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                  <text>cimGrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

18

11. Mal 1994

AUSSENPOLITIK

AUSSENPOLITIK MUSS AUCH RISIKOBEREITSCHAFT ENTHALTEN
Fernsehinterview des Präsidenten

SÜDAFRIKA

AUFSTOCKUNG DER HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Erklärungen von Clinton und Gore

NAHER OSTEN

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG DES

AUTONOMIEVERTRAGS
Erklärung des Präsidenten

FULBRIGHT

LEO M. GOODMAN AWARD FÜR
SENATOR FULBRIGHT
Rede von Botschafter Holbrooke

FUSSBALL

FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel: 0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
11. Mai 1994

AUSSENPOLITIK MUSS AUCH
RISIKOBEREITSCHAFT ENTHALTEN
Fernsehinterview des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Außenpolitik muß dem Präsidenten zufolge die Bereitschaft zur
Übernahme von Risiken in den "Grauzonen" der Zeit nach dem Kalten Krieg enthalten.
In Rahmen der umfassendsten Verteidigung der Politik seit seiner Amtsübernahme beantwortete Clinton im
amerikanischen Fernsehsender CNN (Cable News Network) am 3. Mai 1994 Fragen aus der ganzen Welt und
räumte ein, es sei viel schwieriger, internationale Koalitionen aufzubauen, als er gedacht habe.
Clinton skizzierte die Grundprinzipien seiner taktischen außenpolitischen Entscheidungen und erklärte, die
Vereinigten Staaten würden beim Umgang mit Unruheherden in den meisten Fällen ein Vorgehen im Rahmen
multilateraler Organisationen anstreben. Sollten Washingtons wichtigste Interessen auf dem Spiel stehen,
würde jedoch kein Alleingang gescheut.
Der Präsident wies Kritik zurück, er sei bei außenpolitischen Entscheidungen, insbesondere zu Bosnien,
wankelmütig gewesen und stellte fest, es habe im Hinblick auf die Grundsätze der Politik "keine Unschlüssigkeit" gegeben.
Im weiteren Verlauf der Fernsehdiskussion beantwortete Präsident Clinton Fragen zum Handel mit China, dem
Nahostfriedensprozeß, den nuklearen Fähigkeiten Nordkoreas und der Wiederherstellung der Demokratie auf
Haiti.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Meine Damen und Herren, ich begrüße die Teilnehmer der CNN-Konferenz und die Millionen
Fernsehzuschauer aus aller Welt. Mein Dank gilt
dem Carter Center, in dem diese bahnbrechende
Diskussion über die Weltpolitik stattfindet.
Während der gesamten Geschichte der Vereinigten
Staaten, und insbesondere nach größeren Konflikten, mußte Amerika erneut prüfen, wie es seine
Sicherheit definiert, in was für einer Welt wir und
unsere Kinder leben wollen und welche Verantwortung wir für sie tragen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges sind wir erneut an einem solchen Zeitpunkt
angekommen -einer Zeit großer Veränderungen und
Chancen. Das Gespenst der atomaren Vernichtung
verschwindet immer mehr. An die Stelle des sowjetischen Imperiums ist eine Vielzahl neuer Demokratien getreten. Aufgrund der Revolution im Kommunikationswesen, die am eindeutigsten von CNN
und unserer Tätigkeit am heutigen Abend symbolisiert wird, überwindet die Weltwirtschaft Entfernungen und eröffnet neue Möglichkeiten.

AMERIKA DIENST 18

Wir sind Augenzeugen der Geschichte. Wir beobachten die Geschehnisse. Ich erinnere mich, wie
ich als junger Mann abends die Nachrichten sah.
Dem Weltgeschehen wurde nur wenig Platz eingeräumt, und oftmals waren die Nachrichten schon
einen Tag alt. Heute werden wir schon ungehalten,
wenn die Nachrichten eine Stunde alt sind und keine
live-Berichte vorliegen.
Die Berliner Mauer ist gefallen. Ein von Hoffnungen
begleiteter Händedruck hat einen Friedensprozeß in
Gang gesetzt, der für einen dauerhaften Frieden im
krisengeschüttelten Nahen Osten erforderlich ist.
Diese Woche waren wir Zeugen ruhmreicher und
unvergeßlicher Szenen, als Millionen von Südafrikanern aller Rassen sich freudig und mutig in die
Schlangen vor den Wahllokalen einreihten, um eine
neue Demokratie für Angehörige aller Rassen ins
Leben zu rufen.
Wir alle sind uns jedoch bewußt, daß dieses Zeitalter
auch Gefahren beinhaltet. Rußland und die anderen

Seite 1

�Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
durchlaufen eine schwierige Übergangszeit. Das
Ende der Konfrontation der beiden Supermächte
Sowjetunion und Vereinigte Staaten hat brodelnden
ethnischen Haß freigesetzt. Innerhalb der nationalen
Grenzen der Länder dieser Welt hat sich sehr viel
Aggression angestaut. Wir alle spüren die Gefahr
für die Menschheit, die mit diesen Kämpfen innerhalb und zwischen Ländern einhergeht.
Regime wie beispielsweise Irak, Iran und Nordkorea
bestehen auf der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Wir sind Zeugen brutaler Menschenrechtsverletzungen von Haiti bis Ruanda sowie
schrecklicher humanitärer und Umweltprobleme von der weitreichenden AIDS-Epidemie und der
Versteppung in Afrika bis zur Rodung der Wälder in
Lateinamerika und Asien.
Angesichts so großer Versprechen und Unruheherde
haben wir die Chance, die Bedingungen für mehr
Frieden und Wohlstand zu schaffen, hoffentlich
dauerhaften Frieden und Wohlstand - vorausgesetzt,
die führenden Nationen der Welt setzen sich aktiv
dafür ein.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wird hier in
Amerika und in anderen Ländern darauf gedrängt,
sich nach innen zu wenden und auf nationale
Erfordernisse zu konzentrieren. Bei uns bedeutet
das Schaffung von Arbeitsplätzen, Verbrechensbekämpfung und Gesundheitsfürsorge für alle
Bürger. Es ist richtig und geboten, sich diesen
Erfordernissen zu widmen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht der
Welt oder anderen Ländern den Rücken kehren. Ich
weiß, daß Engagement Geld und manchmal Menschenleben fordert. Ich bin mir wohl bewußt, daß
wir nicht jedes Problem lösen können, oder das
auch nur versuchen sollten. In einem Zeitalter des
Wandels, der Chancen und Gefahren muß Amerika
jedoch willens sein, die mit einer Führungsrolle
einhergehenden Verpflichtungen und Risiken zu
übernehmen. Und ich werde entschlossen dafür
sorgen, daß wir das tun.
Es ist von Bedeutung, daß wir in dem neuen Zeitalter eine klare Wegbeschreibung auf der Grundlage
unserer nationalen Interessen und eindeutig definierten Werte haben. Heute möchte ich vor der Beantwortung der Fragen kurz auf den von uns einzuschlagenden Weg eingehen.
Unsere oberste Priorität - und meine oberste Priorität
als Präsident - muß weiterhin eindeutig und klar der
Schutz unseres Landes, unseres Volkes und unserer
Lebensweise sein. Das ist das Kernstück unserer

Seite 2

nationalen Interessen. Wir müssen auch die Chancen ergreifen, die unsere Sicherheit und unseren
Wohlstand fördern, wenn nötig im Alleingang und
wenn möglich gemeinsam mit anderen vorgehen.
Wir haben ein Interesse daran, weiterhin als Symbol
für Stärke, Freiheit und Hoffnung zu dienen. Schließlich sind wir eine einzigartige Nation. Wir sind das
mächtigste Arsenal der Welt, ihre älteste Demokratie,
ihr gewagtestes Experiment der Verschmelzung
verschiedener Rassen, Religionen und Kulturen zu
einem Volk.
Seit meiner Amtsübernahme basierte meine Strategie
zur Förderung dieser Interessen auf drei Prioritäten:
Erstens der Entwicklung einer Politik, die den sichherheitspolitischen Herausforderungen dieses neuen
Zeitalters Rechnung trägt und dem Aufbau von zur
Umsetzung dieser Politik erforderlichen Streitkräften,
zweitens der Umwandlung unserer nationalen Wirtschaftsinteressen in einen integralen und essentiellen
Bestandteil unserer Außenpolitik und drittens der
Förderung von Demokratie im Ausland.
Ich möchte kurz auf jede dieser Prioritäten eingehen.
Erstens eine starke Politik und einsatzbereite Verteidigung für ein neues Sicherheitsumfeld. Glücklicherweise besteht nicht mehr die Aussicht auf einen
Einmarsch sowjetischer Truppen in Westeuropa. Die
Welt ist aber immer noch ein gefährlicher Ort, und
das Können, die Stärke und Einsatzbereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform bleibt das
Bollwerk unserer Freiheit und der Freiheit vieler
anderer Länder.
Im vergangenen Jahr schlössen wir eine umfassende
Überprüfung unserer Streitkräfte ab, um den Bedrohungen dieses Zeitalters begegnen zu können.
Wir gelangen zu dem Schluß, daß wir Streitkräfte
benötigen, die gleichzeitig in zwei größeren regionalen Konflikten kämpfen und siegen können. Diese
Streitkräfte werden weniger Geld kosten als während
des Kalten Krieges, wir dürfen aber nicht zu viele
Kürzungen vornehmen. Ich habe gegen weitere
Kürzungen unserer Streitkräfte gekämpft, die unsere
Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen beeinträchtigen könnten.
Wir unternehmen weitere Schritte, um den Gefahren
dieses neuen Zeitalters zu begegnen. Auf dem
NATO-Gipfel im vergangenen Januar haben wir
gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten das
Konzept der Partnerschaft für den Frieden angenommen, um die ehemals kommunistischen Staaten und
andere, derzeit nicht der NATO angehörende europäische Länder in eine engere sicherheitspolitische
Zusammenarbeit mit Westeuropa einzubinden. Wir
arbeiten an der Verbesserung der regionalen Si-

AMERIKA DIENST 18

�cherheit in Gebieten wie dem Nahen Osten und
hoffen, daß Israel und die PLO morgen das bedeutende Autonomieabkommen unterzeichnen werden,
das auf dem Versprechen eines Durchbruchs vom
vergangenen September aufbaut.
Wir bauen die nuklearen Bedrohungen der Welt
weiter ab und arbeiten auf die Einstellung von Nordkoreas gefährlichem Nuklearprogramm hin. Wir
haben Verhandlungen über ein umfassendes Atomtestverbot aufgenommen. Bei meiner Amtsübernahme waren vier ehemalige Sowjetrepubliken im
Besitz von Nuklearwaffen. Es ist uns gelungen, drei
von ihnen zur Übernahme bindender Verpflichtungen
über die Beseitigung ihres gesamten Atomwaffenarsenals zu überzeugen, und wir setzen diese
wichtige Arbeit fort. Und zum ersten Mal in der
Geschichte sind jetzt weder unsere Nuklearraketen
gegen Rußland, noch die Rußlands gegen uns
gerichtet.
Der zweite Teil unserer Strategie besteht darin,
wirtschaftlichen Fortschritt zum Kernstück unserer
Maßnahmen im Ausland zu machen. Zu viele Jahre
gab es hier in Amerika ein gefährliches Ungleichgewicht zwischen unserer internationalen Politik und
unserer Wirtschaftspolitik. Wir waren militärisch
stark, als wir wegen unserer gefährlich hohen
Defizite und niedrigen Produktivität wirtschaftlich
schwach wurden - Dinge, die zur Schwächung der
Nationen auf der ganzen Welt beigetragen haben
und einen Großteil des in weniger entwickelten
Ländern für Entwicklung und Wachstum erforderlichen Kapitals aufzehrten.
Wir befürworteten freien Handel, haben aber häufig
genau das Gegenteil praktiziert, wenn wir wegen
geringer Wirtschaftsleistung unter Druck gerieten.
Und selbst als wir auf freien Handel drängten,
ermangelte es uns hier in unserem eigenen Land oft
an den benötigten Maßnahmen um sicherzustellen,
daß der Durchschnittsamerikaner davon profitierte.
Mein Ziel bestand im Abbau unseres Defizits, der
Aufstockung unserer Investitionen, Verbesserung
unserer Wettbewerbsfähigkeit sowie der Bildung und
Ausbildung unserer Bürger, dem Drängen auf
Abkommen zur Öffnung der Weltmärkte ohne
Sonderbehandlung der Vereinigten Staaten aber mit
mehr offenen Märkten, damit wir alle zusammen
wachsen und konkurrieren können.
Im vergangenen Jahr konnten wir wichtige Fortschritte verzeichnen. Wir verabschiedeten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Kanada
und Mexiko und stellten mit den Welthandelsgesprächen des GATT das umfassendste Abkommen der
Geschichte zur Öffnung der Märkte sicher - Verein-

AMERIKA DIENST 18

barungen, die amerikanische Arbeitsplätze für uns
hier in den Vereinigten Staaten schaffen und gleichzeitig beträchtliches globales Wirtschaftswachstum
ankurbeln werden. Wir haben ein Gipfeltreffen der
Staats- und Regierungschefs aus der asiatischpazifischen Region - der am schnellsten wachsenden
Region der Erde - veranstaltet.
In diesem Jahr werden wir die Umsetzung der GATTRunde im Kongreß anstreben und das erste Gipfeltreffen unserer Nachbarn auf diesem Kontinent seit
einer Generation anberaumen. Wir arbeiten auf die
Förderung umweltverträglicher Formen von Wirtschaftsentwicklung sowohl hier als auch im Ausland
hin. Wir müssen uns vor Augen führen, daß viele der
in ganz Afrika und andernorts Gesellschaften auseinanderreißenden Bürgerkriege, die wir erlebten und
heute erleben, nicht nur durch historische Konflikte,
sondern auch durch die sträfliche und ungemein
erschreckende Verschlechterung der Volkswirtschaft
und Umwelt verursacht werden, in der diese Völker
leben.
Der dritte Schlüssel zu unserer Politik ist die Förderung von Demokratie. Die neuen Fortschritte der
Demokratie auf der ganzen Welt decken sich mit
unseren Werten und Interessen. Sie machen uns
hier in den Vereinigten Staaten sicherer. Wir wissen,
daß Demokratien weniger schnell Kriege führen,
Menschenrechte verletzen oder Verträge brechen.
Aus diesem Grund haben wir zum Schutz der Demokratien Europas in zwei Weltkriegen gekämpft, aus
diesem Grund haben wir ein halbes Jahrhundert lang
unerschütterlich den Kommunismus eingedämmt.
Die größte Chance für unsere Sicherheit besteht
heute darin, zur Erweiterung der demokratischen
Marktwirtschaften der Welt beizutragen und auf eine
Welt hinzuarbeiten, in der alle Großmächte nach
einem demokratischen Plan regieren. Wenn uns dies
gelingt, werden wir wertvollere Partner im Handel, in
der Diplomatie und bei der Sicherheit haben. Aus
diesem Grund habe ich der Förderung von demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformen in Rußland, der Ukraine, dem Baltikum und anderen ehemals kommunistischen Staaten große Aufmerksamkeit gewidmet.
Die Früchte dieser Strategie konnten wir bereits vor
wenigen Wochen sehen, als Rußland und Lettland
ein historisches Abkommen über den Abzug des
russischen Militärs von lettischem Territorium bis
Ende August abschlössen.
Unser Ziel besteht in der Förderung des Erfolgs
neuer Demokratien wie denen in Lateinamerika und
jetzt in Südafrika sowie der Ausübung von Druck zur

Seite 3

�Wiederherstellung der Demokratie in Ländern, in
denen sie abgeschafft wurde, wie auf Haiti.
Sicherheit, Wohlstand, Demokratie: Dies sind die
Pfeiler unserer Strategie in der neuen Welt. Diese
Bausteine beantworten nicht jede Frage, die sich
uns stellt. Dieses Zeitalter war von einer Epidemie
humanitärer Katastrophen gekennzeichnet, von
denen viele durch ethnische Konflikte aufgrund des
Zusammenbruchs von Regierungen verursacht
wurden. Einige, wie in Bosnien, betreffen eindeutig
unsere Interessen. Andere, wie in Ruanda, betreffen
unsere eigenen Sicherheitsinteressen weniger direkt,
verdienen jedoch dennoch unsere Sorge und Hilfe.
Amerika kann nicht jedes Problem lösen und darf
nicht der Weltpolizist werden. Aber wir haben eine
Verpflichtung, gemeinsam mit anderen alles in
unserer Macht Stehende zu tun, um das Leiden zu
mildern und den Frieden wiederherzustellen.
Die von uns eingesetzten Mittel werden und müssen
sich je nach den Umständen ändern. Wenn unsere
wichtigsten Interessen auf dem Spiel stehen, werden
wir nicht zögern, gegebenenfalls im Alleingang zu
handeln. Wo wir ein Interesse an Aktionen mit der
internationalen Staatengemeinschaft teilen, werden
wir vielleicht im Rahmen der Vereinten Nationen
tätig.
Diese Woche wird eine Reihe von Maßnahmen zur
Reform der UN-Friedenssicherungsoperationen
bekanntgegeben, um diese Operationen billiger und
effektiver zu machen. In anderen Fällen werden wir
partnerschaftlich mit anderen Nationen zusammenarbeiten. In Bosnien haben wir beispielsweise unser

*

Seite 4

diplomatisches Engagement gemeinsam mit Rußland
und anderen Nationen erweitert. Wir haben die
Durchsetzungsmaßnahmen der NATO unterstützt und
uns verpflichtet, im Rahmen der Durchsetzungsmission der NATO amerikanische Streitkräfte zu
entsenden, wenn die Parteien ein umsetzbares
Friedensabkommen erzielen können.
Obwohl dieser Konflikt andauert, sollten wir nie
vergessen, daß es heute abend in Sarajevo, Tuzla
und Mostar Menschen gibt, die aufgrund der gemeinsam von der NATO und den Vereinten Nationen
unternommenen Aktionen am Leben sind. Die
Schutzzonen, die Flugverbotszone, die längste
Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern der Geschichte - diese und andere Bestrebungen tragen zur
Lösung eines äußerst schwierigen Problems bei.
Dies ist ein entscheidender Moment in den Angelegenheiten unserer Welt - ein Moment, in dem wir die
Grenzen der Freiheit erweitern, eine wohlhabendere
Weltwirtschaft schaffen und den Millionen Menschen
in von Kriegen erschütterten Ländern die Chance zu
einem normalen Leben bieten können; ein Moment,
in dem wir die Menschen in jedem unserer Länder
sicherer vor den todbringendsten Waffen der Welt
machen können.
Bei all dem ist meines Erachtens die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten unerläßlich. Meine Verpflichtung besteht darin, diese Führungsrolle auszuüben, damit wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen können, die sicherer, freier und lebenswerter
für ihre Zukunft ist.
Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 18

�SU D A F R I K A
11. Mal 1994

AUFSTOCKUNG DER HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Erklärungen von Clinton und Gore
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat eine "beträchtliche Erweiterung" der amerikanischen
Bestrebungen zur Förderung von Hilfe und Investitionen für Südafrika bekanntgegeben - rund 600 Millionen
Dollar in den kommenden drei Jahren - und wird Vizepräsident Gore als Vertreter der Vereinigten Staaten zur
Amtseinführung des neuen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela entsenden.
Bei einer Feier im Weißen Haus am 5. Mai 1994 erklärte Präsident Clinton, er werde an die Staats- und
Regierungschefs der anderen G-7-Länder schreiben "und sie bitten, uns bei der Erweiterung der Hilfe für
Südafrika behilflich zu sein".
Anläßlich dieser Zeremonie äußerte Vizepräsident Gore, Südafrika "sieht sich mit einer schwierigeren
Herausforderung als der Abschaffung der Apartheid konfrontiert - dem Aufbau einer nichtrassischen Demokratie
und einer Kultur der Toleranz".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Clinton und Vizepräsident Gore im Wortlaut.
Präsident Clinton: Meine Damen und Herren, ich
möchte Sie herzlich willkommen heißen. In der
vergangenen Woche beobachteten wir mit Erstaunen, wie die Brüder Südafrikas zu den Wahlurnen
gingen, wie die Wähler sich in kilometerlange
Schlangen einreihten, auf Krücken und in Rollstühlen
kamen, geduldig warteten und quer durch das
gesamte Land reisten, um ihr Wahlrecht auszuüben,
eine in Freiheit geborene neue Nation zu schaffen,
die durch die Erlösung ihres Leidens an die Macht
gelangte.

der Apartheid nicht erlöschen ließen, verhängte der
Kongreß Sanktionen, um das Apartheid-Regime
seiner Legitimität zu berauben. Die Studenten
demonstrierten in Solidarität. Die Aktionäre verpflichteten die Unternehmen zu einem höheren
ethischen Standard. Die amerikanischen Kirchen schwarze und weiße gleichermaßen - übernahmen
die Schutzrolle der moralischen Führung. Und im
gesamten Verlauf des Kampfes trugen die amerikanischen Bürgerrechtler hier dazu bei, den Weg zu
weisen.

Ich habe gerade mit dem gewählten Präsidenten
Mandela und Präsident de Klerk gesprochen. Ich
habe Mr. Mandela zu seinem Sieg gratuliert und
Präsident de Klerk versichert, daß er zweifelsohne
enormes Lob für seine Führungsrolle verdient. Ihr
Mut, ihre Staatskunst hat zusammen mit der maßgeblichen Rolle des Führers der Inkartha-Freiheitspartei Buthelezi und anderen diesen Übergang
leichter gemacht als viele für möglich hielten.

Die südafrikanische Sache war stets auch die amerikanische Sache. In der vergangenen Woche wurde
das Wunder zum Teil aufgrund der Hilfe Amerikas
Wirklichkeit. Und jetzt dürfen wir nicht den Rücken
kehren.

Südafrika ist heute frei aufgrund der Entscheidung,
die seine politisch Verantwortlichen und das Volk
getroffen haben. Ihre Aktionen dienen als Anregung.
Wir können auch auf die Rolle der Vereinigten
Staaten bei diesem großen Drama stolz sein. Weil
Sie, die heute hier Anwesenden, und viele andere
die Flamme der Freiheit während der dunklen Nacht

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte mit der Feststellung beginnen, wir alle
wissen, daß Südafrika sich mit der Aufgabe des
Aufbaus einer toleranten Demokratie und einer
erfolgreichen Marktwirtschaft konfrontiert sieht und
daß den Bürgern Südafrikas die Möglichkeit zur
Ausschöpfung ihres wirtschaftlichen Potentials zu
geben entscheidend für den Erhalt der toleranten
Demokratie ist. Um unter Beweis zu stellen, daß
Versöhnung und Demokratie greifbare Vorteile
bringen können, müssen auch andere helfen. Ich bin
überzeugt, daß Südafrika zu einem Modell für den

Seite 1

�gesamten Kontinent werden kann. Und die Vereinigten Staaten müssen ein neuer und gleichwertiger Partner dieser neuen Regierung werden, damit
sie ihr Versprechen möglichst schnell verwirklichen
kann.
Wir haben bereits einen Anfang gemacht. Im letzten
Jahr haben die Vereinigten Staaten Experten zur
Aushandlung einer neuen Verfassung nach Südafrika entsandt - oder um Südafrika dabei behilflich
zu sein. Wir haben zum Funktionieren der Wahlen
maßgeblich beigetragen. Wir haben die Sanktionen
aufgehoben. Wir haben zwei Handels- und Investitionsmissionen ins Leben gerufen, um die
Grundlage für größere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu legen. Und eine hochrangige amerikanische Delegation von Wahlbeobachtern war während
der jüngsten Wahlen anwesend. Ich möchte besonders dem Delegationsleiter, Reverend Jesse Jackson, für seinen herausragenden Beitrag zum Erfolg
der südafrikanischen Wahlen meinen Dank aussprechen.
Heute gebe ich eine "beträchtliche Erweiterung"
unserer Bestrebungen zur Förderung von Handel,
Hilfe und Investitionen für Südafrika bekannt. In den
kommenden drei Jahren werden wir Mittel in Höhe
von ungefähr 600 Millionen Dollar für Südafrika
bereitstellen und verteilen. In diesem Haushaltsjahr
haben wir die Hilfsleistungen von 83 Millionen auf
143 Millionen Dollar aufgestockt. Zusammen mit
Bürgschaften und anderen Mitteln werden sich
unsere für das nächste Jahr mobilisierten Ressourcen auf über 200 Millionen Dollar belaufen.
Im Rahmen der Programme von 10 amerikanischen
Regierungsbehörden werden wir mit Südafrika
zusammenarbeiten, um den von diesem Land
ausgemachten Bedarf zu erfüllen - Bau von Häusern
und Kliniken, Bereitstellung besserer Bildung,
Förderung einer guten Regierungsform und wirtschaftlicher Entwicklung.
Ich werde an die Staats- und Regierungschefs der
anderen G-7-Länder schreiben und sie bitten, uns
bei der Erweiterung der Hilfe für Südafrika behilflich
zu sein. Und wir werden internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank auffordern, unserem
Beispiel zu folgen.
In der nächsten Woche werde ich ferner eine offizielle Delegation zu Präsident Mandelas Amtseinführung
nach Südafrika entsenden. Vizepräsident Gore wird
die Delegation zusammen mit seiner Gattin anführen. Sie werden begleitet von der First Lady,
Wirtschaftsminister Brown, Landwirtschaftsminister
Espy und vielen anderen, einschließlich einiger
heute hier Anwesenden.

Seite 2

Wir unternehmen diese Schritte, weil für uns beim
Erfolg der Reise Südafrikas wichtige Interessen auf
dem Spiel stehen. Wir haben ein wirtschaftliches
Interesse an einem prosperierenden Südafrika, das
unsere Exporte aufnimmt und in der gesamten
Region größeren Wohlstand hervorbringt. Wir haben
ein Sicherheitsinteresse an einem stabilen, demokratischen Südafrika, das mit seinen Nachbarn bei der
Wiederherstellung und Sicherung des Friedens
zusammenarbeitet.
Wir haben ein eindeutiges
moralisches Interesse. Wir haben unseren eigenen
schwierigen Kampf zur Überwindung der Rassentrennung geführt und kämpfen noch immer mit der
Herausforderung, Stärke aus unserer Vielfalt zu
ziehen. Aus diesem Grund haben die beeindruckenden Bilder der südafrikanischen Wahlen ein so
großes Echo im Herzen aller Amerikaner gefunden.
Ob Südafrika oder Amerika - wir wissen, daß die
Arbeit der Demokratie niemals beendet ist. Toleranz
und Respekt zu entwickeln, Chancen für all unsere
Bürger zu schaffen - diese Arbeit ist nie ganz getan.
Wir wollen jedoch glücklich über die Tatsache sein,
daß Südafrika jetzt die Chance zum Beginn dieser
hehren und lebenswichtigen Aufgabe hat.
Vor 33 Jahren wurde Albert Luthuli als erster von vier
Südafrikanern mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Als er den Preis entgegennahm, beschrieb
er sein Volk "als lebenden Beweis für den unbeugsamen Geist der Menschheit. All die Jahre hat es
das Ziel eines erfüllteren Lebens und der Freiheit mit
unglaublicher Entschlossenheit und Stärke angestrebt".
Heute beginnen diese Entschlossenheit und das
Streben von Generationen Früchte zu tragen.
Gemeinsam müssen wir allen Südafrikanern helfen,
auf ihrer neu gefundenen Freiheit aufzubauen.
Und jetzt möchte ich den Vizepräsidenten bitten,
nach vorne zu kommen und kurz über die bevorstehende Reise der von ihm angeführten amerikanischen Delegation zu sprechen.
Vizepräsident Gore: Vielen Dank, Herr Präsident.
Ich möchte zunächst die Mitglieder der Delegation
willkommen heißen, die die First Lady, Tipper und
mich nach Südafrika begleiten werden. Wir sind
begeistert über diese Reise. Es ist ein großer
Moment der Geschichte.
Die letzten Säulen der Apartheid fallen und drei
Jahrhunderte der Ungerechtigkeit gehen zu Ende.
Viele haben diesen Augenblick herbeigeführt, und wir
sind - wie gesagt - begeistert über die Möglichkeit,
Zeuge dieser Umgestaltung zu werden.

AMERIKA DIENST 18

�Ich begrüße Landwirtschaftsminister Espy und den
Nationalen Sicherheitsberater, Tony Lake, der in den
vergangenen 16 Monaten und vor dieser Administration in anderen Funktionen unermüdlich gearbeitet
hat, um diesen Moment herbeizuführen. Botschafter
Talbott und sein Kollege George Moose vom USAußenministerium. Herr Botschafter, ich danke
Ihnen für den herausragenden Beitrag des Außenministeriums zu dieser Entwicklung.

übernommene Rolle, uns an die Schwelle eines
neuen Zeitalters in Südafrika zu bringen.

Ich möchte auch einige der anderen Anwesenden
erwähnen. Der Präsident hat bereits auf die Rolle
von Reverend Jesse Jackson als Leiter der Wahlbeobachtergruppe verwiesen. Einige von ihnen
wissen vielleicht nicht, daß er in Südafrika besondere Anerkennung und Dank für die Art und Weise
erhalten hat, in der er und die von ihm angeführte
Delegation zu diesem herausragenden Ereignis
beigetragen und eine maßgebliche und wichtige
Rolle dabei gespielt haben, diesen bedeutenden
Augenblick der Geschichte sicherzustellen und vor
Störungen zu bewahren.

Wie Präsident Clinton wiederholt klargestellt hat,
werden die Vereinigten Staaten von Amerika helfen.
Wir werden dort sein und das Unsere tun. Unsere
Arbeit ist Teil der umfassenderen Strategie von
Präsident Clinton zur Erweiterung der internationalen
Staatengemeinschaft freier marktwirtschaftlicher
Demokratien in Afrika und andernorts.

Die Direktorin des Peace Corps, Carol Bellamy, ist
anwesend; der Leiter des Amts für internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID), Brian Atwood; Ruth Harkin, die Präsidentin der
Entwicklungsgesellschaft OPIC; Botschafter Harry
Schwarz, der in wenigen Minuten auf das Podium
kommen wird, und der ANC-Vertreter Kingsley
Makhubela, der ebenfalls in Kürze das Podium
betritt, sowie andere hochrangige Gäste wie die
Mitglieder der Präsidentendelegation, die aus herausragenden Personen besteht, die in sehr persönlicher Weise zu der wunderbaren Veränderung
beigetragen haben, die in Südafrika stattfindet.
Jeder der heute hier Anwesenden kann stolz auf die
von ihm bei der Abschaffung der Apartheid gespielte
Rolle sein. Sie haben den Weg bei einem großen
moralischen Kampf dieses Jahrhunderts gewiesen.
Sie werden heute Anrufe erhalten - wir konnten Sie
nicht früher anrufen - mit denen Sie zu einem
Treffen mit der Delegation vor ihrer Abreise nach
Südafrika in unsere Residenz am Samstag abend
eingeladen werden. Ich hoffe, Sie können alle
kommen und mit uns dieses Ereignis feiern.
Eine Reihe von Kongreßmitgliedern hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, das Bewußtsein in
den Vereinigten Staaten für die Schrecken der
Apartheid zu schärfen. Bedauerlicherweise können
diese Kongreßabgeordneten aufgrund einer wichtigen Abstimmung heute auf dem Capitol Hill nicht an
dieser Veranstaltung teilnehmen, sie verdienen
jedoch besondere Anerkennung für die von ihnen

AMERIKA DIENST 18

Jetzt beginnt die harte Arbeit der Förderung von
Demokratie und Stärkung der marktwirtschaftlichen
Reformen. Südafrika sieht sich mit einer schwierigeren Herausforderung als der Abschaffung der Apartheid konfrontiert - dem Aufbau einer nichtrassischen
Demokratie und einer Kultur der Toleranz.

Zusammen mit anderen Delegationsmitgliedern habe
ich die Chance, mit den Staatsoberhäuptern anderer
Nationen in Südafrika zu sprechen, die sich in
unterschiedlichen Stadien des Übergangs zu freien
Marktwirtschaften befinden. Ich werde auf dem
Rückweg von "den Amtseinführungsfeierlichkeiten
Namibia und Benin sowie Cap Verde besuchen.
Selbst während wir uns heute auf Hilfe für Südafrika
konzentrieren, sind wir uns der Bedeutung bewußt,
Entwicklung im gesamten südlichen Afrika und
darüber hinaus zu fördern. Südafrikas erfolgreiche
Umgestaltung wird diese Ziele unterstützen und allen
Hoffnung geben, die Freiheit lieben. Die von dem
gewählten Präsidenten Mandela und Präsident F.W.
de Klerk demonstrierte große Staatskunst sind ein
anschauliches Beispiel, um zur Wiederherstellung des
Friedens in Nationen wie Mosambik, Bosnien, Haiti,
Ruanda, Angola, Burundi und andernorts beizutragen.
Wie der gewählte Präsident Mandela nach den
viertägigen Wahlen erklärte, war das Volk Südafrikas
siegreich - es hat gewonnen. Er sprach auch zu all
denjenigen auf der Welt, die an den Kampf für
Gerechtigkeit, Demokratie und Selbstverwaltung
glauben. Und in eloquenten Worten äußerte er, dies
ist auch unser Sieg.
Ich möchte eine persönliche Anmerkung machen. Ich
dachte an den Sonntag morgen amerikanischer Zeit
vor nicht allzuvielen Jahren zurück, als Nelson
Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nur
unser jüngstes Kind war damals wach, und ich sah
fern, gebannt von der sich in Südafrika abspielenden
Szene. Und als Vater kam mit in den Sinn, daß all
die Male, wenn Eltern schreckliche, ungerechte
Greueltaten und Tragödien in der Welt erklären
müssen und die vor Schreck verzerrten Gesichter der
Kinder sehen, während sie die Nachricht verdauen,
daß es schreckliche Dinge auf dieser Welt gibt, in der

Seite 3

�sie aufwachsen - dies ebenso wie die Amtseinführung ein Moment ist, an dem Eltern auf der
ganzen Welt die Freude haben werden, ihren
Kindern die tiefere Bedeutung eines Ereignisses
erklären zu können, das über das Gewöhnliche
hinausgeht, den menschlichen Geist beflügelt und
uns allen die Hoffnung gibt, daß die dem menschlichen Geist innewohnenden großen Fähigkeiten in
Wegen ihren Ausdruck finden können, die unsere
Welt umgestalten, den Horizont erweitem und uns
die Chance für eine vielversprechendere Zukunft
bieten.
Was den praktischen Aspekt anbetrifft, so bildet das
von Präsident Clinton heute angekündigte Handelsund Investitionspaket in Höhe von 600 Millionen
Dollar den Höhepunkt der engen Zusammenarbeit
zwischen dem Kongreß und den 10 ausführenden
Behörden. Darüber hinaus setzt es die im Herbst
vergangenen Jahres von Wirtschaftsminister Brown
mit der von ihm äußerst erfolgreich geführten Handels- und Investitionsmission in Südafrika in die
Wege geleitete Arbeit fort und baut darauf auf.
Brian Atwood und das Amt für internationale Entwicklung verdienen ebenfalls besondere Anerkennung für die kreative Erweiterung ihres Investitionsprogramms. Zum ersten Mal wird AID mit der
südafrikanischen Regierung bei der Unterstützung
ihrer Entwicklungsprioritäten zusammenarbeiten.
In diesem Zusammenhang bin ich äußerst erfreut,
am 3. und 4. Juni bei der vom US-Informationsamt
veranstalteten Konferenz in Atlanta über die Förderung von wirtschaftlichen und akademischen Austauschprogrammen zwischen den Vereinigten
Staaten und Südafrika sprechen zu können.

Auch die OPIC-Präsidentin Ruth Harkin hat eine
wichtige Investitionsmission in Südafrika geleitet und
drei amerikanisch-südafrikanische Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, mit denen Millionen Dollar
in die benachteiligten Gemeinden des Landes gepumpt werden könnten.
Zu den anderen Behörden, die eine führende Rolle
bei der Entwicklung unseres soliden Wirtschaftspakets für Südafrika gespielt haben, zählen das
Peace Corps - ich habe Carol Bellamy bereits willkommen geheißen - das Amt für Handel und Entwicklung, die Ex-Im Bank, der amerikanische Handelsbeauftragte sowie das Finanz- und Verteidigungsministerium.
Abschließend möchte ich nochmals unterstreichen,
daß wir in der vergangenen Woche Zeuge dieses
außergewöhnlichen historischen Ereignisses wurden,
wir sollten jedoch nicht vergessen - wie Harry Truman
einmal gesagt hat - daß die Menschen die Geschichte machen, und nicht umgekehrt.
Mutige Männer und Frauen in Afrika und Amerika von denen viele heute hier anwesend sind - haben
zur Abschaffung der Apartheid beigetragen. Die vor
uns liegenden Herausforderungen bedürfen kontinuierlicher harter Arbeit. Um Präsident Clintons
Worte zu wiederholen, wir haben versprochen, allen
Südafrikanern behilflich zu sein, auf ihrer neu gefundenen Freiheit aufzubauen.
Und jetzt ist es mir eine persönliche Ehre, Botschafter
Harry Schwarz aus Südafrika und den Stellvertretenden Repräsentanten des ANC bei den Vereinten
Nationen, Kingsley Makhubela, vorstellen zu dürfen.
Sie werden Präsident Clinton ein greifbares Symbol
der Wiedergeburt Südafrikas überreichen - ihre neue
Nationalflagge, die die multikulturelle Vielfalt wiedergibt, die heute in Südafrika gedeiht.

*

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*

AMERIKA DIENST 18

�NAHER

OSTEN
11. Mal 1994

CLINTON BEGRUSST UNTERZEICHNUNG DES
AUTONOMIEVERTRAGS
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton würdigte am 4. Mai 1994 die Unterzeichnung des Abkommens zur
Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung in Kairo als "einen weiteren Meilenstein bei
den Fortschritten für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten".
Clinton erklärte, er habe die Hoffnung, daß 1994 "einen Durchbruch zu einem dauerhaften und umfassenden
Frieden für alle Völker des Nahen Ostens bringen wird".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Präsident Clintons im Wortlaut.

Die heute in Kairo erfolgte Unterzeichnung des
Abkommens über die Umsetzung der israelischpalästinensischen Grundsatzerklärung markiert einen
weiteren Meilenstein bei den Fortschritten für einen
dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Ich habe
Ministerpräsident Rabin und den PLO-Vorsitzenden
Arafat angerufen und ihnen im Namen aller Amerikaner zu dieser Leistung gratuliert. Ich habe meiner
hohen Wertschätzung der von Ministerpräsident
Rabin gespielten mutigen Führungsrolle Ausdruck
verliehen und dem PLO-Vorsitzenden Arafat gegenüber auf die Bedeutung einer unverzüglichen Umsetzung des Abkommens hingewiesen. Gestern und
heute habe ich mit Präsident Mubarak telefoniert und
unsere Dankbarkeit und Anerkennung angesichts
der von ihm bei der Ermöglichung dieses historischen Schrittes gespielten Schlüsselrolle betont.

Jetzt muß die möglichst zügige und erfolgreiche
Umsetzung der Grundsatzerklärung der Schwerpunkt
sein. Der Prozeß zur Verbesserung der Situation im
Land muß in Gang gebracht werden. Das Versprechen einer neuen, hoffnungsvollen Zukunft für Israelis
und Palästinenser gleichermaßen muß jetzt realisiert
werden. Ich habe Ministerpräsident Rabin und dem
PLO-Vorsitzenden Arafat versichert, daß die Vereinigten Staaten hierzu alles in ihrer Macht Stehende
unternehmen werden.
Aufgrund der heute erzielten Fortschritte und unserer
laufenden Gespräche mit den Parteien in der Region
habe ich die Hoffnung, daß dieses Jahr einen Durchbruch zu einem dauerhaften und umfassenden
Frieden für alle Völker des Nahen Ostens bringen
wird.

* * * *

AMERIKA DIENST 18

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�FULBRIGHT
11. Mai 1994

LEO M. GOODMAN AWARD FÜR SENATOR FULBRIGHT
Rede von Botschafter Holbrooke
MÜNCHEN - (AD) - In diesem Jahr wurde der Goodman Award der American Chamber of Commerce in
Germany für besondere Verdienste um die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen am 29. April
1994 an Senator J. William Fulbright verliehen. Seine Ehefrau, Harriet Fulbright, nahm die Auszeichnung
stellvertretend entgegen. Präsident Clinton sandte ein Grußwort, und Walter Leisler Kiep würdigte Fulbright
in seiner Laudatio als großen Visionär, der Meilensteine im deutsch-amerikanischen Verhältnis gesetzt habe.
Aus Anlaß der Verleihung hielt der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland nachfolgende Rede, die wir in wesentlichen Auszügen veröffentlichen.

Wie die meisten von Ihnen wissen, ist das FulbrightProgramm das bekannteste der Welt und ein herausragendes Symbol des internationalen Austauschs. In der 45jährigen Geschichte des Programms wurde 180.000 Menschen - darunter jeweils
24.000 Deutschen und Amerikanern - die Chance
geboten, daran teilzunehmen und klügere Weltbürger zu werden. Viele von ihnen sind Führungskräfte
in dem von ihnen gewählten Beruf, in ihren Gemeinden und ihren Nationen geworden. In Deutschland
besteht das Programm seit 1952. Es dient als
Modell für andere Austauschprogramme, auch für
das von uns im kommenden Jahr in der Amerikanischen Botschaft beabsichtigte. Senator Fulbright
selbst erklärte 1967: "Die größte Macht akademischer Austauschprogramme ist die Macht, Nationen
in Menschen umzuwandeln und Ideologien in
menschliches Streben umzusetzen."
Während wir heute im vierten Jahr der Vereinigung
Deutschlands versammelt sind, entnehmen wir
seinen Worten die tiefere Bedeutung, die er im Sinn
hatte, als er von der Umsetzung von Ideologien in
menschliches Streben sprach. Denn eben dies
geschieht zur Zeit. Wir befinden uns im postideologischen Zeitalter. Natürlich gibt es Fundamentalismus auf der Welt, nicht nur der islamischen,
sondern auch andernorts. Es gibt immer noch viele
Ideen auf der Welt, aber der eiserne Griff der
Ideologien, die einen Großteil des zwanzigsten
Jahrhunderts beherrschten und in mancher Weise
ruinierten - vor allem Faschismus und Kommunismus
- gehören der Vergangenheit an. Die Nationen der
Welt und ihre politisch Verantwortlichen müssen jetzt
das menschliche Streben ihrer Völker erfüllen, und
das heißt vornehmlich, deren wirtschaftliches Stre-

AMERIKA DIENST 18

ben, das Streben nach Glück für die größte Zahl der
Bürger zu verwirklichen.
Dies ist für die Regierungen der führenden Nationen
der Welt eine entscheidende und schwierige Aufgabe.
Und sie wird in einem unsicheren Rahmen durchgespielt. Seit Jahrzehnten dachten Deutsche und
Amerikaner, die Welt, wie wir sie während des Kalten
Krieges kannten, würde fortdauern, solange die
Vorstellung reicht. Die Menschen dachten, Deutschland bleibe auf ewig geteilt und mitten durch Europa
verliefe weiterhin eine Trennlinie. Als sie ausradiert
wurde, sahen wir uns alle mit unerwarteten und
unvorhergesehenen Konsequenzen konfrontiert. Wie
mein amerikanischer Lieblingsphilosoph, Yogi Berra,
feststellte: "Die Zukunft ist nicht mehr, was sie
einmal war."
Die unerwartete Welt schafft neue Herausforderungen. Wenn man sich beispielweise die Berichterstattung über die Vereinigung Deutschlands betrachtet, stellt man fest, daß sich praktisch nichts als
richtig erwiesen hat, was damals geschrieben wurde.
Die Wirtschaftslage in Ostdeutschland war sehr viel
schlimmer als erwartet. Was als Erwerb Ostdeutschlands durch den Westen abgehandelt wurde, erwies
sich - um eine Metapher aus dem Unternehmensbereich zu verwenden - eher als Fusion denn Erwerb.
Die beiden Kulturen haben sich schrittweise assimiliert, und das ist nicht immer leicht. Im Osten
Deutschlands hat der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums ein chaotisches Erbe hinterlassen,
dessen Entwirrung mindestens ein Jahrzehnt benötigt, und während dieses Jahrzehnts wird es viele
Probleme geben. Wir werden keine neuen Sarajevos
haben, denn hier geht es um eine Grausamkeit, die

Seite 1

�in diesem Zeitalter kaum denkbar scheint. Aber wir
werden viele Probleme, viel Streß haben und andere
Schlachten kämpfen müssen. Vor diesem Hintergrund verändern sich die deutsch-amerikanischen
Beziehungen dramatisch, sind jedoch nicht weniger
wichtig.
Während des Kalten Krieges bestand die Rolle der
Vereinigten Staaten im Schutz Westdeutschlands
gegen den Osten. Die Trennlinie Europas verlief,
wie Sie alle wissen, mitten durch dieses Land. Und
als der Kalte Krieg endete, hatten viele Amerikaner
und Deutsche das Gefühl, das war's. Jetzt können
wir nach Hause gehen. Manche forderten sogar das
Ende der NATO, da sie ihre ursprünglichen Ziele
erfolgreich verwirklicht hatte. Dies erwies sich als
nicht richtig. Die Vereinigten Staaten und Deutschland befinden sich jetzt in dem Prozeß der Neudefinition ihrer gemeinsamen Interessen und es scheint,
daß sich unsere Interessen in der Tat stark decken.
Es gibt kein Land in Europa, mit dem uns so viele
gemeinsame strategische Ziele verbinden. Während
Deutschland die Europäische Union zur Erweiterung
ost- und nordwärts führt, während Deutschland
engere Verbindungen zu Frankreich knüpft, unterhält
es weiterhin die engsten Bande zu den Vereinigten
Staaten. Und ich möchte betonen, daß sich diese
beiden Ziele Deutschlands decken. Manche denken,
Deutschland müsse sich zwischen den Vereinigten
Staaten und Frankreich entscheiden. Ich möchte
unterstreichen, bekräftigen und offen sagen, daß
dies nicht die Meinung der US-Regierung, nicht der
Clinton-Administration, nicht die Meinung des Präsidenten, des Vizepräsidenten oder des Außenministers ist.
Unseres Erachtens liegen starke deutsch-französische Beziehungen auch im Interesse der Vereinigten
Staaten. Die gute alte Zeit, in der die Vereinigten
Staaten häufig mit der Bitte nach Bonn kamen, eine
Botschaft nach Paris zu übermitteln, ist für immer
vorüber. Je näher Frankreich und Deutschland sich
stehen, desto besser für die Stabilität in Europa und
deshalb für die Vereinigten Staaten. Wir werden
jedoch auch die stärksten und direktesten bilateralen
Beziehungen zu Deutschland unterhalten. In der
Europäischen Union und der NATO sind es Deutschland und die Vereinigten Staaten, deren Ansichten
sich im Hinblick auf die Situation in Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion am stärksten decken.
Aus diesem Grund sahen wir uns zur Schaffung
eines einzigartigen Konsuttationsprozesses mit den
Deutschen im Hinblick auf die Ereignisse in der
ehemaligen Sowjetunion veranlaßt. Hierfür gibt es
drei Gründe. Den ersten habe ich gerade erwähnt die gemeinsamen strategischen Ziele unserer beiden

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Länder. Zweitens sind Deutschland und die Vereinigten Staaten direkt und indirekt die beiden größten Geberländer von Hilfe für die ehemalige Sowjetunion, und wahrscheinlich haben wir die größten
Geschäftsinteressen. Der dritte Punkt, den ich
anführen möchte, ist nicht unwichtig, und das sind die
ungewöhnlich engen persönlichen Beziehungen
zwischen Präsident Clinton und Bundeskanzler Kohl.
Sie mögen einander und verstehen sich gut. Das
war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.
Die persönlichen Beziehungen von Staatsmännern
sind ein wesentlicher Faktor in der Außenpolitik, und
in diesem Fall sind sie entscheidend. Ich möchte das
jüngste und dramatischste Beispiel hierfür nennen:
Richard Nixons letzter öffentlicher Auftritt vor seinem
Tod war die Reise nach Bonn vor vier Wochen, um
auf dem Rückweg von Moskau Gespräche mit
Bundeskanzler Kohl zu führen.
Neben der neuen Partnerschaft, die das vereinigte
Deutschland und die Vereinigten Staaten schmieden,
müssen wir unsere bilateralen Beziehungen stärken,
und natürlich möchte ich heute darüber sprechen.
Ohne starke bilaterale Beziehungen kann es keine
guten internationalen Beziehungen geben, und das
heißt, persönliche Kontakte. In den vergangenen 45
Jahren wurden diese Beziehungen durch die Präsenz
der amerikanischen Truppen untermauert und vertieft.
Diese Truppen ziehen jetzt nicht ab. Ende nächsten
Jahres werden noch immer 65.000 amerikanische
Soldaten hier stationiert sein.
Wir haben nach Wegen gesucht, um die Beziehungen außerhalb des militärischen Bereichs zu stärken.
Dies ist von entscheidender Bedeutung, und wir
haben zwei Bereiche ausgemacht, auf die wir unser
Augenmerk konzentrieren: Kultur und Wirtschaft.
Diese Bereiche, für die in der US-Regierung aus
bürokratischen Gründen zwei verschiedene Behörden
zuständig sind - das US-Informationsamt und das
Wirtschaftsministerium - waren historisch stets eng
verbunden. Dies geht zurück auf die Medicis bis zum
Museum Ludwig in Köln. Stets haben große Kulturmagnaten großartige Kulturereignisse veranstaltet.
In diesen beiden Bereichen wollen wir mit der American Chamber of Commerce und mit der Kulturszene
zusammenarbeiten. In zweieinhalb Wochen werden
wir in Bonn eine einzigartige Ausstellung organisieren, bei der wir die Werke amerikanischer Künstler
nicht nur in der Botschafterresidenz, sondern auch im
Gebäude der Amerikanischen Botschaft zeigen
werden. Unseres Wissens ist dies noch nie zuvor
geschehen. Botschaften sind für gewöhnlich nicht
der Ort für Kunstwerke, und das amerikanische
Außenministerium stellt für ein solches Programm
keine Mittel zur Verfügung. Dank der großzügigen
Unterstützung einer Kunstgalerie mit Sitz in New York

AMERIKA DIENST 18

�und hier in München - der ACA-Galerie - können wir
zwei Ausstellungen gleichzeitig veranstalten.
Wir tun dies jedoch nicht nur um der Kunst willen,
sondern als Mittel zur Vertiefung der Bande zwischen unseren beiden Ländern. Deutschland und
die Vereinigten Staaten stehen sich auf dem Gebiet
der Kunst äußerst nahe. Geht man zu einem
Kunsthändler in den Vereinigten Staaten, wird er
Ihnen erzählen, daß Deutschland der beste Markt für
amerikanische Kunst ist. Und einige der berühmtesten amerikanischen Kunstwerke werden jetzt in
Deutschland gezeigt. Kunst ist also ebenso wie das
Fulbright-Programm ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren beiden Ländern.
Im Bereich der Wirtschaft sind wir zu einer verbesserten Unterstützung unserer Aktivitäten durch die
amerikanische Regierung entschlossen. Wir haben
in den Amerika Häusern München, Frankfurt, Berlin,
Hannover und Köln Business Information Centers
gegründet und werden solche Zentren in Kürze in
Hamburg, Stuttgart und Leipzig eröffnen. In diesen
Zentren haben wir unser gesamtes Referenzmaterial
über Wirtschaftsaktivitäten zusammengestellt. In
den Amerika Häusern sind Mitarbeiter der Handelsabteilung bei Anfragen behilflich. Wir haben diese
Arbeit erst in den vergangenen drei Monaten begonnen, erhalten jedoch in jedem der Häuser bereits 50
bis 75 Anrufe pro Woche. Wir sind hier, um Ihnen
zu helfen.
Jedem Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft
wurde gesagt, daß die Förderung der Wirtschaft Teil
seines Verantwortungsgebietes ist. Unsere Konsularbeamten werden zu Wirtschaftsfachleuten
ausgebildet, um Probleme ausmachen zu können
und bei ihrer Lösung behilflich zu sein, von den
unvermeidlichen Visaproblemen bis zur Beratung
über die richtigen Kontakte. Wir sind hier, um Ihnen
zu helfen, weil es im nationalen amerikanischen und
gleichermaßen im deutsch-amerikanischen Interesse
liegt. Wirtschaftschancen sind von entscheidender
Bedeutung.
Im Juni werden wir das 1987 geschlossene amerikanische Generalkonsulat in Düsseldorf wiedereröffnen, das dann ein Wirtschafts- und Handelszentrum
sein wird. Dort werden keine Visaanträge bearbeitet, wir werden nur die amerikanischen und deutschen Wirtschaftsinteressen im Raum Düsseldorf
fördern. In Düsseldorf gibt es einen sehr hohen
Anteil von Japanern - an die 30.000. Ungefähr 600

AMERIKA DIENST 18

japanische Unternehmen haben ihren Sitz in Düsseldorf - damit ist dort die japanische Wirtschaftspräsenz
auf dem europäischen Kontinent in höchstem Maße
konzentriert. Wir haben nichts gegen die Japaner,
aber wir wollen den Amerikanern behilflich sein,
direkter gegen sie zu konkurrieren.
Ich bin nicht hierher gekommen, um eine lange Rede
zu halten, aber ich wollte diese Themen ansprechen
und abschließend nochmals die Verbindung zwischen
Beziehungen auf persönlicher Ebene, kulturellen und
wirtschaftlichen sowie bilateralen Beziehungen und
den nationalen amerikanischen Sicherheitsinteressen
unterstreichen. Es gibt keine Wahl. In den Vereinigten Staaten herrscht zur Zeit großes Mißverständnis hierüber. Es gibt keine Entscheidung
zwischen Außen- und Innenpolitik oder zwischen
Wirtschafts- und strategischer Politik. Die beiden
können nicht getrennt werden.
Häufig wird - auch im Kongreß - das Argument
vorgebracht, wir müßten uns auf unsere innenpolitischen Probleme konzentrieren und im gleichen
Atemzug wird gesagt, die amerikanische Wirtschaft
werde global und interdependent. Die so argumentieren, sollten sich den Widerspruch ihrer Aussage
vor Augen führen. Wenn die Wirtschaft der Vereinigten Staaten jetzt global und interdependent ist und Sie alle in diesem Raum wissen, daß dies zutrifft
- wie kann man dann gleichzeitig neoisolationistisch
werden? Das ist offenkundig falsch und meines
Erachtens eine falsche Entscheidung. Wir müssen
einen neuen Konsens für die internationale Position
der Vereinigten Staaten erarbeiten, der sich nicht auf
die nicht länger relevanten Fakten des Karten Krieges
gründet, sondern auf die Realitäten der Welt und ihre
heutige Funktionsweise.
Ich bin heute also aus zwei Gründen hier: Um
Senator Fulbright zu ehren, einen der großen Visionäre der internationalen Politik der Vereinigten
Staaten, einen Mann, der seit langem argumentierte,
die amerikanische Außenpolitik müsse über den
Karten Krieg hinausblicken, weil dieser nicht der
einzige maßgebliche Faktor zur Definition der Außenpolitik sei; und wegen der American Chamber of
Commerce, die gleichermaßen die Interessen ihrer
Mitglieder wie die nationalen amerikanischen Interessen vertritt. Dies beides - scheint mir - symbolisiert, was die Vereinigten Staaten hier in Deutschland
zu tun versuchen.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�Nachfolgend verö
die von Harriet

... Ich habe lange darüber nachgedacht, welche
Botschaft ich Ihnen heute übermitteln und was ich
als Entschädigung dafür sagen könnte, daß der
heute von Ihnen mit dem Leo Good*an Award
Ausgezeichnete nicht hier sein kann. Schließlich
kam mir in den Sinn, daß Sie vielleicht gerne einige
seiner von ihm selbst in Worte gefaßte Gedanken
und Geschichten aus seinem Leben hören würden,
die Ihnen eine Vorstellung davon geben, wer J.
William Fulbright wirklich ist und aufgrund welcher
Charakterzüge er so Außergewöhnliches leistete.
Bill Fulbright war immer ein praktischer, tatkräftiger
und bescheidener Mensch, der die Dinge anpackt,
ohne sich über Anerkennung oder Förmlichkeiten
Sorgen zu machen. Prunk, Pomp und Pose entsprachen nie seiner Natur... Praktisch und bescheiden bedeutet jedoch nicht durchschnittlich. Das
Wort durchschnittlich trifft auf ihn überhaupt nicht zu.
Er ist ein Mensch auf der Suche nach ungewöhnlichen Ideen, der immer nach der Überwindung des
Alltäglichen, der routinemäßigen Praktiken, der
derzeitigen Gewohnheiten und Traditionen gestrebt
hat. Diesen Charakterzug verfeinerte er immer
weiter, zuerst als Juraprofessor und danach als
Rektor der University of Arkansas. Trotz ihres
Gefahrenpotentials behielt er diese Gewohnheit auch
als Senator bei. Ein Mitglied des Ausschusses für
auswärtige Beziehungen erinnert sich, wie erstaunt
er war, als der Ausschußvorsitzende ihn während
seiner ersten Arbeitswoche anrief und fragte:
"Haben Sie irgendwelche neuen Ideen?" Der arme
Mann war vollkommen sprachlos, bis er schließlich
begriff, daß sein Vorsitzender neue Ideen wollte neue, unerhörte, unerprobte, undenkbare Ideen. In
einer am 27. März 1964 im Senat gehaltenen Rede
formulierte William Fulbright es folgendermaßen:
Wir müssen es wagen, "Undenkbares" zu denken. Wir müssen lernen, alle vor uns liegenden
Optionen und Möglichkeiten in einer komplexen,
in schnellem Wandel begriffenen Welt zu sondieren. Wir müssen lernen, die Stimmen Andersdenkender zu begrüßen und nicht zu fürchten.
Wir müssen wagen, über "Undenkbares" nachzudenken, denn wenn die Dinge undenkbar werden, hört das Denken auf und die Taten werden
gedankenlos.
Dieser konstante Strom "undenkbarer" Gedanken,
die er Kollegen entlockte und selbst hervorbrachte,
wurde keinesfalls hastig oder ohne sorgfältige Über-

Seite 4

wir unwesentlich gekürzt
gehaltene Dankesrede.

legung in die Öffentlichkeit getragen. Fulbright hatte
immer eine ausgeprägte Vorstellung von der Pflicht
gewählter Volksvertreter und der Bedeutung einer
führenden Position in einer Demokratie. Er war der
Meinung, daß das Volk gehört werden sollte, der
gewählte Politiker jedoch das aus seiner führenden
Position resultierende Urteilsvermögen, Wissen und
den Erfahrungsschatz nutzen sollte, um Politik zu
machen oder zu beeinflussen, die ihm - ungeachtet
der öffentlichen Meinung - als die beste erschien.
Nachdem er alle Seiten gehört hat, sollte er durch
Überzeugungskraft die Wähler informieren und bilden,
anstatt zu schweigen oder Meinungsunterschiede zu
verschleiern - nach Ansicht Fulbrights ein völlig
verantwortungsloses Handeln. Sein Hang zu unabhängigem Denken rief oftmals Kontroversen
hervor, insbesondere als er sich öffentlich gegen
Präsident Johnsons Vietnam-Politik aussprach. Dies
war wohl seine schwerste Zeit im öffentlichen Leben,
und es wurde gesagt, damals hätten sogar seine
Augen ihren Glanz verloren. Aber selbst in dieser
düsteren und feindlichen Umgebung fühlte er sich
verpflichtet, das seiner Meinung nach Richtige
ungeachtet der Konsequenzen in Worte zu fassen.
Viel später schrieb er:
Unsere gewählten Volksvertreter und die von
ihnen eingesetzten "Kommunikations"-Experten
untersuchen und analysieren heute die Einstellung
der Öffentlichkeit mit Hilfe neuer Umfragetechniken. Ihre Absichten haben jedoch wenig mit einer
Führungsrolle und noch weniger mit Bildung in
irgendeinem Bereich unseres nationalen Lebens
zu tun. Ihre Absichten scheinen sich darauf zu
beschränken herauszufinden, was die Menschen
wollen, fühlen und nicht mögen, um sich dann
diese Gefühle zu eigen zu machen. Sie wollen
entdecken, auf welche Fragen sie sich unbesorgt
konzentrieren können und welche besser umgangen werden. Das ist das Gegenteil von Führungsqualität - es ist Mitläufertum, das zum eigenen
Nutzen zur Wissenschaft erhoben wurde, (aus:
The Price of Empire)
Fulbright hatte das Gefühl, daß eine Führungsrolle
wiederum die Fähigkeit voraussetzt, Mittel und Wege
zu finden, um den Menschen die Augen zu öffnen
und ihren Horizont zu erweitern - die Fähigkeit, im
gesamten Volk kritisches Denken und Verantwortungsgefühl zu fördern, damit es mit dem wunderbaren, universellen, goldenen Verbindungsglied aller
Gesellschaften auf der Erde - der Freiheit - umgehen

AMERIKA DIENST 18

�und prosperieren kann. Fulbright beschrieb die
Freiheit mit folgenden Worten:
Wenn jemals ein universeller Sieg der demokratischen Werte in greifbare Nähe rückt, wird das
meines Erachtens nicht durch außenpolitische
Maßnahmen geschehen, und sicher nicht durch
Militärpolitik, sondern durch die magnetische
Anziehungskraft der Freiheit selbst. Die Aussicht
auf Freiheit hängt letztlich davon ab, welcher
Gebrauch in freien Gesellschaften von ihr gemacht wird, (aus: Prospects for the West)
Ferner erklärte Senator Fulbright immer wieder, daß
die in einer Demokratie lebenden Bürger Bildung
benötigten, damit alle Einwohner eines freien Landes
in Wohlstand leben können. Bildung war immer der
Kern seiner Worte und Taten. Er schrieb seine
Reden selbst mit der Hand und strich jeden unklaren
Satz. Er überarbeitete sie, bis jeder einzelne Satz
zu seiner Zufriedenheit nicht nur vollkommen verständlich, sondern auch bar jeder Übertreibung war.
Seine Reden sollten Dinge klarstellen und Menschen
überzeugen, mit anderen Worten bilden - die Zuhörer auf der ganzen Welt und seine Wähler. Sein
berühmtestes Gesetzeswerk hat über nationale
Grenzen hinweg mehr als 200.000 Stipendiaten aus
jedem Teil der Erde Zugang zu Bildung verschafft.
Es basierte auf der während seinerzeit als RhodesStipendiat gemachten Erfahrung und wurde - wie die
meisten von Ihnen wissen - direkt nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs aus einem Gefühl der
Dringlichkeit heraus konzipiert - aus dem Wissen,
daß die Erfindung der Atombombe im Falle eines
weiteren Weltkrieges das Ende der Menschheit
bedeuten würde. Dieses internationale akademische
Austauschprogramm, das nach ihm benannt wurde,
hat während seines nahezu fünfzigjährigen Bestehens weniger Geld gekostet als zwei Tage unseres
derzeitigen Verteidigungsprogramms. Trotz der
relativ geringen finanziellen Auslagen ist es als eine
der stärksten Kräfte für den Frieden auf unserem
Planeten anerkannt. Fulbright formulierte es folgendermaßen:
Bildung ist eine langsame, aber mächtige Kraft.
Sie mag nicht schnell oder stark genug sein, um
uns vor der Katastrophe zu retten, aber sie ist die
stärkste verfügbare Kraft.
Der Erfolg des Fulbright-Programms ist deutlich.
Wenn Nachahmung die ernsthafteste Form von
Schmeichelei ist, könnte sich Fulbright angesichts
des raschen Anstiegs internationaler Austauschprogramme enorm geschmeichelt fühlen, die wie
Pilze aus dem Boden schießen. Aufmerksamkeit

verlangt auch die Notwendigkeit eines öffentlichen
Bildungssystems in unseren beiden Ländern, das
lebenslanges Lernen und Gemeinschaftssinn fördert.
Es wird zunehmend deutlich, daß wir in unmittelbarer
Zukunft mit einer großen Herausforderung konfrontiert
werden. Fulbright hat oft geäußert, daß Demokratie
nur inmitten aufmerksamer, verantwortungsbewußter
und gebildeter Bürger gedeihen kann, womit er nicht
meint, Schüler und Studenten mit Informationen und
Statistiken zu überfüttern, die sie in Multiple-choiceTests wieder ausspucken. Vielmehr fordert er eine
Schulung unserer gesamten Fähigkeiten, so daß
lebenslanges Lernen zur universellen Gewohnheit
wird, eine Verfeinerung unseres kritischen Denkvermögens, um berufliche Probleme und Regierungspolitik analysieren und auswerten zu können und
somit zu besseren Wählern zu werden. Und er meint
damit die Ermutigung kreativen Denkens zur Lösung
großer Probleme wie Umweltverschmutzung und
Weltwirtschaftspolitik sowie die Förderung einer
aktiven Beteiligung an gemeinschaftlichen Angelegenheiten, damit sie für Erwachsene bereits zur Gewohnheit geworden ist. Er meint interdisziplinäre Bildung
für alle Kinder - arme und reiche, in der Stadt und auf
dem Land. Er meint die Art von Bildung, die auf der
ganzen Welt verbreitet werden muß, wenn wir über
das Ziel eines bloßen Überlebens der menschlichen
Rasse hinausgehen wollen.
All diese Ausführungen über Führungsqualitäten,
Freiheit und Bildung mögen Ihnen einfach, selbstverständlich und alltäglich erscheinen, sie wurden jedoch
früher einmal als rassistisch und sogar gefährlich
angesehen. Vor dreißig Jahren wurde Senator
Fulbright mit Worten betituliert, die ich nicht zu Papier
zu bringen wage und noch viel weniger vor einem so
hochkarätigen Publikum aussprechen möchte.
Emotional geladene Briefe voller Lob und Haß
wurden ihm zu Häuf in sein Büro geschickt - manche
waren für ihn sehr quälend. Ein Brief berührte ihn so
sehr, daß er sich in sein Büro einschloß, keine Anrufe
durchstellen ließ und handschriftlich eine Antwort
verfaßte.
Diesen Mann zeichnen Sie heute aus: Einen bescheidenen, stets suchenden und überlegten Menschen, der sich über die Natur von Freiheit und
Führung Gedanken macht, sich leidenschaftlich für
eine Ausweitung der Bildungsmöglichkeiten auf der
ganzen Welt einsetzt und Kritik nicht fürchtet. Ich
hoffe, daß es mir gelungen ist, Sie daran zu erinnern,
was er verkörpert und warum Sie ihm so große Ehre
zuteil werden lassen. Hoffentlich sind Sie heute über
Ihre Entscheidung noch stolzer und bereit, seine
Arbeit fortzusetzen.

* *

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�FUSSBALL
11. Mal 1994

FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Timothy Carlson
Das größte Ereignis bei "König Fußball" - die fünfzehnte, alle vier Jahre veranstaltete Fußballweltmeisterschaft
- findet endlich in den Vereinigten Staaten statt. Im Sommer 1994 wird in neun amerikanischen Städten die
aus 52 Spielen bestehende Fußballweltmeisterschaft ausgetragen, bei der die 24 weltweit besten
Fußballmannschaften gegeneinander antreten und die im Endspiel im Rose-Bowl-Stadion gipfelt.
Nachfolgend beschreiben wir die Vorbereitungen vor Ort, Fernsehbelichterstattung, Kartenverkauf, Sicherheit
sowie einige der wichtigsten Spieler. Die Organisatoren hoffen, daß der mit der Fußballweltmeisterschaft
einhergehende Trubel zu einem Aufschwung für den Profi-Fußball in den Vereinigten Staaten führen wird.
Timothy Carlson ist freiberuflicher Schriftsteller aus Culver City (Kalifornien).

Es hat 64 Jahre gedauert, aber nun hat endlich das
Hauptereignis des weltweit beliebtesten Sports die
von einem internationalen Fußballvertreter sogenannte "letzte Grenze" überschritten: Im Sommer
1994 wird die Fußballweltmeisterschaft zum ersten
Mal in den Vereinigten Staaten ausgetragen.
Dieses fünfzehnte in einer Reihe von alle vier Jahre
stattfindenden Turnieren beginnt mit einer verschwenderischen Eröffnungsfeier in Chicago, derein
Spiel mit dem amtierenden Fußballweltmeister
Deutschland folgt. Wenn am 17. Juli vor 100.000
anfeuernden Fans, die sich ihre Eintrittskarte 475
Dollar kosten lassen, im Rose-Bowl-Stadion von
Pasadena (Kalifornien) das Endspiel stattfindet
(begleitet von einer Supershow im Broadway-Stil
während der Halbzeit und einer extravaganten,
futuristischen Abschlußfeier, die die jüngsten Feierlichkeiten aus Anlaß der Olympischen Spiele noch
übertreffen soll), werden einige für den Fußball in
der Welt und in Amerika entscheidenden Fragen
beantwortet sein.
Die erste Frage lautet: Kann der mit einer Fußballweltmeisterschaft einhergehende Trubel - freudige
brasilianische Fans, die sich im Tanzschritt durch die
Straßen wiegen, enthusiastische Deutsche, die sich
Gesicht und Körper in ihren Nationalfarben bemalen
und farbenfrohe fähnchenschwenkende Fans aus
Kamerun - ein Land in Begeisterung versetzen, das

AMERIKA DIENST 18

mit seinen heimischen Veranstaltungen wie Baseball
und American Football bereits mehr als saturiert ist?
Die Fußballweltmeisterschaft - die internationale, nicht
die amerikanische Variante des Fußballs - zieht
gewöhnlich zwei Milliarden Zuschauer vor die Fernsehschirme. Die meisten Zuschauer in den Vereinigten Staaten gab es beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1986, der fast sieben Millionen
Haushalte zusahen.
"Der internationale Fußballverband, die FIFA (Föderation Internationale de Football Association) sieht die
Vereinigten Staaten als eines der letzten Länder an,
das Möglichkeiten für Wachstum großen Umfangs
bietet", äußert Jim Trecker, Vizepräsident und Pressereferent von World Cup USA. Joseph Blatter,
Generalsekretär der FIFA, die ihren Sitz in der
Schweiz hat, erklärt: "Als wir die Entscheidung
trafen, den Vereinigten Staaten die Ausrichtung der
Spiele zu gestatten, hatten wir zwei Ziele. Wir
wollten das Spiel in diesem riesigen Land bekannt
machen, und wir wollten es in den Vereinigten
Staaten auf die Profi-Ebene bringen. Es ist ein
offener Markt." Obwohl die Fußballvertreter der
Vereinigten Staaten die Forderung der FIFA akzeptierten, bis zum Herbst 1994 eine aus Berufsspielern
bestehende Fußballmannschaft aufzustellen, konzentrieren sie sich hauptsächlich auf die Vorbereitung
einer erfolgreichen Fußballweltmeisterschaft und
hoffen, daß der Rest von selbst kommt.

Seite 1

�Als die FIFA bei der Vergabe der Weltmeisterschaft
den Vereinigten Staaten vor Ländern wie Brasilien
und Marokko den Vorzug gab, war sie sicher, daß
dieses Land über die für eine erfolgreiche Organisation der Spiele erforderlichen Einrichtungen verfügt.
Aber obwohl der internationale Fußballverband vom
Wachstumspotential des Fußballs in den Vereinigten
Staaten fasziniert war, fürchtete er auch, einem Land
die Ausrichtung der Weltmeisterschaft zu übertragen,
das nie eine überwältigende Begeisterung für diesen
Sport unter Beweis gestellt hatte. Trecker erinnert
sich, daß die amerikanischen Fußballvertreter hart
daran arbeiten mußten, die FIFA zu überzeugen,
den Vereinigten Staaten ihre Kronjuwelen zu überlassen.
"In den Vereinigten Staaten geht die Geschichte des
Fußballs auf die Einwanderer zurück, die seit dem
19. Jahrhundert diesen Sport ausgeübt haben", so
Trecker. "Aber erst der von 1968 bis 1984 bestehende spektakuläre nordamerikanische Fußballbund
(North American Soccer League - NASL) - mit Stars
wie Pele aus Brasilien oder Franz Beckenbauer aus
Deutschland, Giorgio Chinaglia aus Italien und
Johan Cruyff aus den Niederlanden - erweckte das
Interesse der Massen." Leider strapazierte die
Expansion des Bundes über Gebühr die zur Verfügung stehende Basis und schrumpfte gerade in
dem Moment, als seine Popularität in der Bevölkerung stieg. In den 25 Jahren seit der Gründung des
NASL wuchs die aktive Beteiligung am Fußball in
den Vereinigten Staaten auf 16 Millionen - was die
Zahl der American Football-Spieler übersteigt.
Ironischerweise handelt es sich hier um eine der
wenigen Sportarten in den Vereinigten Staaten, bei
der die Zahl der aktiven Teilnehmer die der Fernsehzuschauer bei ihrem Hauptereignis übersteigt.
Ein Anzeichen dafür, daß die Vereinigten Staaten für
die Fußballmeisterschaft bereit waren, war die
erfolgreiche Veranstaltung des Olympischen Fußballwettbewerbs 1984 in Los Angeles mit 103.000 Fans,
die dem olympischen Endspiel im Rose-Bowl-Stadion beiwohnten. Der für die olympischen Fußballspiele Verantwortliche, der Rechtsanwalt und Sportexperte Alan Rothenberg aus Los Angeles, erhielt
internationales Lob, das den Vereinigten Staaten bei
ihren Bemühungen um die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 1994 zugute kam.
1986 bewarb sich der amerikanische Fußballbund
(U.S. Soccer Federation) um den World Cup, der
plötzlich in Reichweite rückte, als der vorgesehene
Gastgeber Kolumbien seine Kandidatur zurückzog
und die FIFA die Ausschreibung erneut öffnete. Für
die FIFA war es Trecker zufolge jedoch ziemlich klar,
"daß sie lieber ein Land wollte, das bereits einmal

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eine Weltmeisterschaft organisiert hatte, und so
entschied sie sich für Mexiko".
Die Vereinigten Staaten bewarben sich nicht um die
Fußballweltmeisterschaft 1990, organisierten sich
jedoch neu und legten sich für 1994 kräftig ins Zeug.
"Das Schlüsselereignis, das FIFA-Präsident Joao
Havelange endgültig davon überzeugte, daß wir zur
Veranstaltung der Spiele fähig sind, war ein Besuch
bei Präsident Ronald Reagan im Frühjahr 1987 im
Weißen Haus", teilte Trecker mit. Die Zusicherung
Reagans, die US-Regierung stehe hinter der Bewerbung, und die Annahme einer Resolution durch beide
Häuser des Kongresses zu ihrer Unterstützung
sandte die eindeutige Botschaft, daß die Vereinigten
Staaten bereitstanden.
Am 4. Juli 1988 wurden die Vereinigten Staaten
aufgefordert, die Planung für 1994 zu beginnen und
Gelder für die Ausgaben in Höhe von 300 bis 400
Millionen Dollar zu sammeln. Ein Jahr vor Beginn
der Weltmeisterschaft sah die Lage bereits gut aus:
Durch Untemehmensspenden wurden bereits 276
Millionen Dollar aufgebracht. Der finanzielle Erfolg
scheint gesichert angesichts der 10 "Hauptsponsoren"
- Coca-Cola, Snickers, Gillette, Phillips, JVC, MasterCard, Canon, Fuji, General Motors und McDonald's
- die jeweils 15 bis 20 Millionen Dollar bereitstellen,
die an die FIFA gehen. Eine zweite Kategorie sind
die sogenannten "Marketing-Partner", von denen
American Airlines, adidas, Sheraton Hotels, Sprint,
Upper Deck und vier weitere jeweils 7 Millionen
Dollar für den World Cup USA bereitgestellt haben.
Die Austragungsorte sind bereit. Für die Spiele
zwischen 24 Teams hat World Cup USA '94 eine
möglichst geringe Anzahl von Veranstaltungsorten
(neun) mit der größten durchschnittlichen Zahl von
Sitzplätzen (73.809) ausgewählt. Dazu gehören der
erste völlig überdachte Veranstaltungsort der Weltmeisterschaft, der Silverdome in Pontiac (Michigan),
in dem an der Michigan State University entwickeltes,
2 Millionen Dollar teures Rispengras dem 2:1 Sieg
Deutschlands über England im Juni 1993 vor 62.126
Fans im Endspiel um den US-Cup gut standhielt.
Der aus sechs Spielen bestehende US-Cup vom
Sommer 1993 zog 286.761 Fans an, durchschnittlich
47.793 pro Match. Für die aus 52 Spielen bestehende Weltmeisterschaft werden 3,6 Millionen Eintrittskarten ausgegeben, von denen allein 2 Millionen in
den Vereinigten Staaten verkauft werden. Eine
Million werden der preisgünstigeren Kategorie 3
angehören, bei der 25 Dollar der unterste Preis sind.
Der Vorsitzende von World Cup USA, Rothenberg,
erklärte: Millionen junger Amerikaner aus der Mittelschicht spielen Fußball, und unsere Preisstruktur gibt
ihnen die Möglichkeit, der Veranstaltung zu einem

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�vernünftigen Preis live beizuwohnen."
650.000
Eintrittskarten für Spiele noch nicht spezifizierter
Mannschaften wurden bereits an Zuschauer in den
Vereinigten Staaten verkauft, die eine Verbindung
zum Fußball haben.
Auch der öffentliche Kartenverkauf läuft gut. Die
meisten Eintrittskarten sind bereits verkauft, nur für
die Spiele in Dallas, Pontiac und Palo Alto (Kalifornien) ist der Vorrat noch nicht ganz erschöpft. Die
für Europa und andere Länder vorgesehenen Zuweisungen werden sicherlich ausverkauft, und Interessenten sollten sich an die beauftragten Reisebüros
wenden.
Neben Rose Bowl und dem Silverdome werden
Spiele im Stanford Stadium in Palo Alto, im Soldier
Field in Chicago, im Cotton-Bowl-Stadion in Dallas,
dem Citrus-Bowl-Stadion in Orlando (Florida), im
Robert F. Kennedy Stadium in Washington, dem
Giants Stadium in East Rutherford (New Yersey)
sowie im Foxboro-Stadion in Massachusetts stattfinden.
Die erste Runde des World Cup besteht aus 36
zwischen dem 17. und dem 30. Juni stattfindenden
Spielen, wobei pro Tag mindestens zwei und maximal vier Spiele veranstaltet werden. Nach einem
Tag Pause am 1. Juli beginnt eine Runde mit 16
Spielen an allen Austragungsorten, mit Ausnahme
von Michigan, wo bis zum 5. Juli zwei Spiele täglich
stattfinden. Das Viertelfinale wird am 9. Juli in
Boston und Dallas und am 10. Juli in Palo Alto und
East Rutherford abgehalten. Am 13. Juli findet ein
Halbfinalspiel im Giants Stadium, das andere in
Pasadena statt. Pasadena veranstaltet dann auch
das Spiel um den dritten Platz vom 16. Juli sowie
das Endspiel am 17. Juli.
"Der Zeitplan bietet eine spannende Zusammenstellung von Spielen und soll dazu dienen, die ganze
Nation für die Fußballweltmeisterschaft zu begeistern", so Rothenberg. Dazu trägt auch die landesweite Fernsehübertragung bei, die in Amerika für
kommerzielle Sportereignisse einzigartig ist. Die
Hauptsponsoren der FIFA - Snickers, MasterCard
und Coca-Cola - finanzieren einen Plan, nach dem
die beiden beteiligten amerikanischen Fernsehgesellschaften (ABC, das 11 Spiele überträgt, einschließlich zwei Spielen amerikanischer Teams aus der
ersten Runde und das Finale sowie ESPN mit 41
Spielen) auf Werbung während der Spiele verzichten. Die beiden 45minütigen Halbzeiten aller Spiele
werden ohne Unterbrechung gesendet.
"Nie zuvor konnte die gesamte Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten in englischer
Sprache gesendet werden", erklärte Rothenberg.

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ABC nd ESPN, die 11 Millionen Dollar für die amerikanischen Femsehrechte bezahlen, werden ihre
Ansager in die vorwiegend neutrale Berichterstattung
der Europäischen Rundfunk- und Femsehunion
integrieren, deren Berichte über die 52 Spiele in alle
Welt gesendet werden.
Wenn sich die Fußballfans in Pasadena und dem
Umkreis von Los Angeles versammeln, werden sie
dem Organisator David Simmons zufolge von einer
Stadt und einer Region begrüßt, die bereit für den
Geist des World Cup sind. "Pasadena ist eine der
schönsten Gemeinden im Süden Kaliforniens", stellt
Simmons fest. "Es ist außergewöhnlich, daß eine
kleine Gemeinde über ein großes Stadion in landschaftlich schöner Umgebung am Fuße der San
Gabriel Mountains verfügt, in einem Tal, das von
märchenhaften Villen umgeben ist - einem Spiegelbild
hochkarätiger Architektur und des spanischen Erbes
von Kalifornien. Wir planen ein Aktivitäten-Festival im
Umkreis des Stadions - einschließlich eines Fußballfelds im Kleinformat, auf dem die Besucher ihre
Talente testen können. Pasadena, wo fünf Endspiele
um die amerikanische Football-Weltmeisterschaft, die
Fußballspiele der Olympiade von 1994, 80 Rose
Bowls (eines der wichtigsten Spiele im CollegeFootball) und die weltweit bekannte Rosenparade am
Neujahrstag stattfanden, ist auf die ungefähr 1,5
Millionen erwarteten Besucher aus aller Welt vorbereitet."
Pasadena bietet wie die anderen Veranstaltungsorte
der Weltmeisterschaft eine Vielzahl von Unterhaltungsmöglichkeiten, die eine Pause von der völligen
Versunkenheit in den Sport ermöglichen. Es verfügt
über zwei Kunstmuseen und das Pacific Asia Museum mit seinem authentischen chinesischen Garten.
Die 250 Restaurants der Stadt bieten jede Art von
Küche an. Nachts offeriert die Stadt Jazz- und
Tanzclubs, Sportbars und gemütliche Pubs in der
Nachbarschaft, um die Fans aus dem Ausland zu
unterhalten.
Diejenigen, die sich etwas weiter hinaus wagen,
können Disneyland, die Universal Studios, Malibu
Beach und berühmte Comedy Clubs in Hollywood
besuchen, sich die Femsehshows ansehen, die in
den großen Studios aufgezeichnet werden, oder zu
den einzigartigen Wüstenformationen beim Joshua
Tree National Monument fahren. Sie können Zeuge
der eindrucksvollen Mischung verschiedener Kulturen
aus der ganzen Welt werden, wegen der viele
Sozialforscher Los Angeles als eine Stadt des 21.
Jahrhunderts bezeichnen.
Sicherheitsvorkehrungen stellen in diesem Zeitalter
des Terrorismus und der weltweiten sporadischen
Krawalle bei Fußballspielen eine enorme Verantwor-

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�tung dar. Auf den ersten Blick erscheint das unmöglich in einer demokratischen Gesellschaft, die
bei öffentlichen Veranstaltungen kein massives
Polizeiaufgebot und keine Anwesenheit des Militärs
duldet. Die Vertreter der FIFA erheben Einspruch
gegen die Zäune, Gräben und den Stacheldraht, die
bei anderen Fußballspielen verwendet wurden.
"Wenn die Menschen in Käfige gesperrt werden,
werden sie zu Tieren", erklärte der FIFA-Generalsekretär Blatter.
Trecker zufolge wird es bei der Fußballweltmeisterschaft keine Hooligans geben. "Diese Ausbrüche
waren das Ergebnis von Loyalität gegenüber örtlichen Fußballvereinen in auf die Ereignisse nicht
vorbereiteten Stadien. Diese Art von Aufruhr gab es
nicht bei Fußballweltmeisterschaften und Olympiaden, teilweise weil die Reisekosten unerschwinglich
sind und zum Teil wegen verbesserter Sicherheitsvorkehrungen. Dieses Jahr hat die Zusammenarbeit
zwischen internationalen Sicherheitsbehörden dazu
geführt, daß wegen Gewaltanwendung bei Fußballspielen Verurteilte an den Grenzen der Vereinigten
Staaten abgewiesen wurden. Wir wollen diese
Menschen fernhalten."

Trotz Warnungen vor möglichen terroristischen
Aktionen bei großen internationalen Zusammenkünften haben sich die Sicherheitskräfte bei der
jüngsten Olympiade der Herausforderung gestellt
und bereiten jetzt den World Cup vor. Trecker fügte
hinzu: "Neben den neuen Pressetribünen auf dem
Dach des Rose Bowl-Stadions wird eine Sicherheitszentrale eingerichtet."
Wenn hinter den Kulissen für die Sicherheit gesorgt
wird, kann die Veranstaltung nach außen hin einen
guten Eindruck machen. Weltberühmte Designer
entwerfen farbenprächtige Motive, um die Straßen
der nahegelegenen Stadteile und die Stadien für die
Spiele zu dekorieren und bauen in jeder der neun
Städte Themenparks.
Das mit diesem gewaltigen Ereignis einhergehende
Spektakel wäre jedoch nichts ohne den Wettbewerb.
Trotz der schauererregenden Spannung verschiedener Spiele, die 1990 durch Strafstoß entschieden
wurden, nachdem in der regulären Spielzeit keine
Entscheidung herbeigeführt werden konnte, machen
sich die Fußballvertreter Sorge, daß vorsichtige,
defensive Spiele mit wenigen Toren das Interesse
der Fans in den Vereinigten Staaten eher zunichte
machen als anheizen könnten - einem Land, das an
die vielen Tore und "Mätzchen" von Superstar
Michael Jordan und das offensive Feuerwerk seiner
eigenen Fußball-Champions - die aus dem Super-

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Bowl siegreich hervorgegangen Dallas Cowboys gewöhnt ist.
"Am meisten spricht gegen den Fußball, daß es ein
vorwiegend defensiver Sport ist", so der stellvertretende amerikanische Nationaltrainer Timo Liekoski.
"Das Schöne am Fußball sind nicht unbedingt die
erzielten Tore, sondern vielmehr die Kämpfe um den
Ball, der Aufbau des Spiels, das Abfangen des Balls
durch einen guten Torwart und die Fehlschüsse.
Meines Erachtens ist das in den Vereinigten Staaten,
mit seinen Traditionen in anderen Sportarten, schwierig zu akzeptieren."
Das Spiel scheint sich Sportanalytikern zufolge
jedoch zu ändern. "1990 waren die FIFA und jeder
andere betroffen über die farblose Spielweise", so
Trecker. "Wenn es dieses Jahr 52 langweilige Spiele
gibt, trägt das natürlich nicht unbedingt dazu bei, hier
und andernorts die Begeisterung für den Fußball zu
wecken. Es deutet jedoch alles darauf hin, daß die
Teams für die Fußballweltmeisterschaft sich weiterentwickeln."
Beim jüngsten Spiel um den US-Cup, wo die Vereinigten Staaten, Deutschland, England und Brasilien
an sechs Spielen teilnahmen, wurden 22 Tore
geschossen. "Im Vergleich zu den Turnieren der
Vergangenheit war das ein an Toren sehr ertragreiches Spiel", äußerte Trecker. "Auch in der gerade
beendeten europäischen Saison wurden viele Tore
geschossen. Ebenso wie in den Profi-Sportarten in
Amerika scheint sich auch der defensive Fußball in
einer Umbruchphase zu befinden."
Am besten wird diese gelungene "Öffnung" des
Spiels von der argentinischen Mannschaft, einem der
diesjährigen Favoriten, veranschaulicht. "Argentinien
hat jetzt ein lebhaftes Angreiferteam, das sich stark
von der Mannschaft unterscheidet, die 1990 in Italien
nach Deutschland den zweiten Platz einnahm", so
Trecker. "Das ist vor allem das Verdienst von Alfio
Basile."
Die südamerikanischen Champions haben ihr Team
sehr vorteilhaft umorganisiert - um Diego Maradona
zu ersetzen, der sich aus dem Fußball zurückgezogen hat, einen einzigartigen, hervorragenden Spielmacher - und verfügen jetzt über drei Stars: Gabriel
Batistuta, einen großartigen Torschützen, der in der
italienischen Fußballmeisterschaft für das ausgezeichnete Team des AC-Florenz spielt, Mittelfeldstar
Fernando Redondo und Torwart Sergio Goyochea.
Seit dem Finale von 1990 hat die argentinische
Mannschaft kein Länderspiel mehr verloren.
Die deutsche Mannschaft scheint nie einen so
feurigen Superstar zu haben wie Maradona, ist

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�jedoch mit den Worten Liekoskis "eine wunderbare
Maschine". "Die Deutschen stürmen gerne, wenn es
möglich ist, und haben viele Spieler im Mittelfeld.
Dadurch erschweren sie es dem gegnerischen
Team, anzugreifen und den Ball so schnell wiemöglich auf ihr Tor zuzuspielen. Ihr jüngstes Spiel
um den US-Cup endete 3:3 gegen die Brasilianer.
Die Deutschen benötigten im Durchschnitt einen Paß
für jedes ihrer Tore, während die Brasilianer, die
absichtlich technischer und bewußter spielten, acht
Spieler für 11 Pässe einsetzten."
Auch Deutschland hat seine Stars: Die Mannschaft
wird von Lothar Matthäus angeführt, der vor kurzem
sein 100. Spiel in der Nationalmannschaft absolvierte, oder den Stürmer Jürgen Klinsmann, der mit
seinen vier Toren zum "wertvollsten Spieler" des
jüngsten Turniers um den US-Cup ernannt wurde.
Deutschland gewann das Turnier mit seinem Unentschieden gegen Brasilien und einem harterkämpften
4:3-Sieg über die Vereinigten Staaten und einem
knappen 2:1 gegen England, das über das flügge
gewordene amerikanische Team schockiert war.
"Die deutsche Mannschaft weiß genau, wie sie mit
der Belastung einer Fußballweltmeisterschaft fertig
wird - sie wird in die Endrunde kommen", erklärt
Liekoski.
Das läßt im Turnier noch Platz für eine weitere
unbekannte Größe - wie beispielsweise Kameruns
brilliante Mannschaft mit ihrem alternden Superstar
Roger Milla von der Weltmeisterschaft 1990. "Kamerun ist bei den Qualifikationsspielen führend,
seine Spieler sind technisch geschickt und können
spektakulär spielen", so Liekoski. "Wie die meisten
afrikanischen Mannschaften können sie jedoch
besser eine dramatische Show abziehen als eine
Strategie verfolgen."

t

Direkt nach der Überraschung gegen England vom
Juni 1993 - einer in den vergangenen 40 Jahren
internationaler Fußballbegegnungen des US-Teams
einzigartigen Meisterleistung - wurde man auf das
amerikanische Team aufmerksam. Nachdem die
Mannschaft in der ersten Runde der Fußballweltmei-

sterschaft von 1990 alle drei Spiele verloren hatte,
engagierte der amerikanische Fußballbund den
jugoslawischen Trainer Bora Milutinovic, der Mexiko
in das Viertelfinale der Weltmeisterschaft von 1986
und Costa Rica 1990 in die zweite Runde geführt
hatte, für 200.000 Dollar jährlich - mehr als jeder
amerikanische Fußballer erhält.
Milutinovic rechtfertigte diese Investition der Vereinigten Staaten sofort beim Sieg des amerikanischen
Teams über Uruguay im Jahr 1991. Höhepunkt 1992
war der 1:0-Sieg gegen Portugal beim Spiel um den
US-Cup, ein 3:1 gegen Irland, der 1:1 Gleichstand mit
Italien, obwohl die Vereinigten Staaten in den ersten
beiden Spielminuten im Rückstand waren. Torwart
Tony Meola verhinderte achtmal ein Tor, und schließlich schoß John Harkes den Ball am italienischen
Torhüter Luica Marchegiani vorbei ins Netz - das
erste Tor der Vereinigten Staaten gegen Italien seit
1934.
Die Aufnahme des südafrikanischen Stürmers Roy
Wegerle (der mit einer Amerikanerin verheiratet ist)
und des europäischen Fußballstars, Thomas Dooley,
(der in Deutschland geborene Sohn eines amerikanischen Soldaten) hat die Mannschaft gestärkt und
schlagkräftiger gemacht. "Obwohl wir wahrscheinlich
nicht den Cup gewinnen werden, haben wir bewiesen, daß wir jederzeit mit den besten der Welt
spielen können", so Liekoski. "Wir könnten sehr wohl
die Kameruner der Fußballweltmeisterschaft 1994
werden."
Dooley teilte einem Journalisten mit Hilfe eines
Dolmetschers mit: "Wir werden unser rot-weiß-blaues
Trikot anziehen und die Welt in Erstaunen versetzen."
In der Zwischenzeit bemüht sich World Cup USA, den
Fußball in den Vereinigten Staaten populärer zu
machen. Die Nation lädt die Welt ein, die amerikanische Tradition der Gastfreundschaft und effektvollen
Darbietung zu genießen, insbesondere da die Vereinigten Staaten sich jetzt der weltweiten Begeisterung für den Fußball anschließen.

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