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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Inforsnation Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

4. Mal 1994

17

SÜDAFRIKA

VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE HILFE FÜR
SÜDAFRIKA
Radioansprache des Präsidenten

UMWELT

LEITERIN DES
UMWELTSCHUTZAMTS
FORDERT MEHR "UMWELTDEMOKRATIE"
Rede von Carol Browner

AIDS

AIDS-KRISE HAT WEITREICHENDE IMPLIKATIONEN FÜR AMERIKANISCHE POLITIK
Rede von Timothy Wirth

FILM

AUSLANDISCHE FILME IN DEN USA
Marketing und Verleih

FUSSBALL

FUSSBALL IN DEN USA
von Mike Woitalla

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�SU D A F R I K A
4. Mal 1994

VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - US-Präsident Bill Clinton begrüßte "das Wunder der Wiedergeburt Südafrikas als
nichtrassische Demokratie" und erklärte, er werde diese Woche "eine beträchtliche Erhöhung" der
amerikanischen Hilfe bekanntgeben, die dieses Land bei der Verfolgung eines neuen Kurses für alle seine
Bürger unterstützen werde.
Diese Art von wirksamem Engagement und einer Führungsrolle der Vereinigten Staaten bleibe von
entscheidender Bedeutung, nicht nur in Südafrika, sondern in Bosnien, Nordkorea und auf der ganzen Welt,
erklärte der Präsident in seiner Radioansprache vom 30. April 1994 an die Nation.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Diese Woche waren wir alle staunende Zeugen der
Wiedergeburt Südafrikas. Junge Männer trugen ihre
alten Väter auf dem Rücken zu den Wahlurnen,
Schwarze kamen auf Krücken und in Rollstühlen,
reisten viele Kilometer und warteten stundenlang auf
diesem großartigen Marsch in die Freiheit.
Das Wunder der Wiedergeburt Südafrikas als
nichtrassische Demokratie ist ein anregender Beweis
für den Mut und die Vision der Bürger dieses Landes. Ich bin stolz auf die von den Vereinigten
Staaten gespielte Rolle, dieses Wunder wahr werden
zu lassen.
Privatpersonen, Vertreter der Religionsgemeinschaften und Kongreßabgeordnete haben jahrelang
daran gearbeitet, die Öffentlichkeit zu mobilisieren
und Wirtschaftssanktionen gegen Johannisburg zu
verhängen. Als Nelson Mandela und F.W. de Klerk
ihr Abkommen über die Beendigung der Apartheid
erzielten, waren wir eines der ersten Länder, die die
Sanktionen aufhoben, um zur Schaffung eines
neuen Südafrika beizutragen.
Im vergangenen Jahr haben wir eine einmalige
Wählererziehung und Ausbildungsprogramme für
Wahlbeobachter gefördert. Diese Woche werde ich
eine beträchtliche Erhöhung unserer Hilfe für Südafrika bekanntgeben, die dieses Land bei der Verfolgung eines neuen Kurses für alle seine Bürger
unterstützen wird.

rungsrolle der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung bleibt, nicht nur für Südafrika, sondern
weltweit. Denken Sie an das ehemalige Jugoslawien,
wo das amerikanische Engagement heute unentbehrlich ist. Der Zusammenbruch dieses Landes, der
durch serbische Aggression entfacht wurde, hat zu
einem bereits drei Jahre andauernden Blutvergießen
und ethnischen Säuberungen in Bosnien und andernorts geführt.
Wir haben ein eindeutiges Interesse an einer friedlichen Beilegung des bosnischen Konflikts, ein Interesse an der Verhinderung eines größeren Krieges in
Europa, ein Interesse an der Verhütung eines Flüchtlingsstroms, ein Interesse an der Aufrechterhaltung
der Glaubwürdigkeit und Effektivität der NATO als
Kraft für den Frieden in dem neuen Zeitalter nach
dem Kalten Krieg - und eindeutig ein Interesse an der
Beendigung des Niedermetzeins unschuldiger Zivilisten. Aus diesem Grund haben wir uns um die
Förderung von Verhandlungen zwischen den kriegführenden Parteien bemüht. Und aus diesem Grund
haben wir die Macht der NATO in den Dienst der
Diplomatie gestellt.
Im Februar hat die NATO auf Initiative der Vereinigten Staaten den bosnischen Serben ein Ultimatum
gestellt, die fortgesetzten Granatenangriffe auf die
bosnische Hauptstadt Sarajevo zu beenden. Heute
ist die Lage in Sarajevo relativ ruhig. Die Bürger der
Stadt kommen aus den Ruinen hervor und bauen ihr
Leben wieder auf.

Heute morgen möchte ich darüber sprechen, warum
diese Art von wirksamem Engagement und Füh-

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�In der vergangenen Woche haben wir gemeinsam
mit unseren NATO-Verbündeten ein ähnliches
Ultimatum für das belagerte Gorazde und fünf
andere, von den Vereinten Nationen zu Schutzzonen
erklärte mehrheitlich muslimische Städte gestellt.
Nach wochenlangem, ununterbrochenem Beschuß
haben die Serben eingelenkt und ihre Waffen aus
dem Gebiet um Gorazde abgezogen. Obwohl wir in
Bosnien mit neuen Herausforderungen konfrontiert
sind, hat unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit
unseren NATO-Verbündeten die dortige UNOMission zu unterstützen, eindeutig zu neuen Fortschritten für den Frieden geführt.
Im März unterzeichneten die Führer der Bosnier und
Kroaten im Weißen Haus ein Friedensabkommen.
Seitdem haben wir unsere diplomatischen Bestrebungen verstärkt, um auch die Serben einzubeziehen. Wenn die Parteien in Bosnien eine tragfähige
Lösung aushandeln können, werde ich - wie ich
bereits sagte - mit Hilfe des Kongresses auf die
Stationierung amerikanischer Truppen im Rahmen
der NATO hinarbeiten, um diesen Frieden durchzusetzen.
Es bestehen zur Zeit auch andere Bedrohungen, die
ebenfalls unser aktives Engagement erfordern, vom
Kernwaffenprogramm Nordkoreas bis zu den Bestrebungen des Iran und anderer reaktionärer Staaten
zur Förderung des Terrorismus. Wir begegnen
diesen Gefahren mit Festigkeit und Entschlossenheit.
Gleichzeitig sind wir uns bewußt, daß wir in ein
Zeitalter historischer Chancen eingetreten sind. Die
Wahlen in Südafrika sind hierfür ein anschaulicher
Beweis. Im Nahen Osten haben sich Erzfeinde die
Hand gereicht. In der ehemaligen Sowjetunion
leisten wir Beistand beim Abbau von Atomwaffen,
die einst auf uns gerichtet waren. Und gerade am
heutigen Tag haben Rußland und Lettland ein
historisches Abkommen über den Abzug der verbleibenden russischen Streitkräfte von lettischem
Gebiet bis Ende August unterzeichnet. Diese und
andere vielversprechende Entwicklungen wurden
zum Teil durch die Unterstützung und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten ermöglicht.

Seite 2

Ein derartiges Engagement erfordert jedoch Ressourcen, die unseren Herausforderungen entsprechen. Nach dem Ende des Kalten Krieges sind wir in
der Lage, unsere Ausgaben für Verteidigung und
auswärtige Angelegenheiten zu senken. Wir haben
diese Programme starken Kürzungen unterzogen.
Wir stehen derzeit mit unseren Ressourcen auf des
Messers Schneide. Wir können uns keine Unzulänglichkeiten bei unserer nationalen Sicherheit leisten.
Aus diesem Grund setze ich mich gegen weitere
Kürzungen unseres Verteidigungshaushalts ein, und
aus diesem Grund arbeite ich mit dem Kongreß
zusammen, um eine angemessene Finanzierung von
Friedenssicherungsoperationen und anderen internationalen Bestrebungen sicherzustellen, die Sicherheit und Wohlstand unseres Volkes fördern.
Am Vorabend des 50. Jahrestages der Invasion in
der Normandie im Juni dieses Jahres sollten wir uns
an den Opfergeist und den Einsatz für die gemeinsame Sache erinnern, die diesen großen Kreuzzug für
die Freiheit im Zweiten Weltkrieg charakterisierten.
In fünf Wochen werde ich aus Anlaß der Feierlichkeiten zum Gedenken an diesen Jahrestag und zu
Ehren derjenigen nach Europa reisen, die im Zweiten
Weltkrieg unsere demokratische Lebensweise verteidigten. Die Welt hat sich verändert - sie ist besser
geworden durch den von ihnen gezeigten Mut. Wir
schulden ihnen den Aufbau einer besseren Zukunft
für die nächste Generation.
Währen wir die Kriegsveteranen grüßen, die im Juni
zu Tausenden in der Normandie landen werden,
während wir die heutigen Wahlen in Südafrika feiern,
sollten wir daran denken, daß die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in einer sich wandelnden Welt
dauerhaftes Engagement verlangt. Wir wollen diese
neue Welt gemeinsam zum Nutzen aller gestalten.

AMERIKA DIENST 17

�UMWELT
4. Mal 1994

LEITERIN DES UMWELTSCHUTZAMTS
FORDERT MEHR "UMWELTDEMOKRATIE"
Rede von Carol Browner
WASHINGTON - (AD) - Der Leiterin des Umweltschutzamts (Environmental Protection Agency - EPA), Carol
Browner, zufolge möchte die Clinton-Administration, daß die von Bestimmungen zum Umweltschutz betroffenen
lokalen Interessengruppen ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung und Umsetzung dieser
Maßnahmen haben.
In einer Rede vor der Liga der Umweltschützer am 22. April 1994, dem Tag, der von den Umweltschützern als
Tag der Erde gefeiert wird, verwies Browner auf eine Reihe spezifischer Vorschläge der Clinton-Administration
zur Verbesserung der Beteiligung vor Ort an Bestrebungen zur Kontrolle der Wasserverschmutzung und
Entsorgung von Giftmülldeponien.
"Jede dieser Initiativen", so Browner, "ist eine Abkehr von der Bundesbürokratie, die machtlosen Gemeinden
und nichtsahnenden Unternehmen willkürliche Einheitsvorschriften aufzwingt - die nicht die erforderlichen
Resultate erzielen."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Carol Browner.

Der Tag der Erde ist der geeignete Zeitpunkt, um
Bilanz unserer Bestrebungen zum Schutz der
Umwelt zu ziehen. Zweifelsohne haben wir in den
vergangenen 20 Jahren viel geleistet. Praktisch aus
dem Nichts haben wir eine umweltpolitische Infrastruktur von Gesetzen, Vorschriften und Behörden
auf allen Regierungsebenen geschaffen. Flüsse
geraten nicht mehr aufgrund ihrer Verschmutzung in
Brand. Unsere Luft ist sauberer.
Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben,
daß die letzten 20 Jahre des Umweltschutzes auch
von ernsthaften Versäumnissen gekennzeichnet
waren. Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir
zugeben, daß wir in vielfältiger Weise die Warnungen um uns herum ignoriert haben.
Dreißig Jahre nachdem Rachel Carson in Sllent
Spring warnte, unsere Abhängigkeit von Pestiziden
zu verringern, haben wir unseren Einsatz von
Schädlingsbekämpfungsmitteln verdoppelt. Unsere
Pestizid-Gesetze konzentrieren sich ausschließlich
auf Krebs und ignorieren zunehmende Beweise, daß
Chemikalien negative Auswirkungen auf Schwangerschaften haben, Geburtsfehler verursachen und
unser Immunsystem schädigen können. 25 Jahre
nachdem der mit Abfällen überhäufte Cuyahoga
plötzlich Feuer fing, eignen sich 40 Prozent unserer

AMERIKA DIENST 17

Flüsse und Seen nicht zum Fischen oder Schwimmen. Der einzige Unterschied bei der heutigen
Umweltverschmutzung besteht darin, daß wir sie nicht
sehen können. Im vergangenen Jahr wurde die
Bevölkerung von Milwaukee, New York und Washington angewiesen, ihr Wasser abzukochen. In Milwaukee wurden einige Einwohner krank, andere starben.
20 Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes zur
Reinhaltung der Luft lebt ein Fünftel der Amerikaner 54 Millionen Menschen - in Gegenden mit so hoher
Smogkonzentration, daß die Luft nicht die staatlichen
Qualitätsnormen erfüllt. 14 Jahre nach Love Canal
lebt ein Viertel der Amerikaner vier Meilen von einer
Giftmülldeponie entfernt.
Während meines Lebens hat sich die Weltbevölkerung fast verdoppelt. Bis zu meinem Ruhestand wird
sie von 5,5 Milliarden auf 9 Milliarden ansteigen.
Allein im vergangenen Jahr nahm die Weltbevölkerung um 87 Millionen zu - das entspricht der Gesamtbevölkerung von Mexiko. Um Lester Brown aus
State of the World 1994 zu zitieren: "Wir haben den
ökologischen Raum des Planeten erschöpft."
80 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich als
Umweltschützer. Das amerikanische Volk hat durch
die Wahl von Präsident Clinton eine eindeutige
Botschaft pro Umweltschutz ausgesandt. Aber wie

Seite 1

�Sie alle nur zu gut wissen, beobachten wir auch eine
gut organisierte Hintertreibung des Umweltschutzes.

Ferne operierende Bürokratie.
Umweltdemokratie aufbauen.

Einige prangern "unbegründete Vorschriften" an,
andere fordern weniger umweltpolitische Bestimmungen. Aber wer kann besser als unsere Regierung
unsere Luft, unser Wasser, unser Land und die
Ressourcen schützen, die wir alle teilen müssen?
Wir haben dem Kongreß Vorschläge unterbreitet,
mehr Geld für die Gemeinden zur Verfügung zu
stellen. Wir sind zu mehr Flexibilität bereit. Aber wir
werden keine Abstriche beim Schutz der öffentlichen
Gesundheit machen.

Wir im Umweltschutzamt ändern die Art und Weise,
in der wir die Öffentlichkeit informieren und beteiligen,
um die Mitsprache der Gemeinden zu stärken und
den Menschen die Umweltpolitik näher zu bringen.

Wir hören Proteste gegen sogenannte "Eingriffe" die Macht der Regierung zu Einschränkungen, was
Eigentümer mit ihrem Land machen können. Natürlich unterstützen wir das Recht auf Privateigentum,
vertreten jedoch auch die Auffassung, daß die
Menschen das Recht auf sauberes Wasser, saubere
Luft und eine gesunde Umgebung haben. Diese
Rechte müssen wir schützen. Wir müssen das Gut
des Privateigentums schützen.
Wir vernehmen den Appell des Umweltschutzamts,
mehr "Risikoanalysen", mehr Kosten-Nutzen-Analysen vorzunehmen. Natürlich sind das wertvolle
Instrumente. Natürlich nutzen wir sie. Aber diese
Worte sind zu Codeworten für diejenigen geworden,
die den Umweltschutz schwächen wollen.
Als Antwort auf diese Kritik - und zur Lösung der
verbleibenden Umweltprobleme - benötigen wir
Veränderungen. Die Regierung muß sich verändern.
Und, offen gesagt, muß sich die Umweltbewegung
als Ganzes verändern. Wir müssen eine Umweltdemokratie aufbauen. Wir müssen sicherstellen, daß
jeder ein größeres Mitspracherecht in der Umweltpolitik hat - Gemeindemitglieder, Unternehmer und
Umweltaktivisten gleichermaßen.
Die Clinton-Administration stellt gegenüber der
vorigen Administration eine bedeutende Veränderung dar - eine neue Generation von Umweltschützern. Diese Administration setzt sich entschlossen
für die Ziele im Bereich des Umweltschutzes ein, wie
vom amerikanischen Volk gefordert. Wir sind bei
der Verfolgung dieser Ziele aber auch zu Flexibilität,
Neuerungen und gesundem Menschenverstand
verpflichtet.
Wir müssen uns von umweltpolitischen Vorschriften
auf wirklichen Umweltschutz hinbewegen, der auf
der verstärkten Beteiligung amerikanischer Bürger
an der Erhaltung unserer Erde basiert. Meines
Erachtens leistet eine informierte Gemeinde einen
größeren Beitrag zum Umweltschutz als eine in der

Seite 2

Wir müssen eine

Unsere "Initiative gesunder Menschenverstand" stellt
einen neuen Ansatz im Bereich der Vorschriften dar,
um den uns Umweltschützer und Industrielle seit
Jahren gebeten haben. Wir sehen die Industrie als
Ganzes - eine beeindruckende Verbesserung gegenüber den stückweisen Ansätzen der Vergangenheit.
Wir räumen Unternehmen und Industriezweigen ein
größeres Mitspracherecht bei der Erreichung umweltpolitischer Ziele ein.
Unsere Gesetze zielen ebenfalls auf den Aufbau
einer Umweltdemokratie ab. Wir erkennen die
Notwendigkeit, unsere Gesetze zu ändern und hohe
Umweltnormen zu setzen - und uns die Energien der
Menschen außerhalb Washingtons zunutze zu
machen, um diese Standards zu erreichen.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes zur
Reinhaltung des Wassers vor, um Gemeinden vor Ort
an der Kontrolle Tausender verseuchter Abflüsse
sowie der Planung zur Verhinderung der Verschmutzung ganzer Wassereinzugsgebiete zu beteiligen.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes zur
Reinhaltung des Trinkwassers vor, um Gemeinden
vor Ort nicht nur mehr Geld bereitzustellen, sondern
auch Anreize zu verhindern, daß das Trinkwasser
überhaupt verschmutzt wird. Ein neues Gesetz zur
Reinhaltung des Trinkwassers wird zur Verhütung
von Krisen - wie die Verseuchung von Milwaukees
Trinkwasser - beitragen und sicherstellen, daß der
ganzen Nation sauberes Trinkwasser zur Verfügung
steht.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes über
umfassende Reaktion, Schadenersatz und Haftung
bei Umweltschäden, auch "Superfund" genannt, vor,
um die Gemeinden von Anfang an in den Entscheidungsprozeß über die Entsorgung von Giftmülldeponien einzubeziehen. Wir streben eine schnellere,
fairere und effizientere Gesetzgebung an, um verseuchte Müllhalden einer produktiven Nutzung durch
die Gemeinden zuzuführen.
Jede dieser Initiativen stellt eine Antwort auf Kritik
dar. Jede dieser Initiativen ist eine Abkehr von der
Bundesbürokratie, die machtlosen Gemeinden und
nichtsahnenden Unternehmen willkürliche Einheitsvorschriften aufzwingt - die nicht die erforderlichen
Resultate erzielen. Jede dieser Initiativen wird durch

AMERIKA DIENST 17

�stärkere Beteiligung der Bevölkerung vor Ort zu
besserem Schutz führen.
All das funktioniert jedoch nur, wenn auch die Umweitbewegung als Ganzes ihre Vorgehensweise
ändert - und dessen sind auch Sie sich bewußt. Wir
müssen die Umweitbewegung an der Basis wiederbeleben. Die Schlacht wird außerhalb Washingtons, nicht nur innerhalb der Bundeshauptstadt
geschlagen.
Wir müssen sicherstellen, daß die Mitglieder der
Administration und des Kongresses nicht nur mit
Washingtoner Lobbyisten sprechen, sondern mit
Amerikanern aus allen Lebensbereichen - der Mehrheit der Amerikaner, die sich um ihre Gemeinden
sorgen und einen starken, wirksamen Umweltschutz
wünschen. Wir müssen hart daran arbeiten, die
Kommunikationswege offenzuhalten.
*

AMERIKA DIENST 17

Die Kongreßabgeordneten müssen die Menschen in
ihren Heimatgemeinden anhören, die ihre Gesundheit
schützen und Giftmülldeponien entsorgen möchten Menschen, die Fische aus den Flüssen essen und
sichergehen wollen, daß ihre Kinder das ihnen
vorgesetzte Essen unbedenklich verzehren können.
Und diese Kongreßabgeordneten müssen auch
lernen, daß sie es bei den Wahlergebnissen spüren
werden, wenn sie sich nicht für einen starken Umweltschutz mit Bürgerbeteiligung einsetzen.
Am Tag der Erde wollen wir uns erneut einer Stärkung der Umweitbewegung verschreiben, dem
Aufbau einer neuen Generation von Umweltschützern
- einer neuen Umweltdemokratie.

* * * *

Seite 3

�AIDS
4. Mai 1994

AIDS-KRISE HAT WEITREICHENDE IMPLIKATIONEN
FÜR AMERIKANISCHE POLITIK
Rede von Timothy Wirth
WASHINGTON - (AD) - Die internationale AIDS-Epidemie - früher lediglich als Problem der öffentlichen
Gesundheit betrachtet - hat sich jetzt zu einer Krise mit tiefgreifenden Folgen für die amerikanische
Außenpolitik und die weltweite Zusammenarbeit entwickelt, warnte Timothy Wirth, hochrangiger Berater des
US-Außenministeriums.
"Bis zum Jahr 2000", erklärte er vor einem Unterausschuß des Kongresses am 28. April 1994, "werden 30 bis
40 Millionen Menschen infiziert sein, und die Krankheit wird sich mit einer Quote von zwei bis drei Millionen
neuen Fallen jährlich verbreiten, wodurch sich die Zahl der Infizierten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt."
Ein Grund zur Besorgnis sei insbesondere die "immer offensichtlicher werdende" negative Auswirkung der
Krankheit auf Frauen und Kinder. In vielen Entwicklungsländern seien vor allem die Frauen für den
landwirtschaftlichen Ertrag und die Ernährung der wachsenden Bevölkerung verantwortlich.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede Timothy Wirths vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten, Exportfinanzierung und damit in
Zusammenhang stehenden Programmen.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Mitglieder des
Unterausschusses, ich danke Ihnen für die Einladung, heute über die besorgniserregende und
tragische Ausbreitung von HIV und AIDS zu sprechen. Präsident Clinton hat sie zu Recht als die
"Gesundheitskrise dieses Jahrhunderts" bezeichnet,
und aufgrund des uns jetzt zur Verfügung stehenden
Wissens wird sie in internationalen Angelegenheiten
auch im kommenden Jahrhundert wachsenden
Anlaß zur Sorge bereiten.
Zur Zeit sind mehr als 15 Millionen Erwachsene und
Kinder auf der ganzen Welt mit dem HI-Virus infiziert. Keine Region der Welt wurde von der stetigen, heimtückischen Ausbreitung des mit dieser
Krankheit einhergehenden menschlichen Leidens
verschont, die ärmsten Regionen der Welt waren
jedoch am stärksten betroffen. Mehr als 60 Prozent
(oder 8 Millionen) der HIV-Infektionen fanden im
Afrika südlich der Sahara statt, jeweils 1,5 Millionen
in Südamerika und Südostasien, während in Nordamerika eine Million mit dem Virus Infizierte leben.
Unglücklicherweise setzt die Krankheit ihren Vormarsch mit raschem Tempo stetig fort. Bis zum Jahr
2000 werden 30 bis 40 Millionen Menschen infiziert
sein, und die Krankheit wird sich mit einer Quote von

AMERIKA DIENST 17

zwei bis drei Millionen neuen Fällen jährlich verbreiten, wodurch sich die Zahl der Infizierten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt.
Mit diesen Tendenzen gehen enorme Herausforderungen einher. Unsere erste Hürde ist das Verständnis: AIDS ist nicht länger nur eine Krise der
öffentlichen Gesundheit und des menschlichen
Leidens. Jetzt, und vor allem in der Zukunft, stellt
AIDS ein politisches, soziales, wirtschaftliches,
gesundheits- und sicherheitspolitisches Problem dar,
das tiefgreifende Auswirkungen auf die Außenpolitik
und Führungsrolle der Vereinigten Staaten sowie die
internationale Zusammenarbeit hat.
Im umfassenden Sinn macht die AIDS-Krise harterkämpfte soziale und wirtschaftliche Vorteile zunichte
und zerstört Entwicklungsmöglichkeiten gerade in den
Ländern, die es sich am wenigsten leisten können.
Ich weiß, daß Dr. Helene Gayle sich eingehend damit
befassen wird, die innerhalb und außerhalb der
Administration äußerst wichtige Arbeit bei den amerikanischen und weltweiten Bestrebungen zur Bekämpfung der Ausbreitung von AIDS leistet. Ich möchte
nur darauf hinweisen, daß AIDS die Entwicklung auf
vielen Ebenen und in vielfältiger Weise unterhöhlt von seinen nachteiligen Auswirkungen auf die Er-

Seite 1

�werbsbevölkerung bis zu vergeudeten Bildungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf spezifische
Industriezweige wie die Tourismusbranche. In
einigen der am härtesten betroffenen Regionen
erwarten Experten Verluste des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent oder mehr.
Besondere Sorge bereiten die immer offensichtlicher
werdenden Auswirkungen der Krankheit auf Frauen
und Kinder. Der Anteil der HlV-infizierten Frauen
steigt rapide an, was bedeutende Implikationen für
Entwicklungsbestrebungen auf allen Ebenen hat,
insbesondere für die Landwirtschaft, wo Frauen das
Rückgrat der Bestrebungen sind, in vielen Entwicklungsländern eine immer stärker anwachsende
Bevölkerung zu ernähren. Die Krankheit fordert
auch unter den Kindern der Welt ihren Zoll. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
zufolge werden zu Beginn des 21. Jahrhunderts
zwischen 10 und 15 Millionen Kinder infolge dieser
Krankheit zu Waisen, werden entscheidender
Dienstleistungen (Bildung und Ausbildung sowie
Gesundheitsfürsorge) und der stabilen Familienstruktur beraubt, die sie für ihre Zukunft benötigen.
Für die Amerikaner bedeuten diese Tendenzen noch
mehr quälende Bilder auf den Fernsehschirmen. Die
AIDS-Krise stellt eine zunehmende Herausforderung
für unser Interesse am Aufbau einer wachsenden
Weltwirtschaft sowie für unsere Wettbewerbsfähigkeit
dar. Jeden Tag verstehen wir etwas besser, daß die
Welt unerbittlich immer interdependenter wird und
Amerikas Zukunft untrennbar verbunden ist mit der
gemeinsamen internationalen Priorität, eine Welt
wachsender Chancen und steigenden Wohlstands zu
schaffen.
Das Interesse der Vereinigten Staaten an einer
friedlicheren Welt ist ein zweiter Bereich, der durch
die Ausbreitung von HIV/AIDS beeinträchtigt wird.
Indem sie den Verlust von Entwicklungsmöglichkeiten verschärfen, wirken mit AIDS in Zusammenhang
stehende Tendenzen unserer Priorität entgegen,
demokratische Institutionen und politische Reform,
Rechststaatlichkeit und soziale Stabilität auf der
ganzen Welt zu stärken. In mehreren Ländern sind
die HlV-Infektionsraten unter den Streitkräften
beunruhigend hoch, was Anlaß zur Sorge bereitet die sich unter anderem auch auf die Durchführung
multilateraler Friedenssicherungsoperationen weltweit bezieht.
Tatsächlich bleibt kein Teil unserer Gesellschaft von
HIV/AIDS unberührt: Die Krankheit dringt in verarmte Gemeinden vor sowie in die vergleichsweise
dünne Schicht der sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Führungsriege. Wir stellen zunehmend
fest, daß in vielen Gesellschaften die höchsten

Seite 2

Risikogruppen aus den Reihen der Besten und
Klügsten stammen. Und ebenso wie sie ist auch die
Stabilität der politischen Institutionen gefährdet, von
denen Fortschritte für unsere gemeinsame Zukunft
abhängen.
Drittens bestehen, während sich die Krankheit
ausbreitet und wir ihre Verhütung anstreben, eine
ganze Reihe von Befürchtungen im Bereich der
Menschenrechte, mit denen wir uns befassen müssen. Mindestens 50 Länder verlangen von ausländischen Besuchern explizit einen AIDS-Test.
Zukünftige verstärkte Beschränkungen der Bewegungsfreiheit könnten nicht nur die grundlegenden
Menschenrechte untergraben, sondern auch den
freien Fluß von Arbeitskräften und Kapital behindern.
Wir haben bereits gesehen, wie weit Nationen, die
keine Grundsätze haben, gehen können: Kuba
machte einen äußerst beunruhigenden Vorschlag den es wieder zurückzog - alle HIV/AIDS-positiven
Personen lebenslang unter Quarantäne zu stellen.
Umgekehrt enthalten unsere Bestrebungen zur
Verhinderung weiterer Infektionen eine starke Komponente im Zusammenhang mit der Übertragung von
Rechten und Pflichten an ausgegrenzte und benachteiligte Mitglieder der menschlichen Familie - vor
allem Frauen. Es besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen bildungspolitischen und wirtschaftlichen Chancen sowie der Realisierung von Zielen im
Bereich der Gesundheit.
Herr Vorsitzender, dies sind nur einige der bedeutsamen außenpolitischen Aspekte dieser Krankheit.
Mit der Zeit verstehen wir sie immer besser. Es
sollte festgestellt werden, daß in den zehn Jahren, in
denen AIDS sich in unser nationales Bewußtsein
katapultiert hat, die internationalen Aspekte der
Krankheit nur wenig anerkannt und behandelt wurden.
In diesem Sinne ist es auch wichtig, die Leistungen
der amerikanischen Führung auf internationaler
Ebene anzuerkennen. Mit der führenden Rolle
dieses Unterausschusses und des Senats standen
die Vereinigten Staaten an der Spitze der internationalen Bestrebungen zur Bewältigung der fortschreitenden weltweiten Krise.
Die Bemühungen der Vereinigten Staaten im In- und
Ausland werden von drei übergeordneten Zielen
geleitet: 1. Forschung, 2. Prävention und 3. mitfühlende Pflege von HlV-Infizierten. All diese Bestrebungen werden durch eine zunehmende Konzentration der Außenpolitik auf HIV/AIDS gefördert.
Unsere im Bereich der Forschung unternommenen
Anstrengungen stellen die weltweite Norm dar sowie

AMERIKA DIENST 17

�die Hoffnung auf besseres Verständnis der Krankheit
sowie die Entwicklung von Impfstoffen und Therapien zur Milderung des Leidens und Bekämpfung
des Todes aufgrund von HIV/AIDS. Unser Forschungsetat für biomedizinische und sozialwissenschaftliche Initiativen zusammengenommen beläuft
sich auf nahezu 2 Milliarden Dollar. Und obwohl ich
hier unterstreichen muß, daß wir in absehbarer
Zukunft keine dramatischen bahnbrechenden Erkenntnisse erwarten können, ist es von Bedeutung,
daß wir unsere Bestrebungen zur Verbesserung der
Behandlung und Suche nach einem Impfstoff gegen
die Krankheit fortsetzen, selbst während wir ihre
Ausweitung zu verhindern trachten.
Die Verhütung einer weltweiten Verbreitung dieser
Infektionskrankheit ist eine vordringliche Aufgabe.
Die Gefahr für die Stabilität einzelner Nationen sowie
die Sicherheit und den Wohlstand der Weltgemeinschaft ist einfach zu groß, als daß wir unsere Hoffnungen einzig und allein auf die Wunder der Wissenschaft setzen könnten.
Prävention ist keine einfache Angelegenheit - sie
umfaßt grundlegende Verhaltensänderungen, die
Bereitstellung sicherer Blutkonserven und ein weltweites Angebot von Artikeln wie Kondomen. Dennoch muß es dringende Prioritäten für alle Aspekte
der Außenpolitik geben - insbesondere den Entwicklungsbereich, der zunehmend die entscheidenden
Beziehungen zwischen Investitionen in den sozialen
Sektor (insbesondere das Gesundheitswesen) und
dem Streben nach umweltverträglicher Entwicklung
anerkennt.
Neben der Entwicklung können andere Aspekte
unserer Außenpolitik sowie der zu ihrer Umsetzung
bestimmte Apparat zur Förderung einer internationalen Reaktion auf HIV/AIDS eingesetzt werden. Vor
diesem Hintergrund haben wir im Außenministerium
umfassende, behördenübergreifende Bestrebungen
zur Entwicklung einer koordinierten internationalen
Strategie für die Bekämpfung von HIV/AIDS eingeleitet. Obwohl wir unsere Arbeit noch nicht beendet
haben, kommt eine Reihe wichtiger Themen zum
Vorschein.
Erstens die Notwendigkeit einer weiteren Verbesserung der Verbindungen zwischen unseren innenpolitischen und internationalen Bestrebungen. Im
Forschungsbereich versprechen - wie Dr. Satcher
vom Zentrum für Seuchenbekämpfung im einzelnen
darlegen wird - Informationsaustausch und internationale Zusammenarbeit eine Verbesserung des
Verständnisses des einzelnen von der Krankheit
sowie die Suche nach Impfstoffen und neuen,
verbesserten Behandlungsmethoden. Durch verstärkte internationale Zusammenarbeit an Präven-

AMERIKA DIENST 17

tionsstrategien können wir von unseren Partnern aus
der ganzen Welt mehr über erfolgreiche Strategien
lernen. Auch bleibt im Bereich der Erarbeitung von
Hilfsprogrammen für Entwicklungsländer viel Raum
für Zusammenarbeit. Die Programme des Amts für
internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID) sind weltweit nicht nur die
besten, sondern auch die größten. Unser Jahresetat
in Höhe von ungefähr 120 Millionen Dollar macht
mehr als 50 Prozent der gesamten Hilfe für Entwicklungsländer zur Verhütung von AIDS aus.
Um mit der Größenordnung dieser Bedrohung Schritt
halten zu können, sollten die hervorragenden AIDProgramme uneingeschränkt unterstützt werden. In
gleicher Weise können wir mehr tun, um andere zur
Übernahme ihrer Verantwortung bei der Bewältigung
dieser und anderer globaler Probleme zu ermutigen.
Anfang dieses Jahres trugen unsere Bestrebungen
zur Mobilisierung von Ressourcen Früchte, als Japan
seine Absicht zur Aufstockung der nominalen Investitionen zur Bekämpfung der Bevölkerungsexplosion und AIDS mit Aufwendungen in Höhe von 3
Milliarden Dollar über die nächsten sieben Jahre
hinweg bekanntgab. Die Mobilisierung von Ressourcen sollte unsere höchste internationale Priorität sein.
Multilateral unterstützen wir das gemeinsame und von
den Vereinten Nationen mitfinanzierte HIV/AIDSProgramm, das verspricht, als Modell dafür zu
dienen, was die Vereinten Nationen durch enge,
systematische Koordinierung ihrer Behörden erreichen können. So müssen wir auch die von der
Weltbank übernommene, zunehmend wichtige Rolle
bei der Bereitstellung von Krediten für dringend
benötigte Güter und Investitionen in das Gesundheitswesen unterstützen.
Zweitens, Herr Vorsitzender, müssen unsere diplomatischen Bestrebungen die hohe Priorität eindeutig
unterstreichen, die wir dieser Krise beimessen, sowie
unserer Erwartung, daß unsere internationalen
Partner und Verbündeten die entsprechende Entschlossenheit an den Tag legen. Es gibt keinen
Ersatz für den konkreten Ausdruck der nationalen
Verpflichtung zur Bekämpfung dieser Krankheit. Seit
einiger Zeit in Uganda und seit kurzem in Thailand in
die Wege geleitete erfolgreiche Bemühungen sprechen für die starke und ausdrückliche Unterstützung
von oberster Regierungsebene. Wir können mit den
von uns ausgesandten Signalen höchste Aufmerksamkeit für HIV/AIDS ermutigen, und das werden wir
tun.
Drittens müssen wir in Anerkennung der multisektoralen Art der Reaktionsstrategien sich gegenseitig
verstärkende Verbindungen bei der Bekämpfung der
AIDS-Krise und der Verwirklichung anderer außen-

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�politischer Ziele unterstreichen und fördern - beim
Bevölkerungswachstum, bei Menschenrechten,
Umwelt, Gleichstellung von Frauen und Bekämpfung
des Drogenmißbrauchs.
Viertens müssen wir die Achtung für die grundlegenden persönlichen und politischen Freiheiten fördern,
die durch die Ausbreitung der Epidemie gefährdet
werden könnten. Wir können nicht zulassen, daß
die Opfer zum Sündenbock dieses Problems gemacht werden. Diese Tragödie wird maßgeblich
verschärft, wenn diejenigen, die den schmerzlichen
Zoll von AIDS erleiden müssen, weiter durch ungerechte Bestrafung oder Diskriminierung schikaniert
werden.
Fünftens müssen wir die militärischen Implikationen
dieser Krankheit weiter erforschen. Als einen ersten
Schritt ist verstärkte Zusammenarbeit unter Verteidigungsexperten erforderlich, um die Auswirkungen dieser Krankheit besser zu verstehen und
Strategien zur Verhinderung ihrer Ausbreitung unter
den Soldaten zu erarbeiten. Darüber hinaus müssen
wir auch die Auswirkungen von HIV/AIDS auf internationale Friedenssicherungsoperationen sowie auf
Kampfsituationen sondieren.
Schließlich sind wir uns der Notwendigkeit von
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor bewußt, um
die Auswirkungen von HIV/AIDS auf amerikanische
Unternehmen besser verstehen zu können und an
deren lobenswerten Bestrebungen zur Reaktion auf
die sich abzeichnende Krise mitzuwirken.

Herr Vorsitzender, HIV/AIDS ist Teil eines Korbs
globaler Probleme, die so wenig greifbar wie komplex
sind. Zusammengenommen untenminieren diese
Trends meines Erachtens die kollektiven Bestrebungen der Welt nach umweltverträglicher Entwicklung
und das öffentliche Vertrauen in die Fähigkeit der
Welt, sich mit den langfristigen Geboten der Zeit nach
dem Kalten Krieg auseinanderzusetzen. Ich bin
ferner der Ansicht, daß diese Situation sich verschlechtert, bevor sie besser wird. Man muß nur die
jüngste Titelgeschichte von Robert Kaplan im Atlantic Monthly lesen, um eine anschauliche Darstellung
dessen zu erhalten, was für eine düstere Zukunft
diese Trends prophezeien.
Unser Erfolg bei der Bewältigung dieser neuen
Bedrohungen der nationalen Sicherheit und des
globalen Wohlstands werden in nicht unerheblicher
Weise die Welt beeinflussen, die wir unseren Kindern
und Enkeln hinterlassen. Die Geschichte wird uns
nicht wohlgesonnen sein, wenn wir beim Ausmachen
dieser Probleme und der Reaktion darauf nachlässig
sind. Die HIV/AIDS-Pandemie fällt in diese Kategorie. Glücklicherweise haben wir in weniger als zehn
Jahren wichtige Strategien zur Verhinderung ihrer
Verbreitung und der Bewältigung ihrer Konsequenzen
entwickelt. Zwangsläufig müssen wir diese Bestrebungen fortsetzen und vertiefen. Die Clinton-Administration sieht der Zusammenarbeit mit Ihnen bei
unserer gemeinsamen Sache erwartungsvoll entgegen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 17

�FILM
4. Mal 1994

AUSLÄNDISCHE FILME IN DEN USA
Marketing und Verleih
WASHINGTON - (AD) - Ausländische Filme waren
in den Vereinigten Staaten schon immer ein Problem
- zu esoterisch, zu wortreich, zu prosaisch, zu viele
unbekannte Schauspieler und vor allem zu ablenkend wegen dieser lästigen Untertitel oder schlechten Synchronisation, an die sich die Amerikaner nie
ganz gewöhnt haben. Ausländische Filme mögen
Campus-Intellektuellen und anderen mit einem
außergewöhnlichen Geschmack attraktiv erscheinen,
aber der durchschnittliche amerikanische Kinogänger
sagt: "Für mich nur Hollywood".
Die Kinokassen sprechen für sich. 1992 wurden
beispielsweise mit ausländischen Filmen nur 22
Millionen Dollar auf dem amerikanischen Markt
erzielt - dem Varlety Magazine zufolge nur ein
Bruchteil der Gesamteinnahmen.
Amerikanische Filmverleiher und Filmexperten
stellen jedoch fest, daß die Amerikaner ausländische
Filme in viel größerer Zahl akzeptieren würden,
wenn diese unter Berücksichtigung des amerikanischen Markts gemacht und effizient an eine Zielgruppe vermarktet werden.
Ein gutes Beispiel ist der jüngste Kinoerfolg Belle
Epoque, eine Anfang der dreißiger Jahre vor Ausbruch des Bürgerkrieges in Spanien spielende
knisternde Sexkomödie. Der Film gewann den
diesjährigen Oscar als bester ausländischer Film,
und zur Zeit sind die Kinos landesweit ausverkauft nicht nur die auf ausländische Filme spezialisierten.
"Wir stehen diese Woche an 20. Stelle im Hinblick
auf Zuschauerzahlen - und das bei 200 derzeit
laufenden Filmen", stellt Tom Bernard, Stellvertretender Vorsitzender von Sony Classics Pictures
fest, die den Film in den Vereinigten Staaten verleihen.
Auf die Frage, welchen Rat er ausländischen Produzenten erteilen würde, die einen Kassenschlager bei
den Filmpremieren landen wollen, erklärt Bernard:
"Dem Marketing und Verleih sowie der Größe und
Vielfalt dieses Landes mehr Aufmerksamkeit zu
widmen", und fügt hinzu, "ein Grund für den großen
Erfolg von Belle Epoque ist die Tatsache, daß ein

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gutes Unternehmen wie das unsere, das den Markt
gut kennt, angeheuert wurde."
"Das Geheimnis des Erfolgs eines Films besteht in
der ausgezeichneten Planung und Finanzierung Ihrer
Marketingkampagne, sie flexibel zu gestalten und
genau auf Ihr Ziel zuzuschneiden", erläutert Bernard.
Er stellt fest: "Wenn Ihr Film in einer Stadt gute
Kritiken erhält, muß man sofort daraus Kapital
schlagen, indem man Werbespots in örtlichen Rundfunksendern ausstrahlt, Zeitungsanzeigen plaziert und
so weiter. Wenn der Film von einer Oper handelt,
muß man Listen von Opernfans beschaffen, in
klassischen Musiksendungen Reklame machen etc."
Bernard zufolge ist "ein häufig begangener Fehler,
daß besonders europäische Produzenten große
Summen für Rechte in den Vereinigten Staaten
verlangen. Oft sind wir über das Potential eines
Films geteilter Meinung."
Jack Valenti, Präsident des amerikanischen Filmverbands, stellt fest, ebenso wichtig wie Vermarktung
und Verleih sei die Art des gedrehten Films. In
einem Interview mit Associated Press im vergangenen Jahr führte Valenti aus: "Die Kinos werden keine
Filme zeigen, bei denen sie denken, sie würden Geld
verlieren. Die Anziehungskraft eines Stars ist wichtig.
Jeder kennt Tom Selleck", äußert er mit dem Hinweis
auf Seilecks Rolle in Drei Männer und ein Baby,
dem amerikanischen Remake des französischen
Knüllers mit dem gleichen Titel. "Wenn ich drei
obskure internationale Schauspieler habe, von denen
noch nie jemand etwas gehört hat, ist es schwer,
diesen Film zu verkaufen", fügt er hinzu.
Robert Kolker, Professor an der University of Maryland und Autor von Bestsellern über Filme, vor allem
The Clnema of Lonellness, stimmt zu.
Kolker stellt fest, daß ausländische Produzenten im
wesentlichen zwei Wege zum Erfolg in den Vereinigten Staaten haben: "Entweder müssen sie einen
Film machen, der möglichst wie ein amerikanischer
Film aussieht, oder sie müssen einen Film machen,
der besonders ist und herausragt."

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�"Historisch gesehen war die Zielgruppe für europäische Filme in Amerika ganz anders als die für
amerikanische Filme - zum Beispiel angefangen mit
den italienischen Filmen der frühen fünfziger Jahre
über die französische nouvelle vague Ende der
fünfziger und Anfang der sechziger Jahre bis zum
Wiederauftauchen des deutschen Films Ende der
siebziger und Anfang der achtziger Jahre", erklärt
Kolker. "Aber seit Mitte der achtziger Jahre hat es
in Europa wenig phantasievolle Filme gegeben, was
auf den Rückgang an Subventionen zurückzuführen
sein mag, an die europäische Filmemacher gewöhnt
waren."
Gleichzeitig, so Kolker, sehen die in Europa gedrehten Filme für gewöhnlich "nicht genug wie amerikanische Filme aus, um hier Erfolg zu haben". Europäische Produzenten "müssen anpassungsfähiger
sein", um dies auszugleichen, stellt er fest. Kolker
zufolge haben die Produzenten des holländischen
Films Spurlos den Film praktisch völlig neu auf
englisch gedreht und einige der Darsteller durch
bekannte amerikanische Schaupieler ersetzt, um ihn
für den amerikanischen Markt attraktiv zu gestalten.
Bernard erklärt, die amerikanischen Produktionsstandards und -techniken seien wichtig, betont
jedoch, daß es nicht ein bestimmter Typ europäischer oder ausländischer Filme sei, der in den
Vereinigten Staaten Erfolg hat. "Betrachtet man sich
die Filme, die als beste ausländische Filme ausgezeichnet wurden, so sind sie inhaltlich höchst unterschiedlich."
Douglas Gomery, ein Wirtschaftsfachmann der
Filmindustrie, dessen jüngstes Buch Shared Pleasures von der Geschichte des Kinos handelt,
bemerkt, auch der Zeitpunkt sei wichtig. "Hollywood
plant seine Kassenschlager für den Sommer und
Weihnachten, also sind Frühjahr und Herbst gute
Zeiten für die Vermarktung eines ausländischen
Films in den Vereinigten Staaten."
Gomery rät ausländischen Filmproduzenten jedoch
auch, in anderen Größenordnungen zu denken. "Es
gibt sechs große Hollywood-Studios, die nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern auch weltweit
Büros unterhalten. Sie verleihen und vermarkten in
allen wichtigen Ländern, nicht nur den Vereinigten
Staaten, und besitzen in vielen Ländern Theaterketten. Die größte Theaterkette in Großbritannien und
Kanada gehört einer Hollywood-Gesellschaft."
"Wenn ausländische Unternehmen und Produzenten
wirklich in den Vereinigten Staaten Erfolg haben
wollen, haben sie zwei Alternativen", erläutert Gomery. "Sie könnten ihre Kräfte bündeln, um ein siebtes

großes Hollywood-Unternehmen aufzubauen, oder sie
könnten sich in die bestehenden Hollywood-Firmen
einkaufen."
"Genau das ist übrigens geschehen", fährt er fort.
"Hollywood ist nicht mehr Hollywood. Zwei der
großen sechs - Universal und Sony, eine Tochtergesellschaft von Columbia Pictures, sind in japanischem
Besitz. Fox gehört Rupert Murdoch, einem Zeitungstycoon mit Sitz in Großbritannien und Australien",
äußert Gomery. "Disney, Time-Warner und Paramount sind in amerikanischer Hand. Zur Zeit gibt es
ein siebtes Unternehmen, MGM-UA, das im wesentlichen von einer französischen Bank finanziert wird.
Aber die Firma befindet sich am Rande des Bankrotts", erklärt Gomery.
"Die Bedeutung dieser Wirtschaftsstruktur besteht
darin, daß derzeit nur die großen sechs - drei in
amerikanischer, drei in ausländischer Hand - Ihnen
die entsprechende Publicity für Ihren ausländischen
Film in den Vereinigten Staaten garantieren können.
Wenn Erfolg beim ausländischen Verleih der Schlüssel für Hollywood im Ausland ist - und das ist der Fall
- müssen die Ausländer beim Verleih in den Vereinigten Staaten Erfolg haben, um ihren Film hier publik
zu machen", stellt er fest. "Und das heißt, hier einen
neuen Giganten zu schaffen, sich in die großen
seschs einzukaufen, oder zumindest ein gutes
Geschäft mit einem der Giganten abzuschließen, wie
es den Produzenten von Belle Epoque gelungen ist."
Auf die Frage, ob es hilft, wenn ein ausländischer
Film eine Koproduktion ist, vorzugweise mit einem
Hollywood-Studio, antwortet Gomery: "Natürlich hilft
das. Dies hat eine lange Tradition, die bis in die
zwanziger Jahre zurückreicht, als MGM in das
Koproduktionsgeschäft im Ausland einstieg. Der
Schlüssel ist jedoch Marketing und Verleih. Der
Punkt ist, daß die Koproduktion, an die Sie denken,
Ihnen Zugang zum Vertriebsnetz verschafft oder ihn
zumindest erleichtert", fügt er abschließend hinzu.
Wenn all das gesagt und getan ist, muß das Produkt
aber auch richtig für den amerikanischen Markt sein.
Alle für diesen Bericht befragten Experten stimmten
überein, daß sich die meisten Amerikaner an Actionfilme in Englisch - ohne lästige Synchronisierung - mit
bekannten Stars gewöhnt haben. Diese Gewohnheit
wird schwer zu durchbrechen sein. Ausländische
Produzenten müssen also bereit sein, die Art von
Film zu produzieren, den anzusehen die Amerikaner
bereit sind, und müssen Geschick bei der Werbekampagne und beim Verleih haben, der ihr Produkt auf
den konkurrenzfähigsten Markt der Welt bringen
kann.
* *

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AMERIKA DIENST 17

�FUSSBALL
4. Mai 1994

FUSSBALL IN DEN USA
von Mike Woitalla
In Anbetracht der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA planen wir in den folgenden
Ausgaben von Amerika Dienst eine Artikelserie über Fußball.
Der Verfasser ist langjähriger Redakteur von Soccer America.

Pnin entered a sport Shop in Waindell's Main
Street and asked for a football. The request was
unseasonable but he was offered one.
"No, no," said Pnin, "I do not wish an egg or, for
example, a torpedo. I want a simple football.
Round!"
And with his wrists and palms he outlined a
portable world. It was the same gesture he used
in class when speaking of the "harmonical wholeness" of Pushkin.
The salesman lifted a finger and silently fetched
a soccer ball. "Yes, this I will buy," said Pnin
with dignified satisfaction.
Aus Vladimir Nabokov's Roman Pnin, 1953.

Pnin, ein in die Vereinigten Staaten eingewandeter
russischer Professor, schenkt seinem in Amerika
geborenen Sohn den Fußball als Geburtstagsgeschenk, nur um die Abneigung seines Sohnes gegen
diesen Sport zu hören zu bekommen. Der Ball wird
aus dem Fenster geworfen und schwimmt in einem
Bach davon.
Vierzig Jahre später geben die Amerikaner rund 50
Millionen Dollar pro Jahr für Fußbälle aus, die von
ihren Kindern gerne angenommen werden, und
Fußball ist zum am schnellsten wachsenden Mannschaftssport geworden.

AMERIKA DIENST 17

Dennoch ist Fußball in den Vereinigten Staaten
irgendwie ein Paradoxon. Die Anzahl der Spieler
nimmt insbesondere unter den Jugendlichen jedes
Jahr zu, unter den älteren Durchschnittsamerikanern
herrscht jedoch eine generelle Gleichgültigkeit
gegenüber diesem Sport vor. Selbst im Jahr 1993
würde Pnins Wunsch einen verwirrten Blick hervorrufen.
Fußballfans verweisen auf den Erfolg des Sports auf
Amateurebene unter den Jugendlichen. Fußball ist
heute nach Basketball der populärste Mannschaftssport im Land. Dem Soccer Industry Council of
America zufolge spielten 1992 nahezu 15 Millionen
Amerikaner das Spiel mindestens einmal, und fünfeinhalb Millionen spielten mehr als 25 Mal.
Innerhalb einer Generation erlebte der Jugendfußball
eine dramatische Zunahme. Drei Viertel der amerikanischen Spieler sind unter 18. Im Jahr 1974 hatte die
amerikanische Fußball-Jugendliga 100.000 eingetragene Spieler. Heute zählt sie über 100.000 Mannschaften und 1,9 Millionen eingetragene Spieler - und
das beinhaltet nicht die High School- oder CollegeMannschaften.
Vertretern der Organisation zufolge hat die Anzahl
der in der Jugendliga eingetragenen Spieler seit 1974
jede Saison zugenommen. Unter den Mädchen ist
der Trend noch deutlicher, die jetzt mindestens 30
Prozent der jungen Spieler des Landes ausmachen.
In den weiterführenden Schulen zeichnet sich dasselbe Bild ab. 1972 gab es 2.290 High School-Jungenmannschaften in den Vereinigten Staaten. Heute
sind es 7.025, und die Zahl der Mädchenmannschaften beläuft sich inzwischen auf 4.665.

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�Obwohl dies offensichtlich ein Ergebnis der von
Tausenden Kindern in der Jugendriege geschaffenen
Nachfrage ist, begrüßen auch Schulen mit finanziellen Engpässen den Sport. Für die zur Ausrüstung
eines einzigen amerikanischen Football-Spielers
erforderlichen Summe kann eine Schule eine ganze
Fußballmannschaft ausrüsten.
Auch die Eltern loben Fußball als idealen Jugendsport im Gegensatz zu Baseball und Football, bei
denen Verletzungen relativ häufig sind. Die Spieler
sind weder wie bei Football und Baseball auf bestimmte Positionen beschränkt, noch ist die Körpergröße so entscheidend wie bei Basket- und Football.
Amerikanische Mannschaften Im internationalen
Wettbewerb
Wie durch die Erfolge der amerikanischen Nationalmannschaften in jüngster Vergangenheit unter
Beweis gestellt, ist Qualität in der Tat mit Quantität
einhergegangen. Zum ersten Mal seit 40 Jahren
qualifizierte sich das amerikanische Team 1990 für
den World Cup. Bei der Juniorenweltmeisterschaft
1989 belegten die USA bei den Männern den vierten
Platz und erreichten bei der alle zwei Jahre stattfindenden Austragung im Jahr 1993 wieder die
zweite Runde.
Die Vereinigten Staaten gewannen 1991 bei der
ersten je in diesem Sport ausgetragenen FrauenWeltmeisterschaft. Während auf hoher Ebene
organisierter Frauenfußball jedoch weltweit ein
relativ neues Phänomen ist, sehen sich die amerikanischen Männer immer noch einem mühsamen
Kampf auf der internationalen Bühne ausgesetzt.
"Unser größtes Problem ist, daß wir keine Profi-Liga s
haben", erklärt Trainer Bora Milutinovic, der Serbe,
der Mexiko für die Weltmeisterschaft 1986 und Costa
Rica für 1990 trainierte, bevor er 1991 das amerikanische Team übernahm. "Unsere Spieler sehen sich
nicht mit den wöchentlichen, das ganze Jahr über
stattfindenden Wettkämpfen konfrontiert wie die
Spieler der übrigen Welt."
Kurz nach seiner Übernahme führte Milutinovic die
Vereinigten Staaten zu den regionalen Meisterschaften, dem CONCACAF (Confederation of
Central and North America and the Caribbean) Gold
Cup. Daß Milutinovic sein Team wahrscheinlich in
die zweite Runde der Weltmeisterschaft 1994
bringen wird, spricht für die großen Fortschritte, die
das amerikanische Spiel gemacht hat.
1985 wurden die Vereinigten Staaten von Costa
Rica, einem Land mit zwei Millionen Einwohnern, in
der Weltmeisterschafts-Qualif ikationsrunde aus dem

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Wettbewerb geworfen. Acht Jahre später könnten die
Vereinigten Staaten kurz davor stehen, ein legitimer
Konkurrent der führenden Fußballnationen der Welt
zu werden. Jüngste Siege über Mannschaften aus
Irland, Mexiko und Portugal sowie ein Unentschieden
gegen Italien, Rußland und Dänemark geben den
amerikanischen Fans Grund zu Optimismus, obwohl
diese Spiele reine Freundschaftsspiele waren.
Milutinovic wird sich auf amerikanische "Legionäre"
stützen wie Dänemark, als es 1992 die Europameisterschaft gewann, obwohl es keine eigene Profi-Liga
hat. Eine Reihe von Spielern in der amerikanischen
World Cup-Gruppe zeichnen sich jetzt in England
(Kasey Keller, John Harkes), Deutschland (Eric
Wynalda, Brent Goulet) und Spanien (Tab Ramos)
aus.
Der Kalifomier Wynalda wurde in Deutschland sofort
zum Star, nachdem er von den Bay Blackhawks in
San Francisco zum FC Saarbrücken gewechselt
hatte. "In San Francisco dauerte es drei Jahre, bevor
mich jemand auf der Straße erkannte", erzählt er. "In
Saarbrücken dauerte es zwei Wochen."
Den amerikanischen Hoffnungen weiteren Auftrieb
verleihen Spieler mit lockeren Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten. Der Bundesligastar Tom Dooley
begann 1991 für die Vereinigten Staaten zu spielen,
nachdem sich herausstellte, daß sein Vater ein in
Deutschland stationierter amerikanischer Soldat war.
Dooley betrat zum ersten Mal amerikanischen Boden,
um für die Nationalmannschaft zu spielen.
Stürmer Roy Wegerle aus Coventry in Großbritannien
ist in Südafrika geboren, aber amerikanischer Staatsbürger mit einer amerikanischen Frau und kann so im
amerikanischen Team spielen. Er besuchte die
University of South Florida.
Die Mehrzahl der Spieler in Milutinovics Mannschaft
hat eine Collegeausbildung durchlaufen - ein weiterer
außergewöhnlicher Aspekt des amerikanischen
Sports. Collegesport ist in den Vereinigten Staaten
so ausgezeichnet, daß das wichtigste College-Basketballturnier - das NCAA - zu den Fernsehübertragungen mit den höchsten Einschaltquoten zählt.
Während College-Fußball äußerst sielten im Fernsehen gesendet wird und nur eine Handvoll Mannschaften regelmäßig mehr als 2.000 Zuschauer
anlocken, bietet es den Spielern Stipendien. Die
Kosten für Ausbildung, Unterkunft und Verpflegung rund 20.000 Dollar pro Jahr in einer Privatuniversität stellen einen attraktiven Anreiz für die jungen Spieler
dar.

AMERIKA DIENST 17

�Spieler, die einen Collegeabschluß anstreben,
kommen für gewöhnlich aus der Mittelschicht. Die
zahlreichen hispanischen Talente - die hispanische
Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zählt über
20 Millionen und viele haben Wurzeln in Ländern, in
denen Fußball gespielt wird - könnten übersehen
werden, wenn die Colleges weiterhin das Hauptrekrutierungsfeld der Nationalmannschaft bleiben.

Eine Erklärung ist, daß den Zuschauern sehr wenig
Fußballspiele angeboten werden. Das von dem
amerikanischen Fernsehsender ABC am 13. Juni
1993 übertragene Spiel zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland war das erste Mal seit dem
Endspiel der Weltmeisterschaft 1986, daß ein internationales Spiel von einem größeren amerikanischen
Fernsehsender ausgestrahlt wurde.

Langsam werden Schritte unternommen, um Fußball
in den Städten populär zu machen, und in der
amerikanischen Nationalmannschaft sieht man
zunehmend hispanische Spieler. 1992 könnte durch
den College-Meister, die University of Virginia, ein
Trend eingeleitet worden sein, als eine Mischung
weißer, hispanischer und schwarzer Spieler beeindruckenden Fußball bot und alle Gegner beherrschte. Die Spieler verkörperten die Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung besser als jeder andere College-Meister je zuvor.

Der größte Test wird natürlich die Weltmeisterschaft
1994 sein, wenn den Amerikanern mehr Fußball als
je zuvor geboten wird. Die Spiele um den World Cup
werden in neun Städten ausgetragen. Zum ersten
Mal werden alle 52 Spiele live in den Vereinigten
Staaten übertragen.

Der Journalist Paul Gardner, der seit den sechziger
Jahren über amerikanischen Fußball berichtet,
vertritt die Auffassung, wenn lateinamerikanische
Talente aktiver in das Spiel integriert würden, ergäbe
sich im amerikanischen Fußball ein Stil, der dem
brasilianischen Fußballspiel ähnelt. Diese Art von
Fußball, meint er, wird die Menschen in die Stadien
locken.
"Wenn wir über die Gründung einer Profi-Liga
sprechen, müssen wir auch an das Produkt selbst
denken: den Sport", erklärt Gardner. "Denken Sie
an die Spiele: Baseball, Basketball, Football. In
diesem Land muß Fußball auf höchstem Niveau
geboten werden, um auf Profi-Ebene Erfolg zu
haben."

Skeptische Medien
Trotz der wachsenden Zahl von Spielern und der
bevorstehenden Weltmeisterschaft läßt der kommerzielle Erfolg des Fußballs in den Vereinigten
Staaten noch auf sich warten. Dies könnte auf die
demographische Zusammensetzung der amerikanischen Fernsehzuschauer zurückzuführen sein. Als
Sports lllustrated, die am meisten gelesene Sportzeitschrift Amerikas, 1991 eine Umfrage unter 2.320
Erwachsenen durchführte, äußerten nur neun
Prozent der Befragten Interesse an dem Spiel und
setzten es auf Platz 25 von 28 Angaben.
Der deutsche Fußballstar Jürgen Klinsmann, bekannt
für seine Publicityscheu, erklärt, er mache immer in
den Vereinigten Staaten Urlaub, "um dem Fußball zu
entfliehen".

AMERIKA DIENST 17

Optimisten sind der Auffassung, diese spektakuläre
Austragung werde schließlich die Amerikaner überzeugen, daß Fußballspiele es wert sind, gesehen zu
werden. Viel wird davon abhängen, wie die Vereinigten Staaten gegen die besten Spieler der Welt
abschneiden.
Ein weiterer Test besteht in der Reaktion der Medien.
Obwohl das Spiel unter Sportreportern einige Freunde gefunden hat - wie bei George Vecsey von der
New York Times - ist es für die meisten Kolumnisten
immer noch nicht der Rede wert. Als die Vereinigten
Staaten 1988 zum Gastgeber der Weltmeisterschaft
1994 nominiert wurden, brachten Massen von Reportern ihre Verachtung zum Ausdruck. Ein beliebter
Ausspruch war, bei dem Spiel gebe es so wenig
Tore, daß es "so spannend sei wie Farbe trocknen zu
sehen".
Der Sportjournalist Brian Lincicome von der Chicago
Tribüne schrieb, die Ankündigung der Weltmeisterschaft war "nicht überraschender als die Erklärung,
der nächste Weltkrieg werde ausschließlich in der
Schweiz geführt".
Massive Ausschreitungen bei Spielen im Ausland
wurden ein bevorzugtes Argument, auch wenn sie
gar nichts mit dem Sport selbst zu tun hatten. Der
Pulitzerpreis-Gewinner Mike Royko von der Chicago
Tribüne erklärte das schlechte Benehmen von Fans
folgendermaßen: "Vielleicht weil es das einzige Spiel
ist, bei dem die Spieler ihren Kopf zum Schießen des
Balles benutzen. Angenommen die Fußballfans
spielen selbst Fußball, könnten all die Kopfbälle ihr
Gehirn zermatschen."
Daß solche Gefühle nicht repräsentativ für die Nation
sind, wurde deutlich, als sich die Rekordzahl von 27
Städten als Austragungsorte von Weltmeisterschaftsspielen bewarb.

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�Darüber hinaus tritt eine neue Generation von Sportjournalisten auf. Während der Tage der Nordamerikanischen Fußball-Liga (North American Soccer
League - NASL) schickten die Zeitungen Reporter
ohne Fußballerfahrung zur Berichterstattung über die
Spiele. Heute sind in den Nachrichtenagenturen
Männer und Frauen, die an dem Mitte der siebziger
Jahre begonnenen Jugendfußballboom teilhatten. In
Städten, in denen Weltmeisterschaftsspiele ausgetragen werden, haben die dortigen Zeitungen - wie die
Chicago Sun Times, Washington Post und Dallas
Morning News - wöchentliche Fußballbeilagen
eingeführt.
Das federführenden internationale Gremium der
Spiele, die FIFA (Federation Internationale de Football Associaton), wählte die Vereinigten Staaten als
Austragungsland der Weltmeisterschaft in dem
Versuch, die letzten Schranken einzureißen. Seine
Absichten waren nicht rein altruistisch. Amerikanische Unternehmen, die als Sponsoren Millionen für
Reklame auszugeben haben, machen die Nation
attraktiv für große Sportveranstaltungen. Firmen wie
Coca-Cola, General Motors, McDonalds und Gillette
geben im Ausland als Sponsoren von Weltmeisterschaften jeweils 15 bis 20 Millionen Dollar aus.
Die Probleme der Profi-Ligen
Als die Vereinigten Staaten 1988 die Ausschreibung
gewannen, ging die FIFA davon aus, daß es bis
1992 eine Profi-Liga geben würde. Dies ist jetzt auf
1995 verschoben worden.
FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter stellt fest: "Als
wir die Entscheidung trafen, den Vereinigten Staaten
die Ausrichtung der Spiele zu gestatten, hatten wir
zwei Ziele. Wir wollten das Spiel in diesem riesigen
Land bekannt machen, und wir wollten es in den
Vereinigten Staaten auf die Profi-Ebene bringen."
Eine Profi-Fußball-Liga wird jedoch nicht nur um die
Dollar der Fans, sondern auch um Femsehübertragungszeit mit dem amerikanischen Football,
Baseball, Basketball und Hockey konkurrieren
müssen.
Der Präsident des amerikanischen Fußballbundes
(U.S. Soccer Federation - USSF) Alan Rothenberg
erklärt: "Im Augenblick entwerfen wir einen Arbeitsplan... Die Profi-Liga ist nicht leicht zu machen - es
gibt kein Allheilmittel. Sie benötigt beträchtliches
Investitionskapital über einen langen Zeitraum
hinweg und vielleicht eine robustere Volkswirtschaft."
Der nordamerikanische Fußballbund (North American Soccer League -NASL) wurde 1968 gegründet.
Während seines 16jährigen Bestehens machte er die

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Amerikaner mit Weltklassespielern bekannt und trug
zweifelsohne zur Verbreitung der Jugend-Ligen bei.
1975 landete New York Cosmos einen Coup, indem
man Pele, den größten Spieler aller Zeiten, mit einem
Dreijahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar aus dem
Ruhestand lockte. Die Zukunft sah vielversprechend
aus. Der hervorragende Brasilianer spielte häufig vor
über 50.000 Zuschauern. Mehrere Mannschaften
konnten Zuschauerquoten von über 30.000 pro Spiel
verzeichnen. Berauscht vom Erfolg holte Cosmos
weitere Stars wie Franz Beckenbauer im Jahr 1977.
Das Spiel Beckenbauers und von Stars wie Johan
Cruyff, Carlos Alberto und Johan Neeskens begann
die Amerikaner zu begeistern. 1977 kam der Höhepunkt, als 78.000 Fans das Entscheidungsspiel im
Giants Stadium in New Jersey sahen. Im Moment
war Fußball schick, und in den Umkleideräumen
waren nach dem Spiel Berühmtheiten wie Robert
Redford, Mick Jagger, Rod Stewart und Henry Kissinger zu finden.
Aber die NASL-Clubs wurden zu optimistisch und
kauften immer mehr Topspieler, deren Ablösesummen und Gehälter die Mannschaftskassen leerten.
Zwischen 1977 und 1978 stieg die Zahl der LigaMannschaften von 18 auf 24 - ein Zuwachs, den sie
nicht verkraften konnte.
Am Ende konnte der NASL seine Jugendsünden und
die Fehler seiner Besitzer nicht ausmerzen. Der
Cosmos-Geschäftsführer Clive Toye sagte von den
neuen Besitzern, die nach 1977 in die Liga kamen:
"Viele der neuen Clubs gehörten arroganten Männern, die sich weigerten, in Jugendzentren und der
Gemeinde zu werben - wo in der Vergangenheit die
Wurzeln unseres Erfolges lagen." Die Liga gab 1984
auf.
Aber in demselben Jahr war Fußball der größte
Magnet bei der Olympiade von Los Angeles. 1,4
Millionen Fans besuchten Fußballspiele und über
100.000 das Endspiel.
Für die Weltmeisterschaft 1994 verkaufen sich die
Eintrittskarten so schnell - 600.000 im ersten Monat daß der Ausverkauf der 3,6 Millionen Plätze möglich
erscheint. Aber wird der gleiche Enthusiasmus einer
amerikanischen Profi-Liga zuteil, die nicht von dem
Fieber einer Weltmeisterschaft begleitet wird?
Hallenspiele
Der Profi-Hallenfußball hat sich in den Vereinigten
Staaten auf einzigartige Weise entwickelt. Während
das Spiel für gewöhnlich außerhalb der Saison in der
Halle gespielt wird, damit die Spieler fit bleiben,

AMERIKA DIENST 17

�machte die führende Hallenfußball-Liga (Major
Indoor Soccer League - MISL) es zur Alternative zu
den Spielen im Freien und übernahm in den letzten
Jahren der nordamerikanischen Fußball-Liga sogar
einige NASL-Spieler.
Häufig wird gesagt, dem Fußball gelänge es nicht,
den Appetit der amerikanischen Sportfans und
Journalisten auf Statistiken zu befriedigen. Die
Architekten der amerikanischen Hallenspiele gaben
sich große Mühe, ihrem Hunger nach Statistiken
gerecht zu werden. Die Fähigkeit des Torwarts zur
Verteidigung des Tors wurde nicht nur in eintausendstel Prozentpunkten umschrieben, sondern den
Abwehrspielern, die die meisten Schüsse verhinderten, wurden auch Auszeichnungen verliehen.
Verglichen mit dem populären amerikanischen Sport
bot Fußball dem amerikanischen Publikum nicht
genügend Unterbrechungen. Einem Sportereignis
beizuwohnen und dem Feld 45 Minuten lang ununterbrochen ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen,
eine 10minütige Pause in der Halbzeit zu haben,
und dann weitere 45 Minuten zuzusehen, war vor
Bekanntwerden des Fußballs in der Tat unerhört.
Der amerikanische Sportfan beobachtet natürlich die
Aktionen auf dem Spielfeld, nutzt aber die Chance
der häufigen Auszeiten um zu essen, zu trinken und
sich an sonstigen Unterhaltungen wie den Einpeitschern, einer Tombola oder der Aufzeichnung des
Spielstands zu erfreuen.
Der Hallenfußball versuchte wiederum, den Sport zu
amerikanisieren. Das Spiel wurde in Viertel- statt
Halbzeiten unterteilt und Auszeiten wurden eingeführt. Tänzer, Jongleure und andere Unterhaltungskünstler übernahmen während der Pausen das
Spielfeld, und selbst im Verlauf des Spiels ertönte
Musik aus den Lautsprechern.
Während des 12jährigen Bestehens der MISL spielten zu unterschiedlichen Zeiten 32 Mannschaften,
aber als sie aufgab, waren es nur sieben. Pro Spiel
sahen durchschnittlich 8.000 Fans zu, aber durch
Fernsehübertragungen konnte kein Geld eingenommen werden.
Im Juni 1993 riefen die Besitzer der nationalen
Basketball-Liga (National Basketball League - NBA)
eine neue Hallenfußball-Liga ins Leben. Sie sehen
sie als Chance, um ihre Stadien und Mitarbeiter
außerhalb der Basketballsaison zu nutzen. Die acht
Mannschaften wollen den Spielern während der
dreimonatigen Saison zwischen 6.000 und 9.000
Dollar bezahlen.
Jerry Buss, der Besitzer des Los Angeles Lakers
Basketballteams mußte zusehen, wie seine letzte

AMERIKA DIENST 17

Hallenfußball-Mannschaft Millionen Dollar vor leeren
Rängen verlor. Er bezweifelt, daß die Amerikaner
ihre Sommerabende in der Halle verbringen wollen.
"Ich weiß nicht, ob Hallenfußball im Sommer gut
geht", stellt er fest. "Aber ich weiß, daß es im Winter
nicht funktioniert."
Die nationale Profi-Fußball-Liga (National Professional Soccer League - NPSL) mit ihren 13 Mannschaften besteht seit 1984 und führte solche Tricks ein wie
drei Punkte für ein aus über 15 Metern erzieltes Tor,
zwei Punkte für reguläre Tore und einen Punkt für ein
beim sogenannten Elfmeterschießen errungenes Tor.
Damit erhält das Spiel nicht nur mehr Statistiken,
sondern auch mehr Tore.
Trotz ihres Durchhaltevermögens hat die NPSL
mehrere Clubs, die am Rande des Konkurses operieren, und es ist keine Saison vergangen, ohne daß ein
Club schließen mußte. Ihre gewöhnlichen Spieler
erhalten kein volles Gehalt.
Was immer die Zukunft des Hallenfußball sein mag,
sein Beitrag zur Popularität des Fußball in den
Vereinigten Staaten ist fraglich. Paul Gardner, der für
die Puristen unter den Fußballfans sprach, schrieb
zum Ende der MISL: "Von Anfang an war die MISL
ein Parasit im wirklichen Fußball. Sie zog Energie,
Geld und Talent vom Fußball im Stadion ab." Obwohl der Hallenfußball dem Sport einige neue Fans
eingebracht haben mag, könnte er den Durchschnittsamerikaner über die wahre Natur des Sports verwirrt
haben.

Jetzt ein amerikanisches Spiel
Seit dem Ende der NASL sind eine Reihe von
Fußball-Ligen in der amerikanischen Sportszene
aufgetaucht, aber mit Ausnahme der führenden
Hallenfußball-Liga (MISL), die 1992 nach 12 Jahren
ein Ende nahm, waren alle bestenfalls Halbprofis.
Die amerikanische Profi-Fußball-Liga (American
Professional Soccer League - APSL) beendete die
Saison 1993 mit fünf Mannschaften, 1993 kamen drei
kanadische Teams hinzu. Durchschnittlich verdienten
die Spieler, was im amerikanischen Profisport einem
Almosen gleichkommt - rund 10.000 Dollar für die
fünfmonatige Saison. (Das Durchschnittsgehait eines
Spielers in der führenden Baseball-Liga beträgt in
den Vereinigten Staaten 1 Million Dollar).
Die APSL wird vom amerikanischen Fußballbund als
Profi-Liga angesehen, aber im Plan des Fußballbundes für eine Profi-Liga nimmt die APSL einen von
vier Zweitligistenplätzen ein. Die anderen drei

Seite 5

�Zweitligistenplätze sind ebenso wie die erste Division
unbesetzt.
Die überregionale Fußball-Liga der Vereinigten
Staaten (United States Inter-regional SoccerLeague
- USISL) ist ein landesweiter Zusammenschluß von
40 Clubs in fünf Regional-Ligen. Sie hat keinen
Ehrgeiz, eine führende Liga zu werden und beschreibt sich selbst als zwischen der zweiten und
dritten Division liegend.
Fußball hat über die Jahre Interesse bei kleineren
Ligen wie dieser erweckt, und keine ist je zur führenden Liga aufgestiegen. Wenn eine nationale ProfiLiga entsteht, kommt sie von oben wie die NASL.

Toye ist der Ansicht, daß Investoren für eine neue
Liga gefunden werden können, wenn ein solider Plan
vorgelegt wird, der erläutert, wie in der Vergangenheit
begangene Fehler nicht wiederholt werden.
"Die NASL hat ein Erbe hinterlassen", so Toye.
"Fußball ist nicht länger ein komisches, von Ausländern gespieltes Spiel. Es ist jetzt ein amerikanisches Spiel, und die Söhne und Töchter von Abteilungsleitern großer Unternehmen spielen es."
In der Tat. Und auch die Kinder von Präsident
Clinton und Vizepräsident AI Gore spielen Fußball.

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Seite 6

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AMERIKA DIENST 17

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