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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

2. März 1994

*

BOSNIEN

CLINTON: NATO-AKTION IN BOSNIEN
ERFÜLLTE UNO-MANDAT
Ausweitung des Krieges auf
Luftraum sollte verhindert werden

NAHER OSTEN

CLINTON BERAUMT TREFFEN ZWISCHEN
ISRAELIS UND PALÄSTINENSERN IN
WASHINGTON AN
Reaktion auf das Massaker in Hebron

AUSSENPOLITIK

SPIONAGE RUSSLANDS GEGEN
USA "INAKZEPTABEL"
Rede des Außenministers vor Kongreß

KSZE

DIE KSZE: STRATEGIE UND ZIELSETZUNG
Rede von Botschafter Kornblum

AUSLANDSHILFE

GLEICHBERECHTIGUNG IST SCHLÜSSELELEMENT DES AUSLANDSHILFEGESETZES
Rede von AID-Direktor Atwood

ARBEITSWELT

BESCHÄFTIGUNGSKRISE IM WESTEN
HAT EINE LANGE GESCHICHTE
Studie der American Express Bank

BEVÖLKERUNG

USA BEREITEN SICH AUF
BEVÖLKERUNGSKONFERENZ VOR
Vorbereitungssitzung im April in New York

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
2. März 1994

CLINTON: NATO-AKTION IN BOSNIEN
ERFÜLLTE UNO-MANDAT
Ausweitung des Krieges auf Luftraum sollte verhindert werden
WASHINGTON - (AD) - Die Durchsetzung der UNFlugverbotszone über Bosnien durch die NATO sollte
verhindern, "daß der Krieg auch aus der Luft geführt
werden könnte", erklärte Präsident Clinton am 28.
Februar 1994.
Der amerikanische Regierungschef erinnerte daran,
daß die NATO nicht auf Verletzungen der Flugverbotszone durch Hubschrauber reagiert hatte, die Personal
und Nachschub in das Konfliktgebiet brachten und
stellte fest, die Verletzung vom 28. Februar sei die
erste durch Starrflügler erfolgte seit September vergangenen Jahres. Er äußerte, eine Verletzung des
Flugverbots durch Starrflügler sei "bedeutend ernster,
da sie die Fähigkeit besitzen, an militärischen Vorhaben aus der Luft teilzunehmen".
Vier bosnisch-serbische Flugzeuge wurden abgeschossen, nachdem sie acht Bomben auf ein Krankenhaus
und ein Lager in der Nähe von Novi Travnik im von
Muslimen kontrollierten Zentralbosnien abgeworfen
hatten. Anderen Berichten zufolge waren die Ziele ein
Krankenhaus und eine Munitionsfabrik.
Frühwarnflugzeuge der NATO spürten um 5.31 Uhr
mitteleuropäischer Zeit sechs vom jugoslawischen
Unternehmen Soko gebaute Flugzeuge G-4 Super
Galeb (Seemöve) 'm der Flugverbotszone auf, so Admiral
Mike Boorda, der örtliche NATO-Befehlshaber. Auf
einer Pressekonferenz am 28. Februar im Hauptquartier der Allierten Streitkräfte Südeuropa in Neapel
erklärte Boorda, die Piloten an Bord der F-16 der
NATO, welche die Flugverbotszone der NATO patroullierten, hätten die serbischen Piloten gewarnt, die
Zone zu verlassen oder auf dem serbischen Militärflughafen Banja Luka zu landen. Die Serben ignorierten
ihm zufolge auch eine zweite Warnung, sie sollten die
Flugverbotszone verlassen oder landen, sonst würden
sie von den beiden F-16 der NATO angegriffen, die mit
amerikanischen Piloten an Bord vom NATO-Stützpunkt bei Aviano in Italien gestartet waren.

AMERIKA DIENST 9

Als die Super Galeb mit der Bombardierung begannen,
erhielten die F-16 die Erlaubnis zum Eingreifen und
schössen drei der Flugzeuge ab. Als eine zweite F-16
die vierte Super Galeb abschloß, verließen die zwei
verbleibenden Flugzeuge den Luftraum über Bosnien.
Laut Boorda wurden die beiden Super Galeb nicht von
den F-16 verfolgt und die amerikanischen Piloten
sahen auch nicht, ob die serbischen Piloten sich mit
dem Schleudersitz retten konnten.
Der französische General Jean Cot, der Oberkommandierende der UNO-Schutztruppen (UNPROFOR),
gab nach der Militäraktion des Bündnisses eine Erklärung ab, daß "alle Schritte der NATO-Operation in
strikter Übereinstimmung mit den zur Überwachung
der Flugverbotszone vereinbarten Verfahren" stattfanden.
Präsident Clinton stellte fest, es seien zwei Warnungen abgegeben worden. "Es wurde jeder Versuch
unternommen ... diesen Zusammenstoß zu vermeiden. ... Nach dem UN-Mandat (den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats) hatten die Vereinigten Staaten die
Aufgabe zur Durchsetzung des Flugverbots, um die
Möglichkeit auszuschließen, daß der Krieg auch aus
der Luft geführt werden könnte", so der Präsident.
Clinton äußerte sich vor Journalisten, als erdas Weiße
Haus verließ, um in Chicago Redetermine wahrzunehmen und in Pittsburgh mit dem britischen Premierminister John Major zusammenzutreffen. Clinton und
Major werden ein privates Abendessen in Pittsburgh
einnehmen, wo der Großvater und der Vater des
Premierministers gelebt hatten, und später gemeinsam nach Washington zurückkehren.
In Chicago antwortete der Präsident auf eine Frage,
Washington hätte wegen des Vorfalls im bosnischen
Luftraum mit russischen Regierungsvertretern "in Kontakt
gestanden" und Moskau darüber informiert, dies habe
"nichts mit den Aktionen um Sarajevo zu tun", stehe
aber in Zusammenhang mit der weiteren Durchset-

Seite 1

�zung der UNO-Flugverbotszone. Rußland hat unge- Gore äußerte Journalisten gegenüber, der Vorfall könnte
fähr 400 Soldaten entsandt, um sich an der Überwa- die Chancen für eine Lösung der Bosnienkrise erhöchung des Rückzugs serbischer Artillerie um Sarajevo hen und wies darauf hin, der Zwischenfall sende eine
zu beteiligen; die Serben befolgten das Flugverbot "klare und entschiedene" Botschaft, welche die Erkläunter Androhung von Luftschlägen der NATO.
rungen der NATO und der UNO "stärkt".
Vor seinem Treffen mit Präsident Clinton traf Premierminister Major im Weißen Haus mit Vizepräsident AI
Gore zusammen. Erteilte Reportern mit, die Flugverbotszone sei von den serbischen Flugzeugen "eindeutig verletzt" worden. "Es gab keinen Grund für die
Anwesenheit der Flugzeuge dort. Sie verfolgten feindliche Absichten", so Major.

Unterdessen erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry, der Vorfall sei "eine sehr klare
Demonstration von Seiten der NATO, daß sie zur
Durchsetzung des Flugverbots entschlossen ist".

Obwohl es schwierig sei, Spekulationen über die Motive
der bosnischen Serben anzustellen, so McCurry, reiche die Analyse der bosnisch-serbischen Aktion durch
Major stellte fest, die Serben seien gewarnt worden, zu das Außenministerium "von schierer Dummheit zu
landen oder den bosnischen Luftraum zu verlassen, einer Art Testfall für die NATO".
hätten die Warnungen jedoch ignoriert. "Sie beachteten diese Warnung nicht", so der Premierminister. "Sie Auf Fragen stellte er fest, Vertretern der NATO zufolge
wurden abgeschossen und konnten offen gesagt auch seien sieben T-55-Panzer am 28. Februar von einer
Reparatureinrichtung nahe Sarajevo entfernt und unnichts anderes erwarten."
ter Kontrolle der UNPROFOR gestellt worden.
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 9

�NAHER

OSTEN
2. März 1994

CLINTON BERAUMT TREFFEN ZWISCHEN ISRAELIS
UND PALÄSTINENSERN IN WASHINGTON AN
Reaktion auf das Massaker in Hebron
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton berief am 25. Februar 1994 als Reaktion auf den Zwischenfall in
Hebron die israelischen und palästinensischen Unterhändler in Washington ein und forderte sie zum Verbleib
am Verhandlungstisch auf, bis ihrem Rahmenabkommen Substanz verliehen worden sei.

Clinton erklärte, als unverzügliche Reaktion auf das
Massaker in der Abraham Moschee in Hebron im
Westjordanland habe Außenminister Christopher die
Zustimmung des israelischen Ministerpräsidenten
Yitzhak Rabin und des Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Yasser Arafat, zur
Einberufung der Sitzung in Washington erhalten.
Nachrichtenberichten zufolge hatte ein extremistischer
israelischer Siedler 20 Betende in der Moschee getötet
und über 100 verwundet.
Auf eine Frage antwortete Clinton, er habe das Treffen
in Washington aufgrund von "Umfang und Hintergrund"des Massakers sowie der Tatsache einberufen,
daß der Zeitpunkt "wegen der Vereitelung des Friedensprozesses zweifelsohne das Leben Hunderttausender beeinflußt. Ich hoffe, die Staatskunst der
Politiker in der Region und die Aufmerksamkeit für
dieses schreckliche Problem werden nicht nur das
entschärfen, was zu einer noch viel schlimmeren Runde
des Mordens und der Vergeltungsschläge führen könnte,
sondern auch tatsächlich dazu benutzt, das Ziel der
Mörder zu vereiteln und den Friedensprozeß zu beleben."
Clinton zufolge haben die beiden Politiker zugestimmt,
"ihre Unterhändler... möglichst bald nach Washington
zu entsenden, die dort bis zur Beendigung ihrer Arbeit
ununterbrochen tagen sollen". Die beiden Seiten
arbeiten an der Umsetzung der im September letzten
Jahres im Weißen Haus unterzeichneten Grundsatzerklärung. Sie fordert Israel auf, den Gaza-Streifen
und die Stadt Jericho im Westjordanland palästinensischer Verwaltung zu unterstellen.

AMERIKA DIENST 9

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
stellte fest, eine intensivere Runde der Gespräche in
Washington könne bereits in der kommenden Woche
beginnen sowie die israelischen und palästinensischen
Unterhändler einbeziehen, die in einer Reihe von Sitzungen in Taba und Kairo "ermutigende Fortschritte"
erzieh hätten. Die verbleibenden Themen würden sich
vermutlich um Sicherheitsfragen im Gaza-Streifen und
Jericho einschließlich der Rolle der palästinensischen
Polizei, der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Israel
und den Palästinensern sowie der Übergabe der
Regierungsgewalt von den Israelis an die Palästinenser in 45 oder 46 Orten drehen.
Ziel der Vereinigten Staaten, so der Beamte, sei "die
Beschleunigung der Verhandlungen... und ihrbaldiger
erfolgreicher Abschlu ß". Im "wesentlichen" beschränke sich die amerikanische Rolle auf "Unterstützung", er
räumte jedoch ein, Regierungsvertreter würden "aktiv"
vermitteln. Amerikanische Diplomaten, erläuterte der
hochrangige Beamte, würden Gespräche mit beiden
Seiten führen, deren Erfordernisse sondieren und
beurteilen, wie die jeweilige Seite die Position der
anderen interpretiert. "Wir können dazu beitragen, die
Differenzen auszumachen und manchmal bei der
Klärung des Verständnisses der Sichtweise der anderen Seite behilflich sein."
Dem Regierungsvertreter zufolge hat Clinton die Einladung nach Washington ausgesprochen, weil das
Massaker in der Moschee "das Potential zur Vernichtung der bereits erzielten Fortschritte hat. Wir wollten
sicherstellen, daß der Prozeß nicht vereitelt wird und
wir alles in unserer Macht Stehende tun, damit dieser
Fall nicht eintritt."

Seite 1

�Das Ziel der Vereinigten Staaten sei, auf ein möglichst
baldiges Abkommen zu drängen in der Überzeugung,
"daß dies die Gegebenheiten vor Ort in einer Weise
verändern wird, die eine langfristige friedliche Lösung
begünstigt".

Auf die Frage nach Berichten, denen zufolge die
israelischen Armee-Einheiten die Fortsetzung der
Schießereien erlaubt hätten, antwortete der Präsident:
"Wir wissen nicht, ob dies der Wahrheit entspricht.
Meiner Ansicht nach wollen die Israelis die Sicherheit
verbessern, wo sie können, und ich möchte dazu nicht
Sowohl Arafat als auch Rabin hätten die Einladung ohne Beweise oder stichhaltigen Grund zu der Annahnach Washington gerne angenommen, fügte der Beamte me, daß dies zutrifft, Stellung nehmen."
hinzu. Christopher habe den beiden Politikern erklärt,
"angesichts dieses Ereignisses und angesichts der Der Präsident erklärte, er verurteile die Morde stellverBedeutung einer Beschleunigung des Prozesses" sollten tretend für das amerikanische Volk "in schärfster Weise.
beide Seiten seines Erachtens ihre Unterhändler nach Ich bin empört und betrübt, daß solch ein abscheuliWashington entsenden. Beide Politiker hätten unver- cher Akt verübt werden konnte und bekunde mein
züglich zugestimmt. (Christopher, so der Regierungs- aufrichtiges Beileid für die Familien der Getöteten und
vertreter, hätte Arafat zweimal angerufen. Einmal, um Verwundeten."
seiner Betroffenheit und Sorge über das Massaker
Ausdruck zu verleihen und dann, um den PLO-Vorsit- Der Sprecher des Außenministeriums Michael McCurzenden zu einer Warnung seiner Anhänger vor Vergel- ry fügte hinzu, au ßer den Anrufen bei Rabin und Arafat
habe Außenminister Christopher auch mit seinem
tungsschlägen aufzufordern).
ägyptischen Amtskollegen gesprochen.
Ziel der Washingtoner Gespräche sei die Beendigung
der Gewalt nach dem Prinzip "Auge um Auge", von der "Alle Anrufe zielten auf die Zusammenarbeit mit den
die Region seit Generationen heimgesucht wird und Parteien ab, gute Ideen über unser Vorgehen in der
"eine völlig andere Zukunft zu schaffen. Worauf wir nächsten Woche zu entwickeln", so McCurry. "Die
drängen und hoffen müssen ist, daß die Dividenden Vereinigten Staaten haben die Absicht, die Parteien
des Friedens hoch genug zur Diskreditierung der zu Anfang nächster Woche hier in Washington zusamseiner Unterminierung Entschlossenen sind." Er be- menzubringen."
kräftigte, offensichtliches Ziel des Anschlags in der
Moschee sei "eindeutig die Verhinderung des Friedens McCurry erklärte, er habe weder einen Zeitplan für die
... Wenn wir ein Abkommen erlangen können ... ist Gespräche noch Anhaltspunkte, wann und wie die
dies der beste Weg zur Veränderung der Realitäten Delegationen zusammenkommen.
vor Ort in einer Weise, die auch die zur Vereitelung des Bei einem Phototermin mit dem zu Besuch weilenden
Friedens Entschlossenen diskreditieren wird."
kanadischen Außenminister Andre Quellet stellte
Außenminister Christopher Journalisten gegenüber
Der Präsident stellte fest, seines Erachtens "stehen fest: "Wir müssen Wege zu Beschleunigung der
beide Seiten kurz vor einem Abkommen" und er wolle Verhandlungen und Mittel finden, diesen schreckli"den Menschen in der Region ein Signal senden... daß chen Zwischenfall zur Belebung des Friedensprozesder Weg zum Frieden immer noch der richtige Weg ist". ses zu nutzen."
Mit dem Verweis auf die in einer Reihe von Gesprächen in Kairo und an anderen Orten erzielten beacht- Der Anschlag auf die Moschee löste weltweit Betroflichen Fortschritte verlieh er seiner Hoffnung Aus- fenheit aus und veranlaßte das US-Außenministedruck, "daß die Parteien die tragischen Ereignisse von rium, alle amerikanischen Staatsbürger vor Reisen
heute zu einem Katalysatorfür wertere Fortschritte und nach Ostjerusalem, ins Westjordanland und den GazaAussöhnung machen können".
Streifen zu warnen.
"Es kann kein Zufall sein", so Präsident Clinton, "daß
der Mörder im heiligen Monat Ramadan zugeschlagen

und einen Ort ausgewählt hat, der Muslimen und
Juden heilig ist. Sein offensichtliches Ziel war die
Zerstörung der sich jetzt zwischen den Palästinensern
und Israelis abzeichnenden historischen Versöhnung."
Clinton forderte "alle Parteien zur größtmöglichen
Zurückhaltung in einer äußerst emotionalen Situation
auf, fü r die wir alle Verständnis haben. Dem Präsidenten zufolge sind Extremisten auf beiden Seiten "entschlossen, die Araberund Israelis wieder in unendliche
Konflikte und Blutvergießen zu verstricken. Wir müssen sie daran hindern, die Hoffnungen, Visionen und
Wünsche der Menschen nach einem Leben in Frieden
zu vereiteln."

Seite 2

In einer schriftlichen Erklärung verurteilte Außenminister Christopher den Anschlag mit scharfen Worten,
bekundete den Familien der Getöteten und Verwundeten gegenüber sein Beileid und forderte alle Seiten auf,
Ruhe, Vernunft und Zurückhaltung zu bewahren.
"Akte der Gewalt wie dieser können nur den Zielen der
Feinde des Friedens dienen", äußerte der Außenminister. "Die Parteien im Friedensprozeß dürfen sich
durch diese Art von Gewalt nicht von der Fortsetzung
des Weges zum Frieden abhalten lassen, der allen
Menschen in dieser krisengeschüttelten Region dienen wird."
Bei der Pressekonferenz stellte McCurry fest, die
Vereinigten Staaten versuchten, alle Diskussionen im

AMERIKA DIENST 9

�Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen
Ansatz zum Friedensprozeß in Washington zu konzentrieren und alles in ihrer Macht Stehende zur Förderung von Fortschritten zu tun.

Die Vereinigten Staaten hätten stets ihre Bereitschaft
zur Beteiligung an den Verhandlungen erklärt, um
Hilfestellung zu leisten, wenn die beiden Parteien dies
als nützlich erachteten.

McCurry zufolge würden die beiden Seiten voraussichtlich direkt an den bisher in Paris geführten Gesprächen über die wirtschaftlichen Aspekte der Umsetzung der Grundsatzerklärung sowie an den Sitzungen in Kairo und Taba zu anderen Themen wie etwa
politische Fragen und die Formulierung einer Abschlußerklärung beteiligte Unterhändler entsenden.
Die Unterhändler, die in Washington direkte Konsultationen zu über den Umfang der Grundsatzerklärung
hinausgehenden Fragen unterhalten, könnten ebenfalls zur Teilnahme an den Erörterungen eingeladen
werden.

"Aufgrund der heutigen Tragödie in Hebron ist dies ein
kurzer Abriß des Geschehens. Die Parteien haben in
Konsultationen mit uns zugestimmt, die Gespräche
nach Washington zu verlagern, weil die Vereinigten
Staaten eine Rolle spielen sollen, die... bisher... noch
nicht klar umrissen ist. Zumindest können jedoch
unsere Büros und Einrichtungen hier genutzt werden,
um den Parteien bei Fortschritten zur Seite zu stehen",
führte McCurry aus.
"Angesichts des enormen Ausmaßes der heutigen
Tragödie, der Verluste an Menschenleben, der Tatsache, daß die Feinde des Friedensprozesses in der
Vergangenheit den Prozeß behindern und stören
konnten, war es aus der Sicht der Vereinigten Staaten
außerordentlich wichtig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um diesen Prozeß voranzubringen."

"Es liegt eine sehr arbeitsreiche Zeit vor uns", erläuterte der Sprecher. "Daß die Vereinigten Staaten zur
Belebung der Gespräche sowie mit Vorschlägen und
jeder Art von Unterstützung alles Erdenkliche zu Fortschritten beitragen, könnte die Dynamik etwas wandeln."

McCurry würdigte eine am 25. Februar vom israelischen Kabinett herausgegebene Erklärung "als sehr
durchgreifend und entgegenkommend", in der die von
der Regierung in Erwägung gezogenen Schritte zur
Eindämmung der in Hebron durch einen israelischen
Extremisten ausgeübten Art von Gewalt dargelegt
werden.

"Es ist außerordentlich wichtig, sich vor Augen zu
führen, daß die Palästinenser und die Israelis kurz vor
einem Abkommen standen, das den Weg zur offiziellen Umsetzung der vom PLO-Vorsitzenden Arafat und
Ministerpräsident Rabin im Weißen Haus unterzeichneten Grundsatzerklärung ebnen würde", erinnerte
McCurry die Journalisten.

"Die israelische Regierung vertritt die Auffassung, daß
diese Elemente in ernsthafter und gefährlicher Weise
die öffentliche Ordnung verletzen und jede rechtliche
Maßnahme ergriffen werden sollte, um sie zurückzuhalten", stellte der Sprecher fest. "Wir erachten dies
als eine sehr bedeutsame Aussage des Kabinetts."

"Der Rahmen eines Abkommens liegt in greifbarer
Nähe. Sie haben bei den bis heute geführten Gesprächen enorme Fortschritte erzielt. Der Zweck der
Zusammenkunft hier in Washington besteht in der
Beschleunigung dieses Prozesses und herauszufinden, ob sie die Arbeit an diesem endgültigen Text nicht
bald abschließen können."

* *

AMERIKA DIENST 9

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Seite 3

�AUSSENPOLITIK
2. März 1994

SPIONAGE RUSSLANDS GEGEN USA
"INAKZEPTABEL"
Rede des Außenministers vor Kongreß
WASHINGTON - (AD) - "Die Fortsetzung der russischen Spionagetätigkeit gegen die Vereinigten Staaten ist
inakzeptabel", erklärte Außenminister Christopher in einer Anhörung über die Herausforderungen der amerikanischen Außenpolitik vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats am 23. Februar 1994 und fügte hinzu, die
Verhaftung eines CIA-Mitarbeiters aufgrund des Verdachts der Spionage für Rußland sei "eine sehr ernste
Angelegenheit".
Im Hinblick auf Bosnien stellte der Außenminister fest, der jetzt in Sarajevo herrschende Waffenstillstand "ist das
Ergebnis einzigartiger gemeinsamer Bestrebungen", und die Vereinigten Staaten "verpflichten sich zu aktivem
Engagement im Friedensprozeß". Er warnte jedoch, "niemand sollte unsere Entschlossenheit zum Einsatz von
Gewalt bezweifeln, falls dieser erforderlich ist. Wenn schwere Waffen wieder um Sarajevo Stellung beziehen,
werden sie Ziel von Angriffen."
Christopher erwähnte ferner seinen für März anberaumten Besuch in Beijing, bei dem er chinesischen
Regierungsvertretern gegenüber die Bedeutung unterstreichen werde, die die Vereinigten Staaten Fortschritten
im Bereich der Menschenrechte zumessen. Es müßten "dringend" Fortschritte erzielt werden, wenn Präsident
Clinton den Meistbegünstigungsstatus für China erneuern soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Christopher.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich
freue mich, wieder vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Senats sprechen und Ihnen heute die Herausforderungen darlegen zu können, mit denen sich die
amerikanische Außenpolitik konfrontiert sieht. Ihr
Wissen und Ihre Unterstützung sind absolut unerläßlich für mich und diese Administration bei der Erarbeitung eines erfolgreichen Kurses für die Vereinigten
Staaten in der Zeit nach dem Kalten Krieg.
Als ich das letzte Mal vor diesem Ausschuß gesprochen habe, stellte ich fest, daß wir in einer Zeit leben,
in der wir nicht länger von den Forderungen des
Containment getrieben oder durch dieses strategische
Gebot begrenzt werden. Dieses neue Zeitalter läßt
sich nicht mit Schlagworten charakterisieren. In dieser
Zeit tiefgreifender Umwälzungen besteht unsere größte Aufgabe, Herr Vorsitzender, in der Festsetzung
eines klaren Kurses für die Außenpolitik dieser Nation:
Mit Sorgfalt die für dauerhafte Sicherheit und Wohlstand des amerikanischen Volkes vitalen Interessen
auszumachen und sie mit Zielstrebigkeit zu verfolgen.
Anfang dieses Monats unterbreitete der Präsident
dem Kongreß seinen Gesetzentwurf für Frieden,
AMERIKA DIENST 9

Wohlstand und Demokratie, der die übergreifenden
nationalen Sicherheitsziele der Vereinigten Staaten in
der Zeit nach dem Kalten Krieg definiert. Der Etat des
Präsidenten für das Haushaltsjahr 1995 steht im Einklang mit den in der Gesetzesvorlage dargelegten
Zielen. Ich möchte mich heute auf sechs Prioritäten im
Rahmen dieser allgemeinen Ziele konzentrieren. Es
sind die sechs strategischen Prioritäten unserer Außenpolitik, die ich im November letzten Jahres erstmals vor diesem Ausschu ß erläutert habe. Es sind die
Prioritäten, die wir meines Erachtens ansprechen
müssen, wenn wir die großen Herausforderungen
dieses Zeitalters des Wandels bewältigen wollen. Ich
freue mich berichten zu können, daß wir in jedem
dieser Bereiche eine starke Führungsrolle übernommen und beachtliche Fortschritte erzielt haben.
Nach diesem Überblick werde ich kurz darauf eingehen, wie wir unsere Ressourcen zur Förderung dieser
Prioritäten und unserer anderen außenpolitischen Ziele
einzusetzen gedenken. Unsere Haushaltsvorlage für
1995 ist der erste wirkliche Haushalt für auswärtige
Angelegenheiten nach dem Kalten Krieg. Die von uns
gesetzten strategischen Prioritäten, der von uns vor-

Seite 1

�gelegte Haushalt und die Neuorientierung unserer
Auslandshilfe durch das vorliegende Gesetz für Frieden, Wohlstand und Demokratie verkörpern Präsident
Clintons Vision der neuen Herausforderungen für die
amerikanische Außenpolitik im 21. Jahrhundert. Es
sind die Herausforderungen der Förderung von Demokratie, Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherheit
und der Konfrontation mit neuen und alten Bedrohungen unserer Sicherheit.
Vor einer Analyse unserer strategischen Prioritäten
und unseres Haushalts möchte ich jedoch die Ereignisse ansprechen, die zweifelsohne diesen Ausschuß
sowie das amerikanische Volk beschäftigen und die
direkte Auswirkungen auf eine dieser Prioritäten haben - unser Interesse an einem sicheren und stabilen
Europa. Ich möchte mit einer Beschreibung der heutigen Sachlage in Bosnien beginnen.

Clintons Vorschlag am 9. Februar die Unterstellung
der die Stadt bedrohenden schweren Waffen unter die
Kontrolle der UNO oder deren Abzug in eine Sperrzone
von 20 Kilometern außerhalb der Stadt an.
Bis heute, drei Tage nach dem Ablauf der 10tägigen
Frist, hat sich das Ultimatum als wirksam erwiesen.
Dies ist in hohem Maße der Entschlossenheit und
Solidarität des NATO-Bündnisses unter Führung der
Vereinigten Staaten zu verdanken. Im Lichte dieser
Zielstrebigkeit und nach direkten Gesprächen zwischen den Präsidenten Clinton und Jelzin haben die
Russen auf die Einhaltung des NATO-Ultimatums
durch die bosnischen Serben gedrängt.

Niemand sollte unsere Entschlossenheit zum Einsatz
von Gewalt bezweifeln, falls dieser erforderlich ist.
Wenn schwere Waffen wieder um Sarajevo Stellung
beziehen, werden sie Ziel von Angriffen. Wenn die
Bombardierung Sarajevos wieder beginnt, werden die
Bosnien
schweren Waffen, wo immer sie stationiert sind, AnWir blicken einem neuen und hoffnungsvolleren Kapi- griffen ausgesetzt. Wir werden genaue Luftüberwatel in Bosnien entgegen. Der jetzt in der umkämpften chung bereitstellen, wenn die UNO-Truppen angegrifStadt Sarajevo herrschende Waffenstillstand ist das fen werden oder um Hilfe ersuchen. Und wir werden in
Ergebnis einzigartiger gemeinsamer Bestrebungen der Erwägung ziehen, ob der zur Beendigung der BombarVereinigten Staaten, der Europäischen Union, der dierung von Sarajevo benutzte Ansatz an anderen
NATO, Rußlands und der Vereinten Nationen. Die Orten in Bosnien erfolgreich sein kann. Unsere InterVereinigten Staaten verpflichten sich zu aktivem essen haben kein Verfallsdatum - genausowenig wie
Engagement im Friedensprozeß im ehemaligen Jugo- die NATO-Entscheidung, die von diesen Interessen
slawien. Wir werden unser volles diplomatisches geleitet war.
Gewicht bei der Suche nach einer Lösung einbringen,
die das Morden beenden kann.
Auf Anweisung des Präsidenten arbeiten wir jetzt aktiv
mit den Parteien und anderen interessierten Nationen
Der Kongreß und das amerikanische Volk sollten ein an der Herbeiführung einer Lösung, die einen tragfähiklares Verständnis der unsere Aktionen leitenden gen bosnischen Staat und einen dauerhaften Frieden
nationalen Interessen haben. Präsident Clinton hat sicherstellt. Wir werden eng mit der bosnischen
diese Interessen in seiner Ansprache an die Nation am Regierung zusammenarbeiten, um ihre begründeten
vergangenen Samstag formuliert: Wir haben ein stra- Forderungen für eine Verhandlungslösung auszumategisches Interesse daran, eine Ausuferung "zu einem chen und zu deren Verwirklichung beizutragen. Wir
größeren europäischen Konflikt zu verhindern, insbe- zählen auf die Mitarbeit der Europäer und Russen, um
sondere zu einem Konflikt, der unsere Bündnispartner andere Parteien - vor allem die Serben - von einer
in der NATO bedrohen oder den Übergang zur friedli- Beilegung des Konflikts zu überzeugen. Sollte es eine
chen Demokratie in den ehemals kommunistischen tragfähige Lösung geben, bekräftigen die Vereinigten
Staaten unterminieren könnte". Wir haben ein politi- Staaten vobehaltlich der Zustimmung des Kongresses
sches Interesse an der Sicherstellung der Glaubwür- ihre Bereitschaft zur Beteiligung an Bestrebungen der
digkeit und Integrität des NATO-Bündisses, eines NATO zur Umsetzung der Lösung.
Bündnisses, das sich an uns um eine Führungsrolle bei
der Bewältigung dieser Krise gewandt hat. Wir haben Während unsere Initiative in den kommenden Wochen
ein Interesse an der Eindämmung der destabilisieren- vorangebracht wird, möchte ich nicht den Eindruck
den Flüchtlingsströme, die dieser Kampf in ganz Euro- erwecken, daß der Erfolg in greifbarer Nähe liegt. Die
pa hervorbringt. Und zweifelsohne haben wir ein Verhandlungen sind schwierig und außerordentlich
humanitäres Interesse an der Beendigung der Grau- komplex. Mit einem klaren Verständnis unserer Intersamkeit ethnischer Säuberungen und der Milderung essen und wie ihnen am besten gedient werden kann,
des Leids derjenigen, denen der Hungertod droht.
werden die Vereinigten Staaten jedoch den Parteien
mit der erforderlichen Sorgfalt und Ausdauer bei der
Diese Analyse unserer Interessen veranlaßte Präsi- Erlangung eines dauerhaften Friedens behilflich sein.
dent Clinton zum Vorschlag eines N ATO-Abkommens Die durch die Sarajevo-Initiative entstandene Dynamik
über die Androhung von Luftangriffen zur Beendigung und größere Glaubwürdigkeit eröffnen mehrere neue
des Mordens an Zivilisten in Sarajevo und zu neuem Möglichkeiten. Wir werden jeden Weg zum Frieden
Auftrieb für den Friedensprozeß. Wie Sie wissen, verfolgen.
ordnete die NATO nach der Zustimmung zu Präsident

Seite 2

AMERIKA DIENST 9

�Herr Vorsitzender, so wichtig und beunruhigend die
Probleme in Bosnien heute auch erscheinen mögen,
dürfen sie uns doch nicht von der Verfolgung umfassenderer außenpolitischer Ziele abhalten. Ich möchte
jetzt mit Ihnen unsere Fortschritte bei der Verwirklichung der sechs strategischen Prioritäten unserer
Außenpolitik sowie die sie und andere nationale Sicherheitsziele unterstützenden Ressourcen erörtern
und überprüfen.
1. Wirtschaftliche Sicherheit
In meiner letzten Rede vor diesem Ausschuß habe ich
wirtschaftliche Sicherheit als erste dieser Prioritäten
definiert. Ich habe dies absichtlich getan, selbst auf die
Gefahr hin, Außenpolitik als Orthodoxie zu bezeichnen. In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen
Wirtschaftsfragen das Kernstück unserer Innen- und
Außenpolitik bilden. Präsident Clinton ist mit beeindruckendem Erfolg der Vorreiter der wichtigsten und
ehrgeizigsten internationalen wirtschaftlichen Tagesordnung aller Präsidenten seit nahezu einem halben
Jahrhundert.
Am 4. November 1993 habe ich dargelegt, daß sich
den Vereinigten Staaten mit NAFTA, APEC und GATT
einzigartige Chancen bieten. Ich freue mich, daß wir
dieses Dreiergespann für die wirtschaftliche Zukunft
Amerikas auf den Weg gebracht haben.
Als der Kongreß das NAFTA verabschiedete, haben
wir Chancen für hochbezahlte Arbeitsplätze im Inland
im Exportbereich geschaffen und eine Brücke engerer
wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit mit
Lateinamerika - angefangen mit Mexiko - geschlagen.
Als der Präsident Veranstalter des erfolgreichen Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC)
war, erfaßten wir eine dynamische Region, die in
zunehmendem Umfang amerikanische Exporte anzieht und hochbezahlte amerikanische Arbeitsplätze
unterstützt. Als wir die Verhandlungen der UruguayRunde erfolgreich beendeten, schlössen wir das weitreichendste Handelsabkommen der Geschichte - ein
Abkommen, das Zölle senkt, Handelshemmnisse
abbaut, Wachstum ankurbelt, amerikanische Arbeitsplätze schafft und im nächsten Jahrzehnt 5 Billionen
Dollar zur Weltproduktion beiträgt.
Präsident Clintons Entschlossenheit, die Wirtschaftspolitik zum Kernstück der Außenpolitik zu machen, hat
sich in den Bereichen bewiesen, in denen wir Erfolg
hatten. Diese Entschlossenheit ist ebenso offenkundig in einem Bereich, in dem wir noch Erfolge anstreben: unseren Wirtschaftsbeziehungen zu Japan.
Diese Administration engagiert sich weiterhin, unsere
Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Japan auf
eine ebenso feste Grundlage wie unsere sicherheitspolitische und diplomatische Zusammenarbeit zu stellen. Die von Japan mit den Vereinigten Staaten und

AMERIKA DIENST 9

den meisten anderen Ländern erzielten Handelsüberschüsse sind nicht länger hinnehmbar.
Das mit Japan im Juli vergangenen Jahres geschlossene Rahmenabkommen zielt auf eine Erweiterung
des Marktzugangs und eine Behebung des inakzeptablen japanischen Handelsüberschusses mit der Wert
ab. Seit damals konnten wir jedoch keine zufriedenstellenden Fortschritte bei den jeweiligen Körben staatliche Beschaffung, Versicherung und Autos - oder
im Hinblick auf die makroökonomischen Schritte beobachten, die Japan unseren Erwartungen gemäß unternehmen sollte.
Wir erwägen unsere Optionen. Wir wollen keinen
Handelskrieg, wir wollen Handelschancen. Japan
muß seine Verantwortung als eine der größten Volkswirtschaften und Handelsnationen der Welt übernehmen. Das Land muß seine uns und der übrigen Welt
gegenüber eingegangenen Verpflichtungen einlösen.
Dies ist ein globales, nicht nur ein amerikanisches
Problem. Und alle von uns erzielten Fortschritte
werden sowohl der Weltwirtschaft als auch unserer
eigenen Volkswirtschaft helfen. Ich werde im kommenden Monat nach Japan reisen, um unsere Position
gegenüber den japanischen Regierungsvertretern zu
bekräftigen.
2. Rußland und die anderen neuen unabhängigen
Staaten
Herr Vorsitzender, seit der Amtsübernahme dieser
Administration gründet sich unsere Politik gegenüber
Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten auf zwei entscheidende Prämissen. Erstens liegen
die Reformen in der ehemaligen Sowjetunion im umfassenden Interesse der Vereinigten Staaten. Zweitens werden die Reformen nicht leicht sein und die
ständige und starke Unterstützung der internationalen
Staatengemeinschaft erfordern.
Wir sind uns der enormen Schwierigkeiten der Region
bei der vielschichtigen Umgestaltung von einer totalitären zu einer demokratischen Regierung, von einer
Kommando- zur Marktwirtschaft und von einem einzigen Imperium zu vielen neuen unabhängigen Staaten
bewußt. Wir müssen realistisch in unseren Erwartungen, unerschütterlich in unserer Unterstützung der
Reformen und unmißverständlich in unserer Ablehnung von Kräften sein, deren Politik unseren Interessen zuwiderläuft.
Wie Sie wissen, wurden gestern von einem Gericht in
Alexandria (Virginia) ein amerikanischer Mitarbeiter
des CIA und seine Frau offiziell der Spionage für die
ehemalige Sowjetunion und die Russische Föderation
angeklagt. Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit.
Gestern habe ich den russischen Geschäftsträger
einbestellt, um in schärfster Form gegen das Vorgehen des russischen Nachrichtendienstes zu protestieren. Botschafter Pickering sprach dieses Thema
Seite 3

�ebenfalls in Gesprächen mit hochrangigen russischen
Regierungsvertretern in Moskau an, und wir werden
diese Gespräche auf oberster Ebene in Washington
und Moskau fortsetzen. Der Präsident hat eine intensive Überprüfung der Auswirkungen dieses Falls auf
unsere nationale Sicherheit durch die Administration
angeordnet.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle erdenklichen Schritte unternehmen, um solche gegen unser
Land gerichteten Aktivitäten zu verhindern. Das Ausmaß der Auswirkungen dieses Vorfalls auf unsere
Beziehungen zu Rußland wird von den russischen
Aktionen in den nächsten Tagen abhängen.
Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben Ängste über die Zukunft Rußlands Wiederaufleben lassen.
Diese Ereignisse sollten jedoch vor dem Hintergrund
der amerikanisch-russischen Beziehungen gesehen
werden, die sich im letzten Jahrzehnt radikal verändert
haben.

Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki
verankert. Diese Prinzipien finden auch auf alle Aktivitäten russischer Truppen in den Nachbarstaaten
Anwendung.
Wir müssen ferner auf die Gewährleistung hinarbeiten,
daß Rußland und seine Nachbarstaaten ihre Konflikte
friedlich beilegen - Konflikte, die unser Interesse an
den wirtschaftlichen und politischen Reformen der
Region direkt betreffen. Unsere Bestrebungen zeitigen bereits Erfolge. Beispielsweise arbeiten wir aktiv
an dem uneingeschränkten und fristgerechten Abzug
aller russischen Truppen aus dem Baltikum in diesem
Jahr mit. Und im vergangenen Monat unterzeichnete
die Ukraine nach sorgfältigen diplomatischen Bestrebungen und Präsident Clintons persönlichem Einsatz
das trilaterale Abkommen mit den Vereinigten Staaten
und Rußland, mit dem die Weichen zur Beseitigung
der Nuklearwaffen vom Territorium der Ukraine gestellt werden.

Eine oberste Priorität von Präsident Clinton im Bereich
der nationalen Sicherheit ist die Gewährleistung, daß
der Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion nicht
neue Nuklearstaaten hervorbringt. Wir haben jetzt
verbindliche Zusagen, daß dies nicht der Fall sein wird.
Die Zustimmung der Ukraine zur Ratifizierung von
START I und ihre Verpflichtung, dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) beizutreten, ebnet den Weg zu
engeren Beziehungen zwischen unseren Nationen.
Damit sollten Spannungen in einer Region abgebaut
werden, die von vitalem Interesse für langfristigen
Die Gefahren in Rußland sind weiterhin sehr real. Wir Frieden und Stabilität in Europa ist. Wir haben unsere
müssen auf die Möglichkeit einer Umkehrung der Wirtschaftshilfe bereits verdoppelt. Darüber hinaus
Reformen und das Wiederaufleben eines aggressiven werden wir unsere Hilfe für die Zerlegung der ukrainirussischen Nationalismus aus der Asche des Kommu- schen Raketen und Trägersysteme erhöhen. Wir
nismus - selbst mit demokratischen Mitteln - vorberei- sehen Präsident Krawtschuks Besuch in Washington
tet sein. Gleichzeitig sollten wir nicht das Schlimmste nächste Woche erwartungsvoll entgegen.
annehmen, sondern eine echte Partnerschaft mit einem reformorientierten Rußland aufbauen. Das russi- 3. Europa und die NATO
sche Volk sollte keinen Zweifel an unserer Unterstützung haben, solange es weiterhin in die richtige Rich- Im vergangenen Monat hat Präsident Clinton in Eurotung geht, wie Präsident Clinton im vergangenen Monat pa die vitale Bedeutung der transatlantischen Beziein Moskau eindeutig klargestellt hat. Unsere Botschaft hungen für die amerikanische Sicherheit bekräftigt. Er
ist unmißverständlich: Die Entscheidung Rußlands umriß darüber hinaus seine Vision einer "neuen Sibezüglich seiner Zukunft wird Auswirkungen auf die cherheit" für ein neues Europa. Der Präsident erklärte,
Zukunft unserer Beziehungen haben.
daß Sicherheit "in der erfolgreichen Erweiterung der
militärischen Zusammenarbeit, demokratischen ReDer Präsident hat auch die Bedeutung unterstrichen, gierungen und Marktwirtschaften bestehen muß". Wir
die er der Unabhängigkeit und territorialen Integrität müssen den Übergang zu demokratischen Marktwirtder russischen Nachbarstaaten beimißt. Wir sind uns schaften im Osten unterstützen, indem wir ganz Eurobewußt, daß Rußland offenkundig ein Interesse an pa die Rechte und Pflichten des gleichen liberalen
den Entwicklungen an seinen Grenzen hat, einschließ- Handelssystems und den kollektiven Ansatz zur Silich berechtigter Sorgen über die Rechte gebürtiger cherheit einräumen, die für den Westen Pfeiler der
Russen im Ausland. Wir müssen jedoch - wie mit allen Stärke waren.
Nationen, Freund und Feind gleichermaßen - darauf
bestehen, daß das Verhalten Rußlands gegenüber Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus haben wir die
seinen Nachbarstaaten im Einklang mit den festgeleg- transatlantische Partnerschaft gestärkt, als die Vereiten Prinzipien des Völkerrechts steht, einschließlich nigten Staaten und die Europäische Union zum AbRespektierung der territorialen Integrität und Unab- schluß der Uruguay-Runde zusammenkamen. Das
hängigkeit anderer Staaten, wie in der Charta der Abkommen wird auf beiden Seiten des Atlantiks
Rußland hat einige beachtliche Fortschritte erzielt.
Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Land einen
gewählten Präsidenten, ein gewähltes Parlament und
eine Verfassung mit Bedeutung. Wir werden Zeuge
des kühnsten Experiments unserer Ära beim Aufbau
von Demokratie. Wir sehen auch die Anfänge einer
Marktwirtschaft, in der 40 Prozent der russischen
Erwerbstätigen jetzt im Privatsektor arbeiten und zwei
Drittel der Kleinbetriebe privatisiert sind.

Seite 4

AMERIKA DIENST 9

�Wachstum ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Es
wird auch den mittel- und osteuropäischen Nationen
bei dem harten Weg zu Wirtschaftsreformen behilflich
sein. Die westlichen Nationen und Institutionen müssen jedoch den Zugang zu den Märkten des Westens
noch erweitern.
Wir wissen, daß der Prozeß des Aufbaus demokratische Marktwirtschaften in Mittel- und Osteuropa noch
lange nicht beendet ist. Aus diesem Grund hat Präsident Clinton während seines Besuchs in Prag im
Januar eine umfassende Tagesordnung für die Region
vorgelegt. Neben den Bestrebungen zur Erweiterung
des Marktzugangs sindVir diesen Ländern beim Auffangen der sozialen Auswirkungen der Reformen
behilfich, fördern Investitionen des Westens und stehen ihnen bei der Gründung und Stärkung demokratischer Institutionen zur Seite.
Die neuen europäischen Demokratien streben auch
engere Beziehungen zu den sicherheitspolitischen
Institutionen des Westens an, insbesondere der NATO.
Und das Bündnis hat auf Präsident Clintons Appell zur
Einbeziehung des Ostens beim Aufbau dieser Beziehungen reagiert. Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar
stimmten die Verbündeten Präsident Clintons Initiative
einer Partnerschaft für Frieden zu, um das Engagement der NATO für den Osten zu vertiefen. Neun
Nationen haben bereits den offiziellen Prozeß zur
Beteiligung an der Partnerschaft eingeleitet, und wir
erwarten, daß bald weitere Staaten folgen werden. Die
Partner werden im weiteren Verlauf dieses Jahres
schon gemeinsame Übungen und Ausbildung mit der
NATO durchführen. Die Beteiligung an der Partnerschaft kann die gewohnheitsmäßige Kooperation und
politischen Konsultationen entwickeln und erweitern,
die der Lebensnerv des Bündnisses sind. Die Partnerschaft ist sowohl ein Weg zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen der europäischen Sicherheit als
auch der Anfang eines evolutionären Prozesses der
NATO-Erweiterung.
Unsere Vision für die weitere unerläßliche Rolle der
NATO beim Erhalt der transatlantischen Sicherheit
steht im Einklang mit unserer kontinuierlichen Unterstützung der europäischen Einheit. Durch unsere
gemeinsame Arbeit in der Uruguay-Runde, der NATO,
zu Bosnien und anderen Fragen haben wir unsere
politischen Beziehungen zur EU und einzelnen Staaten auf eine solide Grundlage gestellt.
Ich habe bereits über unsere Bestrebungen gesprochen, das Bündnis bei der Ermutigung einer Lösung in
Bosnien anzuführen. So wichtig sie sind, beschränken
sich unsere Bestrebungen in Bosnien nicht auf das
Anspornen des Bündnisses und anderer, eine politische Lösung zu ermutigen. Wir haben auch eine
Führungsrolle bei Bemühungen um die Milderung der
humanitären Katastrophe in Bosnien übernommen.
Wir haben die am längsten andauernde koordinierte
Luftbrücke zur Lieferung von Lebensmitteln und MediAMERIKA DIENST 9

kamenten in der Geschichte angeführt. Wir haben
mehr humanitäre Hilfslieferungen als jede andere Nation
bereitgestellt - im Wert von über 550 Millionen Dollar
seit Ausbruch des Konflikts. Darüber hinaus haben wir
eine Vorreiterrolle bei den Bestrebungen zur Einrichtung des Kriegsverbrechertribunals der Vereinten
Nationen übernommen, damit die internationale Staatengemeinschaft diejenigen zur Rechenschaft ziehen
kann, die Kriegsverbrechen in Bosnien begangen haben.
4. Asien und der Pazifik
Ein Aspekt der Außenpolitik dieser Administration mit
Signalwirkung ist die neue Betonung der Förderung
unserer Interessen in der asiatisch-pazifischen Region. Kein Gebiet der Welt ist von größerer Bedeutung
für uns als diese Region. Ihre dynamischen Volkswirtschaften und ihre explosiven Wachstumsraten machen sie zu einem entscheidenden Gebiet für amerikanische Exporte und Arbeitsplätze. Wir haben lebenswichtige Sicherheitsinteressen und -bündnisse in Asien.
Und wir haben ein Interesse an der Förderung demokratischer Werte in einem Teil der Welt, in dem Demokratie auf dem Vormarsch ist, es jedoch noch immer
repressive Regierungen gibt.
Wie Sie wissen, ging die erste Reise des Präsidenten
ins Ausland nach Asien. Bei dieser Reise erklärte der
Präsident im Juli letzten Jahres vor der koreanischen
Nationalversammlung: "Wir müssen uns stets vor
Augen halten, daß Sicherheit an erster Stelle steht." In
Asien beginnt diese Sicherheit mit unseren vertraglich

verankerten Bündissen mit Japan, Südkorea, Australien, Thailand und den Philippinen. Wir erhalten unsere vornestationierte militärische Präsenz im gesamten
Pazifik aufrecht. Und in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten beteiligen wir uns aktiv am Dialog über
regionale Sicherheit, einschließlich des regionalen
Forums des ASEAN, um Spannungen abzubauen und
den Rüstungswettlauf einzudämmen.
Der angedrohte Austritt Nordkoreas aus dem Nichtverbreitungsvertrag ist eine Herausforderung für die Sicherheit der Halbinsel und des globalen nuklearen
Nichtverbreitungsregimes. Die Vereinigten Staaten
arbeiten eng mit Südkorea, Japan und anderen in der
Region zusammen, um eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel und ein starkes internationales Nichtverbreitungsregime sicherzustellen.
Wir sind fest zur Erlangung dieser Ziele entschlossen.
Unser bevorzugter Weg ist Dialog. Wir waren ermutigt
von der Ankündigung Nordkoreas vor einer Woche, in
die von der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) geforderten Inspektionen einzuwilligen, um die
Kontinuität der Sicherheitsbestimmungen zu gewährleisten. Das Land muß jetzt ohne Verzögerung seiner
Verpflichtung nachkommen, möglichst bald und ohne
Störungen Inspektionen zuzulassen. Der zufriedenstellende Abschluß dieser Inspektionen wird der IAEO
dabei helfen, der internationalen Staatengemeinschaft

Seite 5

�zu versichern, daß keine Abzweigung von Material aus
Nordkoreas Atomanlagen stattfand. Obwohl dies eine
bedeutende Entwicklung ist, müssen die wichtigsten
Fragen noch gelöst werden. Wenn wir unsere Gespräche mit Nordkorea fortsetzen sollen, muß das Land
den Nord-Süd-Dialog mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Halbinsel wiederaufnehmen.
Die internationale Staatengemeinschaft strebt keine
Isolierung Nordkoreas an. Wenn der Staat seine
Atomwaffenoption aufgibt, seinen internationalen
Verpflichtungen nachkommt und Schritte zur Beachtung der internationalen Verhaltensnormen unternimmt,
steht die Tür für Nordkorea zur Verbesserung seiner
Beziehungen zur übrigen Welt offen.

und Vermißten führen würde. Der Präsident erklärte:
"Wir schulden es allen, die in Vietnam dienten sowie
den Familien derjenigen, deren Schicksal unbekannt
ist." Unsere Beziehungen zu Vietnam werden auch in
Zukunft von Fortschritten bei dieser Angelegenheit
geleitet sein. Zweifellos sollte die Entscheidung des
Präsidenten auch wirtschaftliche und diplomatische
Vorteile mit sich bringen, aber sie wären das Ergebnis,
nicht der Grund dieser Entscheidung. Wenn wir unsere Beziehungen weiterentwickeln, werden wir auch
Betonung auf Menschenrechtsfragen legen.
5. Naher Osten

Im Nahen Osten bleibt die Schaffung eines gerechten
und umfassenden arabisch-israelischen Friedens durch
Im Hinblick auf unsere umfassenderen Ziele im asia- direkte Verhandlungen eine hohe Priorität unserer
tisch-pazifischen Raum sind wir entschlossen, das Administration. Der Verhandlungsgegenstand ist
amerikanische Engagement in der Region zu verstär- komplex, wir sehen jedoch weiterhin Fortschritte. Der
ken und ein besseres Gleichgewicht bei unseren wich- Präsident und ich wollen weiterhin eine so umfassende
und aktive Rolle spielen, wie zur Sicherung weiterer
tigsten bilateralen Beziehungen zu schaffen.
Fortschritte erforderlich.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir der
Verbesserung unserer Wirtschafts- und Handelsbe- Das am 9. Februar in Kairo zwischen Israelis und
ziehungen zu Japan Priorität einräumen und gleichzei- Palästinensern geschlossene Abkommen zeigt, weltig unsere bedeutenden Verbindungen im politischen che Art von Fortschritten möglich ist. Es stellt einen
und Sicherheitsbereich aufrechthalten. Wir bemühen großen Schritt bei der Umsetzung der von den Israelis
uns auch um größere Ausgewogenheit bei unseren und der PLO am 13. September abgegebenen GrundBeziehungen zu China. Wir streben umfassende satzerklärung dar. Es löste einige schwierige SicherBeziehungen zu China an, welche die Beilegung von heitsfragen und bewies, daß die Parteien äußerst
Differenzen über Menschenrechtsfragen, Weiterver- komplexe Angelegenheiten direkt aushandeln und
breitung und Handel gestatten. Präsident Clinton praktische Lösungen finden können. Wir wünschen
wünscht den Aufbau eines positiveren Verhältnisses zwar eine Umsetzung des Abkommens, damit sich die
zu China, aber das Land mu ß auch bei den Menschen- Situation ändert, möchten jedoch auch, daß die Parteirechten insgesamt signifikante Fortschritte machen. en ein dauerhaftes Abkommmen schließen.
Als Ergebnis unserer Bemühungen wurden bei bilateralen Angelegenheiten, einschließlich der Menschen- Da die Israelis und Palästinenser direkt miteinander
rechte, gewisse Fortschritte erzielt. Um Mißverständ- verhandeln, bemühen sich die Vereinigten Staaten um
nissen vorzubeugen: Weitere Fortschritte bei den eine Unterstützung der Vereinbarungen. Wir versuMenschenrechtsfragen sind dringend erforderlich, wenn chen auch sicherzustellen, daß die auf der Konferenz
der Präsident dieses Frühjahr die Meistbegünstigungs- über Hilfe für den Nahen Osten im Oktober vergangenen Jahres beschlossene amerikanische und internaklausel erneuern soll.
tionale Wirtschaftshilfe für den Gaza-Streifen und die
Ich habe bei meinen Gesprächen mit Mitgliedern der Westbank zu Projekten führt, die das Leben der Palächinesischen Regierung im vergangenen Monat auf stinenserverbessern. Wir unterstützen Bestrebungen
diese Punkte hingewiesen und werde das kommenden des Privatsektors wie das Projekt "Erbauer des FrieMonat im Beijing erneut tun. Ich werde bekräftigen, für dens" führender arabisch-amerikanischer und jüdischwie ernst die Administration und der Kongreß gleicher- amerikanischer Wirtschaftsvertreter.
maßen diese Fragen erachten.
Wir haben auch aktiv Fortschritte auf anderen GebieAnfang dieses Monats gab der Präsident die Aufhe- ten der bilateralen Beziehungen gefördert. Das Trefbung unseres Handelsembargos gegen Vietnam sowie fen Präsident Clintons mit dem syrischen Präsidenten
die Einrichtung eines Verbindungsbüros in Hanoi Assad Mitte Januar in Genf war ein Schritt, der die
bekannt. Er tat dies kurz nachdem eine große Mehr- Weichen für die Wiederaufnahme von Verhandlungen
heit des Senats ihn dringend zur Beendigung des in Washington auf allen vier bilateralen VerhandlungsEmbargos aufgefordert hatte. Die Entscheidung des schienen stellte. Zu den israelisch-syrischen BeziePräsidenten fu ßte auf seiner Einschätzung der Koope- hungen fanden ernsthafte Verhandlungen statt, es
rationswilligkeit Vietnams und seiner Überzeugung, erfordert jedoch Zeit, den komplexen Sachverhalt bei
daß diese Aktion zu weiteren Fortschritten bei der den drei Hauptfragen Frieden, Rückzug und Sicherheit
Klärung des Schicksals unserer Kriegsgefangenen anzugehen. Auf anderen Gebieten kamen neue Energien

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AMERIKA DIENST 9

�und Ziele zutage. Beispielsweise werden zwischen
Israel und Jordanien Gespräche über praktische Fragen wie Wasser, Energie und Umwelt geführt.
Wir bemühen uns um den Abbau von Hindernissen in
der Region bei den arabisch-israelischen Kontakten.
Wir leisten harte Arbeit, um den anachronistischen
arabischen Boykott zu beenden. Wir haben bereits
Fortschritte dabei erzielt, Teile des sekundären und
tertiären Boykotts aufzuheben und sind entschlossen,
die mit diesen Praktiken einhergehende Diskriminierung amerikanischer Unternehmen zu beenden. Wir
werden nicht ruhen. Wir werden unsere Bestrebungen
fortsetzen, bis der Boykott vollkommen aufgehoben
ist.
Der Friedensprozeß stellt ein wichtiges Element unserer Regionalpolitik dar. Am Persischen Golf streben
wir auf unterschiedliche Arten eine Eindämmung der
vom Iran und Irak ausgehenden potentiellen Bedrohungen an. Unser Ziel ist die volle Einhaltung aller
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch den Irak,

einschließlich langfristiger Überwachung. Es ist verfrüht, eine Aufhebung der Sanktionen in Betracht zu
ziehen, wenn der Irak weiterhin die relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats verletzt.
Unsere Politik gegenüber dem Iran besteht aus aktiver
Eindämmung, ihre Ausrichtung und Methoden unterscheiden sich jedoch von unserer Politik gegenüber
dem Irak. Wir wollen eine Beendigung des iranischen
Strebens nach Massenvernichtungswaffen sowie der

Unterstützung des Landes für Terrorismus und Subversion, seines gewaltsamen Widerstands gegen den
Friedensprozeß und seiner Menschenrechtsverletzungen. Wir haben unsere Bereitschaft zum offiziellen
Dialog mit dem Iran deutlich gemacht. Wir wollen
jedoch, daß der Iran unsere Absicht klar versteht: Er
sollte und wird keine normalen Beziehungen zur internationalen Staatengemeinschaft und insbesondere zu
den Vereinigten Staaten unterhalten, solange er sein
unerhörtes Verhalten fortsetzt.
6. Nichtverbreitung und andere globale Fragen
Herr Vorsitzender, wir müssen unsere Bestrebungen
zur Kontrolle der Verbreitung von Atom- und hochentwickelten konventionellen Waffen fortsetzen. Solche
Waffen verleihen verbrecherischen Staaten u nverhältnismäßig viel Macht. Sie können Konflikte kleineren
Ausmaßes in Katastrophen großen Ausmaßes verwandeln. Wir verfolgen regionale Strategien zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Einschränkung
des Entstehens neuer Atommächte. Ich habe bereits
unsere Bestrebungen in Nordkorea angesprochen, wo
wir noch immer mit der unmittelbarsten Herausforderung konfrontiert sind, sowie die von uns in der früheren Sowjetunion erzielten Fortschritte, unserem bis
heute größten Erfolg. Andere Gebiete, auf die sich
unsere Besorgnis und Aufmerksamkeit richten, sind
der Nahe Osten und Südasien.

AMERIKA DIENST 9

Unsere regionalen Strategien werden ergänzt durch
weltweite Anstrengungen zur Beschränkung der Nachfrage nach Massenvernichtungswaffen und dem Angebot an sicherheitsempfindlichen Gütern. Wir streben die Einsetzung eines Regimes an, das anstelle der
COCOM-Liste für Transparenz und Zurückhaltung
beim Handel mit Waffen und sicherheitsempfindlichen
Technologien in instabilen Regionen sorgt. Wir bemühen uns um internationale Unterstützung für eine
unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr 1995. Gleichzeitig streben wir die
unverzügliche Aushandlung eines umfassenden Atomtestverbots an. Wir hoffen auch, daß der Ausschuß
frühzeitig Konsultationen über die Chemiewaffenkonvention aufnimmt, die das Hauptziel unserer Nichtverbreitungspolitik darstellt.
Unter Präsident Clinton haben die Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle bei globalen Fragen zurückgewonnen, die sich auf Sicherheit und Wohlstand für uns und
künftige Generationen auswirkt. Zu diesen Herausforderungen gehören die Förderung umweltverträglicher
Entwicklung, die Bewältigung der steigenden Zahl von
Flüchtlingen und Migranten, die Bekämpfung des
Terrorismus und illegalen Drogenhandels sowie die
Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten. Diese Probleme sind oft grenzüberschreitend und
stellen eine Gefahr für die politische, soziale und
wirtschaftliche Stabilität dar.
Umweltverträgliche Entwicklung versetzt die Menschen
in den Entwicklungsländern in die Lage, in der Weltwirtschaft Teilhaber, Produzenten und Konsumenten
zu werden. Sie erfordert eine gesunde globale Umwelt
sowie ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen
verfügbaren Ressourcen und der Bevölkerung. Im
vergangenen Jahr erneuerte Präsident Clinton die
amerikanische Führungsrolle bei Umweltfragen, als er
das beim Umweltgipfel von Rio 1992 erarbeitete Abkommen über Klimawandel und Artenvielfalt unterzeichnete. Dieser Vertrag liegt derzeit dem Senat vor,
und wir drängen auf seine zügige Ratifizierung.
Wir haben auch die Führungsrolle unserer Nation bei
der Stabilisierung des Bevölkerungswachstums geltend gemacht. Wir arbeiten mit anderen Nationen und
nichtstaatlichen Organisationen daran sicherzustellen, daß die in Kairo anberaumte internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Bevölkerung und
Entwicklung die weltweite Zusammenarbeit bei dieser
Frage fördert.
Vor zwei Wochen stellte Präsident Clinton die neue
Drogenkontrollstrategie der Administration vor. Obwohl Amerikas wichtigste Front im Kampf gegen Drogen die Senkung des Drogenmißbrauchs zu Hause
darstellt, sind wir auch der Überzeugung, daß diese
Geißel ebenfalls an der internationalen Front angegangen werden mu ß. In den wichtigsten Transit- und
Herstellungsländern werden wir unsere Anstrengungen auf die Stärkung demokratischer Institutionen, die

Seite 7

�Bereitstellung wirtschaftlicher Alternativen zum Drogenhandel, die Förderung von Programmen zur Vernichtung von Drogen sowie die Zerschlagung der
Drogenkartelle konzentrieren.
Unser Engagement in der westlichen Hemisphäre
dient unserer gesamten globalen Tagesordnung sowie
unserer obersten Priorität - wirtschaftlicher Sicherheit.
Die bemerkenswerten Veränderungen auf der Welt
während der vergangenen Jahre zeichneten sich als
erstes in Lateinamerika ab, wo die Demokratie im
vergangenen Jahrzehnt dramatische Fortschritte
machte. Der Gipfel der amerikanischen Staaten, den
Präsident Clinton gegen Ende dieses Jahres veranstalten wird, richtet sich auf die Stärkung von Demokratie und guter Regierungsführung, die Ankurbelung
von Handel und Wirtschaftswachstum, die Eindämmung des Drogenhandels sowie andere Kernpunkte
umweltverträglicher Entwicklung, beispielsweise Umwelt
oder Bevölkerung.
Unsere Politik gegenüber Afrika unterstreicht die
Bedeutung, die wir Demokratie und Menschenrechten
beimessen. Afrika sieht sich im Hinblick auf den
Aufbau demokratischer Institutionen sowie auf Fortschritte bei der Erzielung einer umweltverträglichen
Entwicklung enormen Herausforderungen gegenüber.
Angesichts der vorherrschenden Armut und der Verschleppung von Menschen in Afrika werden internationale Hilfe und neue Privatinvestitionen vonnöten sein,
um Wirtschaftswachstum zu fördern und politischen
Wandel zu ermutigen.

heitspolitisches Ziel die Eindämmung der Sowjetmacht
sei. Selbst nach dem Ende des Kalten Krieges wurde
die nationale Sicherheit weiterhin eng definiert und
bezog nicht die Probleme und Möglichkeiten ein, die
durch den Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden waren. Wiedie neuen Prioritäten der Außenpolitik
Präsident Clintons demonstrieren, haben wir die Chance
erhalten - und ergriffen - die amerikanische Diplomatie
neu zu gestalten und die Sicherheit Amerikas in einer
von der Konfrontation der Supermächte befreiten Welt
zu erhöhen.
Der Etat des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1995
unterstützt unsere Hauptverantwortung, die nationale
Verteidigung aufrechtzuerhalten und den Frieden zu
fördern. Er erweitert auch das Konzept der nationalen
Sicherheit durch größere Betonung der Wirtschaftsinteressen Amerikas, des Aufbaus von Demokratien
sowie der Bewältigung der Bedrohungen durch die
Weiterverbreitung von Waffen, die Zerstörung der
Umwelt, schnelles Bevölkerungswachstum, illegalen
Drogenhandel und Terrorismus.
Diese Neudefinition der nationalen Sicherheit erfordert
auch Veränderungen bei der Struktur unseres Haushalts. Dieser ist in eine Anzahl sich gegenseitig
verstärkender Ziele aufgeteilt, die mit denen im Gesetz
über Frieden, Wohlstand und Demokratie dargelegten
übereinstimmen. Ich möchte mich jetzt diesen umfassenderen Zielen zuwenden.
Förderung von Wohlstand

Wie ich im Zusammenhang mit unserer obersten strategischen Priorität - wirtschaftlicher Sicherheit - bereits
andeutete, ist der Wohlstand der Nation untrennbar
mit Wachstum und Integration der Weltwirtschaft verbunden. Exporte sind die am schnellsten wachsende
Quelle hochbezahlter Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft. Dieser Haushalt finanziert aggressive Exportförderungsprogramme der Export-Import Bank, der
OPIC-Entwicklungsgesellschaft, des Amts für Handel
und Entwicklung sowie des Landwirtschaftsministeriums. Diese Programme werden durch die des Wirtschafts- und des Außenministeriums sowohl hier im
Haushalt 1995
Inland als auch in unseren Botschaften ergänzt. Die in
Herr Vorsitzender, ich habe gerade die von uns erziel- diesem Etat geforderte eine Milliarde Dollar stellt eine
ten Fortschritte bei der Förderung der derzeitigen Investition in amerikanische Arbeitsplätze und die
strategischen Prioritäten unserer Außenpolitik darge- wirtschaftliche Sicherheit Amerikas dar.
legt. Unsere umfassenderen außenpolitischen Ziele
sind in dem Gesetz über Frieden, Wohlstand und Aufbau von Demokratie
Demokratie enthalten und konkretisiert, das den Rahmen für unseren Etat 1995 für internationale Angele- Der Aufbau von Demokratie ist ein langer und schwiegenheiten bildet. Ich sollte an dieser Stelle noch riger Prozeß, der stetige und geduldige Unterstützung
hinzufügen, daß die in dem neuen Gesetz enthaltenen erfordert. Aber die Früchte des Erfolgs rechtfertigen
Reformen unseres Auslandshilfeprogramms einen gemessen an den Kosten des Scheiterns bei weitem
wichtigen Teil der gesetzgeberischen Tagesordnung unsere Anstrengungen.
dieser Administration darstellen.
Die von uns im Haushaltsjahr 1995 angeforderten 1,3
Milliarden
Dollar würden Programme zum Aufbau von
Herr Vorsitzender, mehr als 40 Jahre lang basierte der
Demokratie
in Mitteleuropa und der ehemaligen SoHaushalt für internationale Angelegenheiten auf der
wjetunion
finanzieren,
wo wir ein vitales Interesse an
Prämisse, daß unser vorrangiges nationales sicherDas afrikanische Land, auf das wir unser Hauptaugenmerk richten, ist natürlich Südafrika. Wir müssen dazu
beitragen sicherzustellen, daß alle Südafrikaner im
April an friedlichen, pluralistischen Wahlen teilnehmen
können. Mit Blick auf die Zeit nach den Wahlen
entwickeln wir ein Hilfspaket, um der Bevölkerung
Südafrikas an der Überwindung des Erbes der Apartheit zu helfen und in einem neuen demokratischen
Südafrika die Vorteile der Staatsbürgerschaft zu
gewährleisten.

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AMERIKA DIENST 9

�der Stärkung der neuen demokratischen Institutionen
haben. Unser Etat enthält auch einen neuen Posten
für Hilfe an die sich im Übergang zur Demokratie
befindlichen Länder. Der Großteil dieser Gelder wird
für Afrika, Lateinamerika und Asien aufgewendet.
Die Hauptkomponente unserer Programme für demokratischen Aufbau ist die Finanzierung der Nationalen
Stiftung für Demokratie, welche Institutionen fördert,
die Pluralismus, demokratische Regierungen, Staatsbürgerkunde, Menschenrechte und die Achtung der
Rechtsstaatlichkeit voranbringen. Um die Unterstützung der Demokratie auf eine breite Grundlage zu
stellen, müssen wir uns der neuesten Kommunikationstechnologie bedienen. Das US-Informationsamt
ist derzeit in einem Umstrukturierungsprozeß begriffen, um diese Rolle zu übernehmen.
Umwelt vertrag liehe Entwicklung
Wie im Zusammenhang mit unseren globalen Prioritäten bereits erwähnt, ist die Administration der Ansicht,
daß den ineinandergreifenden Bedrohungen von schnellem Bevölkerungswachstum, Armut und Umweltzerstörung zu wenig Aufmerksamkeit gezollt wird. Wenn
wir uns nicht mit diesen Krisen befassen, werden
große Teile der Welt kein umweltverträgliches Wirtschaftswachstum erzielen. Das Ergebnis werden
weitverbreitetes Leiden im Ausland und der Verlust
von Exportmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen, Arbeitnehmer und Landwirte sein. Durch die
Aufstockung unserer Fonds für Bevölkerungs- und
Umweltprogramme werden wir umweltverträgliche
Entwicklung fördern und in die Zukunft Amerikas investieren.
Die Vereinigten Staaten sind nicht die einzigen, die den
Versuch zur Lösung dieser Fragen unternehmen. Die
multilateralen Entwicklungsbanken und der IWF verfolgen ähnliche Ziele. Diese Institutionen vergaben
1993 Darlehen im Wert von mehr als 45 Milliarden
Dollar. Sie tragen am meisten zu weltweiter umweltverträglicher Entwicklung bei. Unser Beitrag zu diesen
Organisationen multipliziert die Effektivität unserer
Bestrebungen.
Schließlich enthält dieser Haushalt eine bescheidene
Erhöhung für eines der erfolgreichsten und am meisten bewunderten Programme Amerikas - das Peace
Corps.
Förderung des Friedens
Der größte Teil unseres Haushaltsauftrags - 6,4 Milliarden Dollar-soll der Förderung des Friedens dienen.
Über 80 Prozent dieser Gelder sind für die Aufrechterhaltung und Förderung des Friedens im Nahen Osten
vorgesehen. Zu einer Zeit, in der es so viel Hoffnung
- und so viele Gefahren - gibt, sind derartige Fonds von
entscheidender Bedeutung. Unsere Programme werden
unser fortgesetztes Engagement für die Sicherheit
Israels unterstützen, Ägyptens lebenswichtiger Rolle
AMERIKA DIENST 9

Rechnung tragen und neue wirtschaftliche Entwicklungsbestrebungen auf der Westbank und im Gazastreifen ermöglichen.
t

In diesem Teil des Haushalts sind auch Fonds für
Nichtverbreitung und Abrüstung enthalten - eine unserer wichtigsten strategischen Prioritäten. Dazu zählen
Gelder für das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention
sowie Bestrebungen zur Verlängerung des Nichtverbreitung svertrags und Stärkung der IAEO, die bei
unseren Bemühungen zur Verhinderung atomarer
Weiterverbreitung in Korea eine Schlüsselrolle spielt.
Zusätzlich enthält diese Haushaltskategorie Programme zur Bekämpfung von Drogenmißbauch, Terrorismus und Verbrechen. Diese kostengünstigen Programme haben direkte Vorteile für das amerikanische
Volk.
Wir haben auch Gelder für die UNO-Friedenssicherung angefordert. Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender,
hat die Administration ihre umfassende Prüfung unserer Friedenssicherungspolitik abgeschlossen und unterstützt einmütig die daraus gezogenen Schlußfolgerungen.
Unser Ziel ist nicht die Ausweitung unserer Verpflichtungen im Bereich der Friedenssicherung, sondern die
Einleitung eines Prozesses, der ein fundiertes Urteil
darüber ermöglicht, wann wir an friedenssichernden
Operationen teilnehmen und der UNO bei ihren entsprechenden Bemühungen Beistand leisten sollten.
Wir werden uns immer das Recht vorbehalten, zum
Schutz amerikanischer Interessen im Alleingang zu
handeln. Wenn jedoch ein kollektiver, multinationaler
Ansatz wie beispielsweise eine Friedenssicherungsoperation unseren Interessen am besten dient, wollen
wir ihr wirkungsvolles Funktionieren gewährleisten.
Wenn wir - wie ich persönlich : der Ansicht sind, daß
sorgfältig definierte UN-Friedenssicherungsoperationen ein wirksames Mittel zum Abbau von Spannungen
und der Abschreckung von Gewalt sind, und die Kosten einer solchen Aktion mit anderen geteilt werden
sollten, müssen wir unseren Verpflichtungen im Rahmen der Vereinten Nationen nachkommen. Wir erwarten, daß wir am Ende des Haushaltsjahrs bei der UNO
mit einer Milliarde Dollar für die Friedenssicherung im
Rückstand sind. Wenn wir keinen Weg zur Zahlung
dieser Rückstände finden, muß die UNO wahrscheinlich einige ihrer derzeitigen Operationen einstellen.
Wir erwarten in Kürze den Beginn der Konsultationen
mit dem Kongreß darüber, wie wir gemeinsam das
wachsende Problem der Finanzierung friedenssichernder Operationen angehen können.
Unseres Erachtens sollten das Außen- und Verteidigungsministerium eine gemeinsame Verantwortung
für die Organisation und Finanzierung friedenssichernder Operationen tragen. Wir werden unangenehme
Fragen stellen, bevor wir einer neuen f riedenssichernSeite 9

�den Mission zustimmen. Welche amerikanischen Interessen stehen auf dem Spiel? Ist die Mission klar
definiert und gibt es einen identifizierbaren Endpunkt?
Stehen Mittel zur Verfügung? Wir werden auch die
Bestrebungen von Botschafterin Albright zur Senkung
unserer veranschlagten Mittel für die Friedenssicherung und Einrichtung des Amts eines unabhängigen
Generalinspekteurs bei den Vereinten Nationen fortsetzen.

werden für Flüchtlings- und Katastrophenhilfe aufgewendet und sollen den Kauf von Nahrungsmitteln für
die Armen ermöglichen. Ich möchte hinzufügen, daß
wir hoffentlich durch die Förderung von Frieden, Wirtschaftswachstum und demokratischen Aufbau mit der
Zeit die Notwendigkeit derartiger Hilfsleistungen reduzieren können.

Ich möchte ferner einen entscheidenden Bestandteil
unserer Politik nicht unerwähnt lassen: Führung der
amerikanischen Streitkräfte bei friedenssichernden
Operationen. Ich möchte eindeutig klarstellen, daß
der Präsident niemals sein Oberkommando über die
amerikanischen Streitkräfte abtreten wird. Und unsere
Männer und Frauen in Uniform werden niemals in
Situationen entsandt werden, in denen Feindseligkeiten wahrscheinlich sind, wenn nicht eine ordnungsgemäße Führung gegeben ist.

Dieser Haushaltsantrag umfaßt 4,1 Milliarden Dollar
an Unterstützung für Operationen des Außenministeriums, des Amts für internationale Entwicklung sowie
unserer geschätzten Beiträgezu internationalen Organisationen. Der wirksame Einsatz von Diplomatie durch Berichterstattung, Krisenverhütung und die
geschickte Nutzung der Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen - ist für die erfolgreiche Verwirklichung der umfassenden Ziele der nationalen Sicherheit Amerikas von
entscheidender Bedeutung.

Unterstützung der Diplomatie

Wenn Operationen großen Umfangs oder Kampfhandlungen mit hohem Risiko in Betracht gezogen
werden und die Beteiligung der Amerikaner vonnöten
ist, werden wir wahrscheinlich nicht die operative Führung
der UNO über unsere Streitkräfte akzeptieren. Vielmehr werden wir uns normalerweise auf unsere Ressourcen oder die eines regionalen Bündnisses wie
beispielsweise der NATO verlassen oder auf eine
angemessene Koalition wie die für die Operation
Wüstensturm gebildete.

Das Außenministerium und andere für auswärtige
Angelegenheiten zuständige Behörden führen größere Reformen durch und arbeiten eng mit Vizepräsident
Gore an der Umstrukturierung der Regierung zusammen. Das Außenministerium hat eine umfassende
Neuorganisation und Reform seiner Operationen eingeleitet, um mit dem Tempo des Wandels hier und im
Ausland Schritt halten zu können. Zusätzlich unterstützt der Haushaltsantrag für 1995 entschieden den
Plan des Präsidenten für den Abbau aufgeblähter
Herr Vorsitzender, wir möchten auch Kooperation und Bürokratien durch substantielle Einsparungen auf diesem
Konsultationen zwischen Administration und Kongreß Gebiet.
bei friedenssichernden Operationen verbessern. Wir
haben eine Anzahl von Vorschlägen, die Ihre Sorgen Herr Vorsitzender, der Etat des Präsidenten für das
in Betracht ziehen, und freuen uns auf die Zusammen- Haushaltsjahr 1995 definiert unsere langfristigen politischen Ziele und finanziert die von mir dargelegten
arbeit mit Ihnen.
sechs strategischen Prioritäten. Es ist ein SparhausHumanitäre Hilfe
halt, der im Einklang mit dem Plan des Präsidenten
zum Abbau des Haushaltsdefizits steht. Es ist auch ein
Wir haben 1,6 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe Etat, der ein Thema hat, das uns allen am Herzen liegt:
angefordert. Diese Programme spiegeln den Charak- Investitionen in die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
ter des amerikanischen Volkes wider. Die Fonds
* *

Seite 10

* *

AMERIKA DIENST 9

�KSZE
2. März 1994

DIE KSZE: STRATEGIE UND ZIELSETZUNG
Rede von Botschafter Kornblum
BONN - (AD) - Botschafter John C. Kornblum, Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), hielt am 24. Februar 1994 eine Rede vor dem Deutschen
Helsinki Komitee.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kornblum im Wortlaut.

Es ist eine besondere Ehre für mich, vor dem Deutschen Helsinki Komitee zu sprechen. Viele von Ihnen
wissen um meine enge Beziehung zu Deutschland und
meine lange und positive Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen in vielen Bereichen. Als der Vertreter
Amerikas bei der KSZE fühle ich mich mit Gruppen wie
Ihrer besonders eng verbunden.
Es gibt allerdings einen wichtigeren Grund, sich über
die Gelegenheit zu freuen, heute zu Ihnen sprechen zu
können. Fünf Jahre nach dem Niedergang des Kommunismus treten die Widersprüche dieser neuen Ära
deutlicher zutage. Internationale Institutionen stöhnen
unter der Last der Herausforderungen. Viele fragen
sich, ob unsere bestehenden Strukturen für diese
Zerreißprobe geschaffen sind.
Die KSZE ist mit einigen dieser Unsicherheiten konfrontiert worden. Die Methodik der KSZE eignet sich
nicht für schnelle Lösungen. Die KSZE leidet am
meisten unter dem nur allzu verständlichen Wunsch
unserer Völker, dringliche Probleme sofort zu lösen.
Deshalb bin ich besonders froh über diese Gelegenheit, mit einem informierten Forum wie dem Helsinki
Komitee über grundsätzliche Aspekte der KSZE sprechen zu können. Die Einigung auf die Prinzipien von
Helsinki war ein einzigartiges Ereignis, das sich wahrscheinlich nicht so leicht wiederholen läßt. Wir dürfen
nicht zulassen, daß uns Ungeduld den Blick auf die
längerfristige Bedeutung der KSZE und ihrer Methodik verstellt.
Nie zuvor in der Geschichte der KSZE war es wichtiger, daß auch die Öffentlichkeit dies versteht. Die
KSZE ist einzigartig in der Geschichte der Diplomatie.
Sie verkörpert das Versprechen zum Einsatz der
demokratischen Methode des Konsenses und der
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Aussöhnung zur Bewältigung der Ursachen von Instabilität.
Die KSZE wirkt manchmal schwerfällig und scheint
auf rasche Veränderungen nicht zu reagieren. Ihr
innovativer Ansatz zu Sicherheitsfragen muß verstanden und gepflegt werden, wenn sie dem Druck der
neuen Zeit standhalten soll. Wir sollten vor allem nicht
danach trachten, die KSZE zu verändern, nur weil
man mit Unzulänglichkeiten auf anderen Gebieten
nicht zurande kommt. Die KSZE sollte nie eine
"normale" internationale Organisation werden. Die
Stärkung ihrer Sonderstellung in Europa ist die beste
Art und Weise, zu ihrem Erfolg beizutragen.
Die Bedeutung der KSZE-Methodik
Die Sonderrolle der KSZE liegt in ihrer Methodik, die
ich als KSZE-Methodik bezeichnen möchte. Diese
Methodik verkörpert einen Ansatz zu internationaler
Kooperation, der nie zuvor versucht worden war. Die
meisten internationalen Organisationen beruhen auf
einer Satzung, einem Vertrag oder einem Regelwerk.
Diese Organisationen trachten danach, ihre Regeln in
einer formalen und bindenden Weise festzulegen.
Die Methodik der KSZE beruht nicht auf einem bindenden Vertragswerk und strebt dies auch nicht an. Sie
geht davon aus, daß Schwierigkeiten bestehen, die ein
verpflichtendes Abkommen unmöglich und eigentlich
auch nicht wünschenswert machen. Nicht wünschenswert deshalb, weil solche bindenden Verpflichtungen
das gemeinsame Anerkennen des Kooperationsprinzips unmöglich machen würden.
In der Schlu ßakte von Helsinki einigten sich die KSZEMitgliedstaaten statt dessen auf den Versuch, durch
Konsens auf der Basis von gemeinsamen politischen

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�Verpflichtungen Spannungen untereinander zu lösen. damals bedrängen uns heute Dutzende widersprüchSie machten deutlich, daß dieser Konsens dynamisch licher Herausforderungen. Die meisten davon lassen
und für ständige Verbesserungen offen sein sollte.
sich auf lange zurückliegende Ursachen zurückführen.
Statt bindender Verpflichtungen messen die KSZEMitgliedstaaten die Einhaltung der Normen an einem
Prozeß ständiger Konsultationen und der Überprüfung
ihrer Umsetzung. Durchgesetzt werden sie durch
politische Ermutigung und gelegentlich den Druck
anderer Teilnehmerstaaten.

Viele dieser Themen erfordern effizientere Instrumentarien, wie zum Beispiel die NATO. Ein langfristiger,
werteorientierter Rahmen wie die KSZE, die auf Kooperation, Offenheit und Konsens basiert, ist erforderlich, wenn wir demokratische Lösungen für die Sicherheitsprobleme der heutigen Zeit finden wollen.

Die KSZE wird von Offenheit und Demokratie geleitet.
Sie ist eher einbeziehend als ausschließend. Die
KSZE-M ethodik verlangt keinen ideologischen Gleichklang, sondern geht davon aus, daß zwischen den
vielen Mitgliedern Meinungsverschiedenheiten bestehen. Sie ist darauf ausgerichtet, diese unterschiedlichen Meinungen auf der Suche nach Konsens bei
Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse sorgfältig zu ergründen.

Um erfolgreich zu sein, muß diese aufwendige Methodik von einer breiten Öffentlichkeit verstanden und
getragen werden. Andernfalls scheint die KSZE verwirrt oder sogar machtlos. Regierungen werden sich
fragen, warum sie überhaupt Mitglied werden sollen.
Wenn die einzigartige Rolle der KSZE jedoch erhalten
bleiben soll, müssen ihre Ziele von der gesamten
Gesellschaft unterstützt werden. Ohne diese öffentliche Unterstützung würde die KSZE eine sterile Diplomatenversammlung.

Die Überprüfung der Umsetzung soll zu besseren
Leistungen anspornen statt sogenannte Verletzungen
zu bestrafen. Dadurch schafft die KSZE Kooperation
in Bereichen, wo Konflikt die Regel war. Die Methodik
der KSZE bringt Sicherheit und Kooperation in Bereiche, wo diese zuvor nicht existierten.
Der KSZE-Prozeß ist seinem Wesen nach langsam
und mühevoll. Er ziert darauf ab, die Ursache von
Konflikten zu beseitigen, statt ihre unmittelbaren
Symptome zu behandeln. Wenn das Verständnis und
die Unterstützung der Öffentlichkeit für solche langfristigen Bemühungen schwinden und schnell einfache
Lösungen gefunden werden sollen, werden unsere
Nationen jene Werkzeuge nicht mehr handhaben
können, die sich am besten für die Bewältigung der
komplexen Herausforderungen dieser neuen Zeit eignen.
Die KSZE in einer Zeit raschen Wandels
Um die Bedeutung der KSZE-Methodik für diese neue
Ära zu verstehen, muß eine wichtige Tatsache klargestellt werden. Der KSZE-Prozeß wurde für eine Ära
der Konfrontation entwickelt, in der Fortschritte erwartungsgemäß langsam und mühselig waren. Doch
sogar in den siebziger Jahren, als die Welt noch nicht
so schnellebig war, gab es Kritik an ihrer Arbeitsweise.
Die KSZE hat später bewiesen, daß ihre Methodik
eines der wesentlichen Instrumente des politischen
Wandels in der kommunistischen Welt darstellte.

Wie wird die KSZE für den einzelnen relevant?
Die KSZE benötigt privat organisierte Gruppen, wie
das Deutsche Helsinki Komitee, um der Öffentlichkeit
den Wert eines langsamen Konsensbildungsprozesses nahezubringen. Dabei müssen Sie uns helfen, den
direkten Bezug der KSZE zum täglichen Leben in
jedem Teilnehmerstaat aufrechtzuerhalten.
Die Hoffnungen und Ängste der Bürger im täglichen
Leben bilden das Kernstück der Arbeit der KSZE. Die
KSZE dient dem Frieden, indem sie diese Bedürfnisse
definiert und Mittel zu ihrer Bewältigung sucht. Diese
Mittel können dann in internationale politische Aktionen umgesetzt werden. Schließlich ist es die Verweigerung von Grundrechten wie Identität, Gemeinschaft,
wirtschaftlichem Wohlstand und politischen Rechten,
die den meisten gefährlichen Konflikten zugrunde liegt.
Privatinitiativen sind das unabdingbare Bindeglied
zwischen dem Bürger und den Regierungsvertretern,
die den KSZE-Prozeß verwalten. Das Deutsche Helsinki Komitee ist eine der aktivsten dieser Gruppen.
Ohne Ihr Interesse und Ihre Unterstützung könnte das
aufregende Experiment KSZE nicht fortgesetzt werden.
Die KSZE und Hoffnungen für die Zukunft

Wir alle sind uns des unglaublichen Erfolgs bewußt,
den die Methodik der KSZE bei der Überwindung der
Heute stehen wir dramatischen und schnell ablaufen- Teilung Europas hatte. Heute können wir uns über ein
den Entwicklungen gegenüber. Täglich sind wir mit Europa freuen, das frei von Konfrontationen und ideoTragödien konfrontiert. Man ist versucht, verpflichten- logischen Kriegen ist. Wir können über den Beginn
de Lösungen anzustreben oder zu glauben, Probleme eines neuen und hoffnungsvollen historischen Zeitalkönnten durch energische Umsetzung gelöst werden. ters nachdenken.
In Wirklichkeit aber sind die Probleme der Zeit nach
Von Hoffnung in einer Zeit zu sprechen, in der bewaffdem Kalten Krieg tief ergehend als jene, welche die Zeit
nete Konflikte im KSZE-Bereich zunehmen, mag
der Konfrontation ursprünglich ausgelöst haben. Im
unwissend oder sogar naiv sein, aber ich bleibe dabei.
Gegensatz zu der einen großen Konfrontation von
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AMERIKA DIENST 9

�Im Vergleich zu der massiven Unterdrückung und
militärischen Konfrontation, die unsere Welt vor fünf
Jahren noch charakterisierten, ist der Ausgangspunkt
für den Aufbau einer neuen friedlichen Ordnung in
Europa in der Tat hoffnungsvoll.
Durch die Unterzeichnung der Charta von Paris haben
sich die Regierungen von 53 Staaten den Zielen der
Demokratie und freier Märkte verpflichtet, die das
Kernstück der Prinzipien von Helsinki ausmachen.
Statt mit einer strengen ideologischen Teilung zu
kämpfen, können wir jetzt die Möglichkeit in Betracht
ziehen, eine Gemeinschaft freier Nationen zu schaffen, die von einem Ufer des Pazifiks bis zum anderen
reicht. Niemals in der neueren Geschichte waren die
Chancen für eine wirklich kooperative Sicherheitsstruktur größer.
Wir sollten jedoch auch die Konsequenzen eines
Scheiterns der KSZE-Methodik berücksichtigen. Wenn
auf KSZE-Prinzipien gegründete Sicherheitsstrukturen nicht geschaffen werden können, ist die Alternative
erneute Konfrontation oder ein autoritärer Ansatz. Die
Aufrechterhaltung der wertebezogenen KSZE-Methodik ist daher mehr als eine politische Option. Unterstützung der KSZE und ihrer Arbeit ist das deutlichste
Signal, daß unsere Länder bei ihrer Suche nach stabilem Frieden demokratische Methoden nicht aufgeben
werden.
Neue Probleme einer neuen Ära
Wenn Hoffnung gerechtfertigt ist, dann gibt es auch
Grund, nach unseren Erfolgschancen zu fragen. Dreimal
in diesem Jahrhundert haben Kriege und autoritäre
Regime die Demokratie in Europa zerstört. Zwei
dieser Kriege waren die größten Flächenbrände in der
Weltgeschichte. Der dritte - der Kalte Krieg - hatte den
böswilligsten Unterdrückungsapparat, den man sich
nur vorstellen kann, zur Folge.
Beim Fall der kommunistischen Regierungen Mittelund Osteuropas und der Sowjetunion kamen die schrecklichen Trümmer des Totalitarismus zutage. Die meisten Institutionen des normalen politischen und sozialen Lebens waren zerstört. Wirtschaftliche Strukturen
wurden durch die Konzentration der Produktion auf
militärische Güter verzerrt. Umweltprobleme waren
allgegenwärtig. Noch schlimmer war, daß die moralische und geistige Struktur stolzer Nationen völlig zerrissen war.
Wir alle sind uns der Konsequenzen nur zu bewußt.
Normale Prozesse der Heilung und Konsensbildung
wurden in den Ländern, die unter kommunistischer
Herrschaft standen, fünfzig Jahre oder länger unterdrückt. Die unkomplizierte Zusammenarbeit, die zwischen westeuropäischen Ländern selbstverständlich
geworden ist, konnte nicht in Gesellschaften Fuß
fassen, in denen nicht die Möglichkeit offenen Dialogs,
der Konsensfindung und Anpassung bestanden. Mili-

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tärische Planwirtschaften machten den Wohlstand,
der eine entscheidende Grundlage für den Frieden im
Westen war, unmöglich.
Als reichten diese Herausforderungen nicht aus, beraubte unser eigener Erfolg uns des Handlungsimpulses, den eine einzige, klar definierbare Bedrohung
liefert. Anstatt unsere Energien bündeln zu können,
müssen wir jetzt sowohl das Wesen der uns konfrontierenden Probleme als auch die Methoden des Umgangs mit ihnen neu definieren.
Traditionelle Instrumente, beispielsweise militärische
Macht, Wirtschaftshilfe oder diplomatische Verhandlungen, erweisen sich oft als wirkungslos bei grausamen Krisen wie der im ehemaligen Jugoslawien. Ist es
daher verwunderlich, wenn unsere eigene Zusammenarbeit im Westen belastet wurde?
Die KSZE-Normen als Wegweiser für die Zukunft
Die Unsicherheit dieser neuen Ära verleiht Verhaltensnormen und -richtlinien jetzt ebensolche Bedeutung
wie in der Zeit des Kalten Krieges. Die KSZE ist zum
flexibelsten und umfassendsten Wegweiser für die
Reise aus der alten Ära in eine neue, friedliche europäische Ordnung geworden. Ihr Engagement brachte
eine ausführliche Beschreibung der Funktionsweise
einer modernen, demokratischen Gesellschaft hervor.
Wenn wir diese Normen beibehalten und lernen, sie in
den neuen Situationen anzuwenden, dann besteht
keine Gefahr, vom Weg abzukommen.
Heute hat sich das Hauptaugenmerk der KSZE von der
Erörterung und Definition von Normen auf deren
Anwendung verschoben. Anstatt bei unwilligen Regierungen auf ihre Einhaltung zu drängen, muß die KSZE
nun helfen, diese Prinzipien angesichts wirtschaftlichen Niedergangs, interner Konflikte und unerfahrener Politiker zu etablieren. Sie müssen zur Grundlage
für die Errichtung neuer, demokratischer Strukturen
werden.
Ihrem Ruf von Offenheit und Flexibilität getreu, bot die
KSZE ihren Mitgliedstaaten ideale Rahmenbedingungen für die Erprobung innovativer Methoden, den
vielschichtigen Herausforderungen der neuen Zeit zu
begegnen. In nur drei Jahren schuf die KSZE eine
Struktur mit einem Sekretariat, einem permanenten
Beratenden Ausschuss und zahlreichen Aktivitäten
vor Ort.
Sie experimentierte mit neuen Konzepten wie beispielsweise der Integration sozialer, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Aspekte der Sicherheit in
ein umfassendes Konzept, welches das Verhältnis
zwischen den vielen Elementen des modernen Lebens
deutlich macht. Dieses neue Sicherheitskonzept schuf
die Grundlage für innovative Bestrebungen in Sachen
demokratische Entwicklung, präventive Diplomatie und
Konfliktlösung.

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�Durch die breitgefächerte Mitgliedschaft und den informellen Charakter der Strukturen hat die KSZE ihre
Glaubwürdigkeit als ein überparteiliches und flexibles
Instrument bewahrt. Dadurch kann sie sich oft solcher
Probleme annehmen, die für andere, formalere Organisationen nicht eng genug definiert oder zu umstritten
sind, so zum Beispiel der in der ehemaligen Sowjetunion entstandenen Konfliktherde. Die Rolle der KSZE
bei der Entwicklung eines Gemeinwesens in der kriegsbelasteten Republik Tadschikistan liefert hierfür ein
ausgezeichnetes Beispiel.
Zukunftsaussichten
Bis jetzt sind unsere mit der "neuen" KSZE gemachten Erfahrungen gut. Wie wird das aber in Zukunft
aussehen? Wir sind noch weit entfernt davon, viele der
in der ehemaligen kommunistischen Welt entstandenen Konflikte zu lösen. Und leider können wir noch
nicht die Ressourcen eines internationalen Forums,
einschließlich der KSZE, so erfolgreich und intensiv
einsetzen, wie wir sollten.
In den vergangenen drei Jahren fand ein in der neueren Geschichte einzigartiger Prozeß des Strukturaufbaus statt. Entsprechende nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Strukturen wurden im Vergleich
dazu in einem Zeitraum von nahezu zehn Jahren
erdacht und aufgebaut.
Jetzt, da die Welle von neuen Abkommen und Erklärungen abgeebbt ist, gibt es wirklich einen Mangel an
Strategien für den Einsatz der von uns entwickelten
Werkzeuge. Wie meistens in Zeiten großer Veränderungen in der Geschichte haben auch wir die belastende menschliche Eigenschaft, in den alten Verhaltensmustern zu bleiben, bis wir neue definiert haben.
Dies erklärt teilweise das Gefühl der Frustration und
sogar des Widerwillens, mit dem viele an die Errichtung einer neuen Sicherheitsordnung herangehen.
Die neuen Instrumente sind da, aber wir verwenden
noch unsere veralteten Gebrauchsanweisungen. Anstatt
immer neue Werkzeuge für immer neue Strukturen zu
schaffen, müssen wir unsere Strategien an die neuen
Situationen anpassen.
Wenn wir dabei Erfolg haben wollen, müssen zwei
grundsätzliche Erfordernisse erfüllt werden:
Wir müssen neue Gedanken- und Kooperationsmuster erlernen. Viele Regierungen konzentrieren ihre Bemü hungen immer noch auf die
traditionellen Konzepte der politischen Beziehungen und der Verteidigung. Man versucht
Verträge und Abkommen anzuwenden, wenn
es sich eigentlich um soziale Probleme handelt.
Lösungsvorschläge konzentrieren sich oft auf
klassische Durchführungskonzepte und nicht
so sehr auf langfristige politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Bürokratische Strukturen
innerhalb von Regierungen sind neuen AnfordeSeite 4

rungen gegenüber nicht aufgeschlossen und
weder Regierungen noch nichtstaatliche Organisationen haben die neue Beziehung zwischen
offizieller Autorität und privater Expertise zufriedenstellend definiert. Diese Beziehung muß
sich entwickeln, wenn viele der neuen Probleme
erfolgreich angegangen werden sollen.
Wir müssen weitreichende Strategien verfolgen, die demokratische und marktwirtschaftliche Entwicklungen integrieren. Der Ausdruck
"Sicherheit" kann nicht als eine Art von politischem Mechanismus betrachtet werden, der
angewendet wird, sobald Alarm ausgelöst wurde. Wir dürfen auch Sicherheit nicht länger
durch militärische Abkommen definieren. Für
die neuen demokratischen Staaten beginnt
Sicherheit mit Programmen zur Förderung von
Toleranz und multikulturellen Gesellschaften.
Mit anderen Worten, Sicherheitspolitik muß als
ein aktiver, fortschreitender Prozeß betrachtet
werden, der mit den fundamentalen Aspekten
nationaler Entwicklung beginnt.
Strategien für den Einsatz der KSZE
Wenn Einigkeit über diese Konzepte besteht, werden
die Erfordernisse einer Strategie für den Einsatz der
KSZE klarer. Eine solche Strategie muß meines
Erachtens auf folgenden Elementen basieren:
Die Einzigartigkeit der KSZE und ihre Methodik
sollten erhalten bleiben. Die KSZE kann keine
allgemeingültigen Lösungen für alle Probleme
bieten. Wir sollten auch nicht versuchen, ihr
Aufgabengebiet zu erweitern, wie dies andere
Organisationen tun. Die spezifische Rolle der
KSZE besteht in der Anwendung demokratischer Normen auf nationale Entwicklungen und
auf Versuche zur Lösung von Konflikten. Die
offene, flexible Struktur ist genau auf solche
Aufgaben ausgerichtet. Sie formaler zu gestalten und stärker auf Verträge zu gründen, mit
Durchführungsgewalt auszustatten, oder - wie
bisweilen vorgeschlagen - das Konsensprinzip
abzuschaffen, um die "Dinge zu beschleunigen", würde ihre grundlegenden Stärken untergraben.
Die Aktivitäten der KSZE sollten sich verstärkt
auf die langfristigen Ursachen von Problemen
konzentrieren. Strategien für die Verbindung
politischen Handelns mit grundsätzlichen Fragen politischer und wirtschaftlicher Entwicklung
sind noch von keiner Organisation entwickelt
worden. Die KSZE kann demonstrieren, wie
vielschichtige Sicherheitsaspekte in eine Operationsstrategie eingegliedert werden können.
Regierungen haben keineswegs ein Monopol
auf die Entwicklung solcher Strategien. Nichtstaatliche Experten und Organisationen können

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�einen großen Teil der Arbeit leisten, die für neue
Strategien notwendigen Anforderungen zu erforschen.
Es sollten phantasievollere Mittel fürdie Anwendung von Ressourcen im Rahmen der KSZE
gefunden werden. Die Regierungen begreifen
bis heute nur sehr langsam, welche Art von
Politik und welche Ressourcen diese neue Ära
braucht. Viele der Probleme, mit denen die
KSZE umgeht, erfordern Talente, die für gewöhnlich nicht in Regierungen zu finden sind.
Private Geld- und Personalquellen sollten ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit regierungsunabhängigen Organisationen gestärkt
werden.
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
und ihre Integration sollten verstärkt werden.
Wenn keine Organisation allein alles tun kann,
sollte es auch keine Konkurrenz zwischen Organisationen geben, die auf ähnlichen Gebieten
tätig sind. Die KSZE kann brauchbare Rahmenbedingungen bieten, durch die der Arbeit kleinerer Organisationen auf den Gebieten Politik,
militärische Sicherheit, Kultur, Medien, oder
Wirtschaft eine Struktur verliehen wird. Umgekehrt kann die KSZE ihre Expertise in die Arbeit
anderer Organisationen einbringen. Die Aufgaben der Europäischen Union, des Europarates
und der Partnerschaft für Frieden in der NATO
lassen auf zukünftige Zusammenarbeit hoffen.
Die KSZE knüpft bereits besondere Beziehungen zu den Vereinten Nationen. Künstliche
Hindemisse, welche die Kooperation zwischen
NATO und KSZE blockieren, sollten beseitigt
werden.
Grundinhalte sollten gleich bleiben
Meine heutigen Ausführungen zielten darauf ab zu
beschreiben, wie die KSZE zu Strategien beitragen
kann, welche die Herausforderungen einer neuen
historischen Ära angehen.

Der Großteil meiner Rede bezog sich zwar direkt auf
die KSZE, doch ist viel davon auch auf die Arbeit
anderer Organisationen oder Regierungen einzelner
Länder anwendbar. Meines Erachtens stehen wir erst
am Beginn einer Zeit einzigartiger grundlegender sozialer
und politischer Veränderungen. Unsere Gesellschaft
und unsere Lebensweise werden höchstwahrscheinlich weitaus stärker davon beeinflußt werden, als wir
uns heute vorstellen können.
Da die Veränderungen so grundlegend sein werden,
können noch keine Pläne oder Strukturen an die
Bedürfnisse der neuen Zeit angepaßt werden. Wir
können allerdings zugeben, daß wir uns auf unsicherem Boden befinden und daher flexibel bleiben müssen. Die KSZE ist die flexibelste und anpassungsfähigste aller Strukturen. Gleichzeitig ist sie den grundsätzlichen Werten und Normen der Demokratie fest
verbunden.
Diese zwei Erfordernisse - der Erhalt des Fundaments
der Freiheit und das gleichzeitige Streben nach größtmöglicher Flexibilität beim Umgang mit unmittelbaren
Herausforderungen - sind wahrscheinlich die wesentlichen Elemente einer erfolgreichen Sicherheitspolitik
der Zukunft. Insbesondere von Deutschland wird man
erwarten, daß es eine komplexe Strategie entwirft,
welche die Bindung an seine unmittelbaren europäischen Nachbarn stärkt und zugleich seine einzigartige
Rolle und gemeinsamen Interessen mit Partnern in
anderen Regionen bewahrt.
Die KSZE wird nicht das einzige europäische Sicherheitsorgan werden, wie manche glaubten. Sie wird
auch keine Erfolgsgarantie für Demokratie in den eben
erst befreiten Ländern des Ostens sein. Sie kann
jedoch die direkteste Verbindung von Werten und
konkreter Politik bilden. Wenn wir unsere Handlungsweise von den KSZE-Prinzipien leiten lassen, sind wir
auf dem richtigen Weg. Diese einzigartige Rolle sollte
nicht dem Druck des Augenblicks geopfert werden,
denn wir wissen derzeit nicht, in welche Richtung wir
uns bewegen.

* * * *

AMERIKA DIENST 9

*

Seite 5

�AUSLAN DSHILFE
2. März 1994

GLEICHBERECHTIGUNG IST SCHLÜSSELELEMENT
DES AUSLANDSHILFEGESETZES
Rede von AID-Direktor Atwood
WASHINGTON - (AD) - Das neue Auslandshilfegesetz der Clinton-Administration verfolgt das Ziel umweltverträglicher Entwicklung teilweise durch die Einrichtung von Programmen, die den Menschen, insbesondere
Frauen, "ein Gefühl von Beteiligung, Besitz und Gleichberechtigung" geben.
So charakterisierte der Direktor des US-Amts für internationale Entwicklung (U.S. Agency for International
Development - USAID), J. Brian Atwood, die Maßnahme, die offiziell als "Gesetz über Frieden, Wohlstand und
Demokratie" bezeichnet wird, in einer programmatischen Rede am 22. Februar 1994 bei der Konferenz des
Büros der für Bevölkerungsfragen zuständigen Behörden.
"Die Gesetzesvorlage zielt nicht darauf ab, anstelle der Entwicklungsländer zu handeln", erklärte er," sie ist Hilfe
zur Selbsthilfe - eine bürgerliche Gesellschaft aufzubauen, Fähigkeiten und Einkommen zu erwerben, in den
Menschen zu investieren, sein produktives Potential zu entfalten, seine Fortpflanzung zu kontrollieren". Atwood
zufolge ist diese Einstellung nicht visionär, sondern zeugt eher von "gesundem Menschenverstand".
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus der Rede von Direktor Atwood.

Die Demographen entwerfen ein Zukunftsbild, das uns
starr vor Angst macht. Noch zu Lebzeiten unserer
Kinder wird die Weltbevölkerung mit Sicherheit auf
acht Milliarden Menschen ansteigen. Diese Tatsache
ist die treibende Kraft hinter jeder entwicklungspolitischen Herausforderung. Ihre sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie ihre Konsequenzen für
Umwelt und Politik werden in den kommenden Jahrzehnten die amerikanischen Politiker konfrontieren.
Diese Tatsache ist so sicher wie die Zahl an sich. Alles,
was wir als Amt für Entwicklung und als Entwicklungsgemeinschaft unternehmen, wird zweifellos davon
beeinflußt werden. Unsere Herausforderung liegt dann
darin, wann diese Zahl erreicht wird und wieviel größer
sie noch werden kann.
Präsident Clinton und andere Administrationsmitglieder - Vizepräsident AI Gore, der Staatssekretär im
Außenministerium Timothy Wirth und ich - gehören zu
denjenigen, die verstehen, daß unsere größte Verantwortung darin besteht, den Politikern im In- und Ausland die aus diesen Zahlen resultierenden Konsequenzen zu vermitteln. Die Konsequenzen für die politische
Stabilität. Die Konsequenzen für die Umwelt. Die
Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum. Die
Konsequenzen für Familien und Gemeinden. Und

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letztlich die Konsequenzen für unseren Planeten und
die menschliche Gesellschaft.
Eine Tragödie zeichnet sich ab, deren Dimensionen
bereits erkennbar sind:
Die Tragödie unerfüllter Hoffnungen des Menschen, da Männer und Frauen weiterhin über
unzureichenden Zugang zu Informationen und
Verhütungsmitteln verfügen.
Die Tragödie von Frauen, Jugendlichen und
Kindern, die ständig krank sind und oftmals
sterben, weil die Gesellschaft nicht die erforderlichen geringen Investitionen in Gesundheitsfürsorge für Schwangere, Mütter, Familien und
Kinder tätigt.
Die Tragödie von Umweltzerstörung, Armut und
Hunger, die eng miteinanderverknüpft sind. Es
ist eine Tragödie, bei der das Land und die
Institutionen nicht an das Bevölkerungswachstum angepaßt sind. Haiti und Somalia sind die
deutlichsten Beispiele. Die wirkliche Tragödie
besteht darin, daß es noch mehr Beispiele geben
wird. Und wenn wir ihnen den Rücken zukehren
würden, wäre das die größte Tragödie überhaupt.
Seite 1

�Diese Situation erfordert eine präventive Diplomatie.
Es handelt sich hier nicht, wie manche vielleicht meinen, um "die Probleme anderer". Sie könnten alle
Amerikaner betreffen. Wir können uns ihren Auswirkungen nicht entziehen, und sie erfordern eine Politik,
die die Probleme von Grund auf angeht.

werden wir mit weniger M itteln mehr bewirken müssen.
Jede neue Idee, jedes vorgeschlagene Projekt und
jede Verwaltungsreform wird an diesem Maßstab
gemessen.

Diese Betonung des Ergebnisses - was wir mit jedem
zusätzlich investierten Dollar bewirken können - wird
Das ist der Grund dafür, daß die Administration das auch auf unsere neue Bevölkerungs- und Gesund"Gesetz über Frieden, Wohlstand und Demokratie" heitsstrategie bezogen. Diese Strategie wird von dem
gefördert hat, eine neue Charta für Auslandshilfe in der Gefühl für Dringlichkeit angetrieben, das wir alle haZeit nach dem Kalten Krieg. Sie fügt sich nahtlos in die ben. Sie soll weltweit etwas bewirken. Sie enthält die
von AID verfolgte Strategie für Entwicklung ein.
aus der Erfahrung gezogenen Lehren und die Überzeugung, daß unsere gesamten Programme vom Anfang
Wir haben darauf hingewiesen, daß wir ein einziges bis zum Ende die Menschen einbeziehen müssen, die
Ziel - umweltverträgliche Entwicklung - in den fünf als Nutznießer vorgesehen sind. Schließlich handelt
Bereichen verfolgen, die über die Umweltverträglich- es sich um eine Strategie, die immer stärker integrierte
keit von Entwicklung entscheiden: Demokratie, breit Ansätze erfordert, damit wir unsere bevölkerungs- und
gefächertes Wirtschaftswachstum, Umwelt, humani- gesundheitspolitischen Ziele erfüllen können.
täre Hilfe und Unterstützung der im Übergang befindlichen Nationen. Und natürlich Bevölkerung und Die Bevölkerungs- und Gesundheitsstrategie von AID
Gesundheit. Unsere Arbeit wird von einem geschärf- stellt vier miteinander verbundene Prinzipien und Ziele
ten Bewußtsein für die Interdependenz dieser Fragen in den Mittelpunkt:
geleitet.
Förderung der Rechte von Paaren und EinzelMachen sich korrupte und autoritäre Regierungen die
personen, frei und verantwortlich die Zahl ihrer
Mühe, Einrichtungen zur Gesundheitsfürsorge und
Kinder und den zeitlichen Abstand zwischen
Familienplanung bereitzustellen, die den Bedürfnisden Geburten festzulegen.
sen der Menschen Rechnung tragen? Können die
Verbesserung der Gesundheit des einzelnen,
Menschen arbeiten oder die Kinder lernen, wenn sie
unter besonderer Beachtung der gesundheitlihungrig oder krank sind? Können demokratische
chen Bedürfnisse von Frauen und Jugendlichen
Institutionen überleben, wenn die Menschen arbeitssowie der allgemeinen gesundheitlichen Belos sind und nicht das Gefühl haben, daß sie in ihrer
dürfnisse
von Säuglingen und Kindern.
Nation, ihrer Regierung oder bei ihrer Zukunft ein
Mitspracherecht haben? Ist eine Entwicklung umweltSenkung des Bevölkerungszuwachses auf ein
verträglich, wenn Frauen nicht gleichberechtigte BeNiveau, das eine umweltverträgliche Entwickteiligte und Nutznießer sind?
lung zuläßt.
Diese Fragen erinnern uns daran, daß das Streben
Einbeziehung der Zielgruppe in die Programme.
nach umweltverträglicher Entwicklung integrierte
Ansätze erfordert. Der Gesetzentwurf über Frieden, Im Rahmen dieser Strategie wird die Unterstützung
Wohlstand und Demokratie soll uns die hierzu erfor- der Familienplanungssysteme und -dienstleistungen
derlichen Werkzeuge an die Hand geben. Sobald er weiterhin im Mittelpunkt unserer Bestrebungen steGesetzeskraft erlangt hat, wird er Programme einlei- hen. Sie stellt bei weitem die kostengünstigste Interten, die den Menschen - insbesondere Frauen, dem vention dar, um Paaren und dem einzelnen eine Konversteckten wichtigen Entwicklungsfaktor - ein Gefühl trolle über die Zahl der Kinder zu geben und das
von Beteiligung, Besitz und Gleichberechtigung ge- Bevölkerungswachstum zu bremsen. Sie hat direkte
ben. Die Gesetzesvorlage zielt nicht darauf ab, anstel- Vorteile für die Gesundheit und das Wohlergehen von
le der Entwicklungsländer zu handeln, er ist Hilfe zur Frauen, Kindern und Familien. Insbesondere ist sie
Selbsthilfe - eine bürgerliche Gesellschaft aufzubau- entscheidend für eine umweltverträgliche Entwicken, Fähigkeiten und Einkommen zu erwerben, in den lung.
Menschen zu investieren, sein produktives Potential
zu entfalten, seine Fortpflanzung zu kontrollieren. Diese Die Einrichtung eines neuen Zentrums für BevölkeEinstellung ist nicht visionär, sondern zeugt eher von rung, Gesundheit und Ernährung wird die in diesen drei
Bereichen Tätigen zur Zusammenarbeit ermutigen.
gesundem Menschenverstand.
Das neue Zentrum soll ein Zusammenwirken dieser
Werden wir die für diese ehrgeizige Tagesordnung Programme ermöglichen, besonders bei der komplierforderlichen Mittel erhalten? Obwohl sich diese zierten Gesundheitsfürsorge für Schwangere. Es wird
Administration um den Abbau des Haushaltsdefizits uns die Erforschung von Verbindungen zu Programbemüht, ist sie auch unseren Zielen verpflichtet und men aus anderen Sektoren gestatten und unsere
sich unserer Bedeutung bewußt. Doch selbst unter bevölkerungs-und gesundheitspolitischen Bestrebunden besten haushaltspolitischen Voraussetzungen gen verstärken.
Seite 2

AMERIKA DIENST 9

�Bei unseren politischen Gesprächen mit Gastländern
und anderen Gebern werden wir die Interdependenz
der Ziele umweltverträglicher Entwicklung hervorheben. Beispielsweise beobachten wir langfristige Auswirkungen auf die Familienplanung und verringerte
Kindersterblichkeit als Ergebnis der geförderten Bildung für Frauen und Mädchen. Wir erwarten eine
Verstärkung unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet
und arbeiten mit anderen Geberländern zusammen,
die vielleicht mehr tun können.

nach einem integrierten Ansatz sprechen, bedeutet
das kein Patentrezept, wie Familienplanungssysteme
funktionieren oder Dienstleistungen an der Basis
angeboten werden sollten. Das würde alles konterkarieren, was wir über Familienplanung und Gesundheitsfürsorge für Schwangere gelernt haben. Wir
müssen vermeiden, was einer unserer Kollegen als
den sogenannten "Schweizer-Armeemesser-Ansatz"
zu Dienstleistungen bezeichnet hat - alles zu tun
versuchen, und nichts davon gut zu machen.

Ein integrierter Planungsansatz bedeutet nicht, daß
wir schwachen Institutionen oder Anbietern von Dienstleistungen zusätzliche Lasten aufbürden. Vielmehr
beinhaltet er, eine Beschränkung der Aufmerksamkeit
auf bestimmte Ziele auf Kosten anderer zu vermeiden.
Etwas anderes würde zur Verschwendung begrenzter
Mittel führen und wäre zweifellos zum Scheitern verurteilt.

Einige sind besorgt, daß ein integrierterer Ansatz zu
Bevölkerungs-, Gesundheits- und Ernährungsfragen
es erschweren wird, Programme für Resultate in einem dieser Bereiche verantwortlich zu machen. Ich
teile diese Meinung nicht. Wir werden nach wie vor
unsere Leistungen anhand von Indikatoren wie Verwendung von Kontrazeptiva, Geburtenrückgang, Mütterund Kindersterblichkeit genau beobachten und weiterhin nach besseren Bewertungskriterien für die Auswirkungen unserer Programme suchen.

Da ich weiß, daß es eine Vielzahl von Gerüchten und
Diskussionen gab, möchte ich Ihnen versichern, daß
wir zu den bereits eingegangenen Verpflichtungen
stehen, die Gelder für Bevölkerungs-und Familienplanung sowie damit zusammenhängende Gesundheitsprogramme für Schwangere zu erhöhen.
In einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe ist die
Bevölkerungspolitik einer der wenigen Posten im
Haushalt von AID, bei dem eine reale Erhöhung der
Mittel stattfindet. Um sowohl unsere traditionellen
Bestrebungen bei der Familienplanung zu unterstützen als auch das Bevölkerungswachstum von Grund
auf und direkt anzugehen, habe ich die Anweisung
erteilt, daß ein Teil der für das Haushaltsjahr 1995 und
danach für Bevölkerungspolitik vorgesehenen zusätzlichen Gelder für eine begrenzte Zahl innovativer Aktivitäten zur Verfügung gestellt wird. Dazu sollen Programme zur Förderung der Bildung und Gleichberechtigung der Frau gehören, die ich bereits erwähnt habe.
Sie wurden speziell dafür entworfen, die Nachfrage
nach Familienplanungsprogrammen und ihre Nutzung
in der nahen Zukunft zu erhöhen. Die für diese
innovativen Aktivitäten bereitgestellten Gelder sollen
eine Ergänzung zur allgemeinen Finanzierung der
Bildung und Gleichberechtigung von Frauen unter
dem Fonds zur Förderung von Entwicklung darstellen.
Dies ist für uns alle ein neuer und vielversprechender
Ansatz. Wir werden Nachfragen nach dieser Art von
Nutzung sowie ihre Auswirkungen genau beobachten.
Obwohl ich der Verstärkung unserer bestehenden
Programme entschieden verpflichtet bin, engagiere
ich mich gleichermaßen für eine führende Rolle von
AID bei der Familienplanung. Wir haben auf diesem
Gebiet einen relativ großen Vorteil und werden nicht
den für die Familienplanung vorgesehenen Teil unserer Hilfe schmälern.
Auch zu einem weiteren Punkt sollte es keine Mißverständnisse geben. Wenn wir von unserem Wunsch
AMERIKA DIENST 9

Darüber hinaus wollen wir die schwierigeren Fragen
nicht außer acht lassen, wie etwa: Entsprechen die
Programme dem Bedarf der Nutznießer? Welche
Verbindungen bestehen zwischen den von uns unterstützten Eingriffen und Veränderungen bei der Familienplanung und der allgemeinen Gesundheitsfürsorge? Und haben wir umweltverträgliche Systeme eingeführt, die nicht nur in diesem, sondern in 5,10 oder
15 Jahren Ergebnisse erzielen?
Dieses letzte Kriterium ist von besonderer Bedeutung.
Es gibt eine länger werdende Liste von Ländern, in
denen AID einen maßgeblichen Beitrag zur Famlienplanung und zur Gesundheit geleistet hat, darunter
Mexiko, Jamaica, Bangladesch, Indonesien, Marokko,
Ägypten, Kenia und Simbabwe. Kolumbien wird in
Kürze der Liste führender Länder hinzugefügt, zu der
jetzt Thailand, Tunesien und Korea zählen. Die Ergebnisse waren die Folge von umweltverträglicher Entwicklung über einen Zeitraum von mehreren Jahren
hinweg-und dergeduldigen Bestrebungen der mit AID
zusammenarbeitenden Behörden.
Während wir auf Ergebnisse abzielen, sollten wir vor
allem die Perspektiven der Einzelpersonen im Auge
behalten, auf die sich Familienplanung und Gesundheitsdienste richten. Seit langem haben wir uns dem
Ziel verbesserter Gesundheitsfürsorge und leichtem
Zugang verschrieben. Wir müssen mehr Gespräche
mit unseren "Klienten" über die ihnen am größten
erscheinenden Hindernisse führen.
Neben den Müttern und Kindern - der Zielgruppe
unserer Programme - müssen wir den Bedürfnissen
von Jugendlichen, Männern, unverheirateten Frauen
und kinderlosen jungen Ehepaaren unsere Aufmerksamkeit widmen. Wir müssen den von uns geförderten
Organisationen bei der Suche nach besseren Wegen
zu ihrer Einbeziehung behilflich sein, sei es durch

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�Schulen oder Lokale, Freizeitzentren oder Versammlungsorte. Wir müssen die Macht der Massenmedien
besser nutzen, um Ideen und Informationen zu verbreiten.
Bei der Reaktion auf die Bedürfnisse von Frauen
sehen wir uns mit zusätzlichen Herausforderungen
konfrontiert. Berücksichtigung der Rolle der Geschlechter ist unabdingbar für die von uns geförderten Programme. Wir müssen die uneingeschränkte Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen der Familienplanung und - in der Tat - der Gesundheits- und Entwicklungsprogramme unterstützen. Wir müssen Frauen
bei der Überwindung der sie konfrontierenden Hindernisse zur Erlangung von Dienstleistungen und Anwendung unterschiedlicher Verhütungsmethoden behilflich sein. Wir müssen darauf achten, daßdie Programme auf die Frauen zugeschnitten sind. Und die Programme müssen die Unterstützung und Beteiligung
der Männer verbessern.
Bei dieser Zusammenkunft werden Sie vorau ssichtlich
die Verbindung zwischen Familienplanung und anderen Dimensionen der Gesundheitsfürsorge für Schwangere ansprechen. In einem Umfeld, in dem die Frauen
weiterhin aufgrund von Schwangerschaften und im
Kindbett sterben, wo HIV/AIDS und andere sexuell
übertragene Krankheiten eine zunehmende Zahl von
Opfern fordern und Frauen die effektive Anwendung
von Kontrazeptiva durch andere Probleme verwehrt
wird, müssen wir Programme entwerfen, die diesen
Realitäten Rechnung tragen und sie in Angriff nehmen.

Risiko eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs
eingehen oder - noch schlimmer - in einem Teufelskreis wiederholter Schwangerschaftsabbrüche gefangen sind, mit allen Implikationen des Leidens für sie,
ihre Kinder und andere Familienmitglieder.
Ich möchte betonen, daß der verbesserte Zugang zu
Informationen über Schwangerschaftsverhütung und
Dienstleistungen unser erster Ansatzpunkt zur Bewältigung der Tragödie unsicherer Schwangerschaftsabbrüche ist. Wir müssen die Qualität der Vorsorge und
die Anwendung sicherer und effektiver Methoden
verbessern. Wir müssen die Beratung verstärken und
das Verständnis von Frauen und ihren Partnern für
Gesundheitsfürsorge bei der Schwangerschaft und
der Entscheidung dafür vertiefen. Von ebensolcher
Bedeutung ist mitfühlende Behandlung der Frauen in
solch verzweifelten Umständen, daß sie keinen Ausweg als einen unsicheren Schwangerschaftsabbruch
sehen.
Dieses Thema, das an oberster Stelle der öffentlichen
Debatten in diesem Land steht, erhält für viele Frauen
in Entwicklungsländern noch zusätzliche Dringlichkeit.
Sie haben entschieden weniger Wahlmöglichkeiten
als Frauen hier, wohin sie sich um Hilfe wenden
können. Obwohl die Hindernisse nicht über Nacht
beseitigt werden können, wird diese Administration
weiterhin für das Prinzip der freien Entscheidung für
eine Schwangerschaft eintreten, einschließlich des
Zugangs zu sicherem und freiwilligem Schwangerschaftsabbruch.

Darüber hinaus müssen wir prüfen, wie wir die Erfordernisse von Frauen berücksichtigen können, die das

* *

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AMERIKA DIENST 9

�ARBEITSWELT
2. März 1994

BESCHÄFTIGUNGSKRISE IM WESTEN HAT
EINE LANGE GESCHICHTE
Studie der American Express Bank
WASHINGTON - (AD) - Die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten ist in den letzten 25 Jahren angestiegen und
könnte höher liegen als die von den Regierungen herausgegebenen offiziellen Zahlen vermuten lassen, so eine
Studie der American Express (Amex) Bank überdie Arbeitsmarktsituation in fünf führenden Industrieländern. Die
auf Daten ausden Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien basierende Analyse
wurde in der Januarausgabe 1994 von The Amex Bank Review publiziert.
Aus Anlaß der vom 13. -15. März 1994 in Detroit anberaumten Konferenz überdie Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt veröffentlichen wir einen in Washington Economic Reports
erschienenen Artikel von Ed Taishoff überdie Studie der American Express Bank als Teil einer Serie des Amerika
Dienstes zum Thema Arbeitswelt.

"Die Arbeitslosenquoten in den Industrieländern sind

während des Großteils der vergangenen 25 Jahre
angestiegen, hauptsächlich als Konsequenz eines
verlangsamten Wirtschaftswachstums", wird in dem
Bericht der Amerikan Express Bank festgestellt. Die
offiziellen Beschäftigungszahlen der Regierungen sind
eine "ernste" Untertreibung des tatsächlichen Anstiegs
der Arbeitslosigkeit, da sie zur Erwerbsbevölkerung
nicht die sogenannten "entmutigten" Arbeitnehmer
hinzuzählen - die die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aufgegeben haben, weil sie wahrscheinlich eine
Absage erhalten würden, soderBericht von Amex. Sie
mit einzurechnen würde die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den fünf genannten Industriestaaten effektiv auf über 10 Prozent ansteigen lassen.
Eine solche Bereinigung würde der Amex-Studie zufolge die offizielle Arbeitslosenquote für 1993 in den
Vereinigten Staaten von 6,4 auf 9,3 Prozent, in Frankreich von 12 auf 13,7 und in Großbritannien von 9,8 auf
12,3 Prozent erhöhen. In Japan hätte eine derartige
Anpassung noch drastischere Auswirkungen - einen
Anstieg der gemeldeten 2,7 Prozent auf 9,6 Prozent da der Pool der "entmutigten Arbeitnehmer" viele Frauen
enthält, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu
einem völligen Ausstieg aus dem Arbeitsleben neigen.
Daten zur Dunkelziffer der Arbeitslosen in Deutschland sind nicht verfügbar. Die letzte offizielle Angabe
der Arbeitslosenquote beträgt 9,1 Prozent.

AMERIKA DIENST 9

Während der jüngsten Rezession ging es den amerikanischen Arbeitnehmern besser als ihren europäischen Kollegen. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten überstieg nie die 8-Prozent-Marke, die
Zahlen in Europa waren jedoch zweistellig.
Stärkerer Anstieg von Arbeitsplätzen in den USA
Seit Beginn der sechziger Jahre nahm die Zahl der
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten stärkerzu als
in Europa. In dem Bericht werden zwei Erklärungen für
diese Entwicklung gegeben:
Es scheint eine Verbindung zwischen dem relativ langsamen Anstieg der Löhne und Gehälter
in den Vereinigten Staaten und hohem Beschäftigungsanstieg zu geben, insbesondere in den
sechziger und siebziger Jahren. In Europa
fanden schnellere Lohnerhöhungen statt. Obwohl
diese im Einklang mit der Produktivität standen,
"war der Zuwachs der Beschäftigung zu gering,
um steigende Arbeitslosigkeit zu verhindern".
In den Vereinigten Staaten gibt es weniger
strukturbedingte Arbeitslosigkeit als in Europa,
da amerikanische Arbeitnehmer mobiler und
eher als ihre europäischen Kollegen bereit sind,
den Arbeitsplatz und den Wohnort zu wechseln.
Folglich waren Ende der achtziger Jahre in den
Vereinigten Staaten nur 5 bis 6 Prozent aller

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�Arbeitslosen Langzeitarbeitslose, in Europa
hingegen 30 bis 40 Prozent.
Der Fertigungsbereich war der Studie zufolge weniger
als andere Sektoren in der Lage, Arbeitsplätze zu
erhalten. Die Arbeitsplätze im Herstellungsbereich
sind im Vergleich zu ihrem Höchststand in Großbritannien um 18, in Deutschland um 9, in den Vereinigten
Staaten um 8, in Frankreich um 7 und in Japan um 3
Prozent gesunken. Der Hauptgrund für diese abnehmende Beschäftigung bei der Fertigung ist den AmexAnalysten zufolge "die Tendenz zur Produktivitätserhöhung".

Ende des traditionell sicheren Arbeitsplatzes?
Der Bericht verzeichnet wachsende Sorge darüber,
dies könne einen Verlust des traditionell sicheren
Arbeitsplatzes bedeuten, hält aber auch fest, die Tendenz
zur Teilzeitarbeit "gab wenig Anlaß zu Klagen, als die
Volkswirtschaften ein schnelleres Wachstum verzeichneten und die Arbeitslosigkeit sank oder unverändert
blieb".

Die Studie befaßt sich auch mit der Behauptung, die im
wachsenden Dienstleistungssektor geschaffenen neuen
Stellen seien relativ niedrig bezahlt und glichen weder
zahlenmäßig noch im Hinblick auf Löhne und Gehälter
Dennoch ist laut dem Bericht im vergangenen Jahr- den Verlust an Arbeitsplätzen im Fertigungsbereich
zehnt der Anteil dieser Staaten am Güterhandel - dem aus. Der schnellste Zuwachs von Arbeitsplätzen im
Großteil davon Fertigwaren - von 38 auf 44 Prozent Dienstleistungssektor sei nicht bei den niedrigen Lohnangestiegen und verzeichnete einzig in Großbritan- gruppen wie dem Einzelhandel oder Nahrungsmittelsektor zu verzeichnen, sondern vielmehr auf Gebieten
nien keine Zunahme.
wie Wirtschaft und Finanzen, deren Anteil an der
Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt Gesamtbeschäftigung sich seit den siebziger Jahren
darin, daß "die Vorteile der Industrieländer mit ihren verdoppelt hat oder in Bereichen wie Gemeinschaftshöheren Lohnkosten zunehmend in ihren äußerst und Sozialdiensten, öffentliche Verwaltung, Gesundkapitalintensiven Fertigungstechniken und fachbezo- heit, Bildung und Freizeitgestaltung.
genen Dienstleistungen liegen, auf Gebieten, wo diese
Staaten im allgemeinen bereits Erfolg haben".
"Der Hauptgrund für den langfristigen Anstieg der
Arbeitslosigkeit", so die Analyse von Amex, "ist das
Die Studie stellt fest, angesichts der Erweiterung von rückläufige Wirtschaftswachstum seit den sechziger
Handel und Kapitalfluß sowie attraktiveren Investi- Jahren auf ein Niveau, das nicht genügend neue
tionsmöglichkeiten in den Entwicklungsländern "wäre Arbeitsplätze schafft".
es überraschend, wenn arbeitsintensive Industriezweige in den reichen Industriestaaten ohne Schwierigkei- Die gute Nachricht ist jedoch, daß die für den Abbau
ten Wachstum verzeichnen könnten".
der Arbeitslosigkeit erforderliche Wachstumsrate "wohl
nicht auf Dauer ein Inflationsproblem schaffen wird",
Die Studie befaßt sich auch noch mit zwei anderen da die Kluft zwischen tatsächlichem und potentiellem
Bereichen: Dem stetigen Wachstum von Teilzeit- und Output beträchtlich bleibt.
zeitweiliger Beschäftigung sowie dem schnellen Zuwachs von Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich. Dem Bericht zufolge ist in Japan, Frankreich und
Großbritannien eine Wachstumsrate von ungefähr 3
Zwischen 1973 und 1992 stieg Teilzeitarbeit in ande- Prozent erforderlich, um die Arbeitslosigkeit abzubauren Industrieländernden stärker an als in den Vereinig- en, aber "selbst darüber liegende Wachstumsraten
ten Staaten, wo sie von 15,6 Prozent der gesamten werden über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg
Beschäftigung im Jahr 1973 auf 18,4 Prozent 1983 nicht die Inflation erneut anfachen". In den Vereinigten
anwuchs und 1992 wieder auf 17,5 Prozent sank. In Staaten ist laut Amex ein Wachstum von nur 2,3
Deutschland stieg sie von 10,1 Prozent 1973 auf 15,5 Prozent erforderlich, was "1994 äußerst wahrscheinProzent 1991, in Japan von 13,9 Prozent 1973 auf 20,5 lich ist".
Prozent im Jahr 1992 und in Großbritannien während
des gleichen Zeitraums von 16 auf 23,2 Prozent.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 9

�BEVÖLKERUNG
2. März 1994

USA BEREITEN SICH AUF
BEVÖLKERUNGS KONFERENZ VOR
Vorbereitungssitzung im April in New York
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten
mobilisieren ihre Ressourcen, um eine führende Rolle
bei der für den 5. bis 13. September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung zu übernehmen.

Wirth erklärte, in der Zwischenzeit würden eine Reihe
von 12 Treffen zu Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen abgehalten, von denen die Clinton-Administration
ausreichend Informationen bezüglich der in Kairo zu
erörternden Themen erhalten wird.

Timothy Wirth, Staatssekretär im US-Außenministerium, gab am 28. Februar bekannt, daß vom 4. bis 22.
April 1994 eine Vorbereitungssitzung in New York
stattfinden wird, und das State Department sowie das
Amt für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) bereits monatlich mit
nichtstaatlichen Organisationen zur Sondierung der in
Kairo zu erörternden Themen zusammengetroffen sind.

Wirth bestätigte die Zusage Japans in Höhe von 3
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg für Familienplanung und ähnliche Programme sowie Präventionsmaßnahmen gegen AIDS.
1 Milliarde Dollar sei für Familienplanung und verwandte Programme vorgesehen, wohingegen die restlichen
2 Milliarden Dollar für Programme zur Bekämpfung der
Kindersterblichkeit, Aufklärungsprogramme für Frauen und Vorbeugung gegen AIDS verwendet werden.

Wirth zufolge wird eine 23köpfige Delegation - zu
gleichen Teilen aus amerikanischen Regierungsvertretern und Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen zusammengesetzt - an der New Yorker Konferenz teilnehmen, wo "mindestens zwei Informationsveranstaltungen" über die Sicherheitsbedingungen in
Kairo stattfinden werden.
Neben Beamten des Außenministeriums und von AID
zählen zu der Delegation Vertreter des Gesundheitsministeriums und des Umweltschutzamts. Die aus den
Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen bestehende Hälfte der Delegation umfaßt Fachleute für
Familienplanung, Umweltschutz, Rechte von Frauen
und Minderheiten.
Einem Beamten in Wirths Büro zufolge werden mindestens 500 Teilnehmer aus 150 Ländern zu der Sitzung
in Washington erwartet.

Im gleichen Zeitraum haben die Vereinigten Staaten
Aufwendungen in Höhe von 9 Milliarden Dollar für
solche Programme geplant, stellten amerikanische
Regierungsvertreter fest.
Wirth zufolge sind auch Verhandlungen mit den Industrieländern und anderen potentiellen Geldgebern für
weitere Mittel zur Bewältigung des Bevölkerungswachstums beabsichtigt. Wirth wird in zwei Wochen zu
Gesprächen mit möglichen Geldgebern nach Europa
reisen.
Experten schätzen, daß bis zum Jahr 2000 mindestens 10 Milliarden Dollar pro Jahr zur Inangriffnahme
der Bevölkerungsexplosion benötigt werden - doppelt
so viel wie die jetzt aufgewendeten 5 Milliarden Dollar
pro Jahr.
Die Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung ist die dritte dieser Art. Die erste wurde 1974 in
Bukarest, die zweite 1984 in Mexiko abgehalten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 9

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