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                  <text>^roN

&lt;&lt;/

^

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

23. März 1994

12

BOSNIEN

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG
DES BOSNIEN-VERTRAGS
Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER: UN-RESOLUTION IST
NÄCHSTER SCHRITT IN KOREANISCHER
PATTSITUATION
Auszüge aus Fernsehinterviews

NAHER OSTEN

USA BEFÜRWORTEN UN-RESOLUTION
ZU HEBRON TROTZ EINWÄNDEN GEGEN
SPRACHREGELUNG
Botschafterin Albright zur Resolution
über die besetzten Gebiete

VERTEIDIGUNG

USA SOLLTEN EHEMALIGE SOWJETUNION
WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Interview mit Verteidigungsminister Perry

DIE US-MILITÄRSTRATEGIE FÜR DIE
NEUNZIGER JAHRE
von General John Shalikashvili

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 33 41 02

�BOSNIEN
23. März 1994

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG
DES BOSNIEN-VERTRAGS
Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge ist das am 18. März 1994 zwischen Vertretern Bosniens und
Kroatiens unterzeichnete Abkommen über eine Föderation "das erste klare Signal", daß die kriegführenden
Parteien in Bosnien-Herzegowina "die Gewalt beenden und einen Prozeß des Wiederaufbaus beginnen wollen".
Vor der Unterzeichnungszeremonie beiwohnenden Journalisten bezeichnete Clinton das Dokument als "gleichermaßen von Bedeutung für die Zukunft Kroatiens wie Bosniens" und fügte hinzu, "alle Anwesenden hegen
die Hoffnung, daß die Serben sich ebenfalls an diesem Friedensprozeß beteiligen".
Clinton warnte jedoch, die unterzeichneten Dokumente seien "nur ein erster Schritt" zur Beendigung der
ethnischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien, und weder die Vereinigten Staaten noch die internationale
Staatengemeinschaft "können den Erfolg dieser Initiative garantieren".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten.
Präsident Izetbegovic, Präsident Tudjman, Ministerpräsident Silajdzic, Herr Zubak. Der Außenminister,
der Nationale Sicherheitsberater, der Vizepräsident
und ich freuen sich über den heutigen Anlaß, bei dem
außer Ihnen der Stellvertretende russische Außenminister Vitali Tschurkin, als Vertreter der Troika der
Europäischen Union die Außenminister Griechenlands
- Herr Papoulias -, Belgiens - Herr Claes - und Deutschlands - Herr Kinkel - anwesend sind. Und natürlich
auch David Owen und Thorvald Stoltenberg, die KoVorsitzende der internationalen Konferenz waren.

Konsequenzen jedoch tragischer als im ehemaligen
Jugoslawien. Dort verüben durch serbische Aggression angeheizte nationalistische und religiöse Gruppen Akte ethnischer Säuberung und brutale Greueltaten.

Das heute unterzeichnete Abkommen ist das erste
klare Signal, daß die kriegführenden Parteien in Bosnien-Herzegowina die Gewalt beenden und einen Prozeß
des Wiederaufbaus beginnen wollen. Die Vereinbarungen fordern eine Föderation zwischen den Muslimen und Kroaten in Bosnien. Diese muslimischDarüber hinaus sind wir erfreut, daß dieser Zeremonie kroatische Einheit hat dem Prinzip einer Konföderation
ebenfalls die Botschafter der UNPROFOR-Nationen mit Kroatien zugestimmt. Zusammengenommen können
beiwohnen, die so aktiv auf Frieden und die Erhaltung diese Schritte zur Förderung des Ideals eines multiethdes Friedens hingearbeitet haben: General Shalikash- nischen Bosnien beitragen und die Grundlage für ein
vili, Botschafterin Albright und Kongreßabgeordnete. erneutes Zusammenleben von Muslimen und Kroaten
als friedliche Nachbarn und Landsleute bieten.
Wir sind Zeuge eines Augenblicks der Hoffnung geworden. Seit 33 Monaten wütet Krieg in den Nationen Diese Abkommen sind gleichermaßen von Bedeutung
des ehemaligen Jugoslawien. Mit der heutigen Unter- fü r die Zukunft Kroatiens wie Bosniens. Alle Anwesenzeichnung dieses Abkommens haben die Vertreter den hegen die Hoffnung, daßdie Serben sich ebenfalls
Bosniens und Kroatiens gehandelt, um diesen Krieg zu an diesem Friedensprozeß beteiligen.
beenden und den schwierigen Prozeß der AussöhDie Abkommen sind Beweis für die Ausdauer und
nung in die Wege zu leiten.
Entschlossenheit vieler Menschen - der kroatischen
Auf der ganzen Welt stellen die Spannungen zwischen und bosnischen Diplomaten, die unermüdlich auf den
ethnischer Identität und Souveränität einesdergroßen Frieden hinarbeiteten, der heute hier vertretenen UNProbleme unserer Zeit dar. Nirgendwo waren die Soldaten aus vielen Ländern, die dem Land Stabilität

AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�und humanitäre Hilfslieferungen brachten, und der
NATO-Piloten, die dazu beitrugen, unsere Macht in
den Dienst der Diplomatie zu stellen.

Arrangements für die neue Föderation müssen eine
Chance zu ihrem Funktionieren erhalten. Der Waffenstillstand zwischen den Streitkräften der kroatischen
und bosnischen Regierung muß andauern. Die KroaIch möchte die Führung und den Mut derjenigen wür- ten und Muslime, die mit solcher Intensität gekämpft
digen, die zur Unterzeichnung dieser Abkommen nach haben, müssen jetzt dieselbe Intensität zur WiederherWashington gekommen sind, insbesondere der Präsi- stellung von gewohnheitsmäßiger Toleranz und Kodenten Izetbegovic und Tudjman. Anerkennung ge- existenz an den Tag legen.
bürt auch den unermüdlichen Bestrebungen Thorvald
Stoltenbergs und David Owens sowie natürlich Cyrus Die Frage der Region Petrinja in Kroatien muß gelöst
Vance.derheutenichtzugegenist. Besonders hervor- werden. Serbien und die bosnischen Serben können
heben möchte ich meine persönliche Anerkennu ng der sich nicht ihrer Verantwortung entziehen, wenn ein
geschickten Diplomatie von Botschafter Charles Red- dauerhafter Friede erlangt werden soll.
man. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit.
Die neuen Fortschritte bei der Schaffung des Friedens
Diese Menschen haben alle viel dazu beigetragen, um werden wahrscheinlich von Demagogen scharf kritidieses Maß an Einigung zu erzielen. Durch die Arbeit siert - von verbrecherischen Schützen, von allen, die
Botschafter Redmans und in vielfältiger anderer Weise aus einer Fortsetzung von Gewalt, Aggression und
hat unsere Administration mit unseren NATO-Bündni- menschlichem Leiden Profit ziehen wollen. Solchen
spartnern, der Europäischen Union, Rußland, den Angriffen muß mit derselben Beständigkeit und FühVereinten Nationen und anderen an der Beendigung rungsstärke begegnet werden, wie sie bei der Ausdieses Konflikts zusammengearbeitet. Die Tatsache, handlung dieser Abkommen gezeigt wurden.
daß wirdiesesErgebnisdurchZusammenarbeit erzielt
haben, macht einen bedeutenden Unterschied. Ich Weder die Vereinigten Staaten noch die internationale
möchte dem Stellvertretenden Außenminister Ruß- Staatengemeinschaft können den Erfolg dieser Initialands für seine erneuten Anstrengungen auf diesem tive garantieren. Die Vereinigten Staaten haben jeGebiet und unsere gemeinsamen Hoffnungen danken. doch den Konfliktparteien zur Seite gestanden, als sie
um des Friedens willen Risiken eingingen, und wir
Wir haben uns für diese Bestrebungen engagiert, weil werden das weiterhin tun. Ich habe den Präsidenten
für die Vereinigten Staaten eindeutige Interessen auf Izetbegovic und Tudjman mitgeteilt, daß die Vereinigdem Spiel stehen - das Interesse an der Verhinderung ten Staaten bereit sind, einen Beitrag zu dem diese
einer Ausweitung des Krieges in Europa, ein Interesse Abkommen unterstützenden wirtschaftlichen Wiederdaran zu beweisen, daß die NATO eine glaubwürdige aufbau zu leisten. Unser Land ist, wie ich bereits
Kraft für den Frieden ist, ein Interesse daran, die erwähnte, bereit, sich im Rahmen der NATO an der
schrecklichen, destabilisierenden Flüchtlingsströme Umsetzung einer akzeptablen, durchsetzbaren Löeinzudämmen, die dieser Konflikt hervorbringt und sung zu beteiligen.
natürlich das uns allen gemeinsame humanitäre Interesse an der Beendigung des fortgesetzten Abschlach- In ganz Bosnien und Kroatien waren einst Gemeiden
und ganze Völker durch alte Brücken miteinander
tens Unschuldiger in Bosnien.
verbunden, wie die große Steinbrücke in Mostar, die
Die unterzeichneten Dokumente sind nur ein erster jahrhundertelang stolzes Symbol der Stadt war. AllzuSchritt, aber eindeutig ein Schritt in die richtige Rich- viele dieser Brücken sind jetzt zerstört oder gewaltsam
tung. Wenn er zu einer umfassenden Verhandlungs- gesperrt. Die Herausforderung für die Konfliktparteien
lösung führt und in diesem vom Krieg erschütterten besteht in der Wiederherstellung der Bande, für die
Land einen dauerhaften Frieden schafft, wird diese diese Brücken einst standen. Die Ankündigung, daß
Zeremonie als ein bedeutendes Ereignis in Erinnerung die Brücke der Brüderlichkeit und Einheit in Sarajevo
bleiben. Ob das im Nachhinein geschehen wird, hängt bald wieder geöffnet wird, ist ein hoffnungsvolles
weniger von den hier geäußerten Worten ab als von Anzeichen dafür, daß die Parteien mit der Überwinden heutigen und zukünftigen Aktionen der Muslime, dung der durch Haß und Gewalt geschaffenen SpalKroaten und Serben.
tung beginnen können.
Dokumente wie diese können zwar die Parameterdes
Friedens definieren, dieser Frieden muß jedoch von
den in der Region lebenden Menschen geschaffen
werden. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische

Die vor uns liegende Arbeit ist wirklich enorm, aber die
gesamte internationale Staatengemeinschaft hat sich
der Hilfe verpflichtet. Gemeinsam wollen wir nach
Frieden streben.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

r
v

�AUSSENPOLITIK
23. März 1994

CHRISTOPHER: UN-RESOLUTION IST NÄCHSTER
SCHRITT IN KOREANISCHER PATTSITUATION
Auszüge aus Fernsehinterviews
WASHINGTON - (AD) - In Fernsehinterviews mit CBS "Facethe Nation", CNN "Late Edition" und MacNeil/
Lehrer "Newsmaker Interview" erklärte Au ßenminister Christopher am 18. und 20. März 1994, die Vereinigten
Staaten und Nordkorea hätten bei der Inspektion von Nuklearanlagen eine Pattsituation erreicht und der nächste
Schritt sei eine UN-Resolution.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Interviews in wesentlichen Auszügen.

Streben die Vereinigten Staaten UN-Handelssanktionen gegen Nordkorea an?
Ich möchte Ihnen kurz die Situation erläutern. Unser
Ziel ist eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel das bedeutet sowohl Nord- als auch Südkorea -, und
wir haben dieses Ziel seit geraumer Zeit mit ziemlich
aggressiver Diplomatie verfolgt. Bedauerlicherweise
befinden wir uns in einer Pattsituation.
Im Augenblick geht es um zwei Dinge. Erstens wollen
wir, daß Nordkorea uneingeschränkten Inspektionen
zustimmt, und zweitens soll der Dialog mit Südkorea
über die Entnuklearisierung fortgesetzt werden.
Es scheint jedoch, daß beides festgefahren ist. Erstens werden die Inspektionen offenkundig nicht beendet, und zweitens hat Nordkorea die Gespräche mit
Südkorea unterbrochen. Wie ich bereits sagte, sind
wir in eine Pattsituation geraten.
Morgen wird die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) zusammenkommen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststellen, daß
die Inspektionen unzureichend sind und die Angelegenheit an die Vereinten Nationen weiterleiten.
Wir streben eine Resolution an. Wir werden diesen
Weg verfolgen. Wir werden auch noch andere Schritte
unternehmen, aber diese Maßnahmen werden bei den
Vereinten Nationen ergriffen.
Wir stellen uns auf Handelssanktionen ein, was jedoch
genau bei den Vereinten Nationen geschieht, bleibt bis
nächste Woche abzuwarten. Wir wollen sicher sein,
daß alle Mitglieder des Sicherheitsrats und der Vereinten Nationen unserem Vorgehen zustimmen.
AMERIKA DIENST 12

Kann bei den Nahost-Friedensgesprächen die Frage
der Besiedlung bis zu Gesprächen über den endgültigen Status zurückgestellt werden?
Auf diese Position haben sich die beiden Parteien
verständigt. Laut der Grundsatzerklärung zwischen
Israelis und Palästinensern soll die Besiedlung als
Angelegenheit des endgültigen Status entschieden
werden - das heißt, nach der Umsetzung der Grundsatzerklärung haben sie zwei Jahre Zeit für Verhandlungen. Dies ist eine sehr schwierige Frage, und die
Parteien haben vereinbart, daß sie zu diesem Zeitpunkt erörtert wird.
Im Zusammenhang mit der Durchführung der Grundsatzerklärung gibt es viele Aspekte der Besiedlung, auf
die man sich konzentrieren muß. Ich möchte daher
nicht sagen, daß alle Aspekte bis zur Entscheidung
über den endgültigen Status anhängig sind. Die Entscheidung der endgültigen Besiedlung fällt jedoch
unter den endgültigen Status, und es gibt eine Reihe
von Sicherheitsproblemen. Ministerpräsident Rabin
hat klargestellt, daß ihm die Notwendigkeit neuer Sicherheitsbeziehungen bewußt ist, und darüber wird
gesprochen.
Am Freitag vergangener Woche gelang uns die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Palästinensern und den Israelis über Sicherheitsfragen, und
heute kommen sie zur Erörterung dieses Themas in
Tunis zusammen.
Was muß Nordkorea tun, um die Übung "Team
Spirit" zu verhindern?
Das ist praktisch unmöglich. Wenn sie die Inspektoren
wieder zulassen und wenn sie sagen würden: "Gut, wir
Seite 1

�führen Gespräche mit Südkorea, wir entsenden Gesandte." Ich fürchte jedoch, daßdie Sache dafürschon
zu weit gegangen ist. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Meines Erachtens wird es Gespräche zwischen uns
und den Südkoreanern geben, bei denen das richtige
Datum für die Wiederaufnahme festgesetzt wird.
Steht die Stationierung von Patriot-Raketen in
Südkorea bevor?
Das ist eine Frage des Zeitpunkts. Meiner Ansicht
nach werden die Diskussionen zwischen den Militärs
entscheiden, wann genau sie dort stationiert werden.
Es wird jedoch nicht mehr lange dauern.
Wird China UN-Sanktionen gegen Nordkorea unterstützen?
Als ich in China war, haben wir diese Frage erörtert.
Meines Erachtens sollten wir berücksichtigen, daß es
sowohl im Interesse Chinas als auch in unserem
Interesse liegt, die nukleare Aufrüstung in Nordkorea
zu verhindern. Chinahatdasselbelnteressewiewiran
einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel und
hat dies zum Ausdruck gebracht. China hat uns
ermutigt, den diplomatischen Weg einzuschlagen und
sehr sorgfältige Schritte zu unternehmen.
Wenn die Angelegenheit an die Vereinten Nationen
weitergeleitet wird, wollen wir sicherstellen, daß alle
anderen Mittel erschöpft sind. Sollte dies der Fall sein,
hoffe ich, daß man bereit ist, die Sanktionen nicht zu
blockieren, wenn es zu einer Abstimmung kommt.
Würde China sich bei der Abstimmung über Sanktionen der Stimme enthalten?
Wir haben keine solchen Zusagen. China hat uns
jedoch ermutigt, geduldige Diplomatie zu verfolgen.
Und wir hegen die Hoffnung, wenn wir dies tun, wenn
wir Schritt für Schritt vorgehen und zeigen, daß wir die
diplomatischen Mittel ausgeschöpft haben, wird China
die Abstimmung nicht blockieren. Wie Sie wissen, war
China bisher in den Vereinten Nationen zur Unterstützung bereit. Es gab eine frühere Resolution, die
Nordkorea zum Einlenken aufforderte, und die Chinesen haben sie unterstützt.
Der Hauptgrund dafür ist - und dies gilt für gewöhnlich
für alle Nationen - daß es in ihrem Eigeninteresse liegt.
China tut dies nicht, um nett zu den Vereinigten Staaten zu sein. China tut es aufgrund der Sorge um die
Nuklearisierung Nordkoreas, die unserer entspricht.
Wir haben jedoch zweifelsohne alles in unserer Macht
Stehende für einen Dialog getan. Wir haben Nordkorea gesagt, daß wir zu einer dritten Runde des Dialogs
bereit wären, wenn Inspektoren zugelassen und weitere Gespräche mit Südkorea geführt würden. Wir
sind aber in eine Pattsituation geraten. Und ich habe
das Gefühl, wenn wir sorgfältig und schrittweise mit
den Chinesen vorgehen, werden sie feststellen, daß
es in ihrem Eigeninteresse liegt.
Seite 2

Wir unterhalten häufig Beziehungen zu Nationen, mit
denen es ein heikles Thema gibt, deren Zusammenarbeit wir jedoch zu einem anderen Thema benötigen,
und wir erhalten sie, weil es in ihrem und unserem
Interesse liegt.
Erwägen die Vereinigten Staaten die Entsendung
weiterer Truppen nach Südkorea?
Wir haben zur Zeit 37.000 Soldaten dort stationiert.
Uns liegen keine Anträge unserer Kommandeure für
weitere Truppenentsendungen vor. Sie können jedoch versichert sein, daß wir uns schützen. Wir
unterhalten Sicherheitsbeziehungen zu Südkorea. Wir
sind entschlossen, sie zu schützen. Wir wollen keine
Konfrontation. Wenn es jedoch zu einer Konfrontation
kommt, sind wir sicher, daß wirdie Oberhand behalten.
Was ist Ihre Reaktion auf die Aussage des nordkoreanischen Chefunterhändlers, ein Krieg sei unvermeidbar?
Wir haben diese Art von Rhetorik schon vorher von
Nordkorea gehört.
Wir lassen uns dadurch nicht einschüchtern, das kann
ich Ihnen versichern. Wir werden tun, was im Interesse
der Vereinigten Staaten und ihrer Vertragspartner, der
Südkoreaner, liegt. Wir waren bis jetzt in unserer
Diplomatie sehr geduldig mit Nordkorea. Wir wollen
Nordkorea nicht in eine Konfrontation drängen, haben
jedoch meines Erachtens den Punkt erreicht, an dem
es keine andere Wahl als die Anrufung des UNSicherheitsrats gibt, weil der Internationalen Atomenergie-Organisation die Art von Inspektionen einfach
nicht erlaubt wurden, die sie wollten.
Die Vereinigten Staaten haben ein sehr starkes Sicherheitsengagement für Südkorea, und wir werden
Südkorea schützen und obsiegen.
Können die Vereinigten Staaten bei einer internationalen Präsenz in Hebron eine Rolle spielen?
Wie Sie wissen, einigten sich drei der Parteien am
vergangenen Freitag auf die Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen: Syrien, der Libanon und Jordanien. Ebenfalls letzten Freitag beschlossen Israelis
und Palästinenser, eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erörtern. In diesen Gesprächen wollen
sie überlegen, wie sie den Palästinensern mehr Sicherheit gewähren können. Ministerpräsident Rabin
hat die Notwendigkeit erhöhter Sicherheit anerkannt.
In der vergangenen Freitag angenommenen UNResolution wurde auf die Möglichkeit einer vorübergehenden internationalen Präsenz Bezug genommen.
Diese Forderung wird auch in der Grundsatzerklärung
der Palästinenser und Israelis gestellt. Sie wird Bestandteil der heute in Tunis beginnenden Verhandlungen zwischen den Palästinensern und Israelis sein.
Die Parteien sollen jedoch der internationalen Präsenz

AMERIKA DIENST 12

�Friedensgespräche. Die drei arabischen Länder, die
einer Rückkehr an den Verhandlungstisch zugestimmt
haben, werden den Gesprächen einen gewissen
Es wird sich herausstellen, was die Parteien in diesem Schwung verleihen und die Rückkehr der PLO erleichZusammenhang vorhaben. Die Frage, ob die Verei- tern.
nigten Staaten am besten geeignet sind, hier eine
Rolle zu spielen, muß noch von den Parteien beant- Wie Sie wissen, bin ich der Ansicht, daß die Länderder
arabischen Welt einen Hang zur Zusammenarbeit
wortet werden.
haben. Der PLO-Vorsitzende Arafat wird von der
Sind Sie optimistisch, daß die Serben dem Ab- Tatsache angespornt, daß die führenden Politiker dreier
kommen zu Bosnien beitreten werden?
anderer Länder sich den Friedensgesprächen wieder
anschlössen. Meiner Ansicht nach wird ihn das zur
Meines Erachtens sind wir hier auf dem richtigen Weg.
Rückkehr an den Verhandlungstisch ermutigen und
Wir haben vergangenen Freitag einen sehr bedeutenihm die nochmalige Versicherung geben, daß eine
den Schritt unternommen. Der nächste Schritt wird der
Rückkehr erforderlich ist. Das werden ihm auch die
Versuch sein, die begründeten Forderungen der Ser- Gespräche bestätigen, die er heute mit Ministerpräsiben zu erfahren und dann mit ihnen Gespräche zu dent Rabin führt sowie die Erörterung der Sicherheit im
führen. Es gibt Gründe, warum die Serben jetzt Westjordanland.
vielleicht zur Rückgabe eines Teilgebietes bereit sein
und eine friedliche Lösung ermöglichen könnten.
Was wird Arafat von Rabin verlangen?
zustimmen, so wie in der Grundsatzerklärung gefordert.

.
i

Ich vermute, daß sie einen beträchtlichen Teil des jetzt Hier ist eine Vielzahl von Dingen im Spiel. Wie Sie
in ihrem Besitz befindlichen Gebietes zurückgeben wissen, war Ministerpräsident Rabin sehr offen als er
werden.
hier erklärte, wir verstünden die Sicherheitsbelange
der
Palästinenser. Es wird vieles erörtert, wobei die
Ich möchte keine Zahlen nennen, aber die beiden
Polizei
einen Aspekt darstellt. Vielleicht besteht in
Gruppen - Kroaten und Muslime - könnten mehr als 50
Zukunft
auch die Möglichkeit einer internationalen
Prozent bekommen, wodurch diese Einheit viel lebensPräsenz.
fähiger würde.
Ich möchte jedoch nicht die Gespräche zwischen den
Parteien vorwegnehmen. Es werden intensive DebatDas wird vom Kriegsverbrechertribunal entschieden. ten sein. Ich hege jedoch große Hoffnungen, daß sie
Er gehört meines Erachtens jedoch zu denjenigen, die eine Grundlage für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche für sich selbst sowie die drei anderen
in Frage kommen.
Parteien finden werden.
Und was ist mit dem serbischen Präsidenten MiloStehen Rabin und Arafat in telefonischem Konsevic?
takt?
Darüber wird das Kriegsverbrechertribunal entscheiden. Ich bin sicher, daß es über viele Menschen ein Ja, sie haben diese Woche zwei- oder dreimal miteinander telefoniert. Es ist ein gutes Zeichen, daß sie in
Urteil fällen wird.
der Lage sind, am Telefon miteinander zu sprechen;
Die Vereinigten Staaten sind ein entschiedener Befür- diese langjährigen eingeschworenen Feinde haben
worter des Kriegsverbrechertribunals. Wir leisten hierzu jetzt einen Dialog begonnen.
nicht nur einen Beitrag in Form von Personal, sondern
Welche Bedeutung hat das Abkommen zwischen
auch von Geld.
den bosnischen Muslimen und den bosnischen
Wie ist der Stand der Dinge bei den Friedensge- Kroaten?
sprächen zwischen Israel und der PLO?
Es stellt einen wichtigen Schritt dar. Es ist ein sehr
Heute fand ein Telefongespräch zwischen dem PLO- wichtiger Baustein. Wenn man zu dem Gebiet, das
Vorsitzenden Arafat und dem israelischen Ministerprä- den Bosniern anscheinend in Genf angeboten wurde sidenten Rabin statt. Meiner Meinung nach leitet es ungefähr 32 oder 33 Prozent - die 17 Prozent der
eine Reihe von hochrangigen Kontakten zwischen kroatischen Gebiete zählt, erhält man ein sehr viel
diesen beiden Ländern ein. Es soll über die Sicherheit lebensfähigeres Gebilde von ungefähr 51 Prozent.
in den besetzten Gebieten gesprochen werden, und Darum könnte es hier gehen. Es löst auch eine Anzahl
ich denke und hoffe, daß das zu einer frühzeitigen von Problemen, beispielsweise den Zugang zum Meer
Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen für die Muslime.
diesen beiden Parteien führt.
Folglich war das hier in Washington ein guter Tag für
Sie wissen beide, daß die wirkliche Hoffnung in der den Frieden, ein äußerst wichtiger Schritt. Es liegt
Umsetzung der Grundsatzerklärung liegt. Daher ist noch ein weiter Weg vor uns, denn bevor nicht die
das meines Erachtens ein guter Tag für die Nahost- bosnischen Serben einbezogen worden sind, gibt es
Ist Serbenführer Karadzic ein Kriegsverbrecher?

v

«

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�natürlich keine Zusicherung für Frieden. Das ist meines Erachtens der nächste Schritt. Jetzt lösen die
Muslime und Kroaten ihre Probleme - wie Sie wissen,
haben sie sehr intensiv gekämpft, so daß tatsächlich
der Krieg beendet werden kann, wenn sie ein Abkommen schließen, wie das der Fall war. Wir werden ihre
begründeten Forderungen sondieren, und es werden
Gespräche mit den Serben aufgenommen.

Welche Rolle spielt die amerikanische Diplomatie?
Vor ungefähr einem Monat - Anfang Februar, wenn ich
mich richtig erinnere - beschlossen die Vereinigten
Staaten, wieder eine sehr starke Führungsrolle an der
diplomatischen Front zu übernehmen.

Die Europäer blickten auf uns und sagten: "Unseres
Es werden dauernd Gespräche geführt. Beispielswei- Erachtens kann dieses Problem nicht ohne Eure Interse erörterten die Serben und die Bosnier die Öffnung vention gelöst werden." So begannen wir diesen
der Straßen nach Sarajevo, was heute morgen in der Prozeß, und der erste von uns unternommene - relativ
Entscheidung gipfelte, dies zu tun. Zur Zeit ist in kühne - Schritt besagte: "Warum versuchen wir nicht,
Bosnien sehrviel in Bewegung, und großenteils ist das zuerst die Kroaten und Muslime zusammenzubringen
äußerst vielversprechend. Die Waffenruhe in Saraje- um zu sehen, ob wie diesen Teil des Krieges nicht
vo hält. Anscheinend wird der Flugplatz von Tuzla beenden und als Baustein nutzen können. Diese
Schwelle haben wir überschritten. Unser nächster
geöffnet.
Schritt mu ß darin bestehen, uns den Serben zuzuwenAndererseits werden die Kämpfe in anderen Gebieten den."
fortgesetzt. Folglich gibt es vielversprechende Entwicklungen, aber es bleibt noch viel Arbeit zu leisten.

* *

Seite 4

AMERIKA DIENST 12

�NAHER

OSTEN
23. März 1994

USA BEFÜRWORTEN UN-RESOLUTION ZU HEBRON
TROTZ EINWÄNDEN GEGEN SPRACHREGELUNG
Botschafterin Albright zur Resolution über die besetzten Gebiete
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben für die Resolution des UN-Sicherheitsrats über
die Situation in den besetzten Gebieten gestimmt, erklärte die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, obwohl sie Einwände gegen einige Sprachregelungen der Resolution haben.
Albright legte am 18. März 1994 die Beweggründe der Vereinigten Staaten für ihr Abstimmungsverhalten dar
und erklärte: "Wir haben eine kollektive Verantwortung gegenüber den Menschen im Nahen Osten und der
internationalen Staatengemeinschaft, Extremisten und Terroristen daran zu hindern, die Hoffnung auf ein
normales Leben in Frieden zu zerstören."
Die Vereinigten Staaten haben Einwände gegen die Bezeichnung "besetzte palästinensische Gebiete" in der
Resolution und gegen die Bezugnahme auf Jerusalem, teilte sie mit, entschieden sich jedoch, sich bei diesen
Artikeln der Stimme zu enthalten und nicht ihr Vetorecht auszuüben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Botschafterin Albrights im Wortlaut.

Herr Präsident, die Mitglieder des Sicherheitsrats sind
sich der derzeit schwierigen Situation im Nahen Osten
bewußt. Mutige führende Politiker beider Parteien im
arabisch-israelischen Konflikt haben die Entscheidung
getroffen, jahrzehntelanges Blutvergießen zu beenden und Frieden zu schaffen. Am 13. September
vergangenen Jahres wurde mit der Unterzeichnung
der Grundsatzerklärung durch Israel und die PLO
sowie den Händedruck zwischen Ministerpräsident
Rabin und dem PLO-Vorsitzenden Arafat ein historischer Schritt unternommen. Die internationale Staatengemeinschaft und die Vereinten Nationen verliehen
ihrer überwältigenden Unterstützung fürdiesen außergewöhnlichen Akt der Versöhnung Ausdruck.

Die internationale Staatengemeinschaft war von Abscheu erfüllt. Der Ministerpräsident Israels verurteilte
im Namen seiner Nation diese Tat, verlieh seiner
Beschämung Ausdruck und ergriff schnelle Maßnahmen zur Untersuchung des Verbrechens und Verhinderung einer Wiederholung. Auch Präsident Clinton
faßte das Entsetzen des amerikanischen Volkes über
diese schreckliche Mordtat in Worte, und gemeinsam
mit anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats verurteilen wir heute dieses Massaker aufs schärfste.

Herr Präsident, meine Regierung ist entschlossen zu
verhindern, daß Extremisten und Terroristen den Friedensprozeß unterminieren oder stören. Sie wollen die
Israelis und Palästinenser in die Dunkelheit endlosen
Seitdem haben die Unterhändler guten Glaubens Konflikts und Blutvergießens zurückzerren. Wir haben
versucht, Einigung über die Umsetzung der Grund- eine kollektive Verantwortung gegenüber den Mensatzerklärung zu erzielen, während auf beiden Seiten schen im Nahen Osten und der internationalen StaaExtremisten Gewalt und Terrorismus zum Mittel nah- tengemeinschaft, Extremisten und Terroristen daran
men, um den Frieden zu zerstören. 33 Israelis wurden zu hindern, die Hoffnung auf ein normales Leben in
getötet - unschuldige Opfer palästinensischer Extre- Frieden zu zerstören.
misten. Am 25. Februar, im heiligen Monat Ramadan,
wurden in der Stadt Hebron über 30 unschuldige Es gibt auf das Massakervon Hebron nureine Antwort.
Palästinenser von einem extremistischen israelischen Sie liegt in dem heutigen Aufruf des Sicherheitsrats an
Siedler beim Gebet in der Abraham-Moschee nieder- Israel und die PLO, ihre Bestrebungen zu verdoppeln,
die Verhandlungen zügig zum Abschluß zu bringen
geschossen.

AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�und mit der unverzüglichen Umsetzung ihres Abkommens zu beginnen. Die Vereinigten Staaten sind
gemeinsam mit den russischen Vermittlern bereit,
alles zur Erreichung dieses Ziels Erforderliche zu
unternehmen.
Herr Präsident, es ist das Ziel, dem Friedensprozeß zu
dienen und ihn zu schützen, das meine Regierung wenn auch widerstrebend - zu der schwierigen Entscheidung geführt hat, die Verabschiedung dieser
Resolution heute trotz unserer Einwände gegen einige
ihrer Sprachregelungen zu ermöglichen. Meine Regierung hat heute in Washington mehrere Schritte
bekanntgegeben, die der Wiederaufnahme des Friedensprozesses im Nahen Osten dienen. Erstens
haben sich Syrien, Jordanien und der Libanon auf die
Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen mit Israel
im April geeinigt. Zweitens - und von besonderer
Bedeutung für die heute erörterte Resolution - haben
Israel und die PLO auf höchster Ebene intensive
Gespräche geführt. Sie haben sich schließlich auf die
Einberufung eines hochrangigen Treffens geeinigt,
dessen Zeitpunkt in den nächsten Tagen bekanntgegeben wird.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die vom Rat
soeben verabschiedeten Artikel der Resolution über
das operative Vorgehen. Wir haben jedoch eine
Abstimmung über jeden einzelnen Artikel dieser Resolution angestrebt, weil wir unsere Einwände gegen die
dort eingeführte Sprachregelung festhalten wollten.
Ich möchte eindeutig klarstellen: Wäre diese Sprachregelung in den Artikeln über das operative Vorgehen
aufgetaucht, hätten wir von unserem Vetorecht Gebrauch gemacht. Wir stimmen in der Tat heute gegen
eine Resolution in der Kommission über den Status
von Frauen eben weil sie impliziert, daß Jerusalem
"besetztes palästinensisches Gebiet" ist.
Wir sind gegen die Bezeichnung dervon Israel im Krieg
von 1967 besetzten Gebiete als "besetztes palästinensisches Gebiet". Aus der Sicht meiner Regierung
könnte die Sprachregelung verwendet werden, um
Souveränität anzudeuten - eine Tatsache, die den
Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO zufolge
in Verhandlungen über den endgültigen Status der
Gebiete entschieden werden muß. Wie zwischen
ihnen vereinbart, werden diese Verhandlungen nicht
später als zwei Jahre nach der Umsetzung der Grundsatzerklärung aufgenommen.
Obwohl meine Regierung unsere Sichtweise bekräftigt, daß die Vierte Genfer Konvention vom 12. April
1949 auf die von Israel seit 1967 besetzten Gebiete
Anwendung findet, lehnen wir die spezifische Bezugnahme auf Israel in dieser Resolution ab und werden
eine solche Einfügung in künftigen Resolutionen ebenfalls ablehnen. Wie ich bereits erwähnte, hätten wir
von unserem Vetorecht Gebrauch gemacht, wenn
diese Sprachregelung in die Artikel über das operative
Vorgehen aufgenommen worden wäre. Die amerika-

Seite2

nische Regierung hat sich statt dessen dafür entschieden, von dieser Sprachregelung Abstand zu nehmen
und ihre Ablehnung durch Stimmenthaltung bei den
Artikeln 2 und 6 der Präambel zum Ausdruck gebracht.
Wir enthalten uns der Stimme bei diesen beiden Artikeln, weil wir wollen, daß kein Zweifel an unserer
Verurteilung des Massakers besteht und wegen unseres vordringlichen Anliegens, den Friedensprozeß zu
schützen und zu fördern sowie aufgrund unseres
Wunsches nach möglichst baldiger Wiederaufnahme
der Verhandlungen.
Jerusalem ist das problematischste Thema, das bei
diesen Verhandlungen angesprochen wird. Um Präsident Clintons Worte vom 16. März zu zitieren: "Im
Hinblick auf die Resolution zu Jerusalem hat sich die
Position der Vereinigten Staaten nicht geändert. Die
Entscheidung liegt jedoch bei den Parteien. Und im
Einklang mit der Erklärung ist es etwas, das endgültig
zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Das
sollte unserer Ansicht nach getan werden." Gemäß
der Grundsatzerklärung ist es ein Thema, das Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO zufolge in den
Verhandlungen über den endgültigen Status behandelt werden soll. Meine Regierung vertritt nicht die
Auffassung, daß eine solche Formulierung zu Jerusalem wie in dieser Resolution den Verhandlungen förderlich ist. Sie könnte Vorurteile schaffen oder den
Ausgang der Verhandlungen nachteilig beeinflussen.
Der Sicherheitsrat sollte die Vereinbarung zwischen
den Parteien in diesem Zusammenhang respektieren.
Herr Präsident, die Vereinigten Staaten haben dieses
ungewöhnliche Vorgehen heute nachmittag erbeten,
um eindeutig klarzustellen, daß wir keine Bestrebung
des Sicherheitsrats unterstützen können und wollen,
die zu einer Beeinträchtigung des Nahost-Friedensprozesses führen könnte. Es ist an Israel und den
Palästinensern - nicht den Vereinten Nationen - die
erforderliche harte Entscheidung für das Versprechen
des Friedens am Verhandlungstisch zu treffen, damit
er zur Realität des Friedens im Land werden kann.
Die vorliegende Resolution verweist auch auf zu ergreifende Maßnahmen, um die Sicherheit und den
Schutz palästinensischer Zivilisten zu garantieren und

eventuell eine zeitweilige internationale oder ausländische Präsenz einzubeziehen. Der letztere Punkt
bezieht sich auf die Grundsatzerklärung, die die Möglichkeit einer solchen Präsenz vorsieht, wenn die Parteien
sich darauf verständigen. Wenn meine Regierung in
diesem Bereich etwas Hilfreichestun kann, streben wir
die Unterstützung der gegenseitigen Wünsche der
Parteien an.
Herr Präsident, diese Resolution signalisiert den Willen der internationalen Staatengemeinschaft zu Frieden im Nahen Osten. Das Ziel der Vereinigten Staaten
und der Russischen Föderation als Vermittler besteht
in der Beschleunigung der Verhandlungen und dem

AMERIKA DIENST 12

*

�Versuch, sie in möglichst kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Herr Präsident, meine Regierung ist optimistisch, daß
die heute in Washington angekündigten Schritte zur
Wiederbelebung des Friedensprozesses zu konkreten
Leistungen in den Verhandlungen zwischen den Parteien führen werden. Ohne das Vertrauen in die

baldige Wiederaufnahme des Friedensprozesses wären
positive Maßnahmen zu dieser Resolution heute nicht
möglich gewesen.
Ich weiß, meine Kollegen teilen meine Hoffnung, daß
bald das Versprechen Wirklichkeit werden kann, das
wir alle mit diesem denkwürdigen Händedruck im
September verbinden.

* * * *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
23. März 1994

USA SOLLTEN EHEMALIGE SOWJETUNION
WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Interview mit Verteidigungsminister Perry
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sollten ihre Hilfe für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion
"auf die Dinge konzentrieren, die für uns von Vorteil sind, ungeachtet des Erfolgs der Reformen", erklärte USVerteidigungsminister William Perry.
"Das anschaulichste Beispiel hierfür ist vielleicht die Beseitigung der ballistischen Interkontinentalraketen
(intercontinental ballistic missiles - ICBMs) in der Ukraine", erklärte Perry in einem am 15. März 1994 in der
Zeitung USA Today erschienenen Interview.
Der Verteidigungsminister äußerte sich in seinem Gespräch mit den Zeitungsredakteuren auch zu Bosnien,
Somalia, Nordkorea und China.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Transkription des von Minister Perry gegebenen Interviews.

Sollten die Vereinigten Staaten der ehemaligen
Sowjetunion weiterhin Hilfe leisten?
Unseres Erachtens sollten wir unsere Hilfe auf die
Dinge konzentrieren, die für uns von Vorteil sind,
ungeachtet des Erfolgs der Reformen. Unsere Programme - gemeinsame amerikanisch-russische,
amerikanisch-ukrainische und amerikanisch-kasachische Programme - sind tatsächlich darauf ausgerichtet, ihnen auf Gebieten zu helfen, die für unsere
nationale Sicherheit von Bedeutung sind.

den Gefechtsköpfen von SS-19 und SS-24 beladenen
Züge auf ihrem Weg nach Rußland bereits die russische Grenze überquert hätten. Diese Raketen werden
ihnen zufolge von den Abschußvorrichtungen bei
Pervomaysk entfernt. Ich fragte Präsident Krawtschuk, ob er Minister Radetsky gestatten würde, mich
während meines Besuchs nach Pervomaysk mitzunehmen, damit ich den Demonatageprozeß mit eigenen Augen sehen könnte. Der Präsident stimmte zu,
und ich erwarte somit, daß ich in der kommenden
Woche diese Frage besser beantworten kann.

Das anschaulichste Beispiel hierfür ist vielleicht die
Beseitigung der ballistischen Interkontinentalraketen
(intercontinental ballistic missiles - ICBMs) in der Ukraine.
Diese Raketen sind gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet. Die ICBMs werden von ihren Abschußvorrichtungen entfernt, funktionsuntüchtig gemacht, auf
Züge verladen und nach Rußland zu einer Demontageeinrichtung gebracht. Das ist ein Beispiel dafür, was
von manchen als Verteidigung auf andere Weise
bezeichnet wird. Von unserem Standpunkt aus ist das
- ungeachtet der Geschehnisse - die Sache wert.

Was kann noch getan werden?

Wie ist die Situation bei den neueren Atomwaffen
der Ukraine?

Wieviele amerikanische Streitkräfte würden für
eine Friedenstruppe in Bosnien benötigt?

Wir sind vergangene Woche mit Präsident Leonid
Krawtschuk und Verteidigungsminister Vitally Radetsky zusammengetroffen. Sie teilten uns mit, daß die mit

Ich kann keine Zahl nennen. Zunächst einmal benötigen wir einen Friedensvertrag, derdiefürdie Friedenssicherung erforderlichen Funktionen darlegt. So weit

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Rußland, der Ukraine, Kasachstan und Belarus bei der
Konversion ihrer Rüstungsindustrie zur Herstellung
ziviler Produkte beizustehen. Das Motiv dieser Staaten ist einfach und eindeutig: Die Konversion ist gut für
ihre Wirtschaft. Unser Motiv ist die Beseitigung eines
der uns bedrohenden Elemente. Ein bestimmtes
Projekt ist darauf ausgerichtet, ihnen bei der Umwandlung einer Rüstungsfabrik zur Herstellung von Fertighäusern behilflich zu sein.

Seite 1

�von Plutonium, und ein Programm zur Entwicklung von
Atomwaffen besitzt. Es ist sogar möglich, daß diese
Waffen bereits entwickelt wurden. Unsere zweite
Sorge ist, daß das Land einen Reaktor besitzt, der ihm
die Erzeugung größerer Mengen Plutonium gestattet.
Waren Sie bezüglich der Reaktion der Verbünde- Zusätzlich verfügt es über ein Programm zur Raketenten auf die serbische Aggression zu definitiv?
entwicklung, mit dem Mittelstreckenraketen und vielleicht ballistische Raketen längerer Reichweite entDas denke ich nicht. Wir in den Vereinigten Staaten
wickelt werden. Wenn man all das zusammennimmt,
und in der NATO werden gedrängt, unsere Luftüberkönnte jedes Problem, das wir heute mit dem Land
wachung vom Schutz Sarajevos auf den Schutz andehaben, in drei oder vier Jahren durch ein Programm
rer bosnischer Städte auszudehnen - insbesondere
verschlimmert werden, das ungefähr ein Dutzend
auf die zu Schutzzonen erklärten Städte. Ein fachliAtomwaffen und vielleicht eine Rakete umfaßt, die
ches Urteil besagt, daß die Luftstreitmacht zu diesem
diese zu Zielen wie Japan, Südkorea oder Taiwan
Zweck nicht effektiv eingesetzt werden kann. Es ist
tragen kann. Wir versuchen erneut, dieses Problem
nicht nur für die NATO, sondern auch die UNO und die
auf dem Wege der Diplomatie zu lösen.
Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung,
daß die von ihnen abgegebenen Absichtserklärungen Die darüber hinausgehenden Alternativen sind sehr
keine leeren Drohungen enthalten. Wir sollten nicht unattraktiv. Eine besteht in der Verhängung von
mit Aktionen drohen, zu deren Durchführung wir nicht Sanktionen gegen Nordkorea. Die Nordkoreaner haben
in der Lage sind.
bereits verlauten lassen, daß sie die Verhängung von
sind wir jedoch noch nicht. Aus politischen Gründen
möchten wir, daß die amerikanischen Truppen weniger als die Hälfte der gesamten UNO-Truppen ausmachen.

Sanktionen als eine Kriegserklärung betrachten. Wir
Wir müssen Diplomatie anstelle von Militärmacht einkönnten behaupten, das sei bloße Rhetorik. Anderersetzen. Wir taten das bei den Muslimen und den
seits sollten wir ihnen jedoch ernsthaft zuhören. Die
Kroaten, und das führte zu diesem neuen Abkommen
Sanktionen selbst sind vielleicht nicht effektiv. Nord(zwischen ihnen) über eine Föderation.
korea ist bereits ein isoliertes Land. Es hängt nicht in
großem
Umfang von Importen ab. Es hängt von
Kann aus Somalia eine Lehre gezogen werden?
Energieimporten ab, die jedoch größtenteils aus China
Ja. Wenn wir an einer militärischen Operation beteiligt stammen könnten. Somit würde jegliche Verhängung
sind, insbesondere wenn sie erfolgreich ist, besteht die von Sanktionen, die Ergebnisse zeitigen soll, die volle
Tendenz zu ihrer Ausdehnung. In Somalia wurden wir Kooperation Chinas und Japans erfordern. Die Alterdeswegen kritisiert, denn wir führten eine äußerst native zu Sanktionen sind militärische Maßnahmen.
erfolgreiche humanitäre Operation zum Schutz der Unsere führenden Militärs haben erklärt, wir könnten
Hilfskonvois durch und weiteten sie über unsere Kapa- diesen Krieg zwar gewinnen, er würde jedoch zu
zitäten hinaus aus. I n Bosnien wollen wir diesen Fehler enormer Zerstörung und Hunderttausenden von Opnicht wiederholen.
fern führen.
Man muß mit den politischen Zielen beginnen. Was
Bosnien betrifft, verfolgen wir zwei politische Ziele:
Erstens die Verhinderung der Ausweitung des Krieges
über Bosnien und sogar über den Balkan hinaus. Das
zweite Ziel besteht in der Einschränkung der Gewaltanwendung, insbesondere was die Opfer unter der
Zivilbevölkerung während der Fortdauer der Verhandlungen anbetrifft. Unser Hauptantrieb sind diplomatische, nicht militärische Initiativen.

Sollten die Vereinigten Staaten China isolieren?

Es ist für die Vereinigten Staaten von größter Bedeutung, Kontakt zu China zu pflegen. Hierfür gibt es zwei
Gründe. Einer besteht darin, daß China heutzutage
eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsmächte der Welt darstellt. Der andere ist in unserer
nationalen Sicherheit begründet, denn China ist die
dominante Militärmacht in diesem Teil der Welt und
kann Dinge beeinflussen, an denen wir großes InteresWodurch können die nuklearen Ambitionen Nord- se haben. Beispielsweise ist jede Maßnahme unseres
koreas eingedämmt werden?
Landes gegen Nordkorea erfolgreicher, wenn sie in
Zusammenarbeit mit China ergriffen wird, und wird
Nordkorea steht auf der Liste besorgniserregender wesentlich schwieriger, vielleicht sogar unmöglich,
Angelegenheiten in der Welt weit oben. Wir glauben, wenn sie von China blockiert wird.
daß das Land im Besitz von spaltbarem Material ist,

* * * * *

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�VERTEIDIGUNG
23. März 1994

DIE US-MILITÄRSTRATEGIE FÜR
DIE NEUNZIGER JAHRE
von General John Shalikashvili
WASHINGTON - (AD) - General Shalikashvili ist der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs. Der folgende
Artikel basiert auf einer kürzlich von ihm vor der National Defense University in Washington gehaltenen Rede.

Wir befinden uns an einem außergewöhnlichen Wendepunkt, an dem die Welt - natürlich - in einem sehr
raschen Wandel begriffen ist. Aus diesem Grund
versuchen wir als Nation, unsere strategische Basis
wiederzufinden. Und deshalb möchte ich Ihnen einige
meiner Gedanken zu unserem Vorgehen darlegen.
Wir müssen das zentrale Element der Kerndoktrin
erhalten, von der unsere Strategie geleitet ist. Mit
anderen Worten: Demokratie und freie Märkte schaffen Wohlstand und Zufriedenheit, und diese führen zu
Frieden. Das ist eine erprobte Doktrin. Sie hat die
längste Periode des Friedens in der modernen Geschichte Westeu ropas bewahrt, verändert das Gesicht
Asiens und hat die Nationen Süd- und Mittelamerikas
von ihrem langen Liebäugeln mit Diktaturen befreit.
Diese Doktrin sieht sich jedoch mit einer Herausforderung konfrontiert, die in mancher Hinsicht unseren
Erfahrungen am Ende des Zweiten Weltkriegs entspricht, in anderer jedoch sehr unterschiedlich ist.
Mit dem Ende des Kalten Krieges erlebten wir, wie
Milliarden Menschen zu diesem Glauben an Demokratie und Marktwirtschaften konvertierten. Die meisten
dieser Menschen sind verarmt, leben in wirtschaftlicher Unsicherheit und sind zwischen der vertrauten
Vergangenheit und einer Zukunft hin- und hergerissen,
die ihnen erschreckend unsicher erscheint.
Aus diesem Grund müssen wir Wege finden, um ihnen
unverzüglich das Wissen und die Fähigkeiten zur
Anpassung und Modernisierung ihrer Infrastruktur zu
vermitteln und sie auf die ersten Stufen der Leiter zum
Wohlstand zu bringen. Wir müssen ihre Ängste beschwichtigen und Vertrauen bilden.

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Unser Nationaler Sicherheitsberater Anthony Lake
bezeichnet dieses Element unserer Strategie als
Erweiterung. Diese Erweiterung ist die Fortsetzung
unseres Vorgehens während des Kalten Krieges und
ist zentraler Bestandteil unserer neuen Strategie.
Ich möchte feststellen, daß von den zahlreichen neuen
Konflikten, die in den vergangenen Jahren wie die
Masern ausgebrochen sind, keiner zwischen Staaten
mit stabilen, fest verankerten demokratischen Institutionen stattfand. Je rascherdiese Doktrinen in Osteuropa, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in
Ostasien und anderen Regionen der Welt Fuß fassen,
desto sicherer wird die Welt.
Wir und sie müssen sich jedoch bewußt sein, daß
Wunder nicht über Nacht geschehen. Die Gesundung
der Volkswirtschaften Westeuropas und Japans benötigte nach dem Krieg Jahrzehnte. Für die Menschen in
Osteuropa, der früheren Sowjetunion und Ostasien
wird es ein langer, mit vielen Steinen gepflasterter Weg
sein.
Der Kalte Krieg errichtete Barrieren, die Nationen,
Nachbarn und Kontinente teilten. Unser wichtigstes
Ziel ist zu verhindern, daß diese Teilungen wiederentstehen oder einfach an einen anderen Ort verlagert
werden. Wir müssen der Versuchung widerstehen,
eine Trennlinie von einer Seite Polens zur anderen zu
ziehen.
Daher ist es meines Erachtens so wichtig, daß Präsident Clinton im Januar in Prag und bei der NATO der
populäreren Vorgehensweise widerstand, die den jetzigen Beitritt von Polen, Ungarn, der Slowakei und der
Tschechischen Republik zur NATO forderte. Damit
wäre die Linie nur weiter nach Osten verlegt, jedoch
Seite 1

�wieder gezogen worden. Ein solcher Kurs hätte erneut
den Prozeß der Teilung Europas, der Schaffung neuer
Spannungen und neuer Spaltungen in die Wege geleitet.
Meiner Ansicht nach hat der Präsident statt dessen
einen klügeren Kurs eingeschlagen. Er entschied sich
für die "Partnerschaft für den Frieden", ein umfassendes Konzept, das zum ersten Mal in der europäischen
Geschichte ganz Europa zusammenbringen kann, und
ein Konzept, das jeder Nation in Europa eine Wahlmöglichkeit bietet.

müssen die Erfordernisse der Abschreckung in unsere
Verteidigungsberechnungen einbeziehen. Wir müssen unsere Streitkräfte entsprechend stationieren und
unsere regionalen Strategien so ausrichten, daß wir
diesen Abschreckungseffekt erzielen.

Wir werden Abschreckung jetzt jedoch auf andere Art
und Weise erreichen. Die Rolle von Nuklearwaffen hat
sich beispielsweise bereits geändert. Als Präsident
Bush im November 1991 seine dramatische Erklärung
abgab, unsere land- und seegestützten Nuklearwaffen
abzuziehen und unsere in den Vereinigten Staaten
stationierten Bomber au ßer Dienst zu stellen, trug dies
Das Ende des Kalten Krieges hat auch die unmittelba- implizit dieser Tatsache Rechnung und half, diesen
re nukleare Bedrohung für das Überleben unserer Wandel zu aktivieren.
Nation beseitigt. Zum ersten Mal in nahezu einem
halben Jahrhundert fürchten wir nicht mehr den Zu- Heutzutage beruhen der Charakter und das Gleichgesammenstoß zweier massiv bewaffneter Armeen ent- wicht der Abschreckung viel stärker auf konventionellang der innerdeutschen Grenze. Es gibt jedoch len Streitkräften. Um einen Schritt weiter zu gehen:
Bedrohungen, die dieses Zeitalter überdauerten, obwohl Sie beruhen in stärkerem Ausmaß auf unserer Bereitsich ihre Komplexität und Natur gewandelt hat.
schaft zu kämpfen und durch entschiedenen Einsatz
konventioneller Waffen zu gewinnen.
Die Regime von Iran und Irak, Nordkorea, Kuba und
Libyen haben beispielsweise alle den Kalten Krieg Ich bin auch der Meinung, daß Eindämmung ein Leben
überlebt, ohne ihre Couleur grundlegend zu verän- nach dem Kalten Krieg hat, obgleich in einem ganz
dern. Der Unterschied ist, daß diese Bedrohungen anderen Sinne als wir je dachten. Sie stellt jetzt unsere
nun nicht miteinander verbunden, weit entfernt und lebensfähigste Lösung für den Umgang mit vielen der
unabhängig voneinander sind. Es gibt niemanden im regionalen Bedrohungen dar, die ich vorher erwähnte.
Hintergrund, der sie verknüpft, sie mit Waffen beliefert, Sie ist nicht länger ein konstruiertes globales Gebilde.
ihre Aktionen koordiniert oder begrenzt. Dennoch sind Vielmehr stellt sie eine selektive oder sogar situationssie ernst. Jede dieser Nationen könnte ihre Region in gebundene Antwort dar, die aggressive Regime einenInstabilität, Aufruhr und Krieg stürzen.
gen, Stabilität und Frieden in bestimmten Regionen
bewahren und unsere Verbündeten schützen soll. In
In den Ruinen des Imperiums lauem ebenfalls neue der Praxis wenden wir diese Strategie bereits gegenBedrohungen. Wir wurden bereits Zeuge des Chaos, über Nordkorea, Iran, Irak und Kuba an. Diese Stratedas Jugoslawien auf der Landkarte ausradierte und gie setzten wir auch im ehemaligen Jugoslawien zur
sind uns deutlich der in vielen ehemaligen Sowjetrepu- Begrenzung der Ausbreitung und Zerstörung in diebliken wütenden Kämpfe bewußt. Wir beobachten, sem Krieg ein. Der Anwendungsbereich dieser Stratewie alter Haß und Verbrechen das Entstehen neuer gie hat sich also verglichen mit der Zeit des Kalten
Unsicherheiten und Ängste schüren, die einfach nicht Krieges erheblich verändert.
ignoriert werden können.
Wie Sie wissen, funktioniert Erweiterung nur, wenn wir
Die Implikation für uns bedeutet, daß wir einen neuen zur Eindämmung dieser regionalen Bedrohungen und
Ansatz zu unserer globalen Strategie benötigen. Wir Isolierung eventueller Ausbrüche in der Lage sind.
brauchen nicht länger einen globalen Kriegsplan zur Schließlich gedeihen Demokratie und Wohlstand eher
Bekämpfung einer einzigen Bedrohung. Aus diesem in einer sicheren als in einer unsicheren Umgebung.
Grund muß die gesamte Organisation unserer globalen Strategie anders gestaltet sein. Sie ist jetzt eine Wir haben diesen Teil unserer Strategie als Engageintegrierte Ansammlung regionaler Strategien, die jede ment bezeichnet und in zwei Hauptanwendungsbereiin einzigartigerweise auf die Interessen, Ziele, Bedro- che aufgeteilt. Der eine ist Prävention, der zweite
hungen und die Dynamik der betreffenden Region Partnerschaft.
zugeschnitten sind.
Prävention trägt offensichtlich zur Schaffung von
Meines Erachtens gibt es jedoch andere zentrale Bedingungen bei, die einen Erfolg der Erweiterung
Elemente unserer Strategie, die ebenfalls beibehalten gestatten. Sie ist eines der Elemente, die unserer
werden müssen. Unsere Betonung von Abschreckung Strategie eine aktive Tendenz verleihen und sie zum
und Strategien zur Abschreckung ist dauerhaft sinn- Motor des Wandels machen, statt einer Reihe von
voll. Es ist immer besser, einen Akt der Aggression zu Reaktionen auf externe Initiativen. Der Kern der
Erweiterung ist zum Teil die Förderung von Idealen
verhindern, als ihn bekämpfen zu müssen.
und zum Teil der Schutz von Stabilität und Frieden, die
Es reicht uns jedoch nicht aus, Strategie, Einsatzkon- fruchtbaren Boden für Erweiterung darstellen.
zept und die Fähigkeit zur Kriegführung zu haben. Wir
Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�Bei der Partnerschaft gibt es verschiedene Aktionsfelder. Wir werden unsere traditionellen Bündnisse und
Koalitionen erhalten, aber auch andere Beziehungen
knüpfen, beispielsweise die Partnerschaft für den Frieden in Europa. Wir könnten auch kooperative SicherPartnerschaft gründet auf dem traditionellen Element heitsbeziehungen in Regionen aufbauen, in denen das
unserer Strategie, daß wir nicht im Alleingang erfolg- angemessen erscheint. Wieder muß die Antriebskraft
reich sein können. Logischerweise müssen unsere unserer Partnerschaft Aktivität sein; wir müssen regioBündnisse und Koalitionen ein zentrales Element unserer nale Rahmen schaffen, die zu Stabilität und Frieden
Strategie bleiben.
beitragen und Erweiterung fördern. Wir müssen auch
weiterhin unsere Führungsrolle in der Welt spielen.
Im letzten halben Jahrhundert sind wir gemeinsam Wir sind immer noch das wohlhabendste und mächtigreich geworden, haben gemeinsame politische Syste- ste Land der Welt und die einzige verbliebene Superme entwickelt und gemeinsame Ansichten und Inter- macht. Ich betone das, weil wir alle ein anderslautenessen entstehen und reifen lassen. Unsere Koalitio- des Argument gehört haben, das besagt, die Lasten
nen und Bündnisse sind die größte Quelle von Stabi- der Führung rolle unterminierten unsere materielle und
lität und Sicherheit in einer Welt, die durch so viel geistige Stärke und wir müßten andere dazu zwingen,
Wandel in so kurzer Zeit ins Wanken geraten ist. Sie an unserer Stelle die Führung zu übernehmen. Das ist
sind auch unsere größte Abschreckung vor einem völlig falsch.
Zurückfallen in einen weltweiten Konflikt.

Wir haben die langfristigen Gefahren für unsere Interessen und den Erfolg von Erweiterung identifiziert und
versuchen durch Prävention, diese Gefahren abzublocken oder zu kontrollieren.

Die Tatsache, daß wir die führende Nation in der freien
Welt sind, hat uns reicherund wohlhabendergemacht.
Sie hat uns den nötigen Einfluß verschafft, die Weltwirtschaftsordnung auf eine Weise zu gestalten, die für
unser eigenes Wirtschaftssystem und unsere Erfordernisse nützlicher ist. Sie hat uns gestattet, die
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf
Diese Evolution hat bereits in Europa, Südwestasien diese Bedrohungen zu beeinflussen. Um unserer
und in dieser Hemisphäre begonnen, muß jedoch noch selbst willen müssen wir diese Führungsrolle beibehalauf andere Regionen ausgeweitet werden. Wir müs- ten.
sen uns mit einer Geschwindigkeit bewegen, bei der
wir uns alle wohl fühlen, bei unseren Verbündeten
jedoch weiter darauf drängen, sich an neue Realitäten
anzupassen und ihr Vorstellungsvermögen zu erweitern.
Wir müssen sie neu gestalten, ihnen neue Aufgaben
und Strategien geben und sie auf gegenwärtige und
künftige Aufgaben vorbereiten. Sie waren in der
Vergangenheit in den gemeinsam durchlebten schwierigen Jahren die Quelle unserer Stärke und müssen
auch in Zukunft unsere Basis sein.

*

AMERIKA DIENST 12

* * *

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