordkorea unterbreitet. Wir
haben uns mit Vietnam auf die Einrichtung von
Verbindungsbüros in Hanoi und Washington geeinigt,
wodurch eine stärkere Grundlage für die Bemühungen geschaffen wird, das Schicksal der vermißten
Amerikaner zu klären. Und am gestrigen Tag traf der
Präsident eine bedeutsame Entscheidung hinsichtlich
unserer Politik gegenüber China.
Jede der Entwicklungen dieser Woche ist an sich
wichtig. Sie sollten jedoch nicht einzeln betrachtet
werden. Das Zusammenspiel dieser bedeutenden
Entwicklungen spiegelt die Vielfalt unseres umfassenden Engagements in Asien wider. Unser Ansatz ist
auf die Vielschichtigkeit dieser dynamischen Region
abgestimmt.

Seite 1

�Die Stabilität der asiatisch-pazifischen Region liegt
im ureigensten Interesse der Vereinigten Staaten.
Seit 50 Jahren wissen wir bereits, daß das Entstehen einer dominanten feindlichen Macht in Asien
eine Gefahr für unsere wichtigen Verbündeten und
letztlich für Amerika selbst darstellen würde. Instabilität und Konflikte in Asien würden die Aussichten auf ein Wachstum der Weltwirtschaft unterminieren, Demokratien bedrohen und zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ermutigen.
Im vergangenen halben Jahrhundert sind Zehntausende von Amerikanern bei der Verteidigung unserer
Interessen in Asien gestorben. Wir haben starke
Bündnisse mit Japan, Südkorea, Australien, den
Philippinen und Thailand aufgebaut, einem demokratischen Kern, der eine feste Grundlage für die Abschreckung von Aggression darstellt. 37.000 amerikanische Soldaten stehen mutig an Koreas 38.
Breitengrad auf Wacht - an der gefährlichsten
Bruchstelle der Welt.
Amerikas seit langer Zeit bestehende Sicherheitsbindungen zu der Region finden ihre Entsprechung
in unseren explosionsartig wachsenden wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen. Die am schnellsten
wachsenden Volkswirtschaften der Welt sind in
Asien. Mehr als 40 Prozent des Handels der Vereinigten Staaten wird mit Asien abgewickelt, wodurch
nahezu 2,5 Millionen Arbeitsplätze erhalten werden.
Millionen Amerikaner asiatischer Herkunft haben
weiterhin ein besonderes Interesse an der Heimat
ihrer Vorfahren.
Alle Amerikaner haben auch ein Interesse an der
Förderung von Demokratie und Menschenrechten in
Asien, weil diese im Einklang mit den Werten
unseres Volkes und den Interessen unserer Nation
stehen. Staaten, die im eigenen Land die Rechtsstaatlichkeit respektieren, sind auch eher zur Beachtung des Völkerrechts im Ausland bereit - und es
ist weniger wahrscheinlich, daß sie Terrorismus
praktizieren oder Flüchtlinge über Grenzen abschieben.
Unser Engagement für Demokratie und Menschenrechte ist weder westlich noch zufällig. Wir zwingen
anderen kein amerikanisches Modell auf.
Wir
unterstützen den universellen Impuls für die Freiheit.
Im vergangenen Jahr hat dieser Impuls die Menschen in Kambodscha inspiriert, wo Bauern, Mönche
und ehemalige Soldaten das Risiko von Gewaltanwendung eingingen, um zu wählen. Diese authentischen Stimmen Asiens unterstützen keine ihnen
fremde Überzeugung, sondern machen ihre Menschenwürde geltend.

Seite 2

Meiner Meinung nach steht die Geschichte auf der
Seite der Freiheit. Es besteht eine mächtige Tendenz zur Öffnung von Märkten und Gesellschaften.
Die wirtschaftliche Entwicklung hängt vom freien
Informationsfluß ab; Computer sind das neue Medium
politischer Äußerungen. Die Software der Freiheit
wird sich letztlich gegenüber der Hardware der
Unterdrückung durchsetzen.
Asien befindet sich derzeit inmitten einer bemerkenswerten Umgestaltung. Es existiert ein wachsendes
Netz konstruktiver Beziehungen zwischen den
wichtigsten Staaten der Region; explosionsartiges
Wirtschaftswachstum; die Ausweitung der Freiheit des
Menschen und neue Bestrebungen zur Förderung
von Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und
Sicherheit. Diese Leistungen sind auf die Fertigkeiten, den Fleiß und die Entschlossenheit der Menschen dieser Region zurückzuführen. Das Engagement der Vereinigten Staaten kann sogar eine noch
bessere Zukunft ermöglichen. Es ist für den regionalen Frieden, den Wohlstand und die Freiheit von
essentieller Bedeutung.
Unsere vornestationierte militärische Präsenz ist
entscheidend für ein stabiles Kräftegleichgewicht in
der Region. Da wir keine Ambitionen zur Vergrößerung unserer Macht haben, sind wir ein vertrauenswürdiger Partner. Unsere Technologie, unser Kapital
und riesiger Markt machen uns zu einem Magneten
für die Volkswirtschaften Asiens. Und die von uns
verkörperten universellen Werte - Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit - lassen uns zu einem
Leitstern für alle Völker der Region werden.
Praktisch alle asiatischen Länder begrüßen unser
aktives Engagement und drängen darauf.
Sie
wissen, daß ein Mangel an Engagement unsererseits
diese vielversprechenden Zukunftsaussichten gefährden und ihren und unseren Interessen schaden
würde.
Bei drei drängenden Fragen ist das dringliche Engagement der Vereinigten Staaten eindeutig von zentraler Bedeutung: der Evolution in China, dem
Atomwaffenprogramm Nordkoreas sowie der Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehungen zu Japan.
Die Lösung jeder dieser Fragen hat einen direkten
Einfluß auf Sicherheit und Wohlstand der Vereinigten
Staaten.
Mehr als jeder andere Faktor wird die politische,
wirtschaftliche und soziale Umgestaltung Chinas
entscheiden, ob Asien seine verheißungsvollen
Aussichten verwirklicht. Wie Sie wissen, hat der
Präsident gestern bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten den Meistbegünstigungsstatus für
China erneuern und gleichzeitig eine umfassende

AMERIKA DIENST 22

�Strategie zur Förderung von Menschenrechten in
China verfolgen werden.
Die Entscheidung des Präsidenten reflektiert eine
weitgefaßte amerikanische Strategie des Engagements und der Führung im asiatisch-pazifischen
Raum. Sie zielt auf die Einbeziehung Chinas in die
internationale Staatengemeinschaft, nicht auf den
Ausschluß des Landes ab. Sie ermutigt die chinesische Mitwirkung beim Aufbau einer neuen regionalen und internationalen Ordung auf der Grundlage
von Frieden und Sicherheit. Und sie fördert die
friedliche Entwicklung einer demokratischeren und
humaneren Gesellschaft.
Unsere Beziehungen zu China sind für alle Amerikaner von Bedeutung. China hat weltweit die größte
Armee, ein Atomwaffenarsenal und - nicht unbedeutend - ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Die
Vereinigten Staaten und China haben ein gemeinsames zwingendes Interesse an einem stabilen und
sicheren Asien und einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. China kann einen bedeutenden
und verantwortungsvollen Beitrag zur Lösung globaler Fragen leisten, beispielsweise Umweltschutz und
Drogenhandel. China hat die am schnellsten wachsende und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Über
150.000 amerikanische Arbeitsplätze hängen von
unseren Exporten nach China ab, und die Zahl wird
mit den Jahren noch ansteigen.

Empfehlungen an den Präsidenten das Verhalten
Chinas weder erfinden noch übertrieben darstellen.
Und das habe ich auch nicht getan. Obwohl einige
Verbesserungen zu beobachten waren, finden in
China weiterhin gravierende Menschehrechtsverletzungen statt, darunter Verhaftung und Festnahme
von Personen, die friedlich ihre Meinung äußern, die
Einschränkung der Religionsfreiheit und die Unterdrückung von Religion und Kultur Tibets.
Der Präsident traf im vergangenen Jahr mit seinem
Präsidialerlaß die richtige Entscheidung. Eine Anzahl
chinesischer Dissidenten ist heute teilweise aufgrund
des von uns ausgeübten Drucks in Freiheit. Wie der
Präsident jedoch gestern erklärte, hat die Bindung
der Meistbegünstigung an die Menschenrechtsfrage
uns so weit gebracht wie möglich. Es ist unwahrscheinlich, daß sie zu weiteren Fortschritten bei den
Menschenrechten führt.
China ist nicht länger ein isoliertes Land. Heute
haben zwei Millionen Chinesen Zugang zu westlichem Radio und Fernsehen. Millionen sind in einem
wachsenden und dynamischen Privatsektor am
Handel mit anderen Nationen beteiligt. Dieser Trend
muß ermutigt werden. Nur wenige sind der Ansicht,
eine völlige Aufhebung der Meistbegünstigungsklausel würde die Menschenrechtsbilanz Chinas
verbessern. Wir müssen unser Engagement mit
China intensivieren und erweitern, wenn wir den
Wandel fördern wollen.

Beim Amtsantritt Präsident Clintons existierte nicht
mehr der breite Konsens hinsichtlich unserer Politik
gegenüber China, der nahezu zwei Jahrzehnte
bestanden hatte. Im vergangenen Jahr stellte der
Präsident diesen Konsens durch einen Präsidialerlaß
mit breiter Unterstützung beider Parteien wieder her.
Seitdem haben wir die Menschenrechtsfrage entschieden auf unsere Tagesordnung mit China
gesetzt und gleichzeitig konstruktiv an der Lösung
weiterer Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse gearbeitet.
Der Präsidialerlaß und unsere Strategie des diplomatischen Engagements haben positive Ergebnisse
gezeitigt. Wir haben mit China einen echten Dialog
über Menschenrechtsfragen begonnen. Und China
hat die vorgeschriebenen Bedingungen für eine
Erneuerung der Meistbegünstigungsklausel erfüllt,
insbesondere die im Zusammenhang mit der Emigration und dem Export von Waren, die von Zwangsarbeitern hergestellt wurden.
Im Hinblick auf die fünf anderen, im Präsidialerlaß
festgelegten Kriterien stellen die von China erzielten
Fortschritte keine "insgesamt wesentlichen Fortschritte" dar, wie im Erlaß anvisiert. Vor Monaten
habe ich bereits versprochen, ich würde in meinen

AMERIKA DIENST 22

Ich möchte deutlich machen, daß wir uns nicht allein
auf die unsichtbare Hand der Ökonomie verlassen,
um Fortschritte im Menschenrechtsbereich zu erzielen. Wirtschaftliche Freiheit kann politische Freiheit
fördern, sie allein reicht jedoch nicht aus. Aus
diesem Grund hat der Präsident ein neues nachhaltiges Programm zur Förderung von Menschenrechten
und Demokratie in China bekanntgegeben.
Wir werden gemeinsam mit Vertretern der chinesischen Wirtschaft Grundsätze auf freiwilliger Basis zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen entwickeln.
Wir werden durch Voice of America und Radio Free
Asia die internationalen Rundfunkübertragungen
nach China ausweiten. Wir werden uns zur Gewohnheit machen, mit einem breiten Spektrum chinesischer Bürgerzusammenzutreffen, mit nichtstaatlichen
Organisationen zusammenzuarbeiten und diese zu
unterstützen. Wir werden andere Nationen und die
Vereinten Nationen an unseren Bestrebungen zur
Förderung von Menschenrechten beteiligen. Wir
werden die von uns nach dem Massaker auf dem
Platz des Himmlischen Friedens verhängten Wirtschaftssanktionen beibehalten. Und wir werden den
Import von Munition aus China aufgrund mangelnder
"wesentlicher Fortschritte" bei der Menschenrechts-

Seite 3

�Politik verbieten. Im vergangenen Jahr gelangte fast
eine Million billiger halbautomatischer Gewehre aus
China in die Vereinigten Staaten. Durch die Politik
des Präsidenten wird ihre Einfuhr in unser Land
verhindert.
Wir haben größere Aufmerksamkeit auf die Menschenrechtspraktiken in China gelegt. Diese Prüfung
wird fortgesetzt und unser Dialog über Menschenrechtsfragen mit China intensiviert.
Unterdrückung ist kein Mittel gegen Instabilität.
Langfristig muß politische Demokratie - die Wei
Jingsheng als Chinas "fünfte Modernisierung" bezeichnete - mit wirtschaftlicher Demokratie einhergehen, wenn Chinas großes Experiment von Erfolg
gekrönt sein soll.
Meiner Überzeugung nach bietet unsere Strategie
eines umfassenden Engagements die beste Möglichkeit, Einfluß auf die Entwicklung Chinas zu nehmen.
Auf diese Weise werden wir Sicherheit, Wohlstand
und Werte unseres Landes fördern.
Das drängendste Sicherheitsproblem des asiatischpazifischen Raumes - an dem wir mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten - ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas. Pjöngjangs Streben
nach Nuklearwaffen stellt eine Vielzahl von Gefahren
dar: Es ist eine direkte Bedrohung der Sicherheit
derwichtigsten Verbündeten unseres Landes, erhöht
dramatisch die Wahrscheinlichkeit eines destabilisierenden Rüstungswettlaufs in Asien und beschwört
das Gespenst einer Weitergabe nuklearen Materials
an verbrecherische Regimes wie den Iran herauf.
Bei unserer Zusammenarbeit mit der internationalen
Staatengemeinschaft besteht unser Ziel in der
Eindämmung und Umkehrung des nordkoreanischen
Nuklearprogramms und der Schaffung von Bedingungen für ein stabiles Nordostasien in den kommenden Jahren. Gemeinsam mit unseren südkoreanischen und japanischen Verbündeten und mit
Unterstützung Chinas und anderer Länder der
Region haben wir den Vorschlag unterbreitet, daß
Nordkorea mit uns umfassende und eingehende
Gespräche über zwischen uns ausstehende Fragen
führt. Diese Gespräche würden die Möglichkeit
eröffnen, die Atomwaffenfrage als Teil eines Prozesses der Verbesserung wirtschaftlicher und politischer
Kontakte zu lösen und uns normalen bilateralen
Beziehungen näherbringen.
Bei uns besteht ein entschiedener Konsens über die
von uns unternommenen Bestrebungen zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung der Kernwaffenfrage.
Sollte Nordkorea diese Verhandlungen
ablehnen, wird unsere Strategie der Konsensfindung

Seite 4

unsere Fähigkeit stärken, die internationale Staatengemeinschaft für härtere Maßnahmen zu mobilisieren, falls diese erforderlich sein sollten. Dieser
Kurs - internationale Sanktionen - verurteilt Nordkorea
zu fortgesetzter Isolation, wirtschaftlichen Härten und
dem Status eines Paria. Er würde verhindern, daß
die Nordkoreaner die Früchte des derzeitigen dramatischen wirtschaftlichen Fortschritts in Asien ernten
können.
Mittlerweile stehen amerikanische Streitkräfte Seite
an Seite mit denen unseres Verbündeten - Südkorea
- zur Abschreckung und Abwehr jeglicher Aggression
von Seiten Nordkoreas. Konfrontation ist entschieden
nicht der von uns bevorzugte Weg. Wenn Nordkorea
auf eine atomare Zukunft verzichtet und nicht auf
andere Weise den Frieden in Nordostasien unterminiert, hat es von uns oder von Südkorea nichts zu
fürchten. Vielmehr hat das Land durch die Teilnahme
an der internationalen Staatengemeinschaft viel zu
gewinnen.
Unsere Bestrebungen im Zusammenhang mit Nordkorea unterstreichen erneut die weiterhin entscheidende Bedeutung der amerikanisch-japanischen
Beziehungen für dauerhafte Stabilität und Sicherheit
im asiatisch-pazifischen Raum. Unsere Partnerschaft
stellte während des Kalten Krieges den Kern der
amerikanischen Bemühungen dar, den sowjetischen
Expansionismus einzudämmen. Heute steht diese
Partnerschaft im Zentrum unserer Bestrebungen , die
Herausforderungen und Gefahren des Zeitalters nach
dem Kalten Krieg zu bewältigen.
Unser Militärbündnis ist stärker als je zuvor. Wir
haben gemeinsam am Aufbau von Demokratie in
Kambodscha mitgewirkt. Wir arbeiten im Rahmen
der APEC gemeinsam am Ausbau von Wirtschaftsbeziehungen in der gesamten Region. Und wir
haben kühne neue Abkommen über globale Fragen
wie Umwelt und AIDS abgeschlossen.
Unsere wirtschaftlichen Bande zu Japan müssen
ebenso stark werden wie die anderen Bereiche
unserer Beziehungen. Anfang dieser Woche haben
wir uns im Rahmen des amerikanisch-japanischen
Rahmenabkommens für wirtschaftliche Partnerschaft
auf die Wiederaufnahme von Verhandlungen geeinigt.
Wir bemühen uns weiterhin um eine Verbesserung
dieser Beziehungen.
Als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt spielt
Japan bei der Förderung von regionalem und globalem Wohlstand eine entscheidende Rolle. In dem
Rahmenabkommen wird Japan zu einer Ausweitung
des Zugangs zu seinem Markt sowie zu Schritten für
eine Erhöhung seines heimischen Wachstums
aufgerufen. Durch die Verpflichtung zu klaren Zielen

AMERIKA DIENST 22

�für unter diesem Rahmenabkommen ausgehandelte
Übereinkünfte haben die Vereinigten Staaten und
Japan den Weg für Fortschritte geebnet.
Jetzt müssen wir diesen Weg durch den Abschluß
solider Abkommen über spezifische Industriezweige
und Angelegenheiten gehen. Ministerpräsident Hata
gewann meinen Respekt, als wir beide als Außenminister tätig waren. Mein erstes Treffen mit Außenminister Kakizawa zeigt mir, daß er zu einem konstruktiven Ansatz bei der Beilegung unserer Differenzen im Bereich der Wirtschaft entschlossen ist. Vor
dem Hintergrund unserer grundlegend starken
Beziehungen freuen wir uns auf eine Zusammenarbeit mit Japan zur Förderung von Wirtschaftswachstum für unsere Völker und die Welt.
Heute beherrschen die Entwicklungen in Beijing,
Pjöngjang und Tokio unsere Schlagzeilen. Diese
Ereignisse haben tiefgreifende Auswirkungen auf
Amerika, die asiatisch-pazifische Region und tatsächlich die ganze Welt. Auf jedem dieser Gebiete
verfolgt die Clinton-Administration eine vielschichtige
Strategie des Engagements, die das gesamte Spektrum der amerikanischen Interessen am effektivsten
fördert.
*

AMERIKA DIENST 22

Gleichzeitig verfolgen wir ungeachtet der Schlagzeilen dieser Woche eine langfristige Tagesordnung für
die ganze Pazifikregion. Im Juli werde ich zur
Ministerkonferenz des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nations ASEAN) nach Bangkok reisen, um unsere Bindung
zu Südostasien weiter zu stärken. Ferner werde ich
im regionalen Forum der ASEAN am Dialog über
regionale Sicherheit teilnehmen - eine wichtige Übung
in präventiver Diplomatie. Im kommenden Herbst
werden die Minister und führenden Politiker der
APEC erneut zusammentreffen, dieses Mal in Indonesien, um den Kurs für eine Erweiterung der Wirtschaftsbeziehungen im gesamten asiatisch-pazifischen Raum zu planen.
Die Führung der Vereinigten Staaten kann beim
Aufbau einer hoffnungsvolleren Zukunft für alle Völker
der asiatisch-pazifischen Region eine Hilfe sein. Sie
kann die Wahrscheinlichkeit eines Krieges und einer
Weiterverbreitung von Atomwaffen verringern helfen.
Sie kann dazu beitragen sicherzustellen, daß Amerika
Anteil am Wohlstand der Region und die Asiaten
Anteil an der weltweiten Freiheitsbewegung haben.

* * *

*

Seite 5

�NORDKOREA
8. Juni 1994

USA NEHMEN KONSULTATIONEN ÜBER SANKTIONEN
GEGEN NORDKOREA AUF
Gespräche mit UNO und Verbündeten
WASHINGTON - (AD) - Die Botschafterin der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, bezeichnete den Bericht der
Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
über Nordkorea an die Vereinten Nationen als
"alarmierend" und gab am 3. Juni 1994 bekannt, die
Vereinigten Staaten würden Gespräche mit anderen
Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats über "zeitliche
Abstimmung, Taktik und Inhalt" der Resolution über
Sanktionen aufnehmen.
Nach ihrem Treffen hinter verschlossenen Türen mit
dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Hans Blix, äußerte Albright vor
Journalisten: "Wir haben Nordkorea gewarnt, daß
diese Angelegenheit erneut im Sicherheitsrat behandelt würde, wenn das Land weiterhin die Beweise
früherer Reaktoroperationen vernichtet, und unsere
Warnungen wurden offensichtlich ignoriert. Ich muß
leider feststellen, daß Nordkorea sich entschieden
hat, gegen den Willen der internationalen Staatengemeinschaft und des Sicherheitsrats zu handeln."
Albright zufolge kommt der von Blix vorgelegte
Bericht nicht unerwartet, ist aber "dennoch alarmierend".
"Aufgrund unserer Gespräche ist klargeworden, ...
daß es sich um eine ernste Angelegenheit handelt,
und die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, das
Gehörte erfordere eine ernsthafte Antwort des UNSicherheitsrats", teilte die UNO-Botschafterin mit.
Albright fügte hinzu, die Vereinigten Staaten würden
am Wochenende weiterhin ihre Konsultationen in
Washington mit "jenen Ländern der Region" fortsetzen, "für die bei dieser Angelegenheit am meisten
auf dem Spiel steht".
"Meine Regierung wird in Kürze Konsultationen mit
anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats über zeitli-

AMERIKA DIENST 22

che Abstimmung, Taktik und Inhalt der Resolution
über die Sanktionen aufnehmen", fügte sie hinzu. Sie
lehnte es ab, Einzelheiten eines gegen Pjöngjang zu
verhängenden möglichen Sanktionspakets bekanntzugeben.
In einem Brief an den Sicherheitsrat vom 2. Juni
1994 erklärte lAEO-Generaldirektor Blix, auf der
Grundlage der von den I AEO-Inspekteuren in Nordkorea erhaltenen Informationen sei die Behörde zu dem
Schluß gekommen, "die verbleibende begrenzte
Möglichkeit der Internationalen Atomenergie-Organisation, Brennstäbe für spätere Messungen im Einklang mit den Maßstäben der Organisation auszuwählen, zu isolieren und in sichere Verwahrung zu
nehmen, ist verloren".
"Der Grund ist, daß alle hierfür benötigten wichtigen
Teile des Reaktorkerns entfernt wurden", so Blix.
Folglich hat die IAEO nicht länger die Fähigkeit,
zuverlässig festzustellen, ob in der Vergangenheit
aus dem Reaktor abgezweigtes Nuklearmaterial
ebenfalls verloren gegangen ist."
Blix erklärte ferner: "Jede zukünftige Messung an
diesen Brennstäben wäre ohne praktischen Wert, weil
sie auf der Grundlage von Betreiberberichten stattfände, die nicht nachzuprüfen sind und weil es nicht
möglich ist, die Konfiguration der Brennstäbe im Kern
zu rekonstruieren".
"Die aus dieser Entnahme aus dem Reaktorkern
resultierende Situation ist unumkehrbar", fügte Blix
hinzu.
Während einer 1992 durchgeführten Inspektion zeigte
die Analyse der IAEO Widersprüche zwischen den
Angaben Nordkoreas über sein Nuklearmaterial und
den Erkenntnissen der Internationalen AtomenergieOrganisation, was den Schluß zuließ, Nordkorea
habe mehr Plutonium hergestellt - ob in der Größenordnung von Gramm oder Kilogramm ist nicht be-

Seite 1

�kannt - als es der IAEO gegenüber angab. Somit ist
es Generaldirektor Blix zufolge von essentieller
Bedeutung, daß die IAEO Zugang zum Kern des
Versuchsreaktors erhält um feststellen zu können, ob
Brennstäbe wiederaufbereitet werden konnten.
Diplomaten zufolge konzentrierten sich mehrere der
von Mitgliederndes UN-Sicherheitsrats, insbesondere den Vereinigten Staaten und China, an Blix
gerichteten Fragen darauf, ob eine Möglichkeit zur
Rettung des Überprüfungsprozesses besteht.
Um prüfen zu können, ob Pjöngjang kein Nuklearmaterial abgezweigt hat, muß die IAEO ihrem
Generaldirektor zufolge Zugang zu allen Sicherheitsinformationen und -orten erhalten, und dazu ist die
umfassende Kooperationsbereitschaft Nordkoreas
erforderlich.
Am 30. Mai hatte der UN-Sicherheitsrat eine Erklärung abgegeben, in der Nordkorea eindringlich
aufgefordert wurde, seine Operationen nur im
Einklang mit den Erfordernissen der IAEO fortzusetzen.
Als Reaktion auf den Bericht des IAEO Generaldirektors erklärte Robert Gallucci, der Vorsitzende des
hi chrangigen politischen Lenkungsausschusses der
Ci nton-Administration für Korea, Nordkorea sei
wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die
Ni. klearfrage letztlich nicht gelöst werden könne,
ohne daß über die Plutoniumherstellung Nordkoreas
in Jer Vergangenheit Rechenschaft abgelegt werde.
Grllucci traf am 3. Juni einzeln mit Vertretern
Südkoreas und Japans zusammen, und die drei
Parteien sollen am 4. Juni gemeinsame Gespräche
beginnen.
Seit Aufnahme der Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Nordkorea im Juni vergangenen Jahres hat Amerika Gallucci zufolge
darauf hingewiesen, die Anwesenheit von Vertretern
der IAEO beim Auswechseln der Brennelemente in
dem 5-Megawatt-Reaktor sei eine unverzichtbare
Grundlage für die Fortsetzung des Dialogs. Dies sei
erforderlich, weil Messungen dieser Brennelemente
nötig seien um festzustellen, wieviel Plutonium
hergestellt worden sei.
Nordkorea widersetzte sich Gallucci zufolge jedoch
jeder von der IAEO vorgeschlagenen Methode für
den Erhalt der technischen Möglichkeit, in Zukunft
die Brennelemente zu erfassen und setzte die
absichtliche Vernichtung von Beweismaterial über
seine vergangenen nuklearen Aktivitäten fort.

Seite 2

Im vergangenen Jahr hätten sich die Vereinigten
Staaten ihm zufolge "mit Geduld und taktischer
Flexibilität um eine Lösung auf dem Verhandlungsweg bemüht".
Bei den jüngsten inoffiziellen Gesprächen mit Nordkorea hätten die Vereinigten Staaten das Angebot
einer dritten Runde hochrangiger Gespräche für
Anfang Juni vorgelegt, "um eine umfassende Lösung
nuklearer und anderer Fragen im größeren Kontext
einer Normalisierung der Beziehungen zu erörtern".
Als Grundlage für eine solche umfassende Lösung
hätten die Vereinigten Staaten auf dem Erhalt der
technischen Möglichkeit einer Messung von Brennstäben des Reaktors bestanden.
Nordkorea hatte seine Bereitschaft bekundet, Messungen als Teil einer politischen Lösung zu gestatten,
sich jedoch geweigert, eine dritte Verhandlungsrunde
anzuberaumen, falls die Vereinigten Staaten nicht auf
diese Forderung verzichteten. Das Land begann
jedoch Gallucci zufolge den schnellen Abzug von
Brennstäben mit der Behauptung, es existierten keine
Sicherheitseinwände.
Gallucci wies auf die Feststellung von lAEO-Generaldirektor Blix hin, eine der drei Möglichkeiten zur
Rekonstruktion der Betreibergeschichte des Reaktors
sei "grundlegend und unwiderruflich zerstört" worden.
Ferner machte er vor Fragestellern deutlich, es stehe
mehr auf dem Spiel als die Abzweigung von Brennstäben aus dem Reaktor.
"Wir streben eine atomwaffenfreie koreanische
Halbinsel an. Wir wünschen einen vollständigen
Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag (NW). Wir
bemühen uns um umfassende Sicherheitsvorkehrungen, die Bereitschaft zu Sonderinspektionen und die
Umsetzung der Nord-Süd-Erklärung über die Entnuklearisierung, die ein Verbot jeglicher Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen auf der koreanischen
Halbinsel umfaßt."
Internationale Sanktionen würden Gallucci zufolge
nicht notwendigerweise die Grundlage für eine
Beilegung der Angelegenheit zerstören, "wären
jedoch ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie
den Nordkoreanern klarmachen würden, daß es in
diesem Bereich Grenzen dafür gibt, was sie tun
können und was die internationale Staatengemeinschaft toleriert".
Gallucci warnte, die Vereinigten Staaten und die
internationale Staatengemeinschaft würden sich von
der Behauptung Nordkoreas "nicht einschüchtern
lassen", Sanktionen würden als Kriegshandlung
angesehen. "Die derzeit von Nordkorea abgegebe-

AMERIKA DIENST 22

�nen Erklärungen sind vollkommen unangemessen",
so der Botschafter.
"Wir werden bewußt unsere Konsultationen mit
Südkorea, Japan und anderen Staaten der Region
sowie anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates
fortsetzen und tun, was angemessen erscheint und
unseren Pflichten entspricht", betonte er.
Gallucci zufolge ist es "äußerst wichtig", daß andere
Nationen, die die Entwicklung von Kernwaffen anstreben, verstehen, "daß man sich nicht ungestraft
den Verpflichtungen im Rahmen des NW entziehen
und Sicherheitsvorschriften mißachten kann".

Die Vereinigten Staaten haben ihm zufolge ihre
Besorgnis über die nuklearen Absichten Libyens,
Iraks und Irans - die alle dem NW angehören ausgedrückt.
Gallucci betonte erneut die Sorge der Vereinigten
Staaten über das ballistische Raketenprogramm
Nordkoreas, das - in Verbindung mit nuklearen
Fähigkeiten - "eine Bedrohung ganz Asiens darstellt",
wenn diese Raketen entwickelt werden - und über die
Raketenexporte dieses Landes nach Iran und Syrien,
die "eine Gefahr für Frieden und Stabilität im Nahen
Osten sind".
Im Hinblick auf die Sicherheit Südkoreas betonte er,
die Vereinigten Staaten hätten das gute Gefühl, das
Notwendige unternommen zu haben, um Südkorea
eine Abschreckung und eine Verteidigung bieten zu
können, "falls es soweit kommen sollte".

* * * * *

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�BOSNIEN
8. Juni 1994

DER BOSNIEN-VERTRAG RETTETE MENSCHENLEBEN
Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb
Zagreb - (AD) - In einer am 2. Juni 1994 in Zagreb vor der kroatischen Gesellschaft für politische Wissenschaft
gehaltenen Rede erklärte der amerikanische Botschafter in Kroatien, Peter W. Galbraith, das in Washington
geschlossene bosnisch-kroatische Abkommen (durch das eine Föderation zwischen bosnischen Kroaten und
der bosnischen Regierung sowie eine Konföderation zwischen den Regierungen Bosniens und Kroatiens
geschlossen wurde) habe, was auch immer es sonst noch bewirken möge, "Menschenleben gerettet".
Nachfolgend veröffentlichen wir die in der Fakultät für politische Wissenschaften der Universität Zagreb
gehaltene Rede, der mehr als 200 Zuhörer, darunter Wissenschaftler, Vertreter der kroatischen Regierung und
der westlichen Medien beiwohnten.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Ich
freue mich, hier sein zu dürfen und zu meinen
Professorenkollegen und den Studenten dieser
Fakultät sprechen zu können.
Ich hielt zum letzten Mal am 17. Februar eine Rede
über die amerikanisch-kroatischen Beziehungen. An
diesem Tag lief das Kroatien vom UN-Sicherheitsrat
für den Abzug seiner Truppen aus Bosnien gestellte
Ultimatum aus, und die Möglichkeit einer Verhängung von Sanktionen rückte bedrohlich näher. In
Bosnien litt Sarajevo unter den Nachwirkungen des
Massakers auf dem Zentralmarkt und wir alle wußten
nicht, wie die Serben auf das NATOUItimatum
reagieren würden. Andernorts in Bosnien fanden
viele Kämpfe zwischen den bosnischen Kroaten und
den Muslimen statt, und in einigen Fällen arbeitete
jede dieser Parteien tatsächlich mit den bosnischen
Serben zusammen gegen die andere Seite.
Angesichts der drohenden Verhängung von Sanktionen gegen Kroatien und des zwischen drei Parteien
geführten bosnischen Krieges schien es, daß das
frühere Jugoslawien einer endlosen Zukunft von
Krieg, Isolation, Armut und Hoffnungslosigkeit
entgegensah. Kurz gesagt, die ohnehin schon
düstere Lage schien immer trüber zu werden.
Glücklicherweise wurde dieses Szenarium nicht
Wirklichkeit.
Die kroatische Regierung traf die
Entscheidung, sich gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten für eine Beendigung der Kämpfe zwischen

AMERIKA DIENST 22

Muslimen und Kroaten in Bosnien einzusetzen und
auf eine umfassende Friedenslösung hinzuarbeiten.
Kroatien traf eine sehr inhaltsschwere, und meines
Wissens für viele Kroaten äußerst schwierige Entscheidung.
Insbesondere stimmte Kroatien zu, die Idee einer
separaten kroatischen Republik in einem Teil Bosniens aufzugeben und beschloß statt dessen, die
territoriale Integrität, Unabhängigkeit und Einheit
dieses souveränen Landes voll zu unterstützen.
Durch diese Entscheidung stellte sich Kroatien
deutlich auf die Seite des Völkerrechts und der
Gerechtigkeit. Die kroatische Entscheidung war der
Schlüssel zum Washingtoner Abkommen, einem
politischen Arrangement für eine Föderation zwischen
Muslimen und Kroaten mit einer Regierungsstruktur,
die jeder Volksgruppe ein beträchtliches Maß an
Selbstverwaltung zubilligt und gleichzeitig die politischen und Menschenrechte dieser Gruppen umfassend schützt.
Trotz einer Vielzahl von Hindernissen, einschließlich
der Tatsache, daß der Großteil des von Muslimen
und Kroaten bewohnten Gebietes vom Feind belagert
wird, wurden bei der Umsetzung des Abkommens
über eine Föderation beträchtliche Fortschritte erzielt.
Die Kantonsgrenzen wurden definiert. Ein Präsident
und ein Vizepräsident für die Föderation wurden
ausgewählt. Eine Verfassung wurde entworfen und
angenommen. Das wichtigste Ergebnis des BosnienVertrags war jedoch die fast sofortige Beendigung der

Seite 1

�sinnlosen Kämpfe zwischen den beiden Volksgruppen, die Opfer der serbischen Aggression sind. Was
auch immer das Washingtoner Abkommen sonst
noch bewirken mag, es hat Menschenleben gerettet.

ein Wissenschafts- und Technologieabkommen, und
erst kürzlich empfing Kroatien hier zur Umsetzung
des Abkommens eine große amerikanische Delegation.

Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß das
Abkommen eine solide Grundlage für eine umfassende Lösung in Bosnien-Herzegowina darstellt.
Im Idealfall würden die Serben auch ihr Interesse an
einer Teilnahme an der Föderation bekunden, einem
politischen Arrangement, das ihre Rechte schützt
und gleichzeitig einen in wirtschaftlicher, politischer
und militärischer Hinsicht lebensfähigen Staat
schafft.

Wichtig in finanzieller Hinsicht ist unsere Zusammenarbeit mit multilateralen Institutionen - der Weltbank
und dem IMF - um bisher insbesondere aus politischen Gründen zurückgehaltene Darlehen freizusetzen.

Leider betrachten die derzeitigen Führer der bosnischen Serben ihre Interessen nicht in diesem Licht.
Ich könnte noch beiläufig hinzufügen, daß man nur
schwerlich eine Verbindung zwischen der von der
serbischen Führung eingenommenen Position und
den Interessen der bosnischen Serben sehen kann.
Sie haben sich zur Ablehnung einer Föderation
entschlossen. Wir haben jedoch die Hoffnung, daß
das Abkommen über eine Föderation die Verhandlungsbasis für eine andere Art von politischem
Arrangement zwischen der Föderation der Muslime
und Kroaten sowie der serbischen Seite in Bosnien
darstellen könnte.
Mit anderen Worten hoffen wir, daß die Föderation
der erste Schritt zu einer umfassenden Lösung sein
wird. Selbst wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, hat
das Abkommen dennoch ein Bündnis zwischen zwei
Opfern der serbischen Aggression geschlossen und
diese beiden Opfer besser in die Lage versetzt, in
diplomatischer, politischer und militärischer Hinsicht
mit dieser Aggression umzugehen.
Um es noch einmal zu wiederholen: Das Abkommen über eine Föderation wäre nicht möglich
gewesen ohne eine von der kroatischen Regierung
unternommene grundlegende Kursänderung. Als wir
mit Kroatien über die Möglichkeit sprachen, im
Friedensprozeß unser Partner zu werden, erklärten
wir auch, daß wir mit Kroatien als unserem Partner
seine möglichst baldige Integration in die politischen,
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Strukturen
anstreben würden. Und, wie Vizepräsident Gore
Präsident Tudjman bei der Unterzeichnung des
Washingtoner Abkommens mitteilte: "Der heutige
Tag markiert den Beitritt Kroatiens zum Westen."
Nach der Unterzeichnung schlössen wir im Bereich
landwirtschaftlicher Produkte ein Abkommen über 10
Millionen Dollar im Rahmen des Austausches
"Nahrungsmittel gegen Frieden". Wir haben die Zahl
der zwischen unseren beiden Ländern ausgetauschten Fulbright-Stipendiatenverdoppelt. Wirschlossen

Seite 2

Die Clinton-Administration hat sich immer für die
Unabhängigkeit und territoriale Integrität Kroatiens
eingesetzt, und unsere höchste Priorität ist unser
Wunsch, eine friedvolle Wiedereingliederung der von
den Vereinten Nationen errichteten Schutzzonen in
Kroatien zu erreichen. Der Bosnien-Vertrag, der dem
Friedensprozeß neuen Schwung verlieh, schuf auch
eine neue Chance zur Erreichung dieses Ziels. An
dem Morgen, an dem ich mit Präsident Tudjman von
der Unterzeichung des Abkommens zurückkehrte,
ging ich vom Flughafen aus direkt zur Russischen
Botschaft und leitete die erste Phase aus drei Stufen
bestehender Verhandlungen zur Lösung der KrajinaFrage ein.
Nach zwei Nachtsitzungen schlössen wir ein Abkommen über einen Waffenstillstand. Mit einigen Verzögerungen ist der Waffenstillstand jetzt großenteils
in Kraft getreten. Die Schießereien in Kroatien
betragen derzeit weniger als ein Prozent der Vorfälle
vor dem April. Die Infanterie hat sich zurückgezogen
und die schweren Waffen wurden abgezogen. Neben
dem Schutz von Leben und Sachwerten sollte der
Waffenstillstand Kroatien bei der Wiederbelebung
seiner Tourismusbranche helfen und Ressourcen
vom Militär abziehen und den wichtigen Aufgaben
beim Aufbau einer Nation zuführen. Der Waffenstillstand ist an sich schon eine bedeutende Leistung,
stellt jedoch nur den ersten Schritt eines auf die
Wiedereingliederung der UN-Schutzzonen abzielenden dreistufigen Prozesses dar.
Die zweite Phase der Verhandlungen steht im Zusammenhang mit wirtschaftlichen und vertrauensbildenden Maßnahmen. Unser Ziel ist nicht nur die
Verbesserung des Lebens der Menschen, sondern
auch die Einigung auf Schritte, welche die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Teile Kroatiens
unter Beweis stellen. Diese Gespräche konzentrieren
sich auf die Öffnung von durch die UNO-Schutzzonen
laufenden Verkehrsverbindungen, die Wiedereröffnung der Erdölpipeline, die Versorgung Zadars mit
Wasser, der Krajina mit Strom sowie auf die Versorgung der in den Schutzzonen lebenden Menschen. Sowohl Kroaten als auch Serben werden aus
diesen Schritten Nutzen ziehen. Da die Wirtschaft
dort jedoch dermaßen am Boden liegt, wird der

AMERIKA DIENST 22

�Gewinn für die Bewohner der Schutzzonen vergleichsweise größer sein.

nischen Bundesstaaten, der kanadischen Provinzen
oder der Kantone in Bosnien-Herzegowina.

Wie Sie wissen, haben wir Schwierigkeiten bei der
Aufnahme dieser Wirtschaftsverhandlungen. Ich
habe jedoch aus einem einfachen Grund die Hoffnung, daß sie beginnen. Das pro-Kopf-Einkommen
der in den UNO-Schutzzonen lebenden Menschen
gehört zu den niedrigsten der Welt. Das Einkommen beträgt monatlich etwa 20 Mark. Der Lebensstandard der Menschen dort liegt unter dem in
Bangladesh, was im Herzen Europas kaum vorstellbar ist. Welche Zukunft haben die Menschen dort,
insbesondere die jungen Leute? Sie haben keine
Zukunft, und deshalb werden sie dieses Gebiet
verlassen. Bisweilen behaupten die Serbenführer in
der Krajina, Kroatien habe den Wiedergewinn von
Territorium zum Ziel, jedoch ohne die Serben. In
Wirklichkeit besteht die Politik der Krajina-Serben in
selbstauferlegter Isolation von Kroatien, das die
Serben wahrscheinlich aus den UNO-Schutzzonen
vertreiben wird. Die Wiedereingliederung dieser
Zonen in Kroatien stellt die vielversprechendste
Lösung dar, den serbischen Charakter der Krajina zu
bewahren.

Autonomie umfaßt mit Sicherheit das Recht auf eine
Wahl der Legislative, eine Kontrolle über das Bildungswesen, die Erhebung von Steuern, Gewalt über
das Polizeiwesen und Einfluß auf die Kultur. Sie
kann auch symbolische Elemente enthalten. Die
amerikanischen Bundesstaaten haben ihre eigene
Flagge. Gibt es einen Grund, warum eine autonome
Region, ein autonomer Kanton oder Bundesstaat
nicht auch seine eigene Fahne haben sollte, wenn
die Menschen dies wünschen?

Unser oberstes Ziel besteht darin, jedem aus seiner
Heimat Vertriebenen die Rückkehr nach Hause zu
ermöglichen. Wir hoffen, in der zweiten Verhandlungsphase Übereinkünfte zu erzielen, die Serben
und Kroaten gleichermaßen die Rückkehr in zumindest einige Dörfer auf der jeweils anderen Seite
der Waffenstillstandslinie ermöglichen.
Die dritte Phase der Verhandlungen befaßt sich mit
dem politischen Status. Alle in Kontakt zu den
Krajina-Serben stehenden Diplomaten - die Russen,
Botschafter der Europäischen Union und meine
Person - haben eindeutig gesagt, daß eine unabhängige "Serbenrepublik Krajina" niemals akzeptiert oder anerkannt wird, und diese Gebiete niemals
als Teil Serbiens akzeptiert oder anerkannt werden.
Von den 190 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
unterstützt nicht ein einziger eine unabhängige
"Serbenrepublik Krajina" oder ihre Bestrebungen,
Teil Serbiens zu werden.
Die endgültigen politischen Arrangements zwischen
den in den UNO-Schutzzonen lebenden Serben und
dem übrigen Kroatien müssen auf dem Verhandlungsweg gelöst werden. Obwohl die Unterhändler
keinen speziellen Plan empfehlen, müssen einige
Elemente eindeutig Bestandteil einer funktionierenden Lösung sein. Eine Lösung muß den mehrheitlich von Serben bewohnten Gebieten ein beträchtliches Maß an Autonomie gewähren. Was
bedeutet ein beträchtliches Maß an Autonomie? Es
gibt verschiedene Modelle, darunter die der amerika-

AMERIKA DIENST 22

Um es deutlich zu machen: Ich gebe hier keine
Empfehlung für die eine oder andere Lösung.
Hierüber müssen die kroatische Regierung und die
Serben in den UNO-Schutzzonen auf dem Verhandlungswege entscheiden. Ich breite vor Ihnen heute
keine amerikanische Formel aus. Dies sind lediglich
die Beobachtungen eines an den Verhandlungen
Beteiligten hinsichtlich einerfunktionierenden Lösung.
Im Rahmen einer ausgehandelten Lösung werden die
Serben ihre Hoffnung auf einen unabhängigen Staat
aufgeben müssen. Kroatien wird vielleicht wider
Willen politische Arrangements akzeptieren müssen.
Betrachten Sie sich jedoch die Alternativen: Fortgesetzte Spaltung des Landes oder Krieg. Es wird
viel über eine militärische Option gesprochen. Selbst
im Falle ihres Erfolgs hätte sie verheerende Konsequenzen für Kroatien. Und es besteht unter den
gegenwärtigen Umständen die nicht zu unterschätzende Möglichkeit, daß die militärische Option
scheitert und Kroatien sich in einer noch schlechteren
Position befindet als derzeit bereits der Fall.
Zum Schluß möchte ich noch einen Punkt ansprechen. Im Verlauf der Verhandlungen ist es für
Kroatien von essentieller Bedeutung, alles in seiner
Macht Stehende zu unternehmen, um zu einem Ort
zu werden, der für die Serben zum Leben akzeptabel
oder sogar erstrebenswert ist.
Die Jahre des Kommunismus und insbesondere der
Krieg haben Bitterkeit hervorgerufen. Folglich war
eine Diskriminierung der Serben im staatlich kontrollierten Teil Kroatiens zu beobachten. Den Serben
wurden ihre Arbeitsplätze gekündigt, sie wurden aus
ihren Wohnungen vertrieben und - was noch betrüblicher ist - mehrere tausend ihrer Häuser wurden in die
Luft gesprengt.
Soweit mir bekannt ist, wurde
niemand wegen dieser Verbrechen verhaftet oder
verurteilt.
Wenn Kroatien den Serben nicht das Gefühl vermittelt, daß Kroatien in jeder Hinsicht ihr Land ist,
besteht keine Aussicht darauf, daß die in den UNO-

Seite 3

�Schutzzonen lebenden Serben jemals in Kroatien
leben wollen. Somit ist der umfassende Schutz der
Rechte der Serben und aller anderen politischen und

Menschenrechte für unser gemeinsames Ziel einer
friedlichen Wiedereingliederung in die UNO-Schutzzonen von essentieller Bedeutung.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 22

�SPORT
8. Juni 1994

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL":
ZUSCHAUERSPORTARTEN UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (II)
von John R. Eidson
Nachfolgend veröffentlichen wir den zweiten Teil des Essays von Professor John R. Eidson.

Der Sport und die amerikanische Vorstellungskraft
Der Sport durchdringt die amerikanische Gesellschaft in solchem Ausmaß, daß praktisch jeder
gezwungen ist sich zu entscheiden, ob er ihn mag,
toleriert oder ablehnt. Intellektuelle definieren sich
häufig im Gegensatz zur Vulgarität des Sports, aber
vom Elfenbeinturm läßt sich das Getöse des Stadions kaum übertönen. Der Collegesport hat bereits
seit den Anfängen des Football die Feindseligkeit
mancher Gelehrter hervorgerufen, und diese Feindseligkeit findet von Zeit zu Zeit literarischen Ausdruck in dem traditionellen amerikanischen Genre
der Jeremiade. Einen hohen moralischen Standpunkt einnehmend, brandmarken hochgestochene
Kritiker die Sportindustrie geradezu als Inkarnation
des amerikanischen Sündenfalls. Einige Intellektuelle - ob in einem Anfall von Populismus oder einem
Zustand hoher ästhetischer Sensibilität - nehmen
den Baseball jedoch von diesem allgemein über den
Sport gefällten strengen Urteil aus. Einer der
bekanntesten Vertreter dieser Kategorie ist der
unlängst verstorbene A. Bartlett Giamatti, der Englischprofessor, der seinen Posten als Rektor der
Yale University aufgab, um Beauftragter für Baseball
zu werden. Giamattis Buch Take Time for Paradise
(Summit Books 1989) gehört zu dem Genre, das die
idyllischen Tugenden des Baseball preist und zu
dem auch politische Kolumnisten, Naturwissenschaftler und Sportjournalisten mit literarischen
Ambitionen ihren Beitrag leisten.
Für die meisten Amerikaner bedeutet der Sport nicht
nur eine Serie von Festen, sondern auch ein Thema,
das das Leben in einem Ausmaß begleitet und
durchdringt, das für den Außenstehenden nahezu
unbegreiflich ist. Die "Heimmannschaft" ist integraler

AMERIKA DIENST 22

Bestandteil lokaler Identität, und ihr Erfolg oder
Scheitern bringt die Leidenschaften ganzer Gemeinden in Wallung. In den siebziger Jahren des 19.
Jahrhunderts machten ortsansässige Förderer
Provinzstädte des Mittleren Westens dadurch bekannt, daß sie die ersten professionellen Baseballmannschaften gründeten, während heute Städte wie
Charlotte, Orlando, Phoenix und Denver um Profimannschaften buhlen und vor Bürgerstolz platzen,
wenn ihre Wünsche erfüllt werden. Die Bürger von
Green Bay (Wisconsin) gründeten eine Aktiengesellschaft, um die traditionsreiche, jedoch abstiegsbedrohte Mannschaft der Packers zu retten, während
die Einwohner von Washington immer noch den
Verlust ihrer geliebten Senators zu Beginn der
siebziger Jahre betrauern. Der meistgehaßte Mann
Baltimores ist immer noch Bob Irsay, der vor vielen
Jahren die Colts nach Indianapolis umziehen ließ. In
Indiana hat der Basketballsport auf High-SchoolEbene regionalen Kultstatus erlangt - eine Tatsache,
die in dem Hollywoodfilm "Hoosiers" von 1986
thematisiert wurde. Dasselbe gilt für Football in
Westtexas, wie Ross Perot feststellen mußte, als er
als Vorsitzender einer Kommission zur Reform des
staatlichen Bildungswesens eine Vorschrift einführen
wollte, derzufolge die Teilnahme am High-SchoolSport von einem bestimmten Mindestnotendurchschnitt abhängen sollte.
Einige Mannschaften fesseln die Phantasie des
ganzen Landes und werden zum Symbol einer
ganzen Ära. In den siebziger Jahren wurden die
Dallas Cowboys zu der Mannschaft, die aufgrund
ihrer aufregenden Spielweise und des von ihr kultivierten Images in ganz Amerika entweder geliebt
oder inbrünstig gehaßt wurde. In der Frühzeit des
College- und Profisports taten die Fans ihre Präferenz für die eine oder andere Mannschaft durch das

Seite 1

�Schwenken von Fähnchen oder das Tragen von
Kappen ihrer Mannschaften kund. Mit der phänomenalen Zunahme der Vermarktung des Sports ziehen
sich Fans heute Kostüme an, die mit den Visionen
Hollywoods von verschwenderischer orientalischer
Pracht konkurrieren können.

größtmögliche Freiheit, ihm eine Bedeutung anzudichten. Der Sport verkörpert eine solch große
Anziehungskraft, weil im Gegensatz zu spezielleren
dramaturgischen Formen jede Vorstellung mehrere
verschiedene Interpretationen für ein einziges zugrundeliegendes Drehbuch zuläßt.

Die Diversifizierung von Waren, die weit über den
Wettbewerb selbst hinausreicht - Schuhe, Kleidung,
"offizielle" Ausrüstung, Literatur, Sammelkarten etc. weist auf das Ausmaß hin, in dem der Sport zu
einem riesigen und äußerst profitablen Industriezweig geworden ist. Die Popularität des Sports
jedoch lediglich als Reflex von Marketingstrategien
zu interpretieren, hieße die Rolle des Zuschauers zu
unterschätzen. Wie der Begriff "Fan" andeutet, ist
das Zuschauerdasein eine Aktivität, und "dem Spiel
zuschauen", bedeutet für den Sportfan eine totale
Erfahrung, die ebenso kostbar ist wie Prousts Abend
in der Oper.

Im Zuschauersport ist die Besetzung auf Antagonisten, Protagonisten und Nebenrollen beschränkt, aber
diese Figuren treten in allen Formen und Dimensionen auf. Wenn der Unparteiische anpfeift, beginnt
das Drama, und jede Rolle bietet ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Variationen. Da sind die
stoischen Spieler, die selbst im Triumph keine
Gefühlsregung zeigen, jungenhafte Spieler, die mit
derselben Spontaneität Freude und Mißfallen bekunden sowie die extravaganten Spieler, die mit wunderbar einstudierter Prahlerei spielen, Spaße machen
und feiern. Da sind Trainer, die wie Bankiers aussehen, Trainer, die vor jedem Spiel zum Gebet
niederknien und Trainer, die von einem Verliererteam
zum nächsten wechseln. Einige Clubbesitzer tragen
Tweed und breite Krawatten, andere sehen aus wie
Gangster aus den zwanziger Jahren; einige Clubbesitzer bleiben in ihren Logen der Masse entrückt,
während andere die Aufgaben ihrer Trainer und
Manager usurpieren. Unter den Reportern sind
Meister des Understatements, Reporter, die überjede
neue sportliche Höchstleistung ins Schwärmen
geraten und Reporter, die dem Trainer ständig
ungebetene Ratschläge erteilen. Einige Fans feuern
die Heimmannschaft an, andere bleiben passiv und
wieder andere applaudieren jedem guten Spielzug
ungeachtet dessen, welcher Mannschaft der Spieler
angehört. Es gibt Fans, die in ausgefallenen Kostümen erscheinen, Fans, die sich mit Statistiken
beschäftigen, und Fans, die über dem Anstehen nach
Bier und Erdnüssen das Spiel verpassen. Zehntausende von Fans drängen sich in den Stadien, während weitere Millionen vor den Fernsehgeräten
hocken. Dazu gehören Gruppen von Freunden
ebenso wie einsame Zuschauer, die sich schon
darauf freuen, das Spiel später im Büro bei einer
Tasse Kaffee mit den Kollegen zu analysieren.

Sportveranstaltungen lassen sich tatsächlich am
besten verstehen, wenn man sie als eine Art von
Gesamtkunstwerk betrachtet, in dessen Rahmen die
Fans ebenso wichtig sind wie all die anderen Beteiligten, darunter Spieler, Trainer, Manager, Talentsucher, Clubbesitzer, Unparteiische oder Schiedsrichter, Reporter und Kameraleute. Der Zuschauersport unterscheidet sich vom Theater nicht nur darin,
daß er zu mehr Publikumsbeteiligung ermutigt,
sondern auch dadurch, daß er den eigentlichen
Konflikt des gesamten Dramas auf eine simple
dualistische Form reduziert, in der die Beziehung
zwischen Protagonisten und Antagonisten reversibel
ist. Jedes Spiel ist eine Schlacht zwischen Doppelgängern, ein Krieg zwischen zwei Thronprätendenten, von denen beide zugleich den Helden, den
Schurken und den dummen August repräsentieren.
Deshalb hat jedes Spiel einen guten "Plot" oder, wie
Northrop Frye in Anlehnung an die literarische Form
des romantischen Abenteuerromans geschrieben
hat, den guten "Plot". Der "Abenteuerroman" - der
Triumph des "Underdog" - ist jedoch nur eine
Möglichkeit für den Verlauf, den das Spiel nehmen
kann. Je nach Regie, Handlungsverlauf und Blickwinkel des Zuschauers kann der athletische Wettbewerb auch ein Epos, eine Tragödie oder eine
Parodie sein, durch die eine gerechte Ordnung
bestätigt, wiederhergestellt oder auf den Kopf gestellt
wird. Die dramatische Form des Sports kann zu
Recht als "primitiv" bezeichnet werden, unter der
Voraussetzung, daß dieser Begriff in der Bedeutung
"undifferenziert" und als grundsätzlich verschwommen verstanden wird. Durch die Simplifizierung der
Handlung, das Auf und Ab in der Beziehung zwischen Protagonisten und Antagonisten sowie die
Vervielfachung der Aspiranten auf Haupt- und
Nebenrollen, verleiht der Sport seinem Publikum die

Seite 2

Die Fans beurteilen die Leistungen der Spieler nicht
nur nach messbaren Maßstäben, sondern auch
aufgrund weithin geteilter, aber auch sehr unterschiedlicher Kriterien für sportliches Verhalten, Mut,
Finesse, trickreiches Spiel und Stil. Der Held des
einen ist der Schurke des anderen, und was die
Bewunderung des einen hervorruft, ist für den anderen verachtenswert. Es gibt jedoch auch besondere
Momente, in denen von allen Beteiligten verlangt
wird, unantastbaren Konventionen ihre Reverenz zu
erweisen, insbesondere während der Zeremonien vor
und nach dem Spiel. Am Ende jedes Basketballspiels schütteln sich die Trainer oberflächlich die

AMERIKA DIENST 22

�Hand, dann geben sie gemeinsam mit den Spielern
Fernsehinterviews, die immer die gleichen bohrenden Fragen enthalten, dieselben hölzernen Antworten und dasselbe peinliche Sammelsurium von Fans,
die in Beifallsrufe ausbrechen oder im Hintergrund
Grimassen schneiden. In jenen seltenen Augenblicken, in denen Sportreporter um Worte verlegen
sind, verfallen sie häufig auf pathetische Phrasen,
indem sie die wohltätigen Aktivitäten eines Spielers,
seine Liebe zu seiner Mutter oder seine Achtung vor
den Mitmenschen ansprechen.
Die Verletzung
dieses Kodex' ist strikter Zensur unterworfen, wie
man an den Reaktionen der Fans auf unsportliches
Verhalten oder der unlängst erfolgten Rüge durch
den Präsidenten ablesen kann, nachdem eine
bekannte Komikerin versucht hatte, zu Beginn eines
Baseballspiels die Nationalhymne zu karikieren.

Right Thing (1989) aufs Korn nahm. Natürlich
spiegeln die Unterstellungen der Fans nicht unbedingt
die Haltung von Spielern und Management wider, und
es mutet wie Ironie an, daß die Mannschaft, die
sowohl den ersten schwarzen Spieler als auch den
ersten schwarzen Trainer einstellte, zum Ventil für
den latenten Rassismus derjenigen Fans werden
sollte, denen die dominierende Rolle schwarzer
Athleten ein Dorn im Auge ist. Andere Fans stellen
ihre liberale Einstellung zur Schau, indem sie Stars
aus anderen ethnischen Gruppen unterstützen als
der, der sie selbst angehören. Die phänomenale
Popularität schwarzer Stars unter Jugendlichen aller
ethnischen Gruppen demonstriert die fortdauernde
Stärke einer ganz und gar amerikanischen Tradition die Jugend macht sich die Kulturen der Minderheiten
zu eigen.

Vor dem Anpfiff und nach dem Schlußpfiff bietet der
Sport unerschöpflichen Stoff für Kommentare und
Spekulationen. Wer wird die Schlacht der Titanen
gewinnen? Wird der neue Spieler gut einschlagen?
Wie wird ein alterndes oder von Verletzungen
geplagtes Team auf eine Herausforderung reagieren? Warum ist ein Spieler an einem Tag "brandheiß" und am nächsten "ausgebrannt"? Wie hat es
der Underdog geschafft, einen Überraschungscoup
zu landen? Eine Analyse der Beiträge von Kommentatoren und der Gespräche von Fans würde den
Sport als eine Domäne "ungezähmten Denkens"
entlarven, wo nichts zufällig geschieht, wo alles
irgendeine Bedeutung hat und wo jede Bedeutung
mit 100 anderen verbunden ist - kurzum, wo Amerikaner von heute in einer Art und Weise denken, die
Anthropologen bisweilen primitiven Völkern zuschreiben. Die Spieler selbst sind notorisch abergläubisch, aber eine nähere Betrachtung des Verhaltens der Fans würde genug diagnostische und
prognostische Konventionen aufdecken, um eine
Enzyklopädie des Volkstums zu füllen.

Aus diesem Grund bietet der Sport sowohl eine
umfassende Erfahrung als auch ein Symbol, das in
die Welt außerhalb des Stadions hineinwirkt. Die
Häufigkeit, mit der Amerikaner entdecken, daß "der
Sport ist wie das Leben", wird lediglich von der
Trivialität dieser Entdeckung übertroffen. Metaphern
aus dem Sport sind besonders in den Bereichen
Politik und Wirtschaft sowie in den Beziehungen
zwischen Mann und Frau anzutreffen. Während der
Präsidentschaftskampagne von Ross Perot im Jahr
1992 beschwerte sich ein Mitglied seiner "Mannschaft" über die politische Unertahrenheit und den
ineffektiven Stil seines Chefs. In einem anonymen
Hintergrundgespräch mit Journalisten führte der
Berater Perots "Zurückfallen" in den Meinungsumfragen auf dessen Weigerung zurück, Fernsehwerbung
einzusetzen, aber er tat diese Äußerung auf typisch
amerikanische Weise: "Das ist so, als ob wir einen
Receiver völlig ungedeckt am anderen Ende des
Spielfelds hätten und der Quarterback immer wieder
den Fullback mit dem Ball durch die Mitte schickt."
Selbst der uniformierte Leser wird diese Erklärung
als Kritik verstehen, aber eine vollständige Interpretation erfordert ein nicht geringes Maß an Insiderwissen vom Footballspiel - ein Wissen, das nahezu
jeder Amerikaner besitzt. Mit dem Ball zu laufen, ist
der traditionelle und meistens weniger aufregende
Weg, um dieses Spiel zu spielen - "drei Yards und
eine Staubwolke", wie man zu sagen pflegt. Die
Entwicklung des "Paßspiels" hat dramatische Umkehrungen des Spielglücks ermöglicht und erheblich zur
wachsenden Popularität des Football beigetragen.
Wenn der "Receiver völlig ungedeckt am Ende des
Spielfelds steht", dann wirft ihm der Quarterback (der
"Spielmacher") die "Bombe" zu und erzielt hoffentlich
einen "Touchdown" - die plötzliche Wendung, die der
Wahlkampfberater durch Fernsehwerbung zu erzielen
hofft. Aber Perot erreichte niemals einen "Touchdown". Statt dessen wurde er von Bush aus dem

Der Sport stellt bisweilen das Rohmaterial für einen
unbewußten Diskurs zur Verfügung, in dem man
Wünschen, Vorurteilen und Schuldgefühlen freien
Lauf lassen kann, die ansonsten unterdrückt werden.
Die vom Fernsehen übertragenen Bilder scheinen
häufig die Teamarbeit zwischen Schwarzen und
Weißen zu betonen, aber die Reaktion der Fans auf
bestimmte Spieler und Mannschaften könnte auch
auf unterschwellige Rassenspannungen hindeuten.
Als die Boston Celtics in den achtziger Jahren gegen
die Los Angeles Lakers spielten, identifizierten sich
viele weiße Fans außerhalb Bostons mit CelticsStars wie Larry Bird, Kevin McHale und Danny
Ainge, während die Sympathien schwarzer Jugendlicher im ganzen Land "Magic" Johnson, James
Worthy und Kareem Abdul-Jabbar galten - eine
Tatsache, die Spike Lee in seinem Film Do the

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�Feld geschlagen, und Clinton gewann, obwohl er in
den Debatten keinen "K.O." landen konnte.
Nach bescheidenen Anfängen als volkstümliche
Propheten gehen einige berühmte Sportler heute mit
einer "Siegesphilosophie" hausieren, die auf Analogien zwischen Sport und dem Leben anspielt. In
den sechziger Jahren machte Vince Lombardi, der
enorm erfolgreiche Trainer der Green Bay Packers,
eine Filmserie, die Schulkindern sowie Männern und
Frauen aus der Wirtschaft im ganzen Land die
tiefgründigeren Lehren des Football näherbringen
sollte. Die in der Evolution am höchsten entwickelte
Spezies ist dieser Abstammungslehre zufolge der
erfolgreiche Athlet oder Trainer, der Führungskräften
der Wirtschaft als "Motivationsredner" dient. Die
zugrundeliegende Voraussetzung lautet, daß das
Geschäftsleben wie der Sport von Wettbewerb
geprägt wird und daß amerikanische Führungskräfte
die Konkurrenz im In- und Ausland "schlagen"
können, wenn sie den richtigen "Trainer" haben, der
die "Mannschaft" motivieren kann. Ein Beispiel für
einen Motivationsredner aus der Welt des Sports ist
der unlängst verstorbene Jim Valvano, der als
Trainer der North Carolina State University einen der
größten Überraschungserfolge in der Geschichte des
Collegebasketballs erzielen konnte. 1983 erreichte
Valvanos niedrig eingeschätzte Mannschaft das
Endspiel der NCAA und schlug die University of
Houston mit dem afrikanischen Superstar Hakeem
Olajuwon. Valvano leitete seine Vorträge vor
Wirtschaftsvertretern für gewöhnlich damit ein, daß
er ein Videoband der letzten fünf Minuten des
Sieges von North Carolina State über Houston
abspielte - denn, wissen Sie, das Leben ist wie ein
Basketballspiel.
Metaphern aus dem Sport werden besonders häufig
auf die Beziehung zwischen Mann und Frau angewandt. Viele Amerikaner erinnern sich noch an den
populären Schlager mit dem Titel "Love is just like a
baseball game" vor zwanzig Jahren, und jeder weiß,
daß einige Männer ihre sexuellen Erfolge bei Frauen
mit Begriffen aus dem Baseball wie "zur 'first base'
vordringen", zur "second base", zur "third base" oder
einen "home run" erzielen, beschreiben. Die Einführung des Begriffs "scoring" (im Sport "einen
Treffer erzielen", hier, eine Frau ins Bett bringen,

* *

Seite 4

Anm. d. U.) in die Sphäre der Sexualität wird zweifellos den Verdacht mancher Leser bestätigen, der
Sport sei eine der letzten Bastionen des Patriarchats.
Tatsächlich ergehen sich einige Kritiker in Interpretationen von Footballspielen als einer Art von
wollüstigem Passionsspiel, das zur Bekräftigung
archaischer Geschlechterrollen dient. Trotzdem
scheint die Konfrontation zwischen Sport und Feminismus in den meisten Fällen eher reformistische als
abolitionistische Positionen hervorzubringen.
Wie bereits im Fall der Beziehungen zwischen
sozialen Schichten und Rassen, wird der Sport zu
einer symbolischen Arena, in der neue Einstellungen
zu Sexualität und Geschlecht geformt werden. Eine
der ersten geschlechtsspezifischen Reformen war die
Gründung getrennter aber (nicht ganz) gleichwertiger
Collegesportprogramme für Frauen. Nur selten sind
Schritte unternommen worden, um Schulmannschaften oder Profiteams selbst zu integrieren, aber
kürzlich gab die erste Spielerin ihr Debüt in der
National Hockey League - als Torwart! Die größten
Fortschritte wurden vielleicht bei der Integration des
Sportjournalismus und bei der Veränderung oder
Erweiterung der Sportkommentierung erzielt, um ein
breiteres Publikum zu erreichen. Reporterinnen sind
in die Domänen des Baseball, Football und Basketball eingebrochen, und der Zutritt von Frauen zu den
Umkleidekabinen der Männer hat ebensoviel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie die Berufung der
ersten Frau in das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten. Obwohl das Publikum von Sportveranstaltungen in erster Linie aus Männern besteht,
gilt dies keineswegs ausschließlich. Einige Beobachter betrachten die neue Konzentration des Sportjournalismus auf die familiäre Situation der Spieler und
andere Aspekte ihres Privatlebens als Versuch, das
Spiel zu feminisieren und damit seine Anziehungskraft zu verstärken.
Eine der neuesten Episoden in dieser unvollendeten
Revolution trug sich am "ersten Spieltag" 1993 zu, als
Hillary Rodham Clinton, eine begeisterte Anhängerin
der Baseballmannschaft der Chicago Cubs, den
Anbruch des Frühlings in Amerika verkündete - und
die Baseballsaison eröffnete - indem sie den ersten
Ball warf. Wenn man sie schon nicht besiegen kann,
muß man eben mit den Wölfen heulen.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12103">
              <text>08.06.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12104">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12105">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12106">
              <text>Amerikadienst 08.06.1994</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="12107">
              <text>&lt;strong&gt;1. D-Day&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ruft Amerikaner zum Gedenken an die Lehren des Zweiten Weltkriegs auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gedenkbotschaft des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton fordert den Geist der Landung in der Normandie für die heutigen Herausforderungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten vor Europareise&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton ehrt die Gefallenen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache an Bord der USS George Washington&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Vision: ein integriertes Europa vom Atlantik über ganz Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-China&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA unterstützen weltweit Demokratie und Menschenrechte &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Christopher&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Nordkorea&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA nehmen Konsultationen über Sanktionen gegen Nordkorea auf &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gespräche mit UNO und Verbündeten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Bosnien-Vertrag rettete Menschenleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Sport&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Liebe ist wie ein Baseballspiel:"&lt;br /&gt;Zuschauersportarten und die amerikanische Kultur (II)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John R. Eidson&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
