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                  <text>^OSTi,

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^7-ioN

^

Z12462C

9. März 1994

10

BOSNIEN

BOSNIER UND KROATEN SCHLIESSEN
HISTORISCHES RAHMENABKOMMEN
Baustein für den Frieden in Bosnien

HANDEL

KANTOR VERTEIDIGT INKRAFTSETZUNG
VON HANDELSARTIKEL SUPER 301
Erklärung des US-Handelsbeauftragten

GESCHICHTE UND ANWENDUNG
VON SUPER 301
Eine Übersicht vom Büro
des US-Handelsbeauftragten

ARBEITSWELT

REICH SKIZZIERT HERAUSFORDERUNGEN
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
Treffen führender Vertreter der G-7 in Detroit
VON METZGERN UND BACKERN
von Robert B. Reich

GEWERKSCHAFTEN FORDERN "GLOBALEN
NEW DEAL" AUF DEM ARBEITSMARKT
Arbeitslosigkeit ist gravierendstes
wirtschaftliches Problem
GLOBALE NACHFRAGE IM MITTELPUNKT
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
USA skeptisch über Wachstumsprognose
für Japan

.

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN DIE PARTNERSCHAFT FÜR DEN FRIEDEN
Übersicht des Weißen Hauses

FILM

SPIEGEL: SCHINDLERS LISTE
IST EINE LEHRE FÜR UNS ALLE
Menschenrechtskommission sieht
Spielbergs Film

*

i

�BOSNIEN
9. März 1994

BOSNIER UND KROATEN SCHLIESSEN
HISTORISCHES RAHMENABKOMMEN
Baustein für den Frieden in Bosnien

WASHINGTON - (AD) - Nach viertägigen intensiven
Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten wurde am 1. März 1994 in Washington
ein Rahmenabkommen über die Schaffung einer aus
zwei Bevölkerungsgruppen bestehenden Föderation
in Bosnien unterzeichnet.

Errichtung der neuen Föderation unternehmen soll. Er
wird seine Arbeit am 4. März in Wien aufnehmen und
plant den Entwurf einer neuen Verfassung sowie eines
neuen Abkommens über die Konföderation zwischen
Kroatien und dem neuen Föderalstaat bis zum 15.
März.

Unterzeichner waren die bosnische Regierung, die
kroatische Regierung sowie ein Vertreter der bosnisch-kroatischen Gemeinschaft.

"Dieses Abkommen zeigt, wieviel selbst nach Jahren
erbitterter Gewalt erreicht werden kann, wenn sich

Außenminister Christopher, der die Zeremonie in seinem Ministerium ausrichtete, nannte die Unterzeichnung "einen hoffnungsvollen und bedeutenden Moment in der Geschichte der Bevölkerung von Bosnien
und Herzegowina".
"Wir hoffen, daß der heute hier von Ihnen begonnene
Prozeß dem gesamten ehemaligen Jugoslawien Frieden und Versöhnung bringen wird", teilte Christopher
den drei unterzeichnenden Vertretern mit - dem bosnischen Ministerpräsidenten Haris Silajdzic, dem kroatischen Außenminister Mate Granic sowie dem Vertreter der bosnischen Serben Kresimir Zubak. Sie unterzeichneten auch ein vorläufiges Abkommen über eine
Konföderation zwischen Kroatien und der noch zu
schaffenden bosnischen Föderation.
Das neue Abkommen errichtet die Struktur einer neuen
Föderation der bosnischen und bosnisch-kroatischen
Volksgruppen in Bosnien und sieht eine starke Zentralregierung sowie eine maßgebliche kommunale Selbstverwaltung vor. Es definiert auch die Pflichten jeder
Regierungsebene innerhalb der Föderation und enthält Mechanismen zur Garantie der Menschenrechte
für alle Bürger Bosniens.
Das Abkommen ruft ferner einen aus Vertretern beider
Parteien zusammengesetzten hochrangigen Übergangsausschuß ins Leben, der konkrete Schritte zur

AMERIKA DIENST 10

beide Seiten an einen Tisch setzen und so hart an einer

Übereinkunft arbeiten, wie es hier der Fall war", stellte
Außenminister Christopher fest. "Es beweist, Frieden
kann unterder Voraussetzung möglich sein, daß durch
die Schlagkraft der Waffen entflammte Streitigkeiten
durch schlagkräftige Argumente beigelegt werden
können."
Kurz vor der Unterzeichnungszeremonie sprach Präsident Clinton dem bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic und dem kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman telefonisch seine Glückwünsche aus, äußerte
Christopher und fügte hinzu, die Bosnier und die
Kroaten könnten stolz auf das in den vergangenen vier
Tagen Erreichte sein.
"Wir hoffen, daß diese Vereinbarungen Bosnien entschlossen auf den Weg der Versöhnung bringen und
Kroatien bei seinen Bestrebungen ermutigen, sich um
Integration in die westliche Staatengemeinschaft zu
bemühen", erklärte der amerikanische Au ßenminister.
"Wir hoffen ferner, daß dieses Abkommen die Grundlage für eine umfassende politische Lösung mit den
bosnischen Serben schafft".
Sollte eine Gesamtlösung erzielt werden können, so
Christopher, "sind die Vereinigten Staaten bereit, sich
gemeinsam mit ihren NATO-Bündnispartnern an der
Durchsetzung eines solchen Abkommens sowie am
Wiederaufbau dieser tragischerweise vom Krieg zerstörten Landstriche zu beteiligen".

Seite 1

�"Es wird viel von der Entschlossenheit der Parteien
abhängen, den Schwung der letzten vier Tage beizubehalten", teilte er mit. "Wenn sie bei der Umsetzung
des Abkommens denselben guten Willen an den Tag
legen, den sie bei seiner Aushandlung unter Beweis
stellten, kann diese neue Föderation zweifelsohne ein
Erfolg werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit,
das Ihre zu einer umfassenden Lösung beizutragen,
die zur Errichtung eines lebensfähigen bosnischen
Staats, eines sicheren Kroatien und eines dauerhaften
Friedens führt", so der Chef des State Department.
In den kommenden Tagen und Wochen werden die
Vereinigten Staaten in Abstimmung mit der Europäischen Union und mit Hilfe der Russischen Föderation
sowie der an der UNO-Schutztruppe UNPROFOR
teilnehmenden Nationen alles in Ihrer Macht Stehende
tun, um zur Erlangung des hehren Ziels, Frieden im
ehemaligen Jugoslawien zu schaffen, einen Beitrag zu
leisten.

schaft der Vereinten Nationen und der Europäischen
Union in Genf abgezeichnet hatte.
Statt dessen konzentrierten sich die Bemühungen auf
die Herbeiführung einer Koalition zwischen der bosnischen Regierung und den bosnischen Kroaten. "Die
beiden Parteien wollten dies wirklich und sahen beide
äußerst wichtige taktische und strategische Gründe
hierfür. Damit wurde ein praktischerer und schnellerer
Weg zu dem generellen Abkommen geschaffen, als
unverzüglich die Idee einer territorialen Dreiteilung zu
verwirklichen."
Der Regierungsbeamte, der in den vergangenen sieben Monaten eng in die Lösung der Probleme Bosniens einbezogen war, stellte fest, es bestehe seiner
Ansicht nach "kein Zweifel", daß die Parteien "mit einer
völlig anderen Geisteshaltung als in der Vergangenheit" zu den Verhandlungen nach Washington gekommen seien, und das sei entscheidend.

"Das garantiert nicht, daß wir die Kämpfe von einem
Tag auf den anderen beenden können", erläuterte er.
"Gleichzeitig zeigt es jedoch ein Maß an Engagement,
nicht nur Prinzipien, sondern auch Details bezüglich
"Wir hoffen und beten, daß dies der erste Schritt zum der Lösung der schwierigsten Fragen, über die sie
Frieden ist", erklärte der bosnische Ministerpräsident. stets unterschiedlicher Meinung waren, zu erarbeiten
"Dies wäre nicht möglich gewesen ohne die Führungs- und auf Papier zu bringen.
rolle der Vereinigten Staaten, die sich aktiv um eine
"Damit wird das Engagement, der Wunsch unter Beweis
Verhandlungslösung für Bosnien bemühten."
gestellt, dies zu einer einzigartigen Arbeit zu machen",
"Nichts ist mit der großartigen moralischen Führungs- betonte der Beamte. "Dies ist eine Phase, ein sehr
rolle der Vereinigten Staaten zu vergleichen", so die wichtiger Schritt, weil er meines Erachtens der GrundWorte des kroatischen Außenministers Granic. "Die stein für das ist, was möglicherweise zu einer generelVerhandlungen waren äußerst schwierig und ernst, len Lösung in Bosnien führen könnte."
aber wir haben die Arbeit abgeschlossen."
Er charakterisierte das Geschehen auch als "echte
Der Vertreter der bosnischen Kroaten würdigte eben- Chance für Kroatien, Partner der Vereinigten Staaten,
falls die Vermittlerrolle Amerikas beim Abschluß des der Europäischen Union und derjenigen zu werden, die
Abkommens. "Wir sind entschlossen, unseren Teil der Frieden in Bosnien herbeiführen wollen, und dabei
von den Vereinigten Staaten ergriffenen Initiative voll- wirklich den Kurs Kroatiens in sehr viel deutlicherer
ständig umzusetzen", fügte er hinzu.
Weise in Richtung auf den Westen zu steuern."
Die drei Unterzeichner des Dokuments würdigten die
von den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen
übernommene Rolle.

Bei einer Informationsveranstaltung für Journalisten
erklärte ein hochrangiger Regierungsbeamter später,
die amerikanische Initiative habe nach dreiwöchiger
intensiver Diplomatie Früchte getragen. Diese Initiative wurde von Präsident Clinton am Abend des 7.
Februar in die Wege geleitet, nur zwei Tage nachdem
50 Menschen bei einem Granatenanschlag auf den
Marktplatz in Sarajevo getötet wurden.

"Dieses Arrangement unterscheidet sich grundlegend
von dem anfänglichen", stellte der Regierungsvertreterfest. "Wir haben einige neue Elemente, mit denen
wir arbeiten werden und müssen jetzt sehen, wie wir
diese Elemente so umsetzen können, daß auch die
Serben einer allgemeinen Lösung zustimmen."

Dem Beamten zufolge sehen die Vereinigten Staaten
dies "als Chance für Frieden. Es ist kein Geheimnis,
"Von Anfang an war unsere Intention, in Partnerschaft daß es gewisse Konzessionen von seiten der Serben
mit der Europäischen Union und engen Konsultationen geben mu ß. Wäre das nicht der Fall, hätten wir bereits
mit der Russischen Föderation vorzugehen", so der in Genf eine Lösung erzielt", führte der Beamte aus
Regierungsvertreter. Nach ersten direkten Gesprä- und verwies darauf, daß territoriale Fragen noch nicht
chen mit den betreffenden Parteien wurde beschlos- ausgehandelt wären. "Ich hoffe, daß die Serben dies
sen, die Lösung mit drei Republiken zu verwerfen, die als einen Weg sehen, den Krieg zu beenden, selbst
sich bei den Verhandlungen unter der Schirmherr- wenn sie diese Konzessionen machen."
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�HANDEL
9. März 1994

KANTOR VERTEIDIGT INKRAFTSETZUNG VON
HANDELSARTIKEL SUPER 301
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte (U.S. Trade Representative - USTR) Mickey
Kantor hat die Entscheidung Präsident Clintons über die erneute Inkraftsetzung des sogenannten Handelsartikels Super 301 des US-Handelsgesetzes durch einen Präsidialerlaß verteidigt.
Auf einer Pressekonferenz am 3. März 1994 gab Kantor die Maßnahme des Präsidenten bekannt und erklärte,
diese werde ihm ermöglichen, amerikanischen Handelspartnern "eine Frühwarnung" im Hinblick auf bestimmte
Handelspraktiken zu senden, deren Abschaffung die Vereinigten Staaten wünschten. Dem Handelsbeauftragten zufolge besteht das Ziel der Vereinigten Staaten in der Beseitigung von Handelshemmnissen, die den
Marktzugang für amerikanische Waren und Dienstleistungen blockieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung Mickey Kantors bei der Pressekonferenz .

Seit der Amtsübernahme Präsident Clintons war das
Hauptziel der Handelspolitik dieser Administration die
Öffnung von Märkten und die Erweiterung des Handels. Wir sind der Ansicht, daß aus den Vereinigten
Staaten stammende Fertigwaren, Dienstleistungen und
landwirtschaftliche Produkte auf der ganzen Wert
konkurrenzfähig sind - solange wir auf ausländischen
Märkten die Chance zu fairem Wettbewerb ertialten.
Wir engagieren unsfürden Abbau von Handelshemmnissen auf multilateraler Ebene wenn möglich, auf
bilateraler Ebene wenn nötig.
Dieser Vorstoß zur Marktöffnung stellt eine Verbindung her zwischen dem Abschluß der Uruguay-Runde, der Umsetzung des NAFTA, der Erweiterung unserer
Beziehungen zum APEC, dem Schutz geistigen Eigentums in verschiedenen Ländern, unseren Bestrebungen zur Aufbau ausgewogener Handelsbeziehungen zu Japan sowie unseren Erfolgen im Zusammenhang mit schwerem elektischem Gerät in Europa,
Telekommunikation in Korea, Bauwesen in Japan und
einer Vielzahl von Industrieprodukten in China.
Um unsere Bestrebungen zur weltweiten Öffnung von
Märkten und Festsetzung handelspolitischer Prioritäten zu ergänzen, bat mich der Präsident anzukündigen, daß er heute einen Präsidialerlaß zur erneuten
Inkraftsetzung des als Super 301 bekannten Handelsartikels unterzeichnen wird.

AMERIKA DIENST 10

Präsident Clinton pries Super 301 bei einer Rede an
der Georgetown University am 20. November 1991
erstmals als wirksames Instrument zur Öffnung von
Märkten. Während seines Wahlkampfes und seit
seiner Amtsübernahme hat er sich zur Wiedereinführung von Super 301 verpflichtet. Seit der Einsetzung
dieser Administration habe ich bei einer Vielzahl von
Gelegenheiten die Ansicht der Administration dargelegt, daß der Handelsartikel Super 301 die Öffnung
ausländischer Märkte herbeiführte und wiedereingeführt werden sollte. Dies tun wir mit der heutigen
Unterschrift.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Wir nennen
heute kein Land beim Namen und identifizieren keine
Handelspraktik. Vielmehr setzen wir das Verfahren
von Super 301 wieder in Kraft. Entsprechend diesem
Präsidialerlaß wird der Handelsbeauftragte 1994 und
1995 die ausländischen Handelspraktiken identifizieren, deren Abschaffung das größte Potential für die
Ausweitung amerikanischer Exporte haben. Die tatsächliche Festsetzung findet am 30. September statt,
sechs Monate nach der Herausgabe des jährlichen
Handelsberichts am 31. März.
21 Tage nachdem sie ausgemacht wurden, werden die
auf die Prioritätenliste gesetzten ausländischen Handelspraktiken gemäß Artikel 301 des Handelsgesetzes Gegenstand einer Überprüfung. Der erste Schritt

Seite 1

�dieses Verfahrens sind Konsultationen mit der ausländischen Regierung über diese Frage in dem Bemü hen,
ein Abkommen über die Abschaffung der betreffenden
Praktiken zu erwirken oder gegebenenfalls eine Entschädigung für den durch diese Praktiken verursachten Schaden zu erhalten.

wichtigsten Handelshemmnisse für unsere
Exporte machen. Unsere Handelspartner wissen, daß wir am 30. September die Prioritätenliste über ausländische Handelspraktiken aufstellen - die schwerwiegendsten Handelsschranken für amerikanische Produkte und Dienstleistungen - die gemäß Artikel Super 301 Gegenstand von Ermittlungen werden.

Sollte kein Abkommen erzielt werden, werden die
Ermittlungen fortgesetzt. In Fällen, in denen die ausländischen Handelspraktiken eine Verletzung von
Handelsvereinbarungen wie dem GATT oder der neuen
Welthandelsorganisation darstellen, werden sie das in
diesen Übereinkünften vorgesehene Verfahren zur
Beilegung von Streitigkeiten durchlaufen, wie im
Handelsartikel 301 vorgesehen. Nach erfolgter Überprüfung mu ß der Handelsbeauftragte entscheiden, ob
die Handelspraktiken unter Artikel Super 301 einklagbar sind und welche Maßnahmen in diesem Fall ergriffen werden sollten. Werden die Handelspraktiken
nicht abgeschafft, können Sanktionen verhängt werden.

Der am heutigen Tag unterzeichnete Präsidialerlaß ist ein flexibles Instrument. Er gestattet
beispielsweise dem Handelsbeauftragten, unseren Handelspartnern eine "Frühwarnung" zu
senden, daß einige ihrer Handelspraktiken in
Zukunft auf die Liste gesetzt werden, falls sie
diese nicht abschaffen. Der Erlaß sieht auch
vor, daß der Handelsbeauftragte ausländische
Handelspraktiken hiervon ausnehmen kann, die
normalerweise als Prioriät eingestuft würden,
jedoch bereits unter andere Bestimmungen des
amerikanischen Handelsgesetzes, bestehende
bilaterale Handelsabkommen oder Handelsgespräche fallen oder bei deren Abschaffung
Fortschritte gemacht werden. Diese Bestimmung unterstreicht unsere Absicht, den Präsidialerlaß gemeinsam mit unseren übrigen Bestrebungen zur Öffnung von Märkten einzusetzen.

Ich möchte deutlich machen, wie dieser Präsidialerlaß
sich in unsere Bestrebungen zur Öffnung von Märkten
einfügt:
Am 31. März werden wir den jährlichen Handelsbericht vorlegen, der eine umfassende Beschreibung der Handelshemmnisse für unsere
Produkte und Dienstleistungen enthält. Dieser
Bericht behandelt viele Hemmnisse in zahlreichen Ländern und vermittelt uns gleichzeitig
einen Einblick, welche ausländischen Handelsschranken für uns den größten Anlaß zur Sorge
geben.
In den nachfolgenden Monaten werden wir
hoffentlich gemeinsam mit anderen Ländern
Fortschritte beim Abschluß von Abkommen über
den Abbau oder die Abschaffung einiger der

Unser Ziel ist die Abschaffung der größten Handelsschranken weltweit, die den Marktzugang für unsere
Produkte und Dienstleistungen blockieren. Wenn uns
das ohne die Erstellung einer Prioritätenliste ausländischer Handelspraktiken unter Artikel 301 gelingt, haben
wir unser Ziel erreicht. Niemand sollte jedoch Zweifel
an unserem Engagement haben, Fortschritte zu machen,
Märkte zu öffnen und den Handel auszuweiten, wie wir
es seit dem Amtsantritt Präsident Clintons getan haben.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�HANDEL
9. März 1994

GESCHICHTE UND ANWENDUNG VON SUPER 301
Eine Übersicht vom Büro des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Zeitgleich mit Präsident Clintons Entscheidung, Zusatzartikel 301 zum Handelsgesetz
wieder in Kraft zu setzen, veröffentlichte das Büro des amerikanischen Handelsbeauftragten (U.S. Trade
Representative - USTR) eine Übersicht der Geschichte von Super301 mit einer Beschreibung der in dem Gesetz
geforderten Verfahren.

Geschichte des Super 301
Die 1989 und 1990 gesetzlich verankerten Verfahren
der Handelsklausel Super 301 fordern die Administration auf, "Prioritäten für die Liberalisierung des Handels", einschließlich einer "Prioritätenliste von Ländern" mit "unfairen Handelspraktiken" auszumachen,
deren Abschaffung voraussichtlich "entweder direkt
oder durch die Schaffung eines Präzedenzfalls den
maßgeblichsten Beitrag zur Erhöhung amerikanischer
Exporte leistet".
21 Tage nach der Übermittlung des Berichts über die
Prioritäten an den Kongreß muß der USTR gemäß
Artikel 302 des Handelsgesetzes (allgemein als "Abschnitt-301-Ermittlungen" bezeichnet) Ermittlungen
gegen unfaire Handelspraktiken aller Länder auf der
Prioritätenliste in die Wege leiten.
Super 301 in den Jahren 1989 und 1990
1989 wurden sechsmal unfaire Handelspraktiken in
drei Ländern auf der Prioritätenliste (Japan, Indien und
Brasilien) ausgemacht: 1. Importverbote und andere
Restriktionen bei Importlizenzen in Brasilien, 2. staatliche Beschaffung ausländischer Satelliten durch Japan,
3. staatliche Beschaffung von Supercomputern durch
Japan, 4. Importbeschränkungen für Holzprodukte in
Japan, 5. handelsbezogene Investitionsmaßnahmen
in Indien und 6. Hemmnisse auf dem Versicherungsmarkt in Indien.
Der amerikanische Handelsbeauftragte leitete zu allen
sechs unfairen Handelspraktiken Ermittlungen im
Rahmen von Artikel 301 ein. Die Vereinigten Staaten
erzielten mit Japan Einigung bei allen drei Ermittlungsverfahren zu japanischen Handelspraktiken, und Brasilien hob die Importbeschränkungen des Landes auf.

AMERIKA DIENST 10

Mit Indien wurden jedoch nur geringe Fortschritte bei
den zwei Ermittlungen zu unfairen Handelspraktiken
erzielt.
In den Monaten vor der Erstellung der Liste gemäß
Super 301 im Jahr 1989 fü hrten bilaterale Verhandlungen mit Korea zur Einigung über eine Liberalisierung
der ausländischen Investitionsbedingungen und Aufhebung von Importverboten sowie anderen Maßnahmen zur Schutz der inländischen Produktion. Darüber
hinaus wurden mit Korea Fortschritte bei Importbeschränkungen für Agrarprodukte gemacht. Auch die
Behörden in Taiwan stimmten der Entwicklung eines
Aktionsplans zur Öffnung des taiwanischen Markts für
alle Exporteure insbesondere durch Zollsenkungen für
Fertigwaren zu. Infolgedessen wurden weder Korea
noch Taiwan auf die Liste gesetzt.
Im Jahr 1990 erklärte der USTR die Uruguay-Runde
als oberste Priorität bei der Liberalisierung des Handels und identifizierte erneut Indien und die unfairen
Handelspraktiken des Landes als Prioritäten. Es wurden
keine neuen Ermittlungen gemäß Artikel 301 eingeleitet, da die Hemmnisse auf dem Investition- und Versicherungsmarkt mit Indien bei der Uruguay-Runde erörtet
wurden.
Super 301 als Präsidialerlaß
In den Jahren 1994 und 1995 wird der amerikanische
Handelsbeauftragte seinen Bericht über die unfairen
Handelspraktiken der Länder auf der Prioritätenliste
spätestens bis zum 30. September unterbreiten und
binnen 21 Tagen nach Vorlage des Berichts Ermittlungen gemäß Artikel 301 bezüglich aller festgestellten
unfairen Handelspraktiken der Länder auf der Prioritätenliste in die Wege leiten.

Seite 1

�Ermittlungen gemäß Artikel 301
Ermittlungen im Rahmen von Artikel 301 beinhalten
die Aufdeckung der Fakten, Konsultationen mit den
betroffenen inländischen Industriezweigen und Konsultationen mit der betreffenden ausländischen Regierung. Wo ein Handelsabkommen wie das GATT ins
Spiel kommt, verlangt der USTR gegebenenfalls die
Schlichtung von Streitigkeiten gemäß diesem Abkommen. Während der Ermittlungen strebt der USTR die
Aushandlung von Abkommen an, die eine Abschaffung der betreffenden unfairen Handelspraktik oder
eine Entschädigung vorsehen.
Bei jedem Ermittlungsverfahren im Rahmen von Artikel 301, einschließlich der infolge von Super 301
eingeleiteten, muß der USTR entscheiden, falls keine
Einigung erzielt wird, ob die fragliche Handelspraktik
gemäß Artikel 301 sanktionierbar ist, das heißt, ein
Handelsabkommen verletzt, ungerechtfertigt, unvernünftig oder diskriminierend ist und den amerikanischen Handel belastet oder beschränkt. Wird die
Handelspraktik als sanktionierbar erachtet, muß der
USTR auch entscheiden, welche Strafmaßnahmen falls überhaupt - im Rahmen von Artikel 301 ergriffen
werden sollten.
Der Zeitpunkt für diese Entscheidungen hängt von der
Art der betreffenden Handelspraktik ab. Die Entscheidung bei Ermittlungen zu Handelsabkommen muß

*

Seite 2

entweder 30 Tage nach Abschluß der Schlichtungsverfahren oder 18 Monate nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens getroffen werden, je nachdem, welche Frist zuerst abläuft. Bei Ermittlungsverfahren
gegen unfaire Handelspraktiken, die keine Verletzung
von Handelsabkommen darstellen, muß die Entscheidung 12 Monate nach Aufnahme des Ermittlungsverfahrens getroffen werden.
Wird ein Handelsabkommen verletzt, muß der USTR
Vergeltungsmaßnahmen einleiten, außer im Falle einer
spezifischen, gesetzlich verankerten Ausnahme. Falls
es sich nicht um die Verletzung eines Handelsabkommens oder anderer internationaler Verpflichtungen
handelt, liegt es im Ermessen des USTR, Strafmaßnahmen in die Wege zu leiten.
Artikel 301 verleiht dem USTR die Befugnis zu Vergeltungsmaßnahmen vorbehaltlich der Anweisung des
Präsidenten. Zu Vergeltungsmaßnahmen können
Zollerhöhungen, Importquoten, Beschränkungen oder
Gebühren für Dienstleistungen, Austritt aus einem
Handelsabkommen oder andere entsprechende
Maßnahmen zählen. Werden Strafmaßnahmen gemäß
Artikel 301 verhängt, können sie jederzeit wieder
modifiziert oder aufgehoben werden, und sie laufen im
Falle einer Nichterneuerung automatisch nach vier
Jahren aus.

*

AMERIKA DIENST 10

r

�ARBEITSWELT
9. März 1994

REICH SKIZZIERT HERAUSFORDERUNGEN
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
Treffen führender Vertreter der G-7 in Detroit
WASHINGTON - (AD) - Die vom 1 4 . - 1 5 . März in
Detroit anberaumte Konferenz über die Schaffung von
Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt
wird für die G-7-Staaten eine bedeutende Gelegenheit
zum "Informationsaustausch" über die Beschäftigungsprobleme in ihren Ländern darstellen und "ein größeres Repertoire möglicher Lösungen" erarbeiten, erklärte der amerikanische Arbeitsminister Robert Reich
am 3. März 1994 in einer Rede vor der Paul Nitze
School of Advanced International Studies der Johns
Hopkins University. Er äußerte die Hoffnung, daß die
Konferenzteilnehmer "unvoreingenommen gemeinsam
mit uns eine Analyse der derzeitigen Situation vornehmen werden".
Neben Reich werden Finanzminister Lloyd Bentsen,
Wirtschaftsminister Ron Brown und die Vorsitzende
des Rats der Wirtschaftsberater, Laura Tyson, die
Vereinigten Staaten auf der Konferenz vertreten. Ihre
Amtskollegen aus den G-7-Ländern und der EU-Kommission werden ebenfalls in Detroit erwartet.
"Alle G-7-Staaten haben Beschäftigungsprobleme",
äußerte Reich. Er erklärte jedoch auch, in Europa und
den Vereinigten Staaten seien die Probleme unterschiedlich. In den Vereinigten Staaten sei eine große
Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen worden, die häufig
jedoch schlecht bezahlt werden und nicht vorhandene
Qualifikationen verlangen, teilte er mit. "Derzeit verdienen 18 Prozent der ganztags Beschäftigten nicht
genug, um eine vierköpfige Familie zu ernähren. In
den Vereinigten Staaten ist ein beträchtliches Wachstum an Arbeitsplätzen zu beobachten, jedoch auch
eine sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich."
Im Gegensatz dazu ist Europa mit einem ernsthaften
Arbeitslosenproblem konfrontiert, aber diejenigen, die
einen Arbeitsplatz haben, "erhielten Lohnerhöhungen
von bis zu 30 Prozent". Reich stellte fest, es sei eine
Frage der Anzahl von Arbeitsplätzen kontra Arbeitsplatzqualität.

Die Angelegenheit wird ihm zufolge durch wirtschaftlichen Wandel kompliziert. Der Arbeitsminister erwähnte die zu einer "außergewöhnlichen Produktivitätserhöhung" führende technologische Revolution im Bereich der Mikroelektronik sowie den Durchbruch bei
der Biotechnologie und der Entwicklung neuer Materialien als Schlüsselfaktoren einer neuen industriellen
Revolution. "Gleichzeitig ist deutlich das Entstehen
einer Weltwirtschaft zu beobachten", hauptsächlich
aufgrund der Revolution im Kommunikationswesen.
In dieser Weltwirtschaft seien die wichtigsten Produktionsfaktoren beweglich, argumentiert Reich. "Der
Bestandteil einer Volkswirtschaft, der am unbeweglichsten ist, sind die Menschen", stellte er fest und fügte
hinzu, in diesem Bereich seien mehr Investitionen
erforderlich. "Europa und Japan haben wohl mehr in
den Menschen investiert", aber die amerikanische
Wirtschaft genieße den Vorteil "größerer Flexibilität
und Spannkraft".
Eine der Hauptfragen dieser Zeit ist dem Arbeitsminister zufolge, "wie wir uns an diese neue Welt anpassen". Er bemerkte: "Es fand eine Verlagerung der
Nachfrage zugunsten der Arbeitnehmer statt, die
Fähigkeiten zur Problemlösung besitzen. Der Verdienst des einzelnen hängt zunehmend von seiner
Qualifikation ab."
Aus diesem Grund lege die Clinton-Administration
Wert auf die Berufsausbildung sowie die Gesundheitsund Sozialreform, um die Mobilität der Arbeitnehmer
zu erhöhen, stellte Reich fest. Er forderte Gewerkschaften und Arbeitgeber dringend zur "Zusammenarbeit" in der entstehenden neuen Wirtschaft auf. Die
besten Unternehmen seien die, in denen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern stattfinde, stellt er abschließend
fest.

* * * * *
AMERIKA DIENST 10

Seite 1

�ARBEITSWELT
9. März 1994

VON METZGERN UND BÄCKERN
von Robert B. Reich
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text einer vom amerikanischen Arbeitsminister,
Robert B. Reich, am 8. Oktober 1993 vordem Council on Institutional Investors in New York gehaltenen Rede
im Wortlaut.

,

Zwischen Spitzenmanagem und Arbeitnehmern in
Amerika galt einst ein ungeschriebener Vertrag: Wenn
Ihr Euch an Eurem Arbeitsplatz engagiert habt, dann
konntet Ihr darauf zählen, diesen Arbeitsplatz zu
behalten, solange die Firma im Geschäft blieb.

wenn Sie die Rentenfonds von Arbeitnehmern vertreten, die infolge solcher Kürzungen ihren Arbeitsplatz
verlieren könnten, liegt es langfristig in unser aller
Interesse, amerikanische Unternehmen produktiver
zu machen.

Heute jedoch wird dieser stillschweigende Vertrag in
immer schnellerem Tempo gekündigt. Selbst verhältnismäßig gesunde Unternehmen bauen Arbeitsplätze
ab. Im September wurden in amerikanischen Unternehmen täglich etwa 2,000 Arbeitsplätze vernichtet,
die Quote liegt damit um 30 Prozent höher als vor
einem Jahr, als sich das Land noch in der Rezession
befand. Im vergangenen Jahr haben amerikanische
Industriebetriebe trotz steigender Gewinne 275.000
Arbeitnehmer von ihren Gehaltslisten gestrichen.

Eine leise Warnung

Aus der Perspektive der Investoren betrachtet, erscheint dieser Trend sinnvoll. Häufig schnellen die
Aktienkurse nach der Ankündigung größerer Einschnitte bei den Lohnkosten in die Höhe. Schließlich können
selbst gesunde Unternehmen ihre Lage oft noch verbessern, wenn sie sich wirklich auf das absolut Notwendige konzentrieren. Hierarchien können eingeebnet werden, so daß mittlere Leitungsfunktionen zunehmend überflüssig werden. Funktionen, die billiger
außerhalb des Unternehmens wahrgenommen werden können, werden auf Subunternehmer verlagert.
Routinevorgänge können automatisiert werden. Die
Metapher aus der Metzgersprache für modernes
Management scheint zuzutreffen: Es ist Zeit, das Fett
abzuschneiden, Überflüssiges loszuwerden, schlank
und leistungsfähig zu werden.

Unter Kapitalanlegern herrscht ein großes Maß an
Enthusiasmus für das Verschlanken von Unternehmen, aber ich möchte doch eine Warnung aussprechen. Ich möchte niemanden alarmieren, sondern
eine Art gelbes Warnlicht aussenden und eher eine
Frage stellen, als eine Meinung formulieren. Sind wir
in Gefahr, es zu übertreiben?
Ich beginne mit einer neuen Studie der Unternehmensberatung Wyatt über 531 zumeist große Unternehmen, über die kürzlich im Wall Street Journal berichtet wurde. Drei Viertel der untersuchten Firmen gaben
an, sie hätten Arbeitsplätze abgebaut. Die meisten
dieser Unternehmen berichteten jedoch auch, daß
diese Einschnitte nicht das von den Firmen erhoffte
und erwartete Ergebnis erbracht hätten. 85 Prozent
der Unternehmen strebten höhere Gewinne an, diese
stiegen aber lediglich in 46 Prozent der Fälle. 58
Prozent hatten eine höhere Produktivität erwartet,
aber in nur 33 Prozent wurde dieses Ziel auch verwirklicht. Noch interessanter ist die Tatsache, daß innerhalb eines Jahres nach den Kürzungen über die Hälfte
der Firmen gestrichene Stellen neu besetzt hatten.

Die Wyatt-Studie wird von einer weiteren jüngeren
Untersuchung untermauert, die von Dr. Kenneth De
Die Motivation für solches Verhalten wird vielfach Meuse von der University of Wisconsin mitverfaßt
durch Menschen wie Sie gefördert. Sie verlangen wurde. Dr. De Meuse fand heraus, daß die Gewinne
höhere Erträge. Solange die Aktienkurse steigen, von Großunternehmen schneller sanken als zuvor,
während die Beschäftigungszahlen fallen, wird der Be- nachdem diese Firmen in großem Stil Entlassungen
weis dafür erbracht, daß Sie Grund hatten, die Be- vorgenommen hatten. Sicherlich bedeutet dies nicht
triebsleitungen zu Einschnitten zu drängen. Selbst unbedingt einen Zusammenhang von Ursache und
Wirkung. Möglich wäre auch, daß diese Unternehmen
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�bereits vor dem Arbeitsplatzabbau in Schwierigkeiten
steckten und es ihnen vielleicht noch schlechter gegangen wäre, wenn sie diese Maßnahmen nicht ergriffen hätten. Bei einer Betrachtung in Zusammenhang
mit der Wyatt-Studie drängt sich jedoch die Frage auf,
ob der charakteristische Kursanstieg unmittelbar nach
der Ankündigung von Entlassungen mehr auf der kollektiven Annahme der Investoren beruht, daß andere
Anleger auf diese Nachricht ebenfalls positiv reagieren
werden, als auf einer Veränderung der fundamentalen
Bedingungen.
Auf längere Sicht
Wie steht es um die längerfristige Perspektive?
Möglicherweise dauert es etwas länger, bis radikale
Schnitte Wirkung zeitigen. Mir sind keine fundierten
Untersuchungen über die längerfristigen Folgen tiefer
Einschnitte für die Unternehmensbilanzen bekannt,
und ich würde eine solche Studie gerne kennenlernen.
Investoren wie Sie jedoch, die an dem längerfristigen
Unternehmensergebnis interessiert sind, sollten zumindest in Betracht ziehen, welche unbeabsichtigten
Konsequenzen sich wahrscheinlich aus einer Strategie ergeben werden, die den alten stillschweigen Arbeitsvertrag zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern abschafft.
Als erstes bleiben Arbeitsmoral und Loyalität der Arbeitnehmer auf der Strecke, die ihren Arbeitsplatz
behalten. Obwohl sich diese Aktiva nicht unmittelbar
in den Bilanzen niederschlagen, gehören hohe Arbeitsmoral und Loyalität häufig zu den wichtigsten
Aktivposten einer Firma. In immer größerem Umfang
lassen sich finanzielle und physische Anlagen eines
Unternehmens von Wettbewerbern kopieren. Was die
Konkurrenten jedoch nicht kopieren können, sind die
Bereitschaft von Mitarbeitern, sich besonders zu engagieren, Zeit und Mühe zu investieren, um bessere
Methoden zur Produktion von Waren und Dienstleistungen zu entdecken und die Wünsche des Kunden
zu erfüllen. Die Streichung von Stellen kann diese
Aktivposten auf eine Art und Weise gefährden, die sich
nicht in Bilanzen niederschlägt, aber mehr bedeutet,
als weniger subtile Verluste.

Ein Großteil des wahren Wertes von Humankapital
besteht in der Fähigkeit von Arbeitnehmern, in der
Zukunft das Wissen einzusetzen, das sie in den Vergangenheit an ihrem Arbeitsplatz gesammelt haben.
Das Wissen um Produkte, Technologien oder Kunden
kann (und sollte) in einen Strom von kleinen und
großen Innovationen münden. Finanzvorstände neigen dazu, nur den Lohn und die Zusatzleistungen
eines Mitarbeiters zu betrachten, die kaum durch die
gegenwärtige Wertschöpfung desselben Mitarbeiters
wettgemacht werden. Sie sehen nicht den künftigen
Wert, den der Beschäftigte durch die Kumulierung
seiner Erfahrung erwirtschaften wird.
Vor einigen Jahren bat mich eine Gruppe von Konstrukteuren einer großen Computerfirma, an der Konzeption einer Strategie mitzuwirken, um die Finanzfachleute des Unternehmens davon zu überzeugen,
warum die Firma den Auftrag zur Herstellung einer
bestimmten Baugruppe nicht nach außen vergeben
sollte.
"Sie meinen, es sei billiger, zu kaufen anstatt zu
bauen", klagte einer der Konstrukteure, "und für
heute betrachtet, trifft das auch zu. Wenn wir sie
jedoch nicht bei uns herstellen, werden wir nicht
die Erfahrung und das Wissen sammeln, das
mit dem Fertigungsprozeß verbunden ist. Infolgedessen können wir ein ganzes Produktspektrum nicht entwickeln, das wahrscheinlich aus
dieser Baugruppe entstehen wird. Wir werden
sogar die Fähigkeit verlieren, beim Ankauf anderer
Baugruppen als vernünftige Kunden aufzutreten."
Die Finanzexperten besaßen keinen Maßstab um zu
ermessen, was die Firma opferte, weil es zu jenem
Zeitpunkt schlicht unmöglich war, diese potentiellen
Verluste zu beziffern, und sie den nackten Zahlen
deshalb nichts entgegensetzen konnten. Aber hätten
sie den Kapitalwert von kumulativer Erfahrung und
Wissen auch nur berücksichtigt, hätten sie vielleicht
eine anderen Entscheidung als die letztlich von ihnen
gefällte getroffen, und das Unternehmen wäre heute
vielleicht erfolgreicher.
Eine Alternative

Beschäftigte, die befürchten, daß sie als Nächste an
der Reihe sind, werden sich nicht gerade bemühen,
nach arbeitssparenden Innovationen zu suchen. Sie
werden nicht von sich aus die zusätzliche Zeit und
Energie investieren, die so häufig den Ausschlag geben.
Der alte stillschweigende Vertrag, der die Beschäftigten ermutigte, ihre eigene Zukunft als mit der des
Unternehmens verflochten zu betrachten, wird auf den
Kopf gestellt. Das Unternehmen kann sich nicht auf
seine Arbeitnehmer verlassen, weil sich die Arbeitnehmer nicht auf das Unternehmen verlassen können.

Sicherlich läßt sich argumentieren, daß trotz dieser
Einbußen die Strategie des Schlachtens immer noch
der Alternative vorzuziehen ist, den Unternehmen zu
gestatten, im alten Schlendrian weiterzumachen.
Solange die Einschnitte die Wertschöpfung pro Arbeitnehmer erhöhen, ist der Arbeitsplatzabbau sinnvoll,
selbst wenn erteilweise auf Kosten von Arbeitsmoral,
Loyalität, Wissen und Erfahrung von Mitarbeitern geht.
Der Prüfstein, auf den es ankommt, ist die Rentabilität.

Eine weitere Einbuße, die sich ebenso schwierig
quantifizieren läßt aber nicht weniger bedeutsam ist,
besteht in dem Verlust an Wissen und Erfahrung
derjenigen, deren Arbeitsplätze gestrichen werden.

Das ist ein starkes Argument, aber es wäre noch
überzeugender, wenn das einzige Mittel zur Erhöhung
der Wert Schöpfung pro Arbeitnehmer die Schlachtmethode wäre. Es ist jedoch noch ein weiterer Ansatz

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�möglich. Auf die Gefahr hin, die Metapher überzustrapazieren, möchte ich ihn als die Bäckermethode bezeichnen. Der Metzger verbessert die Produktivität,
indem er alles wegschneidet, was ihm überflüssig
erscheint. Der Bäcker verbessert sie, indem er die zur
Verfügung stehenden Zutaten kombiniert, um eine
völlig neue und unzweifelhaft wertvollere Mischung
hervorzubringen.
Der Bäcker investiert in die Qualifikationen seiner
Arbeitnehmer, indem er - am Arbeitsplatz ebenso wie
außerhalb - Aus- und Fortbildung zur Verfügung stellt.
Der Bäcker gibt den Arbeitnehmern in der vordersten
Linie beträchtliche Befugnisse bei Produktion und
Verkauf. Durch die Verknüpfung von Löhnen und
Gewinnen oder Produktivität bietet der Bäcker ein
gewisses Maß an Arbeitsplatzsicherheit.
Wenn die Streichung von Arbeitsplätzen unbedingt
erforderlich ist, führt sie der Bäcker auf humane Weise
durch. Soweit wie möglich erfolgt der Abbau durch die
Nichtbesetzung freiwerdender Stellen. Wo zusätzliche Entlassungen notwendig sind, werden die Arbeitnehmer viele Monate vor dem Verlust von Lohn und
Zusatzleistungen benachrichtigt, und es wird ihnen
Hilfe bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz
geboten. Mit anderen Worten: Anstatt Arbeitsmoral,
Loyalität, Erfahrung und Wissen der Beschäftigten
preiszugeben, werden sie von der Bäckerstrategie als
die für die Mischung unerläßliche Hefe gefördert.
Es gibt zunehmende Beweise für die Wirksamkeit der
Bäckerstrategie. Eine breit angelegte Überprüfung
von 27 ökonometrischen Studien gelangte zu der
Schlußfolgerung, daß durch Gewinnbeteiligung die
Produktivität im allgemeinen um 3,5 bis 5 Prozent
erhöht wird. Von 29 Studien, in denen die Beteiligung
der Beschäftigten an betrieblichen Entscheidungen
untersucht wurde, ergaben 14 positive Auswirkungen
auf die Produktivität, während zwei negative und 13
uneinheitliche Auswirkungen anzeigten. Auch im Hinblick
auf unternehmenseigene Ausbildungsprogramme deutet
vieles auf positive Auswirkungen auf die Produktivität
hin. So ergab eine Studie, daß in jeder von vier
Berufsgruppen (darunter sowohl Angestellte als auch
Arbeitnehmer in der Produktion) die Firmen, die ein
offizielles Ausbildungsprogramm eingeführt hatten, einen
um 17 Prozent höheren Produktivitätszuwachs verzeichneten als Firmen, die dies nicht getan hatten.
Die Kombination aus Engagement, Gewinnbeteiligung,
Ausbildung und Arbeitsplatzsicherheit hat erwiesenermaßen größere Auswirkungen als eine einzelne Bäkkerstratagie für sich. Einer Studie des Massachusetts
Institute of Technology (MIT) zufolge, in der Automobilfabriken mit ähnlicher Technologie verglichen wurden, stellten Fabriken, die eine Kombination dieser
Ansätze durchführten, Automobile in durchschnittlich
22 Stunden und mit 5 Mängeln pro Auto her, während
in traditioneller ausgerichteten Werken dafür 30 Stunden aufgewendet werden mußten, bei 8 Mängeln pro
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Auto. Eine detaillierte Untersuchung der Stahlindustrie ergab, daß in Fertigungsstraßen mit Arbeitsplätzen, bei denen eine Kombination dieser Strategien
angewendet wurde, die Arbeit zu 98 Prozent fristgerecht erfüllt wurde, während dies bei Fertigungsstraßen, in denen keine dieser Strategien zum Tragen
kam, lediglich zu 88 Prozent zutraf.
Wird anstatt der Metzger- die Bäckerstrategie eingesetzt, kommt die so gewonnene Produktivität unmittelbar in höheren Gewinnen zum Ausdruck. Eine Untersuchung von 700 Firmen aus allen wesentlichen Industriezweigen kam zu dem Ergebnis, daß Unternehmen, die eine oder mehrere Bäckerstrategien anwendeten, zwischen 1986 und 1991 höhere Gewinne
ausschütteten als Firmen, die dies nicht taten.
Die Nation
Abgesehen von den relativen Vorteilen der Metzgerstrategie gegenüber der Bäckerstrategie für das wirtschaftliche Ergebnis einzelner Unternehmen erhebt
sich darüber hinaus die Frage nach der Wirtschaftsleistung als Ganzes. Eine der großen Stärken der amerikanischen Wirtschaft ist ihr flexibler und mobiler Arbeitsmarkt. Wir sind in der Lage, uns rasch auf Veränderungen in Technologie und Marktnachfrage einzustellen, weil Kapital und Arbeit frei sind, schnell zu
reagieren. Aber auch hier stellt sich die Frage: Geht
die derzeitige Runde des Arbeitsplatzabbaus zu weit?
Arbeitnehmer sind auch Verbraucher. Arbeitnehmer,
die ihren Arbeitsplatz verloren und noch keinen neuen
gefunden haben, werden weniger konsumieren als
diejenigen, die eine Vollzeitstelle haben. Angst vor
Einkommensverlust wirkt dämpfend auf den Konsum.
Vollzeitbeschäftigte, die Angst um ihren Arbeitsplatz
haben, neigen dazu, jeden Dollar zweimal umzudrehen. Wir stellen fest, daß nicht einmal der Anreiz
niedriger Zinsen viel dazu beiträgt, den Verbrauch
anzukurbeln, wenn die Angst um den Arbeitplatz weit
verbreitet ist.
Im Gegensatz zu den Büchern eines Unternehmens,
die nach dem Abbau von Arbeitsplätzen für die verbleibenden Beschäftigten einen Produktivitätszuwachs
verzeichnen mögen, muß die Wirtschaftsleistung einer Nation als Ganzes das Schicksal derjenigen einbeziehen, die ausgeschieden sind. Wenn Arbeitnehmer,
die ihren Arbeitsplatz verloren haben, umgehend neue
Stellen finden, in denen sie ebenso produktiv, wenn
nicht noch produktiver sein können, wird die Gesamtproduktivität des Landes eindeutig erhöht. Wir alle
können uns ein besseres Leben leisten. Aber für
immer weniger Amerikaner, die ihren Arbeitsplatz
verlieren, ist das so leicht.
Die typische Dauer der Arbeitslosigkeit nimmt weiter
zu. In den siebziger Jahren waren durchschnittlich 11
Prozent der Arbeitslosen landesweit sechs Monate
oder länger ohne Beschäftigung. In den achtziger
Jahren waren es 15 Prozent und in den neunziger
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�i
Jahren bisher 16 Prozent. Im vergangenen Jahr
hatten 21 Prozent der Arbeitslosen sechs Monate oder
länger nicht gearbeitet - im Jahresdurchschnitt die
zweithöchste Zahl seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, und über die Hälfte aller freigesetzten Arbeitnehmer sind auch ein Jahr später noch arbeitslos oder
haben Arbeitsplätze, auf denen sie weniger als 80
Prozent ihres früheren Lohns verdienen.
Wir alle zahlen den Preis, und zwar nicht nur in Form
verlorener Arbeitsleistung und Steuereinnahmen. Die
aus der Lohnsummensteuer bezahlten Ausgaben der
Arbeitslosenversicherung betrugen in den vergangenen fünf Jahren inflationsbereinigt durchschnittlich 22
Milliarden Dollar jährlich. Weitere Bundeshilfen für
diejenigen, deren normale Versicherungsleistungen
bereits aufgebraucht sind, haben den amerikanischen
Steuerzahler in jedem der beiden letzten Jahre weitere
12 Milliarden Dollar gekostet. Es ist mir unmöglich, die
Sozialhilfeausgaben für die Arbeitnehmer (und deren
Familien) zu beziffern, die auch diese zusätzlichen
Hilfen ausgeschöpft haben.

ein Jahr bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber beschäftigt,
62 Prozent weniger als fünf Jahre. Das andere Extrem
ist Japan, wo lediglich 10 Prozent der Arbeitnehmer
weniger als ein Jahr bei einem Arbeitgeber angestellt
waren und 37 Prozent weniger als fünf Jahre. Deutschland und Frankreich lagen näher an Japan, während
Großbritannien, Australien und Kanada näher an den
Vereinigten Staaten lagen. Lediglich 25 Prozent der
Amerikaner arbeiteten mindestens 10 Jahre für denselben Arbeitgeber, während dies in Japan, Deutschland und Frankreich auf über 40 Prozent zutraf.

Die durchschnittliche Länge der Beschäftigung an
einem Arbeitsplatz steht unmittelbar im Verhältnis zum
Angebot von Aus- und Fortbildung durch den Arbeitgeber. In den Vereinigten Staaten werden lediglich 20
Prozent der Arbeitnehmer von den Unternehmen offiziell ausgebildet, während dies in Japan und Deutschland für 70 Prozent gilt. Bevor sich ein Unternehmen
bereit findet, in die Ausbildung zu investieren, muß es
augenscheinlich zunächst ein gewisses Maß an Sicherheit haben, daß der Arbeitnehmer noch Jahre bei
der Firma bleiben wird, damit sich diese Ausbildung
Die Regierung arbeitet zurZeit an einem umfassenden auch bezahlt macht. Backen und Schlachten sind
Programm, um diesen arbeitslosen Amerikanern zu unvereinbar.
helfen, so bald wie möglich nach der Entlassung neue,
gute Arbeitsplätze zu finden. Hilfe bei der Arbeitsplatz- Ich möchte weder übertreiben, noch die Gegensätze
suche, Beratung, aktuelle Informationen darüber, wo zu kraß darstellen. Viele hervorragende Unternehmen
sie neue Arbeitsplätze finden können, die ihren Quali- in den Vereinigten Staaten bauen Arbeitsplätze ab und
fikationen entsprechen, Umschulung und zusätzliche bemühen sich gleichzeitig darum, die Qualifikationen
Einkommensbeihilfen während der Umschulung - all und das Engagement ihrer Stammbelegschaft zu
dies ist dringend erforderlich angesichts der Verände- verbessern. Ich möchte lediglich auf die Schwierigkeirungen in der Technik und auf den Weltmärkten, die ten hinweisen, die sich ergeben, wenn man beides tun
den Amerikanern heute raschere Arbeitsplatzwechsel möchte. Ein Bodensatz von Furcht oder Mißtrauen
abverlangen als je zuvor. Durch die gegenwärtige könnte die Fähigkeit oder den Willen der verbleibenEntlassungswelle tritt diese Notwendigkeit jedoch noch den Arbeitnehmer schmälern, sich zu engagieren. Um
stärker in den Vordergrund.
der langfristigen Ertragskraft des Unternehmens willen
und zum Nutzen der amerikanischen Volkswirtschaft
Die Wahl
ist es vielleicht sinnvoller, den Abbau von Arbeitsplätzen als letztes Mittel zu betrachten, und, wenn man zu
Der Abbau von Arbeitsplätzen kann sicherlich ein diesem Mittel greift, den Arbeitnehmern frühzeitige
wirksames Mittel sein, um die Arbeitnehmer eines Vorwarnungen und umfassende Hilfen bei der VorbeLandes an solche Arbeitsplätze zu leiten, an denen sie reitung und Suche nach einer neuen Stelle zu bieten.
mit ihren derzeitigen Qualifikationen am produktivsten
eingesetzt werden können. Tatsächlich erhöht dies Sie sind keine Zuschauer bei diesem großen wirtjedoch nicht den Wert, den ein Arbeitnehmer in die schaftlichen Turnier. Sie führen Buch über den PunkWirtschaft einbringt in dem Sinne, daß es nicht die testand und legen bisweilen die Ziele fest. Sie haben
Qualifikationen oder das Wissen oder andere dem großen Einfluß auf die Anreize für die Mitspieler. Die
Arbeitnehmer eigene Fähigkeiten zur Schaffung von Rollen, die Sie spielen, erlegen Ihnen Pflichten auf Wohlstand verbessert. Die Arbeit wird lediglich umver- Pflichten als Vertreter Ihres Berufsstandes und als
teilt.
Bürger. Ich appelliere an Sie, die Fakten im Hinblick
Man kann nicht alles haben: Je mehr wir schlachten,
desto weniger backen wir. Andere moderne Industriestaaten stehen vor derselben Wahl und haben sich
mehr für das Backen entschieden. In diesem Zusammenhang ist eine neuere Studie der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) aufschlußreich. Im Jahr 1991 waren 29
Prozent deramerikanischen Arbeitnehmer weniger als

darauf eingehend zu prüfen, ob Stellenabbau gut für
ein Unternehmen ist. Ich bitte Sie, um des ganzen
Landes willen zu überlegen, ob wir nicht zu weit gehen.
Sie sollten sich aller Konsequenzen der Signale, die
Sie aussenden, und der Positionen, die Sie einnehmen, bewu ßt sein, und zwar nicht nur in der derzeitigen
Runde des Spiels, sondern auch in der nächsten und
übernächsten. Die Bewahrung der Zukunft ist schließlich die Quintessenz Ihres Berufsstandes.

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�ARBEITSWELT
9. März 1994

GEWERKSCHAFTEN FORDERN "GLOBALEN
NEW DEAL" AUF DEM ARBEITSMARKT
Arbeitslosigkeit ist gravierendstes wirtschaftliches Problem

WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld der für den 14. und
15. März 1994 in Detroit anberaumten Konferenz über
die Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt haben 23 Gewerkschaftsvertreter
aus den G-7-Staaten einen "globalen New Deal" vorgeschlagen und ein koordiniertes Programm zur Sicherung eines langfristigen Beschäftigungsanstiegs
gefordert.
Die Gewerkschaftsfunktionäre äußerten ihre Forderung am 3. und 4. März gegenüber Arbeitsminister
Robert Reich im Hauptsitz des amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands.
In dem von ihnen vorgelegten Dokument warnen sie,
daß "Arbeitslosigkeit, nicht Inflation die Hauptgefahr
darstellfund sprechen sich gegen hohe Zinssätze und
sogenanntes "dogmatisches Festhalten" an "marktwirtschaftlichen Theorien" aus. Ferner beklagen sie
die während der achtziger Jahre erfolgte "Unterminierung von Arbeitsnormen".
Den Gewerkschaftsvertretern zufolge, die den Beratungsausschuß des Gewerkschaftsdachverbands bilden, sollte die Konferenz von Detroit Verhandlungen
über eine in das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) aufzunehmende Klausel zu Arbeitnehmerrechten einleiten. Derzeit ist der Präsident des
amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands, Lane
Kirkland, Vorsitzender des Beratungsausschusses.
Der Ausschuß dient der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der
die G-7-Staaten angehören, als Berater.
Die führenden Arbeitnehmervertreter warnten auch
davor, die Arbeitslosen durch den Abbau sozialer
Sicherheit und die Senkung von Löhnen in die Rolle der
"arbeitenden Armen"zu drängen. Sie stellten fest, daß
mehrere G-7-Staaten zweistellige Arbeitslosenzahlen

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zu beklagen haben und unterbreiteten den Vorschlag,
den Arbeitsnehmern sicherere Arbeitsplätze anzubieten.
Neben der Aufnahme von Arbeitnehmerrechten in
Handelsvereinbarungen fordert der "globale New Deal"
von den Industriestaaten die Verwendung öffentlicher
Gelder für Arbeitsbeschaffungsprogramme wie Investitionen in die Infrastruktur, gezielte Forschung und
Entwicklung sowie Strategien zur Konversion militärischer Güter. Er schlägt "konzertierte und koordinierte"
Maßnahmen zur Förderung des Beschäftigungswachstums in allen G-7-Staaten vor. Ferner erneuert er die
beim Tokioter Gipfel abgegebene Gewerkschaftserklärung und spricht folgende Empfehlungen aus:
Die Entwicklung von Märkten "durch die Abschaffung der Armut weltweit und die Aufnahme
einer Sozialklausel in sämtlichen Handelsvereinbarungen".
Eine "beträchtliche Erweiterung" von Bildung
und Ausbildung.
Die "Verringerung und Neuorganisation der
Arbeitszeit sowie die Verlängerung der Ausbildungszeit".
Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und
Gewerkschaften über "zivilisierten Umgang mit
dem Wandel". In dem Dokument ist zu lesen:
"Eine ausgehandelte Kürzung der Arbeitszeit
stellt eine weitaus bessere Reaktion auf Rationalisierung dar als Massenentlassungen."
Die 23 Gewerkschaftsfunktionäre vertreten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada u nd die Verein igten Staaten sowie vier internationale gewerkschaftliche Organisationen - den interna-

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�tionalen Verband freier Gewerkschaften, der Weltverband der Arbeitnehmer, den europäischen Gewerkschaftsbund und den Beratungsausschuß des amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands.

Präsident Clinton führende Kabinettsmitglieder aus
den G-7-Staaten teilnehmen, die sich mit dem Problem der Schaffung von Arbeitsplätzen und Ankurbelung von Wirtschaftswachstum befassen.

An der Konferenz über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt werden neben

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�ARBEITSWELT
9. März 1994

GLOBALE NACHFRAGE IM MITTELPUNKT
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
USA skeptisch über Wachstumsprognose für Japan

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär im Finanzministerium, Larry Summers, zufolge werden amerikanische Regierungsvertreter die Bedeutung der
Schaffung von Arbeitsplätzen für die Erhöhung der
globalen Nachfrage betonen, wenn Kabinettsmitglieder der führenden Industriestaaten am 14. und 15.
März in Detroit auf der Konferenz über die Schaffung
von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt
zusammentreffen.
Vor einer internationalen Gruppe von Bankiers erklärte
Summers am 7. März, selbst im Falle einer Inflationsrate von 0 Prozent in den europäischen Volkswirtschaften würden deren Arbeitslosenquoten aufgrund
des geringen Sozialprodukts über der 10-ProzentMarke bleiben.
Die Arbeitslosigkeit in Europa ist Summers zufolge seit
1990 um 50 Prozent angestiegen. Gleichzeitig blieb
das Sozialprodukt relativ gering. 1993 stieg es in
Deutschland und Frankreich um weniger als 2 Prozent
an.
"Der Hauptgrund dafür, warum die Arbeitslosigkeit (in
Europa) so viel höher ist, sind die verkrusteten Strukturen der Arbeitsmärkte", äußerte Summers.
In dieser Hinsicht können seiner Meinung nach strukturbezogene Lösungen von Bedeutung sein.
Ein struktureller Ansatz stelle jedoch nur eine teilweise
Lösung dar und ohne einen stärkeren Anstieg der
Nachfrage werde die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr
hoch bleiben.
Summers stellte fest, der fortgesetzt große Handelsbilanzüberschuß Japans habe die globale Nachfrage
gelähmt, und solange Japan seinen Konsum unterdrücke, komme es seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach.

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Summers ist skeptisch über die Prognose eines 2,8prozentigen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts in
Japan im am 1. April 1994 beginnenden Haushaltsjahr.
Ihm zufolge gewährt Japan weiterhin nicht in demselben Maße Zugang zu seinem Markt wie die übrigen
Länder.
Der Staatssekretär wiederholte die Behauptung der
Administration, die von den Vereinigten Staaten für
Japan angestrebten wirtschaftlichen Indikatoren seien
nicht Ziele um ihrer selbst willen, sondern Maßnahmen
um entscheiden zu können, ob der Zugang zum japanischen Markt verbessert werde.
"Auf den Gebieten, auf denen die Marktkräfte funktionieren, streben wir keinen gelenkten Handel an", so
Summers. Vielmehr bestehe das Ziel der Administration darin, auf Bereiche Einfluß zu nehmen, in denen
die japanische Regierung bereits eine zentrale Rolle
spiele.
Summers machte auch den Vorschlag, daß die internationalen Finanzinstitutionen wie die Weltbank und
der Internationale Währungsfonds in Zukunft eine
kleinere Rolle bei makroökonomischer Hilfe und eine
größere Rolle bei der Beschleunigung des Flusses
privater Gelder und der Finanzierung wichtiger Sozialprogramme in Bereichen wie Umwelt und Familienplanung spielen sollten.
Er wies erneut auf die Bedeutung hin, welche der
Verbindung zwischen Finanzhilfen aus dem Westen
und Wirtschaftsreformen in Ru ßland sowie anderen im
Übergang zur Marktwirtschaft befindlichen Staaten
zukommt.
Die osteuropäischen Länder, die die strengsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation ergriffen haben,
wie Polen und die Tschechische Republik, erlebten die

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