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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

9. Februar 1994

BOSNIEN

USA ENTSETZT ÜBER GRANATENANSCHLAG
AUF MARKT IN SARAJEVO
Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry

USA-DEUTSCHLAND

INTENSIVE GESPRACHE ÜBER BOSNIEN
Erörterung der deutsch-amerikanischen
Beziehungen

WIEDERERÖFFNUNG DES US-GENERALKONSULATS IN DÜSSELDORF
Ansprache von Botschafter Holbrooke

PARTNERSCHAFT MIT DEUTSCHLAND
KÖNNTE EUROPAPOLITIK DER USA LEITEN
Neues Buch von Daniel Hamilton

VERTEIDIGUNG

PERRY UMREISST SECHS GRUNDLEGENDE
AUFGABEN DES VERTEIDIGUNGSMINISTERS
Anhörung vor Senatsausschuß

DER WESTEN KANN ENTWICKLUNGEN IN
RUSSLAND MASSGEBLICH BEEINFLUSSEN
Rede von Verteidigungsminister
Perry bei Wehrkundetagung
bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�Y

ABRÜSTUNG

ENDE DES KALTEN KRIEGES ERHÖHT
NOTWENDIGKEIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede des neuen ACDA-Direktors bei
Genfer Abrüstungskonferenz

MENSCHENRECHTE

FORTSCHRITTE BEI DER
MENSCHENRECHTSSITUATION 1993,
VERLETZUNGEN DAUERN JEDOCH AN
Jahresübersicht des US-Außenministeriums

USA-EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA:
DAS VERGANGENE UND DAS KOMMENDE JAHR
Rede von Abteilungsleiter Oxman

•

�BOSNIEN
9. Februar 1994

USA ENTSETZT ÜBER GRANATENANSCHLAG
AUF MARKT IN SARAJEVO
Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verliehen ihrem "Entsetzen" über das Blutbad auf dem
Zentralmarkt in Sarajevo, das zahlreiche Menschenleben und Verletzte forderte, in von Präsident Clinton und
Außenminister Christopher am 5. Februar 1994 in Washington abgegebenen Erklärungen Ausdruck. Der
anläßlich der Wehrkundetagung in München weilende Verteidigungsminister Perry veröffentlichte seine Erklärung am 6. Februar 1994.
Nachfolgend drucken wir den Wortlaut der Erklärungen.

Erklärung von Präsident Clinton
Ich bin entsetzt über diesen mutwilligen Angriff auf die
Menschen in Sarajevo. Es kann keine militärische
Rechtfertigung für einen Anschlag auf einen Wochenmarkt geben, auf dem Frauen, Männer und Kinder ihre
täglichen Einkäufe machten.
Die Vereinten Nationen sollten in diesem Vorfall unverzüglich ermitteln und unzweifelhaft die Schuldigen
ausmachen.
Ich habe Außenminister Christopher angewiesen,
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa
und den Vereinten Nationen über die Lage und angemessene nächste Schritte aufzunehmen. Wie er und
der Verteidigungsminister erklärt haben, schließen wir
nichts aus.
Ich habe auch das Verteidigungsministeriu m angewiesen, seine Hilfe bei der Evakuierung, Unterbringung in
Krankenhäusern und Behandlung der bei diesem
grausamen Anschlag Verletzten anzubieten.
Ich weiß, daß ich für alle Amerikaner spreche, wenn ich
unsere Abscheu und unseren Zorn über diese feige
Tat zum Ausdruck bringe.
Erklärung von Außenminister Christopher
Die Vereinigten Staaten teilen das Entsetzen der übrigen Welt über den Granatenangriff auf den Zentral-

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markt in Sarajevo, der mit einem Schlag die meisten
Menschenleben seit Beginn des Konflikts gefordert
hat. Es ist offenkundig, daß sich in diesem Gebiet
keine militärischen Ziele befinden. Wer immer diesen
Anschlag ausgeführt hat, mußte wissen, daß sich viele
Zivilisten auf dem Samstagsmarkt im Zentrum von
Sarajevo befanden, um Lebensmittel und Dinge des
täglichen Bedarfs zu kaufen. Dies war eindeutig ein
mutwilliger verbrecherischer Anschlag, der eine hohe
Zahl unschuldiger Menschen das Leben kosten sollte.
Wir werden auf unverzügliches Vorgehen der Vereinten Nationen drängen, um die für diesen Anschlag
Verantwortlichen auszumachen. Wir schließen Luftangriffe der NATO nicht au s, sobald wir wissen, wer die
Verantwortung trägt. Ich habe dies bereits mit dem
britischen Außenminister Douglas Hurd diskutiert, und
wir werden am kommenden Wochenende unsere
Verbündeten konsultieren. Dieser unverzeihliche Vorfall
steht als eindeutiger Beweis für die Notwendigkeit,
eine Verhandlungslösung im Konflikt im ehemaligen
Jugoslawien zu finden.
Erklärung von Verteidigungsminister Perry
Meine Damen und Herren, die Vereinigten Staaten
teilen das Entsetzen der Welt über diesen mutwilligen
Anschlag auf unschuldige Menschen in Sarajevo. Es
kann keine Rechtfertigung fürdiesen Anschlag auf den
Wochenmarkt geben, wo Frauen, Männer und Kinder
die Dinge destäglichen Bedarfs zu kaufen versuchten.

Seite 1

�Gestern abend sprach Präsident Clinton im Namen
aller Amerikaner, als er unsere Abscheu und unseren
Zorn über diesen feigen Akt zum Ausdruck brachte.

gen Jugoslawien unter Beweis. Das Blutvergießen
muß ein Ende haben, und der Wahnsinn muß enden.
Es ist an der Zeit für verantwortungsbewu ßte Politiker
unter den Kriegsparteien, vorzutreten. Es ist an der
Zeit für die internationale Staatengemeinschaft, zusammenzustehen und maximalen Druck auszuüben.

Ich reise heute nachmittag nach Washington zu Gesprächen mit Präsident Clinton und zu einer Einschätzung der zu ergreifenden Maßnahmen. In der Zwischenzeit stehen wir in Kontakt mit unseren Verbünde- Die Situation im ehemaligen Jugoslawien führt uns die
ten und den Vereinten Nationen.
Gefahren vor Augen, mit denen wir uns in dieser neuen
Zeit nach dem Kalten Krieg konfrontiert sehen. Sie ist
Ein Team amerikanischer Stabsärzte ist inzwischen in nur ein Beispiel ethnischer Konflikte, die wüten könnSarajevo eingetroffen. Wir haben Evakuierungspläne ten, wenn wir die Integration Rußlands und der ehefür die Verwundeten, und unsere vollständig ausgerü- mals der Herrschaft des sowjetischen Imperiums unsteten Teams stehen zur Unterstützung bereit.
terworfenen Länder in das neue Europa nicht sorgfältig
meistern. Bei diesen Bestrebungen muß die NATO
Dieser unverzeihliche Vorfall stellt die Notwendigkeit eine entscheidende Rolle spielen.
für eine Verhandlungslösung im Konflikt im ehemali-

* * * * *

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�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

INTENSIVE GESPRÄCHE ÜBER BOSNIEN
Erörterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C.
Holbrooke, erklärte am 3. Februar 1994, es finde zur
Zeit ein "intensiver Meinungsaustausch über die in
Bosnien zu ergreifenden nächsten Schritte" statt. Aus
diesem Grund "wäre es für mich derzeit nicht angebracht, Einzelheiten" über die Ansichten der Bundesund der US-Regierung bekanntzugeben, teilte er mit.
Bei einer Pressekonferenz betonte Botschafter Holbrooke die Bedeutung der Haltung und Rolle Deutschlands bei dieser und anderen Fragen. "Die sich abzeichnende Rolle des vereinigten Deutschland liegt
sehr stark im Interesse der Vereinigten Staaten", stellte er fest. In Deutschland findet ihm zufolge "eine
interne Debatte über die Politik nach dem Ende des
Kalten Krieges statt", die in der Hand der Deutschen
liege. Die Vereinigten Staaten begrüßten jedoch eine
wichtige Rolle Deutschlands in der Welt sehr. "Die
Vereinigten Staaten haben nicht nur keine Angst vor
einer Rolle Deutschlands, sondern begrüßen sie sogar", so der Botschafter.
Auf die Frage, ob es im Hinblick auf Kontakte zum Iran
Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland gebe, antwortete Holbrooke: "Der Dialog
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland
über den Iran wird fortgesetzt". Ferner äußerte er:
"Das ist eines der wenigen Gebiete, bei denen unsere
beiden Länder meines Erachtens beträchtliche Meinungsverschiedenheiten haben". An anderer Stelle
fügte er hinzu: "Wir versuchen, unsere Standpunkte
zu klären."

"Wir widersetzen uns nicht dem entscheidenden Dialog zwischen der Europäischen Union (EU) und dem
Iran", betonte Holbrooke. Die Vereinigten Staaten
"unterstützen jedoch keine Kontakte mit Terroristen
und Mörderbanden". Ihm zufolge hat es wenig Sinn
und ist sehr riskant, mit Befürwortern des Terrorismus
zu sprechen.
Holbrooke erörterte auch die amerikanische und deutsche Haltung zur Initiative Partnerschaft für Frieden.
"Jede Regierung hatte mit derselben Frage zu kämpfen", nämlich der Gestaltung der Initiative und damit,
wie schnell die NATO erweitert werden kann.
"Im Oktober, November und Dezember näherten sich
die Vereinigten Staaten und Deutschland in bezug auf
die Partnerschaft für Frieden allmählich aneinander
an", stellte der Botschafter fest. "Innerhalb beider
Regierungen gibt es zu dieser Angelegenheit jedoch
noch immer eine Vielzahl von Meinungen."
Auf die Frage nach Polen und ob die Vereinigten
Staaten und Deutschland unterschiedliche Ansichten
dazu haben, wie schnell Polen in das westliche Bündnis integriert werden könnte, antwortete Botschafter
Holbrooke: "Die Vereinigten Staaten und Deutschland
sind die beiden Länder, die das größte Interesse an
Polen haben." Die beiden Länder bringen ihm zufolge
den Dialog über die polnische Frage entscheidend
voran.

* * * * *

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�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

WIEDERERÖFFNUNG DES
US-GENERALKONSULATS IN DÜSSELDORF
Ansprache von Botschafter Holbrooke
DÜSSELDORF - (AD) - Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Johannes Rau gab der
amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C. Holbrooke, am 9. Februar 1994 die
Wiedereröffnung des US-Generalkonsulats in Düsseldorf bis Ende des Jahres bekannt.
Das Generalkonsulat wird sich Handelsaktivitäten widmen und zusammen mit dem Amerika Haus Köln eine
Vorreiterrolle bei den Bestrebungen der amerikanischen Regierung übernehmen, die deutsch-amerikanischen
Handels- und Kulturbeziehungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen zu vertiefen. Gleichzeitig soll die
Wiedereröffnung des Büros in Düsseldorf die Bedeutung der Stadt als Wirtschaftszentrum in Europa unterstreichen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafter Holbrooke.

Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren.
Amerika ist wieder in Düsseldorf. Heute geben wir die
beabsichtigte Wiedereröffnung unseres Generalkonsulats bis Ende dieses Jahres bekannt. Es wird sich
Wirtschaftsaktivitäten und der Förderung des Handels
widmen. Wir sind dabei, einen Generalkonsul zu
ernennen und haben bereits einen zweiten Beamten
fürdas Generalkonsulat bestimmt, derzurZeit in Tokio
ist und sowohl Japanisch als auch Deutsch spricht.
Diese Tatsache hat nicht nur symbolischen Gehalt:
Düsseldorf ist der europäische Hauptsitz der Japaner
- und wird auch für Amerika zu einem bedeutenden
Handelszentrum werden.
Nach einer Unterbechung von sechs Jahren kehren
die Vereinigten Staaten aus drei äußerst wichtigen
Gründen nach Düsseldorf zurück. Erstens ist unser
Engagement für Deutschland was unsere Außenpolitik und unsere bilateralen Beziehungen anbetrifft weiterhin ungeschmälert. In der Zeit nach dem Kalten
Krieg markiert es jedoch den Anfang einer neuen
Politik, in der wir sowohl zusätzliche Themen als auch
die traditionelle Sicherheitskomponente betonen.
Das strategische Engagement für Deutschland und
Europa ist unverändert, da wir weiterhin 100.000
amerikanische Soldaten in Europa, die Mehrzahl davon
in Deutschland, stationiert haben. Das vereinte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten nicht weniger
wichtig als das geteilte Deutschland, die Betonung hat

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sich jedoch verlagert. Der Abzug amerikanischer
Truppen und die größere Volkswirtschaft des vereinigten Deutschland schaffen eine andere Dymanik, in
der die wichtigsten Aspekte u nserer bilateralen Beziehungen nicht nur strategischer, sondern auch handelspolitischer und kultureller Natur sind.
Zweitens hat Präsident Clinton Wirtschafts- und Handelsfragen zum Kernstück der amerikanischen Außenpolitik erklärt. Er hat seine Administration zum
Abbau von Handelsschranken und der Öffnung von
Märkten für amerikanische Unternehmen verpflichtet.
Der Präsident hat eine nationale Exportstrategie entwickelt. Im Rahmen dieser nationalen Exportstrategie
haben wir Deutschland als "Schaufenster" gewählt.
Deutschland wurde als einziges OECD-Land für dieses Programm ausgewählt und wird allen anderen
Ländern als Modell dienen.
"Schaufenster Deutschland"
kratische Barrieren zwischen
teilungen sowie Konsulaten
schäftswelt Dienstleistungen
cher anzubieten.

wird traditionelle büroHandels- und Kulturababbauen, um der Gedirekter und zugängli-

Wirtschaftsbeamte werden mit der Denkweise des
Privatsektors vertraut gemacht, damit sie besser auf
die Erfordernisse der Unternehmen eingehen können.
Die Amerika Häuser werden nicht nur Kulturzentren,
sondern auch Informationszentren für Unternehmen

Seite 1

�sein. Das Amerika Haus Köln wird eng mit dem
Generalkonsulat in Düsseldorf zusammenarbeiten, und
seine Programme werden hier eine prominente Stellung einnehmen. Konsularbeamte werden zu Wirtschaftsbeamten ausgebildet und Anträge amerikanischer und deutscher Geschäftsleute beschleunigt
bearbeiten. "Schaufenster Deutschland" steht für
das uneingeschränkte Engagement unserer Mission.
Mit dem "Schaufenster Deutschland" wollen wir auch
bei großen europäischen Handelsmessen Besucher in
bisher ungekannter Weise zu den amerikanischen
Ständen bringen und von der einzigartigen Situation in
Deutschland profitieren, wo es so viele große Handelsmessen gibt. Im Hinblick auf die Beziehungen zu
deutschen Firmen wollen wir den Kaufbedarf ermitteln,
der von amerikanischen Lieferanten gedeckt werden
kann. Mit anderen Worten: Totales Engagement im
Handel. Die Wiedereröffnng eines Generalkonsulats
in Düsseldorf, das sich Handelsaktivitäten widmet, ist
Teil von "Schaufenster Deutschland" und der übergreifenden nationalen Exportstrategie. Wir sind hier,
um die amerikanisch-deutschen Handelsbeziehungen
zu beleben.

Bundeslandes - Nordrhein-Westfalen. Dieses Bundesland produziert über 20 Prozent des deutschen
Bruttoinlandsprodukts, und mehr als 600 amerikanische Firmen sind hier tätig. Diese Region exportiert
mehr als die 1,4 Milliarden Menschen Chinas und
zusammengenommen übertrifft das Bruttoinlandsprodukt von Nordhrein-Westfalen und Bayern das gesamte Bruttoinlandsprodukt der vier Tiger Asiens - Singapur, Hongkong, Taiwan und Südkorea. Das ist beeindruckend! Ich habe die Bedeutung von Handelsmessen bereits erwähnt. Nun, angesichts der großen
Messen in Düsseldorf, Köln und Essen ist dies der
richtige Ort. Und schließlich habe ich auch die Tatsache berücksichtigt, daß jede führende Nation ein
Generalkonsulat in Düsseldorf unterhält. Wir sprechen von freundlichem Wettbewerb unter Nationen.
Die Vereinigten Staaten werden hier sein, um zu
konkurrieren.
Herr Ministerpräsident, wir freuen uns, wieder in Düsseldorf zu sein. Wir sind entschlossen, bis zum
Äußersten zu gehen, um Handel und Kultur zum
Brennpunkt unseres Engagements in Düsseldorf zu
machen.

Drittens ist Düsseldorf eine großartige Stadt, eines der
wichtigsten Handels- und Industriezentren in Deutsch- Ich danke Ihnen.
land sowie die Hauptstadt des bevölkerungsreichsten

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�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

PARTNERSCHAFT MIT DEUTSCHLAND KÖNNTE
EUROPAPOLITIK DER USA LEITEN
Neues Buch von Daniel Hamilton
WASHINGTON - (AD) - Daniel Hamilton, dem Autor
eines neuen Buches über die deutsch-amerikanischen
Beziehungen, zufolge könnte eine neue strategische
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
einem vereinten Deutschland die Triebfeder für eine
neue Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa sein.
"Die Neuformulierung der Politik gegenüber Deutschland ist ein wesentliches Element des neuen politischen Denkens in den Vereinigten Staaten zu Europa
und der amerikanischen Rolle in der Weh", stellt Hamilton
in der Einleitung seines Buches Beyond Bonn: America
and the Berlin Republic (Nach Bonn - Amerika und
die Berliner Republik) fest.
"Der Ausgangspunkt ist das Verständnis, daß die sich
abzeichnende Berliner Republik nicht einfach eine
Bonner Republik im Großformat ist. Es bedeutet auch,
Bilanz der ungewissen Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt zu ziehen."
"Ungeachtet dieser Herausforderungen sind die Vereinigten Staatenund Deutschland nach wie vorführende
Partner - sowohl füreinander als auch bei der internationalen Ordnung", bekräftigte Hamilton.
Bei einer Pressekonferenz am 27. Januar 1994 anläßlich der Vorstellung des Buches erklärte Hamilton vor
Journalisten, das Deutschland von heute sei die größte Macht Europas - "eine offenere, aber dennoch
weniger gefestigte Gesellschaft, die politisch unbeständiger ist, wirtschaftlich mehr unter Druck steht und
international weniger besonnen ist als die Bonner
Republik, an die sich ihre Nachbarstaaten und die
meisten Amerikaner in den vergangenen 40 Jahren
gewöhnt hatten."
Hamiltons Buch fordert eine Reihe bilateraler Initiativen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Dazu zählen:

AMERIKA DIENST 6

Eine deutsch-amerikanische strategische Partnerschaft mit dem Osten,
gemeinsame Bestrebungen zur Integration transatlantischer Mechanismen in die erweiterte Europäische Union,
eine strategische Umwertinitiative,
Gemeinschaftsunternehmen, die "neue Koalitionen" außerhalb der nationalen Regierungen
schaffen.
"Zusammengenommen definieren diese Initiativen einen
neuen amerikanischen Ansatz zu Deutschland, der
das Kernstück eines transatlantischen Handels in der
Zeit nach dem Kalten Krieg bildet", so Hamilton.
Hamilton zufolge könnte die deutsch-amerikanische
Partnerschaft internationale Bestrebungen zur Konsolidierung des Rüstungsabbaus und der Marktreformen
in Mittel- und Osteuropa sowie den Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion auslösen, die östlichen
Länder in westliche Strukturen integrieren und Europas kollektive Verteidigung und Sicherheitsorganisationen neu gestalten.
"Andere Nationen sollten einbezogen werden", fügte
er hinzu, "aber die bilaterale Partnerschaft wird der
unerläßliche Dreh-und Angelpunkt des Wandels sein."
Hamiltons Buch unterschätzt die mit einer deutschamerikanischen strategischen Partnerschaft einhergehenden Schwierigkeiten nicht.
"Wenn die Berliner Republik nicht nur eine Bonner
Republik im Großformat ist, dann auch nicht nur ein
Amerika im Kleinformat", führte Hamilton aus.
"Die amerikanische Erwartung eines neuen und mächtigen Juniorpartners in der Welt - der automatisch das
Weltbild der Vereinigten Staaten teilt, konsequent
amerikanische Initiativen unterstützt und stets rück-

Seite 1

�sichtsvoll gegenüber amerikanischen Empfindlichkeiten ist - wird zwangsläufig enttäuscht."

kanische Beziehungen der Stiftung. Hamilton war der
Leiter dieser Gruppe.

Das von der Carnegie Endowment for International
Peace (Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden)
veröffentlichte Buch gründet sich auf die Erkenntnisse
einer Studiengruppe von Experten für deutsch-ameri-

Nach langjähriger Mitarbeit wird Hamilton die Stiftung
in Kürze verlassen, um hochrangiger Berater von
Richard C. Holbrooke, dem amerikanischen Botschafter in Bonn, zu werden.

* * * *

Seite 2

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�VERTEIDIGUNG
9. Februar 1994

PERRY UMREISST SECHS GRUNDLEGENDE
AUFGABEN DES VERTEIDIGUNGSMINISTERS
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Der derzeitige Stellvertretende Verteidigungsminister und designierte Verteidigungsminister William Perry erklärte, im Falle seiner Bestätigung durch den Senat zur Ablösung des scheidenden
Verteidigungsministers Les Aspin würden seine Aufgaben in sechs umfassende Kategorien aufzuteilen sein.
Bei seiner Anhörung vordem Streitkräfteausschu ß des Senats am 2. Februar 1994 umriß erfolgende Pflichten
eines künftigen Verteidigungsministers:
Der Überprüfung und Beurteilung von Kriegsplänen und Aufmarschbefehlen höchste Priorität einzuräumen,
die Streitkräfte bei ihren Vorbereitungen zur Gewährleistung ihrer militärischen Einsatzbereitschaft zu
kontrollieren,
ein vollwertiges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats sowie des engeren außen- und sicherheitspolitischen Beraterteams des Präsidenten zu sein,
verantwortlich für die militärische Komponente der nationalen Sicherheitsstrategie zu zeichnen,
den jährlichen Verteidigungshaushalt zur Vorlage beim Kongreß durch den Präsidenten vorzubereiten
und
während der derzeitigen langen Periode des Streitkräfteabzugs die begrenzten Ressourcen effektiv
einzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung William Perrys vor dem Streitkräfteausschuß des
Senats.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich bin stolz, heute hier sein zu dürfen und fühle mich
geehrt durch die Entscheidung Präsident Clintons,
mich für das Amt des Verteidigungsministers zu
nominieren
Wir begrüßen das Ende des Kalten Krieges, haben
jedoch im vergangenen Jahr gelernt, weniger zuversichtlich im Hinblick auf die erhofften Vorteile zu sein.
Es wurde oft argumentiert, daß nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nur eine geringe Zahl von
Streitkräften erforderlich sein würde. Das Ende des
Kalten Krieges hat nicht "das Ende der Geschichte" mit
sich gebracht, wie Professor Fukuyama andeutete.
Jeden Tag wird Geschichte gemacht - auf den Hügeln

AMERIKA DIENST 6

Bosniens, den staubigen Straßen Somalias und in den
unterirdischen Bunkern Nordkoreas,
lm

letzten Jahr hat eine Vielzahl nationaler Sicherheitsprobleme die dringende Notwendigkeit starker,
flexibler und einsatzbereiter Streitkräfte unter Beweis
gestellt,

He

ute sind sie weltweit für eine Vielzahl von Aufgaben
stationiert - Friedenssicherung, Friedensschaffung,
Grenzschutz, humanitäre Hilfe und Abschreckung durch
Präsenz. Einige Truppen in Übersee liegen in Garnison e i n i e i n
&gt;
9
Ausbildungslagern, mehr als 80.000 sind
J e d o c n z u r Z e i t a n aktiven Operationen beteiligt und
erfüllen täglich schwierige Pflichten, die nur sie mit

Seite 1

�ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung bewältigen
können.
Das vergangene Jahr hat erneut gezeigt, daß alte
Bedrohungen immer noch neue Gefahren für Frieden
und Sicherheit darstellen können - ich beziehe mich
auf das Konfliktpotential auf der koreanischen Halbinsel. Die Aussicht, daß das verbrecherische Regime
Nordkoreas die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen
erwirbt, um diese seinem enormen Arsenal konventioneller Waffen hinzuzufügen, symbolisiert die uns derzeit konfrontierende Problematik der Weiterverbreitung. Wir setzen unsere entschiedenen diplomatischen Bestrebungen fort, um dieses alptraumartige
Szenario zu bewältigen, aberdie Präsenz von 100.000
amerikanischen Soldaten, Seeleuten, Fliegern und
Marineinfanteristen im Westpazifik ist ein bedeutender
Faktor bei unserer Abschreckungsplanung.
Wir haben bereits gesehen, daß der Weg zu Demokratie und Stabilität in Rußland steinig und gewunden ist.
Das Entstehen mächtiger reaktionärer Kräfte bedroht
den Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen
und Traditionen. Keine Frage der nationalen Sicherheit ist wichtiger für uns und unsere Kinder als die einer
stabilen, der Demokratie verpflichteten Regierung in
Rußland.
Natürlich haben wir das Ergebnis der Ereignisse in
Rußland nicht unter Kontrolle - das hat nur das russische Volk. Wir können jedoch einen beträchtlichen,
positiven Einfluß darauf ausüben. Präsident Clinton
hat die Unterstützung der demokratischen Reformen
in Rußland zur Priorität der nationalen Sicherheit
gemacht. Das Verteidigungsministerium spielt bei
diesen Bestrebungen eine Schlüsselrolle.
Wir haben Maßnahmen zur Erleichterung eines sicheren und zügigen Abbaus der Atomwaffen ergriffen.
Das kürzlich von den Präsidenten Clinton, Jelzin und
Krawtschuk unterzeichnete trilaterale Nuklearwaffenabkommen ist ein konkretes Ergebnis dieser Aktionen.
Wir haben Maßnahmen eingeleitet, um amerikanischen Unternehmen bei ihren Bestrebungen beizustehen, die russische Verteidigungsindustrie zur Herstellung kommerzieller Produkte umzuwandeln.
Wir haben auf jeder Ebene Kontakte zwischen den
Militärs gefördert. Ungeachtet dessen, was in Rußland geschehen mag, wird das Militär immer eine
einf lu ßreiche Institution bleiben, und wir wollen alles in
unserer Macht Stehende tun, um das russische Militär
dazu zu ermutigen, eine Reformkraft, kein Reformgegner zu sein.
Die Führungsrolle Präsident Clintons trug dazu bei, die
Initiative Partnerschaft für Frieden mit der NATO ins
Leben zu rufen. Das Verteidigungsministerium wird in
den Vereinigten Staaten die Schlüsselrolle bei der
praktischen Umsetzung dieses Programms spielen.

Seite 2

All diese Bestrebungen zielen auf die Unterstützung
der Administration bei ihrem Bemühen um die Integration Rußlands in der Welt und die Durchführung demokratischer Reformen in diesem Land ab. Sie sind
jedoch an Fortschritte gebunden. Wir müssen uns
weiterhin gemeinsam mit unseren Verbündeten engagieren, falls dieser Prozeß umgekehrt werden sollte,
aber wir müssen auch Geduld zeigen und dürfen uns
nicht von vorübergehenden Rückschlägen abschrekken lassen.
Dies sind nur einige Beispiele für die Bedeutung und
Vielfalt der Aufgaben, die amerikanische Streitkräfte
durchführen und die wir in der Zeit nach dem Kalten
Krieg fortsetzen werden.
All diese Aufgaben sind zu einer Zeit sinkender Verteidigungsbudgets zu bewältigen. Diese Abnahme steht
im Einklang mit der verringerten Bedrohung der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Interessen.
Sie konfrontiert uns jedoch auch mit dem schwierigen
Problem, in der Übergangszeit richtig mit diesen Vermögenswerten und Streitkräften umzugehen.
In der Vergangenheit haben wir derartige Haushaltskürzungen und den damit einhergehenden Streitkräfteabbau nicht sehr gut gehandhabt. Die Erfahrungen
sind bekannt und bestens dokumentiert. Die raschen
Kürzungen nach dem Zweiten Weltkrieg hinterließen
Truppen, die auf die Herausforderungen zu Beginn
des Koreakrieges unzureichend vorbereitet waren.
Der Truppenabbau nach dem Vietnamkrieg führte zu
den "hohlen Truppen" Mitte der siebziger Jahre. Diesmal müssen wir es richtig machen, sonst werden wir
den Preis später in Blut, Gütern oder beidem zahlen.
Dies ist die beängstigende Herausforderung, der sich
der Verteidigungsminister heute gegenübersieht, und
ich bin mir der schwerwiegenden Probleme, mit denen
ich im Falle meiner Bestätigung konfrontiert werde,
sehr wohl bewußt. Ich bin stolz auf das mir von
Präsident Clinton erwiesene Vertrauen, der mich gebeten
hat, die Aufgaben eines amerikanischen Verteidigungsministers zu übernehmen.
Grob zusammengefaßt lassen sich diese Pflichten
meines Erachtens in sechs umfassende Bereiche
aufteilen:
Erstens hat der Verteidigungsminister die Aufgabe, die
Vereinigten Stabschefs und Oberbefehlshaber bei der
Leitung der Militäroperationen zu überwachen. Im
Falle meiner Bestätigung als Verteidigungsminister
werde ich der Überprüfung und Beurteilung von Kriegsplänen und Aufmarschbefehlen höchste Priorität einräumen, und den Oberbefehlshabern bei der Führung
unserer Truppen im Feld die erforderliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Zweitens hat der Verteidigungsminister die Aufgabe,
durch Kontrolle über die Ausrüstung und Ausbildung
unserer Streitkräfte ihre Einsatzbereitschaft zu geAMERIKA DIENST 6

�währleisten. Zur Zeit sind unsere Streitkräfte, um mit
den Worten Präsident Clintons zu sprechen, "die besten,
über die unsere Nation je verfügte". Im Falle meiner
Bestätigung werde ich gemeinsam mit dem Präsidenten dafür sorgen, daß sie "die am besten ausgerüstete,
am besten ausgebildete und am besten vorbereitete
Kampftruppe auf der Welt" bleiben.
Drittens muß der Verteidigungsminister ein wichtiges
Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats sein. Präsident Clinton hat bei seinen jüngsten Gipfeltreffen den
erforderlichen Weitblick an den Tag gelegt. Aber die
Wasser sind unerforscht, und wir schulden dem Präsidenten, ihn bei seiner Planungsstrategie bestmöglich
zu beraten, während wir uns durch die Untiefen derZeit
nach dem Kalten Krieg manövrieren. Im Falle meiner
Bestätigung werde ich konstruktiv und nach besten
Kräften als aktives Mitglied in diesem Team tätig
werden und mich für alle wichtigen Fragen der nationalen Sicherheit engagieren.
Viertens ist der Verteidigungsminister verantwortlich
für die militärische Komponente unserer nationalen
Sicherheitsstrategie. Das setzt gute Beziehungen zur
militärischen Führung und ihre Achtung voraus, so daß
wir ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen zur Entwicklung der besten Ideen und Optionen nutzen können.
Verteidigungsminister Aspin hinterließ uns mit seiner
grundlegenden Umstrukturierung der Streitkräfte ein
wunderbares Erbe. Wir werden unsere Arbeit auf
dieser ausgezeichneten Grundlage aufbauen. Im Falle
meiner Bestätigung werde ich in meinem Ministerium
unterMilitärsund Zivilisten gleichermaßen Teamarbeit
fördern, um die erforderliche Militärstrategie und die
Optionen vorzubereiten.
Fünftens muß der Verteidigungsminister den jährlichen Verteidigungshaushalt zur Vorlage beim Präsidenten und beim Kongreß ausarbeiten, in dem schwie-

*

AMERIKA DIENST 6

rige Ressourcenverteilung und Programmentscheidungen vorgenommen werden. Im Falle meiner Bestätigung werde ich mit dem Militär und dem Kongreß
bei diesen Bestrebungen zusammenarbeiten. Ich
werde nicht davor zurückschrecken, die nötigen schweren Entscheidungen zu treffen um sicherzustellen, daß
unsere Nation über die zur Durchsetzung unserer
Strategie erforderlichen einsatzbereiten Streitkräfte
verfügt.
Sechstens mu ß der Verteidigungsminister - insbesondere in dieser schwierigen Zeit des Truppenabbaus die Mittel verwalten. Im Falle meiner Bestätigung
werde ich innovative Managementtechniken einführen, eine Reform des Beschaffungswesens durchsetzen und die notwendige industrielle Basis schaffen.
Ich verpflichte mich auch Ihnen mitzuteilen, welche
Hilfe ich vom Kongreß benötige, um dieser Verpflichtung nachkommen zu können.
Und schließlich, Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, verpflichte ich mich zum Dienst
an den Männern und Frauen, die heute die Uniform der
Vereinigten Staaten tragen und an denen, die sie in
Zukunft tragen werden.
Im Pentagon hängt über dem Treppenabsatz neben
meinem Büro das Bild eines Soldaten, der gemeinsam
mit seiner Familie in einer Kirche betet - vielleicht vor
einem Einsatz in Übersee. Darunter sind die Worte
aus Jesaja zu lesen: "Wen soll ich senden, und wer
wird für uns gehen?" Die Männer und Frauen in
Uniform haben auf diesen Ruf der Nation geantwortet:
"Hier bin ich! Sende mich." Wir schulden ihnen, ich
schulde ihnen, alles in meiner Macht Stehende zu tun,
und das werde ich.
Ich danke Ihnen.

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
9. Februar 1994

DER WESTEN KANN ENTWICKLUNGEN IN
RUSSLAND MASSGEBLICH BEEINFLUSSEN
Rede von Verteidigungsminister Perry bei Wehrkundetagung
MÜNCHEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister William Perry am 6. Februar
1994 bei der Wehrkundetagung in München gehaltene Rede.

Es ist mir eine Ehre, hierbei der Wehrkundetagung mit
so vielen führenden Persönlichkeiten des atlantischen
Bündnisses zusammenzutreffen. Die NATO ist gegenwärtig das erfolgreichste Sicherheitsbündnis der
Welt und steht an erster Stelle der vitalen Interessen
der Vereinigten Staaten. Und sie ist durchaus noch
eine sehr lebendige Organisation. Nicht nur, daß keine
Mitgliedstaaten austreten - viele Länder haben auch
ein starkes Interesse bekundet, ihr beizutreten. Um
ein bekanntes Zitat vom Mark Twain zu paraphrasieren: Die Nachricht vom Tod der NATO ist stark
übertrieben.
Ich möchte hier meinem Freund Manfred Wörner meinen besonderen Dank aussprechen. Er führte das
Bündnis in der Endphase des Kalten Krieges konsequent und umsichtig, und nun hat er uns ein Leitbild für
die Zusammenarbeit mit den nun unabhängigen Staatendes früheren OstblockszurGestaltung einerneuen
Zukunft gegeben.
Wenn wir uns Europa heute anschauen, gibt es viele
Dinge, fürdie wirdankbar sein können. Der Kalte Krieg
ist zu Ende. Die Wahrscheinlichkeit massiver Landschlachten oder gegenseitiger Raketenangriffe ist gering.
Die Feinde von gestern sind die potentiellen Partner
von heute. Und doch müssen wir weiter wachsam
bleiben, denn die Warnzeichen der Geschichte umgeben uns auf allen Seiten.
Wenn wir hier in einem modernen, wohlhabenden
Deutschland zusammenkommen, können wir die historische Parallele der Weimarer Republik Anfang der
dreißiger Jahre nicht vergessen. Die europäischen
Nationen, die Vereinigten Staaten, und vor allem das
deutsche Volkund seine Führungskräfte waren nicht in
der Lage, die deutsche Demokratie aufzubauen und zu

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kräftigen. Der Zusammenbruch dieser jungen Demokratie gab den Anstoß zu einer Reihe von Ereignissen,
deren Narben Europa für immer tragen wird.
Direkt vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
gelang es dem britischen Dichter W.H. Auden, den
Zeitgeist in einem brillianten Vierzeiler zusammenzufassen: "Im Alptraum der Finsternis heulen alle Hunde
Europas, und die lebendigen Nationen warten, jede
gelähmt und gefangen in ihrem Haß."
Die Folgen waren über 25 Millionen Tote und eine
ganze Reihe nachfolgender Katastrophen.
Wenn wir Audens Gedicht auf unsere heutigen Verhältnisse anwenden, müssen wir uns vor allem Sorgen
machen um die Entwicklungen in den Ländern der
früheren Sowjetunion.
Die Frage, der wir uns nun gegenüber sehen, lautet,
was wir als Regierungen tun können, um derartige
Ereignisse zu verhindern. Erstens müssen wir dazu
sagen, daß wir sie alleine nicht verhindern können.
Nur die Russen können das Schicksal Rußlands bestimmen. Und die anderen Nationen der ehemaligen
Sowjetunion können ihre jeweilige Rolle spielen. Aber
wir im Westen können einen starken positiven Einfluß
auf die Ereignisse ausüben. Und eben darauf ist
unsere Politik ausgerichtet.
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was sich in
Rußland gegenwärtig abspielt, und feststellen, daß
eine derart monumentale Veränderung in solch einem
wichtigen Land höchst selten ohne eine vorhergehende große Niederlage in einem Krieg geschieht. Ich
möchte behaupten, daß die gegenwärtige Umgestaltung selbst das Ausmaß der Russischen Revolution
von 1917 übersteigt.

Seite 1

�Das russische Volk versucht, im kurzen Zeitraum von
ein paar Jahren ein autoritäres Regime in eine demokratische Regierung, und eine Planwirtschaft in eine
Marktwirtschaft umzuwandeln. Im Moment befindet
es sich dabei in einem Zwischenstadium, es hängt
sozusagen in der Luft. Ein großes Reich ist in 15
unabhängige Nationen zerfallen. Eine Armee von fünf
Millionen ist auf weniger als zwei Millionen zusammengeschrumpft. Das sind die Keime der turbulenten
Umgestaltung und des Chaos, das heute in Rußland
herrscht.

gegen den bloßen Versuch sträuben? Für Amerika und Europa - steht ungeheuer viel auf dem Spiel.

Inmitten dieser revolutionären Veränderung war es die
Ironie, und hoffentlich nicht die Tragik, des Schicksals,
daß sich ein Supermacht-Arsenal von über 25.000
Atomwaffen auf diesem Gebiet befindet. Man benötigt
keine übermäßige Vorstellungskraft, um zu begreifen,
daß wir ein entscheidendes nationales Sicherheitsinteresse an diesen Entwicklungen haben.

Streitkräfte, damit wir das russische Militär dazu ermutigen können, eine Reformkraft und nicht ein Reformgegner zu sein. Was immer geschieht, wollen wir
offene Kommunikationswege haben.

Schließlich ist Rußland von anderen Nationen umgeben, die früher ein Teil der Sowjetunion waren und die
vor 1917 schon seit Generationen, sogar Jahrhunderten, von Moskau aus regiert worden waren. In allen
leben beträchtliche russischsprachige Minderheiten,
die häufig mit Abneigung und Mißtrauen bedacht werden.
Es überrascht daher nicht, daß der russischen Regierung das Wohl dieser Bevölkerungsgruppen am Herzen liegt. Viele Länder der ehemaligen Sowjetunion
fürchten wiederum die Wiederentstehung des imperialistischen Ru ßland. Eines dieser Länder, die Ukraine,
hat das drittgrößte Arsenal von Atomwaffen in der
Welt.

Im kommenden Juli werden wir unsere erste gemeinsame Übung zur Friedenssicherung im Wolgagebiet
abhalten, an dem unsere 3. Infanteriedivision und die
russische 27. MOT-Schützendivision teilnehmen werden. Wir leisten auch Hilfestellung bei den Entnuklea-

Was können wir also tun?

Erstens tun wir alles Erdenkliche, die Geschehnisse
dort in Richtung auf Reform zu beeinflussen, obwohl
wir uns bewußt sind, daß nur Rußland Rußlands
Zukunft bestimmen wird. Wir unterstützen die Demokratie in Rußland. Wir haben dies bisher in erster Linie
durch Unterstützung der Reform und der Reformkräfte
getan, wo immer wir sie ausmachen. Gegenwärtig ist
Was wir in Rußland sehen, ist ein tief gespaltenes die Jelzin-Regierung die Hauptkraft in der Gesellpolitisches System mit völlig entfremdeten und desillu- schaft, die Demokratie und Wirtschaftsreform fördert.
sionierten Elitegruppen, wirtschaftlicher Ungewißheit Deshalb bieten wir ihr unsere uneingeschränkte, wenn
und sozialer Auflösung als Resultat der drastischen auch nicht kritiklose Unterstützung. Wir sehen ein,
Veränderungen, die stattgefunden haben. Die politi- daß es Fehler und Mängel bei der Umsetzung der
sche Instabilität wurde durch den versuchten Staats- Reformen gibt. Aber wir glauben, daß die Alternativen
streich von Ruzkoj und Consorten, nur zu deutlich ge- zu einem Rückfall in eine dem Westen feindlich gesinnmacht. Inflation und Währungsprobleme untergraben te totalitäre Gesellschaft führen könnten.
Zuversicht und Hoffnung. Und mit dem ZusammenWir unterstützen Jelzins Regierung politisch und wirtbruch der Wirtschaft sind kriminelle Elemente zum
Vorschein gekommen, die vom Volk ebenso gefürch- schaftlich, ebenso wie es viele Ihrer Regierungen tun.
Präsident Clinton besprach diese Bestrebungen austet werden wie jede Bedrohung von außen.
führlich während seiner Gipfeltreffen im letzten Monat.
Überdies haben wir es mit einer Nation von 180 Millio- Aber ich möchte auch darauf verweisen, daß wir
nen Menschen zu tun, welche die Ideologie verloren Anstrengungen und Gelder unseres Verteidigungsaphaben, die sie - wenn auch noch so brutal - bisherdurch parats zur Unterstützung der russischen Reform aufihr ganzes Leben geleitet hat. Diese Ideologie ist wenden, nicht zuletzt des Militärs. Das russische
zerschlagen, diskreditiert, und nichts ist bisher an ihre Militär spielt eine Schlüsselrolle bei der Zukunft RußStelle getreten.
lands. Wir pflegen Kontakte auf allen Ebenen unserer

Es tut mir leid, daß Verteidigungsminister Gratschow
heute nicht hier sein kann, aber ich hoffe, in absehbarer Zukunft wieder mit ihm zusammenzutreffen.

risierungsbestrebungen in Rußland. Wir finanzieren

die Bemühungen bei der Rüstungskonversion. Wir
ermutigen Partnerschaften zwischen amerikanischen
Firmen und russischen Rüstungskonzernen zur Herstellung und zum Verkauf von kommerziellen Produkten als Alternative zur Waffenproduktion.

Und schließlich arbeiten wir aktiv mit Rußland und der
Ukraine zusammen, um ihre unmittelbaren SicherAlles in allem haben wir Grund, einen neuen Alptraum heitsbedenken abzubauen - ihre gegenseitigen Bezieder Finsternis in Europa zu befürchten, fallsdie Reform hungen zu verbessern. Das trilaterale Abkommen,
scheitern sollte und Reaktionen erfolgen. Und wir das die Präsidenten Clinton, Jelzin und Krawtschuk
haben Grund für die Art von aktiven Maßnahmen, vor drei Wochen in Moskau bekanntgegeben haben,
welche die Welt in den dreißiger Jahren versäumt hat war eine außerordentliche diplomatische Leistung. Im
zu ergreifen. Wir haben keine Erfolgsgarantie. Aber Rahmen dieser Vereinbarung werden alle nuklearen
wer würde sich angesichts eines derartigen Alptraums Gefechtsköpfe aus der Ukraine in unmittelbarer ZuSeite 2

AMERIKA DIENST 6

�kunft nach Rußland verlegt. Die Ukraine wird nach
dem Übereinkommen direkt für den Wert des hochangereicherten Urans in den Gefechtsköpfen entschädigt, in Form von Atombrennstäben für die ukrainischen zivilen Reaktoren. Das Abkommen sieht ferner
Sicherheitszulagen für die Ukraine von seiten der
Vereinigten Staaten und Rußlands vor, die mit der
Ratifizierung des START-Vertrags durch die Ukraine
und ihren Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag in Kraft
treten. Das Abkommen ist nicht nur eine Absichtserklärung, sondern leitet auch einen Aktionsplan in die
Wege.
Ein Übereinkommen dieser Art wäre nicht möglich
gewesen, ohne die Sicherheitsbedenken der Ukraine
zu berücksichtigen. Zum einen waren die Vereinigten
Staaten bereit, ein Partner zu sein. Darüber hinaus
trug der beim Brüsseler Gipfel im vergangenen Monat
angenommene Plan der Partnerschaft für Frieden den
ukrainischen Bedenken Rechnung, indem er das Recht
zur Konsultation mit der NATO für aktive Partnerländer
vorsieht, die sich bedroht fühlen. Dies ist das erste
Beispiel einer positiven Auswirkung der Partnerschaft
für Frieden auf die europäische Sicherheit.

essen in starken und vielseitigen Beziehungen ein
Fundament zur Lösung der konkreten Probleme auf
eine Art bieten, die die Interessen anderer respektiert.
Unsere größte Hoffnung gilt einer zukünftigen europäischen Sicherheitssphäre, in der keine Nation ihre
Nachbarn bedroht. Im Europa der Zukunft soll es keine
gemeinsamen Gegner geben. Wir bemühen uns um
ein europäisches Sicherheitssystem, das die Vereinigten Staaten und Kanada sowie ganz Europa einschlie ßt. Es mu ß auf dem gemeinsamen Engagement
für Demokratie und freie Marktwirtschaft gründen. Es
muß auf der beidseitigen Achtung der Menschenrechte gründen. Und es muß sich auf die Unabhängigkeit
der Staaten und die Sicherheit ihrer Grenzen gründen.
Wie Präsident Clinton erklärte, haben wir die Vision
von einem Europa, das zum ersten Mal in der Geschichte nicht durch aktuelle Konflikte oder schwelende Feindseligkeiten geteilt ist. Und wir wollen, daß
Rußland seinen Platz in der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur einnimmt.

Aus all den von mir hier dargelegten Gründen, die
durch den hohen Anteil reaktionärer Stimmen bei den
Da es sich hierbei u m ein sowohl von Ru ßland als auch jüngsten Wahlen in Rußland noch unterstrichen werder Ukraine gewünschtes Abkommen handelt, das sie den, gilt es zur Erreichung eines solchen europäischen
aber nicht aus eigenen Kräften erzielen konnten, wird Sicherheitssystems noch echte Herausforderungen
unter Beweis gestellt, daß der Weg der Zusammenar- zu überwinden.
beit das Potential zur Eingliederung Rußlands in EuroDie Partnerschaft für Frieden bietet einen einzigartipa bietet.
gen Weg zu einem solchen Sicherheitssystem. Sie
Rußland wird aufgrund seiner geographischen Lage gründet sich auf folgende Voraussetzung: Die Vereinigten Staaten und ihre Bündnispartner werden alles
und seiner Macht Teil des europäischen SicherheitsErforderliche zur Erhaltung unserer kollektiven Sichersystems werden. Es liegt in unser aller Interesse - und
heit
tun, falls das Schlimmste eintreten sollte. Wir
besonders im Interesse Rußlands - daß seine Rolle
werden
jedoch auch alles realistischerweise Mögliche
konstruktiv und kooperativ wird.
tun, um das Schlimmste zu verhindern.
Wir haben unsere Ansicht schon eindeutig klargestellt,
daß Rußland seinen Teil der Verantwortung für eine Der doppelte Charakter dieser Politik prägt die Partnerschaft für Frieden. Er bringt uns voran und bietet
stabile Ordnung in Europa tragen muß, sowohl in der
gleichzeitig
eine Absicherung für den Fall eines ScheiArt, wie es seine Eigenstaatlichkeit definiert, als auch
terns.
durch seine Beziehungen zu den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Wenn russische Streitkräfte außerZiel der Partnerschaft ist es, die Sicherheit in Europa
halb der russischen Grenzen operieren, muß das im
zu verbessern und in einem den Interessen und FähigEinklang mit dem Völkerrecht geschehen. Rußlands
keiten jedes Partners angepaßten Tempo neue Siberechtigte Sorge bezüglich der Stabilität an seinen
cherheitsbeziehungen zu schaffen.
Grenzen darf weder durch die alte sowjetische Praktik
der Einschüchterung und Dominierung beschwichtigt
Die Partnerschaft für Frieden steht allen Staaten des
werden, noch durch die Untergrabung der Souveräniehemaligen Warschauer Pakts sowie anderen NATOtät und Unabhängigkeit seiner Nachbarn, ungeachtet
Nichtmitgliedstaaten in Europa offen. Diese Nationen
des Zeitraums ihrer Unabhängigkeit.
werden die Chance zur Entwicklung der kooperativen
Gewohnheiten haben, die das Kernstück eines wirWir sind uns darüber im klaren, daß Rußlands Außenkungsvollen Bündnisses bilden. Sie können sich den
politik unter jeder Regierung von Rußlands Interessen Streitkräften des Bündnisses bei militärischen Aktivitäbestimmt wird. Ru ßland ist eine Großmacht. Wie alle ten wie Friedenssicherungsbestrebungen, KatastroNationen wird es Interessen haben, die sich von unse- pheneinsätzen und Rettungsaktionen anschließen. Die
ren und denen seiner Nachbarn unterscheiden. Eine
Partner können sich mit der NATO an Planung, ÜbunPartnerschaft zwischen Nationen bedeutet nicht, daß gen und Ausbildung zusammen mit den Streitkräften
ihre Ansichten identisch sein müssen, sie ist vielmehr des Bündnisses beteiligen. Sie werden in den militäbegründet in der Erkenntnis, daß gemeinsame Interrischen und politischen Gremien der NATO vertreten
AMERIKA DIENST 6

Seite 3

�sein. Die Partner werden die Chance haben, die
regulären Verfahren und Konsultationsmechanismen
der NATO kennenzulernen. Mit der Zeit werden die
Partner Streitkräfte entwickeln, die besser mit denen
der NATO-Mitgliedstaaten operieren können.
Aktive Partner können auch an politischen Konsultationen teilnehmen. Wie ich im Zusammenhang mit der
Ukraine bemerkte, werden sie ein verankertes Recht
auf Konsultationen mit der NATO haben, wenn sie eine
Bedrohung ihrer Sicherheit ausmachen.
Die Partnerschaft bietet die richtigen Anreize für ehemals kommunistische Staaten, um die demokratischen
Verfahren einzuführen, dieden NATO-Mitgliedstaaten
gemeinsam sind. Zum Beispiel werden die Partner die
Schritte spezifizieren, die sie zur demokratischen
Kontrolle ihres Militärs zu unternehmen gedenken, und
sie werden ihren Verteidigungshaushalt offenlegen.

stitionen sind erforderlich, und der Ertrag unserer
Investitionen ist hoch.
Wir müssen schnell ein Format für die von den Partnern vorzulegenden Dokumente ausarbeiten. Es ist
wichtig, daß wir die neuen Partner jetzt mit den Verteidigungsverfahren der NATO vertraut machen.
Wir müssen unseren Dialog mit den potentiellen Partnern aggressiv verfolgen. Wir haben bereits NATOTeams entsandt, um sie zu unterrichten. Diese Teams
erklären interessierten Ländern genau, wie der Prozeß
funktioniert und helfen ihnen, den Anfang zu ihrer
Beteiligung an den Aktivitäten der Partnerschaft für
Frieden zu machen.
Wir müssen unverzüglich handeln, um Aktivitäten der
Partnerschaft für Frieden und Vertreter der Partner in
relevante NATO-Organisationen einzugliedern.

Einige der ehemals kommunistischen Staaten haben
mehr Fortschritte erzielt als andere. Aber die Partnerschaft für Frieden möchte alle diese Nationen ermutigen, in diese richtige Richtung zu gehen.

Wir müssen die praktische Planung gemeinsamer
Übungen beginnen. Derartige Übungen müssen noch
in diesem Jahr stattfinden, wenn wir die Partnerschaft
glaubwürdig machen wollen.

Kurzum, die Partnerschaft ist ein greifbarer Beweis für
die Bereitschaft der NATO, neue Sicherheitsbeziehungen mit ihren östlichen Nachbarn zu schaffen. Sie
leitet sogar einen Prozeß in die Wege, der mit der Zeit
zur Erweiterung der NATO führen wird. Letztlich wird
sie dazu beitragen, andere Nationen auf eine mögliche
Mitgliedschaft in der NATO vorzubereiten, wenn diese
die von der Partnerschaft gebotenen Möglichkeiten
voll ausschöpfen und sich nicht vom Weg zu Demokratie, friedlichen Beziehungen zu ihren Nachbarn und
Wirtschaftsreform abbringen lassen.

Als weiteren Punkt möchte ich anführen, daß die
Vereinigten Staaten die Schaffung einer europäischen
Sicherhefts- und Verteidigungsidentität durch die
Westeuropäische Union unterstützen. Ein starker
europäischer Pfeiler ist entscheidend für ein starkes
Bündnis. Eine europäische Verteidigungsidentität sollte
die NATO ergänzen, nicht mit ihrkonkurrieren. Unsere
Unterstützung einer realen, aber die Dinge nicht
komplizierenden europäischen Verteidigungsfähigkeit
manifestiert sich in unserer Unterstützung des Konzepts eines Interalliierten Gemeinsamen Einsatzverbands. Damit wird es NATO-Mitgliedern und anderen
Koalitionen interessierter Nationen ermöglicht, gemeinsame Einsätze zu unternehmen, wenn die NATO
diese ablehnt, und ohne verschwenderische Duplikation von Ressourcen.

Es war eine kluge Entscheidung des Bündnisses, die
Partnerschaft für Frieden anzunehmen. Ich möchte
die Bündnispartner und besonders Generalsekretär
Wörner zu seiner Führung beglückwünschen. Die
Partnerschaft bietet eine dynamische Lösung für ein
dynamisches Problem.
Aber nachdem wir nun die politische Entscheidung
getroffen haben, müssen wir zur Tat schreiten. Wir
müssen praktische Schritte zu ihrer Durchführung
unternehmen, und wir dürfen keine Zeit mit Streitereien über Haushalts- und bürokratische Fragen vergeuden.
Vier Nationen sind der Partnerschaft für Frieden bereits beigetreten, und die Mehrzahl der mittel- und
osteuropäischen Länder hat ihre Absicht zum Beitritt
bekundet. Es ist Zeit zum Handeln.
Wir müssen alle unverzüglich die angemessenen Mittel bereitstellen, sowohl für die bescheidenen gemeinsamen Auslagen der NATO, als auch für ein aktives
Programm der Beteiligung unserer Streitkräfte an
Aktivitäten der Partnerschaft. Nur bescheidene Inve-

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Die Initiative der Partnerschaft für Frieden geht von
einem optimistischen Szenario aus und ist auf positive
Resultate ausgerichtet. Sie vermeidet neue Sicherheitsgrenzen in Europa zu einer Zeit, in der wir auf ein
integriertes Europa hinarbeiten, das besonders auch
Rußland miteinbezieht. Mein Kollege Strobe Talbott
formulierte unsere Zielvorstellungen kürzlich folgendermaßen: Ein stabiles, demokratisches, marktorientiertes Rußland, ein in seinen eigenen Grenzen sicheres Ru ßland, das die Grenzen anderer Länder respektiert, ein integriertes statt eingedämmtes Rußland."
Aber wir haben auch eine Art Rückversicherung gegen
negative Ergebnisse. Wenn Rußland sich an einen
Kurs innenpolitischer Reformen, Respektierung der
Unabhängigkeit seiner Nachbarn und Zusammenarbeit mit dem Westen hält, wird die NATO weiterhin
immer mehr Nationen einbeziehen. Wenn die Reform
in Rußland jedoch scheitern sollte, wird die NATO

AMERIKA DIENST 6

�immer noch da sein, um für die kollektive Verteidigung
ihrer Bündnispartner zu sorgen und wird bereits durch
die Partnerschaft mit deren aktiven Teilnehmerstaaten
die regionale Sicherheit verbessert haben.
Kurzum, Rußland hat die Wahl. Und welche Wahl
Rußland trifft, wird die Zukunft der NATO und der
Partnerschaft für Frieden maßgeblich beeinflussen.
Ich habe unsere Besorgnis und unsere Hoffnung
bezüglich Rußland ehrlich dargestellt. Aber ich möchte noch einmal eindeutig klarstellen, daß es äußerst
voreilig und zutiefst falsch wäre, wenn wir uns durch
diese Besorgnis dazu hinreißen ließen, unsere Bestrebungen für ein grundsätzlich neues Europa aufzugeben. Wenn wir das zu unserer Politik machten, würde
ich mit T.S. Eliot sagen: "Wir hatten die Erfahrung,
aber wir haben das Ziel verfehlt."
Um den Historiker Gordon Craig aus seiner Studie der
Weimarer Republik zu zitieren: 'Wenn ein wohlwollender Geist den Völkern Deutschlands und seiner benachbarten Staaten auch nur eine bruchstückhafte
Vorschau gegönnt hätte davon, was sie in den vierziger Jahren erwartete, ist es unmöglich zu glauben, daß

*

AMERIKA DIENST 6

sie nicht jedes nur mögliche Opfer gebracht hätten, um
die Weimarer Republik gegen ihre Feinde zu verteidigen. Aber diese Art Voraussicht ist dieser Welt nicht
gegeben, und die deutsche Republik hatte nie Freunde
und Unterstützung, wenn sie diese am dringendsten
brauchte."
Präsident Clinton hat klarzum Ausdruck gebracht, daß
die russischen Demokraten die nötigen Freunde haben werden. In einer Ansprache an das russische Volk
erinnerte er daran, daß "es wenige Menschen auf der
Welt gibt, die ein tieferes Wissen der Geschichte
besitzen, sowohl ihrer positiven als auch negativen
Erscheinungen, und die mehr Grund zu Hoffnung auf
die Zukunft haben als Sie." "Ich weiß," sagte er, "daß
die Gegenwart schwer ist, aber wenn Sie die richtige
Entscheidung treffen, wenn Sie Hoffnung statt Furcht
wählen, dann wird die Zukunft Ihren Mut und Ihre
Vision belohnen."
Und im tieferen Sinne würden wir alle an dieser Belohnung teilhaben, ebenso wie wir auch die Kosten mittragen, wenn diese Hoffnungen enttäuscht würden.
Vielen Dank.

* * *

*

Seite 5

�ABRÜSTUNG
9. Februar 1994

ENDE DES KALTEN KRIEGES ERHÖHT
NOTWENDIGKEIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede des neuen ACDA-Direktors bei Genfer Abrüstungskonferenz
GENF-(AD)-Aufgrund neuer "Quellen der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen", so John Holum,
"hat das Ende des Kalten Krieges die Notwendigkeit für Rüstungskontrolle faktisch erhöht".
In einer Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz erklärte John Holum, der neue Direktor des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and Disarmament Agency - ACDA) am 25. Januar 1994,
"ehemals eingedämmte ethnische Spannungen sind in Gebieten freigesetzt worden, in denen die Gegner allzu
bereit zum Einsatz von Gewalt als erstem Mittel sind".
Der ACDA-Direktor stellte fest, Rüstungskontrolle könne "uns bei der Bewältigung der Herausforderung helfen,
Frieden und Stabilität in eine krisengeschüttelte neue Weltordnung zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die gekürzte Fassung der Ausführungen von Direktor Holum.

"Herr Präsident, meine Damen und Herren, dies ist für
mich die erste Gelegenheit, als Direktor des US-Amts
für Rüstungskontrolle und Abrüstung auf einer Sitzung
der Genfer Abrüstungskonferenz zu sprechen. Dieses
Forum dient der Sache einer sichereren und stabileren
Welt, und meine heutige Anwesenheit demonstriert
das Engagement der Clinton-Administration für die
Ziele der Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung. Bei meiner Bestätigung für dieses Amt
sicherte mir der Präsident zu, welch hohe Priorität er
persönlich konkreten, unverzüglichen Fortschritten bei
der Stärkung der internationalen Sicherheit durch
multilaterale Zusammenarbeit beimißt. Das Ende des
Kalten Krieges beinhaltet für die Abrüstungskonferenz
besondere Möglichkeiten, und ich versichere Ihnen
heute, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende unternehmen werden, um das Beste daraus
zu machen. In diesem Zusammenhang möchte ich
eine an diese Konferenz gerichtete Botschaft von
Präsident Clinton verlesen:
'Ich bin dankbar für diese Gelegenheit, mich an
alle Teilnehmer der Genfer Abrüstungskonferenz wenden zu können. Diese Konferenz hat
zu Beginn der Sitzungsperiode 1994 mehrere
wichtige Punkte auf ihrer Tagesordnung, darunterTransparenz im Rüstungsbereich, und könnte noch weitere aufnehmen, wie das Verbot der
Produktion spaltbaren Materials für NuklearexAMERIKA DIENST 6

plosionen. Keine Angelegenheit ist wichtiger als
die Aushandlung eines umfassenden und verifizierbaren Verbots atomarer Explosionen. Dieses schwierige aber entscheidende Ziel ist die
oberste Priorität dieser Konferenz. Sie reflektiert unseren gemeinsamen Wunsch nach entschiedenen Maßnahmen, die das globale atomare Nichtverbreitungsregime unterstützen und
ergänzen werden und den Erwerb sowie die
Entwicklung von Nuklearwaffen weiter einschränken.
Regionale Instabilitäten, das Ende des Kalten
Krieges sowie die wachsende Gefahr einer Weiterverbreitung von Atomwaffen haben neue und
zwingende Umstände geschaffen, um den
begonnenen Abrüstungsprozeß weiter fortzusetzen. Entsprechend entschied ich im Juli
vergangenen Jahres, das Moratorium für das
Verbot von Atomtests in den Vereinigten Staaten zu verlängern und setzte mich für den Abschluß eines Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot ein. Gleichzeitig rief ich die
anderen Staaten im Besitz von Atomwaffen
dazu auf, sich an das Atomtestmoratorium zu
halten, und das tue ich heute erneut.
Ich bin zuversichtlich, daß Botschafter Ledogar
und die amerikanische Delegation gemeinsam

Seite 1

�mit Ihnen mutige Schritte unternehmen werden,
um durch die möglichst baldige Aushandlung
eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot, der die Sicherheit aller Nationen stärken
wird, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen. Während dieser bedeutenden Konferenz
begleiten Sie meine besten Wünsche.'
Die Abrüstungskonferenz ist das einzige multilaterale
Forum zur kontinuierlichen Verhandlung von Fragen
der globalen Rüstungskontrolle und Abrüstung. Ihre
Teilnehmer kommen aus allen Regionen der Erde und
spiegeln eine breite Palette von Sorgen und Interessen
wider. Wir alle halten dieGenfer Abrüstungskonferenz
für einen Marktplatz der Ideen und einen Ort, an dem
die Nationen sich praktischen Dingen widmen und
Abkommen schließen, die die internationale Sicherheit erhöhen.
Die Vereinigten Staaten erkennen die Bedeutung der
Abrüstungskonferenz als multilaterales Rüstungskontrollgremium an, und wir haben eine angemessene
Ausweitung der Mitgliedschaft stets befürwortet. Wir
bestehen jedoch darauf, daß es unangebracht wäre,
den Status von Ländern bei der Konferenz zu verbessern, deren Verhalten weiterhin den Zielen der Organisation diametral entgegengesetzt ist. Wir hoffen,
daß die Teilnehmer der Konferenz weiterhin zusammenarbeiten, um einen Konsens über ein akzeptables
Mitgliedschaftspaket zu schmieden.

von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme verhindern. Wir können zur Schaffung von
Vertrauen beitragen, indem wir unsere militärischen
Aktivitäten transparenter gestalten. Diese Dinge sind
kein Anzeichen für Schwäche oder Kapitulation, sondern eine kluge Investition in die Zukunft und ein
sicherer Weg, unsere gesamten vitalen nationalen
Interessen zu sichern."
Anschließend ging der ACDA-Direktor auf derzeitige
Entwicklungen im Abrüstungsbereich ein, unter anderem die Unterzeichnung des trilateralen Abkommens
durch die Präsidenten der Ukraine, der Russischen
Föderatbn und der Vereinigten Staaten vor drei Wochen,
das die Verlegung aller Atomwaffen von ukrainischem
Gebiet nach Rußland und ihre dortige Verschrottung
vorsieht. Auch erwähnte er regionale Abrüstungsbestrebungen wie die ACRS-Arbeitsgruppe (Arms Control and Regional Secur'ity) als Teil des Friedensprozesses im Nahen Osten sowie ein neues, vom ASEAN
geschaffenes regionales Forum. Angesichts der
Dynamik des Abrüstungsprozesses enthält die Tagesordnung der Abrüstungskonferenz die folgenden schwierigen Themen:
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (CTBVertrag)

"Ich möchte eindeutig klarstellen: Die Politik der
Vereinigten Staaten besteht - wie von Präsident Clinton am 3. Juli 1993 angekündigt - in der entschiedenen
Die Chemiewaffenkonvention demonstriert lebhaft, wie Unterstützung für den möglichst baldigen Abschluß
konstruktiver Ideenwettbewerb und die Verfolgung eines CTB-Vertrags. In der heutigen Zeit nach dem
verschiedener Interessen und Anliegen zu Leistungen Ende des Kalten Krieges gewinnt ein solcher Vertrag
führen können, die dergesamten internationalen Staa- noch an Bedeutung. Ein CTB-Vertrag wird ein bedeutengemeinschaft nutzen. Ich beglückwünsche Sie zu tender Teil unserer Bestrebungen zur Nichtverbreidieser beachtlichen Errungenschaft.
tung von Atomwaffen sein und den im Besitz dieser
Waffen befindlichen Ländern beträchtliche BeschränDies ist jedoch nicht der Zeitpunkt, die Hände in den kungen auferlegen.
Schoß zu legen. Es bleibt viel zu tun, den Anforderungen muß sofort entsprochen werden, und wir haben Ein CTB-Vertrag wird nur mit Teilnahme und Untereine einzigartige Gelegenheit, an der konstruktiven stützung der fünf Atommächte und breiter internatioGestaltung der Welt mitzuwirken.
naler Zustimmung erfolgreich sein. Die Atommächte
tragen eine besondere Verantwortung, einen Beitrag
Das Ende des Kalten Krieges hat jedoch die Notwen- zu diesen Verhandlungen zu leisten, und die Vereinigdigkeit von Rüstungskontrolle faktisch erhöht. Es gibt ten Staaten werden ihrer Verantwortung mit Engageneue Quellen der Weiterverbreitung von Massenver- ment nachkommen. Unserer Ansicht nach ist die
nichtungswaffen und ihrer Abschußvorrichtungen. Verlängerung des amerikanischen Moratoriums für
Ehemals eingedämmte ethnische Spannungen sind in Atomtests ein greifbarer Beweis unseres EngageGebieten freigesetzt worden, in denen die Gegner ments für den CTB-Vertrag. In seiner an Sie gerichteallzu bereit zum Einsatz von Gewalt als erstem Mittel ten Botschaft hat der Präsident die anderen, im Besitz
sind. Bedauerlicherweise gibt es genügend Anhalts- von Atomwaffen befindlichen Länder erneut dazu
punkte dafür, daß wir in einer Welt leben, in der die aufgerufen, von Atomtests abzusehen.
Technologie schnellere Fortschritte macht als die
Klugheit der Menschen.
Stärkung des Nichtverbreitungsregimes
• i

Rüstungskontrolle kann uns bei der Bewältigung der
Herausforderung helfen, Frieden und Stabilität in eine
krisengeschüttelte neue Weltordnung zu bringen. Wir
können destabilisierende militärische Kräfte begrenzen und abbauen. Wir können die Weiterverbreitung

Seite 2

'\r-t

Nach dem Ende des Kalten Krieges haben wir uns aus
einer bipolaren Welt in eine multipolare Welt begeben.
Die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen
bleibt bestehen, und damit auch die Notwendigkeit,
den Nichtverbreitungsvertrag (NW) als wichtigstes

AMERIKA DIENST 6

�Bollwerk gegen die weitere Verbreitung von Atomwaffen zu erhalten. Der N W reflektiert einen breiten
Konsens gegen die Weiterverbreitung. Der Vertrag
errichtet auch einen Rahmen für die Verhinderung der
Weiterverbreitung von Atomwaffen sowie für erleichterte und geregelte staatliche Zusammenarbeit bei der
friedlichen Nutzung von Atomenergie. Ferner hat er
sich als bedeutendes Instrument fürdie Förderung der
sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung seiner Mitgliedstaaten erwiesen.
Die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr 1995 wird gewährleisten, daß die
vielen Vorteile des Vertrags für seine Parteien in
Reichweite bleiben. Durch die unbegrenzte Verlängerung wird die internationale Staatengemeinschaft den
Möchtegern-Weiterverbreitern das eindeutigste Signal
senden, daß ihre Aktivitäten nicht toleriert werden.
Unterbindung der Produktion von spaltbarem Material
Unser Ziel der Neugestaltung der nuklearen Kontouren der sicherheitspolitischen Landkarte der Welt nach
dem Kalten Krieg endet hier noch nicht. Die erfolgreiche Inkraftsetzung des INF-Vertrags, die Durchsetzung unilateraler Initiativen wie der Abbau und die
Zerlegung von taktischen Nuklearwaffen, Abkommen
zur Reduzierung strategischer Waffen, einschließlich
des START I- und des START Il-Vertrags stellten
wichtige Beiträge zur Eindämmung der Weiterverbreitung von Atomwaffen dar. Jetzt können wir dem nicht
nurdie CTBT-Verhandlungen und die Erweiterung des
Nichtverbreitungsvertrags hinzufügen, sondern auch
die Verhandlungen über ein weltweites Abkommen
über das Verbot der weiteren Produktion von hochangereichertem Uran und Plutonium außerhalb der internationalen Schutzvorschriften oder für Explosivverfahren, wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der
UN-Generalversammlung im September vergangenen Jahres forderte.
Ein derartiges Abkommen sollte hier auf der Abrüstungskonferenz offiziell ausgehandelt werden. Die
übereinstimmende Unterstützung einer solchen Konvention durch die Vereinten Nationen war uns eine
große Ermutigung. Ein nichtdiskriminierendes, multilaterales und wirksam verifizierbares Verbot der Produktion von spaltbarem Material könnte die ungeschützten Nuklearprogramme bestimmter Staaten, die
dem Nichtverbreitungsvertrag nicht beigetreten sind,
erstmals gewissen Einschränkungen unterwerfen. Auch
würde dadurch die Produktion von Plutonium und
hochangereichertem Uran für Nuklearwaffen in den
fünf erklärten Atomstaaten beendet.
Negative Sicherheitszusagen
Negative Sicherheitszusagen sind ebenfalls mit der
Sache der Nichtverbreitung eng verbunden.

AMERIKA DIENST 6

Wir können die Erfindung von Atomwaffen nicht rückgängig machen, wir können diese Waffen jedoch unter
Kontrolle bringen. Wir können ihre Auswirkungen und
ihren Einflu ß begrenzen. Ein starker Abbau des Atomwaffenbestands, gestärkte und erweiterte Nichtverbreitungsnormen, der Abschluß des CTB-Vertrags,
ein weltweites Verbot der Produktion von spaltbarem
Material und weitere Maßnahmen werden die Rolle
von Atomwaffen in der Welt des 21. Jahrhunderts
grundlegend verändern. All diese Schritte werden
einen Beitrag zu dem wichtigen Ziel leisten, dem wir
alle verpflichtet sind - einer sichereren und stabileren
Welt.
Die Herausforderung konventioneller Waffen
Das verheerende Zerstörungspotential von Atomwaffen und die durch andere Massenvernichtungswaffen
entstehenden Gefahren erfordern, daß sie auf unserer
Tagesordnung der Rüstungskontrolle ganz oben stehen, aber sie dürfen nicht einfach nur Tagesordnungspunkte sein. Ein weiteres wichtiges Element der
Rüstungskontrolle stellen konventionelle Waffen dar.
Der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE-Vertrag) ist ein Meilenstein beim Abbau konventioneller Waffen. Er dient als Grundlage für die Sicherheitsarchitektur Europas nach dem Kalten Krieg, die
auf Kooperation anstelle von Konfrontation basiert.
Wir sehen der vollen Umsetzung des Vertrags im Jahr
1995 erwartungsvoll entgegen und stellen mit Befriedigung fest, daß Zehntausende von Ausrüstungsgegenständen bereits zerstört worden sind.
Die unmittelbare Herausforderung für dieses Forum
besteht in der Förderung von mehr Transparenz in
Sicherheitsfragen. Transparenz wiederum führt zu
mehr Vertrauen, das die Grundlage für stabile politische Beziehungen bildet.
Im vergangenen Jahr rief die Genfer Abrüstungskonferenz einen Ad-hoc-Ausschuß über Transparenz bei
Rüstungsfragen (Transparency in Armaments - TIA)
ins Leben. Dieser seit mehreren Jahren erste von der
Abrüstungskonferenz eingerichtete Ausschuß stellte
die Fähigkeit der Konferenz unter Beweis, sich an die
Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
anzupassen. Er ist auch von Bedeutung, da er der
einzige Punkt auf Ihrer Tagesordnung ist, der sich mit
konventionellen Waffen befaßt. Ich ermutige Sie entschieden, Ihre Arbeit auf der im vergangenen Jahr vom
TIA-Ad-hoc-Ausschuß gelegten sehr nützlichen Grundlage fortzusetzen. Ich empfehle Ihnen ferner, die
Ideen in Erwägung zu ziehen, die vergangenes Jahr
von den Vereinigten Staaten zu r Förderung von Transparenz bei konventionellen Waffen unterbreitet wurden.
Eine weitere Frage im Bereich der konventionellen
Waffen, bei der wir bereits erste Schritte unternommen
haben, bezieht sich auf Landminen. Diese Waffen

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�fordern weiterhin unter der Zivilbevölkerung große
Opfer, ungeachtet dessen, ob sie sich in einer aktiven
Kampfzone befinden. Die Vereinten Nationen haben
übereinstimmend die von den Vereinigten Staaten
initiierte Resolution unterstützt, die ein Moratorium für
den Export von gegen lebende Ziele gerichtete Landminen fordert. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt
tun und das weltweite Moratorium zu einer Realität
machen. Dadurch werden wir nicht nur die Zukunft
vieler unschuldiger Zivilisten schützen, sondern auch
die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Problemen
lenken, die lange Zeit für unlösbar gehalten wurden.
Eine umfassende Tagesordnung für die Zukunft
Trotz der Tatsache, daß die Chemiewaffenkonvention
jetzt nicht länger in den Zuständigkeitsbereich der
Genfer Abrüstungskonferenz fällt, bin ich mir bewußt,
daß viele von Ihnen großes Interesse am weiteren
Schicksal der Konvention haben. Im vergangenen
November unterbreitete Präsident Clinton in Washington dem Senat diese Konvention zur Beratung und
Annahme und wird sich für ihre Ratifizierung zu Beginn
dieses Jahres einsetzen. Die Vereinigten Staaten
fordern alle anderen Signatarstaaten dringend dazu
auf, ebenso zu handeln, damit die Konvention für die
entscheidenden Parteien möglichst bald in Kraft treten
kann.
Die Konvention über biologische- und Toxinwaffen
wurde seit ihrem Inkafttreten durch die Erhöhung der
Mitgliederzahl und durch von mehreren Überprüfungskonferenzen entwickelte vertrauensbildende Maßnahmen gestärkt. Wir sind der Ansicht, daß die Welt noch
mehr unternehmen kann. Präsident Clinton hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten neue
Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz von
Aktivitäten und Einrichtungen fördern werden, bei denen
biologische- und Toxinwaffen Anwendung finden. Die
Vereinigten Staaten unterstützen auch die Arbeit der
Ad-hoc-Gruppe von Regierungsfachleuten, die zur
Identifizierung und Untersuchung möglicher Verifizierungsmaßnahmen für die Konvention über biologische- und Toxinwaffen unter einem wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkt gebildet wurde.
Wir sprechen uns für die baldige Einberufung einer
Konferenz aus, um den Bericht zu prüfen und die
nächsten Schritte zur Stärkung der internationalen
Normen gegen eine Geißel zu beraten, die durchaus
zur Massenvernichtungswaffe der Zukunft werden
könnte.

*

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Die Nichtverbreitungspolitik der Clinton-Administration umfaßt auch den Versuch, nach Lösungen zu
suchen, wo die Nichtverbreitungsnormen nicht greifen. Die Vereinigten Staaten haben im Hinblick auf die
Ambitionen Nordkoreas im Atomwaffenbereich eine
entschiedene Haltung eingenommen. Das bedeutet,
daß Nordkorea ein vollwertiges Mitglied des Nichtverbreitungsvertrags bleiben und mit der Internationalen
Atomenergie-Organisation in allen Bereichen zusammenarbeiten muß, einschließlich der Zustimmung zu
regulären und außerordentlichen Inspektionen sowie
der umfassenden Durchsetzung des von Nord- und
Südkorea erzielten Entnuklearisierungsabkommens.
Die Gefahr der Weiterverbreitung ist in Südasien und
dem Nahen Osten akut. Die Vereinigten Staaten
ermutigen Indien und Pakistan, sich multilateralen
Bestrebungen zur Überprüfung der regionalen Sicherheit und Rüstungskontrolle anzuschließen. Wir unterstützen auch in Zukunft die Aktivitäten der Rüstungskontrollgruppe für den Nahen Osten und der Arbeitsgruppe für regionale Sicherheit.
Die Verbreitung von Raketentechnologie macht die
Welt für uns alle zu einem gefährlicheren Ort. Die
Vereinigten Staaten streben eine Stärkung des Raketentechnologie-Kontrollregiemes (Missile Technology
Control Regime - MTCR) an um sicherzustellen, daß
es weiterhin ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Raketen bleibt.
Schlußfolgerung
Herr Präsident, die Abrüstungskonferenz wird durch
ihre bei der Chemiewaffenkonvention erzielten Erfolge
gestärkt. Sie wird angespornt durch die Aussicht auf
die Aushandlung eines umfassenden Atomtestverbots. Sie wird gefordert durch den Ruf nach einer
Erhöhung der Transparenz bei Rüstungsfragen. Sie
wird gestärkt durch au ßerhalb dieses Gebäudes stattfindende wichtige Entwicklungen im Rüstungskontrollbereich.
Unsere Verantwortung heute liegt darin, das Meiste
aus der sich uns bietenden Chance zu machen. Die
Aufgabe liegt unmittelbar vor uns, ihre Ergebnisse
werden jedoch von langer Dauer sein. Die Herausforderungen sind enorm, aber ihnen steht auch das
Versprechen greifbarer Ergebnisse gegenüber. Der
Weg ist steinig, aber wenn wir am Ziel ankommen, wird
es jegliche Mühe wert gewesen sein. Lassen Sie uns
an die Arbeit gehen."

* * *

*

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�MENSCHENRECHTE
9. Februar 1994

FORTSCHRITTE BEI DER
MENSCHENRECHTSSITUATION 1993,
VERLETZUNGEN DAUERN JEDOCH AN
Jahresübersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Trotz 1993 bei der Menschenrechtssituation erzielter Fortschritte sind in diesem Jahr
weltweit immer noch Verletzungen von Menschenrechten zu verzeichnen, und politischer Unterdrückung wurde
an allzuvielen Orten kein Ende gesetzt, so die Jahresübersicht des US-Außenministeriums.
Die am 1. Februar 1994 veröffentlichte Übersicht mit Berichten aus 193 Ländern belegt, daß Rückschläge bei
den Menschenrechten zwar die "in einigen Teilen der Welt erzielten Fortschritte wieder aufwiegen", jedoch der
tägliche Kampf für Menschenrechte auf globaler, nationaler und lokaler Ebene mehr Aufmerksamkeit erhielt als
je zuvor."
Besondere Besorgnis riefen dem Jahresbericht für 1993 zufolge hervor: "Folter, willkürliche Festnahme,
Straffreiheit für Menschenrechtsverletzer sowie die Tatsache, daß die Rechte von Frauen, Kindern, Urbewohnern und Arbeitnehmern in vielen Teilen der Welt mit Füßen getreten werden".
Zu den positiven Entwicklungen des Jahres 1993 zählten verstärkte Bewegungen an der Basis zur Förderung
von Menschenrechten, "da die Menschen ihre unveräußerlichen Rechte einfordern und von ihren Regierungen
Rechenschaft verlangen", so das Dokument.
Die Jahresübersicht basiert auf von amerikanischen Botschaften, ausländischen Regierungen, internationalen
Organisationen und anderen Quellen erhaltenen Informationen. Sie setzt internationale Menschenrechtsnormen als Maßstab für die Bewertung der Menschenrechtssituation eines Landes ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über den Jahresbericht 1993.

Grund für die Erstellung der Berichte
Diese Übersicht wird dem Kongreß vom Außenministerium im Einklang mit Artikel 116(d)(1) und Artikel
502B(b) des Auslandshilfegesetzes von 1961 in seiner
geänderten Form sowie Artikel 505(c) des Handelsgesetzes von 1974 in seiner geänderten Form vorgelegt.
Artikel 116(d)(1) des Auslandshilfegesetzes stellt fest:
"Der Außenminister soll dem Speaker des Repräsentantenhauses und dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten bis zum 31. Januar jedes Jahres
einen umfassenden und vollständigen Bericht überdie
Situation der international anerkannten Menschenrechte geben - nach Absatz (A) in Ländern, denen
gemäß dieser Bestimmungen Auslandshilfe gewährt
wurde, sowie nach Absatz (B) in allen anderen Ländern, die Mitglied der Vereinten Nationen sind und

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nicht unter diesem Gesetz auf andere Weise Gegenstand eines Menschenrechtsberichts sind." Wir haben
auch Berichte über einige Länder einbezogen, die
nicht in die von diesen Gesetzesbestimmungen festgesetzten Kategorien und somit nicht unter diese
Erfordernisse des Kongresses fallen.
Die Idee, daß die Vereinigten Staaten sich für die
Einhaltung international anerkannter Menschenrechtsnormen einsetzen sollten, nahm in den siebziger Jahren Gestalt an. 1976 erließ der Kongreß Gesetze zur
Einrichtung des Büros eines Koordinators für Menschenrechte im Außenministerium, das später zum
Amt eines Abteilungsleiters aufgewertet wurde. Der
Kongreß verlieh auch der offiziellen Forderung Gesetzeskraft, daß die amerikanische Außen- und Handelspolitik die Situation der Menschen- und Arbeitneh-

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�merrechte in anderen Ländern in Betracht ziehen sollte
und dem Kongreß jährlich Länderberichte vorgelegt
werden. Bei der erstmaligen Erstellung dieser Übersicht 1977 wurden nur die 82 Empfänger amerikanischer Hilfe erfaßt; für 1993 wurden Berichte über 193
Länder erstellt und veröffentlicht.
Verfahren zur Erstellung der Berichte

im Bereich der amerikanischen Außenpolitik, der
Ausbildung und der Hilfszuweisungen dienen. Er soll
femer die Grundlage für konstruktiven Dialog und
Planung zu Möglichkeiten bilden, wie die Vereinigten
Staaten mit ausländischen Regierungen und privaten
Gruppen zur Verbesserung der weltweiten Menschenrechtsbilanz zusammenarbeiten können.

Die Länderberichte zur Menschenrechtssituation
umfassen international anerkannte Rechte des einzelnen, politische, Bürger- und Arbeitnehmerrechte, wie
in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
enthalten. Dazu gehören auch das Recht auf Freiheit
vor Folter sowie vor grausamer, unmenschlicher und
erniedrigender Behandlung oder Bestrafung, vor längerer Inhaftierung ohne Anklage, Verschwinden aufgrund von Verschleppung oder heimlicher Festnahme
sowie anderen eklatanten Verletzungen des Rechts
auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Der
einzelne genießt das unveräußerliche Recht auf die
Absetzung der Regierung mit friedlichen Mitteln und
auf die bürgerlichen Freiheiten wie Meinungs-, VerUnsere Botschaften, die erste Entwürfe für die Berich- sammlungs-, Religionsfreiheit und Freizügigkeit ohne
te vorlegten, sammelten während des ganzen Jahres Diskriminierung aufgrund von Rasse, Nationalität oder
Informationen aus einer Vielzahl von Quellen, ein- Geschlecht. Freie Gesellschaften bedürfen auch freischließlich Kontakten zum gesamten politischen Spek- er Gewerkschaften. Die Berichte beurteilen die intertrum, Regierungsbeamten, Juristen, Militärs, Journali- national anerkannten wichtigsten Arbeitnehmerrechsten, Menschenrechtsbeobachtern, Akademikern und te, einschließlich der Koalitionsfreiheit, dem Recht,
Gewerkschaftsmitgliedern. Das Einholen von Infor- sich zu organisieren und Tarifverträge auszuhandeln,
mationen kann gefährlich sein. Die Angehörigen des dem Verbot von Zwangsarbeit, Mindestalter für die
diplomatischen Dienstes unternehmen oftmals große Beschäftigung von Kindern sowie annehmbare ArAnstrengungen unter schwierigen und bisweilen ge- beitsbedingungen.
fährlichen Bedingungen, um gemeldete MenschenDie Übersicht von 1993
rechtsverletzungen zu überprüfen, sich für einzelne
Bürger einzusetzen und Wahlen zu überwachen.
Die Übersicht über die Berichte von 1993 beschreibt
eine Welt, die von den Vorstellungen unseres Landes
Die Berichtsentwürfe wurden von den einzelnen Bot- und anderer Staaten noch weit entfernt ist. Auf der
schaften nach Washington übermittelt und dort vom ganzen Welt leiden Menschen, die das Recht auf ein
Büro für Menschenrechte und humanitäre Angelegen- Leben in Freiheit und Würde haben, allzuoft unter der
heiten in Zusammenarbeit mit anderen relevanten Grausamkeit von Behörden, die sie ihrer Rechte beStellen des Außenministeriums sorgfältig geprüft. Bei rauben, um ihre eigene Macht zu sichern. 1993 wurde
der Erhärtung, Analyse und Herausgabe der Berichte Kindern viel zu oft ihr Geburtsrecht verweigert - in von
bedienten sich die Mitarbeiter des Außenministeriums Diktatoren beherrschten oder von bewaffneten Konzusätzlich ihrer eigenen Informationsquellen, darunter flikten erschütterten Ländern, in denen Gewehrkugeln,
Berichte von amerikanischen und ausländischen Folter, willkürliche Festnahme, Vergewaltigung, VerMenschenrechtsvereinigungen, Vertretern ausländi- schleppung und andere Menschenrechtsverletzungen
scher Regierungen, Angehörigen der Vereinten Natio- dazu benutzt werden, die nach politischer Freiheit
nen sowie anderen internationalen und regionalen Strebenden zum Schweigen zu bringen, jene zu unterOrganisationen und Institutionen, Fachleuten aus
drücken, deren ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht,
Akademikerkreisen und den Medien und hielten KonRasse oder Religion sie zu möglichen Opfern von
sultationen mit all diesen Quellen ab. Die Mitarbeiter
Diskriminierung machen oder die Schwächsten einzudes Außenministeriums zogen auch Experten für
schüchtern oder zu mißhandeln. Die Charta der
Arbeitnehmerrechte, Flüchtlingsfragen, militärische und
Vereinten Nationen bekräftigt "Würde und Wert der
polizeiliche Angelegenheiten, Exil-, Frauen- und Rechtsmenschlichen Persönlichkeit". 1993 wurde jedoch an
fragen zu Rate. Ziel dieser Bestrebungen war sicherallzu vielen Orten die Würde des Menschen verletzt,
zustellen, daß sämtliche relevanten Informationen in
Gewalt wurde durch Straffreiheit verewigt, die für
Betracht gezogen wurden und die Einschätzungen so
massive Menschenrechtsverletzungen Verantwortliobjektiv, gründlich und fair wie möglich waren. Der
chen kamen ungestraft davon und politischer UnterBericht wird als Quelle für die Entscheidungsfindung
drückung wurde kein Einhalt geboten.
Die Menschenrechtsberichte sind das Ergebnis des
engagierten Einsatzes Hunderter von Mitarbeitern des
Außenministeriums und anderer Angestellter der USRegierung während des ganzen Jahres. Im August
1993 erließ der Außenminister eine Richtlinie, mit der
die Menschenrechtsstruktur in unseren Botschaften
weiter verbessert wurde. Sämtliche Abteilungen jeder
Botschaft wurden ersucht, Informationen zu liefern
und Berichte über Menschenrechtsverletzungen zu
erhärten. Es wurden erneut Anstrengungen unternommen, um die Arbeit der Auslandsvertretungen
stärker mit der Förderung von Menschenrechten und
Demokratie zu verknüpfen.

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AMERIKA DIENST 6

•

•

�Dieses Jahr wenden wir unsere besondere Aufmerksamkeit einigen Tendenzen zu, die aus den Berichten
von 1993 ersichtlich sind. Bewaffnete Konflikte stellten diegrößte Bedrohung der Menschenrechte dar. Im
Gegensatz dazu sind der historische Händedruck
zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und dem Führer der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO), Yassir Arafat, die
Bemühungen des Vorsitzenden des Afrikanischen
Nationalkongresses (ANC), Nelson Mandela, und des
Präsidenten von Südafrika, F.W. de Klerk, um Wahlrecht für alle Bürger, für die ihnen der Nobelpreis
verliehen wurde, sowie der Friedensprozeß in El Salvador Beispiele für die Annäherung an eine Versöhnung, wo diese vorher unmöglich schien.
Dieser Gegensatz zwischen Gewalt und Versöhnung
war typisch für ein Jahr, in dem die Sache von Demokratie und Menschenrechten sowohl Fortschritte als
auch Rückschritte zu verzeichnen hatte. Der Demokratisierungsprozeß in Kambodscha machte mit der
erfolgreichen Veranstaltung von Wahlen Fortschritte,
erlitt jedoch auf Haiti einen Rückschlag, wo das Militär
die Rückkehr von Präsident Aristide verhinderte.
Gleichzeitig setzten sich die Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt fort. Besondere Besorgnis riefen 1993 bei uns die folgenden Vorfälle hervor:
Folter, willkürliche Festnahme, Straffreiheit für Menschenrechtsverletzer sowie die Tatsache, daß die
Rechte von Frauen, Kindern, Eingeborenen und Arbeitnehmern in vielen Teilen der Welt mit Fü ßen getreten werden.
1993 waren jedoch auch positive Tendenzen zu verzeichnen. Staaten, die im Rahmen der Vereinten
Nationen, der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAE) zusammenarbeiten, unterstützten neue Demokratien, vermittelten in Konflikten
und unternahmen Schritte, um sich gegenseitig für
Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu
ziehen. Auf der ganzen Welt verbreiteten sich Basisgruppen zur Förderung von Menschenrechten und
Demokratie, während die Menschen ihre unveräußerlichen Rechte einforderten und ihre Regierungen zur
Verantwortung zogen.
I. Bewaffnete Konflikte
In Bosnien, dem Sudan, Burundi, Somalia, Angola,
Irak, Aserbaidschan, Georgien und andernorts führten
bewaffnete Konflikte zu einer großen Zahl von Zivilopfern, Flüchtlingsströmen und Menschenrechtsverletzungen. Viele der Konflikte wurden von unverantwortlichen Politikern geschürt, die die Angst der Menschen ausnutzten.
In vielen Gebieten des ehemaligen Jugoslawien dauert das Gemetzel an. 1993 wurden, wie schon 1992,
Angehörige aller Nationalitäten gequält, und es waren

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zahlreiche Verletzungen der Genfer Konventionen zu
beobachten. Die Streitkräfte der bosnischen Serben
setzten mit Unterstützung Belgrads und der serbischen paramilitärischen Truppen hartnäckig ihr Programm der"ethnischenSäuberungen"fort, einschließlich der Belagerung von Städten, dem wahllosen
Beschuß von Zivilisten, der Vergewaltigung und Exekution von Nichtkombattanten und der Behinderung
humanitärer Hilfslieferungen. Die Kriegshandlungen
wurden 1993 ungehindert fortgesetzt, wobei auch die
bosnische Regierung und die kroatischen Streitkräfte
ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen begingen.
Im Sudan machten sich sowohl die Regierung als auch
die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (Sudanese
People's Liberation Army - SPLA) weitverbreiteter
Menschenrechtsverletzungen schuldig, darunter Folter, Zwangsumsiedlungen und Massaker an Zivilisten.
In Somalia wurde durch die internationalen humanitären Hilfsleistungen zwar eine Hungersnot großen
Ausmaßes verhindert, die meisten Somalier setzten
sich jedoch überdie Vorschriften sowie den Schutz der
Rechtsstaatlichkeit und sozialen Ordnung hinweg.
Im Irak setzte Saddam Husseins Regime seine eklatanten Menscherechtsverletzungen fort, indem es
militärische Operationen gegen Zivilisten durchführte,
Dörfer niederbrannte und dem Erdboden gleichmachte und die Menschen zum Verlassen ihrer Häuser
zwang, insbesondere die in den Sumpfgebieten im
Süden des Irak lebenden Schia-Araber.
In Aserbaidschan führte der fortdauernde Konflikt über
Nagomyj Karabach bei allen Konfliktparteien zu Menschenrechtsverletzungen.
In der georgischen Provinz Abchasien begannen
abchasische Separatisten ein Schreckensregime,
nachdem sie durch eine erfolgreiche Offensive Kontrolle über die Provinz erlangt hatten. Eine Vielzahl
georgischer Zivilisten und Truppen wurden Opfer von
Folterungen oder Massenexekutionen.
II. Versöhnung
Trotz dieses Blutvergießens war 1993 auch ein Jahr,
im dem einige Länder unter Überwindung von Schwierigkeiten einer Versöhnung näherkamen. 1964 schrieb
Nelson Mandela:
"Ich habe gegen die Herrschaft der Weißen
gekämpft, und ich habe gegen die Vorherrschaft
der Schwarzen gekämpft. Ich habe das Ideal
einer demokratischen und freien Gesellschaft in
Ehren gehalten, in der alle Menschen in Harmonie miteinander leben und Chancengleichheit
herrscht. Es ist ein Ideal, für das ich lebe und
das ich hoffentlich erreiche."
Dreißig Jahre späterführten Nelson Mandela und F.W.
de Klerk ihr Land zu diesem Ideal.
Seite 3

�Auch beim Friedensprozeß im Nahen Osten wurden
Fortschritte erzielt. An einem warmen Septembertag
in der Bundeshauptstandt Washington wurde die Welt
Zeuge des historischen Händedrucks zwischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und PLO-Führer Yassir
Arafat, der jahrelang andauernde Konflikte überwand.
In diesem Moment vereinigten die beiden Männer die
Hoffnungen ihrer Völker auf Frieden.
Im einst von Bürgerkrieg erschütterten El Salvador
vollendete die UN-Wahrheitsfindungskommission ihre
Untersuchungen der im letzten Jahrzehnt begangenen Menschenrechtsverletzungen und empfahl spezifische Maßnahmen zur Förderung des Versöhnungsprozesses.
In Mosambik waren beim politischen Versöhnungsprozeß zwar viele Rückschritte zu verzeichnen, die
Umsetzung der Friedensvereinbarungen von 1992
wurde jedoch fortgesetzt, wodurch die Mosambikaner
größeren Schutz vor Menschenrechtsverletzungen
sowie die Chance auf mehr bürgerliche und politische
Rechte erhalten.
Obwohl die Menschenrechtsverletzungen in diesen
Ländern andauerten, werden auch Fortschritte erzielt.
III. Demokratie
Im Jahr 1993 träumten Menschen auf der ganzen Welt
von Demokratie. Es waren Fortschritte und Rückschläge zu beobachten. In Kambodscha nahmen
nach der historisch größten UN-Friedensmission 90
Prozent der Wahlberechtigten an freien und fairen
Wahlen teil - den ersten in einem Jahrzehnt - und
schufen somit die Möglichkeit einer langfristigen
demokratischen Evolution. Die verbleibenden 370.000
kambodschanischen Flüchtlinge, die überwiegend an
der Grenze zu Thailand lebten, wurden unter Aufsicht
des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen aus freiem Entschluß in ihre Heimat zurückgeführt.
Im Gegensatz dazu verhinderte das Militär auf Haiti
weiterhin die Rückkehr des demokratisch gewählten
Präsidenten Aristide. Eng mit dem Militär verbündete
rechtsradikale Mörderbanden ermordeten den rechtmäßig ernannten Justizminister und verübten gezielt
Mordanschläge auf bestimmte Personen.

Fortschritte bei bürgerlichen und politischen Rechten
gab es Rückschläge, vor allem während der gewalttätigen Verfassungskrise im Oktober.
In Burma weigerten sich die Militärbehörden weiterhin,
die Ergebnisse der Wahlen vom Mai 1990 umzusetzen, bei denen ihre Herrschaft abgelehnt worden war.
In Nigeria machte das Militär die Wahlergebnisse
zunichte, löste alle demokratischen Institutionen auf
und regiert das Land jetzt per Dekret.
In Burundi wurde der erste demokratisch gewählte
Präsident ermordet, was einen blutigen Konflikt auslöste.
Die Grundlage einer demokratisch gewählten Regierung ist das Recht der Bürger, ihre Regierung durch
freie und faire Wahlen zu bestimmen. Wahlen sind
natürlich nicht der Inbegriff einer Demokratie, aber
eine Grundlage. Demokratie erfordert auch die Schaffung bürgerlicher Gesellschaften, in denen die Menschen sich uneingeschränkt am demokratischen Prozeß beteiligen können. Rechtsstaatlichkeit, bürgerliche Kontrolle des Militärs, eine unabhängige Gerichtsbarkeit, freie Medien und das Recht der Menschen auf
Rede-, Koalitions- und Versammlungsfreiheit sind
unabdingbare Elemente demokratischer Gesellschaften.
IV. Folterung, willkürliche Verhaftung und die
Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern
Gravierende Verletzungen der Menschenrechte fanden nicht nur in von Kriegen erschütterten Ländern
statt. Menschenrechtsverletzungen kamen auch weithin in Ländern vor, in denen die Verletzer nicht zur
Rechenschaft gezogen wurden. Wenn Menschenrechtsverletzer straffrei ausgehen, multiplizieren sich
die Menschenrechtsverletzungen.
Im Iran nimmt die Regierung nach wie vor Folterungen
und Massenexekutionen vor und unterbinde die Rede-, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit.
Gruppen religiöser Minderheiten, einschließlich der
Bahai, sehen sich systematischer Unterdrückung ausgesetzt.

Nordkorea ist weiterhin eines der repressivsten Länder
der Welt. Die Regierung erachtet die Rechte des
In Guatemala wurde Präsident Jorge Serrano friedlich einzelnen als potentiell subversiv für die Ziele des
und verfassungsmäßig entmachtet, nachdem er mehrere Staats und der Partei.
Artikel der Verfassung außer Kraft gesetzt sowie den
In Burma verstärkt das autokratische Militärregime
Kongreß, den Obersten Gerichtshof und das Verfasseine Macht mit einem perversen Sicherheitsapparat.
sungsgericht aufgelöst hatte. Als der Kongreß wieder
Die Menschen werden willkürlich verhaftet und Gefanzusammentrat, wählte er Ramiro de Leon Carpio, den
gene mißhandelt. Den Bürgern werden grundlegende
ehemaligen Menschenrechts-Ombudsman, zum Präpolitische Rechte sowie das Recht auf Rede- und
sidenten.
Versammlungsfreiheit verweigert.
In Ru ßland wurden zum zweiten Mal in der Geschichte Zaire erlebt die schlimmste Menschenrechtskrise seit
des Landes demokratische Parlamentswahlen abge- dem Ende des Bürgerkriegs in den sechziger Jahren.
halten. Trotz dieses Ereignisses und kontinuierlicher
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AMERIKA DIENST 6

�Das Mobutu-Regime war verantwortlich für massive
Menschenrechtsverletzungen, einschließlich von
Morden, unrechtmäßigen Verhaftungen, ethnischer
Gewalt, Folterung und dem Verschwinden von Personen.

widmet. Physische Mißhandlungen sind das offenkundigste Beispiel. In vielen afrikanischen Ländern dauert
die Praxis der Verstümmelung weiblicher Genitalien
an. In Pakistan sehen sich zahlreiche Frauen in
Polizeigewahrsam sexueller oder physischer Gewalt
ausgesetzt. Auf mehreren Kontinenten werden FrauIn China werden in der chinesischen Verfassung ver- en und Kinder als Prostituierte verkauft. In vielen
ankerte Grundrechte in der Praxis häufig ignoriert, und Golfstaaten werden Hausangestellte aus Südostasien
Angriffe auf die politische Autorität der Kommunisti- zu übermäßig langen Arbeitszeiten gezwungen und
schen Partei werden oft hart und willkürlich abgewehrt. gelegentlich physisch und sexuell mißbraucht. In
China hat einige positive, aber kleine Schritte im Be- Bangladesch und Indien kommen immer noch Todesreich der Menschenrechte unternommen, einschließ- fälle aufgrund der Mitgift vor. Vergewaltigung in der
lich der Freilassung prominenter politischer Gefange- Ehe wird in zahlreichen Ländern nicht als Verbrechen
ner. Es gibt jedoch noch immer Hunderte, vielleicht angesehen, und zu Hause vergewaltigte oder geschlaTausende politische Gefangene. Berichte über physi- gene Frauen haben häufig keine Zuflucht. Daß das
sche Mißhandlungen dauern an, darunter durch die Leben einer Frau nicht so hoch bewertet wird wie das
Polizei und Gefängniswärter vorgenommene Folte- eines Mannes ist offenkundig in Ländern wie China, wo
rungen. Dies traf besonders auf politisch aufsässige Berichten zufolge sehr viel mehr weibliche Föten
und von Minderheiten bewohnte Regionen wie Tibet abgetrieben werden als männliche.
zu. Im November gab China bekannt, es werde einen
Antrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Neben physischer Mißhandlung werden die politischen,
für einen Besuch in China wohlwollend in Erwägung bürgerlichen und gesetzlich verankerten Rechte von
ziehen.
Frauen häufig verweigert. 1993 sahen sich Frauen auf
der ganzen Welt gravierenden und diskriminierenden
In Peru nahmen die Terroraktivitäten des Leuchtenden Einschränkungen solcher Grundrechte wie freie Wahl,
Pfads nach der Gefangennahme ihres Anführers im Heirat, Reisen, Aussagen vor Gericht, Erben und
Jahr 1992 ab. Die Anzahl der von der Regierung Besitz von Eigentum sowie Sorgerecht für die Kinder
ermittelten und verurteilten Morde und verschwunde- ausgesetzt. Allzuoft erleben Frauen und Mädchen,
nen Personen verringerte sich ebenfalls. Dennoch daß ihnen der Zugang zu Bildung, Beschäftigung,
dauerten Menschenrechtsverletzungen an und ernst- Gesundheitsfürsorge und sogar Nahrungsmitteln aufhafte Fragen bezüglich der Rechtmäßigkeit von Mili- grund ihres Geschlechts verwehrt wird.
tärgerichtsverfahren für Zivilisten wurden aufgeworfen.
VI. Die Rechte der Arbeitnehmer
In Kuba untersagt die Regierung inländischen oder
internationalen Menschenrechtsgruppen, legal tätig
zu werden. Menschenrechtsaktivisten und politische
Dissidenten werden durch die Polizei und die Sicherheitsbeamten systematisch belästigt, geschlagen und
auf andere Weise mißhandelt.
In der Türkei begingen Terrorgruppen der Regierung
und auch der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Folterungen.
In Ägypten dauerten die Folterungen und andere
Menschenrechtsverletzungen an. Als einen positiven
Schritt ließ der Oberste Gerichtshof des Landes 25
Angeklagte frei, deren Geständnisse unter Folter erzwungen worden waren.
In Indonesien gab es immer wieder Fälle von ungesetzmäßigen Festnahmen und Inhaftierungen sowie
Folterungen der Festgenommenen. In Osttimor konnten keine maßgeblichen Fortschritte bei der Rechenschaft über die Vermißten nach der Schießerei im
November 1991 in Dili verzeichnet werden.
V. Die Rechte von Frauen
1993 haben wir dem Problem gravierender Diskriminierung von Frauen besondere Aufmerksamkeit geAMERIKA DIENST 6

In zu vielen Ländern erfüllt das Recht der Arbeitnehmer auf Koalitionsfreiheit - das vornehmste Recht, auf
das Gewerkschaften ihre Fähigkeit zu Tarifverhandlungen, Verteidigung der Beschwerden ihrer Mitglieder
und deren Schutz vor unfairen und unsicheren Arbeitsbedingungen gründen - die von der Internationalen
Arbeitsorganisation (International Labor Organization
- ILO) festgesetzten Normen nicht. Es gibt vielfältige
Beschränkungen der Koalitionsfreiheit. Sie reichen
von direkter und totaler staatlicher Kontrolle aller Formen von Arbeitnehmerorganisationen zu so komplizierten Rechtsvorschriften, daß deren vollständige
Einhaltung praktisch unmöglich ist und den Behörden
den Vorwand zu willkürlichen Eingriffen bietet.
1993 dauerte die Praxis von Zwangsarbeit ebenso an
wie die Ausbeutung eingewanderter Arbeitnehmer,
vor allem Hausangestellter. In einigen Ländern existiert die Sklaverei noch immer, vor allem in Mauretanien und im Sudan. Angesichts der zunehmenden
Sorge über die Auswirkungen des internationalen
Handels auf die Normen für Arbeitnehmerrechte konzentrieren sich die diesjährigen Berichte mehr auf
Kinderarbeit in Exportindustrien, auf Mindestlöhne und
Arbeitssicherheitsnormen. Unsere Berichte dokumentieren eine Reihe ernsthafter Probleme mit Kinderarbeit, insbesondere in Südasien und Nordafrika.
Seite 5

�VII. Rechenschaftspflicht
Angesichts der weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen, der Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern und dem Fehlen von Rechtsstaatlichkeit wurden 1993 auf internationaler Ebene gewisse Fortschritte bei der Entwicklung neuer globaler Institutionen zur Förderung der Rechenschaftspflicht bei Menschenrechtsverletzungen erzielt.

Die Organisation für Afrikanische Einheit war an den
Schlichtungsbemühungen in Burundi beteiligt, die zur
Lösung der Verfassungs- und humanitären Krise dieses Landes beigetragen haben.
Die Organisation Amerikanischer Staaten spielte bei
der Durchsetzung von Menschenrechten und rechtmäßigen Verfahren, vor allem in Nicaragua, eine wichtige Rolle.

Im Februar 1993 gründeten die Vereinten Nationen ein
Kriegsverbrechertribunal zur Verfolgung der für gravierende Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Jugoslawien Verantwortlichen. Bis Ende des
Jahres waren alle Richter vereidigt.

VIII. Basisbewegungen für Menschenrechte und
Demokratie

Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) war eine treibende Kraft, die Länder
bei der Einhaltung von Menschenrechtsnormen zur
Rechenschaft zu ziehen. Im September veranstaltete
die KSZE eine Überprüfungskonferenz, um die Fortschritte aller Teilnehmerstaaten bei der Umsetzung
ihrer Verpflichtungen im Rahmen der "menschlichen
Dimension", einschließlich von Menschenrechten,
Grundfreiheiten und Rechtsstaatlichkeit zu beurteilen.
Die KSZE war darüber hinaus aktiv an der Schlichtung
von Streitigkeiten beteiligt, vor allem durch die Arbeit
des Hochkommissars für nationale Minderheiten. In
Lettland und Estland prüften die KSZE und andere
internationale Wahrheitsfindungsmissionen Beschuldigungen wegen Menschenrechtsverletzungen. Obwohl
sie keine systematischen Menschenrechtsverletzungen ausmachen konnten, forderten sie diese Regierungen zur Verabschiedung eines umfassenden Ansatzes zum Bürger- und Ausländerrecht sowie zur
Sicherstellung der gerechten und nichtdiskriminierenden Behandlung von in ihren Ländern lebenden gebürtigen Russen auf. Lettland und Estland haben beide
der Einrichtung von KSZE-Missionen zur Verbesserung ihrer Beziehungen zugestimmt.

gen dokumentieren und ihre Regierungen in die Verantwortung nehmen. Diese Wächter der Menschenrechte verkörpern Hoffnung. Inmitten der Menschenrechtsverletzungen von 1993 gibt es auch eine andere
Geschichte, die der zahllosen Männer und Frauen, die
sich erhoben und "Nein("sagten, Nein zu Ungerechtigkeit, Nein zu Tyrannei, Nein zu Folterung und Nein zu
Zensur. Wir würdigen diejenigen, die gegen große
Unbilden bei der Förderung von Menschenrechten und
Demokratie ankämpfen:

Die Bereitschaft der Nationen, sich gegenseitig bei
Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu
ziehen, spiegelt die Arbeit von Einzelpersonen wider,
Aufgrund der Empfehlung der im Juni in Wien veran- ihre eigenen Regierungen in die Verantwortung zu
stalteten Weltkonferenz über Menschenrechte rief die nehmen. Weltweit unterstützten Basisbewegungen
UN-Generalversammlung das Büro des Hochkommis- 1993 die Verbreitung von Menschenrechten, Freiheit
sars für Menschenrechte mit dem Mandat ins Leben, und Demokratie. Das Engagement dieser Menschen,
alle Hemmnisse gegen die uneingeschränkte Wahr- die mit Hilfe von nichtstaatlichen Organisationen arbeinehmung grundlegender Menschenrechte abzubau- ten, fand in der Abschlu ßerklärung der im Juni in Wien
abgehaltenen Weltkonferenz über Menschenrechte
en.
Niederschlag - daß der einzelne, und nicht der Staat,
Die Weltkonferenz empfahl darüber hinausdie Einrich- im Zentrum von Entwicklung steht. Darüber hinaus
tung eines Sonderberichterstatters für Gewalt gegen darf Unterentwicklung niemals MenschenrechtsverletFrauen. Die Menschenrechtskommission wird dieses zungen rechtfertigen. Es besteht in der Tat eine
Projekt 1994 in Angriff nehmen.
wichtige Verbindung zwischen Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung: Der Schutz von MenIn der Zwischenzeit veranlaßte das UN-Menschen- schenrechten und die uneingeschränkte Beteiligung
rechtszentrum Berichterstatter zu einer Einschätzung des einzelnen an seinem eigenen politischen System
der Lage in Ländern wie Burma, Irak und Kuba, wo schaffen den notwendigen Rahmen für Entwicklung.
Menschenrechte weitgehend mißachtet werden. Andere
Gremien wie das Komitee gegen Folter überwachten Menschenrechte werden ohne die konstante Wachdie Einhaltung von UNO-Verträgen und -Konventio- samkeit mutiger Einzelpersonen nicht geschützt, die
nen.
Menschenrechte fördern, Menschenrechtsverletzun-

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Monique Mujawamariya, die in Ruanda und
Burundi arbeitet, und ihresgleichen, deren Körper die Narben von Mörderbanden als Preis für
die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen tragen,
Mansour Kikhiya aus Libyen und alle anderen
"Verschwundenen", die aufgrund ihrer Arbeit für
Menschenrechte verschleppt wurden,
Liu Gang, die in China inhaftiert ist, und alle, die
für die friedliche Artikulierung ihrer Meinung gefangengenommen wurden,

AMERIKA DIENST 6

�Sebastian Arcos aus Kuba und alle, die sich
weigern zu schweigen, wenn andere mißhandelt werden,
Aung San Suu Kyi, die sich seit nunmehr fünf
Jahren in Burma in Hausarrest befindet, und
alle, die um den Preis ihrer eigenen Freiheit für
Freiheit kämpfen,

schen Wandel Auftrieb gewann. In diesem Jahr bekräftigte die internationale Staatengemeinschaft ihre
Verpflichtung zum Schutz und zur Förderung der
Menschenrechte in Wien beim 45. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Macht
dieser Bewegung wurde von Eleanor Roosevelt in
einer Rede vor den Vereinten Nationen im Jahr 1958
mit folgenden Worten wiedergegeben:

die Mitarbeiter des Tageszeitung von Sarajevo,
Oslobodjenje, und alle, die für eine freie Presse
arbeiten und demonstrieren, daß Serben und
Kroaten, Muslime und Juden friedlich Seite an
Seite arbeiten und leben können.
Wir würdigen diese Menschen und die Zehntausenden
mutiger Arbeiter für Menschenrechte auf der ganzen
Welt.
Das Jahr 1993 war ein schwieriges Jahr für die Menschenrechte, ein Jahr, in dem Rückschläge die in
einigen Teilen der Welt erzielten Fortschritte aufwiegen. Paradoxerweise war es auch ein Jahr, indemder
tägliche Kampf für Menschenrechte auf globaler, nationaler und lokaler Ebene mehr Aufmerksamkeit erhielt als je zuvor, ein Jahr, in dem die weltweite
Basisbewegung für Menschenrechte und demokrati-

"Wo beginnen Menschenrechte eigentlich? An
kleinen Orten, in unmittelbarer Umgebung - so
unmittelbar und klein, daß sie auf den meisten
Weltkarten nicht wahrnehmbar sind. Und dennoch sind sie die Welt der Einzelperson, die
Nachbarschaft, in der man lebt, die Schule oder
das College, das man besucht, die Fabrik, Farm
oder das Büro, in dem man arbeitet. Das sind
die Orte, wo jeder Mann, jede Frau und jedes
Kind Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminerung anstrebt. Wenn diese
Rechte dort keine Bedeutung haben, bedeuten
sie nirgendwo etwas. Ohne Aktionen besorgter
Bürger, sie in ihrer unmittelbaren Umgebung zu
wahren, werden wir alle vergeblich nach Fortschritten auf der Welt Ausschau halten."

* * * * *

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�USA-EUROPA
9. Februar 1994

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA:
DAS VERGANGENE UND DAS KOMMENDE JAHR
Rede von Abteilungsleiter Oxman
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wirdievomAbteilungsleiterfüreuropäischeund kanadische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stephen A. Oxman, am 27. Januar 1994 bei dem vom Europe
Magazine veranstalteten Forum gehaltene Rede.

Dies ist eine besonders geeignete Zeit, um Bilanz der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa zu ziehen. Erst vor zwei Wochen reiste
Präsident Clinton zum historischen NATO-Gipfel und
anderen ebenso bedeutenden Gesprächen nach Europa. Die Ergebnisse dieser Reise waren wichtig und
konkret. Die Öffentlichkeit widmete ihre Aufmerksamkeit natürlich zu Recht der Partnerschaft für Frieden
und der Bekräftigung seitens derNATO, sie sei füreine
Erweiterung ihrer Mitgliedschaft als Teil eines evolutionären Prozesses offen. Darüber hinaus haben wir
auch die nukleare Gefahr weiter gebannt, die in den
letzten 50 Jahren unser kollektiver Alptraum war,
indem wirden Weg zur Entnuklearisierung der Ukraine
geebnet und mit Rußland vereinbart haben, daß unsere Tausende nuklearer Gefechtsköpfe nicht länger
gegen unsere jeweiligen Städte gerichtet sind. Und
schließlich führte uns das Treffen des Präsidenten mit
Yassir Arafat - obwohl dies nicht in meinen Aufgabenbereich fällt - die großen Fortschritte vor Augen, die wir
zu einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten erzielt
haben.
Diese dramatischen Ereignisse waren jedoch bei weitem nicht die einzigen wichtigen Aspekte der Reise des
Präsidenten. In der Tat kann die Reise als Anlaß
genommen werden, die Leistungen von Präsident
Clintons erstem Amtsjahr zu rekapitulieren, und als
Leitfaden für die von uns im nächsten Jahr angestrebten Leistungen dienen. Ich möchte zunächst über die
von Präsident Clinton mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel geführten
Gespräche und sein Treffen mit Politikern aus Mittelund Osteuropa in Prag berichten. Dann möchte ich auf
den NATO-Gipfel eingehen. Und abschließend werde

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ich kurz einige Anmerkungen zu den Auswirkungen
des ersten Staatsbesuchs des Präsidenten in Europa
machen.
Erstens, Präsident Clintons Gespräch mit Präsident
Delors und Ministerpräsident Papandreou, das sich
auf Wirtschaftsfragen konzentrierte. Wie Sie wissen,

steht das Versprechen des Präsidenten zur Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft im Brennpunkt
unserer Außen- wie auch unserer Innenpolitik. Die
Staats- und Regierungschefs der EU sind ebenso
besorgt um die Wiederbelebung ihrer jeweiligen Volkswirtschaften. Wir konzentrieren uns auf die Stimulierung unserer Wirtschaft durch vermehrten Handel, und
wir haben beeindruckende Fortschritte bei der Off nung
von Märkten und dem Abbau von Handelsschranken
erzielt.
In ihren Gesprächen haben Präsident Clinton und die
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
zunächst eine Bilanz der bemerkenswerten Fortschritte gezogen, die wir im vergangenen Jahr bei der
Öffnung von Märkten und dem Abbau von Handelsschranken gemacht haben. Wir erzielten Einigung
unter der G-7 über ein Paket zur Verbesserung des
Marktzugangs. In Zusammenarbeit mit der EU haben
wie einen erfolgreichen und weitreichenden Abschluß
der Uruguay-Runde herbeigeführt. Wir haben femer
die Ratifizierung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens durch den Kongreß sichergestellt.
Zusammengenommen werden diese Leistungen Märkte
für Exporte in Milliardenhöhe öffnen und Millionen von
Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten scharfen.
Unsere Handelspartner in Europa und andernorts werden
gleichermaßen davon profitieren. Dies sind historische Leistungen.
Seite 1

�Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
haben sich auch auf eine gemeinsame wirtschaftliche
Tagesordnung für das nächste Jahr verständigt. Wir
werden erstens unser Ziel weiterverfolgen, Handelsschranken abzubauen und den Zugang zu Märkten auf
der ganzen Welt zu verbessern. Wir werden die
Ratifizierung und Umsetzung des GATT-Abkommens
voranbringen. Wir werden versuchen, unsere verbleibenden Differenzen in wichtigen Bereichen wie audiovisuelle und finanzielle Dienstleistungen beizulegen.
Darüber hinaus werden wir auch Angebote zu verbessertem Marktzugang von Japan und anderen Ländern
einholen um sicherzustellen, daß unsere Produkte
eine faire Wettbewerbschance haben.
Zweitens stimmten der Präsident und die Staats- und
Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft
überein, die Schaffung von Arbeitsplätzen an oberste
Stelle unserer Prioritätenliste zu stellen. Die EU sieht
sich mit anhaltender hoher Arbeitslosigkeit und schleppendem Wachstum konfrontiert. Präsident Delors
Weißbuch war ein wichtiger Schritt zur Inangriffnahme
dieses Problems. Die Vereinigten Staaten verzeichnen einen wirtschaftlichen Aufschwung - angekurbelt
durch den Wirtschafts- und Haushaltsplan des Präsidenten - müssen jedoch noch mehr Arbeitsplätze
schaffen, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, wie
Präsident Clinton neulich feststellte. Aus diesem
Grund müssen wir und die europäischen Länder Mittel
und Wege finden, um all unseren Arbeitnehmern gute
und hochbezahlte Arbeitsplätze bieten zu können. Die
von der Administration fürdieses Frühjahr anberaumte
Konferenz zur Schaffung von Arbeitsplätzen wird es
uns gestatten, unsere jeweiligen Bestrebungen auszuwerten, Gedanken auszutauschen und sich gegenseitig verstärkende Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen auf der ganzen Welt zu entwickeln.
Drittens müssen wir beginnen, die nächste Generation
von Handelsfragen anzusprechen. Vielfach wird die
Auffassung vertreten, die Uruguay-Runde werde sich
als die letzte große multilaterale Verhandlungsrunde
erweisen, die sich auf den Abbau von Zöllen und
anderen Handelshemmnissen konzentriert. Unsere
Aufmerksamkeit wird sich jetzt Themen wie der Harmonisierung von Umweltschutzvorschriften mit internationalem Handel, der Handels- und Wettbewerbspolitik (einschließlich dem Kartellrecht und Subventionen) sowie Handels- und Arbeitsnormen zuwenden.
Die bahnbrechenden Bestimmungen des NAFTA zum
Umweltschutz sind ein gutes Beispiel für die Art von
Abkommen, die wir in der Zukunft anstreben.
Unsere wirtschaftlichen Leistungen und unsere Tagesordnung belegen in konkreter Weise einen Grund,
warum die Vereinigten Staaten die Integration Europas so uneingeschränkt unterstützen: Die Vorteile
einer Auseinandersetzung mit der Europäischen Union
bei Fragen wie dieser. Die durch die Europäische
Union verkörperte Einheit ist kein Mythos. Aus meiner
eigenen Erfahrung und durch das Treffen in Brüssel
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bekräftigt, kann ich sagen, wie wertvoll unsere Partnerschaft mit der Europäischen Union für die Vereinigten Staaten ist. Der Erfolg unserer wirtschaftlichen
Tagesordnung erfordert konstante, enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU
der Art, wie wir sie in den vergangenen Jahren erlebt
haben.
Eine der uns heute konfrontierenden Hauptaufgaben,
die auch ein wesentlicher Punkt bei der Reise des
Präsidenten war, ist die Ausweitung der europäischen
Integration nach Osten. Ich werde später auf die
Partnerschaft für Frieden eingehen - einen wichtigen
Schritt in diese Richtung. Bei den Gespächen mit den
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
und bei den Treffen des Präsidenten in Prag haben wir
jedoch darauf hingearbeitet, die Spaltung Europas aus
der Zeit des Kalten Krieges durch eine auf die gemeinsamen Werte Demokratie und Marktwirtschaft gegründete Integration zu ersetzen. Sowohl die EU als auch
wir stellen bereits beträchtliche Hilfe für die Länder
Mittel- und Osteuropas bei ihrem schwierigen Übergang zu demokratischen und freien Marktwirtschaften
bereit. Im nächsten Jahr werden die Vereinigten
Staaten nach neuen Wegen Ausschau halten, um
regionale Kooperation unter den neuentstehenden
Demokratien zu fördern. Wir werden uns femer auf die
Unterstützung der Ausweitung von Demokratie konzentrieren. Präsident Clinton hat beispielsweise bekanntgegeben, daß wir ein Demokratie-Netz schaffen
werden, das den unabhängigen Basisorganisationen
in der Region neue Ressourcen vermitteln wird.
Mehr als Hilfe benötigen diese Länder jedoch Handel,
der Arbeitsplätze und Wohlstand schafft und die Integration eines ehemals geteilten Europas konsolidiert.
Die EU und wir müssen zusammenarbeiten, um mehr
zur Öffnung unserer Märkte für Waren aus dem Osten
zu tun. Wir müssen uns vor Augen halten, daß offene
Märkte nicht nur den neuentstehenden Demokratien
Vorteile verschaffen. Wohlstand und Stabilität im
Osten werden zur Gewährleistung der Sicherheit in
ganz Europa beitragen. Und die Länder Mittel- und
Osteuropas sind nicht nur potentielle Exporteure, sondern
auch potentielle Importeure. Sie können neue Märkte
für westliche Waren und Dienstleistungen bieten.
Ich möchte mich jetzt dem NATO-Gipfel zuwenden.
Ich werde Sie jedoch noch einmal kurz auf die Folter
spannen: Bevor ich überdie Partnerschaft für Frieden
spreche, möchte ich einige der vom Bündnis bei dem
Gipfeltreffen unternommenen Schritte erläutern, um
die NATO zur Bewältigung der Sicherheitsbedrohungen der Zeit nach dem Kalten Krieg umzugestalten.
Historisch gesehen bestand die Aufgabe der NATO in
der Abschreckung und gegebenenfalls Zurückschlagung einer massiven Invasion ausdem Osten, und ihre
Streitkräfte waren auf die Erfüllung dieser Mission
ausgerichtet. Einer solchen Bedrohung sehen wir uns
heute nicht gegenüber. Instabilität, nicht Invasion, ist

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i
*

�heute unsere größte Angst. Und zur Bekämpfung
eines Frontalangriffs konzipierte Streitkräfte sind nicht
zwangsläufig gut an die Bewältigung solcher Probleme
wie ethnische oder regionale Konflikte und die Verbreitung von Nuklearwaffen angepaßt. Mehrere beim
Gipfel ergriffene Maßnahmen werden der NATO bei
der Reaktion auf diese neuen Gefahren behilflich sein.
Erstens verabschiedeten die Verbündeten unseren
Vorschlag zur Einrichtung einer gemeinsamen Eingreiftruppe (Combined Joint Task Forces - CJTF)
innerhalb der NATO. Diese gemeinsame Eingreiftruppe wird Planungsressourcen und Kommandos im
Hauptquartier bereitstellen, die das unverzügliche
Zusammenziehen und die Dislozierung von Streitkräften auf Ad-hoc-Basis ermöglichen. Diese Truppen
sollten auf Eventualfälle mit Ausnahme der umfassenden Verteidigung Westeuropas reagieren, die traditionell die militärische Aufgabe der NATO ist. Die gemeinsame Eingreiftruppe wird Operationen mit Streitkräften aus NATO-Mitgliedstaaten, gegebenenfalls
Operationen außerhalb des NATO-Territoriums und
Operationen zur Unterstützung der Vereinten Nationen, der KSZE oder der Partnerschaft für Frieden
ermöglichen. Die gemeinsame Eingreiftruppe ist somit
ein konkreter Schritt zur Verbesserung der Fähigkeit
der NATO, flexibel auf das breite Spektrum der heutigen Sicherheitsbedrohungen zu reagieren und wird
den NATO-Partnern behilflich sein, unverzüglich und
effektivzur Bewahrung des Friedens zu handeln, wenn
sie dies wünschen.
Zweitens wurde beim Gipfeltreffen die Entwicklung
von Sicherheitsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa angesprochen. Der Vertrag
von Maastricht verpflichtete die Europäische Union zur
Erarbeitung einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität - eine von den Vereinigten Staaten
begrüßte Entwicklung. Als Ergebnis der bei dem
Gipfel getroffenen Entscheidungen wird jetzt auch die
NATO diesen Prozeß unterstützen und ermutigen. Die
gemeinsame Eingreiftruppe wird es der Westeuropäischen Union oder den europäischen Ländern gestatten, vom NATO-Potential Gebrauch zu machen, selbst
wenn sich die NATO gegen ein Engagement entscheidet. Dies wird die europäische Integration fördern, die
Duplizität militärischer Strukturen vermeiden und ein
ausgewogeneres Gleichgewicht der Verantwortung
innerhalb der NATO zwischen Europa und den Vereinigten Staaten herstellen. Die amerikanischen Truppen in Europa werden nach wie vor der Eckpfeiler
unserer Verteidigung sein, aber ein starker europäischer Pfeiler der NATO ist ebenso wichtig.
Drittens entschied sich die NATO auch zur Intensivierung und Erweiterung ihrer Bestrebungen zur Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Sie wird
natürlich nicht versuchen, die in anderen Foren wie der
Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen stattfindenden Anstrengungen zu kopieren. Die NATO wird
jedoch einen Rahmen für politische und eventuell
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militärische Reaktionen auf die Bedrohung der Weiterverbreitung erarbeiten, der auf den zentralen Zweck
der NATO abgestimmt ist, die Sicherheit der Verbündeten zu schützen.
Bei dem Gipfeltreffen wurde auch die Bosnien-Frage
angesprochen. Die amerikanische Politik soll drei
Zielsetzungen erfüllen: Einen für alle Parteien akzeptablen tragfähigen Frieden zu erlangen, humanitäre
Hilfslieferungen bereitzustellen und die Ausweitung
des Konflikts zu verhindern. Die bosnische Situation
ist so frustrierend aufgrund der Tatsache, daß Frieden
nur erlangt werden kann, wenn die Parteien selbst sich
für die Einstellung der Kämpfe entscheiden, und sie
sind noch nicht dazu bereit. Wir werden sie weiterhin
ermutigen, in gutem Glauben einertragfähigen Lösung
zuzustimmen, und wir sind vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses nach wie vor zur Beteiligung an
einer Umsetzung durch die NATO bereit.
In der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten enorme Mengen an Hilfslieferungen
mit der Luftbrücke transportiert und per Fallschirm
abgeworfen undTausendenMenschendas Überleben
im Winter auf dem Balkan gesichert. Darüber hinaus
hat die NATO angeboten, Luftstreitkräfte zur Verfügung zu stellen, wenn die Vereinten Nationen um
Unterstützung der angegriffenen UNPROFOR-Truppen bitten, oder um die Abschnürung Sarajevos oder
anderer Gebiete in Bosnien zu verhindern. Diese
Androhung wurde beim Gipfel bekräftigt und - wie
Präsident Clinton betonte - wurde sie in voller Absicht
ihrer Ausführung gemacht. Wir halten uns an diese
Verpflichtung. Es scheint in der Tat, daß die Entschlossenheit der NATO eine Rotation der Srebrenica
schützenden UNO-Truppen möglich macht. Wir erwarten ferner, sehr bald den Plan der UN PROFOR zur
Öffnung des Flughafens von Tuzla zu erhalten, den die
NATO gegebenenfalls aus der Luft unterstützen wird.
Schließlich haben unsere Durchsetzung der Flugverbotszone, die Entsendung unserer Truppen zur Verstärkung des UNPROFOR-Bataillons in Makedonien
und unsere Warnung an Serbien, wir würden im Falle
von durch die Serben ausgelösten Gewaltakten im
Kosovo reagieren, bisher dazu beigetragen, eine
Ausweitung des Konflikts zu verhindern. Wir werden
weiterhin mit den Verbündeten zusammenarbeiten
und alles in unserer Macht Stehende tun, um das
Morden in Bosnien zu beenden - aber es kann keine
magische Lösung und keinen Frieden geben, solange
sich nicht alle Parteien dem Frieden verpflichten.
Nun möchte ich mich der "Schlagzeile" des NATOGipfels zuwenden: der Partnerschaft für Frieden sowie
der Erklärung, daß das Bündnis für eine Erweiterung
offen ist. Wir waren sehr dankbar für die starke und
positive Reaktion auf die Partnerschaft für Frieden von
Seiten unserer Verbündeten und der jungen Demokratien. Die Partnerschaft für Frieden wurde jedoch
bisweilen kritisiert, sie gehe nicht weit genug, um die

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�Sicherheit der Länder Mittel- und Osteuropas zu
gewährleisten, und insbesondere, weil sie ihnen nicht
eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO anbiete.
Eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO erscheint
wie eine einfache Lösung des Sicherheitsproblems in
Osteuropa, aber - wie H.L. Mencken feststellte: "Für
jedes komplizierte Problem gibt es eine geschickte,
plausible - und falsche - Lösung." Ich bin davon
überzeugt, daß die Partnerschaft für Frieden gegenüber der Politik einer sofortigen Erweiterung große
Vorteile hat. Sie wird in Partnerschaft verbundenen
Nationen die Chance bieten, auf militärischem und
verteidigungspolitischem Gebiet mit der NATO und
untereinander zusammenzuarbeiten und die Fähigkeit
zur Übernahme der aus einer NATO-Vollmitgliedschaft
resultierenden Verantwortung zu entwickeln. Sie wird
auch zur Schaffung eines wirklich integrierten Europa
beitragen, ohne neue Grenzen zu ziehen, die einige
Länder ausschließen. Und all das wird geschehen,
ohnedaßdie Fähigkeiten des Bündnisses geschwächt
oder seine Hauptaufgabe beeinträchtigt werden.
Die Kritiker der Partnerschaft für Frieden haben das
furchterregende Gespenst von München aus dem
Jahr 1938 wiederbelebt. Sie argumentieren, daß es
"Beschwichtigung" sei, die osteuropäischen Länder
nicht in die NATO aufzunehmen und einen neuen
Eisernen Vorhang zu ziehen, der den Rest Europas
von Rußland trennt. Meines Erachtens ist das eine
falsche Analogie zu Deutschland. Ich möchte Sie
vielmehr bitten, sich vor Augen zu halten, wie wir
Deutschland nach den beiden Weltkriegen behandelten - und zu welchem Ergebnis die jeweilige Politik
führte.
In Versailles wurde Deutschland von den Siegermächten isoliert und mit politischen und wirtschaftlichen
Strafmaßnahmen belastet. Dieser Ansatz schuf
Bedingungen, die den Aufstieg Hitlers begünstigten.
Im Gegensatz dazu haben wir Deutschland nach dem
Zweiten Weltkrieg in wirtschaftlicher und politischer
Hinsicht unterstützt und in Westeuropa integriert. Das
Ergebnis waren ein halbes Jahrhundert währender
Friede und Stabilität in Westeuropa.
Ich bin mir bewu ßt, da ß keine Analogie perfekt ist, aber
die Geschichte deutet darauf hin, daß angesichts
dieser zwei Optionen unsere heutige Politik gegenüber
Rußland wie unsere Politik 1945 aussehen sollte, und
nicht wie 1918. Und das ist genau der Ansatz, den wir
mit der Partnerschaft für Frieden verfolgen. Wir streben ein vollkommen integriertes Europa mit demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Staaten an,
die der Sicherheit ihrer Partner ebenso verpflichtet
sind wie die NATO-Staaten heute untereinander. Dieses
Ziel kann am besten erreicht werden, wenn wir Rußland erfassen und einladen, Teil dieses Prozesses zu
werden, anstatt es außen vor der Tür des neuen
Europa stehen zu lassen.

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Im kommenden Jahr wird eine unserer Hauptaufgaben
darin bestehen, die Partnerschaft für Frieden funktionsfähig zu machen. Ein führender polnischer Politiker sagte mir im vergangenen Jahr, bei der Partnerschaft für Frieden zählten die Details. Durch die
Details werden wir in der Lage sein, die Partnerschaft
zu einem wirksamen Instrument zur Förderung unseres Ziels eines integrierten Europa zu machen.
Während die künftigen Partner einen Antrag stellen,
machen sie auch Vorschläge, wieviele militärische
Mittel sie für die Partnerschaft zur Verfügung stellen
werden. Sie beschreiben die von ihnen zu ergreifenden Schritte zur Sicherstellung der zivilen Kontrolle
über das Militär und zur Offenlegung ihrer Verteidigungshaushalte. Die Partner werden Vertreter zum
NATO-Hauptquartier entsenden, die untereinander und
mit der NATO gemeinsame Übungen und Operationen
planen. Und wir erwarten, daß Ende dieses Jahres
gemeinsame friedenssichernde Geländeübungen
durchgeführt werden. Bei diesen Übungen werden
NATO-Truppen Seite an Seite mit ihren ehemaligen
Gegnern aus dem Warschauer Pakt zusammenarbeiten.
Und genau das meinen wir, wenn wir sagen, daß die
Partnerschaft für Frieden den jungen Demokratien bei
der Entwicklung von Zusammenarbeitsmechanismen
und routinemäßigen Konsultationen helfen wird, die
den Lebensnerv des Bündnisses darstellen. Die Teilnahme an der Partnerschaft ist keine Garantie für eine
NATO-Mitgliedschaft. Die Partnerschaft wird helfen
sicherzustellen, daß im Falle einer NATO-Erweiterung
die neuen Mitglieder den der NATO zugrundeliegenden politischen Prinzipien verpflichtet sind und bereitwillig die aus einer Mitgliedschaft resultierenden Pflichten übernehmen. Die Partnerschaft für Frieden ist die
richtige Politik für das Europa von heute. Sie gestattet
uns, auf das beste Ergebnis für Europa hinzuwirken,
während wir uns für den Notfall auf das Schlimmste
vorbereiten.
Ich möchte meine Ausführungen mit einer allgemeineren Bemerkung über den Stand unserer Beziehungen
zu Europa abschließen. In den vor der Reise des
Präsidenten liegenden Wochen und Monaten wurde
die Politik der Administration gegenüber Europa von
einigen Gelehrten kritisiert. Sie behaupteten, die
Administration sei sich nicht ausreichend bewußt, welche
Bedeutung Europa hat und daß wir auf die Führungsrolle Amerikas in der Welt verzichtet hätten.
Nach der Reise des Präsidenten hört man diese Kritik
nicht mehr so oft - und das aus gutem Grund. Sie war
damals nicht berechtigt und ist es auch heute nicht.
In seiner Rede im Brüsseler Rathaus bekräftigte Präsident Clinton erneut die Bedeutung unserer engen
Bande zu Europa. Er erklärte: "Europa bleibt für die
Interessen der Vereinigten Staaten von zentraler
Bedeutung, und... wir werden gemeinsam mit unseren

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�Partnern daran arbeiten, die sich uns allen bietenden
Chancen zu ergreifen." In seiner Rede zur Lage der
Nation von dieser Woche erinnerte der Präsident uns
an den Stellenwert von Stabilität und Sicherheit in
Europa für die Vereinigten Staaten.
Europa ist nicht - wie einige fürchten - von unserer
Tagesordnung gestrichen worden. Im Gegenteil: Die
Errungenschaften dieser Administration während ihres ersten Jahres sind eine Spitzenleistung an amerikanischem Engagement und Führungsrolle in Europa.
Der Einsatz des Präsidenten für freien Handel und
unsere engen Konsultationen mit der EU trugen entscheidend zu m Abschlu ß der Uruguay-Runde bei. Die
großen Leistungen des NATO-Gipfels - die Partnerschaft für Frieden, die Unterstützung einer europäischen Verteidigungsfähigkeit durch die NATO, die
gemeinsame Eingreiftruppe sowie die Schritte zur
Nichtverbreitung-waren das Ergebnis amerikanischer
Initiativen und enger Konsultationen mit unseren Verbündeten. Der Gipfel selbst war ein Vorschlag Präsident Clintons. Und wir waren an der Aushandlung des
trilateralen Abkommens über die ukrainischen Nuklearwaffen maßgeblich beteiligt.

Die Vereinigten Staaten werden weiterhin in Europa
engagiert bleiben. Zusätzlich zu der für dieses Frühjahr angesetzten Arbeitsplatzkonferenz wird Präsident
Clinton im Sommer dieses Jahres zweimal nach Europa reisen - im Juni zum Gedenken an die Invasion der
Normandie und im Juli zum G-7-Gipfel in Neapel.
Gegen Ende des Jahres werden wir eine Konferenz
über Handel und Investitionen in Mittel- und Osteuropa
abhalten und weiterhin mit der EU an verbessertem
Marktzugang für Waren aus dem Osten arbeiten.
Die Bande zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa sind einzigartig - Bande der Geschichte, Familie,
des Handels, der Sicherheit und vor allem des tiefempfundenen und leidenschaftlichen Engagements für das
Ideal der Freiheit des einzelnen. Diese Bande bilden
die Grundlage für unsere dauerhafte Partnerschaft.
Während des nächsten Jahres - und auch in absehbarer Zukunft - werden wir wie in der Vergangenheit eng
mit der Europäischen Union sowie unseren Freunden
und Verbündeten in Europa zusammenarbeiten, um
gemeinsam die uns konfrontierenden Herausforderungen anzugehen.
Ich danke Ihnen. Jetzt bin ich gerne bereit, Ihre Fragen
zu beantworten.

*

AMERIKA DIENST 6

*

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�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA entsetzt über Granatenanschlag auf Markt in Sarajevo&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Intensive Gespräche über Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erörterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wiedereröffnung des US-Generalkonsulats in Düsseldorf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft mit Deutschland könnte Europapolitik der USA leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Buch von Daniel Hamilton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Perry umreißt sechs grundlegende Aufgaben des Verteidigungsministers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatssauschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Westen kann Entwicklungen in Russland maßgeblich beeinflussen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Perry bei Wehrkundetagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ende des Kalten Krieges erhöht Notwendigkeit der Rüstungskontrolle &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des neuen ACDA-Direktors bei Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Fortschritte bei der Menschenrechtssituation 1993, Verletzungen dauern jedoch an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresübersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und Europa:&lt;br /&gt;das vergangene und das kommende Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleter Oxman&lt;/em&gt;</text>
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